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Sinn und Zweck eines Bahá’í-Planes
Über dieses Thema sprach Berateramtsmitglied E. Blumenthal bei der Nationalen Konferenz. Wir
geben hier auszugsweise seine Ansprache wieder:

Liebe Freunde, es wurde mir gesagt, daß es noch eine ganze Menge von Freunden gibt, die nicht
so recht einsehen, wozu wir eigentlich Pläne brauchen, Wenn Sie eine Reise unternehmen, was
tun Sie? Sie machen sich einen Plan! Wir müssen planmäßig leben, wenn wir etwas erreichen
wollen!
Wenn wir nicht von Bahá’u’lláh her diese Anweisungen hätten, wenn nicht ‘Abdu’l-Bahá den
Göttlichen Plan entwickelt hätte, wenn nicht Shoghi Effendi aufgrund des Göttlichen Plans von
‘Abdu’l-Bahá Pläne gemacht hätte, wenn nicht heute das Universale Haus der Gerechtigkeit für
uns Pläne machen würde, und zwar dieses Mal einen Plan, an dem so viele beratungsmäßig
mithelfen durften, wo würden wir heute mit der Bahá’í-Sache stehen?
Ich will Ihnen kurz diese zehn bekannten Phasen, von denen Shoghi Effendi schon im Jahre 1953
gesprochen hat und die vom Universalen Haus der Gerechtigkeit immer wieder zitiert werden,
vorlesen. Sie erinnern sich, daß die neunte Phase dieses großen Planes Gottes durch den
Zehnjahresfeldzug dargestellt wurde. Und die zehnte, unendlich lange Phase wurde mit dem
Neunjahresplan eingeleitet und jetzt sind wir am Beginn eines neuen Planes. Diese Phasen, dieser
Prozeß hat vor 6000 Jahren, wie Shoghi Effendi sagte, angefangen, und zwar sprach er vom
Pflanzen des Baumes göttlicher Offenbarung, das heißt, das Dämmern des Zyklusses von Adam.
Das war die erste Phase, dieser erste Schritt.
Shoghi Effendi beschreibt "das langsame, aber beständige Wachsen dieses Baumes" in zehn
Etappen wie folgt:
(siehe Kasten auf Seite 131/30)
(Hüterbotschaften an die Bahä'i-Welt, 1962/119, Und dieser zehnte, unendlich lange Teil, in dem
wir uns jetzt befinden, wird aus zahllosen Kreuzzügen und zahllosen Plänen bestehen. Wir haben
jetzt den zweiten dieser weltumspannenden Pläne innerhalb dieser zehnten Phase mit dem uns
jetzt bekanntgegebenen Fünfjahresplan erhalten. Der Sinn und Zweck dieser Kreuzzüge ist das
vollständige Errichten des Triebwerkes der administrativen Ordnung Bahá'u'lláhs. Diese Errichtung
führt durch verschiedene Phasen: Die Phase der Verdunkelung, der Unterdrükkung, der Befreiung
- natürlich sind diese Phasen nicht genau abgezirkelt - und dann kommt die Phase, vor der wir
stehen: die Phase der Anerkennung. Wir sind noch in der Phase der Unterdrückung, wir sind noch
in der Phase der Befreiung, alles geht etwas ineinander über, aber die Anerkennung sollte als der
Hauptsinn dieser Pläne angesehen werden, Das endliche Ziel ist, und dazu trägt auch dieser
Fünfjahresplan wieder bei, das Reich Gottes auf Erden, nämlich die Weltzivilisation und den
Weltfrieden zu errichten. Das ist der Sinn dieser ganzen Pläne und wir haben ein ungeheures
Vorrecht, jetzt mit den Erfahrungen aus der Vergangenheit mit der Verwirklichung dieses Planes
zu beginnen. Ihr Nationaler Geistiger Rat hat die Durchführung des Planes bereits in Phasen
aufgeteilt.
Wir sollten uns noch einmal darüber klar sein, daß der Göttliche Plan ‘Abdu’l-Bahá die Grundlage
für uns ist. Dieser Göttliche Plan besteht aus 14 Sendschreiben von ‘Abdu’l-Bahá zwischen März
1916 und März 1917.
Und nun möchte ich Ihnen noch einige wichtige Zitate von Shoghi Effendi nennen, die wichtig
sind, damit wir uns über den Sinn des Planes klar werden und uns unserer Aufgabe bewußt
werden. Der Sinn unseres Lebens während der nächsten fünf Jahre ist der Fünfjahresplan.
11 ... Ob wir die Menschheit im Lichte der persönlichen Lebensführung oder der Beziehungen
zwischen den organisierten Gemeinschaften oder Nationen betrachten, sie ist leider zu weit
abgeirrt, hat einen zu ' tiefen Niedergang erlitten, als daß sie allein durch die unbeholfenen
Anstrengungen selbst der besten unter ihren anerkannten Herrschern und Staatsmännern - wie
uneigennützig sie in ihren Beweggründen, wie konzentriert sie in ihrer Aktion, wie zäh sie in ihrem
Eifer und wie ergeben sie gegenüber ihrer Sache auch seien - erlöst werden könnte. Kein Plan,
den die Berechnungen höchster Staatskunst noch ersännen, kein Lehrgebäude, das die her-
vorragendsten Vertreter der Wirtschaftstheorie noch errichten, kein Grundsatz, den der glühendste
Moralist noch aufimpfen wollte, können letzten Endes ausreichende Grundlagen bieten, auf die die
Zukunft einer verrückt gewordenen Welt gebaut werden kann.
Kein Aufruf zu gegenseitiger Duldsamkeit, den die Weltweisen erheben, wie zwingend und
nachdrücklich er auch sein mag, kann die Leidenschaften dieser Welt beruhigen oder ihr helfen,
ihre Lebenskraft zurückzugewinnen. Auch hat kein Gesamtplan rein organisatorischer
Zusammenarbeit, auf welchem Gebiet menschlicher Tätigkeit er sich immer bewegt, wie geistreich
er erdacht und wie umfassend er auch aufgefaßt wird, den gewünschten Erfolg, wenn es darum
geht, die Grundursache des Übels zu beseitigen, das die heutige Gesellschaft so hart aus dem
Gleichgewicht geworfen hat. Ja, ich wage zu behaupten, daß nicht einmal der eigentliche Vorgang
des Ersinnens einer Maschinerie, wie sie für die politische und wirtschaftliche Vereinigung der
Menschheit erforderlich ist - eine Grundforderung, die in letzter Zeit immer stärker vertreten wird -,
daß nicht einmal dieser Vorgang aus sich selbst heraus das Heilmittel gegen das Gift bieten
könnte, welches ständig die Kraftreserven der entwickelten Völker und Nationen auszehrt.
Was sonst, so können wir getrost behaupten, als die vorbehaltlose Annahme des göttlichen Pro-
gramms, das Bahá’u’lláh vor sechzig Jahren (um 1870) mit solcher Macht und Schlichtheit ver-
kündet hat, eines Programms, das in seinen Wesenszügen Gottes Plan für die Vereinigung der
Menschheit in diesem Zeitalter beinhaltet, kann in Verbindung mit der unüberwindlichen Gewißheit
der sicheren Wirkung aller seiner Vorkehrungen schließlich den Kräften innerer Auflösung
widerstehen, die sich, wenn ihnen kein Einhalt geboten wird, immer tiefer in das Mark einer
verzweifelten Gesellschaft hineinfressen? Diesem Ziel - dem Ziel einer neuen Weltordnung,
göttlich im Ursprung, allumfassend in der Reichweite, unparteiisch im Grundsatz, herausfordernd
im Charakter muß eine gequälte Menschheit zustreben . . .
(aus Shoghi Effendi, "The World Order of Bahá’u’lláh", Wilmette/III. 1955, S. 29 ff; vgl.
,BAHA'I-BRIEFE" 40, S. 1098)

Shoghi Effendi erklärt uns weiter, daß zwei große Prozesse in der Welt ablaufen. Diese Erklärung
von Shoghi Effendi müssen wir beinahe auswendig kennen, denn sie geht uns alle praktisch und
alltäglich an:
" ... Shoghi Effendi erklärt uns, daß zwei große Prozesse in der Welt ablaufen: zum einen der
große Plan Gottes, der sich, stürmisch fortschreitend, durch die Menschheit als Ganzes
verwirklicht, die Barrieren gegen die Welteinheit niederreißt und die menschliche Gesellschaft im
Feuer des Leides und der Erfahrungen zu einem geeinten Organismus umschmiedet. Dieser
Prozeß wird in der von Gott bestimmte n Zeit den Geringeren Frieden, die politische Vereinigung
der Welt, herbeiführen. Der zweite Vorgang, der diesem geeinten Organismus Leben einhaucht,
wahre Einheit und Geistigkeit schafft und im Größten Frieden seinen Höhepunkt erreicht, ist die
Aufgabe der Bahä'i, die sich mit genauen Weisungen und unter fortgesetzter göttlicher Führung
bewußt bemühen, die Strukturen des Reiches Gottes auf Erden zu errichten, ihre Mitmenschen
dazu aufzurufen und ihnen auf diese Weise ewiges Leben verleihen.

Der Ablauf des Größeren Planes Gottes vollzieht sich auf geheimnisvollen Wegen, die Er allein zu
führen weiß; aber der Kleinere Plan, den Er uns als unsere Rolle in Seinem großen Programm für
die Erlösung der Menschheit zur Ausführung anvertraut hat, ist klar beschrieben. Dieser Arbeit
müssen wir unsere ganze Energie widmen; denn es gibt sonst niemanden, der sie für uns tut. So
existenznotwendig ist diese Aufgabe der Bahá’í, daß Bahá’u’lláh schrieb: 0 Freunde!
Vernachlässigt die Fähigkeiten nicht, mit denen ihr ausgestattet seid, noch versäumt eure hohe
Bestimmung! Laßt eure Bemühungen nicht an den Hirngespinsten scheitern, die gewisse Seelen
gesponnen haben! Ihr seid die Sterne am Himmel des Begreifens, der frische Wind, der bei
Tagesanbruch weht, die lautlos quellenden Wasser, von denen alles Leben der Menschen
abhängt, und die Buchstaben auf Seiner heiligen Rolle. Bemüht euch in äußerster Eintracht und im
Geiste treuester Kameradschaft, das zu vollbringen, was dieser Tag Gottes erfordert!' (Ährenlese
XCVI)
Weil die Liebe zu den Mitmenschen und der Schmerz über ihre traurige Lage zum Lebensinhalt
jedes wahren Bahá’í gehören, drängt es uns fortgesetzt zu tun, was wir nur können, um ihnen zu
helfen. Es ist von überragender Bedeutung, daß wir uns so verhalten, wann immer sich die
Gelegenheit dazu bietet; denn unsere Taten müssen dasselbe zum Ausdruck bringen, was unsere
Worte besagen. Aber dieses Mitleid für unseren Nächsten darf uns nicht dazu verleiten, unsere
Energien auf Kanäle zu verteilen, die letztlich in Fehlschlägen auslaufen und uns die wichtigste
und grundlegendste Arbeit vernachlässigen lassen. Es gibt Hunderttausende von Wohltätern der
Menschheit, die ihr Leben ganz für Hilfswerke und karitative Zwecke einsetzen, aber es gibt
erbärmlich wenige, die jene Arbeit tun, die Gott vor allem anderen getan haben will: die geistige
Erweckung und Wiederbelebung der Menschheit . . . Deshalb müssen die Bahá’í ihre ganze Kraft
in die Kanäle des Aufbaus der Bahá’í-Gemeinschaften und ihrer Verwaltungsordnung lenken. Auf
keine andere Weise können sie die Welt gegenwärtig verändern oder ihr helfen. Wenn sie sich in
die Streitfragen einmischen, in denen sich die Regierungen der Weit bekämpfen, werden sie
verloren sein; aber wenn sie das Bahá’í-Modell aufbauen, können sie es als ein Heilmittel
darreichen, wenn alles andere versagt haben wird."
(Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 21. Dezember 1967; vgl. "BAHA'l
NACHRICHTEN" 129, S. 53)
(Aus Bahá’í-Nachrichten 131, Nr. 5 vom 5. Juni 1974)


Vertiefung: ( von Roland Zimmel)



Hamburg, den 12.06.2003 Datei:Dokument2 Seite: 1 von 3


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