Read: 1988 Dez 22, Zarathustra und Buddha


INTERNATIONAL TEACHING CENTRE
World Centre of the Bahá'í Faith





22. Dezember 1988

An alle Kontinentalen Beraterämter

Innig geliebte Mitarbeiter,

das Universale Haus der Gerechtigkeit war der Meinung, das Zitate unter der Überschrift "Zarathustra und Buddha: Gleichzeitigkeit von Manifestationen" von Interesse seien und insbesondere in Afrika und anderen Kontinenten sachdienlich, wo einheimische Kulturen ohne Beziehung zur jüdisch-christlich-islamischen Strömung oder zu den asiatischen Offenbarungsquellen Nutzen von der Verfügbarkeit dieser aufschlußreichen und ermutigenden Textstellen hätten.

Daher legen wir ein Exemplar eines Memorandums der Forschungsabteilung an das Universale Haus der Gerechtigkeit vom 24. Mai 1988 bei, in dem Zitate wiedergegeben werden. Vielleicht möchten Sie sie mit den Beratern Ihres Amtes teilen.

Mit liebenden Bahá'í-Grüßen
ITC

Anlage


MEMORANDUM


Datum: 24. Mai 1988
An: Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Von: Forschungsabteilung


Vom Geistigen Rat Mitcham weitergeleitete Fragen


Bezüglich der von Frau Shirley Johns aufgeworfenen und vom Geistigen Rat von Mitcham in einem Brief vom 1. April 1988 weitergeleiteten Fragen stellt die Forschungsabteilung die folgenden Informationen bereit.

Zarathustra und Buddha: Gleichzeitigkeit von Manifestationen

Die Fragen von Frau Johns hinsichtlich Zarathustras und Buddhas haben mehrere Aspekte: Den Zeitraum Ihrer Sendungen, den Abstand zwischen Manifestationen und die Gleichzeitigkeit von Offenbarungen.

Was die genauen Daten von Zarathustras Leben angeht, sagt Ábdu'l-Bahá in einem zu Ehren von Bahá'í mit zoroastrischem Hintergrund offenbarten Sendschreiben, daß es abweichende Meinungen über die Zeit Zarathustras gibt, von denen keine zuverlässig ist. Er fährt dann fort: "Die Wahrheit ist, daß dieser leuchtende Stern zwischen Moses und Jesus aufgegangen ist, d.h. etwa 750 Jahre nach Moses."

Shoghi Effendi gibt in einem in seinem Auftrag als Antwort auf Fragen hinsichtlich der Zeitpunkte früherer Sendungen geschriebenen Brief zu verstehen:

Zarathustra lebte etwa tausend Jahre vor Christus. Es gibt in den Lehren kein genaues Datum bezüglich des Beginns Seiner Sendung... (30. Juli 1941)

Es gibt keine Daten in unseren Lehren bezüglich der tatsächlichen Daten der Propheten des adamesischen Zyklus'; daher können wir keine bekanntgeben. Versuchsweise können wir das annehmen, was Historiker als genau betrachten mögen. Natürlich sind wir bezüglich der Daten, die sich auf Muhammad, den Báb und Bahá'u'lláh beziehen sicher. (25. November 1950)

Hinsichtlich des Buddhismus gibt das Universale Haus der Gerechtigkeit in einem in seinem Auftrag an einen einzelnen Gläubigen geschriebenen Brief folgende Information:

Es gibt in den Bahá'í-Schriften nur wenig, was sich speziell auf den Buddhismus bezieht, obwohl, wie Sie zweifellos wissen, Ábdu'l-Bahá ausdrücklich sagt, daß Gautama Buddha eine Manifestation Gottes war. Es gibt keine Hinweise in den Schriften, die ein Band zwischen den Propheten des Nahen und des Fernen Ostens aufzeigen. In einem der Briefe, die in seinem Auftrag an einen einzelnen Gläubigen geschrieben wurden, am 14. April 1941, gibt der Hüter zu verstehen, daß "solche Angelegenheiten, da keine Hinweise darauf in den Schriften vorkommen, für Studierende der Geschichte und Religion zu lösen und zu klären übrig bleiben." (31. Mai 1984)

Da die Schriften des Glaubens keine genauen Angaben bezüglich der Daten der Sendungen enthalten, die der Muhammads vorangingen, können Bahá'ís die Schlüsse der Gelehrten annehmen, wobei sie im Auge behalten sollten, daß es zwischen den Gelehrten selbst oft Uneinigkeit über solche Angelegenheiten gibt.


Ein im Auftrag Shoghi Effendis an einen lokalen Geistigen Rat geschriebener Brief enthält folgende Stellungnahme bezüglich der Zeiträume zwischen Sendungen:

Was nun Ihre Frage über die Bedeutung der Textstelle im "Íqán" angeht, in der Bahá'u'lláh Sich auf die Erneuerung der "Stadt Gottes" etwa einmal in tausend Jahren bezieht; dies ist, wie sich aus dem Wort etwa ergiebt, nur ein ungefähres Datum und sollte daher nicht wörtlich genommen werden. (29. Oktober 1938)

Wir wissen daher, daß Manifestationen etwa alle tausend Jahre auf Erden erscheinen, aber dies ist kein starres Muster. Der Zeitraum zwischen der Erklärung des Báb und der Bahá'u'lláhs war zum Beispiel viel kürzer.

Hinsichtlich der Möglichkeit, daß zwei Manifestationen gleichzeitig gelebt haben, nimmt die Forschungsabteilung an, daß Frau Johns die Textstelle in einem Sendschreiben Ábdu'l-Bahás in Betracht zieht, welches von Shoghi Effendi übersetzt und in "Die Weltordnung Bahá'u'lláhs: Ausgewählte Briefe" (Bahá'í-Verlag, Hofheim 1977), Seite 63 veröffentlicht wurde:

Obwohl in vergangenen Religionszyklen Einklang begründet wurde, war in Ermangelung der Mittel die Einheit der Menschheit unerreichbar. Die Kontinente blieben weit voneinander getrennt, ja sogar unter den Völkern eines und desselben Kontinents waren Verbindung und Austausch nahezu unmöglich. Infolgedessen waren der Umgang, die Verständigung und die Einheit zwischen allen Völkern und Geschlechtern der Erde fast unerrreichbar. ...

Der Meister prophezeit, daß "in diesem wundersamen Zeitalter, diesem herrlichen Jahrhundert" die Einheit der Menschheit durch das Wirken einer universalen Religion erreicht werden wird. Während in früheren Zeiten, unter den beschriebenen Umständen "Verständigung und Einheit zwischen allen Völkern und Geschlechtern der Erde fast unerrreichbar" waren, wird heute göttliches Wissen über die ganze Erde verbreitet.

Im Lawh-i-Hikmat offenbart Bahá'u'lláh die folgenden Versicherungen, daß kein Land seines Anteils am göttlichen Wissen braubt wurde:

Jedem Land haben Wir einen Anteil verschrieben, jedem Anlaß einen angemessenen Beitrag, jeder Verkündigung die rechte Zeit und jeder Lebenslage den passenden Ausspruch. ... (Botschaften aus Ákká, Seite 175)

In jedem Land haben Wir eine Leuchte der Erkenntnis aufgerichtet, und die vorherbestimmte Zeit naht, wird sie hell strahlen an seinem Horizont, wie es Gott befiehlt, der Allwissende, der Allweise. ... (Botschaften aus Ákká, Seite 175)

Der Qur'án erklärt, daß jede Nation und jedes Volk seinen Sendboten hatte:

Und für jedes Volk ist ein Gesandter. Wenn also ihr Gesandter kommt, so wird zwischen ihnen entschieden nach Gerechtigkeit und kein Unrecht widerfährt ihnen. (Qur'án 10:48, Ahmaddiyya-Ausgabe 1959)

Und in jedem Volk erweckten Wir einen Gesandten (der da predigte): "Dienet Gott und meidet den Bösen". (Qur'án 16:37)

(Gedenke) des Tages, da Wir aus jeglichem Volk einen Zeugen erwecken werden; dann wird denen, die nicht glauben, nicht gestattet werden (wiedergutzumachen), noch wird ihre Entschuldigung angenommen. (Qur'án 16:85)

... und es gibt kein Volk, bei dem nicht früher schon ein Warner erschienen wäre. (Qur'án 35:25)

Indessen ist das Wissen vieler dieser Sendboten verlorengegangen:

... die Manifestationen Seiner göttlichen Herrlichkeit und die Morgenröten ewiger Heiligkeit sind seit unvordenklichen Zeiten herniedergesandt und beauftragt worden, die Menschheit zu dem einen wahren Gott zu rufen. Daß die Namen einiger von ihnen vergessen und die Urkunden über ihr Leben verloren sind, ist den Wirren und Wechselfällen zuzuschreiben, die über die Welt hinweggegangen sind. (Ährenlese 87, Seite 153)

Ábdu'l-Bahá bestätigt dies, wenn er (mit Bezug auf Nord- und Südamerika) sagt:

Zweifellos muß der Ruf Gottes in diesen Gegenden in alter Zeit erhoben worden sein, aber es ist nun vergessen.

Im Lichte alles oben gesagten erscheint es möglich, daß Menifestationen Gottes gleichzeitig in verschiedenen Bereichen auf Erden gelebt haben, obwohl wir nicht im Besonderen bestätigen können, das Zarathustra und Buddha Zeitgenossen waren.


Die Kreuzigung Christi nach dem Qur'án

Der Hüter hat in einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief den Hinweis auf die Kreuzigung Jesu Christi im Qur'án ausgelegt:

Was Ihre Frage hinsichtlich der Sure 4:158 des Qur'án angeht, in der Muhammad sagt, daß die Juden nicht Jesus, den Christus, sondern jemanden wie Ihn gekreuzigt haben: Was diese Textstelle meint ist, daß die Juden, obwohl sie den physischen Körper Jesu erfolgreich zerstörten, unfähig waren, die göttliche Wirklichkeit in Ihm zu zerstören. (19. März 1938 an einen einzelnen Gläubigen)

Daher gibt es keinen Gegensatz zwischen dem Bericht von der Kreuzigung im Neuen Testament, der Version des Qur'án und der von Frau Johns zitierten Textstelle in "Ährenlese aus den Schriften Bahá'u'lláhs".




Nicht überprüfte Übersetzung, Hanno Lenk 21.11.1995
Memorandum der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit: vom 24.05.1988

Hamburg, den 12.07.2003 simultan.doc Seite: 2

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