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Europa

1. Allgemeine Stellungnahmen

Aus den Schriften ‘Abdu’l-Bahás

An die tausend Jahre müssen verstreichen, ehe Persien sich mit Hilfe wirtschaftliche Kraft zu den Höhen der Völker und Regierungen Europas erheben wird. Jedoch hat Bahá’u’lláh dieses Land erleuchtet und wird es sicher vor den Augen der Welt hoch erheben. Dieses Land wird so voranschreiten und sich so entwickeln, daß es den Neid des Ostens und des Westens erregen wird.

Das Land Hijáz, so wüst und unfruchtbar sein Boden auch ist, so unwissend und barbarisch seine Stämme auch sind, solch ein Fleck ist nun durch die Macht der Sache Gottes zu einem Ort der Verehrung und zum zentralen Brennpunkt der Ergebenheit der Welt gemacht worden.

Wie töricht sind die Völker des Ostens, daß sie jemanden wie diese glorreiche Persönlichkeit fünfzig Jahre lang einkerkerten. Wären nicht die Ketten und das Gefängnis gewesen, hätte Bahá’u’lláh zu jenem Zeitpunkt unumschränkten Einfluß auf den Geist und die Gedanken der Völker Europas gewonnen; er hätte Persien zu einem Paradiesgarten gemacht, seine Söhne in der Achtung der Menschheit erhoben, nein, er hätte es solcherart gestaltet, daß alle Völker und Regierungen Erleuchtung bei seinem Volk gesucht hätten.

Seht und denkt über das Ergebnis meines nur wenige Tage währenden Aufenthaltes in London und die tiefgreifende Wirkung, die er hier und in der Umgebung hatte, nach. Erwägt dann in eurem Herzen, was das Kommen Bahá’u’lláhs bewirkt hätte. Wäre Er in Europa erschienen, seine Völker hätten die Gelegenheit ergriffen, und Seine Sache hätte damals, vermöge der Freiheit des Denkens, die ganze Erde umspannt. Aber ach, obgleich diese Sache zuerst in Persien in Erscheinung trat, wird man schließlich doch sehen, wie die Menschen Europas sie seinen Händen entrissen haben! Beachtet dies und denkt in der Zukunft daran. Letzten Endes werdet ihr sehen, wie es dazu gekommen ist. Und seht weiter, wie die Bahá’í noch immer vom persischen Volk verfolgt werden.
(Zitiert in einem Brief Shoghi Effendis vom 12. Januar 1923 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas)
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Wie groß, wie überaus groß ist diese Sache! Wie heftig wird der Angriff aller Völker und Geschlechter der Erde. Bald wird nah und fern das Geschrei der Massen in ganz Afrika, ganz Amerika, der Kampfruf der Europäer und der Türken, das Murren Indiens und Chinas zu hören sein. Wie ein Mann und mit all ihrer Macht werden sie sich erheben, um Seiner Sache zu widerstehen. Dann werden die Ritter des Herrn mit dem Beistand Seiner Gnade aus der Höhe, gestählt im Glauben, unterstützt durch die Macht der Erkenntnis und verstärkt durch die Millionen des Bündnisses, sich erheben und die Wahrheit des Verses offenbaren: „Sehet die Verwirrung, die die Scharen der Besiegten befallen hat!“
(Zitiert in einem Brief vom 12. Februar 1927 von Shoghi Effendi an die Bahá’í des Westens, veröffentlicht in „Bahá’í Administration: Selected Messages 1922- 1932“ (Bahá’í Publishing Trust, 1980), S.123) (Deutsch in „Krise und Sieg “19.2.)
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Was das vaterländische Vorurteil betrifft, so entstammt auch dieses völliger Unwissenheit, denn der Erdkreis ist ein Heimatland. Jeder Mensch kann an jedem beliebigen Ort des Erdballs leben. Deshalb ist die ganze Welt des Menschen Vaterstadt. Grenzlinien und Grenzübergänge wurden durch den Menschen ersonnen. In der Schöpfung sind keine solchen Grenzen und Hoheitsgebiete festgeschrieben. Europa ist ein einziger Erdteil, Asien ist ein Erdteil, Afrika ist ein Erdteil, Australien ist ein Erdteil, aber einige Seelen haben aus persönlichen Beweggründen, aus Eigennutz, jeden dieser Erdteile zerteilt und einen bestimmten Teil als ihr eigenes Land betrachtet. Gott hat keine Grenzen zwischen Frankreich und Deutschland gezogen; sie gehen ineinander über. Fürwahr, in den ersten Jahrhunderten haben selbstsüchtige Seelen um ihrer eigenen Vorteile willen Grenzen und Übergänge geschaffen und ihnen Tag für Tag mehr Gewicht beigelegt, bis dies schließlich in den späteren Jahrhunderten zu heftiger Feindschaft, zu Blutvergießen und Raubgier führte. So wird dies unaufhörlich weitergehen, und wenn der Gedanke der Vaterlandsliebe auf einen engen Kreis beschränkt bleibt, wird er die Hauptursache der Weltzerstörung sein. Kein kluger gerechter Mensch wird diese eingebildeten Unterscheidungen anerkennen. Ein begrenzte Fläche, welche wir unser Vaterland nennen, betrachten wir als unsere Heimat, wo doch der ganze Erdball, nicht eine begrenzte Fläche, die Heimat aller ist. Kurz gesagt: Nur wenige Tage leben wir auf dieser Erde, schließlich werden wir darin bestattet, sie ist unser ewiges Grab. Ist dieses ewige Grab es wert, daß wir Menschenblut vergießen und einander in Stücke reißen? Nein, keineswegs: Weder ist Gott erfreut über ein solches Verhalten, noch kann es ein Mensch mit gesundem Verstand gutheißen.

......

Zu den Lehren Bahá’u’lláhs gehört ferner, daß die materielle Zivilisation zwar ein Mittel zum Fortschritt der Menschenwelt ist, daß jedoch der gewünschte Erfolg - das Glück des Menschen - erst dann zu erreichen ist, wenn die materielle Zivilisation mit der göttlichen Kultur vereinigt wird. Bedenkt! Diese Schlachtschiffe, welche eine Stadt innerhalb einer Stunde in ein Trümmerfeld verwandeln, sind das Ergebnis der materiellen Zivilisation; ebenso die Kruppkanonen, die Mausergewehre, das Dynamit, die Unterseeboote, die Torpedoboote, die Jagdflieger und Bomber. Alle diese Kriegswerkzeuge sind die bösen Früchte der materiellen Zivilisation. Wäre die materielle Zivilisation mit der göttlichen Kultur verbunden worden, so hätte man diese fürchterlichen Waffen niemals erfunden. Im Gegenteil, die menschliche Tatkraft hätte sich ganz und gar nützlichen Erfindungen zugewandt und auf rühmliche Entdeckungen konzentriert. Die materielle Zivilisation ist wie das Glas um die Lampe, die göttliche Kultur ist die Lampe selbst. Das Glas ohne Licht ist dunkel. Die materielle Zivilisation ist wie der Leib. Sei er auch noch so anmutig, elegant und schön, so ist er dennoch tot.. Die göttliche Kultur ist wie der Geist; der Leib erhält sein Leben durch den Geist, sonst ist er ein Leichnam. So ist es klar, daß die Menschenwelt den Odem des Heiligen Geistes braucht. Ohne den Geist ist die Menschenwelt leblos; ohne dieses Licht verbleibt die Menschenwelt in tiefster Finsternis. Denn die Naturwelt ist eine tierische Welt. Ehe der Mensch wiedergeboren wird aus der Welt der Natur, das heißt, ehe er sich von der Naturwelt loslöst, ist er seinem Wesen nach ein Tier, und es sind die Lehren Gottes, die dieses Tier in eine menschliche Seele umwandeln.
(Aus dem Sendschreiben an die Zentralorganisation für einen dauerhaften Frieden im Haag - übersetzt aus dem Persischen, veröffentlicht in „Selection from the Writings of ‘Abdu’l-Bahá“, Seite 300-301, 303-304) Deutsch in ‘Abdu’l-Bahá: „Briefe und Botschaften“ 227 :13 u. 22
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Aus Ansprachen ‘Abdu’l-Bahás

Nun möchte ich über das Gesetz Gottes sprechen. Nach dem göttlichen Gesetz sollte die Arbeit nicht nur mit Lohn bezahlt werden. Nein, sie sollten vielmehr Teilhaber des Unternehmens sein. Die Frage der Sozialisierung ist sehr schwierig. Sie wird nicht durch Lohnstreiks gelöst. Alle Regierungen der Welt müssen sich vereinigen und einen Rat bilden, dessen Mitglieder aus den Volksvertretungen und den edelsten Menschen der Nation zu wählen sind. Diese müssen mit Weisheit und Kraft einen wirkungsvollen Plan ausarbeiten, nach dem weder die Kapitalisten sehr große Verluste erleiden, noch die Arbeiter in Not geraten. Mit größter Mäßigung sollen sie das Gesetz entwerfen und dann öffentlich bekannt machen, daß die Rechte des arbeitenden Volkes wirkungsvoll gewahrt werden müssen. Auch die Rechte der Arbeitgeber sind zu schützen. Wenn ein solches allgemeines Gesetz mit beiderseitigem Willen angenommen ist und dennoch ein Streik ausbricht, so müssen einem solchen alle Regionen der Welt gemeinsam entgegentreten. Geschieht dies nicht, so wird die Arbeiterfrage, besonders in Europa, zu großen Zerstörungen führen. Schreckliche Dinge werden sich dann ereignen.
(Zitiert in J.E. Esslemont, „Bahá’u’lláh und das Neue Zeitalter“, Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1987, Seiten 145-46) Deutsch Seite 169
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Die Menschheit ist im Materialismus versunken und mit allem beschäftigt außer der Erwähnung Gottes; sie spricht über alles, nur nicht über das himmlische Königreich; sie hört alles, nur nicht den Ruf Gottes. Was das Wissen um göttliche Dinge anbelangt, ist es, als ob manche Menschen in der Erde begraben liegen und mehr und mehr in tiefe Dunkelheit versinken, völlig vom Wissen um die Dinge darüber abgeschnitten.

Ich hoffe, daß die wenigen, die hier versammelt sind, große Anstrengungen unternehmen und Tag und Nacht arbeiten, damit sich Erfolge einstellen. Vielleicht wird Europa des dumpfen Materialismus’ überdrüssig und sucht Erfrischung durch einen Anteil an der himmlischen Herrlichkeit.

Europa hat außerordentliche materielle Fortschritte gemacht, doch wenn dessen Werte dem Staub angehören, welches bleibende Ergebnis kann daraus erwachsen? Das Ideal, nach dem man streben sollte, ist jenes, das im höchsten Horizonte steht -- und das ist ewig! Der Boden ist für Würmer und Maulwürfe. Was die Ursache für Freude ist, ist ein Nest im höchsten Ast.
(„‘Abdu’l-Bahá on Divine Philosophy“ Boston: Tudor Press, 1918), Seite 56)
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Menschen, die die Wahrheit kennen, sagen, daß der physische Körper des Menschen durch die Seele in Bewegung gehalten wird, und in gleicher Weise ist der Mensch der Lebensfunke dieser Welt. Wäre der Mensch nicht auf dieser Erde, wäre die Welt tot. Ich spreche nicht vom physischen Körper, sondern von den menschlichen Kenntnissen, die den Schmuck des Daseins bilden. Wenn es den Menschen nicht gäbe, hätte die Welt keine Schönheit, keine Ewigkeit, kein Ziel. Wie die Seele das Wesen des Menschen darstellt, ist die Seele dieser Welt das zarte Wachstum der Geistigkeit, himmlische Sitten, göttliche Gunstbezeugungen und geheiligte Kraft. Wäre die physische Welt nicht von diesem Geist begleitet, könnte sie nicht existieren. Ein wunderschönes Geschöpf ohne Seele bedeutet nichts. Die kostbarste Wohnstatt, die in die Dunkelheit gebaut ist, ist nicht vorhanden. Die aufs wundervollste geschmiedete Lampe ist nutzlos, wenn sie kein Licht gibt. Europa, der Kontinent mit der größten Zier, hat die Spitze kultivierter Zivilisation erreicht. Es ist ein wunderschön geformter Körper, -- wie bedauerlich, daß er keine Seele hat! Es ist einer der glänzendsten Spiegel, -- wie bedauerlich, daß sich die Sonne der Wahrheit nicht darin spiegelt! Es ist ein Obstgarten ohne Früchte, -- wie bedauerlich, daß keine geistigen Wohlgerüche von ihm ausgehen.

Erhebt euch! Schreitet mit äußerster Anstrengung voran, versichert euch neuer und himmlischer Anziehungskraft -- daß dieses Europa in Bewegung gesetzt wird, denn es wäre beklagenswert, sollte es der himmlischen Weisheit verlustig gehen, beklagenswert, daß es nichts vom himmlischen Leuchten weiß, daß es nicht die Heilung durch den Heiligen Geist empfängt, daß ein Wesen von solch großer Schönheit keine Seele, daß eine so außergewöhnliche Blume keinen Duft, daß ein so herrliches Gebäude kein Licht haben soll. Bleibt nicht einen Augenblick müßig, vielleicht vermögt ihr es, Licht in dieses Dunkel zu bringen.
(„‘Abdu’l-Bahá on Divine Philosophy“, Seiten 128-129)
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Aus Briefen Shoghi Effendis

Sie mögen den Fortschritt als schmerzlich langsam empfinden. Aber denken Sie immer an das schriftliche Versprechen des Meisters, daß die Menschen in Europa Persien die Sache schließlich entwinden werden ...
(11. März 1925, einem Brief im Auftrag Shoghi Effendis an einen einzelnen Gläubigen handschriftlich hinzugefügt)
(22)

Ist es Amerika, ist es eine der Nationen Europas, welche die Fackel göttlicher Führung aus den gefesselten Händen Persiens nehmen und damit die westliche Welt in Flammen setzen wird? Möge Ihre Tagung durch ihren Geist, ihre Beschlüsse und ihre Taten dem dringlichen Ruf jenes Landes eine edle und entschiedene Antwort geben.
(3. Juni 1925 an die Nationaltagung der Vereinigten Staaten und Kanadas, veröffentlicht in „Bahá’í Administration: Selected Messages 1922- 1932“(Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1980), Seite 89)
(23)


Europa, bis jetzt als die Wiege einer hochgepriesenen Zivilisation, als Fackelträger der Freiheit, als Triebfeder der Kräfte des Handels und der Industrie betrachtet, steht bestürzt und gelähmt beim Anblick eines so ungeheuren Umsturzes. Lang gehegte Ideale, auf politischem nicht weniger als auf wirtschaftlichem Gebiet menschlicher Tätigkeit, werden einerseits unter dem Druck reaktionärer Mächte, andererseits von einem heimtückischen und hartnäckigem Radikalismus schwer geprüft. Aus dem Herzen Asien kündet fernes, unheildrohendes, beharrliches Grollen den steten Vormarsch einer Weltanschauung, die durch ihre Leugnung Gottes, Seiner Gesetze und Leitsätze die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft aufzubrechen droht. Der Lärm eines wachsenden Nationalismus, gepaart mit dem Wiederaufleben von Skeptizismus und Unglauben kommt als zusätzliches Unglück über einen Kontinent, der bis jetzt als das Symbol jahrhundertelanger Stabilität und ungestörter Entsagung galt. Im dunkelsten Afrika kann man die ersten Regungen einer bewußten, entschlossenen Revolte gegen die Ziele und Methoden des politischen und wirtschaftlichen Imperialismus in steigendem Maße erkennen, einer Revolte, die ihr Teil zu den wachsenden Veränderungen eines geplagten Zeitalters beiträgt. Nicht einmal Amerika, das bis vor kurzem stolz auf seine traditionelle Politik der Abgeschiedenheit und seine wirtschaftliche Selbstversorgung, auf die Unverletzbarkeit seiner Institutionen und die Beweise seines wachsenden Wohlstandes und Ansehens war, konnte den Triebkräften standhalten, die es in den Strudel eines wirtschaftlichen Wirbelsturms zogen, der nun die Grundlagen seines eigenen industriellen und wirtschaftlichen Lebens zu entkräften droht. Selbst das entlegene Australien, das Dank seiner Entfernung von den Sturmzentren Europas gegen die Prüfungen und Plagen eines leidenden Kontinents gefeit scheinen konnte, wurde von diesem Wirbel der Leidenschaft und des Kampfes erfaßt, unfähig, sich aus den Verstrickungen zu lösen.

In der Tat gab es nie zuvor so weit verbreitete, so tiefgreifende soziale, wirtschaftliche und politische Umwälzungen wie sie jetzt in verschiedenen Teilen der Welt vor sich gehen. Nie gab es so viele verschiedenartige Gefahrenherde, wie sie jetzt die Struktur der Gesellschaft bedrohen ...

Der Unruhefaktor von über 30 Millionen Menschen, die auf dem europäischen Kontinent als Minderheiten leben; die große, noch weiter wachsende Armee der Arbeitslosen mit ihren erdrückenden Lasten und ihrem demoralisierenden Einfluß auf Regierungen und Völker, das niederträchtige, zügellose Wettrüsten, das den bereits verarmten Nationen immer größere Teile ihrer Substanz weg zehrt, die völlige Demoralisierung, unter der die internationalen Finanzmärkte in steigendem Maße leiden, die Verweltlichung, die alles, was bis jetzt als die unbezwingbaren Stützen des Christentums und des Isláms erachtet wurde, angreift und durchdringt - diese Erscheinungen stechen als die ernstesten Symptome hervor, als unheilvolles Omen, was die künftige Stabilität der modernen Zivilisation anbelangt, Kein Wunder, daß einer der führenden Denker Europas, der ob seiner Weisheit und Zurückhaltung geschätzt wird, sich zu der kühnen Feststellungen gezwungen sah: „Die Welt macht die schlimmste Krise der Kulturgeschichte durch.“ „Wir stehen“, schreibt ein anderer, „entweder vor einer Weltkatastrophe oder aber am Tagesanbruch eines größeren Zeitalters der Wahrheit.“ „Gerade in solchen Zeiten“, fügt er hinzu, „sind Religionen untergegangen und geboren worden.“

Können wir nicht, wenn wir den politischen Horizont absuchen, schon die Trennlinien jener Kräfte erkennen, die von neuem den europäischen Kontinent in mögliche Kriegslager teilen, jedes zu einem Kampf entschlossen, der ungleich dem letzten Krieg das Ende einer Epoche, einer gewaltigen Epoche in der Geschichte der menschlichen Entwicklung, darstellen würde? Sind wir, die bevorrechtigten Bewahrer eines unschätzbaren Glaubens, dazu berufen, Zeugen einer sintflutartigen Umwälzung zu sein, politisch so tiefgreifend und geistig so segensreich wie der Untergang des weströmischen Reiches? Könnte es nicht dazu kommen - jeder wachsame Anhänger des Glaubens Bahá’u’lláhs sollte wohl innehalten, um dies zu überdenken - , daß aus dieser Welteruption Kräfte von einer geistigen Energie strömen, wie sie den Glanz jener Zeichen und Wunder, welche die Errichtung des Glaubens Jesu Christi begleiten, in Erinnerung rufen oder gar in den Schatten stellen? Könnte nicht aus dem Todeskampf dieser erschütterten Welt eine religiöse Erneuerung von solchem Umfang und solcher Macht hervorgehen, daß sie sogar die weltbewegende Wirkkraft übertrifft, mit der die früheren Religionen, in bestimmten Zeitabständen und einer unergründlichen Weisheit gemäß, gefallenen Völkern und Zeiten neue Lebensschicksale eröffneten? Könnte nicht der Bankrott der gegenwärtigen, hochgepriesenen materialistischen Zivilisation als solcher das rankende Unkraut hinwegreißen, das heute Gottes ringenden Glauben an der Entfaltung und an der nachfolgenden Blüte hindert?

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Daß die Unruhe und das Leid, die die Masse der Menschheit peinigen, in einem nicht geringen Maße die unmittelbaren Folgen des Weltkriegs sind, daß sie der Unklugheit und Kurzsichtigkeit der Gestalter der Friedensverträge zugeschrieben werden müssen, kann nur ein Voreingenommener sich weigern zuzugeben. Daß die finanziellen Verpflichtungen, die im Laufe des Krieges eingegangen wurden, wie auch die erdrückende Bürde der Reparationen, die auf den Besiegten lastet, in großem Maße verantwortlich sind für die schlechte Verteilung und die daraus folgende Verknappung der Vorräte an Währungsgold in der Welt, was hinwieder die noch nie dagewesenen Preisstürze wesentlich verschlimmerte und dabei die Lasten der verarmten Länder unbarmherzig erhöhte, wird kein Unparteiischer in Frage stellen. Daß die zwischenstaatlichen Schulden die Massen der Bevölkerung in Europa gefährlich überbeanspruchen, das Gleichgewicht der Staatshaushalte umwarfen, die nationalen Industrien lähmten und die Arbeitslosenzahlen steigerten, ist dem vorurteilsfreien Beobachter nicht weniger offensichtlich. Daß der Geist der Rache, des Argwohns, der Furcht und der Rivalität, den der Krieg hervorrief und den die Bestimmungen der Friedensverträge verewigen und fördern halfen, zu einem enormen Anwachsen des internationalen Wettrüstens führte, was im letzten Jahr Gesamtausgaben von nicht weniger als einer Milliarde Pfund ausmachte und die weltweite Depression verschärfte, ist eine Wahrheit, die sogar der oberflächliche Beobachter bereitwillig zugeben wird. Daß ein engstirniger, brutaler Nationalismus, den die Nachkriegstheorie des Selbstbestimmungsrechtes verstärken half, hauptverantwortlich ist für die Politik überhöhter, ja prohibitiver Zölle, die dem heilsamen Strom des internationalen Handels ebenso schaden wie dem Mechanismus des internationalen Finanzwesens, ist eine Tatsache, die nur wenige anzufechten wagen.

Die Behauptung wäre jedoch müßig, allein der Krieg mit all seinen Folgeschäden, seinen entfesselten Leidenschaften, und seiner Hinterlassenschaft an Leid sei verantwortlich für die beispiellose Verwirrung, in die fast jeder Lebensbereich der zivilisierten Welt gegenwärtig gestürzt ist. Ist es nicht eine Tatsache, - und das ist der Kerngedanke, den ich hier betonen möchte -, daß die grundlegende Ursache dieser weltweiten Unruhe nicht so sehr den Auswirkungen dessen zuzuschreiben ist, was man früher oder später als eine vorübergehende Gewichtsverlagerung in den Angelegenheiten einer sich ständig wandelnden Welt betrachten wird, sondern vielmehr dem Versäumnis jener, die die unmittelbaren Schicksale von Völkern und Nationen in Händen halten, - dem Versäumnis, ihr System wirtschaftlicher und politischer Institutionen den zwingenden Notwendigkeiten eines Zeitalters stürmischer Entwicklung anzupassen? Gehen diese immer wiederkehrenden Krisen, die die heutige Gesellschaft durchzucken, nicht hauptsächlich zu Lasten der bedauerlichen Unfähigkeit der anerkannten Führer der Welt, die Zeichen der Zeit richtig zu lesen, sich ein für allemal von ihren vorgefaßten Meinungen, ihren engen Glaubensvorstellungen zu lösen und das Räderwerk ihrer jeweiligen Regierungen nach den Maßstäben zu erneuern, die sich aus Bahá’u’lláhs Verkündigung der Einheit der Menschheit, dem hauptsächlichen und hervorragenden Merkmal Seines Glaubens, zwingend ergeben? Dieses Prinzip der Einheit der Menschheit, Eckstein der weltumspannenden Herrschaft Bahá’u’lláhs, erfordert nicht mehr und nicht weniger als die Durchführung Seines Planes zur Vereinigung der Welt - des Planes, den wir bereits erwähnt haben. „In jeder Sendung“, schreibt ‘Abdu’l-Bahá, „war das Licht göttlicher Führung brennpunktartig auf ein zentrales Thema gerichtet ... In dieser wundersamen Offenbarung, diesem herrlichen Jahrhundert, ist die Grundlage des Glaubens Gottes und das hervorstechende Merkmal Seines Gesetzes das Bewußtsein der Einheit der Menschheit.“

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Es wäre anregend, das geschichtliche Wachstum und die Entfaltung dieses erhabenen Gottesplanes, der in steigendem Maße die Aufmerksamkeit der für das Schicksal von Völkern und Nationen Verantwortlichen auf sich ziehen muß, zu verfolgen. Den Staaten und Fürstentümern, die aus den Wirren der großen napoleonischen Umwälzung ans Licht traten und deren Hauptziel es war, ihre Recht und selbstbestimmte Existenz wiederzugewinnen oder aber ihre nationale Einheit zu erlangen, schien ein Plan der Weltsolidarität nicht nur ferne Phantasie, sondern schlechthin unbegreiflich. Erst als die Kräfte des Nationalismus die Grundlagen der Heiligen Allianz, die ihre aufkommende Macht zu zügeln sucht, umgestoßen hatten, wurde die Möglichkeit einer Weltordnung, die in ihrer Reichweite die politischen Einrichtungen dieser Nationen überragt, ernsthaft erwogen. Erst nach dem Weltkrieg begannen diese Vertreter eines hochmütigen Nationalismus damit, eine solche Weltordnung als Gegenstand einer verderblichen Lehre zu betrachten, die nur darauf abzielte, die Loyalität, von der ihr nationales Leben abhängt, zu untergraben. Mit demselben Nachdruck, mit dem die Mitglieder der Heiligen Allianz den aufkommenden Nationalismus in den vom napoleonischen befreiten Völkern zu ersticken suchten, kämpften und kämpfen diese Verfechter einer uneingeschränkten nationalen Souveränität, um Grundsätze unglaubwürdig zu machen, von denen ihre eigene Rettung letztlich abhängen muß.

Die hitzige Opposition, die dem mißlungenen Versuch des Genfer Protokolls entgegenprallte, der Spott,, mit dem man den nachfolgenden Vorschlag der Vereinigten Staaten von Europa überschüttete, und der Fehlschlag des Rahmenplanes für eine europäische Wirtschaftsunion können als Rückschläge in den Bemühungen betrachtet werden, die eine Handvoll weitsichtiger Menschen ernsthaft unternimmt, um diesem edlen Ideal näher zu kommen. Und doch: Haben wir nicht das Recht, neuen Mut zu schöpfen, wenn wir feststellen, daß bereits die Diskussion solcher Vorschläge ein Beweis für ihr ständiges Wachstum in den Gedanken und Herzen der Menschen ist? Können wir nicht in den organisierten Versuchen, einen so erhabenen Plan zu verunglimpfen, auf einer breiteren Ebene die Wiederholung jener aufwühlenden Kämpfe und hitzigen Kontroversen sehen, die der Geburt der geschlossenen Nationalstaaten des Westens vorangingen und zu ihrem Wiederaufbau beitrugen?
(28. November 1931 an die Bahá’í des Westens, veröffentlicht in „The World Order of Bahá’u’lláh; Selected Letters“ (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1982), Seiten 31-33, 35-36, 44-45) Deutsch in „Die Weltordnung Bahá’u’lláhs“ Seiten 52-55, 58-60, 71-72
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Der katastrophale Sturz mächtiger König- und Kaiserreiche auf dem europäischem Erdteil, auf den in einigen Fällen Bahá’u’lláhs Prophezeiungen hindeuten, der Niedergang in den Geschicken der shí’itischen Geistlichkeit Seines Geburtslandes, der eingesetzt hat und noch fortwährt, der Sturz der Qá´járen-Dynastie, des Erbfeindes Seines Glaubens, der Untergang des Sultanates und des Kalifates, jener tragenden Säulen des sunnitischen Islám, zu dem die Zerstörung Jerusalems am Ende des ersten Jahrhunderts christlicher Zeit eine auffallende Parallele bildet,, die Woge der Verweltlichung, welche die muhammadanischen Einrichtungen in Ägypten überflutet und daran ist, die Treue ihrer zuverlässigen Anhänger zu untergraben, die demütigenden Schläge, die einige der mächtigsten Kirchen des Christentums in Rußland, Westeuropa und Mittelamerika getroffen haben, die Verbreitung jener umstürzlerischen Lehren, welche die Grundlagen der scheinbar uneinnehmbaren Festungen im politischen und sozialen Bereich menschlicher Tätigkeiten untergraben und ihre Gebäude umwerfen, die Anzeichen einer bevorstehenden, auffallend an den Verfall des Römischen Reiches im Abendland erinnernden Katastrophe, die das ganze Gefüge der heutigen Zivilisation hinwegzufegen droht, - dies alles zeugt für die Unruhe, die an Ausdehnung und Stärke in dem Maße zunehmen wird, in dem die Tragweite dieser sich ständig mehr entfaltenden Ordnung voll begriffen wird und ihre Verzweigungen sich noch mehr über die Oberfläche des Erdball breiten.
( Februar 1934 an die Bahá’í des Westens, veröffentlicht in „The World Order of Bahá’u’lláh: Selected Letters“, Seiten 155-56) Deutsch in „Die Weltordnung Bahá’u’lláhs“, Seiten 224-225
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Ich werde mich mit der Aufzählung gewisser hervorstechender Auswirkungen dieser Kräfte begnügen, die in wachsendem Maße in den Bereich eines der führenden religiösen Systeme der Menschheit eindringen und gegen seine festen Wälle anstürmen. Die tatsächliche Vernichtung der weltlichen Macht des höchsten Herrschers in der Christenheit, unmittelbar nach der Schaffung des Königreiches Italien; die Woge der Kirchenfeindlichkeit, die nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Kaiserreiches über Frankreich hinrollte und in der völligen Trennung der katholischen Kirche vom Staat, in der Verweltlichung der Dritten Republik, in der Übernahme der Erziehung durch stattliche Einrichtungen und in der Unterdrückung und Zerstreuung religiöser Orden gipfelte; der rasche und plötzliche Aufstieg jenes „religiösen Unglaubens“, jenes kühnen, bewußten und organisierten Angriffes, der in Sowjetrußland gegen die griechisch-orthodoxe begonnen wurde, der die Aufhebung der Staatsreligion beschleunigte, der eine große Zahl ihrer Mitglieder, die ursprünglich über einhundert Millionen Seelen zählten, niedermetzelte, der Tausende und aber Tausende von Kirchen, Klöstern Synagogen und Moscheen niederriß, schloß oder in Museen, Theater und Warenhäuser verwandelte, der der Kirche rund 26 000 qkm Landbesitz wegnahm und durch die Liga der kämpfenden Atheisten und die Durchführung eines „Fünfjahresplanes der Gottlosigkeit“ das religiöse Leben der Massen von seinen Grundlagen zu lösen suchte; die Zerstückelung der österreich-ungarischen Monarchie, die mit einem Schlag die mächtigste Einheit auflöste, die der Kirche Roms Treue schuldete und durch ihre Hilfskräfte deren Verwaltung stützte; die Trennung des spanischen Staates von eben dieser Kirche und der Sturz der Monarchie, der Vorkämpferin der katholischen Christenheit; die nationalistische Philosophie, die Mutter eines ungezügelten, veralteten Nationalismus, der, nachdem er den Islám entthront, indirekt die Frontlinie der christlichen Kirchen in nichtchristlichen Ländern angegriffen hat und den katholischen, anglikanischen und presbyterianischen Missionen in Persien, der Türkei und dem Fernen Osten so schwere Schläge austeilt; die Umsturzbewegung, die in ihrem Gefolge die Verfolgung der katholischen Kirche in Mexiko nach sich zog; und endlich das Evangelium eines modernen Heidentums, unverhohlen, angreiferisch und unerbittlich, das in den Jahren, die dem gegenwärtigen Aufruhr vorangingen, und in wachsendem Maße seit dessen Ausbruch, über den Erdteil Europa gebraust und in seine Festen eingedrungen ist und das Verwirrung gesät hat in den Herzen der Verfechter der katholischen, griechisch-orthodoxen und lutherischen Kirche in Österreich, Polen, den baltischen und skandinavischen Staaten und neuerdings auch in Westeuropa, der Heimat und dem Mittelpunkt der mächtigsten Kirchenherrschaft des Christentums.
(28. März 1941 an die Bahá’í des Westens, veröffentlicht unter dem Titel „The Promised Day Is Come“ (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1980), Seiten 104- 105) Deutsch in „Der verheißene Tag ist gekommen“, Seiten 160-161
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Der Begriff der Nationalität und das Erreichen der Stufe der Vereinigung zur Nation mögen daher als die kennzeichnenden Merkmale der muhammadanischen Sendung gelten, in deren Verlauf die Nationen und Rassen der Welt, besonders in Europa und Amerika, geeint wurden und politische Unabhängigkeit erlangten.
(28. März 1941 an die Bahá’í des Westens, veröffentlicht unter dem Titel „The Promised Day Is Come“, Seite 120) Deutsch in „Der verheißene Tag ist gekommen“, Seite 181
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Der gegenseitige Vernichtungskampf, der nun die große Masse der Menschheit verschlingt, nimmt in seinem Umfang und seiner Wildheit zunehmend das Ausmaß der riesigen Umwälzung an wie sie Bahá’u’lláh vor siebzig Jahren angedeutet hat. Es kann in keinem anderen Licht gesehen werden außer als direkter Eingriff durch Ihn, den Verordner des Weltalls, dem Richter aller Menschen und dem Befreier der Nationen. Es ist die Rute des Zorns Gottes und Seine Strafe. Die Heftigkeit ihrer verwüstenden Kraft züchtigt die Menschenkinder wegen ihrer Weigerung, die ein Jahrhundert alte Botschaft ihres Verheißenen, ihres vom Himmel herabgesandten Erlösers freudig zu begrüßen. Die Wut ihrer Flammen spült die Schlacke hinweg und schweißt die Glieder der Menschheit zu einem einzigen Organismus zusammen, unteilbar, geläutert, sich Gottes bewußt und göttlich geführt. Die unmittelbare Ursache kann auf die Kräfte zurückgeführt werden, die durch den letzten Krieg hervorgerufen wurden, und sie können wahrhaftig als dessen direkte Fortsetzung betrachtet werden.

Die ersten Funken wurden an den östlichen Ufern des asiatischen Kontinentes entzündet und zogen zwei Schwesterrassen der Welt in einen Brand hinein, von dem es schien, daß er durch keine Kraft zu löschen oder einzugrenzen sei. Dieser erdumwälzende Prozeß wurde durch den Ausbruch eines wilden Konfliktes im Herzen Europas beschleunigt, der die Flammen jahrhundertealter Feindseligkeiten anfachte und ebenso schnell wie erschreckend eine Reihe von Katastrophen entfesselte. Als der Aufruhr an Triebkraft gewann, zog er unbarmherzig die mächtigsten Nationen des europäischen Kontinents in seinen Strudel - die obersten Vorkämpfer jener hochgerühmten, jedoch beklagenswert mangelhaften Zivilisation. Die ansteigende Flut seiner Zerstörung und Verwüstung breitete sich über die nordöstlichen Regionen dieses geplagten Kontinents aus, zerstörten in der Folge die Küsten des Mittelmeers, überschwemmte den afrikanischen Kontinent bis hin zu Äthiopien und die umliegenden Gebiete. Die Balkanländer mußten bald, wie dies ‘Abdu’l-Bahá vorausgesagt hatte, die Einwirkung dieser erschütternden Qualen erleiden und trugen ihrerseits den Aufruhr, dem sie ausgesetzt waren, in den nahen und mittleren Osten, eingeschlossen das Herz des Glaubens selbst, seine Wiege, sein Hauptpilgerzentrum uns seine heiligsten und historischen Plätze.

Seine Bedrohung überspringt die Grenzen der Alten Welt und taucht die große Republik des Westens, wie auch die Völker Zentral- und Südamerikas in Bestürzung. Wie die Alte Welt erfährt auch die Neue Welt den irren Anprall dieser zerrüttenden Kraft. Selbst die Völker der Antipoden zittern vor dem nahenden Gewitter, das sich über ihren Häuptern zu entladen droht.

Die Angehörigen der Rassen der Welt, die nordischen, slawischen, mongolischen, arabischen und afrikanischen sind ebenso von der zerstörenden Gewalt betroffen. Die Religionssysteme der Welt sind nichts weniger als von einer allgemeinen Lähmung befallen, die sich in die Herzen und Seelen der Menschen schleicht. Die Verfolgung des Weltjudentums, der schnelle Verschleiß christlicher Institutionen, die inneren Spaltungen und der Aufruhr im Islam sind nur Ausdruck von Furcht und Zittern, die die Menschheit in der Stunde nie zuvor dagewesenen Chaos und von Gefahr ergriffen haben. Auf hoher See, in der Luft, zu Lande, in vorderster Front des Kampfes, in den Palästen der Könige, in den Hütten der Bauern, in den heiligsten Heiligtümern, ob weltlich oder geistlich, sind die Beweise von Gottes vergeltendem Wirken und geheimnisvoller Bestrafung deutlich erkennbar. Der harte Tribut nimmt ständig zu - eine Vernichtung, die weder Fürsten noch Bauern, weder Mann noch Frau, weder Jung noch Alt verschont.

Der Glaube Bahá’u’lláhs - dieser unschätzbare Edelstein göttlicher Offenbarung, der den Geist Gottes und die Verkörperung Seiner Absicht für die Menschheit dieses Zeitalters in sich birgt - kann weder danach trachten, noch erwarten, dem Gewittersturm menschlichen Unglücks. der um ihn tobt, unbeschadet zu entkommen. Von den meisten Menschen unbemerkt, von manchen verachtet und verspottet, von anderen gefürchtet und angezweifelt, findet sich dieser welterlösende Glaube, dessen kostbarer Sache zuliebe, die Welt diesen Todeskampf durchläuft, in seiner ursprünglichen Kraft angegriffen und seine noch jungen Institutionen von den dunklen Mächten, die eine gottlose Zivilisation über das Angesicht des Planeten gebreitet hat, eingeschlossen. In der Alten Welt, sei es in Europa, Asien oder Afrika, wird er bekämpft, geächtet, angeklagt und unterdrückt. In bestimmten Ländern ist sein Gemeindeleben ausgelöscht, in anderen ist seine Verbreitung mit einem strengen Verbot belegt, in noch anderen wird seinen Mitgliedern jegliche Verbindung zu seinem Weltzentrum versagt. Seine Wiege sieht sich ernsten und unerwarteten Gefahren ausgesetzt, die ihren innersten Kern umschließen.
( 25. Mai 1941, einem Brief beigefügt, der im Auftrage Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten gerichtet ist, veröffentlicht in „Messages to Amerika: Selected Letters and Cablegrams Addressed to the Bahá’í of North America 1932-1946“, Seiten 45-47)
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Europa, das sich in den Folgen eines schrecklich verheerenden Konfliktes befindet, ruft in einer der dunkelsten Stunden seiner Geschichte verzweifelt nach dem unübertrefflichen Heilmittel, das nur der Plan des göttlich ernannten Arztes darreichen kann. Schwestergemeinden im Norden und im Herzen dieses Kontinents, die offen sind für die Bedürfnisse, die Möglichkeiten und den glorreichen Auftrag für die Vorhut der Kreuzfahrer Bahá’u’lláhs, gehen nun an den Ufern dieses gebeutelten Kontinents an Land und sind nur zu begierig, die erstaunlichen Bemühungen zu verstärken, die notwendigerweise für seine letztendliche Erlösung unternommen werden müssen. Auch andere Schwestergemeinden, die weiter entfernt liegen, werden nicht einen Augenblick lang zögern, die helfende Hand zu reichen, wenn der Fortschritt dieser ungeheuren Bewegung, die nun in Gang gesetzt ist, an Geschwindigkeit gewonnen hat. Über ihnen und jenseits aller steht, immer wach, immer besorgt, unfehlbar der Lotse ihres Schiffes, der Bestimmer ihres Kurses, der Begründer ihrer geistigen Gemeinschaft, der Verleiher des Vorranges, der das Kennzeichen ihres Schicksals ist.

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Ein Pionier sollte in diesem frühen Stadium des Aufbaus der nationalen Gemeinden nicht die grundsätzliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Lehrunternehmen übersehen, die darin besteht, die Verkündigung der Lehrgrundlagen seines Glaubens dem kulturellen und religiösen Hintergrund, den Ideologien und dem Temperament der verschiedenen Rassen und Völker anzupassen, die zu erleuchten und anzuziehen er aufgerufen ist. Die Empfänglichkeit dieser Rassen und Völker - von nördlichen und südlichen Ländern, germanischer oder romanischer Abkunft, aus katholischen oder protestantischen Gemeinden, einige demokratisch, andere totalitär in ihrer Auffassung, einige sozialistisch, andere kapitalistisch ausgerichtet, alle grundverschieden in ihren Gewohnheiten und ihrem Lebensstandard - sollte zu allen Zeiten sorgfältig bedacht und unter keinen Umständen vernachlässigt werden.

Die Pioniere, die einen unvergleichlichen Aktionsradius auf nördlichen und südlichen Kontinenten haben, dürfen bei ihrem Umgang mit Anhängern verschiedener Glaubensrichtungen, Rassen und Völkerschaften sich weder Feinde machen noch ihre wesentlichen Glaubensgrundlagen preisgeben. Bei der Darstellung der grundlegenden und herausragenden Strukturen ihres Glaubens dürfen sie weder provozierend noch gleichgültig, weder fanatisch noch übertrieben liberal sein. Sie müssen behutsam und kühn sein, schnell handeln oder abwarten, sie müssen die direkte oder indirekte Methode anwenden, herausfordernd oder konziliant sein in völligem Einklang mit der geistigen Aufnahmefähigkeit der Seele, mit der sie zusammenkommen, ob Adliger oder Bürgerlicher, aus dem Norden oder Süden, Laie oder Priester, Kapitalist oder Sozialist, Politiker oder Fürst, Handwerker oder Bettler. Bei der Verkündigung der Botschaft Bahá’u’lláhs dürfen sie weder zögern noch zaudern. Sie dürfen weder die Armen gering schätzen noch ängstlich vor den Großen sein. Bei der Darstellung der Glaubenswahrheiten, dürfen sie die Wahrheit, die sie vertreten, weder überbetonen noch sie verkleinern, mag ihr Zuhörer zum Königshaus gehören, Kirchenfürst, Politiker, Geschäftsmann oder ein Mann von der Straße sein. Allen, ob hoch oder niedrig, reich oder arm, müssen sie in einer so kritischen Stunde in gleichem Maße mit offenen Händen, strahlendem Herzen, beredter Zunge, unendlicher Geduld, unnachgiebiger Treue, mit großer Weisheit und unerschütterlichem Mut den Kelch der Erlösung reichen - den verwirrten, hungrigen, bestürzten und furchterfüllten Massen im Norden und Westen, im Süden und im Herzen dieses schwer geprüften Kontinents.

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Die Bühne ist bereitet. Die Stunde ist günstig. Das Signal ist ertönt. Bahá’u’lláhs geistige Bataillone stellen sich auf. Der erste Zusammenprall der Mächte der Finsternis und der Armee des Lichtes ist, so unbemerkt wie die Landung der Apostel Christi an den südlichen Küsten des europäischen Kontinents vor zweitausend Jahren, von den Bewohnern des Abhá-Königreiches aufgezeichnet worden. Der Urheber des Planes, der ein so ungeheures Unternehmen in Gang gesetzt hat, ist selbst an die Spitze dieser Bataillone getreten und führt sie zur Einnahme der Städte der Menschenherzen. Ein Kontinent, der zweimal hintereinander durch ‘Abdu’l-Bahás Besuche seiner Küsten und als Schauplatz Seines ersten Auftretens im Westen gesegnet ist, welcher die Wiege einer Zivilisation war, die wohltätige Wesenszüge beinhaltet, denen Bahá’u’lláhs Feder bemerkenswerten Tribut gezollt hat; auf dessen Erde sowohl die griechische als auch die römische Kultur geboren wurden und erblühten; der so reich zur Entfaltung der amerikanischen Zivilisation beigetragen hat; der Brunnquell amerikanischer Kultur; die Mutter des Christentums und der Schauplatz der größten Heldentaten der Anhänger Jesu Christi; auf dem in einigen entlegenen Gebieten einige der strahlendsten Siege, welche das Goldene Zeitalter des Islam einleiteten, errungen wurde; welcher in seinem innersten Herzen den heftigen Aufprall der voranstürmenden Massen dieses Glaubens aushalten mußte,, der sich aber weigerte, vor den Eroberern die Knie zu beugen und am Ende ihren Angriff erfolgreich abwehrte - solch ein Kontinent erfährt nun durch die Hände einer kleinen und bisher unbemerkten Schar von Pionieren, die von der beneidenswerten, privilegierten und dynamischen amerikanischen Bahá’í-Gemeinde ausgesandt werden, die erste Regung jener geistigen Revolution, welche im jetzt noch ungeborenen Goldenen Zeitalter in der dauerhaften Errichtung der Ordnung Bahá’u’lláhs auf dem ganzen Kontinent gipfeln muß.

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In einem der bemerkenswertesten Tablets, das ‘Abdu’l-Bahá offenbarte und aus dem einzelne Abschnitte schon bei früheren Gelegenheiten zitiert wurden, das er an seinem Lebensabend kurz nach Beendigung des ersten Weltkrieges schrieb, sagt er in knappen unheilvollen Sätzen die einander folgenden Erschütterungen voraus, welche die Menschheit heimsuchen müssen und deren volle Kraft die amerikanische Nation unausweichlich erfahren muß, um ihre Bestimmung zu erfüllen. „Die Krankheiten, an denen die Welt jetzt leidet,“ schrieb er, „werden sich vervielfachen, die Dunkelheit, die sie umschließt, wird sich vertiefen. Der Balkan wird unzufrieden bleiben. Seine Ruhelosigkeit wird wachsen. Die besiegten Mächte werden weiterwühlen. Sie werden zu jeder Maßnahme greifen, die die Flamme des Krieges wieder entzündet. Neugeschaffene Bewegungen von weltweiter Bedeutung werden alle Kräfte für den Fortschritt ihrer Pläne aufbieten. Die Bewegung der Linken wird große Bedeutung erlangen. Ihr Einfluß wird sich ausbreiten.“

Die Erschütterungen auf der Balkanhalbinsel, die fieberhaften Aktivitäten, bei denen Deutschland und Italien eine verheerende Rolle spielten und die im Ausbruch des zweiten Weltkrieges gipfelten; der Aufstieg des Faschismus und der Nazibewegung, die ihre Zweige in ferne Teile des Globus ausstreckten; die Ausbreitung des Kommunismus, die sich als Folge des Sieges Sowjetrußlands in jenem Krieg sehr beschleunigte -- alle diese Ereignisse wurden, einige unmißverständlich, andere in verhüllter Sprache, in diesem Tablet vorausgesagt, dessen Tragweite in seiner vollen Bedeutung noch unerschlossen ist und die, so können wir annehmen, die amerikanische Nation, noch unzureichend durch Unglück geschult, früher oder später erfahren muß.
( 5. Juni 1947 an die Bahá’í des Westens, veröffentlicht in „Citadel of the Faith: Messages to America 1947-1957“ (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1980), Seiten 20-27, 37) (Abschnitte 2 u. 3 deutsch in „Über das Lehren“, s.28-30; Zitat ‘Abdu’l-Bahá in „Die Weltordnung ...“, S. 51)
(40)

Die Leistungen der Mitglieder des Lehrausschusses für Europa, einzeln und im gesamten, in seiner Zentrale, wie auch auf dem europäischen Kontinent, verdienen in der Tat das höchste Lob und bilden ein anfeuerndes Beispiel für jeden nationalen Ausschuß, unter welchem Nationalen Rat der Welt er auch immer tätig ist. Ich bin wirklich unendlich stolz darauf und dankbar für seine ausgezeichneten Fähigkeiten, seine Wachsamkeit, seine energische Führung des europäischen Feldzuges, seinen Mut und seine Ausdauer und seine Hingabe an die Aufgabe. Seine hohen Bestrebungen sind von Erfolg gekrönt und sein Hauptziel wurde vor der Zeit erreicht. Die Schnelligkeit, mit der der Fortschritt beibehalten und das Endergebnis erreicht wurde, stellt eine Rekord in der Bahá’í-Geschichte dar und hat dazu beigetragen, die Höchstleistungen auf dem Feld des Dienstes, die mit der amerikanischen Bahá’í-Gemeinde verbunden sind, noch zu bereichern. Die Antwort der Pioniere, der Eifer und die Entschlossenheit, die sowohl die Umsiedler als auch die Reiselehrer an den Tag legten, die bewundernswerte Initiative, der unbeugsame Entschluß und die emsigen Bemühungen, die die einheimischen Gläubigen und die neu gebildeten Gruppen und Gemeinden zeigten, sind in der Tat ebenso lobenswert und werden sicher vom Meister reich gesegnet; es ist sein Plan, den sie in einem so kritischen und bedeutenden Stadium seiner Entwicklung in der Wiege der westlichen Zivilisation fördern, mitten unter Völkern und Rassen, die so unterschiedlich in ihrem Charakter, die durch Drangsale so hart geprüft, deren geistigen Quellen so jämmerlich erschöpft, die jedoch intellektuell und materiell so wohl dafür ausgestattet sind, um die sich zeigende Weltordnung Bahá’u’lláhs aufzubauen, einzusetzen und zu festigen. Ihre Aufgabe ist jedoch noch immer im Anfangsstadium der Entwicklung. Die Grundlagen, die ihre Hände gelegt haben, müssen eifersüchtig behütet, ständig erweitert und stetig gefestigt werden als Vorbereitung für den edlen und majestätischen Überbau, der im Laufe der folgenden Stadien der Entwicklung jenes Planes darauf errichtet wird.
(14. Juli 1949. von Shoghi Effendi handschriftlich einem Brief in seinem Auftrag an den Lehrausschuß für Europa des Nationalen Geistigen Rates der Vereinig ten Staaten beigefügt)
(45)

Die Stunde ist nunmehr gekommen, da diese Gemeinden, ob jung oder alt, örtlich oder national, ob sie im Norden, Westen oder Süden des Kontinents arbeiten oder im Herzen Europas, in geeigneter Form den europäischen Feldzug innerhalb einer weltumspannenden Kreuzfahrt beginnen und energisch fortsetzen, einen Weltkreuzzug, der nicht nur in beispiellosem Maße dazu beitragen wird, die Grundfesten des Glaubens Bahá’u’lláhs auf dem europäischen Kontinent zu erweitern und zu festigen, sondern der sein Licht auch auf die benachbarten Inseln ausstrahlen und, so Gott will, seinen Glanz in die östlichen Ländern des Kontinents und bis ins Herz Asiens tragen wird.

Ein Kontinent (Europa), der eine so zentrale und strategische Stellung auf dem ganzen Planeten einnimmt, eine so reiche und ereignisvolle Geschichte hat, so vielseitig in seiner Kultur ist, auf dessen Boden sich die griechische und römische Zivilisation erhoben, die Haupttriebfeder einer Zivilisation, an der Bahá’u’lláh selbst einige Eigenheiten lobpries, an dessen südlichen Ufern das Christentum seine Heimat gründete, an dessen östlichen Marken die mächtigen Streitkräfte des Kreuzes und des Halbmondes so oft zusammenprallten, in dessen südwestlichem Teile eine sich schnell entwickelnde islámische Kultur ihre schönste Frucht hervorbrachte, in dessen Herzen das Licht der Reformation so hell leuchtete und seine Strahlen bis zu den abgelegensten Regionen des Erdballs verbreitete, der Quell der amerikanischen Kultur, dessen nördlicher und westlicher Rand vor weniger als einem Jahrhundert zum ersten mal von dem Morgenrot der Offenbarung Bahá’u’lláhs erwärmt und erleuchtet wurde, in dessen Herzen nach und nach eine so verheißungsvolle Gemeinde entstand, dessen Boden später von einem zweimaligen Besuch des ernannten Mittelpunktes Seines Bündnisses geheiligt wurde, ein Kontinent, der infolge des Entstehens und der Gründung der administrativen Ordnung Seines Glaubens Zeuge der Bildung zweier der hervorragendsten Pfeiler des zukünftigen Hauses der Gerechtigkeit wurde, der in den letzten Jahren den dynamischen Anstoß einer Reihe von nationalen Plänen als Vorbereitung zur Einführung eines geistigen Weltkreuzzuges erhielt - ist endlich zu dieser kritischen Stunde, an diesem großen Wendepunkt in seinem Schicksal in ein Stadium eingetreten, das man als die erschließende Phase eines großen geistigen Wiederauflebens betrachten kann, welche jeden Zeitabschnitt ihrer geistigen Geschichte in den Schatten zu stellen verspricht.
(Juli 1953 an die Europäische Interkontinentale Lehrkonferenz, veröffentlicht in „Unfolding Desteny: The Messages from the Guardian of the Bahá’í Faith to the Bahá’í Community of the British Isles“ Seiten 317, 319-320
Deutsch in „Hüterbotschaften an die Bahá’í Welt“ herausgegeben von Nationa len Geistigen Rat der Bahá’í in Deutschland 1962, Seiten 22, 23-24)
(49)

Gleichlaufend dazu und alle Bereiche des Lebens durchdringend - ein Übel, welches die Nation und, wenn auch in geringerem Maße, wahrhaftig alle innerhalb des kapitalistischen Systems mit jenem Staat und seiner Satelliten, die als die eingeschworenen Feinde dieses Systems betrachtet werden, teilen - ist der krasse Materialismus, der übertriebenes und ständig zunehmendes Gewicht auf materiellen Wohlstand legt, der geistigen Dinge vergessend, auf die allein eine sichere und stabile Grundlage der menschlichen Gesellschaft errichte werden kann. Es ist dieser krebsgeschwürartige Materialismus, ursprünglich in Europa geboren und auf dem nordamerikanischen Kontinent bis zum Exzeß getrieben, die asiatischen Völker und Nationen ansteckend, seine unheilvollen Fangarme nach den Grenzen Afrikas ausstreckend und dessen Herz erobernd, welchen Bahá’u’lláh in unmißverständlicher und nachdrücklicher Sprache in Seinen Schriften brandmarkte, ihn mit einer verschlingenden Flamme verglich und ihn als den Hauptfaktor für den Absturz in schreckliche Qualen und welterschütternde Krisen ansah, was unvermeidlich auch das Brennen der Städte und die Ausbreitung von Terror und Bestürzung in den Menschenherzen mit sich bringt. Und tatsächlich hat der letzte Weltkrieg einen Vorgeschmack der Verwüstung geboten, welche dieses verzehrende Feuer über die Welt bringen und mit welchem es die Städte der Nationen verwüsten wird, die an diesem tragischen weltverschlingenden Wettstreit teilnehmen; dies kennzeichnet die zweite Stufe der Verwüstung, die die Menschheit, ihren Gott vergessend und unachtsam gegenüber den klaren Warnungen, die von Seinem Boten für diesen Tag geäußert wurden, leider zwangsläufig erfahren muß. Es ist derselbe alles durchdringende Materialismus, gegen den sich die Stimme des Mittelpunktes des Bundes erhob, mit leidenschaftlicher Beharrlichkeit von Podien und Kanzeln, in Ansprachen an die unbekümmerte Menge, die sich in der Folgezeit seines schicksalhaften Besuches in Europa und Amerika plötzlich in den Wirbel eines Sturmes gefegt fand, welcher in seinem Umfang und seiner Härte unübertroffen in der Weltgeschichte war.

Neben dieser unheilvollen Laschheit der Moral und der zunehmenden Betonung, den die Menschen auf die Verfolgung des Materiellen und des Wohlstands legen, existiert eine Verdunkelung des politischen Horizontes, wie sich dies durch die Ausdehnung des Abgrundes zeigt, der die Vorkämpfer zweier gegnerischen Denkschulen trennt, die beide, obgleich abweichend in der Ideologie, von den Wahrern des Glaubens Bahá’u’lláhs aufgrund ihrer materialistischen Philosophie und der Vernachlässigung jener geistigen Werte und ewigen Wahrheiten, auf denen allein letztendlich eine stabile und blühende Kultur errichtet werden kann, für unbrauchbar erklärt werden müssen. Die Vermehrung, die Verschiedenartigkeit und die zunehmend zerstörerische Kraft der Rüstung, zu der beide Seiten dieses Weltwettstreits, gefangen in einem Strudel der Angst, des Mißtrauens und des Hasses, rasch beisteuern, der Ausbruch zweier aufeinander folgender blutiger Konflikte, durch die die amerikanische Nation auch weiterhin in den Angelegenheiten einer verwirrten Welt verwickelt bleiben und die einen beträchtlichen Verlust an Blut und Vermögen mit sich bringen, den Staatshaushalt aufblähen und den Wert der Staatswährung immer mehr mindern; die Verwirrung, das Schwanken und der Argwohn, von denen die europäischen und asiatischen Völker in ihrer Haltung zur amerikanischen Nation bedrängt werden; der überwältigende Zuwachs an Stärke gegenüber dem Erzfeind des Systems, für das die amerikanische Union eintritt, der die Folge des neuerlichen Zusammenschlusses der Mächte auf dem asiatischen Kontinent und besonders im Fernen Osten ist - all dies hat außerdem in den letzten Jahren zur Verschlechterung einer Situation beigetragen, die, wenn nicht dagegen angegangen wird, dazu angetan ist, die amerikanische Nation in eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes und unermeßlicher Konsequenzen für die soziale Struktur, den Standard und die Vorstellungen des amerikanischen Volkes und seiner Regierung zu verwickeln.
(20. Juni 1954, von Shoghi Effendi handschriftlich einem Brief in seinem Auf trag an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten beigefügt)
(50)

Aus Briefen im Auftrag Shoghi Effendis geschrieben

Er blickt immer mit großer Erwartung auf die Nachrichten über den Fortschritt der Sache in Deutschland. Dieses Land ging zusammen mit anderen Staaten Mitteleuropas fast völlig zugrunde gerichtet aus dem Krieg und der späteren Entwicklung der politischen Verhältnisse hervor. Alle fühlen die Notwendigkeit eines neuen Geistes, der die Welt aus dem Morast zieht, in dem sie steckt. Wenn die Lehren der Sache richtig vorangetragen, wenn die Lösung für die sozialen Probleme klar dargelegt werden, werden die Menschen ihre Bedeutung ohne Zweifel begreifen und ihren Fortschritt fördern.
(1. April 1926 an die Bahá’í in Esslingen, veröffentlicht in „The Light of Div Guidance: The Messages from the Guardian of the Bahá’í to the Bahá’í of Germany and Austria“ (Hofheim-Langenhain: Bahá’í-Verlag, 1982) Kap. 1, Seite 30)
(54)

Er ist immer sehr glücklich, wenn er die guten Nachrichten über den Fortschritt der Sache, besonders in Wien, erfährt. Dies ist ein sehr wichtiges Zentrum, von wo aus sich die Sache nach Osteuropa und den Balkan ausbreiten kann. Jene Regionen, in denen Menschen verschiedener Nationalität und religiöser Bekenntnisse wohnen, sind immer eine Brutstätte der Uneinigkeit und des Streites. Sie brauchen die Lehren der Sache, um zur Ruhe zu kommen und unter sich den Geist der Liebe und Kameradschaft hervorzurufen ...
(12. Oktober 1928)
(59)

Das in Amerika und Europa herrschende Elend sollte die Jugend aus der Sinnlosigkeit erwecken, ihr ganzes Leben nur auf das Streben nach materiellen Dingen zu konzentrieren. Sie sollten die Lektion lernen, daß die Beschäftigung mit dem Geistigen den überwiegenden Teil unseres Lebens ausmachen und daß es unser Leitbild sein sollte, unser sittliches Leben zu verbessern und nach dem zu trachten, was ewig und dauerhaft ist.

Sollten die verschiedenen Nationen weiterhin den falschen Weg einschlagen und sich von dem selbstischen Wunsch nach der eigenen Erhöhung leiten lassen, werden Sie die Gruppe sein, die am meisten leidet. Die gegenwärtige Politik trägt nur in der Zukunft ihre Früchte, und es ist die Jugend der Gegenwart, die die Männer und Frauen der Zukunft bildet.
(2. November 1931)
(60)



Mittel- und Osteuropa sind viel aufnahmebereiter als irgend eines der westlichen Länder. Sie haben die Schrecken des Krieges erfahren und sind deshalb aufnahmebereiter für geistige Themen.
(29. Januar 1932)
(62)

Die Welt als Ganzes, aber besonders die Menschen auf dem europäischen Kontinent leben in großem Elend als Ergebnis von Kriegen, sozialer Unzufriedenheit, Furcht, Haß und Neid. Und diese Kräfte der Dunkelheit leiten die Menschen in die absolute Zerstörung. Dieser Zustand wird so lange andauern, bis sich die Welt der Bedeutung der Botschaft Bahá’u’lláhs bewußt ist ... eine Botschaft, die von Gott besonders dafür gesandt wurde, die heutigen Krankheiten der Menschen zu heilen.
(30. März 1932 an die Bahá’í in Esslingen, veröffentlicht in „The Light of Divi ne Guidance, The Messages from the Guardian of the Bahá’í Faith to the Bahá’í of Germany and Austria“ Ausgabe 1, Seite 41)
(64)

Shoghi Effendi bittet mich, den Eingang Ihres Briefes vom 4. September 1932, in dem Sie eine Aufstellung Ihrer Dienste in Europa geben, zu bestätigen.

In Ländern, die noch nie von der Sache hörten, ist es sehr schwer, einen Rat zu errichten. Die Saat braucht Zeit zum Reifen. Die Sache anzunehmen, bedeutet einen vollständigen Bruch mit den bisherigen Vorstellungen und Traditionen, einen großen Umbruch in unserem Innenleben. Und dies braucht Zeit, besonders bei ehrlichen und offenen Seelen, deren Treue sehr viel bedeutet.
(5. Oktober 1932)
(66)

Die Bahá’í-Welt sollte ihre Aufmerksamkeit mehr auf Europa als auf irgend ein anderes Land richten, weil es die Brutstätte von Streit und Groll ist. Der politische Haß, der dort herrscht, wird, wenn er nicht bezwungen wird, nicht nur die Bewohner verzehren, sondern die ganze Welt verwüsten und auf der Oberfläche des Globus Öde verbreiten.
(25. März 1933)
(69)

Nun ist es sicherlich an der Zeit, die Arbeit in immer stärkerem Maße fortzusetzen; die Herzen haben viel gelitten, und die Gemüter tasten nach einer Lösung der schrecklichen Probleme, denen sie gegenüber stehen. Die Sache kann in dieser goldenen Stunde der Möglichkeiten sicherlich besser vorankommen als je zuvor in ihrer Geschichte in Europa, und Sie können versichert sein, daß er alles in seiner Macht stehende tun wird, um Ihnen bei Ihrer Arbeit zu helfen.
(30. Juli 1946, veröffentlicht in „The Light of Divine Guidance: Letters from the Guardian of the Bahá’í Faith to Individual Believers, Groups and Bahá’í Com munities in Germany and Austria“, Ausgabe 2, Seite 54)
(75)

Shoghi Effendi möchte besonders die Notwendigkeit für mehr Pioniere und Reiselehrer und ganz besonders für den europäischen Bereich betonen. Der gegenwärtige sehr unbeständige Zustand der Welt, die Verwirrung und das Mißtrauen, das eher schneller zu wachsen scheint als zu verschwinden, erfordert sofortiges Handeln. Es kann nicht erlaubt werden, die Erhöhung der Anzahl der Arbeiter im Ausland auf die kommenden Jahre zu verschieben, wenn die Ziele dieses zweiten Siebenjahresplanes erfolgreich erreicht werden sollen. Es mag tatsächlich eine Zeit kommen, da die Freunde zurückblicken und jede Stunde der Verzögerung als unwiederbringlich verlorene, unschätzbare Gelegenheit bedauern.. So schnell die Arbeit in Lateinamerika auch voranging, muß es mit der Arbeit in Europa in einem noch weitaus schnelleren Tempo geschehen. Obwohl er glaubt, daß der Lehrausschuß für Europa schon Wundervolles geleistet hat, bittet er Sie dringend, an die Freunde zu appellieren, sich in weit größerer Anzahl zu erheben und sofort ins Ausland zu gehen, ungeachtet der damit verbundenen Opfer. Er selbst drängt die Bahá’í-Freunde ständig in persönlichen Briefen, sich freiwillig für diesen Dienst anzubieten und hofft, daß sich Ihnen während der kommenden Monate viel mehr Menschen für diesen ganz wichtigen Dienst zur Verfügung stellen.
(5. Oktober 1946 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas)
(76)

Er kann sehr gut verstehen, daß es für einige von Ihnen nach so vielen Jahren der Trennung vom Rest der Bahá’í-Welt überraschend war zu erfahren, daß wir als Bahá’í nicht Mitglied von Kirchen oder politischen Parteien sein dürfen. Aber er glaubt bestimmt, daß Sie selbst, wenn Sie über diese Tatsache tief nachdenken, die Weisheit darin erkennen werden. Wir können als Bahá’í niemals als Heuchler oder als Menschen gelten, deren Beteuerungen unaufrichtig sind, und deshalb können wir nicht beides, den Glauben Bahá’u’lláhs und das gängige kirchliche Dogma unterschreiben. Die Kirchen warten auf das Kommen Jesu Christi; wir glauben, daß er in der Herrlichkeit des Vaters wiedergekommen ist. Die Kirchen lehren Glaubenssätze - dazu noch unterschiedliche in verschiedenen Glaubensbekenntnissen - die wir als Bahá’í nicht akzeptieren, so etwa die körperliche Auferstehung, die Beichte oder, wie in einigen Glaubensbekenntnissen, die Leugnung der unbefleckten Empfängnis. Mit anderen Worten: Es gibt heute keine christlichen Kirchen, von deren Dogmen wir als Bahá’í aufrichtig sagen könnten, daß wir sie in ihrer Gesamtheit annehmen können - deshalb ist es für uns nicht richtig, Mitglied der Kirche zu bleiben, weil dies unter falschen Voraussetzungen der Fall wäre. Wir sollten uns deshalb von unseren Kirchen zurückziehen, doch wenn wir es wünschen, weiterhin mit Kirchenmitgliedern und Geistlichen zusammenarbeiten. Als Bahá’í ist unser Glauben an Christus so fest, so unerschütterlich und von Natur aus so hoch, daß heutzutage wenig Christen gefunden werden, die Ihn so lieben, Ihm Ehre erweisen und an Ihn glauben, wie wir dies tun. Wir trennen uns nur von den Dogmen und Glaubensbekenntnissen der Kirchen, nicht aber vom Geist des Christentums.

Sehr viele ähnlich Gründe veranlassen uns, uns von allen politischen Bewegungen zurückzuziehen, wie nahe auch einige ihrer Ideale den unseren sein mögen. Wir Bahá’í sind eins auf der ganzen Welt, wir suchen, eine neue Weltordnung aufzubauen, göttlich in ihrem Ursprung. Wie können wir dies vollbringen, wenn jeder Bahá’í Mitglied einer anderen politischen Partei ist - einige von ihnen vertreten genau entgegengesetzte Positionen? Wo ist dann unsere Einheit? Wir würden aus politischen Gründen voneinander getrennt, und das ist genau entgegen unserer Absicht. Es ist einleuchtend, daß, wenn es einem Bahá’í in Österreich freigestellt wäre, sich eine politische Partei zu suchen und ihr beizutreten, wie gut ihre Ziele auch sein mögen, ein anderer Bahá’í in Japan, in Amerika oder in Indien das Recht hätte, dasselbe zu tun, und es könnte sein, daß er einer Partei, die ganz entgegengesetzte Grundsätze als die des österreichischen Bahá’í vertritt, angehört. Wo bliebe dann die Einheit des Glaubens? Diese beiden geistigen Brüder würden wegen ihrer politischen Zugehörigkeit gegeneinander arbeiten. (Wie dies in so vielen Bruderkriegen der europäischen Christen der Fall war.)
(24. Juni 1947 an die Bahá’í in Wien, veröffentlicht in „The Light of Divine Guidance: The Messages from the Guardian of the Bahá’í Faith to the Bahá’í of Germany and Austria“, Ausgabe 1, Seiten 122-24)
(79)

Der Erfolg der Arbeit in Europa ist beinahe aufsehenerregend und zeigt, daß ach! Leiden der Pflug ist, der am besten und schnellsten die Erde des menschlichen Geistes wendet und fruchtbar macht. Vor dem Krieg war es zweifelhaft, daß solch schnelle Erfolge erreicht werden können. Umso mehr Grund besteht jetzt für unsere hingebungsvolle und fieberhafte Arbeit.
(14. Juli 1949 an den Lehrausschuß für Europa des Nationalen Geistigen Rates der Vereinigten Staaten)
(82)

Er bittet Sie dringlich, den amerikanischen Freunden über die Arbeit und die neuen Bahá’í in Europa zu berichten. Diese neuen Gläubigen mit der Ausgeglichenheit der Europäer sind von guter Art, und im Gegenzug zu dem, was sie von ihren amerikanischen Brüdern erhielten, haben sie sehr viel an Reife und Weisheit einzubringen.
(21. Juli 1949) (83)

Alle Ihre Neuigkeiten waren gut und machten ihn sehr glücklich. Die Ausbreitung der Sache in Europa, in einer vernünftigen und gründlichen Art und Weise, zeigt, was erreicht werden kann, wenn die Arbeiter weise und sachkundig sind. Er glaubt sicher, daß wenn die einheimischen Gläubigen mehr von sich selbst aus arbeiten, die Zukunft Zeuge großer Vorwärtsschritte wird.
(29. Oktober 1952) (86)


2. Deutschland


Aus den Schriften ‘Abdu’l-Bahás

Du berichtest über das Wachstum der Sache Gottes in deinem Land. Zweifellos wird der Glaube Gottes in jenem Land von Tag zu Tag Fortschritte machen, denn er wird durch die kraftspendendende Macht des Heiligen Geistes und die Bestätigung des Wortes Gottes unterstützt. Ebenso besteht kein Zweifel, daß sich Mitglieder der christlichen Geistlichkeit mit unerbittlicher Feindseligkeit gegen ihn erheben werden, euch beleidigen und unterdrücken wollen und Zweifel in euere Herzen zu säen hoffen, denn die Verbreitung der Sache Gottes wird ihren Stern sinken lassen - wie einst der Stern der Pharisäer verblaßte - und den Verlust an Würde und Ansehen, deren sie sich heute unter den Menschen erfreuen, zur Folge haben.

Denke nach über die Zeit von Jesus und die Taten der jüdischen Geistlichen und Pharisäer. Solche Taten werden in unserer Zeit von diesen christlichen Geistlichen wiederholt werden. Sei jedoch nicht beunruhigt; bleibe fest und standhaft, denn eine Schar von Seelen wird sich mit unendlicher Liebe erheben und das Königreich Gottes betreten. Diese Seelen werden dir alle Qualen, jede Demütigung und alle Schmach vergelten, denen du durch die Geistlichen ausgesetzt warst. Auf jede ihre Kränkungen werden diese Seelen mit Taten voll Güte antworten, bis endlich - wie die Erfahrung früherer Zeiten zeigt - die Kinder des Königreichs die Oberhand gewinnen und den Sieg davontragen. Vertraue darauf.
(Aus einem Tablet an einen einzelnen Gläubigen - aus dem Persischen übersetzt, veröffentlicht in „Krise und Sieg“, zusammengestellt von der Forschungsabtei lung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit (Oakham: Bahá’í Publishing Trust, 1988), Abschnitt 50, Seiten 24-25) In der deutschen Ausgabe Seiten 35- 36
(88)

Die Bahá’í-Freunde in Stuttgart sind wirklich geistig und strahlend, sie sind sehr ergeben und aufrichtig. Ich bin sehr zufrieden mit ihnen. Sie werden zweifellos von der Bestätigung des Abhá-Königreiches überschattet werden und das glänzende Licht der Sonne der Wahrheit wird seinen Strahlenglanz über jene Region ergießen. Deshalb ist es euere Pflicht, einander äußerste Zuneigung und Freundlichkeit zu erzeigen, einander von Herz und Seele zu lieben, die äußerste Anstrengung zu unternehmen, um euch gegenseitige Hilfe angedeihen zu lassen und euch fest an den Bund Gottes und Sein Testament zu halten, um so mehr, da der Geist, der dieses Zeitalter belebt, die Kraft von Gottes Bund und Testament ist.. Sie ist wie eine pulsierende Ader im Körper der Welt. Ihr solltet dieses wichtige Thema in jeder euerer Versammlungen und Konferenzen erwähnen, und ihr solltet jeden ermahnen, fest und standhaft im Bund zu bleiben. Wißt, daß wenn ein Mensch nur das geringste Zeichen von Unschlüssigkeit im Bund bekunden sollte, sein Sturz nahe bevorsteht, selbst wenn er zu den Ausgezeichnetsten zählte, denn am Ende werden die schädlichen Folgen des Bundesbruches offenbar. Deshalb müßt ihr im Zusammenhang mit dieser Thematik äußerste Vorsicht üben ... Ich werde immer flehentlich zum Abhá-Königreich beten und inständig um göttlichen Beistand und Segen für die geliebten Freunde in Stuttgart bitten.
(Aus einem Tablet an einen einzelnen Gläubigen - aus dem Persischen übersetzt)
(91)

Es gibt klare Zeichen, die darauf hinweisen, daß das strahlende Licht der Sonne der Wahrheit weiterhin mit äußerster Helligkeit nicht nur auf die Region um Stuttgart, sondern auf ganz Deutschland scheinen, daß der belebende Atem des Heiligen Geistes dort großen Einfluß ausüben und die alles durchdringende Gunst des Wortes Gottes weit verbreitet wird. Laßt mich euch diese frohe Botschaft verkünden. Ihr werdet große Höhen im Königreich Gottes erreichen, und die Tore des Königreiches stehen für das Volk der Deutschen weit offen. Laßt uns sehen, wer die anderen überstrahlt. Es ist meine ernste Hoffnung, daß alle, die in Deutschland den Ruf hören, unter den Auserwählten sind. Deshalb solltet ihr nicht ruhen, sondern Tag und Nacht danach streben, die Menschen zu führen, dem Blinden Auge zu sein, die Toten zu beleben und ihnen ewiges Leben zu verleihen.
(Aus einem Tablet an die Bahá’í in Stuttgart - aus dem Persischen übersetzt)
(92)

Preis sei Gott, ihr seid alle wie leuchtende Kerzen und Bäume des Abhá-Königreiches. ‘Abdu’l-Bahá hegt zärtliche Zuneigung zu den Geliebten Gottes in Stuttgart. Seine Nase ist von den Wohlgerüchen des Duftes dieser Blumen erfüllt, und sein Herz ist voll seliger Freude lt über den Liebreiz und die Schönheit dieser gesegneten Seelen. Es gibt keinen Zweifel, daß sich die Lehren Bahá’u’lláhs in diesen Regionen weit und breit ausdehnen werden und daß Seelen, die wie strahlende Kerzen glänzend leuchten, Erleuchtung über die Umgebung ausgießen werden. Deshalb laßt mich euch diese frohe Botschaft verkünden: Gottes Augen sind mit liebevoller Güte auf euch gerichtet, und der Glanz der Sonne der Wahrheit ziert euere Herzen.
(Aus einem Tablet an die Bahá’í in Stuttgart - aus dem Persischen übersetzt)
(93)

In Deutschland gibt es große geistige Aufnahmefähigkeit. Viele Seelen zeigen eine besondere Art, die Ausgießung himmlischer Gnade zu empfangen. Sie haben die Fähigkeit, zu Empfängern der göttlichen Lehren zu werden. Einige von ihnen werden von dem Prinzip der Einheit der Menschheit und davon, alle Menschen und Bewohner der Erde im Geiste der Eintracht und Kameradschaft zu behandeln, angezogen. Ich hege die Hoffnung, daß sie sich vollkommen von religiösen, rassischen, nationalen, wirtschaftlichen und politischen Vorurteilen lösen und die Menschenwelt wie eine Familie ansehen mögen, sind sie doch mit empfänglichen Augen und aufmerksamen Ohren begabt. Deshalb hegt ‘Abdu’l-Bahá unendliche Zuneigung zu diesen Seelen. Obwohl dieses Land gegenwärtig in Verzagtheit und Lethargie versunken ist, würde ich gerne hoffen, daß die belebende Brise Seiner liebevollen Güte wehen und allen Seelen neues Leben verleihen möge. Kurz gesagt, ist es euere Pflicht, euch auf das äußerste anzustrengen, allen Menschen der Erde und den Anhängern aller Religionen unübertroffene Liebe und Kameradschaft zu erzeigen.
(Aus einem Tablet an die Bahá’í in Deutschland - aus dem Persischen übersetzt)
(95)

Die Liebe, die ich für die deutschen Freunde hege, ist so intensiv, daß, wenn sie eine Flamme dieser Liebe berühren würden, sie gänzlich in Flammen aufgingen ...

Jetzt ist es Zeit für den Aufbau. Jeden Stein kann man für das Gefüge des Gebäudes brauchen. Aber ihr, die deutschen Freunde, solltet die Ecksteine des Gebäudes bilden. Ihr solltet die grundlegenden Prinzipien der Sache Gottes allen Menschen und Gleichgesinnten verkünden.
(Aus einem Tablet - aus dem Persischen übersetzt)
(100)


Aus Briefen Shoghi Effendis

O ihr geistigen Brüder und Schwestern, denkt eine Weile über die Zeichen der Größe, der Überlegenheit und des Sieges nach, die sich in diesem ersten Jahrhundert der Bahá’í-Offenbarung auf den beiden Kontinenten Europa und Amerika und in der Tat auf der ganzen Welt gezeigt haben. Dies ist einzig das Ergebnis der machtvollen Wirkung der bitteren Grausamkeit, die alle jenen wie Honig schmeckte, die von der Drangsal aus den Händen der Feinde in diesem bös heimgesuchten Land überwältigt wurden.

Durch das Vergießen des heiligen Blutes der Märtyrer in Persien wandte sich das erhabene Herz Ihrer Majestät, der Königin (Königin Maria von Rumänien), dieser frisch gesprossenen Pflanze Gottes zu und veranlaßte sie, die ganze Welt durch ihre einander folgenden und bewegenden Botschaften die ganze Welt zu erwecken und zu warnen.

Durch das Vergießen des heiligen Blutes der Märtyrer in Persien wurden die Ritter auf dem Schauplatz des Dienstes für Gott befähigt, die Ehre zu gewinnen, im Herzen Amerikas das prächtige und gepriesene Gebäude des ersten Mashriqu’l-Adhkár der westlichen Welt zu beginnen und zu vollenden, sodaß eine große Anzahl verschiedenster Menschen von unterschiedlichen Rassen, Religionen, Sekten und Bevölkerungsschichten von diesem offenbaren Zeichen, diesem sicheren Himmel, diesem hinreißenden Tempel der Sache des Herrn der Welten fasziniert und hingerissen wurde.

Durch das Vergießen des heiligen Blutes der Märtyrer in Persien wurde den Bannerträgern dieser unterdrückten Gemeinde im entlegensten Westen Führung und Hilfe zuteil, um hervorragende administrative Institutionen zu errichten, Bahá’í-Stiftungen zu gründen, öffentliche Anerkennung durch Menschen von hohem Ansehen zu erlangen, göttliche Gesetze und Verordnungen wirksam werden zu lassen und eine Satzung für Nationale Geistige Räte zu formulieren.

Durch das Vergießen des heiligen Blutes der Märtyrer in Persien erhoben sich jene in Deutschland , die sich mit solcher Beharrlichkeit und Festigkeit am starken Griff des Glaubens festhielten, daß sie im Angesicht der bitteren Stürme der Prüfungen und den hitzigen Gewittern der wahnsinnigen Aufschreie der Feinde, die - mit Ausnahme Amerikas - niemals mit solcher Wut über den Westen hinzogen, felsenfest jedem Unruhestifter widerstanden und ihr Fuß auf dem schmalen Pfad niemals strauchelte. Nein, es war eher so, daß ihre Inbrunst, ihre Kühnheit, ihre Ausdauer und ihre Hilfe füreinander nur noch zunahm und sie sich mehr den je anstrengen, in ihrem Land den Horizont für die Sache Gottes und den Bestand der Bahá’í-Publikationen zu erweitern und so die Institutionen des Glaubens zu festigen.
(21. April 1932 an die Bahá’í des Ostens - aus dem Persischen übersetzt)
(108)

Über den Erhalt Ihres Briefes war ich sehr erfreut. Ich sehne mich danach, ausführlicher und öfters von Ihnen zu hören. Sie sind ein Turm der Stärke und ein Pfeiler Seines Glaubens in jenem Land. Deutschland hat unter dem Banner des Glaubens Bahá’u’lláhs eine glorreiche Zukunft. Es ist seine Sendung, für die Sache in Europa anzutreten und sie im Herzen des Kontinents fest zu gründen. Die Prüfungen und Versuchungen, die den Glauben in diesem Land heimgesucht haben, waren notwendig und von der göttlichen Vorsehung bewirkt. Es ist nun an den deutschen Gläubigen, die den Sturm überstanden haben, sich zu erheben und die Sache voranzubringen, den nicht politischen Charakter ihres Glaubens zu verkünden, die entstehenden Institutionen fest zu gründen und durch Worte und Taten zu beweisen, daß sie frei von jedem Makel der Parteilichkeit und der Vorurteile sind.
(16. Mai 1933, von Shoghi Effendi handschriftlich einem Brief in seinem Auf trag an einen einzelnen Gläubigen beigefügt, veröffentlicht in „The Light of Divine Guidance: Die Botschaften des Hüters des Bahá’í-Glaubens an die Bahá’í in Deutschland und Österreich“, Ausgabe 1, Seiten 47-48)
(109)

Eine weitere Angelegenheit von lebenswichtiger Bedeutung, die eine bleibenden Einfluß auf das augenblickliche Geschick der deutschen Bahá’í-Gemeinde ausüben wird, ist die Ausarbeitung von Maßnahmen, um den Glauben in die benachbarten Gebiete zu tragen, so etwa die Übersetzung von Bahá’í-Literatur in Russisch und die Sprachen, die in den baltischen Staaten gesprochen werden, und das Erforschen eines Weges, der es deutschen Bahá’í-Pionieren möglich macht, diesen gewaltigen, diesen historischen und verdienstvollen Feldzug über die östlichen Grenzen ihres Vaterlandes hinaus in Gang zu setzen.
(21. Juni 1965, von Shoghi Effendi handschriftlich einem Brief in seinem Auf trag an den Nationalen Geistigen Rat von Deutschland und Österreich beige fügt, veröffentlicht in „The Light of Divine Guidance: Die Botschaften des Hüters des Bahá’í-Glaubens an die Bahá’í in Deutschland und Österreich“, Ausgabe 1, Seite 268)
(122)

Aus Briefen im Auftrage Shoghi Effendis

Die geographische Lage Deutschlands hat ihm eine einzigartige Stellung in der Ausbreitung der Sache Gottes in Europa verliehen. Es liegt wirklich inmitten des Kontinents und von da aus können sich Zweige ausbreiten, die nach und nach ganz Europa verbinden. Die Zeichen dafür, daß es eine solche Aufgabe wahrnehmen kann, sind deutlich. Dort lebt die größte Anzahl der europäischen Bahá’í, die meisten davon aktiv und vielversprechend. Die einzige Sache dabei ist, daß sie, je einiger sie sind, je standhafter und ergebener im Glauben sie werden, umso schneller werden sie ihr Ziel erreichen und ihre Aufgabe erfolgreich und glorreich zusende bringen.
(28. Juni 1926 an die Bahá’í in Esslingen, veröffentlicht in „The Light of Divine Guidance: The Messages from the Guardian of the Bahá’í Faith to the Bahá’í in Deutschland und Österreich“, Ausgabe i, Seite 31)
(124)


3. Frankreich

Aus den Schriften ‘Abdu’l-Bahás

Vor ein paar Tagen kam ich, direkt von Alexandria kommend in New York an. Auf einer früheren Reise besuchte ich Europa und dort Paris und London. Paris ist in seiner äußeren Erscheinung höchst wundervoll, aber seine geistige Kultur ist weit zurückgeblieben. Die Menschen dieser Stadt sind in einem Meer von Materialismus untergetaucht und ertrunken. Ihre Gespräche und Diskussionen waren auf Erscheinungen der Natur und des Körpers begrenzt, ohne Gott zu erwähnen. Ich war sehr erstaunt. Die meisten der Studenten, Professoren und Gelehrten erwiesen sich als Materialisten. Ich sagte zu Ihnen: „Ich bin überrascht und erstaunt, daß Menschen mit solcher Aufnahmefähigkeit und offensichtlichem Wissen noch immer Gefangenen der Natur sein und die sich selbst bezeugende Realität nicht erkennen sollen.“
(„The Promulgation of Universal Peace: Talks Delivered by ‘Abdu’l-Bahá du ring His Visit to the United States and Canada in 1912“, 2nd ed. (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1982), Seiten 16.17)
(137)

Paris hat Fähigkeiten! Wenn das Feuer der Liebe Gottes das Herz von Paris berührt, werden sich gesegnete Seelen erheben, und es wird von allen Orten der strahlendste und beste sein. Strebe von ganzem Herzen danach, daß ein paar bedeutende Seelen angezogen werden, ...Seelen, die tief in Wissenschaft und Lehre gegründet sind, mit erhabenem Streben, nicht ans Vergängliche gebunden noch körperliches Behagen suchend, Kerzen in jeder Gemeinschaft, gradlinig und treu inmitten des Zentrums der Welt! ...

Mache Paris edel. Mache, daß das Banner der höchsten Führung darin gehißt wird. Lasse eine Tumult in der Stadt ausbrechen. Laß den Ruf Gottes sich erheben und den Gesang des Königreiches in den Ohren der geistig Gesinnten klingen. Darauf warte ich! Wie lange wird es dauern, ehe eine Seele die Arena betritt und diese Auszeichnung für sich in Anspruch nimmt? Darauf hoffe ich.
(Aus einem Tablet an einen einzelnen Gläubigen - aus dem Persischen übersetzt)
(142)

Jetzt sind die Menschen in Frankreich in Sinnenfreuden getaucht. Glücklicherweise kann durch die Anstrengung der Freunde und die Führung Gottes ein Windhauch des Abhá-Königreiches über sie wehen und ihnen geistige Sinne verleihen. Wenn sie durch die Bemühungen der Freund eine solche Gabe erhalten, werden die Franzosen schnell Fortschritte zur himmlischen Vollkommenheit machen, durch den Odem des Heiligen Geistes neues Leben finden und nach neuen Gaben trachten. Strebe du danach, daß das Banner der Einheit der Menschenwelt gehißt wird und über Paris weht. Ich denke immer daran. Tag und Nacht.
(Aus einem Tablet an einen einzelnen Gläubigen - aus dem Persischen übersetzt)
(144)


Italien und Schweiz

Aus Briefen von Shoghi Effendi

In ihrer ständigen Sorge, die Herzen ihrer Landsleute mit dem Strahlenglanz der Offenbarung Bahá’u’lláhs zu erleuchten und ihrem täglichen Kontakt zu Menschen, die von Natur aus stark konservativ, in Traditionen verhaftet, zum größten Teil den Banden religiöser Orthodoxie verpflichtet, im Materialismus versunken und völlig mit dem zufrieden sind, was sie erreicht haben, müssen die Mitglieder dieser Gemeinden die Arbeit, der sie sich hingegeben haben, notwendigerweise als schmerzlich langsam, äußerst mühsam und oft höchst entmutigend empfinden. Die Saat jedoch, die sie jetzt säen - und dieser besonderen Aufgabe müssen sie sich in der kommenden Zeit mit verdoppelter Energie und vermehrter Hingabe zuwenden, trotz ihrer täglichen Beschäftigung und ständiger Sorge um die Ausbreitung und Festigung des administrativen Räderwerkes des Glaubens - wird unter dem wachsamen Schutz der Vorsehung und als Folge der Trübsale, die eine achtlose Generation bestimmt ist, früher oder später zu erfahren, zur festgesetzten Zeit keimen und eine Ernte solchen Ausmaßes hervorbringen, die sie mit Erstaunen erfüllen wird.

.....

So wie der geistige Weltkreuzzug schnell seine bestimmte Bahn nimmt und bald die Hälfte hinter sich hat, muß die Aufmerksamkeit der unermüdlichen Mitglieder dieser hellwachen Gemeinden auf die Mittel und Wege konzentriert werden, die nicht nur in nie dagewesenem Grade das Erwachen des Interesses der Massen für die Offenbarung Bahá’u’lláhs sicherstellt, sondern eine beträchtliche Zunahme der Anhänger bewirkt, die sich bereitwillig erheben, um deren Wahrheiten zu verkünden, die Institutionen aufrichtig unterstützen und ihre Interessen wirkungsvoll fördern

Einer ständig anhaltenden Konzentration seitens der gesamten Gemeinschaft der Getreuen und besonders ihrer gewählten Vertreter, sei es auf örtlicher oder regionaler Ebene, auf diese überragende Pflicht von alles übersteigender Wichtigkeit, kann es zu dieser Stunde nicht mißlingen, aus der Quelle unsichtbarer Kraft im Abhá-Königreich ein Ausmaß an Segnungen anzuziehen, die die Träger der frohen Botschaft vom Neuen Tag beim Überbringen an die Völker und Rassen eines böse heimgesuchten Kontinents in reichem Maße unterstützen wird und es ihnen möglich macht, auf diesem besonderen Feld der Möglichkeiten, die leider nicht genügend ausgeschöpft worden sind, eine solche Ernte einzufahren, die nicht nur sie selbst, sondern genauso ihre Landsleute in Erstaunen versetzen wird.

Ein schneller, entscheidender und glänzender Erfolg in einem weiten Gebiet, das sich von den südlichen Grenzen Deutschlands bis zu den südlichen Ausläufern der italienischen Halbinsel erstreckt und in seinem Bereich Korsika und Sardinien im Westen, Sizilien im Süden und Rhodos im Osten dieser Halbinsel einschließt, ist dazu bestimmt, daß seine Auswirkungen eines nicht zu fernen Tages die potentiellen Feinde des Glaubens, die der katholischen und protestantischen Gemeinde angehören, aus ihrer Lethargie erwecken und in einen geistigen Kampf stürzen, der seiner wahren Natur nach, wie es ‘Abdu’l-Bahá den amerikanischen Gläubigen versichert hat, das Zeichen für den Beginn einer Öffentlichkeitskampagne sein wird, wie sie die gesammelten Kräfte dieser Gemeinden nie geschafft hätten, ins Leben zu rufen oder durchzuführen, gleichlaufend mit einem entsprechend außergewöhnlichen Anschwellen der geheimnisvollen, im Glauben verborgenen Kräfte, die sie aus den überschatteten Tälern der Verborgenheit zu den sonnigen Höhen des Ruhmes, des Glücks und des Triumphes tragen werden..

Das Gebet, das ich nie versäume zu sprechen und der Wunsch, den ich im tiefsten Herzen hege, ist, daß die Mitglieder dieser Schwestergemeinden, die nun in diesem Frühstadium der Bekanntgabe ihrer unterschiedlichen Aufträge durch Bande geistiger Kameradschaft verbunden und dazu bestimmt sind, mit zunehmender Reife und unabhängigem Verfolgen des Pfades des Dienstes an ihrer geliebten Sache, kraft der Position, die sie innehaben und des Rufes, den sich ihre Länder als Sitz mächtiger Institutionen, sowohl religiöser als auch weltlicher Art, erworben haben, eine tiefgründigen und anhaltenden Einfluß auf die Geschicke des Glaubens in Europa und über dessen Grenzen hinaus auszuüben, daß die Mitglieder dieser Gemeinden der Herausforderung der gegenwärtigen Stunde entsprechend begegnen und sich wie ein Mann erheben mögen, um jedes der ihnen gesetzten Ziel zu erreichen.
(12. August 1957 an den Nationalen Geistigen Rat von Italien und der Schweiz)
(154)




5. Geschichte

Aus den Schriften ‘Abdu’l-Bahás

In der Frühzeit des Islám erwarben die Völker Europas die Wissenschaften und Künste vom Islám her so, wie sie die Einwohner Andalusiens lehrten und ausübten. Eine genaue, eingehende Untersuchung der geschichtlichen Aufzeichnungen wird die Tatsache bekräftigen, daß der Hauptteil der Zivilisation Europas auf den Islám zurückgeht; denn alle Schriften der muslimischen Gelehrten, Theologen und Philosophen wurden nach und nach in Europa gesammelt, mit emsiger Sorgfalt geprüft, in akademischen Versammlungen und in den Bildungszentren diskutiert, worauf das, was als wertvoll erachtet wurde, Verwendung fand. Heute sind zahlreiche Abschriften von Werken muslimischer Gelehrter, die in islámischen Ländern nicht mehr zu finden sind, in den Bibliotheken Europas erhältlich. Auch die in allen europäischen Ländern herrschenden Gesetze und Rechtsgrundsätze sind in beträchtlichem Maße, genau genommen in ihrer Ganzheit von den Werken muslimischer Gottesgelehrter über Rechtsprechung und von ihren Urteilssprüchen hergeleitet. Wäre nicht zu befürchten, daß sich diese Abhandlung übermäßig in die Länge zieht, würden wir solche Entlehnungen eine nach der anderen aufführen.

Die Anfänge der europäischen Zivilisation gehen auf das siebte Jahrhundert islámischer Zeitrechnung zurück. Die näheren Umstände waren folgende: Gegen Ende des fünften Jahrhunderts nach der Hijra erhob der Papst, das Oberhaupt der Christenheit, ein großes Zetern darüber, daß den Christen heilige Stätten, wie Jerusalem, Bethlehem und Nazareth, unter muslimische Herrschaft gefallen waren. Er stachelte die Könige und das Volk Europas auf zu einem Unternehmen, das er als heiligen Krieg ansah. Sein leidenschaftlicher Schrei der Entrüstung schwoll so an, daß ihn alle Länder Europas erwiderten, und an der Spitze endloser Heerscharen zogen kreuzfahrende Könige über das Marmarameer und bahnten sich ihren Weg in den asiatischen Kontinent. Damals herrschten die Kalifen aus dem Haus der Fatimiden über Ägypten und einige Länder im Westen der arabischen Welt, und die längste Zeit waren ihnen auch die Seldschuken, die Könige Syriens untertan.. Kurz, die Könige des Westens fielen mit ihren unzähligen Truppen in Syrien und Ägypten ein, und während einer Zeitspanne von 203 Jahren war ständiger Kriegszustand zwischen den Herrschern Syriens und Europas. Fortgesetzt kam Verstärkung aus Europa herüber; immer wieder stürmten und bezwangen die westlichen Herrscher jede Burg in Syrien, aber genau so oft warfen die islámischen Könige sie wieder hinaus. Schließlich vertrieb Saladin im Jahr 693 n.d.H. die europäischen Könige und ihre Heere aus Ägypten und von der syrischen Küste. Hoffnungslos geschlagen, kehrten sie nach Europa zurück. Millionen Menschen kamen im Verlauf dieser Kreuzzüge ums Leben. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß zwischen 490 und 693 n.d.H. Könige. Feldherrn und andere Führer Europas ständig vom Westen nach Ägypten und Syrien kamen, und als sie schließlich alle heimkehrten, verbreiteten sie in Europa, was sie im Laufe von über 200 Jahren auf den Gebieten der Staatskunst, der sozialen Entwicklung und Bildung, des Volks- und Hochschulwesens und der Verfeinerung des Lebens in den islámischen Ländern kennengelernt hatten. Die Zivilisation Europas geht auf diese Zeit zurück.
(„Das Geheimnis göttlicher Kultur“, Seiten 82-84)
(159)







Aus Briefen Shoghi Effendis

Man darf nicht vergessen, daß es die Könige der Erde und die religiösen Führer der Welt waren, die vor allen anderen Klassen von Menschen zu unmittelbaren Empfängern der von Báb und Bahá’u’lláh verkündeten Botschaft gemacht wurden. Sie waren es, die in zahlreichen historischen Tablets mit Bedacht angeredet und aufgefordert wurden, auf den Ruf Gottes zu hören, und an die in klarer, zwingender Sprache die Aufrufe, Ermahnungen und Warnungen durch Seine verfolgten Boten gerichtet wurden. Sie, die Könige und Führer, waren es, die, als der Glaube geboren, und später, als seine Sendung verkündet wurde, noch größtenteils unbestrittene und unumschränkte weltliche und kirchliche Gewalt über ihre Untertanen und Anhänger ausübten. Sie waren es, die, thronend in Pomp und Prunk eines durch konstitutionelle Begrenzungen kaum erst eingeengten Königtums oder verschanzt in Bollwerken einer scheinbar unverletzlichen kirchlichen Macht, letzten Endes die Verantwortung für jede Art von Unrecht trugen, das durch jene begangen wurde, deren Schicksal sie unmittelbar beherrschten. Es ist keine Übertreibung zu sagen, daß in den meisten Ländern des europäischen und asiatischen Festlandes Absolutismus einerseits und völlige Unterwürfigkeit unter die Kirchenherrschaft andererseits noch auffallende Charakterzüge des politischen und religiösen Lebens der Massen waren. Diese, beherrscht und gefesselt, waren der nötigen Freiheit beraubt, die sie befähigt hätte, den Anspruch und die Verdienste der ihnen dargebrachten Botschaft abzuschätzen oder vorbehaltlos ihre Wahrheit anzunehmen.
(„Der verheißene Tag ist gekommen“, Seiten 42-43)
(161)


Aus Briefen im Auftrage Shoghi Effendis an einzelnen Gläubige

Die Bahá’í-Sicht dieses Themas ist, daß die Sendung Mohammads, wie alle anderen göttlichen Sendungen, vorherbestimmt war und so einen wesentlichen Teil des göttlichen Planes für die geistige, moralische und soziale Entwicklung der Menschheit bildet. Sie ist keine isolierte religiöse Erscheinung, sondern hat einen engen und historischen Bezug auf die Sendung Christi und ebenso auf die Sendungen des Báb und Bahá’u’lláhs. Es war die Absicht Gottes, daß sie auf das Christentum folgte, und es war deshalb die Pflicht der Christen, sie genau so fest anzunehmen wie sie sich an die Religion Christi hielten.

Sie sollten auch vorsichtige Betonung auf die Tatsache legen, daß dank der geschichtlichen Reihenfolge seines Erscheinens und aufgrund des offensichtlich fortschrittlicheren Charakters seiner Lehren, der Islám eine reichere Offenbarung der Absicht Gottes für die Menschheit bildet. Die sogenannte christliche Zivilisation, die in der Renaissance eine ihrer eindrucksvollsten Ausdrucksformen findet, ist in ihren Ursprüngen und Grundlagen im wesentlichen muslimisch. Als das mittelalterliche Europa in dunkelsten Barbarismus getaucht war, waren die Araber, durch den Geist, der durch die Religion Mohammads freigeworden war, neu belebt und gewandelt, eifrig dabei, eine Zivilisation zu errichten, dergleichen ihre zeitgenössischen Christen in Europa nie zuvor Zeuge waren. Schließlich waren es die Araber, die die Zivilisation des Westens einleiteten. Durch sie fanden Philosophie, Wissenschaft und Kultur, die die Alten Griechen begründet hatten, ihren Weg nach Europa. Die Araber waren die fähigsten Übersetzer und Sprachwissenschaftler ihres Zeitalters und dank ihnen wurden die Schriften der wohlbekannten Denker wie Sokrates, Plato und Aristoteles dem Westen verfügbar gemacht. Es ist völlig ungerecht, die Blütezeit der europäischen Kultur im Zeitraum der Renaissance dem Einfluß des Christentums zuzuschreiben. Sie war hauptsächlich ein Ergebnis der Kräfte, die durch die Ausgießung der Religion Muhammads freigesetzt wurden.

Vom Standpunkt der Institutionalisierung gesehen übertrifft der Islám bei weitem das ursprüngliche Christentum, wie wir es aus den Evangelien kennen. Im Koran ist von unendlich viel mehr Gesetzen und Einrichtungen die Rede als in den Evangelien. Während der Nachdruck in den letzteren hauptsächlich, um nicht zu sagen völlig auf den einzelnen und das persönliche Verhalten gelegt wird, betont der Koran die Bedeutung der Gesellschaft. Diese soziale Gewichtung gewinnt in der Bahá’í-Offenbarung zusätzliche Wichtigkeit und Bedeutung. Wenn man achtsam und unparteiisch vergleicht, ist der Koran vom Standpunkt des geistigen und humanitären Fortschritts aus gesehen, eine deutlich Verbesserung gegenüber den Evangelien.

In Wahrheit haben die Historiker der westlichen Welt während vieler Jahrhunderte die Tatsachen verdreht, um sie ihren religiösen und angestammten Vorurteilen passend zu machen. Die Bahá’í sollten versuchen, die Geschichte neu zu studieren und ihre Forschungen zuerst und vor allem auf die niedergelegten Heiligen Schriften des Isláms und des Christentums gründen.
(27. April 1936)
(163)


6. Jugend

Aus Briefen im Auftrag Shoghi Effendis an einzelne Gläubige

Es ist unnötig zu sagen, wie hoch der Hüter diese Anstrengungen schätzt und würdigt, die Ihr Ausschuß so ernsthaft zur Förderung der Gemeinschaft, des gegenseitigen Verstehens und der Zusammenarbeit der weit verstreuten Mitglieder der Bahá’í-Studentenschaft in Europa unternimmt. Das regelmäßige Abhalten solcher Konferenzen ist in diesen Tagen, in denen die Jugend der Welt so schnell von den religiösen Institutionen und Kirchen, in die sie hineingeboren wurden, abtriftet, an sich schon von enormer Bedeutung. In einer Zeit, da die Kräfte des Unglaubens und des Materialismus in alle Schichten der Gesellschaft eindringen und die Herzen und Gemüter der Menschen gefährlich zerstören, ist es wirklich ausgezeichnet, daß junge Bahá’í, Männer und Frauen, zusammenkommen, um die grundlegenden geistigen und sozialen Lehren, die Bahá’u’lláh der Welt gebracht hat, zu diskutieren und zu studieren und die Mittel und Wege zu finden, die für ihre Verbreitung und Aussaat erforderlich sind. Je mehr unsere gegenwärtige Gesellschaft, und besonders ihre junge Generation, sich von Religion abkehrt und ihre Grundlagen zu unterlaufen sucht, umso tiefer sollte das Verantwortungsbewußtsein unter den Gläubigen für die grundlegende Treue zum Glauben wachsen.
(15. Dezember 1936)
(167)












OSTEUROPA UND DIE SOWJETUNION

1. Ost- und Zentraleuropa

Aus Briefen von Shoghi Effendi

Die fortdauernde und äußerst beklagenswerte Teilung der deutschen Nation, die eine fast unübersteigbare Schranke aufrichtet zwischen der großen Mehrheit der deutschen Anhänger des Glaubens von Bahá’u’lláh und ihren isolierten Brüdern in den Ostgebieten ihres Landes; die zunehmende und weit verbreitete Feindseligkeit, die von mächtigen, der einflußreichsten christlichen Kirche dieses Landes angehörenden Gegnern gezeigt wird - eine Feindseligkeit, die nicht nur anwächst, sondern langsam und unmerklich Beamte in verschiedenen Regierungsstellen des Staates sowie Teile der Presse und in nicht geringem Maße die Öffentlichkeit selbst beeinflußt; das Fortdauern von ideologischen und politischen Schranken, die die Verbindung zwischen den Gläubigen in der Westzone Deutschlands und den Bewohnern jener Gebiete verhindert, die hinter dem Eisernen Vorhang liegen, insbesondere die Baltischen Staaten, Moldavien, Weißrußland, Albanien und Rumänien, die ihnen gemäß den Bestimmungen des Zehnjahresplanes zugewiesen wurden; der tief verwurzelte Konservatismus und die religiöse Strenggläubigkeit der Einwohner der Friesischen Inseln, von Kreta und Griechenland, die noch eine weitere Schranke bilden und ein weiteres Hindernis auf dem Pfad der Pioniere darstellen, die sich der Aufgabe verschrieben haben, das Banner des Glaubens auf jenen Inseln und in jenem historischen Land in Verfolgung der Ziele des Geistigen Weltkreuzzuges aufzurichten, die Beschränkungen, die ihnen durch ihre begrenzte Anzahl und bescheidenen Hilfsquellen auferlegt sind; die Versuchungen und Ablenkungen, denen sie durch die schnelle Rückkehr zu materiellem Wohlstand ständig und in wachsendem Maße ausgesetzt sind - dies alles steht zweifellos im Widerstreit zur raschen und wirkungsvollen Erfüllung ihrer vielfachen und heiligen Aufgaben.
(von Shoghi Effendi handschriftlich einem Brief vom 14. August 1957 in seinem Auftrag an den Nationalen Geistigen Rat von Deutschland und Österreich bei gefügt)Deutsch in „Hüterbotschaften an die Bahà’í-Welt“, herausgegeben vom Lehrausschuß des Nationalen Geistigen Rates von Deutschland, März 1962
(2)

Aus Briefen im Auftrage Shoghi Effendis

Er sieht den Neuigkeiten über den Fortschritt der Sache in Deutschland immer mit großer Erwartung entgegen. Dieses Land ist mit den anderen Staaten Zentraleuropas fast zugrunde gerichtet aus dem Krieg und den nachfolgenden politischen Entwicklungen hervorgegangen. Sie alle spüren die Notwendigkeit eines neuen Geistes, um die Welt aus dem Morast zu ziehen, in dem sie sich befindet. Wenn die Lehren der Sache angemessen verbreitet, ihre Lösungen für soziale Probleme klar dargelegt werden, werden die Menschen zweifellos ihre Bedeutung erfassen und ihren Fortschritt fördern.
(1. April 1926 an die Bahá’í in Esslingen, veröffentlicht in „The Light of Divine Guidance: Botschaften des Hüters des Bahá’í-Glaubens an die Bahá’í in Deutschland und Österreich“ (Hofheim-Langenhain: Bahá’í-Verlag, 1982), Seite 30)
(3)



2. Der Balkan

Aus einem Tablet ‘Abdu’l-Bahás

Die Krankheiten, an denen die Welt jetzt leidet, werden sich vervielfachen; die Dunkelheit, die sie umschließt, wird sich vertiefen. Der Balkan wird unzufrieden bleiben. Seine Ruhelosigkeit wird wachsen. Die besiegten Mächte werden weiter wühlen. Sie werden zu jeder Maßnahme greifen, die die Flamme des Krieges wieder entzündet. Neugeschaffene Bewegungen von weltweiter Bedeutung werden alle Kräfte für den Fortschritt ihrer Pläne aufbieten. Die Bewegung der Linken wird große Bedeutung erlangen. Ihr Einfluß wird sich ausbreiten.
(Zitiert in einem Brief von Shoghi Effendi vom 28. November 1931 an die Bahá’í des Westens, veröffentlicht in „The World Order of Bahá’u’lláh: Se lected Letters“, (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1982), Seite 30) Deutsch in „Die Weltordnung Bahá’u’lláhs“ Seite 51
(18)

3. Rußland und die Sowjetunion

Aus Briefen Shoghi Effendis

Es gibt keinen Zweifel darüber, daß der Tag kommen wird, an dem eben diese Menschen, die nun dabei sind, die Grundlagen des Glaubens an Gott zu zerstören, und diese Lehre des Materialismus, die keine Basis hat, zu fördern, sich erheben und mit eigener Hand die Flamme dieser Erregung löschen werden. Sie werden das ganze Gebäude ihrer ungehemmten Gottlosigkeit hinwegfegen und sich mit Herz und Seele und mit bisher unerreichter Kraft erheben, um ihr Versagen in der Vergangenheit wieder gutzumachen. Sie werden sich den Reihen der Anhänger Bahá’u’lláhs zugesellen und sich erheben, um Seine Sache voranzubringen. Wenn die Freunde standhaft bleiben und ihre Pflichten mit Treue und Klugheit erfüllen, werden die Schleier der unerforschlichen Weisheit Gottes gelüftet, und sie werden Zeugen außergewöhnlicher Ereignisse sein. Die Heerscharen göttlicher Bestätigung, gestärkt durch die Macht des Heiligen Geistes, werden auf unvorstellbaren Wegen und aus unerwarteten Richtungen die Mittel für den Triumph der Sache unseres Herrn, des Selbstbestehenden bereiten und so die Augen der Getreuen auf der ganzen Welt zum Leuchten bringen.
(11. Januar 1923 an die Bahá’í von Kirmánsháh - aus dem Persischen übersetzt)
(31)

Rußland wird in der Zukunft zu einem köstlichen Paradies werden, und die Lehrarbeit in diesem Land wird von beispiellosem Umfang sein. Das Haus der Andacht, das in seinem Herzen errichtet wird, wird mit strahlendem Glanz leuchten, und der Ruf des Größten Namens wird in seinen Tempeln, Kirchen und Andachtsorten widerhallen. Wir müssen weiter Geduld und Nachsicht üben. In diesen folgenschweren Zuckungen liegen mächtige und vollendete Geheimnisse verborgen, welche den Augen der Menschen in künftigen Tagen entschleiert werden.
(2. Januar 1930 an einen einzelnen Gläubigen - aus dem Persischen übersetzt)
(33)
In einem der bemerkenswertesten Tablets, das ‘Abdu’l-Bahá offenbarte und aus dem einzelne Abschnitte schon bei früheren Gelegenheiten zitiert wurden, das er an seinem Lebensabend kurz nach Beendigung des ersten Weltkrieges schrieb, sagt er in knappen unheilvollen Sätzen die einander folgenden Erschütterungen voraus, welche die Menschheit heimsuchen müssen und deren volle Kraft die amerikanische Nation unausweichlich erfahren muß, um ihre Bestimmung zu erfüllen. „Die Krankheiten, an denen die Welt jetzt leidet,“ schrieb er, „werden sich vervielfachen, die Dunkelheit, die sie umschließt, wird sich vertiefen. Der Balkan wird unzufrieden bleiben. Seine Ruhelosigkeit wird wachsen. Die besiegten Mächte werden weiterwühlen. Sie werden zu jeder Maßnahme greifen, die die Flamme des Krieges wieder entzündet. Neugeschaffene Bewegungen von weltweiter Bedeutung werden alle Kräfte für den Fortschritt ihrer Pläne aufbieten. Die Bewegung der Linken wird große Bedeutung erlangen. Ihr Einfluß wird sich ausbreiten.“

Die Erschütterungen auf der Balkanhalbinsel, die fieberhaften Aktivitäten, bei denen Deutschland und Italien eine verheerende Rolle spielten und die im Ausbruch des zweiten Weltkrieges gipfelten; der Aufstieg des Faschismus und der Nazibewegung, die ihre Zweige in ferne Teile des Globus ausstreckten; die Ausbreitung des Kommunismus, die sich als Folge des Sieges Sowjetrußlands in jenem Krieg sehr beschleunigte -- alle diese Ereignisse wurden, einige unmißverständlich, andere in verhüllter Sprache, in diesem Tablet vorausgesagt, dessen Tragweite in seiner vollen Bedeutung noch unerschlossen ist und die, so können wir annehmen, die amerikanische Nation, noch unzureichend durch Unglück geschult, früher oder später erfahren muß.
(5. Juni 1947 an die Bahá’í des Westens. veröffentlicht in „Citadel of Faith: Messages to America 1947-1957“ (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1980) Seiten 20-27, 37)
(37)








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