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Universales Hauses der Gerechtigkeit

Ausgewählte Botschaften 1963-1996

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1963-1988: 206 Botschaften, (c) Bahá'í-Verlag, Langenhain 1996 - 153(425-061)
1989-1996: 76 weitere Botschaften, entnommen aus den Bahá'i-Nachrichten






Abkürzungen für Quellenangaben:

WOB Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá'u'lláhs, Langenhain 1977
ÄL Bahá'u'lláh, Ährenlese, Langenhain 1980
AKKA Bahá'u'lláh, Botschaften aus Akká, Langenhain 1982
WOLF Bahá'u'lláh, Brief an den Sohn des Wolfes, Langenhain 1988
TAB Tablets of Abdu'l-Baha Abbas, BPC New York 1930
GGV Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, Langenhain 1976
KGG Shoghi Effendi, Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit, Langenhain 1969





Inhalt

1. 22. April 1963 Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
2. 30. April 1963 Erste Erklärung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
3. 7. Mai 1963 Botschaft an die Nationaltagungen 1963
4. 16. Juni 1963 Vorläufiger Sitz des UHG; Neue Regelungen für Pilger
5. 25. Aug. 1963 Das Haus der Andacht in Ishqábád
6. 6. Okt. 1963 Das Hütertum
7. Oktober 1963 Der zweite weltumspannende Plan
8. 5. Nov. 1963 Hundertjahrfeier der Ankunft Bahá'u'lláhs in Edirne
9. 18. Dez. 1963 Weltweite Aufgaben - erhöhte Opferbereitschaft

10. April 1964 Der Neunjahresplan
11. April 1964 Ridván-Botschaft an die Bahá'í in Deutschland
12. Juli 1964 Einweihung des Hauses der Andacht in Langenhain
13. 13. Juli 1964 Lehrarbeit in der Breite
14. Sept. 1964 Universelle Teilnahme
15. Nov. 1964 Entwicklung der Institution der Hände der Sache Gottes

16. 9. März 1965 Die unangreifbare Grundlage der Sache Gottes
17. April 1965 Der majestätische Prozeß gewinnt an Schwungkraft
18. 11. Nov. 1965 Die Heiligen Stätten in Bahjí
19. 11. Dez. 1965 Pionieraufruf

20. 28. Jan. 1966 Einhaltung der Bahá'í-Feiertage
21. April 1966 Rüsten für die dritte Phase des Neunjahresplanes
22. 27. Mai 1966 Hütertum und Universales Haus der Gerechtigkeit
23. 5. Juni 1966 Pioniererfordernisse in neu erschlossenen Gebieten
24. 10. Juni 1966 An die Bahá'í-Jugend in jedem Land
25. 1. Sept. 1966 Drei weitere Nationale Räte bis Ridván 1967 zu bilden

26. 7. März 1967 Lebenswichtige Aufgaben im Bahá'í-Weltzentrum
27. April 1967 Weltweite Proklamation in neuer Dimension
28. 25. Juni 1967 Einhundertfünfzigster Jahrestag der Geburt Bahá'u'lláhs
29. 2. Juli 1967 Wesen und Zweck der Proklamation
30. Oktober 1967 Die Stunde ist da
31. 15. Okt. 1967 Beginn der dritten Phase im Neunjahresplan
32. 17. Okt. 1967 Internationale Bahá'í-Gemeinde
33. 31. Okt. 1967 Das herausragende Ziel des Lehrens
34. 12. Nov. 1967 Erste Ozeanische Konferenz in Palermo
35. 8. Dez. 1967 Die Beziehung der Bahá'í zur Politik

36. 22. April 1968 Neugewähltes Universales Haus der Gerechtigkeit
37. 9. Mai 1968 Botschaft an die Nationaltagungen 1968
38. 21. Juni 1968 Telegramm über die Errichtung Kontinentaler Beraterämter
39. 24. Juni 1968 Erläuterungen zum Telegramm vom 21. Juni 1968
40. 9. Juli 1968 Hinscheiden der Hand der Sache Hermann Grossmann
41. 12. Aug. 1968 Hinscheiden von Dr. Lutfu'lláh Hakím
42. August 1968 Von Gallipoli zum Größten Frieden, an die Palermo-Konferenz
43. 14. Aug. 1968 Vertiefung der neuen Gläubigen vorrangig
44. 4. Sept. 1968 Hinscheiden von Hand der Sache Gottes Tarázu'lláh Samandarí
45. 8. Sept. 1968 Ergebnisse der Palermo-Konferenz
46. 9. Okt. 1968 An die Bahá'í-Jugend der Welt

47. April 1969 Ridván-Botschaft 1969
48. 26. Mai 1969 Richtlinien zur Selbstverteidigung
49. 10. Juli 1969 Neuernennungen in Kontinentale Beraterämter
50. 11. Aug. 1969 Bildung eines zusätzlichen Nationalen Geistigen Rates
51. 26. Sept. 1969 Sommerschul-Lehrpläne
52. 1. Okt. 1969 Berater- und Hilfsamt
53. 16. Nov. 1969 Universelle Teilnahme und gemeinsames Gebet
54. 18. Nov. 1969 Erwerb eines Grundstücks in Bahjí
55. 7. Dez. 1969 Hütertum und Universales Haus der Gerechtigkeit

56. 28. Jan. 1970 Verteilung von Broschüren
57. 8. Feb. 1970 Nichteinmischung in politische Angelegenheiten
58. 18. Feb. 1970 Beratender Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der UNO
59. 6. März 1970 Der Geist der Bahá'í-Beratung
60. 25. März 1970 Der Reinste Zweig
61. April 1970 Ridván-Botschaft
62. August 1970 Botschaft an die Konferenzen von Bolivien und Mauritius
63. 12. Aug. 1970 Bildung von sieben Nationalen Geistigen Räten an Ridván 1971
64. 29. Nov. 1970 An alle Pioniere
65. 29. Dez. 1970 Schwere Krise des Internationalen Bahá'í-Fonds

66. 4. Jan. 1971 Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Agnes Alexander
67. 11. Jan. 1971 Der Fortschritt des Glaubens in Deutschland
68. Januar 1971 Botschaft an die Konferenz in Monrovia - Januar 1971
69. Januar 1971 Botschaft an die Ozeanische Konferenz in Singapur
70. 1. Feb. 1971 Teilnahme von Händen der Sache Gottes an ersten Nationaltagungen
71. 11. Feb. 1971 Bildung neun weiterer Nationaler Geistiger Räte zu Ridván 1972
72. 23. Feb. 1971 Warnung vor Mißbrauch mit Aufnahmen der Stimme Abdu'l-Bahás
73. 29. März 1971 An die Konferenz der europäischen Bahá'í-Jugend in Namur
74. April 1971 Ridván-Botschaft
75. Mai 1971 Botschaft an die Karibische Konferenz - Mai 1971
76. Mai 1971 Botschaft an die Ozeanische Konferenz im Südpazifik - Mai 1971
77. 12. Juli 1971 Fünfzigsten Jahrestag zum Hinscheidens Abdu'l-Bahás
78. 16. Juli 1971 An die Konferenz der europäischen Jugend in Fiesch
79. Sept. 1971 Botschaft an die Ozeanische Konferenz im Nordpazifik
80. Sept. 1971 Botschaft an die Nordatlantische Konferenz in Reykjavik
81. 5. Sept. 1971 Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Músá Banáni
82. 7. Dez. 1971 Bildung von 13 neuen Nationalen Geistigen Räten zu Ridván 1972
83. 19. Dez. 1971 Grundstücke am Weltzentrum weiterentwickelt

84. 14. Feb. 1972 Anzahl der Zentren hat das Ziel des Neunjahresplanes überschritten
85. 19. März 1972 Einweihung des Mashriqu'l-Adhkár in Panama
86. April 1972 Ridván-Botschaft
87. 24. April 1972 Beziehung zwischen Händen der Sache und Kontinentalen Beraterämtern
88. 28. Mai 1972 Bildung von Geistigen Räten im letzten Jahr des Neunjahresplanes
89. 7. Juni 1972 Entscheidung zum Bau des Sitzes des Universalen Hauses
90. 13. Juli 1972 Ermahnung, die letzte Spur von Vorurteil zu tilgen
91. 30. Juli 1972 Die Stufe der örtlichen Geistigen Räte
92. 19. Sept. 1972 Opfertod dreier iranischer Bahá'í-Studenten auf den Philippinen
93. 18. Okt. 1972 Geistige Krise der deutschen Bahá'í-Gemeinde
94. 26. Nov. 1972 Annahme der Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

95. 14. Jan. 1973 Die Vorhaben für das Jahr bis zum nächsten weltumspannenden Plan
96. 19. Jan. 1973 Fertigstellung Inhaltsübersicht / systematische Darstellung des Aqdas
97. 6. Feb. 1973 Dringender Aufruf zum Befolgen der göttlichen Gesetze
98. 15. März 1973 Erwerb des Landhauses Mazra`ih
99. April 1973 Ridván-Botschaft
100. 3. Mai 1973 Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
101. 7. Mai 1973 Erster regierender Monarch nimmt den Glauben Bahá'u'lláhs an
102. 5. Juni 1973 Errichtung des Internationalen Lehrzentrums
103. 8. Juni 1973 Aufgaben des Internationalen Lehrzentrums
104. 7. Okt. 1973 Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten
105. 27. Nov. 1973 Datenunterschiede bei Bahá'í-Feiertagen
106. 4. Dez. 1973 Gärten in Bahjí erweitert

107. 21. März 1974 Naw-Rúz-Botschaft
108. 09. Juni 1974 Brief des UHG an den NGR von Island
109. 26. Nov. 1974 Gegnerschaft gegenüber dem Bahá'í-Glauben

110. 13. Jan. 1975 Zum Fortgang des Fünfjahresplanes
111. 14. Jan. 1975 Erwerb des heiligen Hauses in Akká
112. 4. März 1975 Das Haus von Abdu'lláh Pashá
113. 4. April 1975 Ridván-Botschaft
114. 25. Mai 1975 Ziele des Fünfjahresplanes - Standortbestimmung
115. 25. Mai 1975 Der Gebrauch von Rundfunk und Fernsehen beim Lehren
116. 5. Juni 1975 Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

117. 26. Jan. 1976 Pioniere an der Heimatfront
118. 21. März 1976 Naw-Rúz-Botschaft
119. 7. Juli 1976 Keine politische Betätigung
120. 31. Aug. 1976 Bahá'í-Kindererziehung
121. 10. Okt. 1976 Besuch des Königs Malietoa Tanumafili II. am Grab des Hüters in London
122. 19. Dez. 1976 Ruf nach Reiselehrern - jung und alt

123. 3. März 1977 Das Lehren der Sache Gottes - Fundament aller Bahá'í-Tätigkeit
124. 24. März 1977 Bemerkenswerte Ereignisse und Leistungen im Fünfjahresplan
125. April 1977 Ridván-Botschaft an die deutsche Gemeinde
126. 6. Juli 1977 Zusammenarbeit zwischen Hilfsamtsmitgliedern und Lehrausschüssen

127. 27. März 1978 Verhältnis zwischen Beraterämtern und Nationalen Geistigen Räten
128. Ridván 1978 Ridván-Botschaft an die Internationale Bahá'í-Tagung
129. 24. Okt. 1978 An die Teilnehmer der Konferenz in Langenhain
130. 5. Dez. 1978 Telegramm zum Fortgang des Fünfjahresplanes
131. 26. Dez. 1978 Der neue weltweite Siebenjahresplan

132. 3. Jan. 1979 Bahá'í-Studienseminar über Ethik und Methodenlehre in Cambridge
133. 1. März 1979 Grundsteinlegung des Muttertempels in Samoa
134. 21. März 1979 Naw-Rúz-Botschaft
135. 21. März 1979 Erläuterung bestimmter Ziele des Siebenjahresplanes
136. 25. April 1979 Telegramm zum Abschluß des Fünfjahresplanes in Deutschland
137. 4. Mai 1979 Antworttelegramm zur 49. Nationaltagung
138. 29. Juni 1979 Dauer der Amtszeit von Mitgliedern der Kontinentalen Beraterämter
139. 4. Juli 1979 Beraterin Anneliese Bopp ins Internationale Lehrzentrum berufen
140. 6. Dez. 1979 Ausschachtungsarbeiten auf Tempelgeländen in Samoa und Indien
141. 30. Dez. 1979 Hinscheiden der Hand der Sache Dr. Rahmatu'lláh Muhájir

142. 12. Feb. 1980 Hinscheiden der Hand der Sache .Hasan Balyúzí
143. 21. März 1980 Naw-Rúz-Botschaft
144. 22. April 1980 Botschaft zur 50. Nationaltagung
145. 28. April 1980 Telegramm zur 50. Nationaltagung
146. 24. Juli 1980 Die Verfolgung der Bahá'í im Iran
147. 29. Juli 1980 Hinscheiden der Hand der Sache Adelbert Mühlschlegel
148. 23. Sept. 1980 Botschaft zur Verfolgung der Bahá'í im Iran
149. 24. Sept. 1980 Erwerb von Grundbesitz im Heiligen Land
150. 3. Nov. 1980 Neuernennung und Neuordnung der Kontinentalen Beraterämter
151. 20. Nov. 1980 Hinscheiden der Hand der Sache Abu'l-Qásim Faizi

152. Januar 1981 Ziele der zweiten Phase des Siebenjahresplanes für Deutschland
153. März 1981 Naw-Rúz-Botschaft 1981
154. 6.April 1981 Tempelfonds für Samoa und Indien
155. 17. April 1981 Erläuterungen zur zweiten Phase des Siebenjahresplanes
156. 5. Mai 1981 Antworttelegramm zur 51. Nationaltagung
157. 8. Juni 1981 Notwendigkeit zum vermehrten Spenden
158. 6. Juli 1981 Telegramm bez. der Resolution des Bundestages vom 25. Juni 1981

159. 26. Jan. 1982 Verfolgung der Bahá'í im Iran
160. April 1982 Ridván-Botschaft 139
161. 26. April 1982 Antworttelegramm zur 52. Nationaltagung
162. 15. Mai 1982 Hinscheiden von Amoz Gibson, Mitglied des UHG
163. 2. Juni 1982 Botschaft an die Teilnehmer der Konferenz in Dublin
164. 9. Aug. 1982 Keine Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Hinscheidens Shoghi Effendis
165. 5. Dez. 1982 Hinscheiden der Hand der Sache Paul Haney

166. 1. Feb. 1983 Einzug des UHG in seinen neu erbauten Amtssitz
167. April 1983 Ridván-Botschaft 140
168. 19. Mai 1983 Neue Aufgaben für das Internationale Lehrzentrum
169. 23. Juni 1983 An die Bahá'í-Jugend in aller Welt
170. 4. Juli 1983 An die Europäische Jugendkonferenz in Innsbruck
171. 1. Sept. 1983 Voraussetzungen für unsere geistige Entwicklung
172. 20. Okt. 1983 Größere Beteiligung an der Entwicklung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens der Völker

173. 2. Jan. 1984 Neue Aufgaben und Herausforderungen
174. 3. Jan. 1984 An die Bahá'í-Jugend in aller Welt
175. April 1984 Ridván-Botschaft 141
176. 26. Aug. 1984 Hüterbriefe sammeln und sichten
177. 7. Sept. 1984 Einweihung des Hauses der Andacht in West-Samoa
178. Sept. 1984 20. Jahrestag der Einweihung des Muttertempels von Europa
179. 18. Nov. 1984 Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Shu'a'u'lláh Alá'í

180. 3. Januar 1985 Neue Siege und Herausforderungen: das Gesetz des Huqúqu'lláh
181. 23. Jan. 1985 Aufgaben im Jahr des Friedens
182. April 1985 Ridván-Botschaft 142
183. 8. Mai 1985 An die Bahá'í-Jugend in aller Welt
184. 7. Aug. 1985 Entwicklung der örtlichen und nationalen Bahá'í-Fonds
185. 24. Okt. 1985 Bekanntgabe der Mitglieder der Kontinentalen Beraterämter
186. 17. Nov. 1985 Überführung der sterblichen Überreste von Mírzá Mu.hammad-Qulí
187. 25. Nov. 1985 Friedensbotschaft dem Generalsekretär der UNO überreicht

188. 2. Januar 1986 Einige Wesenszüge des kommenden Sechsjahresplanes
189. 25. Febr. 1986 Vorbereitung auf den Sechsjahresplan
190. 21. März 1986 Naw-Rúz-Botschaft an die Bahá'í in Deutschland
191. April 1986 Ridván-Botschaft 143
192. 13. Mai 1986 Telex zu den Ergebnissen der 56. Nationaltagung in Deutschland
193. 25. Mai 1986 Neue Amtsperiode und größere Anzahl der Hilfsamtsmitglieder
194. 7. Aug. 1986 Besuch des Premierministers der Cook-Inseln im Weltzentrum
195. 17. Sept. 1986 Zusammenarbeit mit der Esperanto-Bewegung verstärken
196. 6. Nov. 1986 Ziele der deutschen Bahá'í-Gemeinde im Sechsjahresplan genehmigt
197. 14. Nov. 1986 Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Zikru'lláh Khádem

198. 7. Januar 1987 Erziehung zum Huqúqu'lláh geht weiter
199. 27. Jan. 1987 Hinscheiden von Charles Wolcott, Mitglied des UHG
200. April 1987 Ridván-Botschaft 144
201. 26. Juli 1987 Wahl der örtlichen Geistigen Räte
202. 4. Aug. 1987 An die Teilnehmer der Jugendkonferenz in Manchester
203. 31. Aug. 1987 Planung und Finanzbedarf für den Bogen am Berge Karmel
204. 1. Okt. 1987 Verbreitung der Botschaft Bahá'u'lláhs
205. 27. Okt. 1987 Vorbereitung der Bahá'í auf künftige Angriffe

206. April 1988 Ridván-Botschaft 145

ANHANG: 79 Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit 1989-1996







Ausgewählte Botschaften 1963-1988

+1

22. April 1963 - Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

Aus Anlaß (der) weltweiten Feierlichkeiten (des) größten Jubiläums, (mit dem wir des) hundertsten Jahrestages (der) Besteigung (des) Thrones der Herrschaft (durch) Bahá'u'lláh (mit von) Dank für Seinen unfehlbaren Schutz (und Seine) überreichen Gnadengaben übervollen Herzen gedenken, verkünden (wir den) Freunden (in) Ost und West (die) Wahl (der) höchsten gesetzgebenden Körperschaft, (die) von Ihm in Seinem Heiligsten Buch bestimmt (wurde), (und) der unfehlbare Führung verheißen (ist). (Die) Mitglieder (des) ersten historischen Hauses (der) Gerechtigkeit, (die) ordnungsgemäß von (den) aus den sechsundfünfzig Nationalen (Geistigen) Räten (bestehenden) Delegierten gewählt (wurden), sind Charles Wolcott, Ali Nakhjavani, Borrah Kavelin, Ian Semple, Lutfullah Hakim, David Hofman, Hugh Chance, Amoz Gibson, Hushmand Fatheazam. Zur Jubelfeier (der) gesamten Bahá'í-Welt (über die) siegreiche Vollendung (des) einzigartigen (Zehnjahres-) Kreuzzuges (des) geliebten Hüters kommt nun (die) demütige Dankesschuld (und) tiefste Dankbarkeit (der) Gläubigen Bahá'u'lláhs hinzu für (die) Errichtung (des) Universalen Hauses (der) Gerechtigkeit, (dieser) erhabenen Körperschaft, der alle Gläubigen (sich) zuwenden müssen, deren Bestimmung (es) ist, (die) Entfaltung Seiner keimhaften Weltordnung zu führen durch (die) administrativen Institutionen, (wie sie) von Bahá'u'lláh bestimmt, von `Abdu'l-Bahá dargelegt, von Shoghi Effendi tatkräftig errichtet (wurden), und den zeitigen Anbruch (des) Goldenen Zeitalters (des) Glaubens sicherzustellen, in dem das Wort Gottes (die) Erde erfüllen wird wie das Wasser den Ozean.
Die Hände der Sache Gottes





+2

30. April 1963 - Erste Erklärung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

Verlesen am 30. April 1963 während des Weltkongresses

»Aller Lobpreis sei Dir, o mein Gott, der Du der Quell bist aller Herrlichkeit und Majestät, der Größe und Ehre, der Souveränität und Herrschaft, der Erhabenheit und Gnade, der Ehrfurcht und der Kraft. Du lässest, wen Du willst, dem Größten Meere näherkommen, und schenkest, wem Du magst, die Ehre, Deinen urewigen Namen zu erkennen. Niemand von allen, die im Himmel und auf Erden sind, kann dem Walten Deines unumschränkten Willens widerstehen. Seit aller Ewigkeit herrschtest Du über die ganze Schöpfung und Du wirst immerdar über alles Erschaffene herrschen. Es gibt keinen Gott außer Dir, dem Allmächtigen, dem Erhabensten, dem Allgewaltigen, dem Allweisen.«

Geliebte Freunde, bei diesem strahlenden Anlaß, der Feier des Größten Jubiläums, bringen wir Bahá'u'lláh für die Gnade, die Er den Freunden auf der ganzen Welt so reichlich erwiesen hat, unseren innigsten Dank dar. Dieser historische Augenblick beinhaltet gleichzeitig die Erfüllung der prophetischen Worte Daniels, den hundertsten Jahrestag der Erklärung des Verheißenen aller Zeiten, das Ende des ersten Abschnitts des zur Verbreitung des Glaubens Gottes in aller Welt von `Abdu'l-Bahá geschaffenen Göttlichen Planes und den erfolgreichen Abschluß des weltumfassenden (Zehnjahres-) Kreuzzuges unseres geliebten Hüters, der seinen Geliebten überall die Möglichkeit bot, diese wundervolle Ernte des Sieges in seinem Namen der Gesegneten Schönheit zu Füßen zu legen. Dieses Größte Jubiläum ist der krönende Sieg im Lebenswerk von Shoghi Effendi, dem Hüter der Sache Gottes. Er war es, und nur er allein, der die verborgenen Fähigkeiten der weit verstreuten, zahlenmäßig kleinen und bei weitem noch nicht organisierten Bahá'í-Gemeinde, die im Heroischen Zeitalter des Glaubens ins Leben getreten war, entwickelte. Er war es, der den großartigen Entwurf von Gottes heiliger Sache enthüllte, der die großen Lehrpläne, die schon von `Abdu'l-Bahá umrissen worden waren, in Gang brachte, der die Institutionen des Weltzentrums einrichtete und dessen Besitzungen in großem Maße ausdehnte und den Bau der Tempel in Amerika, Afrika, Australasien und Europa verwirklichte, die Verwaltungsordnung der Sache auf der ganzen Welt entwickelte und die Arche des Glaubens auf ihren rechten Kurs brachte. Er ernannte die Hände der Sache Gottes.

Die Gesänge der Freude und Dankbarkeit, der Liebe und Verehrung, die wir nun vor dem Thron Bahá'u'lláhs anstimmen, wären ungenügend, und die Feiern dieses Größten Jubiläums, das wir - wie von unserem geliebten Hüter verheißen - hier begehen, wären beeinträchtigt, wenn wir nicht gerade jetzt den Händen der Sache Gottes Tribut zollten. Denn sie teilen sich mit ihrem geliebten Befehlshaber, der sie erhob und ernannte, in den Sieg. Sie hielten das Schiff auf seinem Kurs und brachten es sicher in den Hafen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit bekundet bei dieser großartigen Gelegenheit voller Stolz und Liebe seine tiefe Bewunderung für das heroische Werk, das sie vollbracht haben. Wir wollen nicht bei den schrecklichen Gefahren verweilen, denen sich der junge Glaube gegenübersah, als er plötzlich unseres geliebten Shoghi Effendi beraubt war. Wir wollen stattdessen von ganzem Herzen in Liebe und Dankbarkeit der wahrhaften Opfer, der Mühe, Selbstdisziplin und hervorragenden Sachwalterschaft der Hände der Sache Gottes gedenken. Wir können keine angemesseneren Worte finden, um unserer Wertschätzung für diese geliebten, tapferen Seelen Ausdruck zu verleihen, als die Worte Bahá'u'lláhs selbst: »Licht und Herrlichkeit, Gruß und Lobpreis seien auf den Händen Seiner Sache, durch die das Licht langen Erduldens sichtbar und die Verkündung der Allmacht Gottes, des Kraftvollen, des Mächtigen, des Unabhängigen, bewiesen wurde, und durch die das Meer der Gnade wogte und der Windhauch der Gunst Gottes, des Herrn der Menschheit, wehte.«

Die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, die sich zur Zeit der Wahl alle in Haifa befanden, konnten die heiligen Schreine Bahá'u'lláhs, des Báb und `Abdu'l-Bahás besuchen, wo sie sich an der Heiligen Schwelle demütig niederwarfen und um Kraft und Unterstützung flehten für die gewaltige Aufgabe, die vor ihnen liegt. Später bezeugten sie in London an der Ruhestätte Shoghi Effendis, des gesegneten und verehrten Zweiges vom Baume der Heiligkeit, ihre Hochachtung.

Sobald es dem Haus der Gerechtigkeit möglich ist, seine Arbeit aufzunehmen und seine Kräfte zu entfalten, wird es den Stand der Sache Gottes sorgfältig untersuchen und den Freunden berichten. In dieser Stunde fordern wir alle Gläubigen auf, energisch die Möglichkeiten zu nutzen, die sich durch den Weltkreuzzug aufgetan haben. Festigung und Vertiefung müssen Hand in Hand gehen mit einer beharrlichen Ausdehnung der Lehrarbeit, so daß der Vormarsch des Glaubens im Hinblick auf zukünftige Pläne unvermindert anhält.

Da nun die Aufmerksamkeit der Welt sich mehr und mehr auf die Sache Gottes richtet, müssen die Freunde ihre Kräfte zusammennehmen und ihre Institutionen vorbereiten, damit sie den Blicken der Umwelt, seien sie freundlich oder feindlich, interessiert oder gleichgültig, standhalten können.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit grüßt Sie nun alle liebevoll und voller Freude und bittet Sie, inbrünstig für seine rasche Entwicklung und die geistige Stärkung seiner Mitglieder zu beten.





+3

7. Mai 1963 - Botschaft an die Nationaltagungen 1963

Geliebte Freunde, die wunderbaren Geschehnisse, die sich während der zwölf Ridván-Tage und unmittelbar danach ereignet haben, bezeugen die Größe der Sache Gottes und erfüllen das Herz eines jeden Bahá'í bis zum Rande mit Freude und Dankbarkeit. Es geschah im Gehorsam gegenüber den Befehlen des Herrn der Heerscharen selbst, daß die gewählten Vertreter der sechsundfünfzig nationalen und regionalen Gemeinden der Bahá'í-Welt aufgerufen wurden, im Schatten von Gottes heiligem Berge und im Hause des Mittelpunktes Seines Bündnisses die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu wählen. Der Hüter der Sache Gottes war es, das Zeichen Gottes auf Erden, der Sonnenaufgang göttlicher Führung, der mehr als sechstausend Bahá'í aus allen Teilen der Welt nach London zusammenrief, um dort das Größte Jubiläum festlich zu begehen.

Das erste dieser historischen Geschehnisse war durch Ereignisse im Weltzentrum des Glaubens geistig und administrativ außergewöhnlich bedeutungsvoll. Die täglichen Besuche großer Gruppen von Gläubigen verschiedenartigster Herkunft an den geheiligten Schreinen der heiligen Zwillingsstädte; das Stattfinden der Ersten Internationalen Bahá'í-Tagung und die erfolgreiche Erfüllung ihrer Hauptaufgabe; die Feier des Ridván-Festes durch etwa dreihundert Gläubige auf dem Gelände des .Haram-i-Aqdas im Beisein der Hände der Sache Gottes - all dieses sind einmalige Ereignisse von ungeheurer Bedeutung in der Geschichte unseres geliebten Glaubens.

Die Feier des Größten Jubiläums in London muß an anderer Stelle beschrieben werden. Es genügt zu sagen, daß dieses größte, jemals an einem Orte abgehaltene Bahá'í-Treffen von einem Glücksgefühl durchdrungen war, wie es nur durch die Ausstrahlungen des Abhá-Königreiches bewirkt worden sein kann. Der Überblick über den Fortschritt der Sache; das Vorstellen der Gläubigen aus den neuen Rassen und Ländern der Welt, die während des Zehnjahres-Kreuzzuges des geliebten Hüters für den Glauben erschlossen wurden; die Ritter Bahá'u'lláhs, jene tapferen Seelen, die das Banner Bahá'u'lláhs in die unerschlossenen und oftmals unwirtlichen Regionen der Erde trugen; der immer wieder spontan hervorbrechende Gesang »Alláh'u'Abhá«; die zwanglosen Zusammenkünfte; die nicht enden wollenden Begrüßungen unter Streitern Bahá'u'lláhs, die einander nur vom Namen und aus dem Dienste gekannt hatten; die Jugendtreffen; das beispiellose Echo in Presse, Rundfunk und Fernsehen; der tägliche Besucherstrom zur Ruhestätte des geliebten Hüters; die strahlenden Gesichter und das erhöhte Bewußtsein der wahren und wirklichen Bruderschaft der Menschheit innerhalb des Königreiches des Ewigen Vaters - dies alles gehört zu den hervorstechenden Merkmalen dieses erhabenen Ereignisses, des krönenden Sieges von Shoghi Effendis Lebenswerk.

Dank an die Hände der Sache:

Das Universale Haus der Gerechtigkeit möchte an dieser Stelle den Dank noch einmal bestätigen, den es den Händen der Sache Gottes auf dem Weltkongreß auszusprechen sich gedrängt fühlte, diesen kostbaren Seelen, die Sache im Namen von Shoghi Effendi sicher zum Siege geführt haben. Auch möchten wir der hingebungsvollen Arbeit der Hilfsamtsmitglieder gedenken, ebenso der Dienste der Ritter Bahá'u'lláhs, des Heeres der Pioniere, der Mitglieder der Nationalen und Regionalen Geistigen Räte, der Dienste, Gebete und Opfer der Gläubigen überall, die vereint miteinander so herrliche Gnaden- und Gunstbeweise Bahá'u'lláhs bewirkt haben.

In mehreren im Heiligen Land und in London abgehaltenen Sitzungen ist es dem Universalen Haus der Gerechtigkeit möglich gewesen, seine Arbeit aufzunehmen und seine endgültige Niederlassung in Haifa vorzubereiten. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat keine Geschäftsträger, und daher werden von jetzt an seine Mitteilungen an die Bahá'í-Welt mit »UNIVERSAL HOUSE OF JUSTICE« (Universales Haus der Gerechtigkeit) über einem geprägten Siegel unterzeichnet sein.

Die Sache Gottes, die auf dem Meere von `Abdu'l-Bahás Göttlichem Plan ihre Fahrt angetreten hatte, hat unter der großartigen Leitung des geliebten Hüters eine Verbreitung auf der ganzen Welt gefunden und eine Dynamik erreicht, die sie jetzt im zweiten Abschnitt ihrer welterlösenden Mission, der zweiten Epoche des Göttlichen Planes, vorwärtstragen muß.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit prüft jetzt in enger Beratung mit den Händen der Sache Gottes das weite Feld der Bahá'í-Tätigkeiten und deren Zunahme, um für die ganze Bahá'í-Gemeinde einen ausgearbeiteten Plan zur weiteren Ausbreitung vorzubereiten, der zu Ridván 1964 in Gang gesetzt werden soll. Doch gibt es einige Punkte, die sofort erledigt werden müssen.

Unmittelbar anstehende Aufgaben:

Die Festigung der erreichten Ziele und der neuen Gemeinden der Bahá'i-Welt ist eine dringende, unmittelbare Aufgabe, die vor den sechsundfünfzig Nationalen Geistigen Räten liegt, und zugleich eine wesentliche Voraussetzung für die Inangriffnahme der neuen Pläne. Die Pioniere müssen auf ihren Posten bleiben, alle örtlichen Geistigen Räte durch eine feste Verankerung des Gemeindelebens der Bahá'í und ein aktives Lehrprogramm gestärkt werden. Diejenigen Nationalen Geistigen Räte, die auf einer schwachen Grundlage von örtlichen Geistigen Räten ruhen, müssen sich sehr darum bemühen, daß diese Grundlage bis Ridván 1964 erweitert wird. Die Pioniere, die in Konsolidierungsgebiete gehen wollen, und jene Pioniere, die danach streben, neue Gebiete zu erschließen, sollen sich über ihre Nationalen Geistigen Räte melden.

Das große Werk der Lehrarbeit muß vorangetragen werden, nicht nur dort, wo die Massengewinnung einsetzt, sondern überall. Die am Ende des Kreuzzugs erreichte hohe Intensität der Lehrarbeit darf jetzt nicht nachlassen; sie muß im Gegenteil noch verstärkt werden, da die Freunde überall jener grenzenlosen geistigen Kräfte teilhaftig werden, die durch die Feier des Größten Jubiläums und das Hervortreten des Universalen Hauses der Gerechtigkeit frei geworden sind.

Der Zehnjahres-Kreuzzug war Zeuge der Vollendung des Rohbaues des Muttertempels von Europa. Jetzt ist es ein dringend erforderlich, die Innenausstattung ohne Verzögerung fertigzustellen, die Installationsarbeiten auszuführen, Zufahrtswege anzulegen, die Gartensälen zu gestalten und das Torhaus zu bauen. Diese Arbeiten werden insgesamt nicht weniger als 210 000,- Dollar kosten, bei Verzögerungen jedoch noch erheblich mehr. Das Universale Haus der Gerechtigkeit ruft die Nationalen Geistigen Räte auf, beträchtliche Mittel für die sofortige Fertigstellung dieses Vorhabens zur Verfügung zu stellen.

Ziele für den bevorstehenden Plan:

Der Plan, der nächstes Ridván in Angriff genommen und dessen Einzelheiten im Laufe des kommenden Jahres verkündet werden sollen, wird unter anderem folgende Punkte enthalten: Ausdehnung und Verschönerung der Stiftungen am Weltzentrum; Textvergleich der Schriften von Bahá'u'lláh , `Abdu'l-Bahá und Shoghi Effendi; ständige Verstärkung der Bande der Bahá'í-Welt zu den Vereinten Nationen; Bildung vieler weiterer Nationaler Geistiger Räte, sowohl durch Teilung bereits bestehender Regionaler Geistiger Räte als auch durch Schaffung neuer Bahá'í-Gemeinden, zusammen mit dem Erwerb nationaler Haziratu'l-Quds, Tempelgelände und nationaler Stiftungen; die Erschließung neuer Gebiete für den Glauben; ins einzelne gehende Pläne für die Nationalen Geistigen Räte, welche in einigen Gegenden Festigungsziele, in anderen Gebieten die Vervielfachung von Bahá'í-Institutionen und Schulen, in wieder anderen eine starke Bereicherung der Bahá'í-Literatur betreffen, aber insgesamt ein enormes Anwachsen der Bahá'í und die Veranstaltung ozeanischer und interkontinentaler Konferenzen umfassen werden.

Diese Ausdehnung und Entwicklung des Glaubens wird vom Bahá'í-Fonds abhängig sein. Das Universale Haus der Gerechtigkeit ruft jeden Gläubigen auf, seine Aufmerksamkeit dieser lebensnotwendigen und dringlichen Angelegenheit zuzuwenden, und bittet die Nationalen Geistigen Räte, insbesondere auf den Grundsatz der universellen Teilnahme zu achten, so daß jeder einzelne Anhänger Bahá'u'lláhs seine Gabe - ob klein oder groß - darbringt und sich somit hinter die Arbeit für die Sache stellt, wo auch immer diese geleistet wird. Wir hoffen, daß ein ständiger Strom von Beiträgen für den Internationalen Fonds die Möglichkeit geben wird, genügend große Rücklagen für das Anlaufen des neuen Planes im Jahre 1964 zu sammeln.

Geliebte Freunde, wir treten jetzt in die zweite Epoche des Göttlichen Planes ein, über jeden Vergleich gesegnet, getragen von der Welle der Siege, die unser geliebter Hüter uns beschert hat. Die Sache Gottes ist jetzt fest in der Welt verwurzelt. Darum vorwärts, voller Vertrauen in die Macht und den Schutz des Herrn der Heerscharen, der durch Sturm und Not, Mühe und Jubel sich seine ergebenen Anhänger dienstbar machen wird, um einer verzweifelnden Menschheit die lebenspendenden Wasser Seiner herrlichen Offenbarung zu bringen.





+4

16. Juni 1963 - Vorläufiger Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit; Neue Regelungen für die Pilger

Das Universale Haus der Gerechtigkeit war tief bewegt durch die vielen Botschaften der Liebe, der Ergebenheit und gespannter Erwartungen, die von Nationaltagungen und Nationalen Geistigen Räten eingetroffen sind und zu überaus großen Hoffnungen berechtigen.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung der Institutionen am Weltzentrum hat das Universale Haus der Gerechtigkeit zwei Beschlüsse gefaßt. Da die bisherigen Arbeitsräume des Internationalen Bahá'í-Rates in der Haparsim-Straße Nr. 10 für die viel umfangreicheren Arbeiten, die auf das Universale Haus der Gerechtigkeit jetzt zukommen, nicht mehr ausreichen, wurde beschlossen, dieses gesamte Gebäude (das bisher als Pilgerhaus des Westens bekannt war) als vorläufigen Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu übernehmen.

Durch diesen Beschluß wurde es notwendig, für die Pilger aus dem Westen ein neues Empfangsgebäude zu bestimmen, woraus sich unmittelbar die zweite Entscheidung ergab. Nach sorgsamer Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten hat das Universale Haus der Gerechtigkeit beschlossen, daß der Zeitpunkt für den von unserem geliebten Hüter vorhergesehenen bedeutsamen Schritt gekommen ist, alle Pilger an ein und derselben Stelle unterzubringen. Durch geringfügige Veränderungen wurde eine Möglichkeit gefunden, alle Pilger in dem früheren Pilgerhaus des Ostens und den angrenzenden Gebäuden aufzunehmen, ohne ihre Anzahl beschränken zu müssen. Wir haben demzufolge an den Bahá'í-Gärten am Berg Karmel ein einheitliches Pilgerhaus eingerichtet. Die Freunde mögen vormerken, daß sie sich bei der Ankunft dorthin begeben sollen.

Alle Freunde, deren Pilgerreisen für 1963-64 bestätigt wurden, werden also hier erwartet. Für die Zeit nach Dezember 1963 sind noch Pilgerplätze frei, dagegen nur noch ganz vereinzelte für die Zeit davor.

Wir haben die im Heiligen Land ansässigen Hände der Sache gebeten, weiterhin das Programm für die Pilger während ihres hiesigen Aufenthaltes zu betreuen. Die Briefe, in denen um die Pilgerreise nachgesucht wird, sind jedoch an das Universale Haus der Gerechtigkeit zu richten.





+5

25. August 1963 - Das Haus der Andacht in `Ishqábád

Liebe Bahá'í-Freunde, die ganze Bahá'í-Welt wird tief bekümmert sein, wenn sie die Nachricht von dem traurigen Schicksal des Mashriqu'l-Adhkár in `Ishqábád erhält, des ersten Tempels, der zum Ruhme Bahá'u'lláhs errichtet wurde. Wegen seines baufälligen Zustandes, der durch Erdbeben verursacht wurde, ist das ganze Gebäude eingerissen und das Gelände eingeebnet worden.

Die Errichtung dieses Gebäudes - des einzigen Bauwerks seiner Art, das noch zu Lebzeiten `Abdu'l-Bahás ausgeführt und fertiggestellt wurde - war nach den Worten des geliebten Hüters »ein unvergängliches Zeugnis für die Inbrunst und Selbstaufopferung der Gläubigen im Osten«.

»Dieses Unternehmen«, schrieb der Hüter weiter, »darf nicht nur als das erste große Projekt eingestuft werden, das durch die gemeinsamen Bemühungen Seiner Anhänger im Heroischen Zeitalter Seines Glaubens in Gang kam, sondern als einer der hervorragendsten und dauerhaftesten Erfolge in der Geschichte des ersten Bahá'í-Jahrhunderts.«

Das Bahá'í-Zentrum in `Ishqábád wurde in den Tagen Bahá'u'lláhs gegründet. Schon zu Seinen Lebzeiten hatten die Freunde in jener Gemeinde vorbereitende Schritte unternommen, um in Übereinstimmung mit den Vorschriften des Größten Heiligen Buches einen Mashriqu'l-Adhkár zu erbauen.

Jedoch mußte das Vorhaben bis 1902 zurückgestellt werden, bis zu dem Zeitpunkt, da `Abdu'l-Bahá nach Ablauf des ersten Jahrzehnts Seiner Amtszeit die Baumaßnahmen einleitete, die Freunde im Osten zu Spenden für die Erfüllung dieses Zieles aufrief und persönlich in jedem Baustadium Ermutigung und Anweisungen für die weitere Entwicklung gab. Der Vetter des Báb, der verehrungswürdige .Hájí Mírzá Mu.hammad-Taqí, der Vakílu'd-Dawlih, gab sein ganzes Vermögen für dieses verdienstvolle Unternehmen dahin, verlegte seinen Wohnsitz in jene Stadt und überwachte persönlich den Bau.

Die Grundsteinlegung für dieses Gebäude - welcher der Vertreter des Zaren, der Generalgouverneur von Turkestan, beiwohnte - und die einleitenden Maßnahmen zum Bau dieses ersten Hauses der Andacht der Bahá'í-Welt begeisterten die Freunde in Amerika, die aus dem Wunsch heraus, die Tiefe ihres Glaubens zu erweisen, `Abdu'l-Bahá schon 1903 um die Erlaubnis baten, den ersten Mashriqu'l-Adhkár des Westens errichten zu dürfen.

Außer dem Tempel selbst wurden zwei Schulen - eine Knaben- und eine Mädchenschule - sowie ein Pilgerhaus gebaut. Die örtliche Gemeinde und die Tätigkeit der Freunde in den Provinzen von Turkestan dehnten sich aus und nahmen weiter zu bis zum Jahr 1928, als das Gesetz über die Enteignung von religiösen Gebäuden auf diesen Tempel Anwendung fand. Doch wurden mit der Bahá'í-Gemeinde zwei Pachtverträge über jeweils 5 Jahre abgeschlossen, die es den Bahá'í erlaubten, das Gebäude weiterhin als Haus der Andacht zu benutzen. 1938 wurde der Tempel vollständig enteignet und in eine Kunstgalerie umgewandelt.

Heftige Erdbeben erschütterten im Jahre 1948 die ganze Stadt und verursachten Zerstörung und Zerfall. Das Gebäude wurde schwer beschädigt, wobei nur der zentrale Rundbau einigermaßen erhalten blieb. Durch heftige Regenfälle wurde das Gebäude von Jahr zu Jahr baufälliger, so daß es zu einer Bedrohung für die Sicherheit umliegender Häuser wurde. Da beschlossen die Behörden, den ganzen noch verbliebenen Bau abzureißen und den Boden einzuebnen.

Aus einem vor kurzem eingetroffenen zuverlässigen Bericht geht hervor, daß auch wir - wäre der Tempel uns in diesem Stadium zurückgegeben worden - keine andere Wahl gehabt hätten, als das Gebäude selbst abzureißen.

Bitte geben Sie diese Nachrichten den Freunden weiter. Wir wünschen aber nicht, daß Nationale Räte, örtliche Räte oder einzelne Gläubige irgendwelche Schritte unternehmen.





+6

6. Oktober 1963 - Das Hütertum

Wir möchten Ihnen den Text der folgenden Entschließung mitteilen:

»Nach sorgfältigem Studium der Heiligen Texte im Geiste des Gebetes zur Frage der Ernennung des Nachfolgers für Shoghi Effendi als Hüter der Sache Gottes und nach ausgedehnter Beratung, die die Ansichten der Hände der Sache Gottes im Heiligen Land mit berücksichtigte, stellt das Universale Haus der Gerechtigkeit fest, daß es keinen Weg gibt, einen zweiten Hüter zur Nachfolge von Shoghi Effendi zu ernennen oder ein Gesetz zu erlassen, das eine solche Ernennung ermöglicht.«

Bitte teilen Sie diese Botschaft den Freunden in Ihrem Bereich mit.





+7

Oktober 1963 - Der zweite weltumspannende Plan

Als der Zehnjahresplan sich vor sechs Jahren seiner Mitte näherte, fand sich die Bahá'í-Welt plötzlich der führenden Hand ihres geliebten Hüters beraubt. Die Pein, die damals unsere Herzen ergriff, war weit entfernt davon, den Fortschritt der Sache zu lähmen, sondern stärkte unseren Entschluß und feuerte unseren Eifer an, die Aufgaben zu erfüllen, die Gott uns durch Seinen Erwählten Ast auferlegt hatte. Die erhabene Institution der Hände der Sache Gottes, die er erst kurz zuvor in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Willens des Meisters gebildet hatte, hielt das Volk dieser Sache treu auf dem Pfade fest, der uns von der Feder göttlicher Führung aufgezeigt worden war, und trug uns nicht nur zur siegreichen Beendigung jenes Kreuzzuges, sondern auch zum Höhepunkt der Errichtung des Rahmens der Weltordnung Bahá'u'lláhs.

Im März 1930 schrieb Shoghi Effendi, daß Bahá'u'lláh und `Abdu'l-Bahá »in eindeutiger und eindringlicher Sprache die Zwillingsinstitutionen des Hauses der Gerechtigkeit und des Hütertums als ihre erwählten Nachfolger eingesetzt und ihnen die Aufgabe übertragen« hatten, »die Grundsätze anzuwenden, die Gesetze zu verkünden, die Institutionen zu schützen, den Glauben bündnistreu und vernunftgemäß den Erfordernissen einer fortschreitenden Gesellschaft anzupassen und das unverbrüchliche Erbe zu vollenden, das die Stifter dieses Glaubens der Welt hinterlassen haben.« Nach langen Beratungen im Geiste des Gebetes ist das Haus der Gerechtigkeit, wie den Freunden schon mitgeteilt wurde, zu dem Schluß gekommen, daß es keinen Weg gibt, um ein Gesetz für einen zweiten Hüter zur Nachfolge von Shoghi Effendi zu erlassen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat deshalb in demütigem Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes und gestärkt durch tägliche Gebete an den Heiligen Schreinen damit begonnen, die schweren, ihm auferlegten Aufgaben anzugehen. Nach den Worten des geliebten Hüters wird es »die Angelegenheiten dieses Glaubens in der ganzen Welt führen, organisieren und vereinigen«; es wird »die gesamte Lage erneut überdenken und den Grundsatz niederlegen, der die Angelegenheiten der Sache leiten soll, solange dies ratsam erscheint.«

Das Bündnis Bahá'u'lláhs:

Das Bündnis Bahá'u'lláhs ist ungebrochen, seine allumfassende Kraft unverletzt. Die beiden einzigartigen Merkmale, die es von allen religiösen Bündnissen der Vergangenheit unterscheiden, bestehen unverändert und sind voll wirksam. Das offenbarte Wort in seiner ursprünglichen Reinheit, weiter ausgeführt in den von Gott geleiteten Auslegungen `Abdu'l-Bahás und Shoghi Effendis, besteht unwandelbar, unverfälscht durch von Menschen konstruierte Glaubensbekenntnisse oder Dogmen, unhaltbare Schlüsse oder unbefugte Auslegungen. Der Kanal göttlicher Führung, der die Möglichkeit zur Anpassung in allen Angelegenheiten der Menschheit vorsieht, bleibt durch jene Institution geöffnet, die von Bahá'u'lláh begründet und von Ihm mit höchster Autorität und unfehlbarer Führung ausgestattet wurde und von der der Meister schrieb: »An diese Körperschaft muß alles verwiesen werden.« Wie klar ist die Wahrheit der Feststellung Bahá'u'lláhs: »Die Hand der Allmacht hat Seine Offenbarung auf einen unverletzlichen, dauerhaften Grund gestellt. Stürme menschlichen Streites vermögen ihre Grundfeste nicht zu schwächen, noch werden die wirklichkeitsfremden Ideen der Menschen ihrem Aufbau schaden können.«

Verantwortlichkeit der Institutionen:

Da das Gewicht der Sache Gottes in den vor uns liegenden Jahren für die Menschen nach und nach immer deutlicher zu erkennen sein wird, tragen alle ihre Institutionen eine große Verantwortung, über ihre Sicherheit zu wachen. Die Institution der Hände der Sache Gottes, der in den heiligen Texten die ausdrückliche Pflicht auferlegt ist, den Glauben zu schützen und zu verbreiten, hat einer besonders lebenswichtigen Verantwortung zu genügen. In ihrer Eigenschaft als Beschützer des Glaubens werden die Hände weiterhin veranlassen, Bündnisbrecher auszustoßen und diejenigen wieder aufzunehmen, die aufrichtig bereuen, allerdings vorbehaltlich der Zustimmung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in jedem einzelnen Falle. In Ausübung ihres Amtes der Verbreitung des Glaubens werden die Hände der Sache die Nationalen Geistigen Räte in ihrer Arbeit anspornen, sie beraten und ihnen beistehen, wie sie es zu Lebzeiten unseres geliebten Shoghi Effendi getan haben; sie werden dabei von den Hilfsamtsmitgliedern unterstützt, die weiterhin die Aufgaben wahrnehmen, die er ihnen zugewiesen hat.

Wir stehen nun an der Schwelle des zweiten Abschnitts des Göttlichen Planes von `Abdu'l-Bahá. Die Außenposten des Glaubens sind in die entferntesten Winkel der Erde vorgeschoben, und wir sind bereits Zeuge davon geworden, daß der vom Meister selbst verheißene Zustrom zum Glauben in Gruppen begonnen hat. Die Fundamente für das Königreich sind fest verankert, und das Gerüst ist errichtet. Die Freunde müssen nun das Erreichte festigen, ihre Institutionen schützen und die Völker und Gleichgesinnten der Welt in der Arche versammeln, welche die Hand Gottes erbaut hat.

Zweite weltumspannende Unternehmung:

Am nächsten Ridván-Fest wird das zweite jener weltumspannenden Unternehmen in Angriff genommen, die dazu bestimmt sind, im Laufe der Zeit jeder Menschenseele das Wort Gottes zu bringen. Die Bannerträger dieses Neunjahresplanes sind die Hände der Sache Gottes. Die Verantwortung für die Organisation der Arbeit liegt auf den Schultern der Nationalen Geistigen Räte, der Generäle der Heerscharen des Lichtes, die unter der Führung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit stehen.

Als ersten Schritt zur Eröffnung dieses großen Unternehmens kündigen wir mit Freude die Bildung von neunzehn Nationalen Geistigen Räten zum nächsten Ridván-Fest an. Im Zuge dieser Neubildungen werden sechs der bestehenden Regionalen Nationalen Geistigen Räte aufgelöst, wodurch die Gesamtzahl dieser Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf neunundsechzig ansteigt. Die Nationalen und Regionalen Geistigen Räte, die nun gebildet werden müssen, sind:

1. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Nordwestafrika, mit Sitz in Tunis; für Tunesien, Algerien, Marokko, Spanisch-Sahara, Rio de Oro, Mauretanien, die Kanarischen Inseln und Madeira.

2. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Westafrika, mit Sitz in Monrovia; für Liberia, Senegal, Gambia, Portugiesisch-Guinea, Guinea, Sierra Leone, Mali, Obervolta, Elfenbeinküste und Kap-Verdische Inseln.

3. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von West-Zentralafrika, mit Sitz in Viktoria; für Kamerun, Spanisch-Guinea, Sankt-Thomas-Inseln, Fernando-Po-Inseln, Corisco-Inseln, Nigeria, Niger, Dahomey, Togo und Ghana.

4. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Uganda und Zentralafrika, mit Sitz in Kampala; für Uganda, Ruanda, Burundi, die Republik Kongo (früher belgisch), die Kongo-Republik (früher französisch), die Zentralafrikanische Republik, Gabun und Tschad.

5. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Kenia, mit Sitz in Nairobi.

6. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Tanganjika und Sansibar, mit Sitz in Dar-es-Salam; für Tanganjika, Sansibar, Mafia-Inseln und Pemba-Insel.

7. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Süd-Zentralafrika, mit Sitz in Salisbury; für Niassaland, Nordrhodesien, Südrhodesien und Betschuanaland.

8. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Süd- und Westafrika, mit Sitz in Johannesburg; für Angola, Südwestafrika, Südafrika, Zululand, Swasiland, Basutoland, Mosambik und St. Helena.

9. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í im Indischen Ozean, mit Sitz in Port-Louis; für Mauritius, die Malagasy-Republik, die Insel Réunion, die Seychellen, die Komoren und den Tschagos-Archipel.

10. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Hawaii, mit Sitz in Honolulu.

11. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í im Südpazifischen Ozean, mit Sitz in Suva; für die Gilbert- und Ellis-Inseln, Nauru, Fidschi, Samoa, Tonga und Cook-Inseln.

12. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í im Südwest-Pazifik, mit Sitz in Honiara; für die Salomon-Inseln, die Neuen Hebriden, Neu-Kaledonien und die Loyalty-Inseln.

13. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Nordostasien, mit Sitz in Tokio; für Japan, Formosa, Hongkong und Macao.

14. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Korea, mit Sitz in Seoul.

15. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Malaysia, mit Sitz in Kuala Lumpur; für Malaya, Singapur, Brunei, Sabah und Sarawak.

16. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Indonesien, mit Sitz in Djakarta; für Indonesien, die Mentawai-Inseln, Portugiesisch-Timor und West-Irian.

17. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Vietnam, mit Sitz in Saigon (die Bahá'í von Kambodscha gehören ebenfalls zu seinem Rechtsbereich).

18. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Thailand, mit Sitz in Bangkok (die Bahá'í von Laos gehören ebenfalls zu seinem Rechtsbereich).

19. Der Nationale Geistige Rat der Bahá'í der Philippinen, mit Sitz in Manila.

Die Einzelziele des Planes, der neunundsechzig nationale Pläne mit umfassen wird, müssen noch bekanntgegeben werden; sie müssen jedoch solcher Art sein, daß sie das Weltzentrum des Glaubens und die Arbeit seiner Institutionen weiter ausbauen; die dem Glauben bereits erschlossenen Gebiete festigen; Gottes heilende Botschaft zahlreichen weiteren Völkern und Gebieten der Welt bringen, einschließlich aller noch unerschlossenen Gebiete des Zehnjahresplanes und all der noch verbleibenden unabhängigen Staaten des Planeten; und die weltweite Verkündigung des Glaubens erreichen, um das Hundertjährige Jubiläum der Verkündigung Bahá'u'lláhs an die Könige und Herrscher (1867-1868) hervorzuheben.

Im Frühjahr 1968 wird die nächste Wahl für das Universale Haus der Gerechtigkeit stattfinden.

Dritte Epoche des Gestaltenden Zeitalters:

Geliebte Freunde, die Sache Gottes, die seit ihrem Entstehen Schutz und Nahrung durch Gottes Sendboten, durch den Mittelpunkt des Bündnisses und Sein Zeichen auf Erden gefunden hat, tritt jetzt in eine neue Epoche ein, die dritte des Gestaltenden Zeitalters. Sie muß nun rasch wachsen, muß ihren geistigen Zusammenhalt und ihre administrativen Fähigkeiten steigern, ihre Einrichtungen entwickeln und ihren Einfluß auf alle Schichten der Gesellschaft ausdehnen. Wir, ihre Mitglieder, müssen durch ständiges Studium des lebenspendenden Wortes und durch hingebungsvollen Dienst unser geistiges Wahrnehmungsvermögen vertiefen und der Welt eine reife, verantwortungsbewußte, grundlegend gesicherte und glückliche Lebensgestaltung vorzeigen, die weit von den Leidenschaften, Vorurteilen und Zerstreuungen der heutigen Gesellschaft entfernt ist. Indem wir uns nur auf Gott verlassen, können wir Seine Sache fördern und Sein Königreich auf Erden errichten. Nur so können wir unsere Liebe für diejenigen beweisen, die diesen Neuen Tag haben anbrechen lassen. Nur so können wir die Wahrheit ihres göttlichen Auftrages dartun und zeigen, wie gültig ihr Opfer war.





+8

5. November 1963 - Hundertjahrfeier der Ankunft Bahá'u'lláhs in Adrianopel

Vor hundert Jahren hat zum ersten Mal in der geschriebenen Geschichte eine Manifestation Gottes den Fuß auf den europäischen Kontinent gesetzt und damit einen Zeitabschnitt von fünf Jahren eingeleitet, dessen Bedeutung jedes andere Geschehnis in der ereignisvollen Geschichte der tatkräftigen Völker dieses fruchtbaren Kontinents in den Schatten stellt. Dieser Zeitabschnitt, vom Hüter als »das grimmigste, unheilvollste und doch ruhmreichste Kapitel in der Geschichte des ersten Bahá'i-Jahrhunderts« bezeichnet, war eine Periode, in der »sich unsagbare Entbehrungen und noch nie dagewesene Prüfungen mit den erhabensten geistigen Siegen mischten...« »Das Tagesgestirn des Wirkens Bahá'u'lláhs erreichte eben den Zenith. Die folgenschwersten Jahre des heroischen Zeitalters Seiner Sendung waren gekommen.«

Die Machenschaften und die Heimtücke Mírzá Ya.hyás, die zur Auflösung der letzten Bande mit seinem Bruder führten; die Intrigen der Feinde des Glaubens in Regierungskreisen; Bahá'u'lláhs Verkündigung Seiner Sendung an die Könige und Herrscher der Welt; die Ausgießung der Offenbarung während dieses Zeitabschnitts, als Sendschreiben offenbart, die »eine führende Stellung unter allen Schriften des Stifters der Bahá'í-Religion einnehmen«; - all dies ist in Gott geht vorüber aufgezeichnet und sollte von jedem studiert werden, der ein Verständnis der welterschütternden Bedeutung jener fünf Jahre gewinnen möchte.

Es ist nur angemessen, wenn die Völker des Erdteils, auf dessen Boden sich diese Ereignisse abgespielt haben, den hundertsten Jahrestag eines so folgenreichen Zeitabschnittes zum Anlaß besonderer Freude und erneuerter Hingabe nehmen.

Wir rufen deshalb alle Nationalen Geistigen Räte von Europa auf, den hundertsten Jahrestag des Eintreffens Bahá'u'lláhs in Adrianopel dadurch zu begehen, daß am 12. Dezember 1963 Zusammenkünfte in den örtlichen Gemeinden ihrer Länder stattfinden, um Gott Dank und Lobpreis darzubringen und die europäischen Bahá'í-Gemeinden dem Dienste für Bahá'u'lláh und Seine Sache neu zu weihen.

Die Erinnerung an die Ereignisse vor einem Jahrhundert muß für die Bahá'í Europas ein Ansporn sein, ihre Kenntnis der Lehren der Bahá'í-Religion und ihrer Geschichte zu vertiefen, das immer brennendere Verlangen in sich zu tragen, den Glauben zu lehren, sich immer mehr von den Verlockungen und den falschen Wertmaßstäben einer materiell blühenden, aber geistig zerfallenden Zivilisation zu lösen und die schon errungenen, historischen Siege sowie das Ausmaß des Dienstes, das sie bereits erreicht haben, noch bei weitem zu übertreffen.





+9

18. Dezember 1963 : Weltweite Aufgaben - erhöhte Opferbereitschaft

Mit Riesenschritten nähern wir uns der Inangriffnahme des Neunjahresplanes. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hält die Zeit für gekommen, den Bahá'í aller Länder die drängenden Aufgaben der Fonds auf allen Ebenen - lokal, national, kontinental und international - vor Augen zu führen.

Die ständige Ausbreitung des Glaubens und die wachsende Vielfalt der Tätigkeiten der Bahá'í-Gemeinden stellen jeden Gläubigen immer mehr vor die Notwendigkeit, gewissenhaft über seine Verantwortung nachzudenken und so viel und regelmäßig zu spenden, wie er oder sie es vermag. Das Spenden für den Fonds ist ein Dienst, den jeder Gläubige, ob arm oder reich, leisten kann; denn es ist eine geistige Verantwortlichkeit, bei der es nicht auf den gespendeten Betrag ankommt. Die geistigen Bestätigungen fließen hier aus dem Ausmaß des Opfers, das der Spender bringt, aus der Liebe, mit der er seine Spende gibt, und aus der Einheit aller Freunde in diesem Dienst. So schrieb der geliebte Hüter im August 1957: »Alle müssen sich beteiligen, wie bescheiden ihre Mittel auch sind. Vom Grade der Selbstaufopferung, mit welcher diese einzelnen Beiträge geleistet werden, hängen die Wirksamkeit und der geistige Einfluß unmittelbar ab, den die im Entstehen begriffenen Verwaltungseinrichtungen, die durch die Macht Bahá'u'lláhs und gemäß dem Plan des Mittelpunktes Seines Bündnisses ins Leben gerufen wurden, ausüben werden.«

Zu diesem Zeitpunkt kommt es nicht nur auf das Verantwortungsbewußtsein des einzelnen an, für die Sache zu spenden, sondern auch darauf, welchen Zwecken der Fonds zugeführt und in welchen Regionen er ausgegeben wird.

Die gegenwärtige stürmische Ausbreitung des Glaubens spielt sich überwiegend in Regionen tiefster Armut ab, wo die Freunde trotz größter Opfer einfach nicht die Mittel aufbringen, um die Arbeit fortzuführen. Genau diese Regionen sind aber die fruchtbarsten für das Lehren der Sache, und eine Geldsumme, die hier ausgegeben wird, erbringt den zehnfachen, ja den hundertfachen Ertrag von dem, was in anderen Teilen der Welt möglich wäre. Trotzdem mußte das Universale Haus der Gerechtigkeit in den vergangenen Monaten eine Reihe von Hilferufen aus solchen Regionen abschlägig beantworten, weil einfach nicht genügend Mittel im internationalen Fonds bereitstanden.

Es muß deshalb das Ziel jeder örtlichen und nationalen Gemeinde werden, sich nicht nur selbst zu tragen, sondern ihre Geldmittel so weise und so wirtschaftlich einzusetzen, daß sie auch den internationalen Bahá'í-Fonds in nennenswertem Maße unterstützen kann und somit das Haus der Gerechtigkeit in die Lage versetzt, die Arbeit in ergiebigen, jedoch verarmten Regionen zu fördern, neuen Nationalen Räten bei der Aufnahme ihrer Arbeit zu helfen, größere internationale Vorhaben des Neunjahresplanes, wie zum Beispiel ozeanische Konferenzen, finanziell zu unterstützen sowie die Aufgabe, die Umgebung der Heiligen Schreine im Weltzentrum zu verschönern, fortzuführen.

Außerdem sollten die Freunde, als einzelne wie auch innerhalb ihrer Gemeinde, die lebenswichtigen kontinentalen Fonds nicht vergessen, aus denen sich die Arbeit der Hände der Sache Gottes und ihrer Hilfsämter speist. Diese vom Hüter so hingebungsvoll gepflegte göttliche Institution, die in der Geschichte des Glaubens bereits eine einzigartige Rolle gespielt hat, ist dazu bestimmt, in den vor uns liegenden Jahren immer wichtigere Dienste zu leisten.

Inmitten einer durch Kämpfe zerrissenen, durch den Materialismus geschwächten Zivilisation baut das Volk Bahás eine neue Welt auf. Wir sehen zu diesem Zeitpunkt Gelegenheiten und Verantwortlichkeiten von ungeheurer Tragweite und großer Dringlichkeit vor uns. Jeder Gläubige fasse tief in seinem Herzen den Entschluß, sich von den flüchtigen Verlockungen der Gesellschaft um ihn herum nicht irreführen noch sich in ihre Fehden und kurzlebigen Vergnügungen hineinziehen zu lassen, sondern vielmehr alles, was er kann, von der alten Welt auf die neue zu übertragen, die das Traumbild seiner Sehnsucht ist und die Frucht seiner Bemühungen sein wird.





+10

April 1964 - Der Neunjahresplan

Der durch göttliche Macht angetriebene, von unserem geliebten Hüter in solch ehrfurchtgebietenden Worten beschriebene Prozeß, der vor sechstausend Jahren mit dem Aufdämmern des Adamitischen Zyklus begann und dazu bestimmt ist, auf der »Stufe« zu gipfeln, »auf der das Licht von Gottes triumphierendem Glauben, in all seiner Macht und Herrlichkeit erstrahlend, den ganzen Planeten durchfluten und umhüllen wird«, tritt jetzt in seine zehnte und letzte Phase ein.

Der Zehnjahres-Kreuzzug, der erst vor kurzem mit einem leuchtenden Sieg und voll Jubel beendet wurde, bildete den gesamten neunten Teil dieses Prozesses. Er war Zeuge, wie die Sache Gottes in einer einzigen, gewaltigen, zehn Jahre langen Kraftanstrengung sich bis zu dem Punkt entfaltete, an dem weltweit die Grundlagen der Verwaltungsordnung gelegt waren, so daß der Weg jetzt frei ist für das Erwachen der Massen, das den künftigen Fortschritt des Glaubens kennzeichnen muß.

In dieser Offenbarung war es von Anfang an der dringlichste Aufruf des Wortes Gottes - zuerst vom Báb, dann von Bahá'u'lláh erhoben - , die Sache zu lehren. `Abdu'l-Bahá hat, wie Er selbst sagt, »Seine Tage und Nächte damit verbracht, den Glauben zu verkünden und die Völker zum Dienst zu rufen.« Shoghi Effendi erfüllte den ihm auferlegten heiligen Auftrag, die administrative Ordnung des Glaubens zu errichten, die schon in den Heiligen Schriften vorgezeichnet war; er schmiedete sie zu einem Lehrinstrument, um durch eine Folge von nationalen, internationalen und weltumspannenden Plänen den gesamten Göttlichen Plan `Abdu'l-Bahás auszuführen, und er sah für den »unendlich langen« zehnten Teil des schon erwähnten Prozesses mit aller Deutlichkeit eine Folge von Plänen voraus, die das Universale Haus der Gerechtigkeit in Gang setzen werde und die »aufeinanderfolgende Zeitabschnitte des Gestaltenden und des Goldenen Zeitalters des Glaubens umfassen« werden.

Der erste dieser Pläne liegt jetzt vor uns. Er beginnt an Ridván 1964, während die Erinnerungen an die ruhmreiche Hundertjahrfeier von 1963 noch in unseren Herzen lebendig sind, und er muß während seiner neunjährigen Dauer eine gewaltige Ausdehnung der Sache Gottes und die universelle Teilnahme aller Gläubigen am Leben dieser Sache mit sich bringen.

Aufgaben am Weltzentrum:

Die Aufgaben des Planes am Weltzentrum umfassen:

die Veröffentlichung einer Synopse und Kodifikation des Kitáb-i-Aqdas, des Heiligsten Buches;

die Ausarbeitung der Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit;

die Entwicklung der Institution der Hände der Sache Gottes in gemeinsamer Beratung mit der Körperschaft der Hände der Sache, wobei es um die künftige Wahrnehmung der ihr zugewiesenen Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung geht;

fortgesetzte Textvergleiche und Klassifizierung der Heiligen Bahá'í-Schriften sowie der Schriften Shoghi Effendis;

fortgesetztes Bemühen um die Befreiung des Glaubens von den Fesseln religiöser Orthodoxie und seine Anerkennung als unabhängige Religion;

die Anfertigung eines Planes für die angemessene Gestaltung und Verschönerung des gesamten Bahá'í-Grundbesitzes, der die Heiligen Schreine umgibt;

die Erweiterung der schon vorhandenen Gärten auf dem Berge Karmel;

die Entwicklung der Beziehungen zwischen der Bahá'í-Gemeinde und den Vereinten Nationen;

die Abhaltung von Ozeanischen und Interkontinentalen Konferenzen;

das Koordinieren weltweiter Pläne, um in den Jahren 1967/68 die Jahrhundertfeier von Bahá'u'lláhs Aufruf an die Könige und Herrscher der Welt zu begehen, dessen Mittelpunkt Seine Offenbarung der Súriy-i-Mulúk (Sendschreiben an die Könige) in Adrianopel war.

Aufgaben für die Weltgemeinde:

In der Weltgemeinde umfaßt der Plan:

die Eröffnung von 70 unerschlossenen und die Wiedererschließung von 24 weiteren Territorien;

die Erhöhung der Anzahl von Nationalen Geistigen Räten - der Pfeiler, die das Universale Haus der Gerechtigkeit tragen - auf 108, das Neunfache der Anzahl, die 1953 zu dem ersten historischen Welt-Kreuzzug aufbrach;

die Vermehrung der örtlichen Geistigen Räte in allen Ländern und auf allen Inseln der Welt auf über 13 700, von denen mindestens 1 700 eingetragen sein müssen;

die Erhöhung der Anzahl von Orten, in denen Bahá'í wohnen, auf mehr als 54 000;

die Errichtung von zwei weiteren Mashriqu'l-Adhkárs, einem in Asien und einem in Lateinamerika;

der Erwerb von 32 Lehrinstituten, 52 Nationalen .Ha.ziratu'l-Quds, 54 nationalen Stiftungen und Grundstücken für 62 weitere Tempel;

eine große Ausweitung der Anerkennung der Bahá'í-Feiertage und Bahá'í-Trauungsurkunden durch die Zivilbehörden;

die Übersetzung von Literatur in 133 weitere Sprachen und ihre weitere Bereicherung in den Hauptsprachen, in die schon übersetzt worden ist;

die Gründung von vier neuen Bahá'í-Verlagen und

ein starkes Anwachsen der Finanzen des Glaubens.

Die Rolle des einzelnen Gläubigen:

Die gesunde Entwicklung der Sache erfordert es, daß parallel zu dieser großen Ausdehnung jeder Gläubige sich mit ganzer Hingabe bemüht, die Sache zu lehren, das Bahá'í-Leben zu führen, für den Fonds zu spenden und vor allem in ausdauerndem Bemühen die Bedeutung der Offenbarung Bahá'u'lláhs allmählich besser zu verstehen. Wie unser geliebter Hüter sagte: »Eines, und nur eines wird unfehlbar und mit Gewißheit den unzweifelhaften Sieg dieser Heiligen Sache sichern, nämlich das Ausmaß, in dem unser persönliches, inneres Leben und unsere privaten Neigungen vielfältig die Herrlichkeit der von Bahá'u'lláh verkündeten ewigen Prinzipien widerspiegeln.«

Zwillingsziele des Neunjahresplanes:

Ausdehnung und universelle Teilnahme sind die Hauptziele dieser Eröffnungsphase der zweiten Epoche des Göttlichen Planes, und alle Einzelziele, die den 69 nationalen Gemeinden zugewiesen werden, sind Beiträge, diese Hauptziele zu erreichen. Das Verfahren bei der Zusammenarbeit zwischen Nationalen Geistigen Räten, das schon vom geliebten Hüter eingeleitet wurde, wird im Verlaufe dieses Planes auf mehr als 200 besondere Vorhaben angewendet werden; damit wird dieses Verfahren weiter gestärkt, das in künftigen Stadien des Gestaltenden Zeitalters sehr wohl eine große Bedeutung erlangen kann.

Nochmals, geliebte Freunde, begeben wir uns aufs Schlachtfeld, jedoch mit einem unvergleichlich größeren Aufgebot als bei unserem Auszug zum Welt-Kreuzzug 1953. Zu der kleinen Streitmacht von damals 12 Nationalen Räten, die jetzt erfahrene Kämpfer sind, haben sich 57 neue Legionen hinzugesellt, jede unter der Befehlsgewalt eines Nationalen Geistigen Rates, jede dazu bestimmt, zum Veteranen dieses und zukünftiger Feldzüge zu werden. Der damalige Kreuzzug begann mit kaum mehr als 600 örtlichen Geistigen Räten, von denen sich die meisten in Persien, Nordamerika und Europa befanden; jetzt umfassen die Heimatfronten nahezu 4600 örtliche Geistige Räte, die über die Kontinente und Inseln der Welt verstreut sind. Wir beginnen diesen Plan mit ungeheurer Schwungkraft, die sich zum Beispiel darin zeigt, daß seit letztem Ridván über 4000 neue Zentren und 13 Nationale Geistige Räte hinzugekommen sind und daß in mehreren Ländern der von `Abdu'l-Bahá vorausgesagte und von Ihm so gespannt erwartete Zustrom zur Sache Gottes in Gruppen begonnen hat.

Die Bannerträger dieses Neunjahresplanes sind jene gleichen göttlich ernannten, geprüften und siegreichen Seelen, die das Banner des Welt-Kreuzzugs getragen haben, die Hände der Sache Gottes, deren Rat und Stellungnahme bei der Ausarbeitung dieses Neunjahresplanes unschätzbar waren. Mit Unterstützung ihrer »Beauftragten, Helfer und Berater«, der Hilfsamtsmitglieder, werden sie die Heerscharen Gottes anfeuern und beschirmen, sie durch jede Anfechtung hindurchführen bis an die Grenze der vorhandenen Reserven und diejenigen Gemeinden unterstützen, die mit schwierigem oder steinigem Gelände zu kämpfen haben, so daß 1973 die Feierlichkeiten zum hundertsten Jahrestag der Offenbarung des Heiligsten Buches von einer siegreichen, festgegründeten, organisch vereinten Weltgemeinde würdig begangen werden können, die sich dem Dienste Gottes und dem endlichen Triumph Seiner Sache verschrieben hat.

So möge jede der 69 Gemeinden ihre Aufgaben in Angriff nehmen, sogleich darüber beraten, wie sie in der zugewiesenen Zeitspanne am besten erfüllt werden können, ihre Truppe von Pionieren aufstellen, sich unermüdlicher Arbeit weihen und sich aufmachen zur Erfüllung ihrer Mission. Jetzt ist die goldene Gelegenheit da. Denn trotz aller Erschütterungen, die der Eigensinn eines gottlosen und materialistischen Zeitalters in der Welt noch heraufbeschwören mag, und trotz der schmerzhaften Auswirkungen, die das Aufrollen der gegenwärtigen Ordnung auf die Pläne und Bestrebungen der Gemeinde des Größten Namens noch haben kann, müssen wir die Gelegenheiten der Stunde ergreifen und im Vertrauen darauf voranschreiten, daß alle Dinge in Seinem mächtigen Griff liegen und daß, wenn wir nur unsere Rolle spielen, der vollständige und bedingungslose Sieg unausweichlich uns gehören wird.





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April 1964 - Ridván-Botschaft an die Bahá'í in Deutschland

Auf der deutschen Bahá'í-Gemeinde - die gesegnet ist durch den zweimaligen Besuch `Abdu'l-Bahás, ausgezeichnet durch die Errichtung des Muttertempels von Europa auf ihrem Boden, begünstigt durch ihre Lage im Herzen des europäischen Kontinents - ruhen schwerwiegende Verantwortungen. Sie muß das Licht des Gottesglaubens durch ganz Europa ausstrahlen, ganz besonders aber in östlicher Richtung: nach den Staaten Osteuropas, ins Baltikum, zu den Balkanländern und bis ins Herz von Rußland.

Durch die im Zehnjahresfeldzug errungenen Siege sind die Kräfte und Möglichkeiten Ihrer Gemeinde ganz erheblich vergrößert worden. Jetzt, da die gesamte Bahá'í-Welt zur zweiten großen, weltumspannenden Unternehmung aufbricht, rufen wir die Gläubigen in Deutschland auf, sich entschlossen, voll Hingabe und Energie in die Arbeit zu stürzen und die vor ihnen liegenden Aufgaben anzupacken. Die Herausforderung ist groß, und auf dem Weg lauern viele Hindernisse; aber göttliche Unterstützung ist all jenen zugesichert, die sich im Dienst der Sache Gottes erheben und ihr Vertrauen mutig auf Ihn setzen.

Auf der nächsten Stufe Ihrer historischen Sendung haben Sie folgende Aufgaben zu erfüllen:

Albanien, die Moldaurepublik, Rumänien und Weißrußland eröffnen;

Lettland und Litauen eröffnen, unterstützt durch den Nationalen Geistigen Rat von Schweden;

die Kykladen eröffnen, unterstützt durch den Nationalen Geistigen Rat der Britischen Inseln;

die Ostfriesischen Inseln eröffnen und dort mindestens eine Gruppe bilden;

auf Kreta mindestens eine Gruppe bilden, unterstützt durch den Nationalen Geistigen Rat der Britischen Inseln;

die Anzahl der örtlichen Geistigen Räte in Griechenland auf zwei und die Anzahl der Zentren auf mindestens drei erhöhen;

in Bulgarien, Polen und der Russischen Sowjetrepublik je einen örtlichen Geistigen Rat bilden, falls es die Umstände erlauben - in dem zuletzt erwähnten Territorium mit Unterstützung durch den Nationalen Geistigen Rat von Finnland;

den Anteil der deutschstämmigen Gläubigen in der deutschen Bahá'í-Gemeinde erheblich vergrößern;

die Anzahl der Zentren auf fünfhundert erhöhen;

die Anzahl der örtlichen Geistigen Räte auf dreiundsechzig erhöhen, darunter ein Geistiger Rat auf den Nordfriesischen Inseln;

die Lehrarbeit auf Trier ausdehnen, unterstützt durch den Nationalen Geistigen Rat von Luxemburg;

die Anzahl der eingetragenen örtlichen Geistigen Räte auf dreißig erhöhen;

die amtliche Anerkennung der Bahá'í-Feiertage und der Bahá'í-Trauungsurkunde durch die Behörden erreichen;

Bahá'í-Literatur ins Weißrussische übertragen und veröffentlichen;

die auf griechisch vorliegende Bahá'í-Literatur erweitern;

die deutsche Bahá'í-Literatur erweitern, unterstützt durch die Nationalen Geistigen Räte von Österreich, Luxemburg und der Schweiz.

Auf dem Gebiet internationaler Zusammenarbeit ist die deutsche Bahá'í-Gemeinde aufgerufen, den folgenden Gemeinden Unterstützung zu gewähren:

dem Nationalen Geistigen Rat von Finnland bei der Eröffnung Estlands;

dem Nationalen Geistigen Rat von Österreich bei der Bildung je eines örtlichen Geistigen Rates in der Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoswlawien, wenn es die Umstände erlauben;

den Nationalen Geistigen Räten von Österreich und Luxemburg bei der Verfolgung ihrer Lehrvorhaben;

dem Nationalen Geistigen Rat des Indischen Ozeans beim Erwerb eines Tempelgeländes in oder in der Nähe von Saint Pierre auf der Insel Réunion;

dem Nationalen Geistigen Rat von Westafrika beim Erwerb eines Tempelgeländes in oder in der Nähe von Abidjan, Elfenbeinküste;

dem Nationalen Geistigen Rat von West-Zentralafrika beim Erwerb eines nationalen .Ha.zíratu'l-Quds in Kotonu, Dahome.

Möge der Allmächtige Sie in Ihren Überlegungen leiten und jedem Schritt, den Sie im Dienste Seiner Sache tun, Seine überreichen Bestätigungen gewähren.





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Juli 1964 - Einweihung des Hauses der Andacht in Langenhain

Wir sind soeben Zeuge der Einweihung des Muttertempels von Europa geworden - eines Bauwerks von unermeßlicher Bedeutung und von ungeahnten Möglichkeiten für die Ausbreitung des Lichtes des Glaubens Gottes auf diesem Kontinent. Von unserem geliebten Hüter zu Beginn des Zehnjahres-Kreuzzuges als eines der bedeutendsten Ziele vorgegeben, ist dieses Haus der Andacht in den Schlußjahren dieses Kreuzzuges als Frucht langer, ausdauernder Bemühungen angesichts hartnäckiger Widerstände und dank der aufopfernden Spenden der Gläubigen aus allen Teilen der Welt als Siegeszeichen errichtet worden. Indem es nunmehr in den Eröffnungsmonaten des Neunjahresplanes seiner Bestimmung übergeben wurde, bildet es ein eindrucksvolles Bindeglied zwischen diesen beiden großen Kreuzzügen und stellt erneut das organische Wachstum der Sache unter Beweis: Die in einem Zeitabschnitt gemachten Anstrengungen tragen im folgenden Frucht, und dadurch wiederum erwachsen der Bahá'í-Gemeinde neue und größere Kräfte, um noch bedeutsamere Siege zu erringen.

Sie sind jetzt zu dieser Konferenz zusammengekommen, um über Mittel und Wege zu beraten, wie die Ihnen gesetzten Ziele erreicht werden können. Jeder Gläubige sollte, wenn er die verschiedenen Aufgaben im einzelnen durchdenkt, die vier obersten Zielsetzungen immer im Auge behalten:

die Botschaft Bahá'u'lláhs muß in alle Schichten der Gesellschaft getragen werden, nicht nur in die Groß- und Kleinstädte, sondern auch in die Dörfer und ländlichen Bezirke, in denen der Virus des Materialismus bisher geringen Einfluß auf das Leben der Menschen hatte;

es sind dringend weise und wohlüberlegte Schritte zu unternehmen, um den Glauben in alle Länder Osteuropas zu tragen, in denen er bisher noch nicht Fuß gefaßt hat;

die heldenhafte Schar der Pioniere auf den Inseln des Mittelmeeres und der Nordsee muß nachhaltig verstärkt werden; denn diese Inseln werden bei der Erweckung des ganzen Kontinents eine entscheidende Rolle spielen; auch müssen die Aufgaben, die Sie auf anderen Kontinenten und Meeren erfüllen sollen, energisch angepackt werden;

die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Gemeinden sowie zwischen den Nationalen Geistigen Räten und den Händen der Sache Gottes muß weiter gepflegt werden, denn sie hat bereits entscheidend zur Tätigkeit der Gemeinden auf Ihrem Kontinent beigetragen und ist für die weitere Entwicklung des Glaubens unabdingbar.

Jeder europäische Bahá'í möge vor allem unablässig vor Augen haben, daß wir gerade jetzt die fünf Jahre durchleben, in denen es genau ein Jahrhundert her ist, daß Bahá'u'lláh auf europäischem Boden weilte. Möge sich jeder entschließen, seine Kenntnisse im Glauben so zu vertiefen und das Maß seiner Selbstaufopferung und seiner Hingabe für die Sache Gottes so zu steigern, daß er seine Rolle beim Aufbau einer Gemeinschaft spielen kann, die sich einer so erhabenen Gnadengabe würdig erweist und zu einem Leuchtfeuer wird für die Völker dieser furchtumbrandeten Welt.

1953 schrieb Shoghi Effendi, der Erdteil Europa sei »zu dieser kritischen Stunde - an diesem großen Wendepunkt seiner Geschicke - endlich in die Phase eingetreten, die mit Recht als die Eröffnungsphase einer großen geistigen Erneuerung angesprochen werden darf und alle Voraussetzungen in sich trägt, alle früheren Zeitabschnitte seiner Geistesgeschichte in den Schatten zu stellen.« Wer das Vorrecht hatte, Augenzeuge der außerordentlichen Stärkung und Festigung der Sache in Europa im Verlaufe der letzten elf Jahre zu sein, der weiß um die geistigen Kraft- und Leistungsreserven, die sich dort aufgebaut haben, und um die daraus entspringende Wandlung des Lebens der europäischen Bahá'í-Gemeinde. Möge die Fertigstellung und Einweihung des Hauses der Andacht das Signal sein für die Freisetzung dieses geistigen Potentials, mögen dadurch auf dem europäischen Festland und auf den Inseln vor seinen Küsten beschleunigt Seelen gewonnen werden, den Ereignissen vergleichbar, die in anderen Kontinenten des Erdballs mit so erstaunlicher Plötzlichkeit zutage getreten sind.





+13

13. Juli 1964 - Lehrarbeit in der Breite

Wenn die Mehrzahl der Menschen erweckt wird und den Glauben Gottes annimmt, wird ein neuer Prozeß in Gang gesetzt, und es beginnt das Wachstum einer neuen Kultur. Betrachten wir nur die Entstehung des Christentums und des Islam. Diese Massen sind die einfachen Menschen, die zwar in ihren eigenen Traditionen wurzeln, aber doch für das neue Wort Gottes empfänglich sind; wenn sie sich ihm erschließen, übt es einen solchen Einfluß auf sie aus, daß sie alle verwandeln können, die mit ihnen in Berührung kommen.

Gottes Maßstäbe sind nicht die der Menschen. Nach menschlichen Maßstäben ermißt sich der Wert und die Größe einer Sache daraus, daß sie von ausgezeichneten, bekannten und hochgestellten Persönlichkeiten angenommen wird. Aber Bahá'u'lláh sagt: »Der Anruf und die Botschaft, die Wir brachten, hatten nie die Absicht, nur ein Land oder ein Volk zu erreichen oder nur ihm zugute zu kommen. Die Menschheit muß in ihrer Gesamtheit an dem festhalten, was ihr offenbart und verliehen wurde.« Oder wiederum: »Er hat jede Seele mit der Fähigkeit ausgestattet, die Zeichen Gottes zu erkennen. Wie hätte Er sonst Sein Zeugnis für die Menschen erfüllen können, so ihr zu jenen gehört, die Seine Sache in ihrem Herzen bewegen.« In Ländern, wo die Lehrarbeit in der Breite erfolgreich war, haben die Bahá'í Zeit und Bemühungen im gleichen Maße auf ländliche Gegenden verwandt, wie sie es vorher in Städten und Großstädten getan hatten. Die Ergebnisse zeigen, wie unklug es ist, sich nur auf einen Teil der Bevölkerung zu konzentrieren. Deshalb sollte jeder Nationale Rat seine Hilfsquellen so auswägen und seine Bemühungen so abstimmen, daß der Glaube Gottes nicht nur denjenigen gebracht wird, die leicht erreichbar sind, sondern allen Teilen der Bevölkerung, wie weit entfernt sie auch wohnen.

Die einfachen Menschen der Welt - und sie bilden die große Mehrheit der Bevölkerung - haben das gleiche Recht wie die anderen, die Sache Gottes kennenzulernen. Wenn die Freunde das Wort Gottes lehren, müssen sie darauf achten, die Botschaft in derselben Schlichtheit weiterzugeben, wie sie in unseren Lehren verkündet wird. Sie müssen allen, mit denen sie zusammenkommen, echte und göttliche Liebe erweisen. Das Herz einer ungebildeten Seele ist äußerst empfindsam; jede Spur von Vorurteil von seiten des Pioniers oder Lehrers wird sofort erfühlt.

Wenn die Freunde in der Breite lehren, sollten sie Vorsicht walten lassen und nicht die sozialen und humanitären Seiten des Glaubens herausstreichen, um auf diese Weise neue Bahá'í zu gewinnen. Erfahrungsgemäß stellen sich viele Schwierigkeiten ein, wenn Menschen, denen wir die Lehre bringen, gleichzeitig soziale Einrichtungen wie Schulen, Krankenstationen, Hospitäler oder auch nur Kleidung und Nahrung von uns angeboten bekommen. Das Hauptmotiv sollte immer die Antwort des Menschen auf Gottes Botschaft und die Anerkennung Seines Boten sein. Wer sich als Bahá'í erklärt, sollte von der Schönheit der Lehren ergriffen und von der Liebe Bahá'u'lláhs angerührt sein. Die Neuerklärten brauchen nicht die ganze Geschichte und alle Beweise, Gebote und Prinzipien des Glaubens zu kennen; aber in der Zeit, in der ihre Erklärung reift, muß nicht nur der Funke des Glaubens zu ihnen überspringen, sondern sie müssen einige Grundinformationen über die Zentralgestalten des Glaubens erhalten sowie über das Bestehen von Geboten, denen sie folgen, und einer Administration, der sie gehorchen müssen.

Nach der Erklärung dürfen die neuen Gläubigen nicht sich selbst überlassen bleiben. Durch Korrespondenz und Besuche, durch Treffen und Vertiefungsklassen müssen die Freunde geduldige Stärkung und liebevolle Hilfe erfahren, um sich zur vollen Bahá'í-Reife zu entwickeln. Der geliebte Hüter hat über die Aufgaben von Bahá'í-Räten bei der Hilfe für neuerklärte Gläubige folgendes geschrieben: »... sollten sich die Mitglieder jedes Rates bemühen, den Neuerklärten nach seiner Aufnahme in die Bahá'í-Gemeinde mit Geduld, Liebe, Takt und Weisheit zur Bahá'í-Reife zu entwickeln und ihn nach und nach dahin zu bringen, daß er alles, was in den Lehren verordnet ist, rückhaltlos akzeptiert.«

Ausdehnung und Festigung: dies sind die Zwillingsprozesse, die Hand in Hand gehen müssen. Die Freunde dürfen nicht um der Festigung willen die Ausdehnung vernachlässigen. Durch die Vertiefung der Neuerklärten werden ungeheure Antriebskräfte freigesetzt, die zu weiterer Ausdehnung führen. Andererseits erzeugt der Zustrom neuer Gläubiger einen neuen Geist innerhalb der Gemeinde; auch sorgt er für weitere Mithelfer, die wiederum die Festigungsarbeit unterstützen.

Wir möchten Ihnen einige der Methoden zur Kenntnis bringen, die Nationale Geistige Räte auf verschiedenen Kontinenten anwenden und die sich als wirkungsvoll in der Breiten-Lehrarbeit erwiesen haben, und fügen daher eine Aufstellung bei. Vielleicht eignen sich einige dieser Methoden auch für Ihren Bereich; Sie selbst werden vielleicht zusätzlich eigene Methoden entwickeln.

Wir beten inständig, daß alle Nationalen und örtlichen Geistigen Räte mit Unterstützung der Gläubigen bei der Erreichung dieses herrlichen Zieles einen grandiosen Erfolg erringen werden.

Lehrarbeit in der Breite: Anhang

1. Der neue Bahá'í erhält sofort Post. Mancherorts besteht dieses Material aus - meist farbig - gedruckten Karten, die ein Bahá'í-Thema oder ein Prinzip darstellen. Dadurch weiß der neue Freund, daß seine Erklärung angenommen wurde, und er erhält das Gefühl, daß er nunmehr der neuen Gemeinde angehört.

2. Es werden Vertiefungsklassen von etwa zweiwöchiger Dauer abgehalten. Zur Erleichterung der Teilnahme und zur Verringerung der Kosten werden eine Anzahl von Orten in einer Zone zusammengefaßt, in der die Vertiefungsklasse stattfindet. Die Teilnehmer an der Vertiefung werden gewöhnlich ausgewählt; dadurch wird erreicht, daß die befähigteren Freunde teilnehmen und der Unterricht erleichtert wird. Wenn es sich erweist, daß die Teilnehmer die Kosten für Anreise, Verpflegung und Unterkunft nicht aufbringen können, werden diese übernommen. Der Stoffplan wird zuvor zusammengestellt; der Unterrichtsstoff wird in einfacher Sprache dargeboten und in die Landessprache übersetzt. Nach Beendigung des Kurses werden die befähigteren Teilnehmer herausgesucht und erhalten - falls sie zustimmen - den Auftrag, für eine begrenzte Zeit ein Lehrprojekt durchzuführen. Auch langfristige Projekte dieser Art haben sich hier und da als nützlich erwiesen. Diese Projekte werden im allgemeinen sorgfältig geplant im Hinblick auf Dauer, zu besuchende Orte und Lehrstoff. Können die Reiselehrer die Kosten nicht selbst aufbringen, dann werden die für ein bestimmtes, zeitlich begrenztes Projekt anfallenden Reise- und Unterhaltskosten aus dem Fonds bestritten.

3. Kürzere Vertiefungsklassen werden in Form von langen Wochenendseminaren durchgeführt.

4. Diese Veranstaltungen - Vertiefungsklassen und Seminare - werden so oft wie möglich wiederholt, und zwar unabhängig davon, ob ein Lehrinstitut erworben werden konnte oder nicht. Steht ein solches Institut nicht zur Verfügung, so finden diese Klassen und Konferenzen normalerweise in Wohnungen von Bahá'í oder in angemieteten Räumen statt, zum Beispiel im Klassenzimmer einer Schule. Um die Verköstigung und Unterbringung der Teilnehmer zu erleichtern, werden sie manchmal gebeten, Besteck, Bettwäsche usw. mitzubringen.

5. Wo Dörfer besucht werden, trifft sich der Reiselehrer mit der örtlichen Gemeinde und vermittelt den Freunden grundlegendes Bahá'í-Wissen über das Leben als Bahá'í, die Wichtigkeit des Lehrens, Gebet, Fasten, Neunzehntagefeste, Bahá'í-Wahlen, Spenden und so weiter. Das Thema Spenden ist von größter Wichtigkeit, damit die neuen Bahá'í sich schnell als verantwortliche Gemeindemitglieder fühlen. Jeder Nationale Geistige Rat muß Mittel und Wege finden, um die Bereitschaft zum Spenden - ob Geld- oder Sachspenden - anzuregen, den Freunden das Spenden leichtzumachen und den Spendern ordnungsgemäße Quittungen auszustellen.

Dies sind nur Vorschläge aus der bisherigen Praxis, die Ihnen vielleicht bei Ihren Bemühungen helfen können, die geistig ausgehungerten Massen in Ihrem Bereich zu lehren und zu vertiefen.

Bei der Durchführung eines so außerordentlich großen geistigen Feldzuges unter den Massen kann es durchaus Enttäuschungen geben. Wir stellen ganz kurz einige Beispiele vor, von denen wir Kenntnis erhalten haben:

a) Manchmal stellen die Pioniere oder Reiselehrer fest, daß die neuen Bahá'í von ihrer Religion nicht so begeistert sind, wie erwartet, oder daß sie sich nicht an den Standard des Bahá'í-Lebens halten. Vielleicht entdecken sie auch, daß die Neuerklärten sich von ihrer neuen Religionszugehörigkeit materielle Vorteile erhoffen. Wir sollten uns immer bewußt sein, daß die allmähliche Hinführung des Gläubigen zur vollen geistigen Reife ein langsamer Prozeß ist, der liebevolle Erziehung und Geduld erfordert.

b) Manche Lehrausschüsse legen in ihrem Eifer, Ergebnisse zu erzielen, zuviel Gewicht auf eine große Zahl von Neuerklärungen und vernachlässigen dabei die Qualität des Lehrens.

c) Manche Reiselehrer unterlassen es vielleicht, ihre Kontaktpersonen sorgfältig zu lehren, in dem Bestreben, die Ergebnisse ihres Dienens vorzuweisen; in einigen wenigen Fällen, wenn sie - was Gott verhüte - unaufrichtig sind, geben sie vielleicht sogar falsche Berichte ab.

Solche Unregelmäßigkeiten hat es gegeben und kann es auch wieder geben, doch dürfen sie nicht zur Quelle der Entmutigung werden. Durch die Aussendung eines Lehrteams in ein Gebiet oder durch die Entsendung anderer Reiselehrer in periodischen Abständen und durch Schriftverkehr und Berichte können solche Situationen entdeckt und schnell bereinigt werden. Die Administration des Glaubens muß immer auf Tuchfühlung mit der Lehrarbeit bleiben.





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September 1964 - Universelle Teilnahme

In unserer Botschaft vom April 1964, in der wir den Neunjahresplan bekanntgaben, stellten wir zwei Hauptziele dieses Planes heraus, nämlich »... eine gewaltige Ausdehnung der Sache Gottes und die universelle Teilnahme aller Gläubigen am Leben dieser Sache«.

Die Begeisterung und Energie, mit der sich die Gläubigen unter der hingebungsvollen Führung ihrer Nationalen Geistigen Räte weltweit erhoben haben, um sich der Herausforderung des Planes zu stellen, ist ein gutes Vorzeichen für die riesige Ausdehnung, die der Plan verlangt. Wir bitten Sie nun, Ihre Kräfte und Gedanken mit gleicher Begeisterung auf die Erfordernisse der universellen Teilnahme zu lenken.

In derselben Botschaft erläuterten wir die Bedeutung der universellen Teilnahme: »... daß ... jeder Gläubige sich mit ganzer Hingabe bemüht, die Sache zu lehren, das Bahá'í-Leben zu führen, für den Fonds zu spenden und vor allem in ausdauerndem Bemühen die Bedeutung der Offenbarung Bahá'u'lláhs allmählich besser zu verstehen. Wie unser geliebter Hüter sagte: ,Eines, und nur eines wird unfehlbar und mit Gewißheit den unzweifelhaften Sieg dieser heiligen Sache sichern, nämlich das Ausmaß, in dem unser persönliches, inneres Leben und unsere privaten Neigungen vielfältig die Herrlichkeit der von Bahá'u'lláh verkündeten ewigen Prinzipien widerspiegeln.`«

»Betrachte die Welt als einen menschlichen Körper«, schrieb Bahá'u'lláh an Königin Viktoria. Sicherlich können wir die Bahá'í-Welt, die Heerscharen Gottes, in gleicher Weise betrachten. Im menschlichen Körper hat jede Zelle, jedes Organ, jeder Nerv seine ganz bestimmte Aufgabe. Wenn sie alle ihre Funktion erfüllen, ist der Körper gesund, kräftig, voll Energie und bereit für alle Anforderungen, die an ihn gestellt werden. Keine Zelle, und sei sie noch so bescheiden, lebt vom Körper getrennt, weder in Bezug auf ihren Dienst für den Körper noch in Bezug auf das, was sie von ihm erhält. Dies gilt für den Körper der Menschheit, in dem Gott »jedes, auch das geringste Wesen mit Fähigkeiten und Begabungen ausgestattet hat«, und es gilt vor allem für den Körper der Bahá'í-Weltgemeinde, denn dieser Körper ist bereits ein Organismus, vereint in seinen Bestrebungen, verbunden in seinen Methoden, auf der Suche nach Beistand und Bestätigung aus derselben Quelle und erleuchtet von dem bewußten Erfassen seiner Einheit. Deshalb ist in diesem organischen, göttlich geführten, gesegneten und erleuchteten Körper die Teilnahme jedes einzelnen Gläubigen von äußerster Wichtigkeit; sie ist eine Quelle der Macht und der Lebenskraft, die uns bisher noch unbekannt ist. Denn wie ausgedehnt und tiefgreifend die Teilnahme an der glorreichen Arbeit für die Sache auch schon gewesen ist - wer wollte behaupten, daß jede(r) einzelne Gläubige bereits seine oder ihre vollste Befriedigung im Leben der Sache gefunden habe? Die Bahá'í-Weltgemeinde, die wie ein gesunder neuer Körper heranwächst, entwickelt, indem sie zur Reife drängt, neue Zellen, neue Organe, neue Funktionen und Kräfte, bis schließlich jede Seele, die für die Sache Gottes lebt, von dieser Sache Gesundheit, innere Sicherheit und die überreichen Gnadengaben Bahá'u'lláhs erhält, die durch Seine göttlich niedergelegte Ordnung ausströmen.

Zusätzlich zum Lehren der Sache kann jeder Gläubige beten. Jeder Gläubige kann sich bemühen, sein »persönliches, inneres Leben« und seine »privaten Neigungen vielfältig die Herrlichkeit der von Bahá'u'lláh verkündeten ewigen Prinzipien widerspiegeln« zu lassen. Jeder Gläubige kann für den Fonds spenden. Nicht alle Gläubigen können öffentliche Vorträge halten, nicht alle sind aufgerufen, in administrativen Institutionen zu dienen. Aber alle können beten, ihren eigenen geistigen Kampf austragen und für den Fonds spenden. Wenn jeder Gläubige diese heiligen Pflichten erfüllt, werden wir über den Zuwachs an Kraft erstaunt sein, der sich dem ganzen Körper mitteilt und der seinerseits weiteres Wachstum und die Ausgießung größerer Segensfülle auf uns alle hervorruft.

Das wahre Geheimnis der universellen Teilnahme liegt in dem vom Meister oft geäußerten Wunsch, die Freunde möchten einander lieben, einander ständig ermutigen, zusammen arbeiten, wie eine Seele in einem Körper sein und, indem sie das tun, ein echter, organischer, gesunder Körper werden, der vom Geist erleuchtet und belebt ist. In einem solchen Körper werden alle Teile geistige Gesundheit und Lebenskraft vom Organismus selbst erhalten, und die vollkommensten Blüten und Früchte werden heranreifen.

An den heiligen Schreinen bringen wir unausgesetzt unsere Gebete für das Glück und den Erfolg der Freunde in aller Welt dar.





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November 1964 - Entwicklung der Institution der Hände der Sache Gottes

Das Weltzentrum unseres Glaubens war wieder einmal Schauplatz historischer Ereignisse, die die unmittelbare Durchführung des Neunjahresplanes wie auch die zukünftige Entwicklung der Weltordnung Bahá'u'lláhs nachhaltig beeinflussen werden.

Der Anlaß war die vierzehntägige Zusammenkunft der Hände der Sache Gottes im Heiligen Land, um ihre entscheidenden Verpflichtungen, insbesondere als die Bannerträger des Neunjahresplanes, zu beraten.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit nutzte diese Gelegenheit nicht nur, um den Rat, die Ansicht und die Meinung der Hände zum Fortschritt des Neunjahresplanes zu erhalten, sondern auch, um sie über das hochwichtige Ziel um Rat zu fragen, das Ridván 1964 bekanntgegeben wurde und unter den Zielen des Weltzentrums aufgeführt ist: »Entwicklung der Institution der Hände der Sache Gottes in gemeinsamer Beratung mit der Körperschaft der Hände der Sache, wobei es um die künftige Wahrnehmung der ihr zugewiesenen Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung geht.«

Offensichtlich mußte dieses bedeutsame Ziel erläutert werden im Hinblick auf die so außerordentlich wichtige Lehrarbeit und die Entwicklung der Bahá'í-Weltordnung, denn die Erläuterung dieses Zieles berührt das Verhältnis der Hände der Sache Gottes zu allen anderen Institutionen des Glaubens.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat dieser Angelegenheit folglich größte Aufmerksamkeit geschenkt und hat, nachdem es die Heiligen Texte studiert und die Ansichten der Hände der Sache selbst gehört hat, folgende Entscheidungen getroffen:

Es gibt keine Möglichkeit, Hände der Sache Gottes zu ernennen oder ein Gesetz zu erlassen, das eine Ernennung von Händen der Sache ermöglichen würde.

Die Verantwortung für Entscheidungen allgemeiner Art, die die Institution der Hände der Sache betreffen, die früher vom geliebten Hüter wahrgenommen wurde, fällt nun auf das Universale Haus der Gerechtigkeit als der höchsten und zentralen Institution des Glaubens, der sich alle zuwenden müssen.

Mit großer Freude können wir Ihnen nun die einleitenden Maßnahmen mitteilen, die ergriffen wurden, um das Ziel zu erreichen.

Die Verteilung der Hände auf die einzelnen Kontinente bleibt unverändert; um jedoch die Arbeit zu beschleunigen, werden die Kontinente Asien und die westliche Hemisphäre für die laufende Arbeit der Hände in Zonen eingeteilt, wobei eine oder mehrere Hände für jede Zone verantwortlich sind. Asien wird aus zwei Zonen bestehen: der Mittlere Osten, der mit Pakistan angefangen alle Länder westwärts umfaßt und dazu den asiatischen Teil der UdSSR; sowie Süd- und Ostasien, das den übrigen Teil des Kontinents umfaßt. Die westliche Hemisphäre wird aus drei Zonen bestehen: Nordamerika, Mittelamerika (einschließlich Mexiko) und die Antillen; und Südamerika. Die Hawaii-Inseln werden zu Australasien gerechnet, wie es bereits in der letzten statistischen Zusammenfassung geschehen ist.

Zahl der Hilfsamtsmitglieder erhöht:

Die Zahl der Hilfsamtsmitglieder für die Verbreitung des Glaubens wird in allen Kontinenten erhöht werden; damit steigt die Gesamtzahl der Hilfsamtsmitglieder in Afrika von 18 auf 27, in Asien von 14 auf 36, in Australasien von 4 auf 9, in Europa von 18 auf 27 und in der westlichen Hemisphäre von 18 auf 36.

Die Hände der Sache in jedem Kontinent sind aufgerufen, ein oder mehrere Hilfsamtsmitglieder zu ernennen, die mit Exekutivaufgaben betraut und im Namen und für die betreffende Hand tätig werden sollen, so daß sie sie bei der Durchführung ihrer Arbeit unterstützen.

Der erhabene Rang und die besonderen Aufgaben der Hände der Sache Gottes bringen es mit sich, daß es für sie nicht angemessen ist, in eine administrative Institution gewählt oder ernannt zu werden, oder als Delegierte zur Nationaltagung gewählt zu werden. Desweiteren ist es ihr Wunsch und auch der Wunsch des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, daß sie frei sein sollen, ihre ganze Energie auf die entscheidend wichtigen Pflichten zu richten, die ihnen in den Heiligen Schriften zugewiesen wurden. Es kann nicht genug betont werden, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen den Händen der Sache und den Nationalen Geistigen Räten ist. Zu diesem Thema ergeht eine besondere Mitteilung an die Nationalen Geistigen Räte, durch die Richtlinien aus früheren Briefen ergänzt werden.

Wir möchten vorwegnehmen, daß zu Ridván 1965 bekanntgegeben werden sollen: Pläne für Ozeanische und Interkontinentale Konferenzen; ein Gesamtplan für eine weltweite Verkündigung des Glaubens im Jahr 1967/68, einhundert Jahre nach der Offenbarung der Súriy-i-Mulúk; dies wird eine Zusammenarbeit der Nationalen und örtlichen Geistigen Räte auf der ganzen Welt mit sich bringen; schließlich die Ausschreibung eines Wettbewerbs für den Entwurf des Mashriqu'l-Adhkár von Panama.

Das Lehren der breiten Masse ist die größte Herausforderung, vor der die Anhänger Bahá'u'lláhs jetzt stehen. Es gibt keine wichtigere Arbeit als die, Seine Botschaft mit größter Schnelligkeit den verwirrten und durstigen Völkern einer geistig schmachtenden Welt zu überbringen. Wenn jetzt die Hände, gestärkt durch eine weiterreichende und wirksamere Organisation ihrer Arbeit, zu ihren einzelnen Kontinenten zurückkehren, dann haben wir das feste Vertrauen, daß die ganze Bahá'í-Welt mit immer wachsender Begeisterung und immer größerem Erfolg die Lehrarbeit vorantreiben, den Strom von Pionieren verstärken, in immer steigendem Maße die Arbeit des Glaubens finanziell unterstützen und ganz schnell die Liste der bereits erfüllten Ziele erweitern wird.





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9. März 1965 - Die unangreifbare Grundlage der Sache Gottes

(Der folgende Brief, in dem Fragen über das Universale Haus der Gerechtigkeit beantwortet wurden, war an einen Nationalen Geistigen Rat gerichtet. Er wurde zur Unterrichtung der Bahá'í in aller Welt zur Veröffentlichung freigegeben.)

Wir freuen uns, daß Sie Fragen, die bei einigen Gläubigen Verwirrung gestiftet haben, zu unserer Kenntnis brachten. Es ist weitaus besser, daß solche Fragen offen und frei gestellt werden, als daß sie die Herzen ergebener Gläubiger belasten, ohne geäußert zu werden. Wenn man erst einmal bestimmte Grundprinzipien der Offenbarung Bahá'u'lláhs verstanden hat, sind Ungewißheiten dieser Art schnell beseitigt. Das soll nicht heißen, die Sache Gottes enthalte nichts Geheimnisvolles. In der Tat gibt es Geheimnisse, aber sie sind nicht von der Art, daß sie den Glauben ins Wanken bringen könnten, wenn erst einmal die wesentlichen Lehren der Sache und die unleugbaren Tatsachen einer gegebenen Situation klar geworden sind.

Die von verschiedenen Gläubigen aufgeworfenen Fragen gliedern sich in drei Gruppen. Im Mittelpunkt der ersten Gruppe stehen folgende Fragen: Warum wurden Schritte für die Wahl eines Universalen Hauses der Gerechtigkeit eingeleitet, obwohl man im voraus wußte, daß es keinen Hüter mehr geben werde? War die Zeit reif für dieses Vorgehen? Hätte nicht der Internationale Bahá'í-Rat die Arbeit weiterführen können?

Die Grundlage der Wahl:

Zur Zeit des Todes unseres geliebten Shoghi Effendi war es nach den Umständen und den ausdrücklichen Erfordernissen der Heiligen Schriften offenkundig, daß es ihm unmöglich gewesen war, gemäß den Bestimmungen des Willens und Testaments `Abdu'l-Bahás einen Nachfolger zu ernennen. Diese Situation, in der der Hüter starb, ohne in der Lage zu sein, einen Nachfolger zu bestellen, warf eine in Dunkel gehüllte Frage auf, die vom ausdrücklichen Heiligen Text nicht behandelt ist und demnach dem Universalen Haus der Gerechtigkeit zu unterbreiten war. Die Freunde sollten klar verstehen, daß vor der Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit keine Kenntnis darüber bestand, daß es keinen Hüter mehr geben werde. Es konnte kein solches Vorherwissen geben, einerlei, welche Meinung einzelne Gläubige über die Frage haben mochten. Weder die Hände der Sache Gottes, noch der Internationale Bahá'í-Rat, noch irgendeine andere bestehende Körperschaft waren in der Lage, eine Entscheidung über diese Angelegenheit von überragender Bedeutung zu fällen. Nur das Haus der Gerechtigkeit hatte die Autorität, darüber zu befinden. Dies war einer der dringenden Gründe dafür, die Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit so bald wie möglich anzusetzen.

Nach dem Hinscheiden Shoghi Effendis wurde die internationale Verwaltung des Glaubens von den Händen der Sache Gottes fortgeführt, die dabei das volle Einverständnis und die Treuebekundung der Nationalen Geistigen Räte und der Gesamtheit der Gläubigen hatten. Dies geschah im Einklang mit der vom Hüter für die Hände der Sache festgelegten Bestimmung, die »Hauptsachwalter des keimhaften Weltgemeinwesens Bahá'u'lláhs« zu sein.

Von Anbeginn der Übernahme dieses Verwahreramtes für die Sache Gottes an waren sich die Hände bewußt, daß - nachdem sie keine Gewißheit der göttlichen Führung hatten, wie sie dem Hüter und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit unanfechtbar zugesichert ist - der einzige sichere Kurs für sie war, mit unbeirrbarer Standhaftigkeit den Anweisungen und Richtlinien Shoghi Effendis zu folgen. Die ganze Religionsgeschichte verzeichnet keinen vergleichbaren Bericht über eine derart strikte Selbstdisziplin, solch absolute Loyalität und eine so vollständige Selbstverleugnung seitens der Führer einer Religion, die sich plötzlich ihres göttlich inspirierten Oberhauptes beraubt sahen. Die Dankesschuld, welche die Menschheit auf Generationen, nein Zeitalter hinaus dieser Handvoll leidgeprüfter, standhafter, heroischer Seelen abzutragen hat, läßt sich nicht abschätzen.

Der Hüter hatte der Bahá'í-Welt ausdrückliche und ins einzelne gehende Pläne für den Zeitraum bis Ridván 1963, also bis zum Ende des Zehnjahres-Kreuzzuges gegeben. Von diesem Zeitpunkt an war weitere göttliche Führung notwendig, sollte der Glaube nicht in Gefahr geraten. Dies war der zweite dringende Grund für die Einberufung der Wahlversammlung für das Universale Haus der Gerechtigkeit. Die Richtigkeit des Zeitpunktes wurde ferner bestätigt durch Stellen in Shoghi Effendis Briefen, wonach auf den Zehnjahres-Kreuzzug andere Pläne unter der Leitung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit folgen sollten. Eine dieser Quellen ist der folgende Abschnitt aus einem Brief an den Nationalen Geistigen Rat der Britischen Inseln vom 25. Februar 1951 über dessen Zweijahresplan, der dem Zehnjahres-Kreuzzug unmittelbar voranging:

»Vom Erfolg dieses Unternehmens, das beispiellos in seinen Ausmaßen, einzigartig in seinem Charakter und unermeßlich in seinen geistigen Möglichkeiten ist, muß in einer späteren Periode des Gestaltenden Zeitalters unseres Glaubens die Inangriffnahme von Vorhaben abhängen, welche in ihrem Umfang alle Nationalen Räte der ganzen Bahá'í-Welt umfassen - Vorhaben, die ihrerseits wieder den Auftakt zur Inangriffnahme weltweiter Unternehmungen bilden, welche in zukünftigen Abschnitten dieses gleichen Zeitalters vom Universalen Haus der Gerechtigkeit aufgegriffen werden, das die Einheit dieser Nationalen Räte symbolisieren und ihre Tätigkeiten aufeinander abstimmen und vereinheitlichen wird.«

Nachdem die Hände sechs Jahre lang die Sache Gottes geleitet hatten, riefen sie in absolutem Glauben an die Heiligen Schriften die Gläubigen auf, das Universale Haus der Gerechtigkeit zu wählen, und gingen sogar so weit, zu bitten, daß sie selbst nicht gewählt werden sollten. Der einzige traurige Fall, daß jemand den Verlockungen der Macht unterlag, war der bemitleidenswerte Versuch Charles Mason Remeys, das Hütertum an sich zu reißen.

Die folgenden Auszüge aus einem Sendschreiben `Abdu'l-Bahás legen klar und deutlich die Grundsätze dar, mit denen die Freunde bereits aus dem Willen und Testament des Meisters und aus zahlreichen Briefen Shoghi Effendis vertraut sind, und erläutern die Grundlage für die Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit. Dieses Sendschreiben wurde vom geliebten Hüter selbst in den ersten Jahren seines Amtes zum Umlauf unter den Freunden nach Persien gesandt:

»... denn `Abdu'l-Bahá befindet sich in einem Sturm von Gefahren und verabscheut Meinungsverschiedenheiten grenzenlos... Preis sei Gott, es gibt keine Gründe für Verschiedenheiten.« (Pers./Arab. Sendschreiben von Abdu'l-Bahá, Band III, p.499)

»Der Báb, der Erhabene, ist der Morgen der Wahrheit, dessen Licht mit seinem Glanz durch alle Regionen strahlt. Auch ist Er der Vorbote des Größten Lichtes, der Sonne Abhá. Die Gesegnete Schönheit ist der Verheißene der heiligen Bücher der Vergangenheit, die Offenbarung der Quelle des Lichtes, das auf dem Berg Sinai erstrahlte, dessen Feuer inmitten des Brennenden Busches erglühte. Wir sind, einer und alle, Diener an Ihrer Schwelle und stehen als bescheidene Torwächter an Ihrer Tür.« (Pers./Arab. Sendschreiben von Abdu'l-Bahá, Band III, p.499)

»Was ich zum Ausdruck bringen will, ist, daß vor Ablauf von tausend Jahren niemand das Recht hat, ein einziges Wort zu äußern, nicht einmal, die Stufe des Hütertums in Anspruch zu nehmen. Das Heiligste Buch ist das Buch, dem sich alle Völker zuzuwenden haben; in ihm wurden die Gesetze Gottes offenbart. Gesetze, die in dem Buch nicht erwähnt sind, sollten dem Universalen Haus der Gerechtigkeit zur Entscheidung unterbreitet werden. Es wird keine Gründe für Meinungsverschiedenheiten geben... Hütet euch, hütet euch, damit nicht irgendwer eine Spaltung schaffe oder Aufruhr verursache. Sollte es Verschiedenheiten in der Auffassung geben, so wird das Oberste Haus der Gerechtigkeit unverzüglich die Frage lösen. Was immer seine Entscheidung - durch Stimmenmehrheit - sein wird, wird tatsächlich die Wahrheit sein; denn jenes Haus steht unter dem Schutz, unter der nie irrenden Führung und Fürsorge des einen wahren Herrn. Er wird es vor Irrtum behüten und wird es beschützen unter den Schwingen Seiner Heiligkeit und Unfehlbarkeit. Wer sich ihm widersetzt, ist ausgestoßen und zählt letztlich zu den Unterlegenen.« (Pers./Arab. Sendschreiben von Abdu'l-Bahá, Band III, p.500)

»Das Oberste Haus der Gerechtigkeit ist nach dem System zu wählen, das bei der Wahl der Parlamente Europas befolgt wird. Und würden die Länder geführt, würden die Häuser der Gerechtigkeit der verschiedenen Länder das Oberste Haus der Gerechtigkeit wählen.« (Pers./Arab. Sendschreiben von Abdu'l-Bahá, Band III, p.500)

»Wann immer alle Geliebten Gottes in jedem Land ihre Abgeordneten benennen, diese ihrerseits ihre Vertreter wählen und diese Vertreter hinwiederum eine Körperschaft wählen, ist diese Körperschaft als das Oberste Haus der Gerechtigkeit anzusehen.« (Pers./Arab. Sendschreiben von Abdu'l-Bahá, Band III, p.501)

»Die Errichtung dieses Hauses ist nicht vom Übertritt aller Nationen der Welt zum Glauben abhängig. Wenn zum Beispiel die Verhältnisse günstig wären und keine Unruhen entstünden, würden die Freunde in Persien ihre Vertreter wählen, und genauso würden die Freunde in Amerika, in Indien und anderen Gebieten ihre Vertreter wählen, und diese würden ein Haus der Gerechtigkeit wählen. Dieses Haus der Gerechtigkeit wäre das Oberste Haus der Gerechtigkeit. Das ist alles.« (Pers./Arab. Sendschreiben von Abdu'l-Bahá, Band III, p.501)

Die Freunde sollten sich vergegenwärtigen, daß nichts in den Texten darauf hinweist, daß die Wahlversammlung für das Universale Haus der Gerechtigkeit nur vom Hüter einberufen werden könnte. Im Gegenteil, `Abdu'l-Bahá faßte diese Einberufung zu Seinen eigenen Lebzeiten ins Auge. Zu einer Zeit, die vom Hüter als »die dunkelsten Augenblicke Seines (des Meisters) Lebens« beschrieben wurde, »unter dem Regime `Abdu'l-.Hamíds, als Ihm bevorstand, in die unwirtlichsten Gegenden Nordafrikas verschleppt zu werden«, und als sogar Sein Leben bedroht war, schrieb `Abdu'l-Bahá an .Hájí Mírzá Taqí Afnán, den Vetter des Báb und eigentlichen Erbauer des Tempels von `Ishqábád, und befahl ihm, für die Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit Sorge zu tragen, falls die Drohungen gegen den Meister verwirklicht würden. Auch der zweite Teil des Testaments `Abdu'l-Bahás trägt einer derartigen Situation Rechnung und sollte von den Freunden studiert werden.

Die Unfehlbarkeit:

Der zweite Problemkreis, der einige Freunde beunruhigt, betrifft die Frage der Unfehlbarkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und seine Funktionsfähigkeit ohne die Gegenwart des Hüters. Eine besondere Schwierigkeit ist beim Verständnis der folgenden Erklärung des geliebten Hüters aufgetreten:

»Abgesondert von der Institution des Hütertums wäre die Weltordnung Bahá'u'lláhs verstümmelt und dauernd des Grundsatzes der Erblichkeit beraubt, der, wie `Abdu'l-Bahá schreibt, unverändert durch das Gesetz Gottes hochgehalten worden ist. `In allen göttlichen Sendungen', so erklärt Er in einem an einen Anhänger des Glaubens in Persien gerichteten Sendschreiben, `ist dem ältesten Sohne eine außerordentliche Auszeichnung zuteil geworden. Sogar die Stufe der Prophetenschaft ist das Recht seiner Erstgeburt gewesen.' Ohne eine solche Einrichtung würde die Ganzheit des Glaubens gefährdet; die Reißfestigkeit seines Gewebes wäre schwer bedroht. Sein Ansehen litte, die Mittel für einen weiten ununterbrochenen Ausblick auf eine Reihe von Generationen fehlten völlig, und die notwendige Führung bei der Festlegung des Gesetzgebungsbereichs seiner gewählten Vertreter wäre dahin.« (WOB S.212f)

Die Freunde, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein klareres Verständnis dieser Textstellen erstreben, mögen sie im Lichte der vielen anderen Texte betrachten, die sich mit demselben Gegenstand befassen, zum Beispiel die folgenden, aus den Briefen Shoghi Effendis ausgewählten Zitate:

»Sie haben auch in eindeutiger und eindringlicher Sprache die Zwillingsinstitutionen des Hauses der Gerechtigkeit und des Hütertums als ihre erwählten Nachfolger eingesetzt und ihnen die Aufgabe übertragen, die Grundsätze anzuwenden, die Gesetze zu verkünden, die Institutionen zu schützen, den Glauben bündnistreu und vernunftgemäß den Erfordernissen einer fortschreitenden Gesellschaft anzupassen und das unverbrüchliche Erbe zu vollenden, das die Stifter dieses Glaubens der Welt hinterlassen haben.« (WOB S.38)

»Jeder Gläubige muß auch voll begreifen, daß die Institution des Hütertums die Gewalten, die Bahá'u'lláh dem Universalen Haus der Gerechtigkeit im Kitáb-i-Aqdas verliehen und die `Abdu'l-Bahá wiederholt und feierlich in Seinem Testament bestätigt hat, unter keinen Umständen aufhebt oder sie im geringsten schmälert. Das Hütertum stellt auf keinen Fall einen Widerspruch zu dem Testament und den Schriften Bahá'u'lláhs dar, noch hebt es irgendeine Seiner offenbarten Weisungen auf. Es steigert das Ansehen jener erhabenen Ratsversammlung, festigt ihren höchsten Rang, sichert ihre Einheit, wahrt die Beständigkeit ihrer Bemühungen, ohne sich im mindesten einen Verstoß gegen die Unverletzlichkeit ihres klar bestimmten Rechtsbereichs anzumaßen. Wir stehen einer derart gewaltigen Urkunde wirklich noch zu nahe, um für uns selbst ein volles Verständnis aller in ihr verborgenen Wirkkräfte beanspruchen oder behaupten zu können, wir hätten die mannigfachen Geheimnisse begriffen, die sie ohne Zweifel enthält.« (WOB S.22f)

»Aus diesen Darlegungen wird unzweifelhaft klar und deutlich, daß der Hüter des Glaubens zum Ausleger des Wortes gemacht und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit die Gesetzgebungsgewalt für die Gegenstände verliehen worden ist, die nicht ausdrücklich in den Lehren offenbart sind. Die Auslegung durch den Hüter ist innerhalb seines Bereiches ebenso autoritativ und bindend wie die Entscheidungen des Internationalen Hauses der Gerechtigkeit, dessen ausschließliches Recht und Privileg es ist, über solche Gesetze und Anordnungen zu befinden und letztgültig zu entscheiden, die Bahá'u'lláh nicht ausdrücklich offenbart hat. Keine von beiden Institutionen kann und wird je in das geweihte und festgelegte Gebiet der anderen übergreifen, keine von ihnen versuchen, die besondere, unbestrittene Amtsgewalt zu schmälern, mit der beide von Gott her ausgestattet wurden.« (WOB S.215)

»Jede übt innerhalb der ihr gesetzten Grenzen ihre Gewalt, Autorität, Rechte und Vorrechte aus, und diese stehen weder in Widerspruch zueinander, noch schmälern sie im geringsten die Stellung, welche jede dieser Institutionen einnimmt.« (WOB S.212)

»Obwohl der Hüter des Glaubens zum ständigen Haupt einer so erhabenen Körperschaft gemacht worden ist, kann er doch nie, und wäre es nur vorübergehend, das Recht ausschließlicher Gesetzgebung beanspruchen. Er kann die Entscheidung der Mehrheit seiner Mitglieder nicht umstoßen...« (WOB S.215)

Vor allem anderen mögen die Herzen der Freunde durch die folgenden Worte Bahá'u'lláhs Gewißheit erfahren:

»Die Hand der Allmacht hat Seine Offenbarung auf einen unverletzlichen, dauerhaften Grund gestellt. Stürme menschlichen Streites vermögen ihre Grundfesten nicht zu schwächen, noch werden die wunderlichen Ideen der Menschen ihrem Aufbau schaden können.« (WOB S.165)

und gleichermaßen durch die Worte Abdu'l-Bahás:

»Wahrlich, Gott tut, was Er will. Nichts kann Sein Bündnis zunichte machen. Nichts kann Seine Gnade und Gunst aufhalten oder Seiner Sache widerstehen. Er tut durch Seinen Willen, was Ihm beliebt, und Er ist mächtig über alle Dinge!« (TAB III p.598)

Die Freunde sollten sich bewußt machen, daß das Universale Haus der Gerechtigkeit mit umfassender Gründlichkeit sowohl die Heiligen Texte wie auch die Schriften Shoghi Effendis über den jeweiligen Gegenstand studiert, ehe es in irgendeiner Frage gesetzgeberisch tätig wird. Die Auslegungen, die unser geliebter Hüter aufgezeichnet hat, behandeln einen ausgedehnten Themenkreis und sind in gleicher Weise bindend wie der Text selbst.

Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen den Auslegungen des Hüters und den Klarstellungen des Hauses der Gerechtigkeit in Ausübung seiner Aufgabe, »über alle Probleme zu beraten, die zu Meinungsunterschieden geführt haben, ferner über Fragen, die noch im Dunkeln liegen und Angelegenheiten, die nicht ausdrücklich im Buche verzeichnet sind.« Der Hüter enthüllt, was der Heilige Text bedeutet; seine Auslegung ist eine Feststellung der Wahrheit, die unabänderlich ist. Dem Universalen Haus der Gerechtigkeit ist nach den Worten des Hüters »das ausschließliche Recht der Gesetzgebung in Dingen, die nicht ausdrücklich in den Bahá'í-Schriften offenbart sind, verliehen worden.« Seine Verlautbarungen, die durch das Haus der Gerechtigkeit selbst geändert oder wieder aufgehoben werden können, dienen dazu, das Gesetz Gottes zu ergänzen und anzuwenden. Wenngleich nicht mit der Aufgabe der Auslegung betraut, ist das Haus der Gerechtigkeit in der Lage, alles Notwendige zu tun, um die Weltordnung Bahá'u'lláhs auf dieser Erde zu errichten. Die Einheit der Lehre wird durch die vorhandenen authentischen Heiligen Texte und durch die umfangreichen Auslegungen von `Abdu'l-Bahá und Shoghi Effendi aufrechterhalten; hinzukommt das unbedingte Verbot für jedermann, »autoritative« oder »inspirierte« Auslegungen vorzubringen oder sich die Funktion des Hüters anzumaßen. Die Einheit der Verwaltungsordnung ist durch die Autorität des Universalen Hauses der Gerechtigkeit gewährleistet.

»So lautet« - nach den Worten Shoghi Effendis - »unveränderlich `Abdu'l-Bahás offenbartes Wort. So weit geht die Anpassungsfähigkeit, die die Tätigkeit Seiner ernannten Diener kennzeichnet. Die Unveränderlichkeit wahrt die Identität Seines Glaubens und schützt die Unversehrtheit Seines Gesetzes. Die Anpassungsfähigkeit ermöglicht diesem Glauben, sich wie ein lebendiger Organismus auszudehnen und auf die Bedürfnisse und Erfordernisse einer ewig sich wandelnden Gesellschaft einzustellen.« (WOB S.43f)

Jeder wahre Gläubige muß, um sein Verständnis für die Sache Bahá'u'lláhs zu vertiefen, zweierlei mitbringen: den unbedingten Glauben an die unfehlbare Wirksamkeit Seiner Botschaft und Seines Bündnisses und die demütige Einsicht, daß in dieser Generation kein Mensch beanspruchen kann, er habe Seine Sache in ihrem ganzen Ausmaß erkannt oder die vielfältigen Geheimnisse und Wirkkräfte, die sie birgt, begriffen. Shoghi Effendis Worte sind hierfür ein beredtes Zeugnis:

»Wie unermeßlich ist die Offenbarung Bahá'u'lláhs! Wie groß ist das Ausmaß Seiner Segnungen für die Menschheit an diesem Tage! Und doch, wie armselig, wie unzureichend ist unser Verständnis ihrer Bedeutung und ihrer Herrlichkeit. Unser Geschlecht steht einer so gewaltigen Offenbarung zu nahe, um die unendlichen Möglichkeiten Seines Glaubens, den einmaligen Charakter Seiner Sache, die geheimnisvollen Fügungen Seiner Vorsehung voll zu würdigen.« (WOB S.45)

»In Seinem Willen und Testament ruft unser geliebter Meister uns auf, sie (die neue Weltordnung Bahá'u'lláhs) nicht nur vorbehaltlos anzunehmen, sondern ihre Vortrefflichkeit zugleich der ganzen Welt zu enthüllen. Der Versuch, so kurze Zeit nach ihrer Begründung ihren vollen Wert abzuschätzen oder ihren genauen Sinn zu begreifen, wäre von unserer Seite voreilig und vermessen. Wir müssen auf die Zeit und auf die Führung durch Gottes Universales Haus der Gerechtigkeit vertrauen, um ein klareres und volleres Verständnis ihrer Bestimmungen und Auswirkungen zu gewinnen.« (Brief vom 23. Februar 1924, Bahá'í Administration, p.62)

»Was die Ordnung und Leitung der geistigen Angelegenheiten der Freunde angeht, ist nunmehr die Festigung der Geistigen Räte in jedem Zentrum besonders wichtig, weil auf dieser starken und unerschütterlichen Grundlage in den kommenden Tagen Gottes Oberstes Haus der Gerechtigkeit errichtet und fest gegründet werden wird. Wenn dieses größte Bauwerk auf derart unumstößlichen Grundmauern erstellt wird, werden Gottes Absicht und Weisheit, Seine allumfassenden Wahrheiten, die Geheimnisse und die Wirklichkeit des Reiches Gottes, wie sie die mystische Offenbarung Bahá'u'lláhs im Willen und Testament `Abdu'l-Bahás verwahrt hat, Schritt für Schritt enthüllt und offenkundig werden.« (Brief in Persisch vom 19. Dezember 1922)

Erklärungen wie diese zeigen, daß die volle Bedeutung des Testaments `Abdu'l-Bahás wie auch das Verständnis für die tieferen Zusammenhänge der Weltordnung, die durch dieses bedeutsame Dokument eingeleitet wird, nur nach und nach den Augen der Menschen offenbar werden können und erst, nachdem das Universale Haus der Gerechtigkeit ins Leben gerufen wurde. Die Freunde sind aufgerufen, der Zeit zu vertrauen und die Führung durch das Universale Haus der Gerechtigkeit abzuwarten, das, wenn es die Umstände erfordern, Verlautbarungen veröffentlichen wird, mit denen in Dunkel gehüllte Angelegenheiten entschieden und geklärt werden.

Die Vollmacht zum Ausschluß:

Die dritte Gruppe von Fragen, die von den Freunden gestellt werden, betrifft Einzelheiten der Amtsführung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in Abwesenheit des Hüters, insbesondere die Frage des Ausschlusses von Mitgliedern des Hauses der Gerechtigkeit. Derartige Fragen werden in der Verfassung des Hauses der Gerechtigkeit geklärt werden, deren Formulierung ein Ziel des Neunjahresplanes ist. In der Zwischenzeit werden die Freunde davon unterrichtet, daß wenn ein Mitglied eine »für das Gemeinwohl schädliche Sünde« begeht, es durch Mehrheitsbeschluß des Hauses selbst von der Mitgliedschaft im Hause der Gerechtigkeit ausgeschlossen werden kann. Sollte ein Mitglied, was Gott verhüten wolle, sich des Bündnisbruches schuldig machen, würde die Angelegenheit von den Händen der Sache Gottes untersucht werden, und der Bündnisbrecher würde auf Beschluß der Hände der Sache Gottes im Heiligen Land, vorbehaltlich der Zustimmung des Hauses der Gerechtigkeit, ausgestoßen, wie dies im Falle jedes anderen Gläubigen geschähe. Der Beschluß der Hände in einem derartigen Fall würde der Bahá'í-Welt vom Universalen Haus der Gerechtigkeit verkündet.

Wir sind sicher, daß die Zweifel und Besorgnisse der Freunde ganz ausgeräumt werden, wenn Sie ihnen diesen Brief bekanntgeben und ihre Aufmerksamkeit auf die darin zitierten Stellen aus den Heiligen Texten und den Schriften des Hüters gelenkt wird. Sie werden dann ihre ganzen Bemühungen der Verbreitung der Botschaft Bahá'u'lláhs widmen können in ruhigem Vertrauen darauf, daß die Macht Seines Bündnisses jedwede Prüfung überwindet, die eine unerforschliche Vorsehung auf dieses Bündnis herniedersendet, um damit seine Fähigkeit unter Beweis zu stellen, eine in Geburtswehen liegende Welt zu erlösen und das Banner des Reiches Gottes auf Erden aufzurichten.





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Ridván 1965 - Der majestätische Prozeß gewinnt an Schwungkraft

Die Siege im ersten Jahr:

Die Flut der Siege, welche die Bahá'í-Weltgemeinde zu den Feiern des Größten Jubiläums trug, steigt weiter an.

Ein unaufhörlicher Strom göttlicher Bestätigung fällt wie Regen auf unsere Bemühungen; dies zeigt sich deutlich in den vielen bemerkenswerten Leistungen, die in den wenigen kurzen Monaten seit dem Beginn des Neunjahresplanes erbracht wurden. Der augenfälligste Beweis ist, daß die Anzahl der Zentren, an denen Bahá'í wohnen, von fünfzehntausendeinhundertachtundsechzig zu Ridván 1964 auf nunmehr einundzwanzigtausendundsechs angestiegen ist - ein Wachstum von beinahe sechstausend in einem Jahr. Ebenso bemerkenswert ist der Fortschritt der Lehrarbeit in Indien, wo die Zahl der Gläubigen nun einhundertvierzigtausend überschreitet - ein Anwachsen um mehr als dreißigtausend seit Ridván 1964. Pioniere ziehen in die wenigen verbleibenden Gebiete der Erde, die noch nicht vom Licht der neuen Offenbarung Gottes erleuchtet sind; »das starke Anwachsen« der Sache, zu dem bei Beginn des Planes aufgerufen wurde, scheint in Gang zu kommen, und in einem Land nach dem anderen werden die Institutionen und Stiftungen des Glaubens beharrlich auf fester Grundlage aufgebaut.

Die dem Weltzentrum zugewiesenen Ziele sind in den verstrichenen zwölf Monaten aktiv angegangen worden. Grundlegende Entscheidungen und Schritte, um das Ziel der »Entwicklung der Institution der Hände der Sache Gottes im Hinblick auf die künftige Wahrnehmung der ihre zugewiesenen Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung« zu verwirklichen, wurden den Freunden bereits mitgeteilt. Die schon bisher mit Ehren und Verdiensten überreich ausgestatteten Mitglieder dieser erhabenen Körperschaft, die Bannerträger des Neunjahresplanes wie auch schon des Zehnjahres-Kreuzzuges des geliebten Hüters, haben sich nach ihrer Zusammenkunft im letzten Oktober im Heiligen Land mit erneuter und beispielloser Kraft aufgemacht, um die Freunde anzufeuern, sich der höchsten Herausforderung zum Lehren der Sache zu stellen, und um den administrativen Organen Rat und Hilfe zu geben und den göttlichen Wohlgeruch und die Liebe Gottes in der ganzen Welt zu verbreiten. Die Erhöhung der Zahl der Hilfsamtsmitglieder und die neuen Vorkehrungen für die Organisation ihrer Arbeit werden, wie wir zuversichtlich erwarten, die geliebten Hände in die Lage versetzen, ihren wichtigen Dienst noch wirkungsvoller zu leisten, und sie werden mehr Zeit finden, um zu reisen und zu lehren.

Eine vorläufige Bestandsaufnahme der Voraussetzungen für den Bau des ersten Hauses der Andacht von Lateinamerika - eines der zwei Gebäude, die während des Planes errichtet werden sollen - wurde bereits gemacht, und wir laden nun Bahá'í- und Nicht-Bahá'í-Architekten ein, Entwürfe für den Tempel von Panama einzureichen. Die Ausschreibungsbedingungen sowie Einzelvorschriften für das Gebäude können vom Nationalen Geistigen Rat von Panama angefordert werden, dessen Entwurfswahl der endgültigen Zustimmung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit unterliegt. Wir hoffen, daß dieses heilige Haus der Andacht - das an einem Standort entsteht, dem vom Meister wie auch vom Hüter solch besondere Bedeutung beigemessen wurde - schnell vollendet wird, damit das Leuchtfeuer seiner geistigen Ausstrahlung den ganzen amerikanischen Kontinent erhellen kann.

Die folgenden neuen Gebiete wurden während der vergangenen zwölf Monate dem Glauben erschlossen: auf dem afrikanischen Kontinent Gabun, Ifni, Mali, Mauretanien, die Rodrigues-Insel und Obervolta; auf dem amerikanischen Kontinent die Aruba-Insel, die Cozumel-Insel, Guadeloupe, die Las-Mujeres-Insel, die Prince-of-Wales-Insel und St. Vincent; auf dem asiatischen Kontinent die Ryukyu-Inseln; auf dem australasiatischen Kontinent die Linien-Inseln; und auf dem europäischen Kontinent die Insel Wight sowie die ost- und westfriesischen Inseln. Die folgenden Gebiete wurden wieder erschlossen: auf dem afrikanischen Kontinent die Mafia-Insel; auf dem amerikanischen Kontinent Antigua, Französisch-Guyana und Martinique; auf dem asiatischen Kontinent West-Irian und auf dem australasiatischen Kontinent die Admiralitäts-Inseln. Nationale .Ha.zíratu'l-Quds wurden an neun Orten, den Sitzen Nationaler Geistiger Räte, erworben, und Grundstücke für den Bau solcher Zentren wurden an zwei weiteren Orten angekauft. Sechs Nationale Geistige Räte wurden eingetragen, und der Glaube wurde in Kambodscha anerkannt, einem Land, das während des Neunjahresplanes seinen eigenen Nationalen Geistigen Rat bilden wird. Nationale Stiftungen wurden in acht Ländern erworben; sechs Lehrinstitute wurden errichtet und Land für sechs weitere wurde gekauft; ein Bahá'í-Verlag für die Herausgabe von Literatur in französischer Sprache wurde in Brüssel gegründet; die Bahá'í-Feiertage wurden in drei Gebieten anerkannt; Bahá'í-Literatur wurde in folgenden elf neuen Sprachen veröffentlicht: Ibibio-Efik auf dem afrikanischen Kontinent; Aguacateca, Athebaskisch, Cariña und Motilon-Yukpa auf dem amerikanischen Kontinent; Kenyah, Melanau und Temiar auf dem asiatischen Kontinent; und Ghari, Marschallesisch und Motua in Australasien. Der Fortschritt der Sache auf Borneo ermöglicht die Erfüllung eines zusätzlichen Zieles zum Plan, nämlich die Errichtung des Nationalen Geistigen Rates der Bahá'í von Brunei zu Ridván 1966.

Zwei Eigenschaften der Bahá'í-Weltgemeinde:

Mit dem Verstreichen des ersten Jahres des Planes werden zwei Eigenschaften der Bahá'í-Weltgemeinde immer deutlicher. Die erste betrifft die Weltgemeinde selbst: es ist die Fähigkeit, alle ihr zugewiesenen fest umrissenen Ziele zu erfüllen, wie z.B. der Erwerb von .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgeländen, Stiftungen oder die Eintragung von Geistigen Räten; solche sachlichen und höchst wichtigen Ziele, durch die die Sache in der Welt sichtbar wird und in ihrer rechtlichen und sozialen Stellung in Erscheinung tritt, werden jetzt von der Verwaltungsordnung Zug um Zug erreicht. Dabei ist auch die Tatsache zu beachten, daß Ziele dieser Art größtenteils durch Zusammenarbeit von Räten verwirklicht wurden - eine internationale Zusammenarbeit, die für die Entwicklung der Weltordnung lebenswichtig ist.

Die zweite Eigenschaft, die nach dem Verstreichen des ersten Jahres des Planes klar hervortritt, betrifft die Beziehung der Sache zur Menschheit. Beinahe weltweit herrscht das Gefühl eines bevorstehenden Durchbruches zur Gewinnung von Gläubigen auf breiter Basis. Berichte der Hände der Sache und der Hilfsamtsmitglieder sprechen ständig davon; viele Nationale Geistige Räte glauben, daß sie das Ufer dieses Meeres erreicht haben. Und tatsächlich gibt es den Zulauf zur Sache in Gruppen in einigen Gebieten schon seit einer Reihe von Jahren. Aber noch Größeres steht uns bevor. Das Lehren des Glaubens muß ein weltumfachendes Feuer entzünden, in dessen Licht die Sache und die Welt - die Hauptpersonen in dem größten Drama der Weltgeschichte - hell erleuchtet werden. Die Vorsehung trägt uns diesem Höhepunkt zu; wir müssen uns mit Heldenmut gürten.

Entsendung von vierhundertsechzig Pionieren:

Vier herausfordernde, sofortige Aufgaben stehen vor uns. Die erste ist, während des kommenden Jahres nicht weniger als vierhundertundsechzig Pioniere aufzustellen und auszuschicken, die die vierundfünfzig verbleibenden, noch unerschlossenen Gebiete des Planes eröffnen, die achtzehn unbesetzten Gebiete wieder besiedeln, Gegenden stärken, wo die Anzahl und der Zusammenschluß der Bahá'í-Gemeinden zur Zeit nicht ausreichend sind, um wirksame Lehrpläne in Angriff zu nehmen, und die Arbeit in den Gegenden der Massenlehrtätigkeit unterstützen und ausweiten. Jeder Gläubige, ob - mit dem geliebten Hüter zu sprechen - »... im aktiven Dienst oder nicht, von einem oder dem anderen Geschlecht, jung oder alt, reich oder arm, altgedient oder neuerklärt...«, sollte über diese Herausforderung tief nachdenken.

Um die Pionieranstrengungen der Freunde und die Übersiedlung auf ihre Posten während der nächsten zwölf Monate zu unterstützen, geben wir die Bildung von fünf Kontinentalen Pionierausschüssen bekannt, nämlich: der Pionierausschuß für Afrika, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Britischen Inseln; Pionierausschuß für Nord- und Südamerika, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í der Vereinigten Staaten; Pionierausschuß für Asien, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í in Persien; Pionierausschuß für Australasien, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í in Australien; Pionierausschuß für Europa, ernannt vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í in Deutschland.

Diese Ausschüsse werden in keiner Weise in die Verantwortlichkeit anderer Pionierausschüsse eingreifen oder in die der Nationalen Geistigen Räte, die mit der Lehrarbeit beauftragt sind und unter deren Jurisdiktion sie arbeiten werden. Sie werden gebildet, um die Arbeit dieser nationalen Körperschaften zu erleichtern und zu unterstützen, indem sie für wirksamen Austausch wichtiger Informationen auf kontinentaler und interkontinentaler Ebene sorgen und bei der Weiterleitung von Pionierangeboten sowie der Ansiedlung der Pioniere auf ihrem Posten mithelfen.

Eine gewissenhafte Schätzung der für jedes Gebiet - einschließlich der oben erwähnten zweiundsiebzig Gebiete - in den nächsten zwölf Monaten benötigten Pioniere wurde gemacht; das Ergebnis ist der Ruf nach vierhunderteinundsechzig Pionieren: sechsundachtzig für Afrika, sechsundneunzig für Nord- und Südamerika, einhunderteinundneunzig für Asien, neunundzwanzig für Australasien und neunundfünfzig für Europa. Jeder Nationale Geistige Rat wurde nach seinem Bedarf an Pionieren befragt, und dieser Bedarf wurde allen Nationalen Geistigen Räten mitgeteilt, ebenso den fünf Kontinentalen Pionierausschüssen, die durch die Nationalen Geistigen Räte ständig über die Fortschritte auf dem laufenden gehalten werden. Die Freunde werden deshalb dringend gebeten, sich um Auskunft über benötigte Pioniere und über die Zuständigkeit ihrer eigenen sowie aller anderen Gemeinden an ihren Nationalen Geistigen Rat zu wenden.

Zum ersten Mal in der Bahá'í-Geschichte wurde am Weltzentrum ein Internationaler Beistandsfonds unter der Verwaltung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit eingerichtet. Daraus sollen zusätzliche Hilfsmittel speziellen Pioniervorhaben zur Verfügung gestellt werden, wenn andere Gelder nicht vorhanden sind. An alle Freunde, und besonders an diejenigen, die dem Pionieraufruf nicht nachkommen können, ergeht die Bitte, diesen Fonds zu unterstützen im Bewußtsein des Gebotes Bahá'u'lláhs: »Sammelt euere Kräfte für die Verbreitung des Glaubens Gottes. Wer immer einer so hohen Berufung würdig ist, der mache sich auf, den Glauben zu fördern. Wer dies nicht vermag, der hat die Pflicht, jemanden zu bestimmen, der statt seiner diese Offenbarung verkündet, deren Gewalt die Grundmauern der mächtigsten Bauten beben macht, jeden Berg zu Staub zermalmt und jede Seele bestürzt.« (ÄL 96/3)

Ein rasches Anwachsen der Mitgliederzahl und der Institutionen:

Die zweite Herausforderung, der wir uns gegenüber sehen, ist, die Intensität der Lehrarbeit in einem noch nie erreichten Grade zu steigern, um jene »gewaltige Ausweitung« zu verwirklichen, die im Plan gefordert wird. Universelle Teilnahme und ständiges Tätigsein werden dieses Ziel erreichen lassen. Jeder Gläubige muß seine Arbeit tun und ist dazu auch in der Lage, denn jede Seele trifft andere Seelen, und Bahá'u'lláh hat uns verheißen: »Wer sich erhebt, um unserer Sache beizustehen, den wird Gott siegreich werden lassen...«. Die Verwirrung der Welt wird nicht geringer, sondern sie steigert sich mit jedem vergehenden Tage, und Männer wie Frauen verlieren den Glauben in die menschlichen Heilmittel. Endlich dämmert die Erkenntnis auf, daß »es keinen Ort gibt, wohin man fliehen könnte«, außer Gott. Nun bietet sich die goldene Gelegenheit; die Menschen sind gewillt und vielerorts begierig, der göttlichen Heilsbotschaft zu lauschen.

Die dritte Herausforderung gilt dem möglichst schnellen Erwerb aller noch verbleibenden Nationalen .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgelände, nationalen Stiftungen und Lehrinstitute, die der Plan verlangt. Die umgehende Ausführung dieser Vorhaben wird zu einem späteren Zeitpunkt gewaltige Ausgaben ersparen und den Glauben mit Eigentum von wachsendem Wert ausstatten. Diese ersten, grundlegenden Besitztümer sind Keimzellen für mächtige Institutionen in der Zukunft; doch es obliegt dieser Generation, sie zu ihrem eigenen Schutz und als ihr Geschenk an die Nachwelt zu erwerben. Wir rufen die Nationalen Geistigen Räte auf, denen eine Verantwortung auf diesem Gebiet übertragen wurde, ihr höchste Priorität einzuräumen. Eine weitere, aber ebenso wesentliche Überlegung ist, daß die Erreichung dieses Zieles in den frühen Jahren des Planes die Energien und Hilfskräfte der wachsenden Weltgemeinde in den späteren Stadien freisetzen wird für den konzentrierten, entschlossenen, unerbittlichen Kampf um große Siege, deren Grundlage jetzt gelegt wird.

Einhundertjahrfeier der Verkündigung an die Könige im Jahre 1867:

Die vierte Herausforderung ist die Vorbereitung und Planung einer angemessenen Feier des hundertsten Jahrestages der Verkündigung Bahá'u'lláhs im September/Oktober 1867 an die Könige und Herrscher der Welt auf nationaler und örtlicher Ebene. Diese Feiern werden den Auftakt bilden zu einem wohlvorbereiteten, von allen getragenen Programm zur Verkündigung der Botschaft Bahá'u'lláhs an die Mehrheit der Menschen während der restlichen Zeit des Neunjahresplanes.

Ein Rückblick auf die historische Verkündigung Bahá'u'lláhs, wie sie von Shoghi Effendi in Gott geht vorüber beschrieben ist, zeigt, daß ihr »Auftakt gegen Ende der Verbannung Bahá'u'lláhs nach Adrianopel erklang« und daß sie sechs Jahre später »während der ersten Jahre Seiner Einkerkerung in der Gefängnisfestung von `Akká ihren Abschluß fand«. Dieser »Auftakt« waren die mächtigen und ehrfurchtgebietenden Worte, die von Ihm gemeinsam an die Könige und Herrscher in der Súriy-i-Mulúk gerichtet wurden, »dem folgenschwersten Tablet, das von Bahá'u'lláh geoffenbart wurde«. Es wurde während der Monate September und Oktober 1867 niedergeschrieben, und ihm folgten »unzählige Sendschreiben ..., in denen die Folgerungen Seines neu erhobenen Anspruches voll dargelegt wurden«. »Könige und Kaiser, einzeln und gemeinsam; die obersten Beamten der Republiken des amerikanischen Kontinents; Minister und Gesandte; der Papst selbst; der Stellvertreter des Propheten des Islam; der fürstliche Bevollmächtigte des Königreichs des verborgenen Imam; die Monarchen der Christenheit, ihre Patriarchen, Erzbischöfe, Bischöfe, Priester und Mönche; die anerkannten Führer der sunnitischen und schiitischen geistlichen Orden; die Hohen Priester der zoroastrischen Religion; die Philosophen, die kirchlichen Führer, die Weisen und die Einwohner Konstantinopels - jenes stolzen Sitzes des Sultanats und Kalifats; die Gesamtheit der sich bekennenden Anhänger der zoroastrischen, jüdischen, christlichen und muslimischen Religion; das Volk des Bayán; die Weisen der Welt, ihre Schriftsteller, ihre Dichter, ihre Mystiker, ihre Kaufleute, die gewählten Vertreter ihrer Völker; Seine eigenen Landsleute«: sie alle wurden »unmittelbar in den Kreis der Ermahnungen, der Warnungen, der Aufrufe, der Erklärungen und der Voraussagen einbezogen, die das Leitthema seiner denkwürdigen Aufforderung an die Führer der Menschheit darstellen...« »So einzigartig und erstaunlich diese Verkündigung war, so war sie doch nur das Vorspiel zu einer noch mächtigeren Offenbarung der schöpferischen Kraft ihres Urhebers, einer Verkündigung, die als die außerordentlichste Tat Seiner Amtszeit eingestuft werden mag - die Verkündigung des Kitáb-i-Aqdas.« In diesem, dem heiligsten Buch, das 1873 offenbart wurde, verkündigt Bahá'u'lláh den Herrschern der Erde in ihrer Gesamtheit nicht nur ein weiteres Mal, daß »Er, der König der Könige, erschienen ist«, sondern Er spricht regierende Herrscher einzeln beim Namen an und verkündet den »Staatsoberhäuptern Amerikas und den Präsidenten der amerikanischen Republiken«, daß »der Verheißene nun da ist«. So sah die Verkündigung Bahá'u'lláhs an die Menschheit aus. Er selbst bezeugte: »Niemals seit dem Bestehen der Welt wurde die Botschaft so offen dargelegt.«

Die Feierlichkeiten zu dieser schicksalsschweren Jahrhundertfeier werden damit beginnen, daß im September 1967 am Neunzehntagefest Mashíyyat (Wille) einige dazu ausersehene Vertreter der Bahá'í-Welt die Stätte des Hauses in Adrianopel besuchen werden, wo die historische Súriy-i-Mulúk offenbart wurde.

Unmittelbar im Anschluß an diesen freudigen und weihevollen Akt werden im Monat Oktober gleichzeitig sechs Interkontinentale Konferenzen in Panama City, Wilmette, Sydney, Kampala, Frankfurt und Neu-Delhi abgehalten. Gastgeber der Konferenz wird jeweils der Nationale Geistige Rat sein, in dessen Gebiet sie stattfindet; er wird auch die Konferenz einberufen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit wird bei diesen Konferenzen durch die folgenden Hände der Sache Gottes vertreten sein: in Panama City durch `Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum, die bei dieser Gelegenheit den Grundstein für den Tempel legen wird; in Wilmette durch Leroy Ioas; in Sydney durch Ugo Giachery; in Kampala durch `Alí Akbar Furútan; in Frankfurt durch Paul Haney; in Neu-Delhi durch Abu'l-Qásim Faizí.

Alle Nationalen Geistigen Räte sind aufgerufen, auf nationaler und örtlicher Ebene angemessene Gedenkveranstaltungen zu Beginn des Zeitraumes der Jahrhundertfeier in den Monaten September/Oktober 1967 und zwischen den soeben erwähnten Konferenzen und Ridván 1968 vorzubereiten, dem Zeitpunkt, an dem die zweite Internationale Tagung für die Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Weltzentrum abgehalten wird.

Die erfolgreiche Durchführung all dieser Vorhaben wird den Möglichkeiten der Bahá'í-Weltgemeinde entsprechend eine angemessene Gedächtnisfeier zur Erinnerung an das heilige Ereignis sein, an das sie anknüpfen.

Zeit der Proklamation:

Diese sechs Konferenzen werden ebenso wie das geschichtliche Ereignis, dessen hundertsten Jahrestag sie feiern, den »Auftakt« bilden zu einem Zeitabschnitt der Verkündigung der Sache Gottes, der sich durch die verbleibenden Jahre des Neunjahresplanes bis 1973 zum hundertsten Jahrestag der Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas erstrecken und das heiße, von Einfallsreichtum getragene Bemühen aller Nationalen und örtlichen Geistigen Räte der Welt erfordern wird.

Die internationale Bühne wird Zeuge von Ozeanischen Konferenzen sein, wie von Shoghi Effendi vorausgesagt. Die erste dieser Konferenzen wird im August 1968 auf einer Insel im Mittelmeer stattfinden zur Erinnerung an die Reise Bahá'u'lláhs einhundert Jahre zuvor über dieses gleiche Meer von Gallipoli in der Türkei zum Größten Gefängnis in `Akká. In den anschließenden Jahren des Neunjahresplanes werden weitere Konferenzen im Atlantischen Ozean, in der Karibischen See, dem Pazifischen Ozean und Indischen Ozean abgehalten werden.

Indem wir alle Nationalen Geistigen Räte aufrufen, jetzt schon die Bildung eines nationalen Ausschusses für die Verkündigung der Sache ins Auge zu fassen, der mit der Ausarbeitung von wirksamen, den Gegebenheiten entsprechenden Plänen für die Verkündigung des Glaubens während des gesamten Zeitabschnittes der Jahrhundertfeier beauftragt wird, können wir nichts besseres tun, als die Aufmerksamkeit auf den folgenden Absatz in einem Brief unseres geliebten Hüters in Verbindung mit den Gedenkfeiern zum hundertsten Jahrestag der Geburt des Bahá'í-Zeitalters zu lenken:

»Ein beispielloser, sorgfältig ausgearbeiteter, wirksam abgestimmter Feldzug auf nationaler Ebene, der die Verkündigung der Botschaft Bahá'u'lláhs durch Ansprachen, Zeitungsartikel und Radiosendungen zum Ziele hat, sollte unverzüglich in Angriff genommen und tatkräftig durchgeführt werden. Die Universalität des Glaubens, seine Ziele und Absichten, Episoden aus seiner dramatischen Geschichte, Zeugnisse seiner verwandelnden Kraft sowie der Charakter und die unterscheidenden Merkmale seiner Weltordnung sollten betont und der Allgemeinheit erläutert werden, besonders auch der Sache wohlgesinnten bedeutenden Freunden und Führern; diese sollten angesprochen und eingeladen werden, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Vorträge, Konferenzen, Essen, Sonderveröffentlichungen sollten im vertretbaren Rahmen und entsprechend den Mitteln, die den Gläubigen zur Verfügung stehen, die Natur dieses freudigen Festes verkünden.«

Der majestätische Prozeß gewinnt an Schwungkraft:

Der majestätische Prozeß, der von unserem geliebten Hüter 1953 in Gang gesetzt wurde, als er die weit verstreute, unbedeutende Bahá'í-Weltgemeinde aufrief, jenen ersten glorreichen, weltumfassenden Kreuzzug in Angriff zu nehmen, gewinnt an Schwungkraft, und die Nachwelt mag mit ehrfürchtigem Staunen zur Kenntnis nehmen, wie inmitten einer in Gegensätze, Feindschaften und Zerrissenheit verstrickten Welt ein so kleiner Bruchteil der Menschheit die Entwicklung des Baumusters und der Sehnen und Stränge der Weltordnung eingeleitet hat. Diese von göttlicher Kraft getriebene, seit langem verheißene Entwicklung muß ihren historischen Lauf nehmen bis zu ihrer schließlichen Vollendung im Ruhm und der Herrlichkeit der Weltordnung Bahá'u'lláhs, des Königreiches Gottes auf Erden.





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11. November 1965 - Die Heiligen Stätten in Bahjí

Verkünden Bahá'í-Welt (die) Entfernung aus (dem) unmittelbaren Vorhof (des) Heiligen Schreines Bahá'u'lláhs (der) Überreste (von) .Diya'u'lláh, (dem) jüngeren Bruder Mírzá Mu.hammad-Alís, (der) sein Komplize in (dessen) Bemühungen (war), (die) Grundlagen (des) Bündnisses Gottes bald nach (dem) Hinscheiden Bahá'u'lláhs (zu) untergraben. Dieser letzte Schritt bei (dem) Vorgang (der) Reinigung (der) Heiligen Internationalen Stiftungen (des) Glaubens in Bahjí (von der) einstigen Befleckung wurde (durch die) Vorsehung Gottes auf Wunsch (der) Familie (der) alten Bündnisbrecher unternommen - ein Vorgang, dessen erster Abschnitt durch `Abdu'l-Bahá erfüllt (wurde), der (in den) frühen Jahren (der) Amtszeit (des) geliebten Hüters Beschleunigung gewann durch (die) Räumung (des) Landhauses, (seinen) Höhepunkt erreichte in (der) Säuberung (des) Haram-i-Aqdas und nun beendigt (wurde) durch (die) Reinigung (des) inneren Heiligtums (des) weihevollsten Schreines (der) Qiblih (der) Bahá'í-Welt. Damit (wird die) einmal vorzunehmende Erbauung (eines) angemessenen Grabmales vorangekündigt, wie (sie vom) geliebten Zeichen Gottes auf Erden vorhergesehen (wurde).





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11. Dezember 1965 - Pionieraufruf

Geben allen Gläubigen (voll) Freude (die) Antwort (der) Bahá'í-Welt (auf den in der) Ridván-Botschaft ergangenen Pionieraufruf bekannt, (der für das) laufende Jahr vierhundertsechzig Pioniere erfordert. Bisher (sind) dreiundneunzig Posten besetzt, darunter fünfzehn neu erschlossene Gebiete: St. Andres-Insel, Providencia-Insel, Marmara-Insel, Tschad, Niger, Cayman-Inseln, Turks- und Caicos-Inseln, Ischia, Gotland, Halbinsel Alaska, Barbuda, St. Kitts/Nevis, Innere Hebriden, Bornholm (und) Capri. Fünfunddreißig zusätzliche (Pioniere) besiedelten dieselben Zielgebiete. Weitere einhundertsiebenundsechzig (haben sich) erhoben und (sind) dabei, (ihr Zielgebiet) zu besiedeln. Insgesamt zweihundertfünfundneunzig Seelen (haben den) Ruf erwidert. Weitere zweihundert Gläubige (werden in den) nächsten vier schnell verstreichenden Monaten benötigt, (um die) verbleibenden Ziele (zu) erfüllen. (Da das) Schicksal (des) Pionierplanes (auf dem) Spiel steht, beten (wir) inbrünstig (an den) heiligen Schreinen, (daß die) erforderliche Anzahl heldenhafter Seelen sich erhebe, (um die) Herausforderung (dieser) kritischen Stunde anzunehmen. Drängen (die Nationalen Geistigen) Räte, (die) Geldmittel benötigen, (um die) zugewiesenen Aufgaben auszuführen, (sich) unverzüglich (an den) Internationalen Hilfsfonds (zu) wenden. (Es ist) unerläßlich, alle (an) Ridván bekanntgegebenen Gebiete (zu) besetzen, mit Ausnahme derer, (deren Besiedelung von) günstigen Umständen abhängt. Bisher unbesiedelte und wiederzueröffnende Gebiete (haben) Vorrang. (Wir sind) zuversichtlich, (daß der) Geist (der) Hingabe (der) Freunde (an diesen) herrlichen Glauben (einen) glänzenden Sieg (bei) diesem vorrangigen Ziel sicherstellen (wird), (das für den) Neunjahresplan so lebenswichtig (ist).





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28. Januar 1966 - Einhaltung der Bahá'í-Feiertage

Von Zeit zu Zeit tauchen Fragen bezüglich der Anwendung des Gesetzes aus dem Kitáb-i-Aqdas über die Einhaltung der Bahá'í-Feiertage auf. Wie Sie wissen, ist die Anerkennung der Bahá'í-Feiertage in mindestens fünfundneunzig Ländern der Welt ein wichtiges und höchst bedeutungsvolles Ziel des Neunjahresplanes und steht in direktem Zusammenhang mit der Anerkennung des Glaubens Bahá'u'lláhs durch die staatlichen Behörden als einer unabhängigen Religion, die ihre eigenen Rechte und Vorrechte genießt.

Die Erreichung dieses Zieles wird erleichtert und erfolgversprechender, wenn die Freunde, angetrieben von ihrer eigenen Erkenntnis der Bedeutung der Gesetze Bahá'u'lláhs, diesen gehorchen. Zur Anleitung der Gläubigen wiederholen wir die Anweisungen des geliebten Hüters:

»Er möchte auch die Tatsache betonen, daß nach unseren Bahá'í-Gesetzen die Arbeit an unseren neun Feiertagen verboten ist. Gläubige, die selbständige Geschäftsleute oder Ladenbesitzer sind, sollten an diesen Tagen nicht arbeiten. Wer im Staatsdienst steht, sollte sich darum bemühen, aus religiösen Gründen von der Arbeit befreit zu werden; auch alle anderen Gläubigen, wo auch immer sie arbeiten, sollten sich ebenso verhalten. Wenn die Regierung oder ein anderer Arbeitgeber sich weigern, ihnen diese Tage frei zu geben, brauchen sie nicht ihre Anstellung aufzugeben, aber sie sollten sich voll und ganz dafür einsetzen, daß der unabhängige Status ihres Glaubens anerkannt und ihr Recht, ihre eigenen religiösen Feiertage zu begehen, bestätigt wird.« (Aus einem Brief im Auftrage des Hüters vom 7. Juli 1947 an den amerikanischen Nationalen Geistigen Rat; Bahá'í News, Nr. 198 p.3)

»Diese Unterscheidung zwischen Einrichtungen und Betrieben, die unter voller, und solchen, die unter teilweiser Bahá'í-Leitung stehen, ist von grundlegender Wichtigkeit. Einrichtungen, die ausschließlich von Bahá'í betrieben werden, sind aus offensichtlichen Gründen verpflichtet, alle Gesetze und Bestimmungen des Glaubens zu beachten, besonders auch die, deren Einhaltung eine Gewissensfrage ist. Es gibt überhaupt keinen Grund und keine Rechtfertigung dafür, anders zu handeln... Der Punkt, an den dabei immer gedacht werden sollte, ist, daß es sich bei dieser Frage um eine Gewissensangelegenheit handelt, die als solche für alle Gläubigen verbindlich ist.« (Aus einem Brief im Auftrag des Hüters an den amerikanischen Nationalen Geistigen Rat vom 2. Oktober 1935; Bahá'í News Nr. 97 p.9)

Darüber hinaus sollten Schritte unternommen werden, um die Befreiung der Bahá'í-Kinder vom Schulunterricht an Bahá'í-Feiertagen aus religiösen Gründen zu erreichen, wo immer möglich. Der Hüter hat gesagt:

»Zu den Kindern: Ein Bahá'í ist mit fünfzehn Jahren volljährig, was das Einhalten der Gesetze des Aqdas betrifft - Gebet, Fasten etc. Aber Kinder unter fünfzehn Jahren sollten natürlich auch die Bahá'í-Feiertage beachten und nicht zur Schule gehen, wenn es sich an diesen neun Tagen einrichten läßt.« (Aus einem Brief im Auftrag des Hüters an den amerikanischen Nationalen Geistigen Rat vom 25. Oktober 1947)

Die Nationalen Geistigen Räte sollten diese Frage eingehend behandeln und Mittel und Wege finden, um die Aufmerksamkeit der Gläubigen in ihrem Bereich auf diese Sache zu lenken, damit alle Gläubigen aufgrund ihres Gewissens diese Gesetze hochhalten und befolgen.





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Ridván 1966 - Rüsten für die dritte Phase des Neunjahresplanes

Der fünfzigste Jahrestag der Offenbarung der ersten Sendschreiben zum Göttlichen Plan durch `Abdu'l-Bahá im März und April 1916 ist Zeuge des Abschlusses einer Pionierleistung, die in den Annalen der Sache ohne Beispiel dasteht. Vor einem Jahr wurde der Ruf nach vierhunderteinundsechzig Pionieren erhoben, die innerhalb von zwölf Monaten ihr Heim verlassen und sich auf dem ganzen Erdball verstreuen sollten, um die Grundlagen der Weltgemeinde Bahá'u'lláhs zu verbreitern und zu stärken. Es besteht berechtigte Hoffnung, daß mit Ausnahme von vierunddreißig Posten, deren Besetzung von der Gunst der Umstände abhängig ist, alle Pionierziele an Ridván erfüllt sein werden oder ihre Besetzung durch feste Zusagen gesichert ist. Die Dankbarkeit und Bewunderung der ganzen Bahá'í-Welt wendet sich dieser edlen Schar von hingebungsvollen Gläubigen zu, die den Aufruf so herrlich beantwortet haben. Diese Pioniere, die zu den festgesetzten Zielen aufgebrochen sind, wurden durch weitere fünfundvierzig Gläubige verstärkt, die sich in den Zielgebieten niedergelassen haben; neunundsechzig zusätzliche Freunde haben ihre Heimat verlassen, um in sechsundzwanzig weiteren, dem Glauben bereits erschlossenen Ländern ihren Wohnsitz zu nehmen. Alles zusammengefaßt haben sich im Verlaufe eines Jahres fünfhundertundfünf Bahá'í erhoben, um außerhalb ihres Heimatlandes zu pionieren: die größte Anzahl, die dies jemals in der ganzen Geschichte des Glaubens in einem einzigen Jahr vollbracht hat.

Dies ist ein weithin hallender Sieg, und im Lichte der Aussage des Meisters im ersten Sendschreiben zum Göttlichen Plan - »Es ist oft vorgekommen, daß eine begnadete Seele die Quelle der Führung einer Nation wurde« - ist es auch ein wundervolles Vorzeichen für die Zukunft. Das unmittelbare Ergebnis ist die Erschließung von vierundzwanzig neuen und die Wiederbesiedelung von vier anderen Gebieten für den Glauben sowie die Festigung dreiundneunzig weiterer Gebiete. Die neuerschlossenen Gebiete sind: Tschad und Niger in Afrika; die Halbinsel Alaska, Barbuda, die Cayman-Inseln, die Chiloe-Insel, die Providencia-Insel, das Quintana-Roo-Gebiet, Saba, die San-Andres-Insel, St. Eustatius, St. Kitts-Nevis, die St. Lawrence-Insel, Feuerland, sowie die Turks- und Caicos-Inseln in Nord- und Südamerika; die Lakkadiven-Inseln und die Marmara-Insel in Asien; die Niue-Insel in Australasien; sowie Bornholm, Capri, Elba, Gotland, Innere Hebriden und Ischia in Europa.

Die wiederbesiedelten Gebiete sind: die Corisco-Insel und Spanisch-Guinea in Afrika sowie die Malediven und die Nikobaren in Asien.

Wie zum letzten Ridván-Fest angekündigt, wird dieses Jahr die erste Nationaltagung der Bahá'í von Brunei während des zweiten Wochenendes der Ridván-Zeit abgehalten, wobei der erste Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Brunei gewählt wird. Die Hand der Sache Collis Featherstone wird das Weltzentrum des Glaubens bei diesem historischen Ereignis vertreten.

Neun neue Nationale Geistige Räte zu Ridván 1967:

Ein weiteres Ergebnis der Bestätigungen, mit denen die gewaltigen Lehranstrengungen der letzten zwei Jahre belohnt wurden, ist der nun vom Universalen Haus ausgehende Aufruf zur Bildung der folgenden neun Nationalen Geistigen Räte an Ridván 1967: In Afrika: der Nationale Geistige Rat von Algerien und Tunesien mit Sitz in Algier; der Nationale Geistige Rat der Republik Kamerun mit Sitz in Victoria, dem auch Spanisch-Guinea, Fernando Poo, Corisco sowie So Tomé und die Principe-Inseln zugeordnet sind; der Nationale Geistige Rat von Swasiland, Mosambik und Basutoland mit Sitz in Mbabane; der Nationale Geistige Rat von Sambia mit Sitz in Lusaka. In Amerika: der Nationale Geistige Rat der Inseln über und unter dem Winde (Leeward- und Windward-Inseln) und der Jungferninseln mit Sitz in Charlotte-Amalie. In Asien: der Nationale Geistige Rat von Kambodscha mit Sitz in Phnom Penh; der Nationale Geistige Rat von Ost- und Südarabien mit Sitz in Bahrein; der Nationale Geistige Rat von Taiwan mit Sitz in Taipeh. In Australasien: der Nationale Geistige Rat der Gilbert- und Ellice-Inseln mit Sitz in Tarawa. Diese neun Nationalen Geistigen Räte, die zusammen mit dem neuen Nationalen Geistigen Rat von Brunei zehn zusätzliche Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit bilden, lassen die Zahl der Nationalen Geistigen Räte, die an Ridván 1968 der zweiten Internationalen Tagung für die Wahl dieser Institution beiwohnen werden, auf neunundsiebzig anwachsen.

Dieses bedeutungsvolle Jahr darf nicht vorübergehen, ohne daß die unermüdlichen und hingebungsvollen Dienste der geliebten Hände der Sache, der Bannerträger des Neunjahresplanes, erwähnt werden sowie die fähige Unterstützung, die ihnen durch ihre Hilfsämter zuteil wurde. Die Sonderaufgaben, die sie im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit durchgeführt haben, die von ihnen unternommenen Lehrreisen, die von ihnen organisierten Konferenzen, ihre ständige Arbeit am Weltzentrum und vor allem ihre unermüdliche Ermutigung der Freunde und ihre Wachsamkeit über das Wohlergehen der Sache Gottes waren eine Auszeichnung für die Arbeit der gesamten Gemeinde und gaben ihr wirksame Leitung. Der Schmerz um den Verlust, den sie durch das Hinscheiden der Hand der Sache Leroy Ioas erlitten, wird von der ganzen Bahá'í-Welt geteilt.

Dreifache Zielsetzung der internationalen Konferenzen:

Die glänzenden Leistungen auf dem Gebiet des Pionierens und Lehrens und die begeisterte Aufmerksamkeit, mit der die Pläne für eine würdevolle Gestaltung der Einhundertjahrfeier der Verkündigung von Bahá'u'lláhs Botschaft an die Könige und Herrscher der Welt entwickelt werden, haben den ersten Abschnitt des Neunjahresplanes mit Erfolg gekrönt und den Weg für den zweiten Abschnitt geebnet, der eine Phase der Vorbereitung und Rüstung der Bahá'í-Welt für den dritten Abschnitt darstellen muß. Der dritte Abschnitt beginnt im Oktober 1967 mit den sechs Interkontinentalen Konferenzen, die den »Auftakt« bilden zu einer Phase der Verkündigung der Sache Gottes, die sich über die restlichen Jahre des Neunjahresplanes bis zur Jahrhundertfeier der Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas im Jahre 1973 erstrecken wird. Diese Konferenzen haben eine dreifache Zielsetzung: den hundertsten Jahrestag des Beginns von Bahá'u'lláhs eigener Verkündigung Seiner Botschaft zu feiern, die göttliche Botschaft zu verkündigen und die Aufgaben der restlichen Jahre des Neunjahresplanes beratend zu erörtern.

Die Aufgaben des zweiten Abschnitts des Neunjahresplanes:

Jetzt, da die Bahá'í-Welt den zweiten Abschnitt des Planes beginnt, hat sie fünf klar umrissene Aufgaben vor sich:

Erstens: die restlichen Pioniere auf ihre Posten zu bringen und weitere dorthin zu entsenden, wo sie benötigt werden.

Zweitens: Eingehende Vorbereitung auf den dritten Abschnitt des Planes durch die Entwicklung neuer Lehrprojekte und -methoden und den Ausbau der verschiedenen Bahá'í-Fonds auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene.

Drittens: Die beschleunigte Herausgabe von Bahá'í-Literatur, besonders die Übersetzung und Veröffentlichung in Sprachen, in denen bis jetzt nichts vorliegt oder der Bestand ungenügend ist.

Viertens: Erwerb der restlichen nationalen .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgelände, nationalen Stiftungen und Lehrinstitute, die der Plan verlangt, bevor die fortschreitende Inflation, von der jetzt fast die ganze Welt erfaßt ist, den Ankauf dieser Besitztümer finanziell allzu stark belastet.

Fünftens: Ausbau des Tempelfonds von Panama. Das Universale Haus der Gerechtigkeit eröffnet diesen Fonds mit einer Spende von $ 25 000,- und ruft nun die Gläubigen und Bahá'í-Gemeinden auf, ihn freigebig und fortlaufend zu speisen, bis die Mittel für die Fertigstellung dieses historischen Gebäudes gesichert sind. Die Spenden sollen direkt an den Nationalen Geistigen Rat von Panama geschickt werden. Über fünfzig Bauentwürfe sind eingegangen, und das Haus der Gerechtigkeit prüft derzeit die Empfehlungen des Nationalen Rates. Die getroffene Wahl wird bekanntgegeben werden, und die Freunde werden über den Fortschritt dieses höchst bedeutungsvollen und begeisternden Vorhabens ständig auf dem laufenden gehalten.

Eine Herausforderung für jeden Gläubigen und jede Institution:

Jeder einzelne Anhänger Bahá'u'lláhs wie auch die Institutionen des Glaubens auf örtlicher, nationaler, kontinentaler und Weltebene müssen sich jetzt der Herausforderung stellen, die Intensität der Lehrarbeit in noch nie gekanntem Ausmaß zu steigern, um die im Plan geforderte gewaltige Ausdehnung zu verwirklichen. Für alle Gläubigen, die in Ländern leben, wo sie ihren Glauben ungehindert lehren können, wiegt diese Herausforderung noch schwerer angesichts der Unterdrückungen, denen der Glaube an anderen Orten ausgesetzt ist. In Persien werden den Gläubigen ihre Grundrechte verweigert, und der Glaube ist noch weitgehend verboten. Im `Iráq wurden das nationale und ein örtliches .Ha.zíratu'l-Quds beschlagnahmt, und die Tätigkeit der Freunde wurde stark eingeschränkt. In Ägypten sind die Bahá'í-Besitztümer noch immer beschlagnahmt, und erst kürzlich kamen mehrere Freunde für einige Zeit ins Gefängnis; jetzt warten sie auf ihren Prozeß. Eine neue Unterdrückungswelle ist in Indonesien ausgebrochen, wo das nationale .Ha.zíratu'l-Quds beschlagnahmt und die planmäßige Arbeit der Gläubigen verboten wurde. Andernorts wiederum haben die Gläubigen unter Beschränkungen und Überwachung zu leiden. Doch in allen Fällen sind die Freunde standhaft und erwarten zuversichtlich ihre rechtliche Gleichstellung und den schließlichen Sieg der Sache.

Für die örtlichen und nationalen Verwaltungsinstitutionen des Glaubens besteht die Herausforderung darin, die Lehrarbeit durch systematische Pläne zu organisieren und voranzutreiben. Zusätzlich zu den regelmäßigen Heimkreisen bei den Freunden, zu den öffentlichen Veranstaltungen, Empfängen und Konferenzen, Wochenend-, Sommer- und Winterschulen, Jugendkonferenzen und Jugendprogrammen - die derzeit allesamt so tatkräftig verfolgt werden - sollte ein ununterbrochener Strom von Reiselehrern einsetzen, die jeden Ort besuchen. Die durch ein solches Verfahren entfesselten Kräfte hat Bahá'u'lláh mit folgenden Worten verherrlicht:

»Schon allein das Reisen von Ort zu Ort, wenn es um der Sache Gottes willen geschieht, hat von jeher seinen Einfluß auf die Welt ausgeübt und kann dies auch jetzt tun. In den Büchern der Vergangenheit ist die Rangstufe derjenigen verzeichnet und niedergeschrieben, die in die Ferne oder in die nähere Umgebung gereist sind, um den Dienern Gottes Führung zu geben.«

Und `Abdu'l-Bahá sagt in den Sendschreiben zum Göttlichen Plan:

»Ständig müssen Lehrer in alle Teile des Kontinents reisen, nein, vielmehr in alle Teile der Welt ...«

Hierzu müssen jetzt, während der Vorbereitungsphase, Pläne aufgestellt und entwickelt werden, so daß sie zu Beginn des Abschnittes der Verkündigung voll einsetzbar sind; von da ab müssen sie dann bis zum Ende des Planes unnachgiebig verfolgt werden.

Ruf nach Reiselehrern:

Das Universale Haus der Gerechtigkeit mißt dem Grundsatz des Reiselehrens eine solche Wichtigkeit bei, daß es beschlossen hat, ihn auch international anzuwenden, und nun nach Gläubigen ruft, die in diesem Bereich ihre Dienste zur Verfügung stellen. Durch ihre Besuche in anderen Ländern werden diese Freunde der Verkündigung und dem Lehren des Glaubens in allen Erdteilen mächtigen Auftrieb geben. Es steht zu hoffen, daß solche Projekte selbst finanziert werden können, da der Internationale Beistandsfonds noch weiter für die Pionierarbeit benötigt wird. Trotzdem wird das Haus der Gerechtigkeit Anträge auf Unterstützung aus dem Beistandsfonds prüfen, wenn einem Projekt besonderer Wert für den Glauben beigemessen wird und der betreffende Gläubige oder die Nationalen Räte, denen das Projekt zugute kommt, nicht dafür aufkommen können. Angebote für eine Reiselehrtätigkeit von beliebiger Dauer sind an den eigenen Nationalen Geistigen Rat oder an die Kontinentalen Pionierausschüsse zu richten, denen die zusätzliche Aufgabe übertragen wurde, die Nationalen Räte bei der Durchführung und gegenseitigen Abstimmung dieses neuen Unternehmens zu unterstützen. Mögen diejenigen, die sich erheben, an des Meisters Gebot denken: »reisen wie `Abdu'l-Bahá, ... geheiligt und frei von jeder Bindung und in äußerster Loslösung.«

Ausdehnung und Festigung müssen Hand in Hand gehen:

Mit dieser umfassenden, geordneten, ständig wachsenden Lehranstrengung muß die Festigungsarbeit als gleichrangig Hand in Hand gehen. Diese beiden Tätigkeiten sind tatsächlich als untrennbare Bestandteile der Ausbreitung des Glaubens zu betrachten. Natürlich kommt die Lehrarbeit zuerst; würde sie jedoch alleine betrieben, ohne Festigung oder Vertiefung, so bliebe die Gemeinde unvorbereitet zur Aufnahme der Massen, die früher oder später für die lebenspendende Botschaft der Sache empfänglich sein werden. Die Anleitung unseres geliebten Hüters in dieser lebenswichtigen Angelegenheit ist wie immer klar und unmißverständlich: »Jeder Vorstoß in neue Gebiete, jede Vermehrung der Bahá'í-Institutionen muß von einem tieferen Eintreiben der Wurzeln begleitet sein, die das geistige Leben der Gemeinde erhalten und ihre gesunde Entwicklung gewährleisten. Diese lebenswichtige, ständig vor uns stehende Notwendigkeit darf zu keiner Zeit außer acht gelassen, sie darf unter keinen Umständen vernachlässigt oder der nicht minder lebenswichtigen und dringenden Aufgabe, die äußere Ausdehnung der Bahá'í-Verwaltungsinstitutionen sicherzustellen, untergeordnet werden.« Von jetzt ab muß die Bahá'í-Gemeinde das richtige Gleichgewicht zwischen diesen zwei wesentlichen Seiten ihrer Entwicklung halten, da wir in das Zeitalter der Massengewinnung eintreten. Die Festigung darf sich nicht nur auf die Errichtung von Bahá'í-Verwaltungsinstitutionen erstrecken; sie umfaßt ebenso eine wirkliche Vertiefung in den grundlegenden Wahrheiten der Sache und ihren geistigen Grundsätzen, ein Verständnis ihrer Hauptabsicht der Errichtung der Einheit der Menschheit, eine Unterweisung in ihren Verhaltensnormen in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens sowie in der speziellen Führung des Bahá'í-Lebens bei Dingen wie tägliches Gebet, Kindererziehung, Einhaltung der Gesetze zur Bahá'í-Eheschließung, Enthaltung von Politik, Pflicht zum Spenden für den Fonds, Bedeutung des Neunzehntagefestes sowie die Gelegenheit, sich eine fundierte Kenntnis der Bahá'í-Administration, wie sie derzeit gehandhabt wird, zu verschaffen.

Die dringende Notwendigkeit eines verstärkten Spendenstromes:

Der Vormarsch des Glaubens verlangt einen großen Zuwachs an Spenden für die verschiedenen Fonds, ja er ist davon abhängig. Alle dem Weltzentrum des Glaubens zugeteilten Ziele, besonders aber diejenigen, welche die Erschließung und Verschönerung des die Heiligen Schreine umgebenden Besitzes und die Ausdehnung der Gärten auf dem Berg Karmel betreffen, sind mit hohen Ausgaben verbunden. Weitere Summen erfordert der Bau der beiden im Plan vorgesehenen Tempel, und der weltweite Feldzug des Lehrens und der Festigung, der jetzt noch verstärkt werden soll, muß von einem stark angewachsenen, ununterbrochenen Zufluß von Geldmitteln getragen werden. Der Internationale Beistandsfonds muß aufrechterhalten und vergrößert werden, nicht nur für den weiteren Pionierbedarf, sondern auch um das Reiselehrerprogramm zu unterstützen und zu entwickeln, zu dem nun aufgerufen wurde. Nachdem es nur denjenigen, die ihre Anerkennung Bahá'u'lláhs öffentlich erklärt haben, erlaubt ist, finanziell zur Errichtung Seiner Weltordnung beizutragen, versteht es sich von selbst, daß mehr, viel mehr von den wenigen verlangt wird, die heute dieses Vorrecht besitzen. Unsere Verantwortung auf diesem Gebiet ist sehr groß: sie ist der Gnade ebenbürtig, Träger des Namens Gottes an diesem Tage zu sein.

Die Herausforderung an den einzelnen Bahá'í auf jedem Gebiet des Dienstes, doch vor allem beim Lehren der Sache Gottes, hört nie auf. Mit jeder neuen Trübsal, die die Menschheit heimsucht, tritt unsere unausweichliche Pflicht deutlicher in Erscheinung; auch sollten wir nie vergessen, daß, wenn wir diese Pflicht vernachlässigen, - in den Worten Shoghi Effendis - »andere aufgerufen werden, unsere Aufgabe zu erfüllen, sich der schreienden Not dieser gequälten Welt anzunehmen.« Es hat durchaus den Anschein, daß wir jetzt in einen Zeitabschnitt der lange ersehnten Ausdehnung unseres geliebten Glaubens eintreten. Der Menschheit wachsender Hunger nach geistiger Wahrheit ist unsere Gelegenheit. Während wir die Hand nach dieser Gelegenheit ausstrecken, sollten wir über die folgenden Worte Bahá'u'lláhs nachdenken:

»Euer Verhalten eurem Nachbarn gegenüber sollte so sein, daß es klar die Zeichen des einen wahren Gottes offenbart, denn ihr seid die ersten unter den Menschen, die durch Seinen Geist wiedererschaffen wurden, die ersten, die Ihn anbeten und das Knie vor Ihm beugen, die ersten, die Seinen Thron der Herrlichkeit umkreisen.«

Je tiefer die Menschheit in den Zustand hineintreibt, von dem Bahá'u'lláh schrieb, daß es »nicht ziemlich und passend wäre, ihn jetzt zu enthüllen«, desto mehr müssen die Gläubigen als zuversichtliche, klar bestimmte und von Grund auf glückliche Wesen hervortreten, die einer Norm folgen, welche in direktem Gegensatz zu der niedrigen und amoralischen Verhaltensweise der modernen Gesellschaft steht und damit die Quelle ihrer Ehre, Stärke und Reife ist. Gerade dieser ausgeprägte Unterschied zwischen der Stärke, Einheit und Disziplin der Bahá'í-Gemeinde einerseits und der wachsenden Verwirrung, Verzweiflung und dem fieberhaften Tempo einer dem Untergang geweihten Gesellschaft andererseits wird in den vor uns liegenden stürmischen Jahren die Augen der Menschheit auf das Heiligtum des welterlösenden Glaubens Bahá'u'lláhs lenken.

Der beständige Fortschritt der Sache Gottes ist eine Quelle der Freude für uns alle und ein Anstoß zu weiterem Handeln. Aber nicht zu gewöhnlichem Handeln! Zu heroischen Taten ist nun aufgerufen, wie sie nur von göttlich gestützten, losgelösten Seelen vollbracht werden können. `Abdu'l-Bahá, der Gebieter der Heerscharen des Herrn, hat in einem der Sendschreiben zum Göttlichen Plan diesen Ruf ausgestoßen: »O, wie sehne ich mich danach, diese Gegenden zu durchreisen, wenn nötig, sogar zu Fuß und in tiefster Armut die Städte, die Dörfer, die Berge, die Wüsten und die Meere zu durchqueren, mit höchster Stimme den Ruf `Yá Bahá'u'l-Abhá' zu erheben und die göttlichen Lehren zu verbreiten. Dies aber kann ich nicht tun. Wie tief beklage ich dies.« Und er schloß mit diesem herzbewegenden Ausruf: »Wenn es Gott gefällt, werdet ihr es vielleicht vollbringen.«





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27. Mai 1966 - Hütertum und Universales Haus der Gerechtigkeit

(Auszüge aus einem Brief, den das Universale Haus der Gerechtigkeit als Antwort auf die Fragen eines einzelnen Gläubigen über die Beziehung zwischen dem Hütertum und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit geschrieben hat)

... Sie äußern Zweifel über den Zeitpunkt der Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Hinblick auf die Äußerung des Hüters: »... wenn günstige Umstände gegeben sind, unter denen die Bahá'í Persiens und der angrenzenden Länder unter sowjetischer Herrschaft in der Lage sein werden, ihre nationalen Vertreter zu wählen, ... wird das einzig noch bestehende Hindernis auf dem Weg einer endgültigen Bildung des Internationalen Hauses der Gerechtigkeit beseitigt sein.« Am 19. April 1947 ließ der Hüter eine Anfrage eines Gläubigen zu dieser Stelle durch seinen Sekretär wie folgt beantworten: »Zu der Zeit, als er von Rußland sprach, gab es dort Bahá'í; aber nun hat die Gemeinde praktisch aufgehört zu bestehen. Deshalb kann die Bildung des Internationalen Hauses der Gerechtigkeit nicht von einem russischen Nationalen Geistigen Rat abhängen, sondern andere starke Nationale Geistige Räte müssen gebildet werden, bevor es errichtet werden kann.«

Sie deuten die Möglichkeit an, daß um der Sache willen gewisse Informationen, die die Nachfolge Shoghi Effendis betreffen, den Gläubigen vorenthalten werden. Wir versichern Ihnen, daß nichts - gar nichts den Freunden aus irgendeinem Grunde vorenthalten wird. Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, daß Shoghi Effendi nach dem Willen und Testament `Abdu'l-Bahás selbst mit der Autorität ausgestattet war, seinen Nachfolger zu ernennen; aber er hatte keine Kinder, und alle überlebenden Agh.sán hatten das Bündnis gebrochen. Damit ist es, wie die Hände der Sache im Jahre 1957 feststellten, klar, daß es niemanden gab, den er im Einklang mit den Bestimmungen des Letzten Willens hätte ernennen können. Eine Ernennung außerhalb der klaren und ausdrücklichen Bestimmungen vom Willen und Testament des Meisters vorzunehmen, wäre augenscheinlich für den Hüter, den göttlich ernannten Bannerträger und Verteidiger des Bündnisses, eine unmögliche und undenkbare Handlungsweise gewesen. Überdies hat, wie Sie ja wissen, eben dieser Letzte Wille ein klares Verfahren zur Bestätigung der durch den Hüter ausgesprochenen Ernennung seines Nachfolgers vorgesehen. Die neun Hände, die von der Körperschaft der Hände zu wählen waren, mußten ihre Zustimmung zu der Wahl des Hüters in geheimer Abstimmung geben. Im Jahre 1957 verkündete die ganze Körperschaft der Hände, nachdem sie die Angelegenheit eingehend untersucht hatte, daß Shoghi Effendi weder einen Nachfolger ernannt noch einen Letzten Willen hinterlassen hatte. Dies ist dokumentarisch niedergelegt und festgehalten.

Die Tatsache, daß Shoghi Effendi keinen Letzten Willen hinterließ, kann nicht als Beweis eines Ungehorsams gegenüber Bahá'u'lláh gedeutet werden - wir sollten vielmehr anerkennen, daß gerade in diesem seinem Schweigen eine Weisheit liegt und ein Zeichen seiner unfehlbaren Führung. Wir sollten tief über die Schriften, die wir haben, nachdenken und die vielfältigen Bedeutungen, die sie enthalten, zu verstehen suchen. Vergessen Sie die Aussage Shoghi Effendis nicht, daß zwei Dinge für ein besseres Verständnis der Weltordnung Bahá'u'lláhs nötig wären: das Verstreichen der Zeit und die Führung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit.

Die Unfehlbarkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinem Bereich:

Die Unfehlbarkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, die innerhalb des ihm zugeordneten Bereiches gilt, ist nicht davon abhängig gemacht, daß der Hüter der Sache zu seinen Mitgliedern zählt. Während auf dem Gebiet der Auslegung die Äußerungen des Hüters immer bindend sind, ist es bei einer Teilnahme des Hüters an der Gesetzgebung stets die Entscheidung des Hauses selbst, die den Ausschlag geben muß. Dies wird durch die Worte des Hüters erhärtet: »Die Auslegung durch den Hüter ist innerhalb seines Bereiches ebenso autoritativ und bindend wie die Erlasse des Internationalen Hauses der Gerechtigkeit, dessen ausschließliches Recht und Vorrecht es ist, über solche Gesetze und Verordnungen zu befinden und letztgültig zu entscheiden, die Bahá'u'lláh nicht ausdrücklich offenbart hat. Keine von beiden Institutionen kann und wird je in das geweihte und festgelegte Gebiet der anderen übergreifen, keine von ihnen versuchen, die besondere und unbestrittene Amtsgewalt zu schmälern, mit der beide von Gott her ausgestattet wurden.

Obwohl der Hüter des Glaubens zum ständigen Haupt einer so erhabenen Körperschaft gemacht worden ist, kann er doch nie, und wäre es nur vorübergehend, das Recht ausschließlicher Gesetzgebung beanspruchen. Er kann die Entscheidung der Mehrheit seiner Mitglieder nicht umstoßen, ist jedoch verpflichtet, bei jeder Gesetzesvorlage auf einer nochmaligen Behandlung durch sie zu bestehen, wenn sie nach seinem Gewissen dem Sinn der offenbarten Äußerungen Bahá'u'lláhs widerspricht und von deren Geiste abweicht.«

Aber einmal ganz abgesehen von seiner Aufgabe als Mitglied und geheiligtes Oberhaupt des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf Lebenszeit, hatte der Hüter aus seinem ureigensten Wirkungskreis heraus das Recht und die Pflicht, »den Bereich der gesetzgeberischen Tätigkeit« des Universalen Hauses der Gerechtigkeit »zu bestimmen«. Mit anderen Worten, er hatte die Autorität festzustellen, ob eine Angelegenheit schon in den Heiligen Schriften behandelt war oder nicht und ob es deshalb in der Befugnis des Universalen Hauses der Gerechtigkeit stand, über sie gesetzlich zu befinden. Keine andere Person außer dem Hüter besitzt das Recht und die Autorität, solche Erklärungen abzugeben. Daher erhebt sich die Frage: Ist in Abwesenheit des Hüters das Universale Haus der Gerechtigkeit in Gefahr, seinen eigenen Wirkungskreis zu überschreiten und somit in Irrtum zu verfallen? Hierzu müssen wir drei Dinge berücksichtigen: Erstens hat Shoghi Effendi während der sechsunddreißig Jahre seines Hütertums bereits mit zahllosen Erklärungen die durch `Abdu'l-Bahá und Bahá'u'lláh selbst gegebenen ergänzt. Wie den Freunden schon mitgeteilt wurde, unternimmt das Universale Haus der Gerechtigkeit vor jedem Akt der Gesetzgebung ein sorgfältiges Studium der Schriften und Auslegungen zum jeweiligen Thema. Zweitens hat das Universale Haus der Gerechtigkeit, selbst der göttlichen Führung versichert, die Abwesenheit des Hüters sehr wohl vor Augen und wird sich mit allen Fragen der Gesetzgebung nur dann befassen, wenn der Geltungsbereich seiner Rechtshoheit sicher ist, ein Bereich, den der Hüter überzeugend als »klar umgrenzt« bezeichnet hat. Drittens dürfen wir nicht die schriftliche Aussage des Hüters über diese zwei Institutionen vergessen: »Keine von beiden kann und wird je in den unantastbaren und festgelegten Bereich der anderen übergreifen.«

Vom Universalen Haus der Gerechtigkeit erlassene Gesetze sind erleuchtet und geistig:

Über die Notwendigkeit, aus den Schriften Schlußfolgerungen abzuleiten als Hilfestellung beim Abfassen der Gesetzesbestimmungen des Hauses der Gerechtigkeit, haben wir den folgenden Text aus der Feder `Abdu'l-Bahás:

»Alles Wesentliche, das die Grundlage des göttlichen Gesetzes ausmacht, ist eindeutig im heiligen Text festgelegt, aber ergänzende Gesetze bleiben dem Haus der Gerechtigkeit überlassen. Die Weisheit dieser Anordnung liegt im Wandel der Zeiten; denn Veränderung ist eine notwendige Eigenschaft und ein wesentliches Merkmal dieser Welt von Zeit und Raum. Dementsprechend wird das Haus der Gerechtigkeit handeln.

Man darf sich nicht vorstellen, daß das Haus der Gerechtigkeit irgendeine Entscheidung nach seiner eigenen Auffassung und Meinung trifft. Gott bewahre! Das höchste Haus der Gerechtigkeit wird durch die Erleuchtung und Bestätigung des Heiligen Geistes seine Entscheidungen treffen und Gesetze erlassen, denn es steht in der sicheren Obhut und unter dem Schutz und Schirm der Ewigen Schönheit, und Gehorsam gegenüber seinen Beschlüssen ist eine wesentliche Pflicht und Schuldigkeit und eine bindende Verpflichtung, aus der es für niemand eine Ausflucht gibt.

Sprich, o Volk: Wahrlich, das Höchste Haus der Gerechtigkeit steht unter den Schwingen eures Herrn, des Mitleidvollen, des Allbarmherzigen, das heißt, unter Seinem Schutz, Seiner Fürsorge und Seinem Obdach; denn Er hat den standhaften Gläubigen befohlen, dieser gesegneten, geheiligten und alles meisternden Körperschaft zu gehorchen, deren göttlich verordnete Herrschaft dem Himmlischen Königreich entstammt und deren Gesetze erleuchtet und geistig sind.

Darin liegt, kurz gesagt, die Weisheit, die Gesetze der Gesellschaft dem Haus der Gerechtigkeit zu übertragen. Auch im Islám war nicht jedes Gesetz ausdrücklich offenbart; nein, nicht der zehnte Teil eines Zehntels fand sich im Text; obwohl alles Wesentliche genau festgelegt war, gab es zweifellos Tausende von Gesetzen, deren Einzelheiten offen blieben. Diese wurden von den Theologen späterer Generationen nach den Grundsätzen der islámischen Rechtsprechung ausgearbeitet, und einzelne Theologen leiteten vom ursprünglich offenbarten Gesetz sich widersprechende Folgerungen ab. Dennoch erlangten sie alle Geltung. Heute ist dieses Ableitungsverfahren das Recht der Körperschaft des Hauses der Gerechtigkeit, und die Schlüsse und Folgerungen einzelner Gelehrter erlangen nur dann Gesetzeskraft, wenn das Haus der Gerechtigkeit ihnen zustimmt. Der klare Unterschied ist, daß aus der Entscheidung durch die Körperschaft des Hauses der Gerechtigkeit, dessen Mitglieder von der weltweiten Bahá'í-Gemeinde gewählt und ihr bekannt sind, keine Konflikte entstehen werden; die Entscheidungen einzelner Theologen und Gelehrter führen dagegen unweigerlich zu Konflikten und enden in Schismen, Spaltung und Zersplitterung. Die Einheit der Welt würde zerstört, die Einheit des Glaubens verschwände, und das Gebäude des Glaubens Gottes würde erschüttert.«

Es sichert den Fortbestand der Amtsgewalt, die aus der Quelle unseres Glaubens fließt:

In der Ordnung Bahá'u'lláhs gibt es Aufgaben, die bestimmten Institutionen vorbehalten bleiben, und andere, die gemeinsam sind, auch wenn sie mehr im Aufgabenbereich der einen oder anderen Institution liegen. So haben zum Beispiel die Hände der Sache die besondere Aufgabe des Schutzes und der Verbreitung als ihren ureigensten Aufgabenbereich, aber gleichwohl ist es auch die Pflicht des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und der Geistigen Räte, die Sache zu schützen und zu lehren - ja, das Lehren ist eine heilige Verpflichtung, die Bahá'u'lláh jedem Gläubigen auferlegt hat. Genauso gilt: Obwohl das Recht der Auslegung nach dem Meister ausschließlich dem Hüter verliehen wurde und obwohl die Gesetzgebung ausschließlich dem Universalen Haus der Gerechtigkeit übertragen ist, »ergänzen sich« nach Shoghi Effendis Worten diese beiden Institutionen »in ihrem Zweck und Ziel«. »Ihr gemeinsames, grundlegendes Ziel ist, den Fortbestand jener göttlich verordneten Amtsgewalt zu sichern, die aus der Quelle unseres Glaubens fließt, die Einheit seiner Anhänger zu wahren und seine Lehren unversehrt und anpassungsfähig zu erhalten.« Zwar kann das Universale Haus der Gerechtigkeit keine Aufgabe übernehmen, die ausschließlich dem Hüter zukam, doch muß es fortfahren, dem gemeinsamen Zweck zu entsprechen, den es mit dem Hütertum teilt.

Wie Sie mit vielen Zitaten verdeutlichen, hat Shoghi Effendi wiederholt die Untrennbarkeit dieser beiden Institutionen betont. Ganz offensichtlich faßte er dabei ihr Zusammenwirken ins Auge; doch hieraus kann nicht logisch gefolgert werden, daß die eine Institution ohne die andere funktionsunfähig wäre. Während der gesamten sechsunddreißig Jahre seines Hütertums wirkte Shoghi Effendi ohne das Universale Haus der Gerechtigkeit. Nun muß das Universale Haus der Gerechtigkeit sein Amt ohne den Hüter ausüben, aber das Prinzip der Untrennbarkeit bleibt bestehen. Nur weil es keinen lebenden Hüter gibt, verliert das Hütertum weder seine Bedeutung noch seine Stellung in der Ordnung Bahá'u'lláhs. Wir müssen uns vor zwei Extremen hüten: Das eine wäre die Behauptung, daß, weil es keinen Hüter gibt, alles, was über das Hütertum und seine Stellung in der Bahá'í-Weltordnung geschrieben wurde, jetzt toter Buchstabe und ohne Bedeutung ist; das andere wäre, von der Bedeutung des Hütertums so überwältigt zu sein, daß man die Kraft des Bündnisses unterschätzt oder in Versuchung gerät, an den klaren Texten herumzudeuteln, um auf irgendeine Weise einen »Hüter« zu finden.

Dies ist Gottes Sache - ihr Licht wird uns führen:

Der Dienst an der Sache Gottes erfordert unbedingte Treue und Lauterkeit und unerschütterlichen Glauben an Ihn. Nichts Gutes, sondern nur Böses kann entstehen, wenn wir die Verantwortung für die Zukunft der Sache Gottes selbst in die Hand nehmen und versuchen, sie auf Wege zu drängen, wo wir sie haben wollen, ohne die klaren Texte und unsere eigenen Beschränkungen zu beachten. Es ist Seine Sache. Er hat versprochen, daß ihr Licht nicht versiegen wird. Unsere Aufgabe ist, mit aller Zähigkeit am offenbarten Wort und an den Institutionen, die Er zur Erhaltung Seines Bündnisses geschaffen hat, festzuhalten.

Gerade hierbei müssen die Gläubigen erkennen, wie entscheidend wichtig geistige Redlichkeit und Demut sind. In früheren Sendungen sind viele Irrtümer entstanden, weil die Gläubigen, die Gottes Offenbarung angenommen hatten, allzusehr darauf bedacht waren, die göttliche Botschaft mit dem Maßstab ihres begrenzten Verständnisses zu messen; Lehrsätze festzulegen, wo Festlegungen außerhalb ihrer Macht standen; Geheimnisse zu deuten, die nur die Weisheit und Erfahrung eines späteren Zeitalters verständlich machen konnte; zu behaupten, daß etwas wahr sei, weil es wünschenswert und notwendig schien. Solche Kompromisse mit der ewigen Wahrheit, solchen intellektuellen Stolz müssen wir strengstens meiden.

Wenn einige Verlautbarungen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit nicht sehr ausführlich sind, sollten die Freunde einsehen, daß dahinter keine Geheimnistuerei steckt, sondern die Entschlossenheit dieser Körperschaft, sich jeder Auslegung der Lehren zu enthalten und die Richtigkeit der Aussage des Hüters zu bewahren: »Religionsführer, Vertreter politischer Theorien, Leiter menschlicher Institutionen ... brauchen über die Natur, den Ursprung oder die Gültigkeit der Institutionen, die die Anhänger des Glaubens in der ganzen Welt aufbauen, keinerlei Zweifel oder Befürchtungen zu haben; denn diese Institutionen sind in den Lehren selbst tief verankert, unverfälscht und ungetrübt durch unbefugte Eingriffe oder unerlaubte Auslegungen Seines Wortes.«

Unterscheidung zwischen der bevollmächtigten Auslegung der Schriften und dem Verständnis des einzelnen:

In unserem Glauben wird eine klare Unterscheidung gemacht zwischen der bevollmächtigten Auslegung und dem Verständnis, zu dem der einzelne durch das Studium der Lehren selbst gelangt. Die erstere ist dem Hüter vorbehalten; doch soll das zweite, wie uns der Hüter selbst sagt, auf keinen Fall unterdrückt werden. Eine individuelle Auslegung gilt nämlich als Frucht der menschlichen Verstandeskraft und als förderlich für ein besseres Verständnis der Lehren - vorausgesetzt, daß keine Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen unter den Freunden entstehen und der einzelne selbst weiß und auch zum Ausdruck bringt, daß das, was er sagt, seine eigenen Ansichten sind. Individuelle Auslegungen ändern sich ständig, je mehr das Verständnis der Lehren zunimmt. Hierzu schrieb Shoghi Effendi: »Sich in der Sache zu vertiefen heißt, die Schriften Bahá'u'lláhs und des Meisters so gründlich zu lesen, daß man in der Lage ist, sie in reiner Form anderen weiterzugeben. Es gibt viele, die eine oberflächliche Vorstellung von dem haben, was die Sache eigentlich vertritt. Sie stellen sie deshalb in Verbindung mit ihrem eigenen Gedankengut dar. Da die Sache Gottes noch in ihrem Anfangsstadium ist, müssen wir sorgfältig darauf achten, daß wir nicht diesem Irrtum verfallen und der Bewegung, die wir so sehr verehren, schaden. Dem Studium der Sache ist keine Grenze gesetzt. Je mehr wir die Schriften lesen, desto mehr Wahrheiten können wir in ihnen finden und desto mehr werden wir feststellen, daß unsere früheren Begriffe falsch waren.« Individuelle Einsichten können also erleuchtend und hilfreich sein; sie können aber auch in die Irre führen. Deshalb müssen die Freunde lernen, den Ansichten anderer zuzuhören, ohne sich allzutief beeindrucken oder gar in ihrem Glauben beirren zu lassen; ebenso müssen sie lernen, ihrer eigenen Meinung Ausdruck zu geben, ohne sie ihren Mit-Bahá'í aufzwingen zu wollen.

Die Sache Gottes ist organisch; sie wächst und entwickelt sich wie ein lebendes Wesen. Immer wieder hat sie Krisen erlebt, die die Gläubigen verwirrt haben; aber jedes Mal hat die Sache - angetrieben durch Gottes unwandelbaren Ratschluß - diese Krise überwunden und eine höhere Stufe erreicht.

Jeder muß sich dem Heiligsten Buche zuwenden:

Wie wenig wir auch das mit Shoghi Effendis Hinscheiden verbundene Geheimnis und seine Bedeutungen verstehen mögen - das feste Seil, an das sich alle mit absoluter Gewißheit anklammern müssen, ist das Bündnis. Die eindringliche und kraftvolle Sprache von `Abdu'l-Bahás Wille und Testament ist heute ebenso wie zur Zeit Seines Hinscheidens der sichere Hort für die Sache: »Jeder muß sich nach dem Heiligsten Buche richten, und was darin nicht ausdrücklich Erwähnung findet, ist an das Universale Haus der Gerechtigkeit zu verweisen. Was diese Körperschaft einstimmig oder mit Stimmenmehrheit entscheidet, ist die wirkliche Wahrheit und Gottes eigener Wille. Wer davon abgeht, ist wahrlich von denen, die Uneinigkeit lieben, Bosheit gezeigt und sich vom Herrn des Bündnisses abgekehrt haben.« Und an anderer Stelle: »Alle müssen Führung suchen und sich dem Mittelpunkt der Sache und dem Haus der Gerechtigkeit zuwenden. Und wer sich woandershin wendet, ist fürwahr in schmerzlichem Irrtum.«

Das Universale Haus der Gerechtigkeit, von dem der Hüter sagte, daß es von der Nachwelt als die »letzte Zufluchtsstätte einer wankenden Zivilisation« angesehen würde, ist jetzt in Abwesenheit des Hüters die einzige unfehlbar geführte Institution auf der Welt, der sich alle zuwenden müssen. Auf ihm lastet die Verantwortung, Einheit und Fortschritt der Sache Gottes in Übereinstimmung mit dem offenbarten Wort zu sichern. Es gibt Aussagen des Meisters und des Hüters, die besagen, daß das Universale Haus der Gerechtigkeit neben seiner Stellung als höchste gesetzgebende Körperschaft des Glaubens auch die Körperschaft ist, der sich alle zuwenden müssen, der »Gipfel« der Bahá'í-Verwaltungsordnung und »das oberste Organ des Bahá'í-Gemeinwesens«. Der Hüter hat in seinen Schriften die grundlegenden Aufgaben bezeichnet, die dem Universalen Haus der Gerechtigkeit zufallen; darunter die Ausarbeitung künftiger weltweiter Lehrpläne, die administrative Leitung des Glaubens und die Führung, Organisation und Vereinheitlichung der Angelegenheiten der Sache auf der ganzen Welt. Außerdem macht der Hüter in Gott geht vorüber folgende Aussage: »Das Kitáb-i-Aqdas ... überliefert der Nachwelt nicht nur die Grundgesetze und Verordnungen, auf denen der Bau Seiner künftigen Weltordnung ruhen muß, sondern überträgt darüberhinaus Seinem Nachfolger die Aufgabe der Auslegung und bestimmt die notwendigen Einrichtungen, die allein die Unversehrtheit und Einheit Seines Glaubens gewährleisten können.« Er hat auch in Die Sendung Bahá'u'lláhs geschrieben, daß die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit »und nicht die Gesamtheit ihrer unmittelbaren oder mittelbaren Wähler zu Empfängern der göttlichen Führung« werden, »die für diese Offenbarung Herzblut und eigentlicher Schutz zugleich ist«.

Wie das Universale Haus der Gerechtigkeit bereits angekündigt hat, kann es weder Gesetze erlassen, um die Ernennung eines Nachfolgers für Shoghi Effendi zu ermöglichen, noch um die Ernennung von weiteren Händen der Sache zuzulassen; aber es muß alles tun, was in seiner Macht steht, um die Durchführung all jener Aufgaben zu sichern, die es mit diesen zwei mächtigen Institutionen teilt. Es muß Vorsorge treffen, um auch in Zukunft die Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung zu erfüllen, die die Verwaltungsinstitutionen mit dem Hütertum und den Händen der Sache teilen; es muß in Abwesenheit des Hüters das »Huqúqu'lláh« entgegennehmen und seiner Verwendung zuführen, in Übereinstimmung mit der folgenden Äußerung Abdu'l-Bahás: »Verfügungen über das Huqúq, ganz oder teilweise, sind gestattet, sollten aber mit Erlaubnis der zuständigen Institution der Sache geschehen, der sich alle zuwenden müssen.« Es muß in seiner Satzung Vorkehrungen für die Entfernung eines seiner Mitglieder treffen, das eine Sünde begeht, die »das Allgemeinwohl schädigt«. Vor allem muß es, im vollen Glauben an Bahá'u'lláh, Seine Sache verkünden und Sein Gesetz zur Geltung bringen, damit der Größte Friede auf dieser Welt fest begründet und die Grundlagen des Reiches Gottes auf Erden vollendet werden.





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5. Juni 1966 - Pioniererfordernisse in neu erschlossenen Gebieten

Der im letzten Jahr errungene überwältigende historische Erfolg auf dem Feld des Pionierens steht in der Geschichte unseres Glaubens ohne Beispiel da. Er sollte uns indessen nicht die Augen davor verschließen, daß die verbleibenden, noch immer unbesetzten Lücken ausgefüllt werden müssen und daß es ein ständiges Erfordernis ist, die bereits erschlossenen Gebiete durch gut geplante Vertiefungsprogramme weiter zu festigen.

Auf diesem besonderen Feld der Bahá'í-Arbeit erwarten uns folgende Aufgaben:

1. Wie schon in der Ridván-Botschaft dargelegt, muß die im Ziel des letzten Jahres verlangte Mindestanzahl von Pionieren noch voll erreicht werden. Alle Nationalen Räte, die für die Bereitstellung von Pionieren zuständig sind, erhielten kürzlich einen Brief mit dem Aufruf, so schnell wie möglich Pioniere für die wenigen verbleibenden Territorien aufzustellen, für die noch keine Pionierzusagen vorliegen, diese Pioniere dann auf den Weg zu schicken und die noch laufenden Projekte zügig abzuschließen.

2. Die Pioniere, die schon auf ihrem Posten sind oder ihn derzeit besetzen, müssen - besonders wenn es sich um bisher unerschlossene Gebiete handelt - völlig darüber ins Bild gesetzt werden, daß sie sich nicht nur auf einen kurzen Aufenthalt in ihrem Zielgebiet einrichten sollen. Es geht nicht einfach darum, ein Territorium oder eine Insel als eröffnet zu erklären oder anzugeben, das Gebiet habe einen oder mehrere Pioniere erhalten. Dies gilt auch in den Fällen, wo im Lande selbst neue Gläubige gefunden wurden. Die eindeutige Grundabsicht ist, den Glauben Gottes sicher und fest in den Herzen der Einheimischen zu verankern und sicherzustellen, daß die göttlich verordneten Institutionen verstanden und übernommen werden und daß sie funktionieren. Das Ausharren der Pioniere auf ihrem Posten - auch unter größten Opfern - ist ein Akt des ergebenen Dienstes, und unsere Lehren versichern uns, daß dieser Dienst seinen sicheren Lohn in beiden Welten empfangen wird. Die mahnenden Aufrufe, die uns der Hüter dazu gegeben hat, sind zu zahlreich, um hier zitiert zu werden; sie belegen ausführlich, wie lebenswichtig das Verfolgen dieser klaren Linie ist.

3. Die Pioniere, die sich neu ansiedeln, und auch die für die Administration des Glaubens in den jeweiligen Gebieten zuständigen Nationalen Geistigen Räte sollten immer daran denken, daß die Verborgenheit, in der sich die Arbeit des Pioniers oder der ortsansässigen Bahá'í überall dort vollzieht, wo die Errichtung des Glaubens noch in den Anfangsstadien steckt, einen Schutz des Glaubens darstellt. Es sollte mit Geduld, Taktgefühl und Weisheit vorgegangen werden. Die Freunde sollten erst dann mit ihrem Glauben an die Öffentlichkeit treten, wenn sie sehen, daß mehr und mehr aufnahmebereite Seelen und Herzen vom Glauben berührt werden und auf den göttlichen Ruf antworten.

4. Die im letzten Jahr gemachten Zahlenangaben über Gläubige, die sich in Zielgebieten niederlassen sollten, waren Mindestanforderungen, und daher müssen die Nationalen Geistigen Räte sorgfältig den tatsächlichen Bedarf in den ihnen unterstellten Zielterritorien veranschlagen. Wenn im einen oder anderen dieser Gebiete mehr Pioniere benötigt werden, sollte dem Haus der Gerechtigkeit sogleich umfassend berichtet werden. Bitte schlagen Sie dabei die Anzahl der erforderlichen Pioniere vor und geben Sie auch deren bevorzugte Nationalität an.

5. Die praktische Seite dieser Pionierprojekte ist für das Gelingen entscheidend. Die finanziellen Verpflichtungen, die mit den Zielen des letzten Jahres übernommen wurden, sind nicht damit zu Ende, daß der Pionier seinen Posten besetzt hat. Diese Verantwortung bleibt so lange weiter bestehen, bis das Ziel auf Dauer erreicht und abgesichert ist. Wo immer ein Nationaler Rat dieser ihm zugewiesenen Verantwortung nicht nachkommen kann, sollte er beim Universalen Haus der Gerechtigkeit sofort einen Antrag auf Unterstützung aus dem Internationalen Hilfsfonds stellen.

Wir versichern Sie unserer Gebete an den Heiligen Schreinen, daß die Freunde in jedem Land sich über ihre örtlichen und persönlichen Probleme erheben, daß sie die Bedürfnisse der Sache Gottes an diesem kritischen Punkt ihrer unausweichlichen Weiterentwicklung erkennen und daß sie in völliger Selbstverleugnung und aufrichtiger Hingabe an Seine unendlich kostbare Sache ihren eigenen Anteil des Dienstes und der Unterstützung auf dem Altar des Opfers darbringen.





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10. Juni 1966 - An die Bahá'í-Jugend in jedem Land

In einem Land nach dem anderen treiben die Leistungen der Bahá'í-Jugend die Arbeit des Neunjahrplanes immer weiter voran und rufen die Bewunderung ihrer Mitgläubigen hervor. Vom ersten Beginn des Bahá'í-Zeitalters an spielte die Jugend eine große Rolle in der Verkündigung der Offenbarung Gottes. Der Báb war erst fünfundzwanzig Jahre alt, als Er Seine Sendung offenbarte, während viele Buchstaben des Lebendigen noch jünger waren. Der Meister wurde als sehr junger Mann dazu berufen, im `Iráq und in der Türkei im Dienste Seines Vaters schwere Verantwortungen auf sich zu nehmen, und Sein Bruder, der Reinste Zweig, gab im Alter von zweiundzwanzig Jahren sein Leben im Größten Gefängnis Gott hin, damit die Diener Gottes »belebt und die Erdenbewohner geeint werden«. Shoghi Effendi war Student in Oxford, als er auf den Thron seines Hütertums berufen wurde, und viele der Ritter Bahá'u'lláhs, die während des Zehnjahrplans unvergänglichen Ruhm erlangten, waren junge Menschen. Deshalb sollte man nicht meinen, daß die Jugend ein reiferes Alter abwarten müßte, um der Sache Gottes unschätzbare Dienste erweisen zu können.

Zeit der Entscheidung

Für jeden Menschen, ob er Bahá'í ist oder nicht, sind es die Jugendjahre, in der er viele Entscheidungen trifft, die den Lauf seines Lebens bestimmen. In diesen Jahren wird er wahrscheinlich seinen Beruf wählen, seine Ausbildung vervollständigen, seinen Lebensunterhalt zu verdienen beginnen. Er wird heiraten und eine eigene Familie gründen. Das Wichtigste von allem in diesem Zeitraum ist, daß das Herz auf ernster Suche ist und daß die geistigen Werte erlangt werden, die des Menschen zukünftiges Verhalten bestimmen. Diese Umstände bieten der Bahá'í-Jugend größte Möglichkeiten, größte Herausforderungen und größte Prüfungen - Möglichkeiten, die Lehren ihres Glaubens wahrhaft zu erfassen und sie ihren Zeitgenossen weiterzugeben, Herausforderungen, die Not der Welt zu überwinden und ihrer und den folgenden Generationen Führung zu geben, und Prüfungen, die sie befähigen, in ihrem Leben ein Beispiel für das hohe moralische in den Bahá'í-Schriften niedergelegte Richtmaß zu sein. Tatsächlich schreibt der Hüter, daß es die Bahá'í-Jugend ist, »die so entscheidend zur Stärke, zur Reinheit und zur treibenden Kraft des Bahá'í-Gemeindelebens beitragen kann und daß von ihr die zukünftigen Gestaltung ihres Geschickes und die vollkommene Entfaltung der inneren Kräfte abhängt, mit denen sie Gott ausgestattet hat.«

Kritische Phase des Übergangs

Die jetzt zwischen fünfzehn und dreißig Jahre alt sind, sehen sich einer besonderen Herausforderung gegenüber und können eine Gelegenheit ergreifen, die in der der menschlichen Geschichte einzigartig ist. Während des Zehnjahrplans, des neunten Teils jenes majestätischen Vorganges, der von unserem geliebten Hüter so lebhaft beschrieben wurde, verbreitete sich die Gemeinde des Größten Namens mit Windeseile über die größten Länder und Inseln der Welt aus, vermehrte vielfach die Zahl an Menschen und Hilfsquellen, sah den Anfang davon, daß Scharen von Menschen in die Sache Gottes eintraten, und vervollständigte den Bau der Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs. Jetzt, da sie fest in der Welt errichtet ist, tritt die Sache Gottes in den Anfangsjahren des zehnten Teils desselben Vorganges wahrnehmbar aus der Dunkelheit hervor, die sie größtenteils seit Beginn verhüllte, und erhebt sich, um die veralteten Auffassungen einer verdorbenen Gesellschaft anzuprangern und die Lösung für die qualvollen Probleme einer zerrütteten Menschheit zu verkünden. Für die jetzt jungen Menschen wird sich während ihres Lebens die Lage der Welt und der Platz der Bahá'í-Religion darin unermeßlich ändern, denn wir treten in einen sehr kritischen Abschnitt dieser Übergangszeit ein.

Drei Bereiche des Dienens für die Jugend

Drei große Aufgabengebiete liegen vor den jungen Bahá'í, in denen sie gleichzeitig das Gepräge der menschlichen Gesellschaft erneuern wie auch sich selbst für die Arbeit, die sie in ihrem späteren Leben ausführen können, vorbereiten werden.

Erstens ist die Grundlage all ihrer anderen Leistungen das Studium der Lehren, die Vergeistigung ihres Lebens und die Charakterbildung in Übereinstimmung mit dem Richtmaß Bahá'u'lláhs. Da um uns herum die moralischen Maßstäbe der Menschen zusammenbrechen und zugrunde gehen, gleich, ob es sich um die jahrhundertealten Kulturen des Ostens, die jüngeren Kulturen des Christentums und des Isláms oder der sich rasch verändernden Stammesgemeinschaften der Welt handelt, müssen die Bahá'í zunehmend als Eckpfeiler der Rechtschaffenheit und Geduld hervortreten. Das Leben eines Bahá'í ist durch Wahrhaftigkeit und Anstand gekennzeichnet; er wird sich rechtschaffen unter seinen Mitmenschen bewegen, von keinem abhängig außer von Gott, jedoch der ganzen Menschheit in Liebe und Brüderlichkeit verbunden; er wird sich völlig lösen von den lockeren Maßstäben, den dekadenten Anschauungen, dem unsinnigen Experimentieren, der Verzweiflung der heutigen Gesellschaft und wird seiner Umwelt mit offenem, freundlichem Gesicht begegnen, ein Leuchtfeuer und ein Hafen für alle, die seiner Charakterstärke und Seelengewißheit nacheifern.

Das zweite Aufgabengebiet, aufs engste mit dem ersten verbunden, ist das Lehren des Glaubens besonders ihrer Mitjugendlichen, unter denen einige der offensten, suchenden Seelen der Welt sind. Da die Jugendlichen noch nicht alle Verantwortungen für eine Familie, ein lang bestehendes Heim oder einen Beruf tragen, können sie viel leichter wählen, wo sie leben und studieren oder arbeiten möchten. In der ganzen Welt reisen die jungen Leute hierhin und dorthin, suchen Vergnügungen, Bildung und Erfahrungen. Die Bahá'í-Jugend, die Gottes Wort für diesen Tag als unvergleichlichen Schatz in sich trägt, kann diese Beweglichkeit in den Dienst der Menschheit stellen, sie kann ihren Aufenthaltsort, ihr Reisegebiet und die Art ihrer Arbeit mit dem Ziel vor Augen bestimmen, wie sie dem Glauben am besten dienen kann.

Der dritte Aufgabenbereich ist die Vorbereitung der Jugend auf ihr späteres Leben. Ein Bahá'í ist verpflichtet, seine Kinder zu erziehen; ebenso ist es die Pflicht der Kinder, Wissen über Kunst und Wissenschaften zu erlangen und ein Gewerbe oder einen Beruf zu erlernen, womit sie ihrerseits ihren Lebensunterhalt verdienen und für ihre Familie sorgen können. Für einen Bahá'í-Jugendlichen ist dies an sich schon Gottesdienst, ein Dienst, der außerdem mit der Verbreitung des Glaubens und oft mit Pionieren verbunden werden kann. Die Bahá'í-Gemeinde braucht Männer und Frauen mit vielen Kenntnissen und Fähigkeiten, denn in dem Maße, wie sie wächst, wird auch ihr Tätigkeitsbereich im Gesellschaftsleben sich weiten und vielfältiger werden. Daher soll die Bahá'í-Jugend die beste Art und Weise erkennen, wie sie ihre angeborenen Fähigkeiten im Dienst der Menschheit und der Sache Gottes einsetzen und entwickeln kann, ob als Bauer, Lehrer, Arzt, Handwerker, Musiker oder in irgendeinem der zahllosen, ihnen offenstehenden Berufszweige.

Die Grundlage aller Gelehrsamkeit

In der Schule oder auf der Universität wird sich der Bahá'í-Jugendliche oft in der ungewöhnlichen und etwas verwirrenden Lage befinden, tiefere Einsicht in eine Sache zu haben als seine Lehrer. Die Lehren Bahá'u'lláhs werfen auf so viele Seiten des menschlichen Lebens und Wissens ein Licht, daß ein Bahá'í früher als die meisten lernen muß, das ihm gebotene Wissen zu prüfen und nicht blind hinzunehmen. Ein Bahá'í hat den Vorteil, die göttliche Offenbarung für dieses Zeitalter zu kennen, die wie ein Scheinwerfer so viele Probleme erhellt, die moderne Denker verwirren. Er soll deshalb die Fähigkeit entwickeln, von allen um ihn herum zu lernen, seinen Lehrern mit angemessener Bescheidenheit gegenüberzutreten, dabei aber stets das, was er hört, zu den Bahá'í-Lehren in Beziehung zu setzen, denn sie werden ihm ermöglichen, den Weizen von der Spreu menschlichen Irrtums zu trennen.


Die Aufgaben der Jugendlichen in der Gemeinde

Gleichzeitig mit dem Reifen des inneren Lebens durch Gebet, Meditation, Dienst und Studium der Lehren, hat die Bahá'í-Jugend Gelegenheit, die Arbeitsweise der Ordnung Bahá'u'lláhs praktisch zu erlernen. Durch Teilnahme an Konferenzen und Sommerschulen sowie an Neunzehntagefesten und durch Mitarbeit in Ausschüssen kann die Bahá'í-Jugend die wunderbare Fähigkeit zur Bahá'í-Beratung erwerben, wodurch sie neue Wege zur menschlicher Zusammenarbeit plant. Beratung ist nicht einfach zu erlernen, denn sie erfordert die Bezwingung aller Selbstsucht und wilden Leidenschaft, die Pflege der Offenheit und Gedankenfreiheit ebenso wie Höflichkeit, geistige Aufgeschlossenheit und rückhaltlose Annahme eines Mehrheitsbeschlusses. Auf diesem Gebiet kann die Bahá'í-Jugend die Wirksamkeit, die Kraft, den Zugang zur Einheit, die aus wahrer Beratung entstehen, beweisen und im Gegensatz dazu die Nutzlosigkeit von Parteiungen, Lobbyismus, Debatten, Geheimdiplomatie und einseitiger Handlungsweise, wodurch die heutigen Verhältnisse gekennzeichnet sind, aufzeigen. Die Jugend nimmt auch am Leben der ganzen Bahá'í-Gemeinde teil und fördert eine Gesellschaft, in der alle Generationen, die ältere und die mittlere, Jugendliche und Kinder, vollkommen integriert sind und ein organisches Ganzes bilden. Auch indem sie sich weigern, der Feindschaft und dem Mißtrauen unter den Generationen, welche die moderne Gesellschaft bestürzen und verwirren, Raum zu geben, werden sie die heilende und lebenspendende Kraft ihrer Religion beweisen.

Welche Schritte jetzt zu bedenken sind

Das dritte Jahr des Neunjahrplans hat eben begonnen. Die Jugend hat schon eine lebenswichtige Rolle bei der Gewinnung seiner Ziele gespielt. Wir rufen sie nun mit großer Liebe und höchsten Hoffnungen, sie unserer inbrünstigen Gebete versichernd, auf, einzeln und in Beratung, wo auch immer sie leben und wie ihre Verhältnisse auch sein mögen, die Schritte zu erwägen, die sie jetzt tun sollten, um ihr Verständnis der göttlichen Botschaft zu vertiefen, ihren Charakter nach dem Vorbild des Meisters zu bilden, jene Fähigkeiten, Gewerbe und Berufe zu erlernen, mit deren Hilfe sie am besten Gott und den Menschen dienen, ihren Dienst für die Sache Bahá'u'lláhs zu steigern und ihre Botschaft für die Sucher unter ihren Zeitgenossen auszustrahlen.





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1. September 1966 - Drei weitere Nationale Räte bis Ridván 1967 zu bilden

Kündigen voll Freude (die) Bildung zusätzlicher neuer Nationaler Räte (von) Belize (mit) Sitz Belize, (von) Laos (mit) Sitz Vientiane, (von) Sikkim (mit) Sitz Gangtok zu Ridván 1967 an. Rufen (die) Nationalen Räte (von) Guatemala, Thailand bzw. Indien auf, (die) ersten Nationaltagungen (zur) Wahl (der) Nationalen Räte einzuberufen. (Der) Rat (von) Sikkim (ist ein) zusätzlicher Sieg (im) Neunjahresplan. (Die) veränderte Lage (in) Kambodscha verlangt (die) Zurückstellung (der) Bildung (des) Nationalen Rates (in) jenem Land. Zuwachs (der) oben genannten Nationalen Räte erhöht (die) Anzahl weltweit auf einundachtzig, deren Mitglieder (an der) zweiten Internationalen Tagung teilnehmen werden. Bringen Dankgebete (an) Bahá'u'lláh dar; erbitten göttliche Bestätigungen (für die) Ausdehnung (und) Festigung dieser Territorien, (um die) feste Grundlegung (der) künftigen Pfeiler (des) Universalen Hauses der Gerechtigkeit sicherzustellen.





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7. März 1967 - Lebenswichtige Aufgaben im Bahá'í-Weltzentrum

Mit dem Fortschreiten des Neunjahresplanes ist für die Bahá'í-Welt jetzt die Zeit gekommen, um größere Anstrengungen für die Entwicklung des Glaubens am Weltzentrum zu machen.

Beinahe alle zugänglichen, bisher unerschlossenen Gebiete des Planes sind nun erschlossen, und in der ganzen Welt sind Ausgangspunkte für die zukünftige Ausdehnung des Glaubens geschaffen worden; ein Programm fortschreitender Festigung wird Hand in Hand mit der ständigen Ausbreitung verfolgt; die Pläne für die Erbauung des Panama-Tempels sind weit gediehen; die .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgelände und Stiftungen, die nach dem Plan erforderlich sind, werden nacheinander beschafft; zu Ende der nächsten Ridván-Zeit werden 81 der bis 1973 benötigten 108 Nationalen Geistigen Räte gebildet sein, und die Eröffnung der Proklamationszeit naht schnell heran.

Seitdem das Universale Haus der Gerechtigkeit 1963 ins Leben gerufen wurde, war sein Hauptanliegen am Weltzentrum, sich auf das Allernotwendigste zu beschränken: Reparaturarbeiten an den Heiligen Stätten, Einrichtung von Büroräumen, Neuorganisierung der Unterbringung von Pilgern, Zusammenstellen eines Mitarbeiterstabes, Entwicklung eines Wohnungsprogramms für die Hände der Sache mit ihren Familien, die Mitglieder des Hauses der Gerechtigkeit mit ihren Familien und alle anderen Gläubigen, die am Weltzentrum Dienst tun; Ausarbeitung von Plänen für die Erweiterung der Gärten und Einleitung der ersten Schritte für die Ausführung dieser Pläne; Zusammenstellung und karteimäßige Erfassung der Heiligen Texte und der Briefe Shoghi Effendis; Pflege der Beziehungen zur Regierung des Staates Israel und zu den Vereinten Nationen.

Wir haben uns bemüht, die zunehmende Belastung, die diese wichtigen Maßnahmen für den Internationalen Fonds bedeuteten, so klein wie möglich zu halten, so daß in den Anfangsabschnitten des Planes der Hauptteil der verfügbaren Mittel für die Lehrarbeit auf der ganzen Welt eingesetzt werden konnte.

Wir müssen jetzt jedoch einige große Vorhaben in Angriff nehmen, die für den künftigen Fortschritt der Sache von entscheidender Bedeutung sind. Umfangreiche Verschönerungen des geheiligten Geländes, das die Heiligen Schreine in Bahjí und Haifa umgibt, sowie des Geländes des zukünftigen Mashriqu'l-Adhkár auf dem Berge Karmel stehen jetzt an, einmal um ihrer selbst willen, zum andern aber auch für den Schutz dieser Gelände, die sich innerhalb der Grenzen von rasch wachsenden Städten befinden. Die Einordnung und Kodifizierung der Heiligen Texte muß dringend fortgesetzt werden; die Vorkehrungen für Pilgerreisen müssen wahrscheinlich stark erweitert werden, um der ständig wachsenden Zahl von Anmeldungen aus Ost und West gerecht zu werden. Die Interkontinentalen Konferenzen und die Internationale Tagung müssen ausgerichtet und finanziert werden, und die Hilfseinrichtungen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit müssen sich allmählich entfalten können, damit die ständig wachsende und immer vielfältigere Arbeit am Weltzentrum des Glaubens weiterhin wirksam abgewickelt werden kann. Darüberhinaus muß die lebenswichtige Unterstützung, die der Arbeit der Hände der Sache und der Nationalen Geistigen Räte gegeben wird, beibehalten werden.

Die Mindesterfordernisse des Budgets des Internationalen Fonds haben sich seit 1963 nahezu verdoppelt, und wenn wir in die Lage kommen sollen, diese zusätzlichen Entwicklungsaufgaben zu unternehmen, wird ein weit größerer Spendenfluß benötigt, als er jetzt zur Verfügung steht.

Wir rufen jeden Nationalen Geistigen Rat auf, jetzt über den Betrag nachzudenken, den er als Spende für den Internationalen Fonds in seinem Budget für das kommende Jahr ausweisen kann. In einigen Fällen wird dies bedeuten, daß die bisherigen Spenden verdoppelt, verdreifacht oder noch stärker gesteigert werden müssen. Bitte schreiben Sie, sobald Ihr Beschluß gefaßt ist, jedoch nicht später als zum 21. April, und teilen Sie uns den geschätzten Betrag Ihrer Zuweisung mit.

Dies ist eine Angelegenheit von lebenswichtiger Bedeutung, und wir werden an den Heiligen Schreinen dafür beten, daß die Freunde überall auf der Welt mit ganzem Herzen diesem Aufruf Folge leisten werden.





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Ridván 1967 - Weltweite Proklamation in neuer Dimension

Zum Abschluß des dritten Jahres des Neunjahresplanes bestätigen wir mit dankbarem Herzen die Zeichen göttlicher Gnade, mit denen Bahá'u'lláh überall die hingebungsvollen Bemühungen Seiner Diener unfehlbar unterstützt und zum Ziele führt, und ohne Zögern geben wir unserem Vertrauen Ausdruck, daß die Gemeinde des Größten Namens durch ihre Entschlossenheit und opferbereite Anstrengung den vollkommenen Sieg herbeiführen kann und wird.

Im letzten Jahr wurde zur Bildung von elf neuen Nationalen Geistigen Räten an Ridván 1967 aufgerufen. Alle werden in dieser Ridván-Zeit gewählt werden. Wir heißen mit großer Freude die folgenden Nationalen Geistigen Räte willkommen: Algerien und Tunesien mit Sitz in Algier; Republik Kamerun mit Sitz in Victoria; Swasiland, Lesotho und Mosambik mit Sitz in Mbabane; Sambia mit Sitz in Lusaka; Belize mit Sitz in Belize; Inseln unter und über dem Winde und Jungfern-Inseln mit Sitz in Charlotte-Amalie; Ost- und Südarabien mit Sitz in Bahrein; Laos mit Sitz in Vientiane; Sikkim mit Sitz in Gangtok; Taiwan mit Sitz in Taipeh; Gilbert- und Ellice-Inseln mit Sitz in Tarawa. Das Weltzentrum des Glaubens wird bei jeder dieser Nationaltagungen durch eine Hand der Sache Gottes vertreten sein, die eine Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit überbringt, in der die neue Nationale Gemeinde willkommen geheißen wird und ihren Anteil an den Zielen des Neunjahresplanes zugewiesen bekommt.

Sichtbare Erfolge auf der ganzen Welt

An diesem Ridván-Fest werden einundachtzig der 108 Nationalen Geistigen Räte und mehr als sechstausend der 13 737 örtlichen Geistigen Räte, die bis 1973 errichtet werden müssen, gebildet sein; von den erforderlichen 54 102 Bahá'í-Zentren sind 28 217 erreicht; fünfzehn der fünfundsechzig geforderten Nationalen Eintragungen wurden erzielt; siebzehn der zweiundfünfzig Nationalen .Ha.zíratu'l-Quds, sieben der zweiundsechzig Tempelgelände, dreizehn der vierundfünfzig Nationalen Stiftungen, vierzehn der zweiunddreißig Lehrinstitute wurden erworben; von den 973 im Plan geforderten örtlichen Eintragungen wurden 123 erfüllt; von den erworbenen örtlichen .Ha.zíratu'l-Quds befinden sich vierundzwanzig in Indien, siebzehn in Kenia, neun in Uganda, zwei in Südafrika, zwei in der Türkei und eine Anzahl im Kongo (Kinshasa); Land für acht weitere wurde in Kenia gekauft, Land für vier in Kamerun, für zwei in Pakistan und für eines in Mauritius; in acht Ländern wurden örtliche Stiftungen zusätzlich zu den im Plan geforderten erworben.

Island, Korea, Liberia, Luxemburg und Rhodesien anerkennen nun die Bahá'í-Heiratsurkunde; die Dominikanische Republik, Guayana, Hawaii, Island, Italien, Kenia und Luxemburg anerkennen die Bahá'í-Feiertage. In Liberia wurde eine Sommerschule errichtet, eine weitere - über die Erfordernisse des Planes hinaus - in Kanada; Land für weitere Sommerschulen wurde in Argentinien, Äthiopien und Samoa gekauft. Die Liste der Sprachen, in denen Bahá'í-Literatur zur Verfügung steht, wurde um fünfundzwanzig neue erweitert, wodurch die Gesamtzahl auf 397 angewachsen ist. Die Anzahl der dem Glauben erschlossenen Gebiete hat 311 erreicht, einschließlich der kürzlich neu erschlossenen Gebiete Chiloé-Archipel, Bonaire, Phoenix-Inseln und St. Martin sowie zweier Gebiete, die zusätzlich zum Plan erschlossen wurden: der Melville-Insel in Australasien und Montserrat von den Inseln über dem Winde.

Nach immer wieder vereitelten Bemühungen ist es dem Nationalen Geistigen Rat von Persien jetzt doch gelungen, in den Besitz der historischen Festung von Chihríq zu kommen, jener unwirtlichen, einsamen Zitadelle, welche die letzte irdische Heimstatt des Gesegneten Báb war und von der aus Er zu Seinem Märtyrertod nach Tabríz geführt wurde. Die Verwirklichung der schon lange gesuchten Anerkennung des Glaubens in Italien bedeutet einen wunderbaren Sieg, der nicht nur zur Eintragung des Nationalen Geistigen Rates, sondern auch aller örtlichen Geistigen Räte in Italien geführt und es ermöglicht hat, daß dort ein Bahá'í-Verlag gegründet werden kann. In Island wurde der Glaube als eine der isländischen Religionen anerkannt. Dies bedeutet nicht nur die Eintragung des örtlichen Geistigen Rates von Reykjavik, sondern ermöglicht es dem Vorsitzenden dieses Geistigen Rates, Bahá'í-Trauungen und Bahá'í-Beerdigungen durchzuführen; außerdem befreit es den Glauben von bestimmten Steuern, erlaubt die Einhaltung von Bahá'í-Feiertagen und ebnet den Weg für die Eintragung des Nationalen Geistigen Rates jenes Landes, wenn er einst gebildet sein wird. Die volle Anzahl von örtlichen Geistigen Räten, Gruppen und Zentren, die im Plan gefordert werden, wurde in dreiundfünfzig Gebieten und Inseln unter der Leitung von sechsundzwanzig Nationalen Geistigen Räten bereits erreicht; fünf Gebiete haben die erforderliche Anzahl von örtlichen Geistigen Räten gebildet, und sieben haben die festgelegte Zahl von Zentren errichtet.

Seit vor einem Jahr der Aufruf dazu erging, wurden über alle fünf Kontinente hin internationale Lehrreisen unternommen unter Einschluß fast aller nationalen Gemeinden. Achtundsiebzig Reisevorhaben wurden in Europa durchgeführt, dreiundvierzig in Amerika, siebenundzwanzig in Asien, fünfundzwanzig in Australasien, so daß sich unter Einrechnung der Lehrreisen in Afrika eine Gesamtzahl von etwa zweihundert ergibt. Es besteht große Hoffnung, daß diese anspornende Tätigkeit, die dem Herzen des geliebten Meisters so teuer war, beständig weiter ausgebaut wird.

Ein unaufhaltsamer geistiger Kraftstrom

Der Erhaltung und Festigung all dieser sichtbaren Erfolge dient eine ununterbrochene Lehr- und Verwaltungstätigkeit auf der ganzen Welt, eine nie endende Bewegung innerhalb der Bahá'í-Gemeinde - vergleichbar dem unaufhörlichen Anbranden der Meereswellen - , die die eigentliche Ursache ihres Wachstums darstellt. Nationale und örtliche Geistige Räte suchen nach Lösungen für schwierige Probleme, entwerfen neue Pläne, nehmen die Verantwortung für eine zahlen- und bewußtseinsmäßig wachsende Gemeinde auf sich; Ausschüsse bemühen sich, die gesetzten Ziele zu erfüllen; die Bahá'í-Jugend befindet sich in eifriger, hingebungsvoller Tätigkeit; einzelne Bahá'í und ganze Familien setzen ihre Bemühungen für die Sache ein, um die Botschaft weiterzugeben oder Heimkreise abzuhalten - all dieser ständig erbrachte Dienst zieht die Bestätigungen Bahá'u'lláhs auf sich, und je mehr er von Gebeten und intensiver Einsatzbereitschaft begleitet wird, je mehr er sich auch ausdehnt, desto stärker wird der geistige Kraftstrom, der aus diesem Dienen in die Welt einfließt, dem keine Macht auf Erden widerstehen kann und der schließlich den vollständigen Sieg der Sache bringen wird. Diese organische Lebendigkeit des Glaubens ist am Weltzentrum deutlich zu spüren, und wir wünschen jedem Gläubigen, daß er an dem Auftrieb teilhat, den sie verleiht.

Aufgaben am Weltzentrum

Im Weltzentrum des Glaubens wurde die Kodifizierung des Kitáb-i-Aqdas und die Vergleichung anderer wesentlicher Texte fortgesetzt. Die überaus wichtige Aufgabe der Ausarbeitung der Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit ist weit vorangeschritten. Die Anlage und Erweiterung der Gärten, die die Heiligen Schreine in Haifa und Bahjí umgeben, nehmen ihren Fortgang. Die Veröffentlichung von The Bahá'í World, Band XIII, wurde in die Wege geleitet; das Buch umfaßt die neun Jahre von 1954 bis 1963, also beinahe den gesamten Abschnitt des Zehnjahres-Kreuzzuges, und enthält einen ausführlichen Artikel über den geliebten Hüter von `Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum. Der planvolle Ausbau der Beziehungen zu den Vereinten Nationen wird tatkräftig verfolgt. Eine wichtige zusätzliche Leistung bedeutet die Errichtung eines Internationalen Bahá'í-Bild- und Tonarchivs, dessen Aufgabe es ist, allen Nationalen Geistigen Räten Lehr- und Vertiefungsmaterial zur Verfügung zu stellen sowie Bild- und Tonberichte aufzubewahren und karteimäßig zu erfassen.

Der Dienst der Hände der Sache

Die Dienste der geliebten Hände der Sache haben während des ganzen Jahres ein unerschöpfliches Licht ausgestrahlt. Die ständige Ermutigung, die sie den Nationalen Geistigen Räten und den Gläubigen auf der ganzen Welt gegeben haben, die Ziele des Planes zu verfolgen und ein tieferes Verständnis für die wahre Bedeutung der Offenbarung Bahá'u'lláhs zu gewinnen, trägt nicht wenig zum Fortschritt des Planes bei und muß eine dauerhafte Wirkung auf die Entwicklung der Bahá'í-Gemeinde ausüben. Diese wenigen tapferen, hingebungsvollen Gläubigen, deren Platz in der Geschichte aufgrund ihrer Ernennung zu diesem hohen Amt für immer gesichert ist, sind wirklich ein kostbares Erbe, das uns von unserem geliebten Hüter hinterlassen wurde, und im Lauf der Jahre kommen zu der Ehrerbietung und Achtung, die ihnen aufgrund ihres erhabenen Ranges zustehen, immer mehr die Liebe und die Bewunderung der Freunde hinzu, die sie durch ihre unermüdlichen Dienste hervorrufen.

Aufgrund besonderer Erfordernisse wurden beim Einsatz der Hände in diesem Jahr zwei Veränderungen vorgenommen: Hand der Sache John Robarts kehrte in die westliche Hemisphäre zurück und nimmt einen besonderen Auftrag in seinem Geburtsland Kanada wahr, und Hand der Sache William Sears ging wieder nach Afrika. Außerdem geben wir mit Freude bekannt, daß Hand der Sache .Tarázu'lláh Samandarí, dessen Augen durch den Anblick Bahá'u'lláhs gesegnet wurden, das Universale Haus der Gerechtigkeit bei der Interkontinentalen Konferenz in Chicago anstelle der verstorbenen Hand der Sache Leroy Ioas vertreten wird.

Das Haus der Andacht in Panama

Auf internationaler Ebene hat das große Projekt des Tempels von Panama mit der Auswahl eines Entwurfs begonnen, der von dem englischen Architekten Peter Tillotson stammt. Herr Robert McLaughlin, ehemaliges Mitglied des Nationalen Geistigen Rates der Vereinigten Staaten und emeritierter Dekan der Akademie für Architektur an der Princeton-Universität, der auch im technischen Beratungsausschuß für den Innenausbau des Muttertempels des Westens in Wilmette mitgearbeitet hat, wurde zum architektonischen Berater des Universalen Hauses der Gerechtigkeit bei der Erbauung des Tempels ernannt. Er und Herr Tillotson haben das Baugelände gemeinsam aufgesucht und arbeiten in enger Gemeinschaft zusammen. Bilder und Zeichnungen des neuen Tempels werden in Kürze veröffentlicht, und die Freunde werden über die Fortschritte beim Bau dieses Hauses der Andacht auf dem laufenden gehalten, das »zwischen den zwei großen Ozeanen liegt«, einem Ort, der - wie `Abdu'l-Bahá andeutete - in Zukunft große Bedeutung erlangen wird und von wo aus die einmal angenommenen Lehren »den Osten und den Westen, den Norden und den Süden vereinigen werden«.

Noch immer dringender Bedarf an Pionieren

Die segensreichen Auswirkungen der großartigen Pionierleistung aus dem zweiten Jahr des Planes werden jetzt mehr und mehr fühlbar, aber trotzdem sind Pioniere noch dringend vonnöten, und sie werden auch weiterhin in allen Teilen der Welt gebraucht, nicht nur für die Festigung und Entwicklung des Glaubens in den neu gewonnenen Gebieten, sondern auch für die Gebiete, die während der Eröffnungsjahre des Planes wieder eröffnet wurden. Der unmittelbare Bedarf umfaßt 209 Pioniere für siebenundachtzig Länder und Territorien, die auf der beiliegenden Liste aufgeführt sind, und der Aufruf gilt nun der schnellen Erfüllung dieser Aufgabe. Der Einsatz auf diesem höchst verdienstvollen Gebiet steht jedem Gläubigen offen, und alle, die diesem besonderen Aufruf folgen wollen, werden gebeten, die Liste der Länder und Territorien durchzusehen und sich bei ihrem Nationalen Rat zu melden. Nähere Einzelheiten über die Erfordernisse in jedem Land sind den zuständigen Nationalen Geistigen Räten und den Pionierausschüssen zugeschickt worden.

Eine starke Heimatfront - die Grundlage für die Ausbreitung

Der ständige Bedarf an Pionieren und ebenso die herannahende weltweite Proklamationszeit machen es unerläßlich, auf jedem Kontinent den Heimatfronten besondere Aufmerksamkeit zu widmen, denn aus ihnen kommen die Mitarbeiter und die administrative Erfahrung, sie sind die solide Grundlage, von der die ganze Ausbreitung sowohl im Heimatland wie im Ausland ihren Ausgang nimmt. An der Heimatfront steht der größte Zuwachs an Geistigen Räten, Gruppen und neuen Gläubigen an, und diese Aufgabe muß tatkräftig verfolgt werden. Einige Nationale Geistige Räte haben diese wichtigen Ziele in Abschnitte unterteilt, wovon in jedem Jahr eine bestimmte Anzahl erfüllt werden soll, wodurch eine geplante und anpassungsfähige Inangriffnahme der Gesamterfordernisse gewährleistet wird. Solch ein systematisches, entschlossenes Angehen der Ziele an der Heimatfront ist sehr empfehlenswert.

Der Bahá'í-Fonds - unsere Ehre und unsere Herausforderung

Die drängenden, ständig wachsenden Bedürfnisse des Bahá'í-Fonds werden hiermit allen Gläubigen ins Bewußtsein gerufen. Große Vorhaben sind bereits in der Ausführung begriffen und stehen noch vor uns, die reiche Geldmittel zu ihrer Verwirklichung benötigen. Das Haus der Andacht in Panama - der erste der beiden im Neunjahresplan zu errichtenden Bauten; die Verschönerung und der Ausbau des Weltzentrums selbst mit einer notwendigen und unvermeidlichen Erweiterung, um den wachsenden Bedürfnissen des Glaubens zu entsprechen; die Unterstützung der lebenswichtigen Lehrprogramme in vielen Teilen der Welt; die Errichtung und Entwicklung neuer Nationaler Geistiger Räte - all dies bedarf dringend der Unterstützung der Freunde von überall her durch anhaltendes, aufopferndes Spenden. In dem Maße, wie die Inflation sich über die ganze Welt ausbreitet, wird das von ihr bedingte Anwachsen der Lebenshaltungskosten, zumindest in den wohlhabenderen Ländern, durch entsprechend steigende Einkommen ausgeglichen. Die Ausgaben des Bahá'í-Fonds werden durch diesen inflationären Zustand unweigerlich hart betroffen, was nur durch Spenden - sowohl größerer Beträge als auch von einer größeren Zahl von Spendern - ausgeglichen werden kann. Das Haus der Gerechtigkeit ist der Ansicht, daß die finanziellen Bedürfnisse der Sache durch universelle Beteiligung beim Geben gedeckt werden sollten, und fordert deshalb die Nationalen und örtlichen Räte eindringlich auf, dieses Ziel kraftvoll und ideenreich zu verfolgen, wobei den Freunden die Bitte des geliebten Hüters an alle Gläubige ins Gedächtnis gerufen wird, »daß jeder ohne Zögern gemäß seinen Verhältnissen seinen Anteil auf dem Altar des Bahá'í-Opfers niederlegen sollte«. Die Tatsache, daß nur wir Bahá'í für die Sache spenden dürfen, ist unsere Ehre ebenso wie unsere Herausforderung.

Beginn der weltweiten Verkündigung

Indem wir uns dem dritten Abschnitt des Neunjahresplanes nähern, eröffnet sich vor uns der Ausblick auf unerhörte Möglichkeiten, die das Herz jedes überzeugten Anhängers Bahá'u'lláhs höher schlagen lassen. Über ein Jahrhundert lang haben wir uns abgemüht, den Glauben zu lehren; heldenhafte Opfer, hingebungsvolle Dienste, ungeheure Anstrengungen wurden erbracht, um Außenposten des Glaubens in den wichtigsten Ländern, Territorien und Inseln dieses Erdballs zu errichten und das Rahmenwerk der administrativen Ordnung rund um den Planeten aufzubauen. Doch bleibt der Glaube Bahá'u'lláhs der Mehrzahl der Menschen bis jetzt noch immer unbekannt. Nun endlich, endlich wird die weltweite Gemeinde des Größten Namens aufgerufen, auf dem ganzen Erdball jeder Schicht der menschlichen Gesellschaft in einem anhaltenden, intensiven Feldzug die heilende Botschaft zu verkünden, daß der Verheißene erschienen ist und daß Zweck und Absicht Seiner Offenbarung das Wohlergehen und die Einheit der Menschheit sind. Dieser Feldzug, der sich über eine lange Zeit erstrecken wird, der im kommenden Oktober zur Erinnerung an die hundertjährige Wiederkehr des von Bahá'u'lláh gegebenen »Auftaktes« Seiner Verkündigung beginnen und in den verbleibenden Jahren des Neunjahresplanes an Antriebskraft gewinnen wird, kann sehr wohl die Speerspitze für andere Pläne werden, zu denen nacheinander aufgerufen wird, bis die Menschheit ihren Erlöser und Herrn erkannt und dankbar angenommen hat.

Vor hundert Jahren wandte sich Bahá'u'lláh selbst an die Könige, Regenten, Religionsführer und Völker der Welt. Das Universale Haus der Gerechtigkeit empfindet es als seine heilige Pflicht, die Aufmerksamkeit der Führer der heutigen Welt auf jene Botschaft zu lenken. Es wird ihnen deshalb den wesentlichen Inhalt der Verkündigung Bahá'u'lláhs in Buchform überreichen. Das Buch trägt den Titel Die Verkündigung Bahá'u'lláhs, und eine Sonderausgabe wird den Oberhäuptern der Staaten während der Eröffnung der Proklamationszeit zugeleitet werden. Eine allgemeine Ausgabe wird den Freunden in Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch zur Verfügung gestellt.

Die Hände der Sache Gottes `Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum, Ugo Giachery, .Tarázu'lláh Samandarí, `Alí-Akbar Furútan, Paul Haney, `Abú'l-Qásim Faizí, die das Universale Haus der Gerechtigkeit bei den Interkontinentalen Konferenzen im Oktober in Panama, Sydney, Chicago, Kampala, Frankfurt und Neu-Delhi vertreten, werden im September ein paar Tage vor dem Neunzehntagefest Mashíyyat (Wille) im Weltzentrum zusammenkommen. Die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit werden sich mit diesen Händen im Gebet am Schrein Bahá'u'lláhs in Bahjí vereinen und dann mit ihnen gemeinsam im Landhaus beraten. Von jenem heiligen Ort aus werden diese Hände der Sache im Namen der gesamten Bahá'í-Welt eine besondere Pilgerreise nach Adrianopel machen, wo die Súriy-i-Mulúk offenbart wurde. Einhundert Jahre nach dem historischen Ereignis, dessen zu gedenken ihr Ziel ist, werden sie am 27. September im Hause Bahá'u'lláhs zu Gebet und Meditation zusammenkommen, während gleichzeitig die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Heiligsten Schrein in Bahjí zur gleichen Gedenkandacht zusammentreten und für den Erfolg der Konferenzen und der Proklamationsprogramme beten werden. Die gesamte Bahá'í-Welt wird in der Zeit zwischen den Konferenzen und Ridván 1968 der hundertjährigen Wiederkehr der Eröffnung jenes wundervollen Zeitabschnittes in der Menschheitsgeschichte gedenken, als die Wolken der göttlichen Gnade ihre Schätze in verschwenderischer Fülle über die Menschen ergossen und die Tore des Königreiches weit aufgestoßen wurden, um jedem, der Augen hatte, zu sehen, einen neuen Himmel und eine neue Erde zu enthüllen sowie das neue Jerusalem, das von Gott herniedergekommen ist.

Die Interkontinentalen Konferenzen

Gleich nach dem Mashíyyat-Fest werden die Hände der Sache von Adrianopel aus zu ihren Konferenzen reisen, jede mit dem kostbaren Schatz einer Fotografie der Gesegneten Schönheit, und es wird das Vorrecht der Konferenzteilnehmer sein, diese Fotografie zu sehen. Diese hochverdienten Hände werden im eigenen Namen zu der Konferenz sprechen, an der sie teilnehmen, und jeder Konferenz eine Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit als dessen Vertreter überbringen.

Diese sechs Konferenzen, die zum Gedenken an den Beginn von Bahá'u'lláhs eigener Verkündigung einberufen wurden und eine Zeit der Verkündigung Seiner Botschaft durch die Gesamtheit Seiner Anhänger einleiten, werden ganz ohne Zweifel wieder einmal den Geist der Freude bezeugen, der solche Zusammenkünfte der Freunde belebt; sie werden sie in ihrer Entschlossenheit bestärken, jede denkbare Maßnahme oder Möglichkeit zu ergreifen, um den göttlichen Ruf erschallen zu lassen. Geehrt durch die Anwesenheit von Händen der Sache, werden diese Konferenzen - Brennpunkte der Liebe und Gebete der Freunde allüberall, Magnete, die jene geistigen Kräfte anziehen, welche allein ihre Arbeit bestätigen können - so steht es vertrauensvoll zu hoffen, mächtige Quellen der Einheit, geistiger Beschwingtheit und realistischer Planung sein. An die Nationalen Geistigen Räte ergeht der Ruf, dafür Sorge zu tragen, daß sie bei der auf ihrem Kontinent stattfindenden Konferenz vertreten sind, damit sie ihre Pläne für die Proklamation mit anderen Nationalen Geistigen Räten austauschen und mit ihnen die noch verbleibenden Ziele des Neunjahresplanes besprechen können.

All denjenigen Freunden in so vielen Ländern, die in unterschiedlichem Maße unter Beschränkungen und Unterdrückung zu leiden haben, so daß öffentliche Gedenkveranstaltungen und anschließende Proklamationsprogramme entweder ganz unmöglich sind oder doch stark beeinträchtigt werden, senden wir eine besondere Botschaft der Liebe und Zuversicht. Ihnen übermitteln wir die Liebe und Bewunderung ihrer Mitgläubigen, die aus Dankbarkeit für ihre größere Freiheit fest entschlossen sind, zur Verkündigung der göttlichen Botschaft solche Fanfarenstöße erklingen zu lassen, daß damit sehr wohl der Weg zur Befreiung des ganzen Glaubens bereitet werden kann.

Proklamation und Lehren gehen Hand in Hand

Weltweite Verkündigung - das unbekannte Meer, auf das wir uns bald hinauswagen müssen - wird unserer Arbeit eine neue Dimension hinzufügen, die nach und nach den Zwillingsvorgang der Ausbreitung und Festigung ergänzen und weiter verstärken wird. Diese neue Struktur des Lehrens, die sich schon so bald nach Vollendung des Gesamtrahmens der Verwaltungsordnung herausschält, kann zum Werkzeug für die Verbesserung der lebenswichtigen Festigungsarbeit werden und außerdem die in einhundert Jahren - und ganz besonders seit dem Aufruf des geliebten Hüters zu systematischem, planvollem Vorgehen - gewonnene Lehrerfahrung noch mehr zur Geltung bringen. Deshalb muß in allen Ländern, in denen wir die Freiheit haben, unsere Religion in die Öffentlichkeit zu tragen, diese Aufgabe ein Teil unserer regulären Arbeit werden; sie muß im Budget berücksichtigt sein, nationalen und örtlichen Ausschüssen zugewiesen werden, damit sie sich bemühen, sie zu erfüllen und vor allem mit den laufenden Programmen zur Erreichung der Ziele des Neunjahresplanes abstimmen. Jede Bemühung zur Proklamation muß lehrmäßig unterstützt werden, besonders auf örtlicher Ebene, wo öffentliche Ankündigungen auf solche Bemühungen abgestimmt sein sollten. Diese Abstimmung ist von entscheidender Bedeutung, denn nichts wäre enttäuschender, als daß Tausende vom Glauben hören und dann nicht wissen, wo sie nähere Auskunft erhalten können.

Die Natur der Vertiefung

Der geliebte Hüter schrieb: »Danach zu streben, ein besseres Verständnis der Bedeutung der überwältigenden Offenbarung Bahá'u'lláhs zu gewinnen, bleibt, und das ist meine unerschütterliche Überzeugung, die oberste Verpflichtung und der Zweck der beständigen Bemühungen jedes einzelnen ihrer treuen Anhänger« - eine Feststellung, welche die Verpflichtung zur Vertiefung in der Sache jedem Gläubigen fest auferlegt. Deshalb möchten wir hier eher zur Natur der Vertiefung Stellung nehmen als zu der Frage, ob ihre Fortführung wünschenswert sei.

Eine ins einzelne gehende, genaue Kenntnis des derzeitigen Aufbaues der Bahá'í-Administration oder der Satzungen von Nationalen und örtlichen Geistigen Räten oder der zahlreichen und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des Bahá'í-Gesetzes unter den verschiedenartigen Umständen, die hier und dort auf der Welt herrschen, ist zwar durchaus wertvoll, doch kann sie nicht als die Art von Kenntnis angesehen werden, die mit Vertiefung in erster Linie gemeint ist. Worum es geht, ist vielmehr ein klareres Erfassen der Absicht Gottes für den Menschen, vor allem Seiner unmittelbaren Absicht, wie sie von Bahá'u'lláh offenbart und aufgezeigt wurde - eine Absicht, die mit den geläufigen Vorstellungen von menschlichem Glück und Wohlergehen überhaupt nichts gemein hat. Wir sollten ständig auf der Hut sein, damit nicht das Geglitzer und Geflimmer einer im Überfluß lebenden Gesellschaft uns dazu verführt anzunehmen, daß oberflächliche Ausrichtung auf die moderne Welt, wie sie von humanitären Bewegungen erträumt oder als Politik erleuchteter Staatskunst öffentlich verkündet wird - wie zum Beispiel, daß alle Mitglieder der menschlichen Rasse in den Genuß eines hohen Lebensstandards, bester Erziehung, medizinischer Betreuung und technischen Knowhows kommen - schon an sich den herrlichen Auftrag Bahá'u'lláhs erfüllen. Weit gefehlt! Dies sind alles Dinge, die uns zufallen werden, wenn wir erst das Königreich Gottes suchen, die aber nicht von sich aus erklären, warum der Báb Sein Leben gab, warum Bahá'u'lláh solche Leiden auf sich nahm, wie sie nie jemand vor Ihm ertragen hat, warum der Meister und nach Ihm der Hüter ihre Prüfungen und Trübsale mit solch übermenschlicher Kraft überwanden. Weit tiefer und grundlegender war ihre Schau, die bis zum tiefsten Sinn des menschlichen Lebens vordrang. Dies wird am deutlichsten, wenn wir den Freunden einige der Aussagen Shoghi Effendis vor Augen führen, die er in seiner gestochen scharfen Abhandlung Das Ziel: die neue Weltordnung formuliert hat. Er schreibt: »Der Grundsatz der Einheit der Menschheit ... verlangt eine organische, strukturelle Veränderung der heutigen Gesellschaft, eine Veränderung, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat.« Indem er von den »epochemachenden Umwälzungen, die die größten Marksteine in der Geschichte der menschlichen Zivilisation darstellen«, spricht, führt er aus, daß »... sie, im richtigen Verhältnis betrachtet, nicht anders denn als untergeordnete Anpassungsvorgänge zu sehen sind und nur als Vorspiel zu der unvorstellbar herrlichen Verwandlung größten Ausmaßes, die die Menschheit in diesem Zeitalter notwendigerweise durchmachen muß.« In einer späteren Schrift sagt er über die künftige Zivilisation, die von Bahá'u'lláh errichtet wird, daß sie ausgestattet ist »... mit einer Lebensfülle, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat oder sich bisher überhaupt vorstellen kann.«

Geliebte Freunde, dies ist das Thema, das wir bei unseren Bemühungen, uns in der Sache zu vertiefen, verfolgen müssen. Was ist die Absicht Bahá'u'lláhs für die Menschheit? Zu welchem Endzweck unterwarf Er sich den erschreckenden Grausamkeiten und schimpflichen Behandlungen, die auf Ihn gehäuft wurden? Was meint Er mit »einer neuen Menschenrasse«? Welches sind die tiefgreifenden Umgestaltungen, die Er herbeiführen wird? Die Antworten finden sich in den Heiligen Schriften unseres Glaubens und in ihren Auslegungen durch `Abdu'l-Bahá und unseren geliebten Hüter. Mögen die Freunde sich in dieses Meer versenken, mögen sie regelmäßig Studienabende für dessen ständige Betrachtung abhalten, und mögen sie zur Stärkung ihrer Bemühungen gewissenhaft das tägliche Gebet und das tägliche Lesen des Wortes Gottes beachten, das Bahá'u'lláh allen Bahá'í vorgeschrieben hat.

Die gebieterische Notwendigkeit, sich in der Sache zu vertiefen

Dieses hingebungsvolle Bemühen der Freunde, sich in der Sache zu vertiefen, wird jetzt mit dem Herannahen des Proklamationsprogramms zur gebieterischen Notwendigkeit. Je mehr dieses Programm seine Wirkung zeigt, desto stärker wird sich die Aufmerksamkeit auf den Anspruch Bahá'u'lláhs richten und desto mehr muß mit Widerstand gerechnet werden. »Wie groß, wie überaus groß ist diese Sache!« schrieb der Meister, »Wie heftig wird der Angriff aller Völker und Geschlechter der Erde. Bald wird nah und fern das Geschrei der Massen in ganz Afrika, ganz Amerika, der Kampfruf der Europäer und der Türken, das Murren Indiens und Chinas zu hören sein. Wie ein Mann und mit all ihrer Macht werden sie sich erheben, um Seiner Sache zu widerstehen. Dann werden die Ritter des Herrn mit dem Beistand Seiner Gnade aus der Höhe, gestählt im Glauben, unterstützt durch die Macht der Erkenntnis und verstärkt durch die Legionen des Bündnisses, sich erheben und die Wahrheit des Verses offenbaren: `Sehet die Verwirrung, die die Scharen der Besiegten befallen hat!`«

Eingedenk der zahllosen Äußerungen göttlicher Liebe, die sich in unseren Schriften finden, und im Bewußtsein der außerordentlichen Natur der Krise, der sich die Menschheit gegenübergestellt sieht, rufen wir die Freunde auf, sich der Größe dessen, was an diesem Tage von uns erwartet wird, ganz neu bewußt zu werden. Wir rufen in die Erinnerung zurück, daß die Gesegnete Schönheit Bahá'u'lláh, wie auch Sein »über alles Geliebter« vor Ihm und `Abdu'l-Bahá nach Ihm, Ihre Leiden in dieser Welt auf sich nahmen, damit die Menschheit von materiellen Fesseln befreit werde und »wahre Freiheit erlange«, »blühen und gedeihen möge«, »dauernde Freude erfahre und von Glückseligkeit erfüllt werde«, und wir beten darum, daß die Anstrengungen der Freunde das Mittel sein mögen, durch das diese Herrlichkeit und dieses Glück sich schnell erfüllen.





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25. Juni 1967 - Einhundertfünfzigster Jahrestag der Geburt Bahá'u'lláhs

Am 12. November 1967 jährt sich zum einhundertfünfzigsten Mal Bahá'u'lláhs Geburtstag. Wir rufen die ganze Bahá'í-Welt zu freudevoller Feier auf, wie sie einem für die Zukunft der Menschheit so folgenschweren Ereignis angemessen ist.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit fühlt, daß das zeitliche Zusammentreffen dieses großen Anlasses mit dem Beginn der Proklamationsphase eine wundervolle Gelegenheit darstellt, die Öffentlichkeit auf die geistige wie auch die soziale Bedeutung der Sache hinzuweisen. Nicht nur die Botschaft als solche, sondern die historische Tatsache einer neuen Gottesoffenbarung sollte herausgestellt werden, mit allen Auswirkungen für eine neue Weltkultur, die sich daraus ergeben.

Die Freunde sollten nicht zögern, die Nicht-Bahá'í-Öffentlichkeit zu ihren Feiern und Feierstunden einzuladen, auch wenn diese den Charakter einer Andacht haben; so mancher wird vielleicht von den Gebeten und dem Ausdruck der Dankbarkeit, die die Freunde zeigen, angezogen werden, ebenso von dem erhabenen Ton der Texte aus den Bahá'í-Schriften.





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2. Juli 1967 - Wesen und Zweck der Proklamation

In etwas über drei Monaten wird die Periode weltweiter Proklamation des Glaubens mit den sechs Interkontinentalen Konferenzen eröffnet, die zur Feier der einhundertjährigen Wiederkehr der Offenbarung des Sendbriefs an die Könige einberufen wurden. Die Konferenzen werden den Vertretern der Nationalen Geistigen Räte Gelegenheit geben, über die Proklamation, die die verbleibenden fünfeinhalb Jahre des Planes ausfüllen wird, Gedanken auszutauschen und Pläne zu koordinieren.

Die belebende Wirkung dieses Gedankenaustausches wird weltweit zu einem enorm gesteigerten Schwung führen; weil aber viele Projekte schon vor diesem Datum ausgearbeitet werden müssen, glauben wir, daß einige zusätzliche Anmerkungen über Natur und Zweck der Proklamation jetzt von Nutzen sein werden.

Die Proklamation umfaßt eine ganze Reihe von Maßnahmen, von denen das Auftreten in der Öffentlichkeit nur eine ist. Das Universale Haus der Gerechtigkeit selbst wird den Staatsoberhäuptern aller Nationen die Botschaft Bahá'u'lláhs übermitteln. Darüberhinaus jedoch ist es eine der wichtigsten Pflichten jedes Nationalen Geistigen Rates, die geistigen Führer und bedeutende Männer und Frauen in seinem Land mit den grundlegenden Zielen, der Geschichte, dem gegenwärtigen Stand und den Leistungen des Glaubens bekanntzumachen. Ein solches Unternehmen muß mit äußerster Weisheit, mit Feingefühl und Würde durchgeführt werden. Die mit solchen Kontakten verbundene Öffentlichkeitsarbeit muß sehr sorgfältig bedacht werden; sie kann unter Umständen auch unklug oder unhöflich ausfallen. Dies ist natürlich ein Programm auf lange Sicht, denn solche Dinge können nicht überstürzt werden, aber sie erfordern ständige Aufmerksamkeit.

Zur Proklamation gehört andererseits auch ein System von Lehrprojekten, die darauf abzielen, jede Gesellschaftsschicht zu erreichen. Diese Projekte müssen mit Weisheit und großem Fleiß durchgeführt werden und alle verfügbaren Mittel ausnutzen.

Die Öffentlichkeitsarbeit selbst muß gut geplant, würdig und höflich sein. So mancher auffällige Werbefeldzug mag zu Anfang sehr viel Aufmerksamkeit auf die Sache lenken, könnte aber letztlich Abneigung hervorrufen, die zu beheben dann sehr mühsam wäre. Der Standard der Würde und Höflichkeit, den uns der geliebte Hüter gesetzt hat, sollte immer aufrecht erhalten werden, besonders bei Musikdarbietungen und Theateraufführungen; Fotografien des Meisters sollten nicht im Übermaß benützt werden. Das heißt nicht, daß zum Beispiel die Tätigkeit der Jugend gehemmt werden sollte; man kann begeistert sein, ohne dabei respektlos zu sein oder die Würde des Glaubens zu untergraben.

In jedem Land sind die Verhältnisse wieder anders, deshalb muß die geeignete Form der Öffentlichkeitsarbeit für jedes Land vom jeweiligen Nationalen Geistigen Rat selbst bestimmt werden. Die Nationalen Geistigen Räte brauchen Programme, die andere Länder entwickelt haben, nicht zu übernehmen oder nachzuahmen.

Bei jeder Art von Öffentlichkeitsarbeit ist die Nacharbeit äußerst wichtig. Proklamation, Ausbreitung und Festigung sind Tätigkeiten, die sich gegenseitig unterstützen und daher sorgfältig aufeinander abgestimmt sein müssen. Mancherorts mag es wünschenswert sein, einen Lehrfeldzug mit Öffentlichkeitsarbeit einzuleiten - anderswo ist es weiser, zuerst eine feste örtliche Gemeinde zu bilden, bevor man den Glauben öffentlich bekanntmacht oder mit wichtigen Persönlichkeiten Kontakt aufnimmt. Auch hier ist Weisheit am Platze.

Wir haben mit Freude die Begeisterung begrüßt, mit der die Bahá'í-Gemeinde sich auf die vor uns liegenden herausfordernden Monate und Jahre vorbereitet, und sehen mit großer Erwartung diesen Tagen entgegen, die nun nur wenige Monate von uns entfernt sind und einen so verheißungsvollen Abschnitt in der Ausbreitung von Gottes Wort einleiten werden.





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Oktober 1967 - Die Stunde ist da

(Botschaft an die sechs Interkontinentalen Konferenzen)

Heute, da einhundert Jahre vergangen sind, seit in Adrianopel die Verkündigung Bahá'u'lláhs an die Herrscher, Oberhäupter und Völker der Welt ihren Anfang nahm, erinnern wir uns mit tiefer Bewegung der Verhältnisse, in denen sich der Glaube Gottes zu jener Zeit befand. In einem Land, das von Ihm als »Land des Geheimnisses« bezeichnet worden ist, hatte sich der Träger der Offenbarung Gottes erhoben, um diesen Glauben gemäß seinem göttlich bestimmten Schicksal eine Stufe weiterzubringen.

Im Innern wurde die junge Sache Gottes von einer Krise geschüttelt, aus deren Dunkel die majestätische Gestalt Bahá'u'lláhs, des sichtbaren Mittelpunktes und Hauptes eines neu begründeten Glaubens, heraustrat. Die ersten Pilgerreisen zu Seinem Wohnsitz wurden unternommen, die Überführung der sterblichen Reste des Báb kam einen Schritt weiter, und vor allem gab es die ersten Hinweise auf die künftige Stellung `Abdu'l-Bahás als Mittelpunkt des Bündnisses und auf die Offenbarung der neuen Gesetze für den Neuen Tag.

Nach außen wurde die volle Bedeutung der neuen Offenbarung von keinem geringeren als ihrem Göttlichen Träger verkündet, Seine Anhänger begannen sich offen zum Größten Namen zu bekennen, der unabhängige Charakter des Glaubens wurde herausgestellt, und seine furchtlosen Vertreter griffen zur Feder, um seinen reinen Namen zu verteidigen.

Heute, einhundert Jahre später, müssen die Freunde, die bei den sechs Interkontinentalen Konferenzen versammelt sind, um der Ereignisse in der Vergangenheit zu gedenken, und die das Vorrecht haben, das Bildnis ihres Geliebten zu sehen, die dringenden Bedürfnisse der Sache im jetzigen Zeitpunkt beraten.

Mit dem Eintritt der Bahá'í-Welt in den dritten Abschnitt des Neunjahresplanes sind wir aufgerufen, die göttliche Botschaft erneut den Staatsoberhäuptern und allen Menschen der Welt zu verkünden; zu helfen, daß der Glaube Gottes aus der Unbekanntheit auf das Feld öffentlicher Beachtung hinaustritt; durch standhafte Anwendung seiner Gesetze seinen unabhängigen Auftrag darzulegen und uns gegen die Angriffe zu wappnen, die sich mit Notwendigkeit gegen seinen siegreichen Vormarsch richten werden. Von unseren Anstrengungen hängt weitgehend das Schicksal der Menschheit ab. Die Frist von einhundert Jahren ist abgelaufen; der Kampf zwischen den Kräften der Dunkelheit - das heißt der niederen Natur des Menschen - und der aufgehenden Sonne der göttlichen Lehren, die den Menschen zu seiner wahren Stufe emporheben, wird von Tag zu Tag erbitterter.

Der Feldzug anläßlich des hundertsten Jahrestages ist vom Universalen Haus der Gerechtigkeit damit eröffnet worden, daß 140 Staatsoberhäuptern eine Zusammenstellung von Bahá'u'lláhs eigener Verkündigung überreicht worden ist. Jetzt müssen die Freunde die Botschaft der übrigen Menschheit bringen. Die Stunde ist da, und die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Wir sind weder allein noch hilflos. Getragen von unserer Liebe zueinander und gestärkt durch die Verwaltungsordnung - die unser geliebter Hüter mit so unendlicher Mühe errichtet hat - , vermag die Armee des Lichtes Siege zu erringen, die das Staunen der Nachwelt hervorrufen werden.

Wir beten an den Heiligen Schreinen, daß diese Interkontinentalen Konferenzen zu Zentren geistiger Erleuchtung werden, daß sie die Freunde begeistern und ermutigen werden, ihre Anstrengungen bei der weiteren Ausbreitung und Festigung des Glaubens Gottes zu verdoppeln, sich zur Erfüllung der noch verbleibenden Pionierziele zu erheben, Lehrreisen zu unternehmen und aus ihrem Vermögen freigebig für die verschiedenen Fonds zu spenden, insbesondere für das lebenswichtige Vorhaben der Errichtung des Hauses der Andacht in Panama, zu dem `Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum während dieser Konferenzen den Grundstein legen wird.

Die Menschheit tritt jetzt in das dunkelste Gravitationszentrum dieses Übergangszeitalters ein; doch unser Weg ist klar: die Erreichung der gesteckten Ziele und die Verkündigung der heilenden Botschaft Bahá'u'lláhs. Es ist unsere inbrünstige Hoffnung, daß sich auf diesen Konferenzen tapfere Gläubige mit hochherzigem Entschluß und in liebendem Dienst erheben werden, um die erfolgreiche und frühzeitige Erfüllung der vor uns liegenden heiligen Aufgaben sicherzustellen.





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15. Oktober 1967 - Beginn der dritten Phase im Neunjahresplan

(Mit) Herzen erfüllt (von) tiefster Dankbarkeit geben (wir die) Eröffnung (des) dritten Abschnittes (des) Neunjahresplanes bekannt (durch die) erfolgreiche Durchführung (der) sechs Interkontinentalen Konferenzen, (an denen) 9 200 Gläubige teilnahmen einschließlich beinahe aller Hände (der) Sache, (einer) großen Anzahl Hilfsamtsmitglieder, Vertreter fast aller Nationaler Räte (in der) Bahá'í-Welt (aus) über 140 Gebieten sowie Scharen von asiatischen, afrikanischen (und) indianischen Stämmen. Unschätzbares Vorrecht (wurde den) Anwesenden zuteil (durch das) Anschauen (des) Bildnisses (der) Schönheit Abhá. (Der) Geist (des) Heiligen Landes und (von) Adrianopel (wurde durch die) sechs auserwählten Vertreter (des) Universalen Hauses übermittelt. Erste Überreichungen (des) Verkündigungsbuches (im) Namen (des) Hauses (der) Gerechtigkeit fanden vor und während (der) Konferenzen statt. Ergebnisreiche Beratungen (über) Proklamation (und) Erreichung (der) verbleibenden Ziele (des) Planes abgehalten. (Die) Verbundenheit (der) Bahá'í-Welt (wurde) weiter dargetan (durch das) gut ausgedachte Projekt (des) telefonischen Grußaustausches (zwischen) allen sechs Konferenzen. Geistige Wirkkräfte (dieser) neuen Phase verstärkt (durch die) offizielle Grundsteinlegung (zum) Muttertempel (von) Lateinamerika (durch) `Amatu'l-Bahá. Über 230 Meldungen gingen (bei) Konferenzen ein, (sich den) Reihen (der) tapferen Pioniere (der) Sache anzuschließen. Erheben Hände flehentlich (zu) Bahá'u'lláh, (den) Freunden (in) jedem Land (ein) frisches Ausmaß himmlischer Kraft (zu) verleihen, (um) sie (zu) befähigen, mit (einer) weiteren Sicht (und) unverminderter Entschlossenheit (die) vor (uns) stehenden glorreichen Ziele (zu) verfolgen, bis dieser neue Abschnitt (der) Proklamation seinen Anteil (an dem) göttlich vorangetriebenen Vorgang (der) Errichtung (des) Königreiches Gottes (in den) Herzen (der) Menschen geleistet hat.





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17. Oktober 1967 - Internationale Bahá'í-Gemeinde

(Am) Morgen (der) sechs Interkontinentalen Konferenzen (zur) Eröffnung (der) Proklamationszeit geben (wir der) Bahá'í-Welt wichtigen Schritt (in der) Entwicklung (der) Beziehungen (zu den) Vereinten Nationen bekannt durch (die) Übernahme durch (das) Universale Haus der Gerechtigkeit (der) Obliegenheiten (mit Bezug auf die) Vertretung (der) Internationalen Bahá'í-Gemeinde (in ihrer) Eigenschaft (als) nichtstaatliche Organisation der Vereinten Nationen. Bei dieser Gelegenheit drücken (wir dem) Nationalen Rat (der) Vereinigten Staaten und Mildred Mottahedeh (unsere) dankbare (und) liebevolle Würdigung (für) viele Jahre unermüdlicher, hingebungsvoller (und) erfolgreicher Dienste als Vertreter bzw. Beobachter (aus).





33. Oktober 1967 - Das herausragende Ziel des Lehrens

Wir haben kürzlich all den Nationalen Geistigen Räten, die mit der Massengewinnung zu tun haben, die beigefügten Auszüge¹ aus den Schriften von Bahá'u'lláh und `Abdu'l-Bahá sowie aus Briefen von Shoghi Effendi übersandt. Wir sind der Ansicht, daß sie auch für alle anderen Nationalen Geistigen Räte sehr hilfreich sein werden.

¹ abgedruckt in Wellspring of Guidance, Wilmette 1969, S. 125-129

Das überragende Ziel der Lehrarbeit zur jetzigen Zeit ist, die Botschaft Bahá'u'lláhs in jede Schicht der menschlichen Gesellschaft und in alle Lebenskreise hineinzutragen. Oft kommt eine begierige Antwort auf die Lehren aus ganz unerwarteter Richtung, und jeder Widerhall dieser Art sollte rasch aufgegriffen werden, denn der Erfolg auf fruchtbarem Boden erregt das Interesse derer, die zunächst achtlos blieben.

Nicht jeder wird mit der gleichen Art der Darbietung anzusprechen sein; die Methode der Einführung und Erläuterung muß sich vielmehr nach den Anschauungen und Interessen des Hörers richten. Wenn die Einführung so angelegt ist, daß sie jedermann ansprechen soll, wird sie in der Regel das Mittelfeld anziehen, während die beiden Extreme unberührt bleiben. Keine Mühe darf gescheut werden, um sicherzustellen, daß das heilende Wort Gottes die Reichen und die Armen erreicht, die Gebildeten und die Analphabeten, die Alten und die Jungen, den Frommen und den Gottesleugner, den Bewohner entlegener Bergregionen und Inseln, den Einwohner brodelnder Städte, den Geschäftsmann im Vorortbereich, den Arbeiter in den Elendsquartieren, den Angehörigen eines Nomadenvolkes, den Bauern, den Universitätsstudenten - alle müssen gewissenhaft in die Lehrpläne der Bahá'í-Gemeinde einbezogen werden.

Obgleich Pläne sorgfältig ausgearbeitet und alle erforderlichen Maßnahmen zur Förderung dieser Arbeit ergriffen werden müssen, sollte Ihr Rat nie zulassen, daß solche Pläne die leuchtende Wahrheit überschatten, die in den beigefügten Zitaten niedergelegt ist: daß es die Reinheit des Herzens, die Loslösung, Aufrichtigkeit, Hingabe und Liebe des Lehrers sind, die göttliche Bestätigungen anziehen und ihn - mag er noch so unkundig in den Wissenschaften dieser Welt sein - befähigen, die Herzen seiner Mitmenschen für die Sache Gottes zu gewinnen.





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12. November 1967 - Erste Ozeanische Konferenz in Palermo

(Bei) Gelegenheit (des) einhundertfünfzigsten Geburtstages (der) Gesegneten Schönheit betrachten wir mit Herzen (voll) überfließender Dankbarkeit (die) unschätzbaren Gnadengaben, (die uns) Gott durch Seine Höchste Manifestation zuteil werden ließ (zur) Sicherstellung (der) Erfüllung (des) glorreichen lang verheißenen Königreiches, (das sich) nun (im) Mutterleib (eines in) Wehen (befindlichen) Zeitalters entwickelt (und) bestimmt (ist), (der) Menschheit Frieden (und) ungeahntes Glück (zu) bescheren. Geben (die) Einberufung (der) ersten Ozeanischen Konferenz (der) Bahá'í-Welt (vom) dreiundzwanzigsten bis fünfundzwanzigsten August 1968 (in) Palermo/Sizilien bekannt (im) Herzen (des) Meeres, (das von) Gottes Manifestation (vor einem) Jahrhundert überquert (wurde) vor (Seiner) Einkerkerung (im) Größten Gefängnis. Zweifacher Zweck (der) Konferenz (ist), (die) folgenschwere Erfüllung (der) uralten Verheißungen (des) Triumphes (von) Gottes Boten über jedes schwere Unheil (zu) bedenken und Pläne (zur) Verbreitung (der) Sache (auf den) Inseln (des) Mittelmeeres (sowie in dessen) angrenzenden Ländern (zu) beraten. (Die) Teilnehmer (sind) sofort nach (der) Konferenz (ins) Heilige Land eingeladen, (um der) Gedenkfeier (der) Ankunft (des) Herrn (der) Heerscharen (an) diesen Heiligen Ufern beizuwohnen (und) sich (an der) Schwelle Seines Schreines erneut (der) Durchführung (der vor uns) liegenden glorreichen Aufgaben (zu) verschreiben.





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8. Dezember 1967 - Die Beziehung der Bahá'í zur Politik

(Auszüge aus einem Brief an einen Gläubigen, der einige Fragen bezüglich der Beziehung der Bahá'í zu den derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Kräften stellte)

... Wir versuchen gern, einige der Fragen zu klären, die Ihnen bei den Beziehungen der Bahá'í zur Politik problematisch vorkommen. Es handelt sich hier um eine besonders bedeutsame Angelegenheit, gerade heutzutage, wo die allgemeine Weltlage so verworren ist. Eine unüberlegte Handlung oder Äußerung eines Bahá'í in irgendeinem Land könnte dort oder anderswo zu schweren Rückschlägen für den Glauben, ja zum Verlust von Menschenleben unter den Mitgläubigen führen.

Insgesamt sollte die Haltung eines Bahá'í gegenüber den Problemen, den Leiden und der Verwirrung seiner Mitmenschen im Lichte der Zielsetzung Gottes für die Menschheit unserer Zeit und der Abläufe, die Er zur Erreichung dieser Ziele in Gang gesetzt hat, gesehen werden.

Als Bahá'u'lláh im 19. Jahrhundert Seine Botschaft an die Welt verkündete, machte Er zur Genüge klar, daß der erste, unumgängliche Schritt auf dem Weg zu Frieden und Fortschritt der Menschheit ihre Vereinigung sei. »Die Wohlfahrt der Menschheit«, sagte Er, »ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn nicht und bevor nicht ihre Einheit fest begründet ist.« (WOB S.296)

Bis auf den heutigen Tag können Sie jedoch feststellen, daß die meisten Menschen einen entgegengesetzten Standpunkt einnehmen: Sie halten die Einheit für ein letztes, fast unerreichbares Ziel und konzentrieren sich darauf, zunächst alle anderen Leiden der Menschheit zu heilen. Wenn sie nur wüßten, daß alle diese anderen Leiden nur verschiedenartige Symptome und Nebenwirkungen der grundlegenden Krankheit - der Uneinigkeit - sind!

Bahá'u'lláh hat darüberhinaus erklärt, daß die Wiederbelebung der Menschheit und die Heilung aller ihrer Gebrechen nur durch das Mittel Seines Glaubens erreicht werden kann. »Die Lebenskraft des Glaubens der Menschen an Gott stirbt aus in allen Landen. Nur Seine heilende Arznei kann sie jemals wiederherstellen. Der Rost der Gottlosigkeit frißt sich in das Triebwerk der menschlichen Gesellschaft. Was außer dem Heiltrank Seiner machtvollen Offenbarung kann sie reinigen und neu beleben?« (ÄL Kap.99)

»Was der Herr als höchstes Mittel und mächtigstes Werkzeug für die Heilung der ganzen Welt verordnet hat, ist die Vereinigung aller ihrer Völker in einer allumfassenden Sache, einem gemeinsamen Glauben. Dies kann nicht anders erreicht werden als durch die Macht eines befähigten, allgewaltigen und erleuchteten Arztes. Wahrlich, dies ist die Wahrheit, und alles andere ist nichts als Irrtum.« (ÄL Kap.120)

Die Unfähigkeit der Staatskunst

Ähnlich schrieb der geliebte Hüter: »Ob wir die Menschheit im Lichte der persönlichen Lebensführung oder der Beziehungen zwischen den organisierten Gemeinschaften und Nationen betrachten, sie ist leider zu weit abgeirrt, hat einen zu tiefen Niedergang erlitten, als daß sie allein durch die unbeholfenen Anstrengungen selbst der besten unter ihren anerkannten Herrschern und Staatsmännern - wie uneigennützig ihre Beweggründe, wie wohlabgestimmt ihr Handeln, wie rückhaltlos ihr Eifer und ihre Hingabe an ihre Sache auch seien - erlöst werden könnte. Kein Plan, den die Berechnungen höchster Staatskunst noch ersännen, kein Lehrgebäude, das die hervorragendsten Vertreter der Wirtschaftstheorie noch errichteten, kein Grundsatz, den der glühendste Moralist noch aufimpfen wollte, können letzten Endes ausreichende Grundlagen bieten, auf die die Zukunft einer verwirrten Welt gebaut werden kann.« (WOB S.56)

»Kein Aufruf zu gegenseitiger Duldsamkeit, den die Weltweisen erheben, wie zwingend und nachdrücklich er auch sein mag, kann die Leidenschaften dieser Welt beruhigen oder ihr helfen, ihre Lebenskraft zurückzugewinnen. Auch hat kein rein organisatorischer Gesamtplan internationaler Zusammenarbeit, auf welchem Gebiet menschlichen Wirkens er sich immer bewegt, wie geistreich er erdacht und wie umfassend er auch aufgefaßt wird, den gewünschten Erfolg, wenn es darum geht, die Grundursache des Übels zu beseitigen, das die heutige Gesellschaft so hart aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Ja, ich wage zu behaupten, daß nicht einmal das Ersinnen eines Ordnungsgefüges, wie es für die politische und wirtschaftliche Vereinigung der Menschheit erforderlich ist - eine Grundforderung, die in letzter Zeit immer stärker vertreten wird - , daß nicht einmal dieser Vorgang aus sich selbst heraus das Heilmittel gegen das Gift bieten könnte, welches ständig die Kraftreserven der entwickelten Völker und Nationen auszehrt. Was sonst, so können wir getrost fragen, als die vorbehaltlose Annahme des göttlichen Programms, das Bahá'u'lláh vor bereits sechzig Jahren (um 1870) mit solcher Macht und Schlichtheit verkündet hat, eines Programms, das in seinen Wesenszügen Gottes Plan für die Vereinigung der Menschheit in diesem Zeitalter zum Ausdruck bringt, kann in Verbindung mit der unüberwindlichen Gewißheit der sicheren Wirkung aller seiner Vorkehrungen schließlich den Kräften innerer Auflösung widerstehen, die sich, wenn ihnen kein Einhalt geboten wird, immer tiefer in das Mark einer verzweifelten Gesellschaft hineinfressen?« (WOB S.56f)

Zwei große Prozesse laufen ab

Shoghi Effendi erklärt uns, daß zwei große Prozesse in der Welt ablaufen: zum einen der große Plan Gottes, der sich, stürmisch voranschreitend, durch die Menschheit als Ganzes verwirklicht, die Barrieren gegen die Welteinheit niederreißt und die menschliche Gesellschaft im Feuer des Leides und der Erfahrung zu einem geeinten Organismus schmiedet. Dieser Prozeß wird in der von Gott bestimmten Zeit den Geringeren Frieden, die politische Vereinigung der Welt, herbeiführen. Die Menschheit zu diesem Zeitpunkt ist einem geeinten, aber leblosen Organismus vergleichbar. Der zweite Vorgang, der diesem geeinten Organismus Leben einhaucht, wahre Einheit und Geistigkeit schafft und im Größten Frieden seinen Höhepunkt erreicht, ist die Aufgabe der Bahá'í, die sich mit genauen Weisungen und unter fortgesetzter göttlicher Führung bewußt bemühen, die Strukturen des Reiches Gottes auf Erden zu errichten, ihre Mitmenschen dazu aufzurufen und ihnen auf diese Weise ewiges Leben zu verleihen.

Der Ablauf des Größeren Planes Gottes vollzieht sich auf geheimnisvollen Wegen, die Er allein zu führen weiß; aber der Kleinere Plan, den Er uns als unsere Rolle in seinem großen Programm für die Erlösung der Menschheit zur Ausführung anvertraut hat, ist klar umschrieben. Dieser Arbeit müssen wir unsere ganze Energie widmen; denn es gibt sonst niemanden, der sie für uns tut. So lebensnotwendig ist diese Aufgabe der Bahá'í, daß Bahá'u'lláh schrieb: »O Freunde! Vernachlässigt die Tugenden nicht, die euch verliehen wurden, noch versäumt eure hohe Bestimmung. Laßt eure Mühe nicht an den leeren Einbildungen scheitern, die manche Herzen ersonnen haben. Ihr seid die Sterne am Himmel des Verstehens, der frische Wind, der bei Tagesanbruch weht, das ruhigfließende Wasser, von dem das wahre Leben aller Menschen abhängt, die Buchstaben auf Seiner heiligen Schriftrolle. Bemüht euch in inniger Eintracht und im Geiste vollkommener Verbundenheit, daß ihr fähig werdet, das zu vollbringen, was diesem Tage Gottes gemäß ist.« (ÄL Kap.96)

Die allerwichtigsten Aufgaben

Weil die Liebe zu den Mitmenschen und der Schmerz über ihre traurige Lage zum Lebensinhalt jedes wahren Bahá'í gehören, drängt es uns fortgesetzt zu tun, was wir nur können, um ihnen zu helfen. Es ist äußerst wichtig, daß wir uns so verhalten, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet; denn unsere Taten müssen dasselbe zum Ausdruck bringen, was unsere Worte besagen. Aber dieses Mitleid für unseren Nächsten darf uns nicht dazu verleiten, unsere Energien in Wege zu lenken, die zu nichts führen und uns die wichtigste und grundlegendste Arbeit vernachlässigen lassen. Es gibt Hunderttausende von Wohltätern der Menschheit, die ihr Leben ganz für Hilfswerke und karitative Zwecke einsetzen, aber es gibt erbärmlich wenige, die jene Arbeit tun, die Gott vor allem anderen getan haben will: die geistige Erweckung und Wiederbelebung der Menschheit.

Oft ist es unser fehlgeleitetes Empfinden, wir könnten unseren Mitmenschen durch irgendwelche Tätigkeiten außerhalb unserer Glaubensgemeinschaft besser helfen, das uns Bahá'í dazu verführt, der Politik nachzugehen. Dies ist eine gefährliche Selbsttäuschung, wie es Shoghi Effendi durch seinen Sekretär zum Ausdruck brachte: »Wir Bahá'í müssen uns mit der Tatsache abfinden, daß sich die Gesellschaft so rasch zersetzt, daß Moralbegriffe, die noch vor einem halben Jahrhundert klar dastanden, heute hoffnungslos verwirrt und, was noch schlimmer ist, mit widerstreitenden politischen Interessen völlig vermengt sind. Deshalb müssen die Bahá'í ihre ganze Kraft in die Kanäle des Aufbaus der Bahá'í-Gemeinschaft und ihrer Verwaltungsordnung lenken. Auf keine andere Weise können sie die Welt gegenwärtig verändern oder ihr helfen. Wenn sie sich in die Streitfragen einmischen, in denen sich die Regierungen der Welt bekämpfen, sind sie verloren; aber wenn sie das Bahá'í-Modell aufbauen, können sie es als ein Heilmittel darreichen, wenn alles andere versagt hat.« (Bahá'í News/USA, Nr.241, März 1951, p.14)

»... Wir müssen unser Bahá'í-System aufbauen und den unvollkommenen Systemen dieser Welt ihren Lauf lassen. Wir können sie nicht ändern, indem wir uns hineinverwickeln; ganz im Gegenteil, sie würden uns vernichten.« (Bahá'í News/USA, Nr.215, Januar 1949, p.1)

Weitere und ausführlichere Äußerungen des Hüters zum gleichen Thema finden sich in Principles of Bahá'í Administration 1963 p.24 und p.29-32. Sicherlich sind Ihnen diese Äußerungen schon bekannt.

Der Schlüssel zum wahren Verständnis dieser Grundsätze scheint uns in den folgenden Worten Bahá'u'lláhs zu liegen: »O Volk Gottes! Befaßt euch nicht rastlos mit eueren eigenen Belangen! Laßt euere Gedanken fest auf das gerichtet sein, was das Glück der Menschheit wiederherstellen und der Menschen Herzen und Seelen heiligen wird. Am besten kann dies durch reine und heilige Taten, durch ein Leben der Tugend und durch edles Betragen vollbracht werden. Mutiges Handeln wird den Sieg dieser Sache sichern, und eine geheiligte Wesensart wird ihre Macht stärken. Halte dich an die Rechtschaffenheit, o Volk Bahás! Dies, wahrlich, ist das Gebot, das euch dieser Unterdrückte gegeben hat, und die erlesene Wahl Seines unumschränkten Willens für jeden von euch.« (ÄL Kap.43)





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22. April 1968 - Neugewähltes Universales Haus der Gerechtigkeit

Geben der Bahá'í-Welt die neugewählten Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit bekannt: Amoz Gibson, Alí Nakhjavání, Hushmand Fat.h-i-A`.zam, Ian Semple, Charles Wolcott, David Hofman, H. Borrah Kavelin, Hugh Chance, David Ruhe.





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9. Mai 1968 - Botschaft an die Nationaltagungen 1968

In freudigem Gedenken des hingebungsvollen Geistes (und der) reifen Beratungen (bei der) Zweiten Internationalen Tagung preisen (wir die) günstige Gelegenheit, (die) Gläubigen (bei der) Nationaltagung, kurz vor (dem) herausfordernden Scheitelpunkt (des) Neunjahresplanes, anzuspornen, alle Bemühungen (auf die) Erreichung jedes (noch) verbleibenden Zieles (zu) richten und gleichzeitig (die) weltweite Verkündigung (der) göttlichen Botschaft auszudehnen (und zu) beschleunigen. Rufen alle Bahá'í in äußerster Liebe zum opferbereiten Einsatz (aller) Energien (und) Hilfsquellen (für den) Fortschritt (der) erlösenden Ordnung Bahá'u'lláhs auf, (dem) einzigen Zufluchtsort (für die) irregeleiteten (und) achtlosen Millionen. (Das) Weltzentrum (des) Glaubens (ist) Schauplatz anhaltender Beratungen (im) Geiste (des) Gebetes mit versammelten Händen (der) Sache (über) Planziele einschließlich grundlegender Frage (der) Entwicklung (der) Institution (der) Hände hinsichtlich (der) Verlängerung (ihrer) göttlich verordneten Aufgaben (des) Schutzes (und der) Verbreitung (in die) Zukunft. Flehen ständig (an) Heiligen Schreinen (zum) Herrn (der) Heerscharen, (Er möge die) hingebungsvollen glühend Liebenden reich belohnen (mit einem) vollständigen glorreichen Sieg.





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21. Juni 1968 - Errichtung Kontinentaler Beraterämter

Erfreut, wichtige Entscheidung (über die) Errichtung (von) elf Kontinentalen Beraterämtern (zum) Schutz (und zur) Verbreitung (des) Glaubens bekanntzugeben, (und zwar) jeweils drei für Afrika, Amerika (und) Asien (sowie) jeweils eines für Australasien (und) Europa. Dieser bedeutsame Schritt nach Beratung mit (den) Händen (der) Sache Gottes sichert (die) künftige Fortführung (der) ihrer Institution zugeteilten Aufgaben. (Den) Kontinentalen Ämtern (ist) in enger Zusammenarbeit (mit den) Händen (der) Sache (die) Verantwortung (für die) Leitung (der) Hilfsämter (und) Beratung (mit den) Nationalen Geistigen Räten anvertraut. (Die) Hände (der) Sache Gottes werden künftig (ihre) interkontinentalen Dienste ausdehnen (durch die) Übernahme (der) weltweiten Rolle (des) Schutzes (und der) Verbreitung (des) Glaubens. (Die) Mitglieder (des) Hilfsamtes werden (den) Kontinentalen Beraterämtern berichten (und) verantwortlich sein. (Die) Hände (der) Sache im Heiligen Land werden zusätzlich zu (ihrem) Verbindungsdienst zwischen Universalem Haus (der) Gerechtigkeit und Kontinentalen Beraterämtern (bei der) zukünftigen Errichtung (eines) Internationalen Lehrzentrums (im) Heiligen Land mitwirken, (das in den) Schriften (des) geliebten Hüters vorangekündigt ist. Einzelheiten (der) neuen Entwicklung werden brieflich mitgeteilt. Erflehen inständig göttliche Bestätigungen (für) weiteren Schritt (in der) unaufhaltsamen Entfaltung (der) mächtigen Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs.





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24. Juni 1968 - Erläuterungen zum Telegramm über die Errichtung der Kontinentalen Beraterämter

Die majestätische Entfaltung des welterlösenden administrativen Systems von Bahá'u'lláh ist gekennzeichnet durch die aufeinanderfolgende Errichtung der verschiedenen Institutionen und Organe, die das Rahmenwerk dieser göttlich geschaffenen Ordnung darstellen. So wurde mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Erscheinen der ersten Nationalen Geistigen Räte der Bahá'í-Welt die Institution der Hände der Sache Gottes formell geschaffen, indem der geliebte Hüter in Übereinstimmung mit den Verordnungen aus Wille und Testament von `Abdu'l-Bahá, das erste Kontingent dieser hochgestellten Amtsträger des Glaubens ernannte. Nach dem Hinscheiden des Hüters der Sache Gottes fiel es dem Haus der Gerechtigkeit zu, einen Weg innerhalb der Verwaltungsordnung zu finden, um »die Institution der Hände der Sache im Hinblick auf die Verlängerung der ihr zugeteilten Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung in die Zukunft hinein« zu entwickeln. Dies wurde eines der Ziele des Neunjahresplanes. In den vergangenen vier Jahren wurde dieser Frage sehr viel Nachdenken und ein eingehendes Studium gewidmet, und die Texte wurden gesammelt und durchgesehen. Während der letzten zwei Monate war dieses Ziel, wie schon in unserem Telegramm an die Nationaltagungen bekanntgegeben, Gegenstand anhaltender Beratungen im Geiste des Gebetes zwischen dem Universalen Haus der Gerechtigkeit und den Händen der Sache Gottes. Durch all dies wurde der Rahmen klar erkennbar, in dem dieses Ziel zu erreichen war. Es ergab sich folgendes:

Das Universale Haus der Gerechtigkeit sieht keinen Weg, auf dem weitere Hände der Sache Gottes ernannt werden könnten.

Die Abwesenheit des Hüters des Glaubens brachte eine völlig neue Beziehung zwischen dem Universalen Haus der Gerechtigkeit und den Händen der Sache Gottes mit sich und forderte vom Universalen Haus der Gerechtigkeit die allmähliche Entfaltung der Art und Weise, in welcher die Hände der Sache ihre göttlich verfügten Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung ausführen konnten.

Wie auch immer eine neue Entwicklung oder neu zu schaffende Institution auszusehen hatte, sollte sie jedenfalls möglichst bald wirksam werden, um die Arbeit der Hände der Sache zu verstärken und zu ergänzen und um gleichzeitig die Gelegenheit voll nutzen zu können, daß wir die Hände selbst noch zur Verfügung haben, um bei der Einleitung und Steuerung der neuen Verfahrensweisen zu helfen.

Die neue Institution - wie immer sie beschaffen sein mag - muß im Einklang mit den Grundsätzen wachsen und wirken, die auch das Wirken der Institution der Hände der Sache Gottes leiten.

Im Lichte dieser Überlegungen beschloß das Universale Haus der Gerechtigkeit, wie vor kurzem telegrafisch bekanntgegeben, die Errichtung von Kontinentalen Beraterämtern für den Schutz und die Verbreitung des Glaubens. Zu ihren Pflichten werden die Leitung der Hilfsämter in ihren jeweiligen Gebieten, die Beratung und Zusammenarbeit mit Nationalen Geistigen Räten und die Unterrichtung der Hände der Sache sowie des Universalen Hauses der Gerechtigkeit über die Lage des Glaubens in ihren Gebieten gehören.

Zunächst wurden elf Beraterämter ernannt, je eines für die folgenden Gebiete: Nordwestafrika, Zentral- und Ostafrika, Südafrika, Nordamerika, Zentralamerika, Südamerika, Westasien, Südostasien, Nordostasien, Australasien und Europa.

Die Mitglieder dieser Beraterämter werden für eine Amtsperiode oder Perioden dienen, deren Zeitdauer noch festgelegt und zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben wird. Während sie in dieser Eigenschaft tätig sind, stehen sie nicht für die Wahl in nationale oder örtliche Verwaltungsinstitutionen zur Verfügung. Ein Mitglied jedes Kontinentalen Berateramtes wurde als Treuhänder für den Kontinentalfonds in seinem Gebiet eingesetzt.

Die Hilfsämter für den Schutz und die Verbreitung werden künftighin den Kontinentalen Beraterämtern Bericht erstatten, welche die Mitglieder der Hilfsämter ernennen oder ersetzen, wie es die Umstände erforderlich machen. In der Anfangsphase werden diese Ernennungen oder Ersetzungen, wo sie notwendig werden, nach Beratung mit der Hand oder den Händen erfolgen, die bisher für den betreffenden Kontinent oder die Zone zuständig waren.

Die Hände der Sache Gottes haben das Vorrecht und die Verpflichtung, mit den Kontinentalen Beraterämtern und Nationalen Geistigen Räten jede Angelegenheit zu beraten, die nach ihrer Ansicht das Interesse des Glaubens berührt. Die Hände im Heiligen Land werden als Bindeglied zwischen dem Universalen Haus der Gerechtigkeit und den Kontinentalen Beraterämtern tätig sein und darüber hinaus das Universale Haus der Gerechtigkeit dabei unterstützen, zu gegebenem Zeitpunkt ein Internationales Lehrzentrum im Heiligen Land aufzubauen, wie es in den Schriften des Hüters vorhergesehen ist.

Die Hände der Sache Gottes sind eines der kostbarsten Güter, welche die Bahá'í-Welt besitzt. Nachdem sie jetzt von der Betreuung der Hilfsämter befreit sind, werden sie ihre Kräfte auf das vorrangige Erfordernis des allgemeinen Schutzes und der Verbreitung konzentrieren können und auf die »Erhaltung der geistigen Gesundheit der Bahá'í-Gemeinden« und die »Lebenskraft des Glaubens« der Bahá'í in der ganzen Welt. Das Haus der Gerechtigkeit wird sich an sie wenden, um Sonderaufgaben in seinem Namen durchzuführen, bei Bahá'í-Anlässen und anderen Gelegenheiten als seine Vertreter aufzutreten und um es über das Wohlergehen der Sache auf dem laufenden zu halten. Während die Hände der Sache sich natürlich vorwiegend um die Angelegenheiten des Glaubens in dem Gebiet kümmern, in dem sie ihren Wohnsitz haben, werden sie in zunehmendem Maße weltweittätig sein, und dies wird ungemein dazu beitragen, daß die geistige Inspiration, die durch sie - die Hauptsachwalter des keimhaften Weltgemeinwesens Bahá'u'lláhs - weitergeleitet wird, die ganze Bahá'í-Welt durchdringt.

Mit freudigem Herzen geben wir diese weitere Entfaltung der Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs bekannt und verbinden unsere Gebete mit denen der Freunde überall in Ost und West, daß Bahá'u'lláh fortfahren möge, Seine Bestätigungen auf die Bemühungen Seiner Diener zur Sicherung und Förderung Seines Glaubens herabströmen zu lassen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit gibt im folgenden die Namen derer bekannt, die in die ersten Kontinentalen Beraterämter berufen wurden.

Nordwestafrika: Husayn Ardikání (Rechner des Kontinental-Fonds), Mu.hammad Kebdani, William Maxwell.

Zentral- und Ostafrika: Oloro Epyeru, Kolonario Oule, Isobel Sabri, Mihdí Samandarí, `Azís Yazdí (Rechner des Kontinental-Fonds).

Südafrika: Seewoosumbur-Jeehoba Appa, Shidán Fath-i-A`zam (Rechner des Kontinental-Fonds), Bahíyyih Ford.

Nordamerika: Lloyd Gardiner, Florence Mayberry, Edna True (Rechner des Kontinental-Fonds).

Mittelamerika: Carmen de Burafato, Artemus Lamb, Alfred Osborne (Rechner des Kontinental-Fonds)

Südamerika: Athos Costas, Hooper Dunbar (Rechner des Kontinental-Fonds), Donald Witzel.

Westasien: Masí.h Farhangí, Mas`úd Khamsí, Hádí Ra.hmání (Rechner des Kontinental-Fonds), Manúchihr Salmánpúr, Sankaran-Nair Vasudevan.

Südostasien: Yan Kee Leong, Khudára.hm Paymán (Rechner des Kontinental-Fonds), Chellie Sundram.

Nordostasien: Rúhu'lláh Mumtází (Rechner des Kontinental-Fonds), Vicente Samaniego.

Australasien: Suhayl `Alá'í, Howard Harwood, Thelma Perks (Rechner des Kontinental-Fonds).

Europa: Erik Blumenthal, Dorothy Ferraby (Rechner des Kontinental-Fonds), Louis Hénuzet.





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9. Juli 1968 - Hinscheiden der Hand der Sache Hermann Grossmann

(Mit) tiefem Bedauern geben (wir das) Hinscheiden (der) Hand der Sache Hermann Grossmann bekannt. (Vom) geliebten Hüter überaus bewundert, beraubt sein schmerzlicher Verlust (die) Gemeinschaft (der) Hände der Sache (eines) hervorragenden Mitarbeiters und (die) Bahá'í-Weltgemeinde (eines) standhaften Fürsprechers (und) Förderers (des) Glaubens. Seine mutige Treue während (der) herausfordernden Jahre (der) Prüfungen (und) Verfolgungen (in) Deutschland (und seine) hervorragenden Dienste (in) Südamerika (sind in den) Annalen des Glaubens verewigt. (Wir) laden alle Nationalen Geistigen Räte ein, Gedenkversammlungen abzuhalten, (die) seines erhabenen Ranges (und seiner) beispielhaften Dienste würdig sind. (Wir) bitten diejenigen, (die die) Muttertempel betreuen, Gedenkandachten (vor einem) Auditorium auszurichten.





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12. August 1968 - Hinscheiden von Dr. Lutfu'lláh Hakím

Geben voll Trauer (das) Hinscheiden (von) Lu.tfu'lláh .Hakím, dem hingebungsvollen Diener (der) Sache Gottes, bekannt. (Die) Sondermissionen, (mit denen) er betraut wurde, (das) volle Vertrauen, (das der) Meister und (der) Hüter in ihn setzten, seine enge Verbindung zu frühen hervorragenden Gläubigen (in) Ost (und) West, darunter seine Zusammenarbeit (mit Dr.) Esslemont, seine Dienste (in) Persien, (auf den) Britischen Inseln (und im) Heiligen Land, seine Mitgliedschaft - durch Ernennung und Wahl - im Internationalen Bahá'í-Rat, seine Wahl (zum) Universalen Haus der Gerechtigkeit werden für immer (in den) unsterblichen Annalen (des) Glaubens Bahá'u'lláhs festgehalten sein. Teilen (den) Gläubigen mit, (daß) angemessene Gedenkversammlungen (in) allen Zentren abgehalten werden. Übermitteln allen seinen Familienmitgliedern (unser) liebevolles Mitgefühl (und) versichern (sie unserer) Gebete (für den) Fortschritt seiner strahlenden Seele (im) Abhá-Reich.

Angesichts von Dr. .Hakíms langem, hingebungsvollem Dienst für den Glauben werden die anderen Nationalen Geistigen Räte gebeten, Gedenkversammlungen abzuhalten. Besondere Gedenkandachten sollen in den vier Muttertempeln der Bahá'í-Welt stattfinden.





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August 1968 - Botschaft an die Palermo-Konferenz

Das Ereignis, dessen wir bei dieser ersten Ozeanischen Bahá'í-Konferenz gedenken, ist einzigartig. Weder der Auszug Abrahams von Ur in Chaldaea nach der Gegend von Aleppo, noch die Reise Mose zum Gelobten Land, noch die Flucht Marias und Josefs mit dem Jesuskind nach Ägypten und auch nicht die Hedschra Mu.hammads können den Vergleich aushalten mit der Reise, die Gottes Höchste Manifestation vor nunmehr einhundert Jahren zur See von Gallipoli nach dem Größten Gefängnis unternahm. Bahá'u'lláhs Reise war Ihm von den zwei Despoten aufgezwungen worden, die als Seine Hauptgegner den entschlossenen Versuch machten, Seine Sache ein für allemal auszurotten. Der Befehl zu Seiner vierten Verbannung kam, als die Flut Seiner prophetischen Äußerungen gewaltig wogte. Die Verkündigung Seiner Botschaft an die Menschheit hatte begonnen; die Sonne Seiner Erhabenheit hatte ihren Zenit erreicht, und aus der Hingabe Seiner Anhänger, der Wertschätzung der Bevölkerung sowie der Achtung seitens der Regierungsbeamten und der Vertreter fremder Mächte geht klar hervor, daß Seine hohe Stufe offenbar geworden war. Zu diesem Zeitpunkt erreichte Ihn der Befehl zu Seiner endgültigen Verbannung nach einem weit entfernten, finsteren und verpesteten Außenposten des untergehenden türkischen Weltreiches.

Bahá'u'lláh erkannte besser als Seine königlichen Verfolger das Ausmaß der Krise, in der Er sich befand, und alle die Möglichkeiten des Unheils, die sie barg. In einer Gefängniszelle eingeschlossen, ohne Zugang zu all denen, an die Er Seine Botschaft richten mußte, abgeschnitten von Seinen Anhängern mit Ausnahme einer Handvoll, die Ihn begleiten sollten, mit denen Er aber auch nicht zusammenkommen durfte - unter solchen Umständen war es nach irdischen Maßstäben klar, daß das Schiff Seiner Sache kentern, Seine Mission scheitern und sterben mußte.

Aber es war der Herr der Heerscharen, mit dem sie es zu tun hatten. In voller Kenntnis der Leiden, die vor Ihm lagen, war Sein einziger Gedanke, Seinen Anhängern Vertrauen und Kraft einzuflößen. Er richtete an sie sofort erhabene Sendschreiben mit der Versicherung, daß die Macht Seiner Sache alle Widerstände überwinden würde. »Sollten sie versuchen, ihr Licht auf dem Kontinent zu verbergen«, ist eine Seiner kraftvollen Äußerungen zu diesem Thema, »wird sie sicher ihr Haupt inmitten des Ozeans erheben und ihre Stimme mit der Verkündigung erschallen lassen: `Ich bin der Lebensspender der Welt!'« Alle Prüfungen, die Menschen auf Ihn häufen konnten, wurden vom Felsen Seines unwandelbaren Willens wie der Gischt des Meeres zurückgeworfen. Seine geduldige Hinnahme der Beleidigungen der Menschen, Seine Seelenstärke, Sein göttlicher Geist verwandelten die düsteren Klänge des Schreckens in einen Jubelchor des Triumphes. Auf dem Tiefpunkt Seines irdischen Schicksals erhob Er die Standarte des Sieges über der Gefängnisstadt und ergoß über die Menschheit den heilenden Balsam Seiner Gesetze und Gebote, die in Seinem Heiligsten Buche offenbart sind. »Bis in unsere Zeit«, so bemerkt `Abdu'l-Bahá, »hat sich etwas Derartiges noch nie begeben.«

Wenn wir über dieses ehrfurchtgebietende, überirdische Geschehen im Herzen nachdenken, gewinnen wir vielleicht ein klareres Verständnis unserer eigenen Zeit, einen vertrauensvolleren Ausblick auf ihr Entwicklungsziel und ein tieferes Verständnis der Rolle, die zu spielen wir aufgerufen sind. Daß die Menschheit ohne Hilfe durch die Offenbarung Gottes nicht imstande ist, die gewaltsame Erschütterung und Spaltung zu heilen, die den ganzen Erdball erfaßt hat, ist eine Wahrheit, die wiederholt in unseren Schriften bestätigt wird. Die alte Ordnung kann nicht wiederhergestellt werden; sie wird vor unseren Augen aufgerollt. Der sittliche Verfall und die Verwirrung, die die menschliche Gesellschaft heimsuchen, müssen ihren Lauf nehmen; wir können sie weder aufhalten noch abwenden.

Unsere Aufgabe ist es, die Ordnung Bahá'u'lláhs aufzubauen. Unbeirrt von den verzweifelten Notmaßnahmen derer, die alles daransetzen, mit politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder Bildungsprogrammen den Sturm zu stillen, der alles menschliche Leben aufwühlt, wollen wir zielbewußt und hingebungsvoll all unsere Kräfte konzentrieren, Sein göttliches System aufrichten und im Schutze Seiner uneinnehmbaren Feste, sicher vor den Pfeilen des Zweifels, Art und Weise des Bahá'í-Lebens demonstrieren. Jede Bahá'í-Gemeinde, wo immer sie besteht, ob groß oder klein, muß sich durch ihren stetigen, in sich ruhenden Geist der Sicherheit und des Glaubens auszeichnen, durch ihren hohen Maßstab für Geradheit und Rechtlichkeit, ihr völliges Freisein von Vorurteilen jeder Art, durch den Geist der Liebe unter ihren Mitgliedern und das festgefügte Geflecht ihres Gemeindelebens. Der ins Auge fallende Unterschied zwischen all diesem und der heutigen Gesellschaft wird notwendigerweise das Interesse der geistig aufgeschlosseneren Menschen erregen, und je mehr die Dunkelheit der Welt zunimmt, desto heller wird das Licht des Bahá'í-Lebens leuchten, bis sein Strahlen endlich die enttäuschten Massen anziehen muß und sie veranlaßt, den Hafen des Bündnisses von Bahá'u'lláh anzulaufen, der allein ihnen Frieden, Gerechtigkeit und ein geordnetes Leben bringen kann.

Das große Meer, in dem Sie jetzt auf einer der Hauptinseln versammelt sind - in dessen Hinterland und auf dessen Inseln die jüdische, die christliche und die islamische Kultur erblühten - , ist ein angemessener Schauplatz für die erste Ozeanische Bahá'í-Konferenz. Vor zwei Jahrtausenden haben die Jünger Christi in dieser Arena solche Taten des Heldentums und der Selbstaufopferung vollbracht, daß ihrer noch heute gedacht wird und sie für alle Zeiten in den Annalen Seiner Sache aufgezeichnet sind. Tausend Jahre später haben die Länder an den südlichen und westlichen Gestaden dieses Meeres die Herrlichkeit des Goldenen Zeitalters des Islám erblickt.

Am Tage des Verheißenen hat dieses Meer durch seine Verbindung mit dem Heroischen und Gestaltenden Zeitalter Seiner Sache ewigen Ruhm gewonnen. Auf seinen Wellen hat es den König der Herrlichkeit selbst getragen; der Mittelpunkt Seines Bündnisses überquerte es mehrmals im Verlauf Seiner epochemachenden Reisen nach dem Westen, bei denen Er durch Seine Anwesenheit in europäischen und afrikanischen Ländern unauslöschliche Spuren hinterließ; das Zeichen Gottes auf Erden reiste häufig auf ihm. In seinen Tiefen ruhen die sterblichen Überreste der Hand der Sache Gottes Dorothy Baker, und ringsum auf seinen Ufern liegt der Staub der Apostel, Märtyrer und Pioniere. Sechsundvierzig Ritter Bahá'u'lláhs sind mit sieben Inseln und fünf Randgebieten dieses Meeres verbunden. Durch solche und andere Ereignisse wurden die Mittelmeerländer - von alters her die Heimat der Kulturen - mit einer geistigen Wirkkraft ausgestattet, mit der sie die Erstarrung jener einst großartigen, aber nun dem Untergang geweihten sozialen Ordnungen lösen und erneut das Licht göttlicher Führung ausstrahlen können.

Durch hingebungsvolle, heldenhafte, opferbereite Taten wurde während der Amtszeit des geliebten Hüters der Glaube Bahá'u'lláhs in diesem Gebiet fest errichtet. Acht Säulen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wurden aufgestellt, die Vorhut einer noch größeren Anzahl, die jetzt und im Verlauf zukünftiger Pläne erstehen muß und, wie von Shoghi Effendi vorhergesehen, auch Nationale Geistige Räte auf den Hauptinseln dieses historischen Meeres umfassen wird.

Die zeitliche Festlegung solcher erregenden Entwicklungen hängt vom Ausgang des Neunjahresplanes ab. Am Scheitelpunkt dieses Planes, an dem wir uns jetzt befinden, sind zwar schon große Strecken zurückgelegt worden, aber mehr als die Hälfte der Ziele muß noch gewonnen werden. Die größte Lücke klafft bei der Eröffnung neuer Zentren, an denen Bahá'í leben, und bei der Bildung von örtlichen Geistigen Räten, die wiederum unvermeidliche Auswirkungen auf die Errichtung Nationaler Geistiger Räte hat. Eine gewaltige Steigerung des Lehrens - wirkungsvollen Lehrens - ist notwendig, um den Rückstand aufzuholen. Pioniere werden benötigt, Lehrer müssen auf Reisen gehen, finanzielle Mittel müssen zur Verfügung stehen. Wir hoffen, daß bei dieser Konferenz durch Ihre Begeisterung, Ihre Gebete und Ihren Geist der Hingabe eine große geistige Antriebskraft entsteht, durch die die gewaltige Schwungkraft weiter verstärkt wird, die während der nächsten vier Jahre in fortgesetzter, stetiger Steigerung die Gemeinde des Größten Namens zum überwältigenden Sieg im Jahr 1973 hintragen muß.

Liebe Freunde, in wenigen Tagen wird die Jahrhundertfeier der Ankunft Bahá'u'lláhs im Heiligen Land stattfinden. Die Herzen und Gedanken der gesamten Bahá'í-Welt werden sich zum Heiligsten Schrein wenden, wo diejenigen, welche das Vorrecht haben, dieser Gedächtnisfeier beizuwohnen, den heiligen Ort umschreiten und ihre Gebete zum Herrn des Zeitalters emporsteigen lassen. Mögen sie ihrer Mitgläubigen zu Hause gedenken und aus der Tiefe ihrer Seele für die Freunde Gottes überall solche Segensströme und Gnadengaben erflehen, daß sie sich wie ein Mann erheben und ihre Liebe für Ihn, der für sie gelitten hat, durch solche Taten des Opfers und der Hingabe beweisen, daß sie alle Taten der Vergangenheit überstrahlen und jedes Hindernis auf dem Vormarsch der Sache Gottes hinwegfegen.





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14. August 1968 - Vertiefung der neuen Gläubigen vorrangig

Größten Vorrang hat die Pflicht, das geistige Leben Ihrer neugewonnenen Mitstreiter zu vertiefen; denn das Geschick der ganzen Gemeinde hängt vom einzelnen Gläubigen ab. Ohne die uneingeschränkte Unterstützung jedes einzelnen Freundes sind alle Unternehmungen zum Scheitern verurteilt, auch wenn sie noch so gut geplant waren. Die einzelnen Gläubigen sind es, die die unter so großen Opfern errichteten Geistigen Räte und Zentren aufrechterhalten müssen. Sie müssen, vom Feuer der Liebe Bahá'u'lláhs entflammt, voranschreiten und das Fundament administrativer Tätigkeit weiter vergrößern, indem sie neue Räte bilden und das Banner Bahá'u'lláhs an neuen Orten aufpflanzen; sie müssen auf den Ruf antworten und sich erheben, in die entlegenen Außenposten des Glaubens reisen und die Grenzen weiter hinausschieben, und sie müssen dank Ihrer weisen, liebevollen Anleitung Ihre Mitstreiter werden in der Erfüllung Ihrer gottgegebenen Sendung.





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4. September 1968 - Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Tará.zu'lláh Samandarí

Mit kummervollem Herzen verkünden (wir das) Hinscheiden (der) Hand (der) Sache Gottes, (des) Schutzschilds Seines Glaubens, (unseres) innigst geliebten .Tará.zu'lláh Samandarí (im) dreiundneunzigsten Jahr seines Lebens am Tag nach der Hundertjahrfeier (der) Ankunft Bahá'u'lláhs (im) Heiligen Land. Treu bis zum letzten Atemzug (den) Anweisungen seines Herrn, seines Meisters (und) seines Hüters, setzte er (seinen) selbstlosen, ergebenen Dienst unvermindert fort, bis er während (einer) kürzlichen Lehrreise erkrankte. Ohne Rücksicht (auf die) Erkrankung reiste er (ins) Heilige Land, (um an der) Hundertjahrfeier teilzunehmen. Immer (im) Gedächtnis (und im) Herzen (der) Gläubigen (in) Ost (und) West, deren Länder er mit (der) Botschaft seines Herrn bereiste, deren Gemeinden er in Treue diente, wird dieser kostbare Zeuge (des) Heroischen Zeitalters, der (die) Gegenwart (der) Gesegneten Schönheit (im) Jahr Seines Hinscheidens erreichte, jetzt (am) Fuß (des) Berges Gottes (zur) Ruhe gelegt unter (einem) Andrang (von) Gläubigen, (die sich in der) Nähe (der) Stelle versammelt (haben, wo) Bahá'u'lláh erstmals dieses gesegnete Ufer betrat. Bitten alle Nationalen Räte, Gedenkandachten abzuhalten, auch (in den) vier Muttertempeln (der) Bahá'í-Welt, angemessen (dem) lebenslangen, hingebungsvollen, beispielhaften Dienst (für den) Herrn der Heerscharen durch einen Mann, (dem vom) Mittelpunkt des Bündnisses (ein) liebevolles Willkommen (in der) Gegenwart Bahá'u'lláhs (im) Abhá-Reich zugesichert wurde. Übermitteln (den) Mitgliedern seiner hervorragenden Familie (unser) liebevolles Mitgefühl (und) versichern (sie unserer) Gebete.





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8. September 1968 - Ergebnisse der Palermo-Konferenz

Zum Abschluß der ruhmreichen Konferenz in Palermo erlebten wir das Aufflammen tatkräftiger Begeisterung von entschlossenen und ergebenen Gläubigen, die sich verbürgt haben, ihren Teil zur Erreichung der verbleibenden Ziele des Neunjahresplanes beizutragen. Es wurden über hundertfünfundzwanzig Pionierangebote und über hundert Angebote von Reiselehrern gemacht. Darüber hinaus hat es einen großen Spendenfluß zur materiellen Unterstützung der Lehrprojekte gegeben. Hätte die gesamte Bahá'í-Welt an der Mittelmeerkonferenz teilnehmen können, dann würden zweifellos alle Ziele schnell erreicht.

Im Gedanken daran möchten wir den Freunden, die die Konferenz nicht besuchen konnten und die sicherlich durch Berichte und durch den persönlichen Kontakt mit Konferenzteilnehmern die dort geweckte Begeisterung spüren werden, deutlich zum Bewußtsein bringen, daß alle Gläubigen das Vorrecht des Pionierens, der Mitwirkung am Reiselehrprogramm und der Beteiligung an den Spenden für den Fonds haben.

Bei der Konferenz haben wir bekanntgegeben, daß der Internationale Hilfsfonds, der bisher der Unterstützung von Pionieren und Reiselehrern im internationalen Bereich diente, von jetzt an auch für derartige Projekte auf nationaler Ebene in Gebieten bereitsteht, wo die Ziele des Neunjahresplanes nur mit solcher Unterstützung zu erreichen sind. Es beschäftigt uns, daß jetzt, kurz vor der Halbzeit des Planes, immer noch 6 997 örtliche Geistige Räte (76 % des Zieles) gebildet und über 22 800 neue Zentren (59 % des Zieles) erschlossen werden müssen. Es liegt auf der Hand, daß noch viele Hunderte von Pionieren und Reiselehrern benötigt werden, viele davon im eigenen Land.

Wer nicht pionieren oder als Reiselehrer arbeiten kann, wird sich durch Beiträge zum Internationalen Hilfsfonds beteiligen wollen. Bahá'u'lláh hat uns eingeschärft: »Sammelt euere Kräfte für die Verbreitung des Glaubens Gottes. Wer immer einer so hohen Berufung würdig ist, der mache sich auf, den Glauben zu fördern. Wer dies nicht vermag, hat die Pflicht, jemanden zu bestimmen, der statt seiner diese Offenbarung verkündet. ...« (ÄL 96/3) Mögen die Bahá'í der Welt sich im wahren Geist universeller Teilnahme vereinen und alle Siege erringen, solange es noch Zeit ist. Möge jeder seine Verantwortung im vollen Maße wahrnehmen, damit alle am Ende des Planes an den Lorbeeren teilhaben.

Wir beten inbrünstig, daß dieser einhundertste Jahrestag der letzten Verbannung Bahá'u'lláhs einen bedeutsamen Wendepunkt in den Geschicken des Neunjahresplanes darstellen möge.





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9. Oktober 1968 - An die Bahá'í-Jugend der Welt

In den letzten zwei Jahren, seit wir zuletzt die Jugend der Bahá'í-Welt ansprachen, sind viele bemerkenswerte Fortschritte im Schicksal des Glaubens erzielt worden. Nicht der geringste ist, daß sich eine wachsende Zahl junger Männer und Frauen unter das Banner Bahá'u'lláhs stellte, bestrebt, Seiner Sache zu dienen. Der Eifer, die Begeisterung, die Standhaftigkeit und die Hingabe der Jugend in jedem Land hat unseren Herzen große Freude und Zuversicht gebracht.

Während der letzten August- und der ersten Septembertage, als sich fast zweitausend Gläubige aus der ganzen Welt im Heiligen Land versammelt hatten, um die Hundertjahrfeier der Ankunft Bahá'u'lláhs an diesen heiligen Ufern zu begehen, hatten wir Gelegenheit, jene Eigenschaften guten Charakters, selbstlosen Dienens und entschlossener Tatkraft am Beispiel der Jugend, die als freiwillige Helfer dienten, aus erster Quelle zu beobachten, und wir möchten unseren Dank für ihre liebevolle Hilfe und für ihr Beispiel aussprechen.

Viele von ihnen erklärten sich als Pioniere bereit, aber eine schwierige Frage tauchte immer wieder auf: »Soll ich meine Ausbildung fortsetzen oder soll ich sofort pionieren?« Ohne Zweifel beschäftigt dieselbe Frage jeden jungen Bahá'í, der den Wunsch hegt, sein Leben der Förderung des Glaubens zu widmen. Doch gibt es keine allgemein gültige Antwort, die jeder Situation gerecht wird; der geliebte Hüter gab verschiedenen Personen unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Es ist klar, daß die Gegebenheiten in jedem einzelnen Fall anders sind. Jeder einzelne muß selbst entscheiden, wie er der Sache am besten dienen kann. Bei der Entscheidung wird es hilfreich sein, die nachfolgenden Gesichtspunkte zu beachten:

Wer sich als Bahá'í erklärt, wird oder sollte das ganze Leben dem Fortschritt der Sache Gottes widmen, und jede Begabung oder Fähigkeit, die er besitzt, dient letzten Endes diesem Hauptlebensziel. Inerhalb dieses Rahmens muß man unter anderem abwägen, ob man, wenn man jetzt seine Ausbildung fortsetzt, später mit größrerem Erfolg Pionier sein kann, oder ob andererseits der dringende Bedarf an Pionieren, solange das Lehren noch möglich ist, schwerer wiegt als der erwartete größere Erfolg. Dies ist keine einfache Entscheidung, weil häufig der Geist, der das Pionierangebot bewirkte, wichtiger ist als akademische Kenntnisse.

Die Wehrdienstverpflichtung könnte ein Faktor bei der Zeitwahl sein, seine Dienste als Pionier anzubieten.

Jemand könnte vorrangige Verpflichtungen gegenüber anderen haben, auch solchen, die auf Unterstützung durch ihn angewiesen sind.

Es könnte möglich sein, ein Pioniervorhaben mit einem ununterbrochenen Ausbildungsprogramm zu verbinden. Zu überlegen wäre auch die Möglichkeit, daß Pioniererfahrung, obwohl dadurch der übliche Ausbildungsweg unterbrochen wird, sich auf lange Sicht als nutzbringend erweisen könnte, wenn man sein Studium später mit reiferer Einstellung wieder aufnimmt.

Die Dringlichkeit eines bestimmten Zieles, das zu erfüllen man besonders geeignet ist und für das es keine anderen Meldungen gibt.

Die Tatsache, daß zweifellos viele kommende Generationen Bedarf an Pionieren haben und daß deshalb auch in Zukunft zahlreiche Pionieraufrufe folgen werden.

Das Prinzip der Beratung gilt auch hier. Man könnte verpflichtet sein, andere zu fragen, wie die Eltern, den örtlichen und Nationalen Geistigen Rat sowie die Pionierausschüsse.

Schließlich sollte man an den Grundsatz aufopfernden Dienstes denken und an die sicheren Verheißungen Bahá'u'lláhs für jene, die sich erheben, Seiner Sache zu dienen, und dann beten und nachdenken, was man tun will. Und wirklich wird die Antwort oft auf keine andere Weise gefunden.

Wir versichern den Jugendlichen, daß wir uns der vielen wichtigen Entscheidungen bewußt sind, die sie treffen müssen, wenn sie den Pfad des Dienstes für Bahá'u'lláh betreten. Wir werden innig an der Heiligen Schwelle beten, daß sie alle von Gott gelenkt werden und den Segen des Allbarmherzigen auf sich ziehen.





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April 1969 - Ridván-Botschaft 1969

Der beständige Fortschritt der Sache Gottes steht im krassen Gegensatz zu der chronischen Unruhe, die die menschliche Gesellschaft heimsucht - ein Gegensatz, den die Ereignisse des letzten Jahres innerhalb wie außerhalb des Glaubens nur noch vertieft haben. Inmitten des Zerfalls der alten Ordnung hat die Sache Gottes ihren erhabenen Weg weiterverfolgt, hat ihre Tätigkeiten und ihren Einfluß ausgedehnt und ihre Verwaltungsordnung weiter entwickelt.

Den Auftakt des Jahres bildete die Zweite Internationale Tagung zur Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Heiligen Land, gefolgt von bemerkenswerten Aktivitäten in der Sache. Die bedeutendste und weitestreichende Entwicklung war zweifellos die Ernennung der elf Kontinentalen Beraterämter, womit das Ziel des Neunjahresplanes erfüllt wurde, das die Entwicklung der Institution der Hände der Sache Gottes - eine Verlängerung der ihr zugeteilten Aufgaben des Schutzes und der Verbreitung in die Zukunft hinein - vorsah. Dieser Schritt, nach eingehender Beratung mit den Händen der Sache unternommen, hat die Tätigkeit dieser Institution wesentlich gestärkt und es den einzelnen Händen zugleich ermöglicht, den Rahmen ihres Dienstes über die kontinentalen Grenzen hinaus zu erweitern. Dadurch werden den Freunden die Liebe, die Weisheit und der Geist der Hingabe, die diese vom Hüter Ernannten beseelen, weltweit zuteil. Wir möchten an dieser Stelle die beispielhafte Weise lobend hervorheben, in der die Berater unter der Führung der Hände ihre hohen Pflichten aufgegriffen haben.

Im August gedachte die erste in Palermo abgehaltene Ozeanische Bahá'í-Konferenz der Reise Bahá'u'lláhs über das Mittelmeer auf Seinem Weg zum Größten Gefängnis. Teilnehmer dieser Konferenz besuchten unmittelbar anschließend die Qiblih ihres Glaubens, um am Schrein des Stifters ihre Ehrfurcht zu bezeugen und um der lange vorhergesagten Ankunft des Herrn der Heerscharen an den Küsten des Heiligen Landes im vollen Bewußtsein ihrer geistigen Bedeutung zu gedenken. Diese Zusammenkunft von über zweitausend Gläubigen stand in einem unbeschreiblich krassen Gegensatz zur damaligen Ankunft Bahá'u'lláhs vor einhundert Jahren, - zurückgewiesen von den Herrschern dieser Erde, verhöhnt von den Leuten am Ort. So groß ist die bezwingende Kraft Seiner Botschaft, so die unbesiegbare Macht des Königs der Könige!

Diese selbe Botschaft wird nun von Seinen Anhängern von einem Ende der Welt zum anderen verkündet. Schon einhundertzweiundzwanzig Staatsoberhäuptern wurde die Sonderausgabe des Buches Die Verkündigung Bahá'u'lláhs überreicht, und Tausende von Beamten und führenden Persönlichkeiten erhielten weitere Exemplare.

Bahá'í-Gemeinden in der ganzen Welt haben die Tatsache, daß die Vereinten Nationen das Jahr 1968 zum Jahr der Menschenrechte erklärten, voll genutzt und nicht nur die Bande zwischen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und den Vereinten Nationen gestärkt, sondern gleichzeitig den Glauben und seine heilende Botschaft verkündet. Ein Land nach dem anderen hat erstmals Berichte über die Sache in den modernen Massenmedien gehört. Dieser Ruf an die Völker der Welt verstärkt sich von Tag zu Tag und muß fortgesetzt werden bis zur Beendigung des Planes und darüber hinaus, so daß jede Gesellschaftsschicht erfaßt wird.

Als Anstoß und Hilfe für diese lebenswichtige Arbeit sowie zur Förderung aller Ziele des Planes geben wir hiermit eine Serie von acht Ozeanischen und Kontinentalen Konferenzen bekannt, die zwischen August 1970 und September 1971 durchgeführt werden, und zwar wie folgt: La Paz/Bolivien und Rose Hill/Mauritius im August 1970, Monrovia/Liberia und Djakarta/Indonesien im Januar 1971; Suva/Fidschi und Kingston/Jamaika im Mai 1971; Sapporo/Japan und Reykjavik/Island im September 1971.

Ein Überblick über die Entwicklung des Neunjahresplanes läßt erkennen, daß große Fortschritte beim Erwerb von .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgeländen und Lehrinstituten, bei der Übersetzung von Bahá'í-Literatur in weitere Sprachen und bei der Eintragung von örtlichen und Nationalen Geistigen Räten gemacht wurden. Das Baugelände für den Panama-Tempel wurde für die Errichtung des Gebäudes vorbereitet, mit der begonnen wird, sobald die endgültigen Pläne und anderen Einzelheiten sowie die Bauvergabe genehmigt sind.

Als Ergebnis der beschleunigten Ausdehnung und Festigung, die ihren Anfang nahm und die, wenn beibehalten und unterstützt, eine Hochflut siegreicher Errungenschaften hervorbringen wird, verkünden wir mit großer Freude die Bildung von zwölf weiteren Nationalen Geistigen Räten. Zwei davon werden an Ridván 1969 gebildet: der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Rwanda-Burundi mit Sitz in Bujumbura und der Nationale Geistige Rat der Bahá'í von Papua-Neuguinea mit Sitz Lae; zehn weitere an Ridván 1970, davon sechs in Afrika, nämlich die Nationalen Geistigen Räte der Bahá'í der Kongo-Republik (Kinshasa); von Ghana; Dahomey, Togo und Niger; Malawi; Botswana; sowie von Gambia, Senegal, Portugiesisch-Guinea und den Kapverdischen Inseln; einer auf dem amerikanischen Kontinent, nämlich der Nationale Geistige Rat der Bahá'í der Guayanas; einer in Asien: der Nationale Geistige Rat der Bahá'í des Nahen Ostens; und zwei in Australasien: die Nationalen Geistigen Räte der Bahá'í von Tonga und den Cook-Inseln sowie von Samoa. Damit steigt die Zahl der Nationalen Geistigen Räte an Ridván 1970 auf dreiundneunzig.

In Übereinstimmung mit dem weltweiten Wachstum der Sache entwickelt sich auch das Weltzentrum schnell. Die Pilger sind, wie der geliebte Hüter sagte, das Lebensblut dieses Weltzentrums, und es war schon lange unsere große Hoffnung und unser Wunsch, allen den Segen einer Pilgerreise zum Heiligen Land gewähren zu können, die dazu in der Lage sind. Es erfüllt uns deshalb mit großer Freude, daß wir nun die Möglichkeit haben, das Tor der Pilgerreise für eine viel größere Anzahl von Gläubigen zu öffnen. Ab Oktober dieses Jahres wird die Größe jeder Gruppe von Freunden, die eingeladen wird, vervierfacht werden, und die Anzahl der jährlichen Gruppen wird ebenfalls erhöht werden, so daß jedes Jahr beinahe sechsmal so viel Pilger wie jetzt die Möglichkeit haben werden, an den Schreinen der Zentralgestalten ihres Glaubens zu beten, die durch die Fußspuren, Leiden und Triumphe Bahá'u'lláhs und `Abdu'l-Bahás gesegneten Orte zu besuchen und in der Stille dieser heiligen Vorhöfe zu meditieren, die mit so viel Sorgfalt von unserem geliebten Hüter verschönt wurden.

Der größere Zustrom von Pilgern wird die geistige Entwicklung der Bahá'í-Weltgemeinde stark fördern, die nun nach fünf Jahren anstrengender Arbeit und mit dem Lorbeer hervorragender Siege gekrönt in den vierten Abschnitt des Neunjahresplanes eintritt.

Die größten, die dringendsten Notwendigkeiten in diesem Abschnitt des Planes sind ein schnelles Anwachsen der Anzahl der Gläubigen und ein großer Schritt vorwärts bei der Erschließung zusätzlicher Zentren wie auch bei der Bildung von gut fundierten örtlichen Geistigen Räten, wie im Plan vorgesehen. Diese weltweite Tätigkeit, Wahrzeichen des vierten Abschnittes des Planes und Antwort auf die gewaltigen Möglichkeiten, welche sich durch den gegenwärtigen Zustand der Menschheit bieten, wird beträchtlich verstärkt durch die Fortsetzung der Proklamation, ist die wesentliche Grundlage für die Errichtung der restlichen Nationalen Geistigen Räte und wird in zunehmendem Maße Zeuge der günstigen Auswirkungen des internationalen Reiselehrens und der Zusammenarbeit zwischen den Räten sein. Vor allem bedarf es eines aufopferungsvollen Spendenflusses von seiten der Freunde zur Speisung der Fonds des Glaubens, und schließlich einer gewaltigen Schar von Pionieren.

Im zweiten Jahr des Planes vollbrachte die Bahá'í-Welt ihre größte Heldentat in geplantem Pionieren, als sich eine Gesamtzahl von fünfhundertundfünf Gläubigen erhob, um sich in den noch unerschlossenen und schwach besetzten Gebieten der Erde niederzulassen. Diese herrliche Leistung muß nun übertroffen werden. Der Aufruf ergeht an siebenhundertdreiunddreißig Gläubige, ihr Heim zu verlassen und sich in den Gebieten des Erdballs anzusiedeln, die dringend der Pionierunterstützung bedürfen oder dem Glauben noch nicht erschlossen sind. Diese hingebungsvollen Gläubigen, die sich ohne Zögern erheben sollten, werden im vierten Abschnitt des Planes gebraucht, um sich in 184 genau bezeichneten Gebieten in allen Teilen der Welt niederzulassen: 48 in Afrika, 40 in beiden Amerikas, 40 in Asien, 18 in Australasien und 38 in Europa. Obgleich die Verantwortung dafür in erster Linie denjenigen nationalen Bahá'í-Gemeinden übertragen wurde, die am ehesten Pioniere zur Verfügung stellen können, sollten doch alle in ihrem Herzen bedenken, ob nicht vielleicht auch sie diesem Aufruf Folge leisten können, entweder indem sie selbst gehen oder, wie es Bahá'u'lláh geboten hat, diejenigen unterstützen, die an ihrer Stelle gehen können. Weitere Einzelheiten werden den Nationalen Geistigen Räten zugesandt, um sicherzustellen, daß diese lebenswichtige Aufstellung von Bahá'í-Streitern so schnell wie möglich erfolgt.

Geliebte Freunde! Der Neunjahresplan ist gut vorangeschritten, unsere Arbeit wird durch die nie endenden Segnungen Bahá'u'lláhs bestätigt, und der gesamten Bahá'í-Weltgemeinde obliegt es jetzt, den vollständigen Sieg zu erringen. Jene glückhafte Vollendung, welche sich bereits schwach sichtbar am Horizont abzeichnet, kann nur durch harte Arbeit, realistische Planung, opferbereite Taten, Verstärkung der Lehrarbeit und vor allem durch das ständige Bemühen jedes einzelnen Bahá'í erreicht werden, sein inneres Leben jenem herrlichen Ideal anzupassen, das von Bahá'u'lláh für die Menschheit aufgestellt und von `Abdu'l-Bahá vorgelebt wurde. Betrachten wir das göttliche Beispiel, das der Meister uns gegeben hat, so wird uns klar, daß Sein Leben und Seine Taten nicht einem Modell der Zweckmäßigkeit entsprachen, sondern der unvermeidliche und spontane Ausdruck Seines innersten Selbstes waren. Auch wir sollen nach Seinem Beispiel nur in dem Maße handeln, wie unsere innere Gesinnung, die durch die Erziehung des Gebetes und der praktischen Lehrarbeit wächst und reift, zum Urquell unserer Haltung und unserer Handlungen wird. Dies wird die Absicht Gottes erfüllen helfen, den Triumph Seines Glaubens sicherstellen und uns befähigen, den jetzigen Lauf der Sache mit einer gewaltigen Antriebsenergie zu versehen, deren Kraft die Gemeinde des Größten Namens zu einem herrlichen Sieg im Jahre 1973 führen wird und darüber hinaus zu den für uns noch unfaßlichen Gestaden des Größten Friedens.





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26. Mai 1969 - Richtlinien zur Selbstverteidigung

Wir haben Ihren (NGR Kanada) Brief vom 11. April in Betracht gezogen, in dem Sie nach den Lehren des Glaubens über Selbstverteidigung fragen und um Führung bitten bezüglich des Verhaltens des einzelnen angesichts wachsender bürgerlicher Unruhe in den Städten Nordamerikas.

Aus den Ihnen bereits zugänglichen Texten geht klar hervor, daß Bahá'u'lláh erklärt hat, daß es besser ist, auf dem Pfade Gottes getötet zu werden denn zu töten und daß organisierte religiöse Angriffe gegen die Bahá'í nie in irgendeine Form von Krieg ausarten dürfen, da dies in unseren Schriften streng verboten ist.

In einem bisher nicht übersetzten Sendschreiben von `Abdu'l-Bahá wird jedoch darauf hingewiesen, daß ein Bahá'í bei einem Raubüberfall oder einem Angriff von Straßenräubern sich ihnen nicht ausliefern, sondern versuchen sollte, sofern es die Umstände erlauben, sich zu verteidigen, und später sollte er dann eine Klage bei den Regierungsstellen einbringen. In einem Brief, der im Auftrag des Hüters geschrieben wurde, führt auch er aus, daß ein Bahá'í im Notfall berechtigt ist, sein Leben zu verteidigen, wenn keine rechtmäßige Gewalt erreichbar ist, an die er sich wenden könnte. In einem anderen Brief hat der Hüter weiter ausgeführt, daß der Überfall eines verantwortungslosen Angreifers auf einen Bahá'í von diesem abgewehrt werden sollte, da er unter derartigen Umständen berechtigt ist, sein Leben zu schützen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit möchte zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht über die oben angeführten Richtlinien hinausgehen. Diese Frage ist grundsätzlich eine Gewissensangelegenheit, und der betroffene Bahá'í muß im Einzelfall nach seinem Urteilsvermögen entscheiden, wann er mit der Selbstverteidigung aufhört, damit sein Verhalten nicht in Vergeltungsmaßnahmen ausartet.

Natürlich finden die oben angeführten Grundsätze auch in den Fällen Anwendung, in denen ein Bahá'í in eine Situation von Bürgerunruhen hineingeraten sollte. Wir haben jedoch den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten angewiesen, daß es unter den gegenwärtigen Umständen in diesem Land vorzuziehen ist, daß die Bahá'í für ihren eigenen Schutz oder den Schutz ihrer Familien weder Waffen kaufen noch besitzen.





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10. Juli 1969 - Neuernennungen in Kontinentale Beraterämter

Mit großer Freude kündigen wir unseren Beschluß an, die Gesamtzahl der Mitglieder der Kontinentalen Beraterämter für den Schutz und die Verbreitung des Glaubens auf achtunddreißig zu erhöhen. Dies geschieht durch die Erweiterung des Kontinentalen Berateramtes für Nordostasien um Herrn John McHenry III und des Kontinentalen Berateramtes für Südamerika um Herrn Mas`úd Khamsí; dadurch erhöht sich die Mitgliederzahl dieser Beraterämter auf drei bzw. vier.

Außerdem geben wir freudig die Ernennung von Frau Shirin Boman in das Kontinentale Berateramt für Westasien bekannt, wo sie eine freie Stelle ausfüllen wird.

Die hingebungsvollen Bemühungen aller elf Kontinentalen Beraterämter im ersten Jahr ihres Dienstes für den Glauben Bahá'u'lláhs waren beispielhaft und überaus rühmenswert. Wir sind zutiefst von Dank erfüllt für die Treue, die Standhaftigkeit und Hingabe, mit der alle Mitglieder tätig geworden sind, um die lebenswichtige Arbeit der Hände der Sache Gottes zu verstärken.





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11. August 1969 - Bildung eines zusätzlichen Nationalen Geistigen Rates an Ridván 1970

In der kurzen Zeitspanne, die seit unserer Ankündigung der Bildung von sechs neuen Nationalen Geistigen Räten in Afrika zum kommenden Ridván-Fest verstrichen ist, veranlaßt uns die Kette von Siegen, die durch die großartigen Bemühungen der ergebenen Freunde ermöglicht wurden, die Bildung eines siebenten Nationalen Geistigen Rates in Afrika zu Ridván 1970 bekanntzugeben. Der neue Nationale Geistige Rat für Kongo (Brazzaville), Tschad, die Zentralafrikanische Republik und Gabun wird seinen Sitz in Bangui haben. Dadurch besitzt Uganda dann einen eigenen Nationalen Geistigen Rat.

Bitte geben Sie diese frohe Nachricht an die Gläubigen weiter. Wir wissen, daß die Freunde auf der ganzen Welt mit uns um die fortgesetzte, ununterbrochene Verfolgung und die schnelle Erfüllung der Ziele flehen, die letzten Endes im Triumph der Sache Bahá'u'lláhs gipfeln werden.





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26. September 1969 - Sommerschul-Lehrpläne

Die Berichte, die wir in diesem Jahr von den Sommerschulen in Europa erhielten, lassen erkennen, daß einige unangemessen viel Zeit auf philosophische und esoterische Themen verwandten und der Bahá'í-Glaube und seine Lehren unzureichend hervorgehoben wurden.

Wie der geliebte Hüter betonte, ist es ein Hauptzweck der Bahá'í-Sommerschulen, das Wissen der Freunde über die Geschichte und die Lehren des Glaubens zu vertiefen, so daß sie bessere Lehrer werden. In diesem Zusammenhang betonte er das Studium des Islám und des Qur'án, damit die Freunde ein Hintergrundwissen bekommen, das sie für ihr Studium der Bahá'í-Schriften brauchen. Er bat auch dringend, sich mit dem Studium der Prinzipien der Bahá'í-Verwaltungs- und Gesellschaftsordnung zu befassen.

Des weiteren sagte er, daß die Sommerschulen wichtige Anlässe werden müssen, um die Botschaft zu lehren. Einem Gläubigen schrieb er:

»Durch das tägliche Zusammensein mit den Freunden werden Nicht-Bahá'í erkennen, wie die Sache als eine aktive, lebendige Gemeinde funktioniert, die sich ganz dem Dienst am Besten und Höchsten in der Welt geweiht hat. Der Unterricht wird sie mit den Grundsätzen, auf denen die neue Weltordnung ruht, vertraut machen, und die Teilnahme am geselligen Zusammensein der Gläubigen wird sie erkennen lassen, wie eben diese Grundsätze in die Tat umgesetzt werden.«

Es wird darum gebeten, daß die Nationalen Räte im Lichte dieser wichtigen Grundsätze die Lehrpläne der Sommer- und Winterschulen prüfen. Zu diesem Zeitpunkt, da es als vordringlich gilt, den Neunjahresplan bis zum endgültigen Sieg zu verfolgen, ist es äußerst wichtig, daß während des Unterrichts Gelegenheit ist, den Gläubigen die Notwendigkeit des Pionierens und Lehrens vor Augen zu führen.

Wir beten darum, daß die Sommerschulen in zunehmendem Maße die Freunde wirksamer heranbilden, so daß sie ihrerseits Kanäle werden für die Verbreitung der göttlichen Düfte.





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1. Oktober 1969 : Berater- und Hilfsamt

Es sind eine Reihe von Fragen aufgekommen, die die Arbeit der Berater und der Hilfsamtsmitglieder betreffen, und es wurde der Vorschlag gemacht, den Hilfsamtsmitgliedern zu gestatten, regelmäßig mit Nationalen Geistigen Räten und nationalen Ausschüssen zusammenzuarbeiten. Wir haben erneut die verschiedenen damit verbundenen Umstände sorgfältig erwogen und kamen zu dem Beschluß, daß solche direkten Beratungen eher eine Ausnahme als die Regel sein sollten.

Es liegt in der Verantwortung der Geistigen Räte, unterstützt von ihren Ausschüssen, die Lehrarbeit zu organisieren und zu leiten, und dabei müssen sie selbstverständlich auch alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Freunde anzuspornen und zu begeistern. Da jedoch die Räte und Ausschüsse durch die Administration der Lehrarbeit wie auch mit allen anderen Aufgaben des Bahá'í-Gemeindelebens belastet sind, liegt es auf der Hand, daß sie unmöglich so viel Zeit aufbringen können, wie sie es gerne möchten, um die Gläubigen anzuregen.

Autorität und Leitung gehen von den Räten aus, während die Kraft, die Aufgaben zu erfüllen, in erster Linie bei der Gesamtheit der Gläubigen liegt. Es ist die vordringliche Aufgabe der Hilfsämter, bei der Erweckung und Freisetzung dieser Kraft mitzuhelfen. Dies ist eine lebenswichtige Tätigkeit, und wenn die Hilfsämter ihr im vollen Umfang gerecht werden wollen, dürfen sie nicht in die administrative Arbeit hineingezogen werden. Wenn z.B. Hilfsamtsmitglieder die Gläubigen zum Pionieren anregen, sollte jeder Gläubige, der den Wunsch dazu äußert, an den zuständigen Ausschuß verwiesen werden, der dann das Vorhaben in die Wege leiten wird. Berater und Hilfsamtsmitglieder sollten nicht selbst Pionierprojekte oder Lehrreisen organisieren. Daraus wird klar, daß die Hilfsämter aufs engste mit der Gemeindebasis zusammenarbeiten müssen: mit den einzelnen Gläubigen, den Gruppen und den örtlichen Geistigen Räten; diese sollen sie beraten, anregen und ihnen beistehen. Die Berater sind verantwortlich dafür, die Nationalen Geistigen Räte anzuregen, zu beraten und zu unterstützen; aber auch sie arbeiten mit Einzelnen, Gruppen und örtlichen Geistigen Räten.

Natürlich hat ein Berater immer die Möglichkeit, ein Hilfsamtsmitglied abzuordnen, um zu einem bestimmten Zweck mit einem Nationalen Geistigen Rat zusammenzutreffen, aber das sollte nicht zur festen Gepflogenheit werden. Genauso kann es für ein Hilfsamtsmitglied angezeigt sein - falls der Nationale Geistige Rat einverstanden ist - gelegentlich mit einem nationalen Ausschuß zusammenzukommen, um die Lage in dem Gebiet zu klären und einen intensiven Informations- und Gedankenaustausch vorzunehmen. Aber auch das sollte nicht zur Regel werden; denn sonst bestünde die große Gefahr, daß das richtige Funktionieren dieser beiden Institutionen behindert und damit die grundsätzlich erforderliche Zusammenarbeit zwischen den Kontinentalen Beraterämtern und den Nationalen Geistigen Räten beeinträchtigt und untergraben würde. Es würde die Kräfte und die Zeit der Hilfsamtsmitglieder verzetteln, wenn sie in die Administration der Lehrarbeit verwickelt würden. Es könnte dazu führen, daß das Hilfsamtsmitglied allmählich die Leitung des nationalen Ausschusses übernimmt und somit die Funktion des Nationalen Geistigen Rates an sich zieht, oder daß es lediglich zu einem Reiselehrer wird, der auf Anweisung des Ausschusses oder des Nationalen Rates hierhin und dorthin geschickt wird.

Es ist natürlich lebensnotwendig, daß Informationen vollständig und umgehend ausgetauscht werden, wie es in der Zusammenstellung über die Arbeit der Hilfsamtsmitglieder vom 25. März 1969 erklärt wurde. Die Art und Weise, wie dies sichergestellt werden kann, sollte von den Beratern und den Nationalen Geistigen Räten ausgearbeitet werden; die Methoden können von Gebiet zu Gebiet verschieden sein.

Berichte und Empfehlungen für die praktische Arbeit sind jedoch etwas ganz anderes. Hilfsamtsmitglieder sollten solche Berichte und Empfehlungen an die Berater schicken und nicht direkt an die Nationalen Räte oder nationalen Ausschüsse. Es kann sein, daß die Berater die Empfehlung zurückweisen oder abändern; oder falls sie sie annehmen und an den Nationalen Geistigen Rat weiterleiten, entscheidet sich vielleicht dieser für eine Ablehnung. Würde ein Hilfsamtsmitglied seine Empfehlungen direkt an einen nationalen Ausschuß richten, dann würden die Kenntnisse und Erfahrungen aus einem weiteren Bereich als dem, den das Hilfsamtsmitglied überblicken kann, nicht genutzt und gingen damit praktisch verloren, und die Autorität der Berater wie auch des Nationalen Rates würde durchkreuzt und untergraben.

Ebenso gilt: Ein Hilfsamtsmitglied kann natürlich von den Nationalen Räten und nationalen Ausschüssen Informationen erhalten - und es sollte dies auch - , aber seine wichtigste Informationsquelle über die Gemeinde muß sein eigener direkter Kontakt mit örtlichen Geistigen Räten, Gruppen und einzelnen Gläubigen sein. Auf diese Weise haben die Berater und die Nationalen Geistigen Räte den Vorteil zweier unabhängiger Informationsquellen über die Gemeinde: einerseits durch die Hilfsamtsmitglieder und andererseits durch die nationalen Ausschüsse.

Manchmal mißverstehen die Räte, was mit der Aussage gemeint ist, daß Berater und Hilfsamtsmitglieder mit der Lehrarbeit betraut sind und nicht mit der Administration. Es wird so aufgefaßt, daß sie keine Ratschläge in administrativen Angelegenheiten geben dürften. Das ist vollkommen falsch. Eines der Dinge, das die Berater und Hilfsamtsmitglieder beobachten und worüber sie berichten sollen, ist die richtige Arbeit der administrativen Einrichtungen. Wenn wir sagen, daß sie nichts mit der Verwaltung zu tun haben, dann heißt das einfach, daß sie nicht verwalten. Sie leiten oder organisieren nicht die Lehrarbeit, und sie entscheiden auch nicht bei persönlichen Streitigkeiten oder persönlichen Problemen. All dies fällt in den Verantwortungsbereich der Geistigen Räte. Aber wenn ein Hilfsamtsmitglied findet, daß ein örtlicher Geistiger Rat falsch arbeitet, sollte es seine Aufmerksamkeit auf die entsprechenden Texte lenken; ebenso sollte ein Hilfsamtsmitglied, wenn es in seiner Arbeit mit der Gemeinde bemerkt, daß die Lehrarbeit durch mangelnde Leistungsfähigkeit nationaler Ausschüsse aufgehalten wird, dies den Beratern im einzelnen berichten, die dann entscheiden werden, ob sie es dem betreffenden Nationalen Geistigen Rat weiterleiten wollen. Gleichermaßen sollen die Berater, wenn sie finden, daß ein Nationaler Geistiger Rat nicht richtig arbeitet, nicht zögern, darüber mit dem Nationalen Geistigen Rat in einer freien, liebevollen Art zu beraten.

Die Geistigen Räte sind es, die die Arbeit planen und leiten; aber diese Pläne sollten den Beratern und den Hilfsamtsmitgliedern wohlbekannt sein, denn einer der Wege, auf denen sie den Räten helfen können, ist, die Gläubigen ständig zu ermutigen, die Pläne der Räte zu unterstützen. Wenn ein Nationaler Geistiger Rat ein Ziel als vordringlich in einem Jahr beschlossen hat, sollten die Hilfsamtsmitglieder dies bei all ihren Zusammenkünften mit den Gläubigen im Auge behalten; sie sollten deren Aufmerksamkeit auf die Pläne des Nationalen Rates lenken und sie zu begeisterter Unterstützung der Pläne anregen.

In jedem kontinentalen Bereich ist den Beratern ein großer Spielraum für die Durchführung ihrer Arbeit gegeben. Ebenso sollten sie jedem Hilfsamtsmitglied größtmögliche Handlungsfreiheit in dem ihm zugeteilten Gebiet einräumen. Die Berater sollten zwar regelmäßig die Arbeit der Hilfsamtsmitglieder leiten, doch sollte diesen klar sein, daß sie nicht auf Anweisung zu warten brauchen; es liegt in der Natur ihrer Arbeit, daß sie sich ständig dafür einsetzen entsprechend ihrem eigenen besten Urteilsvermögen, auch wenn ihnen keine bestimmten Aufgaben aufgetragen sind. Vor allem sollten die Hilfsamtsmitglieder eine warme, liebevolle Verbindung zwischen sich selbst und den Gläubigen in ihrem Gebiet herstellen, so daß sich die örtlichen Geistigen Räte spontan um Rat und Beistand an sie wenden.

Wir versichern Sie alle unserer innigen Gebete in den Heiligen Schreinen um den Segen Bahá'u'lláhs für die anstrengenden und so überaus wertvollen Dienste, die Sie mit solcher Hingabe auf Seinem Pfad darbringen.





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16. November 1969 - Universelle Teilnahme und gemeinsames Gebet

In dem sich verschlechternden Zustand der Welt, voll der Qual des Krieges, der Gewalt und der plötzlichen Entwurzelung alteingesessener Institutionen, kann man die Erfüllung der Voraussagen Bahá'u'lláhs erkennen und die oft wiederholten Warnungen des Meisters und des geliebten Hüters vor dem unausweichlichen Schicksal eines beklagenswert fehlerhaften Gesellschaftssystems, einer nicht erleuchteten Führerschaft und einer rebellischen und ungläubigen Menschheit. Regierungen und Völker der entwickelten wie auch der sich entwickelnden Nationen, und andere menschliche Einrichtungen, weltliche und religiöse, die sich selbst außerstande sehen, dem Zug der katastrophalen Tagesereignisse entgegenzusteuern, stehen verwirrt und überwältigt da vor der Größe und Verflechtung der Probleme, mit denen sie konfrontiert sind.

In dieser schicksalhaften Stunde der menschlichen Geschichte genügt es scheinbar vielen - leider - , abseits zu stehen und ihre Hände in Verzweiflung zu ringen oder aber in das Durcheinander des Geschreis und der Proteste einzustimmen. Es werden laute Vorwürfe erhoben, aber keine Lösung für die Leiden und Trübsale unserer Zeit angeboten.

Dennoch erkennt eine immer größere Zahl von nachdenklichen und aufrichtigen Männern und Frauen im Lärm von Streit, Wehklagen und Zerstörung, die jetzt ein so riesiges Ausmaß annehmen, den Beweis göttlicher Strafe, und indem sie sich Gott zuwenden, werden sie immer empfänglicher für Sein Wort. Zweifellos dienen die gegenwärtigen Zustände, obgleich tragisch und schrecklich in ihren unmittelbaren Auswirkungen, dazu, die Unentbehrlichkeit der Lehren Bahá'u'lláhs für die Nöte unserer Zeit in den Brennpunkt zu rücken, und zweifellos werden sie viele Gelegenheiten bieten, zahllose wartende Seelen zu erreichen, die nach göttlicher Führung hungern und dürsten.

Diese Gelegenheiten müssen wir ergreifen, bevor es zu spät ist. Jetzt kommt es darauf an, daß alle Gläubigen sich der Unmittelbarkeit der Herausforderung bewußt werden, so daß ein jeder seinen Teil der Verantwortung für die Verbreitung der Lehren bei der ganzen Menschheit übernimmt. Universelle Teilnahme, ein hervorstechendes Ziel des Neunjahresplanes, muß in jedem Kontinent, in jedem Land und auf jeder Insel der Erde durchgesetzt werden. Jeder Bahá'í, wie bescheiden oder unbeholfen er sein mag, muß eifrig bedacht sein, seine Rolle als Träger der göttlichen Botschaft zu erfüllen. In der Tat, wie kann ein wahrer Gläubiger stumm bleiben, während um uns herum Menschen angstvoll nach dem Kommen von Wahrheit, Liebe und Einheit in dieser Welt rufen?

Wir wissen alle, wie oft der Meister und der geliebte Hüter die Freunde aufgerufen haben, sich bewußt darum zu bemühen, liebevoller, einiger, einsatzbereiter und mehr erfüllt vom Gebet denn je zuvor zu werden, um die Atmosphäre der derzeitigen Gesellschaft zu verändern, die ohne Liebe, uneinig, unbekümmert um richtig und falsch und achtlos Gott gegenüber ist. »Wenn wir die wachsende Dunkelheit in der heutigen Welt sehen«, schrieb der Sekretär des Hüters auf dessen Geheiß, »können wir klar erkennen, daß kein Friede und geistiger Fortschritt in der Zukunft sein können, sofern nicht die Botschaft Bahá'u'lláhs die Herzen der Menschen erreicht und sie verwandelt.«

Der Neunjahresplan ist die derzeitige Stufe in der Erreichung dieses höchsten Zieles. Jetzt ist es für jeden Bahá'í eine Pflicht, sich selbst individuelle Lehrziele zu setzen. Die Ermahnung `Abdu'l-Bahás, jedes Jahr mindestens eine neue Seele dem Glauben zuzuführen, und der dringende Rat Shoghi Effendis, jeden Bahá'í-Monat einen Heimkreis bei sich abzuhalten, sind Beispiele für individuelle Ziele. Viele haben die Fähigkeit, noch viel mehr zu tun, doch wird schon dies allein den endgültigen und vollständigen Sieg des Planes sichern.

Wir rufen die Freunde auf, sich am Neunzehntagefest »Sultán« mit uns im Gebet zu verbinden, so daß wir alle so von Eifer, Mut und Begeisterung erfaßt werden, daß von diesem Tage an bis zum Ende des Neunjahresplanes nichts in der Lage sein wird, dem siegreichen Vormarsch der Anhänger des Größten Namens zu widerstehen. Mögen unsere Bemühungen sich des Segens und der Bestätigung durch Bahá'u'lláh würdig erweisen!





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18. November 1969 - Erwerb eines Grundstücks in Bahjí

Nach Jahren langwieriger Verhandlungen mit Geschäftsträgern der israelischen Regierung in Jerusalem und Haifa konnte ein wichtiges, an Bahjí angrenzendes Grundstück erworben werden, auf dem auch das Teehaus des Meisters liegt. Am 17. November sandten wir an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten folgendes Telegramm:

»Dankbaren Herzens verkünden wir (den) erfolgreichen Abschluß (der) offiziellen Verhandlungen, (die) vor fast zwei Jahrzehnten vom geliebten Hüter mit den israelischen Staatsbehörden aufgenommen wurden. (Sie) führten zum Eigentum (an dem) entscheidend wichtigen Grundstück um `Abdu'l-Bahás Teehaus (in) unmittelbarer Nachbarschaft (zum) Heiligsten Schrein (des) Stifters (des) Glaubens. (Der) Erwerb (dieses) heißbegehrten Landstückes (zur) Erweiterung (der) Gärten (in) Bahjí (wurde) erleichtert durch Tausch (gegen ein) Grundstück, (das) vor etwa sechsunddreißig Jahren vom ergebenen Diener (der) Sache .Hájí `Alí Yazdí dem Heiligen Schrein Bahá'u'lláhs zugeeignet(wurde).«

Der erfolgreiche Abschluß dieser Verhandlungen, die noch zu Lebzeiten des geliebten Hüters aufgenommen wurden, ist dadurch ermöglicht worden, daß die Regierung im gleichwertigen Tausch ein Stiftungsgrundstück entgegennahm, das der verstorbene .Hájí `Alí Yazdí 1933 dem Glauben geschenkt hatte. Die Bedeutung dieses besonderen Grundstückes, das diese verehrungswürdige Seele gestiftet hat, erhellt beim Lesen des folgenden Auszugs aus dem Gedenkartikel über ihn in Bd. IX von The Bahá'í World:

»Seiner wird für alle Zeiten gedacht werden, unter anderem als Begründer von Bahá'í-Stiftungen in der Nähe von `Akká durch Schenkung eines Landstückes, das dem Heiligen Schrein Bahá'u'lláhs in Bahjí geweiht ist. ...«

Es ist eine glühende Huldigung an das Andenken dieses ergebenen Dieners der Gesegneten Schönheit, daß sein Geschenk eine so wichtige Rolle beim Erwerb dieser wertvollen zusätzlichen Sicherung des Heiligsten Schreines spielen durfte.





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7. Dezember 1969 - Hütertum und Universales Haus der Gerechtigkeit

(Brief an einen jungen Gläubigen)

Ihr vor kurzem eingegangener Brief, in dem Sie uns die Fragen mitteilen, die einige Jugendliche beim Studium der Sendung Bahá'u'lláhs beschäftigt haben, wurde sorgfältig erwogen. Wir möchten nicht nur zu der besonderen Stelle, die Sie erwähnen, sondern noch zu einer ähnlichen des gleichen Werkes Stellung nehmen, weil beide Stellen für die Beziehung zwischen Hütertum und Universalem Haus der Gerechtigkeit von Bedeutung sind.

Die erste Stelle betrifft die Pflicht des Hüters, darauf zu bestehen, daß jedes Gesetz, das nach seiner Einschätzung im Widerspruch zum Sinn der Heiligen Schriften steht und von deren Geist abweicht, von den übrigen Mitgliedern des Universalen Hauses der Gerechtigkeit noch einmal beraten wird. Die zweite Stelle betrifft die Unfehlbarkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit ohne den Hüter, nämlich Shoghi Effendis Aussage, daß »ohne eine solche Einrichtung (das Hütertum) ... die notwendige Führung bei der Bestimmung des gesetzgeberischen Tätigkeitsbereiches seiner gewählten Vertreter völlig weggenommen wäre.«

Sie deuten an, daß einige der Jugendlichen vor einem Rätsel standen, wie sie die erste dieser beiden Stellen mit Aussagen vereinbaren können wie z.B. derjenigen im Willen und Testament von `Abdu'l-Bahá, die bekräftigt, daß das Universale Haus der Gerechtigkeit »von jedem Irrtum befreit« ist.

Ebenso wie Das Testament von `Abdu'l-Bahá in keiner Hinsicht im Widerspruch zum Kitáb-i-Aqdas steht, sondern in des Hüters Worten »die Verfügungen des Aqdas bestätigt, ergänzt und in Beziehung zueinander bringt«, so widersprechen die Schriften des Hüters weder dem offenbarten Wort noch den Auslegungen des Meisters. Wenn man bestrebt ist, die Schriften zu verstehen, muß man sich daher zuerst vergegenwärtigen, daß es in ihnen keinen wirklichen Widerspruch gibt und auch nicht geben kann, und in diesem Licht können wir vertrauensvoll die Einheit der in ihnen enthaltenen Bedeutung suchen.

Der Hüter und das Universale Haus der Gerechtigkeit haben gewisse Pflichten und Aufgaben gemeinsam; aber darüber hinaus wirkt jeder innerhalb eines gesonderten und bestimmten Bereiches. Wie Shoghi Effendi erklärte: »... es ist zweifellos klar und deutlich dargelegt, daß der Hüter des Glaubens zum Ausleger des Wortes ernannt worden ist, und daß das Universale Haus der Gerechtigkeit mit der Funktion der Gesetzgebung - in Fragen, die nicht ausdrücklich in den Lehren offenbart sind - ausgestattet wurde. Die Auslegung des Hüters, die innerhalb seines eigenen Bereiches wirksam ist, ist ebenso autoritativ und bindend wie die gesetzlichen Verfügungen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, dessen ausschließliches Recht und Vorrecht es ist, über solche Gesetze zu befinden und rechtskräftig zu entscheiden, die Bahá'u'lláh nicht ausdrücklich offenbart hat.« Weiterhin versichert er: »Keiner kann in das heilige und verbriefte Gebiet des anderen übergreifen, noch wird er es jemals tun. Keiner wird die besondere und unbestrittene Autorität zu schmälern suchen, mit der beide von Gott ausgestattet wurden.« Es ist unmöglich sich vorzustellen, daß zwei Mittelpunkte der Autorität, die, wie der Meister erklärte, »beide unter dem Schutz und Schirm der Schönheit Abhá, unter der Obhut und unfehlbaren Führung Seiner Heiligkeit, des Erhabenen stehen«, miteinander in Konflikt geraten könnten, weil beide Werkzeuge derselben göttlichen Führung sind.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit wurde außer seiner Funktion als Gesetzgeber mit den allgemeineren Aufgaben des Schutzes und der Verwaltung der Sache betraut sowie mit der Lösung unklarer Fragen und der Entscheidung über Angelegenheiten, die zu Meinungsverschiedenheiten geführt haben. Nirgends ist erklärt, daß die Unfehlbarkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit kraft der Mitgliedschaft des Hüters oder durch seine Anwesenheit bei dieser Körperschaft besteht. In der Tat haben sowohl `Abdu'l-Bahá in Seinem Testament wie auch Shoghi Effendi in seiner Sendung Bahá'u'lláhs ausdrücklich erklärt, daß die gewählten Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in Beratung Empfänger der unfehlbaren göttlichen Führung sind. Weiterhin versichert der Hüter selbst in Die Weltordnung Bahá'u'lláhs: »Es muß auch von jedem Gläubigen klar verstanden werden, daß die Institution des Hütertums unter keinen Umständen die Befugnisse aufhebt oder im geringsten Grad beeinträchtigt, die dem Universalen Haus der Gerechtigkeit von Bahá'u'lláh im Kitáb-i-Aqdas gewährt wurden und die von `Abdu'l-Bahá wiederholt und feierlich in Seinem Testament bestätigt worden sind. Sie steht in keiner Weise im Widerspruch zu dem Willen und den Schriften Bahá'u'lláhs, noch macht sie irgendeine Seiner offenbarten Anweisungen ungültig.«

Während die besondere Verantwortung des Hüters in der Auslegung des Wortes liegt, ist er auch mit all den Befugnissen und Vorrechten ausgestattet, die für die Ausübung seiner Funktion als Hüter der Sache, als ihr Oberhaupt und oberster Beschützer, notwendig sind. Er wurde ferner zum unabsetzbaren Oberhaupt und zum Mitglied auf Lebenszeit der obersten gesetzgebenden Körperschaft des Glaubens gemacht. In seiner Eigenschaft als Oberhaupt des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und als Mitglied dieser Körperschaft nimmt der Hüter am Gesetzgebungsverfahren teil. Wenn die folgende Stelle, die Anlaß zu Ihrer Frage gab, auf diese letztere Verbindung bezogen wird, dann werden Sie sehen, daß es keinen Widerspruch zwischen diesem und anderen Texten gibt. »Obwohl der Hüter des Glaubens zum ständigen Haupt einer so erhabenen Körperschaft gemacht worden ist, kann er doch nie, auch nicht zeitweilig, das Recht ausschließlicher Gesetzgebung beanspruchen. Er kann die Entscheidung der Mehrheit der übrigen Mitglieder nicht umstoßen, ist jedoch verpflichtet, auf einer nochmaligen Beratung jedes Gesetzes durch das Universale Haus der Gerechtigkeit zu bestehen, das nach seinem Gewissen den durch Bahá'u'lláh offenbarten Äußerungen widerspricht und von deren Geist abweicht.«

Obwohl der Hüter in seinem Verhältnis zu den anderen Mitgliedern des Universalen Hauses der Gerechtigkeit die Entscheidung der Mehrheit nicht umstoßen kann, ist es undenkbar, daß die anderen Mitglieder irgendeinen Einwand unbeachtet lassen, den er bei der Beratung vorbringt, oder daß sie Gesetze verabschieden, die dem widersprechen, was er als mit dem Geist der Sache im Einklang stehend bezeichnet hat. Schließlich ist es die rechtskräftige letzte Entscheidung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, der Unfehlbarkeit zugesichert ist, nicht aber irgendeine Ansicht, die im Laufe des Gesetzgebungsvorganges geäußert wurde.

Daraus wird klar, daß es keinen Widerspruch gibt zwischen den Erklärungen des Meisters in bezug auf die dem Universalen Haus der Gerechtigkeit verliehene unfehlbare göttliche Führung und der zuvor erwähnten Stelle aus der Sendung Bahá'u'lláhs.

Vielleicht hilft es den Freunden, diese Beziehung zu verstehen, wenn sie erfahren, wie das Universale Haus der Gerechtigkeit bei der Gesetzgebung vorgeht. Zuerst beobachtet es selbstverständlich die größte Sorgfalt beim Studium der Heiligen Texte und der Auslegungen des Hüters; desgleichen erwägt es sorgfältig die Ansichten aller Mitglieder. Nach langer Beratung wird dazu übergegangen, einen Entwurf abzufassen. Während dieses Vorganges kann es sein, daß die ganze Angelegenheit nochmals neu durchdacht wird. Dies kann dazu führen, daß die endgültige Entscheidung erheblich anders aussieht als der zunächst befürwortete Beschluß, oder daß man sich sogar entschließt, zu diesem Zeitpunkt überhaupt kein Gesetz in der betreffenden Angelegenheit zu erlassen. Man kann sich vorstellen, wieviel Aufmerksamkeit den Ansichten des Hüters geschenkt würde, wenn er lebte.

Was den zweiten Abschnitt betrifft, müssen wir wiederum an dem Grundsatz festhalten, daß sich die Lehren nicht selber widersprechen.

Zukünftige Hüter sind offensichtlich in Betracht gezogen worden, und in den Schriften wird auf sie hingewiesen; aber nirgends gibt es ein Versprechen oder eine Garantie, daß sich die Linie der Hüter für immer fortsetzen würde. Im Gegenteil, es gibt deutliche Anzeichen, daß die Linie unterbrochen werden könnte. Doch dessen ungeachtet weisen die Schriften wiederholt und mit Nachdruck auf die Unzerstörbarkeit des Bündnisses und auf die Unwandelbarkeit von Gottes Absicht für diesen Tag hin.

Eine der bemerkenswertesten Stellen, die die Möglichkeit eines solchen Bruches in der Linie der Hüter in Betracht zieht, findet sich im Kitáb-i-Aqdas selbst:

»Die der Barmherzigkeit geweihten Gaben kehren zu Gott zurück, dem Offenbarer der Zeichen. Niemand hat das Recht, Hand an sie zu legen ohne Einwilligung des Dämmerungsortes der Offenbarung. Nach Ihm liegt die Entscheidung bei den Aghsán (Ästen), und nach ihnen bei dem Haus der Gerechtigkeit - sollte es bis dahin in der Welt errichtet sein - , so daß sie diese Gaben zum Wohl der Stätten, die in dieser Sache einen erhabenen Rang erhalten, verwenden mögen und für das, was ihnen von Gott, dem Allmächtigen, dem Allgewaltigen, befohlen wurde. Anderenfalls sollten die Gaben an die Diener Bahás überwiesen werden, die nicht ohne Seine Einwilligung sprechen und die ein Urteil nur in Übereinstimmung mit dem fällen, was Gott in diesem Tablet verfügt hat, - an sie, die Verfechter des Sieges zwischen Himmel und Erde - , damit sie diese Gaben für das verwenden, was im Heiligen Buch von Gott, dem Mächtigen, dem Freigebigen, bestimmt wurde.«

Das Hinscheiden Shoghi Effendis im Jahre 1957 führte eben diese Situation herbei, für die an dieser Stelle Vorsorge getroffen wurde, weil die Linie der Aghsán endete, bevor das Universale Haus der Gerechtigkeit gewählt worden war. Obwohl - wie wir gesehen haben - Vorkehrungen für den Fall getroffen wurden, daß die Linie der Aghsán eines Tages enden würde, dürfen wir niemals den schweren Verlust unterschätzen, den der Glaube erlitten hat. Gottes Absicht für die Menschheit bleibt jedoch trotz allem unverändert, und das mächtige Bündnis Bahá'u'lláhs bleibt unbezwinglich. Hat nicht Bahá'u'lláh mit Bestimmtheit erklärt: »Die Hand der Allmacht hat Seine Offenbarung auf einen unangreifbaren, dauerhaften Grund gestellt«; und `Abdu'l-Bahá bestätigt: »Wahrlich, Gott bewirkt, was Ihm gefällt. Nichts kann Sein Bündnis aufheben; nichts kann Seine Gunst hemmen noch Seiner Sache Widerstand leisten!« »Alles ist dem Verfall unterworfen; aber das Bündnis Deines Herrn wird fortfahren, alle Gebiete zu durchdringen.« »Die Prüfungen jeder Sendung stehen in direktem Verhältnis zu der Größe der Sache, und da nie zuvor ein so deutliches Bündnis, niedergeschrieben von der Höchsten Feder, eingegangen wurde, sind die Prüfungen dementsprechend schwer ... Dieser Aufruhr der Übertreter ist nichts weiter als der Schaum des Ozeans; ... dieser Schaum des Ozeans wird nicht von Dauer sein und wird bald verschwinden und vergehen, aber der Ozean des Bündnisses wird ewig wogen und tosen.« Und Shoghi Effendi hat eindeutig erklärt: »Das Fundament, auf dem diese administrative Ordnung steht, ist Gottes unwandelbare Absicht für die Menschheit an diesem Tage.« »... Dieser unschätzbare Edelstein göttlicher Offenbarung, jetzt noch in seinem keimhaften Zustand, wird sich unter dem Schutz Seines Gesetzes entfalten und wird vorwärtsdrängen, ungeteilt und ungeschwächt, bis er die ganze Menschheit umfaßt.«

In der Bahá'í-Religion sind zwei maßgebliche Instanzen eingesetzt, denen sich die Gläubigen zuwenden müssen; denn der Ausleger des Wortes ist in Wirklichkeit eine Erweiterung der einen Instanz, die das Wort selbst ist. Das Buch ist die Aufzeichnung der Äußerungen Bahá'u'lláhs, während der von Gott inspirierte Ausleger das fortdauernde Sprachrohr dieses Buches ist; nur er allein kann den Sinn des Buches verbindlich erklären. Die eine Instanz ist somit das Buch und sein Ausleger; die andere ist das Universale Haus der Gerechtigkeit, das unter der Führung Gottes über alles entscheidet, was nicht ausdrücklich im Buch offenbart ist. Diese Zweiheit der Instanzen und ihr Verhältnis zueinander tritt in jedem Stadium der Entfaltung der Sache zutage. Im Kitáb-i-Aqdas trägt Bahá'u'lláh den Gläubigen auf, sich nach Seinem Hinscheiden dem Buch zuzuwenden und »Ihm, Den Gott gewollt hat, Der dieser Altehrwürdigen Wurzel entsprungen ist«. Im Kitáb-i-Ahd (dem Buch von Bahá'u'lláhs Bund) macht Er klar, daß dieser Hinweis sich auf `Abdu'l-Bahá bezieht. Im Aqdas bestimmt Bahá'u'lláh auch die Institution des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und verleiht ihm die Vollmachten, die es braucht, um die ihm zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen. Der Meister setzt in Seinem Testament ausdrücklich das Hütertum ein, das, wie Shoghi Effendi erklärt, klar in den Versen des Kitáb-i-Aqdas vorausgesehen war; Er bestätigt die Autorität des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und gibt weitere Erläuterungen dazu, und Er verweist die Gläubigen wiederum auf das Buch: »Nach dem Heiligsten Buch muß sich jeder richten, und alles, was nicht ausdrücklich darin erwähnt ist, muß an das Universale Haus der Gerechtigkeit verwiesen werden«; und ganz am Ende des Testaments sagt Er: »Alle müssen Führung suchen und sich dem Mittelpunkt der Sache und dem Haus der Gerechtigkeit zuwenden; und wer sich irgend etwas anderem zuwendet, befindet sich wahrlich in einem schmerzlichen Irrtum.«

Da sich die Gesetzgebungsgewalt des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf alle Angelegenheiten erstreckt, die nicht ausdrücklich im Heiligen Text offenbart sind, ist es klar, daß das Buch selbst die höchste Autorität ist und den Wirkungsbereich des Hauses der Gerechtigkeit eingrenzt. Ebenso muß auch der Ausleger des Buches die Autorität haben, den Bereich der gesetzgebenden Tätigkeit der gewählten Vertreter der Sache abzugrenzen. Die Schriften des Hüters und der Rat, den er während der sechsunddreißig Jahre seines Hütertums erteilt hat, zeigen die Art und Weise, in welcher er diese Funktion in bezug auf das Universale Haus der Gerechtigkeit sowie auf die Nationalen und örtlichen Geistigen Räte ausgeübt hat.

Die Tatsache, daß der Hüter die Autorität hat, den Bereich der gesetzgebenden Tätigkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit abzugrenzen, kann nicht zu der Schlußfolgerung führen, daß das Universale Haus der Gerechtigkeit ohne solche Führung über die Grenzen seiner eigenen Autorität hinausgehen könnte; eine solche Folgerung stünde im Widerspruch zu all den anderen Texten, die auf seine Unfehlbarkeit hinweisen, und besonders zu der vom Hüter selbst gegebenen klaren Versicherung, daß das Universale Haus der Gerechtigkeit niemals das heilige und festgesetzte Gebiet des Hüters verletzen kann oder wird. Es sollte aber auch bedacht werden, daß Nationale und örtliche Geistige Räte zwar göttliche Führung erhalten können, wenn sie in der Art und in dem Geist beraten, wie `Abdu'l-Bahá es beschreibt, daß sie aber an den ausdrücklichen Garantien der Unfehlbarkeit, die dem Universalen Haus der Gerechtigkeit verliehen wurden, nicht teilhaben. Jeder, der die Sache genau studiert, kann erkennen, mit welcher Sorgfalt der Hüter nach dem Hinscheiden `Abdu'l-Bahás diese gewählten Vertreter der Gläubigen bei der mühevollen Errichtung der Verwaltungsordnung und bei der Abfassung der örtlichen und Nationalen Bahá'í-Satzungen geführt hat.

Wir hoffen, daß diese Erläuterungen den Freunden helfen werden, diese Beziehungen klarer zu verstehen, aber wir müssen alle bedenken, daß wir dem Anfangsstadium des von Bahá'u'lláh festgesetzten Systems zu nahe sind, um völlig imstande zu sein, seine Möglichkeiten oder die gegenseitigen Beziehungen seiner Bestandteile zu erfassen. In diesem Sinne schrieb Shoghi Effendis Sekretär am 25. März 1930 in seinem Auftrag an einen einzelnen Gläubigen: »Der Inhalt des Willens des Meisters ist viel zu gewaltig, als daß die gegenwärtige Generation ihn verstehen könnte. Es bedarf mindestens ein Jahrhundert praktischer Ausführung, ehe die in ihm verborgenen Schätze der Weisheit enthüllt werden können...«





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28. Januar 1970 - Verteilung von Broschüren

Wir haben Ihren Brief vom 6. November 1969 bezüglich der Verteilung von Flugblättern oder Einführungsbriefen über private Briefkästen erhalten.

Dies ist eine Angelegenheit, die großer Behutsamkeit seitens Ihres Rates bedarf. Folgende Grundsätze sind dabei zu berücksichtigen:

1. Die Würde des Glaubens. Diese sollte bei allen Bahá'í-Tätigkeiten sorgfältig gewahrt werden, und aus dem folgenden Zitat geht klar hervor, daß der Hüter das Austragen von Flugblättern von Tür zu Tür als nicht mit der Würde des Glaubens vereinbar ansah: »Er meint, daß die Verteilung von Flugblättern von Tür zu Tür ... unwürdig ist und einen schlechten Eindruck vom Glauben vermitteln könnte. Zweifellos sind es der Eifer und die Ergebenheit der Freunde, die sie auf diesen Vorschlag gebracht haben; aber er glaubt nicht, daß solche Methoden den wahren Interessen der Sache dienen...«

2. Bahá'u'lláhs Gebot, wie es in den Verborgenen Worten niedergelegt ist: »Die Weisen unter den Menschen sind die, welche nicht reden, ehe sie einen Hörer finden...« Es ist ein wichtiger Punkt, daß die Lehrtätigkeit nie einen Eingriff in die Privatsphäre eines Menschen bedeuten darf und daß sie die Lehren niemals einem unwilligen Hörer aufzwingen sollte. Dies trifft besonders auf das Verteilen von Flugblättern oder anderem Material von Tür zu Tür zu, bei der vorgesehen ist, daß der Verteiler tatsächlich an die Tür klopft, um dem Wohnungsinhaber das Material zu übergeben.

Wenn die oben genannten Punkte beachtet werden, besteht jedoch kein Einwand gegen die Versendung oder Verteilung von einführenden Rundbriefen oder Einladungen an bestimmte Gruppen oder Teile der Bevölkerung.





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8. Februar 1970 - Nichteinmischung in politische Angelegenheiten

(Brief an Nationale Geistige Räte in Afrika)

Jahrhundertelang verblieb der afrikanische Kontinent, oder vielmehr der große, südlich der Sahara gelegene Teil Afrikas, verhältnismäßig abgeschieden von der übrigen Welt, ungestört und kaum berührt von den bewegten Konflikten der Nationen im Norden und Osten. Nun aber, da die afrikanischen Völker in den Hauptstrom internationaler Interessen geraten, werden sie - die Bahá'u'lláh mit der schwarzen Pupille des Auges verglich, aus der »das Licht des Geistes hervorstrahlt« - von der berauschenden Begeisterung der eben erst gefundenen Unabhängigkeit überschwemmt; sie sind zwischen den widerstreitenden Kräften unterschiedlicher politischer Einflüsse hin- und hergerissen, ihre Sicht ist getrübt durch den Nebel des Materialismus und den Staub nationalistischer Leidenschaften und uralter Stammesfehden.

Inmitten des Sturmes und der Anspannung der um sie her geführten Schlachten selbstsüchtiger Interessen stehen die Anhänger des Größten Namens, den Blick auf die aufgehende Sonne der Heiligen Sache Gottes gerichtet, die Herzen durch ein Band wahrer Einheit mit allen Menschenkindern verschmolzen, die Stimmen erhoben in einem weltumfassenden Loblied auf die Herrlichkeit Gottes und die Einheit der Menschheit. Sie rufen ihren Mitmenschen zu, alle Zwistigkeiten zu vergessen und aufzugeben und sich mit ihnen in Gehorsam und Dienst vor Gottes heiligem Gebot für diesen Tag zu vereinen.

Das Heer der Sache, das auf Geheiß des Herrn vorrückt, um der Menschen Herzen zu erobern, kann niemals besiegt werden; wohl aber kann sein Vorrücken verlangsamt werden durch Unwissenheit und unweise Handlungen seiner Helfer. Wir schreiben Ihnen diesen Brief, um gewisse Punkte klären zu helfen, die in der Vergangenheit einigen Gläubigen den Blick getrübt haben, so daß Fehlurteile gefällt wurden, die das Voranschreiten des Glaubens in solchen Ländern gehemmt haben.

Einer dieser Punkte, und bei weitem der wichtigste, ist mangelndes Verständnis für den tieferen Sinn des Bahá'í-Grundsatzes der Nichteinmischung in politische Angelegenheiten. Wir können sehen, daß `Abdu'l-Bahá und Shoghi Effendi uns klare und überzeugende Gründe für die Aufrechterhaltung dieses Grundsatzes gegeben haben. Diese Gründe sind nachstehend zusammengefaßt, damit die Freunde sie studieren und sich darin vertiefen können. Wir hoffen, daß diese Betrachtungen den Freunden nicht nur helfen werden, die heiligen Lehren in diesem Punkt auf intelligente Weise und in strahlender Ergebenheit zu befolgen, sondern daß sie sie auch befähigen werden, den Bahá'í-Standpunkt all jenen zu erklären, die dessen Weisheit und Nutzen in Frage stellen:

Die Religion Gottes ist heute für die Menschheit die einzige Quelle der Rettung. Die wahre Ursache der Leiden der Menschen ist ihre Uneinigkeit. Mag der Mechanismus, den die Führer der Völker für die politische Einheit der Welt ersonnen haben, auch noch so vollkommen sein - , er bietet doch nicht das Gegenmittel zu dem Gift, das an der Lebenskraft der heutigen Gesellschaft zehrt. Einzig die Religion Gottes vermag dieses Leiden zu heilen. Es gibt viele, die der Menschheit wohlwollen und ihre Bemühungen notlindernden und karitativen Hilfswerken und der materiellen Wohlfahrt der Menschen widmen; aber nur Bahá'í können jenes Werk tun, das Gott am meisten durch uns getan haben will. Wenn wir uns dem Werk für den Glauben hingeben, leisten wir das, was die größte Hilfe und einzige Zuflucht einer bedürftigen, gespaltenen Welt bedeutet.

Die Bahá'í-Gemeinschaft ist eine weltweite Organisation, die wahren, allumfassenden Frieden auf Erden zu errichten trachtet. Betätigt sich ein Bahá'í für eine politische Partei, um eine andere zu bekämpfen, so ist dies eine Verneinung der innersten Essenz des Glaubens. Mitgliedschaft in irgendeiner politischen Partei bedeutet daher zwangsläufig die Verwerfung einiger oder aller Grundsätze des Friedens und der Einheit, die Bahá'u'lláh verkündet hat. `Abdu'l-Bahá hat gesagt: »Unsere Partei ist die Partei Gottes; einer anderen gehören wir nicht an.«

Bestünde ein Bahá'í auf seinem Recht, eine bestimmte politische Partei zu fördern, so dürfte er dasselbe Recht anderen Gläubigen nicht absprechen. Dies würde bedeuten, daß in den Reihen des Glaubens - dessen wichtigste Sendung es ist, alle Menschen als eine große Familie unter dem Banner Gottes zu einen - Bahá'í gegeneinander stünden. Wo bliebe dann das Vorbild der Einheit und Harmonie, das die Welt ersehnt?

Verwickelten sich - was Gott verhüten möge - die Institutionen des Glaubens in Politik, so fänden die Bahá'í, daß sie Gegnerschaft anstatt Liebe hervorriefen. Nähmen sie in dem einen Land eine bestimmte Stellung ein, dann wäre die unausbleibliche Folge, daß die Menschen in einem anderen Land ihre Ansichten über die Ziele und Absichten des Glaubens ändern würden. Durch Einmischung in politischen Disput wären die Bahá'í verloren und vernichtet, anstatt durch ihre Hilfe die Welt zu ändern. Die Weltlage ist so verworren, und einstmals klare moralische Begriffe sind so mit selbstsüchtigen und widerstreitenden Parteilichkeiten vermischt, daß nur ein Weg der beste ist, auf dem die Bahá'í den edelsten Interessen ihres Landes und zugleich dem Anliegen wahrer Rettung der Welt dienen können: indem sie ihre politischen Bestrebungen und Bindungen aufgeben und voll und aus ganzem Herzen den göttlichen Plan Bahá'u'lláhs unterstützen.

Der Glaube steht den wahren Interessen der Nationen nicht entgegen, und er nimmt gegen keine Partei oder Fraktion Stellung. Er hält sich fernab von allen Streitigkeiten und reicht weit darüber hinaus; seine Anhänger verpflichtet er zu Treue gegenüber der Regierung und zu Vaterlandsliebe im Rahmen des Vernünftigen. Diese Liebe zu ihrem Lande zeigen die Bahá'í, indem sie ihr tägliches Schaffen dem Wohl ihres Landes widmen oder im Verwaltungswesen der Regierung tätig sind, anstatt durch Parteipolitik oder in diplomatischem oder politischem Dienst zu wirken. Es ist dem Bahá'í gestattet - ja er wird sogar dazu angeregt - , mit allen Gesellschaftsschichten Umgang zu pflegen: mit den höchsten Autoritäten und führenden Persönlichkeiten ebenso wie mit den einfachen Menschen. Sie alle soll er mit dem Glauben bekanntmachen; doch soll er es hierbei streng vermeiden, mit politischer Anhängerschaft oder mit Parteiprogrammen identifiziert zu werden, oder selbst (durch sein Verhalten) den Glauben damit zu identifizieren.

So wichtig ist dieses Prinzip der politischen Nichteinmischung, welches das Handeln und Reden der Bahá'í in jedem Lande bestimmen muß, daß Shoghi Effendi geschrieben hat, es könnten »weder die Beschuldigungen, die die Unwissenden und Böswilligen gegen sie (die Bahá'í) vorzubringen sich verleiten lassen, noch die Verlockungen von Lohn und Ehrung« die wahren Gläubigen jemals dazu bewegen, von diesem Pfade abzuweichen, und ihre Worte und Taten müßten verkünden, daß die Diener Bahá'u'lláhs »durch keinen selbstsüchtigen Ehrgeiz getrieben sind, daß sie weder nach Macht dürsten noch die Welle der Unbeliebtheit, des Mißtrauens oder der Kritik scheuen, die ihr starkes Festhalten an ihren Wertmaßen erregen kann.«

»Mag unsere Aufgabe noch so schwierig und heikel sein«, schreibt der Hüter weiter, »so wird doch die stützende Kraft Bahá'u'lláhs und seiner göttlichen Führung uns gewiß beistehen, wenn wir standhaft auf Seinem Pfade bleiben und danach streben, Seine Gesetze unversehrt aufrechtzuerhalten. Das Licht Seiner erlösenden Gnade, das keine irdische Macht verdunkeln kann, wird unseren Weg erhellen, wenn wir nur standhaft bleiben; es wird uns scheinen, während wir inmitten der Schlingen und Fallgruben einer aufgewühlten Zeit unseren Kurs steuern, und wird uns befähigen, unsere Pflichten so zu erfüllen, daß es der Verherrlichung und Ehre Seines gesegneten Namens dient.«

Der zweite Punkt, der den afrikanischen Freunden in dieser Zeit Schwierigkeiten bereitet, ist das Stammeswesen. Als Bahá'í sind sie davon überzeugt, daß die Menschheit ein Ganzes ist und als eine Einheit angesehen werden muß; dennoch sind sie als Angehörige ihres jeweiligen Stammes der Erwartung ihrer Stammesbrüder - die nicht Bahá'í sind - ausgesetzt, ihre oberste Loyalität ihrem Stamm zu schenken und dessen Interessen sogar kämpferisch zu vertreten. Obendrein leben diese Freunde nur allzu oft in einer Atmosphäre des Mißtrauens, der Furcht und des Hasses gegen die Angehörigen anderer Stämme.

Das Verhalten eines Bahá'í in einer derartigen Lage geht klar aus den Schriften hervor. Als Bahá'í stehen wir zu unserem Stamm, wie wir zu unserer Familie und auf höherer Ebene zu unserer Nation stehen, doch lassen wir es nicht zu, daß dieses Zugehörigkeitsgefühl in Widerspruch gerät zu unserer höheren Loyalität gegenüber der Menschheit. Wie der Hüter deutlich gesagt hat, werden die Anhänger des Glaubens »nicht zögern, alle Einzelinteressen, seien diese persönlicher, regionaler oder nationaler Natur, den übergeordneten Interessen der gesamten Menschheit unterzuordnen, da sie sehr wohl wissen, daß in einer Welt voneinander abhängiger Völker und Nationen der Nutzen eines Teiles am besten über den Nutzen für das Ganze erzielt werden kann und daß keiner der Teile Dauerhaftes erreichen kann, wenn die allgemeinen Interessen der Gesamtheit vernachlässigt werden.«

Zur weiteren Erhellung dieses Themas schrieb der Hüter: »Der belebende Sinn des weltweiten Gesetzes Bahá'u'lláhs darf keine Befürchtungen hervorrufen. ... Es übersieht weder die Verschiedenheiten der völkischen Herkunft, des Klimas, der Geschichte, Sprache und Überlieferung, des Denkens und der Gewohnheit, die die Völker und Länder der Welt unterschiedlich gestalten, noch versucht es, sie auszumerzen. Es ruft nach größerer Treue, stärkerem Bemühen als irgendein anderes, das je die Menschenwelt beseelt hat. Es besteht auf der Unterordnung nationaler Regungen und Belange unter die zwingenden Ansprüche einer geeinten Welt. Es verwirft einerseits die übersteigerte Zentralisation und entsagt zum andern allen Versuchen der Gleichmacherei. Seine Losung ist Einheit in der Mannigfaltigkeit...«

In diesen Zeiten zunehmender Spannungen unter den Stämmen Afrikas sollen die Freunde wachsam sein, damit nicht die leiseste Spur von Vorurteil oder Haß unter ihnen aufkommt - was Gott verhüten möge. Vielmehr sollen sie bestrebt sein, noch mehr Vertreter der verschiedenen Stämme in jedem Land für den Glauben zu gewinnen, und ihren Landsleuten zeigen, was das Wort Gottes bewirken kann, indem sie alle Vorurteile völlig ablegen und jene Liebe zeigen, die die Bahá'í füreinander und für alle ihre Mitmenschen empfinden. So werden sie den prüfenden Blicken der Führer und Herrscher dieser Länder ein leuchtendes Beispiel einer geeinten Gemeinde bieten, die harmonisch und in voller Eintracht zusammenarbeitet und damit eine erfüllbare Hoffnung und ein nachahmenswertes Vorbild verkörpert.

Minoritätenstämme benachteiligen heißt den Geist beleidigen, der dem Glauben Bahá'u'lláhs innewohnt. Wir als Diener der heiligen Religion Gottes haben die Pflicht, die gerechten Interessen einer jeden Minderheit innerhalb der Bahá'í-Gemeinschaft zu schützen. Ja, in der Verwaltung unserer Bahá'í-Angelegenheiten genießen Vertreter von Minderheitsgruppen nicht nur die gleichen Rechte und Vorrechte, sondern sie werden sogar begünstigt und erhalten Vorrang. Die Bahá'í sollten darüber wachen, daß sie diesen hohen Maßstab nie verlassen, auch dann nicht, wenn sie durch den Gang der Ereignisse oder durch die öffentliche Meinung unter Druck geraten.

Die in den Schriften dargelegten Grundsätze sind klar; Fragen ergeben sich meist dann, wenn diese Grundsätze angewandt werden sollen. Bei allen Unklarheiten über das richtige Vorgehen sollen die Gläubigen ihren Nationalen Geistigen Rat befragen, der die Freunde nach gewissenhafter Beurteilung aufs beste beraten wird.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hofft und betet, daß die Nationalen Geistigen Räte in Afrika in voller Zusammenarbeit mit den Kontinentalen Beraterämtern und den Hilfsämtern ihres Bereiches der Herde Gottes in diesem großen Erdteil liebevolle Hirten sein werden, daß sie die Freunde vor den sie umringenden bösen Einflüssen schützen, sie auf dem wahren und richtigen Pfade führen und ihnen dabei helfen, ein immer tieferes Verständnis, eine gefestigtere Überzeugung und eine innigere Liebe für die Sache zu erlangen, die zu fördern und der zu dienen sie mit solcher Hingabe bestrebt sind.





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18. Februar 1970 - Beratender Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen erworben

Freudig teilen (wir der) Bahá'í-Welt (die) Erlangung (des) beratenden Status (beim) Wirtschafts- und Sozialrat (der) Vereinten Nationen mit, durch die (eine) lang gehegte Hoffnung (des) geliebten Hüters und (ein) Ziel (des) Weltzentrums (im) Neunjahresplan erfüllt (wird). (Die) dauernden beharrlichen Bemühungen (der) akkreditierten Vertreter (der) Internationalen Bahá'í-Gemeinde (in) mehr als zwanzig Jahren (und die) hingebungsvolle Unterstützung (der) Bahá'í-Gemeinden (auf der) ganzen Welt (wurden) schließlich belohnt. (Dieser) bedeutsame Erfolg trägt (zu) Ansehen, Einfluß (und) Anerkennung (des) immer fortschreitenden Glaubens Bahá'u'lláhs bei. (Wir) beten (in) Dankbarkeit (an den) Heiligen Schreinen.





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6. März 1970 : Der Geist der Bahá'í-Beratung

Uns liegt Ihr (NGR Kanada) Brief vom 14. Januar 1970 vor, in dem Sie Fragen über das Vorgehen bei der Beschlußfassung in Geistigen Räten stellen.

Es ist wichtig zu erkennen, daß sich der Geist der Bahá'í-Beratung deutlich von dem in Nicht-Bahá'í-Körperschaften üblichen Verfahren der Beschlußfassung unterscheidet.

Das Ideal der Bahá'í-Beratung ist, zu einem einstimmigen Beschluß zu gelangen. Wenn dies nicht möglich ist, muß abgestimmt werden. Mit den Worten des geliebten Hüters: »... Wenn sie aufgefordert werden, zu einem bestimmten Beschluß zu kommen, sollten sie sich nach leidenschaftsloser, sorgsamer und aufrichtiger Beratung Gott im Gebet zuwenden und mit Ernsthaftigkeit, Überzeugung und Mut ihre Stimme abgeben und sich der Stimme der Mehrheit fügen, die, wie wir vom Meister wissen, die Stimme der Wahrheit ist, gegen die kein Einwand erhoben und die immer von ganzem Herzen unterstützt werden sollte.«

Sobald ein Beschluß gefaßt ist, ist er der Beschluß des ganzen Rates und nicht bloß derjenigen Mitglieder, die mit der Mehrheit gestimmt haben.

Wenn eine Angelegenheit zur Abstimmung vorgeschlagen wird, kann es sein, daß ein Mitglied des Rates das Gefühl hat, es müßten noch zusätzliche Fakten oder Gesichtspunkte geklärt werden, bevor es sich entschließen und wohlüberlegt über den Vorschlag abstimmen kann. Das Mitglied soll dieses Gefühl zur Sprache bringen, und der Rat hat dann zu entscheiden, ob vor der Abstimmung noch mehr beraten werden sollte oder nicht.

Wenn beschlossen wurde, über einen Vorschlag abzustimmen, ist lediglich festzustellen, wieviele Mitglieder dafür sind; ist es die Mehrheit der Anwesenden, so ist der Antrag angenommen; ist es die Minderheit, so ist der Antrag abgelehnt.

Die ganze Frage der »Stimmenthaltung« taucht somit bei der Bahá'í-Abstimmung gar nicht auf. Ein Mitglied, das nicht für einen Vorschlag stimmt, hat de facto dagegen gestimmt, auch wenn es selbst meint, es sei nicht in der Lage gewesen, sich in dieser Sache zu entscheiden.





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25. März 1970 - Der Reinste Zweig

Zum hundertsten Gedenktag des Märtyrertodes des Reinsten Zweiges, der auf den 23. Juni 1970 fällt, rufen wir alle Bahá'í in der Welt auf, sich im Gebet für »die Erneuerung der Welt und die Vereinigung ihrer Völker« zu vereinen.

Während jener Tage vor hundert Jahren erduldete Bahá'u'lláh Seine Einkerkerung in der Kaserne von `Akká. Zu den Drangsalen, die Ihn niederdrückten, kam noch der tödliche Unfall, der Seinem jüngeren Sohn zustieß, Seinem Gefährten und Gehilfen Mírzá Mihdí, dem Reinsten Zweig, der im Sterben Seinen Vater darum bat, daß sein Leben »als ein Lösegeld für diejenigen Seiner Geliebten« angenommen werde, »die sich danach sehnten, in Seine Gegenwart zu gelangen, die diese jedoch nicht erreichen konnten.« In einem Tablet, in jener kummerbeladenen Stunde offenbart, klagt Bahá'u'lláh, daß »dies der Tag ist, an dem er, der aus dem Lichte Bahás gezeugt war, den Märtyrertod erlitt, als er durch die Hände seiner Feinde gefangen lag.« Doch bringt Er klar zum Ausdruck, daß das Ableben des jungen Mannes eine weit tiefere Bedeutung hat als die, daß Er dessen schlichte Bitte annimmt. Er erklärt: »Du bist wahrlich Gottes Unterpfand und Sein Schatz in diesem Lande. Binnen kurzem wird Gott durch dich Seinen Wunsch kundtun.« In einem Gebet, das Er für Seinen Sohn offenbarte, verkündet Er den dieser Tragödie innewohnenden Sinn: »O mein Herr! Ich habe dahingegeben, was Du mir verliehen hattest, auf daß Deine Diener erquickt und alle, die auf Erden wohnen, vereint werden.« Damit wurde einem jungen Menschen von vollkommener Ergebenheit, der solch hohe Schönheit des Denkens und völlige Hingabe bewies, eine einzigartige Stufe in der Sache Gottes verliehen.

In ihrem Gedenken an das Leid Bahá'u'lláhs über den Verlust Seines geliebten Sohnes und in Würdigung eines höchst bedeutsamen Ereignisses im Glauben überlassen wir es den Räten, ob sie besondere Gebetszusammenkünfte abhalten wollen. Im Heiligen Land wird im Weltzentrum auf dem Berg Karmel eine Feierstunde am Grabe von Mírzá Mihdí stattfinden, bei der seines reinen Beispieles und Opfers für die gesamte Menschheit durch die Worte seines ruhmreichen Vaters gedacht wird.





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April 1970 - Ridván-Botschaft

(Die) Bahá'í Weltgemeinde, (die nun in das) siebte Jahr (des) Neunjahresplanes eintritt, hat (ihre) Fähigkeit reichlich bewiesen, Höhen (der) Hingabe (und des) Opfers (zu) erklimmen (und) erstaunliche Siege (zu) erringen (für den) welterlösenden, welterrettenden (und) weltvereinenden Glauben. Zu diesem Ridván-Fest entbieten (wir) elf neuen Nationalen Geistigen Räten, (die) nun gebildet (werden), (ein) herzliches Willkommen: sieben in Afrika, einem in Amerika, einem in Asien (und) zwei in Australasien, (womit die) Zahl (der das) Universale Haus (der) Gerechtigkeit tragenden Pfeiler vierundneunzig erreicht (hat). (Wir) fühlen uns (dazu) bewegt, (den) Händen (der) Sache Gottes liebevolle Anerkennung auszusprechen (für ihre) großartigen Dienste, (die) Flammenspuren (des) Lehrens (auf der) Oberfläche des Erdballes (hinterließen) (durch die) Ermutigung (und) Beratung (der) Räte (und) Freunde aller Kontinente.

Zur wirksamen Verstärkung dieser hochherzigen Tätigkeit durch (die) fähigen, hingebungsvollen Kontinentalen Beraterämter (und) ihre Hilfsämter (und im) Zusammenhang mit (den) wachsenden Bedürfnissen und (der) Ausdehnung (der) Weltgemeinde geben (wir die) Erweiterung (dieser) lebenswichtigen Institution bekannt durch (die) Ernennung (von) drei zusätzlichen Beratern - Iraj Ayman (für) Westasien, Anneliese Bopp (und) Betty Reed (für) Europa - und (die) Ermächtigung, fünfundvierzig zusätzliche Hilfsamtsmitglieder (zu) ernennen: neun (für) Afrika, sechzehn (für) Asien, zwei (für) Australasien (und) achtzehn (für die) westliche Hemisphäre. Rufen (zur) Errichtung (von) vier Nationalen Geistigen Räten (an) Ridván 1971 auf: Lesotho (mit) Sitz (in) Maseru; Elfenbeinküste, Mali und Obervolta (mit) Sitz (in) Abidjan; Trinidad und Tobago (mit) Sitz (in) Port of Spain; Salomon-Inseln (mit) Sitz (in) Honiara.

(Der) Neunjahresplan (wird) bereits gekennzeichnet (durch) große Leistungen (beim) Pionieren, (bei der) Proklamation, (der) Anerkennung (des) Glaubens, (dem) Aufbruch (der) Jugend, (dem) Erwerb (von) Besitztümern, (dem) Baubeginn (des) Panama-Tempels (und bei der) Entwicklung (des) Weltzentrums. Dringende, unmittelbare (und) lebenswichtige Notwendigkeit (ist es, die) Aufmerksamkeit (auf die) Vermehrung (der) Anzahl (der) Zentren, (der) örtlichen Geistigen Räte (und der) Gläubigen (zu) konzentrieren (und die) verbleibenden Pionierposten (zu) besetzen. Letzter Ridván-Aufruf verlangte siebenhundertdreiunddreißig Pioniere (als) Mindesterfordernis. Vierhundertneunund- siebzig benannte Posten (sind noch zu) besetzen. (Der) Gesamtsieg bedingt mehr Pioniere, mehr Geldmittel (und) mehr neue Gläubige. Hände (der) Sache, Berater, Hilfsämter, Nationale (und) örtliche Geistige Räte (sowie) jeder einzelne Anhänger Bahá'u'lláhs (sind zu) äußerster Anstrengung (in den) verbleibenden Jahren (des) Neunjahresplanes aufgerufen. (Der) Vollzug dieses Schrittes (in des) Meisters Göttlichem Plan wird (die) Gemeinde (mit der) Fähigkeit (und den) administrativen Einrichtungen versehen, (um den) nächsten Abschnitt (in der) Verwirklichung (der) höchsten Absicht (der) Offenbarung Bahá'u'lláhs (zu) bewältigen, - (der) Vereinigung (der) Menschheit (und der) Errichtung (des) lange verheißenen Königreiches Gottes auf Erden. Versichern Sie heißer, liebevoller Gebete (an den) Heiligen Schreinen.





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August 1970 - Botschaft an die Konferenzen von Bolivien und Mauritius im August 1970

In freudiger Erwartung richten sich unsere Herzen auf die Zwillingskonferenzen, die jetzt auf der Südhalbkugel stattfinden. Die Tatsache, daß sie so kurz nach dem weltweit begangenen hundertsten Gedenktag an den Märtyrertod des Reinsten Zweiges zusammentreten, erinnert uns daran, daß sich der Glaube Gottes stets durch Opfer und hingebungsvolles Dienen verbreitet und gefestigt hat. Gerade diese beiden Konferenzen bezeugen die schöpferische Kraft, die Fruchtbarkeit und die Anrufung göttlicher Bestätigungen, die das Ergebnis aufopferungsvollen Dienstes für die Sache Gottes sind. Obwohl Bolivien und Mauritius in den Sendschreiben zum Göttlichen Plan beide ausdrücklich genannt werden, war die Sache Gottes noch vor fünfunddreißig Jahren in beiden Gebieten so gut wie unbekannt; heute aber werden wir Zeuge dieser historischen Konferenzen.

Es braucht nicht zu verwundern, daß Südamerika - dessen Herrscher und Präsidenten Bahá'u'lláh im Kitáb-i-Aqdas angesprochen hat und von dessen Gläubigen aus Eingeborenenstämmen der Meister in den erwähnten Sendschreiben sagt: »... Wenn diese Indianer gleichermaßen erzogen und geführt werden, dann werden die göttlichen Lehren sie zweifellos durch so erleuchten, daß die ganze Erde dadurch erleuchtet wird« - (daß Südamerika) auf so viele glühende Seelen in Nordamerika, die auf diesem vielversprechenden Feld arbeiten wollen, eine magnetische Anziehungskraft ausgeübt hat. Eine Schar heldenhafter Pioniere hat mit der Botschaft Bahá'u'lláhs langsam seine ausgedehnten Staatsflächen, seine Dschungel und Gebirge durchzogen. Ihnen folgten andere, die unter den systematischen Kreuzzügen von zwei Siebenjahresplänen und dem Zehnjahresplan des geliebten Hüters antraten, und alle zusammen wurden sie zu geistigen Eroberern dieses Kontinents. Die lateinamerikanischen Gemeinden, die als Ergebnis dieser Pionieranstrengungen entstanden, wurden vom geliebten Hüter als »Mitarbeiter im Vollzug« des Göttlichen Planes `Abdu'l-Bahás bezeichnet. May Maxwell, eine der großen Heldinnen des Glaubens, errang in Buenos Aires die heißersehnte Krone des Märtyrertums; Panama wurde zum Ort des sechsten Mashriqu'l-Adhkár der Bahá'í-Welt; und jetzt ist La Paz in Bolivien der Schauplatz dieser Kontinentalen Konferenz.

Der Indische Ozean - dessen letzte Wellen an die Küsten der Wiege unseres Glaubens schlagen; auf dessen Wassern der Göttliche Báb auf Seiner Pilgerreise nach Mekka, dem Herzen des Islám, segelte, wo Er Seine Sendung offen verkündete; dessen mächtiger Subkontinent und Namengeber die Heimat und das zugewiesene Lehrgebiet des neunten Buchstaben des Lebendigen war; dessen große Inseln von `Abdu'l-Bahá im zweiten Sendschreiben zum Göttlichen Plan einzeln genannt wurden - war fast ein Jahrhundert lang jungfräuliches Gebiet für das Wort Gottes und eine Herausforderung für die Verkündigung Seines Glaubens. Dieser Herausforderung stellte sich ein halbes Hundert von Rittern Bahá'u'lláhs, die den Aufruf des geliebten Hüters beantworteten und ihre Heimat verließen, um sich von ganzem Herzen der Begründung des Glaubens in diesem Teil der Welt zu weihen. Sie richteten das Banner Bahá'u'lláhs auf seinen Atollen, großen Inseln und den angrenzenden Küstenstaaten auf. Jetzt wurde im Herzen dieses gewaltigen Ozeans die Insel Mauritius - deren Name im Heroischen Zeitalter des Glaubens in die Bahá'í-Geschichte einging, weil von dort zwei Jahre vor dem Eintreffen `Abdu'l-Bahás in Amerika eine Spende zum Erwerb eines Geländes für den Muttertempel des Westens kam - zum Schauplatz dieser Ozeanischen Konferenz erwählt.

In diesem Ozean und auf diesem Kontinent sind nicht nur die Institutionen des Glaubens errichtet worden, sondern der Geist des Neuen Tages, aufstrahlend schon zur ersten Morgendämmerung mit dem Licht der Gnadengaben Bahá'u'lláhs an die Menschheit, tritt in der Mannigfaltigkeit der Teilnehmer, in der Bruderschaft zwischen einstmals Fremden - ja Feinden - und vor allem in den erhabenen Zielen, für die ihr euch versammelt habt, deutlich zutage.

Euer Ziel ist die Erlösung der Menschheit von ihrer Gottlosigkeit, Unwissenheit, Verwirrung und ihren Konfliktherden. Ihr werdet Erfolg haben - wie eure Vorgänger Erfolg hatten - durch Opfer für die Sache Gottes. Die Taten und die Dienste, die jetzt von euch zu erbringen sind, werden in der Zukunft leuchten, genauso wie die Taten eurer geistigen Vorfahren heute leuchten und für alle Zeiten fortfahren werden, in den Annalen der Sache zu leuchten.

Wir teilen mit euch die geistige Hochstimmung dieser Konferenzen und versichern euch unserer unablässigen, glühenden Gebete, daß eure Beratungen über die Ziele des Glaubens in eurem Bereich und die geistige Bruderschaft, an der ihr teilhabt, in unmittelbare, entschlossene Pläne münden werden, die euch zugewiesenen Aufgaben noch vor dem schnell herannahenden Ende des Neunjahresplanes zu vollenden. Dieser Plan ist die derzeitige Stufe in dem Göttlichen Plan des Meisters, und sein erfolgreicher Abschluß muß das Vorspiel sein zu jenen größeren Siegen, wenn als Frucht eurer Mühen die göttlichen Ausgießungen ein gewaltiges Heer strahlender und ergebener Diener Bahá'u'lláhs erwecken werden, die Sein Königreich in dieser Welt aufrichten.





+63

12. August 1970 - Bildung von sieben Nationalen Geistigen Räten an Ridván 1971

An die Hände der Sache Rú.híyyih Khánum und William Sears, die das Universale Haus der Gerechtigkeit bei den Konferenzen in Bolivien und Mauritius vertreten, wurde soeben folgendes Telegramm aufgegeben:

Bitte verkünden Sie (den) Konferenzteilnehmern (die) freudige Nachricht (über den) Beschluß (zur) Einberufung (von) drei weiteren Nationaltagungen (zum) nächsten Ridván: Sudan, Tschad und Kongo-Brazzaville, Gabun. (Damit) erhöht sich (die Zahl der) neuen Nationalen Geistigen Räte, (die) am Ende des siebten Jahres (des) Neunjahresplanes gebildet (werden), auf sieben. Beten inbrünstig (an den) Heiligen Schreinen, daß die (Zahl der) nationalen Gemeinden (der) Bahá'í-Welt zum nächsten Ridván einhunderteins erreicht; erflehen Verstärkung (der) Bande, die sie vereinen, größere Hingabe (an die) herausfordernden Aufgaben, (die) noch vor ihnen (liegen), breitere Teilnahme aller Ränge (der) Gläubigen. Teilen (den) Wortlaut (des) Telegramms allen Nationalen Geistigen Räten mit.





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29. November 1970 - An alle Pioniere

Der Geist der Selbstaufopferung und der Ergebenheit, der so viele Anhänger Bahá'u'lláhs dazu bewegte, ihr Heim zu verlassen, an ferne und nahe Zielorte in fremden Ländern und in der Heimat zu gehen, um das Banner des Glaubens zu hissen und die göttlichen Lehren in fast allen bewohnten Gegenden des Erdballs zu verkünden, erhebt unser Herz und erregt unseren tiefen Stolz und unsere Bewunderung. Wir treten nun in die herausforderndste und entscheidende Endphase des Neunjahresplanes ein, die in der freudigen Jahrhundertfeier der Offenbarung des Heiligsten Buches Bahá'u'lláhs, des Kitáb-i-Aqdas, gipfeln wird. Welch größere Gabe können wir in diesem historischen Augenblick unserem Geliebten zu Füßen legen als die Verkündigung des Sieges in Seinem Namen!

In tiefer Würdigung der entscheidenden Rolle, die die Pioniere beim siegreichen Vormarsch der Armee des Lichtes spielen, regt sich in uns der Wunsch, ihre Herzen zu erquicken, ihren Geist zu erheben und ihre Lenden zu stärken durch den bewegenden Appell, der aus der Feder `Abdu'l-Bahás floß:

»... O wie sehne ich mich danach, diese Gegenden zu durchreisen, wenn nötig, sogar zu Fuß, und in tiefster Armut die Städte, die Dörfer, die Berge, die Wüsten und die Meere zu durchqueren, mit höchster Stimme den Ruf `Yá Bahá'u'l-Abhá!` zu erheben und die göttlichen Lehren zu verbreiten! Dies aber kann ich nicht tun. Wie tief beklage ich dies! Wenn es Gott gefällt, werdet ihr es vielleicht vollbringen...«,

und durch die folgenden wegweisenden Worte unseres geliebten Hüters:

»Ihre Pflicht ist es in dieser gegenwärtigen Stunde, wie ungünstig und wenigversprechend die jetzigen Aussichten auch scheinen mögen, vertrauensvoll und ohne Schonung in täglichem Bemühen weiterzuarbeiten, mit ungetrübter Sicht, wachsam, der Erhabenheit ihrer Berufung und der zukünftigen Herrlichkeit ihrer Sendung gewiß, unbeeindruckt von den niedrigen Bestrebungen und den Versuchungen der Umgebung, in der sie leben, ihr Äußerstes hergebend, und sowohl einzeln als auch mit vereinten Kräften ihren Beitrag zu leisten, um das Kommen des Tages zu beschleunigen, an welchem ihr geliebter Glaube endlich das volle Ausmaß seiner Kräfte enthüllt und sich zu neuen Höhen der Macht, des Ruhmes und der Herrlichkeit erheben wird, wie es von der Vorsehung bestimmt ist.«

»Wenn die Freunde in einem dieser Zielgebiete isoliert sind und feststellen, daß sie in ihrer Lehrarbeit nicht vorankommen und daß sie größtenteils in einem ungastlichen Klima leben, ist es für sie sehr schwer, richtig zu würdigen, daß sie eine Kraft für das Gute darstellen, daß sie wie ein Leuchtturm Bahá'u'lláhs sind, der an einem strategischen Punkt leuchtet und seine Strahlen hinaus ins Dunkel schickt. Aus diesem Grunde bittet er (Shoghi Effendi) diese Pioniere so unablässig, ihre Posten nicht zu verlassen.«

»Wie gewaltig die Aufgabe auch sein mag, wie unüberwindlich die Hindernisse auch scheinen, die ihrer Durchführung im Wege stehen, und wie begrenzt die Mittel, die Fähigkeit und die Zahl jener sein mag, die dazu berufen sind, ihre Erfüllung sicherzustellen: vermöge der göttlichen Macht, die sie durchdringt, wird sie ganz sicher zur rechten Zeit erfolgreich bewältigt werden. Gottes erlösende Gnade, die durch die kleine und doch so unsagbar wundervolle Schar seiner gläubigen Diener strömt, wird wie in früheren Zeiten allmählich die Welt durchdringen und dem Bewußtsein der Völker und Nationen gleichermaßen die Erkenntnis einflößen, daß nur das göttliche Allheilmittel, das Er selbst verordnet hat, die Leiden heilen kann, die jetzt die gesamte Menschheit so furchtbar heimsuchen. Gibt es darum ein höheres Vorrecht, als das Instrument zu sein, der Kanal für die Vermittlung solch göttlicher Gnade? Laßt uns nun Mut fassen und treu unseren Auftrag fortführen und stets sicher sein, daß der verheißene Tag des Sieges, den Bahá'u'lláh als Zeichen für das Goldene Zeitalter Seiner Sache vorausgesagt hat, für uns anbrechen wird und für eine Welt, die sich bis jetzt der göttlichen Kraft Seiner Botschaft noch nicht bewußt ist.«

Und schließlich schreibt die Feder der Herrlichkeit selbst:

»Die ihr Land verlassen haben, um Unsere Sache zu lehren, wird der Geist des Glaubens durch seine Macht stärken. Eine Schar Unserer erwählten Engel wird mit ihnen gehen, wie Er, der Allmächtige, der Allweise, es ihnen gebietet. Wie groß ist der Segen, der den erwartet, der die Ehre erringt, dem Allmächtigen zu dienen! Bei Meinem Leben! Keine Tat, wie groß sie auch sei, ist mit dieser vergleichbar, außer solchen Taten, die Gott, der Allmachtvolle, der Mächtigste, verordnet hat. Ein solcher Dienst ist wahrlich der Fürst aller guten Taten und die Zierde allen edlen Handelns. So ist es von Ihm, dem höchsten Offenbarer, dem Altehrwürdigen der Tage, verordnet.«

Jedem einzelnen von Ihnen senden wir unsere Liebe und die Versicherung, daß wir für Sie in den Heiligen Schreinen beten.





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29. Dezember 1970 - Schwere Krise des Internationalen Bahá'í-Fonds

Wir haben einen kritischen Punkt im Fortgang des Neunjahresplanes erreicht. In vielen Ländern dürsten und verlangen unzählige Menschen danach, die Botschaft Bahá'u'lláhs anzunehmen. In anderen Ländern, die materiell fortgeschritten aber geistig zurückgeblieben sind, ist eine große Anstrengung notwendig, um die Menschen zum Licht dieses Neuen Tages zu erwecken. Die vor kurzem in vielen Ländern gebildeten Nationalen Geistigen Räte sind damit beschäftigt, .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgelände, Nationale Stiftungen und Lehrinstitute zu erwerben, die für die angemessene Entwicklung der Verwaltungsordnung und für die Vertiefung der Gläubigen im Bahá'í-Wissen so notwendig sind, und im Herzen der westlichen Hemisphäre benötigt der Mashriqu'l-Adhkár von Panama mehrere hunderttausend Dollar zu seiner Fertigstellung. Um diese vielen notwendigen Aufgaben erfüllen zu können, werden die Hilfsquellen der Sache bis zum Äußersten beansprucht.

In diesem kritischen Augenblick, da die Aktivität der Gläubigen und die Ausgaben der Fonds sich steigern sollten - denn nur so können wir die Gelegenheiten ergreifen, die sich uns bieten - , sieht sich der Internationale Bahá'í-Fonds durch einen starken Rückgang der Beiträge in eine ernsthafte Krise versetzt. Zweifellos sind dafür unter anderem auch weltweite wirtschaftliche Schwierigkeiten verantwortlich; doch wir vertrauen darauf, daß die Gläubigen in aller Welt auf diese Herausforderung antworten und jedes Opfer bringen werden, um sicherzustellen, daß die Arbeit der Sache Gottes unbehindert voranschreitet.

Von 1963 an, als es 56 Nationale Geistige Räte gab, bis zum heutigen Zeitpunkt, wo wir 94 haben (bald werden es 101 sein), hat sich die Arbeit der Sache sowohl auf dem Gebiet des Lehrens wie auch im Weltzentrum so rasch ausgedehnt, daß das Universale Haus der Gerechtigkeit das internationale Jahresbudget der Sache um mehr als das Vierfache erhöhen mußte. In diesem Jahr werden achtundfünfzig Prozent des Internationalen Fonds für Vorhaben außerhalb des Heiligen Landes verwendet, so für die Unterstützung von Nationalen Geistigen Räten (56 von ihnen erhalten einen großen Teil, wenn nicht ihr gesamtes Budget vom Weltzentrum), für Beiträge zur Arbeit der Hände der Sache und für die Kontinentalen Beraterämter, für die Verteidigung der Sache in Ländern, wo sie verfolgt wird, und für unsere ausgedehnten Tätigkeiten bei den Vereinten Nationen.

Um der augenblicklichen Situation zu begegnen, muß das Universale Haus der Gerechtigkeit die Ausgaben des Internationalen Bahá'í-Fonds drastisch einschränken, bis der Zustrom der Beiträge wieder einsetzt. Während die Arbeiten am Internationalen Archiv-Gebäude vollendet werden konnten, die notwendig waren, um die kostbaren Sendschreiben und Erinnerungsstücke vor der hohen Feuchtigkeit und der immer stärker verschmutzten Luft der Stadt Haifa zu schützen, mußten die Pläne zur weiteren Vergrößerung der Gärten in Bahjí und zur Erweiterung der Terrassen unterhalb des Schreins des Báb sowie zusätzliche Ausbauvorhaben an den Verwaltungseinrichtungen des Weltzentrums zurückgestellt werden. Außerdem sind wir gegen unseren Willen gezwungen, die nächsten zwei Vierteljahreszuwendungen für Nationale Geistige Räte um zehn Prozent zu kürzen, und wir rufen diese Räte jetzt auf, dem Rechnung zu tragen und ihre eigenen Ausgaben einzuschränken.

Dies können jedoch nur vorübergehende Maßnahmen sein, um die augenblickliche Notlage zu mildern. Was wir jetzt wirklich brauchen - in einer Zeit, in der die Menschheit die Botschaft Bahá'u'lláhs so dringend benötigt - , ist nicht die Verringerung der Aktivität der Freunde, sondern die universelle Teilnahme aller Gläubigen an der Arbeit der Sache.

Zahlenmäßig übertreffen die armen Gläubigen die reichen bei weitem, und diese Mehrheit wird schnell weiter anwachsen in dem Maße, wie die Massen-Lehrarbeit sich ausweitet. Obgleich daher die Arbeit in den Gebieten des Massen-Lehrens weiterhin durch die Beiträge der Freunde in den Wohlstandsländern unterstützt wird und diese Gläubigen für die unmittelbare Zukunft die Hauptstütze des Internationalen Fonds sein müssen, wird es für die Freunde in den Massen-Lehrgebieten doch immer dringender, ihre eigenen Tätigkeiten in immer größerem Ausmaß selbst zu finanzieren. Das Rückgrat des Fonds müssen die regelmäßigen Beiträge eines jeden Gläubigen sein. Auch wenn solche Beiträge wegen der Armut der Spender klein sind, so wird doch eine Vielzahl kleiner Beträge einen mächtigen Strom bilden, der die Arbeit der Sache vorantragen kann. Mehr noch - die Einigkeit der Freunde im Opfer wird die Bestätigungen der Gesegneten Schönheit auf sie lenken.

Die universelle Teilnahme der Gläubigen auf allen Gebieten des Glaubens - in ihren Beiträgen zum Fonds, im Lehren, in der Vertiefung, im Leben als Bahá'í, in der Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten und vor allem im gebeterfüllten Leben der Hingabe an Gott - wird die Bahá'í-Gemeinde mit solcher Kraft ausstatten, daß sie die Mächte geistiger Zersetzung, die die Nicht-Bahá'í-Welt in einen Abgrund stürzen, überwinden und zu einem Meer der Einheit werden kann, das die Oberfläche des Planeten bedecken wird.

Wir bitten jeden einzelnen von Ihnen, über diese Dinge tief nachzudenken und sich mit uns im inbrünstigen Gebet zu vereinen, daß diese augenblickliche Krise sich als eine Prüfung durch die göttliche Vorsehung erweisen möge, welche die Gemeinde des Größten Namens zu neuen Höhen der Hingabe und zu siegreichen Taten anspornen wird.





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4. Januar 1971 - Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Agnes Alexander

(An NGR Hawaii)

Bedauern tief Ableben (der) erleuchteten Seele, Hand (der) Sache Agnes Alexander, langjähriger Pfeiler (der) Sache (im) Fernen Osten (und die) erste, (die den) Glauben (zu den) Hawaii-Inseln brachte. Ihr langes, einsatzbereites, beispielhaftes Leben (im) Dienst (und in der) Hingabe (an die) Sache Gottes (hat der) Mittelpunkt (des) Bündnisses vorausgesehen, (als Er) sie auswählte, (die) unauslöschliche Ehre (mit) May Maxwell (zu) teilen, (in den) Tablets (zum) Göttlichen Plan erwähnt (zu sein). Ihre unbegrenzte, unaufhörliche Verfolgung (der) Lehrarbeit (im) Gehorsam (gegenüber dem) Befehl Bahá'u'lláhs, (den) Ermahnungen (des) Meisters (und den) Anleitungen (des) geliebten Hüters (bildet ein) leuchtendes Beispiel (für) alle Anhänger (des) Glaubens. Ihr Hinscheiden trennt (uns von) einem weiteren Verbindungsglied (zum) Heroischen Zeitalter. Versichern Familie (und) Freunde inniger Gebete (am) Heiligsten Schrein (für den) Fortschritt (ihrer) strahlenden Seele. Bitten alle Nationalen Geistigen Räte, Gedächtnisversammlungen durchzuführen, und die zuständigen Räte, Andachten (in den) Muttertempeln abzuhalten.





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11. Januar 1971 - Der Fortschritt des Glaubens in Deutschland

An den Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í in Deutschland

Liebe Bahá'í- Freunde,

der langsame Fortschritt des Glaubens in Deutschland muß für Ihren Rat ein Anlaß großer Sorge sein, und wir sind sicher, daß Sie viele Stunden des Nachdenkens und der Beratung diesem Problem widmen. Wir nahmen mit großer Befriedigung von den Schritten Kenntnis, welche Ihr Rat in Ihrer Zusammenkunft am 10. und 11. Oktober eingeleitet hat, um die Erreichung der Ziele für die Bildung örtlicher Räte in Deutschland tatkräftig und ermutigend zu verfolgen. Wir freuen uns auch auf Zeugnisse vieler weitreichender fruchtbarer Ergebnisse der Besuche der Hände der Sache `Alí Akbar Furútan und John Robarts in Ihrer Gemeinde. Die weithin bekannt gewordenen Tourneen der europäischen »Dawnbreakers« und von Fräulein Linda Marshall dürften den Freunden ebenfalls viele neue Möglichkeiten zur Verbreitung des Glaubens vor Augen geführt haben.

Der Fortschritt der Sache hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon ist natürlich die Aufnahmefähigkeit der Menschen, welche die Botschaft hören. Diesen Faktor zu ändern, liegt weitgehend außerhalb der Fähigkeit der Bahá'í. Das ermutigende Zeichen ist jedoch, daß weithin in der ganzen Welt, insbesondere unter jungen Menschen, die geistige Aufnahmebereitschaft neuerdings in starkem Maße wächst und noch weiter zunimmt. Es gibt keinen Grund, zu glauben, daß Deutschland von dieser weltweiten Erscheinung ausgeschlossen sein sollte. Dennoch wollen wir besonders auf die Faktoren hinweisen, die ein unmittelbares Ergebnis der Aktivitäten der Bahá'í darstellen; denn wenn die Bahá'í nur ihren Anteil leisten - wie wenig erfolgversprechend die Aussicht auch scheinen mag - , kann Bahá'u'lláh Türen öffnen und Bedingungen ändern auf eine Weise, die unser Begreifen weit übersteigt.

Vier Dinge sind es, die - wenn die deutsche Bahá'í-Gemeinde sie in die Tat umsetzt - den Fortschritt der Sache in diesem Land und auf dem ganzen europäischen Kontinent von Grund auf ändern könnten; denn diese Gemeinde, »die von `Abdu'l-Bahá so sehr geliebt wurde«, ist, wie der Hüter bezeugt hat, »dazu bestimmt - wie Er voraussagte - , das Licht der geheiligten Offenbarung Gottes nicht nur im Herzen Europas, sondern über diesen ganzen ... geistig ausgehungerten Kontinent zu verbreiten.«


Die Macht Bahá'u'lláhs

Das erste ist eine größere Vergegenwärtigung der Macht Bahá'u'lláhs, die Anstrengungen derer, die Ihm dienen, zu stärken, sowie Seiner Verheißung, dies zu tun, und der Machtlosigkeit aller unserer Taten ohne diesen göttlichen Beistand. Jede Einschätzung einer Situation ist völlig irreführend, wenn sie nicht diese höchste Macht in Betracht zieht; sind sich die Bahá'í hingegen ihrer Abhängigkeit von Ihm ständig bewußt, dann werden sie befähigt, kühne Pläne zu entwerfen und diese auch angesichts unüberwindlich scheinender Hindernisse vertrauensvoll zu vollenden.

Erreichung der Ziele von äußerster Dringlichkeit

Ausgerüstet mit diesem Bewußtsein sollten sich dann die Gläubigen der Gewinnung der Ziele des Neunjahresplanes mit dem Geiste zuwenden, der sie erreichen wird. Dieser Plan ist eine Stufe in der Entfaltung des Göttlichen Planes `Abdu'l-Bahás. Die Erreichung seiner Ziele ist von äußerster Dringlichkeit und Wichtigkeit, weil die Anhänger Bahá'u'lláhs einen Wettlauf mit der Zeit austragen. Die Menschheit ist im Begriff, in einen Abgrund des Verderbens zu stürzen, beschleunigt durch ihre eigene Torheit. Je länger wir Bahá'í in der Erfüllung der Aufgaben, die Gott uns gestellt hat, zögern, desto größer wird das Leiden unserer Mitmenschen. Allerorten beginnen die Menschen schon jetzt zu sagen: »Wir haben gewartet und uns nach dieser Botschaft gesehnt. Warum habt ihr so lange gebraucht, zu uns zu kommen?« Die Gläubigen sollten die Ziele ins Auge fassen und erkennen, daß diese dazu bestimmt sind, gewonnen zu werden. Sie sollten entscheiden, was dazu erforderlich ist, und dann - mag die Aussicht auf Erfolg auch noch so hoffnungslos scheinen - entschlossen darangehen, alles Notwendige zu tun, im Vertrauen darauf, daß Bahá'u'lláh sie mit Seinen Heerscharen stärken und die Tore des Sieges vor ihnen öffnen wird.

Pionierbewußtsein

Der dritte Punkt ist ein rein praktischer Schritt, auf welchen der geliebte Hüter selbst die deutsche Bahá'í-Gemeinde in anschaulicher Form hingewiesen hat. Mit Brief vom 30. Oktober 1951 schrieb sein Sekretär in seinem Auftrag an Ihren Rat:

»Das weitaus Wichtigste ist jetzt, da in der deutschen Bahá'í-Gemeinde größere Einigkeit zustande gekommen ist, die Freunde pionierbewußt zu machen: Sie müssen lernen, sich hinaus zu wagen, ihr Vertrauen in Gott zu setzen und in neue Städte und an neue Orte zu gehen, um dort die Sache einzuführen. Dies wird eine gänzlich neue Phase in der Geschichte der Sache in Deutschland kennzeichnen und den Bahá'í ein Gefühl des Sieges und des Selbstwertes geben, wie sie es nie zuvor gehabt haben. Wenn sie sehen, wie sie nach Jahren der Verfolgung, des Krieges, der Besatzung, des finanziellen Chaos und der Unsicherheit ihr .Ha.zíra gebaut und ihr nationales Verwaltungszentrum dorthin verlegt haben, dann müssen sie verwundert über ihren Sieg und unendlich stolz sein. Haben sie jemals gedacht, daß so etwas geschehen könnte? Mit dem gleichen Glauben und der gleichen Entschlossenheit sollen sie sich jetzt erheben, um neue Räte und Gruppen aufzubauen. Sie werden sehen, daß sie Erfolg haben, so wie sie mit ihrem Hazíra Erfolg hatten.«

Seitdem ist die deutsche Gemeinde gewachsen, sie hat einen blühenden Verlag gegründet und damit die Literatur der Sache in der deutschen Sprache sehr viel besser zugänglich gemacht, sie ist der Gastgeber für große Internationale Konferenzen gewesen, hat den Muttertempel Europas im Herzen dieses Kontinents errichtet und ihr nationales Verwaltungszentrum in den Umkreis dieses Tempels verlegt - wobei sie für jenes .Ha.zíratu'l-Quds, das ihre erste große Leistung nach dem Krieg gewesen war, eine Summe einlöste, die die kühnsten Träume seiner Erbauer weit überstieg.

Der Geist des Pionierens ist jedoch noch unterentwickelt. Die deutschen Gläubigen müssen sich jetzt erheben, um dem Ruf des Hüters zu folgen, unbeirrt durch die Probleme und Gefahren; sie müssen »ihr Vertrauen in Gott setzen« und auf die Zusicherung des Hüters bauen: »Sie werden sehen, daß sie Erfolg haben.« Dieser eine Schritt wird mit unfehlbarer Sicherheit, wie der Hüter ausführt, »eine gänzlich neue Phase in der Geschichte der Sache in Deutschland kennzeichnen«. »Auf diese Weise«, schrieb er am 14.8.1957, »werden die Angelegenheiten des Glaubens die Segnungen Bahá'u'lláhs anziehen, und die Gläubigen werden von Ihm dafür belohnt werden, daß sie ihre Pflicht erfüllen und die Herausforderung der jetzigen Stunde annehmen.«

Diese ersten drei Punkte sind eng miteinander verbunden: Das feste Vertrauen auf Bahá'u'lláh wird die Freunde befähigen, zu pionieren, das Bewußtwerden des dringenden Charakters der Ziele wird sie inspirieren, so zu handeln, und sie bei der Wahl ihres Pionierortes leiten. Das Opfer, das sie erbringen, indem sie sich erheben, um ihr Heim zu verlassen, wird auf sie die göttlichen Bestätigungen herabrufen und durch lebendige Erfahrung ihre Liebe zu Gott, ihr Bewußtwerden Seiner allgegenwärtigen Fürsorge und ihr Vertrauen auf Ihn in jeder Lage ihres Lebens vertiefen.

Methoden des Lehrens

Bei dem vierten Schritt geht es um die Methoden des Lehrens. Durch sie kann die Verbreitung der Sache in Deutschland neu belebt werden. Wir stehen unter dem Eindruck, daß die deutschen Bahá'í in ihren öffentlichen Vorträgen, bei ihren Sommerschulen und Tagungen und selbst beim persönlichen Lehren sich viel zu stark darauf konzentrieren, die Sache unter dem intellektuellen, philosophischen und wissenschaftlichen Blickwinkel zu beleuchten. Selbst wenn sie Christen lehren, scheint dabei der theoretische, theologische Gesichtspunkt am meisten betont zu werden. Wir sagen nicht, daß dieser Gesichtspunkt der Lehrarbeit vernachlässigt werden sollte. Er ist in der Tat wichtig, besonders in Deutschland. Aber er sollte durch andere Ansätze und Verfahren, die Menschen anderer Denkrichtung ansprechen, ergänzt und ausgeglichen werden. Der Genius des deutschen Volkes ist nicht nur philosophisch und wissenschaftlich, sondern auch in hohem Maße poetisch, tief geistig und sehr idealistisch. Ihr Rat sollte viele verschiedene Wege der Darstellung des Glaubens in Betracht ziehen und zu diesen ermutigen. Nicht nur seine Wahrheit, sondern auch seine Freude, die Einheit der Freunde, der Geist der Liebe und des Dienens, der Vergebung und der Menschlichkeit sollte zum Ausdruck gebracht werden. Viele dieser Punkte lassen sich besser vorzeigen als beschreiben. Die Jugend soll es sich zum besonderen Ziel machen, die Nicht-Bahá'í-Jugend um sie herum anzusprechen und sie anzuziehen. Alle Gläubigen mögen sich vor Augen halten, daß jemand, der intellektuell vom Glauben angesprochen wurde, diesem nur in seltenen Fällen wirklich beitritt, sofern nicht auch sein Herz angesprochen wird; ist dagegen jemand im Herzen von Bahá'u'lláh ergriffen, dann wird er sich sofort zu Seinem Dienst erheben und dann auch seine verstandesmäßigen Probleme lösen, indem er der Sache dient, die er liebt.

Wir glauben, daß größere Spontaneität, größere Wärme und persönlicher, informeller Kontakt, unterstützt durch herzliche Gastfreundschaft, die Lehrarbeit in Deutschland ungemein verstärken wird.

Ihr Rat sollte auch Wege ausfindig machen, wie die verschiedenen Schichten der deutschen Gesellschaft erreicht werden können, die Armen und Ungebildeten in den Slums der großen Städte, die Landwirte und Bauern in den Ebenen des Nordens und den Bergen des Südens, die Jugend in den Schulen und an den Universitäten, die in der Industrie tätige Jugend ebenso wie die steigende Zahl derjenigen Jugendlichen, die sich über die moderne Gesellschaft keine Illusionen mehr machen und sich gegen diese Gesellschaft auflehnen. In all diesen Bereichen finden sich viele Menschen, die für die Botschaft Bahá'u'lláhs vorbereitet sind und auf sie warten.

Es ist unser heißes Gebet, daß die Freunde in Deutschland mit ganzem Herzen auf diese Nöte antworten und die Gelegenheiten ergreifen werden und daß jedes Ziel des Planes in diesem Land schnell erreicht wird. Denn mit äußerster Dringlichkeit muß die Heimatfront stark gefestigt werden und kräftig wachsen, damit die deutsche Bahá'í-Gemeinde die nächste Phase der Entfaltung ihrer hohen Bestimmung in Angriff nehmen kann, einer Bestimmung, die die deutschen Anhänger Bahá'u'lláhs dazu aufruft, »die Fackelträger des Lichtes göttlicher Führung für die Nachbarländer auf diesem Kontinent« zu sein und »sich in den Osten und Süden Europas und über diese Gebiete hinaus in das Herz von Nordasien bis zum Chinesischen Meer zu verbreiten.«

Bitte geben Sie den Gläubigen in Deutschland sofort von diesem Brief Kenntnis, denn Bahá'u'lláh hat die Verantwortung, Seine Sache zu lehren, auf die Schultern jedes einzelnen Bahá'í gelegt.

Möge der Allmächtige die Beratungen Ihres Rates inspirieren und die Herzen der Freunde beleben, damit sie bereitwillig und voll Eifer dem Ruf folgen, den Sie zum jetzigen Zeitpunkt - einem Wendepunkt in den Annalen der Sache in diesem Land - an sie richten werden.

Mit tiefster Bahá'í-Liebe
Das Universale Haus der Gerechtigkeit





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Januar 1971 - Botschaft an die Konferenz in Monrovia

Es ist ein Zeichen von allergrößter Bedeutung und ein augenfälliger Beweis für die Segnungen, die Gott an diesem Tag für die Völker des afrikanischen Kontinents bestimmt hat, daß schon so bald nach der Inangriffnahme organisierter Lehrprojekte auf diesem Kontinent eine weitverzweigte, zahlenmäßig starke, vielfältige und geeinte Bahá'í-Gemeinde entstanden ist.

Die großen Siege in Afrika, die das Herz des Hüters in dessen letzten Lebensjahren mit solcher Freude erfüllten, waren die Frucht der selbstaufopfernden Hingabe von einer Handvoll Pionieren, die langsam durch die ersten eingeborenen Gläubigen eine erste Hilfestellung erfuhren und die sich alle unter der liebevollen Obhut der Hand der Sache Músá Banání abmühten. Ihren Anstrengungen ist es zu verdanken, daß ein immer größer werdendes Heer afrikanischer Lehrer, Arbeitern in der Verwaltung, Pionieren und tapferen Förderern des Glaubens herangewachsen ist, dessen Hauptaufgabe nun darin liegt, dem ganzen afrikanischen Kontinent die Segnungen zu bringen, die das Wort Gottes verleiht - Segnungen der Erleuchtung, des Eifers, der Hingabe und letzten Endes der wahren Zivilisation der Weltordnung Bahá'u'lláhs.

Viele der ärgsten Mißstände, von denen die Menschheit jetzt heimgesucht wird, erscheinen in besonders krasser Form auf dem afrikanischen Kontinent; Vorurteile der Rasse, des Stammes und der Religion, Uneinigkeit der Nationen, die Geißel politischer Parteienbildung, Armut und mangelhafte Bildung sind ins Auge springende Beispiele hierfür. Bei der Heilung dieser Krankheiten und der Linderung ihrer allerschlimmsten Auswirkungen haben die Bahá'í eine große Rolle zu spielen - vielleicht noch größer als sie meinen. Durch ihre strahlende Einheit, ihre »hellen, leuchtenden« Gesichter, ihre Selbstdisziplin bei der eifrigen Befolgung aller Anforderungen der Bahá'í-Gesetze, ihre Enthaltung von der Politik, ihr anhaltendes Studium und ihre ständige Verkündigung der Größten Botschaft werden sie das Herannahen jenes ruhmreichen Tages beschleunigen, an dem die ganze Menschheit ihre wahre Bruderschaft erkennen und sich im Sonnenlicht der Liebe Gottes und Seines Segens baden wird.

Daß die afrikanischen Gläubigen alle Voraussetzungen mitbringen, beim Aufbau des Reiches Gottes auf Erden ihren vollen Beitrag zu leisten, haben sie durch ihre natürlichen Fähigkeiten und ihre Taten, die wir gerade jetzt vor uns sehen, schon zur Genüge bewiesen. Eine afrikanische Hand der Sache Gottes, die sich soeben auf einer glänzenden, triumphalen Lehrreise um die Welt befindet, afrikanische Berater und Hilfsamtsmitglieder, Mitglieder von Nationalen und örtlichen Geistigen Räten und ein stetig zunehmendes Heer von Gläubigen legen Zeugnis ab für die Kraft und die unermeßliche Fähigkeit dieses hochgesegneten Kontinents, seinem Herrn am großen Tag Seines Erscheinens dienstbar zu sein. Es ist die Sehnsucht unserer Herzen, daß die afrikanischen Gläubigen, die der Hüter des Glaubens so ins Herz geschlossen hatte, sich der vor ihnen liegenden Herausforderung stellen und durch ihre hingebungsvollen und selbsaufopfernden Taten die Dankbarkeit und das Wohlwollen der ganzen Menschheit auf sich ziehen werden.

Möge diese Konferenz zu einer Sonne werden, von der die Strahlen geistiger Energie und Eingebung in alle Teile dieses großen Kontinents ausstrahlen und die Freunde auf den Gebieten des Lehrens und des Pionierens so zur Tat beflügelt werden, daß sie schnell alle Aufgaben erfüllen, die ihnen durch den Neunjahresplan gestellt sind.

Unsere Gedanken und Gebete begleiten Sie.





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Januar 1971 - Botschaft an die Ozeanische Konferenz der Südchinesischen See in Singapur

Der großartige Fortschritt, den die Bahá'í-Gemeinden Südostasiens bei der Erfüllung der ihnen im Neunjahresplan zugewiesenen Aufgaben erzielt haben, erfüllt unsere Herzen mit Dankbarkeit vor Gott und erregt unsere größte Bewunderung für die Fähigkeiten und die hingebungsvollen Dienste der Freunde in all diesen ausgedehnten und so verschiedenartigen Ländern. Ihre Anstrengungen sind tatsächlich mit so reichen göttlichen Bestätigungen belohnt worden, daß wir von der Fähigkeit dieser Gemeinden überzeugt sind, die gesetzten Ziele weit zu übertreffen und die Eröffnungsphase des nächsten Abschnitts ihrer Entwicklung einzuleiten, nämlich eine ungeheure Steigerung beim Aufbau der Sache Gottes unter den Millionenvölkern auf den Inseln und in den Küstenländern dieser weit ausgedehnten Region unserer Erde.

Südostasien - dessen begabte, fleißige Völker zu den Anhängern von vier großen Weltreligionen gehören, in allen Epochen Zivilisationen und Kulturen hervorgebracht haben, die die höchsten Errungenschaften der Menschheit zum Ausdruck brachten, und nunmehr zusammen mit der ganzen übrigen Welt den auflösenden, umwälzenden, Einfluß »dieser größten, dieser neuen Weltordnung, ... dieses einzigartigen, dieses wundersamen Systems, desgleichen kein sterbliches Auge je gesehen hat«, erleben - Südostasien liegt offen und aufnahmebereit für das Wort Gottes da, bereit, in seinem fruchtbaren Boden ein weiteres Mal diesen wirkkräftigen Samen zu nähren und in der ihm eigenen, charakteristischen Weise als untrennbaren Bestandteil der Weltkultur die Institutionen, die Struktur und das strahlende Gebäude der Weltordnung Bahá'u'lláhs hervorzubringen.

Wir rufen die Gläubigen in dieser verheißungsvollen Weltgegend, die freudig erregt sind von der Flut herannahender Siege, zur Führung eines dreiteiligen Feldzugs auf: Der Hauptstrang der Tätigkeiten richtet sich auf die sofortige Ausweitung des Glaubens über die Ziele des Neunjahresplanes hinaus. Zusätzlich sind Sie aufgerufen, einen Stamm von Reiselehrern aufzustellen, die vor allem anderen sämtliche Gemeinden und Gruppen in dem ganzen Bereich besuchen, um sie zu vertiefen und das Bahá'í-Leben dort zu festigen, somit die errungenen Siege zu sichern und das Fundament für die künftige Entwicklung zu stärken. Gleichzeitig muß sich schließlich eine Anzahl von chinesisch sprechenden Gläubigen erheben und als Pioniere und Reiselehrer in allen Ländern Südostasiens viele Angehörige des begabten chinesischen Volkes zum Glauben Bahá'u'lláhs und zum Dienst an diesem Glauben hinziehen.

In Anerkennung Ihrer jetzt erbrachten Leistungen und in vollem Vertrauen auf Ihre Entschlossenheit und Fähigkeit, weiterhin die göttlichen Bestätigungen Bahá'u'lláhs auf sich zu ziehen, geben wir Ihnen überglücklich als zusätzliches Ziel des Neunjahresplanes die Bildung des Nationalen Geistigen Rates von Singapur zu Ridván 1972 bekannt, als zusätzlichen Stützpfeiler für das Universale Haus der Gerechtigkeit und als neue Bastion des Glaubens an diesem so lebenswichtigen Brennpunkt menschlicher Geschäftigkeit.

Wir beten darum, daß Ihre Beratungen eine neue Welle der Begeisterung hervorrufen, die Bande der Liebe zwischen den vielen und vielgestaltigen nationalen Gemeinden Ihrer Region immer tiefer verankern und zu praktischen Plänen für die Durchführung der genannten Aufgaben hinführen werden.

Wir senden Ihnen allen unsere liebevollsten Grüße und erwarten sehnlichst den Bericht von Ihrer Konferenz.





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1. Februar 1971 - Teilnahme von Händen der Sache Gottes an ersten Nationaltagungen

Bitte veröffentlichen (Sie (NGR U.S.A.) in den) Bahá'í News (die) folgende glückliche Ankündigung. (Die) folgenden Hände (der) Sache werden (am) kommenden Ridván (das) Universale Haus (der) Gerechtigkeit (bei) ersten Nationaltagungen vertreten: `Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum (in) Elfenbeinküste, Obervolta, Mali; Dhikr'u'lláh Khadem (in) Trinidad Tobago; Adelbert Mühlschlegel (in) Lesotho; `Alí Mu.hammad Varqá (in) Kongo-Brazzaville, Gabun; Enoch Olinga (in) Sudan, Tschad; Collis Featherstone (in) Salomon-Inseln, Südwest-Pazifik. (Wir sind) zuversichtlich, (daß die) Anwesenheit (und) Teilnahme dieser Bannerträger (des) Neunjahresplanes (an den) historischen ersten Nationaltagungen (die) göttlichen Segnungen anziehen (und den) neuen nationalen Gemeinden helfen wird, (ihre) heiligen Verantwortlichkeiten in geziemender Weise (zu) übernehmen.





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11. Februar 1971 - Bildung neun weiterer Nationaler Geistiger Räte zu Ridván 1972

Hocherfreut, allen Freunden (die) Bildung (von) neun zusätzlichen Nationalen Geistigen Räten an Ridván 1972 anzukündigen, (wodurch die) Gesamtzahl (der) Pfeiler (des) Universalen Hauses (der) Gerechtigkeit auf einhundertzehn erhöht (wird). Drei in Afrika: Republik Madagaskar, Réunion (und) Seychellen; drei in Asien: Ostpakistan, Nepal, Singapur; einer in Australasien: Nordwest-Pazifik mit Guam, Karolinen, Marianen, Marshall-Inseln; zwei in Europa: Island und Republik Irland. Vier davon - Seychellen, Ostpakistan, Singapur, Nord-West-Pazifik - bilden zusätzliche Ziele (des) Neunjahresplanes. Bitten (für) all diese Gebiete vorgesehene Pioniere, (ihre) Posten ohne Verzögerung einzunehmen. Rufen zuständige Gemeinden auf, sich zu rüsten, höchstes Bemühen (in den) schnell vorbeifliegenden Wochen bis kommendes Ridván einzusetzen, (um) möglichst viele Räte (zu) bilden (und) damit die Grundlagen (der) vorgesehenen nationalen Institutionen (zu) verbreitern (und zu) stärken. Flehen (an den) Heiligen Schreinen, (daß die) Anhänger (des) Größten Namens (die) einzigartige Gelegenheit (der) jetzigen Stunde ergreifen mögen und keine Anstrengungen scheuen, bis (die) Ziele (des) Planes völlig erfüllt sind, (und daß sie) damit auf sich selbst und ihre Gemeinden unschätzbaren Segen (der) Altehrwürdige Schönheit herabziehen.





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23. Februar 1971 - Warnung vor Mißbrauch mit Aufnahmen der Stimme `Abdu'l-Bahás

Die Tonbandgeräte und Kassettenrecorder, die jetzt auf den Märkten in aller Welt in reicher Auswahl angeboten werden, haben uns neue Türen geöffnet, und den Freunden stehen in fast allen Ländern neue Methoden zur Verbreitung von Bahá'í-Materialien zur Verfügung. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hofft, daß die Aufzeichnung von Bahá'í-Ansprachen und anderen auditiven Darbietungen und ihre ausgiebige Nutzung durch Bahá'í und Nicht-Bahá'í sich überall als machtvolles neues Hilfsmittel für die Lehrarbeit und für die Vertiefung erweist. In einem Punkt ist jedoch äußerste Vorsicht geboten, nämlich bei der Verwendung von Aufzeichnungen der Stimme `Abdu'l-Bahás.

Der Hüter hat den Freunden im Hinblick auf diese Aufnahme eingeschärft, »sich zu beschränken und Vorsicht walten zu lassen.« »Nach meiner Ansicht,« fügte er hinzu, »sollte sie nur bei besonderen Anlässen verwendet und mit größter Ehrerbietung angehört werden. Ich bin überzeugt, daß ein häufiger und unterschiedsloser Gebrauch eines der kostbarsten Erinnerungsstücke unseres dahingegangenen Meisters mit der Würde der Sache nicht vereinbar wäre.«

Bitte teilen Sie den Freunden den Inhalt dieses Schreibens in angemessener Form mit. Wir sind zuversichtlich, daß die Freunde die Mahnung des Hüters genauestens befolgen und die Grenzen der Höflichkeit und Mäßigung beim Gebrauch dieses kostbaren Erinnerungsstückes, das uns der Mittelpunkt des Bündnisses Gottes so liebevoll hinterlassen hat, nicht überschreiten werden.





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29. März 1971 - An die Konferenz der europäischen Bahá'í-Jugend in Namur

Der in den letzten Jahren stark angewachsene Umfang und Wirkungsgrad des Dienstes, den die Bahá'í-Jugend in Europa leistet, hat uns sehr ermutigt und unsere Hoffnung auf den Fortschritt der Sache Gottes auf diesem Kontinent sehr verstärkt. Der zweijährige Jugendfeldzug, den Sie jetzt beginnen, birgt so große Möglichkeiten, die Ziele des Neunjahresplanes zu erreichen, daß wir ihm größte Wichtigkeit beimessen.

Ihnen, die Sie auf den Ruf des Kontinentalen Berateramtes hin jetzt in Namur versammelt sind, ist es auferlegt, in dem vom Berateramt und den Nationalen Geistigen Räten schon abgesteckten Gesamtrahmen die nächsten Schritte dieses beherzten Feldzuges zu entwerfen. Sie dürfen sicher sein, daß unsere Gebete Sie unterstützen werden und daß wir die Gesegnete Schönheit anflehen, Ihre Beratungen zu beflügeln, Ihre Herzen zu vereinen und Ihre Begeisterung anzufachen, so daß von dieser Konferenz ein vernehmlicher Ruf ausgehen wird, daß sorgfältig durchdachte Pläne und klar festgelegte Ziele entstehen, die nicht nur die Jugend dieses Kontinents anspornen, sondern durch sie auch der Lehrarbeit der gesamten europäischen Bahá'í-Gemeinde einen mächtigen Auftrieb verleihen.

Es ist unsere tiefe Hoffnung, daß die Vorreiter dieser jugendlichen Armee Bahá'u'lláhs bis zum Zeitpunkt der Konferenz von Fiesch solche Siege erringen und dadurch die wesentlich größere Zahl junger Bahá'í, die dort zusammenkommen, so beflügeln werden, daß die bis dahin schon angerollte Erfolgswelle auf jener weiteren Konferenz an Mächtigkeit und Wucht noch zunimmt und den Fortschritt der Sache in Europa auf eine ganz neue Grundlage stellt.

Mögen alle, die an diesem lebenswichtigen Unternehmen mitarbeiten, vertrauensvoll vorwärtsstreben, ohne sich durch Hindernisse beeindrucken zu lassen; mögen sie die freudige Gewißheit des unfehlbaren Beistands der siegreichen Macht Bahá'u'lláhs erhalten, Den wir um Führung und Bestätigung bei jedem Schritt anflehen werden, den Sie für die Verbreitung Seiner Sache unternehmen.





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April 1971 - Ridván-Botschaft

Am 28. November 1971 wird die Bahá'í-Welt den 50. Jahrestag des Hinscheidens `Abdu'l-Bahás begehen - des Mittelpunkts des Bündnisses, des Zeichens der Einheit der Menschheit, des Geheimnisses Gottes. Das Ereignis, dessen wir gedenken werden, kennzeichnete zugleich das Ende des Heroischen Zeitalters unseres Glaubens, die Eröffnung des Gestaltenden Zeitalters und die Geburt der administrativen Ordnung, des Kerns und Modells der Weltordnung Bahá'u'lláhs. Wenn wir die Früchte betrachten, welche das Wirken des Meisters reifen ließ und die schon in den ersten fünfzig Jahren des Gestaltenden Zeitalters eingebracht wurden, in einer Periode also, die durch die dynamische und geliebte Gestalt Shoghi Effendis beherrscht wurde, dessen Leben der planmäßigen Durchführung der Bestimmungen des Testamentes `Abdu'l-Bahás und der Sendschreiben zum Göttlichen Plan gewidmet war - der beiden Urkunden, die der Meister für die Verwaltung und das Lehren der Sache Gottes hinterlassen hat - , dann mag uns wohl ein Gefühl ehrfürchtiger Scheu beim Ausblick auf die nächsten 50 Jahre ergreifen. Dieses erste halbe Jahrhundert des Gestaltenden Zeitalters sah die Bahá'í-Gemeinde von wenigen hundert Zentren in 35 Ländern im Jahre 1921 auf heute über 46 000 Zentren in 135 unabhängigen Staaten und 182 bedeutenden Gebieten und Inseln anwachsen; es war gekennzeichnet durch die Errichtung des Rahmenwerks der Administrativen Ordnung in der ganzen Welt, was wiederum die Anerkennung des Glaubens durch viele Regierungen und staatliche Behörden sowie die Akkreditierung beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen in beratendem Status mit sich brachte; und schließlich sah es bereits in vielen Teilen der Welt jenen »Eintritt in Gruppen«, der vom Meister verheißen und von den Freunden so lange und sehnsüchtig erwartet worden war.

Ein neuer Horizont eröffnet sich, der von den ersten Anzeichen begeisternder Entwicklungen in der lebendigen Entfaltung der Sache Gottes erhellt ist. Wir nähern uns ihm durch vollkommenen Sieg im Neunjahresplan. Denn wir müssen uns immer darüber im klaren sein, daß der Zehnjahres-Kreuzzug des geliebten Hüters, der laufende Neunjahresplan und alle die anderen Pläne, die im Zuge mehrerer Epochen des Gestaltenden Zeitalters noch folgen werden, nur Abschnitte in der Erfüllung des Göttlichen Planes sind, wie ihn `Abdu'l-Bahá in vierzehn Sendschreiben an Nordamerika aufgestellt hat.

Der Neunjahresplan ist gut vorangekommen. An diesem Ridván erleben wir die Bildung von sieben zusätzlichen Nationalen Geistigen Räten, fünf davon in Afrika, einer in Südamerika und einer im Pazifik; dadurch erhöht sich die Gesamtzahl dieser erhabenen Körperschaften auf 101. Zum nächsten Ridván werden die bereits angekündigten 9 Nationalen Räte gebildet werden; hinzu kommen noch 4 weitere, und zwar in Afghanistan, Arabien, den Inseln über dem Winde und Puerto Rico. Insgesamt steigt die Zahl also auf 114, und damit werden sechs Räte mehr gezählt, als der Neunjahresplan vorsah. Die Mitglieder aller Nationalen Geistigen Räte, welche zu Ridván 1972 gewählt werden, nehmen an der Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu Ridván 1973 teil, bei der eine internationale Tagung im Weltzentrum abgehalten wird.

Der Muttertempel von Lateinamerika, der Mashriqu'l-Adhkár von Panama, soll bis Dezember 1971 fertiggestellt sein, und seine Einweihung wird nächstes Ridván stattfinden.

Der wunderbare Geist, der durch die vier Ozeanischen und Interkontinentalen Konferenzen entfacht wurde, und auch praktische Vorteile, die der Sache im Zusammenhang mit diesen Konferenzen zugefallen sind, verstärken unsere hohen Erwartungen, daß die vier Konferenzen, welche dieses Jahr abgehalten werden, ein voller Erfolg werden und daß mehr Pioniere, mehr Reiselehrer, eine verstärkte Verkündigung der Botschaft und eine Vertiefung des Geistes und der Hingabe der Freunde daraus hervorgehen.

Unser Aufruf an die Freunde vom Dezember 1970 zur Unterstützung des Internationalen Fonds, der durch unvorhergesehene Umstände in eine kritische Lage geraten war, hat ein großartiges Echo aus vielen Teilen der weltweiten Bahá'í-Gemeinde gefunden, und wir fühlen uns gestärkt im Glauben, daß diese Kundgebung der Ergebenheit und Opferbereitschaft, indem sie sich fortsetzt und noch mehr ausweitet, die Umstände aufhebt, die das Erreichen einiger ersehnter Ziele des Neunjahresplanes in Frage zu stellen drohten.

Die Reisen und der Dienst der Hände der Sache Gottes erwecken immer wieder unsere Dankbarkeit und Freude, ja unser Staunen und unsere Verwunderung. Ihre Leistungen sind derart, daß sie die Taten der Apostel der Vergangenheit in den Schatten stellen und auf den gegenwärtigen Abschnitt des Gestaltenden Zeitalters ewigen Glanz werfen. Im Namen aller Freunde überall sprechen wir ihnen unsere tief empfundene Liebe und Dankbarkeit aus. Es ist angebracht, an dieser Stelle das Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Agnes Alexander nach siebzig Jahren beispielhaften Dienstes für den Glauben zu erwähnen, von deren ersten Diensten auf Hawaii der Meister gesagt hat, daß sie größer seien, als wenn sie ein Weltreich gegründet hätte.

In einigen Ländern wird das Erreichen der Ziele des Neunjahresplanes durch Zwangsmaßnahmen gegen den Glauben, die von ausgesprochener Unterdrückung bis zur Auferlegung gewisser Einschränkungen reichen, praktisch unmöglich gemacht. Dies betrifft vor allem Länder im Mittleren Osten, in Nordwestafrika, in den Randgebieten Ostafrikas und in bestimmten Gebieten Südostasiens. Es steht zu hoffen, daß diejenigen Bahá'í-Gemeinden, welche Freiheit genießen, ihren Glauben zu lehren, ihre eigenen Ziele so übertreffen werden, daß sie die Einschränkungen bei weitem ausgleichen, denen ihre weniger glücklichen Glaubensbrüder unterliegen. Das Heer von Reiselehrern muß verstärkt werden, und an die Freunde, insbesondere an die Bahá'í-Jugend, ergeht der Ruf, ernsthaft zu prüfen, wieviel Zeit sie dem Glauben während der restlichen zwei Jahre des Neunjahresplanes widmen können. Lehrreisen von kürzerer oder längerer Dauer, die Abordnung anderer Freunde, die Übernahme von Aufgaben, durch die andere Freunde für die Lehrarbeit freigestellt werden - all dies sind Mittel, um gemeinsam die letzte Flutwelle hervorzurufen, welche den Plan zum Siege führen wird.

Zwei Hauptziele des Planes sind die Bildung neuer örtlicher Geistiger Räte und die Erschließung von neuen Zentren. 13 966 örtliche Geistige Räte sind verlangt, 10 360 bestehen nun. Für 54 503 Orte wird ein Bahá'í-Einwohner gefordert, 46 334 haben ihn schon. Das Ziel ist in Sicht, die Zeit knapp. Aber das Wachstum, das sich in den obigen Zahlen widerspiegelt, hat nicht auf allen Ebenen und in allen Gebieten stattgefunden. Während eine Anzahl nationaler Gemeinden die ihnen zugeteilten Ziele bereits erfüllt oder sogar übertroffen haben, gibt es viele, die sich größten Schwierigkeiten beim Erreichen ihrer Ziele gegenübersehen. Mit gegenseitiger Hilfeleistung und einer Erhöhung der bereits jetzt erzeugten Schwungkraft besteht kein Zweifel, daß die Gemeinde des Größten Namens fähig ist, zum vollkommenen Sieg voranzustürmen und dadurch einen Blick auf die beglückenden Aussichten zu erhaschen, die jetzt noch hinter dem Horizonte verborgen liegen.

Die Zwillingsvorgänge, die der geliebte Hüter in seinem Aufsatz Die Entfaltung der Weltkultur so klar beschrieben hat - der ständige Fortschritt und die Festigung der Sache Gottes einerseits, der fortschreitende Zerfall einer todgeweihten Welt andererseits - , werden uns zweifellos neue Aufgaben zuweisen: die Verpflichtung, neue Wege des Lehrens zu entwickeln, einer enttäuschten Welt viel klarer das Bahá'í-Leben vorzuleben und die administrativen Institutionen des Glaubens wirkungsvoller zu machen. Die Autorität und der Einfluß Nationaler und örtlicher Geistiger Räte wird gestärkt werden müssen, um größere Bahá'í-Gemeinden zu verwalten; der internationale Charakter des Glaubens muß entwickelt werden, während gleichzeitig die schon in früheren Rundschreiben erwähnte internationale Lehreinrichtung im Weltzentrum geschaffen wird.

Wie faszinierend solche Überlegungen auch sein mögen, welche wahrscheinlich in naher Zukunft unsere Aufmerksamkeit beanspruchen werden, so dürfen sie doch nicht unsere Tatkraft und unseren Willen von der unmittelbaren Aufgabe ablenken - den Zielen des Neunjahresplanes. Ihre Erfüllung ist die beste Vorbereitung für die Zukunft und das Mittel für die Entwicklung neuer Kräfte und Fähigkeiten in der Bahá'í-Gemeinde. Wir vertrauen darauf, daß die Armee des Lichtes, in Stärke und Einigkeit wachsend, bis 1973, ein Jahrhundert nach der Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas, die Höhe eines weiteren Gipfels erklommen haben wird auf dem Wege, der schließlich zu dem Gelobten Land des Größten Friedens führt.





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Mai 1971 - Botschaft an die Karibische Konferenz

Wie segensreich, daß der Muttertempel von Lateinamerika jetzt auf seinem Berg zwischen den zwei größten Ozeanen und den beiden amerikanischen Kontinenten in Panama in die Höhe wächst, einem Land, gesegnet durch `Abdu'l-Bahás Voraussage, daß »es in Zukunft große Bedeutung erlangen wird«. Wie großartig, daß das im Göttlichen Plan für die beiden Amerikas entworfene Zukunftsbild nun im Karibischen Becken - in einem Land nach dem anderen an seinen begrünten Küsten, auf einer Insel nach der anderen in seinem ganzen weiten Bereich - mit solcher Kraft zum Leben erwacht ist; und alle diese Orte hat der Meister in Seinen Sendschreiben erwähnt. Was werden wir nicht in naher Zukunft alles an diesen Orten erleben, denen durch die Äußerungen des Meisters eine so hohe Bestimmung zugefallen ist!

Der Neunjahresplan, der gegenwärtige Abschnitt in der Entfaltung von `Abdu'l-Bahás Göttlichem Plan, nähert sich seinem triumphalen Abschluß. Diese Konferenz bietet die Gelegenheit, das Erreichte zusammenzufassen, den Entschluß zu fassen, die noch ausstehenden Ziele für die Verbreitung in diesen gesegneten Ländern zu erreichen, sowie die alten und neuen Gemeinden des Größten Namens zu festigen. Eigentlich war es erst gestern, daß der Anfang mit der Inangriffnahme unserer großen Bahá'í-Ziele gemacht wurde, als nämlich in den ersten Jahren des Gestaltenden Zeitalters eine Handvoll Reiselehrer die Karibik überquerte. Aber erst während der darauf folgenden Pläne des geliebten Hüters, die im Zehnjahres-Kreuzzug gipfelten, als sich 27 Ritter Bahá'u'lláhs in diesem weiträumigen Gebiet niederließen, schlug die Sache Gottes hier wirklich Wurzeln. 1963 gab es in den Ländern und auf den Inseln der Karibik noch unter 400 Zentren und nur 147 örtliche Geistige Räte. Jetzt finden wir Bahá'í an über 2 500 Orten, es wurden über 500 örtliche Geistige Räte sowie 16 Nationale Geistige Räte gebildet, und Hunderte von handfesten Errungenschaften haben zu unserer Anerkennung als unabhängige Religion geführt.

Die amerikanischen Kontinente sind zu einem Schmelztiegel und Treffpunkt aller Menschenrassen geworden, und es gibt ein dringendes Bedürfnis danach, daß sich Gottes Verheißung - die Verwirklichung der Einheit der Menschheit - erfüllt. Der Meister und der Hüter haben in besonderer Weise die Afro-Amerikaner und die amerikanischen Indianerstämme hervorgehoben, zwei große ethnische Gruppen, deren geistige Energien durch ihre Erwiderung auf das schöpferische Wort freigesetzt werden. Doch müssen unsere Lehren alle erreichen, sie müssen alle Völker einschließen. Und in dieser Stunde Ihrer unermüdlichen Tätigkeiten wird ein besonderer Lohn all denen, die sich erheben und dem Aufruf `Abdu'l-Bahás folgen, den Er mit diesen Worten an uns richtet: »Jetzt ist es an der Zeit, daß ihr euch des Gewandes der Bindung an diese vergängliche Welt entledigt, daß ihr euch von der stofflichen Welt völlig loslöst, daß ihr zu Engeln des Himmels werdet und durch alle diese Gegenden reist« (Sendschreiben zum göttlichen Plan, 1989, S. 36) - und die Sache Gottes lehrt.

Die Zeit ist kurz, der Bedürfnisse sind viele. Keine Anstrengung kann unterlassen, keine Gelegenheit versäumt werden. Gelobt sei Gott, daß Sie zu dieser Konferenz zusammengekommen sind, um über die lebenswichtigen Erfordernisse dieses höchst bedeutsamen Augenblicks zu beraten. An der Heiligen Schwelle steigen unsere Gebete auf, daß jede Sitzung dieser historischen Konferenz die göttlichen Segnungen auf sich zieht und daß jede Seele, gerüstet mit der Liebe Gottes und von Seinem Plan für eine sich abquälende Menschheit durchdrungen, sich erhebt, um das gewaltige geistige Potential der amerikanischen Kontinente in einer Weise zu aktivieren, die alle gegenwärtigen Hoffnungen noch bei weitem übertrifft.

Jedem von Ihnen senden wir unsere tief empfundene Liebe.





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Mai 1971 - Botschaft an die Ozeanische Konferenz im Südpazifik

Wir senden der ersten Konferenz, die im Herzen des Pazifischen Ozeans abgehalten wird, herzlichste Grüße und unsere tief empfundene Liebe. Gelobt sei Gott, daß Sie zusammengekommen sind, um über die lebenswichtigen Erfordernisse der Stunde zu beraten!

Im Gedenken an Bahá'u'lláhs Ankündigung »Sollten sie Sein Licht auf dem Kontinent zu verbergen trachten, so wird Er gewiß Sein Haupt in der Mitte des Ozeans erheben und mit lauter Stimme verkünden: ,Ich bin der Lebenspender der Welt.`«, werden wir jetzt Zeuge, wie sich diese Worte in dem weiten Bereich des Pazifischen Ozeans erfüllen, nacheinander auf allen Inseln, die der Meister in den Sendschreiben zum Göttlichen Plan genannt hat. Wie groß sind die Möglichkeiten des Glaubens an Orten, die durch diese Erwähnungen gesegnet sind!

Zu Beginn des Gestaltenden Zeitalters war die Sache Gottes hier kaum bekannt. Agnes Alexander hatte die Lehren auf die Hawaiischen Inseln gebracht; Vater und Mutter Dunn waren erst kurz zuvor in Australien eingetroffen. Später sollte der Name Martha Roots über dem ganzen Pazifik erstrahlen. Noch später, zu Beginn des Zehnjahres-Kreuzzuges, ließ eine Vorhut von einundzwanzig Rittern Bahá'u'lláhs Seinen Ruf erschallen, die sich auf den Inseln dieses mächtigen Ozeans niederließen. Die Namen dieser beherzten Seelen werden zusammen mit den Namen eines Heeres von Pionieren und Lehrern, die ihnen nachfolgten, für immer in den Annalen des Glaubens verzeichnet sein.

Ihre großartigen Bemühungen führten zur Eintragung von Tausenden von Polynesiern, Mikronesiern und Melanesiern unter dem Banner des Größten Namens, zur Eröffnung von über 800 Zentren in Australasien und zur Errichtung von zehn Pfeilern des Universalen Hauses der Gerechtigkeit. Wir können über solche Triumphe nur staunen. Sie wurden errungen trotz der großen Schwierigkeiten durch die weiten Entfernungen und das ungeheure Meer, das die Inselgemeinden voneinander trennt, - vor allem wenn wir uns daran erinnern, daß auch die christliche Botschaft auf vielen dieser Inseln bis in die späten 1880er Jahre noch unbekannt war.

Wie groß ist die Verantwortung, das Wort Gottes im ganzen Pazifischen Raum weiter zu verbreiten! In den Sendschreiben zum Göttlichen Plan hat `Abdu'l-Bahá nach Lehrern gerufen, die »die Sprachen beherrschen, losgelöst, heilig, ergeben und erfüllt mit der Liebe Gottes« sind, und sie aufgefordert, »sich den drei großen Inselgruppen des Stillen Ozeans« - Polynesien, Mikronesien und Melanesien - »zuzuwenden und sie zu bereisen...«, mit »Herzen, die von der Liebe Gottes überfließen, und Zungen, die dem Gedenken Gottes dienen«, und »die Frohe Botschaft von der Offenbarung des Herrn der Heerscharen allen Menschen zu überbringen.« (Sendschreiben zum göttlichen Plan, 1989, S. 42)

Der Neunjahresplan, die derzeitige Phase in der Entfaltung des Göttlichen Planes, nähert sich jetzt seinem Endstadium. Die Freunde müssen das Erreichte beurteilen und die rasche Beschleunigung des Lehrens und der Vertiefungsarbeit ins Auge fassen und planen, so daß alle Ziele bis 1973 erreicht werden. Die Zeit ist kurz, die Erfordernisse brennend wichtig. Keine Mühe darf gespart, keine Gelegenheit übersehen werden.

Von der Heiligen Schwelle steigen unsere Gebete auf, daß jede Sitzung dieses historischen Treffens die göttlichen Segnungen auf sich ziehen wird und daß die Freunde voranschreiten werden, gerüstet mit der Liebe Gottes und mit der Leidenschaft, die aus dem Geist geboren ist, bereit, die Höhen des Sieges zu erklimmen!





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12. Juli 1971 - Gedenkfeiern zum fünfzigsten Jahrestag des Hinscheidens `Abdu'l-Bahás

Mit tiefer Befriedigung haben wir zur Kenntnis genommen, daß einige Nationale Geistige Räte bereits Pläne eingeleitet haben, um den fünfzigsten Jahrestag des Hinscheidens `Abdu'l-Bahás und des Eintritts in das Gestaltende Zeitalter der Bahá'í-Offenbarung in würdiger Weise zu begehen.

Wir finden es höchst angebracht, wenn alle Nationalen Geistigen Räte die drei Tage vom 26. bis zum 28. November, in die der Tag des Bündnisses und der Gedenktag zum Hinscheiden `Abdu'l-Bahás fallen, in diesem Jahr für besondere Versammlungen und Konferenzen - auf nationaler oder örtlicher Ebene oder sowohl-als auch - vormerken würden; dabei sollten die drei folgenden Hauptthemen behandelt werden: das Bahá'í-Bündnis; das Gestaltende Zeitalter; das Leben `Abdu'l-Bahás.

Wir hoffen, daß diese Zusammenkünfte dazu dienen werden, die Hingabe der Arbeiter im göttlichen Weinberg in jedem Land zu vertiefen und ihnen - vor allem in den Nachtwachen jener besonderen Nacht, in welcher sie der Stunde des Hinscheidens unseres geliebten Meisters gedenken - die Gelegenheit zu bieten, ihr Gelöbnis fürBahá'u'lláh zu erneuern und sich der Erfüllung der noch nicht erfüllten Ziele des Neunjahresplanes erneut zu weihen.

Die Hände der Sache im Heiligen Land, die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und alle Gläubigen, die am Weltzentrum wohnen oder zu Besuch dort weilen, werden in dieser erinnerungsträchtigen Nacht im Namen der gesamten Gemeinschaft der Gesegneten Schönheit den Schrein dieses Geheimnisses Gottes besuchen. Sie werden Gebete sprechen für die standhaften Verfechter des Glaubens, die sich auf so vielen Feldern des Dienstes an vorderster Front mühen und in Seinem Namen neue Triumphe erringen, für die aufopferungsvollen Gläubigen, ohne deren Unterstützung und unermüdliche Hilfestellung die meisten dieser Siege nicht errungen werden könnten, und für alle, die in diesem kritischen Stadium der Entfaltung des Planes dazu angeregt werden, in die Reihen der aktiven und hingebungsvollen Förderer Seiner glorreichen Sache einzutreten - auf daß wir alle unserer Verpflichtung nachkommen und die uns anvertraute heilige Aufgabe erfüllen, wodurch wir in den letzten Monaten des Planes ermöglichen, daß unsere gesamten Reserven einer noch stärkeren Verbreitung des Glaubens bei seinem Voranschreiten zur geistigen Eroberung des Planeten zugeführt werden.





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16. Juli 1971 - An die Konferenz der europäischen Jugend in Fiesch

Der Lauf der Geschichte bietet Ihrer Generation eine beispiellose Gelegenheit und Herausforderung. Die Ablehnung der alten Welt durch die Jugend in allen Ländern wird von Bahá'í und Nicht-Bahá'í gleichermaßen geteilt. Doch im Gegensatz zu Ihren Nicht-Bahá'í Zeitgenossen haben Sie etwas an deren Stelle zu setzen - die Weltordnung Bahá'u'lláhs.

Daß die Bahá'í-Jugend durchaus fähig ist, dieser Herausforderung zu begegnen, vor die sie die Entwicklung stellt, ist bereits erwiesen. Bei dieser Konferenz in Fiesch nun, während Sie sich rüsten, einen Feldzug in Europa zu beginnen, - in einem Kontinent, der »in eine Phase eingetreten ist, die wohl als Eröffnungsphase einer großen geistigen Erneuerung angesehen werden kann, welche jeden anderen Abschnitt seiner Geistesgeschichte in den Schatten zu stellen verspricht« - bitten wir Sie eindringlich zu bedenken, daß Ihr Erfolg desto größer sein wird, je besser Sie das Ziel Bahá'u'lláhs verstehen und die Methoden, mit denen Er dieses Ziel erreichen wird.

Unsere Hoffnungen auf Ihren Zweijahresfeldzug sind unermeßlich und sehen nichts geringeres voraus als einen gewaltigen Impuls in der geistigen Erneuerung, auf die unser geliebter Hüter hinwies. Unser Vertrauen in Ihre Fähigkeit, die Aufgabe zu erfüllen, ist unerschütterlich, und wir versichern Sie unserer festen Überzeugung, daß Ihre Bemühungen in dem Maße Gottes Beistand finden, wie Ihre Gebete und Opfer auf Seinem Pfade dargebracht werden.

Liebe Freunde, wir freuen uns über Ihre Begeisterung, bewundern Ihre Leistungen, danken für Ihre Hingabe und beten, daß ein ständig wachsender Strom göttlicher Gnadengaben und Bestätigungen Ihre Bemühungen im Dienste der Gesegneten Schönheit belohne.





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September 1971 - Botschaft an die Ozeanische Konferenz im Nordpazifik

Am Vorabend des fünfzigsten Jahrestages der Eröffnung des Gestaltenden Zeitalters unseres Glaubens rufen wir uns die hohen Erwartungen ins Gedächtnis, die der geliebte Meister oftmals im Hinblick auf die Verbreitung der Sache in dieser Region geäußert hat; Seine Erwähnung so vieler auf dieser Konferenz vertretener Territorien, in den Sendschreiben zum Göttlichen Plan; ferner die treuen und hingebungsvollen Dienste jener Dienerin Bahá'u'lláhs, der Hand der Sache Agnes Alexander, die die göttlichen Lehren zu Anfang unseres Jahrhunderts an diese Küsten gebracht hat.

In diesen Tagen erleben wir eine beispiellose Beschleunigung der Lehrarbeit in fast jedem Teil des Erdballs. Im nordpazifischen Raum sind seit jener historischen Asiatischen Regionalen Lehrkonferenz, die vor gerade sechzehn Jahren in Nikko stattfand, große Fortschritte in der Verbreitung der Sache Gottes gemacht worden. In den zwei darauf folgenden Jahren wurden der Nationale Geistige Rat von Alaska und der regionale Nationale Geistige Rat von Nordostasien gebildet. An die Nationaltagung, die zu Ridván 1957 in Tokio stattfand, richtete der Hüter folgende prophetische Worte:

»Dieses glückverheißende Ereignis, das die Nachwelt als Gipfelpunkt eines Prozesses erkennen wird, der vor einem halben Jahrhundert in der japanischen Hauptstadt eingeleitet wurde, ... bezeichnet den Beginn des zweiten Kapitels in der Geschichte der Entfaltung Seines Glaubens im nordpazifischen Raum. Ein solch krönender Abschluß muß notwendigerweise dem weiteren Vormarsch im gesamten Pazifik einen gewaltigen Antrieb geben. ...«

Seitdem sind auch in Korea und Taiwan Nationale Geistige Räte fest begründet worden.

Die Insel Hokkaido, der Ort dieser Konferenz, hörte vor noch nicht einmal fünfzehn Jahren erstmals von den Lehren unseres Glaubens, und die ersten Eingeborenen des Landes nahmen vor etwas über einem Jahrzehnt Bahá'u'lláh an. Jetzt sind Sie Zeugen des Beginns einer raschen Zunahme der Zahl der Gläubigen. Auch in anderen Inseln und Ländern des Nordpazifik, darunter die Ryukyu-Inseln, Guam, die Treuhandgebiete, die Westküste Kanadas, Alaska und die Aleuten, reihen sich die Völker unter dem Banner des Größten Namens ein, und zum nächsten Ridván wird in Mikronesien ein weiterer Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit errichtet. Wir sind gestärkt durch die Aussicht, daß aus den eingeborenen Völkern dieses ungeheuer ausgedehnten ozeanischen Raumes - den Ainu, den Japanern, Chinesen, Koreanern, Okinawanern, Mikronesiern, amerikanischen Indianern, Eskimos und Aleuten - in naher Zukunft große Scharen in den Glauben eintreten werden.

Die letzten Stunden des Neunjahresplanes gleiten schnell vorüber. Preis sei Gott, daß Sie zusammengekommen sind, um über Wege und Mittel zur Sicherung des vollständigen Sieges zu beraten, damit die Lehren von diesen Außenposten aus in nahegelegene Länder vordringen können, wo Millionen und Abermillionen bisher noch nichts vom Kommen dieser größten Offenbarung gehört haben.

Der süße Duft des Sieges liegt in der Luft, und wir müssen uns eilen, ihn zu erreichen, solange es noch Zeit ist. Lebenswichtige Ziele bleiben vor allem an der Heimatfront in Taiwan und in Japan noch zu erringen, und überall müssen die Wurzeln des Glaubens der Bahá'í immer tiefer in die gute Erde der Lehren eindringen, damit kommende Stürme und Prüfungen, die wir uns noch nicht vorstellen können, die zarten, so liebevoll aufgezogenen Pflänzchen auf den Inseln dieses großen Ozeans und in den umliegenden Ländern nicht erschüttern oder entwurzeln.

Während Sie und die Freunde, die sich zu der Schwesterkonferenz in Reykjavik versammelt haben, diese Serie von acht Ozeanischen und Kontinentalen Konferenzen zu einem triumphalen Abschluß führen, steigen an der Heiligen Schwelle unsere Gebete für den Erfolg Ihrer Beratungen auf. Möge Gott Ihnen die Hilfsmittel, die Kraft und die Entschlossenheit verleihen, Ihre höchsten Hoffnungen in die Tat umzusetzen, und Sie befähigen, in der Entwicklung Seines Glaubens im Nordpazifik ein neues, ruhmreiches Kapitel aufzuschlagen.





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September 1971 - Botschaft an die Nordatlantische Konferenz in Reykjavik

Jedem einzelnen von Ihnen, die Sie zu dieser historischen Konferenz zusammengekommen sind, senden wir unsere herzlichsten, liebevollen Grüße. Die weithin berühmte Insel, auf der Sie jetzt versammelt sind, die an so strategisch wichtiger Stelle zwischen den beiden großen Kontinenten liegt, welche den ausgedehnten Ozean, der sie umgibt, einrahmen, - die vor einem Jahrtausend die Lehren Christi aufnahm und die in dieser Sendung vom Mittelpunkt des Bündnisses in Seinen Sendschreiben zum Göttlichen Plan erwähnt wurde, hörte den Namen Bahá'u'lláh erstmals im Jahr 1924, als die Hand der Sache Amelia Collins einen kurzen Halt in Reykjavik einlegte und die Bekanntschaft von Hólmfrídur Arnadóttir machte, die daraufhin die erste Bahá'í Islands wurde. Elf Jahre später hielt sich die geliebte Martha Root einen Monat lang auf dieser Insel auf, die sie so liebte. Mit Unterstützung von Hólmfrídur wurde bei diesem Anlaß die Sache Bahá'u'lláhs in den Zeitungen, im Radio und vom Rednerpult aus öffentlich bekanntgemacht.

Der große Ozean, der sich vom Äquator bis zum Pol und von Europa nach Nordamerika erstreckt, der zugleich die Schranke und das Bindeglied zwischen der Alten und der Neuen Welt gewesen ist, hat in der neueren Geschichte der Menschheit eine höchst bedeutsame Rolle gespielt. Schon lange, bevor Kolumbus Westindien erreichte, befuhren die Wikinger, die Vorfahren der heutigen Isländer, seine nördlicheren Gewässer. In späteren Jahrhunderten segelten die Europäer in immer neuen Wellen von Osten nach Westen, im Rahmen einer der bedeutendsten Wanderbewegungen in der menschlichen Geschichte. Im zwanzigsten Jahrhundert befuhr `Abdu'l-Bahá selbst diesen Ozean hin und wieder zurück. Es war dies eine in der ganzen Religionsgeschichte der Menschheit einmalige Reise, die eine bemerkenswerte Parallele zum Licht der Sache Gottes selbst darstellt, welches vom Osten über das große Meer ins Herz des nordamerikanischen Kontinents strahlte, von dort zurückgestrahlt wurde, in Europa neue Leuchtfeuer entfachte und in späteren Jahren seine Ausstrahlung über die ganze Welt verbreitete. Die große Republik, deren Ostküste einen Teil der Begrenzung dieses Ozeans bildet, ist zur Wiege der Verwaltungsordnung geworden, und gegenwärtig wird das Banner des Größten Namens in diesem Ozean auf einer Insel nach der anderen aufgepflanzt. Auf zwei dieser Inseln - Island und Irland - werden zum nächsten Ridván neue Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit errichtet.

Der Glaube Gottes erblüht in den Ländern, die den Nordatlantik säumen; es weht ein neuer Wind, der eine Woge der Verkündigung und des Lehrens in Gang gesetzt hat. In Europa ist die Jugend von Begeisterung und Kraft entflammt. In Kanada und den Vereinigten Staaten trägt eine Grundströmung unbekannten Ausmaßes die Bahá'í-Gemeinden auf den Gipfel beispielloser Erfolge.

Sie sind zu dieser Konferenz versammelt, um über Wege und Mittel zu beraten, wie die verbleibenden Ziele des Neunjahresplanes in den vor uns liegenden, schnell verstreichenden Monaten erreicht werden können. Vor allem in Europa ist noch viel zu tun; aber wir haben volles Vertrauen, daß die Freunde, angespornt durch ihre Liebe zu Bahá'u'lláh und gestärkt durch Seine Verheißung göttlichen Beistands, mit der schon jetzt von ihnen gezeigten Begeisterung ihre Hilfsmittel und Reserven den vor ihnen liegenden Aufgaben weihen und gewiß den Sieg erringen werden.

Der geliebte Meister betete darum, daß in den nördlichen Territorien des Westens heilige Seelen sich erheben und sich zu Zeichen göttlicher Führung und Bannern der himmlischen Heerscharen entwickeln würden. In einem der Sendschreiben zum Göttlichen Plan bezieht Er sich auf eine unwirtliche Insel in diesem Bereich:

»Wenn das Feuer der Liebe Gottes in Grönland entzündet wird, wird alles Eis dieses Landes schmelzen, und sein kaltes Klima wird gemäßigt werden - das heißt, wenn die Herzen von der Wärme der Liebe Gottes berührt werden, dann wird jenes Land zum göttlichen Rosengarten und zum himmlischen Paradies, und die Seelen werden wie gut tragende Obstbäume äußerste Frische und Schönheit erlangen. Anstrengung, allerhöchste Anstrengung ist notwendig.«

Während die in Reykjavik und Sapporo versammelten Freunde diese weltweite Serie von Ozeanischen und Kontinentalen Konferenzen zu einem triumphalen Abschluß bringen, sind wir mit unseren Gedanken bei Ihnen, und von der Heiligen Schwelle steigen unsere Gebete für Sie auf. Mögen ungeahnte Segnungen und Bestätigungen auf Sie niederregnen, indem Sie voranschreiten in der Arbeit für die Förderung der Sache Gottes, und möge Ihre Stirn den Siegeskranz tragen.





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5. September 1971 - Hinscheiden der Hand der Sache Gottes Músá Banáni

Betrauern zutiefst (das) Hinscheiden (der) innig geliebten Hand (der) Sache Músá Banáni (und) gedenken mit tiefer Zuneigung seiner selbstlosen, bescheidenen, lange währenden Dienstbarkeit (in der) Wiege (des) Glaubens (und) seines beispielhaften Pionierdienstes (in) Uganda, (der in) seiner Ernennung zur Hand (der) Sache (für) Afrika und (seiner) rühmenden Erwähnung (durch den) geliebten Hüter als geistigen Eroberer dieses Kontinents gipfelte. (Die) Bestattung seiner Überreste (auf) afrikanischem Boden im Schatten (des) Muttertempels vermehrt (den) geistigen Glanz dieses gesegneten Ortes. Beten innig (an den) Schreinen (für den) Fortschritt seiner vornehmen Seele. Möge Afrika, (das) jetzt eines standhaften, verehrungswürdigen Vorkämpfers (und) Verteidigers (des) Glaubens beraubt (ist), seinem Beispiel folgen (und) sein Herz (im) Reich Abhá beglücken. Übermitteln (seiner) Familie (unser) innigstes Mitgefühl (und) empfehlen allen Bahá'í-Gemeinden (der) Welt, Gedenkversammlungen (sowie) geziemende Andachten (in den) Muttertempeln abzuhalten.





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7. Dezember 1971 - Bildung von dreizehn neuen Nationalen Geistigen Räten zu Ridván 1972

Wir zeigen glücklich die Entscheidung an, Ruanda der Liste der Nationalen Geistigen Räte hinzuzufügen, die nächsten Ridván zu bilden sind. Vertreter des Hauses der Gerechtigkeit zu den ersten Nationaltagungen sind wie folgt:

Hände der Sache Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum für die Windwärts-Inseln, Ugo Giachery Puerto Rico, `Alí-Akbar Furútan Nepal, Shu'á'u'lláh `Alá'í Ostpakistan, Adelbert Mühlschlegel Ruanda und Seychellen, Jalál Kházeh Singapur, Enoch Olinga Island, William Sears Irland, Collis Featherstone Nordwest-Pazifik, Ra.hmatu'lláh Muhájir Republik Madagaskar und Reunion sowie Berateramtsmitglied Hádí Ra.hmaní Afghanistan. Beten an den Schreinen um hervorragenden Erfolg dieser historischen Versammlungen, die die Mitglieder neuer Pfeiler des Hauses der Gerechtigkeit wählen und Brennpunkte geistiger Stärkung und Erleuchtung neu erstehender nationaler Gemeinden sind.





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19. Dezember 1971 - Grundstücke am Weltzentrum weiterentwickelt

Geben freudig weitere Entwicklungen am Weltzentrum bekannt. Nach vielen Jahren schwieriger Verhandlungen (wurde die) Errichtung (des) Obelisken, (der die) Stätte (des) künftigen Mashriqu'l-Adhkár (auf dem) Berg Karmel bezeichnet, vollendet. Damit (wurde ein) Projekt erfüllt, (das vom) geliebten Hüter (in den) frühen Jahren (des) Kreuzzugs eingeleitet wurde. (Die) Gärten (in) Bahjí (und) Haifa (wurden) erweitert durch die Entwicklung (des) Viertelkreises südöstlich (des) Landhauses (von) Bahá'u'lláh und (die) Anlage regelmäßigen Gartens (an der) Südwestecke (des den) Schrein (des) Báb umgebenden Grundstücks.





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14. Februar 1972 - Bekanntgabe, daß die Anzahl der Zentren das Ziel des Neunjahresplanes überschritten hat

Überglücklich geben (wir den) Freunden jeden Landes (die) Anzahl (der) Zentren bekannt, (die mit) jetzt 56 645 (das) ursprüngliche Ziel (des) Neunjahresplanes um mehr als 2 500 übersteigt. Bringen Dankgebete (an der) Heiligen Schwelle dar für (die) göttlichen Segnungen, (die) die aufopfernden Bemühungen (und die) Liebe (der) liebestrunkenen Verfechter Seines gesegneten Namens umgeben. Drängen (die) Gläubigen (in) jenen Gebieten, deren Lehrziele noch offen sind, sich (im) Lauf (der) schnell verstreichenden verbliebenen Monate (des) Plans aufs äußerste zu bemühen, ihre Ziele zu erreichen (und dadurch) fähig zu werden, (sich den) Reihen ihrer siegreichen Brüder anzuschließen. Diese werden dringend gebeten, ihre tatkräftigen, glänzenden Leistungen im Dienste (von) Gottes unendlich ruhmvoller Sache fortzusetzen.





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19. März 1972 - Einweihung des Mashriqu'l-Adhkár in Panama

Mit Lob und Dankbarkeit für Gott begrüßt die ganze Bahá'í-Welt die Einweihung des Muttertempels von Lateinamerika, ein Bauwerk, welches die Sache Bahá'u'lláhs an einem Ort verherrlicht, über den der geliebte Meister feststellte, daß dort »Okzident und Orient sich durch den Panama-Kanal verbinden« und »die Lehren, wenn sie einmal fest begründet sind, ... den Osten und Westen, den Norden und Süden vereinen werden.«

Dieses historische Projekt in einer Hemisphäre von unermeßlichem geistigem Potential erfüllt eines der wichtigsten Ziele des Neunjahresplanes und bringt den Herzen der Freunde in jedem Land unaussprechliche Freude. Besonders gesegnet ist, wer das Vorrecht hatte, am Bau dieses prächtigen stummen Lehrers durch großzügige und opfervolle Taten teilzunehmen. Als Krönung der Arbeit all derer, die sich so große Mühe gaben, den Glauben Bahá'u'lláhs in Lateinamerika fest zu begründen, wird dieser Mashriqu'l-Adhkár, der Sammelpunkt für die Bahá'í dieser Länder - ob sie nun den gesegneten Indianervölkern entstammen oder die anderen Rassen vertreten, deren Vielfalt die Nationen dieser Hemisphäre bereichert - , ein Springquell geistiger Bestätigungen sein, und durch diesen mächtigen Erfolg wird die Bahá'í-Gemeinde mit neuen und größeren Fähigkeiten begnadet, die die Freunde in Lateinamerika und besonders in diesem bevorrechtigten Land Panama befähigen werden, Siege zu erringen, welche alle bisher erbrachten Leistungen in den Schatten stellen.

Die dreifache Aufgabe, auf die Sie nun Ihre ganze Aufmerksamkeit richten sollen, umfaßt Proklamation, Verbreitung und Festigung des Glaubens. Wir möchten Ihnen nahelegen, sich bei Ihren Beratungen nicht nur auf den Gedankenaustausch über die Durchführung dieser Aufgabe zu konzentrieren, sondern Wege und Mittel zu finden, um die Zusammenarbeit zwischen den Bahá'í-Gemeinden von Mittel- und Südamerika zu fördern, so daß die ertragreichste Ernte auf allen drei Gebieten der Lehrarbeit eingebracht werden kann und Sie befähigt werden, die noch verbleibenden Ziele des Neunjahresplanes zu erreichen.

Wir werden an der Heiligen Schwelle liebevolle, inbrünstige Gebete darbringen, damit der Allmächtige Ihre Beratungen bei dieser historischen Konferenz beleben und alle Ihre Bemühungen mit Erfolg krönen möge.





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April 1972 - Ridván-Botschaft

Der Beginn des letzten Jahres im Neunjahresplan sieht die Bahá'í-Weltgemeinde im Endspurt vor einem überwältigenden Sieg. Dankbaren Herzens nehmen wir die fortgesetzten Bestätigungen wahr, die ihre Anstrengungen begleitet haben, und die göttlichen Gnadenbeweise, die unaufhörlich auf diese gesegnete, diese sich stetig entfaltende, keimhafte Weltordnung herniederströmen.

Der Mashriqu'l-Adhkár in Panama, der Muttertempel für Lateinamerika, wird an diesem Ridván-Fest seiner Bestimmung übergeben. Drei geliebte Hände der Sache, Amatú'l-Bahá Rú.híyyih Khánum als Vertreterin des Universalen Hauses der Gerechtigkeit sowie Ugo Giachery und Dhikru'lláh Khádem, werden den historischen Feierlichkeiten beiwohnen. Der phantasievolle und durchgeistigte Entwurf des Architekten Peter Tillotson ist in bewundernswerter Weise verwirklicht worden. Dem Nationalen Geistigen Rat von Panama sprechen wir namens der gesamten Bahá'í-Welt herzliche Glückwünsche zur Vollendung dieses Werkes aus.

Wiewohl beklagenswerterweise der Nationale Geistige Rat von `Iráq durch die Verfolgung des Glaubens in diesem Land aufgelöst worden ist, werden die zu diesem Ridván neu gebildeten 13 Nationalen Geistigen Räte die Gesamtzahl der Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf 113 erhöhen.

Diejenigen Ziele, die sich auf den Erwerb von Grundstücken und die Errichtung von Lehrinstituten beziehen, rücken der Erfüllung näher. In den Ländern, wo die gesetzlichen Bestimmungen es gestatten, geht die Eintragung der Geistigen Räte und die gesetzliche Anerkennung der Bahá'í-Trauung und der Bahá'í-Feiertage gut voran.

Es sind die Ziele der Lehrarbeit, die jetzt unsere Aufmerksamkeit und unseren Einsatz fordern. Mehr als 260 Territorien haben die ihnen gesetzten Ziele in der Erschließung von Orten, an denen Bahá'í wohnen, erreicht; in einigen Ländern wurden diese Ziele sogar überschritten, so daß die Bahá'í-Weltgemeinde darüber jubeln darf, daß auf der Welt insgesamt die im Plan vorgesehene Gesamtzahl von Einzelzentren bereits mehr als erreicht ist. Dennoch verbleiben rund 60 Länder, in denen dieses Ziel noch nicht erreicht wurde und in denen ihm bis Ridván 1973 absoluter Vorrang eingeräumt werden muß.

Wir erwarten, daß an Ridván eine große Zahl örtlicher Geistiger Räte gebildet wird. Sobald der Stand dieses Zieles festgestellt ist, wird eine ins einzelne gehende Aufstellung aller Länder der Welt, deren Ziel für Bahá'í-Zentren und örtliche Geistige Räte noch nicht erfüllt ist, jedem Nationalen Geistigen Rat zur sofortigen Unterrichtung der Freunde übermittelt.

Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß während des letzten Planjahres der Grundsatz der Zusammenarbeit zwischen den Nationalen Geistigen Räten weit über die im Neunjahresplan gestellten Einzelaufgaben hinaus praktiziert wird. Diejenigen Gemeinden, die ihre Ziele bereits erreicht haben oder mit Sicherheit in Kürze erreichen werden, sollen sich mit der weltweiten Situation befassen, wie sie aus den oben erwähnten Listen ersichtlich sein wird, und alles ihnen Mögliche tun - ohne ihre eigenen Erfolge zu gefährden - , um ihre Schwestergemeinden durch Pioniere, Reiselehrer oder auf andere Weise zu unterstützen. Ein solches Vorgehen wird die Einheit und die brüderliche Verbundenheit der Bahá'í-Weltgemeinde wesentlich festigen.

Inzwischen rufen wir alle Gläubigen auf, im Gebet ihre persönlichen Verhältnisse zu überdenken und sich aufzumachen, solange es noch Zeit ist, um die internationalen Pionierziele des Planes zu erfüllen. Es stehen noch 267 Pioniere aus, und zwar 75 für Afrika, 57 für Amerika, 40 für Asien, 30 für Australasien und 65 für Europa.

Die außerordentlichen Fortschritte, die seit Ridván 1964, dem Beginn des Neunjahresplanes, gemacht worden sind und durch die der geplante, zielbewußte Prozeß des Lehrens im Weltmaßstab fortgeführt wurde, den unser geliebter Hüter mit dem Zehnjahres-Kreuzzug eingeleitet hatte, verpflichten uns, unser Augenmerk auf neue Erfordernisse dieser sich stetig ausweitenden Weltordnung zu richten, sowohl im Hinblick auf ihr eigenes organisches Zusammenleben als auch im Bezug zu der auseinanderfallenden Gesellschaft, in die hinein sie gestellt ist. Der Abstand zwischen den Wegen der Welt und denen der Sache Gottes wird immer größer; dennoch müssen beider Wege zusammenführen. Die Bahá'í-Gemeinde muß in immer stärkerem Maße ihre Befähigung zeigen, die Ordnungslosigkeit, den mangelnden Zusammenhalt, die Zügellosigkeit und Gottlosigkeit der modernen Gesellschaft wiedergutzumachen. Die Gesetze und religiösen Gebote, die sittlichen Verpflichtungen des Bahá'í-Lebens, dessen Grundsätze und Maßstäbe für Würde, Anstand und Ehrfurcht, müssen im Bewußtsein der Bahá'í fest verwurzelt und in zunehmendem Maß für die Gemeinde aussagefähig und charakterisierend sein. Ein solcher Prozeß erfordert es, daß die örtlichen Geistigen Räte nachhaltig zu Reife und Tatkraft entwickelt werden.

Die Ziele und Maßstäbe der Sache müssen immer klarer verstanden, immer mutiger vorgelebt werden. Der Einfluß der Kontinentalen Beraterämter und die Arbeit ihrer Hilfsämter müssen weiter zunehmen und das ganze Gefüge der Bahá'í-Gemeinde durchdringen. Ein ausgedehntes, systematisches Programm für die Herausgabe von Bahá'í-Literatur muß vorangetrieben werden.

Unsere unmittelbare, unausweichliche Aufgabe aber ist es sicherzustellen, daß jedes erreichbare Ziel des Neunjahresplanes erfüllt wird. Dies muß um jeden Preis geschehen. Kein Opfer, keine Hintanstellung anderer, liebevoll gehegter Vorhaben darf gescheut werden, wenn es gilt, die »allerwichtigste« unter den vielen »wichtigen« Aufgaben, denen wir gegenüberstehen, vollkommen zu erfüllen. Wer könnte daran zweifeln, daß dieser letzte, äußerste Einsatz von Erfolg gekrönt sein wird? Fidschi, das als nationale Gemeinde zuerst den Lorbeer der Erfüllung aller ihm zugewiesenen Aufgaben trägt, führt den festlichen Zug der frohlockenden siegreichen Armee des Lichtes an. Wir tun gut daran, der Bahá'í-Jugend nachzueifern, deren jüngstes Vorwärtsdrängen in die vordersten Linien der Verkündigung und des Lehrens eine besonders ermutigende und bedeutsame Entwicklungstendenz im Glauben darstellt; vor ihren Einsätzen bestürmt sie die Tore des Himmels durch lang anhaltendes Gebet um Beistand in ihren Unternehmungen. Wir alle sind dazu fähig, Bahá'u'lláh um Seine göttliche, allmächtige Hilfe anzurufen. Er wird uns sicher helfen. Denn Er ist der Erhörer der Gebete, der Antwortende.





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24. April 1972 - Erläuterungen über die Beziehungen zwischen den Händen der Sache und den Kontinentalen Beraterämtern

Wir erhielten in der jüngsten Vergangenheit Anfragen von mehreren Seiten über das Wesen der Institution der Kontinentalen Beraterämter und ihre Beziehung zu der Institution der Hände der Sache, und wir sind der Meinung, es ist an der Zeit, daß wir Aufschluß darüber geben.

Wie auf so vielen Gebieten der Verwaltungsordnung wird sich auch hier ein angemessenes Verständnis im Laufe der Zeit entwickeln und klären in dem Maße, wie diese Ordnung selbst sich durch die Macht und Führung des allmächtigen Gottes organisch entfaltet, und in Übereinstimmung mit den Anforderungen einer sich rasch entwickelnden weltweiten Gemeinschaft. Jedoch sind einige Punkte bereits so klar, daß die Freunde sie schon jetzt richtig verstehen sollten.

Im Kitáb-i-`Ahd (Buch des Bundes) schrieb Bahá'u'lláh: »Selig sind die Herrschenden und die Gelehrten im Volke Bahás«, und mit Bezug auf diese Textstelle schrieb der geliebte Hüter am 4. November 1931:

In diesem heiligen Zyklus zählen zu den »Gelehrten« auf der einen Seite die Hände der Sache Gottes und auf der anderen die Lehrer und Verbreiter Seiner Lehren, die nicht zu den Händen zählen, (die) jedoch eine hervorragende Stellung in der Lehrarbeit innehaben. Was die »Herrscher« anbetrifft, so sind dies die Mitglieder der örtlichen, Nationalen und Internationalen Häuser der Gerechtigkeit. Die Pflichten jeder dieser Seelen werden in Zukunft festgelegt werden. (aus dem Persischen)

Die Hände der Sache Gottes, die Berater und die Hilfsamtsmitglieder gehören nach der vom geliebten Hüter gegebenen Begriffsbestimmung zu den »Gelehrten«. So stehen sie alle in enger gegenseitiger Beziehung, und es ist nicht falsch, diese drei Ränge zusammengefaßt als eine Institution zu betrachten.

Jedoch ist jeder dieser Ränge auch eine Institution für sich. Die Institution der Hände der Sache Gottes wurde in der Zeit Bahá'u'lláhs ins Leben gerufen, und als `Abdu'l-Bahá in Seinem Testament die Verwaltungsordnung verkündete und formell einsetzte, wurde diese Institution zu einer Hilfsinstitution des Hütertums. Die Hilfsämter ihrerseits wurden von Shoghi Effendi als eine Hilfsinstitution der Hände der Sache geschaffen.

Als nach dem Hinscheiden Shoghi Effendis das Universale Haus der Gerechtigkeit beschloß, daß es kein Gesetz erlassen kann, welches die Ernennung weiterer Hände der Sache ermöglicht, wurde es notwendig, eine neue, vom Universalen Haus selbst ernannte Institution ins Leben zu rufen, die die Funktionen des Schutzes und der Verbreitung, mit denen die Hände der Sache betraut waren, in Zukunft übernehmen kann; unter diesem Gesichtspunkt mußte die Institution der Hände so weiterentwickelt werden, daß diese selbst die neue Institution heranbilden und noch so lange wie möglich selbst weiter wirken und eng mit dieser zusammenarbeiten kann. Es war dabei dringend notwendig, die Dinge so zu ordnen, daß die beispiellosen Dienste der Hände selbst am wirksamsten eingesetzt werden können.

Der erste Schritt in dieser Entwicklung wurde im November 1964 unternommen, als das Universale Haus der Gerechtigkeit die Institution der Hände formell an sich selbst band, indem es erklärte: »Die Verantwortung für Entscheidungen allgemeiner Art, die die Institution der Hände der Sache betreffen, die früher vom geliebten Hüter wahrgenommen wurde, fällt nun auf das Universale Haus der Gerechtigkeit als der höchsten und zentralen Institution des Glaubens, der sich alle zuwenden müssen.« Damals wurde die Anzahl der Hilfsamtsmitglieder von 72 auf 135 erhöht, und die Hände der Sache in jedem Kontinent wurden gebeten, ein oder mehrere Mitglieder ihrer Hilfsämter zu ernennen, die mit voller Kompetenz anstelle und im Namen einer jeden Hand tätig werden sollten, um ihr so bei der Ausführung ihrer Arbeit behilflich zu sein.

Im Juni 1968 wurde die Institution der Kontinentalen Beraterämter ins Leben gerufen, womit das Ziel erfüllt wurde, die oben erwähnten Funktionen der Hände auch für die Zukunft zu sichern. Diese bedeutsame Entscheidung war vom nächsten Schritt in der Entwicklung der Institution der Hände der Sache begleitet: die bis dahin kontinental eingesetzten Hände arbeiteten von diesem Zeitpunkt an auf weltweiter Ebene und waren nun einzeln unmittelbar dem Universalen Haus der Gerechtigkeit zugeordnet. Die Hände waren nicht mehr für die Leitung der Hilfsämter verantwortlich; diese wurden vielmehr zu einer Hilfsinstitution für die Kontinentalen Beraterämter. Die Hände der Sache, die im Heiligen Land ihren Wohnsitz hatten, wurden damit betraut, Bindeglied zwischen dem Universalen Haus der Gerechtigkeit und den Beraterämtern zu werden, und die arbeitsfähige Verbindung zwischen den Händen und den Beraterämtern wurde hergestellt. Das Universale Haus deutete auch an, daß es unter Mithilfe der im Heiligen Lande wohnenden Hände ein Internationales Lehrzentrum im Heiligen Land einrichten werde.

Im Juli 1969 und an Ridván 1970 wurde die Anzahl der Berater und Hilfsamtsmitglieder wiederum erhöht.

Weitere Entwicklungen in der Institution der Hände der Sache und der Institution der Kontinentalen Beraterämter werden ohne Frage in Zukunft Form annehmen, wenn das Internationale Lehrzentrum ins Leben gerufen wird und die Arbeit der Berater sich weiter ausdehnt.

Es ist uns bekannt, daß die Hände, Berater und Hilfsämter manchmal von den Freunden auch als »ernannter Arm« der Verwaltungsordnung bezeichnet werden im Gegensatz zum Universalen Haus der Gerechtigkeit sowie den Nationalen und örtlichen Räten, welche den »gewählten Arm« darstellen. Diese Beschreibung ist natürlich zutreffend hinsichtlich der Methode, die zur Schaffung dieser Institutionen benutzt wird; aber die Freunde sollten verstehen, daß es nicht nur die Tatsache der Ernennung ist, welche die Institutionen der Hände, Berater und Hilfsämter besonders auszeichnet. Es werden zum Beispiel weitaus mehr Gläubige in Ausschüsse im »gewählten Arm« ernannt, als im sogenannten »ernannten Arm« Dienst tun. Ein noch bezeichnenderer Unterschied ist, daß die »Herrschenden« in der Sache als Körperschaft tätig sind, während die »Gelehrten« in erster Linie als Einzelpersonen wirken.

Im Auftrag des Hüters erläuterte sein Sekretär in einem Brief vom 14. März 1927 an den Geistigen Rat der Bahá'í von Istanbul das in der Sache Gottes gültige Prinzip des Mehrheitsbeschlusses. Er führte aus, wie in der Vergangenheit gewisse Einzelpersonen, die »sich selbst aufgrund ihres Wissens für überlegen und ihre Stellung für übergeordnet hielten«, zur Ursache des Zwiespalts wurden, und daß diejenigen, die »angeblich die Allererlesensten waren«, sich »stets als Quelle des Streites herausstellten«. »Aber, gelobt sei Gott«, so fuhr er fort, »die Feder der Herrlichkeit hat mit den starren und diktatorischen Ansichten der Gelehrten und Weisen aufgeräumt, hat die Behauptungen von Einzelpersonen als verbindliches Richtmaß zurückgewiesen, auch wenn diese als die hervorragendsten und gebildetsten unter den Menschen anerkannt waren; stattdessen hat Er bestimmt, daß alle Angelegenheiten an die bevollmächtigten Gremien und die dafür vorgesehenen Räte zu verweisen sind. Aber auch bei den Räten hat keiner die unbedingte Vollmacht erhalten, allgemeine Angelegenheiten zu entscheiden, welche die Interessen der Nationen betreffen. Nein, vielmehr hat Er alle Räte in dem Schatten eines Hauses der Gerechtigkeit, eines göttlich ernannten Zentrums, zusammengeführt, so daß es nur dieses eine Zentrum gibt und alle übrigen, zu einer einzigen Körperschaft vereint, sich um die eine ausdrücklich dafür vorgesehene Achse drehen. Auf diese Weise sind sie alle gegen Schisma und Spaltung geschützt.« (aus dem Persischen)

Nachdem Bahá'u'lláh die Übel, die anerkanntermaßen den Institutionen der »Gelehrten« in vergangenen Sendungen anhafteten, ein für allemal ausgeschaltet hat, hat Er trotzdem in Seine Verwaltungsordnung die nützlichen Elemente mit einbezogen, die in solchen Institutionen vorhanden sind. Schon ein flüchtiges Lesen der Hüterbotschaft vom 4. Juni 1957 macht deutlich, daß diese Elemente eine grundlegende Bedeutung für den Fortschritt der Sache Gottes besitzen.

Die Existenz von Institutionen solch erhabenen Ranges, zusammengesetzt aus Personen, denen eine solch lebenswichtige Aufgabe übertragen übertragen ist, die trotzdem weder gesetzgebende, administrative noch richterliche Autorität besitzen und keinerlei priesterliche Funktionen ausüben sowie auch keinerlei Recht zu gültiger Auslegung haben - dies ist eine Eigenschaft der Bahá'í-Verwaltungsordnung, die in den Religionen der Vergangenheit ohne Beispiel ist. Die Neuheit und Einzigartigkeit dieser Konzeption machen sie schwer verständlich; nur mit dem Wachsen der Bahá'í-Gemeinschaft und der zunehmenden Fähigkeit der Gläubigen, unbeeinflußt von Vorstellungen vergangener Zeiten über ihre Verwaltungsstruktur nachzudenken, wird das lebenswichtige Ineinandergreifen der »Herrschenden« und »Gelehrten« im Glauben richtig verstanden und der unvorstellbare Wert ihrer Wechselwirkung voll erkannt werden.





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28. Mai 1972 - Bildung von örtlichen Geistigen Räten im letzten Jahr des Neunjahresplanes

Um die Lehrarbeit in jedem Land anzuregen und die Freunde in diesem letzten Jahr des Neunjahresplanes zu ermutigen, haben wir beschlossen, daß an jedem Ort die Freunde ihren örtlichen Geistigen Rat schon bilden dürfen, sobald die Anzahl der erwachsenen Gläubigen am Ort die Zahl neun erreicht oder überschritten hat; sie brauchen also nicht bis zum 21. April 1973 zu warten.

Wir hoffen darüber hinaus, daß der Vollzugdieser Entscheidung vor allem in Gebieten, in denen die Menschen in Gruppen zur Sache Gottes stoßen, dazu beitragen wird, daß am ersten Ridván-Tag 1973 und in den folgenden Jahren sehr viel mehr Gemeinden in der Lage sein werden, ihren Geistigen Rat ohne Hilfe von außen wiederzuwählen.

Wir beten an der Heiligen Schwelle, daß in den vor uns liegenden Monaten die stetig wachsende Anzahl dieser göttlichen Institutionen die Anstrengungen der tapferen Diener der Gesegneten Schönheit in jeder Region der Erde gewaltig unterstützen und beleben wird.





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7. Juni 1972 - Ankündigung der Entscheidung zum Bau des Sitzes des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

Sehr erfreut unterrichten (wir die) Bahá'í-Welt: Ausmaß und Beschleunigung (des) Wachstums (der) Sache Bahá'u'lláhs (auf) örtlicher (und) nationaler Ebene und daraus resultierende Ausdehnung (der) Aktivitäten (am) Weltzentrum drängen uns jetzt vor Vollendung (des) Neunjahresplanes, (die) Entscheidung (zur) Einleitung (des) Verfahrens (der) Auswahl (eines) Entwurfes (eines) Architekten (für das) Gebäude für (den) Sitz (des) Universalen Hauses der Gerechtigkeit bekanntzugeben, (das vom) geliebten Hüter auf (dem) weitgespannten Bogen (im) Herzen (vom) Berg Karmel vorgesehen ist, (mit dem den) Ruhestätten (der) Schwester, (des) Bruders (und der) Mutter (des) geliebten Meisters geweihten Ort (als) Mittelpunkt. (Der) Bau dieses Zentrums (der) Gesetzgebung (in) Gottes welterlösender Ordnung wird (den) ersten größeren Schritt (beim) Ausbau (des) Geländes um (den) Heiligen Schrein seit Fertigstellung (des) Internationalen Archivgebäudes bilden. Bewegt zollen (wir) Anerkennung (und) drücken innige Dankbarkeit aus (für) hervorragende Dienste (von) Robert McLaughlin in Vorbereitung für dieses historische Unternehmen. Beten inbrünstig, (daß das) jetzt begonnene Unternehmen während (der) unmittelbar bevorstehenden Jahre ununterbrochen fortschreiten (und) rasch majestätische Vollendung erlangen möge.





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13. Juli 1972 - Ermahnung, die letzte Spur von Vorurteil zu tilgen

Die Segnungen der Altehrwürdigen Schönheit ergießen sich über die Anhänger des Größten Namens. Unsere Bemühungen, Ihm und der Menschheit zu dienen, werden mit Siegen in aller Welt gekrönt. Indem wir Dank sagen für diese wundervollen Errungenschaften, und in dem Maße, wie sich die Sache Gottes in jedem Lande verbreitet, unsere Institutionen sich vervollkommnen, die Anzahl der Gläubigen überall auf dem Planeten zunimmt, muß auch unser persönliches Leben jeden Tag mehr und mehr die Lehren Bahá'u'lláhs widerspiegeln und müssen wir unser Leben so führen, daß alle in uns ein anderes Volk sehen. Die Taten, die wir vollbringen, die Einstellungen, die wir offenbaren, ein jedes Wort, das wir äußern, sollte Anziehungskraft haben, sollte ein Magnet sein, welcher die Aufrichtigen zu den göttlichen Lehren hinzieht.

Bahá'u'lláh sagt uns, daß das Vorurteil in seinen verschiedenen Formen das Gebäude der Menschheit zerstört. Der Gottesbote beschwört uns, alle Formen von Vorurteil aus unserem Leben zu verbannen. Unser äußeres Leben muß unseren Glauben widerspiegeln. Die Welt muß sehen, daß die Bahá'í ihr Leben gemäß den Lehren ihres Glaubens leben, ohne Rücksicht auf alle vorübergehenden Launen oder gängigen Moden der Allgemeinheit. Wir dürfen nicht zulassen, daß die Angst vor Ablehnung durch unsere Freunde und Nachbarn uns von unserem Ziel abzubringen vermag, das Bahá'í-Leben zu leben. Laßt uns danach streben, aus unserem Leben die letzte Spur von Vorurteil auszulöschen - seien es nun rassische, religiöse, politische, wirtschaftliche, nationale, Stammes-, Klassen- oder kulturelle Vorurteile oder auch solche, die auf Unterschieden der Erziehung oder des Lebensalters beruhen. Wir werden uns von unseren Nicht-Bahá'í-Zeitgenossen abheben, wenn wir unser Leben mit diesem Grundsatz schmücken.

Wenn wir in uns noch irgendwelche Vorurteile zulassen, machen wir uns vor Gott schuldig, einen Rückschlag im Fortschritt und echten Wachstum der Religion Bahá'u'lláhs verursacht zu haben. Jeder Gläubige hat die Pflicht, sich mit ganzer Entschlossenheit anzustrengen, diesen Mangel in seinen Gedanken und Taten auszumerzen. Es ist die Pflicht der Institutionen des Glaubens, diesen Grundsatz mit allen verfügbaren Mitteln den Herzen der Freunde einzuprägen, z.B. auch auf Sommerschulen, in Konferenzen, Lehrtreffen und Studienklassen.

Die grundlegende Absicht des Glaubens Bahá'u'lláhs ist die Verwirklichung der organischen Einheit der gesamten Menschheit. Mit diesem herrlichen Ziel vor Augen, und im vollen Vertrauen auf die Verheißungen der Gesegneten Schönheit, sollten wir Seiner Mahnung Folge leisten:

»Wir wünschen, euch allezeit in Freundschaft und Eintracht im Paradiese Meines Wohlgefallens miteinander verkehren zu sehen und aus eueren Taten den Duft der Freundlichkeit und Einigkeit, der Güte und Gemeinschaft zu verspüren.« (ÄL 146)





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30. Juli 1972 - Die Stufe der örtlichen Geistigen Räte

In Beantwortung Ihres Briefes vom 4. Juli, in dem Sie um Klärung der Frage bitten, was ein funktionierender örtlicher Geistiger Rat ist, bieten wir Ihnen die folgenden Erläuterungen an:

Örtliche Geistige Räte sind zur Zeit neugeborene Institutionen, die zum größten Teil darum ringen, eine gefestigte Stellung in der Bahá'í-Gemeinde und in der Welt zu erlangen. Sie sind bisher nur Embryos der majestätischen Institutionen, die von Bahá'u'lláh in Seinen Schriften bestimmt wurden. Das trifft auch für die Nationalen Geistigen Räte zu. In dem folgenden Abschnitt, den der Sekretär des Hüters in dessen Auftrag schrieb, ist dieser Punkt ausgeführt:

»Die Bahá'í-Administration ist nur die erste Formgebung dessen, was in der Zukunft zum Gesellschaftsleben, zu neuen Gesetzen des Gemeinschaftslebens werden wird. Derzeit beginnen die Gläubigen erst damit, sie richtig zu erfassen und anzuwenden. Folglich müssen wir Geduld haben, wenn sie uns zuweilen ein wenig selbstbewußt und starr in ihren Arbeitsabläufen vorkommt. Dies rührt daher, daß wir etwas überaus Schwieriges, aber überaus Wundervolles lernen: wie man als Bahá'í-Gemeinschaft nach den herrlichen Lehren des Glaubens zusammenlebt.« (Aus einem Brief vom 14. Oktober 1941 an einen Gläubigen

Was wir in den Schriften unseres Glaubens erörtert finden, ist die hohe Stufe, die die örtlichen Geistigen Räte in ihrer allmählichen und zeitweise schmerzhaften Entwicklung erlangen müssen. Werden die Räte ermutigt, dieses Ziel zu erreichen, so schadet es nicht, wenn der Nationale Rat dabei von Zeit zu Zeit gewisse minimale Erfordernisse erwähnt, solange es klar bleibt, daß das Verfehlen solcher Maßstäbe - die natürlich dauernd entsprechend den geänderten Bedingungen überarbeitet werden müssen - keinen Grund darstellt, einem schwachen Rat die Anerkennung zu entziehen. Es wäre daher nicht günstig, wenn das Universale Haus der Gerechtigkeit allgemeine Mindestmaßstäbe für ordnungsgemäß funktionierende örtliche Geistige Räte festlegte, da diese sich notwendigerweise von Land zu Land und sogar von Gebiet zu Gebiet innerhalb eines Landes unterscheiden müssen, solange diese Räte sich noch in der Entwicklung zu Häusern der Gerechtigkeit, wie sie von Bahá'u'lláh vorgesehen sind, befinden.

Einige der Ziele, die ein örtlicher Geistiger Rat in seiner Entwicklung zu voller Reife vor allem erreichen sollte, sind, als ein liebevoller Hirte der Bahá'í-Herde zu handeln, die Einheit und Eintracht unter den Freunden zu fördern, die Lehrarbeit zu leiten, die Sache Gottes zu schützen, Feste, Jahrestage und regelmäßige Treffen der Gemeinde zu planen, die Bahá'í mit seinen Plänen vertraut zu machen, das Wohlergehen der Jugendlichen und Kinder zu fördern und sich, soweit es die Umstände erlauben, an humanitären Unternehmungen zu beteiligen. In seinem Verhältnis zum einzelnen Gläubigen sollte der Rat diesen ständig einladen und ermutigen, sich in den Glauben zu vertiefen, seine herrliche Botschaft weiterzugeben, in Einklang mit seinen Lehren zu leben, großzügig und regelmäßig zum Fonds beizutragen, an den Unternehmungen der Gemeinde teilzunehmen und beim Geistigen Rat Zuflucht zu suchen, wenn er Rat und Hilfe benötigt.

In seinen Zusammenkünften muß er bestrebt sein, Fähigkeiten in der schwierigen, aber höchst fruchtbaren Kunst der Bahá'í-Beratung zu entwickeln, ein Vorgang, der große Selbstbeherrschung aller Mitglieder und vollkommenes Vertrauen in die Macht Bahá'u'lláhs erfordert. Er sollte regelmäßig zusammenkommen und dafür sorgen, daß alle Mitglieder laufend über die Unternehmungen des Rates informiert sind, daß der Sekretär seine Pflichten erfüllt, und der Rechner die Fonds des Glaubens zur Zufriedenheit des Rates führt und verwendet, wozu eine genaue Buchhaltung und die Quittierung aller Beiträge erforderlich ist. Viele Räte kommen zu der Auffassung, daß es am besten ist, wenn sie einige ihrer Unternehmungen wie die Lehrarbeit, die Ausrichtung von Festen und Jahrestagen, die Lösung persönlicher Probleme und andere Aufgaben an Ausschüsse delegieren, die vom Rat ernannt werden und ihm verantwortlich sind.

In jeder Angelegenheit, die ihm zur Beratung vorgelegt wird, muß der Rat dem Maßstab der Gerechtigkeit entsprechen, wenn er seine Entscheidung fällt, und er muß bestrebt sein, in all seinen Beziehungen zur Gemeinde und der Außenwelt Führungseigenschaften zu zeigen. Das folgende Zitat aus einem Brief des Hüters beschreibt in einfachen Worten das unmittelbare Ziel, das jeder Rat sich setzen sollte bei seinem Bemühen um den hohen Anspruch der Vollkommenheit, wie er in unseren Schriften erhoben wird;

»Das erste Erfordernis der Führung, unter einzelnen wie unter Geistigen Räten, ist die Fähigkeit, die Energien und Kenntnisse einzusetzen, die in den Reihen der Mitglieder vorhanden sind. Sonst werden die fähigeren Mitglieder der Gruppe vom Hauptziel abspringen und sich nach einem anderen Betätigungsfeld umsehen, in dem sie ihre Kräfte einsetzen können. Shoghi Effendi hofft, daß die Geistigen Räte ihr Möglichstes tun werden, Lehrtätigkeiten so zu planen, daß jeder einzelne beschäftigt ist.« (Aus einem Brief im Auftrag des Hüters an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas vom 30. August 1930)

In der Textzusammenstellung, die wir im August 1970 an alle Nationalen Geistigen Räte geschickt haben, und in der Satzung eines Geistigen Rates werden Sie alle Ziele aufgelistet finden, die ein örtlicher Geistiger Rat bei seinem Wachstum und seiner Entwicklung anstreben muß. Wir empfehlen Ihnen, sich erneut in diese Schriften zu vertiefen und dieses höchst wichtige Problem mit den Beratern Ihres Gebietes zu erörtern, diese werden Ihnen mit Freuden dabei helfen, die Entwicklung der örtlichen Geistigen Räte in Ihrem Land zu fördern.





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19. September 1972 - Opfertod dreier iranischer Bahá'í-Studenten auf den Philippinen

Mit tiefem Schmerz berichten wir der Bahá'í-Welt die erschütternden Umstände der Ermordung von drei Bahá'í-Studenten, die als Pioniere auf den Philippinen lebten.

Parvíz Sádiqí, Farámarz Vujdání und Parvíz Furúghí gehörten zu einer Gruppe junger iranischer Bahá'í, die dem Ruf nach Pionieren Folge leisteten. Zusammen mit elf anderen schrieben sie sich an den Universitäten von Mindanao ein, um dort ihre Studien abzuschließen und den Glauben Bahá'u'lláhs zu verbreiten. Diese drei hatten den Plan gefaßt, Lehrreisen in eine von Muslimen bewohnte ländliche Gegend zu unternehmen. Als die Verwaltung der Staatsuniversität von Mindanao am 31. Juli davon in Kenntnis gesetzt wurde, daß die drei den Kampus am Vortage verlassen hätten und noch nicht zurückgekehrt seien, wurden sofort Suchtrupps gebildet und die Unterstützung der Polizei und der Ortsbehörden angefordert. Nach verschiedenen Nachforschungen und einer Suchaktion, die ganz unter der Leitung von Präsident Tamano von der Staatsuniversität Mindanao stand, fand man die Leichen der drei jungen Leute in einem flachen Grab. Sie waren erschossen worden und arg verstümmelt, und zwei von ihnen hatte man den Kopf abgeschlagen. Die Leichen wurden überführt und erhielten an einem schönen, eigens für diesen Zweck gestifteten Ort eine Bahá'í-Beerdigung.

Unmittelbar nach Erhalt der tragischen Nachricht setzte sich Vicente Samaniego, Berater für Nordostasien, in enger Zusammenarbeit mit dem Nationalen Geistigen Rat der Philippinen tatkräftig für die Bahá'í ein und erhielt seitens der Verwaltung und der Polizei sowie militärischer und ziviler Stellen ein Höchstmaß an Unterstützung und Mitgefühl. Es wurde eine Versammlung einberufen, an der über 900 Studenten, Fakultätsmitglieder und Angehörige der Universitätsverwaltung teilnahmen. Gebete wurden in englischer, arabischer und persischer Sprache gesprochen. Der Universitätspräsident hielt eine Ansprache, in der er zum Ausdruck brachte, die ermordeten iranischen Studenten seien keine gewöhnlichen Studenten, denn mit ihnen sei die Botschaft Bahá'u'lláhs, die den Weg zur Einheit darstellt. Der Verwaltungsrat der Studenten beantragte, dem neuen Gemeinschaftszentrum der Studenten den Namen »Gedächtnissaal für die iranischen Studenten« zu geben. Dreitausend Menschen nahmen an dem Trauerzug teil, und sechshundert begaben sich zum Ort der Bestattung, um der Beerdigung beizuwohnen.

Die Bahá'í hielten in Gegenwart von Universitätsbeamten und Freunden eine würdige Trauerfeier.

Die Verwandten und Freunde dieser drei jungen Männer, die ihr Leben im Dienste der Gesegneten Schönheit dahingaben, werden hiermit des liebevollen Mitgefühls und der Gebete ihrer Mitgläubigen versichert. Das Opfer dieser jungen Menschen krönt in herrlicher Weise die wundervollen Dienste, die die jungen Bahá'í jetzt überall auf der Welt erbringen. Bahá'u'lláh selbst bezeugt:

»Die auf dem Pfade Gottes ihr Land verließen und später in Seine Gegenwart aufstiegen, deren Seelen werden von den himmlischen Heerscharen seliggepriesen, und ihre Namen werden von der Feder der Herrlichkeit unter denen genannt, die ihr Leben als Märtyrer auf dem Pfade Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden, dahingegeben haben.«





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18. Oktober 1972 - Geistige Krise der deutschen Bahá'í-Gemeinde

Die deutsche Bahá'í-Gemeinde sieht sich vor einer geistigen Krise, welche die zukünftige Entwicklung des Glaubens in Ihrem Lande beeinflußt. Im Namen des geliebten Meisters, dessen Gegenwart für immer Ihr Land gesegnet hat, rufen wir alle Mitglieder der Gemeinde auf, die Opfer der frühen Gläubigen einzulösen und die Liebe und zuversichtlichen Voraussagen über die zukünftige Herrlichkeit, die durch den geliebten Hüter gemacht wurden, zu rechtfertigen. Wir flehen inbrünstig an der Heiligen Schwelle, daß die herzlich geliebten deutschen Gläubigen sich erheben und unverzüglich auf die Zielstädte und neuen Zentren verteilen mögen, daß sie einen überwältigenden Sieg im Neunjahresplan erringen und die Bahá'í-Welt in Staunen setzen durch ihre dramatische und leidenschaftliche Verteidigung vergangener Leistungen und durch die Fähigkeit, ihre durch das Zeichen Gottes auf Erden vorausgeschaute Bestimmung zu erreichen.

Wir vertrauen darauf, daß Sie nicht versagen werden.





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26. November 1972 - Nachricht über die Annahme der Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

Dankbaren und frohen Herzens verkünden wir der gesamten Bahá'í-Welt die Durchführung eines Schrittes von tiefer Bedeutung für die Entfaltung des obersten Organs der Bahá'í-Weltgemeinschaft, der mit der Ausarbeitung der Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit erfolgt ist. Nachdem die Mitglieder an den drei Heiligen Schwellen in Bahjí und Haifa am Tage des Bündnisses demütige Dankgebete dargebracht hatten, versammelten sie sich im Beratungszimmer im Bereiche des Hauses des gesegneten Meisters und setzten ihre Unterschriften sowie das Siegel auf das Dokument, das in den Schriften des Hüters vorgesehen und durch ihn als das größte Gesetz des Glaubens von Bahá'u'lláh gepriesen wurde.

Wir sind voller Zuversicht, daß die soeben getroffene Maßnahme die Bande weiter stärken wird, die das Weltzentrum mit den nationalen und lokalen Gemeinden auf der ganzen Welt verbinden, und daß sie neue Energien freisetzen und den Enthusiasmus und die Zuversicht der tapferen Arbeiter erhöhen wird, die in Seiner göttlichen Arbeit angestrengt arbeiten, um die Menschheit unter den Schutz Seines allumfassenden Bündnisses zu bringen.





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14. Januar 1973 - Die Vorhaben für das Jahr, das der Verkündigung des nächsten weltumspannenden Planes zu Ridván 1974 vorausgeht

Die Bahá'í-Welt nähert sich dem triumphalen Abschluß des Neunjahresplanes, und es ist uns Anlaß zu größter Genugtuung, daß einige Nationale Geistige Räte bereits Pläne für das kommende Bahá'í-Jahr formuliert haben.

Der nächste weltumspannende Plan wird zu Ridván 1974 verkündet werden, und Sie haben daher zwölf Monate Zeit, sich darauf vorzubereiten. Wir rufen Sie auf, dieses Jahr nach besten Kräften für folgende Ziele zu nutzen:

die Grundlagen des Erreichten zu festigen durch Entwicklung und Bereicherung des Gemeindelebens, durch die Förderung der Tätigkeit der Jugendlichen und durch jedes Mittel, das für Ihre Situation angemessen ist; sowie den Glauben weiter auszubreiten; neue Türen und Möglichkeiten zu erproben, die Sie nicht voll erkunden konnten, als Sie von anderen Prioritäten in Anspruch genommen waren.

Natürlich unterscheiden sich die Bedingungen in den Gebieten der verschiedenen Nationalen Geistigen Räte sehr voneinander, und die Ziele, die sich jeder Rat setzt, müssen den jeweiligen besonderen Umständen und Möglichkeiten angemessen sein; doch wie der geliebte Hüter einmal sagte: »Je breiter die Grundlage« eines solchen Feldzuges »und je tiefer die Wurzeln, desto schöner wird die Blume, die schließlich daraus erblüht.«

Wir bitten Sie, jetzt Ihre Pläne zu machen und uns so bald wie möglich, spätestens bis zum 1. April 1973, ihren Bericht darüber zuzusenden, damit wir der Internationalen Tagung einen zusammenfassenden Bericht unterbreiten können. Wir glauben, daß eine solche Zusammenfassung für die Delegierten eine begeisternde Anregung und eine Quelle neuer Ideen sein wird, wenn sie über die Herausforderungen beraten, denen sich die Bahá'í-Gemeinde in den vor uns liegenden Jahren gegenübersieht und denen wir uns im nächsten Weltkreuzzug stellen müssen. Auch werden die Ergebnisse des kommenden Jahres zusammen mit den großen Siegen des Neunjahresplanes die Bahá'í-Gemeinde in aller Welt befähigen, mit noch größerer Zuversicht in die nächste Stufe ihres sich stetig weiter entrollenden Geschickes einzutreten.

Wir beten an den Heiligen Schreinen, daß der Segen Bahá'u'lláhs Sie in den wenigen Monaten, die uns noch von dem bevorstehenden herrlichen Ridván-Fest trennen, leiten und Ihnen mit einem neuen Strom Seiner göttlichen Gnade beistehen möge.





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19. Januar 1973 - Fertigstellung von Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote des Kitáb-i-Aqdas

Freudig geben wir die Fertigstellung der Inhaltsübersicht und systematischen Darstellung des Kitáb-i-Aqdas zur Veröffentlichung an Ridván gleichzeitig mit der Feier zum hundertsten Jahrestag der Offenbarung des heiligsten Buches bekannt. Damit wird ein Ziel des Weltzentrums im Neunjahresplan erfüllt. Wir sind überzeugt, daß die Freigabe dieser vom geliebten Hüter vorausgesehenen Veröffentlichung, deren Hauptpunkte er umrissen hat, einen weiteren bedeutsamen Schritt auf dem Wege darstellt, der die Bahá'í-Gemeinde zur vollen Reife bei der Errichtung der Weltordnung Bahá'u'lláhs führen wird.





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6. Februar 1973 - Dringender Aufruf an jeden einzelnen zur Befolgung der göttlichen Gesetze in seinem persönlichen Leben

Wie es Gesetze gibt, die unser stoffliches Leben steuern und die z.B. verlangen, daß wir unseren Körper mit bestimmten Nahrungsmitteln versorgen, ihn in einem bestimmten Temperaturbereich halten usw., um Behinderungen zu vermeiden, so gibt es auch Gesetze, die unser geistiges Leben steuern. Diese Gesetze werden der Menschheit in jedem Zeitalter von der Manifestation Gottes offenbart; ihnen zu gehorchen ist lebenswichtig, wenn sich jeder Mensch und die Menschheit im allgemeinen richtig und harmonisch entwickeln sollen. Außerdem gibt es eine Wechselwirkung zwischen diesen verschiedenen Aspekten. Wenn der einzelne die geistigen Gesetze seiner eigenen Entwicklung verletzt, schadet er nicht nur sich selbst, sondern auch der Gesellschaft, in der er lebt. Ebenso hat der Zustand der Gesellschaft direkte Wirkung auf den einzelnen, der in ihr leben muß.

Wie Sie hervorhoben, ist es besonders schwierig, den Gesetzen Bahá'u'lláhs heute in einer Gesellschaft zu folgen, deren allgemeine Gepflogenheiten in krassem Widerspruch zu den Maßstäben des Glaubens stehen. Es gibt jedoch bestimmte Gesetze, die so grundlegend für den gesunden Lebensablauf der menschlichen Gesellschaft sind, daß sie unter allen Umständen aufrechterhalten werden müssen. Bahá'u'lláh war sich des Ausmaßes menschlicher Schwächen bewußt und hat deshalb festgelegt, daß andere Gesetze erst allmählich angewandt werden sollen; aber auch diese müssen befolgt werden, sobald sie eingeführt sind - sonst wird die Gesellschaft nicht erneuert, sondern sinkt in immer schlimmere Zustände ab. Es ist die herausfordernde Aufgabe der Bahá'í, die Gesetze Gottes in ihrem eigenen Leben zu befolgen und allmählich die übrige Menschheit dafür zu gewinnen, daß sie diese Gesetze gleichfalls annimmt.

Betrachten wir die Wirkung, die der Gehorsam gegenüber den Gesetzen auf das persönliche Leben ausübt, so müssen wir bedenken, daß der Sinn des Lebens in dieser Welt darin besteht, die Seele für das nächste Leben vorzubereiten. Hier müssen wir lernen, unsere tierischen Triebe zu kontrollieren und zu lenken, anstatt deren Sklave zu werden. Das Leben in dieser Welt ist eine Folge von Prüfungen und Erfolgen, von Versagen und neuem geistigen Fortschritt. Manchmal erscheint der Weg sehr schwierig, aber man kann immer wieder erleben, daß diejenige Seele, die standhaft dem Gesetz Bahá'u'lláhs gehorcht - wie hart dies auch scheinen mag - , geistig wächst, während derjenige, der das Gesetz um seines vermeintlichen Glückes willen umgeht, offensichtlich einem Trugbild folgt. Er erreicht nicht das Glück, das er suchte; er verzögert seinen eigenen geistigen Fortschritt und zieht häufig neue Probleme auf sich.

Um ein sehr klares Beispiel zu geben: denken wir an das Bahá'í-Gesetz, das die Zustimmung der Eltern zur Heirat verlangt. Heutzutage wird diese Zustimmung von Nicht-Bahá'í-Eltern allzuoft verweigert aus Gründen einer falsch verstandenen Frömmigkeit oder des Rassenvorurteils; und doch haben wir immer wieder die starke Wirkung gesehen, die die Standhaftigkeit der Kinder gegenüber den Bahá'í-Gesetzen auf eben diese Eltern ausübt, was nicht nur dazu führt, daß die Zustimmung in vielen Fällen schließlich doch gegeben wird, sondern auch dazu, daß der Charakter der Eltern beeinflußt werden kann und ihr Verhältnis zu den Kindern außerordentlich gestärkt wird.

Wenn wir also am Bahá'í-Gesetz, allen Schwierigkeiten zum Trotz, festhalten, stärken wir nicht nur unseren eigenen Charakter, sondern üben einen Einfluß auf unsere Umgebung aus.

Die Bahá'í-Lehre über den Geschlechtsverkehr ist sehr klar. Er ist nur erlaubt zwischen einem Mann und derjenigen Frau, mit der er verheiratet ist. In diesem Zusammenhang führen wir Ihnen Auszüge aus vier Briefen an, die im Auftrag des Hüters geschrieben wurden und verschiedene Aspekte dieses Themas erhellen. Einer davon enthält den Absatz, den Sie in Ihrem Brief zitiert haben.

»Sie fragten nach der Bahá'í-Haltung gegenüber dem Problem Sex und nach seinem Verhältnis zur Ehe. Die Bahá'í-Lehren zu dieser so überaus wichtigen Frage, über die die Meinungen so weit auseinandergehen, sind sehr klar und bestimmt. Kurz gesagt, beruht die Bahá'í-Vorstellung auf der Überzeugung, daß beide Geschlechter strenge Keuschheit üben sollen, nicht nur, weil dies ethisch höchst empfehlenswert ist, sondern auch, weil es der einzige Weg zu einem glücklichen und erfolgreichen Eheleben ist. Sexuelle Beziehungen irgendwelcher Art außerhalb der Ehe sind deshalb nicht erlaubt, und wer immer diesen Grundsatz verletzt, wird nicht nur vor Gott verantwortlich sein, sondern wird auch die notwendige Strafe der Gesellschaft auf sich ziehen.

Der Bahá'í-Glaube anerkennt den Wert des Geschlechtstriebes; er verurteilt jedoch den unrechtmäßigen und unschicklichen Ausdruck dieses Triebes, z.B. in sogenannter freier Liebe, in der Kameradschaftsehe und anderen Erscheinungen, die er alle als äußerst schädlich für den Menschen und die Gesellschaft, in der er lebt, betrachtet. Der richtige Gebrauch des Geschlechtstriebes ist das natürliche Recht jedes einzelnen Menschen, und genau für diesen Zweck ist die Institution der Ehe geschaffen worden. Die Bahá'í glauben nicht an die Unterdrückung des Geschlechtstriebes, sondern an seine Steuerung und Kontrolle.« (Aus einem Brief vom 5. September 1938 an einen Gläubigen)

»Sie fragen nach dem Platz, den eine feste Liebesbindung zu einer anderen Person als unserem Ehemann oder unserer Ehefrau in unserem Leben einnehmen kann. Aus der Sicht der Lehren läßt sich diese Frage leicht beantworten. Keuschheit bedeutet ein unbeflecktes, reines Geschlechtsleben, vor und nach der Heirat: vor der Heirat vollkommen keusch, nach der Heirat dem gewählten Gefährten vollkommen treu; Treue in allen sexuellen Handlungen, Treue in Worten und in Taten.

Abgesehen von anderen Mißständen ist die Welt heute in einer Überbetonung der körperlichen Liebe und einem Mangel an geistigen Werten versunken. Die Gläubigen sollten so weit wie möglich versuchen, dies zu erkennen und sich über das Niveau ihrer Mitmenschen zu erheben, die so großes Übergewicht auf die rein körperliche Seite der menschlichen Paarung legen, wie es für alle Verfallsperioden in der Geschichte typisch ist. Außerhalb ihres normalen, rechtmäßigen Ehelebens sollten sie danach streben, Bande der Freundschaft und Liebe zu knüpfen, die ewig und auf das geistige Leben des Menschen gegründet sind, nicht auf sein körperliches Leben. Das ist eines der vielen Gebiete, auf denen die Bahá'í angehalten sind, ein Beispiel zu setzen und den Weg zu einem wahren, menschlichen Lebensmaßstab zu zeigen, nach welchem des Menschen Seele erhaben und sein Körper nur das Werkzeug seines erleuchteten Geistes ist. Es braucht nicht betont zu werden, daß dies keineswegs ein vollkommen normales Geschlechtsleben innerhalb des rechtmäßigen Kanals der Ehe ausschließt.« (Aus einem Brief vom 28. September 1941 an einen Gläubigen)

»Zu Ihrer Frage, ob es rechtmäßige Ausdrucksformen des Geschlechtstriebes außerhalb der Ehe gibt: nach den Bahá'í-Lehren kann keine sexuelle Handlung als gesetzmäßig gelten, außer wenn sie zwischen gesetzlich verheirateten Personen stattfindet. Außerhalb des Ehelebens kann es keinen gesetzlichen oder gesunden Gebrauch des Geschlechtstriebes geben. Die Bahá'í-Jugend sollte auf der einen Seite zur Selbstkontrolle angehalten werden; wo Selbstkontrolle geübt wird, hat sie zweifellos eine gesunde Wirkung auf die Entwicklung des Charakters und der Persönlichkeit im allgemeinen. Andererseits sollte die Jugend den Rat erhalten, ja sie sollte dazu ermutigt werden, die Ehe einzugehen, solange sie noch jung und im Vollbesitz ihrer körperlichen Kräfte ist. Wirtschaftliche Umstände sind zweifellos oft ein ernsthaftes Hindernis für Frühehen, aber in den meisten Fällen sind sie nur eine Entschuldigung und sollten daher nicht überbetont werden.« (Aus einem Brief vom 13. Dezember 1940 an einen Gläubigen)

»In Bezug auf Ihre Frage, ob eine erneute Heirat für Sie empfehlenswert und nützlich sei, fühlt er sich nicht imstande, Ihnen eine abschließende Antwort zu geben; dies ist im wesentlichen eine private Angelegenheit, die Sie sowie die Freunde um Sie herum oder Ihr örtlicher Geistiger Rat viel besser beurteilen können. Selbstverständlich sollte es jeder unter normalen Umständen als eine sittliche Pflicht betrachten, die Ehe einzugehen. Bahá'u'lláh hat die Gläubigen dazu ermutigt. Aber die Ehe ist kein zwingendes Gebot. Letztlich hat der einzelne zu entscheiden, ob er ein Familienleben führen oder als Junggeselle leben möchte.« (Aus einem Brief vom 3. Mai 1936 an einen Gläubigen)

Sie sind erstaunt über die Anspielung des Hüters auf »die notwendige Strafe der Gesellschaft«. Im Kitáb-i-Aqdas verbietet Bahá'u'lláh geschlechtliche Unsitten, und im Anhang zu diesem Buch legt Er fest, daß die verschiedenen Grade sexueller Vergehen und die Strafen dafür vom Universalen Haus der Gerechtigkeit zu bestimmen sind. In diesem Zusammenhang sollte man sich vergegenwärtigen, daß im Glauben ein Unterschied gemacht wird zwischen der Haltung, die den einzelnen in seiner Beziehung zu anderen Menschen auszeichnen soll - nämlich liebevolle Vergebung, Nachsicht und die Beschäftigung mit den eigenen Sünden, nicht mit den Sünden anderer - und andererseits der Haltung, die die Geistigen Räte einnehmen sollen, deren Pflicht es ist, das Gesetz Gottes mit Gerechtigkeit anzuwenden.

Eine Reihe von Sexualproblemen wie Homosexualität und Transsexualität können sehr wohl medizinische Seiten haben, und in diesen Fällen sollte gewiß die beste medizinische Betreuung gesucht werden. Aber aus den Lehren Bahá'u'lláhs ergibt sich klar, daß Homosexualität kein Zustand ist, mit dem sich der oder die Betroffene abfinden sollte; vielmehr ist sie eine Verformung seiner/ihrer Natur, die kontrolliert und überwunden werden sollte. Das mag einen harten Kampf bedeuten; aber ebenso hart kann der persönliche Kampf eines heterosexuellen Menschen sein, seine oder ihre Gelüste zu kontrollieren. In diesem wie in vielen anderen Lebensbereichen hat es eine förderliche Wirkung auf den Fortschritt der Seele, wenn man Selbstkontrolle übt. Außerdem sollte eines bedacht werden: Es ist zwar höchst wünschenswert, verheiratet zu sein, und Bahá'u'lláh hat dies sehr empfohlen; doch ist die Ehe nicht der zentrale Zweck des Lebens. Wenn ein Mensch lange warten muß, bis er einen Ehepartner findet, oder wenn er oder sie letztlich allein bleiben muß, bedeutet dies nicht, daß er oder sie dadurch unfähig ist, seinen/ihren Lebenszweck zu erfüllen.

Bei alledem haben wir über die Haltung gesprochen, die die Bahá'í gegenüber dem Gesetz Bahá'u'lláhs einnehmen sollten. Als Arzt, der hauptsächlich bei Familien- und Sexualproblemen berät, werden Sie jedoch vorwiegend Nicht-Bahá'í zu betreuen haben, die die Gesetze Bahá'u'lláhs nicht anerkennen und keinen Grund sehen, sie zu befolgen. Sie arbeiten bereits als kundiger Fachmann auf Ihrem Gebiet, und zweifellos beraten Sie auf der Grundlage dessen, was Sie durch Studium und Erfahrung gelernt haben - ein ganzes Gefüge von Begriffsbildern über den Menschengeist, über sein Wachstum, seine Entfaltung und seine richtigen Lebensabläufe - , ein Wissen, das Sie ohne Bezugnahme auf die Lehren Bahá'u'lláhs erlernt und entwickelt haben. Nun wissen Sie als Bahá'í, daß das, was Bahá'u'lláh über den Sinn des menschlichen Lebens, über die menschliche Natur und die richtige Lebensführung lehrt, göttlich offenbart und daher wahr ist. Sie werden aber auf jeden Fall einige Zeit brauchen, um die Bahá'í-Lehren nicht nur so zu studieren, daß Sie sie klar verstehen, sondern auch zu ergründen, wie diese Lehren Ihre beruflichen Begriffsbilder ändern. Das ist selbstverständlich keine ungewöhnliche Schwierigkeit für einen Wissenschaftler. Wie oft wird in der Forschung ein Tatbestand entdeckt, der auf einem weiten Feld menschlichen Bemühens zu einer Revolution des Denkens führt. Sie müssen sich in jedem Fall von Ihrem eigenen beruflichen Wissen und Urteilsvermögen, das von Ihrem stets zunehmenden Wissen über die Bahá'í-Lehren immer mehr erleuchtet wird, leiten lassen; zweifellos werden Sie dann sehen, daß sich Ihr eigenes Verständnis der menschlichen Probleme, die Sie in Ihrer Arbeit behandeln, ändern und entwickeln wird, und Sie werden neue und verbesserte Wege erkennen, um den Menschen, die zu Ihnen kommen, zu helfen. Die Psychologie ist noch eine sehr junge, ungenaue Wissenschaft, und mit der Zeit werden Bahá'í-Psychologen, die von den Lehren Bahá'u'lláhs her das wahre Muster des Menschenlebens kennen, in der Lage sein, große Fortschritte in der Entwicklung dieser Wissenschaft zu machen und grundlegend zur Linderung menschlichen Leidens beizutragen.





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15. März 1973 - Erwerb des Landhauses Mazra`ih

Zu Naw-Rúz 130 geben (wir der) Bahá'í-Welt freudig (den) käuflichen Erwerb (des) Landhauses Mazra`ih bekannt, (der das) Ergebnis mehrjähriger geduldiger, ausdauernder, entschlossener Verhandlungen (ist). Damit erweitern sich (die) Bahá'í-Besitzungen (im) Heiligen Land (um den) ersten Wohnsitz, (den) Bahá'u'lláh nach neunjähriger Einkerkerung (in den) Mauern (der) Gefängnisstadt `Akká (bezog). Die Aufsicht (über) diesen heiligen Ort (wurde) vom geliebten Hüter nach mehr als fünfzig Jahren zurückgewonnen, als er (einen) Pachtvertrag (für das) Landhaus abschloß, der von 1950 bis heute lief. Zum Kaufgegenstand gehört (ein) Gelände (von) beinahe 24 000 qm, (das für die) Erweiterung der Gärten (und für) Kultivierung bestens geeignet (ist). (Wir) bringen Dankgebete (an der) Heiligen Schwelle dar (für) diese hochgeschätzte Gnade.





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April 1973 - Ridván-Botschaft 1973

Freudevollen und dankbaren Herzens verkünden wir einen überwältigenden Sieg zum Abschluß des weltumspannenden Neunjahresplanes. Die Armee des Lichtes hat ihren zweiten globalen Feldzug gewonnen. Sie hat die Ziele übertroffen, die der Ausbreitung galten, und einen wahrhaft eindrucksvollen Grad universeller Beteiligung erreicht; beides war Zweck des Planes. Voller Dankbarkeit und Liebe bezeugen wir die unaufhörlichen Bestätigungen, die Bahá'u'lláh auf Seine Diener regnen ließ und durch die Er jeden von uns befähigte, Ihm seinen Teil der Arbeit, der Ergebenheit, des Opfers und des inständigen Gebetes darzubringen, die Er nun so segensreich belohnt hat. Zu dieser Jahrhundertfeier der Offenbarung des Heiligsten Buches legt die Gemeinde des Größten Namens Ihm ihre Siegesgabe zu Füßen und bekennt dankbar, daß Er es war, der diese Gunst verlieh.

Die Sache Gottes ist am Ende des Neunjahresplanes viel weiter verbreitet, fester begründet, ihre internationalen Bindungen viel dichter gewoben als 1964 zu Beginn des Planes. 95 neue Gebiete wurden dem Glauben erschlossen, aus den 69 Nationalen Geistigen Räten, die damals die Aufgaben der Weltgemeinde auf sich nahmen, wurden 113, fünf mehr als verlangt waren. Diese embryonalen nachgeordneten Häuser der Gerechtigkeit werden von mehr als 17 000 örtlichen Geistigen Räten getragen, 3 000 mehr als das Ziel und 12 000 mehr als zu Beginn des Planes. Bahá'í leben an 69 500 Orten, 15 000 mehr als verlangt waren und 54 000 mehr als 1964. Bahá'í-Literatur wurde in 225 weitere Sprachen übersetzt, wodurch die Gesamtzahl auf 571 Sprachen erhöht wurde; 63 Tempelgelände, 56 nationale Ha.ziratu'l-Quds und 62 nationale Besitzungen wurden erworben, was die Gesamtzahl auf jeweils 98, 112 und 104 erhöht; 50 Lehrinstitute und Sommer- und Winterschulen tragen zur Bahá'í-Erziehung bei, und 15 Verlage bringen Bahá'í-Literatur in den wichtigsten Sprachen der Welt heraus. Der Muttertempel Lateinamerikas ist erbaut und eingeweiht. Zu den Zielen, deren Erreichung von günstigen Umständen abhängt, die nicht in unserer Hand liegen, gehören die Eintragung von Geistigen Räten und die Anerkennung von Bahá'í-Feiertagen. Es ist erfreulich zu berichten, daß 90 Nationale Geistige Räte und 1 556 örtliche Geistige Räte eingetragen sind - 181 mehr als insgesamt verlangt wurde - und daß die Bahá'í-Feiertage in 64 Ländern und Bahá'í-Heiratsurkunden in 40 Ländern anerkannt werden.

Diese große Ausbreitung des Glaubens erforderte eine Armee internationaler Pioniere. Es ergingen zwei Hauptaufrufe, einmal für 461 und einmal für 733 Pioniere, was zusammen mit den Aufrufen für bestimmte Standorte insgesamt 1 344 Pioniere ergab. Die Gemeinde des Größten Namens antwortete mit 3 553 Pionieren, die ihre Heimat tatsächlich verließen und von denen 2 265 weiterhin auf ihrem Posten sind.

Im Weltzentrum des Glaubens wurde die Vergleichung und Klassifizierung der Bahá'í Heiligen Schriften und der Schriften Shoghi Effendis in ständig wachsendem Umfang weitergeführt - eine Aufgabe, die von der Tätigkeit eines besonderen, vom persischen Nationalen Geistigen Rat ernannten Ausschusses unterstützt und bereichert wurde. Das Material im Weltzentrum umfaßt etwa 2 600 Originaltablets von Bahá'u'lláh, 6 000 von `Abdu'l-Bahá und 2 300 Briefe von Shoghi Effendi. Zusätzlich gibt es noch etwa 18 000 beglaubigte Kopien anderer solcher Tablets und Briefe. Sie alle wurden durchgesehen, es wurden wichtige Auszüge gemacht und klassifiziert, und der Inhalt wurde in einem Index unter 400 Hauptstichwörtern erfaßt.

Eine Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote des Kitáb-i-Aqdas - sie vervollständigt die beachtliche Vorarbeit des geliebten Hüters in dieser Aufgabe - wird zum hundertsten Jahrestag der Offenbarung des Heiligsten Buches veröffentlicht, der, wie schon angekündigt, während dieser Ridván-Tage im Heiligen Land und in der gesamten Bahá'í-Welt begangen wird.

Die Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, die Shoghi Effendi als das größte Gesetz des Glaubens Bahá'u'lláhs pries, wurde formuliert und veröffentlicht.

Die Gärten in Bahjí und auf dem Berg Karmel wurden wesentlich erweitert, und es wurden Pläne verabschiedet für den angemessenen Ausbau und die Verschönerung des gesamten Bahá'í-Besitztums, das die heiligen Schreine in Bahjí und Haifa umgibt.

Die weltweite Verkündigung des Glaubens, ein intensiver, lange anhaltender Prozeß, der während der dritten Phase des Planes eingeleitet wurde, begann im Oktober 1967 mit den Gedenkfeiern zum hundertjährigen Jubiläum von Bahá'u'lláhs Verkündigung an die Könige und Herrscher, in deren Mittelpunkt Seine Offenbarung der Suriy-i-Mulúk in Adrianopel stand. Auf sechs interkontinentalen Konferenzen, die gleichzeitig rund um den Erdball stattfanden, wurde dieses historischen Ereignisses feierlich gedacht. Weitere neun ozeanische und kontinentale Konferenzen, die während des Planes abgehalten wurden, gaben diesem Proklamationsprogramm einen starken Auftrieb. Die insgesamt fünfzehn Konferenzen, die das öffentliche Interesse durch Presse und Rundfunk auf sich lenkten, wurden von fast 17 000 Gläubigen besucht. Sie waren der Anlaß, Würdenträger und hohe Persönlichkeiten mit der göttlichen Botschaft bekannt zu machen. Dieser Feldzug, der weit über das Ende des Neunjahresplanes hinaus andauern wird, wurde durch das Überreichen eines Buches an 142 Staatsoberhäupter im Namen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit eingeleitet. Dieses Buch war besonders dafür herausgebracht worden und beinhaltet die englische Übersetzung von Tablets und Abschnitten aus den Schriften, in denen Bahá'u'lláh etwa hundert Jahre zuvor Seine machtvolle Verkündigung an die Menschheit niedergelegt hatte.

Die hervorragende Entwicklung der Beziehungen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde zu den Vereinten Nationen zeigte sich in der Akkreditierung dieser Gemeinde als nichtstaatliche Organisation mit beratendem Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Die Internationale Bahá'í-Gemeinde hat jetzt einen ständigen Vertreter bei den Vereinten Nationen und unterhält ein Büro in New York.

Die geliebten und hochverehrten Hände der Sache haben während des ganzen Neunjahresplanes aufopfernde und hervorragende Dienste geleistet. In allen Teilen der Welt haben sie die Freunde begeistert, die Nationalen Geistigen Räte unterstützt, die Lehrarbeit vorangetrieben und eine lebenswichtige Rolle für den Erfolg des Planes gespielt. In mehr als einer nationalen Gemeinde erfuhren schleppende Fortschritte durch den Besuch einer Hand der Sache eine grundlegende Wendung. Rasches und tatkräftiges Handeln, geweckt durch die Hand der Sache, brachte erstaunliche Ergebnisse, die die Aussichten dieser Gemeinde völlig umkehrten. Die Hände der Sache haben auch die Literatur des Glaubens mit ausgezeichneten Werken bereichert.

Das Ziel des Planes, »die Institution der Hände der Sache Gottes, in Beratung mit der Körperschaft der Hände der Sache, im Hinblick auf die zukünftige Erweiterung ihrer festgelegten Funktionen des Schutzes und der Verbreitung« zu entwickeln, wurde stufenweise erreicht und führte zur Bildung von elf Kontinentalen Beraterämtern, deren Mitglieder vom Universalen Haus der Gerechtigkeit ernannt wurden und denen die Verantwortung für die Hilfsämter für den Schutz und die Verbreitung des Glaubens übertragen wurde. Dadurch blieben die geliebten Hände nicht länger einzeln an einen bestimmten Kontinent gebunden - außer in bezug auf ihren Wohnsitz - , sondern dehnten ihren Wirkungskreis über den ganzen Planeten aus. Die Kontinentalen Beraterämter, die von den Händen der Sache Gottes beraten und geführt werden und eng mit ihnen zusammenarbeiten, haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon Hervorragendes und Beachtliches geleistet.

Drei höchst bedeutsame Entwicklungen haben sich während des Neunjahresplanes vollzogen: das Vorrücken der Jugend in die vorderste Front der Lehrarbeit, eine starke Vermehrung der Finanzen des Glaubens und eine erstaunliche Zunahme von Projekten, bei denen Nationale Geistige Räte sich gegenseitig unterstützen.

Das erste, der herzerfreuende Einsatz der Bahá'í-Jugend, hat den Stil der Lehrarbeit verändert. Unüberwindliche Schranken wurden zerbrochen oder überwunden von einsatzfreudigen Teams junger Bahá'í, die ergeben und im Gebet die göttliche Botschaft so darboten, daß sie für ihre eigene Generation annehmbar war, von der sie sich im ganzen gesellschaftlichen Gefüge weiter ausgebreitet hat und noch ausbreitet. Die ganze Bahá'í-Welt war von dieser Entwicklung begeistert. Nachdem die Bahá'í-Jugend die Werte und Maßstäbe der alten Welt verworfen hat, ist sie nun voll Eifer dabei, die Maßstäbe Bahá'u'lláhs zu erlernen, sich auf sie einzustellen und auf diese Weise das göttliche Programm anzubieten, das die Lücke füllen wird, die durch das Aufgeben der alten Ordnung entsteht.

Der Aufruf zur gewaltigen Erhöhung der Geldmittel des Glaubens während des Planes hat in der gesamten Bahá'í-Gemeinde einen herzerfreuenden Widerhall gefunden. Nicht nur der Internationale Bahá'í-Fonds, sondern auch die lokalen, nationalen und kontinentalen Fonds des Glaubens wurden in aufopfernder Weise unterstützt. Dieser praktische Beweis der Liebe, die die Freunde für den Glauben beseelt, hat das Vorankommen aller Arbeiten ermöglicht: die Unterstützung von Pionieren und Reiselehrern, den Bau von Häusern der Andacht und den Erwerb von Bahá'í-Besitzungen, den Ankauf von Heiligen Stätten in der Wiege des Glaubens und im Weltzentrum, die Entwicklung von Erziehungsinstitutionen und die vielen verschiedenen Unternehmungen einer tatkräftigen, voranschreitenden, aufbauenden Weltgemeinde. Es mag interessieren, daß 60 % der internationalen Fonds des Glaubens aufgewendet werden, um die Arbeit von Nationalen Geistigen Räten zu unterstützen, die Lehrarbeit voranzutreiben und den Glauben an vielen Orten der Erde gegen Angriffe zu verteidigen. Ohne diese Hilfe von seiten der Bahá'í-Weltgemeinde wären viele Nationale Geistige Räte in ihren Bemühungen um Ausbreitung und Vertiefung gelähmt. Die Verwaltung des Huqúqu'lláh wurde gestärkt als Vorbereitung für seine Ausweitung auf andere Teile der Erde. Im Weltzentrum wurde ein Internationaler Verteilungsfonds eingerichtet, um Pionieren und Reiselehrern zu helfen, die zum Dienst bereit, aber nicht imstande waren, für ihre eigenen Ausgaben aufzukommen; dieser Fonds wurde später auf die Unterstützung von Unternehmungen an nationalen Heimatfronten ausgedehnt. Das Spenden für den Fonds ist ein Dienst, der den Gläubigen bis in alle Zukunft offenstehen wird. Das Wachstum des Glaubens und der Aufbau seiner Verwaltungsordnung erfordern ein ständig stärker werdendes Verströmen unseres Vermögens, das - wenn auch nur in ganz bescheidenem Maße - zur Gnade und Freigebigkeit der überströmenden Bestätigungen Bahá'u'lláhs im Verhältnis stehen mag.

Als der Plan begann, wurden 219 Unterstützungsprojekte im einzelnen aufgeführt, bei denen bestimmte nationale Gemeinden anderen Gemeinden, die meist geographisch entfernt lagen, Finanz-, Pionier- und Lehrhilfe geben sollten. Die Absicht war, die Bande der Einheit zwischen den weit auseinanderliegenden Teilen der Bahá'í-Welt mit ihrem so unterschiedlichen sozialen, kulturellen und geschichtlichen Hintergrund zu stärken. Am Ende des Planes sind über 600 solcher Projekte durchgeführt worden. Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden wurde auch auf dem Gebiet der Veröffentlichung von Bahá'í-Literatur entwickelt, besonders in Spanisch und Französisch und in den afrikanischen Sprachen. Ein weites Feld fruchtbarer Bemühungen liegt in dieser Hinsicht noch vor uns.

In einigen Ländern konnten gewisse Sonderziele - vor allem die Eintragung von Räten und Anerkennung des Glaubens - nicht erreicht werden, teils wegen fehlender Freiheit, teils aufgrund echter Unterdrückung oder auch wegen rechtlicher und physischer Hindernisse. Da dies vorauszusehen war, rief das Universale Haus der Gerechtigkeit nationale Gemeinden in Ländern, wo der Glaube frei ausgeübt und verbreitet werden kann, dazu auf, ihre eigenen Ziele zu überbieten, um damit sicherzustellen, daß die Ziele insgesamt erreicht wurden. Noch immer ist es unmöglich, mit den Arbeiten zur Errichtung des Mashriqu'l-Adhkár in Teheran zu beginnen; es wurden jedoch Verträge abgeschlossen über die Ausführung von Detailzeichnungen, geologische Vermessungen wurden gemacht und alles vorbereitet zum sofortigen Baubeginn, sobald die Lage in Persien sich zum günstigen wendet.

Während des Neunjahresplanes gab es noch eine Reihe wichtiger und interessanter Ereignisse, die nicht direkt zum Plan gehörten. An erster Stelle standen die im Bereich der Qiblih der Bahá'í-Welt abgehaltenen Gedenkfeiern zum hundertsten Jahrestag der Ankunft des Verheißenen aller Zeitalter - wie in früheren Heiligen Schriften vorhergesagt - in der Gefängnisstadt `Akká.

Das Landhaus von Mazra`ih, auf das der geliebte Hüter oft als eines der »Zwillings-Landhäuser« hinwies, in denen die Gesegnete Schönheit nach neun Jahren Aufenthalt innerhalb der Mauern der Gefängnisstadt `Akká wohnte, und das den Herzen der Gläubigen teuer ist durch viele Erinnerungen, die es mit ihrem Herrn verbinden, wurde jetzt mit 24 000 qm Land erworben, welches sich ostwärts in die Ebene hinein erstreckt.

Das Aufstellen des Obelisken, der den Platz für den künftigen Mashriqu'l-Adhkár auf dem Berg Karmel kennzeichnet, vollendet ein Projekt, das durch den geliebten Hüter begonnen wurde.

Es wurde beschlossen, das Gebäude, das als Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit dienen soll, auf dem Berg Karmel an einer von Shoghi Effendi vorgesehenen Stelle des Bogens zu errichten. Der Beschluß wurde der Bahá'í-Welt bekanntgegeben und die ersten Schritte eingeleitet.

Der Fortschritt der Sache Gottes gewinnt immer mehr Schwungkraft, und wir dürfen vertrauensvoll dem Tag entgegensehen, an dem diese Gemeinde - wann immer es Gott gefällt - die Entwicklungsphasen durchlaufen haben wird, die ihr Hüter ihr vorzeichnete, und an dem sie auf diesem gepeinigten Planeten die herrlichen Wohnstätten des Reiches Gottes errichtet haben wird, in denen die Menschheit Ruhe finden möge von der selbst verursachten Verwirrung, dem Chaos und Niedergang, und in denen der Haß und die Gewalt dieser Zeit in ein dauerhaftes Bewußtsein der Weltbruderschaft und des Friedens umgewandelt werden. All dies wird erreicht werden im Bündnis des Ewigwährenden Vaters, dem Bündnis Bahá'u'lláhs.





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3. Mai 1973 - Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit - Mai 1973

Die neu gewählten Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit: `Alí Nakhjavání, Hushmand Fatheázam, Amoz Gibson, Ian Semple, David Hofman, Charles Wolcott, Borrah Kavelin, David Ruhe, Hugh Chance.





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7. Mai 1973 - Erster regierender Monarch nimmt den Glauben Bahá'u'lláhs an

Nun ist es möglich, Ihnen die Einzelheiten eines Ereignisses mitzuteilen, welches die Krönung der Siege darstellt, mit denen Bahá'u'lláh Seine Anhänger während des Neunjahresplanes gesegnet hat. Die wahre Bedeutung dieses Ereignisses wird erst im Laufe der kommenden Jahrhunderte ganz zu verstehen sein. Ein regierender Monarch hat die Botschaft Bahá'u'lláhs angenommen.

Unter denen, die 1967 das Buch Die Verkündigung Bahá'u'lláhs überreicht bekamen, war auch Seine Hoheit Malietoa Tanumafili II., das Oberhaupt des unabhängigen Staates West-Samoa im Herzen des Pazifik. Seine Hoheit hatte bereits früher vom Glauben gehört und ließ sofort erkennen, daß die heiligen Worte sein Herz ergriffen hatten. Daraufhin bat das Universale Haus der Gerechtigkeit die Hand der Sache Dr. Ugo Giachery, der ihm auch das Buch überreicht hatte, wiederum nach West-Samoa zu reisen, um von Seiner Hoheit zu weiteren Gesprächen empfangen zu werden. Im Anschluß an diesen Besuch übermittelte Malietoa dem Universalen Haus der Gerechtigkeit die Nachricht, daß er den Glauben Bahá'u'lláhs angenommen habe. Er wurde der erste regierende Monarch, der unter den Schirm dieses Glaubens trat.

Seine Hoheit beschloß in vollem Einvernehmen mit dem Universalen Haus der Gerechtigkeit, daß zu diesem Zeitpunkt die öffentliche Bekanntgabe seiner Erklärung nicht günstig sei. Er wurde von Zeit zu Zeit von Händen der Sache und anderen Gläubigen besucht, und das Universale Haus der Gerechtigkeit war durch Herrn Suhayl `Alá'i, Mitglied des Kontinentalen Berateramtes für Australasien, ständig mit ihm in Verbindung. Nach und nach ließ Malietoa seine Umgebung wissen, daß er Bahá'u'lláh angenommen hat. Nun hält er die Zeit für reif, diese wunderbare Nachricht seinen Mitgläubigen in aller Welt durch die freundliche, ermutigende Botschaft an die Internationale Bahá'í-Tagung zu übermitteln, die diesem Brief in Kopie beiliegt.

Alle Freunde werden gebeten, jedwede Publizität gegenüber Nicht-Bahá'í im Zusammenhang mit diesem historischen Ereignis zu vermeiden.

Falls diese höchst freudige Nachricht überhaupt bekanntgemacht werden soll, wird dies durch die Nationalen Geistigen Räte erfolgen, nachdem sie entsprechende Weisungen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit erhalten haben.





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Vailima, West-Samoa, 31. März 1973

Regierung des unabhängigen Staates West-Samoa - Das Staatsoberhaupt

Hochangesehene Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, hochverehrte Hände der Sache Gottes, geschätzte Berater und geehrte Delegierte der 3. Internationalen Tagung

Meine geistigen Brüder,

es bedeutet für mich und meine Mit-Bahá'í in Samoa im Herzen des Pazifik eine Freude, bei den Feiern zu diesem überaus bedeutsamen ersten Jahrhundert der Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas, des heiligsten Buches Bahá'u'lláhs, mit Ihnen und den Freunden Gottes auf der ganzen Welt im Geiste verbunden zu sein.

Wir beten für den Erfolg dieser historischen Tagung, die nun im Schatten des Berges Gottes im Heiligen Land stattfindet. Obgleich es uns nicht möglich ist, bei diesem denkwürdigen Ereignis persönlich unter Ihnen zu sein, teilen unsere Herzen mit Ihnen diese unvergeßlichen Tage und das Wissen um die gewaltigen Siege, die für den Glauben Gottes gewonnen wurden.

Dem Norden, Süden, Osten und Westen, den am dichtesten bevölkerten und den entlegensten Orten der Erde senden wir unsere herzlichen Grüße und unsere innige Liebe. Möge der Geist, den Ihre Versammlung an den Heiligen Schreinen hervorbringt, den Weg ebnen für die rasche Begründung des Reiches Gottes auf Erden und die Einheit aller Völker dieser Welt.

Alofa tele atu lava matou uma i Samoa nei.

gez. Malietoa Tanumafili II.





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5. Juni 1973 - Errichtung des Internationalen Lehrzentrums

Geben (die) Errichtung (des) lange vorausgesehenen Internationalen Lehrzentrums (im) Heiligen Land bekannt, (das) dazu bestimmt (ist), sich zu einer jener weltaufrüttelnden, weltumfassenden (und) weltlenkenden Verwaltungsinstitutionen zu entfalten, (die) durch Bahá'u'lláh verordnet, von `Abdu'l-Bahá vorausgeschaut (und) von Shoghi Effendi erläutert (wurde). Mitglieder dieser im Entstehen begriffenen Institution sind alle Hände der Sache Gottes sowie zunächst drei Berater, die mit (den im) Heiligen Land anwesenden Händen (den) Mittelpunkt ihrer lebenswichtigen Tätigkeiten bilden. Berufen Hooper Dunbar, Florence Mayberry (und) `Azíz Yazdí (dazu), sich (in das) Heilige Land zu begeben, (um) diesen höchst verdienstvollen Dienst aufzunehmen. Bringen Gebete tiefempfundener Dankbarkeit (an der) Heiligen Schwelle (für) diesen weiteren Beweis (der) organischen Entwicklung (der) Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs dar.





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8. Juni 1973 - Entfaltung der Verwaltungsordnung: Aufgaben des Internationalen Lehrzentrums

Das hundertste Jahr der Offenbarung des Kitáb-i-Aqdas wurde bereits Zeuge von Ereignissen größter Bedeutung in den Annalen der Bahá'í-Sendung, die uns veranlassen, mit Ehrfurcht über die Schnelligkeit nachzusinnen, mit welcher die göttliche Vorsehung die Sache des Größten Namens voranträgt. Der Zeitpunkt für die Errichtung des Internationalen Lehrzentrums ist in der Tat verheißungsvoll: läßt doch diese Entwicklung die Arbeit der im Heiligen Land ansässigen Hände der Sache Gottes reiche Frucht tragen und stellt gleichzeitig ihre Fortsetzung für die Zukunft sicher, verknüpft die Institution der Beraterämter noch inniger mit der der Hände der Sache Gottes und verstärkt machtvoll die Erfüllung der rasch wachsenden Verantwortlichkeiten des Universalen Hauses der Gerechtigkeit. Dieses nunmehr errichtete Internationale Lehrzentrum wird zur gegebenen Zeit von jenem Gebäude aus wirken, das vom Hüter zum Sitz für die Hände der Sache bestimmt wurde und in unmittelbarer Nähe des Sitzes des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Hängen des Berges Karmel errichtet werden muß.

Der im Entstehen begriffenen Institution werden nunmehr die folgenden Pflichten zugewiesen:

Die Tätigkeiten der Kontinentalen Beraterämter zu koordinieren, anzuregen und zu lenken und als Verbindung zwischen ihnen und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit zu wirken.

Über die Situation der Sache in allen Teilen der Welt voll auf dem laufenden und daher in der Lage zu sein, aufgrund dieser Kenntnis dem Universalen Haus der Gerechtigkeit Berichte und Empfehlungen zu geben und die Kontinentalen Beraterämter zu beraten.

Innerhalb wie außerhalb der Bahá'í-Gemeinde nach Möglichkeiten zur Ausdehnung der Lehrarbeit in aufnahmefähige und bedürftige Gebiete Ausschau zu halten und das Universale Haus der Gerechtigkeit sowie die Kontinentalen Beraterämter auf solche Möglichkeiten aufmerksam zu machen und ihnen Empfehlungen für Aktionen zu unterbreiten.

Den gegenwärtigen und zukünftigen Bedarf an Literatur, Pionieren und Reiselehrern zu ermitteln, regionale und weltweite Lehrpläne auszuarbeiten und sie dem Universalen Haus der Gerechtigkeit zur Genehmigung vorzulegen.

Alle Hände der Sache Gottes werden Mitglieder des Internationalen Lehrzentrums. Jede Hand der Sache wird regelmäßig durch Berichte oder Kopien der Protokolle über die Aktivitäten des Zentrums informiert und hat die Möglichkeit, dem Lehrzentrum von ihrem jeweiligen Wohn- oder Aufenthaltsort aus jederzeit Vorschläge, Empfehlungen und Informationen zu übermitteln sowie bei jedem Aufenthalt im Heiligen Land an den Beratungen und anderen Aktivitäten des Zentrums teilzunehmen.

Weiterhin ernennen wir jetzt Herrn Hooper Dunbar, Frau Florence Mayberry und Herrn `Azíz Yazdí zu Mitgliedern des Internationalen Lehrzentrums im Range von Beratern. Diese Gläubigen, die in den Kontinentalen Beraterämtern für Südamerika, Nordamerika bzw. für Mittel- und Ostafrika hervorragende Dienste geleistet haben, werden künftig in Haifa wohnen und zusammen mit den im Heiligen Land ansässigen Händen den Mittelpunkt der Tätigkeit des Zentrums bilden.

Die Ermächtigung für die Ausschließung und Wiederaufnahme von Bündnisbrechern verbleibt bei den Händen der Sache Gottes. Alle solche Angelegenheiten werden an Ort und Stelle von dem zuständigen Kontinentalen Berateramt in Beratung mit einer oder mehreren Händen, die sich gerade in dem Bereich aufhalten, untersucht. Das Kontinentale Berateramt und die damit befaßten Hände werden dann dem Internationalen Lehrzentrum ihren Bericht vorlegen, über den dort beraten wird. Die Entscheidung darüber, ob ein Ausschluß oder eine Wiederaufnahme zu erfolgen hat, wird von den im Heiligen Land ansässigen Händen getroffen, die - wie bisher - dem Universalen Haus der Gerechtigkeit ihre Entscheidung zur Genehmigung unterbreiten.

Bei den Zuständigkeitsbereichen der Kontinentalen Beraterämter treten ab sofort folgende Änderungen in Kraft:

Die Gesamtzahl der Bereiche erhöht sich auf zwölf, da Indien, Tibet, Nepal, Sikkim, Bhutan, Bangladesh, Sri Lanka sowie die Lakkadiven, Malediven, Andamanen und Nikobaren aus dem Bereich Westasien ausgegliedert wurden. Diese Gebiete bilden jetzt den neuen Bereich Süd-Zentralasien.

Die Philippinen, Hongkong und Makao - bisher bei Nordostasien - gehören jetzt zu Südostasien.

Die Karolinen-Inseln und alle anderen Inseln im Pazifik, die nördlich des Äquators und zwischen 140o östlicher Länge und 140o westlicher Länge liegen, werden mit Ausnahme der Gilbert-Inseln vom Bereich Australasien an den Bereich Nordostasien übertragen. Inseln im Rechtsbereich des Nationalen Geistigen Rates von Alaska verbleiben im Bereich von Nordamerika.

Die Anzahl der Berater erhöht sich durch die Ernennung von Herrn Friday Ekpe und Herrn Dhikru'lláh Ká.zimí in Nordwestafrika, Herrn Húshang `Ahdíyyih und Herrn Peter Vuyiya in Mittel- und Ostafrika, Frau Dr. Sara Pereira und Frau Velma Sherrill in Nordamerika, Herrn Rowland Estall und Herrn Paul Lucas in Mittelamerika, Frau Leonora Armstrong, Herrn Peter McLaren und Herrn Raúl Pavón in Südamerika, Herrn Dipchand Khianra und Frau Zena Sorabjee in Süd-Zentralasien, Herrn Firaydún Mítháqiyán in Südostasien, Herrn Richard Benson und Fräulein Elena Marsella in Nordostasien sowie Fräulein Violet Hoehnke in Australasien auf 57. Dr. William Maxwell, der als Mitglied des Kontinentalen Berateramtes von Nordwestafrika hervorragende Dienste geleistet hat, mußte in die Vereinigten Staaten zurückkehren.

Frau Zena Sorabjee ist zum Treuhänder des neuen Kontinentalen Fonds von Süd-Zentralasien bestellt worden, Herr Húshang `Adhíyyih zum Treuhänder des Kontinentalen Fonds von Mittel- und Ostafrika und Herr Mas`úd Khamsí zum neuen Treuhänder des Kontinentalen Fonds von Südamerika.

Zusätzlich zu diesen bedeutungsvollen Entwicklungen im Weltzentrum des Glaubens und auf kontinentaler Ebene wird in vielen Teilen der Welt eine Verstärkung der Hilfsämter notwendig. Die Arbeit ist in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich gelagert, und das Universale Haus der Gerechtigkeit berät zur Zeit hierüber mit den Beraterämtern; danach wird eine Entscheidung bekanntgegeben.

Die jetzt getroffenen Entscheidungen sind das Ergebnis von Überlegungen, die sich über eine Reihe von Jahren erstreckt haben. Sie wurden untermauert durch Beratungen mit den Händen der Sache Gottes und insbesondere mit den im Heiligen Land ansässigen Händen, die im Jahre 1968 gebeten wurden, dem Universalen Haus der Gerechtigkeit bei der Errichtung des Internationalen Lehrzentrums behilflich zu sein - einer Aufgabe, die jetzt immer mehr Bedeutung gewinnt, da das Zentrum mit seiner Arbeit beginnt.

Es ist unser inbrünstiges Gebet, daß die Gesegnete Schönheit diesen jüngsten Schritt in der Entfaltung Seiner göttlich vorbestimmten Verwaltungsordnung in reichem Maße bestätigen wird.





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7. Oktober 1973 - Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten

Um den wachsenden Erfordernissen einer sich ständig ausdehnenden Bahá'í-Weltgemeinde zu genügen, haben wir zwei Beschlüsse zur Stärkung und Erweiterung der Hilfsämter gefaßt.

Erstens: Die Zahl der Hilfsamtsmitglieder auf der ganzen Welt soll auf 270 erhöht werden, davon 81 als Hilfsämter für den Schutz des Glaubens und 189 als Hilfsämter für die Verbreitung des Glaubens. Im ganzen wird es dann 54 Hilfsamtsmitglieder in Afrika, 81 in der westlichen Hemisphäre, 81 in Asien, 18 in Australasien und 36 in Europa geben.

Zweitens: Als weiteren Schritt in der Entwicklung dieser Institution erteilen wir jedem Kontinentalen Berateramt die Befugnis, einzelne Hilfsamtsmitglieder zu ermächtigen, sich Assistenten zu ernennen. Diese Ermächtigung braucht nicht allen Hilfsamtsmitgliedern in einem Gebiet erteilt zu werden, und es brauchen auch nicht alle die gleiche Anzahl von Assistenten zu haben; manche Beraterämter werden vielleicht sogar entscheiden, daß sie bei der gegenwärtigen Situation in ihrem Bereich von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen wollen. Das bleibt ganz dem Ermessen des einzelnen Berateramtes überlassen.

Das genaue Aufgabengebiet und die Dauer der Ernennung der Assistenten kann ebenfalls von jedem Berateramt selbst bestimmt werden. Ziel sollte es sein, die Geistigen Räte zur Tätigkeit anzuregen und zu ermutigen, die Aufmerksamkeit der Ratsmitglieder auf die Wichtigkeit regelmäßiger Sitzungen hinzulenken, die Gemeinden anzuspornen, sich zum Neunzehntagefest und an den Heiligen Tagen zu versammeln, mitzuhelfen, das Verständnis für die Lehren bei ihren Mitgläubigen zu vertiefen, und ganz allgemein den Hilfsamtsmitgliedern bei der Durchführung ihrer Pflichten behilflich zu sein. Die Ernennungen können für eine begrenzte Zeit, z.B. ein oder zwei Jahre, gelten, wobei es die Möglichkeit zur Wiederernennung gibt. Die Gläubigen können gleichzeitig als Assistenten der Hilfsamtsmitglieder und in administrativen Institutionen tätig sein.

Wir beten an der Heiligen Schwelle, daß diese Entwicklung in der Institution der Hilfsämter zu einer noch nie dagewesenen Stärkung der Geistigen Räte auf der ganzen Welt führen wird.





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27. November 1973 - Datenunterschiede bei Bahá'í-Feiertagen

Wir haben Ihren Brief vom 5. November erhalten, in dem Sie fragen, warum gegenwärtig bestimmte Bahá'í-Feiertage von persischen Gläubigen an anderen Tagen als in der übrigen Welt gefeiert werden.

Wie Sie ohne Zweifel wissen, hat es Bahá'u'lláh dem Universalen Haus der Gerechtigkeit überlassen, die Einzelheiten vieler Gesetze zu regeln. Dazu gehört auch eine Anzahl von Fragen im Zusammenhang mit dem Bahá'í-Kalender. Zum Beispiel hat Bahá'u'lláh festgesetzt, daß Naw-Rúz der Tag ist (gemessen von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang), an dem die Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche eintritt. Um dieses Gesetz weltweit anzuwenden, muß ein bestimmter Ort auf der Erde als Bezugspunkt gewählt werden, nach dem die Zeiten der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche jedes Jahr bestimmt werden können. Die Wahl dieses Ortes wurde der Entscheidung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit überlassen.

Solange diese Entscheidung noch aussteht, ist es - wie leicht zu ersehen - unmöglich, die genaue Beziehung zwischen den Bahá'í- und den gregorianischen Daten zu ermitteln; denn in manchen Jahren wird Naw-Rúz auf den 20. März fallen, in manchen auf den 21. und in wieder anderen auf den 22. Deshalb feiern die Bahá'í bis dahin in den meisten Ländern der Erde die Bahá'í-Feiertage an ihren Jahrestagen im gregorianischen Kalender.

Im Nahen Osten haben jedoch die Gläubigen seit der Zeit Bahá'u'lláhs vier der Heiligen Tage, nämlich den Geburtstag Bahá'u'lláhs, den Geburtstag des Báb, die Erklärung des Báb und den Märtyrertod des Báb, in Übereinstimmung mit dem jeweiligen Jahrestag nach dem muslimischen Mondkalender gefeiert, und an dieser Gepflogenheit wird festgehalten, bis das Universale Haus der Gerechtigkeit es für angebracht hält, die ganze Angelegenheit zu regeln.

Die Geburtstage von Báb und Bahá'u'lláh stellen einen besonderen Fall dar, weil sie im Mondkalender auf nacheinander folgende Tage (1. und 2. Mu.harram) fallen, wohingegen ihre gregorianischen Jahrestage 23 Tage auseinander liegen. Bahá'u'lláh hat vorgesehen, daß die Zwillingsgeburtstage als ein einziges Fest gefeiert werden sollen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit wird daher entscheiden müssen, wie dies erreicht werden soll.

Bevor Entscheidungen über all diese Punkte getroffen werden können, muß das Universale Haus der Gerechtigkeit sämtliche diesbezüglichen Texte studieren, die historischen Unterlagen prüfen und astronomische Daten einholen. Es muß auch erwägen, wann es zeitlich günstig und angebracht ist, die Daten aller Heiligen Tage festzulegen und der ganzen Bahá'í-Welt bekanntzugeben.





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4. Dezember 1973 - Gärten in Bahjí erweitert

Erfreut berichten (wir den) Freunden (die) während des Nahostkonflikts (erfolgte) Verschönerung der Umgebung (des) heiligsten Schreines (durch die Gestaltung des) vierten Quadranten, der den Olivenhain im Südwesten des Pilgerhauses in Bahjí mit einbezieht. (Der) gesegnete Schrein und (das) Landhaus (sind) jetzt (von) einem vollen Kreis herrlicher Gärten umgeben, (die) durch (das) vom geliebten Hüter geschaffene Beispiel (des) Haram-i-Aqdas angeregt wurden. (Wir) beten (an den) Schreinen, (daß die) Träger (des) Größten Namens (in) jedem Lande (ihre) Anstrengungen verdoppeln (und die) Belange (unseres) kostbaren Glaubens in (der) Vorausschau (auf den) weltweiten Fünfjahresplan fördern werden, der bald verkündet wird.





+107

21. März 1974 - Naw-Rúz-Botschaft

Eine Zeitspanne von achtzehn Jahren trennt uns von der Jahrhundertfeier des Aufstieges Bahá'u'lláhs und der Enthüllung Seines allmächtigen Bündnisses. Was in diesem Zeitraum auf die Menschheit zukommt, kann niemand vorhersagen. Wir können jedoch vertrauensvoll voraussagen, daß die Sache Gottes, angetrieben von den ihr innewohnenden mächtign Lebenskräften, an Stärke immer weiter zunehmen wird, daß sie an Umfang wachsen und immer größere Kräfte für die Verwirklichung von Gottes Absicht auf Erden entwickeln wird.

Die überreichen Beweise göttlicher Bestätigung, welche die angestrengten, hingebungsvollen Bemühungen der Bahá'í-Gemeinde während des letzten Jahrzehnts belohnt haben, sind auf der ganzen Erde zu erkennen und geben die unbestreitbare Versicherung ihrer Fähigkeit, das Wohlgefallen Bahá'u'lláhs zu gewinnen und auf jeden Ruf zu antworten, der in Seinem Dienst an sie ergeht.

Der Fünfjahresplan, zu dem diese Gemeinde nun aufgerufen ist, stellt den Eröffnungsfeldzug dieser kritischen Jahre dar. Es ist der dritte weltumspannende Plan, zu dem die Armee des Lichtes in Ausführung von `Abdu'l-Bahás Göttlichem Plan aufbricht, jenem weltumfassenden Programm, das in Seinen deutlichen Tablets enthüllt und das vom Hüter der Sache Gottes als die Charta für die Verkündigung des Glaubens auf der ganzen Welt bezeichnet wurde. Der Hüter selbst war es - das geliebte »Zeichen Gottes« - , der durch seine Erklärung und Auslegung der Offenbarung, durch seine Erziehung und Formung der Bahá'í-Gemeinde und durch eine Reihe von nationalen Plänen, die den verschiedenen Einheiten jener Gemeinde zugeteilt wurden, die Verwaltungsordnung des Glaubens schmiedete und sie zu einem Instrument für die Ausführung dieser großen Charta machte; er selbst entwarf auch den ersten weltweiten Plan, den einzigartigen, glänzenden und geistig ruhmreichen Zehnjahres-Kreuzzug, und setzte ihn in Gang. Durch die Siege jenes Kreuzzuges wurde das Banner Bahá'u'lláhs auf dem ganzen Erdball aufgepflanzt, und der nachfolgende Neunjahresplan verstärkte und verbreiterte die Bollwerke des Glaubens und vergrößerte die Zahl der Nationalen Geistigen Räte - der tragenden Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit - auf einhundertdreizehn - eine Zahl, die durch die Bildung der Nationalen Geistigen Räte von Hongkong und Südostarabien an diesem Ridván noch auf einhundertfünfzehn erhöht wird.

Dieser Fünfjahresplan hat drei Hauptziele: Erhaltung und Festigung der errungenen Siege; eine ungeheure Ausdehnung der Bahá'í-Gemeinde; Entwicklung der unterscheidenden Wesensmerkmale des Bahá'í-Lebens, besonders in den örtlichen Gemeinden. Die Erreichung dieser Hauptziele erfordert die Erfüllung besonderer Aufgaben sowohl im Weltzentrum des Glaubens wie auch in den nationalen und örtlichen Gemeinden.

Im Weltzentrum wird die Arbeit der Vergleichung und Einordnung der heiligen Texte fortgeführt; es werden genehmigte Übersetzungen von drei Zusammenstellungen aus den Schriften erstellt und veröffentlicht, nämlich Sendschreiben Bahá'u'lláhs, die nach dem Kitáb-i-Aqdas offenbart wurden, Gebete und Auszüge aus den Schriften des Báb - womit die Bruchstücke Seiner Äußerungen, die bis jetzt im Westen verfügbar sind, stark vermehrt werden - und aus den Werken des Meisters mit einer umfassenden Auswahl aus der riesigen Themenfülle, die von Seiner göttlichen Weisheit erhellt wurde. Auf dem Berge Karmel beginnen die Bauarbeiten an dem Gebäude, das als Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit dienen wird, und es besteht die Hoffnung, den Bau im Verlauf des Fünfjahresplanes fertigzustellen; eine weitere Ausdehnung und Verschönerung der Gärten und des Landes im Umkreis der heiligen Stätten ist vorgesehen; die Beziehungen zwischen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und den Vereinten Nationen sollen gestärkt werden, und die Bemühungen werden nicht abreißen, den Glauben vor Verfolgungen zu schützen und ihn von den Beschränkungen zu befreien, die ihm von religiöser Orthodoxie aufgezwungen werden.

Auf der internationalen Ebene wird die Errichtung von zwei Mashriqu'l-Adhkárs in Angriff genommen, einem in Indien und einem in Samoa. Gegen Mitte des Fünfjahresplanes sollen acht Internationale Lehrkonferenzen abgehalten werden: zwei für die Arktis, nämlich in Anchorage und in Helsinki im Juli 1976, eine in Paris im August 1976, eine in Nairobi im Oktober 1976, eine in Hongkong im November 1976, eine in Auckland und eine in Bahia, Brasilien, im Januar 1977 sowie eine in Mérida, Mexiko, im Februar 1977.

Sechzehn neue Nationale Geistige Räte sind zu bilden: die Nationalen Geistigen Räte der Bahamas, von Burundi, Zypern, den französischen Antillen, Griechenland, Jordanien, Mali, Mauretanien, der Neuen Hebriden, von Niger, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Surinam und Französisch Guayana, Togo sowie von Obervolta; für diese Räte müssen die nationalen .Ha.zíratu'l-Quds, Tempelgelände und Stiftungen erworben werden. Die Verbreitung von Nachrichten und Botschaften, die so lebenswichtig für die Information, Ermutigung und Einheit der Bahá'í-Gemeinde ist, muß wirkungsvoller und schneller werden, und im Vorgriff auf eine große Steigerung der Anzahl der Gläubigen sowie der örtlichen Geistigen Räte und der Zentren, wo Bahá'í leben, muß ein abgestimmtes Programm der Übersetzung und Veröffentlichung von Bahá'í-Literatur entwickelt werden mit dem Endziel, die heiligen Texte und Lehren des Glaubens der ganzen Menschheit zugänglich zu machen - ein Programm, zu dem auch die Gründung von sechs Bahá'í-Verlagen und die fortgesetzte finanzielle Beihilfe für Bahá'í-Literatur gehören. Es sind 409 Projekte für die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung zwischen Nationalen Räten geplant, und 557 Pioniere werden zu Beginn des Planes aufgerufen.

Eines der unterscheidenden Merkmale der Sache Gottes ist das Prinzip der Nichtannahme finanzieller Spenden von Nicht-Bahá'í für eigene Zwecke: die Speisung des Bahá'í-Fonds ist eine Gnade, die Bahá'u'lláh Seinen erklärten Anhängern vorbehalten hat. Diese Gnade legt den Gläubigen allein die volle Verantwortung für die finanzielle Unterstützung des Glaubens auf; jeder von ihnen ist aufgerufen, sein Äußerstes zu tun, um sicherzustellen, daß die ständige und großzügige Ausschüttung von Mitteln erhalten bleibt und noch weiter verstärkt wird, um die wachsenden Bedürfnisse der Sache Gottes zu decken. Viele Bahá'í-Gemeinden sind zur Zeit noch auf auswärtige Hilfe angewiesen, und für sie muß es das Ziel sein, selbsttragend zu werden, im Vertrauen darauf, daß der Großmütige Herr sie in dem Maße, wie ihre Anstrengungen wachsen, schließlich in die Lage versetzen wird, für den Fortschritt Seines Glaubens nicht nur ihre Hingabe, ihre Energie und Liebe darzubieten, sondern auch materiellen Besitz.

Die Proklamation des Glaubens anhand von festen Plänen und mit dem Ziel, die Massenmedien verstärkt einzusetzen, muß tatkräftig verfolgt werden. Dabei sollte immer klar sein, daß es der Zweck von Proklamation ist, der ganzen Menschheit die Ankunft der neuen Offenbarung und deren allgemeines Ziel zur Kenntnis zu bringen; Lehrprogramme müssen andererseits entwickelt werden, um Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht zu festen Gläubigen zu machen.

Die großen Reserven an geistiger Energie, Tatkraft und Idealismus, die in der Bahá'í-Jugend vorhanden sind und so wirkungsvoll zum Erfolg des Neunjahresplanes beitrugen, müssen für die Proklamation, das Lehren und für die Vertiefung in der Sache eingesetzt und ausgeschöpft werden. Die Geistigen Räte werden dringend gebeten, den Bahá'í-Jugendlichen, die bestrebt sind, ihr Leben so zu planen, daß sie der Sache Gottes am besten dienen können, zu raten und sie zu führen.

Die Erziehung der Kinder in den Lehren des Glaubens muß als wichtige Pflicht aller Bahá'í-Eltern sowie jeder örtlichen und nationalen Gemeinde betrachtet werden; sie muß im Verlaufe dieses Planes zu einer fest begründeten Bahá'í-Tätigkeit werden. Zu ihr gehören auch die Verhaltenserziehung durch Wort und Beispiel und die aktive Teilnahme der Kinder am Leben der Bahá'í-Gemeinde.

Dieser Fünfjahresplan muß Zeuge der Entwicklung von unterscheidenden Bahá'í-Merkmalen in der weltweiten Bahá'í-Gemeinde werden - Merkmale, deren Keime Bahá'u'lláh selbst in ihr angelegt hat. Einheit der Menschheit ist der zentrale Grundsatz Seiner Offenbarung; deshalb müssen die Bahá'í-Gemeinden weithin dafür bekannt werden, daß sie diese Einheit an den Tag legen. In einer Welt, die täglich mehr von Parteienstreit und Gruppeninteressen zerrissen wird, muß sich die Bahá'í-Gemeinde durch Eintracht und Harmonie in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen auszeichnen. Der Eintritt der Menschheit in das Erwachsenenstadium muß seinen Schatten vorauswerfen in dem reifen, verantwortungsvollen Verständnis dieser Bahá'í-Gemeinden für menschliche Probleme und in der weisen Verwaltung ihrer Angelegenheiten. Die Einübung und Entwicklung solcher Bahá'í-Wesenszüge liegt gleichermaßen in der Verantwortlichkeit des einzelnen Bahá'í wie auch der Verwaltungsinstitutionen; die beste Möglichkeit, dieses Wachstum zu pflegen, haben jedoch die örtlichen Geistigen Räte.

Die göttlich verordnete Institution des örtlichen Geistigen Rates wirkt auf den unteren Ebenen der menschlichen Gesellschaft und ist die grundlegende administrative Einheit der Weltordnung Bahá'u'lláhs. Sie befaßt sich mit Einzelmenschen und Familien, die sie ständig ermutigen muß, sich in einer deutlich erkennbaren Bahá'í-Gesellschaft zusammenzuschließen, die durch die Gesetze, Verordnungen und Grundsätze der Offenbarung Bahá'u'lláhs belebt und bewahrt wird. Sie beschützt die Sache Gottes; sie handelt als der liebevolle Hirte der Bahá'í-Herde.

Stärkung und Entwicklung der örtlichen Geistigen Räte ist ein lebenswichtiges Ziel des Fünfjahresplanes. Der Erfolg bei diesem einen Ziel wird das Bahá'í-Leben wesentlich verbessern und bereichern; er wird die Fähigkeit des Glaubens erhöhen, dem Eintritt in Scharen gerecht zu werden, der schon jetzt stattfindet; vor allem aber wird er den engen Zusammenhalt und die ständig stärker hervortretende Besonderheit der Bahá'í-Gemeinde erweisen, die ihrerseits immer mehr nachdenkliche Seelen zum Glauben hinziehen und den führerlosen, unglücklichen Millionen in der geistig bankrotten, todgeweihten derzeitigen Ordnung eine Zuflucht bieten wird.

»Diesen Geistigen Räten«, schrieb Abdu'l-Bahá, »steht der Geist Gottes bei. Ihr Verteidiger ist `Abdu'l-Bahá. Über sie breitet Er Seine Flügel aus. Welche Gnade ist größer als diese?« Ebenso: »Diese Geistigen Räte sind strahlende Leuchten und himmlische Gärten, aus denen sich die Düfte der Heiligkeit über alle Regionen verbreiten und die Lichter der Erkenntnis über alles Erschaffene ergießen. Von ihnen strömt der Geist des Lebens nach allen Richtungen. Sie sind wahrlich zu allen Zeiten und unter allen Umständen die mächtigen Quellen des Fortschritts für den Menschen.«

Während des Fünfjahresplanes werden örtliche Geistige Räte, die zum ersten Mal entstehen, sogleich gebildet, wenn sich neun oder mehr erwachsene Gläubige an dem betreffenden Ort befinden; danach müssen sie an Ridván gewählt oder durch Willenserklärung gebildet werden. Die Nationalen Geistigen Räte werden aufgerufen, den örtlichen Geistigen Räten im Gesamtrahmen des Fünfjahresplanes Ziele zuzuweisen, sie zu ermutigen, sich selbst solche Ziele zu geben, mit ihnen zu beraten und ihnen dabei zu helfen, große Anstrengungen zu machen, um allmählich ihre eigentliche Aufgabe und Verantwortung in der Weltordnung Bahá'u'lláhs zu übernehmen. Die Freunde sind aufgerufen, ihren örtlichen Geistigen Rat von ganzem Herzen zu unterstützen und mit ihm zusammenzuarbeiten, zunächst durch die Wahl der Mitglieder und dann durch die energische Verfolgung seiner Pläne und Programme, aber auch dadurch, daß sie sich in Zeiten der Not und in Schwierigkeiten an ihn wenden, für seinen Erfolg beten und begeistert sind, wenn er zu Einfluß und Ehren aufsteigt. Dieser große Schatz, dieses Geschenk Gottes in jeder Gemeinde muß gehegt, genährt, geliebt und unterstützt, es muß ihm gehorcht und dafür gebetet werden.

Ein festgegründetes, aktives und glückliches Gemeindeleben - das sich einstellt, wenn ein örtlicher Geistiger Rat tatsächlich wirksam wird - verschafft den Freunden eine feste Grundlage, von der sie Mut, Stärke und liebevollen Beistand beziehen, wenn sie die göttliche Botschaft zu ihren Mitmenschen tragen und ihr Leben nach dieser wohltätigen Richtschnur ausrichten.

Die Taten und die Programme, all die vielfältigen weltweiten Tätigkeiten, zu denen Sie aufgerufen sind, haben nur ein Ziel - die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden. In jedem Stadium dieser Entwicklung und auf allen Stufen der Bahá'í-Verantwortlichkeiten - als einzelner Bahá'í oder im örtlichen oder nationalen Rahmen - erhalten Sie Ermutigung, Rat und Beistand von der göttlich verordneten Institution der Hände der Sache Gottes, einer Institution, die durch die erfolgreiche Errichtung des Internationalen Lehrzentrums machtvoll verstärkt wurde. Mit der Schaffung dieses Zentrums wurde die Erfüllung des vor beinahe zehn Jahren angekündigten Zieles besiegelt, die Fortführung der besonderen Aufgaben des Schutzes und der Verkündigung, die den Händen der Sache im Heiligen Text auferlegt sind, in die Zukunft hinein sicherzustellen. Durch die Arbeit des Internationalen Lehrzentrums, das die Arbeit der Beraterämter rund um den Erdball überwacht und aufeinander abstimmt, durchdringt die Liebe, die Führung und Hilfe der Hände der Sache über die Beraterämter, ihre Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten den gesamten Aufbau der Bahá'í-Gesellschaft.

Die Hauptsachverwalter von Bahá'u'lláhs keimhaftem Weltgemeinwesen haben in der Tat dieser wachsenden Gemeinde die Sorge um ihr Wohlergehen, um die Entwicklung ihrer Wesensart und um ihre geistige Ermutigung zuteil werden lassen, die zu den Pflichten ihres hohen Amtes zählt.

Indem die alte Ordnung der neuen weicht, spielen sich derartige Veränderungen in allen menschlichen Angelegenheiten ab, daß sie die Einbildungskraft übersteigen. Dies ist der Tag für die Heerscharen des Herrn. Nicht bestürzt und nicht abgeschreckt durch die Trümmer »lang gehegter Ideale und altehrwürdiger Institutionen«, die nun »hinweggefegt und in die Rumpelkammer veralteter und vergessener Doktrinen verbannt« werden, muß die Weltgemeinde der Bahá'í eifrig und mit ständig wachsender Energie voranstürmen, um jene neuen, gottgegebenen Institutionen aufzubauen, von denen das Licht der heiligen Grundsätze und Lehren ausstrahlen wird, die von Gott für die Rettung der ganzen Menschheit an diesem Tag herabgesandt wurden.





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9. Juni 1974 - Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen Rat in Island vom 9. Juni 1974

Liebe Bahá'í-Freunde,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 4. März 1974 mit der beiliegenden Anfrage der Bahá'í-Gruppe von Isafjördur. Aufgrund einer Anzahl von Fragen, die wir erhalten haben, ist deutlich geworden, daß vielen Gläubigen nicht klar ist, welche Gesetze bereits für die Bahá'í im Westen bindend sind. Wir denken daher, daß es nun an der Zeit ist, diese Angelegenheit zu klären, und der einfachste Weg ist, jene in der »Inhaltsübersicht und systematischen Darstellung des Kitáb-i-Aqdas« aufgezählten Gesetze zu benennen, die derzeit für die Freunde in der westlichen Welt nicht bindend sind. Zum leichteren Nachweis geben wir die Ziffern der aufgezählten Abschnitte an.

IV.A.4.c Das Gesetz über die Befreiung vom täglichen Gebet für Frauen während ihrer Monatsregel.

IV.A.10 Das Gesetz über die Waschungen, mit Ausnahme der für das mittlere tägliche Gebet geforderten Waschungen, wie sie im Abschnitt 182 von »Gebete und Meditationen« beschrieben und zum Sprechen dieses Gebetes vorgeschrieben sind.

IV.A.12 Das Gesetz über Handlungen, die anstelle eines täglichen Gebets durchgeführt werden müssen, das aufgrund unsicherer Zustände versäumt wurde.

IV.B.5.a Die Definition des Reisenden wegen der Befreiung vom Fasten. Anstelle dieser Definition sollten die Gläubigen im Westen folgender Führung folgen, die im Auftrag des geliebten Hüters von seinem Sekretär gegeben wurde: »Reisende sind vom Fasten befreit, wenn sie aber während ihrer Reise fasten möchten, steht ihnen dies frei. Sie sind den gesamten Zeitraum Ihrer Reise befreit, nicht nur für jene Stunden, die Sie sich im Zug oder Auto etc. befinden...«

IV.B.5.f Das Gesetz über die Befreiung vom Fasten für Frauen während ihrer Monatsregel.

IV.C.1.i Das Gesetz über die Verlobung.

IV.C.1.j Das Gesetz über die Zahlung einer Morgengabe durch
den Bräutigam an die Braut anläßlich der Hochzeit.

IV.C.1.l & m Die Gesetze über die Reisen eines Ehemannes ohne seine Ehefrau.

IV.C.1.n & o Die Gesetze, die sich auf die Jungfräulichkeit der Frau beziehen.

IV.C.2.b Jener Teil der Scheidungsgesetze, der sich auf die Zahlung von Geldstrafen an das Haus der Gerechtigkeit bezieht.

IV.C.3 Das Erbfolgegesetz. Dies wird derzeit in der Regel im
Falle des Fehlens eines Testaments vom bürgerlichen Recht abgedeckt.

IV.D.1.a Das Gesetz über die Wallfahrt.

IV.D.1.b Das Gesetz des Huqúqu'lláh wird auf die westlichen Freunde noch nicht angewendet. [Es wurde zu Ridván 1992 weltweit gültig.]

IV.D.1.d Das Gesetz über den Mashriqu'l-Adhkár wird schritt-weise der Verwirklichung zugeführt.

IV.D.1.f Die Bahá'í-Feiertage werden von den westlichen Freun-den solange an ihren Jahrestagen entsprechend dem Gregorianischen Kalender gefeiert, bis das Universale Haus der Gerechtigkeit es für wünschenswert erachtet, ergänzende Gesetze zu erlassen, die für die volle Inkraftsetzung des Badí`-Kalenders erforderlich sind.

IV.D.1.j Das Alter der Reife bezieht sich bis jetzt einzig auf die religiösen Bahá'í-Pflichten. In anderen Angelegenheiten ist es dem bürgerlichen Recht jedes Landes unterworfen. Das Alter der administrativen Reife innerhalb der Bahá'í-Gemeinde wurde vorläufig auf 21 festgelegt.

IV.D.1.k Bezüglich der Bestattung der Toten sind derzeit im Westen einzig die Erfordernisse bindend, den Körper zu bestatten (ihn nicht zu verbrennen), ihn nicht weiter als eine Wegstrecke von einer Stunde vom Sterbeort zu befördern und das Totengebet zu sprechen, falls der Verstorbene ein Gläubiger über 15 Jahre ist.

IV.D.1.p Das Gesetz über die Abgabe.

IV.D.1.q Das Gesetz über das Sprechen des Größten Namens 95mal täglich.

IV.D.1.r Das Gesetz über die Jagd.

IV.D.1.t, u, v & w Die Gesetze über Fundsachen, Verfügung über entdeckte Schätze, Verfügung über treuhänderisch verwaltete Gegenstände und Schadenersatz bei Tötung ohne Vorsatz sind alle für die zukünftige Gesellschaft vorgesehen. Diese Angelegenheiten sind derzeit meist durch das bürgerliche Recht jedes Landes abgedeckt.

IV.D.1.y, xiv, xv, xvi & xvii Brandstiftung, Unzucht, Tötung mit Vorsatz und Diebstahl sind den Bahá'í alle verboten, die Strafen, die dafür im Kitáb-i-Aqdas vorgeschrieben sind, sind jedoch für eine zukünftige Gesellschaft vorgesehen. Solche Angelegenheiten sind derzeit meist durch das bürgerliche Recht jedes Landes abgedeckt.

IV.D.1.y, xxv, xxx, xxxi & xxxii Die Gesetze, die die Benutzung öffentlicher Becken, wie sie in der Regel in persischen Bädern vorhanden waren, das Eintauchen der Hand in das Essen, die Rasur des Kopfes und die Haartracht des Mannes bis über das Ohrläppchen verbieten.

Alle Empfehlungen, die in Abschnitt IV.D.3 angeführt sind, sind derzeit weltweit anwendbar, sofern es den Freunden möglich ist, sie zu erfüllen; so kann beispielsweise die Empfehlung, seinen Kindern das Sprechen von Heiligen Versen im Mashriqu'l-Adhkár zu lehren, derzeit nur zu einem geringen Maß buchstäblich durchgeführt werden, jedoch sollten die Freunde ihren Kindern die Heiligen Schriften soweit wie möglich lehren.

Mit liebevollen Bahá'í-Grüßen

Das Universale Haus der Gerechtigkeit





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26. November 1974 - Gegnerschaft gegenüber dem Bahá'í-Glauben

Fünf Monate vor seinem Hinscheiden hat uns der geliebte Hüter in seinem an die Bahá'í der Welt gerichteten Telegramm vom 4. Juni 1957 darauf aufmerksam gemacht, daß außerhalb wie innerhalb des Glaubens Zeichen »wachsender Feindschaft« und »andauernder Umtriebe« zu beobachten seien. Sie kündigten die von `Abdu'l-Bahá vorhergesagten »schrecklichen Kämpfe« an, dazu bestimmt, die »Streitmacht des Lichtes gegen die weltlichen und die religiösen Mächte der Finsternis antreten zu lassen.«

Die wunderbaren Siege, die seit der Verkündung jener Worte im Namen Bahá'u'lláhs errungen wurden, und die Triumphe, die Seine hingebungsvollen, glühenden Anhänger überall in immer zunehmendem Maße feiern, sind ohne Zweifel geeignet, die inneren und äußeren Feinde des Glaubens zu neuen Versuchen anzustacheln, den Glauben anzugreifen und die Begeisterung seiner Anhänger zu trüben. Belege dafür sind das erst kürzlich in Deutschland erschienene Buch von Hermann Zimmer, einem Bündnisbrecher, und das neue, die Bahá'í-Religion falsch darstellende Buch von William Miller, einem langjährigen Feind des Glaubens und früheren Missionar in Persien.

Wir glauben daher, daß wir zu Ihrem hingebungsvollen, unaufhörlichen Bemühen um den Schutz unseres kostbaren Glaubens beitragen können, wenn wir Ihnen eine Zusammenstellung aus den Schriften von Bahá'u'lláh, `Abdu'l-Bahá und Shoghi Effendi an die Hand geben, in der

- klar der Grundsatz dargestellt wird, daß die fortschreitende Verbreitung und der Vormarsch des Glaubens zwangsläufig auch Gegner auf den Plan rufen müssen;

- eine künftige weltweite Gegnerschaft zweifelsfrei angekündigt wird; und

- die eindeutige Zusicherung des endlichen Sieges gegeben wird.

Diese Zusammenstellung ist keineswegs vollständig oder erschöpfend, aber sie schafft eine Studiengrundlage für dieses höchst wichtige Thema.

Wir überlassen es Ihrem Ermessen, in Beratung mit einer oder mehreren erreichbaren Händen der Sache sowie mit den Beratern zu entscheiden, in welcher Form und in welchem Umfang dieses Material den Freunden zugänglich gemacht werden soll. In einigen Gebieten mag es für die Nationalen Geistigen Räte besser sein, diese Auszüge nach und nach in ihren Bahá'í-Nachrichten zu veröffentlichen; anderswo kann es wünschenswert erscheinen, die gesamte Zusammenstellung, eventuell auf Wunsch mit weiteren einschlägigen Texten, in Umlauf zu bringen oder sogar zu veröffentlichen. In wieder anderen Gebieten mag es ausreichen, bei Konferenzen und Sommerschulen die Aufmerksamkeit der Freunde auf dieses wichtige Thema zu lenken, z. B. durch Kurse und Vorträge, die auf diesen Texten aufbauen.

Wir sind fest überzeugt, daß es jetzt Zeit ist, daß die Freunde die Unvermeidbarkeit der bevorstehenden schweren Anfechtungen ganz klar erfassen - wie auch immer ihnen diese Information dargereicht wird - , und daß die Freunde Sie voll und ganz dabei unterstützen, entschlossen und voller Zuversicht »die Pfeile« abzuwehren, die von »ihren jetzigen Feinden wie auch von denen« gegen sie gerichtet werden, »die sich durch das geheimnisvolle Walten der Vorsehung noch von innen und außen gegen sie erheben werden«, und daß sie dem Glauben Gottes helfen und ihn befähigen, erhabenere Höhen zu erklimmen, zeichenhaftere Siege zu erringen und auf seinem vorherbestimmten Weg zum völligen Sieg und zur weltweiten Überlegenheit noch entscheidendere Phasen zu durchlaufen.

Auszüge aus den Schriften Bahá'u'lláhs:

Sieh, wie in dieser Sendung die Unwürdigen und Toren sich in ihrer Narrheit eingebildet haben, sie könnten durch Mittel wie Massenmord, Plünderung und Verbannung die Lampe löschen, die die Hand göttlicher Macht entzündet hat, oder die Sonne ewiger Herrlichkeit verdunkeln. Die Wahrheit, daß solche Trübsal das Öl ist, das die Flamme dieser Lampe nährt, scheinen sie nicht zu kennen. Dies ist Gottes umgestaltende Kraft. Er wandelt, was Er will. Wahrlich, Er hat Macht über alle Dinge. ... (ÄL 29/5)

Schenke der Demütigung, der die Geliebten Gottes an diesem Tage unterworfen sind, keine Beachtung. Diese Demütigung ist der Stolz und der Ruhm aller zeitlichen Ehre und weltlichen Würde. Welche größere Ehre ist vorstellbar als die Ehre, die die Zunge des Altehrwürdigen der Tage verleiht, wenn Er Seiner Geliebten in Seinem Größten Gefängnis gedenkt? Der Tag naht, da die trennenden Wolken völlig verschwunden sein werden und das Licht der Worte: »Alle Ehre ist Gottes und derer, die Ihn lieben«, klar wie die Sonne am Horizont des Willens des Allmächtigen erscheinen wird. ...

Bald wird die Welt und alles, was in ihr ist, vergessen sein, und alle Ehre wird den Geliebten deines Herrn, des Allherrlichen, des Großmütigsten, gehören. (ÄL 140:2/4)

Sprich: O Volk Gottes! Gebt acht, daß die irdischen Gewalten euch nicht beunruhigen, die Macht der Völker euch nicht schwäche, der Lärm streitender Menschen euch nicht schrecke oder die Träger irdischen Ruhms euch betrüben. Steht wie ein Fels in der Sache eures Herrn, des Allmächtigen, des Allherrlichen, des Unbezwungenen. (KGG S.128)


Sprich: Hütet euch, o Volk Bahás, damit nicht die Mächtigen der Erde euch eurer Kraft berauben oder die Herrscher der Welt euch mit Furcht erfüllen. Setzt euer Vertrauen auf Gott und übergebt eure Angelegenheiten Seiner Obhut. Er wird euch wahrlich durch die Macht der Wahrheit siegreich machen. Er ist wahrlich mächtig zu tun, was Er will, und in Seinem Griff liegen die Zügel allgewaltiger Macht. (KGG S.128/129)

Es ist die Pflicht aller Menschen, eines jeden nach seiner Fähigkeit, die Argumente derer zu widerlegen, die den Gottesglauben angreifen. So wurde es von Ihm, dem Allmachtvollen, dem Allmächtigen verfügt. Wer die Sache des einen, wahren Gottes verbreiten will, der soll sie durch seine Feder und seine Zunge verbreiten, anstatt zum Schwert zu greifen oder Gewalt zu üben. Wir haben diese Vorschrift aus einem früheren Anlaß offenbart und bestätigen sie jetzt - so ihr zu denen gehört, die begreifen! Bei der Gerechtigkeit Dessen, der an diesem Tage im innersten Herzen alles Erschaffenen ausruft: »Gott, es gibt keinen Gott außer Mir!« Wenn ein Mensch sich erhebt, um in seinen Schriften die Sache Gottes gegen ihre Angreifer zu verteidigen, so wird dieser Mensch, wie unbedeutend sein Beitrag auch sei, in der nächsten Welt so geehrt werden, daß die himmlischen Heerscharen ihn um seinen Ruhm beneiden. Keine Feder kann die Erhabenheit seiner Stufe schildern, keine Zunge kann deren Herrlichkeit beschreiben. Denn wer fest und standhaft ist in dieser heiligen, dieser herrlichen, erhabenen Offenbarung, dem wird solche Kraft gegeben, daß er allem im Himmel und auf Erden entgegentreten und widerstehen kann. Dies bezeugt Gott selbst. (ÄL 154/1)

Wenn der Sieg naht, wird sich jeder als Gläubiger bekennen und unter den Schutz des Gottesglaubens eilen. Glücklich sind die, welche in den Tagen weltumfassender Prüfungen fest in der Sache Gottes stehen und sich weigern, von ihrer Wahrheit abzuweichen. (ÄL 150)

Auszüge aus den Schriften Abdu'l-Bahás:

Die Finsternis des Irrtums, der Ost und West umhüllt, kämpft in diesem größten Zyklus mit dem Licht göttlicher Führung. Ihre Schwerter und Speere sind äußerst scharf und spitz; ihre Armee dürstet nach Blut. (KGG S.14)

An diesem Tag sind die Kräfte aller Religionsführer auf die Zerstreuung der Gemeinde des Allbarmherzigen und das Zertrümmern des göttlichen Bauwerks gerichtet. Die Heerscharen der Welt, des Materialismus, der Kultur oder Politik, greifen von allen Seiten an; denn die Sache ist groß, sehr groß. Ihre Größe ist heutzutage dem Menschenauge klar und offenbar. (KGG S.14)

Wie groß, wie überaus groß ist diese Sache! Wie heftig wird der Angriff aller Völker und Geschlechter der Erde. Bald wird nah und fern das Geschrei der Massen in ganz Afrika, ganz Amerika, der Kampfruf der Europäer und der Türken, das Murren Indiens und Chinas zu hören sein. Wie ein Mann und mit all ihrer Macht werden sie sich erheben, um Seiner Sache zu widerstehen. Dann werden die Ritter des Herrn mit dem Beistand Seiner Gnade aus der Höhe, gestählt im Glauben, unterstützt durch die Macht der Erkenntnis und verstärkt durch die Legionen des Bündnisses, sich erheben und die Wahrheit des Verses offenbaren: »Sehet die Verwirrung, die die Scharen der Besiegten befallen hat! (WOB S.35)

Das Ansehen des Glaubens Gottes ist unermeßlich gewachsen. Seine Größe ist nunmehr offenkundig. Der Tag naht, da er entsetzlichen Aufruhr in die Menschenherzen geworfen haben wird. Freuet euch darüber, o ihr Bewohner Amerikas, freuet euch mit jubelnder Freude! (WOB S.121)

O ihr Geliebten Gottes! Wenn die Winde ungestüm wehen, der Regen heftig fällt, der Blitz zuckt, der Donner grollt, das Wetter herabfährt und die Stürme der Prüfungen grimmig brausen, dann seid nicht bekümmert. Denn wahrlich, nach diesem Sturm wird die göttliche Frühlingszeit anbrechen, Feld und Hügel werden grünen, weite Kornfluren sich freudig wiegen, Blüten werden die Erde bedecken, grünes Blattwerk die Bäume bekleiden und Blüten und Früchte sie schmücken. So werden Segnungen in allen Ländern offenkundig. Diese Gunstbeweise sind das Ergebnis jener Unwetter und Stürme. ...

Deshalb, o ihr Geliebten Gottes, seid nicht betrübt, wenn die Menschen sich gegen euch erheben, euch verfolgen, euch Sorge und Kummer bereiten und alles mögliche Böse gegen euch reden. Das Dunkel wird weichen, und das Licht der offenbaren Zeichen wird scheinen, der Schleier wird hinweggezogen werden und das Licht der Wirklichkeit wird erstrahlen vom verborgenen (Königreich) El-Abhá. So unterrichten wir euch, bevor es geschieht, damit ihr, wenn die Scharen des Volkes wider euch aufstehen, um meiner Liebe willen nicht verwirrt und besorgt seid; nein, seid vielmehr fest wie ein Fels, denn eure Verfolgung und Schmähung durch die Menschen sind vorherbestimmt. Gesegnet die Seele, die standhaft auf dem Pfade ist. (TAB I pp.12-14)

Völkerscharen werden sich gegen euch erheben, euch unterdrücken, Spott und Hohn äußern, eure Gesellschaft meiden und euch lächerlich machen. Der himmlische Vater aber wird euch so sehr erleuchten, daß ihr den Sonnenstrahlen gleich die dunklen Wolken des Aberglaubens spaltet, inmitten des Himmels herrlich erstrahlt und das Antlitz der Erde erleuchtet. Wenn diese Prüfungen eintreten, müßt ihr standhaft sein, Nachsicht und Geduld zeigen. Ihr müßt sie in größter Liebe und Güte bestehen. Seht ihre Unterdrückung und Verfolgung als Kinderlaune an und meßt dem - was immer sie auch tun - keine Bedeutung bei. Denn schließlich wird das Licht des Königreichs das Dunkel der Welt besiegen, und die Erhabenheit und Größe eurer Stufe wird klar und offenbar werden. ( ? TAB wie oben ?)

Aus den Schriften Shoghi Effendis:

Ich bin jedoch sicher und von der klaren Überzeugung durchdrungen, daß alles, was je mit der Sache Gottes geschehen wird - so beunruhigend es in seiner unmittelbaren Wirkung auch sein mag - mit unendlicher Weisheit geschieht und schließlich dazu führt, die Bedeutung der Sache in der Welt zu fördern. Und wirklich, unsere Erfahrungen in der fernen Vergangenheit wie auch bei neueren Geschehnissen sind so zahlreich und so mannigfaltig, daß überhaupt keine Befürchtung und kein Zweifel an der Wahrheit dieses Grundprinzips aufkommen kann - eines Prinzips, das wir durch alle Wechselfälle unserer heiligen Sendung in dieser Welt niemals mißachten oder vergessen dürfen. (Aus einem Brief vom 23. Dezember 1922, zitiert in Bahá'í Administration, p.27

Daß die Sache Gottes in Zukunft manche herausfordernde Stunde erleben und gefährliche Stadien als Vorbereitung auf die Herrlichkeiten der ihr verheißenen Überlegenheit in der neuen Welt durchmachen würde, ist immer wieder von unserem dahingegangenen Meister unbestreitbar bekräftigt und uns allen zur Genüge durch ihre heroische Vergangenheit und ihre stürmische Geschichte bewiesen worden. (Aus einem Brief vom 23. Februar 1924, zitiert in Bahá'í Administration, pp. 60-61)

Weil die Bewegung an Stärke, an öffentlichem Ansehen und Einfluß zunimmt, dürfen wir nicht glauben, daß die Schwierigkeiten und Leiden, mit denen sie in der Vergangenheit zu kämpfen hatte, entsprechend verringert werden oder verschwinden. Nein: In dem Maße, wie sie an Stärke zunimmt, werden die fanatischen Verteidiger der Bollwerke der Orthodoxie - welcher Glaubensrichtung auch immer - , sobald sie den durchdringenden Einfluß dieses wachsenden Glaubens erkennen, sich erheben und ihre ganze Kraft aufbieten, um dieses Licht auszulöschen und seinen Namen in Verruf zu bringen. Hat nicht unser geliebter `Abdu'l-Bahá Seine strahlende Prophezeiung aus den Gefängnismauern der Festung `Akká hinausgesandt - Worte von so bedeutsamer Voraussicht des kommenden Weltaufruhrs, doch zugleich so reich an Verheißung des endlichen Sieges. ...

Innig geliebte Freunde! Uns ist die höchste Verpflichtung auferlegt, treu zu Ihm zu stehen, Seine Schlachten zu schlagen und Seinen Sieg zu erringen. Mögen wir uns dieses Vertrauens würdig erweisen. (Aus einem Brief vom 12. Februar 1927, zitiert in Bahá'í Administration, p.123

Betrachtet man solche vergeblichen Angriffe im Lichte vergangener Erfahrungen, so ist ihr unausbleibliches Ergebnis, so hartnäckig und böswillig sie auch sein mögen, daß sie zu einer breiteren und tieferen Anerkennung der Wesenszüge des von Bahá'u'lláh verkündeten Glaubens, sowohl bei Gläubigen wie bei Ungläubigen, beitragen. Ob solche Kritik, solche Herausforderung von böser Absicht diktiert ist oder nicht, sie kann nur dazu dienen, die Seelen der leidenschaftlichen Verfechter dieses Glaubens aneinanderzuschweißen und die Reihen seiner aufrichtigen Verkünder zu schließen. Kritik von außen wird den Glauben von solchen schädlichen Elementen reinigen, deren fortdauernde Verbindung mit den Gläubigen den guten Namen der Sache Gottes in Mißkredit zu bringen und die Reinheit ihres Geistes zu beflecken droht. Deshalb sollten wir nicht nur die offenen Attacken, die verschworene Feinde hartnäckig gegen unsere Sache reiten, willkommen heißen, sondern jeden Sturm des Unheils, den Abtrünnige, aber auch solche auslösen, die treue Vertreter unserer Sache zu sein beanspruchen, als ein Glück im Unglück betrachten. Statt den Glauben zu untergraben, stärken solche Angriffe von innen oder außen seine Grundlagen und fachen seine Flamme an. Ausgeheckt, um seinen Strahlenglanz zu verdunkeln, verkünden Angriffe aller Welt die erhabene Wesensart seiner Gebote, seine vollkommene Einheit, seinen einzigartigen Rang, seinen durchdringenden Einfluß. (WOB S.31-32)

Denn jeder ernsthafte Verteidiger der Sache Bahá'u'lláhs sollte einsehen, daß die Stürme, die den Glauben Gottes in seinem Kampf umtoben, mit wachsender Auflösung der Gesellschaft schlimmer werden als alles, was er bisher erfahren hat. Jeder sollte sich bewußt sein, daß mit dem Tag, da jene altgedienten, machtvollen Burgfesten der Orthodoxie, deren wohlbedachtes Ziel es ist, Gedanken und Gewissen der Menschen in ihrem Würgegriff zu halten, den ungeheueren Anspruch des Glaubens Bahá'u'lláhs in vollem Umfang wahrnehmen, dieser jugendschwache Glaube mit Feinden zu kämpfen haben wird, die weit mächtiger, weit heimtückischer sind als die grausamsten Folterknechte und die fanatischsten Geistlichen, die ihm in der Vergangenheit nachgestellt haben. Was mag nicht noch alles an Feinden auf uns zukommen im Laufe der Erschütterungen, die eine sterbende Zivilisation ergreifen! Wer wird nicht noch alles die Schmach mehren, die bereits auf den Glauben Gottes gehäuft worden ist! (WOB S.34)

Wir müssen uns nur der Warnungen `Abdu'l-Bahás erinnern, um Art und Ausmaß derjenigen Kräfte, die mit Gottes heiligem Glauben im Streit liegen werden, zu verstehen. ...

So ungeheuer der Kampf auch ist, den Seine Worte erahnen lassen, bezeugen sie auch den vollständigen Sieg, den die Vorkämpfer des Größten Namens letztlich erreichen werden. Völker, Nationen, Gläubige verschiedener Bekenntnisse - alle werden sich zusammen und nacheinander erheben, um die Einheit unseres Glaubens zu erschüttern, seine Kraft zu schwächen, seinen heiligen Namen zu entwürdigen. Nicht nur gegen seinen Geist werden sie anstürmen, sondern auch gegen die Verwaltungs- und Gesellschaftsordnung, die der Kanal, das Werkzeug, die Verkörperung dieses Geistes ist. Denn je deutlicher die Amtsgewalt, welche Bahá'u'lláh in das künftige Bahá'í-Gemeinwesen gelegt hat, hervortritt, desto grimmiger wird die Herausforderung sein, die seinen Wahrheiten aus allen Richtungen entgegenstürmt. (WOB S.34-35)

Wie ungestüm der Ansturm der Mächte der Finsternis sein mag, der die Sache noch quälen wird, wie hoffnungslos und anhaltend dieses Ringen, wie schwer die Enttäuschungen, die sie noch leiden mag, so wird doch die von ihr schließlich erlangte Macht so sein, wie sie keine andere Religion je in ihrer Geschichte erreichte. ...

Wer weiß, welch unübertroffen strahlende Siege auf die Menge der sich hart mühenden Anhänger Bahá'u'lláhs warten? Wir stehen dem gewaltigen Bauwerk, das Seine Hand errichtet hat, sicherlich zu nahe, um beim gegenwärtigen Stand der Entwicklung Seiner Offenbarung den Anspruch erheben zu dürfen, wir könnten das volle Maß seiner verheißenen Herrlichkeit auch nur erahnen. Was immer dieser Sache noch widerfahren mag, wie schrecklich die sie bestürmenden Mächte sein mögen, wie zahlreich die Rückschläge, die sie unausweichlich erleiden wird, so wird uns ihre frühere, vom Blut unzähliger Märtyrer gefärbte Geschichte doch mit dem Gedanken beseelen, daß ihr Vormarsch niemals aufgehalten werden kann und daß sie voranschreiten wird, bis auch das allerletzte Versprechen - heilig verwahrt in den Worten Bahá'u'lláhs - vollkommen eingelöst ist. (Aus dem Nachwort der englischen Ausgabe The Dawnbreakers, p.667-668)

Die Trennung, die sich zwischen den Institutionen der Bahá'í-Religion und den sie bekämpfenden geistlichen Organisationen des Islám vollzieht - ein Vorgang, der in Ägypten seinen Ursprung nahm, sich jetzt im ganzen Nahen Osten weiter ausbreitet und mit der Zeit auch im Westen seinen Einfluß ausüben wird - , legt jedem getreuen Verfechter der Sache die Verpflichtung auf, jedes Wort und jede Handlung zu meiden, die den Standpunkt, den unsere Feinde öffentlich und aus freien Stücken vor einigen Jahren bezogen und verkündet haben, ungünstig beeinflussen könnte. ... Unsere Gegner im Osten haben den Kampf begonnen. Unsere künftigen Gegner im Westen werden aufstehen und ihn eine Stufe weiter vorantragen. Wir haben die Pflicht, in Erwartung dieser unvermeidlichen Auseinandersetzung eindeutig und mit ungeteilter Treue die Unversehrtheit unseres Glaubens hochzuhalten und die kennzeichnenden Merkmale seiner von Gott eingesetzten Institutionen vorzuzeigen. (Aus einem Brief vom 15. Juni 1935, zitiert in: Bahá'í News, Nr.95, Oktober 1935, Seite 2)

Daß die Kräfte des Unglaubens, einer rein materialistischen Philosophie, des unverhohlenen Heidentums entfesselt sind, daß sie sich nunmehr ausbreiten, sich festigen und einige der mächtigsten christlichen Institutionen der westlichen Welt zu infizieren beginnen, muß jeder unbefangene Beobachter zugestehen. Daß diese Institutionen zunehmend starrsinnig werden, daß einige wenige unter ihnen bereits in Umrissen den durchdringenden Einfluß der Sache Bahá'u'lláhs erkennen, daß sie in dem Maße, wie ihre innere Kraft abnimmt und ihre Disziplin sich lockert, mit wachsender Bestürzung den Aufstieg Seiner neuen Weltordnung verfolgen und sich nach und nach zum Angriff auf diese entschließen werden, daß solcher Widerstand jedoch ihren Niedergang beschleunigt, wird unter denen, die den Fortschritt Seiner Sache aufmerksam beobachten, kaum jemand in Frage stellen wollen. (WOB S.260)

Heftig und vielfältig werden die Angriffe sein, mit denen Regierungen, Rassen, Klassen und Religionen aus Neid auf das steigende Ansehen (der Sache Gottes) und aus Besorgnis ihre Stimme zum Schweigen zu bringen und ihre Grundmauern zu untergraben trachten werden. Ungeachtet der scheinbaren Bedeutungslosigkeit, die sie jetzt umgibt, und ohne Furcht vor den Mächten, die in Zukunft gegen sie ins Feld geführt werden, wird diese Gemeinde - dessen bin ich ganz sicher - auch angesichts der quälenden Schmerzen eines in Wehen liegenden Zeitalters ihr vorherbestimmtes Ziel ohne jede Abweichung vom Kurs in ungetrübter Klarheit, mit unbeugsamer Entschlossenheit und unerschütterlicher Überzeugung verfolgen. (Aus einem Brief vom 5. Juli 1938, zitiert in: »Messages to America«, p.14)

... läßt sich der unaufhaltsame Vormarsch des Glaubens Bahá'u'lláhs, angetrieben durch die Impulse, welche die Torheit seiner Feinde wie die ihm selbst innewohnende Kraft erzeugen, verstehen als eine Folge rhythmischer Bewegungen, die einerseits von den jähen Ausbrüchen seiner Feinde, andererseits vom Pulsieren göttlicher Macht herrühren und den Glauben mit wachsender Kraft in die vorherbestimmte, von der Hand des Allmächtigen gewiesene Richtung beschleunigen. (Aus einem Brief vom 12. August 1941, zitiert in: »Messages to America«, p. 51)

Wie könnten die Anfänge eines Weltaufstands, der die Kräfte entbindet, welche das soziale, religiöse, politische und wirtschaftliche Gleichgewicht einer organisierten Gesellschaft so tiefgreifend stören und politische Systeme, Rassenlehren, soziale Ideen, kulturelle Maßstäbe, religiöse Bindungen und Handelsbeziehungen in Chaos und Verwirrung stürzen - wie könnten solche weitreichenden, beispiellosen Erschütterungen ohne Auswirkungen auf die Institutionen eines so jungen Glaubens bleiben, dessen Lehren jedes dieser Gebiete menschlichen Lebens und Verhaltens unmittelbar und entscheidend beeinflussen?

Daher ist es kein Wunder, wenn sich die Bannerträger eines so weltweiten Glaubens, einer so herausfordernden Sache durch den Angriff dieser welterschütternden Kräfte beeinflußt finden. Kein Wunder, wenn sie sehen, daß ihre Freiheit inmitten dieses Wirbels widerstreitender Leidenschaften beschnitten wird, daß ihre Grundsätze verachtet werden, ihre Institutionen geschmäht, ihre Beweggründe verleumdet, ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt und ihr Anspruch verworfen. (KGG S.9-10)

Die unbesiegbare Streitmacht Bahá'u'lláhs, die im Westen, einem der möglichen Sturmzentren, in Seinem Namen und um Seinetwillen einen ihrer grimmigsten und ruhmreichsten Kämpfe austragen soll, darf keinerlei Kritik fürchten, die gegen sie gerichtet ist. Keine Verurteilung darf sie schrecken, mit der die Zunge des Verleumders ihre Beweggründe herabzuwürdigen versucht. Sie darf nicht zurückweichen vor dem drohenden Vormarsch der Mächte des Fanatismus, der Orthodoxie, der Bestechlichkeit und des Vorurteils, die sich gegen sie vereinigen mögen. Die Stimme der Kritik ist eine Stimme, die indirekt die Proklamation ihres Glaubens verstärkt. Unbeliebtheit dient nur dazu, den Gegensatz zwischen ihr und ihren Gegnern stärker hervorzuheben, und die Ächtung ist selbst eine magnetische Kraft, die allmählich die lärmendsten und hartnäckigsten Gegner in ihr Lager herüberziehen muß. (KGG S.69)

Wir können nicht weniger deutliche Abstufungen in der Art der Gegnerschaft, auf die der Glaube stößt, feststellen ..., eines Widerstandes, der nun infolge des Aufkeimens einer göttlich begründeten Ordnung im christlichen Westen und ihres ersten Zusammenpralls mit zivilen und kirchlichen Institutionen im Begriff ist, Regierungen und Systeme, die mit den althergebrachten, tief verwurzelten geistlichen Hierarchien des Christentums verbunden sind, für sich einzusetzen. Gleichzeitig können wir durch den Dunst einer sich ausweitenden Feindseligkeit hindurch beobachten, wie manche Gemeinden im Rahmen dieser neuen Ordnung schmerzvolle, doch stetige Fortschritte machen, durch Stadien der Verborgenheit, des Verbotes, der Emanzipation und der Anerkennung hindurch. Diese Stadien müssen letztlich im Lauf der Jahrhunderte in der Etablierung des Glaubens und, aus der Fülle seiner Kraft und Autorität heraus, in der Gründung des weltumfassenden Bahá'í-Gemeinwesens gipfeln. (GGV Kap.28 oder S.28 ?)

Beim Überblick über die herausragenden Züge einer so gesegneten und fruchtbaren Amtszeit seien auch noch die Prophezeiungen aus der nie irrenden Feder des erwählten Mittelpunkts des Bündnisses Bahá'u'lláhs erwähnt. Diese sagen die Hitze des Angriffs voraus, den der unaufhaltsame Fortschritt des Glaubens im Westen, in Indien und im Fernen Osten hervorrufen muß, wenn er auf die altehrwürdigen geistlichen Ordnungen des Christentums, Buddhismus und Hinduismus stößt. Sie sagen den Aufruhr voraus, den seine Befreiung von den Fesseln religiöser Orthodoxie auf dem amerikanischen, europäischen, asiatischen und afrikanischen Erdteil verursachen wird. (GGV S.359)

Trotz der von außen durch weltliche und geistliche Machthaber oder von innen durch böswillige Feinde gegen seine wachsende Stärke gerichteten Schläge gewann der Glaube Bahá'u'lláhs, ohne zu wanken oder zu weichen, doch weiter an Kraft und schritt von Sieg zu Sieg. Man kann tatsächlich sagen, daß sich, richtig betrachtet, seine Geschichte in ein ständiges Auf und Ab gliedert, Krisen und Triumphe folgen einander und bringen ihn seinem gottgegebenen Ziel immer näher. (GGV S.463)

Die Prüfungen, von denen die fortschreitende Entwicklung des Bahá'í-Glaubens begleitet war, haben an Schwere diejenigen noch übertroffen, unter denen die Religionen der Vergangenheit zu leiden hatten. Anders als bei diesen Religionen vermochten diese Prüfungen jedoch keineswegs der Einheit der Bahá'í-Religion zu schaden, und es gelang auch nicht einmal vorübergehend, die Reihen ihrer Anhänger zu spalten. Der Glaube Bahá'u'lláhs hat diese Gewitter nicht nur überstanden, sondern ist auch geläutert und unversehrt aus ihnen hervorgegangen; seine Fähigkeit, jede weitere Krise zu meistern, der er auf seinem unaufhaltsamen Vormarsch begegnen kann, ist nur noch gewachsen. (GGV S.464)

Was immer diesem jungen Gottesglauben in kommenden Jahrzehnten oder Jahrhunderten zustoßen mag, was immer für Sorgen, Gefahren und Prüfungen die nächste Stufe seiner weltweiten Entwicklung mit sich bringt, aus welcher Richtung auch die bevorstehenden Angriffe seiner jetzigen oder künftigen Feinde geführt werden, wie groß auch immer die möglichen Rückschläge und Mißerfolge sein werden - so können wir, die wir im Rahmen unserer menschlichen Fassungskraft die Bedeutung der wunderbaren Erscheinungen während seines Aufstiegs und Erstarkens erahnen durften, dennoch keinen Zweifel hegen, daß das, was in den ersten hundert Jahren seines Bestehens schon erreicht wurde, genügend dafür bürgt, daß der Glaube bei seinem ununterbrochenen Vormarsch noch weit größere Höhen erreichen, jedes Hindernis beseitigen, neue Ausblicke eröffnen und immer gewaltigere Erfolge erringen wird, bis seine herrliche Sendung in den vor uns liegenden dämmerhaften Zeiträumen voll und ganz erfüllt ist. (GGV S.466)

Angesichts der Notwendigkeit, die harmonische Entwicklung des Glaubens zu sichern, sollte keine Gelegenheit ausgelassen werden, die seine möglichen Widersacher - kirchliche oder andere - bieten, um in behutsamer, nicht herausfordernder Sprache seine Ziele und Lehren darzulegen, seine Interessen zu verteidigen, seinen universalen Anspruch zu verkünden, den übernatürlichen, übernationalen und nichtpolitischen Charakter seiner Institutionen geltend zu machen und zu unterstreichen, daß er den göttlichen Ursprung der ihm vorausgegangenen Religionen anerkennt. (Aus einem Brief vom 5. Juni 1947, zitiert in: »Citadel of Faith«, p. 23)

In der Tat sollte diese jüngste Feuerprobe, die nach der geheimnisvollen Fügung der Vorsehung den Glauben zu dieser unerwarteten Stunde traf, weit davon entfernt, seinen Institutionen oder ihm selbst einen tödlichen Schlag zu versetzen, als verhüllter Segen betrachtet werden, nicht als »Unheil«, sondern als göttliche »Vorsehung«, nicht als eine verheerende Flut, sondern als »sanfter Regen« auf eine »grüne Weide«, als »Docht« und »Öl« für die »Lampe« Seines Glaubens, als »Nahrung« für Seine Sache, als »Wasser für den Keim, gelegt in die Herzen der Menschen«, als »Krone auf dem Haupt« Seines Boten für diesen Tag. (us einem Brief vom 20. August 1955, zitiert in: »Citadel of Faith«, p. 139)

Aus Briefen im Auftrag Shoghi Effendis:

... Wenn in der Zukunft der Fortschritt der Sache Gottes und - damit einhergehend - ein entsprechender Verfall kirchlicher Organisationen die christlichen Kirchenführer unvermeidlich dazu treiben werden, den Glauben heftig zu bekämpfen und zu untergraben, werden die Gläubigen eine gute Möglichkeit haben, die Sache zu verteidigen und für sie einzutreten. (us einem Brief vom 25. Mai 1938 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas)

Die Widerlegung von Angriffen und Kritiken, die in der Presse gegen die Sache Gottes erhoben werden, ist seiner Meinung nach eine Angelegenheit, die der Beratung durch den Nationalen Geistigen Rat obliegt. Diese Körperschaft sollte unmittelbar oder mittels ihrer Ausschüsse darüber befinden, ob es ratsam ist, auf diese Angriffe zu antworten. Auch sollte sie sorgfältig jede Erklärung überprüfen und genehmigen, die die Freunde in diesem Zusammenhang an die Presse richten wollen. Nur durch Überwachung und Kontrolle jeglicher Presseaktivität der Bahá'í können die Freunde hoffen, Verwirrung und Mißverständnisse bei sich selber und in der Öffentlichkeit, die sie durch die Presse erreichen können, zu vermeiden.

Der Hüter rät Ihnen daher, daß Sie künftig bei all Ihren Versuchen, die Kritik der Feinde der Sache zu widerlegen, die Führung und Billigung des Nationalen Geistigen Rates suchen; denn in bestimmten Fällen ist es reine Zeit- und Kraftverschwendung und vielleicht sogar wirklich schädlich, solchen Angriffen zu begegnen, da es oft zu langwierigen, fruchtlosen Auseinandersetzungen führt. Der Nationale Geistige Rat kann Ihnen am besten raten, welche Schritte in solchen Angelegenheiten zu unternehmen sind. (us einem Brief vom 28. September 1938 an einen Gläubigen)

Die Freunde ... sollten nicht beunruhigt sein, denn sie haben die Versicherung Bahá'u'lláhs, daß Seine Sache, welche Mächte des Widerstands ihr auch entgegentreten, schließlich unzweifelhaft siegt. (us einem Brief vom 30. August 1939 an einen Gläubigen)

Wir haben allen Grund zu glauben und zu hoffen, daß in Zukunft viele wahrhaft erleuchtete Geistliche den Schutz Bahá'u'lláhs suchen werden - ebenso wie wir andererseits sicher sind, daß wir harten Widerstand gegen unseren Glauben von denen zu erwarten haben, die in ihm nicht das Heil der Welt sehen, sondern eine Anfechtung ihres eigenen Ruhms und Rangs. (us einem Brief vom 6. Juli 1942 an eine Gruppe von Gläubigen)

Es mutet seltsam an und ist beklagenswert, daß Kirche und Geistlichkeit in allen Epochen immer die bittersten Gegner eben jener Wahrheit sind, auf deren Kommen vorbereitet zu sein sie ihre Anhänger ständig ermahnen! Sie klammern sich so heftig an die Form, daß ihnen der Gehalt selbst entgeht!

Jedoch können solche Verleumdungen, wie sie Ihr Geistlicher öffentlich gegen Sie und die Bahá'í-Religion vorbrachte, der Sache überhaupt nicht schaden; sie dienen im Gegenteil nur dazu, ihren Namen weithin zu verbreiten und sie als unabhängige Religion hervorzuheben. (Aus einem Brief vom 7. Februar 1945 an einen Gläubigen

Obwohl dies vorübergehend ein Hindernis und ein Rückschlag für Ihre Arbeit sein mag, bedeutet es ohne Zweifel im Fortschritt des Glaubens einen Schritt voran; denn wir wissen, daß unser geliebter Glaube schließlich mit den eingewurzelten Orthodoxien der Vergangenheit zusammenprallen muß - und daß dieser Zusammenstoß nur zu größeren Siegen und endlich zur Gleichstellung, Anerkennung und Überlegenheit des Glaubens führen wird. (Aus einem Brief vom 8. April 1951 an zwei Gläubige)

Wir werden zwangsläufig in den von der Kirche beherrschten Ländern auf wachsenden Widerstand stoßen, doch müssen unsere Gegenmaßnahmen sehr sorgsam abgestimmt sein. Er wünscht, daß Sie ihn in Angelegenheiten, die den Glauben vor Regierungs- und Kirchenbehörden bringen, immer um Rat fragen. (Aus einem Brief vom 23. November 1951 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten)





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13. Januar 1975 - Zum Fortgang des Fünfjahresplanes

Der eindrucksvolle Fortschritt, den die ersten acht Monate des Fünfjahresplanes gebracht haben, und die dringenden Erfordernisse der Arbeit, die in einem Bericht des Internationalen Lehrzentrums aufgezeigt wurden, bewegen uns dazu, den bereits an Ridván ergangenen Ruf nach Pionieren nochmals zu erheben und ihre Zahl von 557 auf 933 zu erhöhen. Einzelheiten über die Zuweisung von Pionieren werden Ihrem Nationalen Geistigen Rat jetzt zur sofortigen Bearbeitung übermittelt.

Die engagierte Antwort der Freunde auf den ersten Aufruf hat dazu geführt, daß bereits 279 Pioniere auf ihrem Posten eingetroffen sind oder sich jetzt dorthin begeben. Den übrigen wird dringend nahegelegt, sich so schnell wie möglich aufzumachen, bevor das Durcheinander und Chaos, das die alte Ordnung verschlingt, Verkehrs- und Verbindungswege unterbricht und Türen, die jetzt noch offenstehen, vor unseren Augen zugeschlagen werden. Es ist unsere inbrünstige Hoffnung, daß bis zur Mitte des Fünfjahresplanes, also bis zur Feier des Geburtstags des Báb am 20. Oktober 1976, die meisten, wenn nicht alle 933 Posten besetzt sein werden.

Wir erneuern unseren Appell an die einzelnen Gläubigen wie auch an die Nationalen und örtlichen Geistigen Räte, dem Internationalen Hilfsfonds großzügige Unterstützung zu gewähren. Dieser Fonds wird nicht nur ein bedeutender Beitrag zur schnellen Übersiedlung des dringend benötigten Heeres von Pionieren sein, sondern auch den Strom von Reiselehrern speisen und unterhalten, deren Anstrengungen den Anhängern Bahá'u'lláhs in allen Teilen der Welt eine ganz wesentliche Stütze sein werden.

Wir beten an der Heiligen Schwelle für Ihre Führung und Stärkung. Möge Bahá'u'lláh alle beseelen, die sich erheben, und sie auf dem Pfade Seines Dienstes leiten.





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14. Januar 1975 - Erwerb des heiligen Hauses in `Akká

Mit Freude teilen (wir den) erfolgreichen Abschluß (der) langwierigen und schwierigen Verhandlungen mit, die (zum) käuflichen Erwerb (des) heiligen Hauses (des) Mittelpunktes des Bündnisses `Abdu'l-Bahá (und) Geburtsort (des) geliebten Hüters Shoghi Effendi geführt haben. (Dieses) historische Grundstück neben (den) Kasernen (des) heiligsten Gefängnisses umfaßt (eine) Fläche von etwa 7 000 qm (und) schließt auch andere Gebäude dieses Komplexes mit ein, (so daß der) ständige Schutz (dieses) Hauses gewährleistet (ist), (das) von vielen Pilgern besucht wurde (und wo um die) Jahrhundertwende (der) historische Besuch (der) ersten westlichen Pilgergruppe (stattfand).

Es werden jetzt Pläne vorbereitet (für die) Restaurierung (des) heiligen Hauses (und die) Verschönerung (des) Geländes als weiterer Pilgerort (im) Weltzentrum, sobald (es die) Umstände (und die) finanziellen Mittel erlauben. (Wir) danken Bahá'u'lláh demütig (für) diesen großen Segen.





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4. März 1975 - Das Haus von `Abdu'lláh Páshá

Mit diesem Haus sind einige der bewegendsten, dramatischsten und historisch bedeutsamsten Ereignisse des Heroischen Zeitalters unseres Glaubens verknüpft. Es trägt den Namen des Gouverneurs von `Akká, der es während seiner Amtszeit von 1820 - 1832 erbaute und als offiziellen Amtssitz benutzte. Es steht in der Nordwestecke der Stadtmauer von `Akká, zum Meer hin gelegen, in direkter Nachbarschaft der Zitadelle, in der Bahá'u'lláh gefangen war. Das Hauptgebäude hat die Form eines L, und seine Außenfronten weisen nach Süden und Osten. Es hat im wesentlichen zwei Stockwerke, doch ist der Aufbau unregelmäßig. Am Innenwinkel befinden sich Balkone, freiliegende Treppen, ein Badehaus und ein Brunnen. Das gesamte Anwesen umfaßt weite Höfe und ist im Westen - seewärts - von einer Mauer begrenzt, die sich vom südlichen Ende ostwärts in Richtung des Zentrums von `Akká fortsetzt, dabei bildet sie nach wenigen Metern die Begrenzung einer schmalen Straße. Am östlichen Ende dieser Mauer, noch innerhalb des Grundstücks, steht ein großes Gebäude, das vom Gouverneur von `Akká gerade zu der Zeit bewohnt wurde, als `Abdu'l-Bahá im Hauptgebäude wohnte, und dessen nordwärts gelegene Fenster eine ständige Kontrolle von `Abdu'l-Bahás Tätigkeiten gestatteten. Neben diesem Haus ist eine kleine Moschee. Die östliche Grenze des Anwesens wird von einer Reihe Häuser gebildet, deren westliche Front sich direkt zum Innenhof hin öffnet, so daß sich noch zusätzlich gute Gelegenheiten zur Überwachung des Meisters ergaben. Eine ähnliche Häuserreihe zieht sich von der nordöstlichen Ecke entlang der nördlichen Begrenzung bis hin zum längeren Flügel des Haupthauses, der sich an dieser Stelle nach Norden zu in mehrere untereinander verbundene Gebäude erweitert, wodurch eine große, unregelmäßige Ausbuchtung der nördlichen Begrenzung entsteht. Das westliche Ende der Nordgrenze bildet ein kurzes Mauerstück, das die Umfassung an der Nordwestecke zur Westmauer hin abschließt. Große Stallungen, Wagenschuppen und Vorratsräume liegen an der südlichen Grenze.

In diesem Haus nahm `Abdu'l-Bahá fünfzig Mondjahre nach dem Märtyrertod des Báb im Januar 1899 das Gefäß entgegen, das Seine geheiligten und kostbaren Überreste barg. Es gelang ihm, diese so lange zu verbergen, bis es möglich war, sie in allen Ehren an ihrem endgültigen Ruheplatz im Herzen des Karmel zu bestatten. In diesem Haus wurde `Abdu'l-Bahá in der Zeit Seiner erneuten Einkerkerung gefangen gehalten. In Gott geht vorüber beschreibt Shoghi Effendi Seine Lebensbedingungen zu dieser Zeit:

»... Selbst Seine zahlreichen Freunde und Bewunderer nahmen damals während der stürmischsten Tage davon Abstand, Ihn zu besuchen, aus Furcht, sie könnten mit hineingezogen werden und den Verdacht der Behörden auf sich lenken. Zur Zeit, da es am trübsten aussah, stand an manchen Tagen und Nächten Sein Haus, das doch lange Jahre hindurch der Mittelpunkt emsigen Treibens gewesen war, völlig verlassen da. Spähposten hielten insgeheim oder auch ganz offen rings um Seinen Wohnsitz Wache, belauerten jede Seiner Bewegungen und nahmen Seiner Familie jegliche Bewegungsfreiheit.«

Trotz dieser unruhigen Zeiten leitete Er von diesem Haus aus den Bau des Grabmals des Báb am Berg Karmel, erbaute in dessen Schatten Sein eigenes Haus in Haifa und später das Pilgerhaus, erließ Anweisungen für die Wiederherstellung des heiligen Hauses des Báb in Shíráz und für die Errichtung des ersten Mashriqu'l-Adhkár der Welt in `Ishqábád. Wiederum ist der Hüter die Quelle, aus der wir von der unausgesetzten Aktivität des Meisters zu jener Zeit erfahren:

»... Augenzeugen haben berichtet, daß Er während dieser bewegten, gefahrvollen Periode Seines Lebens manchmal an einem einzigen Tag neunzig Briefe eigenhändig schrieb. Und manche Nacht habe Er vom Einbruch der Dunkelheit bis zur Morgendämmerung allein in Seinem Schlafzimmer verbracht und dabei die Korrespondenz erledigt, zu der Ihm die mannigfachen Verpflichtungen des Tages keine Zeit gelassen hatten.«

In diesem Haus hielt Er auch Seine berühmten Tischgespräche, die gesammelt und später unter dem Titel Beantwortete Fragen veröffentlicht wurden. In diesem Haus und in den dunkelsten Stunden einer Zeitspanne, die der geliebte Hüter als »den dramatischsten Abschnitt Seines Wirkens« kennzeichnet, schrieb Er »auf der Höhe und in der Vollkraft Seines Lebens« den ersten Teil Seines Testaments nieder, der den Grund für die Verwaltungsordnung legt, die nach Seinem Ableben entstehen sollte, und ihre Hauptzüge umreißt. In diesem Haus offenbarte Er das höchst bedeutsame Tablet an den Vetter des Báb und Haupterbauer des Tempels in `Ishqábád, ein Sendschreiben, dessen Tragweite wir erst dann werden voll ermessen und würdigen können, wenn künftige Geschehnisse vor unseren Augen abrollen, und in dem `Abdu'l-Bahá - wie Shoghi Effendi bezeugt - »in ergreifenden Worten die unermeßliche Größe der Offenbarung des Báb verkündete, in Vorausschau des Aufruhrs, den ihre Feinde aus nah und fern in der Welt heraufbeschwören sollten, deutliche Warnungen aussprach sowie in bewegter Sprache den Sieg verhieß, den die Fackelträger des Bündnisses schließlich über sie erringen würden.«

Während der zwölf Jahre, in denen `Abdu'l-Bahá dieses Haus bewohnte, bewies Er den wahren Adel Seiner göttlichen Natur. Er überwand Haß mit Liebe, behielt ohne Ermüdung und gegen ständig wachsenden Widerstand das Steuer der Sache Seines Vaters in der Hand, erwies den Armen und Kranken angesichts von Fanatismus, Eifersucht und Feindseligkeit Seine unendliche Fürsorge und überwand mit unerschütterlichem Gleichmut die schwerste Krise Seines Lebens. Die Worte des Hüters legen dafür Zeugnis ab:

... Sooft einmal eine Ruhepause in dem Sturm eintrat, der Ihn umtobte, versammelten sich an Seinem Tisch Pilger, Freunde und Suchende aus den meisten der eben erwähnten Länder. Unter ihnen befanden sich Vertreter des Christentums, des Islám, des Judentums, der zoroastrischen Religion, ferner Hindus und Buddhisten. An die Armen, die Seine Tür belagerten und sich im Hof Seines Hauses drängten, teilte Er trotz aller Gefahren, von denen Er ständig umgeben war, jeden Freitagmorgen mit eigener Hand Almosen aus. Er tat dies so regelmäßig und großzügig, daß man Ihn allgemein »den Vater der Armen« nannte. Nichts vermochte in jenen stürmischen Tagen Sein Vertrauen zu erschüttern. Er ließ sich durch nichts in Seinem Dienst an den Hilflosen, den Waisen, Armen, Kranken und Unterdrückten behindern. Nichts vermochte Ihn davon abzuhalten, persönlich die aufzusuchen, die verhindert oder zu verschämt waren, Seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. ... So unerschütterlich war der Gleichmut `Abdu'l-Bahás, daß, während rings um Ihn her Gerüchte umgingen, Er würde vielleicht ins Meer geworfen, nach Fízán in Tripolis verbannt oder am Galgen aufgehängt, man Ihn sehen konnte, wie Er zum Erstaunen Seiner Freunde und unter dem Gespött Seiner Feinde seelenruhig in Seinem Garten Bäume und Reben pflanzte, deren Früchte Er dann später, als der Sturm vorüber war, von Seinem getreuen Gärtner Ismá'íl 'Aqá pflücken ließ, um sie eben diesen Freunden und Feinden anzubieten, wenn sie Ihn besuchten.

In diesem Haus wurde das Kind geboren, das dazu bestimmt war, die Geschicke des Glaubens sechsunddreißig Jahre lang in Händen zu halten und sein »geliebter Hüter« zu werden; das Kind, das von seinem Großvater »Shoghi« genannt wurde, unter Seiner liebevollen und sorgenden Obhut aufwuchs und zum Empfänger Seiner Tablets wurde.

Als Bahá'u'lláh 1892 verschied, blieb das Landhaus in Bahjí im Besitz des Erzbündnisbrechers, des Halbbruders des Meisters, Mu.hammad-`Alí, und weiterer Mitglieder dieses Zweiges der Familie von Bahá'u'lláh. `Abdu'l-Bahá und die Mitglieder Seiner Familie einschließlich Seiner Schwester von erhabenem Rang, dem Größten Heiligen Blatt, blieben im Haus von `Abbúd, das weiterhin `Abdu'l-Bahás offizieller Wohnsitz war. Im fünften Jahr nach dem Hinscheiden Bahá'u'lláhs heirateten die beiden ältesten Töchter `Abdu'l-Bahás, und es stellte sich schnell heraus, daß der bewohnbare Teil des Hauses von `Abbúd für die vergrößerte Familie viel zu klein war. Mit der Ihm eigenen Energie schritt `Abdu'l-Bahá zur Tat und erreichte es in den Monaten vor der Geburt Shoghi Effendis, zunächst das Hauptgebäude und später auch die Seitenflügel von `Abdu'lláh Páshás Haus zu mieten, das Er zu Seinem offiziellen Wohnsitz machte. So kam es dazu, daß Shoghi Effendi im Jahr 1897 im selben Haus geboren wurde (in einem oberen Raum des nach Süden gelegenen Flügels), in dem Ereignisse stattfanden, die von solch lebenswichtiger Bedeutung für den Glauben und die Zukunft der Menschheit waren.

Über die Kindheit und die Erziehung des Hüters schreibt Amatu'l-Bahá Ruhíyyíh Khánum in dem Buch Die unschätzbare Perle:

Es mag unehrerbietig klingen zu sagen, daß der Hüter ein mutwilliges Kind war, aber er selbst sagte mir, er sei der anerkannte Rädelsführer aller anderen Kinder gewesen. Von überschäumend guter Laune, voller Begeisterung und Wagemut, voller Lachen und Witz war der kleine Junge bei so manchem Streich der Anführer. Immer wenn etwas im Gange war, steckte Shoghi Effendi dahinter! Diese grenzenlose Energie war oft eine Quelle der Sorge, wenn er die langen Treppen mit den hohen Stufen, die zum Obergeschoß des Hauses führten, wie verrückt herauf und herunter rannte, zum Entsetzen der Pilger, die unten darauf warteten, den Meister zu treffen. Sein Überschwang war nicht zu bändigen, und im Kind war schon dieselbe Kraft, die den Mann befähigte, ein so unermüdlicher und unnachgiebiger Oberbefehlshaber der Truppen Bahá'u'lláhs zu sein, sie von Sieg zu Sieg zu führen, ja sogar zur geistigen Eroberung des ganzen Erdballs. Wir haben einen sehr zuverlässigen Zeugen für diese Eigenschaften des Hüters, nämlich Abdu'l-Bahá selbst, der auf einen gebrauchten Umschlag zur Freude Seines kleinen Enkels diesen Satz schrieb: »Shoghi Effendi ist ein kluger Mann - aber er rennt sehr viel herum!« ...

In den Tagen von Shoghi Effendis Kindheit stand man gewöhnlich in der Morgendämmerung auf und verbrachte die erste Stunde des Tages im Zimmer des Meisters, wo Gebete gesprochen wurden und die Familie mit Ihm zusammen frühstückte. Die Kinder saßen ehrfürchtig auf dem Fußboden mit verschränkten Beinen und vor der Brust gekreuzten Armen; auf Bitten hin sangen sie für `Abdu'l-Bahá; es gab kein Schreien oder unziemliches Benehmen. Zum Frühstück gab es Tee, der in einem summenden russischen Messingsamowar aufgebrüht und sehr heiß und sehr süß in kleinen Kristallgläsern serviert wurde, und dazu trockenes Weißbrot und Ziegenmilchkäse.

In diesem Haus traf auch die erste historische Pilgergruppe aus dem Westen im Winter 1898 - 1899 mit dem Meister zusammen, und hier suchten viele andere aus dem Osten wie aus dem Westen Seine Gegenwart. Einige von ihnen haben denkwürdige Beschreibungen ihrer Erlebnisse mit `Abdu'l-Bahá und diesem Haushalt hinterlassen. Ella Goodall Cooper, eine der ersten amerikanischen Gläubigen, berichtet folgendes:

»Eines Tages ... hatte ich mich zu den Damen der Familie im Raum des Größten Heiligen Blattes zum Morgentee begeben. Der geliebte Meister saß in Seiner Lieblingsecke auf dem Diwan, von wo aus Er durch das Fenster zu Seiner Rechten über die Wälle und auf das blaue Mittelmeer dahinter schauen konnte. Er war damit beschäftigt, einige Tablets zu schreiben, und die friedliche Stille des Raumes wurde nur unterbrochen vom Summen des Samowars, an dem eine der jungen Dienerinnen, die auf dem Fußboden saß, Tee kochte.«

Thornton Chase, der erste amerikanische Gläubige, schreibt in seinem Erinnerungsbuch In Galilee:

»Daß wir unser Ziel erreicht hatten, wußten wir erst, als wir aus dem Eingang einen persischen Herrn, dann noch einen und einen dritten hervortreten sahen, die uns zulächelten. Wir stiegen aus, und sie führten uns durch den aus roten Ziegeln gemauerten Eingangsbogen in einen offenen Hof, über diesen hinweg und über eine lange Steintreppe mit alten, zerbrochenen Stufen zum obersten Stockwerk. Dort gelangten wir in einen kleinen, mauerumgebenen Hof, der zum Himmel offen war; hier lag das für uns bestimmte Zimmer, das an den Raum `Abdu'l-Bahás angrenzte. Die Gebäude sind alle weiß getüncht und verputzt, und alles trägt den Anschein eines Gefängnisses.

Aus unserem Fenster auf der Seeseite des Hauses sah man über den Garten und das Zelt von `Abdu'l-Bahá. Der Garten wird auf einer Seite vom Haus des Gouverneurs begrenzt, von dem aus man ihn überblickt, und auf der anderen Seite vom inneren Festungswall. Einige Schritte hinter diesem ist der äußere Wall gegen die See, und zwischen diesen sind die Kanonen und die ständig besetzten Wachtposten. Ein Schilderhaus steht an einer Ecke der Mauer und des Gartens; von hier aus kann die Wache das Gelände und das Zelt übesehen, in dem `Abdu'l-Bahá durchreisende Besucher empfängt sowie die Beamten, die oft bei ihm vorsprechen. So können alle seine Verrichtungen außerhalb des Hauses vom Gouverneur aus dessen Fenstern und von den Wachsoldaten beobachtet werden. Vielleicht ist dies ein Grund, weshalb die Beamten so oft seine Freunde werden. Kein Mensch, der Menschlichkeit, Gerechtigket oder Barmherzigkeit in seinem Herzen hegt, kann `Abdu'l-Bahá lange beobachten, ohne ihn zu bewundern und zu lieben wegen seiner wunderbaren Eigenschaften, die er ständig zeigt!«

Mary Hanford Ford veröffentlichte einen Bericht über ihre Pilgerreise zu diesem Haus in Star of the West, Band XXIV:

»Der kleine Raum, in dem ich wohnte und in dem die wichtigen Gespräche mit `Abdu'l-Bahá stattfanden, war von einfachster Art. Der Fußboden war mit Matten abgedeckt, das schmale Eisenbett und der eiserne Waschständer mit großem und kleinem Loch für Schüssel und Krug waren von der ungeziefersicheren Art, an die ich schon gewöhnt war. Alles war peinlich sauber, und es gab ausreichend klares Wasser zum Trinken wie zum Baden. Aus einem großen Fenster sah man über die große Stadtmauer auf das blaue Mittelmeer, davor stand ein Diwan, auf dem `Abdu'l-Bahá saß, wenn Er mich besuchte.«

Der handgreifliche Sieg, den `Abdu'l-Bahá gegen Verfolgung, Intrigen, Haß und Verunglimpfung errungen hatte, denen Er sich in den zwölf Jahren Seines Aufenthaltes im Hause von `Abdu'lláh Pashá gegenübersah, wurde deutlich sichtbar, als Er nach Seiner Freilassung im Jahre 1908 Seinen neuen Wohnsitz in Haifa bezog. Zu dieser Zeit war der künftige Hüter ein Junge von elf Jahren, aber seine Ernennung war, obwohl ein noch wohlgehütetes Geheimnis, von `Abdu'l-Bahá bereits vollzogen worden in dem Teil Seines Testamentes, den Er in diesem Haus offenbart hatte.

Wenn wir die außergewöhnliche Konzentration mächtiger Kräfte und Ereignisse betrachten, die mit diesem Haus verbunden sind, so erwarten wir begierig den Tag, an dem es wieder instandgesetzt und für Pilger zugänglich sein wird, die aus seiner Atmosphäre, seinem Boden und seinen geheiligten Wänden den Duft einer ruhmvollen Vergangenheit einatmen mögen.





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4. April 1975 - Ridván-Botschaft

Anläßlich (des) größten Festes betrachten wir mit dankbarem Herzen (die) Leistungen (des) ersten Jahres (des) Fünfjahresplanes (und die) Wahl (von) fünf neuen Nationalen Geistigen Räten (an) diesem Ridván, (davon) vier in Afrika, einer in Asien. Trotz (des sich) verschlechternden Zustandes einer todgeweihten Zivilisation (und trotz der) Beweise (sich) verdichtender Wolken weitverbreiteten Widerstandes (gegen die) göttliche Botschaft drängen (die) Gläubigen (in der) ganzen Welt voran (zur) Erfüllung (der) Ziele. Dreihundertsechsundachtzig Pioniere bereits auf dem Posten; einhundertzweiundfünfzig bereiten Umsiedlung vor.

(Das) neue weltweite Programm für Lehrreisen, (das) vom Internationalen Lehrzentrum entworfen (wurde), wird nun von (den) Nationalen Geistigen Räten nach Absprache (mit den) Beratern in Angriff genommen. (Die) geliebten Hände (der) Sache, (die den) Heerscharen (des) Lichtes voranschreitende Vorhut, geben (den im) göttlichen Weinberg arbeitenden Freunden ständig liebevolle Führung, Ermutigung (und) Schutz. (Das) Weltzentrum des Glaubens (wurde) reich gesegnet durch (den) Erwerb (des) heiligen Hauses (des) Meisters (und zugleich) Geburtshauses Shoghi Effendis, (das) innerhalb (der) Mauern `Akkás (liegt); (ferner) wird (es) bald (den) Beginn (der) Ausschachtungsarbeiten (für die) Fundamente (des) ständigen Sitzes (des) Universalen Hauses (der) Gerechtigkeit auf (dem) heiligen Boden (am) Hang (des) Berges Karmel erleben. In Italien (steht die) Unterzeichnung (eines) Vertrages (über den für dieses) majestätische Gebäude benötigten Marmor bevor. Zu diesem kritischen Zeitpunkt (in der) menschlichen Geschichte stellen (die) drei Hauptanliegen (des) Planes und seine spezifischen Ziele (eine) klare (und) eindringliche Herausforderung an jeden einzelnen Bahá'í - Erwachsene, Jugendliche (oder) Kinder - , jede Bahá'í-Familie, jede örtliche Gemeinde und vor allen an jeden örtlichen Geistigen Rat dar, dessen Entwicklung lebenswichtig ist (für den) Erfolg (des) Fünfjahresplanes und (für die) fortschreitende Entfaltung (der) göttlich verordneten Bahá'í-Gesellschaft. Mögen (sich die) verbleibenden dreihundertfünfundneunzig Pioniere schnellstens erheben und (ein) Heer (von) Freiwilligen (auf das) neu eröffnete Reiselehrprogramm antworten. Nationale (und) örtliche Räte (und die) einzelnen Gläubigen (werden) dringend gebeten, Zeit, Mühe (und) reichliche materielle Mittel rückhaltlos (zur) Verfügung (zu) stellen, (um) jede Phase (der) Durchführung (des) Planes (im) kommenden Jahr (zu) unterstützen. Rufen (die) Gläubigen (in) jedem Land auf, (sich) uns (im) Gebet anzuschließen (mit der) flehenden Bitte (an die) Gesegnete Schönheit um Führung, Bestätigung (und) Schutz (für) Seine ergebenen Anhänger in ihren hingebungsvollen Bemühungen, ihre Seelen (zu) reinigen, Sein Banner aufzurichten (und) Seiner Sache (zu) dienen.





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25. Mai 1975 : Ziele des Fünfjahresplanes - Standortbestimmung

Ein Fünftel der Zeit des Fünfjahresplanes ist abgelaufen - wir haben damit einen größeren Meilenstein in der Entfaltung dieses Planes passiert. Jeder Nationale Geistige Rat sollte hier einen Moment innehalten und seinen aktuellen Stand bestimmen, ebenso den seiner Gemeinde, die er repräsentiert und der er dient, um den Fortschritt des Planes in bezug auf die Ziele zu ermitteln.

Um den Nationalen Geistigen Räten bei dieser Bestimmung behilflich zu sein, senden wir Ihnen den folgenden Bericht, der unter verschiedenen Überschriften unsere Eindrücke und Kommentare hinsichtlich der Durchführung bestimmter Ziele des Planes skizziert. Einzelne Punkte werden Sie vielleicht nicht direkt betreffen, trotzdem dürften sie von Interesse für Sie sein. Jeder Nationale Geistige Rat sollte im Hinblick auf die ihm zugeteilten Ziele entscheiden, wie weit unsere Beobachtungen für seine Arbeit von Bedeutung sind.


Lehren - Verbreitung und Festigung

Das Lehren des Glaubens umfaßt viele weitgefächerte Aktivitäten; sie alle sind für den Erfolg notwendig, und jede einzelne stärkt alle übrigen. Immer und immer wieder hat der geliebte Hüter betont, daß Verbreitung und Festigung eng verwandte und untrennbare Aspekte des Lehrens sind, die parallel zueinander fortschreiten müssen; trotzdem hört man noch Gläubige, die den Nutzen des einen gegen den des anderen ausdiskutieren. Das Ziel des Lehrens ist noch nicht vollständig erreicht, wenn eine Person erklärt, sie habe Bahá'u'lláh als die Manifestation Gottes für dieses Zeitalter anerkannt. Ziel des Lehrens ist es, die Menschen zur göttlichen Botschaft hinzuziehen, sie mit dem Geist der Botschaft so zu erfüllen, daß sie sich ihrem Dienste weihen, daß diese Welt zu einer anderen Welt und ihre Menschen zu anderen Menschen werden. Unter diesem Gesichtspunkt stellt eine Erklärung als Gläubiger nur einen Meilenstein auf dem Wege dar - wenngleich einen sehr wichtigen. Das Lehren kann man auch damit vergleichen, daß in den Herzen der Menschen ein Feuer - das Feuer des Glaubens - angefacht wird. Wenn dieses Feuer aber nur brennt, solange man ein Streichholz daran hält, dann kann man noch nicht behaupten, man habe ein Feuer angezündet; um entzündet zu sein, muß das Feuer von selbst weiterbrennen. Später kann mehr Brennstoff zugegeben und die Flamme weiter entfacht werden; doch ein Feuer, das wirklich entzündet wurde, wird nicht vom erstbesten Windhauch ausgelöscht - selbst wenn man es für eine Weile alleingelassen hat.

Das Ziel aller Bahá'í-Institutionen und Bahá'í-Lehrer ist es daher, immer neue Gebiete und Gesellschaftsschichten zu erschließen. Dies muß so gründlich geschehen, daß, wenn der Funke des Glaubens die Herzen der neuen Gläubigen entflammt hat, diese auch weiterhin gelehrt werden, bis sie ihre Verantwortung als Bahá'í auf sich nehmen und sich an der Lehrarbeit und an den administrativen Aufgaben des Glaubens beteiligen - und sogar dann müssen sie noch weiter gelehrt werden.

In vielen Gebieten der Welt nahmen in letzter Zeit Tausende von Menschen den Glauben in so kurzer Zeit an, daß es über die Kraft der bestehenden Bahá'í-Gemeinden ging, diese Neuerklärten ausreichend zu vertiefen. In diesen Gebieten müssen die Menschen anhand von gezielten Plänen in ihrem Verständnis des Glaubens stetig vertieft werden, so daß ihre Gemeinden baldmöglichst zu großen Kraftquellen für die Arbeit des Glaubens werden und die Merkmale des Bahá'í-Lebens zu zeigen beginnen.

Das Erreichen entlegener Gebiete - eine unmittelbare Aufgabe

Gleichzeitig steht die weltweite Bahá'í-Gemeinde vor einer Aufgabe von größter Dringlichkeit. Als Shoghi Effendi den Zehnjahresfeldzug bekanntgab, forderte er die Gläubigen auf, »die Fackel des Glaubens in so entlegene, so zurückgebliebene und unwirtliche Gegenden zu tragen, daß weder das Licht des Christentums noch das des Islám, auch nach vielen Jahrhunderten nicht, dorthin vordringen konnte«. Solche Gebiete gibt es noch heute in Ländern wie Neu-Guinea, im Herzen von Afrika und im Amazonasbecken in Südamerika. In dem Maße, wie sich der Einfluß der Zivilisation verbreitet, werden die jahrhundertealten Lebensformen der Bewohner dieser Gegenden unvermeidlich aussterben, und die Einwohner werden schnell von den materialistischen Ideen einer niedergehenden Zivilisation angesteckt werden. Es ist unsere dringende Pflicht, diesen Menschen die Botschaft Bahá'u'lláhs zu bringen, solange sie noch ein reines Herz haben und aufnahmebereit sind, und sie so auf die neue Welt vorzubereiten, die auf sie zukommt.

Das Lehren von Volksstämmen und Minderheiten

Außer den Stämmen in diesen entlegenen Teilen der Welt gibt es Stämme und Minderheiten, die inmitten anderer Kulturvölker ihre traditionelle Lebensweise beibehalten haben. Nur zu oft werden diese Menschen von den Angehörigen der Nationen, unter denen sie leben, verachtet oder ignoriert; wir dagegen sollten uns ihnen zuwenden, sollten sie die Sache Gottes lehren und die Bahá'í-Gemeinden der Länder, in denen sie leben, durch ihre Mitgliedschaft bereichern. Dieses Ziel ist so wichtig, daß jeder Nationale Geistige Rat die Erfordernisse für das Lehren eines jeden dieser verschiedenen Stämme und Gruppen innerhalb seines Gebietes studieren sollte. Er sollte zu diesem Zweck einen Ausschuß einsetzen - wo erforderlich und wünschenswert, sogar einen besonderen Ausschuß für jede dieser Minderheiten - und eine Reihe gutgeplanter, weitreichender Lehrfeldzüge in Gang setzen mit dem Ziel, diese Gruppen dem Glauben Bahá'u'lláhs zuzuführen und die Bahá'í-Verwaltungs-und-Gesellschaftsordnung unter ihnen aufzubauen.

Das Pionieren

Große und herausfordernde Lehrmöglichkeiten bieten sich oft fern von den großen, fest etablierten Bahá'í-Gemeinden; dies gilt besonders für viele Volksstämme. Pioniere und Reiselehrer sind daher von größter Wichtigkeit für die Erfüllung von Lehrplänen. Nicht immer fällt es schwer, die ideale Lösung für ein bestimmtes Lehrproblem zu erkennen; doch diese idealen Lösungen sind selten durchführbar, und im allgemeinen haben diejenigen Räte die hervorragendsten Ergebnisse erzielt, die die Fertigkeit entwickelten, aus den vorhandenen Mitteln das Beste zu machen und die ihnen zugängliche Hilfe zu nutzen. Pioniere haben zum Beispiel sehr unterschiedliche Möglichkeiten, unterschiedliche Fertigkeiten, unterschiedliche Probleme und Verpflichtungen. Ein Nationaler Rat kann z.B. zu der Erkenntnis gekommen sein, daß er für ein entlegenes Dorf unbedingt ein finanziell unabhängiges Ehepaar benötigt, das einen regelmäßigen Unterricht für die ansässigen Gläubigen durchführt; statt dessen erhält er zwei alleinstehende Damen mittleren Alters, die für ihren Unterhalt arbeiten müssen und nur in einer der größeren Städte Arbeit finden. Anstatt zu verzweifeln, wird ein erfinderischer Rat sofort prüfen, ob die Anwesenheit einer oder beider Damen in einer Stadt es einem - oder sogar mehreren - der dort ansässigen Gläubigen ermöglicht, in diese Dorfgegend zu pionieren. Selbst wenn diese Rechnung nicht aufgehen sollte, wird der Rat trotzdem den beiden Pionieren bei ihrer Ansiedlung in jeder Weise behilflich sein und ihre Dienste weitestgehend in Anspruch nehmen, Dienste, die auf lange Sicht von unschätzbarem Wert für die nationale Gemeinde sein können.

Es gibt verschiedene Arten des Pionierens, und sie sind ohne Frage alle notwendig und für die Lehrarbeit von großem Nutzen. Da ist erstens der Pionier, der in ein bestimmtes Land geht, den Rest seines Lebens dort dem Dienst am Glauben weiht und schließlich sein Haupt in diesem Land zur Ruhe legt. Zweitens der Pionier, der an einen bestimmten Platz geht, dort solange heldenhaft dem Glauben dient, bis die ansässige Bahá'í-Gemeinde fest etabliert ist, und sich dann zu neuen Gefilden des Dienens begibt. Und drittens jene - z.B. Jugendliche zwischen der Beendigung der Schulzeit und der Arbeitsaufnahme in dem von ihnen gewählten Beruf - , die für eine bestimmte, begrenzte Zeit pionieren gehen.

Ideal ist es selbstverständlich, wenn ein Pionier finanziell unabhängig vom Fonds an dem von ihm gewählten Posten steht oder diese Unabhängigkeit schnellstmöglich erreicht, nicht nur, um sparsam mit den Finanzmitteln des Glaubens umzugehen, sondern weil ein Bahá'í-Prinzip aussagt, daß jeder von uns arbeiten und den Unterhalt für sich und seine Familie verdienen soll, wenn dies möglich ist; und im Bahá'í-Glauben gibt es nun einmal keinen Beruf wie Pionier oder Lehrer, vergleichbar den hauptberuflichen Priestern und Missionaren anderer Religionen. Trotzdem muß erkannt werden, daß an einigen Plätzen, an denen Pioniere dringend gebraucht werden, keine Arbeitsmöglichkeit für sie besteht. Entweder ist keine Arbeit in dieser Gegend vorhanden, oder die Arbeitserlaubnis wird dem Pionier verweigert, weil er Ausländer ist. In solchen Fällen ist es äußerst wichtig, daß der betreffende Rat dem Pionier so lange wie notwendig eine finanzielle Hilfe gewährt.

Es gibt eine Reihe von Finanzierungsmöglichkeiten für Pioniere in Gegenden, wo sie keine Arbeit bekommen können. Gläubige können gefunden werden, die finanziell unabhängig sind und in diese Gegend pionieren wollen; diese können dann von ihrem wie auch immer gearteten Einkommen, wenn auch mäßig, leben. Dann gibt es jene, die nach Bahá'u'lláhs Gebot anstelle von Freunden pionieren, denen dies selbst nicht möglich ist, und deren Aufwendungen von diesen Freunden getragen werden. Es können Gläubige gefunden werden, die für eine bestimmte Zeit eine Gegend aufsuchen, unterhalten von dem geringen Budget, das sich der Fonds leisten kann, und mit der klaren Vereinbarung, daß sie nach Ablauf dieser Zeit von ihrem Pionierposten zurückkehren und wieder für ihren eigenen Unterhalt aufkommen; auf diese Weise kann eine Gegend durch verschiedene Pioniere betreut werden, die einander ablösen. Schließlich gibt es jene Gläubigen, die bereit sind, in einer entlegenen und unwirtlichen Gegend zu dienen, deren Alter oder Situation es aber von Anfang an klarmacht, daß sie nie mehr für sich werden sorgen können. Wenn der Bedarf dringend ist und nicht anderweitig gedeckt werden kann, so ist ein Rat auf jeden Fall berechtigt, diese Gläubigen zu unterhalten; doch muß er sich von Anfang an darüber im klaren sein, welches Maß an Verantwortung er für unbestimmte Zeit auf sich nimmt.

Natürlich schließen die verschiedenen Arten der Finanzierung von Pionieren sich nicht gegenseitig aus. Eine Person kann sich z.B. teilweise selbst unterhalten und wird nur in einem begrenzten Maße unterstützt. Ein anderer Pionier geht vielleicht in eine Gegend mit der Absicht, eine Arbeit zu finden, was ihm aber nicht gelingt; der Rat verlängert daraufhin wiederholt den Zeitraum der finanziellen Unterstützung bis zu dem Zeitpunkt, wo der Pionier überhaupt nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu unterhalten. In einem solchen Fall muß der Rat den Prozeß sehr genau verfolgen, so daß nicht auf der einen Seite eine vom Rat nicht beabsichtigte, permanente Verpflichtung entsteht, und auf der anderen Seite der Rat nicht ungerechterweise den finanziellen Unterhalt zu einem Zeitpunkt einstellt, zu dem der Pionier arbeitsunfähig geworden ist und sich nicht mehr aus anderen Mitteln unterhalten kann.

Reiselehrer

Während Pioniere für eine sehr wertvolle Stärkung einer Gemeinde über längere Zeit hinweg sorgen und oft den einzig möglichen Weg darstellen, neue Gegenden zu erschließen - und hier sprechen wir nicht nur von Pionieren aus anderen Ländern, sondern auch von Pionieren im eigenen Land, von denen in den meisten Ländern noch viel mehr Gebrauch gemacht werden muß - , wird durch Reiselehrer eine zweite wesentliche Stärkung der Arbeit erreicht. Wie in der Ridván-Botschaft an alle Gläubigen dargelegt, wird jetzt ein neues Reiselehrprogramm in die Wege geleitet. Die nationalen Räte und ihre Ausschüsse müssen daher ein drei Punkte umfassendes Programm für Reiselehrer entwickeln. Erstens sollten innerhalb jeder Nationalen Gemeinde regelmäßige Rundreisen von ansässigen Reiselehrern stattfinden, d.h. von Gläubigen, die der nationalen Gemeinde angehören - ob Einheimische oder Pioniere - und die in der Lage und willens sind, sich dieser Arbeit zu widmen. Zweitens sollte im Rahmen dieses Rundreiseprogramms auch für geplante Besuche auswärtiger Reiselehrer vorgesorgt werden. Drittens sollte jeder Nationale Rat eine Vermittlungsstelle einrichten und Maßregeln geben, wie unangekündigte ausländische Besucher sinnvoll einzusetzen sind oder wie kurzfristige Angebote von einheimischen Gläubigen zu nutzen sind, die, wenn ihre Arbeit gut organisiert wird, eine wertvolle Hilfe auf dem Gebiet des Reiselehrens und der Proklamation darstellen. Eine solche Vermittlungsstelle muß natürlich die Fähigkeiten der Gläubigen, die ihre Dienste anbieten, abschätzen können, da ein unerwartetes Angebot zwar oft eine wertvolle Lehrmöglichkeit erschließt, andererseits aber auch gesagt werden muß, daß Bahá'í-Gemeinden manchmal durch die Ankunft reisender Bahá'í in ihrer Arbeit eher behindert wurden, die, der mangelnden Sprache oder anderer Gründe wegen, für die Lehrarbeit in dem betreffenden Gebiet nicht geeignet waren. Freunde, die auf diese spontane Weise reisen, können von sich aus wertvolle Lehrarbeit leisten, sollten allerdings nicht die Hilfe örtlicher administrativer Institutionen erwarten, wenn diese Reise nicht vorher abgesprochen war.

Korrespondenzkurse

Nur wenige Nationale Geistige Räte haben das spezielle Ziel der Entwicklung und Durchführung von Korrespondenzkursen erhalten. Gleichwohl könnte es auch für alle diejenigen Nationalen Räte, deren Ziel es ist, ausgewählte Gläubige für die Mithilfe bei der Festigung örtlicher Gemeinden zu schulen, lohnend sein, darüber nachzudenken, ob die Verwendung von Korrespondenzkursen ihnen bei der Erfüllung dieses Zieles helfen kann. Zum Beispiel könnte die erste Stufe nach der Auswahl der Kursteilnehmer in einem Korrespondenz-Vertiefungskurs bestehen, der den Grad des Interesses und der Fähigkeit eines jeden Teilnehmers ermitteln und diesen zugleich auf den Besuch von Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften vorbereiten würde, die die zweite Stufe bilden. Der gesamte Kursverlauf könnte so aus verschiedenen, aufeinander aufbauenden Stufen bestehen. Diese Kombination zweier Methoden hat den Vorteil, daß sie dem Rat von vornherein zu der Feststellung verhilft, welche Kursteilnehmer die Fähigkeit und den Willen besitzen, den Kurs fortzuführen; dies führt zu einer besseren Auswahl und hilft dem Rat sicherzugehen, daß die Kosten für die Kurse und die ganze Organisation nur für diejenigen aufgebracht werden, die erwiesenermaßen Interesse und Fähigkeit mitbringen.

Wirtschaftliche Gründe können dafür sprechen, die Vertiefungsklassen im kleineren regionalen Rahmen abzuhalten, indem man z.B. verschiedene benachbarte örtliche Gemeinden zusammenruft und einen oder mehrere Lehrer in diese Gegend schickt. Dies kann ökonomischer sein, als die ausgewählten Kursteilnehmer z.B. in die Hauptstadt einzuladen, wo man sie alle für die Dauer des Kurses unterbringen und verpflegen muß.

Lehrkonferenzen

Lehrkonferenzen können sehr wertvoll für den Fortschritt der Sache sein. Ihr Ziel ist es, die Bande der Einheit und gegenseitigen Verbundenheit unter den Freunden zu stärken, ihr Engagement für die Lehrarbeit und ihr Interesse an deren Fortschritt zu vertiefen und als Magnete für die Anziehung göttlicher Bestätigungen zu dienen. Außerdem sind sie Sammelpunkte für die Gläubigen, Zeugen für die Lebenskraft ihrer Liebe zu Bahá'u'lláh und ein mächtiges Werkzeug, um die Begeisterung und den geistigen Antrieb zu wecken, die Interessen des Glaubens zu fördern.

Bestimmten Nationalen Geistigen Räten, die noch nicht wie die Mehrheit so verfahren, wurde das Ziel angewiesen, mindestens eine Nationale Lehrkonferenz pro Jahr abzuhalten. Ziel dieser Konferenz ist es, zusätzlich zu der jährlich stattfindenden Nationaltagung ein nationales Ereignis von größerer Bedeutung zu schaffen, um das Interesse der Freunde anzuregen, ihre Anstrengungen neu zu orientieren und ihre Aufmerksamkeit auf die augenblicklich drängenden Bedürfnisse des Plans zu lenken. Diese Nationale Lehrkonferenz sollte daher einige Monate vor oder nach Ridván stattfinden, sonst verliert sie einen großen Teil der beabsichtigten Wirkung.

Da die acht Internationalen Konferenzen bald auf uns zukommen, ist es für die Nationalen Räte wichtig, so bald als möglich in Zusammenarbeit mit ihrem Kontinentalen Berateramt zu entscheiden, ob die Veranstaltung einer Nationalen Konferenz kurz nach, oder möglicherweise auch direkt vor, der nächstgelegenen Internationalen Konferenz sinnvoll und durchführbar ist. Je eher diese Entscheidung getroffen und bekanntgegeben wird, desto größer wird die Teilnahme der ansässigen und auswärtigen Bahá'í-Freunde sein.

Nachrichtenblätter

Obwohl im letzten Jahr in einigen Ländern eine merkliche Verbesserung in Niveau und Regelmäßigkeit der Herausgabe von Bahá'í-Nachrichten festgestellt werden konnte, muß der Entwicklung dieses Organs der Bahá'í-Kommunikation in den meisten nationalen Gemeinden noch große Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ein besonderer Ausschuß sollte ernannt werden, in dem auch Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates durchaus mitarbeiten können. Dieser sollte die nationalen Bahá'í-Nachrichten zu einem mächtigen Werkzeug des direkten und regelmäßigen Kontaktes zu den Freunden machen, das ihnen Informationen vermittelt, ihr Interesse für das Wachstum des Glaubens in der Welt und innerhalb ihres nationalen Gebietes belebt und aufrechterhält, sie an den Plänen, Hoffnungen und Wünschen des Nationalen Geistigen Rates teilnehmen läßt, ihnen die Kommentare des Rates zu besonders wichtigen Entwicklungen übermittelt und die Gläubigen veranlaßt, der Zukunft freudig und zuversichtlich entgegenzusehen. Die Tore der Kommunikation zwischen den Freunden, den örtlichen Geistigen Räten und dem Nationalen Geistigen Rat sollten immer geöffnet sein. Diese Politik der »offenen Tür« wird am kräftigsten durch die regelmäßige Herausgabe eines interessanten und zum Herzen sprechenden Mitteilungsblattes unterstützt. Wir freuen uns, daß darüber hinaus in einigen Ländern zusätzlich zu den nationalen Bahá'í-Nachrichten noch regionale oder lokale Nachrichtenblätter herausgebracht werden. In Gebieten, in denen die Verschiedenartigkeit der Sprache das Erscheinen solcher Blätter in der Lokalsprache der betreffenden Gegend höchst wünschenswert, wenn nicht gar unumgänglich macht, muß der Herausgabe dieser sekundären Bahá'í-Mitteilungsorgane besonderes Gewicht zukommen.

Literatur

Bei dem sorgfältigen Vergleich zwischen der Nachfrage einer wartenden Öffentlichkeit und dem Bedarf an Literatur für die Gläubigen einerseits und dem gegenwärtigen Angebot andererseits wird jeder Nationale Geistige Rat zu der Erkenntnis kommen, wie dringend notwendig es ist, daß er seine Anstrengungen vervielfacht, um eine jederzeit umfassende Auswahl unserer Literatur bereitstellen zu können. Die wichtigste Literatur des Glaubens muß in die hierfür geeignetsten Sprachen übersetzt werden, d.h. Sprachen, die für die Verbreitung und Entwicklung des Glaubens in Übereinstimmung mit den Zielen des Plans gebraucht werden. In jedem nationalen Gebiet sollten die Einrichtungen, die Bahá'í-Literatur schaffen und verbreiten, so verstärkt werden, daß sie ein fortwährendes Angebot an Literatur aus verschiedenen Verlagen wirksam sichern und deren Verbreitung durch die örtlichen Räte und Gruppen, durch Verkauf auf Konferenzen und Sommerschulen und durch den Direktverkauf an einzelne im gesamten Gebiet organisieren können. Gleichzeitig müssen diese Einrichtungen dafür sorgen, daß der Erlös aus dem Verkauf von Literatur von den anderen Fonds des Glaubens getrennt gehalten wird und daß dieses Geld für die Ergänzung des bestehenden Buchbestandes und die Erweiterung des Titelangebots verwendet wird. Die Nationalen Räte müssen auch die Notwendigkeit bedenken, die Kosten bestimmter Titel aus dem Nationalen Fonds zu bestreiten, so daß diese umsonst oder zu einem Preis geliefert werden können, der auch für alle erschwinglich ist, die dieser Literatur dringend bedürfen.

Rundfunk und Fernsehen

In letzter Zeit wurde hierzu aus den Briefen, die im Namen des Hüters geschrieben wurden, eine Zusammenstellung gemacht, von der eine Kopie zu Ihrer Information beiliegt. Diese kurze Zusammenstellung zeigt, welchen Wert Shoghi Effendi der Verwendung des Radios als Mittel für das Lehren und die Verkündigung des Glaubens in all den Ländern beigemessen hat, wo dies möglich ist.

Mit dem Erwerb und der Inbetriebnahme einer Bahá'í-Radiostation in Ekuador hat das Universale Haus der Gerechtigkeit ein Versuchsprojekt eingeleitet; doch ist dieses zur Zeit das einzige, für das ausreichend Mittel vorhanden sind. Der Besitz einer Radiostation ist aber nicht die einzige Möglichkeit, von diesem Medium Gebrauch zu machen. Nationale Geistige Räte, die die Verantwortung für Länder tragen, in denen die Zivilbehörden keine Einwände gegen Bahá'í-Radiosendungen haben, sollten - soweit noch nicht geschehen - es als ihre unbedingte Pflicht betrachten, nach Möglichkeiten zu suchen, wie sie sich des Rundfunks bedienen können, um die Saaten des Glaubens so weit wie möglich auszusäen und die göttlichen Lehren auszustrahlen. Auch die Festigung örtlicher Bahá'í-Gemeinden kann durch Radiosendungen erleichtert werden.

Wo den Bahá'í-Gemeinden der Zugang zu den Fernsehsendern offensteht, sollten sie auch von dieser Gelegenheit größtmöglichen Gebrauch machen.

Kontakte zu Behörden

Die Ereignisse des letzten Jahres haben klar gezeigt, daß die Gegner ihre Angriffe auf den kostbaren Glauben Gottes verstärken. Der Fünfjahresplan ruft unter der ständigen Kontrolle der jeweiligen Nationalen Geistigen Räte zu geplanten und ausdauernden Bemühungen auf, aufrichtige Beziehungen zu verantwortlichen Regierungsbeamten und bedeutenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens anzuknüpfen. In jedem Land, wo die Freunde die Möglichkeit zum Kontakt mit leitenden Verwaltungsbeamten haben, sollte der Nationale Geistige Rat, wie schon in unserem Brief von Naw-Rúz 131 dargelegt, einen besonderen Ausschuß ernennen, dessen Aufgabe darin besteht, wirksame Wege der Information der Behörden über den Glauben zu finden, Zweifel über ihn auszuräumen und Mißverständnisse zu beheben, die möglicherweise arglistig von Menschen aufgebaut werden, die das Feuer des göttlichen Glaubens zu löschen suchen. Wir können die Bedeutung dieser Tätigkeit und die Notwendigkeit, hierbei äußersten Takt und größte Weisheit walten zu lassen, nicht oft genug betonen; denn dies wird nicht nur die weitere Verbreitung und Anerkennung des Glaubens erleichtern, sondern, wenn der Widerstand gegen die Bahá'í und die Mißverständnisse über ihre Zwecke und Ziele zunehmen, den Institutionen des Glaubens in einem Augenblick der Krise vielleicht Anlaufpunkte schaffen, an die sie sich wenden, und deren Rat und Hilfe sie in Anspruch nehmen können, um die Folgen der gegnerischen Angriffe so gering wie möglich zu halten.

In engem Zusammenhang mit diesen Bemühungen steht die Notwendigkeit, in all den Ländern, wo die Bahá'í-Religion noch nicht anerkannt ist, diese Anerkennung zu beantragen, falls die Landesgesetze es erlauben und das Universale Haus der Gerechtigkeit seine Zustimmung gegeben hat, sich mit diesem Anliegen an die Behörden zu wenden. In anderen Ländern, wo ein gewisser Grad an Anerkennung erzielt wurde, wie zum Beispiel die Eintragung von Geistigen Räten als Vereine, sollten die Nationalen Geistigen Räte mit großer Aufmerksamkeit jede Möglichkeit ergreifen, um ihren Spielraum zu erweitern und die Anerkennung von Bahá'í-Institutionen, Bahá'í-Trauscheinen und Bahá'í-Feiertagen zu erreichen. Diese Maßnahmen sichern dem Glauben nicht nur verbesserten gesetzlichen Schutz, sondern werden auch seine Stellung in den Augen der Behörden und der Öffentlichkeit stärken.

Weisheit in der Verwendung von Bahá'í-Fonds

Angesichts der wachsenden Ausgaben des Glaubens unterstreicht der Fünfjahresplan die Verpflichtung der Freunde, dafür zu sorgen, daß ein reicher Strom an Beiträgen zur Stützung der Bahá'í-Fonds zur Verfügung steht, und er ermutigt alle Bahá'í-Gemeinden, die zur Zeit noch auf Hilfe von außen angewiesen sind, sich das Ziel zu stecken, selbsttragend zu werden. Alle Nationalen Geistigen Räte haben die Verpflichtung, Bahá'í-Fonds weise und wohlüberlegt zu verwalten; diejenigen Nationalen Geistigen Räte jedoch, die weitgehend auf die Hilfe des Weltzentrums angewiesen sind, haben sozusagen eine noch größere Verantwortung, ihre Ausgaben sorgfältig zu überwachen. Je sparsamer auf seiten der Nationalen Geistigen Räte gewirtschaftet wird, desto eher werden die Freunde insgesamt dazu ermutigt, sich für den Fortschritt des Glaubens in ihrer Region finanziell verantwortlich zu fühlen, ihrem Nationalen Geistigen Rat größeres Vertrauen in bezug auf die Weisheit seiner Verwaltung zu schenken und ihre Mittel, so bescheiden diese auch sein mögen, für die Förderung seiner Pläne und Aktivitäten zur Verfügung zu stellen.

Nationale Geistige Räte sind nicht nur deshalb zur Sparsamkeit verpflichtet, weil die ihnen zur Verfügung stehenden Fonds begrenzt sind, sondern auch, weil - wie die Erfahrung verschiedentlich gezeigt hat - mangelnde Kontrolle und Überwachung der Ausgaben dieser Fonds zum einen eine ungerechte Versuchung für die Unzuverlässigen und zum anderen eine Prüfung für die Gesamtheit der Gläubigen darstellen, die bei ihnen Enttäuschung über die Bahá'í-Administration hervorruft und ihren Entschluß schwächt, ihrer heiligen Verpflichtung nachzukommen, für den Fonds zu spenden.

Im Verhalten des Nationalen Sekretariates, in den Zuweisungen an die Ausschüsse und anderen Einrichtungen des Nationalen Rates, in jeder finanziellen Hilfe für Pioniere und Reiselehrer, beim Abhalten von Konferenzen und Vertiefungsklassen, in allen Aspekten der Arbeit des Glaubens, für die der Nationale Geistige Rat verantwortlich ist, sollten Überwachung, sorgfältige Planung und maßvolles Wirtschaften beachtet und beibehalten werden.

Örtliche Geistige Räte

Mehr und mehr wird es den Freunden klar, warum der Fünfjahresplan die Festigung der Grundlage und die Wirksamkeit der Tätigkeit der örtlichen Geistigen Räte so nachdrücklich betont. Dies ist ein äußerst ermutigendes Zeichen; denn von dem Ausmaß, in dem die Mitglieder dieser Räte die wahre Bedeutung der göttlichen Institution, in der sie dienen, erfassen, sich selbstlos erheben, um die ihnen verordneten heiligen Pflichten zu erfüllen, und in ihren Bemühungen standhaft fortfahren, hängt weitgehend das gesunde Wachstum der weltweiten Gemeinde des Größten Namens ab, ferner die Stoßkraft ihres Appells nach außen und die Festigkeit ihrer Wurzeln.

Es ist unser Herzenswunsch, daß jeder örtliche Geistige Rat sich entweder aus eigener Initiative seine Ziele setzt oder aber mit herzlichem Einverständnis die Ziele übernimmt, die er von seinem Nationalen Geistigen Rat bekommt, daß er ferner die Anzahl der Bahá'í in der örtlichen Gemeinde kräftig erhöht und, geleitet von den allgemeinen Richtlinien seines Nationalen Rates, den Glauben wirksamer proklamiert, seine Ziele für das Lehren und die Festigung energischer verfolgt, die Einhaltung der Heiligen Tage und der regelmäßigen Neunzehntagefeste sowie der Vertiefungsveranstaltungen sichert, Gemeindeprojekte veranstaltet und durchführt und die Mitglieder der Gemeinde zur Beteiligung an den Spenden für den Fonds, an der Lehrarbeit und am Dienst in der Verwaltungsordnung ermutigt, auf daß jeder Ort zu einem Bollwerk des Glaubens und einem Fackelträger des Bündnisses werde.

Wir sind davon überzeugt, daß die Institution der Beraterämter die notwendige Hilfe leisten wird und daß durch die Kontakte der Berateramtsmitglieder zu den Freunden, durch die Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten die Wurzeln jeder örtlichen Gemeinde gestärkt und der Boden des Wissens um die Lehren angereichert, kultiviert und mit den lebendigen Wassern der Liebe zu Bahá'u'lláh bewässert wird. Dann werden die jungen Bäumchen zu mächtigen Bäumen aufwachsen, und diese Bäume werden ihre goldenen Früchte tragen.

Frauen

`Abdu'l-Bahá hat hervorgehoben, »daß es zu den Wundern dieser heiligen Offenbarung gehört, daß Frauen, die in diese Glaubensgemeinschaft eingetreten sind, größere Kühnheit gezeigt haben als Männer«. Shoghi Effendi führte des weiteren aus, diese »Kühnheit« müsse im Laufe der Zeit noch überzeugender demonstriert werden und für diese geliebte Sache Siege erringen, die aufrüttelnder als alle bisher erreichten sind. Selbstverständlich ist die gesamte Bahá'í-Welt verpflichtet, die wichtige Rolle der Frau in der Bahá'í-Gemeinde wie auch in der gesamten Gesellschaft zu stützen und zu betonen; dennoch ruft der Fünfjahresplan achtzig ausgewählte Nationale Geistige Räte besonders dazu auf, eigene Bahá'í-Aktivitäten für Frauen zu organisieren. In diesem Jahr (1975), das von den Vereinten Nationen in einer weltweiten Aktion zum »Internationalen Jahr der Frau« ausgerufen wurde, sollten die Bahá'í, und ganz besonders in diesen achtzig nationalen Gemeinden, Programme aufstellen und durchführen, die die volle und gleichrangige Mitwirkung der Frauen in allen Bereichen des Bahá'í-Gemeindelebens fördern und unterstützen, so daß die Freunde durch die Taten der Frauen die hervorragende Stellung der Sache Gottes auf diesem Gebiet menschlichen Wirkens demonstrieren können.

Jugend

Wir hoffen, daß die Jugend eine große Rolle im jetzt herausgegebenen internationalen Reiselehrprogramm übernimmt, indem sie während der Ferien, und besonders während der großen Ferien am Ende des akademischen Jahres, ihre Zeit der Förderung der Lehrarbeit in allen Aspekten nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb ihrer eigenen nationalen Gemeinde widmet. Einige Jugendliche verfügen vielleicht über eigene finanzielle Mittel, andere können und wollen arbeiten, um sich das Geld für solche Projekte zu ersparen, wieder andere haben die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern, Verwandten oder Freunde. In anderen Fällen können möglicherweise die Bahá'í-Fonds die bescheidenen Mittel ergänzen, die der künftige Reiselehrer selbst aufbringen kann.

Die Ausdauer der Jugend unter schwierigen Bedingungen, ihre Lebensfreude und Lebenskraft, ihre Fähigkeit, sich örtlichen Gegebenheiten anzupassen und mit neuen Herausforderungen fertig zu werden, die Fähigkeit, ihre Wärme und Begeisterung auf ihre jeweiligen Gastgeber zu übertragen - all dies verbunden mit den Verhaltensnormen, die für Bahá'í-Jugendliche selbstverständlich sind - , lassen sie zu mächtigen Werkzeugen bei der Durchführung der geplanten Projekte werden. Durch diese herausragenden Qualitäten können sie in der Tat zum Stoßkeil jedes Unternehmens und zur treibenden Kraft jedes Vorhabens werden, an dem sie teilnehmen, ob örtlich oder national. Unsere Augen sind erwartungsvoll auf die Bahá'í-Jugend gerichtet!

Kinder

Wie oft haben schon gut organisierte Bahá'í-Kinderklassen ihren Eltern, auch wenn diese keine Bahá'í sind, den Antrieb gegeben, die Lehren des Glaubens näher kennenzulernen und eingehender zu studieren! Wie oft schon haben die Kinder durch ihre Lieder und das Vortragen von Gebeten bei Festen und anderen Versammlungen der Freunde dem Programm Glanz und Begeisterung verliehen und in den Herzen aller Anwesenden das Gefühl geweckt, wirklich zur Gemeinde dazuzugehören! Wie oft schon haben sich Kinder zu aktiven und erleuchteten Jugendlichen und später zu völlig ergebenen Erwachsenen entwickelt, die die Arbeit des Glaubens kraftvoll führen und seine lebenswichtigen Interessen fördern!

Bestimmten Nationalen Geistigen Räten wurde das besondere Ziel gegeben, Kinderaktivitäten zu organisieren, und viele von ihnen haben in der Form von mindestens einem Helfer, der ein Training in der Erziehung von Bahá'í-Kindern mitgemacht hat, Unterstützung erhalten. Die Nationalen Räte, die solche Helfer bekommen, sollten jedoch nicht auf deren Ankunft warten, bevor sie Aktivitäten in die Wege leiten. Ein Ausschuß, in den Freunde berufen werden, die sich für diese Art des Dienstes interessieren, kann einfache Kinderstunden improvisieren, geeignete Auszüge aus den Schriften und Gebeten aussuchen, die die Kinder besprechen und auswendig lernen können, und örtliche Talente mit der Ausführung dieser lebenswichtigen Aktivität betrauen, die sicherlich einen weitreichenden Einfluß auf die Gesundheit und Stärke der Gemeinde ausübt.

Frühgebet

Wir haben mit regem Interesse beobachtet, wie das Ziel, die Freunde zu ermutigen, sich zum Frühgebet zu treffen, in Angriff genommen wird. In einigen ländlichen Gegenden sind diese Morgengebete schon zu einer festen Gewohnheit der Freunde und für diese zu einer wahren Quelle der Segnungen und Wohltaten geworden, die sie bei ihren Tätigkeiten durch den Tag begleiten und das Bewußtsein der Einheit in der Gemeinde stärken. In anderen Gegenden haben die Freunde herausgefunden, daß sie wegen der großen Entfernungen bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie sich zum Gebet in kleineren Gruppen treffen. Und in wieder anderen Gegenden wurden als ein erster Schritt Pläne entworfen, sich einmal wöchentlich zum Frühgebet zu treffen.

Möge die Gesegnete Schönheit Sie reichlich mit Kraft versehen, während Sie sich aufmachen, um die Aufgaben des gerade begonnenen Jahres auszuführen und die Schwierigkeiten zu überwinden.





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25. Mai 1975 - Der Gebrauch von Rundfunk und Fernsehen beim Lehren

(Auszüge aus Briefen des geliebten Hüters; Anlage zum Schreiben vom 25. Mai 1975 über Ziele des Fünfjahresplanes)

»Was Ihren Wunsch anbetrifft, die Botschaft über den Rundfunk zu senden, möchte Shoghi Effendi Ihnen raten, Ihren Geistigen Rat zu fragen, ob eine solche Aktion seine Zustimmung findet; sollte dies der Fall sein, so erbitten Sie seine Hilfe, damit die besten Mittel und Wege zur Ausführung Ihres Planes gefunden werden. Der Gedanke eines Rundfunksenders greift recht hoch und erfordert große finanzielle Ausgaben. Wenn Sie diese Idee jedoch für durchführbar halten und sie im Rahmen Ihrer finanziellen Möglichkeiten liegt, sollten Sie nicht zögern, sie zu verwirklichen, zumal Ihnen das die Gelegenheit gibt, die Sache viel leichter und wirkungsvoller zu verbreiten.« (Aus einem Brief vom 13. August 1933 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

»Ihr Vorschlag, einen Sender im Tempel zu installieren, ist wirklich hervorragend. Doch bleibt es abzuwarten, ob der Nationale Geistige Rat finanziell in der Lage ist, ein solches Projekt durchzuführen, da dieses ohne Zweifel ein recht kostspieliges Unternehmen ist. Aber ungeachtet aller Ausgaben, die durch solch ein Projekt entstehen, gibt es gar keinen Grund, warum die Gläubigen nicht jetzt schon beginnen sollten, ernsthaft über die Möglichkeiten dieses Planes zu beraten; denn wenn er durchgeführt und vollendet ist, kann er der Ausdehnung der Lehrarbeit in Amerika einen ungeahnten Impuls verleihen.

Es ist jedoch Sache des Nationalen Geistigen Rates, die endgültige Entscheidung hierüber zu treffen und festzustellen, ob der Nationale Fonds zur Zeit stark genug ist, den Einbau eines Senders in den Tempel zu ermöglichen.

Der Hüter ist jedoch zuversichtlich, daß dieser Plan von den Mitgliedern des Nationalen Geistigen Rates sorgfältig beraten wird, und er hofft, daß in dieser Sache, wenn sie durchführbar ist, wirklich etwas in die Wege geleitet wird.« (Aus einem Brief vom 31. Januar 1937 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

»Er hat die verschiedenen Vorschläge, die Sie dem Nationalen Geistigen Rat unterbreitet haben, mit Interesse gelesen und fühlt, daß diese vollkommen richtig sind, insbesondere was den vermehrten Gebrauch des Radios anbelangt. Leider ist derzeit jedes Vorhaben undurchführbar, das die Finanzen des Glaubens in Amerika noch weiter belasten würde - also auch ein Bahá'í-eigener Sender; denn die Freunde haben schon Schwierigkeiten, den großen Anforderungen der Lehrarbeit und des Tempelfonds gerecht zu werden. Er meint jedoch, daß Ihre Idee zwecks späterer Verwirklichung im Auge zu behalten ist.« (Aus einem Brief vom 14. Oktober 1942 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Im Zusammenhang mit der Radioarbeit ... gibt er zu bedenken, daß der wichtigste Gesichtspunkt dabei sein sollte, die breite Öffentlichkeit darauf zu stoßen, daß es den Bahá'í-Glauben und seine Lehren gibt. Dafür sollte jede Art von Rundfunksendungen genutzt werden - Lesungen aus den Schriften, Sendungen über typische Themen, Vorträge u. a. Die Menschen müssen den Namen »Bahá'í« hören, so daß sie, wenn sie dafür empfänglich sind, auf die Sache ansprechen und sie erforschen können. Die oberste Pflicht der Freunde überall auf der Welt ist es, den Menschen zu verkünden, daß diese Offenbarung existiert; ihre nächste Pflicht ist es, die Offenbarung zu lehren. (Aus einem Brief vom 24. Juli 1943 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

»Er meint, daß es ausgezeichnet wäre, den Glauben den Menschen über das Medium Rundfunk näherzubringen, da dieses auch die Massen erreicht, und zwar gerade die, die kein Interesse an Vorträgen haben oder jede Art von Treffen meiden.« (Aus einem Brief vom 7. März 1945 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

»Ob freie Sendezeiten in Anspruch genommen werden oder nicht, müssen der Rundfunkausschuß und der Nationale Geistige Rat entscheiden; im Prinzip sollte jedoch jede Anstrengung unternommen werden, um die Lehren so oft wie möglich über den Äther zu senden, solange die Art und Weise, in der dies geschieht, sich mit der Würde unseres geliebten Glaubens verträgt.« (Aus einem Brief vom 15. August 1945 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

»Er bedauert es, durch Ihr Telegramm erfahren zu müssen, daß das Projekt eines Bahá'í-Senders im Moment nicht realisiert werden kann. Er meint, daß ein solcher Sender für die Sache Gottes einen sehr großen Wert hätte, nicht nur als Medium für die Verbreitung des Glaubens und als hervorragendes Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch um das Ansehen der Sache zu erhöhen. Er meint, daß Ihr Rat dieses Projekt nicht fallenlassen, sondern in seinen Bemühungen fortfahren sollte, um Wege zu finden, damit es so bald wie möglich verwirklicht werden kann.« (Aus einem Brief vom 25. März 1946 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas)

»Er hofft, daß die Einrichtung eines Bahá'í-Senders sich in den kommenden Jahren als durchführbar erweist, da er ihn für sehr wichtig hält.« (Aus einem Brief vom 4. Mai 1946 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas)

»Die Bahá'í sollten nicht immer die letzten, sondern lieber die ersten sein, die neue und offensichtlich hervorragende Methoden übernehmen; denn dies entspricht der dynamischen Natur unseres Glaubens, der nicht nur dem Fortschritt zugewandt ist, sondern in sich auch den Samen für eine völlig neue Kultur und Zivilisation trägt.« (Aus einem Brief vom 5. Mai 1946 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

»Im Prinzip befürwortet der Hüter den Bau eines Senders, und er hat auch keinen Einwand gegen den Einbau in den Tempel; die Kosten, die Sie anführen, sind jedoch in Anbetracht der großen Ausgaben des neuen Siebenjahresplanes zu hoch, um sie dem Nationalen Fonds aufzubürden. Wenn es einen anderen Weg zu einem angemessenen Preis gibt, von dem Sie meinen, daß der Fonds ihn bezahlen kann, möchte der Hüter Ihr Handeln befürworten. Auf alle Fälle sollte der Nationale Geistige Rat auf der vollen Anerkennung als religiöse Körperschaft bestehen und volle Rechte beanspruchen, um in der Sendezeit mit anderen anerkannten Kirchen gleichgestellt zu sein.« (Aus einem Brief vom 20. Juli 1946 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas)

»Er befürwortet Ihren Wunsch, die Prinzipien des Glaubens über den Rundfunk zu verbreiten. Er legt Ihnen jedoch dringend nahe, alles zu tun, was Sie können, um Ihre Ausführungen oder Mitteilungen immer klar mit dem Namen Bahá'u'lláh in Verbindung zu bringen - auch wenn Ihr Hinweis auf die Lehren nur sehr kurz ausfallen kann. Die Zeit ist für uns Bahá'í jetzt einfach zu kurz, um erst die Menschheit zu erziehen und ihr dann zu sagen, daß unsere Quelle dieser neue universale Glaube ist. Die Menschen müssen zu ihrem eigenen geistigen Schutz den Namen Bahá'í gehört haben - wenn sie sich danach blindlings abkehren, können sie sich nicht damit entschuldigen, sie hätten nicht gewußt, daß es ihn gibt! Denn dunkle Tage scheinen der Welt noch bevorzustehen, und es ist unsere feste Überzeugung, daß es außerhalb dieser göttlichen Zufluchtsstätte für die Menschen keine Gewißheit, keinen Seelenfrieden und keine innere Sicherheit mehr geben kann. Sie haben somit zumindest ein Recht darauf, von der Sache als solcher zu hören.« (Aus einem Brief vom 24. April 1949 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)





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5. Juni 1975 - Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

Nachdem der Fünfjahresplan in allen Teilen der Welt immer mehr Schwungkraft erhält und die Anhänger der Gesegneten Vollkommenheit sich auf dem Kurs befinden, der zum Siege führt, ist es für uns an der Zeit, uns mit jenem Projekt - als Vorbereitung auf dessen unmittelbar bevorstehenden Beginn - zu befassen, das als größtes Einzelunternehmen dieses Planes dastehen wird: dem Bau eines würdigen Amtssitzes für das Universale Haus der Gerechtigkeit im Herzen des Heiligen Berges Gottes.

Vor fast sechsunddreißig Jahren erreichte der geliebte Hüter nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten die Überführung der heiligen Überreste des Reinsten Zweiges und Navvábs zum Berge Karmel, wo er sie in unmittelbarer Nähe der Ruhestätte des Größten Heiligen Blattes zur letzten Ruhe bettete. Mit den folgenden Worten wies er auf die »außerordentliche institutionelle Bedeutung« hin, die diesen Ereignissen bei der Entfaltung des Weltzentrums des Glaubens zukommt:

»Denn es muß klar verstanden und kann nicht genug betont werden, daß durch die Vereinigung der Ruhestätte des Größten Heiligen Blattes mit denjenigen ihres Bruders und ihrer Mutter die geistigen Wirkungskräfte dieses geheiligten Ortes unermeßlich verstärkt werden, welcher im schützenden Schatten des Grabmals des Báb und in der Nachbarschaft des künftigen Mashriqu'l-Adhkár, der an seiner Seite errichtet wird, dazu bestimmt ist, sich zum Brennpunkt jener weltbewegenden, weltumspannenden, weltlenkenden Verwaltungseinrichtungen zu entwickeln, die Bahá'u'lláh verordnet und `Abdu'l-Bahá vorausschauend entworfen hat und die im Einklang mit den Grundsätzen arbeiten sollen, welche die Zwillingseinrichtungen des Hütertums und des Universalen Hauses der Gerechtigkeit leiten. Dann und nur dann wird sich die folgende bedeutsame Prophezeiung erfüllen, welche die Schlußabschnitte des Sendschreibens vom Karmel ziert: ,Bald wird Gott Seine Arche auf dich (Karmel) zusteuern und das Volk Bahás offenbaren, das im Buch der Namen erwähnt ist.`

Der Versuch, sich von der Herrlichkeit, die diese Institutionen umhüllen muß, auch nur in schwachen Umrissen ein Bild zu machen, eine auch nur vorläufige, unvollständige Beschreibung ihrer Art und Wirkungsweise zu geben oder den Lauf der Ereignisse, die zum Aufstieg und schließlich zur Einsetzung dieser Institutionen führen werden, in noch so unzureichender Weise im voraus zu skizzieren, übersteigt bei weitem meine Kraft und Fähigkeit. Begnügen wir uns mit der Feststellung, daß zum gegenwärtigen, schwierigen Zeitpunkt der Weltgeschichte die Vereinigung dieser drei unvergleichlich kostbaren Seelen, die, den drei Zentralgestalten unseres Glaubens nachgeordnet, über das gewaltige Heer der Helden, Buchstaben, Märtyrer, Hände, Lehrer und Sachwalter des Glaubens Bahá'u'lláhs noch immer hoch hinausragen, in einem potentiell so machtvollen geistigen und administrativen Zentrum von sich aus schon ein Ereignis darstellt, welches Kräfte entfesseln wird, die in dem Land, das geographisch, geistig und administrativ das Herz unseres Planeten bildet, das Zutagetreten der strahlendsten Edelsteine dieser Weltordnung beschleunigen müssen, die jetzt im Schoße jener schwer ringenden Zeitalters Gestalt annimmt.«

Das erste der majestätischen Bauwerke, die diesen machtvollen Brennpunkt bilden, war das Internationale Archivgebäude, das im Sommer 1957 als eines der letzten großen Werke der Hüterschaft Shoghi Effendis fertiggestellt wurde. Mit ihm wurde der Stil für die verbleibenden Bauwerke festgelegt, die gemäß der Beschreibung des Hüters im Laufe der Zeit in Form eines weit ausholenden Bogens auf den Hängen des Berges Karmel errichtet werden sollen. In den achtzehn Jahren seit jenem Erfolg ist die Gemeinde des Größten Namens rasch an Größe und Einfluß gewachsen: von 26 Nationalen Geistigen Räten auf 119, von ungefähr tausend auf 17 000 örtliche Geistige Räte und von 4 500 auf über 70 000 Orte. Damit verbunden war ein entsprechendes Anwachsen des Arbeitsumfanges, der im Weltzentrum des Glaubens und in seinen verzweigten Institutionen bewältigt werden muß. Es ist jetzt notwendig und auch möglich, mit der Errichtung eines Gebäudes zu beginnen, das nicht nur den praktischen Erfordernissen eines im Aufbau begriffenen Verwaltungszentrums dienen, sondern auch für kommende Jahrhunderte als sichtbares Zeichen der Erhabenheit der göttlich verordneten Institutionen der Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs dastehen wird.

Ebenso wie das Archivgebäude wird der Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit mit Steinen aus Italien verkleidet sein, und er wird eine umlaufende Kolonnade aus 60 korinthischen Säulen erhalten. Im Inneren werden sich neben dem Beratungszimmer des Universalen Hauses der Gerechtigkeit eine Bibliothek, ein Saal zum Empfang von Pilgern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, mehrere Lagergewölbe mit einer Luftfilteranlage zur Aufbewahrung der Originaltablets und anderer kostbarer Dokumente sowie Räume für das Sekretariat und die vielen notwendigen Hilfsdienste befinden. In Stil und Entwurf von bleibender Schönheit und Majestät, verkleidet mit Steinen, welche die Jahrhunderte überdauern werden, wird dieses Bauwerk in seiner inneren Gliederung große Schlichtheit zeigen und imstande sein, sich im Laufe der Generationen jedem technischen Fortschritt anzupassen, den die rasche Entwicklung menschlichen Wissens mit sich bringt.

Die Errichtung dieses Gebäudes, das mit seinen fünfeinhalb Stockwerken jedes derzeit im Weltzentrum bestehende Gebäude an Größe und Vielseitigkeit bei weitem übertreffen wird, bedeutet für die Bahá'í-Gemeinde, deren Mittel im Vergleich zu den großen vor ihr liegenden Aufgaben ohnehin bereits viel zu mager sind, eine schwerwiegende Herausforderung. Doch war der Geist des Opfers schon immer das besondere Kennzeichen der Anhänger Bahá'u'lláhs aus jeder Rasse und jedem Land, und indem sie in vereinter Anstrengung dieses zweite große Bauwerk des Verwaltungszentrums ihres Glaubens errichten, werden sie überschäumende Freude empfinden über das unschätzbare Vorrecht, an dem »weitreichenden und unaufhaltsamen Prozeß« teilzuhaben, der nach Shoghi Effendis Darlegung »in der Geistesgeschichte der Menschheit ohne Beispiel ist« - einem Prozeß, »der zeitlich zusammenfallen wird mit zwei nicht weniger bedeutsamen Entwicklungen, der Errichtung des Geringeren Friedens und der Entfaltung der nationalen und örtlichen Bahá'í-Institutionen - die erstere wird sich außerhalb, die zweite innerhalb der Bahá'í-Welt vollziehen -; einem Prozeß, der seine letzte Vollendung im Goldenen Zeitalter des Glaubens erreichen wird, wenn das Banner des Größten Friedens gehißt und der eigentliche Mittelpunkt all der Organe, die die Weltordnung Bahá'u'lláhs ausmachen, in der Fülle seiner Macht und seines Glanzes sichtbar hervortreten wird.«





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26. Januar 1976 - Pioniere an der Heimatfront

Wir haben mit größtem Interesse den Fortschritt des Fünfjahresplanes in Deutschland verfolgt und sind äußerst ermutigt von dem Geist der Begeisterung und der Ergebenheit, den Sie zeigen, vom Umfang der Aktivitäten, die Sie regelmäßig unternehmen, und von der einfallsreichen Planung Ihres Nationalen Geistigen Rates und seiner Ausschüsse. Die Fortschritte, die die Sache in Deutschland innerhalb der letzten Jahre gemacht hat, sind ein offenkundiger Beweis dafür, daß die deutsche Bahá'í-Gemeinde in ein neues Stadium eingetreten ist, das eine noch nie dagewesene Ausbreitung des Glaubens und einen Zuwachs an Fähigkeiten und Erfahrungen verspricht, die es ihr ermöglichen werden, mit stetig wachsendem Erfolg die Dienste fortzuführen, die sie weit über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus zu vollbringen bestimmt ist.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es die große Herausforderung, der sich die Anhänger Bahá'u'lláhs im Herzen Europas gegenübersehen, die klar bestimmten Ziele zur Bildung von örtlichen Geistigen Räten zu erfüllen, die Ihr Nationaler Geistiger Rat für Ridván 133 gesetzt hat. Die kraftvollen Lehrpläne, die für die Zielstädte erstellt worden sind, werden entscheidend dazu beitragen, daß dieses Ziel erreicht wird; aber sie bedürfen dringend der Verstärkung durch eine beispiellose Flut von Pionieren an der Heimatfront. In Deutschland gibt es ein großes Potential an persischen Freunden, die ohnehin schon fern von ihrer Heimat leben. Diese sollten mit sich selbst zu Rate gehen und den Entschluß fassen, sich zu erheben und, wo immer es geht, in die Zielstädte ihrer neuen nationalen Gemeinde zu ziehen. Damit werden zwei wichtige Zwecke erreicht. Erstens wird das Licht der Sache in vielen weiteren Orten verstärkt, und in vielen neuen Städten kann die göttliche Institution des örtlichen Geistigen Rates ins Leben gerufen werden; zweitens werden sich die Zusammenballungen persischer Freunde an ein und demselben Ort auflösen, wo sie durch ihre Überzahl gegenüber den einheimischen Gläubigen in der Öffentlichkeit den völlig abwegigen Eindruck erwecken können, der Bahá'í-Glaube sei eine ausländische Religion, die sich zwar für Perser hervorragend eigne, aber für Europäer nicht gemacht sei.

Diese Botschaft richtet sich jedoch nicht allein an die persischen Gläubigen; denn nichts kann den selbstlosen, aufopferungsvollen Aufbruch der deutschen Freunde selbst ersetzen, die in neue Gebiete ihres eigenen Vaterlandes ziehen, um den wartenden Massen ihrer begabten, fleißigen Landsleute die göttliche Botschaft zu bringen, welche allein ihre Schwierigkeiten lösen und ihnen Rettung bringen kann vor der Flut des Materialismus, die sie zu verschlingen droht.

Unser inbrünstiges Gebet und unsere brennende Hoffnung ist es, daß wir sehen, wie die deutschen Bahá'í Hand in Hand mit den Freunden aus Persien, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, die gemeinsam mit ihnen die deutsche Bahá'í-Gemeinde bilden, in einer Woge des Pionierens und Lehrens voranstürmen, die Ziele des Fünfjahresplanes schnell erfüllen, den administrativen Rahmen ihrer Gemeinde ganz wesentlich stärken und von dieser Woge mit unverminderter Kraft zu Siegen emporgetragen werden, deren Herrlichkeit ihre kühnsten Träume übertrifft.





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21. März 1976 - Naw-Rúz Botschaft

Wir geben den bei den Nationaltagungen versammelten Abgeordneten die freudige Nachricht bekannt, daß die Ausschachtungsarbeiten auf dem Berg Karmel beendet sind, die der Vorbereitung für den Bau des majestätischen Zentrums der Gesetzgebung des Glaubens Gottes an diesem heiligen Orte dienten. In Italien wurde ein Vertrag über fünfeinhalb Millionen Dollar unterzeichnet für die Lieferung von über 2500 cbm Pentelikon-Marmor aus Griechenland und für die daraus zu fertigenden Säulenverblendungen, die den gebührenden Schmuck für dieses gewaltige Gebäude bilden sollen. Wir sind tief bewegt von der begeisterten Reaktion der Gläubigen in allen Teilen der Welt auf diese herausfordernde, glorreiche Aufgabe. Parallel zur Entwicklung am Weltzentrum wurde das Verwaltungsgefüge auf kontinentaler und nationaler Ebene weiterentwickelt, indem die Zahl der Kontinentalen Berater auf einundsechzig erhöht wurde durch die Ernennung von Thelma Khelghati in Westafrika, William Masehla in Südafrika, Burhani'd-Din Afshin in Süd-Zentralasien, Hideya Suzuki in Nordostasien, Owen Battrick in Australasien und Adib Taherzadeh in Europa. Die Kontinentalen Beraterämter wurden ermächtigt, weitere neunzig Hilfsamtsmitglieder zu ernennen, und es erging ein Aufruf zur Wahl von sieben neuen Nationalen Geistigen Räten an Ridván 1977, nämlich: zwei in Afrika - Mali mit Sitz in Bamako und Obervolta mit Sitz in Ouagadougou - , zwei in Amerika - Französische Antillen mit Sitz in Pointe-a-Pitre und Surinam und Französisch-Guayana mit Sitz in Paramaribo - , einer in Europa - Griechenland mit Sitz in Athen - , und zwei im Pazifischen Raum - Neue Hebriden mit Sitz in Port Vila und Marshall-Inseln mit Sitz in Majuro; der zuletzt genannte Rat ist ein zusätzliches Ergebnis des Plans. Dadurch erhöht sich die Zahl der Nationalen Geistigen Räte auf 124, wobei die Auflösung der Nationalen Räte in Äquatorial-Guinea und Nepal wegen örtlicher Beschränkungen berücksichtigt ist. Von 953 Pionieren, die zur Erfüllung ganz bestimmter Ziele aufgerufen wurden, sind schon 492 auf ihrem Posten. Weitere 470 Pioniere sind in Zielländer gegangen. Es wird von einem großen Strom internationaler Reiselehrer berichtet. Wir fühlen uns gedrängt, unsere Hochachtung vor den unermüdlichen Diensten der Hände der Sache Gottes zum Ausdruck zu bringen, die sie im vergangenen Jahr beim Erringen der oben genannten Erfolge und auf den Gebieten des Lehrens, des Schutzes, der Erhaltung, der Proklamation und der Literatur des Glaubens geleistet haben. Ebenso bezeugen wir unsere Hochachtung vor den außerordentlichen Diensten des Internationalen Lehrzentrums, durch dessen Bildung das Weltzentrum sehr an Kraft gewonnen hat und die auf dem Universalen Haus der Gerechtigkeit ruhende Bürde vermindert wurde. In dem jetzt beginnenden mittleren Jahr des Fünfjahresplanes werden wir Zeuge sein, wie sich die Anhänger Bahá'u'lláhs auf acht Internationalen Konferenzen versammeln in der Absicht, einen gewaltigen Impuls zu erzeugen, um bei der Erfüllung des Planes, der bis jetzt noch ziemlich weit hinter seinen Zielen zurückbleibt, Fortschritte zu machen. In diesem kritischen Zeitpunkt der Sendung unseres Glaubens, die Menschheit zu erlösen, ist es besonders dringend nötig, daß jeder Gläubige und jeder Nationale und örtliche Geistige Rat seine volle Aufmerksamkeit auf die Ziele richtet, die der Bahá'í-Welt gestellt sind, um den Prozeß des Eintritts in Scharen zu beschleunigen, ein kräftiges Wachstum der Gemeinde zu erreichen und die Zahl jener standhaften, aufopferungsvollen Gläubigen zu erhöhen, die sich dem Ziel verschrieben haben, jeden Bereich ihres Lebens den hohen, durch die heiligen Texte gegebenen Maßstäben anzupassen.

Das Feld ist weit, die Zeit ist kurz, der Mitarbeiter beklagenswert wenige; aber von den Anstrengungen, die wir Anhänger der Gesegneten Schönheit jetzt machen, und von dem Maße, in dem wir erfolgreich und schnell Seine Botschaft unter unseren Mitmenschen verkünden und verbreiten, hängt zum großen Teil der Verlauf der Menschheitsgeschichte in den vor uns liegenden Jahrzehnten ab.





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7. Juli 1976 - Keine politische Betätigung

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat Ihren Brief vom 15. Mai erhalten, in dem Sie Ihre Gedanken äußern über die Notwendigkeit, daß sich die Bahá'í von Fall zu Fall politisch betätigen und Aktivitäten unterstützen, die eine Beseitigung von Ungerechtigkeiten anstreben. Die Aufrichtigkeit, die Sie zu diesem Brief veranlaßte und mit der Sie Ihre Überzeugung darstellen, hat das Universale Haus der Gerechtigkeit tief beeindruckt. Wir sind gebeten worden, Ihnen die Stellungnahme des Universalen Hauses zu übermitteln.

Sie fragen, ob Stillehalten von seiten der Bahá'í nicht dazu führt, daß das Chaos und die menschliche Erniedrigung ein andauernder Zustand auf der Erde werden, und führen an, daß das Ausweichen der Bahá'í vor politischer Tätigkeit die Freiheitskämpfer in der Welt nur schwächen könne. Wenn wir den Zustand unserer Gesellschaft betrachten, sehen wir eine Welt, die von Krankheiten befallen ist und unter der Last ihrer Leiden stöhnt. Wie Bahá'u'lláh selbst bezeugt hat, rühren diese Leiden daher, daß der »Körper« der Welt, »obwohl er bei seiner Erschaffung gesund und vollkommen war, aus verschiedenen Ursachen von schweren Störungen und Krankheiten befallen wurde« und daß »sein Übel sich verschlimmerte, weil er in die Behandlung unwissender Ärzte fiel, die ihren persönlichen Wünschen nachgaben und sich schmählich irrten.« Bahá'u'lláhs Aussage in diesem Abschnitt schließt mit der Versicherung, daß das »höchste Mittel und mächtigste Werkzeug für die Heilung der Welt« in der Hinwendung und im Gehorsam gegenüber dem »befähigten, allgewaltigen und erleuchteten Arzt« liegt. »Wahrlich, dies ist die Wahrheit, und alles andere ist nichts als Irrtum.«

Dieser göttliche Arzt hat uns in Seinen Schriften versichert, daß Gott der Allsehende und der Allwissende ist und durch Seinen Willen verfügt hat, daß an diesem Tag und mitten unter den Menschen Sein immerwährendes Königreich errichtet werden soll. Bahá'u'lláh erklärt: »Die ganze Erde ist nun in einem Zustand der Trächtigkeit. Der Tag naht heran, an dem sie die edelsten Früchte hervorgebracht haben wird, an dem aus ihr die erhabensten Bäume, die schönsten Blüten und himmlische Wohltaten entsprungen sein werden.« Um diesen Zweck zu erreichen, hat uns Gott den Geist und die Botschaft des Neuen Tages durch zwei aufeinanderfolgende Offenbarer gesandt, die beide von der großen Masse der Menschen zurückgewiesen wurden, welche es leider vorzog, in ihrer eigenen Blindheit und Verdrehtheit weiterzuleben. Im Blick auf solch eine Welt schrieb Bahá'u'lláh: »Bald wird die heutige Ordnung aufgerollt und eine neue an ihrer Statt entfaltet werden.« Ferner schrieb Er: »Nach einer Zeit werden alle Regierungen der Erde sich verändern. Unterdrückung wird die Welt umfassen. Nach einer weltweiten Erschütterung wird die Sonne der Gerechtigkeit am Horizonte des Unsichtbaren Reiches aufgehen.«

Wenn wir uns Seinen anderen Schriften zuwenden, um mehr zu lernen über Seine Warnung, daß diese »heutige Ordnung aufgerollt« werden soll, stoßen wir auf Aussagen und Prophezeiungen wie diese: »Die Zeit für die Zerstörung der Welt und ihres Volkes ist gekommen.« »Der verheißene Tag ist gekommen, der Tag, an dem qualvolle Prüfungen über eure Häupter und unter euren Füßen hinwegziehen und sagen werden: schmeckt, was eure Hände angerichtet haben!« »Bald wird die Rute Seiner Züchtigung euch treffen und der Staub der Hölle euch einhüllen.« »Und wenn die verheißene Stunde kommt, wird plötzlich erscheinen, was der Menschheit Glieder zittern macht.« »Der Tag naht heran, da die Flamme der Zivilisation die Städte vernichten und die Zunge der Größe ausrufen wird: ,Das Königreich ist Gottes, des Allmächtigen, des Allgepriesenen!`« »Der Tag naht, da des Allmächtigen grimmer Zorn sie erfassen wird. Er ist wahrlich der Allgewaltige, der Allüberwinder, der Machtvollste. Er wird die Erde vom Schmutz ihrer Verderbheit reinigen und wird sie denen unter Seinen Dienern zum Erbe geben, die Ihm nahe sind.«

Aus dem Vorhergesagten wird klar, daß die Vorsehung am Werk ist, Gottes Ziele für die Menschheit in diesem Zeitalter zu erfüllen. Shoghi Effendi versichert uns: »Gottes Ziel ist kein anderes, als für eine seit langem entzweite und heimgesuchte Menschheit das Erhabene, Goldene Zeitalter einzuleiten auf Wegen, die nur Er ebnen und deren volle Bedeutung nur Er ausloten kann. Der gegenwärtige Zustand der Menschheit und ihre unmittelbare Zukunft ist dunkel, beklagenswert dunkel. Die fernere Zukunft jedoch ist strahlend, herrlich strahlend - so strahlend, daß kein Auge sich ein Bild davon machen kann.«

Betrachten wir den Ersten Weltkrieg, den Shoghi Effendi in seinen Schriften als »erste Stufe einer von Bahá'u'lláh lange vorausgesagten gewaltigen Erschütterung« beschrieben hat. Obwohl nach außen hin ein Friedensvertrag geschlossen wurde, äußerte `Abdu'l-Bahá: »Friede, Friede! Die Lippen der Mächtigen und der Völker bekennen ihn unaufhörlich, während das Feuer ungestillten Hasses noch immer in ihren Herzen schwelt.« Und 1920 schrieb Er: »Die Übel, unter denen die Welt jetzt leidet, werden sich vervielfachen; die Finsternis, welche sie umhüllt, wird sich vertiefen.« Und wiederum: »Ein neuer Krieg, grausamer als der letzte, wird mit Sicherheit ausbrechen.« Als dieser Zweite Weltkrieg 1939 ausbrach, nannte ihn Shoghi Effendi einen »Orkan von nie dagewesener Gewalttätigkeit« und den »großen und mächtigen Sturm Gottes, der bis in die entlegensten und friedlichsten Gebiete der Erde vordringt.« Nach Beendigung auch dieses Krieges und nach Gründung der Vereinten Nationen schrieb der Hüter 1948 vorausahnend von »noch heftigeren Erschütterungen« und erwähnte die »Vorboten eines weiteren Konflikts«, dazu bestimmt, »den internationalen Horizont zu verdunkeln.« Und schließlich hinterließ er der Nachwelt in seiner letzten Ridván-Botschaft vom April 1957 folgende Analyse des Weltzustandes im Lichte der in den Schriften des Glaubens enthaltenen Prophezeiungen und Voraussagen:

»Und wirklich, wenn wir etwas weiter als bis zur allerjüngsten Vergangenheit zurückblicken und - wenn auch nur flüchtig - die wechselvollen Geschicke an uns vorüberziehen lassen, welche eine zunehmend stärker gepeinigte Gesellschaft betroffen haben, und wenn wir uns die Mühsale und Nöte in Erinnerung rufen, denen das Gebäude einer sterbenden Ordnung mehr und mehr unterworfen wurde, können wir nur staunend den scharfen Gegensatz betrachten, der sich uns darbietet: einerseits die zahlreichen Beweise für die folgerichtige Entfaltung einer administrativen Ordnung, die zum Vorboten einer Weltzivilisation bestimmt ist, und die ununterbrochene Vermehrung ihrer Einrichtungen - andererseits die unheilverkündenden Beweise von akutem politischem Konflikt, von sozialer Unruhe, rassischer Feindseligkeit, Klassenhaß, Unsittlichkeit und Irreligiosität, die unmißverständlich den Verfall und das Veralten einer bankrotten Ordnung dartun.

Vor dem Hintergrund dieser schrecklichen Unruhen - der Drangsal und Pein eines sich in Geburtswehen windenden Zeitalters - tun wir gut daran, die unheilschweren Prophezeiungen zu erwägen, die der Begründer unseres Glaubens vor fast achtzig Jahren gegeben, sowie die düsteren Prognosen, die der nichtirrende Ausleger Seiner Lehren gemacht hat, welche allesamt einen weltweiten Umsturz erwarten lassen, und zwar von einer Größenordnung und Intensität, wie ihn die Menschheit noch nie erlebt hat.

Der stürmische Umsturz des Gleichgewichts der Welt, das Zittern, das die Glieder der Menschheit befallen wird, die radikale Umgestaltung der menschlichen Gesellschaft, die Auflösung der gegenwärtigen Ordnung, die grundlegenden Veränderungen im Aufbau der Regierungen, die Schwächung der Tragpfeiler der Religion, das Entstehen von Diktaturen, die Ausbreitung von Tyrannei, der Sturz von Monarchien, der Niedergang kirchlicher Institutionen, das Anwachsen von Anarchie und Chaos, die Ausdehnung und Festigung linksgerichteter Bewegungen, das Auflodern des schwelenden Rassenhaders, die Entwicklung höllischer Kriegsmaschinen, das Niederbrennen von Städten, die Verunreinigung der Erdatmosphäre - all dies sind weithin sichtbare Zeichen und Menetekel, die das Gericht entweder ankünden oder begleiten, welches - wie von Ihm, dem Richter und Erlöser der Menschheit, verordnet - früher oder später eine Gesellschaft treffen muß, die zum allergrößten Teil und über mehr als ein Jahrhundert hinweg für die Stimme des Gottesboten an diesem Tag taube Ohren hatte - eine Katastrophe, die das Menschengeschlecht von dem Auswurf seiner jahrhundertelangen Verderbtheit läutern und seine Glieder zu einer festverknüpften, weltumspannenden Bruderschaft zusammenschweißen muß...«

So sehen wir, wie der göttliche Arzt beides ist, der »Richter« der Menschheit und ihr »Erlöser«.

Dieser gleiche Arzt schrieb an Seine Anhänger, die »Geliebten des einen wahren Gottes«: »Laßt ab von den Angelegenheiten dieser Welt und allem, was dazu gehört, und nehmt nicht teil an der Tätigkeit jener, die äußerlich ihre Führer sind. Der eine, wahre Gott - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - hat die Herrschaft auf Erden den Königen übertragen. Niemand hat das Recht, den wohlerwogenen Absichten derer, die Amtsgewalt besitzen, auch nur im geringsten entgegenzuwirken.«

In einem anderen Sendschreiben verpflichtete Er Seine Anhänger dazu, sich, »wo immer sie wohnen, der Regierung des Landes als treu, ehrbar und wahrhaftig zu erweisen.« `Abdu'l-Bahá hat den gleichen Grundsatz bestätigt. Auf Seiner Amerikareise erklärte Er: »Um eine bessere soziale Ordnung und bessere wirtschaftliche Verhältnisse zu erreichen, ist Treue gegenüber den Gesetzen und Prinzipien der Regierung eine Notwendigkeit - dies ist das Wesensmerkmal des Bahá'í-Geistes.« Und in einem Brief bezieht Er sich auf den »unumstößlichen Befehl, den die Gesegnete Vollkommenheit« in Seinen Sendschreiben »gegeben hat«, nämlich, »daß die Gläubigen den Herrschern mit äußerster Aufrichtigkeit und Treue gehorchen müssen; Er hat ihnen (den Gläubigen) verboten, sich überhaupt in politische Fragen einzumischen. Er hat den Gläubigen sogar untersagt, politische Angelegenheiten zu diskutieren.«

Und schließlich schrieb Er in Seinem Willen und Testament: »Wir müssen der Regierung des Landes gehorchen und ihr wohlgesonnen sein. ...«

Wir wurden auch gebeten, Ihnen an dieser Stelle die beiden folgenden Auszüge aus Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit mitzuteilen. Es steht zu hoffen, daß diese Ihnen helfen werden, die bedeutende und lebenswichtige Rolle anzuerkennen, die die Bahá'í in der heutigen Welt übernehmen können und müssen:

»Shoghi Effendi hat uns gesagt, daß in der Welt zwei große Prozesse nebeneinander herlaufen: zum einen der große Plan Gottes, der sich in seiner Entfaltung mächtig unter der ganzen Menschheit auswirkt, Schranken vor der Einheit der Welt niederreißt und die Menschheit durch das Feuer des Leides und der Erfahrung zu einem vereinten Körper zusammenschmiedet. Dieser Vorgang wird zur festgesetzten Stunde Gottes den Geringeren Frieden, die politische Vereinigung der Welt, herbeiführen. Zu diesem Zeitpunkt kann die Menschheit mit einem Organismus verglichen werden, der zwar vereint, aber ohne Leben ist. Der zweite Prozeß - das Einhauchen des Lebens in diesen vereinten Organismus, also die Schaffung wahrer Einheit und Geistigkeit, die im Größten Frieden gipfelt - ist die Aufgabe der Bahá'í, die ganz bewußt, mit ausführlichen Anweisungen und unter ständiger göttlicher Führung daran arbeiten, den Bau des Königreichs Gottes auf Erden zu errichten, in den sie ihre Mitmenschen einladen und ihnen so ewiges Leben verleihen.

Die Entfaltung des Größeren Planes Gottes vollzieht sich auf geheimnisvollen Wegen, die allein Seiner Steuerung unterliegen; doch der Kleinere Plan, den Er uns zur Ausführung gegeben hat als unseren Beitrag zu Seinem großen Entwurf für die Erlösung der Menschheit, ist klar umrissen. Diesem Dienst müssen wir uns mit allen Kräften widmen, denn es gibt sonst niemanden, der ihn tut.«

Den Bahá'í wird oft vorgeworfen, daß sie sich von den »wirklichen Problemen« ihrer Mitmenschen fernhalten. Aber wenn wir diesen Vorwurf hören, sollten wir nicht übersehen, daß er meist von idealistischen Materialisten erhoben wird, für die die materiellen Güter die einzig »wirklichen« Güter sind. Wir dagegen wissen, daß das Wirken der materiellen Welt nur eine Widerspiegelung geistiger Zustände ist, und solange diese geistigen Bedingungen nicht geändert werden können, gibt es keine dauerhafte Verbesserung der materiellen Angelegenheiten.

Wir sollten auch bedenken, daß die meisten Leute keine klare Vorstellung haben, was für eine Art von Welt sie sich wünschen und wie sie diese aufbauen wollen. Daher sind sogar die, denen es um die Verbesserung der Weltzustände geht, gezwungen, gegen jedes auftretende Übel zu kämpfen, auf das sie gerade aufmerksam werden. Somit ist die Bereitschaft, gegen Übel anzukämpfen - sei es gegen Zustände oder Menschen - weithin zum Prüfstein für die Beurteilung des moralischen Wertes eines Menschen geworden. Die Bahá'í jedoch kennen das Ziel, für das sie arbeiten, und wissen, was sie tun müssen, um es schrittweise zu erreichen. Ihre ganze Energie ist auf die Errichtung des Guten gerichtet, eines Guten, das eine solche positive Kraft besitzt, daß die Vielzahl von Übeln - die ihrem Wesen nach negativ sind - davor verblassen und völlig verschwinden werden. Sich in das törichte Gefecht einzulassen, die Übel dieser Welt eins nach dem andern zerschmettern zu wollen, ist für einen Bahá'í eine nutzlose Vergeudung von Zeit und Mühe. Sein ganzes Leben ist darauf ausgerichtet, die Botschaft Bahá'u'lláhs zu verkünden, das geistige Leben seiner Mitmenschen neu zu beleben und sie in einer gottgeschaffenen Weltordnung zusammenzuführen. In dem Maße, wie diese Ordnung dann an Kraft und Einfluß gewinnt, wird er erkennen, wie die Macht dieser Botschaft die ganze menschliche Gesellschaft verwandelt, nach und nach die Probleme löst und die Ungerechtigkeiten beseitigt, die die Welt so lange gequält haben.

Sie haben gefragt, ob es möglich ist, einen Weltbundesstaat zu haben, solange nicht alle Länder ihre Unabhängigkeit besitzen. Die Antwort heißt: Nein. `Abdu'l-Bahá und Shoghi Effendi haben beide den Vergleich gezogen zwischen der Entstehung der Vereinigten Staaten - der Vereinigung der »unterschiedlichen und lose verbundenen Teilstaaten« ihrer »geteilten« Gemeinschaft zu einer nationalen Einheit - und der Vereinigung der Welt als Eingliederung ihrer föderativ zusammengeschlossenen Einzelstaaten in »ein einheitliches System«. Ebenso wie die amerikanische Verfassung es keinem Einzelstaat erlaubt, größere Unabhängigkeit zu haben als ein anderer, müssen auch die Nationen der Welt einen einheitlichen Status in einem Weltbundesstaat erhalten, wie immer dieser auch beschaffen sei. Einer der von `Abdu'l-Bahá vorausgesehenen »Lichtstrahlen« der Einheit ist denn auch die »Einheit in Freiheit«.

Eine andere Frage ist jedoch, ob es moralisch vertretbar ist zu schweigen, wenn die Gleichheit mißbraucht wird. Der geliebte Hüter hat uns in Briefen, die in seinem Auftrage geschrieben wurden, die folgenden Richtlinien gegeben. «So sehr die Freunde sich hüten müssen, jemals den Anschein zu erwecken, als wollten sie sich oder den Glauben mit einer politischen Partei identifizieren, müssen sie sich auch vor dem anderen Extrem hüten, niemals mit anderen fortschrittlichen Gruppen zusammenarbeiten zu wollen, etwa in Konferenzen oder Komitees zur Förderung von Aktivitäten, die völlig mit unseren Lehren übereinstimmen, wie zum Beispiel für die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Rassen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hofft, daß Sie und Ihre Bahá'í-Mitstreiter in jenem Land sich in die Lehren Bahá'u'lláhs vertiefen, sich bemühen, in Ihrer persönlichen Lebensführung den von Ihm gesetzten hohen Maßstäben zu folgen, die Menge der Menschen zum strahlenden Glanz Seines ruhmreichen Glaubens hinziehen und ihnen die Fähigkeit einflößen werden, an den Flammen jenes unlöschbaren Feuers, welches »in der Welt der Schöpfung lodert und tost«, ihre Herzen zu erwärmen und ihre Seelen zu entflammen.

Wir sind vom Universalen Haus der Gerechtigkeit gebeten worden, Sie seiner Gebete für Sie in den Heiligen Schreinen zu versichern.





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31. August 1976 - Bahá'í-Kindererziehung

Eines der Ziele des Fünfjahresplanes für bestimmte Nationale Geistige Räte ist die Förderung der Bahá'í-Erziehung von Kindern. Aber diese Aufgabe ist von grundlegendem Interesse für Bahá'í in allen Ländern, nicht nur für jene, die dem Plan gemäß spezielle Ziele erfüllen sollen.

Auf unsere Bitte hin hat die Forschungsabteilung des Weltzentrums diese Zusammenstellung (Ziele der Kindererziehung, Hofheim-Langenhain 1979, 21990) von Bahá'í-Lehren über das Thema Bahá'í-Erziehung für die Freunde in aller Welt vorbereitet zum Studium und zur Verwirklichung, soweit es die Umstände erlauben. Der Hauptteil der Sammlung umfaßt Auszüge aus Tablets oder anderen authentischen Schriften. Der Anhang erhält zusätzlich Auszüge aus Ansprachen von `Abdu'l-Bahá, wie sie in »Star of the West« und »The Promulgation of Universal Peace« aufgezeichnet sind. Wir hoffen, daß es in Zukunft möglich sein wird, diese wohlbekannten Ansprachen durch beglaubigte Übersetzungen der Reden aus der Originalsprache bestätigt zu finden, aber bis dahin können die Freunde sie in ihrer jetzigen Form als Bezugsquellen und zum Studium benutzen. Es steht Ihnen frei, diese Zusammenstellung den Gläubigen Ihres Jurisdiktionsbereiches ganz oder teilweise zugänglich zu machen, in der Form, die Ihnen am geeignetsten erscheint.

In einem Brief vom 7. Juni 1939 im Auftrage des Hüters an einen Gläubigen heißt es:

»... die Lehren Bahá'u'lláhs und `Abdu'l-Bahás stellen kein abgeschlossenes und ausführliches Erziehungssystem dar, sondern legen nur bestimmte Grundprinzipien dar und heben eine Reihe von Erziehungsidealen hervor, die als Leitlinie für künftige Bahá'í-Erziehungswissenschaftler gelten sollen in ihrem Bemühen, einen angemessenen Gesamtlehrplan zu entwickeln, der sich in völliger Übereinstimmung mit dem Geist der Bahá'í-Lehren befindet und den Erfordernissen dieses neuen Zeitalters gerecht wird.

Diese Grundprinzipien finden sich in den Heiligen Schriften des Glaubens. Sie sollten sorgfältig studiert und allmählich in verschiedene Studien- und Universitätsprogramme übernommen werden. Aber die Aufgabe, ein vollständiges Erziehungssystem auszuarbeiten, das offiziell vom Glauben anerkannt und innerhalb der Bahá'í-Welt verbindlich würde, kann aus naheliegenden Gründen von der gegenwärtigen Generation der Gläubigen nicht bewältigt, sondern muß nach und nach von Bahá'í-Gelehrten und Erziehungswissenschaftlern der Zukunft gelöst werden.«

Beim Lesen der Zusammenstellung sollten die Freunde diese Erklärung im Auge behalten und nicht etwas als allumfassende Anweisung auslegen, was vielleicht in Wirklichkeit nur als Beispiel für vorteilhaftes Handeln in einer bestimmten Situation dienen soll. So beziehen sich beispielsweise die Zitate aus den Tablets von `Abdu'l-Bahá und den Briefen von Shoghi Effendi aus den frühen Jahren seiner Hüterschaft auf die persischen Bahá'í, deren Gemeinde damals trotz der Unterdrückungen zahlenmäßig schon groß war und in einem gesellschaftlichen Umfeld lebte, wo die schulische Erziehung noch in den Anfängen steckte und nicht weit verbreitet war. Gegenwärtig gibt es in den meisten Ländern die allgemeine Schulpflicht, und staatliche Erziehungssysteme sind weitverbreitet und sorgen für eine materielle Erziehung. Deshalb müssen die Kräfte und Mittel des Glaubens hier auf die geistige und moralische Erziehung unserer Kinder konzentriert werden und in Gebieten der Massenlehrarbeit, in denen das Analphabetentum noch vorherrscht, auf die Einrichtung von Grundschulen und Nachhilfeunterricht. Auch müssen die verschiedenen Auszüge im Zusammenhang mit dem Ganzen gelesen werden.

Die richtige Erziehung der Kinder ist von lebenswichtiger Bedeutung für den Fortschritt der Menschheit. Das Kernstück und die wichtigste Grundlage aller Erziehung ist die geistige und moralische Ausbildung. Wenn wir unsere Mitmenschen die Wahrheiten des Bahá'í-Glaubens und die entsprechende Lebensführung lehren, müssen wir gegen Gleichgültigkeit, Materialismus, Aberglauben und eine Vielzahl irriger Vorstellungen ankämpfen. Aber in unseren neugeborenen Kindern werden uns reine Seelen geschenkt, die durch die Welt noch nicht getrübt sind. Wenn sie heranwachsen, werden sie unzähligen Prüfungen und Schwierigkeiten ausgesetzt sein. Wir haben die Pflicht, sie von den ersten Augenblicken an zu erziehen, und zwar geistig und materiell in der Weise, die Gott vorgezeigt hat, damit sie als Erwachsene Bannerträger Seines Glaubens werden, geistig und moralisch aus der Menschheit herausragen und, allen Prüfungen gewachsen, »Sterne am Himmel des Verstehens« werden und »sanftfließende Wasser, von denen das wahre Leben aller Menschen abhängt«.

Wir beten an der Heiligen Schwelle, daß die Edelsteine göttlicher Führung, die in dieser Zusammenstellung enthalten sind, Mittel und Quelle der Inspiration für Bahá'í-Eltern, Lehrer und Geistige Räte auf der ganzen Welt und ein Segen für die nachfolgenden Generationen sein mögen.





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10. Oktober 1976 - Besuch des Königs Malietoa Tanumafili II. am Grab des Hüters in London

Mit Gefühlen übergroßer Freude teilen (wir den) Bahá'í-Gemeinden (auf) allen Kontinenten (die) frohe Botschaft (vom) ersten Besuch (eines) regierenden Bahá'í Königs am Grab (des) geliebten Shoghi Effendi fast 19 Jahre nach seinem Hinscheiden mit. Seine Hoheit Malietoa Tanumafili II. von West-Samoa erlangte während seines kürzlichen London-Besuches diese unschätzbare Gnade. Seine Hoheit, begleitet von (einer) kleinen Delegation (von) Freunden unter der Führung von Hand (der) Sache Giachery einschließlich Hände (der) Sache Khadem, Varqa und fünf Mitgliedern - (Eine spätere Information bestätigte, daß 6 Mitglieder des Nationalen Rates anwesend waren. Der Besuch fand am 12. September 1976 statt.) - (des) Nationalen Rates (des) Vereinigten Königreichs, begab (sich zum) Friedhof und nahm teil an tief bewegendem, höchst würdevollem Besuch (am) Grab (des) Zeichens Gottes auf Erden, dessen lebenslanges, heldenhaftes Wirken (die) weltweite Verbreitung (des) glorreichen Glaubens Bahá'u'lláhs erreichte. Nach Gebet, Andacht und (dem) Ausdruck (der) Würdigung und Dankbarkeit durch Seine Hoheit kam er mit strahlendem Geist zu einer großen Versammlung von Freunden, (die sich) in der Nähe der Grabstätte zusammengefunden (hatten), um ihn willkommen zu heißen, und denen er Grüße seiner Mitgläubigen Bahá'í (aus) Samoa übermittelte und seiner Hoffnung Ausdruck gab, (daß der) Glaube auf der ganzen Welt kraftvoll wachsen (möge). Im Heiligen Land trafen gleichzeitig mit diesem Ereignis (die) Hände (der) Sache, andere Mitglieder (des) Internationalen Lehrzentrums und (die) Mitglieder des Hauses der Gerechtigkeit zu (einem) besonderen Besuch in Bahjí zusammen, wo inbrünstige Gebete (an der) Heiligen Schwelle (im) Heiligsten Schrein dargebracht wurden in Dankbarkeit (für diese) hochbedeutsame Entwicklung, die (die) Einleitung darstellt zur Erfüllung (des) lange gehegten Wunsches `Abdu'l-Bahás und Shoghi Effendis, Zeuge (zu sein, wie) Könige als Pilger an (den) Heiligen Schreinen (der) Gründer unseres Glaubens im geistigen Herzen (unseres) Planeten demütig ihren Tribut zollen. Beten inbrünstig, diese frohe Botschaft (möge die) Träger (des) Größten Namens in jedem Land (in ihrem) Entschluß stärken, ihre Anstrengungen zu verdoppeln (und) voranzudrängen, wie schwierig die Aufgabe auch sei, wie scheinbar unüberwindbar die Hindernisse (auch) erscheinen, bis jedes Ziel (des) weltweiten Planes schnell und ganz erreicht ist.





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19. Dezember 1976 - Ruf nach Reiselehrern - jung und alt

Jetzt, da wir die Halbzeit des Fünfjahresplanes überschritten haben und die Entwicklungsprozesse, die dieser Plan auf jedem Kontinent eingeleitet hat, durch die Gnade der Gesegneten Schönheit an Schwungkraft gewinnen, beobachten wir fast täglich mit Ehrfurcht und Bewunderung, wie überreich die Segnungen sind, welche die Anstrengungen der ergebenen Gläubigen begleiten, die Seine göttliche Botschaft mit Ergebenheit, Begeisterung und Beharrlichkeit verbreiten, und wie unendlich weitgespannt und herausfordernd die Möglichkeiten für die Zukunft sind.

Zu den Aktivitäten, die im nationalen wie auch im internationalen Rahmen größere Aufmerksamkeit erfordern, gehört die Entsendung von Reiselehrern an Orte, die Festigung und Ermutigung benötigen. Lehrprojekte von kurzer Dauer, die sich über ein paar Tage oder ein bis zwei Wochen erstrecken, sind selbstverständlich von Wert; doch ist jetzt die Zeit für langfristige Lehrprojekte gekommen, die auf drei bis sechs Monate oder eventuell noch länger anzusetzen sind, wie es der Fünfjahresplan vorsieht. Solche Projekte müssen auf allen Kontinenten mit größerem Nachdruck verfolgt werden, damit diese Lehrreisen zu dauerhafteren Erfolgen führen, damit die zu Beginn des Planes erwartete reiche Ernte Wirklichkeit wird und auf die ergebenen Arbeiter in Seinem göttlichen Weinberg unschätzbare Wohltaten herabregnen mögen.

Wir hoffen, daß diejenigen, die sich aufmachen werden, sich größtenteils selbst unterhalten können oder von Privatfonds unterstützt werden, und daß die Fonds des Glaubens, die auf nationaler Ebene für Vorhaben im Ausland eingerichtet wurden, nur dann in Anspruch genommen werden, wenn der betreffende Reiselehrer als wirklich geeignet angesehen werden kann und ihm keine andere Geldquelle zur Verfügung steht.

Wir hoffen auch, daß diejenigen Nationalen Räte, deren Planzuweisungen internationale Reiselehrprojekte enthalten, einen besonderen Aufruf an die Freunde ihres Rechtsbereiches richten und sie auffordern werden, diese neue Herausforderung anzunehmen. Wenn dieser dringende Aufruf, der an alle Gläubigen in jedem Land ergeht, von denen, deren persönliche Umstände es erlauben, schnell und mit Begeisterung beantwortet wird, werden bei der Erfüllung der bisher schlimm vernachlässigten Lehrziele des Planes große Fortschritte gemacht werden. Die Jugend kann durch ihren schöpferischen Erfindungsreichtum und energischen Einsatz die zu leistende Arbeit wirkungsvoll voranbringen, und die Gläubigen der fortgeschrittenen Altersgruppen können beim Erreichen der Ziele ihren wertvollen Schatz an Erfahrung, Wissen und Weisheit einbringrn.

Wir beten oft an den Heiligen Schreinen um die unendlichen Segnungen der Schönheit Abhá, damit jeder Schritt gestärkt wird, den Sie zur Festigung und Ausbreitung der Grundlagen des Glaubens in den Ihrer Obhut anvertrauten Gebieten unternehmen.





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3. März 1977 - Das Lehren der Sache Gottes - Fundament aller Bahá'í-Tätigkeit

Der Eckstein für das Fundament aller Bahá'í-Tätigkeit ist, die Sache zu lehren. `Abdu'l-Bahá hat in Seinem Willen und Testament ausdrücklich erklärt, daß »die Führung der Völker und Nationen der Welt das allerwichtigste« und daß »von allen Gaben Gottes die größte die des Lehrens« ist.

Die Freunde kennen auch alle mehr oder weniger gut die in den Schriften unseres Glaubens oft wiederholte Mahnung, daß göttliche Bestätigungen vom aktiven Lehren abhängen. Mit den Worten des geliebten Meisters: »Der unsichtbare göttliche Beistand umgibt den, der die Botschaft weitergibt.« Er sagt ferner: »... wird das Werk, die Botschaft weiterzugeben, vernachlässigt, so wird der Beistand völlig versagt. Denn die Freunde Gottes können unmöglich Hilfe empfangen, wenn sie sich nicht mühen, die Botschaft zu überbringen.«

Zwar sind sich die Freunde im allgemeinen der lebenswichtigen Bedeutung des Lehrens bewußt; doch fehlt vielen beim Gedanken an ihre Schwächen zumeist das Zutrauen. Sie glauben, nicht zu wissen, welche Schritte zu tun sind und wie sie ihre Bemühungen zu einem erfolgreichen Ende bringen sollen. Da wir in solch grundlegenden Fragen bei den Schriften unseres Glaubens Führung erhalten, haben wir die Forschungsabteilung um eine Zusammenstellung von Texten zu diesem Thema gebeten. Diese Zusammenstellung liegt jetzt vor (Über das Lehren, Hofheim-Langenhain 1979); eine Kopie ist beigefügt.

Ein Studium dieser Textsammlung wird die Freunde ermutigen und ihnen Aufschluß geben über allgemeine Richtlinien, die sie beim Lehren befolgen sollten. Viele werden, wenn sie die Zusammenstellung lesen, begeistert sein, ihre Ängste, Zweifel und ihr Unzulänglichkeitsgefühl ablegen, sich erheben und freimütig die frohen Botschaften des Königreichs ihren Mitmenschen verkünden; viele andere werden jedoch weiterhin liebevoller Erziehung und eingehender Führung durch die Institutionen des Glaubens bedürfen, dazu geduldigen, weisen Ansporns, bevor sie sich zur Tat erheben. Nun ist der Hauptzweck, zu dem die örtlichen Geistigen Räte eingesetzt wurden, die Förderung der Lehrarbeit. Daraus ergibt sich, daß jeder Nationale Geistige Rat sorgfältig Wege und Mittel erwägen muß, um auch den letzten örtlichen Geistigen Rat seines Rechtsbereichs zu ermutigen, diese seine Hauptpflicht zu erfüllen. Zum Beispiel können örtliche Räte aufgefordert werden, besondere Zusammenkünfte zu organisieren, in denen Texte, wie die hier zusammengestellten, studiert werden. Auch ist es wichtig, daß Geistige Räte den Freunden an ihrem Ort Erfolgsberichte aus der Lehrarbeit anderer Freunde zugehen lassen, außerdem Beschreibungen erfolgreicher, als nützlich empfundener Darlegungen, Beispiele verschiedener Möglichkeiten, ein Bahá'í-Thema für Sucher darzustellen, Erläuterungen der Methoden, die es den Gläubigen gestatten, die Nöte der Gesellschaft mit unseren Lehren in Beziehung zu setzen.

Solche Informationen und Vorschläge können den Freunden bei den Neunzehntagefesten, durch ein örtliches Mitteilungsblatt oder auf jede andere Weise, die einem örtlichen Rat zu Gebote steht, gegeben werden. Bei all diesen Kontakten mit den Gläubigen sollte jeder Geistige Rat den Freunden einschärfen, welch einmalige, unersetzliche Rolle der einzelne bei der Durchführung einer jeden Bahá'í-Unternehmung spielt. Dazu sollten den Freunden immer wieder Zitate aus den Schriften, wie beispielsweise folgender Abschnitt aus einem Brief Shoghi Effendis, vor Augen geführt und erklärt werden:

»Er (der einzelne) verkörpert Kette und Schluß, von denen Qualität und Muster des ganzen Gewebes abhängen. Er wirkt als eines der zahllosen Glieder in der mächtigen Kette, die jetzt den Erdball umspannt. Er dient als einer in der Menge der Bausteine, die das feste Gefüge der Verwaltungsordnung, welche jetzt in jedem Teil der Welt errichtet wird, tragen und ihre Standsicherheit gewährleisten. Ohne seine rückhaltlose, anhaltende und großzügige Unterstützung ist jede Maßnahme, die das nationale Organ der Gemeinschaft, der er angehört, ergreift, und jeder Plan, den es ausarbeitet, zum Scheitern verurteilt. Ja, sogar das Weltzentrum des Glaubens ist gelähmt, wenn ihm diese Unterstützung durch die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft vorenthalten wird. Der Urheber des Göttlichen Planes selbst wird in Seiner Absicht behindert, wenn es an den geeigneten Instrumenten zur Ausführung Seines Entwurfes fehlt. Die erhaltende Kraft Bahá'u'lláhs, des Stifters des Bahá'í-Glaubens, wird jedem einzelnen Gläubigen entzogen werden, der es auf die Dauer versäumt, sich zu erheben und die ihm zugewiesene Rolle zu spielen.«

Wenn die Freunde erkennen, daß die Heerscharen des Königreichs darauf warten, voranzustürmen und sie zu unterstützen, daß andere aus ihren eigenen Reihen sich erhoben und Erfolg hatten, daß jeder eine wirkungsvolle Lehrmethode finden kann, die seinen besonderen Fähigkeiten und Talenten entspricht, dann werden sie sich ohne Zweifel mit größtem Selbstvertrauen erheben und den ersten Schritt tun. Und dieser wird, wie wir wissen, vom Himmel droben geführt und unterstützt; denn allein schon das Bemühen, dem Rufe Gottes zu folgen, zieht göttliche Segnungen ohne Zahl nach sich.

Es ist die Hoffnung und das Gebet des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, daß jeder Nationale Geistige Rat sein möglichstes tut, um die Freunde ständig zu ermutigen, daß sie teilhaben an dem, was Shoghi Effendi »die bedeutendste, die dringendste all unserer Verpflichtungen« nennt und was »die beherrschende Leidenschaft unseres Lebens« sein muß, und daß sie dem Beispiel der Apostel Christi folgen, die, wie `Abdu'l-Bahá bezeugte, »sich selbst und alles Irdische vergaßen, all ihrer Sorge und Habe entsagten, sich reinigten vom Selbst und von der Leidenschaft ... bis sie schließlich aus dieser Welt eine andere Welt machten, das Erdenrund erleuchteten und bis zu ihrer letzten Stunde ihre Selbstaufopferung auf dem Pfade jenes Geliebten Gottes bewiesen... Laßt alle, die Menschen der Tat sind, ihren Spuren folgen!«





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24. März 1977 - Bemerkenswerte Ereignisse und Leistungen im mittleren Jahr des Fünfjahresplanes

(Wir) freuen (uns über) bemerkenswerte Ereignisse und Leistungen, (die das) mittlere Jahr (des) Fünfjahresplanes kennzeichnen:

1. Veröffentlichung (einer) Auswahl (von) Schriften (des) gesegneten Báb in Englisch, (die vor den) Augen (der) westlichen Anhänger (des) Glaubens einen kostbaren Schatz Seiner unvergänglichen Worte ausbreitet, eine Gabe, die sicherlich (die) Herzen (dem) jugendlichen Märtyrer-Propheten immer näher kommen läßt.

2. Erfolgreiche Veranstaltung (von) acht Internationalen Konferenzen, die (den) Namen (der) Sache Gottes einer aufnahmebereiten Öffentlichkeit laut verkündeten, (die) Bande zwischen den Freunden aller Länder noch enger knüpften, (eine) sprunghafte Zunahme von intensiven Lehr- und Pionieraktivitäten zur Folge hatten (und das) Bewußtsein (der) dringenden Herausforderung vermittelten, die (die) Ziele (des) Planes (in) dieser kritischen Zeit bedeuten.

3. (Der) höchst bedeutsame Besuch des Grabmals (des) geliebten Hüters durch (den) ersten regierenden König, (der den) Glauben Bahá'u'lláhs angenommen hat.

4. (Der) Auszug (der) früheren Bewohner (aus dem) Hause `Abdu'lláh Pashás, (der es dem) Glauben ermöglichte, (diesen) vor kurzem erworbenen heiligen Ort in Besitz zu nehmen, mit (der) Restauration zu beginnen (und) Vorbereitungen (für seine) Öffnung (für) Pilgerbesuche zu treffen.

5. Ankunft (der) ersten vier Marmorlieferungen (in) Haifa und (der) eigentliche Baubeginn (des) Sitzes (des) Universalen Hauses (der) Gerechtigkeit (auf dem) Berge Karmel.

6. Ernennung dreier zusätzlicher Berater (für) Nord- (und) Mittelamerika (sowie) Australien.

7. Erfüllung (des) Zieles (der) Niederlassung (eines) Großteils (der) Pioniere (in der) Mitte (des) Planes, für die in (der) ersten Phase aufgerufen (worden war), begleitet (von einem) großen Strom internationaler Reiselehrer.

8. Dramatisches Aufleben (der) Lehrarbeit (in der) Wiege (des) Glaubens durch (die) einzelnen Gläubigen im Rahmen örtlicher Pläne.

9. Schließlich (die) Wahl (von) sechs neuen Pfeilern (des) Universalen Hauses der Gerechtigkeit (an) diesem Ridván-Fest, (nämlich die der) Nationalen Geistigen Räte von Obervolta in Afrika, der französischen Antillen in der Karibik, von Surinam und Französisch-Guayana in Südamerika, der Marshall-Inseln und der Neuen Hebriden im Pazifik und von Griechenland in Europa, wodurch (die) Gesamtzahl (der) Nationalen Geistigen Räte, die an Ridván 1978 an (der) vierten Wahl (des) Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Heiligen Land teilnehmen (werden), auf 123 steigt.

(Die) Nationaltagungen 1978 werden am Wochenende vor oder nach (dem) 23. Mai, (dem) Fest (der) Erklärung (des) Báb stattfinden. (Wir) rufen auf zur Bildung von sechs weiteren Nationalen Geistigen Räten bis zu diesem Zeitpunkt: Burundi und Mauretanien in Afrika, die Bahamas in Amerika, Oman und Qatar in Asien und die Marianischen Inseln im Pazifischen Ozean.

(Die) derzeitige Wachstumsrate (der) Gemeinde, (die) Aussicht (auf eine) Beschleunigung (des) Prozesses (der) Erklärung (ganzer) Gruppen (und die) Ausbreitung (in) neuen Gebieten zwingt uns, die Hilfsämter, deren Dienste (für die) gesunde Entwicklung (der) Gemeinde so lebenswichtig (sind), noch mehr (zu) stärken. (Wir) geben Ermächtigung bekannt, (die) Mitgliederzahl (der) Hilfsämter um 297 (zu) erhöhen, (wodurch die) Gesamtzahl auf 675 steigt, von denen 279 Hilfsamtsmitglieder für (den) Schutz und 396 für (die) Verbreitung des Glaubens sind.

Anfang Juni 1877 verließ Bahá'u'lláh (die) Stadt `Akká und schlug (Seinen) Wohnsitz in Mazra`ih auf. Um (den) hundertsten Jahrestag (dieser) Beendigung (der) Haft (der) Altehrwürdigen Schönheit in (den) Mauern (der) Gefängnisstadt hervorzuheben, rufen wir Seine Anhänger (in) allen Ländern auf, (das) Neunzehntagefest »Núr« (dem) Gedenken (dieses) historischen Ereignisses zu weihen (und) sich erneut (den) dringlichen Aufgaben, (die) vor ihnen (liegen), zu widmen, so daß angestaute Energien Seines kostbaren Glaubens freigesetzt werden, um (eine) immer größere Anzahl (von) suchenden Seelen in immer weiteren Kreisen ihrer Mitmenschen zu erreichen.

(Die) größte Herausforderung für (die) Anhänger Bahá'u'lláhs (während der) letzten zwei Jahre (des) Planes liegt auf (den) Gebieten (der) Ausbreitung (und) Festigung. (Ein) gewaltiges Anwachsen (der) Dienste (der) einzelnen Gläubigen, von deren Taten letzten Endes aller Fortschritt abhängt, ist notwendig. (Das) Tempo, (das die) internationalen Konferenzen erzeugten, muß unverzüglich (weiter) beschleunigt werden, und (die) freigesetzten geistigen Energien müssen alle Gemeinden durchdringen. (Eine) große Steigerung muß in (der) begeisterten Lehrarbeit stattfinden, (die) mit Vertrauen, Phantasie und Ausdauer von Jung und Alt, Reich und Arm, Gelehrten und Analphabeten zu Hause und auf Reisen durchgeführt (werden muß). Besonders rufen (wir die) Bahá'í-Frauen (auf), deren Fähigkeiten noch in vielen Ländern größtenteils ungenutzt (liegen) und deren Möglichkeiten für (den) Dienst (an der) Sache so groß (sind), sich zu erheben und (die) Wichtigkeit (der) Rolle, die sie auf allen Gebieten (des) Dienstes (im) Glauben spielen müssen, darzutun.

Gnadengaben in Überfülle warten darauf, von (den) himmlischen Heerscharen herabzusteigen. Es ist unsere große Hoffnung und unser inbrünstiges Gebet an (der) Heiligen Schwelle, daß die Freunde Gottes nun mit einem entschlossenen und strahlenden Geist auf jedem Kontinent (und auf den) Inseln der Meere vorwärts preschen werden, um (den) wartenden Seelen die Botschaft Bahá'u'lláhs zu bringen, ihre Ergebenheit (für) Seine Sache zu gewinnen (und dadurch einen) überwältigenden Sieg (des) Planes, auf den sie nun verpflichtet sind, sicherzustellen.





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April 1977 - Ridván-Botschaft an die deutsche Gemeinde

An diesem Ridván-Fest darf sich die deutsche Bahá'í-Gemeinde mit voller Berechtigung freuen, eines der herausforderndsten Ziele, das ihr im Fünfjahresplan zugeteilt war, erreicht zu haben: die Errichtung des Nationalen Geistigen Rates der Bahá'í in Griechenland. Diese neugeborene Tochtergemeinde wird weiterhin Ihrer liebevollen Unterstützung und Ermutigung auch in den kommenden Jahren bedürfen, aber das Erreichen dieses historischen Sieges verleiht der deutschen Bahá'í-Gemeinde zusätzliche geistige Stärke für die Erfüllung der gewaltigen Aufgaben, die ihr noch gestellt sind.

Während Sie beharrlich an der Erfüllung eines jeden Zieles arbeiten, das Ihnen im Plan vorgegeben ist, ... richtet sich doch zu diesem Zeitpunkt, da nur noch zwei Jahre des Planes verbleiben, ihre besondere Sorge auf den Stand der Ziele in Ihrem eigenen Land. Die Erhöhung der Anzahl von Zentren, die dem Glauben erschlossen sind, auf 600 - was bedeutet, daß Sie noch 70 weitere erschließen müssen als Sie im Augenblick haben - und die Erhöhung der Zahl der Geistigen Räte auf 90 - was die Bildung von nicht weniger als 37 Räten in den verbleibenden 2 Jahren erforderlich macht - verlangen die dringende Aufmerksamkeit, den hingebungsvollen Einsatz und das aufopfernde Dienen eines jeden Anhängers Bahá'u'lláhs in Deutschland.

Wir appellieren an die Abgeordneten der Nationaltagung, in all Ihren Beratungen die überragende Bedeutung und dringende Notwendigkeit dieser Ziele vor Augen zu haben, und wir rufen die Freunde Gottes im ganzen Lande auf, die Pläne und Vorhaben des Nationalen Geistigen Rates einig und begeistert zu unterstützen, damit in kürzest möglicher Zeit die Flut der Siege zu steigen beginne, die Einheit der Gemeinde unermeßlich gestärkt werde und immer mehr Menschen dahin geführt werden, daß sie die Sache Bahá'u'lláhs annehmen, nicht nur in den Zielstädten, sondern überall im ganzen Land. Dann wird die deutsche Bahá'í-Gemeinde, wenn das Ende des Fünfjahresplanes herankommt, an Stärke zunehmen und ihre Fähigkeiten so steigern, daß sie mit vermehrtem Schwung in den folgenden Plan hineingeht, der sie eine Stufe weiterbringen wird auf dem Pfade ihrer glorreichen Bestimmung.

Es ist unser innigstes Gebet an der Heiligen Schwelle, daß die geliebten Anhänger Bahá'u'lláhs in Deutschland sich vereint der Forderung dieser kritischen Stunde stellen und einen Sieg gewinnen werden, der die Bewunderung ihrer Mitgläubigen in jedem Kontinent in der Welt hervorrufen wird.





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6. Juli 1977 - Zusammenarbeit zwischen Hilfsamtsmitgliedern und Nationalen und Regionalen Lehrausschüssen

Es hat sich gezeigt, daß der Fortschritt der Lehrarbeit in einigen Gebieten eine engere Zusammenarbeit zwischen Hilfsamtsmitgliedern und Nationalen oder Regionalen Lehrausschüssen verlangt als bisher üblich. Nach Beratungen mit dem Internationalen Lehrzentrum über diese Frage kamen wir zu dem Ergebnis, daß die gegenwärtig vorhandenen institutionellen Möglichkeiten ausreichend sind und daß dort, wo ein Mangel in der Zusammenarbeit empfunden wurde, ein zu wenig umfassender und regelmäßiger Informationsaustausch zwischen den Institutionen die Ursache war.

Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten sollten zwar niemals versuchen, die Arbeit von Ausschüssen zu lenken oder in die administrative Arbeit einzugreifen, die mit den Funktionen in einem Ausschuß verbunden ist; andererseits ist es jedoch von größter Wichtigkeit, daß sie über die Tätigkeiten und Pläne der Ausschüsse und deren Hoffnungen für die Arbeit im jeweiligen Gebiet vollständig informiert sind. Nur dann können die Hilfsamtsmitglieder sicher sein, daß der Dienst, zu dem sie die Gläubigen ermahnen, und die Projekte, zu denen sie sie ermutigen, mit den übergeordneten Plänen und Zielen des Nationalen Geistigen Rates und dessen Ausschüssen im Einklang sind.

Die derzeit bestehenden Richtlinien wurden mit Begründung den Kontinentalen Beraterämtern und allen Nationalen Geistigen Räten in unserem Brief vom 1. Oktober 1969 übermittelt. Eine Kopie dieses Briefes ist beigefügt. Bitte beachten Sie, daß nach diesen Grundsätzen ein direkter und regelmäßiger Informationsaustausch zwischen den Ausschüssen und den Hilfsamtsmitgliedern erlaubt und höchst erwünscht ist. Ferner ist es zu Beginn der Jahresarbeit oder auch im Verlauf eines Jahres, wenn neue Pläne entwickelt werden, oft sehr hilfreich, Beratungen zwischen den Hilfsamtsmitgliedern und den Nationalen oder Regionalen Lehrausschüssen durchzuführen, bevor die neuen Pläne verabschiedet werden.

Wir sind zuversichtlich, daß ein verstärktes Bewußtsein von der Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Pfeilern der administrativen Ordnung und von den vorhandenen Möglichkeiten, diese Zusammenarbeit zu erreichen, zu der dringend nötigen Intensivierung der Lehrarbeit in jedem Land führen wird.





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27. März 1978 - Das Verhältnis zwischen Beraterämtern und den Nationalen Geistigen Räten

Vor kurzem bat ein Gläubiger das Universale Haus der Gerechtigkeit um eine Erläuterung zu einer Darlegung über das Verhältnis zwischen den Beraterämtern und den Nationalen Geistigen Räten, die es in einem seiner Briefe gegeben hatte. Das Haus der Gerechtigkeit beauftragte uns, die folgende Antwort zu übersenden, die nun allen Nationalen Geistigen Räten mitgeteilt wird, weil sie ohne Zweifel für sämtliche Gläubigen von Interesse ist.

Die Feststellung, daß die Beraterämter einen Vorrang haben vor den nationalen Institutionen des Glaubens, bringt eine Reihe von Überlegungen mit sich. Ein Berateramt trägt die besondere Verantwortung für den Schutz und die Verbreitung des Glaubens im Bereich eines ganzen Kontinents, der mehrere nationale Bahá'í-Gemeinden umfaßt. Bei der Durchführung dieser Aufgaben gibt es den Geistigen Räten oder einzelnen Gläubigen weder Befehle noch Anweisungen, aber es besitzt den notwendigen Rang, um sicherstellen zu können, daß es stets richtig informiert wird und daß die Geistigen Räte seine Ratschläge und Empfehlungen gebührend beachten. Das Wesen der Beziehungen zwischen Bahá'í-Institutionen besteht indessen aus liebevoller Beratung und dem gemeinsamen Wunsch, der Sache Gottes zu dienen, es ist nicht so sehr eine Frage des Ranges oder der Stufe.

Aus den Schriften von Bahá'u'lláh und `Abdu'l-Bahá und den Auslegungen durch den Hüter geht klar hervor, daß für das richtige Funktionieren der menschlichen Gesellschaft die Beibehaltung von Rängen und Klassen unverzichtbar ist. Die Freunde sollten dies ohne Neid oder Eifersucht anerkennen, und diejenigen, die einen höheren Rang bekleiden, sollten ihre Position niemals mißbrauchen oder sich für besser halten als andere. Darüber hat Bahá'u'lláh geschrieben:

»Und zu den Reichen der Einheit gehört die Einheit des Ranges und der Stufe. Sie bewirkt die Erhöhung der Sache und ihre Verherrlichung unter allen Völkern. Seit sich das Streben nach Vorrang, nach Auszeichnung verbreitet hat, wurde die Welt verwüstet - ja sie ist trostlos geworden. Wer aus dem Ozean göttlicher Äußerung getrunken und seinen Blick auf das Reich der Herrlichkeit gerichtet hat, sollte sich auf gleicher Ebene und Stufe stehen sehen wie die anderen. Wäre dies fest begründet und würde es durch die Kraft und Macht Gottes zweifelsfrei in Erscheinung treten, dann würde die Welt zum Paradies Abhá werden.

Der Mensch ist wahrhaft edel, denn jeder ist ein Gefäß für das Zeichen Gottes. Es ist jedoch eine schmerzliche Übertretung, wenn sich jemand für überlegen hält an Wissen, Bildung oder Rechtschaffenheit, wenn er sich selbst erhöht oder nach Bevorzugung trachtet. Groß ist die Glückseligkeit derer, die mit dem Schmuck dieser Einheit geziert sind und von Gott gnädiglich bestätigt wurden.«

Ebenso hat Shoghi Effendi die Freunde gewarnt, die in Nationale Geistige Räte gewählt wurden:

»Niemals sollten sie sich zu der Meinung verleiten lassen, sie seien die Haupt-Schmuckstücke am Körper der Sache Gottes, sie seien den anderen wesenhaft überlegen an Fähigkeit und Verdienst und die alleinigen Förderer der Lehren und Prinzipien. Sie sollen in tiefster Demut an ihre Aufgabe herantreten und bestrebt sein, durch ihre Aufgeschlossenheit, ihren hohen Gerechtigkeitssinn, ihr Pflichtbewußtsein, ihre Aufrichtigkeit und Bescheidenheit und ihre völlige Hingabe an die Wohlfahrt und die Interessen der Freunde, an die Sache Gottes und die Menschheit nicht nur das Vertrauen, die echte Unterstützung und Achtung derer zu gewinnen, denen sie dienen, sondern auch ihre Wertschätzung und ihre wirkliche Zuneigung.«

Höflichkeit, Ehrerbietung, Würde, Hochachtung vor dem Rang und den Leistungen anderer sind Tugenden, die zu Harmonie und Wohlergehen jeder Gemeinschaft beitragen; Stolz jedoch und Selbsterhöhung gehören zu den schlimmsten Sünden.

Das Haus der Gerechtigkeit hofft, daß alle Freunde beherzigen werden, daß es das letzte Ziel im Leben jeder Seele sein sollte, geistige Vollendung zu erreichen und das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. Nur Gott kennt die wahre geistige Stufe jeder Seele. Sie ist etwas völlig anderes als die Ränge und Stufen, die Männer und Frauen in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft einnehmen. Jeder, der seinen Blick auf das Ziel richtet, das Wohlgefallen Gottes zu erreichen, wird mit Freude und strahlender Zustimmung jede Arbeit oder Stufe annehmen, die ihm in der Sache Gottes zugeteilt wird, und Ihm frohen Herzens unter allen Umständen dienen.

Zu diesem Thema gibt es viele Stellen in den heiligen Schriften, und das Universale Haus der Gerechtigkeit hofft, daß die vorliegenden Bemerkungen die Freunde veranlassen werden, sich diesen Textstellen zuzuwenden und ihren Sinn zu verstehen.





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April 1978 - Ridván-Botschaft an die Internationale Bahá'í-Tagung

Das Universale Haus der Gerechtigkeit wendet sich mit großer Freude an die Mitglieder der Nationalen Geistigen Räte, die in Gegenwart von Händen der Sache Gottes und Berateramtsmitgliedern aus allen Kontinenten bei dieser vierten Internationalen Tagung im Heiligen Land versammelt sind, um mit Ihnen innezuhalten und nochmals den Verlauf und die Erfordernisse des Fünfjahresplanes zu überblicken, da wir die Schwelle seines letzten Jahres überschreiten.

Am Beginn des Planes standen die begeisterte Antwort der Freunde, ein sorgfältiges Abwägen der Auswirkungen und Erfordernisse des Planes durch die nationalen Institutionen des Glaubens, das Schmieden der Werkzeuge und die Aufstellung von Projekten, um die Ziele zu erreichen, und der oft mühsame Kampf, um das erste seiner drei Hauptziele zu erfüllen: die Sicherung und Festigung aller in früheren Lehrfeldzügen errungenen Siege. Diese Phase dehnte sich in vielen Ländern über viele Monate aus, in anderen dauerte sie bis zur Halbzeit des Planes.

In das mittlere Jahr des Planes fielen die Internationalen Konferenzen und die vielen regionalen und nationalen Tagungen, die gleichzeitig abgehalten wurden und die von den acht Hauptkonferenzen ausströmende Begeisterung nach allen Richtungen an die Freunde weitergaben. All diese Versammlungen beschleunigten die Arbeit sehr und halfen den Gläubigen in der ganzen Welt, ein neues Verständnis der Verantwortung, die den Anhängern des Größten Namens für die geistige Erneuerung ihrer Mitbrüder auferlegt worden ist, zu gewinnen.

Wir sind jetzt beim letzten Abschnitt des Planes angelangt, und diese Tagung beschert uns eine hochwillkommene, günstige Stunde, in welcher wir die gemachten Fortschritte richtig einschätzen und unsere Gedanken auf die vollständige Erfüllung der Ziele richten können.

Von den 130 Nationalen Räten, die im letzten Jahr des Planes tätig sein werden, haben 50 entweder ihre Lehrziele erreicht oder sind nahe daran, sie zu erreichen. Von den verbleibenden 80 Nationalen Räten streben etwa 40 voller Zuversicht voran und können des Sieges gewiß sein, wenn sie ihr gegenwärtiges Tempo in der Lehrarbeit beibehalten. Neun Nationale Geistige Räte sind durch Bedingungen behindert, welche die Erfüllung ihrer Ziele an der Heimatfront von Umständen abhängig machen, die außerhalb ihres Einflusses liegen. Die verbleibenden 30 nationalen Gemeinden sind - leider - ernstlich im Rückstand, und nur durch rastlose und opferbereite Anstrengungen werden sie ihre Ziele noch erreichen können.

Bei dem zweiten der drei Hauptziele des Planes - eine große und weite Verbreitung der Bahá'í-Gemeinde - hat es mächtige, aber geographisch uneinheitliche Fortschritte gegeben. Es bestehen jetzt mehr als 19 000 örtliche Geistige Räte, und die Zahl der Orte, wo Bahá'í leben, liegt über 83 000. Mit dieser Ausbreitung gingen eine Intensivierung der Proklamationsarbeit und die vermehrte Benutzung der Massenmedien wie Rundfunk und Fernsehen einher.

In dem Prozeß der zunehmenden Anerkennung der Sache Gottes und in der Pflege herzlicher Beziehungen zu zivilen Behörden hat es bemerkenswerte Fortschritte gegeben - ein Vorgang von lebenswichtiger Bedeutung in dieser Zeit, da der Widerstand gegen den Glauben von seiten derjenigen zunimmt, die seine wahre Natur und Absicht mißdeuten und über seinen Fortschritt in Angst geraten.

Zu den bedeutendsten Errungenschaften dieses Planes gehören die Fortschritte bei dem dritten Hauptziel - der Entwicklung der kennzeichnenden Wesensart des Bahá'í-Lebens und der Festigung und Stärkung der Bahá'í-Gemeinschaft. Die geliebten Hände der Sache Gottes, die auf so vielen Gebieten der Arbeit für den Glauben in der vordersten Reihe standen, haben auf diesem Feld weitreichende Dienste geleistet.

Die örtlichen Geistigen Räte, Brennpunkte für das Lehren des Glaubens und die Festigung der Gemeinde, nehmen zu an Erfahrung, Reife und Weisheit. Sie erweisen sich als fähige Werkzeuge für die Förderung des Bahá'í-Lebens, und in wachsender Zahl führen sie unter der umfassenden Anleitung ihrer Nationalen Geistigen Räte und mit der Ermutigung und Hilfe der Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten Projekte durch, um Gebiete außerhalb ihres Jurisdiktionsbereiches für den Glauben zu erschließen. Die Arbeit an der weiteren Entwicklung der örtlichen Geistigen Räte ist in der absehbaren Zukunft eine Aufgabe ohne Ende. Mit der stetigen und immer schneller fortschreitenden Ausbreitung der - weltweit noch immer äußerst dünn repräsentierten - Bahá'í-Gemeinde in neue Räume entstehen weiterhin neue Geistige Räte, die geduldige Hilfe und Einübung in ihren heiligen Pflichten benötigen werden.

Durch die hingebungsvolle Opferbereitschaft der Freunde wurden die Bestätigungen Bahá'u'lláhs angezogen und die bis jetzt erzielten wirklich großen Fortschritte erreicht. Die Beweise für dieses Streben zeigen sich in der wachsenden Zahl der nationalen Gemeinden, die unter der klugen Verwaltung und anspornenden Führung ihrer Nationalen Geistigen Räte finanziell unabhängig werden, ferner in der Tatsache, daß immer mehr einzelne Gläubige sich ihre eigenen Ziele setzen und eigene Pläne verfolgen, um dem Fortschritt des Glaubens zu dienen, in der Tatsache, daß im Verlauf des Planes bereits mehr als 2 000 Pioniere ihren Posten bezogen haben, in der starken Zunahme von Lehrreisen einzelner Freunde wie auch ganzer Gruppen, in einem größeren Bewußtwerden der Macht des Gebetes und auf viele andere Weise. In drei lebenswichtigen Bereichen des Bahá'í-Gemeindelebens war in den letzten vier Jahren ein deutlicher Fortschritt zu beobachten: bei den zunehmenden Diensten der Frauen und der Jugendlichen und bei der Bahá'í-Kindererziehung. Die Jugend steht schon seit langem in der vordersten Front der Lehrarbeit, und jetzt sehen wir mit herzlicher Freude, daß auch die Frauen in vielen Ländern, wo ihre Fähigkeiten bisher meist ungenutzt blieben, ihre wertvollen Kräfte in den Dienst des Bahá'í-Gemeindelebens stellen. Auch der Erziehung der Bahá'í-Kinder wird große Aufmerksamkeit geschenkt, was für die künftigen Bahá'í-Generationen Gutes ahnen läßt.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß tätige, liebevolle Zusammenarbeit zwischen den Kontinentalen Beraterämtern und den Nationalen Geistigen Räten den Fortschritt der Sache Gottes in allen Bereichen ganz besonders fördert und belebt. Entsprechend dem Wachstum der Gemeinde wurde die Zahl der Mitglieder der Kontinentalen Beraterämter während des Planes auf 64 und die Zahl der Hilfsamtsmitglieder auf 675 erhöht. Aufgrund der ihnen erteilten Ermächtigung haben die Hilfsamtsmitglieder bis jetzt 3 358 Assistenten ernannt, die bereits eine wichtige Rolle in der Bildung und Festigung von örtlichen Geistigen Räten und bei der Förderung des Bahá'í-Lebens in örtlichen Gemeinden spielen. Das Internationale Lehrzentrum, das die Arbeit dieser Kontinentalen Beraterämter vom Heiligen Lande aus koordiniert und leitet, ist jetzt für die Wahrnehmung seiner Verantwortlichkeiten gut eingerichtet und läßt bereits die bedeutende Rolle ahnen, die es im Wirken der Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs zu übernehmen bestimmt ist.

Der Glaube geht durch eine Zeit außerordentlich günstiger Möglichkeiten und gewaltiger Entwicklung hindurch; zugleich sieht er sich wachsender Opposition und zunehmend komplizierteren Problemen gegenüber. Diese Gelegenheiten müssen ergriffen und diese Probleme gemeistert werden, denn die jetzige Zeit ist so kritisch, daß der zukünftige Verlauf der Menschheitsgeschichte tagtäglich in der Schwebe ist. In diesem Jahr wird das Universale Haus der Gerechtigkeit über die Natur, Dauer und die Ziele des nächsten Abschnittes in der Ausführung des Göttlichen Planes beraten. Deshalb ist es für die vor uns liegenden Monate dringend erforderlich, daß durch die Erfüllung der Ziele des Fünfjahresplanes - der qualitativen wie auch der quantitativen - eine feste Grundlage geschaffen wird. Laßt uns in einem optimistischen Geist, mit Vertrauen, Entschlossenheit, Mut und in Einigkeit voranschreiten. Je größer die Liebe und Einheit unter den Freunden ist, desto schneller wird die Arbeit vorangehen.

Möge der Allmächtige die Anstrengungen Seiner Diener segnen und ihre Herzen begeistern, so daß sie sich für Seine Sache erheben mit solch strahlendem Glauben und solcher Selbstaufopferung, daß ihnen die überwältigende Macht der himmlischen Heerscharen zu Hilfe kommt.





+129

24. Oktober 1978 - An die Teilnehmer der Konferenz in Langenhain

Die Welle der Aktivität, die seit der Internationalen Tagung am vergangenen Ridván Europa erfaßt hat, brachte die Ziele des Fünfjahresplanes in Reichweite der europäischen Gläubigen - wenn Sie nur diese Gelegenheit wahrnehmen und sich in den unmittelbar vor uns liegenden Monaten mit ganzem Herzen dem Pionieren und der Lehrarbeit widmen. Die Stunde ist weit vorgerückt, und viele Länder auf Ihrem Kontinent haben noch große Aufgaben vor sich. Sie sind jetzt zusammengekommen, um darüber zu beraten, wie Sie alle Gläubigen zum Dienen ermuntern und ihre Dienste auf die Erfüllung dieser Aufgaben lenken werden.

Von den Europäern wird gesagt, daß sie langsam auf die Botschaft des Glaubens ansprechen. Aber so ähnlich ist es auch in anderen Kontinenten gewesen. Bahá'u'lláh selbst schrieb an einen frühen Gläubigen: »Gräme dich nicht über das Versäumnis der Menschen, die Wahrheit zu erfassen. Schon bald wirst du sehen, daß sie sich Gott zuwenden werden, dem Herrn der ganzen Menschheit.« Es ist nicht unmöglich, die vor Ihnen liegenden Ziele zu erreichen - so weit entfernt sie jetzt auch scheinen mögen. Sie werden erreicht werden - nicht durch die Bemühungen der Bahá'í allein, sondern durch solche Bemühungen, die durch die all-unterwerfende Macht Gottes verstärkt werden. Von `Abdu'l-Bahá wird gesagt, daß Er den mystischen Pfad mit praktischen Füßen gegangen sei; genau das ist es, was die europäischen Bahá'í jetzt tun müssen. Gestützt durch das Gebet und im Vertrauen auf die unwiderstehliche Macht des Willens Gottes müssen die Freunde jede Anstrengung auf dem Pfade Seines Dienstes auf sich nehmen und zu willigen Instrumenten des Allmächtigen, zu Kanälen für die göttliche Kraft werden, die die Menschheit zu einer Einheit zusammenführt.

Die Anhänger Bahá'u'lláhs befinden sich in einem mächtigen zweifachen Kreuzzug. Zum einen gilt es, ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen zu vergeistigen, zum anderen, das Fundament für die Institutionen des Reiches Gottes auf Erden zu legen und diese im Rohbau aufzuführen. Beide Bestrebungen gehen Hand in Hand und verstärken sich gegenseitig. Wir Bahá'í haben das einzigartige Vorrecht, den Plan Gottes für dieses Zeitalter zu kennen - nicht nur Seinen allgemeinen Plan, sondern die besonderen Aufgaben, die wir jetzt in den kommenden Monaten ausführen sollen.

Dringend und vorrangig notwendig in Europa ist zum ersten die Erschließung der erforderlichen Anzahl von Zentren für den Glauben als Bezugspunkte und Führungsleuchten, die für die suchenden Seelen auf dem ganzen Kontinent leicht auffindbar sind, zum zweiten die Bildung der örtlichen Geistigen Räte, zu denen im Plan aufgerufen wurde, als keimhafte göttliche Institutionen des Reiches Gottes, die dazu bestimmt, die Kanäle der Führung und die Bastionen des Schutzes für alle Menschen zu sein.

Von allen Methoden, die man anwenden kann, um diese Ziele zu erreichen, sind vier von höchster Wichtigkeit. Es muß opferbereite Freunde geben, die sich erheben und ihre Heimatorte verlassen, um in die Zielorte zu pionieren - eine Tat, die für sich schon unermeßliche göttliche Bestätigungen herbeirufen wird; es muß außerdem Freunde geben, die zu anderen Gemeinden - nah oder fern - reisen, um ihren Mitgläubigen beim Lehren des Glaubens zu helfen; es muß Freunde in der Verwaltung geben, die Tag und Nacht arbeiten, um die vielen verschiedenartigen Aktivitäten der Sache zu koordinieren. In der Tat werden viele Freunde auf alle drei Arten dienen; doch die vierte und allerwichtigste Art des Dienens ist das fortwährende Bemühen eines jeden wahren Gläubigen, die Botschaft jedem zu vermitteln, mit dem er in Berührung kommt. Wie zu Recht gesagt wurde, liegt das Geheimnis des erfolgreichen Lehrens darin, daß der Gläubige vom Wunder dieses Glaubens und der lebenswichtigen Bedeutung seiner Botschaft so durchdrungen ist, daß er in jedem Moment, in jeder Lebenslage ungeduldig nach der Gelegenheit sucht, dieses kostbare Geschenk jeder Seele weiterzugeben, auf die er trifft.

In einem Seiner Tablets hat `Abdu'l-Bahá erklärt, »wäre Bahá'u'lláh in Europa erschienen, dann hätten die europäischen Völker diese Gelegenheit ergriffen«, und Er fügte hinzu, daß aufgrund ihrer Freiheit im Denken Seine Sache dann sehr schnell »die Erde umspannt« hätte. Darum mögen Seine europäischen Anhänger jetzt das Banner Seiner Sache hoch aufrichten, indem sie die Botschaft des Herrn der Heerscharen den Völkern dieses vielversprechenden Kontinents, der Wiege der westlichen Zivilisation, verkünden. Mögen sie den festen Entschluß fassen, gemeinsam mit den Pionieren und Lehrern aus anderen Ländern jedes Ziel zu erreichen, das ihnen anvertraut wurde, und so das hohe Vertrauen, das der geliebte Meister in sie gesetzt hat, rechtfertigen, einen überwältigenden Sieg für die Sache Bahá'u'lláhs erringen und ein Vorbild an Opferbereitschaft und Selbsthingabe setzen, dem eine heranwachsende Generation von Gläubigen in der Zukunft nacheifern wird.





+130

5. Dezember 1978 - Telegramm zum Fortgang des Fünfjahresplanes

Ermutigt (durch) ununterbrochenen Fortschritt (bei der) Bildung (von) Räten, Eröffnung (von) Zentren, Anstieg (der) Zahl (der) Gläubigen; jedoch Beschleunigung (des) Tempos (der) Erfolge nötig (zur) Erreichung (der) Ziele. (Wir) beten, (daß die) tapferen Freunde (in) Deutschland (sich) vereint erheben, (um die) Herausforderung dieser Stunde an(zu)nehmen.





+131

26. Dezember 1978 - Der neue weltweite Siebenjahresplan

(Wir) geben mit größter Freude (den) Beschluß bekannt, während (der) bevorstehenden Ridván-Festlichkeiten einen weltweiten Siebenjahresplan zu beginnen, (das) nächste Stadium des sich ständig entfaltenden Göttlichen Planes (des) Meisters. (Wir) vertrauen darauf, (daß dieser) bedeutsame Beschluß, gefaßt inmitten schwerster Krisen, (die die) Wiege (des) Glaubens erschüttern, und zu einem Zeitpunkt, da (die) Bemühungen (der) Bahá'í-Weltgemeinde angestrengt auf die Erfüllung der Ziele (des) Fünfjahresplanes ausgerichtet sind, (die) Ausgießung geistiger Kräfte auslösen wird, (die den) vorausbestimmten Fortschritt (der) Bahá'í-Weltgemeinde beschleunigen - (einer Gemeinde, die) jetzt allmählich deutlicher vor den Augen einer verwirrten Menschheit hervortritt, welche sich im Abgrund der Streitigkeiten und sittlicher Verderbnis abquält.

Einzelheiten (der) Pläne (für die) nationalen Gemeinden in (der) Zweijahres-Eröffnungsphase (des) neuen Planes werden jetzt in Beratung mit (dem) Internationalen Lehrzentrum entwickelt (und) in Kürze jedem Nationalen Rat bekanntgegeben. Diese Anfangsphase wird zu verstärkter Proklamation, fortgesetzter Festigung und umfassenderer Ausbreitung aufrufen. (Die) Nationalen Räte werden deshalb dringend gebeten, sicherzustellen, daß (die) Lehraktivitäten mit unvermindertem Nachdruck in (die) Eröffnungsjahre (des) neuen Planes weitergeführt werden, daß (die) Pioniere ermutigt werden, auf ihren Posten auszuharren, daß (der) Prozeß (der) Entwicklung (des) Gemeindelebens ununterbrochen weitergeführt wird und die Schwungkraft, (die die) Bahá'í-Gemeinde jetzt vorantreibt, anhält.

Alle Nationalen Räte (werden) dringend gebeten, diese Botschaft (den) Freunden in ihrem Jurisdiktionsbereich sofort weiterzugeben (und) sie einzuladen, alles zu versuchen, (um am) nächsten Ridván den Nationaltagungen beizuwohnen, (dort die) siegreiche Beendigung des Fünfjahresplanes zu feiern (und) gleichzeitig den Siebenjahresplan zu eröffnen.

Aufgrund (der) Wichtigkeit (der) nächsten Nationaltagung ersuchen (wir die) Nationalen Geistigen Räte, wo immer durchführbar (eine) Verlängerung um einen oder zwei Tage in Erwägung (zu) ziehen. Wir rufen (die) Berater auf, nicht nur selbst an diesen schicksalsschweren Nationaltagungen teilzunehmen, sondern auch (die) Hilfsamtsmitglieder zur Teilnahme (zu) ermutigen.

Während der Tumult einer aufgehetzten Welt um sie her wogt, müssen die Träger des sich majestätisch erhebenden Glaubens Bahá'u'lláhs, wie (es) der geliebte Hüter so klar aufgezeigt hat, würdigere Höhen des Heldentums erklimmen, in vollem Vertrauen (darauf), daß die Stunde ihrer höchsten Anstrengungen mit dem äußersten Tiefstand der schnell absinkenden Geschicke der Menschheit zusammenfallen muß.

(Wir) erflehen inbrünstig, (daß) Bahá'u'lláh (die) mühevollen Anstrengungen Seiner ergebenen Diener (in) jedem Land reichlich segnen (möge, damit sie) jedes Ziel (des) Fünfjahresplanes erreichen (und so eine) feste Grundlage (für die) nächste Phase (der) weltweiten Entwicklung (der) heiligen Sache Gottes sicherstellen.





+132

3. Januar 1979 - Bahá'í-Studienseminar über Ethik und Methodenlehre in Cambridge am 30. September und 1. Oktober 1978

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat den Bericht über Ihr Seminar mit großem Interesse gelesen. Es mißt der Bahá'í-Gelehrsamkeit eine große potentielle Bedeutung für die Entwicklung und Festigung der langsam aus der Verborgenheit hervortretenden Bahá'í-Gemeinde bei. Es hat zur Kenntnis genommen, daß Sie um eine Anzahl von Problemen gerungen haben, und obwohl es der Ansicht ist, daß es die Erarbeitung von Lösungen im allgemeinen den Bahá'í-Gelehrten selbst überlassen sollte, hat das Haus der Gerechtigkeit den Eindruck, daß es für Sie hilfreich wäre, wenn das Haus Ihnen in dieser ziemlich frühen Entwicklungsphase der Bahá'í-Gelehrsamkeit einige Gedanken zu Fragen übermittelte, die im Seminar zur Sprache kamen. Daher wurden die Berichte über Ihr Seminar an die Forschungsabteilung weitergeleitet. Das Universale Haus der Gerechtigkeit empfiehlt das von dieser Abteilung erstellte beigefügte Memorandum Ihrem Studium.

Das Haus der Gerechtigkeit bittet Sie auch dringend, sich nicht zu scheuen, es wegen theoretischer oder praktischer Fragen, auf die Sie in Ihrer Arbeit stoßen, zu Rate zu ziehen. So sieht es beispielsweise, daß sich bei den derzeit geltenden, vorläufigen Richtlinien für die Überprüfung von Veröffentlichungen Schwierigkeiten ergeben haben, und bittet uns in diesem Zusammenhang, Ihnen seine Entscheidung mitzuteilen, daß Doktorarbeiten nicht überprüft werden müssen, sofern nicht beabsichtigt ist, sie in größerer Auflage zu veröffentlichen als für die Prüfungskörperschaft nötig.

Sie befinden sich noch in den frühen Stadien einer höchst herausfordernden, vielversprechenden Entwicklung im Bahá'í-Gemeindeleben, und das Universale Haus der Gerechtigkeit ist sehr darauf bedacht, Ihre Arbeit in jeder möglichen Weise zu fördern und zu unterstützen. Wir sollen Sie seiner Gebete an den Heiligen Schreinen für Sie alle und den Fortschritt der Bahá'í-Gelehrsamkeit versichern.

Anmerkungen der Forschungsabteilung des Weltzentrums

Dieses Seminar scheint ein sehr wertvolles Forum für die Erörterung von Aspekten der Bahá'í-Gelehrsamkeit und für die Darlegung mancher Fragen gewesen zu sein, die einige Freunde im Zusammenhang mit ihrer Arbeit gegenüber ihren Mitgläubigen beunruhigten. Wir glauben, daß viele dieser Probleme von dem Versuch einiger Bahá'í-Gelehrter herrühren, einen Methodenkanon anzuwenden, der von Nicht-Bahá'í konzipiert wurde, ohne die Folgen eines solchen Verfahrens zu durchdenken und ohne eine Methodenlehre auszuarbeiten, die mit dem Geist des Glaubens übereinstimmt. Das Seminar selbst könnte sich als ein erster Schritt zu einem solchen Entwurf erweisen. Die folgenden Ausführungen sollen lediglich auf bestimmte Gesichtspunkte aufmerksam machen, von denen wir glauben, daß sie diesen Vorgang beschleunigen können.

Es ist im Westen üblich geworden, in Wissenschaft und Religion zwei unterschiedliche, ja gegensätzliche Bereiche menschlichen Denkens und Wirkens zu sehen. Diese Unterscheidung kann mit den begrifflichen Gegensätzen »Glaube und Vernunft«, »(geistiger) Wert und Wirklichkeit« gekennzeichnet werden. Ein solcher Gegensatz ist dem Bahá'í-Denken fremd und sollte, wie wir meinen, von Bahá'í-Gelehrten jeder Fachrichtung mit Mißtrauen betrachtet werden. Der Grundsatz der Übereinstimmung zwischen Wissenschaft und Religion bedeutet nicht allein, daß religiöse Lehren mit dem Lichte der Vernunft und der Beweise genauso wie mit dem des Glaubens und der Inspiration erforscht werden sollten, daß alles in dieser Schöpfung, alle Aspekte menschlichen Lebens und Wissens ebensosehr im Lichte der Offenbarung wie auch der rein verstandesmäßigen Forschung untersucht werden sollten. Mit anderen Worten: ein Bahá'í-Gelehrter, der sich mit einem Forschungsgegenstand befaßt, sollte aus seinem Denken keinen ihm bekannten Wahrheitsaspekt ausblenden.

Es ist beispielsweise zum Gemeinplatz geworden, Religion als Produkt menschlichen Wahrheitsstrebens, als Ergebnis bestimmter geistiger Strömungen und gesellschaftlicher Bedingungen zu sehen. Das wurde von vielen Nicht-Bahá'í-Denkern so weit getrieben, daß sie die Realität oder auch nur die Möglichkeit einer besonderen Offenbarung des Willens Gottes an die Menschheit durch ein menschliches Sprachrohr gänzlich verneinten. Ein Bahá'í, der die Lehren Bahá'u'lláhs studiert hat, der Seinen Anspruch, die Manifestation Gottes für dieses Zeitalter zu sein, anerkannt und das Wirken Seiner Lehren im eigenen täglichen Leben gesehen hat, weiß aus verstandesmäßiger und durch konkrete Erfahrung bestätigter Untersuchung, daß wahre Religion - weit davon entfernt, nur das Produkt menschlichen Wahrheitsstrebens zu sein - die Frucht des schöpferischen Wortes Gottes ist, das mit göttlicher Macht menschliches Denken und Handeln verwandelt.

Durch diesen Glauben an die Wirklichkeit göttlicher Offenbarung, durch dieses »bewußte Wissen«, kann ein Bahá'í zum Beispiel unterscheiden zwischen dem Christentum, der durch Jesus von Nazareth überbrachten göttlichen Botschaft, und der Entwicklung der Christenheit, der Geschichte dessen, was die Menschen in den folgenden Jahrhunderten mit dieser Botschaft gemacht haben - eine Unterscheidung, die in der heutigen christlichen Theologie verwischt, wenn nicht gänzlich verborgen wird. Ein Bahá'í-Gelehrter, der sich dieses Unterschieds bewußt ist, wird nicht den Fehler machen, irgendwann die Aussagen und Meinungen bestimmter Bahá'í für den Bahá'í-Glauben zu halten. Die Bahá'í-Religion ist die Offenbarung Bahá'u'lláhs: Seine eigenen Worte, ausgelegt von `Abdu'l-Bahá und dem Hüter. Sie ist eine Offenbarung von solch überwältigender Größe, daß in diesem frühen Stadium der Bahá'í-Geschichte kein Bahá'í mit Recht beanspruchen kann, mehr als nur ein bruchstückhaftes, unvollkommenes Verständnis davon zu haben. Dementsprechend würden Bahá'í-Historiker die Überwindung unrichtiger Vorstellungen, die in der Frühzeit in der Bahá'í-Gemeinde oder in Teilen der Bahá'í-Gemeinde im Umlauf waren, nicht als »Entwicklung des Bahá'í-Glaubens« ansehen - wie es ein Nicht-Bahá'í-Geschichtsforscher wohl tun würde - , sondern als Wachstum des Verständnisses dieser Gemeinde von der Bahá'í-Offenbarung.

Es ist behauptet worden, folgende Worte Bahá'u'lláhs unterstützten den Standpunkt des methodologischen Agnostizismus: »... ein wahrer Sucher ... muß sein Herz so läutern, daß kein Rest von Liebe oder Haß darin zurückbleibt, damit weder Liebe ihn blind zum Irrtum leite noch Haß ihn von der Wahrheit scheuche.« (ÄL 125/1) Wir glauben aber, daß bei tieferem Nachsinnen erkannt wird, daß Liebe und Haß gefühlsmäßige Bindungen oder Abneigungen sind, die den Sucher vernunftwidrig beeinflussen können; sie sind nicht Aspekte der Wahrheit an sich. Außerdem handelt der ganze Abschnitt davon, »mit forschendem Schritt den Pfad zu betreten, der zur Erkenntnis des Altehrwürdigen der Tage führt« (ÄL 125/1). Diese Textstelle wurde von Bahá'u'lláh zusammengefaßt mit den Worten: »Wir beabsichtigen mit der Offenbarung dieser überzeugenden, schwerwiegenden Äußerungen, dem Sucher tief einzuprägen, daß er alles außer Gott als vergänglich ansehen und alles außer Ihm, dem Ziel aller Anbetung, für äußerst nichtig achten sollte.« (ÄL125/4) In diesem Zusammenhang sagt Er, fast am Anfang dieser Textstelle, daß der Sucher »vor allem sein Herz ... vom trübenden Staub allen erworbenen Wissens und von den Andeutungen der Verkörperungen teuflischer Wahngebilde reinigen« (ÄL 125/1) muß. Dies gleicht unseres Erachtens dem Gebot Bahá'u'lláhs, den Offenbarer mit Seinen Augen zu sehen. Bei wissenschaftlicher Forschung muß ein Bahá'í, der nach der Wahrheit einer Sache sucht, selbstverständlich völlig unvoreingenommen sein; aber es ist für uns nicht ersichtlich, mit welcher Logik er bei seiner Interpretation der Tatsachen bei der Bewertung der Beweise die Wahrheit der von ihm schon angenommenen Bahá'í-Offenbarung ignorieren könnte. Dies wäre, wie wir meinen, scheinheilig und unwissenschaftlich.

Zweifellos werden viele Nicht-Bahá'í-Akademiker es als schwerwiegendes Manko ansehen, daß Bahá'í, die als Gelehrte die Geschichte und Lehren des Glaubens erforschen, an eben diese Religion auch glauben, während ihr eigener dogmatischer Materialismus kritiklos hingenommen wird, weil er in Mode ist. Aber diese Schwierigkeit teilen die Bahá'í-Wissenschaftler mit ihren Mitgläubigen in vielen Bereichen menschlichen Strebens.

Wenn Bahá'í-Gelehrte versuchen, diesem Fallstrick - der Trennung zwischen ihrem Glauben und ihrer Vernunft - zu entgehen, so sind wir sicher, daß sie damit auch so manchen Anlaß für aufkommende Spannungen zwischen sich selbst und ihren Mitgläubigen vermeiden werden.

Die Trennung von Wissenschaft und Religion ist nur ein Beispiel für die Neigung des - in seinem Fassungsvermögen naturgemäß begrenzten - menschlichen Geistes, sich auf eine Tugend, einen Aspekt der Wahrheit, ein Ziel zu konzentrieren - unter Ausschluß der übrigen. Dies führt in extremen Fällen zu Fanatismus und völliger Entstellung der Wahrheit, in jedem Fall aber zu einem gewissen Grad von Unausgewogenheit und Ungenauigkeit. Ein Wissenschaftler, der vom Verständnis der weitreichenden Lehren des Glaubens erfüllt ist, wird immer daran denken, daß seine Existenz als Wissenschaftler ihn nicht von den grundlegenden Pflichten und Zielen entbindet, für die alle Menschen erschaffen wurden. Alle Menschen, nicht nur die Wissenschaftler, sind aufgerufen, die Wahrheit zu suchen und zu verteidigen, wie unbequem dies auch sein mag. Aber sie werden auch ermahnt, weise in ihren Äußerungen, tolerant gegenüber anderen Ansichten und höflich in ihrem Betragen und ihrer Rede zu sein, nicht die Saat des Zweifels in gläubige Herzen zu säen, auf das Gute statt auf das Schlechte zu schauen, Konflikt und Streit zu vermeiden, ehrerbietig und dem Bündnis Gottes treu zu sein, Seinen Glauben zu fördern und dessen Ehre zu schützen, und ihre Mitmenschen zu erziehen, indem sie dem Säugling Milch geben und Fleisch den Kräftigeren.

Gelehrsamkeit hat in den Bahá'í-Lehren einen hohen Rang, und Bahá'í-Gelehrte haben eine große Verantwortung. Wir glauben, daß sie gut daran täten, sich auf die Wahrheitsfindung zu konzentrieren, auf ein umfassenderes Verständnis ihres Forschungsgegenstandes auf allen Gebieten, und nicht auf die Bloßstellung und scharfe Kritik der Fehler anderer, seien diese Nicht-Bahá'í oder ihre Mitgläubigen. Unweigerlich wird die Darlegung der Wahrheit den Trug des Irrtums bloßlegen, aber die Betonung und das Motiv sind wichtig. Wir verweisen auf die Worte Bahá'u'lláhs:

»O Volk Bahás! Verkehrt mit allen Menschen im Geiste der Freundlichkeit und Verbundenheit. Wenn ihr um eine bestimmte Wahrheit wißt, wenn ihr ein Juwel besitzt, das anderen versagt ist, so teilt es ihnen mit in einer Sprache höchster Liebenswürdigkeit und besten Willens. Wenn es angenommen wird und seinen Zweck erfüllt, ist euer Ziel erreicht. Wenn jemand es zurückweist, überlaßt ihn sich selbst und bittet Gott, ihn zu führen. Hütet euch, daß ihr ihn nicht unfreundlich behandelt. Eine freundliche Zunge ist ein Magnet für die Menschenherzen. Sie ist das Brot des Geistes, sie kleidet die Worte in Bedeutung, sie ist der Lichtquell der Weisheit und des Verstehens.« (ÄL 132/5>

Und wiederum:

»Sollte jemand unter euch eine bestimmte Wahrheit nicht erfassen können oder sich um ihr Verständnis mühen, so bekundet im Gespräch mit ihm einen Geist größter Güte und guten Willens. Helft ihm, die Wahrheit zu sehen und zu erkennen, ohne euch im geringsten über ihn erhaben zu fühlen oder im Besitz größerer Gaben zu wähnen.« (ÄL5/3)

Nach unserer Ansicht gibt es zwei besondere Gefahren, von denen Bahá'í-Gelehrte bedroht werden und die sie mit denjenigen Gläubigen teilen, die in bedeutende Stellungen der Verwaltung der Sache Gottes aufgestiegen sind. Einer Gefahr sind nur wenige ausgesetzt: alle, die im Rahmen ihrer Tätigkeit die Schriften der Bündnisbrecher lesen müssen. Sie dürfen nicht vergessen, daß sie keineswegs gegen das geistige Gift, das solche Schriften absondern, immun sind und daß sie an diesen Teil ihrer Arbeit mit großer Vorsicht herangehen müssen, immer auf der Hut vor der darin enthaltenen Gefahr. Die zweite Gefährdung, die genauso tückisch sein kann, ist geistige Überheblichkeit und Hochmut. Bahá'í-Gelehrte, besonders wenn sie sich mit den Lehren und der Geschichte des Glaubens selbst befassen, wären gut beraten, sich zu erinnern, daß Wissenschaftler oft dann am schlimmsten geirrt haben, wenn sie völlig sicher waren, recht zu haben. Die Tugenden der Bescheidenheit, der Demut und des Humors gegenüber dem eigenen Werk und den eigenen Ideen sind ein wirksamer Schutz gegen diese Gefahr.

Wir meinen, daß wissenschaftlich tätige Bahá'í feststellen werden, daß viele der im Seminar geäußerten »Ängste, Zweifel und Bedrängnisse« verfliegen, wenn solche Ansätze, wie sie in diesem Memorandum beschrieben sind, verfolgt werden.





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1. März 1979 - Botschaft aus Anlaß der Grundsteinlegung des Muttertempels in Samoa

(Unsere) Herzen (sind) erfüllt (von) Freude (aus) Anlaß (des) Silberjubiläums (der) Einführung (unseres) geliebten Glaubens (in) Samoa, (und die) Augen (der) Bahá'í (in der) ganzen Welt (sind bei) diesem glücklichen Ereignis (auf) Ihre Inseln gerichtet, in dessen Verlauf (der) Grundstein (für den) Muttertempel (der) Pazifischen Inseln gelegt wird. (Fühlen uns) bewegt, (unsere) Dankbarkeit auszudrücken (den) Rittern Bahá'u'lláhs (und für die) tatkräftigen Anstrengungen (der) Freunde, (die) verstärkt (wurden durch die) stetig wachsende Zahl (der) Pioniere (und) Reiselehrer, unterstützt durch Hände der Sache, Berater und Hilfsamtsmitglieder, resultierend in (der) festen Errichtung der administrativen Institutionen des Glaubens, (die) in Samoa wirksam funktionieren. Diese Konferenz stellt (den) Höhepunkt (von) fünfundzwanzig Jahren hingebungsvoller Arbeit dar und läßt noch größere Errungenschaften in den vor uns liegenden Jahren erahnen. Rufen auf, jede Gelegenheit wahrzunehmen, (um) alle Mitglieder der Bahá'í-Gemeinde Samoa in dynamische, organische Form zusammenzuschweißen, erfüllt von kreativen, richtungsweisenden Kräften, deren Ursprung in der Offenbarung selbst liegt; sich als würdige Werkzeuge zu sehen (und) an (dem) herausfordernden Unternehmen (der) Sache Bahá'u'lláhs teilzunehmen. (Wir) beten inbrünstig (an den) Heiligen Schreinen (für den) Erfolg (Ihrer) Beratung.





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21. März 1979 - Naw-Rúz-Botschaft

Der Verfall religiöser und moralischer Schranken hat einen wütenden Sturm aus Chaos und Verwirrung entfesselt, der bereits Anzeichen weltweiter Anarchie aufweist. Die Bahá'í-Weltgemeinde, die in diesen Strudel hineingezogen wird und mit unverletzbarer Einheit und geistiger Kraft ihrer erlösenden Aufgabe nachgeht, leidet zwangsläufig auch unter der Zerrüttung des wirtschaftlichen, sozialen und bürgerlichen Lebens mit, die ihre Mitmenschen auf dem ganzen Planeten heimsucht. Sie muß außerdem ganz besondere Leiden ertragen. Die heftigen Unruhen in Persien, die zeitlich mit dem Einbringen der gnadenreichen Ernte des Fünfjahresplanes zusammenfallen, brachten unseren leidgeprüften Brüdern in der Wiege des Glaubens neue und grausame Drangsale und konfrontierten die Bahá'í-Weltgemeinde mit ernsten Herausforderungen an ihr Leben und ihr Werk. Während die Bahá'í-Welt kurz vor ihrem Siege stand und schon voll Spannung die nächste Etappe zur Entfaltung des Göttlichen Planes des Meisters erwartete, wurden Bahá'u'lláhs heldenhafte Landsleute, die Treuhänder der Heiligen Stätten unseres Glaubens in dessen Geburtsland, wieder einmal dazu berufen, die Wut des brutalen Pöbels, das Plündern und Abbrennen ihrer Häuser, die Zerstörung ihrer Existenzmittel und körperliche Gewalttaten und Morddrohungen, mit denen man sie zum Widerrufen ihres Glaubens zwingen wollte, zu ertragen. Wie ihre unsterblichen Vorfahren, die Dawn-Breakers, stehen sie diesen neuen Verfolgungen und der allgegenwärtigen Drohung organisierter Ausrottung mit unerschütterlicher Standfestigkeit gegenüber.

Wenn wir daran denken, daß während des Fünfjahresplanes die persischen Freunde jede andere nationale Gemeinde in der Entsendung von Pionieren und Geldmitteln weit übertrafen, haben wir in allen jenen Teilen der Welt, wo wir noch frei sind, die Sache Gottes voranzutragen, die Verantwortung, jeden Dienst zu erbringen, zu dem sie vorläufig nicht in der Lage sind.

Darum müssen wir uns erhobenen Herzens, mit strahlendem Glauben und mit verdoppelter Kraft erheben, um unsere mächtige Aufgabe zu verfolgen im Vertrauen darauf, daß der Herr der Heerscharen weiterhin unsere Bemühungen mit der gleichen überreichen Gnade belohnen wird, die er uns im Fünfjahresplan gewährte.

Die Lehrerfolge in diesem Plan waren in der Tat großartig; die Lichtpunkte, jene Orte, an denen der Verheißene erkannt wird, sind von neunundsechzigtausendfünfhundert auf über sechsundneunzigtausend gestiegen. Die Zahl der örtlichen Geistigen Räte wuchs von siebzehntausend auf über fünfundzwanzigtausend an. Achtzehn neue Nationale Geistige Räte wurden gebildet. Der Abschlußbericht wird das Ausmaß der gewonnenen Siege in ihrer Mannigfaltigkeit aufzeigen.

Die Bahá'í-Gemeinde hat auf der Welt, im ganzen gesehen, jetzt festen Fuß gefaßt. Die Institution der Hände der Sache Gottes, jener Hauptsachwalter der embryonalen Weltgemeinschaft Bahá'u'lláhs, trägt eine kostbare Frucht in der Entwicklung des Internationalen Lehrzentrums als einer kraftvollen Institution am Weltzentrum des Glaubens, einer Institution, die durch die Mitgliedschaft aller Hände der Sache gesegnet ist und deren wohltuender Einfluß durch die Kontinentalen Beraterämter, die Mitglieder des Hilfsamtes und ihre Assistenten in alle Teile der Bahá'í-Gemeinde ausströmt.

Von diesem lebenswichtigen Arm der administrativen Ordnung beraten, angeregt und unterstützt, sammeln die 125 Nationalen Geistigen Räte rasch Erfahrung und erlangen Weisheit bei der Handhabung der gesamten Angelegenheiten ihrer jeweiligen Gemeinden als organische Teile einer weltweiten Gemeinschaft. Immer mehr örtliche Geistige Räte sind in jedem Land dabei, starke Mittelpunkte der örtlichen Bahá'í-Gemeinden und feste Pfeiler ihres Nationalen Geistigen Rates zu werden. Selbst in den Ländern, in denen die Bahá'í-Administration nicht arbeiten kann oder aufgelöst werden mußte - zu diesen Ländern sind nun auch Afghanistan, die Kongo-Republik, Niger, Uganda und Vietnam hinzugekommen - , halten die Gläubigen, obwohl sie ihrer Regierung gehorsam sind, dennoch die Flamme des Glaubens getreulich am Leben.

Abgesehen von dieser Ausweitung der Gemeinde - die allerdings lebenswichtig ist - brachte der Fünfjahresplan auch große Fortschritte in der geistigen Entwicklung der Freunde, in wachsender Reife und Weisheit bei örtlichen und Nationalen Räten und in dem Ausmaß, in dem Bahá'í-Gemeinden die unterscheidenden Merkmale des Bahá'í-Lebens verkörpern und durch ihre Einigkeit, ihre Standhaftigkeit, ihre Ausstrahlung und ihren guten Ruf die Aufmerksamkeit und schließlich die aufrichtige Unterstützung ihrer Mitbürger für sich gewinnen. Dies ist der Magnet, der die Massen zur Sache Gottes hinziehen, und der Sauerteig, der die menschliche Gesellschaft verwandeln wird.

Der Zustand der Welt setzt den Anhängern Bahá'u'lláhs Hindernisse entgegen und bietet ihnen andererseits günstige Gelegenheiten. In immer mehr Ländern sind wir Zeuge der Erfüllung von Warnungen, die in den Schriften unseres Glaubens enthalten sind. »Völker, Nationen, Anhänger der verschiedenen Glaubensrichtungen«, schrieb der geliebte Hüter, »werden sich gemeinsam und nacheinander erheben, um seine Einheit zu zerschlagen, seine Kraft zu untergraben und seinen heiligen Namen herabzusetzen. Sie werden nicht nur gegen den Geist vorgehen, den er vermittelt, sondern auch gegen die Verwaltungsordnung, die Kanal, Werkzeug und Verkörperung dieses Geistes ist. Denn je mehr die Autorität, mit der Bahá'u'lláh das künftige Bahá'í-Gemeinwesen ausgestattet hat, in Erscheinung tritt, desto heftiger werden Anfechtungen aus allen Richtungen auf die darin enthaltenen Wahrheiten geschleudert werden.« Gerade jetzt erleben die Anhänger Bahá'u'lláhs in verschiedenen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß solche Angriffe und blicken lieber der Gefangenschaft und selbst dem Märtyrertum ins Auge, als daß sie die Wahrheit verleugneten, um deretwillen der Báb und Bahá'u'lláh den Kelch des Opfers geleert haben.

In anderen Ländern, zum Beispiel in Westeuropa, müssen sich die treuen Gläubigen abmühen, die Botschaft trotz weitverbreiteter Gleichgültigkeit, materialistischer Selbstzufriedenheit, Zynismus und moralischer Entartung zu vermitteln. Diese Freunde haben jedoch noch immer die Freiheit, in ihren Heimatländern den Glauben zu lehren, und sie fahren trotz der entmutigenden Dürftigkeit der sichtbaren Ergebnisse fort, ihren Mitbürgern die Botschaft Bahá'u'lláhs zu verkünden, der Sache Gottes in den Augen der Öffentlichkeit großes Ansehen zu verschaffen, führende Denker und jene, die die Macht in Händen haben, mit deren wirklichen Grundlehren bekannt zu machen, und sie scheuen keine Mühe, in jeder Stadt und jedem Dorf jene empfangsbereiten Seelen zu finden, die auf den göttlichen Ruf antworten und ihr Leben in dessen Dienst stellen werden.

In vielen Ländern werden jedoch die Lehren des Glaubens begierig aufgenommen. Die ganz besondere Aufgabe für die Bahá'í ist, diese Tausende von suchenden Seelen so rasch wie möglich mit der geistigen Nahrung zu versorgen, die sie dringend benötigen, sie zur Mitarbeit unter dem Banner Bahá'u'lláhs zu gewinnen, sie zu der von Ihm offenbarten Lebensweise zu erziehen und sie dazu anzuleiten, örtliche Geistige Räte zu wählen, welche, sobald sie kraftvoll zu funktionieren beginnen, die Freunde zu fest begründeten Bahá'í-Gemeinden vereinen und sich zu Leitsternen der Führung und zu Zufluchtsorten für die Menschheit entwickeln.

Angesichts einer solchen Situation der Gefahr und der Chance richten die Bahá'í voll Vertrauen in den schließlichen Triumph von Gottes Absicht für die Menschheit ihre Augen auf die Ziele des neuen Siebenjahresplanes.

Im Heiligen Land muß die Stärkung des Weltzentrums und die Zunahme seines weltweiten Einflusses weitergehen:

- Der Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wird fertiggestellt, und für die verbleibenden drei Gebäude des administrativen Weltzentrums des Glaubens werden die Entwürfe verabschiedet.

- Die Institution des Internationalen Lehrzentrums wird weiterentwickelt und seine Aufgaben erweitert werden. Dadurch wird sich seine Mitgliederzahl erhöhen müssen, und auf das Internationale Lehrzentrum ebenso wie auf die Kontinentalen Beraterämter wird die Übernahme weiterreichender Aufgaben zukommen: zum einen die Verbreitung und Festigung des Glaubens international zu beleben, zum anderen die geistigen, die intellektuellen und die die Gemeinde betreffenden Bereiche des Bahá'í-Lebens zu fördern.

- Das Haus von `Abdu'lláh Páshá in `Akká wird für Pilger zugänglich gemacht.

- Die Arbeit des Sammelns und Klassifizierens der Heiligen Texte wird fortgesetzt, und eine Reihe von Textzusammenstellungen werden aus dem Schrifttum des Glaubens zusammengetragen, übersetzt und der Bahá'í-Welt übermittelt werden als Hilfe für die Freunde, ihr Verständnis für die Grundlehren des Glaubens zu vertiefen, ihr geistiges Leben zu bereichern und ihre Bemühungen, den Glauben zu lehren, neu zu stärken.

- Die Bande zwischen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und den Vereinten Nationen werden weiter gefestigt.

- Die Bemühungen, den Glauben vor Gegnerschaft zu schützen und ihn von den Fesseln der Verfolgung zu befreien, werden fortgesetzt.

Jedem Nationalen Geistigen Rat wurden für diese ersten zwei Jahre des Planes Ziele zugeteilt, die dazu bestimmt sind, den Verbreitungsprozeß weiterzuführen, die gewonnenen Erfolge zu festigen und dort, wo die Umstände es erlauben, alle Ziele, die vielleicht am Ende des Fünfjahresplanes noch nicht erfüllt waren, zu erreichen. Während dieser ersten zwei Jahre werden wir mit den Kontinentalen Beraterämtern und den Nationalen Geistigen Räten die Lage und die Möglichkeiten in jedem Lande prüfen und im einzelnen die Kräfte und Bedürfnisse einer jeden der sich beschleunigt unterschiedlich entwickelnden nationalen Bahá'í-Gemeinden in Betracht ziehen, ehe die weiteren Ziele festgelegt werden, auf die jede Gemeinde im Anschluß an die Eröffnungsphase des Planes hinarbeiten soll.

Weltweit müssen im Siebenjahresplan folgende Ziele erreicht werden:

- Der Mashriqu'l-Adhkár von Samoa muß fertiggestellt werden, und der Bau des Mashriqu'l-Adhkárs in Indien wird vorankommen.

- Neunzehn neue Nationale Geistige Räte müssen errichtet werden. Acht in Afrika: in Angola, Bophuthatswana, den Kapverdischen Inseln, Gabun, Mali, Mosambik, Namibia und der Transkei; acht in Amerika: auf den Bermudas, in Dominica, Französisch-Guayana, Grenada, den Leeward-Inseln, Martinique, St. Lucia und St. Vincent; schließlich drei im Pazifik: Cook-Inseln, Tuvalu und West-Karolinen. Jene Nationalen Geistigen Räte, die aufgelöst werden mußten, werden wieder errichtet, wenn die Umstände es erlauben.

- Die Botschaft Bahá'u'lláhs muß in Gebiete und Inseln getragen werden, die Seinem Glauben noch nicht erschlossen sind.

- Die Lehrarbeit - sowohl die durch die Institutionen des Glaubens organisierte als auch die Lehrarbeit als Frucht persönlicher Bemühungen - muß tatkräftig fortgesetzt werden, so daß die Zahl der Gläubigen ansteigt und weitere Länder das Stadium des Eintritts in Scharen und schließlich der Massengewinnung erreichen.

- Zu dieser Lehrarbeit gehört auch sofort anschließende gründliche und anhaltende Festigung, damit alle Erfolge gesichert werden, die Zahl der örtlichen Geistigen Räte sich erhöht und die Grundlage der Sache neu gestärkt wird.

- Der Austausch von Pionieren und Reiselehrern, der einen so wesentlichen Beitrag zur Einheit der Bahá'í-Welt und zum echten Verstehen der Einheit der Menschheit leistet, muß weiter gepflegt werden, besonders unter benachbarten Ländern. Gleichzeitig sollte jede nationale Gemeinde danach trachten, rasch ihre Unabhängigkeit bei der Durchführung ihrer wichtigen Tätigkeiten zu erlangen, um so die Fähigkeit zu gewinnen, weiter zu arbeiten und zu wachsen, selbst wenn die Hilfe von außen abgeschnitten wird.

- Besonders dringend ist, daß die nationalen Bahá'í-Gemeinden finanziell unabhängig werden. Die Verfolgungen im Iran haben die Gläubigen in jenem Lande bereits der Gnade beraubt, für die internationalen Fonds des Glaubens, für die sie eine Hauptquelle gewesen sind, zu spenden. Durch den wirtschaftlichen Verfall in anderen Ländern droht eine weitere Verminderung der Geldquellen. Deshalb rufen wir die Freunde überall auf, äußerste Sparsamkeit bei der Verwendung der Fonds walten zu lassen und in ihrem persönlichen Leben jene Opfer zu bringen, die es ihnen ermöglichen, den ihren Mitteln entsprechenden Teil zu den örtlichen, nationalen, kontinentalen und internationalen Fonds des Glaubens beizutragen.

- Um alle Ziele und ein gesundes Wachstum des Bahá'í-Gemeindelebens rasch zu erreichen, müssen die Nationalen Geistigen Räte ganz besonders auf das im wahren Geist des Glaubens wirkungsvolle Funktionieren ihrer nationalen Ausschüsse und anderer Hilfseinrichtungen achten, und sie müssen in Beratung mit den Kontinentalen Beraterämtern Pläne entwerfen und durchführen, die die Bemühungen der Freunde auf dem Pfade des Dienens leiten und weiter stärken werden.

- Die Nationalen Geistigen Räte müssen weise und würdevoll an prominente Persönlichkeiten aus allen Bereichen menschlichen Strebens herantreten, sie über das Wesen der Bahá'í-Gemeinde und die Grundlehren des Glaubens unterrichten und ihre Achtung und Freundschaft gewinnen.

- Im Mittelpunkt aller Tätigkeiten muß die Entwicklung und Pflege des geistigen, intellektuellen und des Gemeindelebens der Gläubigen stehen. Dazu ist erforderlich: mit gesteigertem Nachdruck die Entwicklung der örtlichen Geistigen Räte voranzutreiben, so daß diese ihren wohltuenden Einfluß und ihre Führung auf das Leben der Bahá'í-Gemeinden ausüben können; ein tieferes Verständnis für das Bahá'í-Familien-Leben heranzubilden; die Bahá'í-Kindererziehung, wobei auch das Abhalten regelmäßiger Bahá'í-Klassen, und, wo nötig, die Einrichtung von Förderkursen für eine Grundausbildung mit eingeplant werden sollte; die Ermutigung der Bahá'í-Jugend zu Studium und Dienen, und die Ermutigung der Bahá'í-Frauen, von ihren Vorrechten und Verantwortlichkeiten in der Gemeindearbeit voll Gebrauch zu machen - mögen sie in gebührender Weise dem Gedenken an das Größte Heilige Blatt, die unsterbliche Heldin der Bahá'í-Sendung, Rechnung tragen, da wir uns dem fünfzigsten Jahrestag ihres Hinscheidens nähern.

Während Gesetzlosigkeit sich in der Welt ausbreitet, während Regierungen gebildet und gestürzt werden, während rivalisierende Gruppen und sich bekriegende Völker jeweils für ihren eigenen Nutzen kämpfen, bedrückt die Notlage der Unterdrückten und der Beraubten das Herz jedes aufrichtigen Bahá'í und führt ihn in Versuchung, protestierend aufzuschreien oder sich voll Zorn gegen jene zu erheben, die Ungerechtigkeiten begehen. Denn heute ist die Zeit der Prüfung, die die Worte Bahá'u'lláhs ins Gedächtnis ruft: »O ihr Scharen der Achtlosen! Ich schwöre bei Gott! Der verheißene Tag ist gekommen, der Tag, an dem quälende Heimsuchungen über euren Häuptern und unter euren Füßen hohe Wellen schlagen und ausrufen: ,Schmecket, was eure Hände vollbracht haben!`«

Jetzt ist die Zeit, in der jeder Anhänger Bahá'u'lláhs sich fest an das Bündnis Gottes halten, jeder Versuchung, in die Wirren der Welt hineingezogen zu werden, widerstehen und sich bewußt sein muß, daß er der Treuhänder eines kostbaren Pfandes, der Botschaft Gottes, ist, die allein die Ungerechtigkeit aus der Welt verbannen und die Krankheiten heilen kann, welche Körper und Geist des Menschen befallen. Wir sind die Träger des Wortes Gottes an diesem Tag, und wie dunkel der unmittelbare Ausblick auch sein mag, wir müssen voranschreiten, glücklich in dem Bewußtsein, daß die Arbeit, die auszuführen wir das Vorrecht haben, Gottes Werk ist und daß sie eine Welt hervorbringt, deren Herrlichkeit unsere kühnsten Vorstellungen in den Schatten stellen und unsere höchsten Hoffnungen weit übertreffen wird.





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21. März 1979 - Erläuterung bestimmter Ziele des Siebenjahresplanes

In der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá'í der Welt und in seinen Briefen an einzelne Gemeinden, in denen die Ziele der ersten Phase des Siebenjahresplanes niedergelegt sind, gibt es eine Anzahl von Hinweisen, welche das Universale Haus hiermit ausführlicher darzulegen wünscht, um Ihnen Führung zu bieten. Nicht alle Punkte werden auf jede nationale Bahá'í-Gemeinde zutreffen, aber Sie werden es zweifellos von Interesse finden, auch jene zu lesen, die nicht direkt Ihre besondere Situation berühren. Wir wurden gebeten, die folgenden Punkte aufzuführen:

Örtliche Geistige Räte

Im August 1970 sandte das Universale Haus der Gerechtigkeit eine Zusammenstellung der Worte Bahá'u'lláhs, `Abdu'l-Bahás und Shoghi Effendis über die örtlichen Geistigen Räte an alle Nationalen Geistigen Räte. Als Ergänzung dieser grundlegenden und wichtigsten Führung fügen wir nunmehr eine Zusammenstellung von Auszügen aus Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, geschrieben zwischen 1966 und 1975, bezüglich der Bedeutung der örtlichen Geistigen Räte, ihrer Entwicklung, der unterstützenden Rolle der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten, sowie vorgeschlagene Ziele für die Geistigen Räte bei.

Bei der Wahl der Zielstädte für die Bildung von örtlichen Geistigen Räten sollte ein Nationaler Rat sicherstellen, daß eine breite Streuung von örtlichen Räten im ganzen Land erreicht wird.

Die Nationalen Räte sollten erwägen, jeden örtlichen Rat aufzurufen, mindestens einmal in jedem Bahá'í-Monat eine Sitzung abzuhalten und, wo immer wünschenswert und noch nicht geschehen, einen örtlichen Lehrausschuß zu bilden.

Pioniere und Reiselehrer

Es besteht ein unverändert hoher Bedarf an den Diensten von Pionieren und Reiselehrern. In den Zielen der einleitenden Zweijahresphase des Planes sind nur wenige Orte für die Entsendung von Pionieren und Reiselehrern ausdrücklich genannt worden. In den letzten Jahren hat ein stetiger Strom eingesetzt, und das Universale Haus der Gerechtigkeit ruft die Anhänger Bahá'u'lláhs in den stärkeren nationalen Gemeinden auf, sich zu erheben und diesen Strom zu verstärken. Aus den zwei beigefügten Listen sind die Länder ersichtlich, die derzeit besonderen Bedarf an Pionieren und Reiselehrern haben; sie sollten so bald wie möglich veröffentlicht werden. Die Listen gehen auch an die Kontinentalen Pionierausschüsse, und diejenigen Freunde, die sich erheben, können mit ihrem Nationalen Rat und den zuständigen Ausschüssen über das Zielgebiet beraten, in dem sie Dienst tun werden. Die internationalen Fonds des Glaubens sind derzeit sehr begrenzt, und dies erhöht die Notwendigkeit, daß Pioniere und Reiselehrer für sich selbst aufkommen müssen.

Jugendlehrarbeit

Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Jugend bei vielen Aktivitäten der Gemeinde und besonders beim Überbringen der Botschaft an die Angehörigen ihrer eigenen Generation wertvolle Dienste zu leisten vermag. Wer eine Schule oder Universität besucht, hat viele Gelegenheiten, seine Mitstudenten und die Mitglieder der Fachschaft zu lehren, und viele können dies besonders wirkungsvoll nutzen, indem sie ein Pionierziel zu ihrem Studienort machen. Während der Ferien können Jugendliche als Reiselehrer oft hervorragende Dienste leisten. Das Reisen in Gruppen hat sich als sehr nützlich erwiesen.

Lehrarbeit in Grenzgebieten

Es ist sehr wichtig, daß zwischen nationalen Bahá'í-Gemeinden gemeinschaftliche Lehrarbeit in Grenzgebieten stattfindet, sowohl in Form von Reiselehrern über die Grenzen hinweg, als auch in der Organisation von gemeinsamen Lehrfeldzügen zu beiden Seiten der Grenze. Jeder Nationale Geistige Rat sollte diese Möglichkeit prüfen und, wenn er solche Vorhaben als nutzbringend empfindet, die Zusammenarbeit mit seinen benachbarten Nationalen Räten suchen und den Rat sowie die Unterstützung des Kontinentalen Berateramtes erbitten.

Lehrkonferenzen

Diese Konferenzen haben - im nationalen oder regionalen Rahmen - nicht nur gute Gelegenheiten geschaffen, um die Begeisterung der Freunde zu entfachen und ihre Einigkeit zu fördern, sondern sie wurden von vielen Nationalen Räten auch wirkungsvoll als Arbeitstagungen genutzt, in denen Berichte über den Stand der Ziele des Planes und über dringende Bedürfnisse und Prioritäten gegeben und, wo notwendig, Aufrufe für Pioniere, Reiselehrer und Fonds gemacht wurden.

Sommer- und Winterschulen

Der Hüter beschrieb die Institution der Sommerschulen einmal in einem Brief, der in seinem Namen geschrieben wurde, als »lebenswichtigen und untrennbaren Teil jedweden Lehrfeldzuges«. Im April 1972 gab das Universale Haus der Gerechtigkeit eine Zusammenstellung über die Wichtigkeit der Bahá'í-Sommerschulen heraus, und es empfiehlt sie jedem Nationalen Geistigen Rat zum Studium. In nur wenigen Ländern war es bisher möglich oder ist der Zeitpunkt bereits gekommen, um Grundstücke oder Anwesen für Sommer- und Winterschulen käuflich zu erwerben; zumeist werden sie noch in gemieteten Räumlichkeiten abgehalten, und das Haus der Gerechtigkeit betont die Wichtigkeit, sie zu den geringstmöglichen Kosten an einem Ort durchzuführen, der für die Freunde leicht erreichbar ist, so daß eine große Anzahl von Gläubigen und Interessenten daran teilnehmen können. Es steht zu hoffen, daß diese Veranstaltung zu einem mindestens einmal jährlich stattfindenden Teil des Bahá'í-Gemeindelebens in jedem Lande wird.

Bahá'í-Kindererziehung

Es ist wichtig, regelmäßige Bahá'í-Kinderklassen abzuhalten, den Kindern umfassende Grundkenntnisse der Lehren und der Geschichte des Glaubens zu vermitteln und sie mit seinem Geist zu erfüllen, zwischen ihnen Bande der Liebe herzustellen und sie mit einem sicheren Fundament im Glauben auszustatten, das sie befähigen wird, zu standhaften und erleuchteten Dienern Bahá'u'lláhs heranzuwachsen. Nicht-Bahá'í-Eltern begrüßen oft die Gelegenheit, ihre Kinder an solchen Klassen teilnehmen zu lassen, und dies kann, abgesehen von dem Nutzen, den es für die Kinder hat, sehr wohl das Mittel sein, ihre Eltern zum Glauben hinzuziehen.

Ein-Lehrer-Schulen (Tutorial Schools)

Der Ausdruck »Tutorial Schools« wurde ursprünglich in der Bahá'í-Gemeinde in Indien verwendet, um die einfache Art von Schule zu beschreiben, die unter der Leitung der administrativen Bahá'í-Institutionen organisiert und durchgeführt wird, wo ein einziger Lehrer angestellt ist, der den Unterricht im Lesen, Schreiben und in den Grundfächern für die Bahá'í- und Nicht-Bahá'í-Kinder des Dorfes erteilt. Zusätzlich zu diesen Lernfächern gibt er den Kindern auch Bahá'í-Unterricht, und in seiner Freizeit leistet er wertvolle Beiträge in der Lehrarbeit und bei der Festigung seiner eigenen und der umliegenden Gemeinden. Die Schule kann unter freiem Himmel oder in einem der Bahá'í-Heime, im örtlichen .Ha.zíratu'l-Quds oder in einem einfachen Gebäude, das für diesen Zweck errichtet wurde, abgehalten werden, entsprechend den Gegebenheiten.

Das Gehalt des Lehrers sowie die anderen Schulkosten werden aus den Gebühren bestritten, die die Eltern bezahlen, und diese werden, wenn nötig und möglich, durch Zuwendungen aus dem örtlichen oder Nationalen Fonds ergänzt.

Im »Sendschreiben über die Welt« bestimmt Bahá'u'lláh, daß »jeder, ob Mann oder Frau, einen Teil seines Ertrages aus Gewerbe, Landwirtschaft oder anderweitiger Beschäftigung einer Vertrauensperson für die Ausbildung und Erziehung der Kinder übergeben soll, damit es für diesen Zweck mit Kenntnis der Vertrauensleute des Hauses der Gerechtigkeit verwendet wird.« In vielen Ländern ist diese Verpflichtung durch die Steuern, die die Regierung für die Unterstützung des staatlichen Bildungswesens erhebt, erfüllt; aber es gibt andere Länder, in denen keine solchen Einrichtungen bestehen, und die örtlichen Geistigen Räte können durchaus anfangen, diesen Teil ihrer Pflichten zu erfüllen, indem sie die dort ansässigen Freunde ermutigen, für einen speziellen Erziehungsfonds zu spenden, welcher für die Unterhaltung der Tutorial Schools verwendet wird oder Kindern von bedürftigen Gläubigen hilft, eine Ausbildung zu erlangen.

Veröffentlichungen

Jeder Nationale Geistige Rat sollte einen gut durchdachten Plan zur Bereitstellung und Verteilung eines ausgewogenen Vorrates an Bahá'í-Literatur für die Gläubigen und für die Lehrarbeit haben. Bei den Übersetzungen und Veröffentlichungen sollte den Heiligen Texten und den Schriften von Shoghi Effendi Priorität gegeben werden, denn wie könnten die Gläubigen ohne Zugang zu den lebenspendenden Wassern des Heiligen Wortes ihr Verständnis der Lehren vertiefen oder sie in zutreffender Form an andere weitergeben?

Tonbandaufzeichnungen

Zusätzlich zu der Veröffentlichung von heiligen Texten und Lehrmaterialien für die Freunde wäre es hilfreich, in Gegenden, wo der Grad der Lese- und Schreibkenntnisse nicht hoch ist, Wege zu finden, um den Freunden Bahá'í-Lieder, Gedichte, Geschichten und kurze Zitate aus den Schriften sowie Gebete zu vermitteln. Dies kann durch Kassetten oder Radiosendungen erreicht werden.

Das Ziel, Tonbandaufnahmen der heiligen Texte herzustellen, das einigen Nationalen Gemeinden gegeben wurde, ist nicht als Massenproduktion von Kassettenbändern gedacht, sondern es bedeutet die Entwicklung örtlich gebundener Programme zur Tonbandaufzeichnung ausgewählter Abschnitte in den jeweiligen Muttersprachen. Solche Bänder können dann von Reiselehrern in entlegene Gebiete gebracht, bei der Lehrarbeit verwendet oder dort hinterlassen werden, wenn es Tonbandgeräte am Ort gibt.

Unterrichtung über das Bahá'í-Geschehen

Die Freunde über die Neuigkeiten des Glaubens informiert zu halten, ist so wichtig, daß jeder Nationale Rat dringend aufgefordert wird, seine Aufmerksamkeit der prompten und regelmäßigen Verbreitung seines nationalen Mitteilungsblattes zu widmen, das wo nötig und durchführbar durch regionale und örtliche Nachrichtenorgane ergänzt wird. Einige Nationale Räte haben außerdem festgestellt, daß Kassettenaufnahmen für die Nachrichtenübermittlung an die Freunde in abgelegenen Gebieten nützlich sein können, und Radioprogramme können natürlich einen ähnlichen Zweck erfüllen.

Korrespondenzkurse

Solche Kurse haben ihre Nützlichkeit für das Lehren des Glaubens, als auch für die Wissenserweiterung der Gläubigen unter Beweis gestellt, und einige nationale Gemeinden haben die Erstellung solcher Korrespondenzkurse als Planziel erhalten. Sollte sich ein Nationaler Rat, dem diese Aufgabe gestellt wurde, nicht sicher sein, wie vorzugehen ist, so möge er dies mit dem Kontinentalen Berateramt erörtern oder dem Universalen Haus der Gerechtigkeit schreiben, welches ihn dann mit den Nationalen Räten in Verbindung setzen wird, die am ehesten helfen können.

Liegenschaften

Im Verlauf der vergangenen Pläne sind bereits viele Liegenschaften erworben worden. Es ist wichtig, daß dieses Eigentum ordentlich gepflegt und instand gehalten wird. Die Nationalen Geistigen Räte sollten in ihren Budgets jährlich Beträge für die Instandhaltung der nationalen Besitztümer zur Seite legen, so daß Mittel zur Verfügung stehen, wenn Reparaturen nötig werden, ohne daß dadurch eine plötzliche Krise im Nationalfonds hervorgerufen wird. Örtliche .Ha.zíratu'l-Quds und anderes örtliche Gemeindeeigentum sollte weitestgehend von den Freunden am Ort selbst unterhalten werden.

Es ist auch wichtig, von den Besitztümern des Glaubens vollen Gebrauch für die Zwecke zu machen, für die sie erworben wurden. Gut gepflegte und regelmäßig genutzte Besitztümer werden nicht nur ein Mittel zur Förderung des Bahá'í-Gemeindelebens sein, sondern auch zum Ansehen und der Würde des Glaubens in den Augen der Nicht-Bahá'í-Öffentlichkeit beitragen.

Einige Besitztümer, wie regionale und örtliche .Ha.zíratu'l-Quds und örtliche Stiftungen, zu denen im Fünfjahresplan aufgerufen wurde, sind noch nicht erworben worden, in den meisten Fällen wegen örtlicher Gegebenheiten, über die die Freunde keine Kontrolle hatten. Diese Ziele sollen weiterhin eifrig verfolgt werden, damit sie, sobald die Umstände es erlauben, erreicht werden können. Sollte es unüberwindbare Schwierigkeiten geben, die den Erwerb einer solchen Liegenschaft in absehbarer Zeit ausschließen, so soll ein ausführlicher Bericht hierüber an das Universale Haus der Gerechtigkeit geschickt werden.

Für Ziele, die in der Anfangsphase des Siebensjahresplanes den Erwerb weiterer örtlicher .Ha.zíratu'l-Quds vorsehen, ist kein Unterstützungsbudget aus dem Internationalen Fonds bereitgestellt worden.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit sieht in den vor uns liegenden Jahren einem Aufschwung der Aktivität mit großer Erwartung entgegen und versichert Sie alle seiner inbrünstigen Gebete in den Heiligen Schreinen für den raschen Fortschritt in allen Punkten des neuen Planes.





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25. April 1979 - Telegramm zum Abschluß des Fünfjahresplanes in Deutschland

Hocherfreut (über die) Erreichung (der) Ziele (zur Bildung der) Geistigen Räte (sowie den) ausgezeichneten Fortschritt (des) Glaubens im ganzen Land. (Wir) beten (in den) Heiligen Schreinen, (daß die) geliebte deutsche Bahá'í-Gemeinde kraftvoll (in die) Eröffnungsphase (des) Siebenjahresplanes hineinschreiten (und ihre) stark erhöhte Leistungsfähigkeit, (das) Ergebnis (der) Anstrengungen hingebungsvoller Bemühungen, (die) Ziele (des) Fünfjahresplanes zu erreichen, erweisen wird.





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4. Mai 1979 - Antworttelegramm zur 49. Nationaltagung

(Unsere) Herzen (sind) freudig bewegt (über den) edlen Geist, (den die) deutsche Bahá'í-Gemeinde gezeigt (hat). Teilnahme (und) Einsatz (bei der) Nationaltagung (waren ein) Höhepunkt (der) angestrengten Bemühungen (der) vergangenen Monate (sowie eine) erfolgversprechende Einleitung (des) Siebenjahresplanes. (Wir) versichern (Sie unserer) inbrünstigen Gebete, (daß die) göttlichen Gnadengaben (die) ergebenen Bemühungen (der) innig geliebten Anhänger Bahá'u'lláhs (im) Herzen (des) europäischen Kontinents (in) zunehmenden Maße stärken werden.





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29. Juni 1979 - Dauer der Amtszeit von Mitgliedern der Kontinentalen Beraterämter

(Der) Augenblick (ist) geeignet, (die) Dauer (der) Amtszeit (für) Mitglieder (der) Kontinentalen Beraterämter bekanntzugeben, wie (dies) in (der) Ankündigung (der) Errichtung dieser Institution und in (der) Satzung (des) Universalen Hauses (der) Gerechtigkeit vorgesehen wurde. (Es ist) jetzt beschlossen (worden), daß (die) Amtsdauer fünf Jahre betragen wird, angefangen (vom) Tag (des) Bündnisses (am) 26. November 1980. (Wir) erflehen (von der) altehrwürdigen Schönheit göttliche Segnungen (für die) Entwicklung dieser lebenswichtigen Institution (der) Bahá'í-Verwaltungsordnung.





+139

4. Juli 1979 - Beraterin Anneliese Bopp ins Internationale Lehrzentrum berufen
Hocherfreut geben (wir die) Berufung (von) Beraterin Anneliese Bopp ins Internationale Lehrzentrum bekannt.





+140

6. Dezember 1979 - Ausschachtungsarbeiten auf den Tempelgeländen in Samoa und Indien

Höchsterfreut geben (wir den) Beginn (der) Ausschachtungsarbeiten (auf dem) Tempelgelände (in) Samoa (in) Gegenwart Seiner Hoheit Malietoa Tanumafili II. (bei einer) besonderen Feier (am) ersten Dezember bekannt. Dieses historische Ereignis fällt (mit dem) Abschluß (der) Ausschachtung und (der) Bauausschreibung für (die) Errichtung (des) Muttertempels (von) Indien zusammen. (Wir sind) sicher, (daß) diese Siege neuen Mut geben (und den) Herzen (der) Freunde Freude bringen werden, (die durch die) jüngsten Ereignisse (in der) Wiege (des) Glaubens betrübt worden (sind). (Wir) bringen inbrünstige Dankgebete (an der) Heiligen Schwelle dar.





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30. Dezember 1979 - Hinscheiden der Hand der Sache Dr. Rahmatu'lláh Muhájir

Wir bedauern zutiefst das frühzeitige Hinscheiden der geliebten Hand der Sache Rahmatu'lláh Muhájir, der während seiner letzten Südamerikareise in Quito, Ecuador, einem Herzanfall erlag.

Das schonungslose, uneingeschränkte Verströmen körperlicher und geistiger Kräfte eines Menschen, der alles auf dem Pfade des Dienstes hingab, hat nun aufgehört. Die Nachwelt wird seine hingebungsvollen Dienste in seinen Jugendjahren in der Wiege des Glaubens, seine anschließenden einzigartigen Leistungen auf dem Gebiete des Pionierens in Südostasien, wo er den Ehrentitel »Ritter Bahá'u'lláhs« gewann, seine unermüdlichen Bemühungen in mehr als zwei Jahrzehnten seit seiner Ernennung zur Hand der Sache, in vielen Ländern des Ostens und Westens den Beitritt in Scharen in Gang zu setzen, in den Annalen des Glaubens verzeichnen. Die Freunde, die in allen Kontinenten diesen tragischen Verlust bedauern, sind nun plötzlich der Mitarbeit eines Menschen beraubt, der durch seine Liebenswürdigkeit, seine strahlende Persönlichkeit, seinen beispielhaften, unerschütterlichen Eifer, seinen schöpferischen, begeisternden Ansatz zur Erfüllung gesetzter Ziele ihre Zuneigung gewonnen hatte.

Wir bitten die Freunde dringend, überall Gedenkversammlungen abzuhalten, die seinem hohen Rang und seinen außerordentlichen Leistungen angemessen sind. Möge seiner strahlenden Seele im Königreich Abhá für seine ergebenen, selbstaufopfernden Dienste in der Sache Gottes reiche Ernte beschieden sein.

Halten Sie auch eine besondere Gedenkversammlung im Mashriqu'l-Adhkár ab.





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12. Februar 1980 - Hinscheiden der Hand der Sache .Hasan Balyúzí

Gebrochenen Herzens zeigen (wir das) Hinscheiden (der) innig geliebten Hand (der) Sache (Gottes) .Hasan Balyúzí an. (Die) gesamte Bahá'í-Welt (hat) einen ihrer mächtigsten Fürsprecher (und) kenntnisreichsten Historiker verloren. Seine erhabene Abstammung, seine hingebenden, mühevollen Dienste (im) göttlichen Weinberg (und) seine hervorragenden literarischen Werke vereinigen sich (gleichermaßen) zur Verewigung seines verdienten Namens in (den) Annalen (des) geliebten Glaubens. (Die) Freunde (sind) überall aufgerufen, Gedenkversammlungen abzuhalten. (Wir) beten (an den heiligen) Schreinen, (daß) seine beispielhaften Leistungen, seine Standhaftigkeit, Geduld und Demut (sowie) seine hervorragenden Werke, (die er) als Gelehrter (hinterließ), viele hingebungsvolle Arbeiter (in den) nachwachsenden Generationen anfeuern werden, in seine glorreichen Fußstapfen zu treten. Halten (Sie) im Muttertempel (Europas eine) besondere Gedenkversammlung ab.





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21. März 1980 - Naw-Rúz-Botschaft

Die erfolgreiche Inangriffnahme des Siebenjahresplanes und die im ersten Jahr seiner Eröffnungsphase gemachten Fortschritte lindern in gewissem Maß das Unheil und die Trübsal, die im vergangenen Jahr den sich durchringenden Glauben Gottes bestürmt haben. Die in der Wiege unseres Glaubens gegen uns gerichtete jüngste Verfolgungswelle ist durch den göttlichen Ratschluß noch gesteigert worden und sucht die gesamte Bahá'í-Weltgemeinde heim. Auf dem Höhepunkt ihrer hervorragenden Leistungen für den Glauben Gottes und in der kurzen Spanne von zwanzig Wochen wurden drei der Hauptsachwalter der keimhaften Weltordnung Bahá'u'lláhs, die Hände der Sache Gottes Enoch Olinga, Rahmatu'lláh Muhájir und .Hasan Balyúzí ins Königreich Abhá abberufen und ließen uns alle verwaist und erschüttert über die ungeheure Größe unseres Verlustes und die bestürzende Grausamkeit der Begleitumstände bei der Ermordung unseres lieben Enoch Olinga und der Mitglieder seiner Familie zurück.

Im Iran hat die Verwirrung, die das ganze Land erfaßt, den grimmigen, hartnäckigen Feinden des Glaubens den Weg geebnet, um ihrem fanatischen Haß zu frönen. Das Heilige Haus des Báb wurde zerstört, und es tauchten Pläne auf, diese Stätte für immer zu vernichten. Das Síyáh-Chál und das Haus von Bahá'u'lláh in Teheran wurden ebenso wie alle anderen Heiligen Stätten und Besitztümer beschlagnahmt. Ein Mitglied des Nationalen Geistigen Rates und zwei des örtlichen Geistigen Rates von Teheran wurden entführt; das Verbleiben von zwei der Entführten ist immer noch unbekannt; der Dritte ist im Gefängnis. Auch ein Berater und einige Freunde, die dem Nationalen Sekretariat angehörten oder Mitglieder des örtlichen Geistigen Rates von Teheran waren, wurden ins Gefängnis gesteckt. Die Bahá'í wurden hart bedrängt, ihren Glauben zu verleugnen, und in einem Fall beschritt ein Gläubiger, der dies ablehnte, den glorreichen Pfad des Märtyrertums und wurde hingerichtet. Neben alledem wurde eine Kampagne von Verleumdungen und falschen Anschuldigungen gegen die Freunde mit der Absicht geführt, sie zu den Vogelfreien eines zügellosen Gesindels zu machen.

Und doch liegt, wie seit eh und je in der Sache Gottes, die heilsame Wirkung des Wechselspiels von Unheil und Triumph klar vor Augen. Der unerschütterliche Glaube der innig geliebten, hartgeprüften und allezeit standhaften persischen Bahá'í-Gemeinde hat durch die heldenhafte Haltung und das Beispiel ihres Nationalen Geistigen Rates, unterstützt und angefeuert durch die Berater und ihre Hilfsamtsmitglieder, eine geistige Neubelebung der geliebten Freunde bewirkt. Wie ein Mann sind sie geeint, bilden eine Frontlinie leuchtender Geistigkeit und Unerschütterlichkeit und erscheinen, wie ein Beobachter berichtet, wie eine gewaltige Gemeinschaft eifriger, erhobener und strahlender neuer Gläubiger.

Die Wirkung ihrer Antwort auf die Leiden, die sie von allen Seiten bedrängen, blieb nicht auf ihr Heimatland beschränkt. Vom fernsten Osten bis zum äußersten Westen, von Pol zu Pol - wo immer das Banner Bahá'u'lláhs gehißt worden ist - spüren die Freunde den Drang zum Opfer und haben sich erhoben, um jenen großen Anteil an der Arbeit des Glaubens auf dem Gebiet der Lehrarbeit, des Pionierens und des finanziellen Beitrages zu übernehmen, den die persischen Freunde einstweilen nicht länger tragen können.

Die wunderbare Liebe, die überall in den Herzen der Bahá'í durch das plötzliche und vorzeitige Hinscheiden der geliebten Hände der Sache Gottes entfacht wurde, hat die Gläubigen dazu bewegt, sich erneut mit verstärkter Inbrunst und Selbstaufopferung der Förderung jener Arbeit zuzuwenden, der alle Hände der Sache Gottes ihr Leben geweiht haben.

Die weltweite Reaktion der Freunde auf diese Tragödie ist umso ermutigender in Anbetracht der klaren Warnungen, die von `Abdu'l-Bahá und dem geliebten Hüter über die heftige und weitverbreitete Feindseligkeit ausgesprochen wurden, die das verstärkte Wachstum der Sache Gottes auf den Plan rufen wird. Hieran gibt es keinen Zweifel. Shoghi Effendi machte auf das »Ausmaß und den Charakter der Mächte« aufmerksam, »die dazu bestimmt sind, mit Gottes heiligem Glauben zu kämpfen«, und untermauerte seine Beweisführung mit diesen prophetischen und unheilverkündenden Worten `Abdu'l-Bahás: »Wie groß, wie überaus groß ist diese Sache! Wie heftig wird der Angriff aller Völker und Geschlechter der Erde. Bald wird nah und fern das Geschrei der Massen in ganz Afrika, ganz Amerika, der Kampfruf der Europäer und der Türken, das Murren Indiens und Chinas zu hören sein. Wie ein Mann und mit all ihrer Macht werden sie sich erheben, um Seiner Sache zu widerstehen. Dann werden die Ritter des Herrn mit dem Beistand Seiner Gnade aus der Höhe, gestählt im Glauben, unterstützt durch die Macht der Erkenntnis und verstärkt durch die Legionen des Bündnisses, sich erheben und die Wahrheit des Verses offenbaren: ,Sehet die Verwirrung, welche die Scharen der Besiegten befallen hat!`«

Der geliebte Hüter schrieb ausführlich über dieses Thema und seinen unvermeidlichen Ausgang: »So ungeheuer der Kampf auch ist, den Seine Worte erahnen lassen, bezeugen sie doch auch den vollständigen Sieg, den die Vorkämpfer des Größten Namens letztlich erreichen werden.«

Jetzt ist es deshalb unsere heilige Pflicht, unsere Freiheit dort, wo wir sie haben, in höchstem Maße zu nutzen und die Sache Gottes zu verbreiten, solange wir noch dürfen. Der sicherste Weg, dies zu tun und das Wohlgefallen Bahá'u'lláhs zu gewinnen, besteht darin, mit Hingabe und unnachgiebigem Eifer die Ziele eines jeden Planes, der gerade in Kraft ist, zu verfolgen; denn Bahá'u'lláh hat erklärt: »Mir zu helfen heißt, Meine Sache zu lehren.«

Mit dem Siebenjahresplan wurde ein guter Anfang gemacht. Im Weltzentrum des Glaubens wurde die Errichtung des Sitzes des Hauses der Gerechtigkeit ohne Unterbrechung vorangetrieben, das Haus von `Abdu'lláh Páshá wurde repariert und erneuert, die Gärten um das .Haram-i-Aqdas in Bahjí wurden weiter vergrößert, und eine allgemeine Neustrukturierung der Arbeit im Weltzentrum wurde in Angriff genommen, um dessen ständig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden und von den allerneuesten technischen Errungenschaften Gebrauch zu machen.

Der Enthusiasmus, mit dem die Freunde überall die Eröffnung des Siebenjahresplanes begrüßten und sich rüsteten, um die Ziele der ersten Zweijahresphase zu erreichen; ihr großzügiger und opfervoller Spendenstrom und die zuversichtlichen und anhaltenden Bemühungen, um die beiden geheiligten Unternehmungen voranzutragen, die auf dem indischen Subkontinent und im Herzen des weiten Pazifischen Ozeans begonnen wurden; die ständigen Aktivitäten der Internationalen Bahá'í-Gemeinde zur Verbesserung ihrer Beziehungen zu den Vereinten Nationen; die starke Zunahme von Bahá'i-Kinderklassen und schließlich die unzählbaren Siege, die auf dem Felde des Lehrens errungen wurden und ihren Niederschlag darin finden, daß die weltweite Gemeinde des Größten Namens jetzt in über 106 000 Orten vertreten ist - dies alles bezeugt auf internationalem Gebiet die unangreifbare und in der Tat ständig wachsende Stärke der Sache Gottes.

Die Anzahl der Pioniere und Reiselehrer, die während des ersten Jahres des Siebenjahresplanes das Feld betreten haben, und der zahlenmäßige Anstieg der nationalen Gemeinden, die Pioniere aussenden, sind höchst ermutigend. Dieser Strom von Pionieren und Reiselehrern muß verstärkt und noch breiter gestreut werden, und wir hoffen inbrünstig, daß mindestens alle jene Pioniere, die zur Erfüllung der Ziele der ersten Phase des Siebenjahresplanes benötigt werden, an Ridván 1981 auf ihrem Posten sein werden.

Der Sache Gottes wurde auf dem Gebiet der Proklamation eine noch nie dagewesene Publizität zuteil, hauptsächlich als Ergebnis der Verfolgungen im Iran. In Südamerika wurden zusätzlich bedeutende Fortschritte in der Bahá'í-Rundfunkarbeit erzielt, wo die Reichweite von Radio Bahá'í in Otavalo, Ecuador, durch Kurzwellenübertragungen stark ausgedehnt wurde und wo jetzt in Puno, Peru, am Ufer des Titicacasees eine neue Station errichtet wird. Diese beiden Errungenschaften eröffnen unschätzbare neue Möglichkeiten für Lehrarbeit, Proklamation und Festigung der Sache Gottes in diesem Gebiet.

In 88 Sprachen der Welt wurde das Angebot an Bahá'í-Literatur erweitert, und es sind drei neue Sprachen hinzugekommen, so daß sich die Gesamtzahl der Sprachen, in denen Bahá'í-Literatur zur Verfügung steht, auf 660 erhöht hat.

An Ridván 1980 wird der Nationale Geistige Rat der Transkei mit Sitz in Umtata gebildet. Zu Ridván 1981 werden sechs weitere Nationale Geistige Räte gebildet, davon zwei in Afrika: Namibia mit Sitz in Windhoek und Bophuthatswana mit Sitz in Mabatho; drei in Amerika: die Leeward-Inseln mit Sitz in St. John's, Antigua, die Windward-Inseln mit Sitz in Kingstown, St. Vincent, sowie Bermuda mit Sitz in Hamilton; und einer in Australasien: Tuvalu mit Sitz in Funafuti. Mit großer Freude geben wir die Wiederbildung des Nationalen Geistigen Rates von Uganda bekannt, die an Ridván 1981 stattfinden wird.

Im Verlauf des kommenden Jahres wird das Universale Haus der Gerechtigkeit in Beratung mit dem Internationalen Lehrzentrum die Erfolge der Eröffnungsphase begutachten und daraufhin allen Nationalen Geistigen Räten die Ziele bekanntgeben, die sie im nächsten Abschnitt des Siebenjahresplanes verfolgen sollen.

Die Nationalen Geistigen Räte werden dringend gebeten, während dieses letzten Jahres der Eröffnungsphase ihre Bemühungen fortzusetzen, in würdevoller Weise und mit Weisheit an prominente Persönlichkeiten aus allen Gebieten menschlichen Wirkens heranzutreten, um sie mit dem Wesen und dem Geist unseres Glaubens vertraut zu machen und ihre Achtung und Freundschaft zu gewinnen. Gleichzeitig müssen ständig nachhaltige Lehrfeldzüge organisiert werden, um immer direkter und möglichst großen Hörerkreisen die Existenz und die grundlegenden Lehren des Glaubens Gottes zu verkünden. Da alle menschlichen Anstrengungen, die alte Ordnung zu flicken, nur in immer größere Verwirrung münden, ist jetzt die Zeit gekommen, ständig und in aller Offenheit den Anspruch des Glaubens und die erlösende Macht Bahá'u'lláhs zu verkünden.

Die außerordentliche Schwungkraft, die am Anfang des Planes erzeugt wurde und die jetzt die Bahá'í-Weltgemeinde weiter vorantreibt, die unmittelbaren Ziele der Eröffnungsphase zu erreichen, muß aufrechterhalten und noch weiter beschleunigt werden, so daß für das geistige Leben der Gemeinde feste Grundlagen gelegt werden und sie ihre Kräfte für die Bewältigung der besonderen Aufgaben sammelt, die ihr im Hauptteil des Planes gestellt werden.

Unsere Herzen schlagen voll Liebe und Bewunderung für die Freunde im Iran und in Dankbarkeit für die Gläubigen in aller Welt, die spontan ihre verfolgten Brüder verteidigten und eine Last auf ihre Schultern nahmen, die unter allen Umständen getragen werden muß.





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22. April 1980 - Botschaft zur 50. Nationaltagung

Mit Herzen voll Freude und Dankbarkeit grüßen wir die Anhänger Bahá'u'lláhs in Deutschland, bezeugen die Errungenschaften dieser mutigen Gemeinde und haben die glorreiche Bestimmung, auf die sie unaufhaltsam zustrebt, vor Augen.

Die tapferen Diener des Größten Namens im Herzen des europäischen Kontinents, die in den frühen Jahren des Bestehens ihrer Gemeinde durch den Besuch unseres geliebten Meisters gesegnet wurden, welcher, mit den Worten des Hüters, »über sie wacht, sie hoch gelobt hat, sie innig liebt« und »bereit ist, ihre Arbeit zu segnen und ihre Anstrengungen zu stärken«, erduldeten dann in rascher Folge die Härte des Ersten Weltkrieges, den darauf folgenden wirtschaftlichen Zusammenbruch ihres Landes und die heftigen Prüfungen während der Nazi-Unterdrückung, durch die ihre administrativen Einrichtungen aufgelöst, ihre Archive größtenteils zerstört und sie selbst gepeinigt und verfolgt wurden. Von der Not und den Entbehrungen des Zweiten Weltkrieges gezeichnet, haben diese Helden der Sache Bahá'u'lláhs sich dennoch eifrigen Herzens erhoben, um das Banner Seines Glaubens wieder hoch aufzurichten und die Institutionen Seiner weltvereinenden Ordnung wieder herzustellen.

Die Errungenschaften Ihrer Gemeinde stehen klar und deutlich vor den Augen der Welt. Aus den Reihen der deutschen Bahá'í kamen der erste Märtyrer Europas, dessen leuchtendes Grab die Erde Bulgariens segnet, zwei hervorragende Hände der Sache Gottes, vier Ritter Bahá'u'lláhs, die das Licht des Glaubens zu den Inseln der Nordsee und des Mittelmeeres und vor kurzem nach Weißrußland getragen haben, und Pioniere in so weit entfernte Länder wie Südafrika, Südamerika und den Fernen Osten. Auf Ihrem Territorium haben Sie nicht nur die erste Bahá'í-Sommerschule Europas gegründet, von der der geliebte Hüter hoffte, daß sie sich zu einer der hervorragendsten Bahá'í-Universitäten des Westens entwickeln wird, sondern auch den Muttertempel des Kontinents erbaut, in dessen Schatten Ihr Nationales .Ha.zíratu'l-Quds in gebührender Weise errichtet worden ist.

An Ihrer Heimatfront war der Fortschritt im Lehren langsam und schwierig; doch allein in den letzten neun Jahren, seit Januar 1971, hat die Zahl der erwachsenen Bahá'í in Deutschland um mehr als 70 % zugenommen, und die Zahl der Bahá'í-Jugendlichen hat sich mehr als vervierfacht. Die Zahl der örtlichen Geistigen Räte und der Zentren, die für den Glauben erschlossen wurden, hat sich mehr als verdoppelt.

Über Ihre Grenzen hinaus sind die »Zwillingsgemeinden« von Deutschland und Österreich, wie der Hüter bezeugte, »dazu bestimmt, durch ihre gemeinsame Sprache, ethnischen Merkmale und Traditionen eine bemerkenswerte und hervorragende Rolle in der weltweiten Fortentwicklung des Glaubens auf den beiden Kontinenten Europa und Asien zu spielen. ...« Sie haben bereits zwei Tochtergemeinden fest begründet: Österreich, Ihren »Zwilling« bei dieser Arbeit, und Griechenland, die eigentliche Wiege der westlichen Kultur, und Sie arbeiten mit stetig wachsendem Eifer und Erfolg in den Ländern des Ostens.

Nun, genau in der Mitte der Eröffnungsphase des Siebensjahresplanes, da die dunklen Wolken des Verfalls ihre Schatten auf die Menschheit werfen, rufen wir Sie mit innigster Sehnsucht und hohen Erwartungen auf, jede nur mögliche Gelegenheit zur Förderung des Glaubens zu ergreifen und sich wie nie zuvor zu bemühen, Herz und Sinn Ihrer Landsleute und der Massen jenseits Ihrer Grenzen für das Licht der Sache Gottes zu öffnen. Wer anders als die deutschen Bahá'í, die angesichts überwältigender Not solche Siege zu verzeichnen hatten, kann mit festem Vertrauen die Wahrheit dieser Worte Bahá'u'lláhs bezeugen:

»Bewaffnet mit der Macht Deines Namens kann mich nichts verletzen, und mit der Liebe zu Dir in meinem Herzen können mich alle Leiden der Welt nicht schrecken.«

Jetzt gilt es, Ausdauer, Kühnheit, Selbstaufgabe und diamantharten Glauben zu zeigen. Daß die geliebten Anhänger Bahá'u'lláhs in Deutschland dem hohen Rang entsprechen werden, der dem Heldentum ihrer Ahnen und der erhabenen Größe ihrer Berufung gebührt - dafür beten wir inbrünstig an der Heiligen Schwelle.





+145

28. April 1980 - Telegramm zur 50. Nationaltagung

(Wir) sind hocherfreut (über den) wundervollen Geist (und die) lobenswerten Leistungen (der) sehr gesegneten fünfzigsten Nationaltagung. Versichern (Sie unserer) Gebete für diejenigen, (die sich) erhoben (haben, um zu) pionieren und Lehrreisen (zu) machen. Erflehen (von) Bahá'u'lláh Führung, Inspiration und Unterstützung (für die) Arbeit (des) Nationalen Geistigen Rates und (der) ganzen deutschen Bahá'í-Gemeinde, vereint in (der) Verfolgung (der) Ziele (des) nationalen Ein-Jahres-Lehrfeldzuges.





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24. Juli 1980 - Die Verfolgung der Bahá'í im Iran

Kraftvolle Schritte werden von Freunden aller Kontinente mit großer Entschlossenheit unternommen, nachdem die Nachricht vom Märtyrertod zweier Freunde in Tabríz bekannt wurde; dies ist in höchstem Maße befriedigend. Einflußreiche Blätter haben bereits außerordentlich wohlwollende Artikel zur Unterstützung der verfolgten Freunde veröffentlicht. Soeben erhielten wir die Nachricht, daß das kanadische Parlament einen einstimmigen Beschluß faßte, in dem die Verfolgung der iranischen Bahá'í beklagt und die kanadische Regierung aufgefordert wird, sich an die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen zu wenden. Die kanadische Regierung hat eine Resolution unmittelbar an den Generalsekretär der Vereinten Nationen gerichtet.

Im Iran setzt sich die Welle der Verfolgung unvermindert fort. Nicht zufrieden mit der Beschlagnahmung des Gemeindebesitzes einschließlich der Heiligen Stätten, unternimmt man Schritte, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten einzufrieren, um so die Bahá'í von allem Geschäftsverkehr auszuschließen. In Yazd und Shíráz wurden weitere Mitglieder der Geistigen Räte festgenommen und inhaftiert. In Manshad, einem Dorf bei Yazd, wurden fünf Bahá'í, drei Männer und zwei Frauen, grausam vom Pöbel überfallen, so daß sie im Krankenhaus von Yazd behandelt werden mußten. In jedem Dorf befinden sich die Bahá'í in ständiger Gefahr. Solche Akte der Ungerechtigkeit, wie sie unsere unschuldigen Glaubensbrüder treffen, erfordern verstärkte Anstrengungen, die Hilfe der freiheitsliebenden Regierungen der Welt zu erbitten, wo immer möglich die Sympathie und Unterstützung wohlmeinender hervorragender Führer der Gesellschaft zu erlangen und die gottgegebenen Lehren zu verkünden und öffentlich bekannt zu machen, wobei das Prinzip der Loyalität gegenüber der Regierung und der nicht-politische Charakter des Glaubens betont werden muß.





+147

29. Juli 1980 - Hinscheiden der Hand der Sache Adelbert Mühlschlegel

Betrübten Herzens geben wir das Hinscheiden der geliebten Hand der Sache Gottes Adelbert Mühlschlegel bekannt. Die ganze Bahá'í-Welt erleidet einen schmerzlichen Verlust, der besonders in Europa, der hauptsächlichen Stätte seiner hervorragenden Dienste für die Sache Gottes, empfunden wird. Nachdem er viele Jahre im Nationalen Geistigen Rat von Deutschland gedient hatte, wurde er nach seiner Erhebung in den Rang einer Hand der Sache einer der Baumeister der allmählich sichtbar werdenden europäischen Bahá'í-Gemeinde; er reiste, er ermutigte, er ließ sich nieder, wo immer sein Dienst am dringendsten benötigt wurde; schließlich pionierte er nach Griechenland und gab seine Seele an seinem Pionierort auf. Seine stete Bereitschaft zu dienen, seine Fähigkeit, die Zuneigung der Gläubigen und anderer gleichermaßen durch seine liebevolle Güte, seine heitere Demut, seine strahlende Fröhlichkeit zu gewinnen, sein nie erlahmendes Streben nach Wissen und seine völlige Hingabe an die Gesegnete Schönheit machen ihn zu einem wunderbaren Beispiel des Bahá'í-Lebens.

Wir ersuchen die Freunde, aus Anlaß seines Hinscheidens Gedenkfeiern abzuhalten, und bitten um gebührende Gedenkandachten in allen Muttertempeln.





+148

23. September 1980 - Botschaft zur Verfolgung der Bahá'í im Iran

(Die) Mitglieder (der) ehrwürdigen Gemeinde der Anhänger Bahá'u'lláhs in Seinem Geburtsland begegnen voller Würde, (mit) Heldentum und in der Tradition ihrer berühmten Vorläufer Prüfungen, deren Schwere an die Grausamkeit (der) Verfolgungen (im) heroischen Zeitalter unseres Glaubens erinnert. (Das) unschuldige Blut, (das) sie (am) Altar (des) Opfers vergießen, (die) schweren Leiden, (die) sie in Liebe (auf) Seinem Pfad in heiterer Gelassenheit ertragen, setzen geistige Energien frei, die (den) kraftvollen Fortschritt (des) Glaubens beschleunigen (und) neue Horizonte eröffnen, indem er unwiderstehlich seiner endgültigen Bestimmung entgegendrängt.

(Der) Unterausschuß (der) Vereinten Nationen zur Verhinderung (von) Diskriminierung (und zum) Schutz (der) Minderheiten, der in Genf tagt, verabschiedete auf eine Eingabe von Vertretern (der) Internationalen Bahá'í-Gemeinde (hin) am 10. September (eine) Resolution, (die der) tiefen Besorgnis um (die) Sicherheit (der) Bahá'í (im) Iran Ausdruck verleiht und (den) Generalsekretär (der) Vereinten Nationen bittet, diese Besorgnis (den) iranischen Behörden (zu) übermitteln und sie aufzurufen, (die) grundlegenden Rechte und (die) Freiheit (der) Bahá'í-Gemeinde (zu) schützen.

(Das) Europäische Parlament, (das) in Straßburg zusammentritt und über 400 Mitglieder hat, nahm am 19. September einstimmig (eine) historische Resolution an, die (die) systematische Verfolgungskampagne (gegen die) iranischen Bahá'í und (die) Verletzung ihrer grundlegenden Menschenrechte verurteilt, (die) iranische Regierung auffordert, (der) Bahá'í-Gemeinde rechtliche Anerkennung und Schutz zu gewähren und (die) Außenminister (der) europäischen Staaten aufruft, dringend bei (den) iranischen Behörden vorstellig zu werden, (die) Verfolgungen (der) Bahá'í zu beenden und ihnen zu erlauben, ihre Religion frei auszuüben und (die) grundlegenden Menschenrechte zu genießen, (und) bittet (die) Mitgliedstaaten, (ein) Embargo auf alle Verkäufe subventionierter landwirtschaftlicher Überschußprodukte an Iran zu errichten, bis (den) iranischen Bürgern (die) vollen Menschenrechte gewährt werden. Dieses bemerkenswerte Dokument endet mit (der) Aussage, daß (die) vorliegenden Beweise zu der Annahme führen, daß (die) Verhaftungen (und) Hinrichtungen von Bahá'í nach vorbereitetem Plan fortgeführt und verstärkt werden, und (daß) nur (eine) schnelle Antwort des Europäischen Parlamentes diese Entwicklung beenden kann.

Berichte aus allen Kontinenten legen beredtes Zeugnis ab von (dem) Gefühl (der) Einheit, (das die) Freunde überall angesichts (der) Beraubung ihrer persischen Brüder verbindet. (Sie) stellen großzügig (ihre) Zeit, (ihre) Kräfte und Mittel zur Verfügung im Gedenken an (die) Märtyrer und anstelle (ihrer) inhaftierten Freunde, unter denen sich ein Berateramtsmitglied, Hilfsamtsmitglieder (und) alle Mitglieder (des) Nationalen Geistigen Rates sowie (die) Mitglieder verschiedener örtlicher Geistiger Räte befinden. Diese Heimsuchungen haben es (den) Freunden in den meisten Ländern (der) Welt ermöglicht, (den) Glauben den höchsten Beamten ihres Landes zu verkünden und seine Lehren (durch die) Massenmedien bekanntzumachen. Zahllose Versprechen zu Treue und erneuter Hingabe wurden gegeben, um in den bevorstehenden Tagen größeren Zusammenhalt (und größere) Kühnheit zu zeigen (und) noch mehr herzbewegende Siege für Gottes heiligen Glauben zu erringen. Während (der) letzten Wochen hat sich (die) Zahl (der) Gläubigen in einem Land Lateinamerikas schon mehr als verdoppelt, als Ergebnis der Bemühungen, (die durch das) Blut (der) unschuldigen Märtyrer ausgelöst wurden. Mögen (auch) in anderen Ländern tapfere Menschen in ihre Fußstapfen treten.

(Wir) rufen (die) Freunde überall auf, gemeinsam mit uns Dankgebete für diese Siege zu sprechen und für (die) würdige Antwort (der) Bahá'í-Gemeinde auf (die) bitteren Verfolgungen, (die den) Gläubigen im Geburtsland Bahá'u'lláhs zugemessen wurden. (Wir) bitten alle Freunde dringend, in ihren Bittgebeten an Ihn fortzufahren, auf daß (die) unnachgiebige, starre Haltung (der) iranischen Behörden gegenüber (den) Bahá'í sich wandeln möge in Vertrauen und Freundschaft zu (den) friedliebenden, gesetzestreuen Mitgliedern (einer) jetzt noch geächteten Gemeinde.





+149

24. September 1980 - Erwerb von Grundbesitz im Heiligen Land

Mit Herzen voller Dankbarkeit für reiche Bestätigungen (durch die) Gesegnete Schönheit geben (wir die) folgenden Errungenschaften (im) Heiligen Land bekannt:

In Bahjí (wurde) gerade (ein) Streifen Land (von) 13 150 Quadratmetern erworben, (der in dem) Gebiet an (der) Zufahrt zum westlichen Tor (des) Bahá'í-Besitzes liegt. (Mit dem) erworbenen Gelände an (der) gegenwärtigen Südgrenze (des) Olivenhains kann (das) Südwest-Viertel (der) Gärten rund um (den) Heiligsten Schrein fertiggestellt werden. Der Erwerb wurde ermöglicht durch Austausch gegen Besitz an (der) Hauptstraße nach Nazareth, (der dem) Weltzentrum von Nachkommen (des) verstorbenen .Husayn Báqir Káshání gestiftet (wurde).

Außerdem wurden fast 50 000 Quadratmeter Ackerland gekauft, (das) nördlich an (den) Besitz Mazra`ih angrenzt, (um das) Haus in (dieser) sich schnell entwickelnden Gegend zu schützen. (Eine) Schiffsladung (von) über 1 000 Stück - insgesamt 120 Kubikmeter - Katrina Zedernholz aus (der) Türkei (wurde) soeben im Hafen (von) Haifa gelöscht. (Diese werden) zur Restaurierung (des) Hauses (von) `Abdu'lláh Páshá in `Akká verwendet (werden).





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3. November 1980 - Neuernennung und Neuordnung der Kontinentalen Beraterämter

Eine der größten Quellen des Trostes für das Universale Haus der Gerechtigkeit inmitten der Drangsale der vergangenen zwölf Jahre war die Errichtung und das Wachstum der Kontinentalen Beraterämter und die Unterstützung, die diese Institution in stets wachsendem Maße zur gesunden Entwicklung der weltweiten Bahá'í-Gemeinde geleistet hat. Wir können der unermüdlichen Arbeit dieser ergebenen Seelen gar nicht genug Hochachtung zollen, die dazu berufen waren, diese drückende Verantwortung zu tragen, und die so getreu den Weg des aufopfernden Dienstes gegangen sind, der ihnen durch die geliebten Hände der Sache Gottes leuchtend vorgezeichnet wurde.

Im Juni 1979 fühlten wir uns veranlaßt, anzukündigen, daß die Dauer der Amtszeit der Kontinentalen Berater fünf Jahre betragen werde, beginnend am diesjährigen Tag des Bündnisses. Da sich dieser Zeitpunkt nähert, haben wir beschlossen, daß die Zeit reif ist für einen weiteren Schritt in der Entwicklung dieser Institution, der den Kontinentalen Beraterämtern in der Ausführung ihrer Aufgaben einen größeren Ermessensspielraum und größere Handlungsfreiheit gewährt und gleichzeitig das Tätigkeitsfeld jedes Berateramtes auf einen ganzen Kontinent erweitert. Im Einklang mit diesem Beschluß werden sich die Bereiche der Kontinentalen Beraterämter ab dem Tag des Bündnisses des Jahres 137 (26. November 1980) wie folgt darstellen:

1. Afrika, bestehend aus den vier derzeitigen Bereichen dieses Kontinents.

2. Amerika, bestehend aus den derzeitigen Bereichen von Nord-, Mittel- und Südamerika.

3. Asien, bestehend aus den derzeitigen Bereichen von Westasien, Süd-Mittelasien und Südostasien sowie dem derzeitigen Bereich von Nordostasien ohne Hawaii und Mikronesien.

4. Australasien, bestehend aus dem derzeitigen Bereich von Australasien sowie Hawaii und Mikronesien.

5. Europa

Die jetzt ernannten Berater, die in diesen Kontinentalen Beraterämtern für die nächsten fünf Jahre dienen, sind:

Afrika: Dr. Húshang Ahdieh (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Mr. .Husayn Ardekání, Mr. Friday Ekpe, Mr. Oloro Epyeru, Mr. Shidan Fat'he-Aazam, Mr. Zekrollah Kazemi, Mr. Mu.hammad Kebdani, Mrs. Thelma Khelghati, Mr. William Masehla, Mr. Mu.hammad Mus.tafá, Mr. Kolonario Oule, Mrs. Isobel Sabri, Dr. Mihdí Samandarí, Mr. Peter Vuyiya, Mrs. Bahíyyih Winckler.

Amerika: Dr. Hidáyatu'lláh A.hmadíyyih, Dr. Farzam Arbáb, Mrs. Carmen de Burafato, Mr. Athos Costas, Mr. Angus Cowan, Mr. Lloyd Gardner (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Mr. Mas'úd Khamsí, Mrs. Lauretta King, Mr. Artemus Lamb, Mr. Peter McLaren, Mr. Raúl Pavón, Dr. Sarah Pereira, Mrs. Ruth Pringle, Mr. Fred Schechter, Mrs. Velma Sherill, Mr. Donald Witzel.

Asien: Mr. Burháni'd-Dín Afshín, Mrs. Shirin Boman, Dr. Masí.h Farhangí, Dr. John Fozdar, Mr. Zabí.hu'lláh Gulmu.hammadí, Mr. Aydin Güney, Mr. Dipchand Khianra, Mr. Rú.hu'lláh Mumtází, Mr. S. Nagaratnam, Mr. Khudára.hm Paymán (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Mr. Manúchihr Salmánpúr, Mr. Vicente Samaniego, Mrs. Zena Sorabjee, Dr. Chellie Sundram, Mr. Hideya Suzuki, Mr. Yan Kee Leong.

Australasien: Mr. Suhayl `Alá'í, Mr. Ben Ayala, Mr. Owen Battrick (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Mr. Richard Benson, Mrs. Tinai Hancock, Dr. Peter Khán, Mr. Lisiata Maka.

Europa: Mr. Erik Blumenthal, Mrs. Dorothy Ferraby, Dr. Agnes Ghaznavi, Mr. Hartmut Grossmann, Mr. Louis Hénuzet (Treuhänder des Kontinentalen Fonds), Mrs. Ursula Mühlschlegel, Dr. Leo Niederreiter, Mrs. Betty Reed, Mr. Adib Taherzadeh.

Eine Anzahl von Freunden, die sehr wertvolle Dienste als Berater leisteten, wurden für den kommenden Zeitraum nicht wiederernannt, und wir möchten ihnen an dieser Stelle unsere tief empfundene Dankbarkeit für ihre ergebenen Dienste aussprechen, die sie auf dem Pfade Gottes geleistet haben und noch leisten. Diese geliebten Freunde sind:

Mr. Seewoosumbur-Jeehoba Appa, Dr. Iraj Ayman, Mr. Rowland Estall, Mr. Howard Harwood, Miss Violet Hoehnke, Mrs. Salisa Kermani, Mr. Paul Lucas, Miss Elena Marsella, Mr. Alfred Osborne, Miss Thelma Perks, Mr. Hádí Ra.hmání, Mr. `Imád Sábirán, Miss Edna True.

Von jetzt an wird das Berateramt in jedem Kontinent einen erweiterten Ermessensspielraum haben, um z. B. darüber zu entscheiden, ob sein Gebiet in Bereiche aufzuteilen ist und wo die Grenzen dieser Bereiche liegen sollen, wieviele Geschäftsstellen eingerichtet werden und wo sie ihren Standort haben sollen, und auf welche Weise die Hilfsamtsmitglieder den Beratern berichten und unter ihrer Leitung tätig sein werden. Die Grundsätze und Verfahrensweisen, die die Tätigkeit der Kontinentalen Beraterämter bestimmen, und ihre Beziehungen zu den Nationalen und örtlichen Geistigen Räten und den einzelnen Freunden bleiben jedoch unverändert. In dem Maße, wie die Bahá'í-Welt die vielfache Wechselwirkung dieser zwei lebenswichtigen und sich ergänzenden Arme der Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs erlebt, wird der einzigartige Segen dieses göttlich verordneten Systems immer deutlicher sichtbar. Die harmonisch abgestimmte Zusammenarbeit und die ordnungsgemäße Erfüllung der Aufgaben dieser Institutionen, die die Herrscher und Gelehrten des Volkes Bahá verkörpern, bildet heute das grundlegende Fundament für den Schutz des Glaubens Bahá'u'lláhs und die Erfüllung Seines gottgegebenen Auftrags.

Begebenheiten von außerordentlich tiefgreifender Bedeutung ereignen sich in der Welt. Der Strom der menschlichen Geschichte fließt mit verwirrender Geschwindigkeit dahin. Jahrhundertealte Institutionen stürzen in sich zusammen. Traditionen und Gebräuche werden vergessen, und neugeborene Ideologien, von denen erwartet wurde, daß sie deren Platz einnehmen würden, schwinden dahin und zerfallen vor den Augen ihrer ernüchterten Anhänger. Inmitten dieses Zerfalls und dieser Spaltung, von allen Seiten vom Aufruhr dieses Zeitalters umtost, steigt die Ordnung Bahá'u'lláhs in jedem Teil der Welt auf, felsenfest gegründet auf das Wort Gottes, geschützt durch den Schild des göttlichen Bündnisses und unterstützt von den himmlischen Heerscharen.

Jede Institution dieser göttlich erschaffenen Ordnung ist eine weitere Zuflucht für die bestürzten Völker; jede Seele, die durch das Licht dieser heiligen Botschaft erleuchtet wird, ist ein weiteres Bindeglied in der Einheit der Menschheit, ein weiterer Diener, der die Nöte einer kranken Welt zu beheben hilft. Selbst wenn die Bahá'í-Gemeinden in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren vom Weltzentrum abgeschnitten oder voneinander getrennt werden sollten - wie mit einigen bereits geschehen - , werden die Bahá'í weder schwanken noch zögern. Sie werden unter der Führung ihrer Geistigen Räte und geleitet durch die Berater, die Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten unaufhörlich ihre Ziele verfolgen. Wir beten an der Heiligen Schwelle, daß die neue herausfordernde Entwicklung, die in der Entfaltung der Institution des Berateramtes nun stattfindet, gewaltige Kräfte für den Fortschritt der Sache Gottes in jedem Land freisetzt.





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20. November 1980 - Hinscheiden der Hand der Sache Abu'l-Qásim Faizi

(Unsere) Herzen (sind) erfüllt (von) Trauer (über das) Hinscheiden (der) unermüdlichen, selbstaufopfernden, herzlich geliebten Hand (der) Sache Gottes Abu'l-Qásim Faizi. (Die) gesamte Bahá'í-Welt beklagt seinen Verlust. Seine frühen herausragenden Leistungen in (der) Wiege (des) Glaubens durch (die) Erziehung (von) Kindern (und) Jugendlichen, (den) Ansporn (der) Freunde (und die) Förderung (der) Lehrarbeit veranlaßten (den) geliebten Hüter, ihn als beispielhaften, ausgezeichneten, tätigen Jugendlichen zu beschreiben. Seine anschließende Pioniertätigkeit in Nachbarländern Irans trug ihm die Bezeichnung (des) geistigen Eroberers dieser Länder ein. Nach seiner Ernennung (zur) Hand (der) Sache spielte er eine unschätzbare Rolle (bei der) Arbeit (der) Hände (im) Heiligen Land, reiste weit, schrieb seine literarischen Werke, setzte seine ausgedehnte, anregende Korrespondenz mit hoch und niedrig, jung und alt fort, bis seine Seele nach langer Krankheit befreit wurde und ihren Flug (ins) Königreich Abhá antrat.

(Wir) rufen (die) Freunde überall auf, angemessene Gedenkandachten (zu) seinen Ehren abzuhalten einschließlich (einer) besonderen Feierstunde (in) seinem Namen in (den) Häusern (der) Andacht (auf) allen Kontinenten. Möge sein leuchtendes Beispiel (der) Hingabe weiterhin seine Bewunderer (in) jedem Land begeistern. (Wir) beten (an den) Heiligen Schreinen, (daß) seine edle, strahlende Seele im Meer göttlicher Barmherzigkeit versinken (und) ihren ununterbrochenen Fortschritt in den unendlichen jenseitigen Welten nehmen möge.

anschließende Pioniertätigkeit in Nachbarländern Irans trug ihm die Bezeichnung (des) geistigen Eroberers dieser Länder ein. Nach seiner Ernennung (zur) Hand (der) Sache spielte er eine unschätzbare Rolle (bei der) Arbeit (der) Hände (im) Heiligen Land, reiste weit, schrieb seine literarischen Werke, setzte seine ausgedehnte, anregende Korrespondenz mit hoch und niedrig, jung und alt fort, bis seine Seele nach langer Krankheit befreit wurde und ihren Flug (ins) Königreich Abhá antrat.

(Wir) rufen (die) Freunde überall auf, angemessene Gedenkandachten (zu) seinen Ehren abzuhalten einschließlich (einer) besonderen Feierstunde (in) seinem Namen in (den) Häusern (der) Andacht (auf) allen Kontinenten. Möge sein leuchtendes Beispiel (der) Hingabe weiterhin seine Bewunderer (in) jedem Land begeistern. (Wir) beten (an den) Heiligen Schreinen, (daß) seine edle, strahlende Seele im Meer göttlicher Barmherzigkeit versinken (und) ihren ununterbrochenen Fortschritt in den unendlichen jenseitigen Welten nehmen möge.





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Januar 1981 - Ziele der zweiten Phase des Siebenjahresplanes für Deutschland

In den drei Jahren der zweiten Phase des Siebenjahresplanes sehen sich die Anhänger Bahá'u'lláhs in Deutschland der zweifachen Herausforderung gegenüber, eine schnelle Ausbreitung und Festigung ihrer Heimatgemeinde zu erreichen und mit erhöhtem Nachdruck und Einfallsreichtum die äußerst wichtigen Ziele jenseits der Grenze ihres Heimatlandes zu verfolgen. Nur Selbstaufopferung und Entschlossenheit, verbunden mit größter Weisheit und gestärkt durch himmlische Bestätigungen, werden es der deutschen Bahá'í-Gemeinde ermöglichen, in angemessener Weise die herzbewegenden Aufgaben zu erfüllen, die sie ihrer herrlichen Bestimmung entgegenführen.

Die Ziele dieser zweiten Phase - darunter auch die Ziele, die Ihnen zu Beginn des Planes gegeben wurden - lauten wie folgt:

Die Zahl der Gläubigen im ganzen Land erhöhen, die Gemeinde festigen und die Lehrarbeit auf alle Schichten der Gesellschaft ausdehnen;

Die Massenmedien verstärkt für die Proklamation und das Lehren des Glaubens nutzen;

Freundschaftliche Beziehungen zu bekannten und einflußreichen Persönlichkeiten fördern, um sie mit den grundlegenden Lehren und dem Charakter des Glaubens bekannt zu machen;

Die Zahl der Orte, in denen Bahá'í wohnen, auf 610 erhöhen;

Die Zahl der Geistigen Räte auf wenigstens 95 erhöhen;

Besondere Lehrprogramme für die Ost- und Nordfriesischen Inseln entwickeln;

Besondere Aufmerksamkeit denjenigen Gebieten schenken, in denen durch den Austausch von Lehrern und die Zusammenarbeit bei Lehrprojekten die Bahá'í von Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz und Österreich unterstützt werden können;

Die Annahme und Verfolgung von Ausbreitungslehrzielen durch alle örtlichen Geistigen Räte sicherstellen;

Die Lehrarbeit an Hochschulen verstärken;

Einzelne Gläubige und örtliche Gemeinden anspornen, immer ergebener die Bahá'í-Lebensart zu verwirklichen;

Die Einrichtung von Klassen zur Bahá'í-Kindererziehung anregen und unterstützen;

Die örtlichen Geistigen Räte ermutigen, ein Geburtenregister für Bahá'í-Kinder zu führen und ihre Pflichten bei der Durchführung von Bahá'í-Trauungen und der Gestaltung von Bahá'í-Beerdigungen erfüllen;

Das Angebot an Bahá'í-Literatur auf deutsch weiterhin bereichern, unter besonderer Beachtung der Literatur für Kinder;

Die Aufnahme von Information über den Bahá'í-Glauben in Schulbücher anstreben;

Die Herausgabe einer Zeitschrift wie der »Bahá'í-Briefe« wieder aufnehmen; ...

Mit dem Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í von Österreich bei der Herausgabe von deutscher Bahá'í-Literatur in Braille zusammenarbeiten; ...

Den Nationalen Geistigen Rat der Bahá'í von Griechenland bei der Eröffnung der Insel Kos und der Festigung des Glaubens im ganzen Land unterstützen; ...

Pläne für den Bau eines Altenheimes in Langenhain vorzubereiten, dem ersten Nebengebäude des Muttertempels von Europa; ...

Wir versichern Sie unserer innigen Gebete in den Heiligen Schreinen für den Erfolg Ihrer verdienstvollen und schwierigen Unternehmen.





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März 1981 - Naw-Rúz Botschaft

Die Erfolge der Eröffnungsphase des Siebenjahresplanes sind ein ermutigendes Zeugnis für die göttliche Fürsorge, durch die das Wachstum der Sache Gottes so liebevoll gestärkt und gestützt wird. Dieser junge Glaube, der während dieser zwei Jahre durch unerbittliche Feinde gequält und bekämpft wurde, der in rascher Folge ein Wechselbad von Krisen und Siegen erlebte und sich von dem wachsenden Aufruhr einer zerfallenden Welt umgeben sieht, hat sein Banner aufgepflanzt, seine Fundamente verstärkt und die Reichweite seiner administrativen Institutionen ausgedehnt.

Das Wiederaufleben der bitteren und barbarischen Verfolgung des Glaubens in seinem Geburtsland, der Aufstieg von fünf Händen der Sache Gottes in das Abhá-Königreich, die Verfinsterung der Horizonte der Welt durch die düsteren Schatten von Chaos und weltweiter Erschütterung, die die Lichter der Gerechtigkeit und Ordnung auslöschen, dies sind Faktoren, die Lage und Schicksal der Heerscharen Gottes in aller Welt hauptsächlich beeinflussen.

Die Bahá'í-Gemeinde in der Wiege des Glaubens, die Zeuge war von der Zerstörung ihres heiligsten Schreines, der Zwangsverwaltung ihrer heiligen Stätten, der Beschlagnahme ihrer Stiftungen und sogar ihres privaten Eigentums, des Märtyrertodes vieler ihrer Anhänger, der Inhaftierung und fortdauernden Haft der Mitglieder ihres Nationalen Geistigen Rates und anderer führender Persönlichkeiten ihrer Gemeinde ohne Prozeß oder Benachrichtigung, des Entzugs der Mittel zum Lebensunterhalt und der Schmähung und Verleumdung ihrer in Ehren gehaltenen Grundsätze - diese Gemeinde blieb unerschütterlich wie die Dawnbreakers von einst und erhob sich geistig geeint und standhaft als der Stolz und Ansporn der gesamten Bahá'í-Welt. Auf allen Kontinenten des Erdballs hat ihr Beispiel und ihre unglückliche Lage die Freunde dazu veranlaßt, den Namen Bahá'u'lláhs auf persönlicher und örtlicher Ebene und über alle Massenmedien zu verkünden wie nie zuvor. Die Bahá'í-Weltgemeinde ist durch ihre Vertreter bei den Vereinten Nationen und durch ihre Nationalen Geistigen Räte an Regierungen und führende Persönlichkeiten auf vielen Ebenen in aller Welt herangetreten und hat sie mit den Prinzipien und dem Wesen des Glaubens Gottes bekannt gemacht. Die Parlamente der Welt, ihre Bundesversammlungen und humanitären Einrichtungen haben dem Bahá'í-Glauben Beachtung geschenkt, in vielen Fällen haben sie ihm Unterstützung gewährt und ihre Sympathie zum Ausdruck gebracht.

Inmitten dieser zeit- und energieverzehrenden Aktivitäten für unsere geliebten persischen Brüder hat die Gemeinde des Größten Namens ihren Einsatz für die Ziele der Eröffnungsphase des Siebenjahresplanes nicht verringert, sondern mit steigender Aktivität noch vergrößert. Zu dem brennenden Wunsch der Freunde in aller Welt, ihre Liebe zu ihren Brüdern in Persien durch doppelten Einsatz bei der Lehrarbeit zu zeigen, kam als weiterer Ansporn zum Lehren der Verlust unserer geliebten Hände der Sache Gottes - ein Anstoß, der unterstützt wurde durch die Reisen jener teuren Hände, die noch in der Lage sind, den Gläubigen diesen Liebesdienst zu erweisen. Die lebenswichtige Institution des Berateramtes wurde in der Eröffnungsphase des Siebenjahresplanes durch die Erweiterung ihrer Grundlagen und das Zusammenlegen der dreizehn zonalen in fünf kontinentale Beraterämter deutlich gestärkt. Die Einführung einer festgelegten Amtszeit für die kontinentalen Berater - die schon bei den ersten Ernennungen ins Auge gefaßt war - bedeutete für die Institution eine weitere Entwicklung.

Der Bau des Sitzes des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und der Tempel in Indien und Samoa ist weiter vorangeschritten. Sechs neue Nationale Geistige Räte werden zum kommenden Ridván neu gebildet; davon zwei in Afrika: in Südwestafrika/Namibia mit Sitz in Windhoek und in Bophuthatswana mit Sitz in Mmabatho; drei in Amerika: auf den Bermudas mit Sitz in Hamilton, auf den Leeward-Inseln mit Sitz in St. Johns, Antigua, und auf den Windward-Inseln mit Sitz in Kingstown, St. Vincent; sowie einer im Pazifik, und zwar in Tuvalu mit Sitz Funafuti. Der Nationale Geistige Rat von Uganda wird wieder gebildet. Zu den Nationalen Räten, die im Siebenjahresplan weiterhin zu bilden sind, wurden noch hinzugefügt: zwei in Afrika: in Äquatorial-Guinea mit Sitz in Malabo sowie in Somalia mit Sitz in Mogadishu, und einer in Asien für die Andamanen und Nikobaren mit Sitz in Port Blair.

Während der Eröffnungsphase war ein Anwachsen der Gesamtzahl der Geistigen Räte und Gruppen zu verzeichnen, und in allen Teilen der Welt haben die Bahá'í-Gemeinden größere Einigkeit und Reife bei ihren gemeinsamen Aktivitäten gezeigt.

Die nun beginnende zweite Phase des Siebenjahresplanes wird drei Jahre dauern, und danach kommt die abschließende Phase von zwei Jahren, die zu Ridván 1986 endet. Der 25. Jahrestag des Hinscheidens unseres geliebten Hüters fällt in das zweite Jahr der zweiten Phase dieses Planes, das gleiche Jahr bringt auch den 50. Jahrestag des Hinscheidens des Größten Heiligen Blattes. Das Universale Haus der Gerechtigkeit plant, Briefe, die an das Größte Heilige Blatt gerichtet waren, Aussagen von Bahá'u'lláh, `Abdu'l-Bahá und dem geliebten Hüter über sie sowie ihre eigenen Briefe in einer Zusammenstellung herauszugeben.

Alle Nationalen Geistigen Räten haben die Ziele, die ihren Gemeinden für die zweite Phase zugeordnet wurden und für deren Durchführung die Bahá'í-Weltgemeinde nunmehr gut gerüstet ist, bereits erhalten. Zu den wichtigsten Entwicklungen, die für diese Phase vorgesehen sind, gehören:

der Einzug des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinen ständigen Amtssitz auf dem Bogen an den Hängen des Karmel,

die Fertigstellung des Tempels in Samoa und weiterer Fortschritt bei den Arbeiten am Haus der Andacht in Indien,

Weiterentwicklung der Aufgaben des Internationalen Lehrzentrums und der Beraterämter unter besonderer Berücksichtigung der Förderung des geistigen, intellektuellen und sozialen Lebens der Bahá'í-Gemeinde,

die Durchführung von fünf Internationalen Konferenzen in den ersten neun Monaten des Jahres 1982, und zwar in Lagos, Nigeria; Montreal, Kanada; Quito, Ecuador; Dublin, Irland; und Manila auf den Philippinen. Die letzte dieser Konferenzen findet auf der Mitte einer Achse statt, auf die der geliebte Hüter hinwies und deren Pole Japan und Australien bilden.

Vorbereitung des Bauplanes für das erste Nebengebäude des Europäischen Mashriqu'l-Adhkár, eines Altenheimes, und eine Erhöhung der Anzahl nationaler und örtlicher .Ha.zíratu'l-Quds. Letztere, die hauptsächlich in ländlichen Gebieten liegen werden, sollen durch den Einsatz der dortigen Freunde erworben oder gebaut werden.

Erwerb von sechs neuen Tempelgeländen - fünf in Afrika und eines in Australasien - und von fünf neuen nationalen Stiftungen: vier in Afrika und eine in Amerika.

Gründung von zwei Verlagen: einer an der Elfenbeinküste und einer in Nigeria.

Eine starke Zunahme der Produktion von Bahá'í-Literatur in immer mehr Sprachen. Zielsetzung ist dabei letztlich, daß jeder Gläubige in der Welt einen gewissen Bestand an heiligen Texten in seiner eigenen Sprache vorliegen hat.

Fertigstellung von drei weiteren Radiostationen in Südamerika.

Der Entwicklung und Festigung der örtlichen Geistigen Räte auf der ganzen Welt große Aufmerksamkeit schenken.

Entwicklung des Bahá'í-Gemeindelebens mit besonderem Blick auf die Bahá'í-Kindererziehung und die geistige Bereicherung der Gemeinden.

Die Niederlassung von 279 Pionieren in 80 Ländern während des ersten Jahres der zweiten Phase.

Großzügige und erhöhte Spenden für die verschiedenen Fonds des Glaubens werden erforderlich sein, wenn die oben angeführten Aufgaben erfolgreich durchgeführt werden sollen. Des weiteren wird das nun zu beobachtende Hervortreten unseres geliebten Glaubens aus der Verborgenheit notwendigerweise neue Projekte mit sich bringen, die große Anforderungen an die Fonds stellen werden. Das in den letzten Jahren in aller Welt gewachsene Bewußtsein der Freunde, daß die Fonds des Glaubens wirklich das Lebensblut für seine Aktivitäten sind, ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft. Wir sind sicher, daß dieses Bewußtsein weiter wachsen wird, daß noch mehr Nationale Geistige Räte große Fortschritte in bezug auf ihre finanzielle Unabhängigkeit machen werden, daß nationale Budgets eingehalten werden und der nationale Bahá'í-Fonds einen ständig steigenden Spendenzustrom erhält, damit dieser Fonds mit den ebenfalls ständig steigenden internationalen Erfordernissen des Glaubens Schritt halten kann.

Liebe Freunde, die Welt treibt immer tiefer ins Zentrum der Finsternis, während ihre alte Ordnung aufgerollt wird. Beim Verfolgen unserer Ziele mit Zuversicht, Optimismus und unerschütterlichem Entschluß dürfen wir niemals vergessen, daß der Dienst, den wir leisten, ein geistiger Dienst ist. Die Menschheit schmachtet unter dem Fehlen wahrer Religion, und genau diese haben wir, um sie der Menschheit anzubieten. Die Liebe Gottes, die sich im Erscheinen Bahá'u'lláhs manifestiert hat, wird die hungrigen Seelen der Welt nähren und die Völker allmählich aus dem augenblicklichen Sumpf in die planvolle, aufbauende, seelenstärkende Aufgabe der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden hineinführen.





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6. April 1981 - Tempelfonds für Samoa und Indien

Der vertragsmäßige Verlauf der Bauarbeiten an den Häusern der Andacht in Samoa und Indien verspricht ein gutes Vorankommenm im vor uns liegenden Jahr.

Wir geben freudig bekannt, daß im Heiligen Land zwei Fonds, je einer für jeden der (beiden) Tempel, eröffnet wurden. Wir rufen die Freunde überall auf, diese lebenswichtigen Fonds durch Spenden zu unterstützen, damit der ununterbrochene Fortgang in der Errichtung der beiden erhabenen Bauwerke, dieser Aufgangsorte der Erwähnung Gottes, gesichert wird.





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17. April 1981 - Erläuterungen zur zweiten Phase des Siebenjahresplanes

Der örtliche Geistige Rat

Wie Sie aus den Darlegungen der Richtlinien und Ziele entnehmen, wurde großer Wert auf die Aktivitäten der örtlichen Gemeinden gelegt. Es liegt auf der Hand, daß durch die Festigung der Fundamente der administrativen Ordnung auf örtlicher Ebene die nationalen Institutionen des Glaubens Unterstützung und Kraft für die Durchführung ihrer Tätigkeiten erhalten. Umgekehrt sollte der Nationale Geistige Rat mit seinen Einrichtungen die Tätigkeiten der örtlichen Gemeinden nicht nur überwachen, sondern er hat die Pflicht und das Vorrecht, die Bemühungen zu koordinieren und den Unternehmungsgeist und die Initiative der einzelnen Freunde anzuregen und ihnen Richtung zu geben. Wenn ein richtiges und ausgewogenes Verhältnis zwischen diesen beiden Ebenen der Bahá'í-Arbeit aufrechterhalten wird und ein gesunder Austausch zwischen ihnen stattfindet, ist das Fundament dafür gelegt, daß die Gemeinde »geistig zu einer Einheit verschmolzen wird, dynamisch und fest verbunden zugleich.«

Die groben Umrisse der Pflichten und Aufgaben der örtlichen Geistigen Räte sind in den Anweisungen von Bahá'u'lláh, `Abdu'l-Bahá und Shoghi Effendi klar dargelegt, und diese Anweisungen sind den Nationalen Geistigen Räten in Form von Zusammenstellungen schon übersandt worden. Ähnliche Darlegungen hat auch das Universale Haus der Gerechtigkeit gegeben, und diese sind den Freunden ebenfalls zugegangen. Wenn ein Nationaler Geistiger Rat diese Zusammenstellungen nicht zur Hand hat, sollte er sofort an das Weltzentrum schreiben, so daß Kopien übersandt werden können.

Festigung

Die Festigung ist ein ebenso wichtiger Teil der Lehrarbeit wie die Verbreitung. Sie ist jener Teilbereich des Lehrens, der den Gläubigen hilft, ihr Wissen und Verständnis der Lehren zu vertiefen, und der die Flamme ihrer Ergebenheit zu Bahá'u'lláh und Seiner Sache anfacht, so daß sie aus eigenem Wollen ihre geistige Entwicklung vorantreiben, die Lehrarbeit fördern und die Arbeit ihrer administrativen Institutionen stärken. Richtige Festigung ist wesentlich für die geistige Gesundheit der Gemeinde, für den Schutz ihrer Interessen, die Erhaltung ihres guten Rufes und letzten Endes für die Verbreitungstätigkeit selbst.

Wenn ein Nationaler Geistiger Rat zu der Einsicht kommt, daß sein Nationaler Lehrausschuß der Festigungsarbeit nicht genügend Aufmerksamkeit widmen kann, sollte er nicht zögern, zusätzlich besondere Ausschüsse zu ernennen, deren Aufgabe die Durchführung der verschiedenen für die Festigung unbedingt notwendigen Tätigkeiten wäre. Tätigkeiten, die in diese Kategorie fallen, sind z.B. die Organisation von Rundreisen solcher Reiselehrer, die in der Festigungsarbeit erfahren sind, die Veranstaltung von Sommer- und Winterschulen, Wochenend-Instituten und Konferenzen, die Einrichtung und der Betrieb privater Grundschulen, die Verbreitung von Bahá'í-Literatur und die Ermutigung der Freunde zu deren Studium, sowie die Organisation von besonderen Kursen und Instituten für die Mitglieder der örtlichen Geistigen Räte.

Folgende Punkte sollten in den Kursen für Mitglieder der örtlichen Räte besonderes angesprochen werden:

die Bedeutung des Rates und die Wichtigkeit der Teilnahme an seinen Sitzungen;

die Aufgaben und Pflichten der Ämter des Rates - besonders des Sekretärs, von dessen richtiger Erfüllung der ihm auferlegten Verantwortung die wirksame Arbeit des Rates weitgehend abhängt;

das Erfordernis, das Wort Gottes für die Freunde leicht zugänglich zu machen und regelmäßige Vertiefungsklassen abzuhalten, in denen die Lehren studiert und besprochen werden;

die Lebensnotwendigkeit des Betens und der große Wert des gemeinsamen Frühgebetes, wo und wann immer durchführbar;

die richtige Gestaltung des Neunzehntagefestes und die Einhaltung der Bahá'í-Feiertage und -Jahrestage;

die Notwendigkeit, der Kindererziehung besondere Aufmerksamkeit zu widmen und den Wert geselliger Zusammenkünfte, wie Picknicks, zu erkennen, sowie

die Ermutigung der Freunde dazu, miteinander und mit ihren Nicht-Bahá'í-Freunden liebevollen Umgang zu pflegen.

Aktivitäten zur Festigung fördern die persönliche geistige Entwicklung der Freunde, helfen das Bahá'í-Gemeindeleben zu einigen und zu stärken, bringen neue gesellschaftliche Beziehungen für die Freunde zustande und regen zur Lehrarbeit an.

Bahá'í-Literatur

Die heiligen Texte den Freunden zugänglich zu machen, ist eine so wichtige Frage, daß das Haus der Gerechtigkeit vor ungefähr einem Jahr einen besonderen Ausschuß damit beauftragte, drei Zusammenstellungen aus den Schriften Bahá'u'lláhs, des Báb und `Abdu'l-Bahás bereitzustellen. Diese Zusammenstellungen sind inzwischen allen Nationalen Geistigen Räten zur Veröffentlichung in den jeweiligen Landessprachen zugegangen.

Vor kurzem hat das Haus der Gerechtigkeit Anweisung gegeben, daß besonders für Gebiete, wo gedruckte Literatur nicht leicht erhältlich ist, eine Zusammenstellung in Form einer kleinen Broschüre für den Gebrauch der Freunde bereitgestellt wird. Ein Exemplar dieser Zusammenstellung, die grundlegende Gebete und Schriftstellen enthält, geht Ihnen demnächst zu. Es wäre höchst wünschenswert, daß für jeden Gläubigen zumindest eine derartige Zusammenstellung in einer ihm verständlichen Sprache zugänglich wird, und wir hoffen aufrichtig, daß durch das Lesen der heiligen Texte und dadurch, daß der Gläubige seine Seele dem Einfluß dieser Worte öffnet, sein geistiges Wachstum angeregt wird. Er wird dadurch nicht nur seine eigene geistige Freude und sein Verständnis mehren, sondern auch zur Festigung der gesamten Gemeinde beitragen.

Die Bahá'í-Familie

Ein weiterer Aspekt des Bahá'í-Lebens, auf den in den Bestimmungen des Siebenjahresplanes besonderer Wert gelegt wird, ist die Entwicklung de Bahá'í-Familie. Wenn ein Gläubiger in seiner Familie der einzige ist, der den Glauben angenommen hat, ist es seine Pflicht, sich zu bemühen, so viele andere Familienmitglieder wie möglich zum Licht göttlicher Führung zu bringen. Wo immer eine Bahá'í-Familieneinheit entsteht, sollten ihre Mitglieder sich dafür verantwortlich fühlen, daß das gemeinschaftliche Familienleben zu einer geistigen Wirklichkeit wird, die von göttlicher Liebe beseelt und von den adelnden Grundsätzen des Glaubens beflügelt ist. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte das Lesen in den Heiligen Schriften und das gemeinsame Gebet idealerweise zu einer täglichen Handlung der ganzen Familie werden. Was die Lehrarbeit betrifft, so könnte - wie jeder einzelne aufgerufen ist, sich Lehrziele zu eigen zu machen - auch die Familie sich ihre eigenen Ziele setzen. Auf diese Weise könnten die Freunde aus ihren Familien starke, gesunde Einheiten machen, leuchtende Kerzen für die Verbreitung des Lichtes des Königreiches und kraftvolle Zentren, die himmlische Bestätigungen anziehen.

Öffentliche Anerkennung des Glaubens

In den den Nationalen Geistigen Räten zugewiesenen Zielen wurden die Anerkennung der Bahá'í-Heiratsurkunde und der Bahá'í-Feiertage, die Eintragung von örtlichen Geistigen Räten oder die Befreiung von staatlichen und städtischen Steuern auf Bahá'í-Besitzungen nicht besonders erwähnt. Die Bedingungen sind in jedem Land unterschiedlich, und es ist die Pflicht eines jeden Nationalen Geistigen Rates, sorgfältig zu erwägen, mit welchen Mitteln er den Grad der Anerkennung, die den Bahá'í-Institutionen offiziell gezollt wird, immer weiter ausdehnen kann. Es ist wichtig, daß alle Fortschritte auf diesem entscheidend wichtigen Gebiet dem Weltzentrum berichtet werden, wenn die Nationalen Geistigen Räte ihre statistischen Halbjahresberichte einsenden.

Der Prozeß, zusätzliche Anerkennung für den Glauben zu erlangen, kann vorangetrieben werden, indem die Nationalen Geistigen Räte in ihrer Arbeit die ständige Notwendigkeit, herzliche Beziehungen zu Regierungsbeamten zu pflegen, in angemessener Weise beachten. Viele dieser Beamten haben nur eine spärliche und manchmal falsche Kenntnis des Glaubens, und es gibt keinen Zweifel, daß, wenn sie mit unseren Zielen und Grundsätzen vertraut werden und ihrer wohltuenden Auswirkung auf ihre Gesellschaft sicher sind, sie auch bereit sein werden, dem Glauben und seinen Institutionen zumindest die gleichen Rechte und Privilegien einzuräumen, wie sie auch anderen religiösen Organisationen im Lande zugestanden werden.

Massenmedien

Die Wichtigkeit der Massenmedien für die Bahá'í-Proklamation hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, ganz besonders seit der Krise im Iran. Massenmedien, vor allem das Radio, haben sich als einflußreiche Instrumente für die Vertiefung der Freunde und für die Förderung der Lehrarbeit in Massenlehrgebieten erwiesen. Dementsprechend haben in der zweiten Phase des Planes 92 Nationale Geistige Räte Ziele erhalten, die zu vermehrtem Gebrauch der Massenmedien aufrufen. Nicht in die Liste aufgenommen wurden jene Länder, in denen der Gebrauch der Massenmedien für Bahá'í-Zwecke nicht erlaubt ist, oder wo die Freunde schon so aktiv an solchen Projekten arbeiten, daß sie der Einbeziehung eines solchen Zieles in ihre Anweisungen nicht bedurften.

Die Nationalen Geistigen Räte müssen sich ganz allgemein bewußt machen, daß die Nutzung der Massenmedien internationalen Umfang annimmt und daß für die Nationalen Räte die Notwendigkeit besteht, Materialien, Methoden, Erfahrungen und auch Personal auszutauschen, um beste Resultate zu erzielen.

Um diesen Informationsaustausch über die Ausweitung der Bahá'í-Arbeit durch Radio und Fernsehen wie auch über die Verfügbarkeit von audio-visuellen Materialien zu erleichtern, hat das Universale Haus der Gerechtigkeit - wie schon bekanntgegeben - das Internationale Bahá'í Audio-Visual Centre (IBAVC), zur Zeit in Toronto/Kanada, errichtet. An dieses Zentrum können sich die Nationalen Geistigen Räte wenden und Materialien für Programme sowie Ratschläge für die Ausbildung von Mitarbeitern anfordern.

Jedem Nationalen Geistigen Rat, der Lehrarbeit in ländlichen Gebieten betreibt, wo nur spärliche Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen, wird dringend geraten, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, sich vom örtlichen Sender Sendezeiten geben zu lassen, falls die Kosten nicht zu hoch sind. In manchen Gebieten ist diese Sendezeit vielleicht unentgeltlich zu bekommen, vor allem dann, wenn auch anderen Gruppen oder Religionen diese Vergünstigung zugestanden wird oder wenn der Sender nach nützlichen und wertvollen Programmen für seine Sendezeiten sucht.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit meint, daß in Ländern, wo die Freunde die Möglichkeit zur Öffentlichkeitsarbeit haben, jede Anstrengung gemacht werden sollte, um die gegenwärtige Situation, in der die Aufmerksamkeit auf den Glauben gelenkt wird, so gut wie möglich zu nutzen und alle Gelegenheiten, große Scharen unter das Banner der Sache Gottes zu führen, in vollstem Maße auszuschöpfen.

Mitteilungsblätter

Die Herausgabe von örtlichen, nationalen und internationalen Bahá'í-Mitteilungen sollte mit erhöhtem Nachdruck betrieben werden. Bahá'í-Nachrichten sollten - unter welchen Opfern auch immer - regelmäßig herausgegeben werden, da Neuigkeiten von Bahá'í-Aktivitäten in anderen Gemeinden schon immer eine Quelle der Ermutigung waren und den Freunden ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer lebendigen, wachsenden und geeinten weltweiten Bahá'í-Familie gegeben haben.

In einigen Gebieten zeigt es sich vielleicht, daß mehr als ein Mitteilungsblatt erforderlich ist, um alle Freunde mit Nachrichten über die Arbeit des Glaubens zu versorgen. Nach den im Weltzentrum eingegangenen Berichten läßt eine Anzahl von Nationalen Geistigen Räten zusätzlich zur Herausgabe eines nationalen Nachrichten-Bulletins ihre Lehrausschüsse noch regionale oder Bezirks-Mitteilungsblätter herausbringen in Sprachen, die von den Freunden dort verstanden werden. Es gibt auch örtliche Geistige Räte, die ihr eigenes Mitteilungsblatt haben, um sicherzustellen, daß die Informationen über Entwicklungen in der Sache jeden Gläubigen erreichen.

Trauungen, Geburten, Beerdigungen

Die örtlichen Geistigen Räte, die ja embryonale örtliche Häuser der Gerechtigkeit sind, sollen sich zu Sammlungszentren ihrer Gemeinden entwickeln. Sie sollen sich nicht nur um das Lehren des Glaubens, um die Entwicklung des Bahá'í-Lebens und um die richtige Organisation von Bahá'í-Aktivitäten ihrer Gemeinden kümmern, sondern auch um jene entscheidenden Ereignisse, die das Leben aller Menschen zutiefst beeinflussen: Geburt, Heirat und Tod. Wenn bei einem Bahá'í-Ehepaar ein Kind ankommt, dann ist das nicht nur für die Eltern selbst, sondern auch für die ganze örtliche Gemeinde ein Grund zu großer Freude, und alle örtlichen Geistigen Räte sollen ermutigt werden, ein Geburtenregister zu führen und den Eltern eine Geburtsurkunde auszustellen. Eine solche Handhabung wird zur Festigung der Gemeinde und auch des Rates selbst beitragen. Selbst wenn nur ein Elternteil Bahá'í ist, kann der Rat die Geburt des Kindes registrieren und auf Wunsch des Bahá'í-Elternteiles eine Urkunde ausstellen.

Die Einhaltung der Bahá'í-Ehegesetze, wie sie den Freunden auf der ganzen Welt gegeben sind, ist eine grundlegende Verpflichtung jedes Gläubigen, der zu heiraten wünscht, und es ist eine wichtige Aufgabe eines jeden örtlichen Geistigen Rates sicherzustellen, daß diese Gesetze den Gläubigen in seinem Zuständigkeitsbereich bekannt sind und - gleichgültig ob die Bahá'í-Trauung zivilrechtlich anerkannt ist oder nicht - von ihnen auch befolgt werden. Daher muß jeder Rat seiner Verantwortung in bezug auf die Durchführung von Bahá'í-Trauungen, die Eintragung von Bahá'í-Ehen in einem zu diesem Zwecke geführten Register und die Ausstellung von Bahá'í-Heiratsurkunden gewissenhaft nachkommen.

Die Bestattung der Toten ist eine Angelegenheit von ernster Feierlichkeit und großer Wichtigkeit; die Durchführung der Totenfeier und die Vorkehrungen für die Beisetzung können den Verwandten des Verstorbenen überlassen werden, doch hat der örtliche Geistige Rat die Verantwortung, die Gläubigen in den wesentlichen Erfordernissen des Bahá'í-Gesetzes, wie es derzeit angewandt wird, zu unterrichten, und die Aufmerksamkeit der Verwandten höflich und taktvoll auf diese Erfordernisse zu lenken, wenn es irgendein Anzeichen dafür gibt, daß sie es versäumen könnten, diese zu beachten. Diese Anforderungen sind: daß der Körper nicht verbrannt wird, daß er vom Ort des Todes zum Ort der Bestattung nicht mehr als eine Wegstunde transportiert wird, daß - wenn der Verstorbene ein Bahá'í von 15 Jahren oder älter ist - das Gebet für die Toten gesprochen wird, und daß die Beerdigung in einer einfachen und würdigen Weise, die der Gemeinde zur Ehre gereicht, durchgeführt wird.

Wenn örtliche Geistige Räte es versäumen, dieser geheiligten Pflicht nachzukommen, kann das in einigen Teilen der Welt dazu führen, daß manche Gläubige sich allmählich dem Glauben entfremden und womöglich Kirchen oder anderen religiösen Organisationen Gebühren bezahlen, um sicherzustellen, daß, wenn sie um die Registrierung der Geburt eines Kindes, oder um den feierlichen Vollzug einer Trauung, oder um eine Totenfeier nachsuchen, eine religiöse Institution bereit ist, die erforderlichen Dienste zu leisten. Andererseits haben die Gläubigen überall dort, wo die örtlichen Geistigen Räte es auf sich genommen haben, diesen Verantwortlichkeiten nachzukommen, ein Gefühl der Sicherheit und der Zusammengehörigkeit entwickelt und die Überzeugung gewonnen, daß sie sich in solchen Angelegenheiten auf die Einrichtungen der Weltordnung Bahá'u'lláhs verlassen können.

Kindererziehung

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat mit großer Befriedigung die zunehmende Anzahl von örtlichen Geistigen Räten, die Bahá'í-Kinderklassen einrichten, zur Kenntnis genommen. Um diese Klassen erfolgreich zu machen, ist es wichtig, ein abgestuftes System von Lehrplänen für verschiedene Altersgruppen zu haben. In der Regel wird solches Material von den einzelnen Nationalen Geistigen Räten so erstellt, wie es den jeweiligen Anforderungen entspricht. Um es jedoch den Nationalen Räten zu ermöglichen, an den Früchten der Arbeit der Bahá'í in anderen Ländern teilzuhaben, wurden wir gebeten, Ihnen mitzuteilen, daß die Nationalen Geistigen Räte von Kolumbien, Indien, Malaysia und den Vereinigten Staaten für diesen Zweck Literatur entwickelt haben, die sie zur Verfügung stellen können. Bitte nehmen Sie bei Bedarf mit diesen Nationalen Geistigen Räten Verbindung auf.

Was die privaten Grundschulen angeht, so haben einige Nationale Geistige Räte, die auf diesem Gebiet tätig sind, von ausgezeichneten Erfolgen berichtet, welche sowohl bei der Verbreitungsarbeit wie auch bei der Festigung des Glaubens helfen. Ein Bericht über diese Art der Tätigkeit ging kürzlich im Weltzentrum ein, und eine Auswahl aus diesem Bericht ist hier zum Studium für alle jene Nationalen Geistigen Räte beigefügt, denen das gleiche Ziel zugewiesen wurde.

Pioniere

Einige Nationale Geistige Räte erhielten die Zielvorgabe, Pioniere für die Heimatfront zu stellen, die für ihren Unterhalt selbst sorgen. Dieses Verfahren birgt große Möglichkeiten für die Verbreitung und Festigung des Glaubens, und das Haus der Gerechtigkeit hofft, daß Ermutigung zu dieser Art des Dienens in allen nationalen Gemeinden gegeben wird - auch dort, wo dieses Ziel nicht gesetzt wurde.

Zusätzlich zu den Pionieren an der Heimatfront besteht Bedarf an 279 Pionieren für Pionierziele in 80 Ländern und Inseln der Welt. Eine Liste dieser Pionierposten ist beigefügt, und wir hoffen, daß sich die nötige Anzahl ergebener Seelen erhebt, um die Stellungen einzunehmen, wo Pionierunterstützung gebraucht wird. Den Nationalen Räten wird empfohlen, engen Kontakt mit den Kontinentalen Pionierausschüssen zu halten, die in der Lage sein werden, sie über den Fortschritt auf dem Weg zu diesem Ziele zu unterrichten.

Kontinentale Pionierausschüsse

Kontinentale Pionierausschüsse, die eng mit den Nationalen Geistigen Räten zusammenarbeiten, erhalten immer größere Bedeutung, je mehr sich die Arbeit des Glaubens auf dem jeweiligen Kontinent entfaltet. Das Universale Haus der Gerechtigkeit schreibt allen Kontinentalen Pionierausschüssen und umreißt deren zusätzliche Verantwortlichkeiten gegenüber den neu errichteten Kontinentalen Beraterämtern einerseits und den Nationalen Geistigen Räten andererseits. Es ist die Hoffnung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, daß die Dienste dieser wichtigen Kontinentalen Ausschüsse in Zukunft den Freunden immer wirksamer zu Verfügung stehen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat uns gebeten, Sie seiner Gebete um den Segen Bahá'u'lláhs zu versichern, damit Er Sie in Ihren Bemühungen bestätige, während Sie den nächsten drei Jahren mit Optimismus und Vertrauen entgegenblicken und die herausfordernden, vor Ihnen liegenden Gelegenheiten mit Entschiedenheit und Nachdruck ergreifen.





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5. Mai 1981 - Antworttelegramm zur 51. Nationaltagung

Erfreut (über) Nachrichten (von) guter Atmosphäre (bei) Nationaltagung (und die) unternommenen praktischen Schritte: Pionieren, Lehren, Beiträge zur Erreichung (der) Ziele (der) zweiten Phase (des) Planes. Wiederbildung (von) 83 Räten ermutigendes Zeugnis (für den) zur Zeit gemachten Fortschritt. (Wir) versichern (Sie unserer) innigen Gebete (an der) Heiligen Schwelle, damit (die) geliebten Anhänger Bahá'u'lláhs (in) Deutschland durch ihre angestrengten, aufopferungsvollen Bemühungen (und) gestärkt (durch die) Bestätigungen (der) himmlischen Heerscharen solche Siege (für die) Sache Gottes (im) Herzen (des) europäischen Kontinents erringen, daß sie (ihren) Mitgläubigen (in der) Wiege (des) Glaubens Freude und Trost sein werden und (sie für) alle Schläge entschädigen, (die sie) von (den) Händen (der) ruchlosen Verfolger erdulden.





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8. Juni 1981 - Notwendigkeit zum vermehrten Spenden in der zweiten Phase des Siebenjahresplanes

Angesichts ungeheurer Aufgaben, die von der Bahá'í-Welt erfüllt werden müssen, und in Anbetracht der scheinbar lähmenden finanziellen Verluste durch den grausamen Angriff hartnäckiger Feinde auf die tapferen Gläubigen in der Wiege des Glaubens, hat sich das Universale Haus der Gerechtigkeit zu Beginn des Siebenjahresplanes mit inniger Hoffnung an die Gläubigen in den übrigen Teilen der Welt gewandt und sie dazu aufgerufen, sich zu erheben, um für die Sache ihrer verfolgten Mitgläubigen auf der internationalen Bühne einzutreten und es durch Selbstaufopferung und weise Verwaltung der Fonds des Glaubens zu ermöglichen, daß die Arbeit weiter fortschreitet, ohne sich durch die Tatsache, daß die Gläubigen im Iran ihre bedeutende Rolle, die Sache Gottes mit ihrem Herzblut zu versorgen, nicht länger fortführen können, behindern zu lassen. In beiderlei Hinsicht haben diese letzten beiden Jahre erstaunliche Siege erbracht.

Die Art und Weise, mit der die Sache des verfolgten Glaubens Bahá'u'lláhs in den Medien verkündet und Seine Botschaft Millionen von Seelen vermittelt wurde, die bis dahin kaum etwas oder überhaupt nichts davon gehört hatten, und das Ausmaß, in dem sich Regierungen in aller Welt erhoben haben, um Seine Sache zu verteidigen und für ihre Rechtfertigung einzutreten, wurden von Bahá'í in allen Ländern mit glühendem und erhobenem Herzen verfolgt. Nun hat uns das Universale Haus der Gerechtigkeit aufgetragen, Ihnen mitzuteilen, daß die opferbereiten Anhänger der Gesegneten Schönheit bei der Unterstützung des Internationalen Bahá'í-Fonds ähnliche Siege errungen haben.

Die vielfältigen Beweise der Hingabe und des Dienstes, die ein so deutliches Zeichen des Fortschritts in der Eröffnungsphase des Siebenjahresplanes darstellten, haben nicht nur eine feste Grundlage für die Entfaltung der Institutionen des Glaubens auf der ganzen Welt gelegt, sondern auch einen reichen Zustrom finanzieller Mittel erbracht. Dadurch wurde es möglich, für die zweite Phase des Planes Ziele aufzustellen, die das Ansehen unseres geliebten Glaubens vergrößern und den Tag schneller herbeiführen werden, an dem er ganz aus der Verborgenheit heraustritt. Den finanziellen Erfordernissen der ersten Planphase konnte vollkommen entsprochen werden. Die Lehrarbeit ist mit unvermindertem Eifer fortgeführt worden. Der Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit nähert sich nun seiner Vollendung, und die Geldmittel für diese ungeheure Aufgabe stehen zur Verfügung. Der Mashriqu'l-Adhkár des indischen Subkontinentes ist im Bau, und die Arbeiten an dem Haus der Andacht für Samoa werden in Kürze beginnen.

Nun wendet sich das Universale Haus der Gerechtigkeit mit liebendem Vertrauen an jene Geliebten Gottes, die sich mit solcher Dienstbereitschaft erhoben haben, um die Verpflichtungen zu erfüllen, die das Universale Haus mit göttlicher Führung eingegangen ist. Es hat uns gebeten, Ihnen die Erfordernisse für das gerade begonnene Jahr vorzulegen.

Obwohl die Aufgabe, den Sitz des Hauses der Gerechtigkeit auf Gottes Heiligem Berg zu errichten, nun fast hinter uns liegt, hat die Arbeit an den beiden Mashriqu'l-Adhkárs erhöhte Dringlichkeit erlangt. Die unsichere Weltlage und die rapide steigenden Preise machen es notwendig, diese beiden Bauvorhaben zum frühestmöglichen Zeitpunkt fertigzustellen. Deshalb müssen wesentliche Ausgaben, die man ursprünglich auf mehrere Jahre verteilen zu können hoffte, in den nächsten zwölf Monaten bestritten werden. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, die durch die Situation im Iran und durch die vielen wertvollen Freundschaften und Kontakte zu verantwortlichen Persönlichkeiten jetzt auf den Glauben gerichtet ist, verlangt die Ausdehnung und Verstärkung der Aktivitäten der Vertreter der Internationalen Bahá'í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen und ihren Sonderorganisationen sowie bei anderen internationalen Körperschaften, z. B. dem Europäischen Parlament; andernfalls wird die jetzt so erfolgreich geschaffene Grundlage rasch wieder verlorengehen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat deshalb entschieden, ein Büro der Internationalen Bahá'í-Gemeinde mit einem ständigen Vertreter in Genf einzurichten. Es wurde auch notwendig, große Summen für die Bereitstellung eines umfangreicheren Angebotes an Bahá'í-Literatur in verschiedenen Sprachen anzuweisen und die Nutzung des Rundfunks durch Bahá'í zu fördern.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit schätzt, daß eine Steigerung von 50 % über den Spendeneingang des letzten Jahres hinaus erforderlich ist, um all diese dringenden Ziele zu erfüllen und die laufende Arbeit des Glaubens während der Jahre 1981/82 fortführen zu können. Es bittet daher jeden Gläubigen und jede Gemeinde, im Gebet zu erwägen, in welchem Umfang sie sich an dieser gewaltigen Anstrengung beteiligen können, und alle Kraft darauf zu verwenden, daß die Aufgaben, die durch einen allwissenden, allweisen Verordner auf die Schulter Seiner auserwählten Geliebten gelegt wurden, in würdiger Weise und rasch ausgeführt werden.

Das Haus der Gerechtigkeit versichert Sie alle seiner liebenden und innigen Gebete in den Heiligen Schreinen für Ihre Führung und Ihren Beistand.





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6. Juli 1981 - Antworttelegramm bezüglich der Resolution des Bundestages vom 25. Juni 1981

Herzen erhoben (durch) Zeichen erneuter Siege (für die) Proklamation (des) Glaubens als Ergebnis (des) heroischen Opfers unserer unterdrückten Brüder (im) Iran. (Wir sind) zuversichtlich (,daß) Sie diese Gelegenheit ergreifen werden (,das) Ereignis in (den) Medien bekanntzumachen. Seien (Sie unserer) innigen Gebete (um) weiteren Erfolg versichert.





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26. Januar 1982 - Verfolgung der Bahá'í im Iran

Mit Entrüstung und Schmerz haben die Bahá'í der Welt seit drei Jahren ständig die tragischen Nachrichten von den Leiden und dem Martyrium ihrer Brüder im Iran vernommen, wo eine unbarmherzige Schreckensherrschaft jetzt die lang geschmähte und mit Füßen getretene Gemeinde verfolgt. Die unmenschlichen Grausamkeiten, die auf die Anhänger des Größten Namens - die würdigen Nachfahren ihrer Vorväter, der Dawnbreakers - gehäuft werden, nehmen täglich zu in jenem Land, in dem schon die Generationen der Helden und Märtyrer des Glaubens in solchem Glanz erstrahlten. Wir haben gesehen, wie das Haus des Báb in Shíráz und Bahá'u'lláhs Ahnhaus in Tákur niedergerissen wurden, wie alle Bahá'í-Stiftungen einschließlich unserer Heiligen Stätten enteignet und die Hauptvermögenswerte der Gemeinde beschlagnahmt wurden. Wir haben verfolgt, mit welcher Gefühllosigkeit den Bahá'í-Kindern der Zugang zu den Schulen verwehrt wurde, wie Bahá'í-Angestellte aus ihren Regierungsämtern entlassen wurden, wie die grundlegenden Menschenrechte der schwer geprüften Bahá'í verletzt, ihnen der Lebensunterhalt entzogen oder zerstört, ihre Heime geplündert, ihre Besitztümer konfisziert, ja ihr Leben ausgelöscht wurden.

Wenn wir die Geschichte der Verfolgung der Bahá'í im Iran überdenken, erkennen wir, daß die Schamlosigkeit, mit der die traditionellen Feinde des Glaubens ihr einziges Ziel, die Ausrottung des Glaubens in seinem Geburtsland, verfolgen, in alarmierendem Maße zunimmt. Abgesehen von einigen Sonderfällen hatte die Verfolgung von Mitgliedern der Bahá'í-Gemeinde durch die traditionell dem Glauben feindlich gesinnten Kräfte in der Vergangenheit zufälligen und sporadischen Charakter und entstand daraus, daß der leicht erregbare Pöbel aufgehetzt wurde, Leben und Besitz der Bahá'í anzugreifen.

Nun haben sich die Feinde der kostbaren Sache Gottes, wie sie selbst bezeugen, in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren organisiert, um dem Einfluß des Glaubens entgegenzuwirken, um seine Ziele und Lehren zu verunglimpfen und falsch darzustellen, um religiöse Leidenschaften zu entfachen, die zur Beunruhigung und Einschüchterung der Gläubigen führen, und um die Saat des Zweifels unter den Freunden und Wohlgesinnten zu säen. Sie sind jetzt in den Rängen des Beamtentums eingedrungen und fahren aus dieser vorteilhafteren Position heraus weiter fort, zur Verfolgung der Bahá'í anzustiften. Die Fälle von Verletzungen der Rechte der Bahá'í werden deshalb häufiger, wie dies auch Berichte, die in der Presse des Iran in den letzten Monaten veröffentlicht wurden, beweisen. Beispiele sind reichlich vorhanden. So wurde früher den Bahá'í bei Inhaftierungen die Möglichkeit gegeben, sich in einer Art von Gerichtsverfahren zu verteidigen, die abgehalten wurden, um den Schein zu wahren. In einem Fall wurde ein Verfahren, das noch im September 1980 mit der Hinrichtung von sieben Gläubigen in Yazd endete, teilweise im Fernsehen übertragen. Aber neuerdings werden die Gerichtsverfahren, wenn sie überhaupt stattfinden, unter Ausschluß der Öffentlichkeit abgehalten, und es gab Berichte über die Folterung von Bahá'í vor ihrer Hinrichtung. Den Verwandten von inhaftierten Bahá'í wird nicht länger erlaubt, sie zu besuchen, wie dies noch vor kurzem der Fall war; den Verurteilten wird nicht mehr erlaubt, ihre Familien durch Abschiedsbriefe oder das Schreiben eines Testamentes vor ihrer Hinrichtung zu trösten. Und was noch tragischer ist: die Behörden haben jetzt, beunruhigt durch die große Zahl von Bahá'í und mitfühlenden Menschen anderer Religionen, die an den Trauerfeierlichkeiten für die getöteten Bahá'í teilnahmen, den Bahá'í-Friedhof in Teheran beschlagnahmt und lassen dort keine Bestattungen mehr zu. In allerletzter Zeit wurden die Familien der Märtyrer sogar nicht einmal mehr von der geheimen Hinrichtung ihrer Geliebten benachrichtigt, ihre Leichname, die man ohne Feierlichkeiten in Gräber für »Ungläubige« geworfen hatte, wurden nur zufällig entdeckt.

Obwohl die Unterdrücker behaupten, daß sie die Bahá'í töten, weil sie als politische Agenten und Spione überführt seien, ist erwiesen, daß in fast jedem einzelnen Hinrichtungsfall dem beschuldigten Bahá'í ein Widerruf als Mittel zur Freilassung angeboten wurde.

Die hartnäckigen Feinde des Glaubens bilden sich ein, daß ihre Verfolgungen die Grundlagen des Glaubens zertrümmern und seine Herrlichkeit trüben werden. O welche Unwissenheit und Torheit! Diese Taten der Unterdrückung haben noch nie die Entschlossenheit der Freunde geschwächt, sondern immer dazu gedient, ihre Begeisterung weiter anzufachen und ihr ganzes Wesen zu beleben. Mit den Worten `Abdu'l-Bahás: »... Sie glaubten, Kampf und Gewalt riefen Untergang und Verstummen hervor und führten zu Schweigen und Vergessen; stattdessen führt Einmischung in Gewissensfragen zu unerschütterlicher Festigkeit und macht die Menschenaugen und Seelen aufmerksam; eine Tatsache, die durch Tatsachen immer wieder bestätigt wurde.«

Jeder von den tapferen Märtyrern vergossene Tropfen Blut, jeder von den stillen Opfern der Unterdrückung ausstoßene Seufzer, jedes Flehen der Getreuen um göttlichen Beistand, hat auf geheimnisvolle Weise Kräfte freigesetzt und wird sie künftig freisetzen, über die die Widersacher des Glaubens keine Kontrolle haben und die, von der allezeit wachsamen Vorsehung gelenkt, dazu gedient haben, den Namen und den Ruhm des Glaubens überallhin zu den Menschenmassen aller Kontinente zu tragen, zu den Millionen, von denen viele vorher überhaupt noch nichts über die Existenz des Glaubens wußten oder nur ein oberflächliches, häufig falsches Verständnis seiner Lehren und seiner Geschichte besaßen.

Die gegenwärtige Verfolgung hat dazu geführt, daß der Name und Charakter unseres geliebten Glaubens wie nie zuvor in seiner Geschichte alle Aufmerksamkeit der Welt fand. Als unmittelbares Ergebnis der Proteste, die die weltweite Gemeinde des Größten Namens an die Herrscher im Iran schickte, sowie der Vorstellungen bei den Medien, als diese Proteste unbeachtet blieben, und des direkten Kontaktes von Bahá'í-Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene zu Regierungen, supranationale Gemeinschaften, internationalen Behörden und den Vereinten Nationen selbst, hat der Glaube Bahá'u'lláhs nicht nur in den Vertretungen der Welt wohlwollende Aufmerksamkeit gefunden, sondern seine Inhalte und die Verletzung seiner Rechte wurden auch diskutiert, und unabhängige Regierungen haben einzeln und gemeinsam Protestresolutionen an die iranischen Regierungsstellen gerichtet. Die führenden Zeitungen der Welt, und nach ihnen die örtliche Presse, haben Millionen von Lesern wohlwollende Berichte über den Glauben geboten, und Fernseh- und Radiosender berichten in ihren Sendungen in zunehmendem Maße über die Verfolgungen der Bahá'í im Iran. Kommerzielle Verlage beginnen damit, Bücher über den Glauben in Auftrag zu geben.

Aber trotz dieser Publizitätswelle, die jetzt die Aufmerksamkeit großer Menschenmassen auf den Namen des Glaubens lenkt, und trotz der vielen Eingaben an die Regierungsbehörden im Iran, geht die Verfolgung der Bahá'í dort weiter. Die Welt steht hilflos davor, daß dieses Land für jede Meinungsäußerung und Kritik von außen unzugänglich ist. Angesichts dieser unseligen Sackgasse können wir nur unsere Anstrengungen, die Sache zu lehren, verdoppeln und uns das zunehmende Interesse an Art und Lehren unseres geliebten Glaubens zunutze machen, das die Leiden der persischen Gemeinde geweckt haben.

Tatsächlich mag man diese neue Verfolgungswelle, die die Wiege des Glaubens überrollt, als eine verhüllte Segnung betrachten, als »Vorsehung«, deren »Unheil«, wie immer, von der geliebten persischen Gemeinde heroisch getragen wird. Diese Verfolgungswelle kann als bisher letzte Schritt in Gottes großem Plan angesehen werden, als weiterer Posaunenstoß, um die Achtlosen aus ihrem Schlummer zu wecken, und als goldene, den Bahá'í sich bietende Gelegenheit, um erneut ihre Einheit und Zusammengehörigkeit vor den Augen einer untergehenden, skeptischen Welt darzulegen, mit ganzer Kraft die Botschaft Bahá'u'lláhs an Hoch und Niedrig zu verkünden, die Hochachtung unseres Glaubens für den Islam und seinen Propheten zu bekräftigen, die Prinzipien der Nichteinmischung in politische Angelegenheiten und des Gehorsams gegenüber der Regierung zu bestätigen, die einen Kernpunkt unseres Glaubens bilden, und um den Herzen der ergebenen Dulder und standhaften Helden in der vordersten Reihe einer verfolgten Gemeinschaft Hilfe und Trost zu spenden. Unser Leitspruch in diesen Tagen weltumspannender Düsternis sollten die Worte Gottes sein, die an die Gesegnete Schönheit selbst gerichtet sind: »Wenn Schwerter blitzen, eile hin! Wenn Pfeile fliegen, dränge voran!«

Zukünftige Geschichtsschreiber werden die Auswirkungen dieser Krise auf den Vormarsch eines triumphierenden Glaubens zu beurteilen haben. Eine ins einzelne gehende Aufstellung über die Schritte, die die Bahá'í der Welt während der letzten drei Jahre bereits unternahmen, ist zum Studium der Freunde beigefügt.

Unsere innigsten Gebete werden in den Heiligen Schreinen dargebracht, daß die Segnungen Bahá'u'lláhs Seine Getreuen und Geliebten in jedem Lande umgeben und sie unterstützen und bestätigen mögen, wenn sie mit Gewißheit und Zuversicht den Herausforderungen der Zukunft begegnen.





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April 1982 - Ridván-Botschaft 1982

Das soeben abgelaufene Jahr war von Triumphen geprägt, deren Bedeutung für die weitere Entwicklung der Sache Gottes noch gar nicht abzuschätzen ist und die zum großen Teil eine unmittelbare Folge des standhaften Heldenmutes der geliebten persischen Freunde gegenüber den grausamen Verfolgungen sind, die sie zu erdulden haben. Durch diese Ereignisse bieten sich so viele goldene Gelegenheiten des Lehrens und der weiteren Proklamation, daß, wenn sie beherzt und voller Begeisterung ergriffen werden, Neuerklärungen in großem Umfang und ein erhöhtes Ansehen des Glaubens überhaupt nicht ausbleiben können.

Der erfreuliche Fortschritt beim Bau des Mashriqu'l-Adhkárs in Indien und West-Samoa, die Eröffnung der zweiten Bahá'í-Hörfunksenders von Lateinamerika in Peru, die Einrichtung des europäischen Büros der Internationalen Bahá'í-Gemeinde in Genf, die ständigen Fortschritte in der zweiten Phase des Siebenjahresplanes, die ermutigende Ausweitung der systematischen Bahá'í-Kindererziehung, das Opfer und die großzügige Zuwendung finanzieller Mittel durch eine wachsende Zahl von Freunden - das alles sind Beweise der überreichen Bestätigungen, mit welchen Bahá'u'lláh die hingebungsvollen Bemühungen Seiner Geliebten auf der ganzen Welt belohnt. Die weltweite Aufmerksamkeit, die dem Glauben in den Medien zuteil wird und durch die sich die Tore für die Massenproklamation der göttlichen Botschaft weit aufgetan haben, und die verständnisvolle Art, wie in den höchsten Beratungsgremien der Menschheit darüber gesprochen wird, was auch zu entsprechenden Aktionen unabhängiger Regierungen und internationaler Behörden führt - das sind Vorgänge, für die es in der Bahá'í-Geschichte bisher keine Parallele gibt.

All dies, geliebte Freunde, verheißt Gutes für das kommende Jahr, das reich ist an Bahá'í-Ereignissen. Der fünfzigste Jahrestag des Hinscheidens des Größten Heiligen Blattes wird bei den fünf internationalen Konferenzen begangen werden; außerdem erscheint zu diesem Anlaß ein Buch, das im Weltzentrum zusammengestellt wurde und Texte über das Größte Heilige Blatt sowie etwa hundert von ihr geschriebene Briefe enthält. Der Umzug des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinen endgültigen Amtssitz wird ebenfalls dieses Jahr stattfinden. Im November wird der fünfundzwanzigste Jahrestag des Hinscheidens unseres geliebten Hüters zugleich die Halbzeit des Siebenjahresplanes markieren, und am Ende des Jahres wird die fünfte internationale Tagung stehen, zu der die Mitglieder der Nationalen Geistigen Räte der ganzen Welt nach Haifa kommen werden, um das Universale Haus der Gerechtigkeit zu wählen.

Die hervorragende und unschätzbare Tätigkeit der geliebten Hände der Sache Gottes ist eine Quelle des Stolzes und der Freude für die gesamte Bahá'í-Welt. Die Übernahme weitergehender Verpflichtungen durch jedes Kontinentale Berateramt erweist sich als uneingeschränkter Erfolg, und wir sprechen dem Internationalen Lehrzentrum und allen Beratern unseren herzlichen Dank und unsere Bewunderung aus für den großen Beitrag, den sie in steigendem Maße für die Festigung und Entwicklung der embryonalen Weltordnung Bahá'u'lláhs leisten.

Was die Bahá'í-Jugend betrifft, die Erben der heldenhaften frühen Gläubigen, deren Werk sie nun weiterführen, so rufen wir sie auf, an diesem Tag des weitverbreiteten Interesses an der Sache Gottes ihre Anstrengungen zu verdoppeln, ihre Altersgenossen für die göttliche Botschaft zu begeistern und sich so selbst auf den Tag vorzubereiten, an dem sie altgediente Gläubige sein werden, fähig, jede Aufgabe anzunehmen, die ihnen auferlegt werden mag. Wir tragen diese Stelle aus der Feder Bahá'u'lláhs an sie heran:

»Gesegnet, wer sich in der Blüte seiner Jugend und am Mittag seines Lebens erhebt, der Sache des Herrn des Anfangs und des Endes zu dienen und sein Herz mit Seiner Liebe zu schmücken. Die Offenbarung einer solchen Gnade ist größer als die Erschaffung der Himmel und der Erde. Gesegnet sind die Standhaften und wohl steht es um die, die beständig sind.«

Die aufgehende Sonne der Offenbarung Bahá'u'lláhs übt jetzt sichtlich ihre Wirkung auf die Welt und auch auf die Bahá'í-Gemeinde aus. Jeder Gläubige, jeder örtliche und Nationale Geistige Rat trifft jetzt in ständig steigendem Maße auf lang erträumte, herausfordernde Gelegenheiten zum Lehren, begleitet von einem Regen der Bestätigungen. Der von `Abdu'l-Bahá ausgesäte, keimkräftige Same beginnt jetzt innerhalb der göttlich verordneten, von Shoghi Effendi dargelegten und fest begründeten Ordnung aufzusprießen. Die Menschheit ist fast in die Knie gezwungen; wir sehen sie verwirrt und hirtenlos, hungrig nach dem Brot des Lebens. Dies ist für uns der Tag des Dienstes; denn wir haben diese himmlische Nahrung anzubieten. Die Völker sind enttäuscht von unzulänglichen politischen Theorien, sozialen Systemen und Ordnungen; sie sehnen sich, bewußt oder unbewußt, nach der Liebe Gottes und der Vereinigung mit Ihm. Unsere Antwort auf diese wachsende Herausforderung muß eine mächtig anschwellende Woge wirksamen Lehrens sein, die das göttliche Feuer, welches Bahá'u'lláh in unseren Herzen entfacht hat, weitergibt, bis aus Millionen von Seelen, durch Seine Liebe entflammt, eine Feuersbrunst emporsteigt, als beredtes Zeugnis, daß der Tag, für den die vornehmsten Leuchten unseres Glaubens so innig gebetet haben, endlich angebrochen ist.





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26. April 1982 - Antworttelegramm zur 52. Nationaltagung

(Wir sind) beglückt (über die) Nachrichten (von der) höchst erfolgreichen Tagung (und) versichern (Sie unserer) innigen Gebete (an den) Heiligen Schreinen, (daß die) sehr geliebte deutsche Bahá'í-Gemeinde, (die jetzt zu) neuen Höhen (der) Einigkeit, (der) Entschlossenheit (und des) Selbstopfers aufsteigt, schnellstens (die) herausfordernden Ziele (des) Siebenjahresplanes zu Hause und jenseits (der) Grenzen (Ihres) Heimatlandes erreicht.





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15. Mai 1982 - Hinscheiden von Amoz Gibson, Mitglied des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

Schweren Herzens beklagen (wir den) Verlust unseres innig geliebten Bruders Amoz Gibson, der nach langem, heldenhaften Kampf (mit einer) tödlichen Erkrankung verstorben ist. (Als) beispielhafter, sich selbst aufopfernder Förderer (des) Glaubens erlangte (er einen) leuchtenden, makellosen Ruf für stetes Dienen, begründet durch felsenfeste Standhaftigkeit und tiefe, unerschöpfliche Liebe zur Lehrarbeit, besonders unter (den) indianischen und schwarzen Minderheiten (der) westlichen Hemisphäre und (den) Eingeborenenvölkern Afrikas. Sein beachtliches Wirken (auf dem) Feld der Administration (in) Nordamerika wurde (in den) letzten neunzehn Jahren (von seinem) unschätzbaren Beitrag (zur) Entwicklung des Weltzentrums (dieses) weltumfassenden Glaubens gekrönt. (Wir) beten (in den) Schreinen (um) gnadenreichen Lohn (für) seine edle Seele während (ihrer) fortschreitenden Entwicklung im Königreich Abhá. (Wir) drücken der tapferen, lieben Witwe, der Partnerin in seinem Dienen, und den hinterbliebenen Kindern (unser) liebevolles Mitgefühl aus.

(Wir) empfehlen angemessene Gedenkfeiern in der ganzen Bahá'í-Welt und Gedenkandachten in allen Mashriqu'l-Adhkárs.





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2. Juni 1982 - Botschaft an die Teilnehmer der Konferenz in Dublin

»Die Welt liegt in Wehen, und ihre Erregung wächst von Tag zu Tag. Ihr Zustand wird so werden, daß es nicht angemessen und schicklich wäre, ihn jetzt zu enthüllen.« Die zerschmetternden Schläge, die der alten, entzweienden Ordnung dieses Planeten versetzt werden, und der immer schneller werdende Niedergang des kulturellen Lebens seit der unheilverheißenden Warnung, die Bahá'u'lláh vor hundert Jahren geäußert hat, haben die Menschheit in ihren gegenwärtigen erschreckenden Zustand gebracht. Der Hauptzweck dieser Konferenz ist es, ernsthaft darüber nachzudenken, wie die europäischen Bahá'í in dieser Situation ihren geistigen und praktischen Verpflichtung nachkommen können.

Der Konferenzort Dublin ruft die historischen, heldenhaften Verdienste Irlands bei der Verbreitung der Religion Gottes im heidnischen Europa ins Gedächtnis. Europas Antwort war, nach vielen Wechselfällen die Entwicklung der am weitesten verbreiteten und wirksamsten aller bekannten Kulturen. Diese Kultur wird nun zusammem mit allen anderen Systemen der Welt aufgerollt, und Europas Lage ist in der Tat verzweifelt im Vergleich zu seiner früheren Vorherrschaft. So sind aber Europas Möglichkeiten auch entsprechend groß. Seine Spannkraft, und seine tiefverwurzelte geistige Lebendigkeit, welche über die Jahrhunderte hinweg genährt wurden durch die - jetzt leider vernachlässigten und mit Geringschätzung bedachten - Lehren Christi, werden nun in solchem Maße herausgefordert, daß die Antwort großartiger sein kann und sein muß, als sie die uneinigen und streitenden Völker früherer Zeiten jemals gegeben haben. An Ihnen ist es, diese Antwort hervorzulocken. Die Kraft Bahá'u'lláhs ist mit Ihnen, und dieser Tag ist, wie der Báb bezeugt hat, »unermeßlich erhaben ... über die Tage der frühen Apostel«.

An diesem großen Tag ist Europa gesegnet wie nie zuvor in seiner Geschichte, da die Manifestation Gottes, der Herr der Heerscharen, fünf Jahre Seiner Verbannung innerhalb der Grenzen Europas zubrachte und aus diesem »entlegenen Kerker« die ersten Seiner herausfordernden, die Welt erschütternden Verkündigungen an die Könige und Herrscher sandte, darunter an sechs europäische Machthaber. Es gibt keinen verbürgten Bericht, daß jemals zuvor eine Manifestation Gottes ihren Fuß auf europäischen Boden gesetzt hätte.

Sie arbeiten gerade an einem Siebenjahresplan und haben ergebene und aufopfernde Anstrengungen unternommen, um die Ziele zu erreichen. Aber das höchste Ziel dieses Planes - wie auch aller anderen Pläne - nämlich die große Masse der Menschheit zum allumfassenden Schutzschild der Sache Gottes hinzuziehen, steht noch unerreicht vor uns - und zwar gerade in Europa. Wir haben bis jetzt noch nicht das Geheimnis gefunden, wie man die Herzen der Europäer in großer Zahl mit dem göttlichen Feuer entzündet. Dies muß nun fortwährend Ihre vorrangige Beschäftigung sein, der Gegenstand Ihrer Beratungen bei dieser Konferenz, Ihr Lebenszweck, den Sie nur erreichen, »wenn Sie sich erheben, um jegliches irdische Verlangen mit Füßen zu treten...«. Wir rufen jeden Bahá'í in Europa auf, diese lebenswichtige Angelegenheit in innerster Seele zu bedenken, zu prüfen, was ein jeder tun kann, um seinen Bemühungen größere Kraft zu verleihen, leuchtender und unwiderstehlicher die freudige und wiederbelebende Kraft der Sache auszustrahlen, so daß die Bahá'í-Gemeinde in jedem europäischen Land als Leuchtfeuer hervortritt und die dunklen Schatten der Gottlosigkeit und des moralischen Niedergangs vertreibt, welche die letzten Überreste einer sterbenden Ordnung auszulöschen drohen. Wir rufen das Kontinentale Berateramt auf, im Anschluß an diese Konferenz mit jedem Nationalen Geistigen Rat in Europa zu beraten und gemeinsam eine Kampagne der Vergeistigung der Bahá'í-Gemeinde zu beginnen, verbunden mit verstärkter persönlicher Lehrarbeit, wie sie nie zuvor auf Ihrem Kontinent gesehen wurde.

Die Ziele des Siebenjahresplanes können alle als Ergebnis eines solchen Programms erreicht werden, und die europäische Bahá'í-Gemeinde könnte dadurch die geistige Kraft und Form erlangen, um einer schwer angeschlagenen, untergehenden Kultur den Frieden, die Freude und die Ordnung des langersehnten, von Christus vorausgesagten Reiches Gottes auf Erden vor Augen zu führen.

Mögen der liebevolle Geist und das heilige Leben des Größten Heiligen Blattes, deren Hinscheiden vor fünfzig Jahren bei dieser Konferenz gedacht wird, Ihre Gedanken, Bestrebungen und Beschlüsse mit jener ergebenen, selbstaufopfernden, äußersten Hingabe zu Bahá'u'lláh und Seiner Sache durchdringen, welche sie so großartig verkörperte.





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9. August 1982 - Keine Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Hinscheidens Shoghi Effendis

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat davon Kenntnis erhalten, daß verschiedene Nationale Geistige Räte planen, anläßlich des 25. Jahrestages des Hinscheidens des geliebten Hüters Gedenkfeiern abzuhalten. Es weiß die tiefe Liebe, die alle Freunde für Shoghi Effendi empfinden, voll und ganz zu würdigen, aber es hat uns gebeten, alle Nationalen Geistigen Räte auf die Worte hinzuweisen, die der Hüter selbst in »Die Sendung Bahá'u'lláhs« geäußert hat, und zu unterstreichen, daß der sicherste Weg, unsere Liebe für Shoghi Effendi zum Ausdruck zu bringen, die genaue Befolgung seiner Wünsche ist.

Er schreibt: »Zum Hüter des Glaubens zu beten, ihn als Herr und Meister anzureden, als `Seine Heiligkeit` zu bezeichnen, seinen Segen zu suchen, seinen Geburtstag zu feiern oder irgendein Ereignis, das mit seinem Leben verknüpft ist, festlich zu begehen, wäre im Lichte dieser Wahrheit gleichbedeutend mit einem Abgehen von den in unserem geliebten Glauben verankerten festgesetzten Wahrheiten.«





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5. Dezember 1982 - Hinscheiden der Hand der Sache Paul Haney

Geben mit gramerfülltem Herzen den plötzlichen, unwiederbringlichen Verlust der hochverdienten, hochgerühmten Hand der Sache Gottes, des standhaften Beschützers des Bündnisses, Paul Haney, durch einen Autounfall am 3. Dezember bekannt.

Dieser hervorragende Diener Bahá'u'lláhs war gesegnet, da er als Kind in die Gegenwart `Abdu'l-Bahás gelangte. Seine natürliche Liebenswürdigkeit und echte Bescheidenheit, seine unbefangene und grenzenlose Liebe, seine Redlichkeit und Reinheit, seine zielstrebige Hingabe für die Sache seit seinen Jugendjahren, seine treue Zuverlässigkeit und peinlich genaue Beachtung von Einzelheiten charakterisieren seine historischen Dienste auf nationaler wie internationaler Ebene.

Sein unermüdliches Wirken, das sich über mehr als ein halbes Jahrhundert erstreckte, umfaßte auch die langjährige Mitgliedschaft im Nationalen Geistigen Rat Amerikas. Seit 1954 setzte er seine Kraft als Mitglied des einzigartigen Gremiums der Höchsten Sachwalter des Glaubens und danach, während einer der kritischsten Perioden der Bahá'í-Geschichte, als eine der im Heiligen Land ansässigen Hände der Sache ein. Das letzte Jahrzehnt seines irdischen Lebens war völlig der Entfaltung des neu gebildeten Internationalen Lehrzentrums gewidmet. Die kommenden Generationen werden sich seiner unvergänglichen Werke rühmen und durch seine einzigartige Seelenstärke Inspiration erlangen.

Inbrünstig flehen wir an der Heiligen Schwelle um den Fortschritt seiner vornehmen Seele im Königreich Abhá. Wir empfehlen, in der ganzen Bahá'í-Welt, einschließlich aller Mashriqu'l-Adhkárs, Gedenkversammlungen abzuhalten, die seiner hohen Stufe und seinen preiswürdigen Verdiensten angemessen sind.





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1. Februar 1983 - Einzug des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinen neu erbauten Amtssitz

Wir beugen unser Haupt in grenzenloser Dankbarkeit vor der Gesegneten Schönheit für ihre allumfassenden Bestätigungen, die dem Haus der Gerechtigkeit den Einzug in seinen neu erbauten Sitz ermöglichten. Dieses bedeutungsvolle Ereignis kündet einen weiteren Abschnitt in der Erfüllung der Verheißung an, daß Gottes Arche auf den Berg des Herrn zusteuern wird, wie im Tablet vom Karmel angekündigt, der machtvollen Charta für das geistige und administrative Weltzentrum des Glaubens Bahá'u'lláhs.

Dieser erhabene Punkt in der Geschichte eines ringenden Glaubens, der nun aus der Verborgenheit heraustritt, diese kritische Stunde voll unermeßlicher Wirkungskraft, ausgelöst durch die seelenerschütternden Opfer der geliebten Brüder im Iran, war geprägt durch einen Besuch der Mitglieder des Hauses der Gerechtigkeit in den beiden Heiligen Schreinen und durch eine erste Zusammenkunft im Beratungszimmer gemeinsam mit den Händen der Sache Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum, `Alí-Akbar Furútan und den Berateramtsmitgliedern des Internationalen Lehrzentrums, um demütige Dankgebete darzubringen.

Laßt uns alle frohlocken! Laßt das Lob der Altehrwürdigen Schönheit erklingen! Mögen die unablässigen Bemühungen der Freunde auf der ganzen Welt das Kommen jenes Tages beschleunigen, an dem die im Tablet vom Karmel verwahrten wunderbaren Wirkkräfte voll offenbar sein werden und, wie vom geliebten Hüter vorausgeschaut, Ströme von Gesetzen und Verordnungen von Gottes heiligem Berg mit allbezwingender Kraft und Majestät fließen werden.





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April 1983 - Ridván-Botschaft 140

Die in den letzten zehn Jahren zu beobachtende Beschleunigung jener zwei vom geliebten Hüter beschriebenen Prozesse - Auflösung der alten Ordnung einerseits, Fortschritt und Festigung der neuen Weltordnung Bahá'u'lláhs andererseits - wird von künftigen Geschichtsschreibern vielleicht als eines der hervorstechendsten Merkmale dieses Zeitalters betrachtet werden. Ganz besonders bemerkenswert ist, daß diese Beschleunigung sich in allerjüngster Zeit noch zugenommen hat. Innerhalb wie außerhalb der Sache Gottes arbeiten starke Kräfte darauf hin, die beiden Zwillingsprozesse dieses bedeutungsvollen Jahrhunderts zu einem Höhepunkt zu bringen. Unter den vielen Anzeichen, die diesen Vorgang sichtbar machen, sind einerseits das stete Ansteigen von Gesetzlosigkeit, Terrorismus, Verwirrung im wirtschaftlichen Bereich, Unmoral und die durch die Zunahme von Vernichtungswaffen wachsende Gefahr zu nennen, andererseits die weltweite, göttlich bewirkte Ausdehnung und Festigung des Glaubens selbst und sein rasches Heraustreten ins Rampenlicht der Weltereignisse - ein Vorgang, der gekrönt wird vom wunderbaren Aufblühen des Berges Karmel, des Berges Gottes, dessen göttliche Frühlingszeit nun prachtvolle Blüten sprießen läßt.

Im Lauf der letzten fünf Jahre hat sich die historische Dialektik von Triumph und Unheil in der Sache Gottes in gleicher Weise bemerkbar gemacht. Die Armee des Lichtes hat den Verlust von sechs Händen der Sache Gottes und Wogen bitterer Verfolgung erlitten, welche erneut die leidgeprüfte Gemeinde im Iran umbrandet und zur Schleifung des Hauses des Báb, zur Zerstörung des Wohnsitzes der Vorfahren Bahá'u'lláhs in Tákur und zum Märtyrertod einer großen Anzahl tapferer Seelen geführt haben. Und doch haben diese unheilvollen Geschehnisse neue Kräfte in den Herzen der Freunde erweckt, die tiefen Wurzeln der Sache gestärkt und eine reiche Ernte an bemerkenswerten Siegen bewirkt. Die bedeutendsten sind der erfolgreiche Abschluß des Fünfjahresplanes und der Beginn des Siebenjahresplanes, der sich nun im letzten Jahr seiner zweiten Phase befindet, sowie eine noch nie dagewesene Proklamation des Glaubens bei Staatsoberhäuptern, Parlamenten und Abgeordneten, Ministern und hohen Beamten, führenden Denkern und bedeutenden Persönlichkeiten aus verschiedensten Berufsgruppen. Dies hat auch eine Änderung in der Haltung der Massenmedien bewirkt, die sich nun zunehmend an uns wenden, um Informationen über die Sache zu erhalten.

Neben diesen Geschehnissen müssen auch die weltweiten Gedenkveranstaltungen zur 50. Wiederkehr des Hinscheidens des Größten Heiligen Blattes genannt werden, ferner der Abschluß der Renovierung des oberen Stockwerks des Hauses von `Abdu'lláh Páshá, das gerade jetzt den ersten Besuchern zugänglich gemacht wurde, der Einzug des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seinen endgültigen Amtssitz, wodurch die bedeutende Prophezeiung aus dem Sendschreiben vom Karmel ein Stück weiter erfüllt worden ist, sowie der stetige Fortschritt bei der Errichtung des ersten Mashriqu'l-Adhkár der Pazifischen Inseln auf Samoa und des Muttertempels des indischen Subkontinents in Neu-Delhi.

Zu den herausragenden Zeichen im Bereich der Lehrarbeit und der Festigung gehören die anhaltend wirksamen Ergebnisse durch die Teilnahme von über 16 000 Gläubigen aus allen Teilen der Welt an den fünf Internationalen Konferenzen, die intensiven Lehrfeldzüge, die aktiv aus allen Schichten der Gemeinde unterstützt werden und die Begeisterung und das Potential der Jugend nützen, die Errichtung eines zweiten Rundfunksenders in Südamerika, die Wiederbildung der Nationalen Geistigen Räte von Uganda und Nepal und die Errichtung von neun neuen Nationalen Geistigen Räten, von denen zwei im Mai dieses Jahres gewählt werden; hierdurch erhöht sich die Gesamtzahl dieser sekundären Häuser der Gerechtigkeit auf 135.

Dies alles wird noch weit übertroffen von der Einheit im Handeln, die die Bahá'í-Weltgemeinde bei ihrem Bemühen erreicht hat, öffentliche Unterstützung für die innig geliebten, zutiefst bewunderten und grausam bedrängten iranischen Gläubigen zu gewinnen. Diese Einheit findet ihren Niederschlag auch in einem Strom von Spenden für den Fonds, um den Ausgleich zu schaffen für die früher so reichlich geflossenen Spenden der iranischen Freunde, und in einer Welle der persönlichen Hingabe, wie sie so weitgestreut noch selten beobachtet wurde und zu den höchsten Erwartungen für die Zukunft berechtigt.

Die wachsende Reife einer weltweiten Religionsgemeinschaft, die sich in all diesen Entwicklungen zeigt, kommt auch darin zum Ausdruck, daß mehrere nationale Gemeinden auf das soziale und wirtschaftliche Leben ihrer Länder einzuwirken beginnen, indem sie zum Beispiel private Grundschulen gründen, Radiosender einrichten, ländliche Entwicklungsprogramme betreiben und medizinische und landwirtschaftliche Vorhaben durchführen. Neben diesen ersten Ansätzen müssen die im Gefolge der iranischen Krise erworbenen unleugbaren Fähigkeiten im Umgang mit internationalen Organisationen, nationalen Regierungen und Massenmedien erwähnt werden - eben jenen Teilen der Gesellschaft, mit denen die Bahá'í-Gemeinde auf dem Weg zur Verwirklichung des Weltfriedens wird verstärkt zusammenarbeiten müssen.

Vor uns eröffnet sich ein weiter Horizont, erleuchtet durch die weltweit immer stärker in Erscheinung tretende Kraft des Glaubes, die Angelegenheiten der Menschheit zu ordnen. In diesem Licht können nicht nur die unmittelbar vor uns liegenden Aufgaben erkannt werden, sondern umrißhaft bereits neue Vorhaben und Unternehmungen, mit denen wir uns in Kürze werden beschäftigen müssen. Im Augenblick müssen wir die Ziele des Siebenjahresplanes erfüllen und jenen inneren geistigen Entwicklungen große Aufmerksamkeit schenken, die ihren Ausdruck in größerer Einheit der Freunde finden werden und darin, daß die Nationalen und örtlichen Geistigen Räte »einträchtig, energisch und effektiv« arbeiten, wie es der Hüter wünschte.

Wir zweifeln nicht, daß die Bahá'í-Weltgemeinde alle diese Aufgaben erfüllen und zu neuen Errungenschaften fortschreiten wird. Die von Bahá'u'lláh freigesetzten Kräfte sind den Anforderungen der Zeiten gewachsen. Deshalb können wir fest darauf vertrauen, daß der neue Energiestrom, der die Sache Gottes jetzt durchpulst, sie befähigen wird, den nächsten Herausforderungen zu begegnen, entsprechend ihrem Reifegrad, und soweit es ihre Mittel erlauben, die Entwicklung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens der Völker unterstützen, mit all jenen Kräften, die zur Errichtung von Ordnung in der Welt führen, zusammenarbeiten, auf die Nutzung und den sinnvollen Einsatz moderner Technologien Einfluß nehmen und durch all diese Methoden das Ansehen und den Rang des Glaubens erhöhen und den Zustand der Menschheit insgesamt bessern.

Jetzt ist die Zeit zur Freude. Die Sonne Bahá'u'lláhs steigt am Himmel empor. Sie beleuchtet immer klarer den Kontrast zwischen der Finsternis, der Verzweiflung, den Enttäuschungen und Verwirrungen der Welt und der strahlenden Zuversicht und freudigen Gewißheit derer, die Ihn lieben. Erhebt Eure Herzen. Der Tag Gottes ist da.





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19. Mai 1983 - Neue Aufgaben für das Internationale Lehrzentrum

Seit zehn Jahren leistet das Internationale Lehrzentrum unschätzbare Dienste im Weltzentrum des Glaubens, und so dürfen wir mit großer Freude jetzt einige entscheidende Maßnahmen zur weiteren Entwicklung dieser lebenswichtigen Institution in der Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs bekanntgeben.

Seit dem tragischen Tod von Paul Haney hatten nur zwei Hände der Sache ihren dauernden Wohnsitz im Heiligen Land. Wir haben deshalb beschlossen, Herrn Dr. `Alí Mu.hammad Varqá und Herrn Collis Featherstone zu bitten, sich an der Wahrnehmung der besonderen Pflichten der im Heiligen Land lebenden Hände der Sache von Fall zu Fall zu beteiligen, so z.B. bei der Behandlung von Fällen des Bündnisbruchs. Diese Aufgaben werden sie entweder schriftlich oder bei regelmäßigen Aufenthalten im Weltzentrum wahrnehmen.

Wir haben beschlossen, die Zahl der ständigen Mitglieder des Internationalen Lehrzentrums auf 9 zu erhöhen. Aus Gesundheitsgründen verläßt Frau Florence Mayberry das Weltzentrum und beendet damit ihre hochgeschätzten Dienste in dieser Institution. Vier neue Berateramtsmitglieder sind daher ernannt worden: Dr. Magdalene Carney, Herr Mas`úd Khamsí, Dr. Peter Khan und Frau Isobel Sabri. Sie alle fordern wir auf, ihren Wohnsitz ins Heilige Land zu verlegen, wo sie mit den Händen der Sache Amatu'l-Bahá Rú.híyyih Khánum und `Alí Akbar Furútan und mit den Beratern Anneliese Bopp, Hooper Dunbar und `Azíz Yazdí gemeinsam wirken werden.

Wir haben weiterhin beschlossen und das auch schon in früheren Ankündigungen angedeutet, daß für die Berater des Internationalen Lehrzentrums ein Fünfjahres-Zeitraum eingeführt wird. Eine solche Periode beginnt jeweils am 23. Mai unmittelbar nach der Internationalen Bahá'í-Tagung, und die gegenwärtige Periode endet somit am 23. Mai 1988. Sollten die Umstände das Universale Haus der Gerechtigkeit daran hindern, am Ende jeder Fünfjahres-Periode neue Ernennungen vorzunehmen, so bleiben die Berater so lange im Amt, bis neue Ernennungen vorgenommen werden können.

Durch das schnelle Wachstum des Glaubens, sein Hervortreten aus der Unbekanntheit und die immer größere Vielfalt der Aufgaben, die die Gläubigen in vielen Ländern z.B. auf dem Gebiet der Erziehung, der ländlichen Entwicklung, des Rundfunks und der Öffentlichkeitsarbeit wahrnehmen müssen - alles Dinge, die zunehmend die Aufmerksamkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit beanspruchen - , haben wir beschlossen, daß die Zeit reif ist, dem Internationalen Lehrzentrum größere Verantwortung auf dem Gebiet des Schutzes und der Verbreitung des Glaubens zu übertragen.

Das Internationale Lehrzentrum hat von jetzt an folgende Aufgaben (Sie umfassen die bereits früher bekanntgemachten und die ihm jetzt übertragenen):

Es trägt die volle Verantwortung für die Koordination, Anregung und Führung der Kontinentalen Beraterämter. Dabei ist es das Bindeglied zwischen ihnen und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit.

Es soll über die Situation des Glaubens in allen Teilen der Welt voll informiert sein und aus dieser Kenntnis heraus dem Universalen Haus der Gerechtigkeit Berichte und Empfehlungen und den Kontinentalen Beraterämtern Ratschläge geben.

Es wacht über die Sicherheit des Glaubens Gottes und gewährleistet dessen Schutz.

Es soll alle Möglichkeiten zur Ausdehnung der Lehrarbeit und zur Entwicklung des wirtschaftlichen und sozialen Lebens innerhalb und außerhalb der Bahá'í-Gemeinschaft erkennen und die Aufmerksamkeit des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und der Kontinentalen Beraterämter auf solche Möglichkeiten lenken, sowie entsprechende Maßnahmen empfehlen.

Es soll den Bedarf an Literatur, an Pionieren und Reiselehrern festlegen und im voraus abschätzen, sowie regionale und weltweite Lehrpläne ausarbeiten, die dem Universalen Haus der Gerechtigkeit zur Genehmigung vorzulegen sind.

Es steuert die Arbeit der Kontinentalen Pionierausschüsse.

Es verwaltet die Ausgaben des Internationalen Hilfsfonds.

Es verwaltet ein jährliches Budget, das aus dem Internationalen Bahá'í-Fonds gespeist wird und aus dem Gelder für besondere Lehrprojekte und für die Subvention von Literatur an die Kontinentalen Beraterämter fließen, ebenso, falls erforderlich, Beiträge für die Kontinentalen Fonds.

Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten, wie sie sich aus den obigen Beschlüssen ergeben, werden schrittweise in dem Maße übertragen werden, wie die neuen Mitglieder sich im Heiligen Land niederlassen können. Die Nationalen Geistigen Räte und Kontinentalen Pionierausschüsse werden von allen notwendigen Änderungen in der Verfahrensweise rechtzeitig unterrichtet; inzwischen sollen sie wie bisher verfahren.

In naher Zukunft wird das Internationale Lehrzentrum in seine neuen Räume in der Nähe des Hauses des Meisters umziehen, und zwar in das Haus, das viele Jahrzehnte lang als Westliches Pilgerhaus diente, später den Internationalen Bahá'í-Rat beherbergte und in den letzten zwanzig Jahren der Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit war. Es ist äußerst angemessen, daß dieses Haus nunmehr das Internationale Lehrzentrum aufnehmen wird, bis das endgültige Gebäude für diese mächtige Institution auf dem Berg Karmel in unmittelbarer Nachbarschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit errichtet werden kann.

Es ist unser inniges Gebet, daß die jetzt getroffenen Entscheidungen von Bahá'u'lláh gesegnet sind und daß sie es dem Weltzentrum des Glaubens ermöglichen, die aufopfernden, hingebungsvollen Bemühungen der Freunde Gottes in allen Teilen der Welt während der vor uns liegenden herausfordernden Jahre immer wirksamer zu koordinieren und zu lenken.





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23. Juni 1983 - An die Bahá'í-Jugend in aller Welt

Das Martyrium, das mutige und standhafte junge Menschen vor kurzem in Shíráz erlitten haben - jener Stadt, in der der Märtyrerprophet Seine Sendung erklärte - , ruft die heldenhaften Taten der unsterblichen Jugendlichen des Heroischen Zeitalters in Erinnerung.

Wir vertrauen darauf, daß die Bahá'í-Jugendlichen dieser Generation nicht zulassen werden, daß dieses frische Blut, das auf eben jenem Boden vergossen wurde, auf dem die erste Welle der Verfolgung über den Glauben hinwegging, ungesühnt oder dieses erhabene Opfer vergeblich bleibt.

In dieser Stunde des Schmerzes und der Trauer und im Hinblick auf den baldigen Jahrestag des Märtyrertodes des Gesegneten Báb rufen wir die Bahá'í-Jugend auf, sich erneut den dringenden Erfordernissen der Sache Bahá'u'lláhs zu weihen. Mögen sie sich der Segnungen erinnern, die Er denen versprochen hat, die sich in der Blüte ihrer Jugend erheben, um ihre Herzen mit Seiner Liebe zu schmücken, und die fest und standhaft bleiben. Mögen sie sich der Erwartungen des Meisters erinnern, daß ein jeder ein furchtloser Löwe sei, eine moschusduftende Brise, die über die Wiesen der Rechtschaffenheit dahinweht. Mögen sie über die einzigartigen Qualitäten der Jugend nachsinnen, die so plastisch in den Schriften des Hüters dargestellt sind, der den Unternehmungsgeist und den Wagemut, die Tatkraft, die Wachsamkeit, den Optimismus und den Eifer der Jugend sowie ihre gottgegebenen, heiligen und fesselnden Aufgaben pries.

Wir beten innig an der heiligen Schwelle, daß eine Armee geistig wacher, entschlossener junger Menschen sich unverzüglich erheben wird, um den Erfordernissen der gegenwärtigen Stunde zu entsprechen, und daß sie ihre unschätzbaren Kräfte immer stärker dafür einsetzen, die Sache ihres allsehenden, erwartungsvollen Herrn in ihren Heimatländern wie auch in fernen Regionen weiterzutragen.

Mögen sie denselben Geist zum Ausdruck bringen, den die Märtyrer, ihre Brüder in der Wiege des Glaubens, gerade erst bekundet haben. Mögen sie solche Höhen des Bemühens erklimmen, daß sie zum Stolz ihrer Altersgenossen und zum Trost für die Herzen der persischen Gläubigen werden, und mögen sie deutlich machen, daß die Flamme, die Seine allmächtige Hand entfacht hat, immer heller brennt und daß ihre lebenspendende Wärme und Ausstrahlung bald den ganzen Erdball umschließen und durchdringen wird.





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4. Juli 1983 - An die Europäische Jugendkonferenz in Innsbruck

Mit großen Hoffnungen grüßen wir die Vertreter der Bahá'í-Jugend Europas, die auf der Konferenz in Innsbruck zusammengekommen sind. Diese Generation der Bahá'í-Jugend erfreut sich einer einzigartigen Auszeichnung. Sie werden Ihr Leben in einer Zeit verbringen, in der die Kräfte der Geschichte einem Höhepunkt zustreben, in der die Menschheit die Errichtung des Geringeren Friedens erleben und die Sache Gottes eine zunehmend führende Rolle bei der Neubildung der menschlichen Gesellschaft spielen wird. Sie sind es, die in den kommenden Jahren aufgefordert sein werden, angesichts von Zuständen und Entwicklungen, die bis jetzt kaum vorstellbar sind, am Steuer der Sache Gottes zu stehen.

Besonders die europäische Bahá'í-Jugend hat in unmittelbarer Zukunft gewaltigen und herausfordernden Aufgaben. Kann man daran zweifeln, daß die Art, wie die Regierungen der europäischen Nationen den verfolgten Bahá'í im Iran zur Hilfe eilten, himmlische Segnungen auf diesen Kontinent herabziehen wird? Und wer unter den Menschen Europas ist geeigneter, von dem Ruf und der Hoffnung Bahá'u'lláhs entflammt werden als die Jugend? Jetzt ist Gelegenheit, das Interesse der jungen Leute jeder Nation, Klasse oder Glaubenszugehörigkeit dieses Kontinents zu wecken, ihre Herzen zu entflammen und ihre tätige Unterstützung zu gewinnen. Der Schlüssel zum Erfolg bei diesem Bemühen ist erstens, Ihr Verständnis der Lehren der Sache so zu vertiefen, daß Sie fähig werden, sie auf die Probleme einzelner und der Gesellschaft anzuwenden und sie Ihren Altersgenossen auf eine Art darzulegen, die sie verstehen und gerne annehmen; zweitens, danach zu streben, Ihr Verhalten in allen Dingen nach den hohen Maßstäben der Rechtschaffenheit, der Vertrauenswürdigkeit, des Mutes, der Treue, der Nachsicht, der Reinheit und Geistigkeit, wie sie in den Lehren niedergelegt sind, zu formen; und schließlich vor allem in dem ständigen Bewußtsein der Gegenwart und alles überwindenden Macht Bahá'u'lláhs zu leben, die Sie befähigen wird, jeder Versuchung zu widerstehen und jedes Hindernis zu überwinden.

Eine lebensprühende Schar von Bahá'í-Jugendlichen auf dem europäischen Kontinent, der Förderung der Sache Bahá'u'lláhs und der Wahrung Seiner Gesetze und Grundsätze verpflichtet, entschlossen, in Harmonie und Einheit mit ihren Mitgläubigen aller Altersgruppen und Klassen zusammenzuarbeiten, kann den Fortschritt der Sache in neue Bahnen lenken. Durch rasches Größenwachstum der Bahá'í-Gemeinden in Europa werden die Gläubigen dieses Kontinents in der Wiege westlicher Kultur umso besser in der Lage sein, den Bahá'í-Gemeinden der Dritten Welt als Quelle für Pioniere, Reiselehrer und finanzielle Unterstützung zu dienen.

Bei der Entscheidung, welchen Ausbildungsweg sie einschlagen soll, kann die Jugend erwägen, sich solche Fertigkeiten und Berufe anzueignen, die für die Erziehung, ländliche Entwicklung, für Landwirtschaft, Wirtschaft, Technologie, Gesundheitswesen, Rundfunk und viele andere Betätigungsfelder von Nutzen sind und so dringend in den Entwicklungsländern der Welt gebraucht werden. Sie können Ihre Zeit auch mitten im Studium oder während anderer Tätigkeiten zur Verfügung stellen, um als Reiselehrer oder bei anderen Hilfsprojekten in der Dritten Welt zu dienen.

Eine besondere Herausforderung für die Bahá'í-Jugend von Europa ist die ausgedehnte östliche Hälfte Ihres Kontinents, die bis jetzt kaum vom Licht des Glaubens Bahá'u'lláhs erreicht ist. Es ist nicht leicht, sich in solchen Ländern niederzulassen, aber mit Erfindungsgabe, Entschlossenheit und Vertrauen auf die Bestätigungen Bahá'u'lláhs ist es sicher möglich, sich sowohl dort niederzulassen als auch im Dienst für solche Ziele standhaft zu bleiben, die einen Geist der Selbstaufopferung, der Loslösung und Herzensreinheit erfordern, derer würdig, die dem strahlenden Beispiel nacheifern wollen, das die Märtyrer im Iran gaben. Diese Märtyrer, unter denen so viele Jugendliche sind, haben lieber ihr Leben hingegeben, als auch nur ein Wort zu äußern, das ein Verrat an dem von Gott in sie gesetzten Vertrauen gewesen wäre.

Mit Liebe und größter Sehnsucht rufen wir Sie auf, sich in die göttlichen Lehren zu vertiefen, die Sache Gottes und Sein Gesetz zu fördern und sich zur Belebung der Menschheit zu erheben.





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1. September 1983 - Voraussetzungen für unsere geistige Entwicklung

Ausgelöst durch religiöse Uneinigkeit und Fanatismus hatte Europa in den vergangenen Jahrhunderten so schrecklich unter Verfolgungen und Auseinandersetzungen zu leiden, daß es zu einer heftigen Abwehrreaktion gegen die Religion überhaupt gekommen ist. Viele Menschen in Europa nehmen eine skeptische Haltung ein, verachten die Religionsausübung und lehnen es ab, über religiöse Themen zu sprechen oder der Kraft des Glaubens zu vertrauen. Diese Abkehr von der Religion wurde noch besonders durch das Anwachsen des Materialismus bestärkt. So ist es heute zu einem Nebeneinander von materiellem Wohlergehen und geistiger Dürre gekommen, das in sozialer wie in seelischer Hinsicht katastrophale Folgen für die Bevölkerung hat.

Diese verstandes- und gefühlsmäßige Gesamtatmosphäre schafft für die Bahá'í-Gemeinde Probleme zweifacher Art. Sie hat sich auf einen großen Teil der Bevölkerung derart ausgewirkt, daß es für die Bahá'í schwierig geworden ist, anderen die Botschaft zu überbringen. Die Auswirkungen auf die Bahá'í selbst sind schwerer zu fassen, aber nicht weniger schädlich. Wenn sie nicht bewußt bekämpft werden, können sie dazu führen, daß die Gläubigen jene geistigen Übungen vernachlässigen, die die wahre Quelle ihrer geistigen Kraft und ihre seelische Nahrung sind.

Bahá'u'lláh hat in Seinen Schriften sehr klar die wesentlichen Voraussetzungen für unsere geistige Entwicklung dargelegt, und `Abdu'l-Bahá hat immer wieder in Seinen Ansprachen und Sendschreiben mit Nachdruck auf diese Voraussetzungen hingewiesen. Sie lassen sich kurz wie folgt zusammenfassen:

1. Das tägliche Sprechen eines der Pflichtgebete mit reinem, andächtigen Herzen.

2. Das regelmäßige Lesen in den Heiligen Schriften - zumindest jeden Morgen und Abend - mit Ehrerbietung und in aufmerksamer, nachdenklicher innerer Haltung.

3. Die meditative Besinnung über die Lehren im Geiste des Gebets, damit wir sie besser verstehen, getreuer befolgen und genauer anderen Menschen übermitteln können.

4. Das tägliche Bemühen, unser Verhalten mehr in Übereinstimmung mit den hohen Maßstäben zu bringen, die in den Lehren dargelegt sind.

5. Das Lehren der Sache Gottes.

6. Selbstloser Dienst für den Glauben und in der Ausübung unseres Gewerbes oder Berufes.

Diese Punkte sind den Freunden in Europa bereits in anderen Worten durch die Berater übermittelt worden, aber das Universale Haus der Gerechtigkeit möchte sie betont herausstellen, denn sie sind der Weg, um wahre Geistigkeit zu erlangen, wie er von der Manifestation Gottes für dieses Zeitalter festgelegt worden ist.

Es muß auffallen, wie privat und persönlich die grundlegendsten geistigen Übungen des Gebets und der Meditation in unserem Glauben sind. Natürlich kommen die Bahá'í auch zum gemeinsamen Gebet zusammen, z.B. im Haus der Andacht (Mashriqu'l-Adhkár) oder zu den Neunzehntagefesten, aber die täglichen Pflichtgebete müssen in der Abgeschiedenheit des eigenen Zimmers gesprochen werden, und das Meditieren über die Lehren ist ebenfalls eine private Tätigkeit des einzelnen, keine Form von Gruppentherapie. In Seinen Ansprachen bezeichnet `Abdu'l-Bahá das Gebet als »Zwiesprache mit Gott«, und über das Meditieren sagt Er: »In der Meditation sprichst du mit deinem eigenen Geist. In diesem inneren Zustand stellst du deinem Geist ganz bestimmte Fragen, und der Geist gibt Antwort: das Licht bricht durch, und die Wirklichkeit wird offenbar.«

Natürlich kann man auch auf andere Art seine Geistigkeit vermehren. So hat Bahá'u'lláh z.B. keine spezifischen Techniken genannt, die beim Meditieren befolgt werden sollen, und dem einzelnen Gläubigen steht es frei, auf diesem Gebiet so vorzugehen, wie er möchte, vorausgesetzt, er bleibt in Übereinstimmung mit den Lehren. Solche Aktivitäten sind jedoch rein persönlich und sollten unter keinen Umständen mit den Handlungen verwechselt werden, die Bahá'u'lláh selbst als grundlegend wichtig für unsere geistige Entwicklung erachtet hat. Einige Gläubige meinen vielleicht, daß es für sie nützlich ist, eine bestimmte Meditationsübung anzuwenden, und sie können dies gewiß tun. Aber solche Methoden sollten nicht bei Sommerschulen gelehrt oder während der Schule durchgeführt werden, da sie vielleicht den einen ansprechen, andere jedoch abstoßen. Sie haben nichts mit dem Glauben zu tun und sollten ganz getrennt davon gehalten werden, um die Sucher nicht zu verwirren...

Das Universale Haus der Gerechtigkeit ist überzeugt, daß die Gläubigen in ganz Europa, wenn sie gewissenhaft bestrebt sind, mit Hilfe der sechs oben genannten Methoden geistig zu wachsen, und in ihrem innersten Wesen sich bewußt werden, daß sie in all ihrem Dienst nur Vermittler für die bestätigende Macht Gottes sind, die Herzen ihrer Mitbürger anziehen und die ansteckende Krankheit des Materialismus überwinden werden, der den Blick so vieler ihrer Landsleute trübt. Anstrengung, rege Aktivität, Einheit und ständiges Vertrauen auf die Macht Bahá'u'lláhs werden gewiß alle Hindernisse überwinden.





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20. Oktober 1983 - Größere Beteiligung an der Entwicklung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens der Völker

Die tiefbewegenden Ereignisse im Geburtsland Bahá'u'lláhs und der gleichzeitige Vorstoß der Organe Seiner Verwaltungsordnung auf den Schauplatz der Weltgeschehnisse haben gemeinsam bewirkt, daß neue Möglichkeiten der Entfaltung der Bahá'í-Weltgemeinschaft erkennbar werden. Unsere diesjährige Ridván-Botschaft faßte diese Folgerungen in den Hinweis, daß sich vor uns der Horizont weitet und neue Ziele und Aufgaben erahnen läßt, die wir bald angehen müssen. Sie künden unsere größere Beteiligung an der Entwicklung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens der Völker an.

Bahá'u'lláh hat seit Anbeginn Seiner gewaltigen Sendung die Völker nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß es notwendig ist, die menschlichen Verhältnisse so zu ordnen, daß eine Welt entsteht, die in allen wesentlichen Gesichtspunkten ihres Lebens geeint ist. In unzähligen Versen und Sendschreiben erklärte Er mannigfach wiederholt, daß der »Fortschritt der Welt« und die »Entwicklung der Nationen« zu den Verordnungen Gottes für diese Zeit zählen. Die Einheit der Menschheit, gleichermaßen Antrieb wie Endziel Seiner Offenbarung, bedingt eine dynamische Übereinstimmung der geistigen und praktischen Erfordernisse des Lebens auf Erden. Wie unerläßlich diese Beziehung ist, zeigt deutlich Seine Bestimmung des Hauses der Andacht zum geistigen Mittelpunkt jeder Bahá'í-Gemeinde, um das herum Nebengebäude entstehen müssen, die dem sozialen, humanitären, erzieherischen und wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit geweiht sind. Obwohl bisher die Bahá'í-Institutionen im allgemeinen kein besonderes Gewicht auf die Entwicklungsarbeit legen konnten, so können wir doch leicht erkennen, daß das Konzept sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung in den heiligen Lehren unseres Glaubens enthalten ist. Der geliebte Meister zeigte durch Seine erhellenden Worte und Taten beispielhaft, wie dieses Konzept für die Neuordnung der Gesellschaft anzuwenden ist. Denken Sie etwa daran, welchen sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt die persischen Gläubigen unter Seiner liebevollen Führung und später durch die ständige Ermutigung des Hüters der Sache erreichten.

Nach all den Jahren beständiger Lehrarbeit hat nun die Gemeinde des Größten Namens das Stadium erlangt, in dem sie diese Entwicklungsprozesse in ihre regelmäßige Tätigkeit einbeziehen muß. Besonders die Ausbreitung des Glaubens in den Ländern der Dritten Welt, wo die überwiegende Mehrheit Seiner Anhänger wohnt, drängt uns zum Handeln. Die erforderlichen Schritte müssen notwendigerweise in der Bahá'í-Gemeinde selbst beginnen: die Freunde müssen sich bemühen, durch Anwendung geistiger Prinzipien, aufrechtes Verhalten und die Kunst der Beratung sich selbst zu entwickeln und dadurch unabhängig und selbstbewußt zu werden. Diese Bemühungen werden zudem dazu beitragen, die menschliche Ehre zu bewahren, was Bahá'u'lláh so sehr wünschte. Zweifellos werden die Freunde im Laufe und als Folge dieser Entwicklung den Segen ihrer Anstrengungen auf die gesamte Gesellschaft übertragen, bis die ganze Menschheit den Fortschritt erreicht, den der Herr des Zeitalters für sie vorsieht.

Systematische Aufmerksamkeit kann diesen bedeutenden Bereich der Bahá'í-Bestrebungen fördern. Wir freuen uns darum, die Einrichtung eines Büros für soziale und wirtschaftliche Entwicklung am Weltzentrum bekanntzugeben. Diese Einrichtung hat die Aufgabe, das Universale Haus der Gerechtigkeit bei der Förderung und Koordination der weltweiten Tätigkeiten aller Freunde in diesem neuen Bereich zu unterstützen.

Das Internationale Lehrzentrum und somit auch die Kontinentalen Beraterämter sind gleichermaßen gerüstet für die besondere, ihnen übertragene Verpflichtung, aufmerksam die Möglichkeiten einer Weiterentwicklung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens innerhalb wie außerhalb der Bahá'í-Gemeinde zu verfolgen und die Geistigen Räte und Freunde bei ihren Bemühungen zu beraten und zu ermutigen.

Wir rufen nun die Nationalen Geistigen Räte auf, in ihren Gemeinden die Aspekte und Folgerungen dieser neuen Entwicklung zu berücksichtigen und wohlüberlegte Maßnahmen zu ergreifen, um - jeweils im Rahmen der Verhältnisse und der vorhandenen Mittel - Überlegungen und Handlungen von örtlichen Geistigen Räten und einzelnen Freunden mit einzubeziehen, wenn Pläne erarbeitet und durchgeführt werden. Fortschritte im Entwicklungsbereich hängen weitgehend von den natürlichen Antriebskräften auf den unteren Ebenen ab; sie sollten daher ihren Impuls eher aus dieser Quelle erhalten als durch die Aufpfropfung von Plänen und Programmen von oben her. Deshalb besteht die Hauptaufgabe der Nationalen Räte darin, in den örtlichen Gemeinden das Bewußtsein für die Bedürfnisse und Möglichkeiten zu schärfen und die daraus resultierenden Bemühungen zu leiten und zu koordinieren. In vielen Gegenden erleben die Freunde bereits die Bestätigung ihrer Initiativen in Unternehmungen wie der Gründung von Tutorial Schools und anderen Schulen, der Förderung von Lese- und Schreibkenntnissen, im Inangriffnehmen ländlicher Entwicklungsprogramme, der Gründung von Rundfunksendern mit Unterrichtsprogrammen und der Durchführung landwirtschaftlicher und medizinischer Projekte. Indem sie ihre Anstrengungen erweitern, werden zweifellos neue Entwicklungsmethoden und -bereiche zum Vorschein kommen.

Diese Herausforderung weckt den Erfindergeist, die Anpassungsfähigkeit und den Zusammenhalt der vielen Gemeinden, aus denen sich die Bahá'í-Welt zusammensetzt. Unterschiedliche Gemeinden werden natürlich unterschiedliche Wege gehen und ähnlich gelagerte Probleme auf unterschiedliche Weise lösen. Einige können außerhalb ihrer Gemeinden Unterstützung anbieten, während andere notwendigerweise zunächst Unterstützung von außen brauchen. Aber alle, ungeachtet der Umstände und der Mittel, haben die Fähigkeit, in irgendeiner Weise zu handeln. Alle können geben und nehmen, alle können sich an dem gemeinsamen Unternehmen beteiligen, die Prinzipien des Glaubens systematischer anzuwenden, um die Lebensqualität zu heben. Der Schlüssel zum Erfolg ist Einheit im Denken und Handeln.

Wir schreiten voran im Vertrauen darauf, daß die rückhaltlose Mitarbeit der Freunde an diesen Aktivitäten eine tiefere Festigung der Gemeinde auf allen Ebenen sicherstellt. Unsere Beschäftigung mit den technischen Entwicklungsaspekten sollte jedoch nicht zulassen, daß wir die unentbehrliche Lehrarbeit verdrängen, die die oberste Pflicht eines jeden Jüngers Bahá'u'lláhs bleibt. Unsere zunehmenden Aktivitäten auf dem Gebiet der Entwicklung sollten eher als Verstärkung der Lehrarbeit angesehen werden, als deutlicher Beweis unseres Glaubens durch die Tat. Hält nämlich die Ausweitung der Lehrarbeit nicht an, so besteht keine Hoffnung auf Erfolg für diese Erweiterung des Festigungsprozesses.

Somit richtet sich der Aufruf zur Tat an die einzelnen Freunde, an Erwachsene und Jugendliche, langjährige Bahá'í und Neuerklärte. Mögen sie voranschreiten und ihren Platz in der Arena des Dienstes einnehmen, in der sie ihre Begabungen und Kenntnisse, ihre spezielle Ausbildung, ihre materiellen Mittel, ihr Opfer an Zeit und Energie und vor allem ihre Hingabe an die Bahá'í-Prinzipien einsetzen können, um das Los der Menschen zu verbessern.

Möge ein jeder immer wieder neue Begeisterung aus der folgenden Aussage schöpfen, die unser geliebter Hüter im Jahre 1933 mit eigener Hand niederschrieb:

»Die Probleme, denen sich die Gläubigen zur Zeit gegenübersehen, seien sie sozialer, geistiger, wirtschaftlicher oder administrativer Art, werden schrittweise gelöst werden in dem Maße, wie sich die Zahl der Freunde und ihre Hilfsmittel vermehren und ihre Fähigkeit zunimmt, zu dienen und die Bahá'í-Prinzipien anzuwenden. Sie sollten geduldig, vertrauensvoll und aktiv sein und jede nur mögliche Gelegenheit nutzen, die sich ihnen innerhalb der ihnen notwendigerweise auferlegten Begrenzungen bietet. Möge der Allmächtige ihnen beistehen, damit sich ihre größten Hoffnungen erfüllen.«





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2. Januar 1984 - Neue Aufgaben und Herausforderungen

Die Zusammenkunft der Vertreter der Bahá'í-Welt bei der Internationalen Tagung letztes Ridván fand in einer Atmosphäre statt, die durchdrungen war von dem Bewußtsein, der Opfer, die unsere Mitgläubigen im Iran erbringen, und von der gespannten Erwartung, welche neuen Ausblicke sich der Sache Gottes eröffnen werden angesichts des Wandels im Zustand der Welt sowie der weitverbreiteten Beachtung, die der Glaube auf allen Kontinenten gefunden hat, und auch angesichts der wachsenden Reife seiner administrativen Institutionen.

In den seither verstrichenen acht Monaten haben wir die Einrichtungen geschaffen und die Pläne formuliert, die den Glauben befähigen sollen, die sich ihm bietenden, nie dagewesenen Gelegenheiten zu ergreifen; aber wir stehen einem Mangel an finanziellen Mitteln gegenüber, der, wenn er nicht behoben wird, diese Pläne scheitern lassen könnte. In den letzten zwei Jahren ist der Umfang der Spenden an den internationalen Fonds zurückgegangen, und wir stellen fest, daß viele nationale Fonds ebenfalls der Gefahr eines Defizits ausgesetzt sind.

Neben dem Fortgang der allgemeinen Arbeit für die Sache gibt es vier Gebiete, auf denen unverzüglich gehandelt werden muß.

Das erste ist die Fertigstellung der Mashriqu'l-Adhkárs in Indien und Samoa. Jede Verzögerung dieser Arbeit kann sie nur teurer machen und außerdem den guten Ruf des Glaubens in diesen beiden lebenswichtigen Gebieten ernstlich schädigen.

Das zweite ist die Entwicklung des Weltzentrums, des Brennpunktes der gesamten administrativen Ordnung des Glaubens, wo nach Shoghi Effendis Worten »der Staub seiner Stifter ruht, wo die Entwicklungsströme, die seine Ziele hervortreten lassen, sein Leben mit Energie aufladen und sein Schicksal formen, alle ihren Ursprung haben.«

Das dritte ist die Durchführung von Programmen zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung. In vielen Ländern haben die Bahá'í-Gemeinden eine Größe und einen Entwicklungsstand erreicht, die die Inangriffnahme einer Reihe von Aktivitäten für ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung erfordern und auch möglich machen. Solche Projekte werden einerseits von unermeßlichem Wert für die Festigung dieser Gemeinden und die Entwicklung ihres Bahá'í-Lebens sein, andererseits aber auch den größeren Gemeinschaften, in die sie eingebettet sind, zugute kommen und somit die segensreichen Wirkungen der Bahá'í-Botschaft vor dem kritischen Blick der Welt herausstellen. Geldmittel für die Inangriffnahme und Durchführung dieser Projekte werden nur sehr allmählich und mit großer Sorgfalt ausgegeben werden, um nicht das natürliche Wachstum dieser Gemeinden und ihren Sinn für Verantwortung zu untergraben; aber das Feld ist so ungeheuer groß, die Gelegenheiten so weitreichend, daß die finanziellen Reserven des Glaubens bis zum Äußersten beansprucht werden.

Der vierte Bereich ist die Entwicklung und Koordination weltweiter Bemühungen, um noch viel weiteren Kreisen als je zuvor das göttliche Heilmittel für die Probleme, die die Gesellschaft und alle ihre Glieder befallen haben, darzustellen, um die Universalität des Glaubens und die Tragweite seiner Lehren in den Augen der Staatsmänner deutlich werden zu lassen und um sicherzustellen, daß die führenden Denker gründlich mit der Bahá'í-Offenbarung und der Tiefe ihrer Botschaft vertraut gemacht werden.

Die Arbeit an den Tempeln ist schon gut vorangeschritten und darf nicht zum Stillstand kommen; die Entwicklung der Einrichtungen des Weltzentrums, das in einem der Hauptkrisengebiete der Welt liegt, kann nicht auf Dauer zurückgehalten werden; der Zeitpunkt für die Ausweitung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung - ein Aspekt der Arbeit der Sache Gottes - ist gekommen, und dieser Aspekt kann nicht vernachlässigt werden, ohne schwere Folgen für das Leben der Bahá'í-Gemeinden zu zeitigen; die ganz einmalige Gelegenheit zur Proklamation des Glaubens ist uns gegeben worden als unmittelbare Frucht der Verfolgungen, denen die Gläubigen in der Wiege unseres Glaubens ausgesetzt sind. Wenn wir der Opfer dieser tapferen Freunde würdig sein wollen, und wenn wir das Vertrauen nicht enttäuschen wollen, das Bahá'u'lláh in uns für die Erlösung der Menschheit in dieser Stunde ihrer drängendsten Not gesetzt hat, dürfen wir nicht säumen, die vor uns liegenden Gelegenheiten zu ergreifen.

Diese vierfache Herausforderung tritt uns genau zu dem Zeitpunkt entgegen, da die Welt sich inmitten einer wirtschaftlichen Krise befindet und überschattet ist von der Bedrohung durch Kriege und andere Katastrophen. Diese Verhältnisse können die Anhänger Bahá'u'lláhs niemals entmutigen, sie können uns nur die Dringlichkeit unseres Handelns noch stärker bewußt machen.

Wir rufen deshalb jeden treu ergebenen Bahá'í auf, sein Leben erneut dem Dienste Gottes und der Besserung des Geschickes der Menschheit zu weihen, so daß es nicht an Kräften auf den Gebieten des Pionierens, des Lehrens und des administrativen Dienstes fehlt. Und was ganz vordringlich ist: Möge jeder Gläubige opferbereit aus seinem Vermögen für die Fonds der Sache - örtlich, national, kontinental und international - spenden, jeder nach seinen Möglichkeiten, so daß die materiellen Mittel - das Lebensblut aller Aktivitäten - für die enorme Arbeit ausreichen, die wir in den unmittelbar vor uns liegenden Monaten und Jahren ausführen müssen. Es erfordert eine Konzentration der Bemühungen, eine Einheit der Absichten und ein Maß an Selbstaufopferung, die den heldenhaften Anstrengungen der Sieger früherer Pläne in der Entfaltung der Sache Gottes ebenbürtig sind.





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3. Januar 1984 - An die Bahá'í-Jugend in aller Welt

Daß die Vereinten Nationen das Jahr 1985 zum Internationalen Jahr der Jugend erklärt haben, eröffnet neue Perspektiven für die Tätigkeiten, mit denen die jugendlichen Mitglieder unserer Gemeinde befaßt sind. Daß die Vereinten Nationen die Jugend so in den Brennpunkt rücken, geschieht in der Hoffnung, die Jugend zu verantwortungsbewußter Teilnahme an den Angelegenheiten der Welt zu ermutigen, indem sie sie an internationalen Entwicklungsaufgaben und anderen Unternehmungen und Beziehungen beteiligen, die zur Verwirklichung ihres Trachtens nach einer Welt ohne Krieg dienen.

Diese Erwartungen unterstreichen die vor uns liegenden großen Gelegenheiten, welche unsere Aufmerksamkeit fordern. Wenn wir die jetzt an uns gestellten Herausforderungen auch nur annähernd veranschaulichen wollen, müssen wir nur im Lichte unserer heiligen Schriften darüber nachdenken, wie durch die beschleunigte Entfaltung des Göttlichen Planes über fast fünf Jahrzehnte hinweg, durch die unermeßlichen Kräfte des geistigen Dramas, das sich im Iran abspielt, und durch die schöpferische Energie, die aus der Vergegenwärtigung des herannahenden Endes des zwanzigsten Jahrhunderts frei wird, günstige Umstände zusammentreffen. Ohne Zweifel steht es in Eurer Macht, wesentlich zur Gestaltung der Gesellschaft des kommenden Jahrhunderts beizutragen: Jugend kann die Welt bewegen.

Wie trefflich, ja wie begeisternd, daß sich Euch, den jungen, eifrigen Anhängern der Gesegneten Schönheit, eine so wunderbare Gelegenheit bietet, das Feld Eures Bemühens gerade auf dem Tätigkeitsgebiet auszuweiten, auf dem Ihr Euch so gewissenhaft auszuzeichnen strebt. Denn das von den Vereinten Nationen vorgeschlagene Thema: »Teilnahme, Entwicklung, Frieden«, kann als Bestätigung dafür aufgefaßt werden, daß die Ziele, die Ihr als Bahá'í verfolgt, im Grunde genau der Gegenstand der leidenschaftlichen Suche Eurer verzweifelten Altersgenossen sind.

Ihr seid schon damit befaßt, den Siebenjahresplan voranzutreiben, der den Rahmen für weitere Taten gibt, zu denen Ihr jetzt, durch diese neue Gelegenheit angeregt, aufbrechen mögt. Das Internationale Jahr der Jugend fällt in die nächste Phase des Plans, so müssen die Tätigkeiten, die Ihr vorhabt und auf die Ihr Euch jetzt vielleicht schon vorbereiten wollt, nicht nur die Maßnahmen für das Jahr der Jugend unterstützen, sondern zugleich Eure Beiträge zur Erfüllung dieses Planes steigern. Zögert also nicht mit Eurer kraftvollen Antwort.

Ein Glanzlicht der gegenwärtigen Periode des Siebenjahresplans war die außerordentliche Proklamation, die der Glaube durch das Wiederaufleben der unablässigen Verfolgungen im Iran erfuhr; weltweit wurde neues Interesse an seinen Lehren wach. Gleichzeitig suchen immer mehr Menschen aller Gesellschaftsschichten ungestüm ihre wahre Identität, oder mit anderen Worten, obwohl sie es nicht so offen zugeben werden, den geistigen Sinn ihres Lebens; führend unter diesen Suchern sind die Jugendlichen. Das Wissen darum eröffnet nicht nur ein weites Feld für Bahá'í-Initiative, es weist auch den jungen Bahá'í eine besondere Verantwortung zu, die Sache Gottes so zu lehren und das Leben so zu leben, daß sie die Tugenden lebendig zum Ausdruck bringen, die die geistige Sehnsucht ihrer Altersgenossen stillen können.

Um der Bewahrung solcher Tugenden willen ist in der Vergangenheit viel unschuldiges Blut vergossen worden, und viel wird auch heute im Iran von jung und alt geopfert. Betrachtet zum Beispiel das Schicksal der sechs jungen Frauen von 18 bis 25 Jahren, die ihr Leben letzten Sommer in Shíráz am Galgen hingaben. Sie alle widerstanden den Versuchen, sie zum Widerruf ihres Glaubens zu veranlassen; alle weigerten sich, ihren Geliebten zu verleugnen. Betrachtet auch die Berichte von der erstaunlichen Tapferkeit, die immer wieder von Kindern und Jugendlichen an den Tag gelegt wurde, welche den Verhören und Beschimpfungen von Lehrern und Mulláhs ausgesetzt waren und der Schule verwiesen wurden, weil sie an ihrem Glauben festhielten. Darüberhinaus ist besonders bemerkenswert, daß die Jugend trotz der harten Beschränkungen, denen ihre Gemeinde unterworfen ist, so außerordentliche Dienste leistete und ihre Kräfte den Bahá'í-Institutionen im ganzen Land zur Verfügung stellte. Keine Redekunst kann ihre geistige Ergebenheit und ihre Treue würdiger bezeugen als diese reinen Taten der selbstlosen Hingabe. Im Grunde genommen fordert der Glaube an keinem anderen Ort der Erde einen so hohen Preis von den Bahá'í. Nirgends finden sich willigere, strahlendere Träger des Opferkelchs als die tapfere Bahá'í-Jugend im Iran. Ist es da nicht angemessen, zu erwarten, daß Ihr, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Ihr in so außergewöhnlicher Zeit lebt, Zeugen mitreißender Beispiele des Mutes Eurer iranischen Brüder seid und Euch so frei bewegen könnt, daß Ihr »unbeschwert wie der Wind« ins Feld der Bahá'í-Taten aufbrecht?

Seid alle beharrlich in Eurem persönlichen Bemühen, den Glauben zu lehren, aber mit vermehrtem Eifer, und die Schriften zu studieren, aber mit tieferem Ernst. Setzt Eure Erziehung und Ausbildung fort, um künftig der Menschheit zu dienen, und opfert Eure freie Zeit soweit wie möglich für Tätigkeiten in der Sache Gottes. Wer von Euch seine Lebensaufgabe schon auf sich genommen, wer schon Familie gegründet hat, strebe danach, lebendige Verkörperung der Bahá'í-Ideale zu werden, sowohl bei der geistigen Ernährung seiner Familie als auch durch aktive Teilnahme an den Bemühungen um die Inlandziele oder als Pionier im Ausland. Mögen alle den gegenwärtigen Forderungen an den Glauben dadurch entsprechen, daß sie sich in bisher unbekanntem Maße den anstehenden Aufgaben widmen.

Über dieses Streben hinaus besteht die Notwendigkeit einer gewaltigen Mobilisierung der Lehrtätigkeit, worin sich eine Stetigkeit bei den Formen des Dienstes spiegelt, den die jungen Bahá'í leisten. Der natürliche Drang der Jugend, umherzuziehen, verbunden mit reichem Glaubenseifer, zeigt, daß Ihr als Reiselehrer zahlreicher und zielstrebiger an diesen Tätigkeiten teilnehmen könnt. Eine Form dieser Mobilisierung könnten Kurzzeitprojekte im In- oder Ausland sein, die sowohl dem Lehren des Glaubens als auch der Besserung der Lebensbedingungen der Menschen gewidmet sind. Ein anderer Weg könnte sein, daß Ihr, solange Ihr noch jung und frei von Verantwortung für eine Familie seid, daran dächtet, eine gewisse Zeit, ein oder zwei Jahre, daheim oder im Ausland, freiwillig Bahá'í-Dienst bei Lehr- oder Entwicklungsarbeit zu leisten. Es würde die Gemeinde stärken und festigen helfen, wenn Generationen von Jugendlichen nacheinander solche Formen (des Dienstes) aufgriffen. Unabhängig aber von der Art des Dienstes muß sich die Jugend dazu verstehen, sich zu allen Zeiten, überall und unter allen Umständen ganz einzusetzen. Seid in Euren verschiedenen Tätigkeiten der liebevollen Unterstützung und Führung der Bahá'í-Institutionen auf allen Ebenen versichert.

Unsere innigen Gebete, unser unerschütterliches Vertrauen in Eure Fähigkeit, Euer Ziel zu erreichen, unsere unvergängliche Liebe begleiten Euch bei all Eurem Streben auf dem Pfad des Dienstes für die Gesegnete Vollkommenheit.





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April 1984 - Ridván-Botschaft 141

Das Heraustreten aus der Verborgenheit, das während der ersten fünf Jahre des Siebenjahresplanes so kennzeichnend für die Sache Gottes war, ist mit äußeren wie inneren Veränderungen einhergegangen, die sich auf die Bahá'í-Weltgemeinde auswirken. Nach außen hin gibt es Anzeichen, daß sich in der noch weitgehend uninformierten Öffentlichkeit ein immerhin freundliches Bild über die Sache herauskristallisiert; im Inneren erweist sich eine Zunahme an Reife und Vertrauen durch gestiegene administrative Fähigkeiten, durch den Wunsch, die Bahá'í-Gemeinden möchten für die Menschheit insgesamt Dienstleistungen erbringen, und durch ein tiefergehendes Verständnis der Bedeutung der göttlichen Botschaft für die Probleme der modernen Welt. Diese beiden Aspekte einer Wandlung müssen in Betracht gezogen werden, wenn wir jetzt in die dritte und letzte Phase des Siebenjahresplanes eintreten.

Das gerade auslaufende Jahr war überschattet durch die andauernde Verfolgung der Freunde im Iran. Sie wurden gezwungen, ihre Verwaltungsordnung aufzulösen, sie wurden gequält, enteignet, aus ihrer Arbeit entlassen, vertrieben, und ihren Kindern wurde die Ausbildung verweigert. Ungefähr 600 Männer, Frauen und Kinder befinden sich derzeit im Gefängnis, einigen ist jeder Kontakt mit ihren Freunden und Verwandten verboten, einige werden gefoltert, und alle werden unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Ihre heroische und beispielhafte Standhaftigkeit war die Hauptursache dafür, daß der Glaube aus dem Unbekanntsein herausgetreten ist, und ihre Herzen wurden getröstet, weil ihre Leiden nie dagewesene Fortschritte im Lehren bewirkt haben und die göttliche Botschaft einer Welt verkündet wird, die ihre heilende Kraft so dringend nötig hat. Dafür nehmen sie den letzten Dienst auf sich: das Märtyrertum. Unsere Verpflichtung liegt also kristallklar auf der Hand. Wir können sie jetzt nicht enttäuschen. Aufopferndes Handeln bei der Verbreitung und beim Vorantreiben der Sache Gottes muß jeder neuen Verfolgung, die bekannt wird, folgen. Dies sei unsere Botschaft der Liebe und der geistigen Verbundenheit an sie!

Im internationalen Berei