Read: 1995 Mar 3, Entwicklungsperspektiven


Entwicklungsperspektiven für die Menschheit

Das Ideal des Weltfriedens nimmt heute konkrete Gestalt an. Noch vor einem Jahrzehnt war dies unvorstellbar. Hindernisse auf dem Weg der Menschheit, die lange Zeit unüberwindlich schienen, stürzen ein; scheinbar unversöhnliche Konflikte beginnen Beratungs- und Entscheidungsprozessen zu weichen; es wächst die Bereitschaft, militärischer Aggression durch gemeinsames internationales Handeln zu begegnen. Dies erweckt bei den meisten Menschen und bei vielen führenden Persönlichkeiten neue Hoffnung für die Zukunft unseres Planeten, eine Hoffnung, die vorher fast erloschen war.
Überall auf der Welt entfaltet sich intellektuelle und geistige Energie, deren geballter Druck in direktem Verhältnis zu den Frustrationen der vergangenen Jahrzehnte steht. Die Anzeichen mehren sich, dass die Völker der Welt sich nach einem Ende der Kriege, des Leides und der Zerstörungen sehnen, von denen kein Land mehr verschont bleibt. Diese Impulse müssen genutzt und in die richtige Bahn gelenkt werden, um die noch verbleibenden Hindernisse auf dem Wege zur Verwirklichung des uralten Traums vom Weltfrieden noch verblieben sind, zu überwinden. Bloße Appelle zu Maßnahmen gegen die zahllosen Übel, die unsere Gesellschaft heimsuchen, sind nicht ausreichend. Die für eine solche Aufgabe erforderliche Entschlossenheit braucht einen stärkeren Antrieb: eine Vision menschlicher „Wohlfahrt“ im umfassenden Sinn - aller jetzt erreichbaren Möglichkeiten des geistigen und materiellen Wohls. Alle Menschen müssen unterschiedslos in den Genuss dieser Möglichkeiten gelangen; niemandem dürfen Bedingungen aufgebürdet werden, die den grundlegenden Zielen einer solchen Neuordnung aller Aspekte menschlichen Lebens widersprechen.
Die bisherige Geschichte verzeichnet hauptsächlich die Erfahrung von Stämmen, Kulturen, Klassen und Nationen. Mit dem Zusammenwachsen der Völker der Erde in diesem Jahrhundert und der Anerkennung der gegenseitigen Abhängigkeit aller Menschen beginnt nun die Geschichte der Menschheit als der eines Volkes. Der Prozess der Zivilisation war langwierig und wechselvoll, geprägt von großen Schwankungen und Ungerechtigkeiten in der Verteilung der materiellen Güter. Doch heute sind alle dazu aufgerufen, sich auf ihren in früheren Zeiten entwickelten Reichtum an genetischer und kultureller Vielfalt als kollektives Erbe der Menschheit zu besinnen und bewusst und systematisch die Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft zu übernehmen.
Es wäre unrealistisch zu glauben, die nächste Zivilisationsstufe könne ohne sorgfältige Überprüfung der Einstellung und Grundannahmen beschrieben werden, die den heutigen Ansätzen für soziale und wirtschaftliche Entwicklung zugrunde liegen. Zunächst wird sich eine derartige Überprüfung mit praktischen Fragen befassen: Verfahrensfragen, Ressourcennutzung, Planungstechniken, Anwendungsverfahren und Organisation. Dabei werden sich jedoch rasch Grundsatzfragen ergeben: Welche Langzeitziele sind anzustreben? Wie sehen die dafür erforderlichen sozialen Strukturen aus? Welche Konsequenzen hat dies für die Entwicklung von Prinzipien sozialer Gerechtigkeit? Welchen Charakter und welche Funktion muss Wissen haben, wenn es eine nachhaltige Entwicklung bewirken soll? Eine solche Überprüfung wird unweigerlich dazu zwingen, einen breiten Konsens über das Wesen des Menschen zu finden.
Zwei Diskussionsebenen eröffnen sich durch diese praktischen und konzeptionellen Fragen. Die eine befasst sich mit den vorherrschenden Ansichten über Wesen und Ziel des Entwicklungsprozesses, die andere mit der Rolle der dabei beteiligten Akteure. Auf den folgenden Seiten werden diese Aspekte untersucht und eine Strategie für globale Entwicklung entworfen.
Die gegenwärtige Entwicklungsplanung steht überwiegend unter materialistischen Prämissen. Das heißt, das Ziel wird definiert als erfolgreicher Einsatz von Mitteln, die anderswo entwickelt und erprobt wurden, wo sie zu materiellem Wohlstand führten. Wohl gibt es in der Diskussion über Entwicklungsstrategien bereits Bestrebungen, Unterschieden der Kultur und des politischen Systems oder den Gefahren durch Umweltzerstörung Rechnung zu tragen. Die zugrunde liegenden materialistischen Prämissen sind jedoch bisher im wesentlichen unbestritten.
Am Ende des 20. Jahrhunderts wird unübersehbar, dass der einer materialistischen Lebenseinstellung zugrunde liegende Ansatz für soziale und wirtschaftliche Entwicklung den Bedürfnissen der Menschheit nicht gerecht wird. Optimistische Prognosen über die daraus resultierenden Veränderungen verschwinden in dem sich ständig vergrößernden Graben zwischen dem Lebensstandard einer kleinen, weiter abnehmenden Minderheit der Weltbevölkerung und der Armut, unter der die meisten Menschen leben müssen.
Diese beispiellose Wirtschaftskrise und der durch sie mit verursachte gesellschaftliche Zusammenbruch sind Zeichen für einen folgenschweren Irrtum über das Wesen des Menschen. Die heute vorherrschenden Anreize fördern unangemessene Reaktionen und erscheinen angesichts der Weltereignisse nahezu bedeutungslos. Findet die Gesellschaft nicht ein Ziel, das über die bloße Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen hinausgeht, wird ihr nicht einmal diese gelingen. Das Ziel muss in den geistigen Dimensionen des Lebens gesucht werden. Die Motivation muss außerhalb der Wechselfälle der Wirtschaft und der künstlichen Aufteilung der Menschheit in „entwickelt" und „sich entwickelnd" liegen.
Wird das Ziel der Entwicklung neu definiert, müssen auch die Voraussetzungen, unter denen die in diesem Prozess Beteiligten ihre Rolle spielen, neu betrachtet werden. Die entscheidende Aufgabe der staatlichen Institutionen – gleich, auf welcher Ebene – bedarf hier nicht der Erörterung. Künftige Generationen werden es jedoch fast unbegreiflich finden, dass in einem Zeitalter, das sich zur Gleichheit aller Menschen und zu demokratischen Prinzipien bekennt, die Entwicklungsplanung die Mehrheit der Menschheit zu bloßen Leistungsempfängern degradiert. Obgleich die Beteiligung aller im Prinzip anerkannt wird, wird der Mehrheit der Weltbevölkerung allenfalls ein marginaler Einfluss auf die Entscheidungsprozesse zugestanden. Er beschränkt sich auf die Wahlmöglichkeiten, die ihr von Gremien vorgegeben werden, zu denen sie keinerlei Zugang hat und die Ziele anstreben, die oft mit ihrer eigenen Sicht der Dinge unvereinbar sind.
Dieser Ansatz wird auch von den etablierten Religionsgemeinschaften indirekt oder ausdrücklich verfolgt. Verhaftet in patriarchalischen Traditionen scheinen die Religionsgemeinschaften unfähig, aus dem Glauben an das geistige Wesen des Menschen das Vertrauen in die Menschheit abzuleiten, über das Materielle hinauszudenken.
Einer solchen Einstellung entgeht die Bedeutung des wahrscheinlich wichtigsten gesellschaftlichen Phänomens unserer Zeit. Gesteht man den Regierungen zu, dass sie sich im Rahmen der Vereinten Nationen darum bemühen, eine neue globale Ordnung zu errichten, dann muss man auch anerkennen, dass die Völker von der selben Vision erfasst sind. Scheinbar über Nacht entstanden zahllose Bewegungen und Organisationen für sozialen Wandel auf örtlicher, regionaler und internationaler Ebene. Die Menschenrechte, der Fortschritt der Frau, die sozialen Erfordernisse für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, die Überwindung von Vorurteilen, die geistig-sittliche Erziehung der Kinder, Alphabetisierung, Gesundheitsvorsorge und unzählige weitere lebenswichtige Fragen erfordern dringend die Unterstützung durch solche Organisationen, die weltweit von immer mehr Menschen unterstützt werden.
Die Antwort der Menschen auf die himmelschreienden Nöte unserer Zeit ist ein Widerhall des vor mehr als hundert Jahren von Bahá’u’lláh erhobenen Rufes: „Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse". Die veränderte Selbstwahrnehmung vieler Menschen an der Basis – ein Wandel, der sich aus der Perspektive unserer Zivilisationsgeschichte dramatisch schnell abspielt – wirft grundlegende Fragen darüber auf, welche Rolle die Menschheit als Ganzes bei der Planung der Zukunft unseres Planeten spielt.
I
Die Grundlage einer Strategie, die die ganze Weltbevölkerung dazu aufruft, gemeinsam die Verantwortung für ihr Schicksal zu übernehmen, muss das Bewusstsein von der Einheit der Menschheit sein. Die scheinbar einfache Vorstellung von der Einheit der Menschheit stellt die meisten gesellschaftlichen Institutionen heute vor große Herausforderungen. Ob in der Form eines auf Wettbewerb beruhenden politischen Systems, eines auf Durchsetzung individueller Ansprüche zielenden Zivilrechts, ob als Verherrlichung von Klassenkämpfen, Interessenkonflikten oder Konkurrenzkämpfen, die das moderne Leben prägen – Kampf wird heute als treibende Kraft im Zusammenleben akzeptiert. Dies ist nur ein weiterer Ausdruck der materialistischen Lebensauffassung, die sich in den letzten zwei Jahrhunderten zunehmend verfestigt hat.
In einem Brief an Königin Viktoria verglich Bahá’u’lláh vor über hundert Jahren die Welt mit dem menschlichen Körper. Diese Analogie zeigt überzeugend, nach welchem Modell die globale Gesellschaft organisiert werden kann. Es gibt kein anderes vernünftiges Modell, nach dem wir uns richten können. Die Gesellschaft besteht nicht nur aus verschiedenen Zellen. Sie ist ein Zusammenschluss von Menschen, die mit Intelligenz und Willen ausgestattet sind. Die für die biologische Seite des Menschen charakteristischen Vorgänge zeigen uns auch hierfür gültige Gesetzmäßigkeiten auf. Unter ihnen steht die Einheit in der Vielfalt an erster Stelle. Paradoxerweise ermöglichen es gerade die Ganzheit und die Komplexität des Körpers sowie die vollkommene gegenseitige Ergänzung der Zellen, dass die in jedem Teil angelegten spezifischen Fähigkeiten verwirklicht werden können. Keine Zelle lebt getrennt vom Körper; jede trägt zu seinem Funktionieren bei und bezieht ihren Anteil aus dem Ganzen. So entsteht ein gesunder Organismus. Er erfüllt seinen Sinn durch das Erscheinen des menschlichen Geistes. Der Sinn der biologischen Entwicklung geht daher über die bloße Existenz des Leibs und seiner Teile hinaus.
Was für das Leben des einzelnen gilt, hat Parallelen in der Gesellschaft. Die Menschheit ist ein Organismus, die Spitze der Evolution. Dass menschliches Bewusstsein zwangsläufig durch unendlich viele Individuen wirkt, beeinträchtigt ihre wesenhafte Einheit nicht. Die Vielfalt bewahrt die Einheit vor Einförmigkeit oder Einheitlichkeit. Die Völker erleben heute, so sagte Bahá’u’lláh, ihr kollektives Erwachsenwerden; durch diese allmähliche Reife der Menschheit wird die Einheit in der Vielfalt voll zur Geltung kommen. Seit den ersten Anfängen des Familienlebens durchlief die Gesellschaft nacheinander einfache Strukturen der Sippe und des Stammes, vielfältiger Formen städtischer Gemeinschaften bis hin zum Nationalstaat. Dabei eröffneten sich den Menschen auf jeder Stufe eine Fülle neuer Möglichkeiten für ihre Fähigkeiten.
Der Fortschritt des Menschengeschlechtes geschah sicherlich nicht auf Kosten des Individuums. Mit der Zunahme der gesellschaftlichen Organisationsformen vermehrten sich auch die Möglichkeiten des Menschen zur Entfaltung seiner Fähigkeiten. Zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft besteht eine wechselseitige Beziehung. Daher muss der Mensch sich jetzt neu orientieren und die gesellschaftlichen Strukturen neu ordnen. Durch diesen doppelten Wandlungsprozess tun sich Möglichkeiten auf für eine erfolgreiche Strategie globaler Entwicklung. Das Ziel dieser entscheidenden Phase der Geschichte muss sein, dauerhafte Grundlagen für eine globale Zivilisation zu errichten.
Das Fundament für eine globale Zivilisation zu legen erfordert Gesetze und Institutionen mit universellem Charakter und universeller Geltung. Mit den Bemühungen hierzu kann aber erst begonnen werden, wenn das Konzept der Einheit der Menschheit von den Verantwortlichen rückhaltlos angenommen wird und sich Erziehungssysteme und Massenmedien die damit verbundenen Prinzipien zu eigen machen. Dann beginnt ein Prozess, in dem die Völker gemeinsame Ziele formulieren und sich für deren Verwirklichung einsetzen können. Nur eine solche grundsätzliche Neuausrichtung kann sie außerdem vor dem jahrhundertealten Teufelskreis ethnischer und religiöser Streitigkeiten schützen. Das erwachende Bewusstsein von der Einheit der Menschheit lässt die Menschen sich von den Gesellschaftsstrukturen der Vergangenheit mit ihren Konfliktmustern lösen. Dann erst beginnen sie Methoden der Zusammenarbeit und Aussöhnung zu erlernen. „Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist", schreibt Bahá’u’lláh.
II
Gerechtigkeit ist das herausragende Prinzip, das das erwachende Bewusstsein für die Einheit der Menschheit in einen gemeinsamen Willen verwandeln kann; mit seiner Hilfe können die für globales Zusammenleben notwendigen Strukturen geschaffen werden. In einem Zeitalter, das erlebt, wie weltweit immer mehr Menschen unbeschränkten Zugang zu Informationen und Ideen erlangen, wird man erkennen, dass Gerechtigkeit das Leitprinzip für eine gesunde Gesellschaftsstruktur sein muss. Entwicklungspolitische Konzepte müssen vor diesem Maßstab bestehen.
Für den einzelnen bedeutet Gerechtigkeit die Fähigkeit der Seele, Wahr von Falsch zu unterscheiden. In den Augen Gottes, stellt Bahá’u’lláh fest, ist Gerechtigkeit „das Meistgeliebte", da sie jedem gestattet, mit den eigenen Augen statt mit den Augen anderer zu sehen, durch die eigene Erkenntnis und nicht durch die des Nächsten oder seiner Gruppe Wissen zu erlangen. Sie erfordert Aufrichtigkeit im Urteil, Unparteilichkeit bei der Behandlung anderer und ist daher ein ständiger, aber anspruchsvoller Begleiter in allen Fragen des täglichen Lebens.
In der Gesellschaft ist die Sorge um Gerechtigkeit ein unentbehrlicher Kompass bei kollektiven Entscheidungprozessen, weil sie das einzige Mittel zur Einheit im Denken und Handeln ist. Damit soll nicht die Lust am Strafen gefördert werden, der sich in der Vergangenheit oft hinter der Maske der Gerechtigkeit versteckte. Sie ist vielmehr der praktische Ausdruck des Bewusstseins, dass wahrer Fortschritt nur möglich ist, wenn erkannt wird, dass die Interessen des einzelnen mit denen der Gesellschaft untrennbar verknüpft sind. Wird Gerechtigkeit zum Leitprinzip des Handelns, dann entsteht ein Klima der Beratung, in dem die Alternativen leidenschaftslos untersucht werden und schließlich die vernünftigste Lösung gewählt wird. In einem solchen Klima nimmt die Neigung ab, den Entscheidungsprozess durch Manipulation und Parteilichkeit zu verbiegen.
Dies hat weitreichende Folgen für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Gerechtigkeit schützt vor der Versuchung, Fortschritt so zu definieren, dass das Wohl der Menschheit – ja des ganzen Planeten – den Vorteilen geopfert wird, die eine privilegierten Minderheit aus revolutionären Technologien zieht. Bei der Entwicklung und Planung stellt Gerechtigkeit sicher, dass begrenzte Ressourcen nicht für Projekte verschwendet werden, die an den wesentlichen sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der Gesellschaft vorbeigehen. Vor allem können nur solche Entwicklungsprogramme, die den Bedürfnissen und Zielen der meisten Menschen gerecht werden, darauf hoffen, deren Unterstützung zu gewinnen; schließlich hängt die Durchführung von Entwicklungsprogrammen mit von diesen Menschen ab. Kann jedes Teil der Gesellschaft darauf vertrauen, dass es durch allgemein akzeptierte Normen geschützt wird und am Nutzen teilhat, so können Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Arbeitswilligkeit und Kooperationsfähigkeit erfolgreich zum gemeinsamen Ziel führen.
Der Kern der Diskussion über eine Strategie für soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist die Frage der Menschenrechte. Die Planung einer solchen Strategie macht es notwendig, diese Frage von der falschen Dichotomie zu befreien, der sie so lange unterlag. Die Forderung nach Meinungs- und Handlungsfreiheit, die zur Persönlichkeitsentwicklung jedes Menschen notwendig ist, rechtfertigt nicht den Kult des Individualismus, der viele Bereiche des heutigen Lebens verdirbt. Genausowenig erfordert die Sorge um das Wohl der Gesellschaft eine Vergötterung des Staates als vermeintlicher Quelle für das Wohl der Menschheit. Im Gegenteil: die Geschichte unseres Jahrhunderts belegt nur zu deutlich, dass solche Ideologien und die daraus entstandenen Parteistrategien selbst die Hauptfeinde der Interessen sind, denen zu dienen sie vorgeben. Nur in einem Beratungssystem, das im Bewusstsein der organischen Einheit der Menschheit entsteht, kann die Sorge um die Menschenrechte in allen Aspekten legitim und kreativ erörtert werden.
Diesen Rahmen müssen heute die internationalen Institutionen, die aus den Tragödien zweier zerstörerischer Weltkriege und des weltweiten wirtschaftlichen Zusammenbruchs hervorgegangen sind, schaffen. Sie müssen die Menschenrechte von denen unabhängig machen, die sie missbrauchen. Bezeichnenderweise wurde der Begriff „Menschenrechte" erst seit der Proklamation der Charta der Vereinten Nationen im Jahre 1945 und der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte drei Jahre danach allgemein übernommen. In diesen historischen Dokumenten wird soziale Gerechtigkeit als Bestandteil einer globalen Friedensordnung formell anerkannt. Die Tatsache, dass die Erklärung in der Vollversammlung ohne Gegenstimme angenommen wurde, verlieh ihr von Anfang an ein Ansehen, das im Laufe der Jahre noch gewachsen ist.
Ein besonderes Kennzeichen des Bewusstseins des Menschen ist die selbständige Erforschung der Wirklichkeit. Die Freiheit, den Sinn des Lebens zu ergründen und die eigenen Fähigkeiten zu seiner Erfüllung zu entwickeln, ist zu schützen. Der Mensch braucht die Freiheit, Wissen zu erwerben. Dass eine solche Freiheit häufig missbraucht wird und dass dieser Missbrauch durch manche Erscheinungsformen der heutigen Gesellschaft gefördert wird, tut der Berechtigung dieses Strebens keinen Abbruch.
Dies liefert den moralischen Imperativ für viele der in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und den dazugehörigen Verträgen enthaltenen Rechte. Dazu gehören das Recht auf Erziehung, die freie Wahl des Wohnsitzes, der Zugang zu Informationen und die Möglichkeit, am politischen Leben teilzunehmen. Die internationale Gemeinschaft muss diese Rechte durch eine ausdrückliche Garantie gewährleisten. Das gleiche gilt auch für das Recht auf Meinungs- und Religionsfreiheit.
Da die Menschheit eine organische Einheit ist, wird jeder Mensch als Pfand in diese Welt hineingeboren. Die daraus resultierende kollektive Verantwortung ist die geistige Grundlage für die meisten anderen – hauptsächlich wirtschaftlichen und sozialen – Rechte, die die Vereinten Nationen in ihren Dokumenten definieren. Die Unverletzlichkeit der Familie und des Heimes, das Recht auf Eigentum und auf die Privatsphäre sind Teil dieser Verantwortung. Die Verpflichtung der Gesellschaft umfasst auch Arbeitsbeschaffung, geistige und körperliche Gesundheitsvorsorge, soziale Sicherheit, gerechte Löhne, Ruhe und Erholung, und eine Reihe weiterer Rechte, auf die die Menschen berechtigten Anspruch erheben.
Kollektive Verantwortung bedingt auch, dass jeder erwarten darf, dass die für seine Identität wesentlichen kulturellen Bedingungen den Schutz durch nationale und internationale Gesetze genießen. So wie die Gene für das biologische Dasein lebensnotwendig sind, so ist der durch viele Jahrtausende erworbene wunderbare Reichtum an kultureller Vielfalt für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Menschheit bei ihrem Eintritt ins Alter der Reife von Bedeutung. Dieses Erbe muss jetzt in einer weltumspannenden Zivilisation Früchte tragen. Kulturelle Eigenart darf nicht durch materielle Einflüsse erstickt werden. Gleichzeitig muss ein freier Austausch zwischen den Kulturen stattfinden, der frei ist von Manipulationen im Interesse politischer Ziele.
„Der Menschen Licht", sagt Bahá’u’lláh, „ist Gerechtigkeit. Löscht es nicht durch die Stürme der Unterdrückung und Tyrannei. Der Zweck der Gerechtigkeit ist die Einheit unter den Menschen. Das Meer göttlicher Weisheit wogt in diesem erhabenen Wort, und alle Bücher der Welt können seine innere Bedeutung nicht fassen."
III
Um die Menschenrechte weiter zu fördern und als international gültige Normen einzuführen, bedarf es einer grundsätzlichen Neudefinition der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die heutigen Vorstellungen über Sinn und Ziel von Beziehungen – der Menschen untereinander, zwischen Mensch und Natur, zwischen dem einzelnen und der Gesellschaft mitsamt ihren Institutionen – spiegeln ein Verständnis wider, das aus früheren Entwicklungsstadien der Menschheit stammt. Wenn die Menschheit erwachsen wird, wenn alle Menschen ein Volk bilden, wenn Gerechtigkeit das Leitprinzip für die Gesellschaft sein soll, dann müssen diese veralteten Vorstellungen überdacht werden.
Bisher ist dies kaum geschehen. Die fällige Neuorientierung wird zu einem neuen Verständnis vom Wesen der Familie und den Rechten und Pflichten ihrer Mitglieder führen. Sie wird die Rolle der Frau in allen Gesellschaftsbereichen völlig verändern. Sie wird durchgreifende Auswirkungen auf die Einstellung der Menschen zu ihrer Arbeit haben und auf ihr Verständnis davon, welche Rolle die Wirtschaft in ihrem Leben spielt. Dies wird zu weitreichenden Veränderungen in allen Lebensbereichen und der dafür zuständigen Institutionen führen. Dadurch wird die Arbeit der sich ständig vermehrenden nichtstaatlichen Organisationen weiter rationalisiert werden. Sie wird sicherstellen, dass Gesetze die Umwelt und den Drang des Menschen nach Entwicklung schützen. Schließlich wird die Um- oder Neugestaltung der Vereinten Nationen, die schon begonnen hat, zur Errichtung einer Weltföderation der Nationen mit eigener Legislative, Judikative und Exekutive führen.
Im Mittelpunkt der Aufgabe, alle zwischenmenschlichen Beziehungen neuzugestalten, steht nach den Worten Bahá’u’lláhs die Beratung. „In allen Dingen muss beraten werden," lautet Sein Ratschlag. „Die Gabe der Einsicht zeigt ihre Reife in der Beratung."
Im Beratungsprozess gilt für die Wahrheitsfindung ein völlig anderer Maßstab als die Verhaltensmuster, die heutzutage Verhandlungen und ausgehandelte Kompromisse prägen. Die Streitkultur, ein weiteres Merkmal der heutigen Gesellschaft, ist außerstande, diesen Maßstab hervorzubringen; sie behindert sogar eine derartige Entwicklung. Debatten, Propaganda, Rechtfertigungen, das ganze Arsenal parteilicher Interessen – seit langem allzu vertraute Methoden kollektiven Handelns – schaden dem Ziel: nämlich einen Konsens über die Wahrheit in einer gegebenen Situation zu finden und die beste Wahl unter den jeweiligen Handlungsmöglichkeiten zu treffen.
Bahá’u’lláh fordert einen Beratungsprozess, bei dem die einzelnen Teilnehmer danach streben, über ihren eigenen Standpunkt hinauszugehen. Sie sollen wie die Glieder eines Körpers für dessen Interessen und Ziele funktionieren. In einer solchen durch Offenheit und Höflichkeit gekennzeichneten Atmosphäre gehören die Ideen nicht dem einzelnen, dem sie während der Erörterung in den Sinn gekommen sind, sondern der Gruppe als Ganzer. Diese kann sie annehmen, verwerfen oder verändern, je nach dem, wie es dem gemeinsamen Ziel am besten dient. Beratung ist in dem Maße erfolgreich, wie jeder Teilnehmer die getroffene Entscheidung unterstützt, unabhängig davon, mit welcher Ansicht er in die Beratung eingetreten ist. Unter diesen Umständen kann eine frühere Entscheidung leicht revidiert werden, wenn durch die Erfahrung mit ihr Fehler erkennbar werden.
Beratung kann als praktischer Ausdruck von Gerechtigkeit betrachtet werden. Sie ist unentbehrlich für den Erfolg gemeinsamer Bemühungen und Hauptmerkmal einer wirksamen Strategie für soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Ihr Erfolg hängt vom Engagement und der Bemühung der Betroffenen ab. Daher ist sie nur wirksam, wenn die Betroffenen auch mit einbezogen werden und Beratung zum Leitprinzip für jedes Projekt gemacht wird. „Der Mensch kann seine wahre Stufe nicht erlangen," lautet Bahá’u’lláhs Rat, „es sei denn durch seine Gerechtigkeit. Keine Macht kann bestehen, es sei denn durch Einheit. Keine Wohlfahrt und kein Wohlergehen kann erreicht werden, es sei denn durch Beratung."
IV
Die durch die Entwicklung einer Weltgesellschaft entstehenden Aufgaben erfordern Fähigkeiten, die über das bisher Erreichte weit hinausgehen. Dafür bedarf es einer erheblichen Erweiterung des Zugangs zum Wissen – für den Einzelnen wie für gesellschaftliche Gruppen. Erziehung ist für diesen Prozess der Erweiterung von Kapazität unverzichtbar. Dies wird aber nur dann erfolgreich sein, wenn prinzipielle Umstrukturierungen jedem den Wissenserwerb in allen Lebensbereichen ermöglichen als Voraussetzung für seinen Beitrag zur Gestaltung der Welt.
Das Denken des Menschen entwickelte sich seit je her in zwei grundlegenden Wissensbereichen: Wissenschaft und Religion. Mit Hilfe dieser beiden Bereiche ordnete der Mensch seine Erfahrungen, interpretierte seine Umwelt, erforschte seine verborgenen Fähigkeiten und steuerte sein sittliches und intellektuelles Leben. Sie waren die eigentlichen Wegbereiter der Kultur. Im Nachhinein zeigt sich, dass dieses doppelte Gefüge immer dann am stärksten wirkte, wenn Religion und Wissenschaft sich gegenseitig ergänzten und miteinander harmonierten.
Angesichts der fast universellen Achtung, die man heute der Wissenschaft entgegen bringt, muss auf ihre Bedeutung nicht weiter eingegangen werden. Hinsichtlich einer Strategie für soziale und wirtschaftliche Entwicklung lautet die Frage, wie die Arbeit in den Bereichen Wissenschaft und Technik organisiert werden soll. Wird sie in erster Linie als Domäne etablierter Eliten einiger weniger Länder angesehen, so wird sich die dadurch entstandene Kluft zwischen Arm und Reich weiter vergrößern – mit den bereits erwähnten verheerenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Wird weiterhin ein Großteil der Menschheit als Konsument anderswo hergestellter Produkte der Wissenschaft und Technik angesehen, dann verdienen Programme, die angeblich zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse entworfen wurden, nicht den Namen „Entwicklung".
Eine zentrale Herausforderung ist die Notwendigkeit, viel mehr Menschen Zugang zu Wissenschaft und Technik zu verschaffen. Diese Werkzeuge des sozialen und wirtschaftlichen Wandels dürfen nicht länger das Vorrecht privilegierter Gesellschaftsschichten bleiben; alle Menschen müssen je nach ihren Fähigkeiten daran teilhaben können. Für die hierzu notwendige Ausbildung müssen Programme entwickelt werden. Überall müssen Lernzentren entstehen. Denn der Zugang zum Wissen ist ein Grundrecht jedes Menschen. Die üblichen Argumente für den Erhalt des status quo klingen täglich weniger überzeugend, da die sich beschleunigende Revolution in den Kommunikationstechnologien Information und Ausbildung vielen Menschen verfügbar macht, unabhängig davon, wo sie leben und aus welcher Kultur sie stammen.
Auch im religiösen Bereich steht die Menschheit vor einer großen Herausforderung. Für die meisten Menschen ist der Gedanke, dass der Mensch eine geistige Dimension hat, ja dass sein Wesen geistiger Natur ist, eine Wahrheit, die keiner weiteren Darlegung bedarf. Diese Wahrnehmung der Wirklichkeit findet sich seit den frühesten Kulturzeugnissen und bestand jahrtausendelang in allen großen religiösen Traditionen. Ihre bedeutenden Errungenschaften auf den Gebieten des Rechts, der Künste und der Entwicklung menschlicher Umgangsformen verleihen der Geschichte Gehalt und Bedeutung. Auf die ein oder andere Art übt die Religion täglich Einfluss auf das Leben der meisten Menschen aus. Wie die Ereignisse in der ganzen Welt heute klar beweisen, weckt sie starke, unauslöschliche Sehnsüchte.
Es leuchtet daher ein, dass jedwedes Bemühen um Fortschritt diese universellen, schöpferischen Fähigkeiten verfügbar machen muss. Warum stehen die geistigen Fragen nicht im Mittelpunkt der Entwicklungsdebatte? Warum wurden die meisten Prämissen und Prioritäten bei der internationalen Entwicklungsplanung bisher von einer materialistischen Weltsicht bestimmt, der nur eine kleine Minderheit der Weltbevölkerung anhängt? Was ist von dem Bekenntnis zum Prinzip universeller Beteiligung zu halten, wenn sie die für die Betroffenen maßgebliche kulturelle Erfahrung leugnet?
Nun lässt sich argumentieren, diese Themen lägen außerhalb der Entwicklungsbelange der internationalen Gemeinschaft, da geistige und moralische Fragen historisch mit sich widerstreitenden theologischen Lehren verbunden sind, die sich einer objektiven Prüfung entziehen. Würde man ihnen eine wichtige Rolle einräumen, so würde das gerade jenen dogmatischen Einflüssen Tür und Tor öffnen, die soziale Konflikte genährt und den Fortschritt der Menschheit aufgehalten haben. In diesem Argument steckt sicher ein wahrer Kern. Die Vertreter der verschiedenen theologischen Systeme tragen Verantwortung nicht nur für den Ansehensverlust, den der Glaube an sich bei vielen fortschrittlichen Denkern erlitten hat, sondern auch für die Hemmnisse und Verzerrungen im ständigen Dialog der Menschheit über geistige Inhalte. Daraus jedoch zu schließen, man müsse die Erforschung der geistigen Realität behindern und die tiefsten Wurzeln menschlicher Motivation leugnen, ist ein offenkundiger Irrtum. Wo sich in der jüngsten Geschichte ein solches Denkverbot durchsetzte, wurde nur die Gestaltung der Zukunft in die Hände einer neuen Orthodoxie gelegt, die behauptete, Wahrheit habe nichts mit Moral zu tun und Tatsachen seien wertfrei.
Viele bedeutende Errungenschaften der Religion für unser irdisches Dasein waren sittlicher Natur. Durch ihre Lehren und durch das Beispiel von Gläubigen, deren Leben durch diese Lehren erleuchtet wurden, entwickelten unzählig viele Menschen aller Zeiten und Regionen ihre Liebesfähigkeit. Sie lernten, die tierische Seite ihres Wesens zu beherrschen, große Opfer für die Allgemeinheit zu erbringen, Vergebung, Großmut und Vertrauen zu üben und Wohlstand für den Fortschritt der Kultur einzusetzen. Gesellschaftssysteme wurden entworfen, um den moralischen Fortschritt auf breiter Basis in Normen des Gesellschaftslebens umzusetzen. Auch wenn sie durch nachträglich hinzugefügte Dogmen verdunkelt und durch sektiererischen Streit entstellt wurden, bewirkten die geistigen Impulse, die von solch herausragenden Gestalten wie Krischna, Moses, Buddha, Zarathustra, Jesus und Muhammad ausgingen, den größten Einfluss auf die Erziehung des Menschen.
Um die Fähigkeiten der Menschen durch den Zugang zum Wissen zu erweitern bedarf es einer Strategie. Dazu gehört der ständige und sich intensivierende Dialog zwischen Wissenschaft und Religion. In allen Lebensbereichen benötigen die durch wissenschaftliche Errungenschaften gewonnenen Einsichten und Fertigkeiten eine geistige Verpflichtung und moralische Prinzipien, um ihre angemessene Anwendung zu gewährleisten. Dies ist ein Gemeinplatz oder sollte es inzwischen sein. So sollte man lernen, Tatsachen von Vermutungen zu trennen, das heißt zwischen subjektiven Ansichten und objektiver Wirklichkeit zu unterscheiden. In welchem Maße aber einzelne oder Institutionen mit dieser Fähigkeit tatsächlich zum Fortschritt beitragen, hängt von ihrer Wahrheitsliebe ab und davon, ob sie sich unabhängig machen von eigensüchtigen Interessen und Begierden. Die Wissenschaft muss bei allen Menschen die Fähigkeit fördern, in Prozessen zu denken, auch in historischen Prozessen. Der intellektuelle Fortschritt trägt aber nur dann zur Entwicklung bei, wenn der Blick nicht durch rassische, kulturelle oder geschlechtsbezogene Vorurteile oder durch sektiererische Ansichten verdunkelt wird. Die Ausbildung, die Voraussetzung für die Schaffung von Wohlstand ist, nützt der Entwicklung aber nur, wenn der Mensch von der geistigen Einsicht beseelt wird, dass der Dienst an der Menschheit der eigentliche Sinn des Lebens ist.
V
Auch wirtschaftliche Fragen gehören in den Kontext der Ausbildung von Fähigkeiten. Hierzu ist Wissenserwerb in allen Bereichen unerlässlich. Wie die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte gezeigt haben, dürfen materielle Vorteile und Ziele nicht als Selbstzweck betrachtet werden. Sie dienen nicht nur dazu, die Grundbedürfnisse der Menschen wie Wohnung, Nahrung, medizinische Versorgung und ähnliches zu befriedigen, ihr Wert liegt auch in der Ausweitung der Fähigkeiten des Menschen. Die wichtigste Aufgabe der Wirtschaft ist daher, die Menschen und Institutionen mit dem auszustatten, wodurch sie ihr Ziel erreichen können: sie müssen die Grundlagen für eine neue Gesellschaftsordnung legen und dadurch die im Geist des Menschen schlummernden unbegrenzten Fähigkeiten fördern.
Wirtschaftliches Denken muss diese Zielsetzung und zugleich die eigene Rolle bei der Bereitstellung der hierfür erforderlichen Mittel klar anerkennen. Nur so können sich die Wirtschaftswissenschaften und mit ihr verwandte Wissenschaftszweige vom Sog materialistischer Denkweisen befreien, der sie jetzt noch daran hindert, ihr Potential für das eigentliche Wohl der Menschen einzusetzen. Nirgends sonst ist die Notwendigkeit eines intensiven Dialogs zwischen Wissenschaft und Religion so offensichtlich.
Ein typisches Beispiel dafür ist die Armut. Die bisherigen Verbesserungsvorschläge beruhen auf der Überzeugung, dass materielle Mittel existieren oder durch wissenschaftliche und technische Anstrengungen geschaffen werden können, um diesen uralten Zustand zu mildern und schließlich ganz zu beseitigen. Dass dies nicht gelingt, liegt vor allem daran, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt Prioritäten folgt, die die wahren Interessen der meisten Menschen kaum berücksichtigen. Eine völlige Umstellung dieser Prioritäten ist zur endgültigen Beseitigung der Armut erforderlich. Eine solche Leistung erfordert die beharrliche Suche nach ethischen Werten. Diese Suche stellt sowohl die Religionen als auch die Wissenschaft auf eine harte Probe. Die Religion kann kaum einen Beitrag zu diesem gemeinsamen Unterfangen leisten, solange sie in sektiererischen Lehren gefangen bleibt, die nicht zwischen Zufriedenheit und bloßer Passivität unterscheiden können und lehren, Armut sei ein unabdingbares Merkmal des Lebens, dem man nur im Jenseits entfliehen könne. Im Kampf um Wohlfahrt für alle Menschen muss die Religion aus den Quellen ihrer Inspiration neue geistige Konzepte und Prinzipien für ein Zeitalter entdecken, das nach Einheit und Gerechtigkeit strebt.
Die Arbeitslosigkeit wirft ähnliche Fragen auf. Im heutigen Denken wird Arbeit überwiegend auf eine gewinnbringende Beschäftigung zum Kauf von Konsumgütern reduziert. Daraus ergibt sich ein Zirkelschluss: Gelderwerb und Konsum führen zu Erhalt und Ausdehnung der Produktion und sind damit wiederum Grundlage bezahlter Arbeit. Für sich genommen sind all diese Tätigkeiten wichtig für das Wohl der Gesellschaft. Die Unzulänglichkeit dieses Konzepts ist jedoch ablesbar an der Apathie, die bei zahlreichen Beschäftigten festzustellen ist, und an der Demoralisierung der wachsenden Heere von Arbeitslosen.
Die Erkenntnis wächst, dass die Welt dringend eines neuen Arbeitsethos bedarf. Das erstaunt nicht. Auch hier können nur die Einsichten aus der schöpferischen Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Religion eine grundlegende Neuorientierung des Bewusstseins und der Gewohnheiten bewirken. Anders als das Tier, das seinen Lebensunterhalt dem entnimmt, was ihm die Umwelt bereitstellt, ist der Mensch gezwungen, seine Fähigkeiten durch produktive Arbeit zu entfalten, um seine Bedürfnisse und die der anderen zu befriedigen. Dadurch wirkt er, wenn auch noch so bescheiden, an der Entwicklung der Kultur mit. Er verfolgt also ein Ziel, das ihn mit anderen verbindet. Arbeit, bewusst im Geiste des Dienstes an der Menschheit verrichtet, ist nach den Worten Bahá’u’lláhs eine Form des Gebets, ein Weg zur Verehrung Gottes. Jeder ist hierzu in der Lage; auf diese unveräußerliche Fähigkeit muss die Entwicklungsstrategie abzielen, unabhängig von Planzielen und dem versprochenen Lohn. Eine engere Sicht der Dinge wird die Menschen niemals zu den Anstrengungen und dem Engagement bewegen, die die vor uns liegenden wirtschaftlichen Aufgaben erfordern.
Eine ähnlich große Herausforderung an die Wirtschaft ist die Umweltkrise. Der Glaube, die Natur verfüge über unbegrenzte Möglichkeiten, um alle Ansprüche der Menschen zu befriedigen, wurde inzwischen schonungslos als Illusion entlarvt. Eine Kultur, die dem Wachstum, materiellem Besitz und der Befriedigung menschlicher Ansprüche absoluten Wert zubilligt, muss nun gezwungenermaßen anerkennen, dass solche Ziele allein keine realistische Richtschnur für die Politik sein können. Als ungenügend haben sich bei wirtschaftlichen Fragestellungen auch solche Lösungsansätze erwiesen, bei denen die Entscheidungsinstanzen nicht berücksichtigen, dass die dringendsten Probleme heute globales Ausmaß erreicht haben.
Die Hoffnung, man könne dieser moralischen Krise durch eine Art Vergötterung der Natur begegnen, verdeutlicht nur die Verzweiflung, auf der sie beruht. Die Erkenntnis allein, dass die Schöpfung ein Organismus und die Menschheit dafür verantwortlich ist – so positiv dies auch zu bewerten ist –, genügt nicht, ein neues Wertesystem hervorzubringen. Erst ein Durchbruch in der geistigen Erkenntnis wird die Menschheit in die Lage versetzen, die von der Geschichte geforderte Verantwortung tatsächlich zu übernehmen.
Zufriedenheit, Bereitwilligkeit zu moralischer Disziplin und Pflichtbewusstsein beispielsweise müssen früher oder später wieder Allgemeingut werden – Eigenschaften, die noch bis vor Kurzem als wesentliche Aspekte des Menschseins angesehen wurden. In der Vergangenheit erweckten die Lehren der großen Religionsstifter bei den meisten Gläubigen diese Charaktereigenschaften. Heute sind sie noch lebenswichtiger, bedürfen aber der Anpassung an die Erfordernisse des Reifealters der Menschheit. Auch hier muss sich die Religion von den Zwängen der Vergangenheit befreien: Zufriedenheit bedeutet nicht Fatalismus, Moral hat nichts mit dem lebensverneinenden Puritanismus gemein, der sich so oft anmaßte, in ihrem Namen zu sprechen, und echtes Pflichtbewusstsein erzeugt nicht Selbstgerechtigkeit, sondern ein gesundes Selbstbewusstsein.
Dass den Frauen immer noch die volle Gleichstellung mit den Männern versagt wird, verstärkt noch die Herausforderung an Wissenschaft und Religion für den Bereich der Wirtschaft. Für jeden objektiven Beobachter ist bei realistischer Betrachtung die Gleichberechtigung der Geschlechter von grundlegender Bedeutung. Sie sagt etwas aus über das Wesen des Menschen, was in der langen Kindheitsphase der Menschheit weitgehend unerkannt blieb. „Im Angesicht Gottes", versichert Bahá’u’lláh nachdrücklich, „waren Männer und Frauen von jeher gleich und werden es immer sein." Die vernunftbegabte Seele hat kein Geschlecht. Soziale Ungleichheiten, die in der Vergangenheit durch Notwendigkeiten zum Überleben bestimmt gewesen sein mögen, sind nicht mehr zu einer Zeit gerechtfertigt, da die Menschheit an der Schwelle der Reife steht. Eine Verpflichtung zur vollen Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen und allen Gesellschaftsschichten wird entscheidend für eine erfolgreiche Strategie zur globalen Entwicklung sein.
Der Fortschritt in diesem Bereich ist sogar ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg jedes Entwicklungsprogramms. Angesichts der lebenswichtigen Rolle der Wirtschaft für den Fortschritt der Zivilisation ist die Frage, in welchem Ausmaß die Frauen Zugang zu allen Wirtschaftsbereichen haben, ein sichtbarer Beweis für das Tempo der Entwicklung. Es geht dabei um mehr als nur um Chancengleichheit, so wichtig diese auch sein mag. Es bedarf einer grundlegenden Überprüfung der wirtschaftlichen Fragestellungen, wobei ein breites Spektrum von Erfahrungen und Einsichten zu berücksichtigen ist, das bisher ausgeklammert wurde. Die klassischen Wirtschaftsmodelle unpersönlicher Märkte, in denen der Mensch selbstherrlich seine eigennützige Wahl trifft, werden nicht mehr den Bedürfnissen einer Welt gerecht, die nach Einheit und Gerechtigkeit strebt. Es müssen neue Wirtschaftsmodelle entwickelt werden. Diese müssen geprägt sein von gegenseitigem Verständnis durch Erfahrungsaustausch, von der Betrachtung des Menschen in seinem gesellschaftlichen Umfeld und von der Erkenntnis, dass die Familie die Keimzelle der Gesellschaft ist. Ein derartiger altruistischer intellektueller Durchbruch wird die geistige und wissenschaftliche Sensibilität der Menschheit stark herausfordern. Die Frauen sind durch jahrtausendelange Erfahrungen darauf vorbereitet, für diese gemeinsame Aufgabe einen entscheidenden Beitrag zu leisten.
VI
Im Hinblick auf eine solch weitreichende Neugestaltung der Gesellschaft ist zu fragen, wie dies verwirklicht werden kann und – damit unauflösbar verbunden –, welche Autorität die dazu erforderliche Macht ausüben soll. Wie bei allen anderen Folgen der sich beschleunigenden Vereinigung der Menschheit, bedürfen diese beiden vertrauten Begriffe dringend einer Neudefinition.
Macht wurde im Lauf der Geschichte – wenn auch aus theologischen oder ideologischen Gründen oft das Gegenteil behauptet wurde – zumeist als Privileg einzelner Personen oder Gruppen aufgefasst. Oft verstand man unter Macht einfach die gegen andere zu Gebote stehenden Mittel. Dieses Machtverständnis wurde ein charakteristisches Merkmal der Konflikt- und Streitkultur, die die Menschheit in den letzten Jahrtausenden geprägt hat. Dies galt unabhängig von der jeweils herrschenden sozialen, religiösen oder politischen Richtung. Generell war Macht auf Einzelne beschränkt – auf Fraktionen, Völker, Klassen oder Nationen. Sie war ein Merkmal, das besonders auf Männer und nicht auf Frauen zutraf. Die wichtigste Folge der Macht war, dass sie ihren Nutznießern die Möglichkeit gab, zu erwerben, zu übertreffen, zu beherrschen, zu widerstehen und zu gewinnen.
Diese Art von Machtausübung führte zu vernichtenden Rückschlägen, aber auch zu ungewöhnlichen Fortschritten in der Kultur. Sowohl die Vorteile als auch die Rückschläge mitsamt den eingeschränkten Verhaltensmustern, die sie hervorbrachten, müssen gewürdigt werden. Gewohnheiten und Einstellungen bei der Machtausübung, die sich in der langen Kindheitsphase der Menschheit entwickelten, haben heute ihre äußerste Grenze erreicht. Heute, in einem Zeitalter, dessen drängende Probleme vorwiegend globaler Natur sind, ist ein Beharren auf der Vorstellung, Macht bedeute für bestimmte Teile der Menschheitsfamilie Vorteile, schon in der Theorie ein großer Irrtum und für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Welt ohne praktischen Nutzen. Wer weiter an ihr festhält oder bisher noch davon überzeugt war, stellt nun fest, dass sich seine Pläne in unerklärlichen Frustrationen und Behinderungen verstricken. In ihrer traditionellen, auf Konkurrenzdenken beruhenden Form ist Macht für die Bedürfnisse der Menschheit ebenso unbrauchbar, wie die Technologie der Eisenbahn für die Aufgabe, einen Weltraumsatelliten in eine Erdumlaufbahn zu schießen.
Diese Analogie passt in mehrerer Hinsicht. Ihr Reifeprozess drängt die Menschheit dazu, sich von diesem veralteten Machtkonzept zu befreien. Dass die Menschheit dazu in der Lage ist, zeigt die Tatsache, dass sie – ungeachtet der Dominanz dieses traditionellen Machtkonzepts – immer in der Lage war, andere Formen der Macht zu ersinnen, auf die sie ihre Hoffnungen richtete. Die Geschichte liefert uns zahlreiche Beweise dafür, dass die Menschen überall und zu allen Zeiten, wenn auch noch so vorübergehend und ungeschickt, eine breite Skala kreativer Möglichkeiten nutzten. Das vielleicht einleuchtendste Beispiel hierfür ist die Macht der Wahrheit. In ihr steckt eine Kraft zum Wandel. Durch sie wurden einige der bedeutendsten Fortschritte in der Philosophie, der Religion, der Kunst und der Wissenschaft bewirkt. Charakterstärke ist ein weiteres Merkmal, das starken Einfluss auf den Menschen ausübt. Hierzu gehört auch die Wirkung von Vorbildern auf den Einzelnen oder auf die Gesellschaft. Fast völlig unbeachtet blieb die große Kraft, die durch Einheit freigesetzt werden wird; ihr Einfluss ist nach den Worten Bahá’u’lláhs „so machtvoll..., dass sie die ganze Erde erleuchten kann."
Die gesellschaftlichen Institutionen werden die Fähigkeiten der Völker freisetzen, wenn Macht so ausgeübt wird, dass sie den Interessen der erwachsen werdenden Menschheit gerecht wird. Hierzu gehört auch die Pflicht der Machtträger, das Vertrauen, die Achtung und Unterstützung derer zu gewinnen, deren Handeln sie lenken. Sie müssen mit allen Betroffenen offen und umfassend beraten. Die Bedürfnisse und Ziele der Gesellschaft, der sie dienen, müssen sie objektiv beurteilen und schließlich aus dem wissenschaftlichen und sittlichen Fortschritt Nutzen zu ziehen. So werden die Ressourcen der Gesellschaft angemessen eingesetzt. Kein Grundsatz zum Machterhalt ist so wichtig, dass er Vorrang hätte vor der Einheit unter den Mitgliedern der Gesellschaft und ihrer Institutionen. Die eng damit verknüpfte Pflicht zur Gerechtigkeit wurde bereits erörtert.
Selbstverständlich können solche Prinzipien nur in einer Kultur wirken, die in ihrem Geist und ihren Methoden entschieden demokratisch ist. Damit soll nicht etwa die Ideologie der Parteiendemokratie gutgeheißen werden, die dreist vorgibt, demokratisch zu sein. Trotz beeindruckender Beiträge zum Fortschritt in der Vergangenheit steckt sie heute in einem Sumpf von Zynismus, Apathie und Korruption, zu dem sie selbst beigetragen hat. Bei der Wahl der Entscheidungsträger ist die Gesellschaft nicht auf das politische Theater von Nominierungen, Kandidaturen, Wahlkampagnen und -werbung angewiesen und damit auch nicht gut beraten. Wenn die Menschen in den Genuss einer besseren Erziehung und Bildung gelangen und davon überzeugt werden, dass ihren Interessen durch die vorgeschlagenen Programme gedient wird, werden sie auch bessere Wahlverfahren entwickeln.
Da die Vereinigung der Menschheit sich jetzt beschleunigt, müssen die gewählten Vertreter ihre Bemühungen immer mehr unter globaler Perspektive betrachten. Nicht nur auf der nationalen, sondern auch auf der örtlichen Ebene müssen sich die gewählten Volksvertreter nach den Worten Bahá’u’lláhs dem Wohl der ganzen Menschheit verpflichtet fühlen.
VII
Die Aufgabe einer globalen Entwicklungsstrategie erfordert die grundlegende Neugestaltung aller gesellschaftlichen Institutionen. Sie richtet sich an alle Bewohner der Erde: an die ganze Menschheit, an die Mitglieder staatlicher Institutionen auf allen Ebenen, an Beschäftigte in Einrichtungen zur internationalen Koordination, an Natur- und Sozialwissenschaftler, an Künstler, an Personen mit Zugang zu den Massenmedien und an Leiter nichtstaatlicher Organisationen. Die Antwort auf diese Herausforderung muss die Einheit der Menschheit unbedingt anerkennen und sich zur Gerechtigkeit als Gestaltungsprinzip der Gesellschaft verpflichten. Die Möglichkeiten eines systematischen Dialogs zwischen Wissenschaft und Religion sind zur Entfaltung menschlicher Fähigkeiten ohne Vorbehalte zu nutzen. Ein derartiges Unterfangen verlangt ein radikales Überdenken der Prämissen, die heute das Gesellschafts- und Wirtschaftsleben bestimmen. Es muss getragen sein von der Überzeugung, dass die Dinge tatsächlich so geregelt werden können, dass sie den Bedürfnissen der Menschheit dienen – wie lange dieser Prozess auch dauern und wie viele Rückschläge es dabei auch geben mag.
Nur wenn die Kindheit der Menschheit endgültig abgeschlossen ist und ihr Reifealter anbricht, sind solche Perspektiven mehr als bloß eine weitere Utopie. Dass diese Anstrengung von verzweifelten und sich gegenseitig bekriegenden Völkern bewältigt werden könne, widerspricht aller bisherigen Erfahrung. Erst wenn die gesellschaftliche Evolution an dem entscheidenden Wendepunkt angelangt ist, an dem alle Dinge eine neue Entwicklungsstufe erreicht haben, kann man sich diese Möglichkeit vorstellen. Bahá’u’lláh versichert uns, dass dies heute der Fall ist. Die tiefe Überzeugung, dass der Prozess dieser bedeutenden Neugestaltung sich im Bewusstsein der Menschen bereits vollzieht, hat zu dieser Schrift angeregt. Allen, die darin die vertraute Stimme ihres Herzens wiedererkennen, vermitteln die Worte Bahá’u’lláhs die Gewissheit, dass Gott an diesem unvergleichlichen Tag die Menschheit mit den geistigen Fähigkeiten ausgestattet hat, um dieser Verantwortung in vollem Umfang gewachsen zu sein:
„O ihr, die ihr die Himmel und die Erde bewohnt! Erschienen ist, was nie zuvor erschien."
„Dies ist der Tag, da Gottes erhabenste Segnungen den Menschen zugeströmt sind, der Tag, da alles Erschaffene mit Seiner mächtigsten Gnade erfüllt wurde."
Der Aufruhr, der heute alle Lebensbereiche erschüttert, ist beispiellos, und hat zerstörerische Auswirkungen. Die Menschheit ist von bisher unvorstellbaren Gefahren umgeben. Der größte Fehler, den die Staatsoberhäupter in diesem kritischen Augenblick begehen könnten, wäre, Zweifel am Ausgang dieses Prozesses aufkommen zu lassen. Eine Welt vergeht, und eine neue ist im Entstehen. Die Gewohnheiten, Einstellungen und Institutionen, die über Jahrhunderte entstanden sind, werden jetzt einer notwendigen und unausweichlichen Überprüfung unterzogen. Die Völker brauchen das richtige Maß an Glauben und Entschlossenheit, um die Energie zu entfalten, mit der der Schöpfer aller Dinge diese geistige Frühlingszeit des Menschengeschlechtes ausgestattet hat.
„Seid einig in der Beratung," lautet Bahá’u’lláhs Aufruf, „seid eins im Denken. Lasst jeden Morgen besser sein als den Abend davor und jeden neuen Tag reicher werden als den gestrigen. Des Menschen Vorzug liegt im Dienst und in der Tugend, nicht im Prunk des Wohllebens und des Reichtums. Habt acht, dass eure Worte rein sind von eitlem Wahn und weltlichen Lüsten und eure Taten von List und Argwohn. Vergeudet nicht den Reichtum eures kostbaren Lebens im Verfolg böser, verderbter Neigung, noch lasst eure Mühe völlig in der Förderung eurer eigenen Interessen aufgehen. Seid großzügig in Tagen der Fülle und geduldig in der Stunde des Verlustes. Auf Not kommt Erfolg, und Jubel folgt dem Wehe. Nehmt euch in acht vor Faulheit und Müßiggang, haltet euch an das, was der Menschheit, ob jung oder alt, hoch oder niedrig, Nutzen bringt. Hütet euch, das Unkraut des Zwistes unter die Menschen zu säen oder die Dornen des Zweifels in reine, strahlende Herzen zu pflanzen."
The Prosperity of Humankind

A statement prepared by the Baha'i International Community Office of Public Information, Haifa,
first distributed at the United Nations World Summit on Social Development, Copenhagen, Denmark.

Haifa, Israel
3 March 1995
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