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Die Gemeinde zu neuen Entwicklungsstadien führen
Schreiben des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 14. Juni 2006

Das folgende Schreiben des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat dürfte wegen der darin enthaltenen grundsätzlichen Hinweise zur Förderung des Fortschritts des Glaubens auch für die Bahá’í-Gemeinde Deutschland von großem Interesse sein. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Mitteilungsbulletins des Nationalen Geistigen
Rates der Schweiz, wo die deutsche Übersetzung des Briefes zuerst erschienen ist. Der Text ist mit nur geringfügiger Anpassung an den Sprachgebrauch in Deutschland übernommen worden.

Liebe Bahá’í-Freunde,

das Universale Haus der Gerechtigkeit hat Ihren Brief vom 3. Mai 2006 – Ihr Ressort Erziehung und Jugend betreffend – erhalten. Es hat verstanden, dass Sie bald ein institutionelles Treffen abhalten werden, um die Themen des laufenden Fünfjahresplans zu besprechen. Dort werden auch zwei Mitglieder des Internationalen Lehrzentrums anwesend sein. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat uns beauftragt, Ihnen das Folgende mitzuteilen.

Die Bahá’í-Freunde [Ihres Landes] haben in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht, indem sie den Institutsprozess beträchtlich ausgeweitet und intensive Wachstumsprogramme in den Regionalbereichen ... und ... eingerichtet haben. Was bis heute erreicht worden ist, lässt keinen Zweifel daran, dass es in Ihrem Land viele empfängliche Seelen gibt und dass die Strategien des Plans geeignete Mittel zur Verfügung stellen, sie zum Glauben anzuziehen. Sie dürfen darum mit Vertrauen und hohen Erwartungen in die Zukunft blicken.

Die Gemeinde des Größten Namens [Ihres Landes] kann sich nicht damit zufrieden geben, eine kleine, wenn auch bewunderte Minorität zu bleiben. Wenn die administrativen Vorkehrungen und Handlungsweisen, die während Jahrzehnten entstanden sind, die Gemeinde auch an einen gewissen Punkt gebracht haben, so müssen sie doch frischen Einsichten und Vorgehensweisen Raum geben, die die Gemeinde zu neuen Entwicklungsstadien bringen können. So ist etwa ein Erziehungsprogramm, das seinen Wert in der Beteiligung Jugendlicher, die zumeist aus Bahá’í-Familien stammen, bewiesen hat, gewiss lobenswert, aber eine Gemeinde, deren Sendung letztlich die Beeinflussung des Lebens von Millionen ist, muss Höheres anvisieren. Die Botschaft vom 27. Dezember 2005 des Universalen Hauses der Gerechtigkeit liefert den allgemeinen Rahmen für die Einheit des Denkens und Handelns. Aber selbst wenn die Einzelnen und Institutionen mit voller Annahme innerhalb dieses Rahmens zusammenarbeiten, ist es schwierig und herausfordernd, den Prozess des Beitritts in Scharen voranzubringen. Ein Opfer an Zeit und Anstrengung sowie innovatives Denken und tiefgehende Überlegung sind nötig, wenn die Hindernisse, die unveränderlich von Regionalbereich zu Regionalbereich je nach den verschiedenen Umständen entstehen, überwunden werden sollen. In dieser Hinsicht ist die enge Zusammenarbeit Ihrer Institution mit der Beraterin .... von besonderer Bedeutung.

Es besteht kein Zweifel, dass die Beratungen am institutionellen Treffen zu einer Reihe ehrgeiziger, aber erreichbarer Ziele für die Entwicklung der Regionalbereiche in Ihrem Land führen werden. Wenn aber das Wachstumspotenzial verwirklicht werden soll, ist es unerlässlich, dass die beiden komplementären Bewegungen, die im Herzen der laufenden Serie von globalen Plänen liegen, weitere Impulse von Ihrer Institution erhalten. Sie sind dazu herausgefordert, eine aufrichtige Antwort der Gläubigen hervorzurufen, sicherzustellen, dass die Energien nicht vergeudet werden, und Ressourcen bereit zu stellen, wo sie benötigt werden. Zudem werden Ihre Mitglieder als die gewählten Vertreter der Gläubigen Schulter an Schulter mit ihren Mit-Bahá’í an den Vorposten der Aktivitäten arbeiten, ihre Herausforderungen teilen und das gute Beispiel einer ungeteilten Mitarbeit geben müssen. In diesem kritischen Augenblick im Geschick des Glaubens kann kein Gläubiger, sei er altgedient oder neu erklärt, eine passive Hinnahme der Vorkehrungen des Plans als angemessene Antwort auf die Bedürfnisse der Stunde ansehen.

Zwei Themen verdienen die besondere Aufmerksamkeit Ihres Rates; Sie werden es hilfreich finden, darüber mit den Mitgliedern des Internationalen Lehrzentrums und [Ihrer Beraterin] während des institutionellen Treffens zu beraten. Das erste bezieht sich auf die Frage der Kultur. Wohl ist bei jedem Kontakt mit der Öffentlichkeit Weisheit erforderlich, aber das Haus der Gerechtigkeit denkt, dass die Tendenzen zu einem aggressiven Säkularismus in [Ihrer] Gesellschaft keine übertriebenen Sorgen über die Wahrnehmung des Glaubens schaffen sollten. Die Versuchung sollte vermieden werden, unangemessenen Nachdruck auf Strömungen in der Gesellschaft zu legen, die den Lehren entgegen laufen, oder auf die Haltungen Einzelner oder von Gruppen, die kein Interesse an der Sache zeigen. Kürzlich erfolgte Bemühungen der Freunde, die Teilnahme empfänglicher Personen, einschließlich fähiger Berufsleute, an den Aktivitäten der Gemeinde zu vermehren, waren erfolgreich, und Sie sollten nicht zögern, die Anwendung neuer verheißungsvoller Praktiken auszuweiten.

Ein zweites Thema, das Ihre Aufmerksamkeit verlangt, ist das Wesen administrativer Vorkehrungen, die den Fortschritt von Regionalbereichen sehr wirksam unterstützen können. Wie man aus dem sich an der Basis so rasch entfaltenden Wachstumsprozess lernt, werden Programme, die auf die Ausbreitung und Konsolidierung des Glaubens bezogen sind, am besten auf Regionalbereichsebene angewandt. Wenn Sie überlegen, wie Sie den Fortschritt einer zunehmenden Anzahl von Regionalbereichen beschleunigen können, wird es wesentlich sein, die Rolle nationaler Stellen zu prüfen, um zu bestimmen, ob es Überschneidungen der Verantwortungen gibt. Wo Mehrfachzuständigkeiten bestehen, dürften nationale Programme in bedeutendem Maße abgeändert werden müssen, damit sie die in den Regionalbereichen laufenden Aktivitäten ergänzen und verstärken. Manche nationalen Stellen mögen sogar ganz und gar aufgehoben werden müssen, um Verwirrung wegen der Priorität von Programmen zu vermeiden, die – wie wertvoll sie für sich selbst auch sein mögen – letztlich im Widerspruch zu den Kernaktivitäten stehen und die begrenzte Zeit und Energie der Gläubigen beanspruchen. Mutiges Handeln ist von Ihnen gefordert, um menschliche Ressourcen frei zu machen, die sich auf die Beschleunigung der beiden Bewegungen konzentrieren, die den Wachstumsprozess kennzeichnen. Diesbezüglich freuen wir uns, festzustellen, dass Sie bereits begonnen haben, bedeutende Änderungen in der Struktur Ihres Lehrkomitees vorzunehmen. Wenn auch jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist, so wird doch in der Zukunft der Errichtung regionaler Bahá’í-Räte Aufmerksamkeit geschenkt werden müssen. Es werden auch Maßnahmen getroffen werden müssen, die Arbeit nationaler Stellen zu rationalisieren mit einem Schwergewicht bei den Kindern und Jugendlichen, um Raum für die von Ihrem nationalen Trainingsinstitut geförderten Programme zu schaffen. Eine allgemeine Überprüfung Ihrer institutionellen Vorkehrungen auf nationaler Ebene wird ohne Zweifel andere Bereiche offen legen, denen man sich zuwenden muss. Die Bekanntgabe, dass ein Wechsel in der administrativen Struktur nötig ist, um die laufenden Forderungen des Plans zu erfüllen, bedeutet keinen Mangel an Wertschätzung früherer Vorkehrungen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit vertraut darauf, dass alle Gläubigen in [Ihrem Land] einen Aspekt des Planes finden werden, dem sie sich voll Begeisterung widmen können. Es wird an den Heiligen Schreinen für den Erfolg des bevorstehenden institutionellen Treffens Gebete sprechen und dafür, dass göttliche Segnungen die engagierten Bemühungen der Gläubigen während des Verlaufs der nächsten fünf Jahre stärken.

Mit liebevollen Bahá’í-Grüssen
Sekretariatsabteilung

(Aus BN Nov/Dez 2006)

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