Read: 28. Dezember 2010


Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Botschaft vom 28. Dezember 2010

An die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter

Innig geliebte Freunde,
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fünfzehn Jahre sind verstrichen, seit wir der im Heiligen Land versammelten Körperschaft der Berater bei ebensolchem Anlass erste Andeutungen machten über den Kurs, den die Bahá’í-Gemeinde einschlagen müsste, um den zweifachen Prozess der Ausbreitung und Festigung zu beschleunigen; ein Kurs, den voll Vertrauen zu steuern, sie ihre angesammelten Erfahrungen vorbereitet hatten. Es bedarf keines Kommentars zu der in kurzer Zeitspanne von anderthalb Jahrzehnten zurückgelegten Wegstrecke. Die Erfolgsbilanz spricht für sich. Heute laden wir Sie zu Beratungen über die nächste Etappe des großen Unterfangens ein, zu dem sich die Bahá’í-Welt aufgemacht hat, eine Etappe, die sich von Ridván 2011 bis Ridván 2016 erstreckt und den ersten zweier aufeinanderfolgender Fünfjahrespläne umfasst, die in der Jahrhundertfeier der Eröffnung des Gestaltenden Zeitalters des Glaubens gipfeln werden. Im Verlauf der nächsten Tage sind Sie gebeten eine klare Vorstellung zu entwickeln, wie die Berater und ihre Mitarbeiter die Gemeinde darin unterstützen werden, auf ihren außergewöhnlichen Errungenschaften aufzubauen, das heißt, den Lernmodus, welcher inzwischen ihre Lehrbemühungen so eindeutig kennzeichnet, auf andere Wirkungsfelder zu übertragen, die erforderliche Kapazität zu erlangen, um mit einem hohen Grad an Kohärenz die Instrumente und Methoden einzusetzen, die sie so sorgfältig entwickelt hat, und weit über alle bisherigen Zahlen hinaus die Reihen derer anwachsen zu lassen, die im Bewusstsein der Vision des Glaubens gewissenhaft und beharrlich an seiner gottgegebenen Mission arbeiten.

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In unserer diesjährigen Ridván-Botschaft beschrieben wir die Dynamik des Lernprozesses, der während vier aufeinanderfolgender globaler Pläne beständig an Schwung gewonnen und die Fähigkeit der Freunde verstärkt hat, sich an der Basis zu engagieren. Der Ausblick von diesem Aussichtspunkt ist in der Tat gewaltig. Mit mehr als 350.000 Seelen weltweit, die den ersten Institutskurs abgeschlossen haben, hat sich die Fähigkeit merklich erhöht, ein Lebensmodell zu gestalten, das sich durch Hinwendung zur Andacht auszeichnet. In vielfältigen Umgebungen und auf jedem Kontinent vereinigen sich Gruppen von Gläubigen mit anderen im Gebet, wenden ihre Herzen andächtig ihrem Schöpfer zu und erflehen den Beistand jener geistigen Kräfte, von denen die Wirksamkeit ihrer individuellen und kollektiven Bemühungen abhängt. Die Anzahl der Kinderklassenlehrer hat sich im Laufe der letzten fünf Jahre auf die Gesamtzahl von etwa 130.000 verdoppelt. Dies ermöglicht es der Gemeinde, mit ganzem Herzen auf die geistige Sehnsucht der Kinder einzugehen. Im selben Zeitraum weist die sechsfache Steigerung der Kapazität, Juniorjugendlichen beim Navigieren durch eine so entscheidende Phase ihres Lebens beizustehen, auf den Grad des Engagements für diese Altersgruppe hin. Hinzu kommt, dass sich überall eine beachtliche Anzahl von Freunden in der Lage findet, mit Menschen unterschiedlicher Hintergründe und Interessen ins Gespräch zu kommen und sich mit ihnen auf eine Erforschung der Wirklichkeit zu begeben, die zu einem gemeinsamen Verständnis der Erfordernisse dieser Periode der Menschheitsgeschichte führt sowie der Wege und Mittel, diesen zu entsprechen. Die Bemühungen von fast 70.000 Freunden, die befähigt sind, als Tutoren von Studienkreisen zu dienen, treiben die systematische Vervielfältigung von Kernaktivitäten weltweit an, mit nicht weniger als einer halben Million bekannter Teilnehmer zu einem gegebenen Zeitpunkt.

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Wie in unserer Ridván-Botschaft deutlich gemacht wurde, besitzt die Gemeinde des Größten Namens in dem System, das auf diese Weise für die Entwicklung menschlicher Ressourcen geschaffen wurde, ein Instrument unbegrenzter Potenziale. In nahezu jedem Cluster und unter unterschiedlichsten Bedingungen ist es einem sich erweiternden Kern Einzelner möglich, eine Bewegung in Richtung auf das Ziel einer neuen Weltordnung hervorzubringen. Vor einem Jahrzehnt, als wir das Konzept des Clusters einführten – ein geographisches Konstrukt mit dem Ziel, das Nachdenken über das Wachstum des Glaubens zu erleichtern –, skizzierten wir die Konturen vierer Stadien auf dem Pfad seiner Entwicklung. Als die Bahá’í-Gemeinde begann, die Vorgaben des Plans umzusetzen, erwies sich diese Skizzierung als ungemein nützlich in Bezug auf Formgebung und Ausgestaltung eines im Wesentlichen fortlaufenden Prozesses. Die reichliche Erfahrung, die sich seitdem angesammelt hat, befähigt nun die Gläubigen, die von wachsenden geistigen Kräften angetriebene Bewegung einer bestimmten Bevölkerung als ein reichhaltiges und dynamisches Kontinuum zu begreifen. Eine kurze Betrachtung des Prozesses, der sich in einem Cluster entfaltet, gleichwohl er Ihnen allen vertraut ist, wird helfen, seine grundlegend organische Natur zu unterstreichen.

Ein Wachstumsprogramm
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Wie der Prozess des Wachstums in einem Cluster beginnt, wird stets von den Möglichkeiten bestimmt, die sich aus den persönlichen Umständen der anfangs beteiligten Gläubigen – oder vielleicht eines einzelnen Inlandpioniers – ergeben, in ein bedeutsames und unverwechselbares Gespräch mit lokalen Bewohnern einzutreten. Ein Studienkreis mit ein paar Freunden oder Kollegen, eine Klasse, die für Nachbarschaftskinder angeboten wird, eine Gruppe für Juniorjugendliche, die sich nach dem Schulunterricht gründet, eine Andachtsversammlung, bei der Familie und Freunde zu Gast sind – all dies kann als Impuls für Wachstum dienen. Was dann weiter geschieht, folgt keinem vorbestimmten Verlauf. Die Umstände können dafür sprechen, dass einer bestimmten Kernaktivität, die sich schneller als andere vervielfältigt, der Vorrang gegeben wird. Genauso ist es möglich, dass alle vier Kernaktivitäten in einem vergleichbaren Tempo fortschreiten. Besuchsteams können aufgefordert werden, um den noch in den Kinderschuhen steckenden Aktivitäten Schwung zu verleihen. Aber ungeachtet der Besonderheiten muss das Endergebnis das Gleiche sein. In jedem Cluster muss das Niveau der zwischen den Kernaktivitäten erreichten Kohäsion derart sein, dass in ihrer Gesamtheit ein aufkeimendes Programm für anhaltende Ausbreitung und Festigung des Glaubens erkennbar wird. Das heißt, in welcher Kombination auch immer und wie gering ihre Zahl sein mag, Andachtsversammlungen, Kinderklassen und Juniorjugendgruppen werden von denjenigen aufrechterhalten, die durch die Kursfolge des Instituts fortschreiten und der Vision individuellen und kollektiven Wandels mit Hingebung nachkommen. Dieser beginnende Fluss menschlicher Ressourcen in das Feld systematischen Handelns kennzeichnet den ersten von mehreren Meilensteinen in einem Prozess nachhaltigen Wachstums.

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Alle Institutionen und Agenturen, die das Ziel der gegenwärtigen Folge globaler Pläne voranbringen, müssen das notwendige Maß an Beweglichkeit und Lebendigkeit entfalten, das die Geburt eines solch dynamischen Prozesses erfordert. Doch in ganz besonderem Maße gilt dies für die Mitglieder des Hilfsamts. Den Freunden zu helfen, sich diesen ersten Meilenstein vorzustellen sowie die Vielfältigkeit der Wege, durch die er erreicht werden kann, ist von größter Bedeutung für die Arbeitsweise jedes Hilfsamtsmitglieds und der wachsenden Zahl seiner oder ihrer Assistenten. Darin, wie in all ihrer Arbeit, müssen sie weite Vision und Klarheit im Denken, Flexibilität und Einfallsreichtum an den Tag legen. Sie sollten Schulter an Schulter bei den Freunden stehen, sie in ihren Anstrengungen unterstützen und ihre Freuden teilen. Einige Freunde werden rasch an die vorderste Front der Aktivitäten rücken, während andere zögernd hervortreten. Dennoch bedürfen alle der Unterstützung und Ermutigung, jedoch nicht in abstrakter Form, sondern beruhend auf jener genauen Kenntnis, die nur erworben wird, wenn man Seite an Seite auf dem Feld des Dienstes arbeitet. Vertrauen in die Fähigkeit jedes Einzelnen, der den Wunsch zu dienen zeigt, wird sich als wesentlich in den Bemühungen derer erweisen, die eine rückhaltlose Beteiligung der Gläubigen an dem Plan wecken sollen. Bedingungslose Liebe, frei von Bevormundung, wird unverzichtbar sein, wenn sie dabei helfen wollen Zögern in Mut zu wenden, der aus Gottvertrauen geboren ist, und das Verlangen nach kurzfristiger Begeisterung in eine Hingabe an langfristiges Handeln zu verwandeln. Ruhige Entschlossenheit wird lebenswichtig sein, wenn sie bestrebt sind zu zeigen, wie Stolpersteine zu Trittstufen des Fortschritts gemacht werden können. Von unschätzbarem Wert wird die Bereitschaft zum Zuhören mit gesteigerter geistiger Wahrnehmung sein, wenn es gilt, Hindernisse zu erkennen, die vielleicht einige der Freunde davon abhalten, die gebotene Einheit im Handeln wertzuschätzen.

Die Intensität erhöhen
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Es ist wichtig festzustellen, dass ein aufkommender Gemeinschaftsgeist seinen Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse auszuüben beginnt, sobald ein Wachstumsprogramm ins Leben gerufen wird. Ein Sinn für gemeinsame Ziele kennzeichnet dabei die Bemühungen der Freunde, ganz gleich ob ihre Aktivitäten über den Cluster verstreut sind oder sich auf ein Dorf oder eine Nachbarschaft konzentrieren. Welches Maß an Organisation auch immer dazu diente, die frühen Anzeichen dieses Gemeinschaftsgeistes zu kanalisieren, die systematische, koordinierte Vervielfältigung der Kernaktivitäten erfordert, dass bald ein höheres Niveau erreicht wird. Durch verschiedene Maßnahmen wird dem Tun mehr Struktur verliehen, und Initiative, die zuvor hauptsächlich durch den Willen des Einzelnen Gestalt angenommen hatte, findet nun kollektiven Ausdruck. Ergänzend nehmen vom Institut ernannte Koordinatoren ihren Platz ein – Koordinatoren für Studienkreise, für Juniorjugendgruppen und für Kinderklassen. Jede Reihenfolge der Ernennung ist potenziell berechtigt. Nichts weniger als eine geschärfte Wahrnehmung der Umstände an der Basis sollte diese Entscheidung ausmachen. Denn worum es geht, ist nicht die Übereinstimmung mit bestimmten Verfahrensweisen, sondern die Entfaltung eines Erziehungsprozesses, der sein Potenzial zur geistigen Befähigung einer großen Zahl von Menschen zu zeigen beginnt.

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Parallel zur Einrichtung von Mechanismen zur Unterstützung des Institutsprozesses nehmen auch andere administrative Strukturen allmählich Form an. Aus gelegentlichen Treffen einiger weniger Gläubiger werden allmählich regelmäßige Beratungen einer wachsenden Kerngruppe von Freunden, die darum bemüht sind, zunehmend mehr Energie in das Feld des Dienstes zu leiten. Mit dem weiter zunehmenden Schwung des Wachstumsprozesses kann ein solches Arrangement dem Bedarf an Planung und Entscheidungsfindung letztlich nicht mehr genügen. So wird ein Clusterlehrausschuss gebildet und Reflexionstreffen werden eingerichtet. Durch das Zusammenwirken des Ausschusses, des Instituts und der Hilfsamtsmitglieder kommt ein voll entwickeltes System für die Koordination von Aktivitäten zum Einsatz. Dies schließt die Fähigkeit mit ein, den effizienten Fluss von Führung, Geldmitteln und Information zu erleichtern. Nunmehr wird der Wachstumsprozess im Cluster dem Rhythmus entsprechen, der von ausgeprägten Zyklen der Ausbreitung und Festigung bestimmt ist. Diese entfalten sich ohne Unterbrechung weiter, wobei sie alle drei Monate durch ein Treffen zur Reflexion und Planung markiert werden.

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Hier wiederum haben die Hilfsamtsmitglieder und andere relevante Institutionen und Agenturen, wie der Regionalrat und das Institut, sicherzustellen, dass administrative Strukturen, die im Cluster aufgebaut werden, die erforderlichen Kennzeichen aufweisen. Insbesondere ist die Kurssequenz, die wir für Institute überall empfohlen haben und die so wirksam den laufenden Prozess des Wandels begünstigt, dafür ausgelegt, ein Umfeld zu schaffen, das zugleich für die universelle Teilnahme wie für die gegenseitige Unterstützung und Hilfe förderlich ist. Die Art der Beziehungen unter den Einzelnen in diesem Umfeld, die sich alle auf einem gemeinsamen Pfad des Dienstes sehen, wurde kurz in unserer Ridván-Botschaft erläutert. Wir deuteten auch an, dass solch ein Umfeld nicht ohne Auswirkung auf die administrativen Angelegenheiten des Glaubens bleibt. Indem eine wachsende Zahl von Gläubigen an der Lehr- und Verwaltungsarbeit des Glaubens teilnimmt und sie in einer demütigen Lernhaltung durchführt, sollten sie dahin kommen, jede Aufgabe, jede Begegnung als eine Gelegenheit anzusehen, einander im Streben nach Fortschritt die Hände zu reichen und einander in dem Bemühen zu begleiten, der Sache zu dienen. Auf diese Weise wird der Drang zu übermäßiger Anweisung besänftigt. So wird auch der Neigung widerstanden, einen komplexen Wandlungsprozess auf vereinfachte Schritte zu reduzieren, die Aufgabenbeschreibungen unterliegen. Einzelhandlungen werden in Zusammenhang gebracht, und selbst der kleinste Schritt erhält Bedeutung. Die Wirkung geistiger Kräfte in der Arena des Dienstes wird zunehmend sichtbar, und Freundschaftsbande, die so unerlässlich sind für einen gesunden Wachstumsverlauf, werden stetig gestärkt.

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Innerhalb dieser Landschaft sich entfaltender Prozesse, entstehender Strukturen und dauerhafter Gemeinschaft, steht der Moment, der als „Start“ eines intensiven Wachstumsprogramms bekannt wurde, für die bewusste Anerkennung, dass alle Elemente, die notwendig sind, um die Ausbreitung und Festigung des Glaubens zu beschleunigen, nicht nur bereitstehen, sondern auch mit einem angemessenen Grad an Wirksamkeit funktionieren. Er signalisiert die Reifung eines sich stetig ausdehnenden, selbsterhaltenden Systems für die geistige Erbauung einer Bevölkerung: Ein steter Strom von Freunden schreitet durch die Kurse des Trainingsinstituts und engagiert sich in den entsprechenden Aktivitäten, was wiederum dazu führt, die Zahl neuerklärter Mitarbeiter im Glauben zu steigern. Von diesen wird beständig ein erheblicher Anteil in den Institutsprozess eintreten und so sicherstellen, dass das System sich ausweitet. Dies ist ein weiterer Meilenstein, den die in jedem Cluster sich bemühenden Freunde mit der Zeit erreichen müssen.

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Indem wir an dieser Stelle viel von dem wiederholen, was wir bei früheren Gelegenheiten dargelegt haben, hoffen wir, Ihnen eindrücklich vermittelt zu haben, wie leicht die Bewegung einer Bevölkerung gefördert werden kann, die von den Zielen und Prinzipien des Glaubens erfüllt ist, sofern dies nicht zum Gegenstand sachfremder Komplikationen gemacht wird. Wir hegen keine Illusionen, dass der oben so zusammenfassend skizzierte Pfad frei von Schwierigkeiten sei. Fortschritt wird durch die Dialektik von Krise und Sieg erlangt, und Rückschläge sind unausweichlich. Eine Abnahme der Beteiligung, eine Unterbrechung in den Aktivitätszyklen, ein vorübergehender Bruch der Einheit – diese Dinge gehören zu den unzähligen Herausforderungen, die man möglicherweise meistern muss. Nicht selten wird der Anstieg menschlicher Ressourcen oder die Fähigkeit, sie zum Einsatz zu bringen, hinter dem Bedarf rascher Ausbreitung zurückbleiben. Doch dem Prozess Patentrezepte aufzuerlegen, wird nicht zu einem Wachstumsmuster führen, welches durch das erwünschte Gleichgewicht gekennzeichnet ist. Zeitweilig auftretende Unausgewogenheiten im Fortschritt verschiedener Aktivitäten liegen in der Natur des Prozesses; sie können mit der Zeit ausgeglichen werden, wenn man damit geduldig umgeht. Es stellt sich oft als kontraproduktiv heraus, wenn eine florierende Aktivität wegen theoretischer Vorstellungen darüber, wie ausgeglichenes Wachstum erreicht werden kann, heruntergefahren wird. Die Freunde in einem Cluster können durchaus von den Erfahrungen derer profitieren, die das erforderliche Handlungsmuster bereits eingerichtet haben. Sie werden jedoch nur durch das ihrerseits fortlaufende Handeln, die Reflexion und Beratung in der Lage sein, ihre eigene Wirklichkeit zu verstehen, ihre eigenen Möglichkeiten zu erkennen, ihre eigenen Ressourcen zu nutzen und so auf die künftigen Anforderungen groß angelegter Ausbreitung und Festigung eingehen zu können.

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Heute gibt es etwa 1.600 Cluster weltweit, wo die Freunde es erreicht haben, das Handlungsmuster aufzubauen, das mit einem intensiven Wachstumsprogramm verbunden ist. So bedeutsam diese Errungenschaft auch ist, sie kann keinesfalls als der Gipfelpunkt des Prozesses angesehen werden, der in jedem dieser Cluster in Schwung gekommen ist. Neue Lernhorizonte eröffnen sich den Freunden, die aufgefordert sind, ihre Energien dem Aufbau lebenssprühender Gemeinden zu widmen, die an Größe zunehmen und in steigendem Maße Bahá’u’lláhs Vision für die Menschheit widerspiegeln. Solche Cluster werden auch als Reservoir für potenzielle Pioniere dienen müssen, die hauptsächlich im Inland in ein Cluster nach dem anderen entsandt werden. Dabei werden sie in einigen die ersten Lichtstrahlen Seiner Offenbarung ausgießen und in anderen den Glauben stärken und dadurch alle Cluster dazu befähigen, rasch zum ersten Meilenstein auf dem Pfade der Entwicklung oder darüber hinaus fortzuschreiten. Vor diesem Hintergrund werden wir die Gemeinde des Größten Namens zu Ridván 2011 aufrufen, im Laufe der kommenden fünf Jahre die Gesamtzahl der Cluster, in welchen ein Wachstumsprogramm, welcher Intensität auch immer, in Gang ist, auf 5.000 zu erhöhen; dies wäre annähernd ein Drittel aller derzeitigen Cluster weltweit.

Die Grenzen des Lernens erweitern
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Was wir in den vorangegangenen Absätzen und in so vielen Botschaften während der letzten anderthalb Jahrzehnte beschrieben haben, kann am besten als jüngste einer Folge von Herangehensweisen an das Wachstum der Bahá’í-Gemeinde gesehen werden, jede angepasst an die spezifischen historischen Umstände. Dieser göttlich angetriebene Wachstumsprozess wurde mit der tiefen Begeisterung in Gang gesetzt, die vor mehr als hundertsechzig Jahren in der Wiege des Glaubens entfacht wurde, als Tausende dem Aufruf eines Neuen Tages folgten. Er bekam Auftrieb durch die Anstrengungen früher Gläubiger, die Botschaft Bahá’u’lláhs in benachbarte Länder im Osten und einzelne verstreute Nischen im Westen zu tragen. Er erlangte mehr Struktur durch die von ‘Abdu’l-Bahá offenbarten Sendbriefe zum Göttlichen Plan und erhielt Schwung, als die Freunde sich systematisch unter der Anleitung des Hüters über den Globus verstreuten, um kleine Zentren von Bahá’í-Aktivität zu begründen und die ersten Säulen der Verwaltungsordnung zu errichten. Er gewann an Kraft in den ländlichen Gebieten der Welt, als Massen bewegt wurden den Glauben anzunehmen; doch er verlangsamte sich beträchtlich, als die Freunde danach strebten, Strategien für die Aufrechterhaltung von Ausbreitung und Festigung in großem Maßstab zu entdecken. Seit fünfzehn Jahren nun hat er sich ununterbrochen beschleunigt, seit wir am Anfang des Vierjahresplans den Aufruf an die Bahá’í-Welt erhoben, die Lehrarbeit auf der Grundlage der Erfahrung, die sie in Jahrzehnten schwierigen aber unschätzbaren Lernens gemacht hat, zu systematisieren. Wenige werden verkennen, dass die derzeitige Herangehensweise an das Wachstum, so effektiv sie auch ist, sich in ihrer Komplexität und Verfeinerung noch weiter entwickeln muss, sobald sich dieses in einem Cluster etabliert hat, und dabei immer deutlicher die „gesellschaftsbildende Macht“, welche dem Glauben innewohnt, aufzeigen wird.

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Wie oft hat der geliebte Hüter mit Blick auf die Entwicklung der weltweiten Bahá’í-Gemeinde die Freunde ermutigt, in ihrem Vorsatz entschlossen zu bleiben und sich beharrlich zu bemühen. „Im Bewusstsein ihrer hohen Berufung, im Vertrauen auf die gesellschaftsbildende Macht ihres Glaubens“, bemerkte er mit Zufriedenheit, „drängen sie unerschrocken vorwärts, unverzagt bemüht, die notwendigen Werkzeuge für das Heranreifen und die Entwicklung der keimhaften Weltordnung Bahá’u’lláhs zu schmieden und zu vervollkommnen.“ „Das ist der langsame, unaufdringliche Aufbauvorgang“, mahnte er sie, welcher „die einzige Hoffnung“ einer desillusionierten Menschheit „verkörpert“. Dass dieser Prozess weiterhin an Reichweite und Einfluss gewinnen wird und die Verwaltungsordnung im Laufe der Zeit „nicht nur als Kern, sondern als das Muster der neuen Weltordnung angesehen“ wird, geht klar aus seinen Schriften hervor. „In einer Welt, deren Gefüge politischer und gesellschaftlicher Institutionen schadhaft, deren Schau getrübt und deren Gewissen irregeführt ist, deren Religionssysteme blutleer geworden sind und ihre Wirksamkeit verloren haben,“ beteuert er so eindringlich, nimmt nun „dieses heilende Mittel, diese treibende Macht, diese zementierende Kraft, allbelebend und alldurchdringend,“ Gestalt an, „verdichtet sich in Institutionen“ und „mobilisiert ihre Kräfte“.

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Es sollte offensichtlich sein, dass wenn die Verwaltungsordnung als Modell für die künftige Gesellschaft dienen soll, die Gemeinde, innerhalb derer sie sich entwickelt, nicht nur die Fähigkeit erwerben muss, zunehmend komplexeren materiellen und geistigen Anforderungen zu genügen, sondern auch ständig an Größe zunehmen muss. Wie könnte es auch anders sein? Eine kleine Gemeinde, deren Mitglieder durch ihren gemeinsamen Glauben verbunden sind, die sich durch ihre hohen Ideale auszeichnen, die kompetent ihre Angelegenheiten verwalten und ihren Bedürfnissen nachkommen, und die vielleicht in verschiedenen humanitären Projekten engagiert sind – eine solche Gemeinde, die gedeiht, allerdings in bequemer Distanz zur Lebenswirklichkeit der Massen der Menschheit, kann niemals hoffen, als Muster für die Neugestaltung der gesamten Gesellschaft zu dienen. Dass es die weltweite Bahá’í-Gemeinde geschafft hat, die Gefahr der Selbstzufriedenheit abzuwehren, ist eine Quelle unablässiger Freude für uns. Die Gemeinde hat in der Tat ihre Ausbreitung und Festigung gut im Griff. Die Angelegenheiten einer stark zunehmenden Mitgliederzahl in Dörfern und Städten weltweit zu verwalten – die Standarte der Weltordnung Bahá’u’lláhs hoch zu halten, sodass alle sie sehen –, ist jedoch immer noch ein fernes Ziel.

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Darin also liegt die Herausforderung, der sich diejenigen stellen müssen, die an vorderster Front des Lernprozesses stehen, der im Verlauf des kommenden Plans weiter fortschreiten wird. Wo immer ein intensives Wachstumsprogramm errichtet ist, sollten die Freunde keine Mühe scheuen, um den Grad der Beteiligung zu erhöhen. Lasst sie alles daran setzen, um sicher zu stellen, dass das System, das sie mit solcher Mühe errichtet haben, nicht auf sich selbst beschränkt bleibt, sondern sich zunehmend ausweitet, um mehr und mehr Menschen in seiner Mitte aufzunehmen. Lasst sie die bemerkenswerte Aufnahmebereitschaft nicht aus den Augen verlieren, die sie vorfanden – nein vielmehr die sehnliche Erwartung, der sie begegneten, als sie Vertrauen in ihre Fähigkeit gewannen, mit Menschen aller Gesellschaftsgruppen umzugehen und mit ihnen über die Person Bahá’u’lláhs und Seine Offenbarung zu sprechen. Lasst sie an der Überzeugung festhalten, dass eine direkte Darlegung des Glaubens, wenn dies mit genügend Tiefgang und verstärkt durch eine gesunde Haltung zur Festigung geschieht, dauernde Erfolge bringen kann. Und lasst sie die Lektionen der Vergangenheit nicht vergessen, die keinen Zweifel daran lassen, dass eine relativ kleine Gruppe aktiver Unterstützer des Glaubens, ganz gleich wie einfallsreich oder wie hingebungsvoll sie sein mag, auf die Bedürfnisse von Gemeinden nicht eingehen kann, die aus Hunderten oder gar Tausenden von Männern, Frauen und Kindern bestehen. Die Schlussfolgerungen sind klar genug. Wenn es derzeit in einem Cluster einige Dutzend Freunde gibt, die die Verantwortung für Ausbreitung und Festigung schultern, wobei ein paar hundert an den Aktivitäten des Gemeindelebens teilnehmen, dann sollten beide Zahlen deutlich zunehmen, sodass am Ende des Plans ein- bis zweihundert die Beteiligung von ein- bis zweitausend ermöglichen.

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Es ist ermutigend zu sehen, dass in etwa 300 der 1.600 Cluster weltweit, in denen intensive Wachstumsprogramme im Gange sind, die Gläubigen bereits die neue Arena des Lernens betreten haben, die sich nun vor ihnen geöffnet hat. Dabei erweitern sie in nicht seltenen Fällen deren Grenzen. Selbstverständlich ist in all solchen Clustern die Stärkung der Erziehungsprozesse, die mit ihren jeweils eigenen Erfordernissen durch das Trainingsinstitut auf den Weg gebracht sind, von äußerster Wichtigkeit – das heißt, regelmäßige Klassen für die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft, eng verbundene Gruppen für Juniorjugendliche und Studienkreise für Jugendliche und Erwachsene. Viel von dem, was diese Arbeit beinhaltet, wurde bereits in der Ridván-Botschaft besprochen. Wo sie die verwandelnden Wirkungen des Institutsprozesses aus erster Hand miterlebt haben, sind die Freunde in solchen Clustern ausnahmslos bemüht, ein klares Verständnis von der Dynamik zu erlangen, die ihm zu Grunde liegt: der Geist der Gemeinschaft, den er mit sich bringt, den partizipativen Ansatz, den er wählt, die Tiefe des Verständnisses, die er fördert, die praktischen Dienste, die er empfiehlt und vor allem Vertrauen auf das Wort Gottes. Jede Anstrengung wird unternommen, um sicher zu stellen, dass der Prozess die Komplementarität von „Sein“ und „Tun“ widerspiegelt, die die Institutskurse deutlich machen, die zentrale Bedeutung, die sie dem Wissen und seiner Anwendung zuerkennen, die Betonung, die sie darauf legen, falsche Dichotomien zu vermeiden, die Wichtigkeit, die sie dem Auswendiglernen des schöpferischen Wortes beimessen, und die Sorgfalt, mit der sie Bewusstheit stärken, ohne das beharrende Selbst zu wecken.

Stärkung administrativer Fähigkeiten
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Obwohl die zentralen Elemente des Wachstumsprozesses in den Clustern unverändert bleiben, die sich an der Spitze des Lernens befinden, wird schon allein von den Zahlen die Organisationsplanung einen höheren Grad an Komplexität erfordern. Es sind bereits verschiedene Neuerungen eingeführt worden, sowohl auf Grund der geographischen Gegebenheiten wie auch der zahlenmäßigen Zunahme. Die Unterteilung des Clusters in kleinere Einheiten, die Dezentralisierung des Reflexionstreffens, die Zuteilung von Assistenten für die Institutskoordinatoren, das Aussenden von Teams erfahrener Freunde, um andere im Feld zu unterstützen – dies sind einige der Vorkehrungen, die bis jetzt getroffen worden sind. Wir vertrauen völlig darauf, dass das Internationale Lehrzentrum mit Ihrer kompetenten Unterstützung diese Entwicklungen im Verlauf des nächsten Plans begleiten und helfen wird, aus den gelernten Lektionen bewährte Methoden und Werkzeuge zu entwickeln. Um dies zu erreichen, werden Sie und Ihre Mitarbeiter eine Atmosphäre kultivieren müssen, welche die Freunde ermutigt, methodisch zu sein, aber nicht starr, kreativ, aber nicht planlos, entschieden, aber nicht übereilt, achtsam, aber nicht kontrollierend – überzeugt, dass es letztendlich nicht das Technische ist, das zum Fortschritt führen wird, sondern Einheit des Denkens, konsistentes Handeln und Hingabe an das Lernen.

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Ganz gleich, welche Art von Vorkehrungen auf Clusterebene getroffen werden, um groß angelegte Aktivitäten zu koordinieren, beständiger Fortschritt wird von der Entwicklung der Geistigen Räte und der vermehrten Kapazität der Regionalräte und letztlich der Nationalen Geistigen Räte abhängen. In der Ridván-Botschaft haben wir unsere Freude über die zunehmende Stärke der Nationalen Geistigen Räte ausgedrückt, und wir sehen den kommenden fünf Jahren mit Optimismus entgegen in der Gewissheit, dass wir in dieser Hinsicht beträchtliche Sprünge vorwärts sehen werden. Außerdem haben wir keinen Zweifel, dass Sie – gemeinsam mit den Nationalen Räten – den Regionalräten helfen können, ihre institutionelle Kapazität zu verbessern. Es gibt derzeit 170 solcher administrativen Körperschaften in weltweit 45 Ländern, und ihre Zahl wird sicherlich im nächsten Plan zunehmen. Es ist unerlässlich, dass alle Regionalräte auf die Arbeit des Trainingsinstituts sowie auf das Funktionieren der Clusterlehrausschüsse genau achten werden. Vor diesem Hintergrund werden sie es als notwendig erachten, Mechanismen zu schaffen und zu verfeinern, die helfen, das sich auf Clusterebene entfaltende Wachstumsmuster und den damit verbundenen Lernprozess zu fördern. Zu diesen Mechanismen werden gehören: ein gut funktionierendes regionales Sekretariat, das dem Sekretär grundlegende organisatorische Unterstützung gibt; ein solides Buchhaltungssystem, das diverse Kanäle für den Fluss an Geldmitteln zu und von den Clustern bereitstellt; ein effizientes Kommunikationssystem, das den Gegebenheiten des Lebens in Dörfern und Stadtbezirken Rechnung trägt; und dort, wo gerechtfertigt, räumliche Gegebenheiten, die intensivierte und fokussierte Aktivitäten erleichtern. Dabei ist es wichtig sich einzugestehen, dass solche Mechanismen sich nur dann als wirksam erweisen können, wenn die Regionalräte selbst in einen Lernprozess eingebunden sind. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Systeme, die vorgeblich mit dem Ziel ins Leben gerufen wurden, eine wachsende Zahl von Teilnehmern in Nachbarschaften und Dörfern beim Lernen in Aktion zu unterstützen, auf subtile Weise dem entgegenwirken können, indem sie, ohne es zu wollen, aufkeimende Bestrebungen an der Basis ersticken.

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Während die Zusammenarbeit mit Nationalen Geistigen Räten und Regionalräten eines Ihrer Hauptanliegen sein wird, müssen Ihre Mitarbeiter ihre Energien vermehrt darauf richten, die institutionelle Kapazität auf lokaler Ebene zu stärken, wo die Anforderungen der Gemeindebildung sich so unmissverständlich Geltung verschaffen. Um Ihnen zu helfen, sich eine Vorstellung zu machen, was den Hilfsamtsmitgliedern und ihren Assistenten überall bevorsteht, vor allem in Clustern, die groß angelegte Ausbreitung und Festigung erfahren, bitten wir Sie, zunächst über die Entwicklung von Geistigen Räten in den vielen ländlichen Gebieten der Welt nachzudenken, in denen sich heute die große Mehrzahl solcher Cluster finden.

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Wird das Handlungsmuster, das mit einem intensiven Wachstumsprogramm einhergeht, in einem ländlichen Cluster gerade erst etabliert – einem Cluster, das aus Dörfern und vielleicht einer oder zwei Kleinstädten besteht –, so beschränken sich die Bemühungen der Freunde, wie Sie wissen, oft auf einige wenige Orte. Einmal etabliert, kann dieses Muster jedoch rasch in einem Dorf nach dem anderen umgesetzt werden, so wie es in unserer diesjährigen Ridván-Botschaft beschrieben wurde. Schon bald entsteht in jeder Ortschaft ein Geistiger Rat; dessen stetige Entwicklung folgt entlang einer Bahn, die parallel und eng verbunden mit dem sich in dem Dorf gerade entfaltenden Wachstumsprozess verläuft; und ähnlich der Entwicklung anderer Facetten dieses Prozesses, kann die Entwicklung des Geistigen Rates am besten als Aufbau von Kapazitäten verstanden werden.

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Was als erstes geschehen sollte, ist relativ einfach: Das individuelle Bewusstsein des Wachstumsprozesses, der im Dorf an Schwungkraft zunimmt, entspringt der persönlichen Beteiligung eines jeden Mitglieds in den Kernaktivitäten. Es muss zu einem kollektiven Bewusstsein verschmelzen, das sowohl die Art der Wandlung erkennt, die im Gange ist, wie auch die Verpflichtung des Geistigen Rates, sie zu fördern. Zweifellos muss auf gewisse grundlegende administrative Aufgaben geachtet werden – zum Beispiel einigermaßen regelmäßige Treffen, das Abhalten des Neunzehntagefestes und das Begehen der Feiertage, die Errichtung eines örtlichen Fonds und jährliche Wahlen in Einklang mit den Bahá’í-Prinzipien. Dennoch sollte es nicht schwierig sein, dass der Geistige Rat – zeitgleich mit diesen Bemühungen und ermutigt durch einen Assistenten des Hilfsamts – als Körperschaft beginnt, über ein oder zwei Themen zu beraten, die auf das Leben der Gemeinde unmittelbaren Einfluss haben: wie der Charakter der Andacht im Dorf gestärkt werden kann durch die Bemühungen von Einzelnen, die den ersten Institutskurs abgeschlossen haben; wie die geistige Erziehung der Kinder sichergestellt werden kann durch Lehrer, die vom Institut ausgebildet worden sind; wie das Potenzial der Juniorjugendlichen zum Tragen kommt durch die Programme für ihre geistige Befähigung; wie das geistige und soziale Gefüge der Gemeinde gefestigt wird, indem die Freunde einander zu Hause besuchen. Indem der Geistige Rat über solch fassbare Anliegen berät und lernt, den Wachstumsprozess liebevoll und geduldig zu nähren, festigt sich seine Beziehung zum Clusterlehrausschuss und zum Trainingsinstitut in einem gemeinsamen Ziel. Was jedoch noch wichtiger ist, er wird beginnen, die Grundlagen dafür zu legen, auf denen jene – wie sie der geliebte Hüter in vielen seiner Botschaften beschreibt – einzigartig liebevolle und rückhaltlos unterstützende Beziehung errichtet werden kann, die ein Geistiger Rat mit dem einzelnen Gläubigen aufbauen sollte.

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Lernen, über spezifische Fragen im Zusammenhang mit dem globalen Plan zu beraten, ist wesentlich. Jedoch stellt dies offensichtlich nur eine Dimension in dem Prozess des Aufbaus von Kapazitäten dar, in den sich der Geistige Rat begeben muss. Für seine stetige Entwicklung ist es von äußerster Wichtigkeit, dass er an der Ermahnung ‘Abdu’l-Bahás festhält: „Diskussionen müssen auf geistige Angelegenheiten beschränkt bleiben, die sich auf die Erziehung der Seelen beziehen, auf die Bildung der Kinder, Hilfe für die Armen, Unterstützung der Schwachen aller Gesellschaftsschichten in der Welt, Freundlichkeit allen Menschen gegenüber, die Verbreitung der göttlichen Düfte und die Erhöhung Seines Heiligen Wortes.“ Sein beständiges Voranschreiten erfordert eine unbeugsame Verpflichtung, die besten Interessen der Gemeinde zu fördern, und Wachsamkeit darin, den Wachstumsprozess gegen die Kräfte moralischen Verfalls zu schützen, der ihn zum Stillstand zu bringen droht. Sein nachhaltiger Fortschritt verlangt ein Verantwortungsgefühl, das über den Kreis von Freunden und Familien hinausgeht, die in den Kernaktivitäten tätig sind, um die gesamte Bevölkerung des Dorfes mit einzubeziehen. Und was sein allmähliches Reifen aufrechterhält, ist der unerschütterliche Glaube an ‘Abdu’l-Bahás Versicherung, dass Er jeden Geistigen Rat in der Umarmung Seiner Sorge und Seines Schutzes halten wird.

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Verbunden mit dieser Stärkung des kollektiven Bewusstseins ist die wachsende Fähigkeit des Geistigen Rates, sowohl finanzielle wie andere Ressourcen richtig einzuschätzen und einzusetzen, sowohl um Gemeindeaktivitäten zu unterstützen als auch um seine administrativen Aufgaben zu erfüllen. Letztere können rechtzeitig wohlüberlegte Ernennungen von Komitees und die Unterhaltung von einfachen Räumlichkeiten für die Ausübung seiner Amtsgeschäfte einschließen. Nicht weniger lebenswichtig ist seine Fähigkeit, ein Umfeld zu schaffen, das die Beteiligung einer großen Anzahl von Menschen am vereinten Handeln fördert, und sicherstellt, dass deren Energien und Talente zum Fortschritt beitragen. In jeder Hinsicht wird das geistige Wohlergehen der Gemeinde für den Geistigen Rat an erster Stelle stehen. Und wenn unvermeidliche Probleme auftauchen, sei es in Bezug auf eine Aktivität oder unter Einzelnen, werden sie von einem örtlichen Geistigen Rat behandelt, der das uneingeschränkte Vertrauen der Gemeindemitglieder gewonnen hat, so dass sich alle ganz natürlich um Hilfe an ihn wenden. Dies bedeutet, dass der Rat aus Erfahrung gelernt hat, wie er den Gläubigen helfen kann, das Spaltende einer parteiischen Denkweise zu überwinden, wie er die Samen der Einheit selbst in höchst komplizierten und dornigen Situationen finden kann, und wie er die Gläubigen geduldig und liebevoll fördern und dabei zu allen Zeiten die Fahne der Gerechtigkeit hoch halten kann.

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Wir haben es bereits in der Vergangenheit erwähnt: Indem die Gemeinde zahlenmäßig sowie an Fähigkeit wächst, ihre Vitalität zu erhalten, werden die Freunde weiter in das Leben der Gesellschaft hineingezogen. Sie werden sich gefordert sehen, die Herangehensweisen zu nutzen, die sie entwickelt haben, um auf eine zunehmende Bandbreite von Fragestellungen einzugehen, die ihr Dorf betreffen. Die Frage der Kohärenz, so überaus wichtig für das bisher erreichte Wachstum und so grundlegend für den sich entfaltenden Handlungsrahmen des Plans, nimmt nun neue Dimensionen an. Vieles wird dem Geistigen Rat zufallen, nicht als Ausführer von Projekten, sondern als die Stimme moralischer Autorität. Er muss sicherstellen, dass bei dem Bestreben der Freunde, die Lehren des Glaubens anzuwenden, um die Verhältnisse durch einen Prozess von Handlung, Reflexion und Beratung zu verbessern, die Integrität ihrer Bemühungen nicht gefährdet wird.

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Unsere Ridván-Botschaft beschreibt einige der Merkmale sozialen Handelns an der Basis und die Bedingungen, die es erfüllen muss. Bemühungen in einem Dorf werden meist in kleinem Rahmen beginnen, vielleicht indem Gruppen von Freunden entstehen, die sich jeweils mit einem spezifischen sozialen oder wirtschaftlichen Bedarf befassen, der von ihnen ermittelt wurde, und jeweils eine einfache Auswahl geeigneter Handlungsschritte verfolgen. Die Beratung beim Neunzehntagefest schafft einen Raum, in dem das wachsende Bewusstsein für soziales Handeln der Gemeinde konstruktiven Ausdruck findet. Gleich welcher Art die unternommenen Aktivitäten sind – der Geistige Rat muss potenzielle Fallen erkennen und den Freunden, wenn nötig, helfen, sie zu umgehen: die Verlockungen allzu ehrgeiziger Projekte, die Energien verbrauchen und sich am Ende als unhaltbar erweisen; die Versuchung, Fördermittel zu beantragen, welche das Abweichen von Bahá’í-Prinzipien erfordern würden; die Versprechen irreführend verpackter Technologien, die dem Dorf sein kulturelles Erbe nehmen und zu Fragmentierung und Missklang führen würden. Auf die Dauer werden die Stärke des Institutsprozesses im Dorf und die verbesserten Fähigkeiten, die er bei den Teilnehmern gefördert hat, die Freunde möglicherweise dazu befähigen, Methoden und Programme zu nutzen, die sich als wirksam erwiesen haben, die von der einen oder anderen Bahá’í-inspirierten Organisation entwickelt und auf Anregung und mit Hilfe unseres Büros für soziale und wirtschaftliche Entwicklung im Cluster eingeführt wurden. Zudem muss der Geistige Rat lernen, mit sozialen und politischen Strukturen vor Ort zu interagieren und so das Bewusstsein der Präsenz des Glaubens und dessen Einfluss auf den Fortschritt des Dorfes allmählich zu heben.

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Was in den vorhergehenden Absätzen skizziert wurde, stellt lediglich einige der Eigenschaften dar, die Geistige Räte in den vielen Dörfern der Welt allmählich entwickeln werden, um die Bedürfnisse von Gemeinden, die immer größere Zahlen in ihrer Mitte aufnehmen, erfüllen zu können. In dem Maße, wie sie ihre verborgenen Kapazitäten und Kräfte zunehmend freisetzen, werden ihre Mitglieder von den Bewohnern jedes Dorfes allmählich als „Treuhänder des Barmherzigen unter den Menschen“ angesehen werden. So werden diese Räte zu „strahlenden Leuchten und himmlischen Gärten, aus denen die Düfte der Heiligkeit über alle Regionen wehen und die Leuchten der Erkenntnis über alles Erschaffene strahlen. Von ihnen strömt der Geist des Lebens nach allen Richtungen.“

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Solch eine erhabene Vision gilt natürlich für alle Geistigen Räte auf der Welt. Selbst in einer größeren Metropolregion ist die Art und Weise, wie sich ein Rat entwickelt, im Grunde genommen die gleiche wie die oben beschriebene. Unterschiede liegen hauptsächlich in der Größe und Vielfalt der Bevölkerung. Ersteres erfordert die Unterteilung des Jurisdiktionsbereichs eines Geistigen Rates entsprechend den Erfordernissen des Wachstums in Nachbarschaften und die allmähliche Einführung von Mechanismen, um die Angelegenheiten des Glaubens zu führen. Der zweite Punkt verlangt, dass sich der Rat über die geographischen Räume hinaus mit den Myriaden von sozialen Räumen vertraut macht, in denen Segmente der Bevölkerung zusammenkommen, und ihnen, soweit möglich, die in den Lehren enthaltene Weisheit anbietet. Außerdem gibt es in einem städtischen Gebiet wesentlich mehr institutionelle Strukturen – soziale, politische und kulturelle –, mit denen der Rat lernen muss umzugehen, und sie weisen zudem ein breiteres Spektrum auf.

Dienst in Bahá’í-Institutionen
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Während wir für Sie auf diesen Seiten die Entwicklungen beschreiben, die wir sehnlich in der Verwaltungsarbeit des Glaubens im nächsten Fünfjahresplan sehen möchten, kommen uns die hierauf bezogenen wiederholten Warnungen des Hüters in den Sinn. „Wir sollten uns davor hüten, dass wir nicht in unserer großen Sorge, die Verwaltungsmaschinerie des Glaubens zu vervollkommnen“, so führte er aus, „das göttliche Ziel, für welches sie geschaffen wurde, aus den Augen verlieren.“ Die Bahá’í-Verwaltungsstruktur, schrieb er wiederholt, „sollte als Mittel und nicht als Selbstzweck betrachtet werden.“ Sie ist dafür bestimmt, verdeutlichte er, „einem zweifachen Ziel zu dienen.“ Einerseits „sollte sie auf eine stetige und stufenweise Ausbreitung [des Glaubens] abzielen entlang von Bahnen, die zugleich ausgedehnt, solide und universal sind.“ Andererseits „sollte sie die Konsolidierung im Inneren sicherstellen in Bezug auf die bereits geleistete Arbeit.“ Und er fährt fort: „Sie sollte sowohl den Impuls liefern, auf Grund dessen sich die dynamischen Kräfte, die im Glauben verborgen liegen, entfalten, kristallisieren und das Leben und Verhalten der Menschen formen können, als auch als Mittel für den Gedankenaustausch und die Koordinierung von Aktivitäten unter den unterschiedlichen Elementen dienen, welche die Bahá’í-Gemeinde ausmachen.“

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Wir hoffen ernsthaft, dass Sie im Verlauf des nächsten Plans bei Ihren Bemühungen, eine gesunde und harmonische Entwicklung der Bahá’í-Verwaltung auf allen Ebenen – von der örtlichen bis hin zur nationalen – zu fördern, Ihr Äußerstes tun werden, um den Freunden zu helfen, ihre Aufgaben im Rahmen des organischen Wachstumsprozesses, der weltweit an Schwungkraft zunimmt, zu erfüllen. Die Erfüllung dieser Hoffnung wird großenteils von dem Maß abhängen, in dem diejenigen, welche aufgerufen sind, solch einen Dienst zu leisten – seien sie in einen Geistigen Rat gewählt oder in eine seiner Agenturen ernannt, seien sie zum Institutskoordinator bestimmt oder als einer Ihrer Vertreter ernannt –, erkennen, welch großes Vorrecht sie haben und welches die Grenzen sind, die dieses Vorrecht für sie setzt.

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Dienst in den Institutionen und Agenturen des Glaubens ist in der Tat ein gewaltiges Privileg, aber nicht eines, das der Einzelne anstrebt; es ist eine Pflicht und eine Verantwortung, zu der er oder sie zu irgendeiner Zeit berufen werden kann. Natürlich ist es verständlich, dass alle, die in der Bahá’í-Verwaltung in welcher Weise auch immer involviert sind, zu Recht fühlen, dass ihnen eine einzigartige Ehre zuteil geworden ist als Teil einer Struktur, die dafür geschaffen ist, ein Kanal zu sein, durch welchen der Geist des Glaubens fließt. Jedoch sollten sie nicht denken, dass ein solcher Dienst sie berechtige, an der Peripherie des Lernprozesses zu wirken, der überall an Stärke zunimmt, dass sie befreit seien von seinen innewohnenden Anforderungen. Ebenso wenig sollte angenommen werden, dass die Mitgliedschaft in Verwaltungskörperschaften eine Gelegenheit biete, für das eigene Verständnis dessen, was in den Heiligen Texten geschrieben ist oder wie die Lehren angewendet werden sollen, zu werben und damit die Gemeinde in irgendeine Richtung zu steuern, die ihnen ihre persönliche Vorliebe eingibt. Im Hinblick auf Mitglieder von Geistigen Räten schrieb der Hüter, dass sie „ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen, ihre persönlichen Interessen und Neigungen völlig außer Acht lassen und sich auf Maßnahmen konzentrieren müssen, die zum Wohlergehen und Glück der Bahá’í-Gemeinde führen und das Allgemeinwohl fördern.“ Bahá’í-Institutionen haben die Autorität, die Freunde zu führen und das Leben der Einzelnen und der Gemeinden moralisch, geistig und intellektuell zu beeinflussen. Solche Aufgaben sollten jedoch in dem Bewusstsein ausgeübt werden, dass ein Ethos liebevollen Dienstes die Identität von Bahá’í-Institutionen durchdringt. Ein Verständnis von Autorität und Einfluss in diesem Sinne verlangt Opfer von Seiten derer, denen die Verwaltung der Angelegenheiten des Glaubens anvertraut worden ist. Sagt uns nicht ‘Abdu’l-Bahá, „wenn ein Stück Eisen in das Schmiedefeuer geworfen wird, dann werden die Eigenschaften, die es als Eisen charakterisieren – die Schwärze, Kälte und Härte –, welche die Eigenschaften der Menschenwelt symbolisieren, unsichtbar und verschwinden, während die Eigenschaften, die das Feuer charakterisieren – die Röte, Hitze und Flüssigkeit –, welche die Eigenschaften des Königreiches symbolisieren, in ihm sichtbar und offenbar werden.“ Wie Er nachdrücklich betont: „Ihr müsst in dieser Angelegenheit – nämlich dem Dienst an der Menschheit – sogar euer Leben niederlegen und, während ihr euch aufopfert, frohlocken.“

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Innig geliebte Freunde: Wie Sie sehr wohl wissen, ist es uns eine große Freude, Zeuge zu sein, wie kompetent Sie und Ihre Mitarbeiter, die in der vordersten Front im Felde des Lehrens dienen, Ihre Verpflichtung erfüllen, in jedem Herzen und jeder Seele das Feuer der Liebe Gottes zu entzünden, das Lernen zu fördern und allen beizustehen in ihren Bemühungen, einen aufrechten und lobenswerten Charakter zu entwickeln. Als die nordamerikanische Bahá’í-Gemeinde ihren ersten Siebenjahresplan in dem Bestreben begann, die Verantwortung zu erfüllen, welche ihr in den Sendschreiben zum göttlichen Plan auferlegt worden war, da richtete der Hüter am 25. Dezember 1938 an die Freunde in diesem Land einen Brief von beträchtlicher Länge und großer Macht, der später unter dem Titel Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit veröffentlicht wurde. In den Ausführungen über das Wesen der bevorstehenden Aufgaben bezog sich der Brief auf das, was der Hüter als geistige Voraussetzungen für den Erfolg aller Bahá’í-Unternehmungen beschrieb. Unter diesen nannte er drei, die, wie er sagte, als „vordringlich und lebenswichtig hervorragen“: rechtschaffenes Verhalten, ein keusches und heiliges Leben und Freisein von Vorurteilen. Angesichts des Zustands der heutigen Welt tun Sie gut daran, über die Implikationen nachzudenken, die seine Beobachtungen für die weltweite Anstrengung der Bahá’í-Gemeinde haben, die sich bemüht, ein Cluster nach dem anderen mit dem Geist von Bahá’u’lláhs Offenbarung zu durchdringen.

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Bezug nehmend auf die Rechtschaffenheit des Verhaltens sprach Shoghi Effendi von der „Gerechtigkeit, Rechtlichkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit“, die „jede Phase im Leben der Bahá’í-Gemeinde auszeichnen“ muss. Obgleich diese Forderung alle ihre Mitglieder betrifft, hat er unterstrichen, dass sie sich hauptsächlich an „ihre gewählten Vertreter, ob örtlich, regional oder national“ richtet, deren Sinn für moralische Rechtschaffenheit in klarem Gegensatz stehen sollte zu dem „entsittlichenden Einfluss, den ein von der Korruption erfasstes politisches Leben deutlich zeigt“. Der Hüter forderte „ein dauerndes Gefühl für unbeirrbare Gerechtigkeit“ „in einer tief zerrütteten Welt“, zitierte ausführlich aus den Schriften Bahá’u’lláhs und ‘Abdu’l-Bahás und zog die Blicke der Freunde auf die höchsten Maßstäbe der Ehrenhaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Er appellierte an die Gläubigen, in allen Aspekten ihres Lebens ein Beispiel für rechtschaffenes Verhalten zu geben — in ihren geschäftlichen Angelegenheiten, im häuslichen Bereich, bei jeglicher Beschäftigung, bei allen Diensten, die sie der Sache und ihrem Volk leisten — und seine Anforderungen durch rückhaltloses Festhalten an den Gesetzen und Prinzipien des Glaubens zu erfüllen. Dass das politische Leben seit damals überall mit alarmierender Geschwindigkeit immer weiter verkommt, ist offensichtlich, da die wahre Auffassung von staatsmännischem Handeln aufgezehrt ist, da Politik im Namen des Fortschritts dazu gekommen ist, den wirtschaftlichen Interessen der Wenigen zu dienen, da der Heuchelei gestattet wird, das Wirken sozialer und wirtschaftlicher Strukturen zu untergraben. Wenn es die Freunde schon damals so große Mühe kostete, die hohen Standards des Glaubens aufrecht zu erhalten, um wie viel größer müssen da die Kraftanstrengungen in einer Welt sein, die Unehrlichkeit belohnt, zu Korruption ermutigt und mit Wahrheit wie mit einer börsenfähigen Handelsware umgeht. Die Verwirrung ist tiefgehend, die das Fundament der Gesellschaft bedroht, und unerschütterlich muss die Entschlossenheit derer sein, die sich an Bahá’í-Aktivitäten beteiligen, damit ihr Urteilsvermögen nicht von der geringsten Spur von Eigennutz getrübt werde. Lasst die Koordinatoren jedes Trainingsinstituts, die Mitglieder jedes Clusterlehrausschusses, jedes Mitglied des Hilfsamts und alle ihre Assistenten, alle Mitglieder jeder lokalen, regionalen und nationalen Bahá’í-Körperschaft, ob ernannt oder gewählt, die Bedeutung der dringenden Bitte des Hüters verstehen, in ihren Herzen die Auswirkungen der moralischen Rechtschaffenheit zu erwägen, die er mit solcher Klarheit beschrieb. Mögen ihre Taten einer angeschlagenen und ermatteten Menschheit zur Erinnerung an ihre hohe Bestimmung und den ihr innewohnenden Adel dienen.

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Nicht minder sachdienlich für den Erfolg der Bahá’í-Unternehmung heute sind die deutlichen Stellungnahmen des Hüters zu der Wichtigkeit eines keuschen und heiligen Leben „mit seinen Kennzeichen der Bescheidenheit, Reinheit, Mäßigung, Anständigkeit und inneren Sauberkeit“. Er war unmissverständlich in seiner Ausdrucksweise, und forderte die Freunde auf zu einem makellosen Leben „unbefleckt ... von der Unanständigkeit, den Lastern und falschen Maßstäben, welche ein zuinnerst mangelhafter Moralbegriff duldet, aufrecht erhält und pflegt“. Wir brauchen Ihnen an dieser Stelle keine Beweise für den Einfluss zu liefern, den ein solch mangelhafter Verhaltenskodex jetzt auf die Menschheit als Ganzes ausübt; selbst die entlegendsten Flecken der Welt sind von seinen Verlockungen gefangen genommen. Doch sehen wir uns veranlasst, einige Punkte speziell in Bezug auf das Thema der Reinheit zu erwähnen. Die Kräfte, die auf die Herzen und den Geist der Jugendlichen wirken, an die der Hüter seinen Appell besonders leidenschaftlich richtete, sind in der Tat verderblich. Ermahnungen, rein und keusch zu bleiben, werden ihnen nur mit begrenztem Erfolg helfen, diesen Kräften zu widerstehen. Was in dieser Hinsicht verstanden werden muss, ist das Ausmaß, in dem junge Gemüter von der Wahl beeinflusst werden, die ihre Eltern für ihr eigenes Leben treffen, wenn solche Wahlmöglichkeiten, ganz gleich wie unabsichtlich und unschuldig, die weltlichen Leidenschaften hinnehmen – ihre Bewunderung für Macht, ihre Verehrung von Status, ihre Liebe zum Luxus, ihre Verhaftung an leichtsinnige Beschäftigungen, ihre Verherrlichung von Gewalt und ihre Besessenheit von Befriedigung des Selbst. Man muss begreifen, dass die Vereinsamung und Verzweiflung, unter der so viele leiden, Produkte einer Umwelt sind, die von einem alles durchdringenden Materialismus regiert wird. Und in diesem Zusammenhang müssen die Freunde die Auswirkungen der Aussage Bahá’u’lláhs verstehen, dass „die heutige Ordnung aufgerollt und eine neue an ihrer Statt entfaltet werden“ muss. Junge Leute zählen derzeit auf der ganzen Welt zu den enthusiastischsten Unterstützern des Plans und den leidenschaftlichsten Verfechtern der Sache; ihre Zahl wird – davon sind wir überzeugt – von Jahr zu Jahr zunehmen. Möge jeder von ihnen die Gnadengaben eines Lebens kennen lernen, das mit Reinheit geschmückt ist, und lernen, die Kräfte zu nutzen, die durch reine Kanäle fließen.

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Der Hüter sprach als nächstes das Thema der Vorurteile an, und stellte offenkundig dar, dass „irgendeine Teilung oder Spaltung“ in den Reihen des Glaubens „nicht seinem eigentlichen Zweck, seinen Grundsätzen und Idealen“ entspricht. Er stellte klar, dass die Freunde „völlige Freiheit von Vorurteilen in ihrem Umgang mit Menschen verschiedener Rasse, Klasse, Glaubensrichtung oder Farbe“ an den Tag legen sollten. Er fuhr fort, die besondere Frage des rassischen Vorurteils zu erörtern, „dessen ätzende Schärfe sich beinahe ein Jahrhundert lang in jede Faser der amerikanischen Gesellschaft eingefressen und ihren sozialen Aufbau angegriffen hat“ und das, wie er damals versicherte „als das brennendste und herausforderndste Problem betrachtet werden sollte, dem die Bahá’í-Gemeinde auf ihrer jetzigen Entwicklungsstufe gegenübersteht“. Unabhängig von den Stärken und Schwächen der Maßnahmen, die das amerikanische Volk und die Bahá’í-Gemeinde, die sich in Entwicklung befindet, zur Bewältigung dieser besonderen Herausforderung ergriffen haben, bleibt die Tatsache bestehen, dass Vorurteile aller Art — der Rasse, Klasse, ethnischen Herkunft, des Geschlechts oder des religiösen Glaubens — die Menschheit weiterhin in ihrem starken Griff halten. Während es stimmt, dass auf der Ebene des öffentlichen Diskurses große Schritte zur Widerlegung der Unwahrheiten unternommen wurden, die Vorurteile in jeglicher Form entstehen lassen, durchdringen sie immer noch das gesellschaftliche Gefüge und prägen systematisch das Bewusstsein des Einzelnen. Es sollte jedem klar und deutlich sein, dass der Prozess, der durch die gegenwärtige Serie globaler Pläne in Gang gesetzt wurde, in seinen Herangehensweisen und eingesetzten Methoden danach trachtet, in jeder menschlichen Gruppe die Fähigkeit aufzubauen, ungeachtet der Klasse oder des religiösen Hintergrunds, ohne Beachtung der Ethnie oder Rasse, unabhängig von Geschlecht oder sozialem Status sich zu erheben und zum Fortschritt der Kultur beizutragen. Wir beten dafür, dass im Laufe dieser Entwicklung das Potenzial verwirklicht wird, jedes Werkzeug unwirksam zu machen, das die Menschheit während der langen Periode ihrer Kindheit ersonnen hat, damit eine Gruppe die andere unterdrücken kann.

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Der mit dem Trainingsinstitut verbundene Erziehungsprozess trägt selbstverständlich dazu bei, die geistigen Voraussetzungen zu fördern, auf die der Hüter in Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit hingewiesen hat, zusammen mit vielen anderen, welche in den Schriften erwähnt sind und das Bahá’í-Gemeindeleben auszeichnen müssen: der Geist der Einheit, der die Freunde beseelen muss, die Bande der Liebe, die sie verbinden muss, die Festigkeit im Bund, die sie standhaft halten muss, sowie Zuversicht und Vertrauen, das sie auf die Macht göttlichen Beistand setzen müssen – um nur wenige zu nennen. Es ist sehr bemerkenswert, dass solch wesentliche Eigenschaften beim Aufbau von Kapazitäten für den Dienst entwickelt werden und dies in einem Umfeld, welches systematisches Handeln kultiviert. Bei der Förderung dieses Umfelds müssen die Mitglieder des Hilfsamts und ihre Assistenten die Wichtigkeit zweier grundlegender, miteinander verzahnter Prinzipien erkennen: Auf der einen Seite kann der hohe Standard des Verhaltens, den uns Bahá’u’lláhs Offenbarung eingeschärft hat, keine Kompromisse dulden; er kann unter keinen Umständen herabgesetzt werden, und alle müssen ihren Blick auf seine hocherhabene Stellung richten. Auf der anderen Seite müssen wir eingestehen, dass wir als menschliche Wesen weit davon entfernt sind, vollkommen zu sein. Was von jedem erwartet wird, ist, dass er sich täglich aufrichtig bemüht. Selbstgerechtigkeit muss gemieden werden.

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Neben den geistigen Voraussetzungen eines geheiligten Bahá’í-Lebens gibt es Denkgewohnheiten, die die Entfaltung des weltweiten Plans beeinflussen, und zu ihrer Entwicklung muss auf kultureller Ebene ermutigt werden. Es gibt auch Neigungen, die nach und nach überwunden werden müssen. Viele dieser Neigungen werden von den vorherrschenden Ansätzen in der Gesamtgesellschaft verstärkt, die, nicht ganz unverständlich, in Bahá’í-Aktivitäten eindringen. Die Größe der Herausforderung, der die Freunde in dieser Hinsicht gegenüberstehen, ist uns nicht entgangen. Sie werden aufgefordert, sich zunehmend am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, aus ihren Erziehungsprogrammen Nutzen zu ziehen, sich in ihren Geschäften und Berufen auszuzeichnen, zu lernen, ihre Werkzeuge anzuwenden und sich für den Fortschritt ihrer Künste und Wissenschaften einzusetzen. Gleichzeitig dürfen sie niemals das Ziel des Glaubens aus den Augen verlieren, in nie dagewesenem Ausmaß einen Wandel in der Gesellschaft herbeizuführen und ihre Institutionen und Prozesse neu zu gestalten. Zu diesem Zweck müssen sie sich der Unzulänglichkeit der heutigen Denkstrukturen und Handlungsmuster überaus bewusst sein — ohne sich allerdings im Geringsten überlegen zu fühlen, ohne einen Gestus der Abgehobenheit oder Geheimnistuerei und ohne eine unnötig kritische Haltung gegenüber der Gesellschaft einzunehmen. In diesem Zusammenhang möchten wir einige besondere Punkte erwähnen.

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Es ist ermutigend zu sehen, dass die Freunde sich mit solcher Sorgfalt an das Studium der Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit bezüglich des Plans machen. Das Niveau der Diskussion, das entsteht, während sie sich darum bemühen, die erhaltene Führung in die Tat umzusetzen und aus Erfahrungen zu lernen, ist beeindruckend. Wir kommen allerdings nicht umhin festzustellen, dass die Errungenschaften in jenen Regionen dauerhafter sind, in denen die Freunde danach streben, die in den Botschaften übermittelte Vision in ihrer Gänze zu verstehen, während oft Schwierigkeiten auftreten, wenn Sätze und Satzteile aus dem Zusammenhang gerissen und als isolierte Fragmente betrachtet werden. Die Institutionen und Agenturen des Glaubens sollten den Gläubigen dabei helfen zu analysieren, aber nicht zu verkürzen, über Bedeutung nachzusinnen, aber nicht an Worten festzuhalten, bestimmte Handlungsfelder auszumachen, aber nicht abzuschotten. Wir sind uns bewusst, dass dies keine geringe Aufgabe ist. Die Gesellschaft spricht zunehmend in Schlagwörtern. Wir hoffen, dass die Gewohnheiten, die die Freunde in den Studienkreisen entwickeln, in vollständigen und komplexen Gedankengängen zu arbeiten und dabei Verständnis zu gewinnen, auf vielfältige Handlungsbereiche ausgeweitet werden.

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Eng verbunden mit der Gewohnheit, ein ganzes Thema auf ein oder zwei gefällige Schlagworte zu reduzieren, ist die Neigung, Dichotomien wahrzunehmen, wo in Wirklichkeit keine sind. Es ist wesentlich, dass Gedanken, die Teil eines zusammenhängenden Ganzen sind, nicht in Gegensatz zueinander gestellt werden. In einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief warnte Shoghi Effendi: „Wir müssen die Lehren als großes, ausgewogenes Ganzes nehmen und nicht zwei starke Aussagen mit unterschiedlicher Bedeutung heraussuchen und sie gegenüberstellen; irgendwo zwischen ihnen gibt es Verbindungen, die beide vereinen.“ Wie ermutigend war es für uns festzustellen, dass viele Missverständnisse der Vergangenheit entfallen sind, da das Verständnis für die Vorkehrungen des Plans zugenommen hat. Ausbreitung und Festigung, individuelles Handeln und kollektive Kampagnen, Veredelung des Charakters und Hingabe an selbstlosen Dienst — die harmonische Beziehung zwischen diesen Facetten des Bahá’í-Lebens wird nun bereitwillig anerkannt. Es bereitet uns ebensolche Freude zu wissen, dass die Freunde auf der Hut sind, damit keinen neuen falschen Dichotomien gestattet wird, ihr Denken zu durchdringen. Sie sind sich sehr wohl darüber im Klaren, dass die mannigfachen Elemente eines Wachstumsprogramms sich ergänzen. Die Neigung, Aktivitäten und die sie unterstützenden Agenturen als in Konkurrenz zueinander zu sehen, eine in der Gesamtgesellschaft so verbreitete Neigung, wird von der Gemeinde gemieden.

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Schließlich ist eine bedeutende Verbesserung der Kultur, die wir mit besonderem Interesse verfolgt haben, durch die zunehmende Fähigkeit der Freunde gekennzeichnet, prozessorientiert zu denken. Dass die Gläubigen von Anfang an gebeten wurden, sich der breit angelegten Prozesse, die ihre Arbeit bestimmten, ständig bewusst zu sein, ist ersichtlich, wenn man selbst den frühesten Schriftverkehr des Hüters hinsichtlich der ersten nationalen Pläne des Glaubens sorgfältig liest. Es erfordert allerdings beträchtliche Mühe, den für langfristiges Handeln benötigten Grad der Hingabe in einer Welt aufrecht zu erhalten, die zunehmend auf Werbung für Events oder bestenfalls Projekte fokussiert ist mit einer Geisteshaltung, die Befriedigung aus der Erwartungshaltung und der Spannung zieht, die die schnelllebigen Aktionen erzeugen. Die Ausbreitung und Festigung der Bahá’í-Gemeinde schließt eine Reihe zusammenwirkender Prozesse ein, die alle für die Bewegung der Menschheit zu Bahá’u’lláhs Vision einer neuen Weltordnung ihren Beitrag leisten. Die mit einem bestimmten Prozess verbundenen Handlungsstränge sorgen für die Organisation gelegentlicher Ereignisse, und von Zeit zu Zeit nehmen Aktivitäten die Form eines Projekts mit eindeutigem Beginn und Ende an. Wenn man jedoch der natürlichen Entfaltung eines Prozesses besondere Ereignisse aufzwingt, werden sie seine gesunde Entwicklung stören. Wenn die in einem Cluster durchgeführten Projekte nicht den ausdrücklichen Bedürfnissen der dort zu entfaltenden Prozesse untergeordnet sind, dann werden sie nur geringen Ertrag bringen.

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Das Wesen der zusammenhängenden Prozesse in ihrer Gänze zu verstehen, die die Ausbreitung und Festigung hervorrufen, ist für eine erfolgreiche Ausführung des Plans wesentlich. Bei Ihren Bemühungen um die Förderung dieses Verständnisses werden Sie und Ihre Mitarbeiter ermutigt, ein Konzept zu beachten, das an der Basis der gegenwärtigen weltweiten Unternehmung und tatsächlich im Mittelpunkt jeder Stufe des göttlichen Plans liegt, nämlich dass der Fortschritt durch die Entwicklung von drei Beteiligten erreicht wird — dem Einzelnen, den Institutionen und der Gemeinde. Während der gesamten Menschheitsgeschichte war das Zusammenspiel dieser drei auf Schritt und Tritt mit Schwierigkeiten belastet: mit dem Verlangen des Einzelnen nach Freiheit, der Forderung der Institutionen nach Unterordnung und dem Anspruch der Gemeinde auf den Vorrang. Jede Gesellschaft hat auf die eine oder andere Weise die Beziehungen, welche die drei aneinander binden, festgelegt und so Zeiten der Stabilität hervorgerufen, durchwirkt von Aufruhr. Heute, in diesem Zeitalter des Übergangs, da die Menschheit um ihre kollektive Reife kämpft, werden solche Beziehungen — nein, allein schon die Vorstellung vom Einzelnen, von den gesellschaftlichen Institutionen und der Gemeinde — weiterhin von unzähligen Krisen heimgesucht. Die weltweite Autoritätskrise liefert einen hinreichenden Beweis. So schwerwiegend wurde Autorität missbraucht und verletzt, und so tief ist das Misstrauen und die Feindseligkeit, die sie nun hervorruft, dass die Welt zunehmend unregierbar wird — eine Situation, die durch die Schwächung von Gemeinschaftsbanden noch gefährlicher wird.

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Jeder Anhänger Bahá’u’lláhs weiß wohl, dass es der Zweck Seiner Offenbarung ist, eine neue Schöpfung hervorzubringen. „Kaum war … der Erste Ruf Seinen Lippen entströmt, da war die ganze Schöpfung umgewälzt; alle in den Himmeln und alle auf Erden wurden bis tief ins Herz aufgewühlt.“ Der Einzelne, die Institutionen und die Gemeinde — die drei Protagonisten des göttlichen Plans — werden unter dem unmittelbaren Einfluss Seiner Offenbarung geformt, und eine neue Auffassung jeder der drei ist im Entstehen begriffen in einer für eine Menschheit angemessenen Weise, die die Reife erlangt hat. Die Beziehungen, die sie verbinden, durchleben ebenfalls eine tiefgreifende Wandlung und bringen dabei Kultur stiftende Kräfte ins Reich des Daseins, die nur durch Übereinstimmung mit Seinem Gebot freigesetzt werden können. Auf grundlegender Ebene sind diese Beziehungen gekennzeichnet durch Zusammenarbeit und Wechselseitigkeit – Ausdruck der Vernetzung, die das Universum regiert. Also betrachtet sich der Einzelne ungeachtet seines „persönlichen Nutzens und eigensüchtigen Vorteils“ als einen „Diener Gottes, des Allbesitzenden“, dessen einziges Verlangen es ist, Seine Gesetze zu befolgen. Also haben die Freunde erkannt, dass „eine Fülle an Gefühl, ein Überfluss an gutem Willen und Bestrebung“ von geringem Nutzen sind, wenn ihr Fluss nicht durch geeignete Kanäle geleitet wird, dass „uneingeschränkte Freiheit des Einzelnen durch gemeinsame Beratung und Opfer gemäßigt werden“ und „Initiative und Unternehmungsgeist durch eine tiefere Einsicht der obersten Notwendigkeit gemeinsamen Handelns und eine umfassendere Hingabe an das Gemeinwohl verstärkt werden sollte.“ Und so kommt es, dass alle mit Leichtigkeit jene Handlungsfelder erkennen, auf denen der Einzelne am besten Initiative zeigen kann, und jene, die allein den Institutionen vorbehalten bleiben. „Mit Herz und Seele“ folgen die Freunde den Anweisungen ihrer Institutionen, damit, wie ‘Abdu’l-Bahá erklärt, „die Dinge durchgeplant und wohl geordnet werden“. Dabei handelt es sich natürlich nicht um blinden Gehorsam; es ist ein Gehorsam, der das Entstehen eines reifen Menschheitsgeschlechts kennzeichnet, das die Implikationen eines so weitreichenden Systems wie Bahá’u’lláhs Weltordnung begreift.

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Und diejenigen, die aus den Reihen solch entflammter Seelen aufgerufen werden, in den Institutionen dieses machtvollen Systems zu dienen, verstehen gut die Worte des Hüters: „Es ist nicht ihre Aufgabe zu diktieren, sondern zu beraten, und nicht nur untereinander zu beraten, sondern so viel wie möglich auch mit den Freunden, die sie vertreten.“ „Niemals sollten sie sich zu der irrigen Meinung verleiten lassen, sie seien die Schmuckstücke im Mittelpunkt der Sache Gottes, den anderen wesenhaft überlegen an Fähigkeit und Verdienst, die alleinigen Förderer göttlicher Lehren und Prinzipien.“ „Mit tiefster Demut sollten sie an ihre Aufgabe herangehen und bestrebt sein, durch ihre Aufgeschlossenheit, ihren hohen Sinn für Gerechtigkeit, ihr Pflichtbewusstsein, ihre Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und völlige Hingabe an die Wohlfahrt und die Interessen der Freunde, an die Sache Gottes und die Menschheit nicht nur das Vertrauen, die wirksame Unterstützung und Achtung derer zu gewinnen, denen sie dienen, sondern auch ihre Wertschätzung und wirkliche Zuneigung.“ In einem so geschaffenen Umfeld betrachten sich mit Autorität ausgestattete Institutionen als Werkzeuge zur Förderung menschlichen Potenzials, die dessen Entfaltung auf leistungsfähigen und verdienstvollen Wegen sicherstellen.

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Aus solchen Individuen und solchen Institutionen zusammengesetzt, wird die Gemeinde des Größten Namens zu jener geistig aufgeladenen Arena, in der sich die Kräfte durch gemeinsames Handeln vervielfachen. ‘Abdu’l-Bahá schreibt: „Ebenso werden die Seelen, wenn sie zu wahren Gläubigen heranwachsen, geistige Verwandtschaft erlangen und eine Zartheit aufweisen, die nicht von dieser Welt ist. Alle werden sie durch einen Hauch der göttlichen Liebe erhoben, und ihre Vereinigung, ihre Verbindung wird ebenfalls ewig bestehen. Seelen, die ihr Selbst dem Vergessen preisgeben, die menschliche Schwächen ablegen und sich von irdischen Bindungen lösen, werden zweifellos mit dem himmlischen Glanz der Einheit erleuchtet und in der unvergänglichen Welt alle zur wahren Vereinigung gelangen.“

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Indem mehr und mehr empfängliche Seelen die Sache Gottes annehmen und ihr Schicksal mit jenen verbinden, die sich bereits an der laufenden weltweiten Unternehmung beteiligen, werden die Entwicklung und die Aktivitäten des Einzelnen, der Institutionen und der Gemeinde einen mächtigen Schub vorwärts erhalten. Möge eine verwirrte Menschheit in den Beziehungen, die zwischen diesen drei Protagonisten durch die Anhänger Bahá’u’lláhs geschmiedet werden, ein Muster für das Zusammenleben erkennen, das sie in Richtung auf ihre hohe Bestimmung vorwärts treiben wird. Das ist unser inständiges Gebet in den Heiligen Schreinen.

Gez.: Das Universale Haus der Gerechtigkeit


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