Read: MASHRIQUL-ADHKAR


Den Mashriqu'I-Adhkár als geistige Institution sehen

Gedanken zu Andachtsversammlungen und dem Beitritt in Scharen

Dem Aufruf des Universalen Hauses der Gerechtigkeit in seiner Ridván-Botschaft 153 BE an die
Bahá’í-Gemeinden zur "Ausübung gemeinsamer Andachten" und dem Abhalten "regelmäßiger
Andachtsversammlungen" folgend, möchte ich hiermit mein Verständnis der Beziehung zwischen
solchen Andachtsversammlungen, dem Prozeß des Aufbaus der Institution des Mashriqu’l-Adhkár
in unseren Gemeinden und dem Erreichen des Beitritts in Scharen darlegen.
Der Teil der Ridván-Botschaft, der auf den Vier-Jahres-Plans vorausschaut und dessen Inhalte
andeutet, hat ein einziges, alles verbindendes Thema, den "Beitritt in Scharen", und eine Reihe
nachgeordneter Themen, darunter die Stärkung der Gemeinde und Wege, wie diese erreicht wer-
den kann: -..das Aufblühen der Gemeinde, insbesondere auf örtlicher Ebene, ... schließt die Aus-
übung gemeinsamer Andachten ein. Daher ist es für das geistige Leben der Gemeinde wesentlich,
daß die Freunde regelmäßige Andachtsversammlungen abhalten. .....
Diese Andachtsversammlungen sind, nach ‘Abdu’l-Bahá , die Mashriqu’l-Adhkár: „Es ziemt den
Freunden, ein Treffen abzuhalten, eine Versammlung, in der sie Gott verherrlichen, ihr Herz an Ihn
binden, die heiligen Schriften der Gesegneten Schönheit lesen und vortragen - möge meine Seele
das Lösegeld für Seine Liebenden sein! Das Licht aus dem allherrlichen Reich, die Strahlen des
höchsten Horizontes ergießen sich über solch leuchtende Versammlungen, denn sie sind nichts
anderes als die Mashriqu’l-Adhkár, die Aufgangsorte der Erwähnung Gottes, die nach dem Gebot
der Erhabensten Feder in jedem Dorf und jeder Stadt errichtet werden müssen..."
(Briefe und Botschaften Nr. 55, S. 114).

Wenn wir Mashriqu’l-Adhkár in diesem Sinne gebrauchen, kann der Aufruf in der Ridván-Botschaft
regelmäßigen gemeinsamen Andachten verstanden werden als das Startsignal zum Aufbau der
Institution des Mashriqu’l-Adhkár.

Die Verpflichtung, auf die ‘Abdu’l-Bahá verweist, einen Mashriqu’l-Adhkár in jedem Dorf und jeder
Stadt zu bauen, findet sich in Paragraph 31 des Kitáb-i-Aqdas, unmittelbar im Anschluß an den
Absatz, der uns zur Bildung der Häuser der Gerechtigkeit verpflichtet. Aber aus mehreren Gründen
haben die Bahá’í-Gemeinden die Häuser der Gerechtigkeit errichtet, bevor sie angefangen haben,
deren Partner-Einrichtung, das Haus der Andacht, aufzubauen.

Eine Ursache hierfür mag sein, daß wir einen Mashriqu'l-Adhkár einzig als ein Gebäude begriffen
haben, während jedoch in den Bahá’í-Schriften der Begriff so gebraucht wird, daß er sich nicht nur
auf ein Gebäude bezieht, sondern auch auf ein Treffen zur Andacht (wie in obigem Zitat), auf die
mystische Triebfeder im Leben des einzelnen, die symbolische Heimat der Himmlischen Magd und
das Symbol der Manifestation Gottes in dieser Welt. Es bezieht sich, kurz gesagt, auf die Idee der
Anbetung, die sich in verschiedenen Formen manifestieren kann - beim einzelnen, institutionell,
gemeindlich und materiell.

Der Aufruf zum jetzigen Zeitpunkt, Andachtsversammlungen zu fördern, mag einen direkten Bezug
haben zum Beitritt in Scharen, der die Ridván-Botschaft beherrscht. Das Haus der Gerechtigkeit
und das Haus der Andacht - der Örtliche Geistige Rat und der Mashriqu’l-Adhkár - werden bei
Shoghi Effendi als die "zwei primären, von der göttlichen Vorsehung vorbestimmten Einrich-
tungen für die Bereicherung ihres geistigen Lebens und für die Ausführung und Regulie-
rung ihrer administrativen Angelegenheiten" (Messages to America, S. 24; eigene, nicht autori-
sierte Übersetzung, B.W.) bezeichnet.

Das weist darauf hin, daß die örtlichen Bahá’í-Gemeinden so verstanden werden können, als hät-
ten sie zwei miteinander verbundene zentrale Einrichtungen - analog vielleicht der Beziehung zwi-
schen dem gewählten und dem ernannten Arm der Verwaltungsordnung.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit sagte in einem Brief über soziale und wirtschaftliche Ent-
wicklung vom 20. Oktober 1993, daß der Mashriqu’l-Adhkár "das geistige Zentrum jeder Bahá’í-
Gemeinde" sei (A Wider Horizon, S. 139).

Das sollte heißen, daß die Inangriffnahme der Aufgabe, in jedem Dorf und jeder Stadt die Instituti-
on des Mashriqu’l-Adhkár zu errichten, grundlegende Veränderungen in der Struktur unserer Ge-
meinde nach sich ziehen wird sowie ein grundlegend überdachtes Verständnis davon, was es
heißt, Bahá’í zu sein.

Es wird somit der Mühe wert sein, sich bei der Verwirklichung des Vier-JahresPlanes ein klareres
Bild davon zu machen, was der Mashriqu’l-Adhkár als geistige Realität und als Institution darstellt
und welches seine Beziehung ist zum Örtlichen Geistigen Rat und anderen Organen der Gemein-
de, so daß örtliche und nationale Gemeinden konkrete Ziele formulieren können für die Realisie-
rung dieses Aspekts des Planes und unmittelbar mit ihrer Umsetzung beginnen können.

Es wäre sehr schade, das Jahr 2000 zu erreichen, ohne genau zu wissen, was das Universale
Haus der Gerechtigkeit gemeint haben könnte mit der "Ausübung gemeinsamer Andachten" und in
welchem Sinn der "Beitritt in Scharen" eine praktische Realität für unsere Bahá’í-Gemeinden sein
kann.

In Wirklichkeit sind die strahlenden, reinen Herzen der Mashriqu’l-Adhkár,..,
‘Abdu’l-Bahá

Ich möchte vorschlagen, daß Bahá’í-Gemeinden diese Frage zu einem Studienthema machen und
ihre Ergebnisse aufnehmen in Form konkreter Pläne zur Errichtung des Mashriqu’l-Adhkár - in je-
dem Sinne des Wortes - im Herzen unserer Gemeinden. Es wäre unklug, den Gang des Ent-
deckungsprozesses vorhersagen zu wollen, da ein Großteil durch praktische Erfahrung herauszu-
finden sein wird, in der Folge der durch das Universale Haus der Gerechtigkeit gegebenen Füh-
rung und mit Blick auf das, was sich ergibt. Es sei auf eine weitere Stelle von ‘Abdu’l-Bahá über
dieses Thema verwiesen, die möglicherweise andeutet, wo wir mit der Errichtung des Mashriqu’l-
Adhkár beginnen können. "In Wirklichkeit sind die strahlenden, reinen Herzen der Mashriqu’l-
Adhkár, und aus ihnen heraus erreicht die Stimme der Anbetung und des Gedächtnisses beständig
die Himmlischen Heerscharen. Ich bitte Gott, Er möge das Herz eines jeden von euch zu einem
Tempel innerhalb der Göttlichen Tempel machen und die Lampe der großen Führung darin entzün-
den lassen, und wenn die Herzen solches erreicht haben, werden sie sicherlich mit äußerster An-
strengung und Energie an die Errichtung des Mashriqu’l-Adhkár gehen; so mag das Äußere Aus-
druck des Inneren sein und die Form (oder der Buchstabe) auf die Bedeutung (oder die Realität)
hinweisen" (Tablets of ‘Abdu’l-Bahá Abbás, S. 678, eigene, nicht autorisierte Übersetzung, B.W.).

Dies legt einen Beginn auf der Ebene des einzelnen nahe, zu dem das Universale Haus der Ge-
rechtigkeit schon im Drei-Jahres-Plan im Zusammenhang mit der Bereicherung unseres individuel-
len geistigen Lebens aufgerufen hat.

Es legt auch nahe, daß wir damit beginnen können, unsere Herzen als einen Mashriqu’l-Adhkár
anzusehen und dort systematisch am Morgen, am Mittag, am Abend und in der Nacht das Ge-
dächtnis Gottes zu pflegen - und daß, wenn die innere Wirklichkeit in diesem Sinne zu einem
Mashriqu’l-Adhkár geworden ist, dieser sich äußerlich weiterentwickeln wird über die verschiede-
nen Ebenen von Andachtsversammlungen, der Errichtung des Mashriqu’l-Adhkár als einer Institu-
tion, der Weiterführung derselben zu einer aktiven Einrichtung, wie sie Shoghi Effendi vorausgese-
hen hat, und der Integration von Andacht und Dienst an der Menschheit (Bahá’í Administration, S.
185) bis dahin, daß er schließlich in irgendeiner Art von Gebäude erscheint.

Den Mashriqu’l-Adhkár in seinen Eigenschaften hervorzubringen und seinen Platz in der Ba-
há’í-Gemeinde zu erforschen mag ohne weiteres Energie für die weitere Entwicklung der Gemein-
de freisetzen und einen neuen Pfad aufzeigen, über den der Beitritt in Scharen erreicht werden
kann.
Sean McGinn

Dieser Artikel stammt aus den "Bahá’í News - India" vom März 1997, Bernhard Westerhoff hat ihn übersetzt. (Ausgabe BN Jan 1998)

Den Mashriqu'I-Adhkár als geistige Institution sehen) aus Bahá’í-Nachrichten Jan. 1998


Hamburg, den 12.06.2003 Datei:D:\Winword2\BASTU\Mashriqul.doc Seite: 1 von 3

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