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MEMORANDUM

Den 30 Januar 1996

An: Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Von: Forschungsabteilung


Authentizität eines Sendschreibens für Führer und Leiter;
"Das Buch, das keiner berührt"; Ährenlese 128

In einem Brief vom 29. November 1995 an das Bahá'í-Weltzentrum unterbreitet Herr Roland Zimmel, ein Hilfsamtsmitglied für die Verbreitung des Glaubens in Europa, die Probleme von Herrn Jusuf Celebi. Zwei der von Herrn Celebi aufgeworfenen Fragen wurden an die Forschungsabteilung zur Bearbeitung weitergegeben und hier ist unsere Antwort.

Authentizität eines Sendschreibens

Herr Celebi schickt die Kopie eines Sendschreibens in deutsch mit dem Titel "Sendschreiben für Führer und Leiter". Dieses Sendschreiben wurde 'Abdu'l-Bahá zugeschrieben und erschien im ersten deutschen Bahá'í-Mitteilungsblatt, Sonne der Wahrheit, Nr. 9, SS 138-140. Herr Celebi fragt nach dem Datum des Sendschreibens und ob es in englisch vorliegt.

Wir konnten feststellen, daß dieser Abschnitt ganz sicher nicht ein Sendschreiben ist. Es scheint vielmehr eine Zusammenstellung aus Abschnitten der Heiligen Schriften und aus anderen Quellen zu sein. Den ersten Teil des Textes haben wir als aus den Schriften Bahá'u'lláhs entnommen festgestellt. Für jene Abschnitte, für die wir veröffentlichte englische Übersetzungen finden konnten, haben wir in der Reihenfolge, wie sie in der deutschen Umschrift erscheinen, die Belegstellen angegeben. (Anm. d. Ü.: Die Belegstellen beziehen sich auf die deutschen Ausgaben.)

1. Ährenlese, Bahá'í-Verlag, 1980, Abschn. 128, S. 240 ff

2. Ährenlese, Bahá'í-Verlag, 1980, Abschn. 145, S. 273

3. Auf den folgenden Abschnitt aus den Sendschreiben Bahá'u'lláhs scheint am Ende des Sendschreibens Bezug genommen zu werden, obgleich er nicht genau zitiert wird:

Wir haben gesagt: "Meine Gefangenschaft grämt Mich nicht, noch bedrückt Mich, was Mir die Hände Meiner Feinde zufügen. Was Mich härmt, ist das Verhalten Meiner Geliebten, die zwar Meinen Namen tragen, aber Taten begehen, die Mein Herz und Meine Feder zum Klagen bringen." (Botschaften aus 'Akká, 6:36)

Es ist uns nicht gelungen, die Quellen für den Rest des Textes zu identifizieren. So enthalten z.B. die Abschnitte über das Reich Gottes bekannte Themen, die sich oft in den Heiligen Schriften finden, aber wir haben dort keine Stellen gefunden, die mit dem Text genau übereinstimmen. Daher erscheint es uns möglich, daß das "Sendschreiben" eine Paraphrase oder Zusammenfassung von einzelnen Lehren durch einen oder mehrere Gläubige sein kann und nicht ein Sendschreiben 'Abdu'l-Bahás.

"Das Buch, das keiner berührt"

Herr Celebi interessiert sich auch für die Bedeutung einer Aussage im ersten Teil des fraglichen "Sendschreibens", die sich in der Ährenlese folgendermaßen findet:

"Meidet jede Art von Schlechtigkeit, denn solches ist euch verboten in dem Buch, das nur die zur Hand nehmen, die Gott von jedem Makel der Schuld gereinigt und zu den Gläubigen gezählt hat." (Zitiert nach Ährenlese, 128: 8)
(Anm. d. Ü.: Im engl. Text heißt es wörtlich nicht "zur Hand nehmen" sondern "berühren"; und ebenso nicht "den Gläubigen" sondern "den Gereinigten, den Geläuterten").

Obgleich es uns nicht möglich war, eine Interpretation dieser Aussage in den Bahá'í-Schriften zu finden, machen wir hier zwei Anmerkungen, die Herrn Celebi vielleicht helfen werden, zu einem eigenen Verständnis ihrer Bedeutung zu kommen. Erstens scheint die zitierte Aussage auf einen Vers in Sure 56 des Qur'an Bezug zu nehmen. Wir zitieren den Vers im Zusammenhang:

76. Siehe, es ist wahrlich ein edler Koran
77. In einem verborgenen Buch. (Das Original bei Gott)
78. Nur die Reinen sollen ihn berühren!
79. Eine Hinabsendung von dem Herrn der Welten!
(Reclam, Stuttgart 1962, Übersetzung Max Henning)

78. Dies ist der verehrungswürdige Koran,
79. Welcher in dem aufbewahrten (verhüllten) Buch (Allahs geschrieben) ist,
80. Und nur die Reinen dürfen ihn berühren,
81. Er ist eine Offenbarung vom Herrn des Weltalls.
(Goldmann, München, 1959, Übersetzung Ludwig Ullmann)

In einem der Standard-Koran-Kommentare wird gesagt, daß diese Verse Eigenschaften von Mohammeds Offenbarung kennzeichnen. Zu den ersten beiden Versen sagt der Kommentar:

Er ist wohl behütet ... kostbar in sich selbst und wohl verwahrt in seiner Reinheit; ... Niemand außer den Reinen soll ihn berühren, ... rein in Körper, Geist, Denken, Absicht und Seele; nur solche können wahre Verbindung zu seiner vollen Bedeutung erlangen..... (The Holy Qur'an, Text, Übersetzung (engl.) und Kommentar, 3. Ausgabe, Lahore, 1938)

Zweitens wird diese Aussage Bahá'u'lláhs von Shoghi Effendi in Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit, S. 52 zitiert. (Bahá'í-Verlag, 1969) Der Hüter bietet zwar keine Interpretation, aber es ist doch erhellend, den Zusammenhang zu studieren, in dem er das Zitat gebraucht.

Unmittelbar vor der zitierten Aussage Bahá'u'lláhs erwähnt der Hüter Bahá'u'lláhs Warnung, daß eine Bindung an die Welt und ihre Eitelkeiten, "(euch) verleiten, euren Gelüsten und gierigen Wünschen zu folgen und hindern euch am Betreten des rechten und herrlichen Weges."
Unmittelbar nach dem genannten Zitat hat der Hüter das aufgeführt, was Bahá'u'lláhs Versprechen für jene zu sein scheint, die den "rechten und herrlichen Wege" betreten und die dadurch ihr Leben und ihren Charakter gereinigt haben: "Ein Menschengeschlecht ... unvergleichlich in seiner Wesensart, soll erweckt werden, das mit den Füßen der Loslösung unter alle, die im Himmel und auf Erden sind, treten und den Mantel der Heiligkeit über alles werfen wird, was aus Wasser und Erde geschaffen wurde."
Memorandum der Forschungsabteilung zur Authenzität eines Sendschreibens für Führer und Leiter vom 30.1.96

Hamburg, den 10.06.2003 D:\Winword2\UHG\UHGMEM1.DOC Seite 1 von 2

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