Read: 1991 Nov 18 Finanzielle Herausforderungen


DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT
Bahá’í-Weltzentrum
18. November 1991

An die Anhänger Bahá’u’lláhs in jedem Land

Liebe Bahá’í-Freunde,
eine Zeit der Herausforderung für die unerschütterlichen Stützen der Sache Gottes ist nun genau zu einem Zeitpunkt über uns gekommen, in dem die Welt mit gewaltigen Problemen ringt – moralischen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Problemen. Durch die Zunahme von Größe und Einfluss ist die Bahá’í-Gemeinde an einen Punkt angelangt, an dem sie von allen Seiten und auf allen Ebenen auf die Probe gestellt wird. Die Gelegenheiten sind immens, aber uns stellt sich nun die Frage, ob wir mit voller Kraft voranschreiten, oder zurückhalten, weil die verfügbaren Mittel für die gesteckte Aufgabe unzureichend sind.
In den Ländern, in denen die Menschen in großer Zahl den Glauben angenommen haben, gewinnt der Prozess der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, verbunden mit der Gründung, Festigung und effektiven Funktionsweise von örtlichen Geistigen Räten immer größere Bedeutung und stellt für die internationalen Mittel des Glaubens eine hohe personelle und finanzielle Inanspruchnahme dar. In den Staaten des ehemaligen Ostblocks erlangt der Bedarf an Unterstützung in Form von Bahá’í-Literatur, Pionieren, Reiselehrern, der Gründung von örtlichen Zentren größere Dringlichkeit durch die außergewöhnliche Aufnahmebereitschaft, die von der geistig dürstenden Bevölkerung der Botschaft Bahu‘1Mhs geschenkt wird. Die Gelegenheiten für die Förderung der Sache Gottes in diesen Gebieten dürfen nicht unbeachtet an uns vorbei gehen.
Da die Zahl der Gläubigen ansteigt, nimmt auf nationaler Ebene die Komplexität der Strukturen der Bahá’í-Gemeinden zu, und Nationale Geistige Räte werden immer öfters von Regierungen und Nicht-Regierungs-Organisationen gebeten, Rat und Hilfe zu geben bei der Einhaltung der Menschenrechte, im Umweltschutz, bei der Förderung moralischer Erziehung und in der Überwindung der zerstörenden Wirkungen der Vorurteile und der zunehmenden Gesetzlosigkeit, die alle sozialen Strukturen untergraben. Ein gleichartiger Vorgang ist auch international zu beobachten.
Am Weitzentrum selbst haben die Bauarbeiten der Projekte am Berge Karmel begonnen. Diese Arbeiten bereiten Einrichtungen vor, die den zentralen Institutionen der administrativen Ordnung Bahá’u’lláhs für eine Zeit angemessen sind, in der sie die gewaltige Verantwortung auf ihre Schulter zu nehmen haben, die ihnen beim Beginn der Errichtung des Geringeren Friedens in der Welt aufgedrängt werden wird.
In den vergangenen vier Jahren nahmen die Spenden der Freunde an die internationalen Fonds des Glaubens ständig zu, und es war unsere Hoffnung und Erwartung, dass dieser Anstieg sich fortsetzen und im laufenden Jahr sogar beschleunigen würde. Doch im Gegenteil, seit dem letzten Ridván-Fest gab es einen plötzlichen Sturz der Spenden sowohl insgesamt an die internationalen Fonds wie auch für die Projekte am Bogen. Eine Krise wurde hervorgerufen, die sofort überwunden werden muss. In Reaktion auf die wachsenden Anforderungen der Lehrarbeit und der Projekte am Bogen haben wir bereits seit einigen Jahren die Ausgaben des Weltzentrums drastisch gekürzt und zahlreiche Projekte, die zwar wichtig, aber im Hinblick auf die derzeitige Finanzknappheit nicht verfolgt werden können, abgebrochen oder ruhen lassen. Diese Entwicklung darf nicht viel weiter fortgesetzt werden, ohne ernsthaft die Fähigkeit des Weltzentrums zu beeinträchtigen, mit einem durch die Interessen des Glaubens gebotenen Niveau zu wirken.
Wenn der finanzielle Bedarf in diesem und den unmittelbar vor uns liegenden Jahren gedeckt werden soll, müssen die Spenden an die internationalen Fonds des Glaubens wesentlich erhöht werden, anstelle abzunehmen.
Eine solche Anstrengung wird seitens der einzelnen Gläubigen Opfer erfordern, und ebenso die Umleitung von Mitteln für örtliche und nationale Projekte, die nicht unbedingt notwendig sind. Wir sind zuversichtlich, dass die Freunde auf diesen Aufruf antworten, wie sie es bereits in der von der iranischen Revolution im Jahre 1979 verursachten Krise taten, als von einem Augenblick zum andern 61 % der Einnahmen der internationalen Fonds ausfielen.
Dies ist das unmittelbare Erfordernis. Darüber hinaus besteht, so glauben wir, weltweit ein Bedarf, einen Grundsatz unseres Glaubens voll und ganz zu erkennen: dass Spenden an den Fonds einen integrierten Bestandteil des geistigen Lebens eines jeden Bahá’í darstellen und als die Erfüllung einer geistigen Verpflichtung angesehen werden sollten. In zu vielen Ländern haben wir unter den Lehrern der Sache eine Abneigung beobachtet, in die Präsentation der Lehren die Unterstützung des Fonds als einen natürlichen Teil des Bahá’í-Lebens mit einzuschließen. Mehr als einmal betont Bahá’u’lláh im Kitáb-i-Aqdas die Notwendigkeit, geistige und materielle Wege zu verbinden, um die Ziele unseres Glaubens zu erreichen. Shoghi Effendi hat seinerseits den Fonds als das Lebensblut des Glaubens bezeichnet.
Wir bitten alle Freunde dringend, der Bedeutung der finanziellen Unterstützung des Glaubens sowie der Auswirkung der Bahá’í-Aktivitäten auf die Lage der gesamten Menschheit ernsthafte Gedanken zu widmen.
Es ist unser inbrünstiges Gebet an der Heiligen Schwelle, dass Bahá’u’lláh Seine hingebungsvollen Anhänger in jedem Land erleuchten möge, sich vereint im Dienst für Seine Sache zu erheben, und dass Er ihre Opfer mit den Ausströmungen göttlicher Freigebigkeit belohnen möge.
Mit herzlichen Bahá’í-Grüßen
(gez.) Das Universale Haus der Gerechtigkeit

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