Read: Ridvan Botschaften ab 1988






Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit


an die Bahá’í der Welt


















einschließlich:

Die Ridván-Botschaften ab 1988 zusammen mit der Satelliten-Botschaft
des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá’í der Welt
vom 26. November 1992









Zusammengestellt vom

Nationalen Vertiefungsausschuss Deutschlands



(diese Zusammenstellung basiert auf der Erstausgabe des Konitnentalen Berateramtes mit den Botschaften von 1988 bis 1996 und wurde in den folgenden Jahren jeweils aktualisiert)





Inhaltsangabe


Ridván-Botschaft 2003 (160 BE)
Ridván-Botschaft 2002 (159 BE)

Ridván-Botschaft 2002 (159 BE)

Ridván-Botschaft 2001 (158 BE)

Ridván-Botschaft 2000 (157 BE)

Ridván-Botschaft 156 BE (1999)

Ridván-Botschaft 155 BE (1998)

Ridván-Botschaft 154 BE (1997)
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Ridván-Botschaft 153 BE (1996)
(An die Bahá’ís der Welt
und
an die Anhänger Bahá’u’lláhs in Europa)

Ridván-Botschaft 152 BE (1995)

Ridván-Botschaft 151 BE (1994)

Ridván-Botschaft 150 BE (1993)

Satelliten-Botschaft 26.November 1992

Ridván-Botschaft 1992 (149 BE)

Ridván-Botschaft 1991 (148 BE)

Ridván-Botschaft 1990 (147 BE)

Ridván-Botschaft 1989 (146 BE)

Ridván-Botschaft 1988 (145 BE)

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Ridván 2003


An die Bahá'í der Welt



Innig geliebte Freunde,

während der Fünfjahresplan in sein drittes Jahr eintritt, gewinnt er an Schwungkraft: Was im gerade zu Ende gegangenen Jahr erreicht wurde, übertrifft die Errungenschaften der zwölf Monate zuvor bei weitem. Diese Schwungkraft verdankt ihre Intensität ebenso sehr der zunehmenden Stimmigkeit der einzelnen Elemente des Plans wie auch der antreibenden Wirkung des Geistes der Unruhe, der den ganzen Planeten umfängt.

Die Umstände, die den Beginn dieses neuen administrativen Jahres begleiten, sind in ihrer Bedeutung zugleich kritisch, herausfordernd und außerordentlich. Das vergangene Jahr durchzog von Anfang bis Ende eine Reihe von Krisen, die schließlich im Ausbruch des Krieges im Nahen Osten gipfelten. Was aus all dem erwächst, ist für den Fortschritt der Gemeinde des Größten Namens nicht weniger bedeutsam wie für die Entwicklung einer zunehmend globalen Gesellschaft, die sich in den Wirren einer turbulenten Umbruchszeit befindet. Zeitpunkt, Ausmaß und Richtung dieses Umbruchs waren natürlich nicht vorhersehbar. Wie rasch hat sich doch der gegenwärtige Wandel in den Geschicken der Welt vollzogen! In dem sich daraus ergebenden Konflikt, in den so augenfällig jene Länder verwickelt sind, in denen die Frühgeschichte des Glaubens Gestalt annahm, sehen wir eine erneute Erinnerung an Bahá'u'lláhs Warnung, dass "die Welt [...] aus dem Gleichgewicht geraten [ist] durch die Schwungkraft dieser größten, dieser neuen Weltordnung". Dass die Ereignisse dieser Krise sich direkt in einem Gebiet abspielen, dem der Glaube ein so reiches Erbe verdankt, wie dem Irak, ist besonders beachtenswert.

Die Zerrissenheit, die hierdurch wie auch durch andere Zustände in der Welt hervorgerufen wurde, deutet zum einen darauf hin, dass ein neues Kapitel aufgeschlagen wird in der Geschichte der hochgeschätzten aber so schmerzlich unterdrückten Bahá'í-Gemeinde eines Landes, in dem sich die Manifestation Gottes für diesen Tag ein ganzes Jahrzehnt aufhielt. Zum anderen hat sie die Vorbereitungen auf die Neunte Internationale Tagung am Weltzentrum unseres Glaubens zunichte gemacht. Doch wie groß die Enttäuschung hierüber auch sein mag, es ist kein Anlass zur Bestürzung. Wenn der Größere Plan Gottes Seinen Geringeren Plan beeinträchtigt, dann wird zweifellos die Vorsehung zu gegebener Zeit einen Weg zu großartigen Möglichkeiten eröffnen, die Interessen Seiner glorreichen Sache voranzubringen.

Die Sorgen, Ängste und Verwirrungen, welche dieser jüngste Konflikt im Zuge der Entfaltung des Geringeren Friedens hervorgerufen hat, haben den Missmut und die Empörung angesichts der wiederkehrenden Krisen, die den Planeten aufrühren, noch verstärkt. Die Ängste zahlreicher Menschen weltweit entladen sich nun öffentlich in wütenden Demonstrationen, die zu überwältigend sind, um ignoriert zu werden. Die Themen ihres Protests und die hervorgerufenen Emotionen tragen oftmals noch zu dem Chaos und der Verwirrung bei, die sie durch solche öffentlichen Bekundungen zu überwinden hoffen. Für die Freunde Gottes gibt es eine unzweideutige Erklärung für alles was da geschieht; sie müssen sich nur die Vision und die Prinzipien vergegenwärtigen, die der Glaube aufweist, wenn sie den Herausforderungen des Umsichgreifens von Elend und Schrecknissen wirkungsvoll begegnen wollen. Sie sollten sich bemühen, die betreffenden Lehren noch gründlicher zu verstehen, indem sie die Briefe Shoghi Effendis studieren, die in der "Weltordnung Bahá'u'lláhs" veröffentlicht sind, insbesondere jene mit der Überschrift "Das Ziel: die neue Weltordnung", "Amerika und der Größte Friede" und "Die Entfaltung der Weltkultur".

Während die Welt ihren tumultartigen Kurs fortsetzt, hat der Fünfjahresplan ein Leistungsvermögen erreicht, das unsere Gemeinde befähigt, mit Riesenschritten auf ihr Hauptziel, nämlich den Prozess des Beitritts in Scharen voranzubringen, hin zu bewegen. Die Einzelheiten dieses so ermutigenden Standes der Angelegenheiten des Glaubens auf allen fünf Kontinenten sind bereits in unserem Brief vom 17. Januar dargelegt worden; wir laden Sie ein, ihn eingehender zu studieren. Nur einige Schlüsselelemente sollen hier herausgestellt werden: In 179 Ländern ist die Aufteilung in Regionalbereiche abgeschlossen; es gibt etwa 17.000 dieser Keimzellen der Ausbreitung. Beratungstreffen auf Regionalbereichsebene sind zu einem kraftvollen Mittel geworden, um über Institutionen und Ortschaften hinaus Einheit im Denken und Handeln herzustellen; in einem Geist gegenseitiger Unterstützung liefern sie wirkungsvolle Anregungen für Initiativen von Institutionen und Einzelnen. Noch deutlicher als zuvor hat der Institutsprozess seinen Einfluss als treibende Kraft für Ausbreitung und Festigung bewiesen. Die Kernaktivitäten des Planes haben ein Ausmaß erreicht, welches das Maß des vergangenen Jahres weit übersteigt. Als ein Ergebnis sind nun weltweit immer mehr Freunde aktiv am Lehren und an der Verwaltungsarbeit beteiligt und zeigen jenen ansteckenden Geist der Zuversicht, der den Enthusiasmus ihrer Bemühungen nährt. Jugendliche und Kinder werden systematischer in die Programme der Gemeinde eingebunden, und Nicht-Bahá'í nehmen zahlreicher an Studienkreisen, Andachtsversammlungen und Kinderklassen teil. Es ist in der Tat ermutigend zu sehen, wie sich in der kurzen Zeit seit Beginn des Planes diese drei Kernaktivitäten, die zuvor in vielen Gemeinden nur sporadisch stattfanden, vervielfacht haben und zu festen Bestandteilen des Gemeindelebens geworden sind. Dies ist also die Momentaufnahme einer Weltgemeinde, konzentriert und in Bewegung wie nie zuvor.

Während dieses Muster des Wachstums in der Ausführung des Planes fester verankert wurde, vollzogen sich im vergangenen Jahr noch andere wichtige Entwicklungen. Auf dem Feld der Außenbeziehungen waren die Einrichtungen der Internationalen Bahá'í-Gemeinde an Aktivitäten beteiligt, zu zahlreich und vielfältig, um es hier beschreiben zu können; dennoch waren die Auswirkungen insgesamt zu eindrucksvoll, um sie hier gänzlich unerwähnt zu lassen. Höhepunkt dieser Aktivitäten war die Botschaft, die wir im letzten April an die religiösen Führer der Welt gerichtet haben. Dies brachte einen neuen Impuls für das Vorgehen der Bahá'í-Gemeinde, um die Aufmerksamkeit der einflussreichsten Teile der Gesellschaft auf solche Themen zu lenken, die für die Sicherung des Friedens in der Welt von entscheidender Bedeutung sind. Durch die Koordination seitens des Büros für Öffentlichkeitsarbeit der Internationalen Bahá'í-Gemeinde und die unverzügliche Ausführung seitens der Nationalen Geistigen Räte wurde die Botschaft in kurzer Zeit an die höchsten Würdenträger und weiteren Ebenen religiöser Gemeinschaften weltweit verteilt. Der Zweck der Initiative besteht darin, die Aufmerksamkeit aller Betroffenen auf die dringende Notwendigkeit zu lenken, dass sich die Führung der Religionen mit dem Problem religiöser Vorurteile befasst, welches zu einer zunehmend größeren Gefahr für das menschliche Wohlergehen wird. Die unmittelbare Reaktion zahlreicher Empfänger deutet darauf hin, dass die Botschaft ernst genommen wird und sie an einigen Orten den interreligiösen Aktivitäten sogar neue Perspektiven verleiht.

Auf dem Gebiet sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung wurde ein Tempo erreicht, welches den Ergebnissen institutioneller wie individueller Anstrengungen, ob auf die innere Entwicklung der Gemeinde oder auf die Zusammenarbeit der Gemeinde mit anderen gerichtet, immer tiefer seinen Stempel aufdrückt. Das Büro für soziale und wirtschaftliche Entwicklung berichtet, dass im zweiten Jahr des Planes acht neue Bahá'í-inspirierte Einrichtungen ins Leben gerufen wurden, die auf so unterschiedlichen Gebieten wie der Förderung der Frauen, Gesundheit, Landwirtschaft, Kindererziehung und Stärkung der Jugend tätig sind.

Im Heiligen Land wurde die englische Übersetzung des als Javáhiru'l-Asrár bekannten arabischen Sendschreibens Bahá'u'lláhs unter dem Titel "Gems of Divine Mysteries" veröffentlicht. Die Restaurierung der Zelle Bahá'u'lláhs im Gefängnis von 'Akká wurde abgeschlossen und die Arbeit an dem restlichen oberen Stockwerk im Bereich der Gefängniszelle begonnen. Von der kommenden Pilgersaison an, die im Oktober 2003 beginnt, wird die Zahl der Pilger in jeder Gruppe von 150 auf 200 erhöht.

Des Weiteren waren die Bemühungen um die Entfaltung der Institutionen am Weltzentrum besonders deutlich in der anhaltenden Entwicklung der Institution der Huqúqu'lláh unter der herausragenden Führung des Treuhänders, der Hand der Sache Gottes 'Alí-Muhammad Varqá, sichtbar. Durch sein weises Handeln und ständiges Bemühen hat Dr. Varqá die Unterweisung der Freunde allerorten hinsichtlich des Gesetzes der Huqúqu'lláh angeregt. In den zehn Jahren seitdem dieses Gesetz weltweite Anwendung gefunden hat, wurde ein Netzwerk nationaler und regionaler Treuhänderämter geschaffen, das den Dienst einer wachsenden Zahl von Treuhändern und Bevollmächtigten koordiniert und anleitet. Die Kenntnis dieses bedeutenden Gesetzes hat sich weithin verbreitet, und auf allen Kontinenten folgen ihm die Freunde mit einem Geist der Hingabe, der, wie der Treuhänder hofft, jene berühren wird, die noch nicht an den verheißenen Segnungen teilhaben, welche die Befolgung dieses Gesetzes mit sich bringt.

In den annähernd zwei Jahren seitdem wir bekannt gegeben haben, dass die angemessene Instandhaltung der Gebäude und Gärten am Weltzentrum besonderer finanzieller Unterstützung bedarf, wurde der Weltzentrum-Stiftungsfonds eingerichtet. Die Beiträge haben noch nicht die Höhe des jährlichen Bedarfs erreicht. Wir fühlten uns jedoch verpflichtet, fünf Millionen Dollar der eingegangenen Spenden als zweckgebundenen Fonds für den Grundstock eines Anlagevermögens vorzusehen, dessen Erträge dem ursprünglichen Zweck dienen sollen. Hierfür haben wir Mittel aus dem Internationalen Bahá’í-Fonds herangezogen, um zur Deckung der notwendigen Ausgaben beizutragen, wobei Aktivitäten auf anderen Gebieten, die andernfalls durchgeführt worden wären, aufgeschoben wurden.

Mit großer Freude geben wir bekannt, dass Architekten und Konstrukteure aus aller Welt dem Aufruf des Nationalen Geistigen Rates von Chile gefolgt sind und 185 Entwürfe für den Muttertempel Südamerikas, der in Santiago errichtet werden soll, eingereicht haben. Zu gegebener Zeit wird die Entscheidung bekannt gegeben.

Liebe Freunde: Erfreut über die weit und breit deutlich sichtbaren Anzeichen des Fortschritts vertrauen wir auf die fortdauernden Bestätigungen unseres Höchsten Herrn für Ihre ergebenen Bemühungen im Rahmen des Fünfjahresplanes – eines Planes, der den Erfordernissen dieser Zeit entsprechend angelegt ist. Möge Ihre Beharrlichkeit bei seiner Umsetzung jene noch gezügelten Kräfte freisetzen, die durch die Gnade und Gunst der Abhá-Schönheit in mächtigen Schüben den Prozess des Beitritts in Scharen in jedem Land voranbringen können.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT

Ridván 2002


An die Bahá'í der Welt

Innig geliebte Freunde,

der Ansturm der Ereignisse innerhalb wie außerhalb des Glaubens zu Beginn der Fünften Epoche des Gestaltenden Zeitalters bietet ein Ehrfurcht einflößendes Schauspiel. Innerhalb der Sache hinterließ die historische Bedeutung der Ereignisse im Mai vergangenen Jahres, mit denen die Vollendung der Gebäude auf dem Berg Karmel vollzogen wurde, einen tiefen Eindruck, wurde doch deren Wirkung durch Satellitenübertragungen und durch die bisher umfassendste Medienberichterstattung, die je einem Bahá'í-Ereignis zuteil wurde, unmittelbar auf der ganzen Erde verbreitet. Indem die jüngsten Zeugnisse der sichtbaren Entfaltung der Tafel vom Karmel in atemberaubendem Glanz vor den Augen der Welt enthüllt wurden, erstieg die Sache Bahá'u'lláhs in ihrem fortgesetzten Hervortreten aus der Verborgenheit neue Höhen. Ein unauslöschlicher Eindruck wurde so in den Annalen dieser Sendung hinterlassen.


Dieser sichtbare Beweis für die Lebenskraft, die unseren unaufhaltsamen Glauben beseelt, fand ihr Gegenstück in der Schubkraft der inneren Entwicklungen, die seit Beginn des Fünfjahresplanes zu Ridván des vergangenen Jahres am Werk sind. Wir laden daher die bei den Nationaltagungen versammelten Abgeordneten und alle anderen Anhänger Bahá'u'lláhs in der ganzen Welt von Herzen ein, gemeinsam mit uns über einige wenige besonders eindrucksvolle Höhepunkte in der Entfaltung des Planes während seines ersten Jahres
nachzudenken - Höhepunkte, die zwangsläufig die Herzen erfreuen und Vertrauen einflößen in die unabsehbaren Möglichkeiten, welche die eingeschlagene Richtung des Planes in sich birgt.


In ihrem Eifer, den Erfordernissen des Planes Rechnung zu tragen, trafen sich vor und kurz
nach Ridván die Nationalen Geistigen Räte mit den Kontinentalen Beratern zu einer Reihe von Planungssitzungen. Diese Sitzungen bestimmten das Tempo für einen energischen Start des Planes, gekennzeichnet durch  Schritte zur Entfaltung eines neuen Merkmals im Prozess des Beitritts in Scharen. In jeder nationalen Gemeinde begannen die Bahá'í-Institutionen damit, sich der Aufgabe einer systematischen geographischen Aufteilung ihres Landes anzunehmen mit dem Ziel, es in Regionalbereiche einzuteilen, wobei Größe und Zusammensetzung jedes Regionalbereichs die Durchführung von Aktivitäten zum Zwecke des Wachstums und der Entwicklung zulassen. Eine solche Aufteilung, wie sie bereits aus etwa 150 Ländern berichtet wird, ermöglicht es, ein gut durchdachtes Schema der Ausbreitung und Festigung in die Tat umzusetzen. Dies schafft auch eine Perspektive oder Vision systematischen Wachstums, die von Regionalbereich zu Regionalbereich über das ganze Land hin aufrechterhalten werden kann. Gemäß dieser Perspektive werden noch unerschlossene Regionalbereiche, so wie die unerschlossenen Gebiete früherer Kampagnen, zu Zielen für Inlandspioniere, während sich bereits erschlossene Regionalbereiche auf ihre interne Entwicklung konzentrieren, die durch die drei sich gegenseitig stärkenden  Beteiligten des Planes in Gang gesetzt wird: den Einzelnen, die Institutionen und die Gemeinde.

Es ist äußerst ermutigend zu beobachten, dass der Fortschritt dieser Arbeit durch den Institutsprozess, der im vergangenen Jahr in vielen Ländern durch Kampagnen zur Erhöhung der Anzahl ausgebildeter Tutoren beträchtlich gestärkt wurde, mit Tatkraft erfüllt wird. Wo ein Trainingsinstitut gut etabliert und durchgängig tätig ist, haben sich die drei Kernaktivitäten - Studienkreise, Andachtsversammlungen und Kinderklassen - relativ mühelos vervielfacht. Tatsächlich ist diesen Aktivitäten dadurch eine neue Dimension verliehen worden, dass sie auf Einladung von Bahá'í verstärkt von Interessenten besucht wurden, was im Ergebnis zu neuen Erklärungen geführt hat. Hier zeigt sich zweifellos eine vielversprechende Richtung für die Lehrarbeit. Diese Kernaktivitäten, die zu Beginn hauptsächlich zum Nutzen der Gläubigen selbst entwickelt wurden, werden auf natürliche Weise zu Pforten für den Beitritt in Scharen. Indem Studienkreise, Andachtsversammlungen und Kinderklassen in Regionalbereichen miteinander kombiniert wurden, ist ein Modell aufeinander abgestimmter Tätigkeitsstränge geschaffen worden, das bereits willkommene Ergebnisse zeitigt. Eine weltweite Anwendung dieses Modells, dessen sind wir sicher, birgt in sich unermessliche Möglichkeiten für den Fortschritt der Sache in den kommenden Jahren.

Diese mitreißenden Aussichten wurden zu erheblichem Teil durch die gewaltige Energie ermöglicht, die das Internationale Lehrzentrum darauf verwandte, in der Weltgemeinde das Verständnis für systematisches Wachstum zu stärken. Das Lehrzentrum machte sich die kürzlich begonnene neue Amtszeit der Hilfsamtsmitglieder zunutze, indem es zu sechzehn regionalen Orientierungskonferenzen aufrief, die in den letzten Monaten des Jahres abgehalten wurden. Zu jeder Konferenz entsandte es jeweils zwei seiner Mitglieder. Diese Konferenzen, an denen bis auf ganz wenige alle Hilfsamtsmitglieder der Welt teilnahmen, konzentrierten sich auf das Thema "Trainings-Institute und systematisches Wachstum" und vermittelten den Teilnehmern eine Fülle von Informationen, die durch ihre unermüdliche Arbeit das gesamte Gefüge der Gemeinde durchdringen werden.

Eine so reich ausgestattete, so erfahrene und auf einen göttlich inspirierten Plan zum Handeln ausgerichtete Gemeinde schaut nach außen auf eine Welt, deren Bewohner seit den Ereignissen im Heiligen Land im Mai 2001 noch tiefer in einen Sumpf vielfacher Verirrungen gesunken sind. Und dennoch, gerade unter diesen anscheinend unwirtlichen Bedingungen ist die Sache dazu ausersehen voranzuschreiten und zu gedeihen. The Summons of the Lord of Hosts1 , der kürzlich veröffentlichte Band mit der englischen Übersetzung des vollständigen Textes der Sendschreiben Bahá'u'lláhs an die Könige und Herrscher der Welt, kommt als eine passende Erinnerung an die tragischen Folgen der Missachtung Seiner Warnungen vor Ungerechtigkeit, Tyrannei und Korruption. Die gewaltsamen Erschütterungen, die das Bewusstsein der Menschen überall belasten, unterstreichen die Dringlichkeit des Heilmittels, das Er verschrieben hat. Wir, die verstreuten Scharen Seiner treuen Diener, sind somit erneut an einem Zeitpunkt unwiderstehlicher Gelegenheiten angekommen - Gelegenheiten, Seine Sache zu lehren, Sein wundersames System zu errichten und in aufopferungsvoller Weise die dringend benötigten materiellen Mittel bereitzustellen, von denen der Fortschritt und die Ausführung geistiger Tätigkeiten zwangsläufig abhängig sind.


Unsere unausweichliche Aufgabe besteht darin, die gegenwärtige Verwirrung ohne Angst und Zögern zu nutzen, um die verwandelnde Kraft der einen Botschaft zu verbreiten und zu demonstrieren, die alleine den Frieden der Welt sichern kann. Hat uns die Gesegnete Schönheit nicht mit machtvollen Worten befähigt und ermutigt? "Lasst nicht die Geschehnisse der Welt euch betrüben," rät Er uns auf liebevolle Weise. "Ich schwöre bei Gott," fährt Er fort, "Das Meer der Freude sehnt sich danach, in eure Gegenwart zu gelangen, denn alles Gute wurde für euch erschaffen und wird euch den Notwendigkeiten der Zeiten entsprechend offenbart werden."


Daher eilt, unbeeinträchtigt von jedweden Zweifeln und ungehindert von jeglichen Hindernissen, voran -  mit dem Plan in der Hand.


Das Universale Haus der Gerechtigkeit

DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT
Ridván 2001

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde,
freudigen Herzens und mit großen Erwartungen nähern wir uns den Ridván-Tagen zu einer Zeitwende, da eine neue Geisteshaltung bei uns allen erkennbar ist. Überall in unserer Weltgemeinde gibt es ein verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung von Prozessen, die Notwendigkeit der Planung und die Bedeutung systematischen Handelns bei der Förderung des Wachstums und der Entwicklung menschlichen Potentials; durch sie wird die Verbreitung des Glaubens fortgesetzt und die Festigung sichergestellt. Ein klares Verständnis dieser Voraussetzungen für den Fortschritt kann nicht überbewertet werden; genauso wenig kann überschätzt werden, wie wichtig es ist, sie durch ein gut durchdachtes Training aufrechtzuerhalten. Es ist daher von größter Bedeutung für uns, dass unsere Gemeinde jetzt ein solches Bewusstseinsstadium erreicht hat. Wir sind der Gesegneten Schönheit zutiefst dankbar, dass wir dies erkennen und ganz zu Beginn des weltweiten Unternehmens, das an diesen Festtagen in Gang gesetzt wird, freudig begrüßen können.
Die durch dieses Bewusstsein erzeugte Willenskraft kennzeichnete auch die Konferenz der Kontinentalen Berater und der Mitglieder ihrer Hilfsämter, die sich im Januar dieses Jahres im Heiligen Land versammelt hatten. Dieses Ereignis war so aufschlussreich, dass es den Eintritt der Sache Gottes in eine neue Epoche, die fünfte ihres Gestaltenden Zeitalters, ankündigte. Bei dieser historischen Versammlung kam eine so frische Lebenskraft zum Vorschein, dass sie als ein Zeichen verbesserter Qualität der Aktivitäten in der gesamten Gemeinde erkannt wurde. Das Streben der Freunde im vergangenen Jahr, die wesentlichen Vorbedingungen für den Fortschritt des Prozesses des Beitritts in Scharen zu schaffen, bestätigt diese Beobachtung. Auf diese Weise wurde der Weg für den Fünfjahresplan geebnet, das erste Unternehmen in der Fünften Epoche.
Nachdem im vorausgegangenen Vierjahresplan mehr als 300 Trainings-Institute entstanden waren, verstärkte noch der Zwölfmonateplan diese beachtlichen Bemühungen und erfüllte so seinen Zweck. Darüber hinaus erlangte er dadurch Bedeutung, dass Institutionen und Einzelne äußerst positiv auf den Ruf antworteten, der geistigen Erziehung der Kinder und der Einbindung der Junioren in das Gemeindeleben größere Beachtung zu schenken. Die Ausbildung von Kinderklassenlehrern und die Einbeziehung der Junioren in den Institutsprozess sind in einer Reihe von Ländern zu einem regelmäßigen Bestandteil von Bahá’í-Aktivitäten geworden. Trotz seiner Kürze gewann der Zwölfmonateplan auch über die ihm ausdrücklich zugewiesenen Ziele hinaus an Bedeutung. Der Plan wurde zu einem dynamischen Bindeglied zwischen einer höchst ereignisreichen Epoche der Bahá’í-Geschichte und den besonders vielversprechenden Aussichten einer neuen Epoche, für die seine Errungenschaften die Gemeinde so gut vorbereitet haben. Er hat sich unseren Annalen auch durch die dauerhaften Auswirkungen der Aktivitäten des Glaubens am Ende des 20. Jahrhunderts eingeprägt. Über dieses Jahrhundert sollte jeder Bahá’í nachdenken, der sich bemüht, die turbulenten Kräfte, die das Leben des Planeten beeinflussen, und die in der Sache selbst ablaufenden Prozesse in einer kritischen Phase der sozialen und geistigen Evolution der Menschheit zu verstehen. Als Hilfsmittel für diese verdienstvolle Bestrebung wurde Century of Light (Jahrhundert des Lichts) - ein Überblick über das 20. Jahrhundert - auf unsere Veranlassung hin und unter unserer Aufsicht verfasst.
Während dieser einjährigen Unternehmung rückten die diplomatischen Aktivitäten des Bahá’í-Glaubens bei mehreren Gelegenheiten besonders in den Vordergrund. Beachten Sie z.B., wie sich Bahá’í-Vertreter an hervorragender Stelle im Mai, August und September an den Millenniums-Veranstaltungen beteiligten, die auf Drängen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen durchgeführt wurden. Die Auswirkungen einer so starken, deutlich sichtbaren Beteiligung der Internationalen Bahá’í-Gemeinde an den Prozessen des Geringeren Friedens wird man erst im Laufe der Zeit richtig verstehen. Ein weiterer Höhepunkt war das kontinentale Kolloquium, das in Indien vom „Institut für Studien zum Globalen Wohlstand“ organisiert wurde, einer unter der Schirmherrschaft der Internationalen Bahá’í-Gemeinde tätigen neuen Einrichtung. An der Konferenz zum Thema „Wissenschaft, Religion und Entwicklung“ nahmen führende Nicht-Regierungs-Organisationen aus Indien wie auch so angesehene Institutionen wie die UNESCO, UNICEF, WHO und die Weltbank teil. Im Oktober wurde der Bahá’í World News Service (BWNS) (Bahá’í-Weltnachrichtendienst) ins Internet gestellt, womit das Bahá’í- und das Nicht-Bahá’í-Publikum mit Nachrichten und Berichten über Entwicklungen in der ganzen Bahá’í-Welt versorgt werden soll.
Über die intensive Tätigkeit am Bahá’í-Weltzentrum während des letzten Jahres wurden die Freunde schon weitgehend durch frühere Berichte informiert, die sich unter anderem auf solche Errungenschaften beziehen, wie den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Karmel, die Konferenz der Kontinentalen Berater und der Mitglieder ihrer Hilfsämter im Heiligen Land im Januar dieses Jahres und die Fertigstellung der Projekte am Berge Karmel, die jetzt im Rahmen der Vorbereitungen auf die Einweihungsfeiern im Mai den letzten Schliff erhalten. Im Oktober vorigen Jahres wurden zum ersten Mal Pilger und Besucher im neuen, jetzt voll funktionsfähigen Empfangszentrum in Haifa begrüßt. In Bahji wird die Verschönerung der heiligen Stätten durch die Entwicklung der Gartenanlagen beständig weitergeführt. Diese Bemühungen erhielten jetzt neuen Auftrieb; denn im vergangenen Jahr begann man mit dem neuen Projekt, im nördlichen Teil des Geländes, jenseits des Collins-Tores, ein Besucherzentrum zu erbauen. Die Fertigstellung ist für die nächsten Monate vorgesehen, der Rohbau ist fertiggestellt und die Arbeiten gehen in allen Bereichen des Innenausbaus und der Gartengestaltung weiter. Die neue Einrichtung wird die Möglichkeiten des Weltzentrums verbessern, eine zunehmende Zahl von Pilgern, kurzfristigen Bahá’í-Besuchern und besonderen Gästen zu empfangen.
Zum Abschluss dieser Jahresübersicht freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass der Nationale Geistige Rat der Bahá’í von Indonesien nach einer Unterbrechung von fast drei Jahrzehnten am letzten Ridván bei der Nationaltagung in Jakarta wieder gebildet wurde. Ein im August 1962 ausgesprochenes Verbot für alle Bahá’í-Aktivitäten hatte die Tätigkeit der indonesischen Bahá’í während dieser Zeit stark eingeschränkt, aber sie blieben standhaft und verhielten sich in dieser langen Leidenszeit weise, bis veränderte Umstände in diesem Land zur Aufhebung des Verbotes führten. Können wir da nicht zu hoffen wagen, dass ein ähnlich erfreulicher Bericht über unsere heimgesuchten Glaubensbrüder in Iran, Ägypten und anderen Ländern nicht mehr zu lange auf sich warten lässt?
Liebe Freunde, in zwei Jahrzehnten wird die Bahá’í-Welt den hundertsten Jahrestag des Beginns des Gestaltenden Zeitalters feiern. Heute schauen wir auf den Anbruch jenes Zeitalters aus dem Blickwinkel von Errungenschaften, die zu Beginn kaum vorstellbar waren. Vor uns öffnen sich Horizonte, die die Gemeinde in der kurzen Zeit, die uns von der Jahrhundertfeier trennt, dringend zu noch größeren Leistungen aufrufen. Diese Höhen können und müssen erreicht werden. Wir rufen die Freunde in der ganzen Welt auf, dem Fünfjahresplan ihre ungeteilte und nachhaltige Aufmerksamkeit zu schenken, ist er doch dazu bestimmt, dieser Herausforderung gerecht zu werden. Er bildet die erste einer Reihe von Kampagnen, die in diesen zwanzig Jahren durchgeführt werden sollen. Dieser Plan ist die nächste Phase und hat zum Ziel, einen beachtlichen Fortschritt bei dem Prozess des Beitritts in Scharen zu erreichen. Er erfordert eine Beschleunigung dieses lebenswichtigen Prozesses und legt darüber hinaus den Nachdruck darauf, dass seitens der drei Beteiligten, des Einzelnen, der Institutionen und der Gemeinde, das systematische Bemühen kontinuierlich erfolgt.
Es ist nicht nötig, ausführlich auf die Erfordernisse des Planes einzugehen, denn sie wurden in der Botschaft an die im Heiligen Land versammelten Berater dargelegt und anschließend allen Nationalen Geistigen Räten mitgeteilt. Schon bald nach ihrer Konferenz begannen die Berater, mit den Nationalen Räten über die Ausführung des Planes in ihren Amtsbereichen zu beraten. Die Richtung des Planes ist daher den Freunden überall bekannt, zumal regionale und örtliche Vorbereitungen zur Verfolgung seines Hauptziels bereits im Gang sind. Es hat sich inzwischen ein allgemeines Bewusstsein gebildet, dass man sich darum bemühen muss, dass der Glaube in den einzelnen Ländern in zunehmend mehr Regionen immer tiefer vordringt. So wird man zum Beispiel, wo es die Umstände erlauben, benachbarte Gemeinden dazu aufrufen, sich an intensiven Wachstumsprogrammen zu beteiligen. Ein anderes Vorgehen erfordert die planmäßige Eröffnung neuer Gebiete, für die Inlandspioniere sich mit der gleichen Hingabe erheben müssen, die jene beseelte, die sich in früheren Zeiten weit und breit verstreuten, um unerschlossene Gebiete quer durch Kontinente und Ozeane zu eröffnen. Kurz: der Prozess innerhalb dieses göttlich geführten Plans wird sich erweitern, wenn weitere Maßnahmen schrittweise eingeführt und systematisch integriert werden.
Ein besonderes Kennzeichen der Fünften Epoche wird die Bereicherung des Andachtslebens der Gemeinde durch den Bau nationaler Häuser der Andacht sein, je nach dem, wie es die Umstände in den nationalen Gemeinden zulassen. Der Zeitplan für diese Projekte wird vom Universalen Haus der Gerechtigkeit unter Berücksichtigung des Fortschritts beim Prozess des Beitritts in Scharen in den einzelnen Ländern festgelegt werden. Diese Entwicklung wird sich in aufeinanderfolgenden Phasen von `Abdu’l-Bahás Göttlichem Plan fortsetzen. Unmittelbar nach der Fertigstellung des Muttertempels des Westens begann der Hüter mit einem Plan zum Bau von Kontinentalen Häusern der Andacht. Die ersten waren damals die Mashriqu’l-Adhkár in Kampala, Sydney und Frankfurt, die in Erfüllung der Ziele des Zehnjahresplanes gebaut wurden. Das Universale Haus der Gerechtigkeit verfolgte mit dem Bau der Tempel in Panama City, Apia und New Delhi dieselbe Linie. Diese kontinentale Phase ist aber noch zu vervollständigen: Ein weiteres Gebäude muss noch errichtet werden. Mit tiefer Dankbarkeit und Freude verkünden wir in diesem verheißungsvollen Augenblick die Entscheidung, dieses letzte Projekt in Angriff zu nehmen. Während des Fünfjahresplans wird mit dem Bau des Muttertempels von Südamerika in Santiago, Chile, begonnen und damit ein von Shoghi Effendi klar ausgesprochener Wunsch erfüllt.
Es ist nun an der Zeit, weitere Schritte am Weltzentrum zu unternehmen, um die Funktionen der Institutionen mit Sitz in den neuen Gebäuden am Bogen zu entwickeln. Nach beachtlichen Fortschritten des Internationalen Lehrzentrums wird man jetzt besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden, die Arbeit des Zentrums für das Studium der Texte zu organisieren. Die Übersetzung weiterer Heiliger Texte ins Englische wird dabei von besonderer Bedeutung sein. Die Aufgabe dieser Institution ist es, das Universale Haus der Gerechtigkeit dabei zu unterstützen, die Heiligen Schriften zu Rate zu ziehen und Übersetzungen und Kommentare zu den autoritativen Texten des Glaubens zu verfassen. Darüber hinaus wird man sich im Heiligen Land ständig darum bemühen, es zu ermöglichen, dass die Anzahl der Pilger und Besucher am Bahá’í-Weltzentrum weiter ansteigen kann.
Vor fünf Jahren kündigten wir in unserer Ridván-Botschaft eine Großveranstaltung am Weltzentrum an, welche aus Anlass der Fertigstellung der Projekte am Berg Karmel und der Eröffnung der Terrassen am Schrein des Báb für die Öffentlichkeit stattfinden wird. Dieser Augenblick ist nun gekommen, und wir freuen uns in der Erwartung, Freunde aus eigentlich allen Ländern bei einem Programm zu begrüßen, das sich über fünf Tage vom 21. bis zum 25. Mai erstrecken wird. Wir sind auch glücklich mitteilen zu können, dass Vorbereitungen getroffen werden, um die Bahá’í-Welt durch Live-Übertragungen im World Wide Web und per Satellit an den Veranstaltungen teilnehmen zu lassen. Informationen darüber folgen noch. Während das Weltzentrum sich hierauf konzentriert, wird auch die Erwartung der Menschen in Haifa immer größer, wo die städtischen Behörden ein Buch mit dem Titel: Bahá’í Shrine and Gardens on Mount Carmel, Haifa, Israel: A Visual Journey veröffentlichen wollen, das gleichzeitig mit den Veranstaltungen erscheinen soll. Ferner betreibt die Postbehörde von Israel den Plan, zur gleichen Zeit eine Gedenkmarke herauszugeben, welche die Terrassen darstellt. Die Bedeutung des Ereignisses liegt im Wesentlichen darin, dass es uns erlaubt innezuhalten, um die beachtliche Wegstrecke zu überblicken, die der Glaube in seiner Entwicklung im 20. Jahrhundert zurückgelegt hat. Es ist auch an der Zeit, die künftigen Auswirkungen dieser gewaltigen Leistungen zu bedenken, die durch die Errichtung der imposanten Bauwerke auf Gottes heiligem Berge symbolisiert werden – Bauwerke, die die geistigen und administrativen Zentren unseres Glaubens den Blicken der Welt öffnen.
Während unsere Gemeinde sich dieser begeisternden Betrachtungen erfreut, möge jedes Mitglied bedenken, dass wir keine Zeit haben, uns auf Lorbeeren auszuruhen. Die Menschheit befindet sich in einer so verzweifelten Lage, dass wir keinen Augenblick zögern dürfen, das Brot des Lebens zu überreichen, das in unserer Zeit vom Himmel kam. Dulden Sie daher keinen Aufschub, den erfolgversprechenden Prozess voranzutreiben, wenn es darum geht, alle jene, die nach der Wahrheit dürsten, zu der Festtafel des Herrn der Heerscharen zu führen.
Möge Er, der über das Schicksal Seines göttlichen Systems wacht, jede Bemühung führen, lenken und bestätigen, die Sie unternehmen, um die vor Ihnen liegenden drängenden Aufgaben zu bewältigen.
Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Bahá’í-Weltzentrum

Ridván 2000



An die Bahá’í der Welt


Innig geliebte Freunde,

1 Wir verbeugen uns in Dankbarkeit vor dem Herrn der Heerscharen und unsere Herzen fließen über vor Freude, da wir Zeuge dessen sind, welch wunderbaren Unterschied die vier Jahre seit dem Beginn des globalen Planes bewirkt haben, der nun an diesem Fest des Glanzes abgeschlossen wird. So deutlich ist der in dieser Zeit erreichte Fortschritt, dass unsere Weltgemeinde Höhepunkte erreicht hat, von denen aus neue leuchtende Horizonte für ihre künftigen großen Errungenschaften klar erkennbar sind.

2 Der zahlenmäßige Zuwachs ergab sich hauptsächlich aus einer entscheidenden Qualitätssteigerung. Die Kultur der Bahá’í-Gemeinde hat einen Wandel erlebt. Dieser Wandel ist erkennbar an erweiterten Fähigkeiten, der Methodik zielgerichteten Handelns und der daraus resultierenden gewachsenen Zuversicht der drei am Plan beteiligten Ebenen – dem Einzelnen, den Institutionen und der örtlichen Gemeinde. Dies ist so, weil die Freunde sich nachhaltiger damit befassten ihre Kenntnis der göttlichen Lehren zu vertiefen und weil sie viel – und dies systematischer als zuvor – darüber gelernt haben, wie diese bei der Verbreitung der Sache Gottes, bei individuellen und gemeinschaftlichen Aktivitäten und bei der Zusammenarbeit mit ihren Nachbarn angewandt werden können. Mit einem Wort, sie begaben sich auf einen anwendungsorientierten Lernprozess, von dem aus zielgerichtetes Handeln verfolgt wurde. Die treibende Kraft dieses Wandels war das System der Bahá’í-Institute, die in der ganzen Welt mit großer Geschwindigkeit errichtet wurden – eine Leistung, die sich auf dem Gebiet der Ausbreitung und Festigung als das größte Vermächtnis des Vier-Jahres-Planes qualifizierte.

3 Durch die gesteigerte Befähigung der Einzelnen den Glauben zu lehren, was sich in dem neuen Schwung individueller Initiativen zeigt; durch die verbesserte Fähigkeit der Geistigen Räte, Regionaler Räte und Ausschüsse, die Bemühungen der Freunde zu leiten; durch die Einführung neuer Denk- und Handlungsmuster, die das gemeinschaftliche Verhalten der örtlichen Gemeinden beeinflusste – in all diesen Beziehungen bewies das System der Bahá’í-Institute seine Unverzichtbarkeit als ein Motor im Prozess des Beitritts in Scharen. Viele Institute haben ihre Fähigkeit vergrößert, weite Regionen mit ihren Programmen zu versorgen, indem sie ihr Wirkungsfeld durch örtliche Studienkreise erweiterten. So hat zum Beispiel die Mongolei 106 Studienkreise eingerichtet und verzeichnete als Ergebnis einen beachtlichen Zuwachs an neuen Gläubigen. Gleichzeitig zu derartigen Entwicklungen richteten die Mitglieder unserer weltweiten Gemeinschaft mehr Aufmerksamkeit darauf, auf die Macht des Gebets zu vertrauen, über das heilige Wort Gottes zu meditieren und die geistigen Wohltaten aus der Teilnahme an Andachten zu beziehen. Durch das Zusammenwirken dieser Elemente einer intensivierten Transformation des Einzelnen und der Gemeinschaft wächst tatsächlich die Größe der Gemeinde. Obgleich die Zuwachsrate neuer Gläubiger bis jetzt nur geringfügig die der vergangenen Jahre übertraf, ist es doch ungemein erfreulich zu sehen, dass diese Zunahme geographisch weit gestreut ist, immer größere Teile der Gemeinde engagiert und erfolgreich Neuerklärte in das Leben der Sache Gottes integriert.

4 Ein so gesunder und vielversprechender Zustand des Glaubens verdankt unermesslich viel der Institution der Berater; ihrem beratenden Einfluss, ihrer Rolle in der Zusammenarbeit und ihrer praktischen Arbeit. Die Zahl der Berater wurde im Hinblick auf die Errichtung und Funktion der Institute vergrößert, was den rechtzeitig gegebenen Ansporn durch ein pulsierendes und immer wachsames Internationales Lehrzentrum widerspiegelte.

5 Das zentrale Thema des Vier-Jahres-Planes – der Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen – erzeugte eine enge Verbindung von Denken und Handeln. Es konzentrierte die Aufmerksamkeit auf eine bedeutende Entwicklungsstufe in der Evolution der Bahá’í-Gemeinde, die während des Gestaltenden Zeitalter erlangt werden muss; denn ehe nicht in hohem Maße für den Beitritt von Scharen gesorgt wird, werden die Bedingungen nicht reif sein für Massenerklärungen, jenem Durchbruch, den Shoghi Effendi in seinen Schriften verheißt. Der thematische Brennpunkt des Planes erzeugte Auswirkungen auf alle Arten von Bahá’í-Aktivitäten; er benötigte eine Klarheit des Verständnisses, die systematische und strategische Planung als Voraussetzung für individuelles und gemeinschaftliches Handeln möglich machte. Die Mitglieder der Gemeinde begannen allmählich zu begreifen, wie Systematisierung die Prozesse des Wachstums und der Entwicklung ermöglicht. Dieser Aufschwung des Bewusstseins war ein gewaltiger Schritt zu einem Anstieg der Lehraktivitäten und zur Veränderung der Gemeindekultur.

6 Die gesamten Aspekte des Themas wurden bei den Bemühungen zur Planung, zum Aufbau institutioneller Kapazität und zur Entwicklung menschlicher Ressourcen deutlich. Die Verbindungslinien zwischen ihnen können vom Beginn des Planes bis zu seinem Ende verfolgt werden. Die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter im Dezember 1995 im Heiligen Land bildete den Anfang. Dort wurden die Berater in die besonderen Merkmale des Planes eingeführt. Danach wurde mit den Nationalen Geistigen Räten in nationalen Planungssitzungen hierüber beraten; die Beratungen wurden auf regionaler Ebene fortgesetzt, bei denen dann Hilfsamtsmitglieder, örtliche Geistige Räte und ihre Ausschüsse beteiligt waren. So wurden Elemente der Bahá’í-Administration in den Planungsprozess einbezogen. Sie gelangten darüber hinaus zur Stufe der Umsetzung, auf der die institutionelle Kapazität geschaffen werden musste, um mit dem Beitritt in Scharen umgehen zu können. In diesem Zusammenhang wurden zwei wichtige Maßnahmen ergriffen: Eine war die Errichtung von Bahá’í-Instituten; die andere war die formelle Errichtung und weit verbreitete Einführung von Regionalen Bahá’í-Räten. Sie sind administrative Einrichtungen zwischen der örtlichen und der nationalen Ebene, um die administrativen Fähigkeiten solcher Gemeinden zu stärken, in denen die zunehmend komplexen Angelegenheiten, vor die sich die Nationalen Geistigen Räte gestellt sahen, diese Entwicklung erforderlich machten. Von gleicher Bedeutung für die Verbindung der wesentlichen Elemente des Prozesses waren die für die Arbeit für soziale und wirtschaftliche Entwicklung – einem entscheidenden Teil der Festigung – und für auswärtige Angelegenheiten definierten Strategien. Diese werden es als einem lebenswichtigen Faktor dem Glauben ermöglichen, die Folgen seines Hervortretens aus der Verborgenheit zu bewältigen. Die hieraus erzielten überwältigenden Ergebnisse aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Seiten bei weitem sprengen. Wir fühlen uns jedoch bewegt, gewisse Glanzpunkte zu nennen, die das Ausmaß der Errungenschaften innerhalb des Plans illustrieren.

7 Im Heiligen Land wurde der Bau der Terrassen und der Gebäude am Bogen mit der Gewissheit fortgesetzt, dass – wie angekündigt – der Termin zu ihrer Fertigstellung am Ende dieses gregorianischen Jahres eingehalten wird. Darüber hinaus wird das Gebäude in Haifa, das wir in unserer letzten Ridván-Botschaft im Zusammenhang mit der Vergrößerung der Pilgergruppen erwähnten, zu diesem Ridván bereit für die Nutzung sein. Im selben Zusammenhang wurden Architektenpläne für in Bahjí zu bauende Einrichtungen genehmigt, die dringend benötigt werden, um Pilger und andere Bahá’í- und Nicht-Bahá’í-Besucher unterzubringen. Die Übersetzung der Texte für den zu erwartenden neuen Band von Bahá’u’lláhs Schriften wurde fertiggestellt; seine Veröffentlichung wird derzeit vorbereitet.

8 Fortschritte bei der Ausbreitung und Festigung waren auch auf noch nicht erwähnten Gebieten erkennbar: beim Pionieren, der Proklamation, der Veröffentlichung von Literatur, dem Einsatz der Künste, der Bildung von Geistigen Räten und bei den Gesellschaften für Bahá’í-Studien. Etwa 3.300 Gläubige siedelten sich als Lang- und Kurzzeitpioniere international an. Dass viele Länder, die normalerweise Pioniere erhalten, selbst Pioniere ins Ausland schickten, ist ein weiteres Anzeichen für den Reifungsprozess von nationalen Gemeinden. Treu dem ihnen übertragenen Auftrag ragen die Gemeinden von Kanada und den Vereinigten Staaten durch die Zahl der Pioniere, die ihr Land verließen, besonders hervor. Dies gilt auch für die viel größere Anzahl von Reiselehrern, wobei die Jugend in bedeutsamer Weise vertreten war. Besonders beachtlich war auch die ermutigende Reaktion der Gläubigen afrikanischen Ursprungs in den Vereinigten Staaten auf den Aufruf, als Bahá’í-Lehrer nach Afrika zu reisen.

9 Die Proklamation der Sache Gottes geschah durch vielfältige Aktionen, wobei ein weites Spektrum von Gelegenheiten als Anlass dienten – Jahrestage, Gedenktage, Diskussionsgruppen, Ausstellungen und ähnliches. Hierdurch lernte eine große Zahl von Menschen die Lehren des Glaubens kennen. Die Häuser der Andacht waren magnetische Anziehungspunkte für Besucher, die in zunehmender Zahl eintraten, besonders in Indien, wo im letzten Jahr etwa fünf Millionen Menschen begrüßt wurden. Zu solchen Aktivitäten kam noch die vielfältige Nutzung der Medien hinzu, um die Bahá’í-Botschaft zu übermitteln. In den Vereinigten Staaten gab es 60.000 Anfragen als Reaktion auf eine Medienkampagne, die vom Nationalen Lehrausschuss entworfen worden war. In der ganzen Welt verbreitete sich die Kenntnis über den Glauben durch wohlwollende Artikel in den Druckmedien, die häufiger als bisher unaufgefordert erschienen. Es gab auch eine ähnlich breitere Publizität durch die Bereitschaft seitens Radio- und Fernsehstationen, regelmäßige Bahá’í-Programme aufzunehmen; dies war der Fall in Ländern wie der Demokratischen Republik des Kongo und Liberia. Solch günstige Entwicklungen wurden gekrönt durch die unabhängige Entscheidung internationaler Medieneinrichtungen, den Schrein des Báb und die Terrassen als Standort eines Fernsehbeitrags aus dem Heiligen Land für weltweite Medienprogramme zu wählen, die das Kommen des Jahres 2000 feierten.

10 Die Einbeziehung der Kunst wurde zu einem wichtigen Faktor bei der Proklamation, dem Lehren, der Vertiefung und den Andachten der weltweiten Gemeinde. Die Künste zogen junge Leute an, die sie in ihren Lehr- und Vertiefungsaktivitäten verwendeten, hauptsächlich in den zahlreichen aktiven Drama- und Tanzworkshops in vielen Teilen der Welt. Aber der Schwung der Künste führte jenseits des Singens und Tanzens zu einem weiten Spektrum einfallsreicher Aktivitäten, die den Menschen die Grundlagen der Sache Gottes vermittelte. Dort, wo Volkskunst eingesetzt wurde, besonders in Afrika, wurde die Lehrarbeit sehr aufgewertet. So wurde zum Beispiel in Ghana und Liberia ein Projekt “Licht der Einheit” gestartet, um die Künste beim Lehren zu fördern. In Indien verfolgte die “Communal Harmony Group” ein ähnliches Ziel.

11 Hauptsächlich auf Betreiben der Berater und mit Unterstützung des Kontinentalen Fonds wurde der Übersetzung und Veröffentlichung von Bahá’í-Literatur besonders in Afrika und Asien Aufschwung verliehen. Außerdem erschien der Kitáb-i-Aqdas in einer vollständigen arabischen Ausgabe und in anderen Sprachen.

12 Obwohl die Beschränkung der Bildung von örtlichen Geistigen Räten auf den ersten Ridván-Tag, was seit 1997 gilt, die Zahl dieser Institutionen erwartungsgemäß absinken ließ, so war die Abnahme doch nicht erheblich. Seitdem blieb die Zahl konstant, und ein gesunder Prozess der Festigung hat stattgefunden. Acht neue Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wurden errichtet, wodurch die Gesamtzahl von 181 Nationalen Geistigen Räten erreicht wurde.

13 Besonders erfreulich während dieser vier Jahre war der zunehmende Schwung, mit dem die Aktivitäten der Bahá’í-Gelehrsamkeit mit ihrer lebenswichtigen Aufgabe voranschritten, die intellektuellen Grundlagen für die Arbeit des Glaubens zu stärken. Unschätzbare Ergebnisse waren zum einen die beeindruckende Erweiterung der Bahá’í-Literatur und zum zweiten die Verfassung verschiedener Dissertationen, die unterschiedliche Probleme unserer Zeit im Lichte der Bahá’í-Prinzipien untersuchten. Das Netzwerk der Gesellschaften für Bahá’í-Studien, das in diesem Jahr seinen 25. Jahrestag begeht, konnte im Laufe des Planes fünf neue Schwestergesellschaften begrüßen. Die auf diesem Feld des Dienstes sichtbare Vielfalt und Kreativität zeigt sich darin, dass die erste Konferenz für Bahá’í-Studien in Papua-Neuguinea abgehalten wurde und dass die japanische Gesellschaft in bahnbrechender Weise ihre Aufmerksamkeit auf die geistigen Ursprünge der traditionellen japanischen Gelehrsamkeit richtete.

14 Auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung fand ein eindeutiger qualitativer Fortschritt statt, obgleich die Zahlen, die eine Zunahme der Projekte ausweisen, auch beeindruckend sind. Die jährlich gemeldeten Aktivitäten steigerten sich von etwa 1.350 zu Beginn des Planes auf mehr als 1.800 an seinem Ende. Zunehmend systematisches Vorgehen blieb das vorherrschende Kennzeichen bei dieser Arbeit während dieser Zeit. Um die Beratung über die Prinzipien der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und ihre Durchführung zu fördern, führte das Büro für Soziale und Wirtschaftliche Entwicklung am Weltzentrum 13 regionale Seminare durch, an denen schätzungsweise 700 Vertreter aus 60 Ländern teilnahmen. Dieses Büro kümmerte sich auch darum, Pilotprojekte und geeignetes Material zu entwickeln, mit denen organisierte Kampagnen gestartet werden konnten, um Jugendliche unter anderem im Lesen und Schreiben zu unterrichten, um Mitarbeiter im Gesundheitswesen der Gemeinde auszubilden, um Frauen zu fördern und um moralische Erziehung anzubieten. Ein Beispiel ist das Programm in Guyana, das mehr als 1.500 Helfer für die Alphabetisierung ausbildete; ein weiteres ist die Fertigstellung von acht Lehreinheiten zur Förderung der Frauen in Malaysia. Diese wurden auch zur Grundlage für Ausbildungsveranstaltungen in Afrika, Asien und Südamerika. Im Guaymi-Bezirk von Panama wurde ein Plan in Angriff genommen, Bahá’í-Radiostationen mit der Arbeit der Bahá’í-Institute zu verbinden. Da Institute das Potenzial besitzen, Ausbildung für soziale und wirtschaftliche Projekte zu leisten, bemühte sich ein Dutzend von ihnen in dieser Richtung und ist dabei, auf den Gebieten der Alphabetisierung, der Ausbildung zum Gemeindesanitäter und beruflicher Ausbildung zu experimentieren. Eine Reihe von durch die Bahá'í geförderten und inspirierten Initiativen haben ihre Energie Projekten gewidmet wie zum Beispiel einem, das mit der Weltgesundheitsorganisation zusammenarbeitet, um die Fluss-Blindheit in Kamerun zu bekämpfen; dort erhielten mehr als 30.000 Menschen durch dieses Bahá’í-Projekt die nötigen Medikamente. Ein weiteres Beispiel ist die Privatuniversität in Äthiopien, Unity College, die inzwischen 8.000 Studenten hat, ferner die Landegg Akademie in der Schweiz, die neben der Ausweitung und Konsolidierung ihrer Studienpläne wertvolle Hilfe bei der anhaltenden Suche nach einer Lösung der ungeheuren sozialen Folgen des Balkankonflikts geleistet hat. Auch die Núr-Universität in Bolivien, die in einem gemeinsamen Projekt mit Ecuador eine Ausbildung für mehr als 1.000 Lehrer in einem Programm über moralische Führung anbieten konnte, ist ein weiteres Beispiel hierfür. Auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung waren solche Beweise des Ausbaus von Fähigkeiten von großem Vorteil, um die Ziele des Planes zu verwirklichen.

15 Geführt durch die den Nationalen Geistigen Räten 1994 übermittelte Strategie in auswärtigen Angelegenheiten hat sich die Leistungsfähigkeit der Gemeinde auf dem Gebiet der diplomatischen und öffentlichen Information ebenfalls in erstaunlicher Weise gesteigert, wobei die Bahá’í-Gemeinde in eine dynamische Beziehung zu den Vereinten Nationen, Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) und den Medien getreten ist. Die Strategie konzentrierte sich auf internationaler und nationaler Ebene auf zwei wichtige Ziele: die Prozesse in Richtung auf den Weltfrieden zu beeinflussen und die Sache Gottes zu schützen. Durch die Maßnahmen zur Verteidigung unserer geliebten Glaubensbrüder im Iran gewann die Internationale Bahá’í-Gemeinde ein neues Maß an Achtung und Unterstützung. Daraus ergaben sich Gelegenheiten, andere Ziele dieser Strategie zu verfolgen. Um sich der Herausforderung der hartnäckigen Situation im Iran zu stellen, entwickelten unsere Institutionen und Vertretungen für auswärtige Angelegenheiten neue Vorgehensweisen, um verfügbare Instrumentarien von Regierungen und den Vereinten Nationen zu aktivieren. Die Verfolgungen im Iran beschäftigten die höchsten Instanzen auf unserem Planeten. Die Nachricht, dass ein iranischer Gerichtshof Todesurteile gegen zwei der Freunde bestätigt und ein ähnliches Urteil gegen einen dritten ausgesprochen hatte, rief sogar eine scharfe Reaktion durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten hervor, der an den Iran eine deutliche Mahnung richtete. Als Auswirkung der Interventionen von politischen Führern in der Welt und der Vereinten Nationen hörten die Hinrichtungen von iranischen Bahá’í praktisch auf und ging die Zahl der zu langjährigen Gefängnisstrafen Verurteilten drastisch zurück.

16 Wir begrüßen diese Interventionen und preisen zugleich den aufopfernden Geist, die Seelenstärke und den unbeugsamen Glauben unserer Brüder und Schwestern im Iran, die all diesen Bemühungen Stärke verliehen haben. Diese offenkundigen Eigenschaften der Seele bringen ihre Landsleute durch ihre Standhaftigkeit zum Staunen, mit der sie den tückischen und mitleidslosen Angriffen widerstehen. Wie sonst könnte man erklären, dass es so wenigen möglich war, sich so lange gegen so viele zu behaupten? Wie sonst hätten sie die Sorge der Welt und aktive Reaktionen auslösen können, sobald auch nur ein Einziger von ihnen mit dem Tode bedroht war? Es ist die Tragödie des Iran, dass die Angreifer es bis jetzt nicht eingesehen haben, dass die göttlichen Prinzipien, für die die Verfolgten ihren Besitz und sogar ihr Leben opfern, genau jene Lösungen enthalten, die die Sehnsüchte der Bevölkerung in dieser Stunde der Unzufriedenheit befriedigen würden. Es besteht jedoch nicht der geringste Zweifel, dass die systematische Willkürherrschaft, der unsere iranischen Freunde so grausam ausgesetzt sind, schließlich der Macht des Allmächtigen weichen wird, die den geheimnisvollen Verlauf der Dinge seiner verheißenen Bestimmung in all seiner Herrlichkeit entgegenführt.

17 Das zweite Ziel der Strategie für auswärtige Angelegenheiten bezog sich auf vier Themen – Menschenrechte, der Stellung der Frau, globales Wohlergehen und moralische Entwicklung. Unsere Berichte zeugen von einem gewaltigen Fortschritt bei der Arbeit für Menschenrechte und die Stellung der Frau. Zu ersteren führte das Büro bei den Vereinten Nationen ein kreatives Programm für die Erziehung zu Menschenrechten durch, das bis jetzt dazu beitrug, bei nicht weniger als 99 Nationalen Geistigen Räten die Fähigkeit zur diplomatischen Arbeit aufzubauen. Bezüglich der Stellung der Frau zeigen 52 nationale Büros für den Fortschritt von Frauen, die Beiträge zahlreicher Bahá’í-Frauen und -Männer bei Konferenzen und Arbeitskreisen auf allen Ebenen, die Wahl von Bahá’í-Vertretern in Führungspositionen bei wichtigen NGO-Ausschüssen – so auch beim Entwicklungsfonds für Frauen der Vereinten Nationen –, wie die Anhänger Bahá’u’lláhs beharrlich für Sein Prinzip der Gleichberechtigung von Frau und Mann eintreten.

18 Gleichzeitig verbreiten eine ganze Reihe von Initiativen Informationen über die Bahá’í-Religion an verschiedenste Gruppen in der Öffentlichkeit. Zu diesen innovativen Maßnahmen gehören: der Start einer Web-site “The Bahá’í World”, die im Durchschnitt schon 25.000 mal im Monat besucht wird; die Herausgabe des Statements “Wer schreibt die Zukunft?”, das den Freunden in der ganzen Welt hilft, über zeitgenössische Themen zu sprechen; die Sendung des persischen Radioprogrammes “Payam-e-Doost”, das für eine Stunde pro Woche im Bereich von Washington D.C. ausgestrahlt wird und das über das Internet seit letztem November jederzeit in der ganzen Welt verfügbar ist; die Durchführung eines höchst originellen Fernsehprogramms, in dem moralische Prinzipien auf tägliche Probleme angewandt werden und das von Regierungsstellen in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Slowenien und der früheren jugoslawischen Republik Mazedonien wärmstens befürwortet wird.

19 Ein Phänomen, das sich gegen Ende des Jahrhunderts verstärkt zeigt, ist das Bemühen der Menschen weltweit, ihre Sehnsüchte durch sogenannte “Organisationen der Zivilgesellschaft” auszudrücken. Es muss für die Bahá’í überall eine Quelle größter Genugtuung sein, dass die Internationale Bahá’í-Gemeinde, die als eine Nicht-Regierungsorganisation einen Querschnitt der ganzen Menschheit darstellt, als eine einheitsstiftende Kraft in bedeutenden Diskussionen, die die Zukunft der Menschheit gestalten, solches Vertrauen gewonnen hat. Unser Hauptvertreter bei den Vereinten Nationen wurde zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Ausschusses für Nicht-Regierungsorganisationen ernannt, der vom Wirtschafts- und Sozialrat eingerichtet wurde – eine Stellung, die der Internationalen Bahá’í-Gemeinde eine Führungsrolle bei der Organisation des Millennium-Forums einräumt. Diese von Kofi Annan, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen für kommenden Mai einberufene Versammlung, wird den Organisationen der Zivilgesellschaft Gelegenheit geben, ihre Ansichten und Vorschläge zu globalen Fragen zu formulieren. Diese werden dann von dem im September dieses Jahres folgenden Millennium-Gipfel aufgenommen werden, bei dem sich Staats- und Regierungschefs treffen.

20 Dass die Menschheit sich der geistigen Dimension des Wandels in der Welt bewusst wird, hat für Bahá’í eine besondere Bedeutung. Der interreligiöse Dialog hat sich intensiviert. Während des Vier-Jahres-Planes war der Glaube in zunehmendem Maße als anerkannter Partner daran beteiligt. Das Parlament der Weltreligionen führte im letzten Dezember in Kapstadt 6.000 Teilnehmer zusammen, darunter eine starke Bahá’í-Delegation. Bahá’í waren im südafrikanischen und internationalen Leitungsgremium an der Planung der Veranstaltung beteiligt. Für die Bahá’í ergab sich ein besonderes Interesse an dieser Veranstaltung aus der Tatsache, dass der Name Bahá’u’lláh's öffentlich zum ersten Mal im Westen beim Parlament in Chicago 1893 erwähnt worden war. Auf zwei im letzten November in Jordanien abgehaltenen interreligiösen Veranstaltungen wurden Bahá’í als geladene Teilnehmer empfangen; es waren dies die Konferenz über Konflikte und Religionen im Nahen Osten und die Jahrestagung der Weltkonferenz für Religion und Frieden (WCRP). Bahá’í-Vertreter nahmen auch an Veranstaltungen in der Vatikanstadt und in Neu Delhi teil, die von der römisch-katholischen Kirche veranstaltet wurden. Beim zweiten Anlass war Beraterin Zena Sorabjee eine der Vertreterinnen von Religionen, die in Gegenwart von Papst Johannes Paul II zur Versammlung sprachen. Im Vereinigten Königreich trat der Glaube in die öffentliche Arena, als Bahá’í-Vertreter mit Mitgliedern von acht anderen großen Religionen zu einer interreligiösen Millenniumsfeier in der Königlichen Galerie im Westminster-Palast zusammenkamen, wo in Gegenwart von Mitgliedern des Königshauses, des Premierministers, des Erzbischofs von Canterbury und anderen hervorragenden Persönlichkeiten auf die Versammlung der “neun großen Religionen des Vereinigten Königreiches” Bezug genommen wurde. In Deutschland wurden die Bahá’í zum ersten Mal am interreligiösen Dialog beteiligt. Damit änderte sich eine langjährige Einstellung der christlichen Konfessionen, die wegen eines von einem Bundesbrecher geschriebenen und von einem lutherischen Verlag 1981 herausgegebenen Buches die Berührung mit dem Glauben vermieden hatten. Abhilfe erfolgte durch eine 600 Seiten starke von drei Bahá’í geschriebene wissenschaftliche Widerlegung, die in einem führenden Nicht-Bahá’í-Verlag 1995 erschien, was einen außergewöhnlichen Sieg für die deutsche Bahá’í-Gemeinde darstellt. Eine englische Übersetzung wurde im letzten Jahr des Planes herausgegeben. In ungewöhnlicher Form fand ein interreligiöser Dialog statt, als 1998 Vertreter der Weltbank und von neun großen Religionen im Lambeth-Palast eine Veranstaltung abhielten, die zur Bildung eines Entwicklungsdialogs der Weltreligionen führte. Es ist das vom Dialog verkündete Ziel zu versuchen, den Graben zwischen den Religionsgemeinschaften und der Weltbank zu überbrücken, um ihnen eine wirkungsvollere Zusammenarbeit bei der Überwindung der Armut in der Welt zu ermöglichen. Die Häufigkeit und der umfassende Charakter dieser interreligiösen Versammlungen ist ein neues Phänomen in den Beziehungen der Religionen untereinander. Es ist offensichtlich, dass sich die verschiedenen Religionsgemeinschaften darum bemühen, den Geist der Freundlichkeit und Brüderlichkeit untereinander zu erreichen, den Bahá’u’lláh Seine Anhänger aufgerufen hat, den Anhängern anderer Religionen gegenüber an den Tag zu legen.

21 Während dieser vier Jahre spielten sich die konzentrierten Bemühungen der Bahá’í zu einer Zeit ab, da die Gesellschaft im Allgemeinen mit einer Flut widerstreitender Interessen zu kämpfen hatte. In dieser kurzen aber äußerst bewegten Zeitspanne schritten die in der Bahá’í-Gemeinde und in der Welt waltenden Kräfte mit unerbittlicher Beschleunigung voran. In ihrem Sog offenbarten sich die sozialen Phänomene, auf die Shoghi Effendi hingewiesen hatte, klarer als je zuvor. Vor mehr als 60 Jahren zog er die Aufmerksamkeit auf “diese gleichzeitigen Vorgänge des Aufstieges und des Unterganges, des Zusammenschlusses und des Auseinanderfallens, der Ordnung und des Chaos mit ihren ständigen und wechselseitigen Auswirkungen aufeinander”. Diese zwei Prozesse spielten sich nicht isoliert von jenen ab, die für die Bahá’í-Gemeinde typisch waren, sondern führten, wie schon gezeigt wurde, zur direkten Beteiligung des Glaubens. Sie scheinen auf der anderen Seite des gleichen Zeitkorridors zu laufen. Auf der einen Seite wüteten an etwa 40 Stellen Kriege, die von religiösen, politischen, rassischen oder Stammeskonflikten geschürt wurden; ein plötzlicher totaler Zusammenbruch der bürgerlichen Ordnung lähmt eine Reihe von Ländern; Terrorismus als politische Waffe wurde zur Epidemie; eine Woge internationaler krimineller Netzwerke versetzte die Menschen in Schrecken. Auf der anderen Seite jedoch gab es ernsthafte Versuche, Methoden der kollektiven Sicherheit auszuarbeiten und umzusetzen, was Bahá’u’lláhs Vorschriften für die Erhaltung des Friedens in Erinnerung ruft; es gab einen Aufruf, einen internationalen Strafgerichtshof einzurichten, eine weitere Maßnahme, die mit den Erwartungen der Bahá’í übereinstimmt. Um die Aufmerksamkeit auf die dringende Notwendigkeit, ein angemessenes System zur Lösung von globalen Fragen einzurichten, haben sich die Führer der Welt auf einem Millennium-Gipfel verabredet; neue Kommunikationsmethoden haben den Weg dafür frei gemacht, dass jeder mit jedem auf diesem Planten in Verbindung treten kann. Wirtschaftliche Auflösungserscheinungen in Asien drohten die Weltwirtschaft zu destabilisieren, führten aber zu Bemühungen, die unmittelbare Gefahr zu beheben und Methoden zu entwickeln, einen Sinn für Gerechtigkeit in den Bereich des internationalen Handels und der Finanzen einzuführen. Dies sind nur einige Beispiele für die beiden gegensätzlichen aber aufeinander einwirkenden Tendenzen der Zeit, die Shoghi Effendis inspirierte Zusammenfassung über die Kräfte, die in Gottes Größerem Plan am Werke sind, bestätigen, “dessen letztes Ziel die Einheit und der Frieden der gesamten Menschheit ist”.

22 Zum Abschluss dieser vier ereignisreichen Jahre kommen wir an ein gewaltiges Zusammentreffen von Abschlüssen und Anfängen in der gregorianischen Zeitrechnung und der Bahá’í-Ära. In einem Sinne bedeutet dieses Zusammentreffen das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts und in einem anderen eröffnet es eine neue Stufe in der Entfaltung des Gestaltenden Zeitalters. Die Perspektive dieser zwei Zeitrahmen veranlasst uns, über eine Vision von weltgestaltenden Entwicklungen nachzudenken, die zeitlich zusammenfallen; wir tun dies unter Berücksichtigung der Einsicht, die von Shoghi Effendi so plastisch bei der Gründung des von ihm entworfenen Bogens am Berge Karmel dargelegt wurde. Im Verlauf des Planes gewann diese Vision eine leuchtende Klarheit, als die Bauprojekte am Berge Karmel voranschritten, als die Führer der Welt kühne Schritte in Richtung auf die Gestaltung eines weltweiten politischen Friedens unternahmen, und als örtliche und nationale Bahá’í-Institutionen ein neues Niveau in ihrer Evolution erreichten. Wir tragen mit uns eine heilige und dauerhafte Erinnerung an das zwanzigste Jahrhundert in uns, die unsere Energien weckt und uns den Weg vorzeichnet: Zu ihm gehört jener zukunftsweisende Augenblick in der Geschichte der Menschheit, als der Mittelpunkt des Bundes Bahá’u’lláhs im Laufe einer Amtszeit, die ohne Parallele ist, die Struktur der neuen Weltordnung entwarf und als anschließend im Verlauf einiger seiner verheerendsten Jahre der Hüter des Glaubens seine äußerste Energie darauf verwendete, die Struktur eines administrativen Systems zu errichten, das am Ende des Jahrhunderts in der Ganzheit seiner essenziellen Form vor den Augen der Welt ausgebreitet liegt. Wir stehen damit an einer Brücke zwischen den Zeiten. Die Fähigkeiten, die im Laufe eines Jahrhunderts der heftigen Anstrengungen und Opfer von einer Handvoll von der Liebe zu Bahá’u’lláh berauschter Gläubiger entwickelt wurden, müssen jetzt auf die für das Gestaltende Zeitalter unausweichlich verbleibenden Aufgaben angewandt werden; die zahlreichen Epochen unermüdlicher Arbeit dieses Zeitalters werden schließlich zum Goldenen Zeitalter unseres Glaubens führen, wenn der Größte Friede die Erde umfassen wird.

23 An diesem Ridván beginnen wir einen Zwölf-Monate-Plan. So kurz er auch ist, muss und wird er ausreichen, gewisse lebenswichtige Aufgaben zu erfüllen und das Fundament für den nächsten, zwanzig Jahre andauernden Vorstoß des Göttlichen Planes des Meisters zu legen. Was vor vier Jahren so sorgfältig begonnen wurde – die systematische Aneignung von Kenntnissen, Qualitäten und Dienstfertigkeit – muss erweitert werden. Wo immer es sie gibt, müssen nationale und regionale Institute die Programme und Systeme, die sie eingeführt haben, in vollem Umfang zur Anwendung bringen. Neue Institute müssen gebildet werden, wo der Bedarf danach erkannt wurde. Größere Schritte müssen unternommen werden, um die Lehrarbeit zu systematisieren, die durch individuelle Initiative und durch institutionelle Förderung unternommenen wird. Es ist teilweise zu diesem Zweck, dass die Berater und die Nationalen Räte in verschiedenen Gegenden jedes Kontinents “Regionale Wachstumsprogramme” aufgestellt haben. Die Ergebnisse werden einen Erfahrungsschatz liefern, der für zukünftige Pläne nützlich sein wird. Der Einzelne, die Institutionen und die örtlichen Gemeinden werden dringend gebeten, ihre Aufmerksamkeit auf diese wesentlichen Aufgaben zu richten, damit sie für das nächste Fünf-Jahres-Unternehmen, das zu Ridván 2001 beginnt, voll gerüstet sind – eine Unternehmung, die die Bahá’í-Welt zur nächsten Phase beim Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen führen wird.

24 Aber jenseits der Aufmerksamkeit, die auf diese Aufgaben gerichtet wird, gibt es noch eine dringende Herausforderung, vor der wir stehen: Unsere Kinder müssen geistig genährt und in das Leben der Sache Gottes integriert werden. Man darf nicht zulassen, dass sie ziellos in einer Welt umherirren, die voll von moralischen Gefahren ist. Im gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft sehen sich die Kinder einem grausamen Schicksal gegenüber. Millionen und Abermillionen von ihnen sind in allen Ländern sozial entwurzelt. Die Kinder sind ihren Eltern und der Erwachsenenwelt gegenüber entfremdet, ob sie nun unter armen oder reichen Lebensbedingungen leben. Diese Entfremdung hat ihre Wurzeln in der Selbstsucht, die aus dem Materialismus entsteht, welcher sich im Kern der Gottlosigkeit befindet, die die Herzen der Menschen überall erfasst. Die soziale Entwurzelung der Kinder unserer Zeit ist ein sicheres Anzeichen einer Gesellschaft des Niedergangs; dieser Zustand beschränkt sich jedoch nicht auf eine Rasse, Klasse, Nation oder wirtschaftliche Bedingung – er betrifft alle. Es betrübt unsere Herzen zutiefst festzustellen, dass in vielen Teilen der Welt Kinder als Soldaten benutzt, als Arbeiter ausgebeutet, in die Sklaverei verkauft, in die Prostitution gezwungen, zum Objekt für Pornographie herabgewürdigt, von Eltern, deren Denken nur um ihre eigenen Begierden kreist, verlassen werden oder auf andere Arten – zu zahlreich, um sie aufzuzählen – zu Opfern gemacht werden. Viele dieser Schrecken fügen Eltern selbst den eigenen Kindern zu. Der hieraus entstehende geistige und psychologische Schaden kann überhaupt nicht abgeschätzt werden. Unsere weltweite Gemeinde kann den Folgen dieser Zustände nicht entfliehen. Das Bewusstsein dieser Tatsache sollte uns alle zu dringlichen und beständigen Anstrengungen für die Interessen von Kindern und der Zukunft antreiben.

25 Obgleich Aktivitäten für Kinder auch ein Teil früherer Pläne waren, haben sie dem tatsächlichen Bedarf auf diesem Feld nicht annähernd entsprochen. Geistige Erziehung von Kindern und Junioren ist von größter Bedeutung für den weiteren Fortschritt der Gemeinde. Es ist daher geboten, Abhilfe für diesen Mangel zu schaffen. Die Institute müssen sicherstellen, dass ihre Programme die Ausbildung von Kinderklassenlehrern mit einschließen, die dann den örtlichen Gemeinden ihre Dienste zur Verfügung stellen können. Aber wenn auch eine geistige und schulische Ausbildung für Kinder wesentlich ist, bildet dies doch nur einen Teil dessen, was in die Entwicklung ihres Charakters und in ihre Persönlichkeitsbildung einfließen muss. Es ist notwendig, dass der Einzelne und die Institutionen auf allen Ebenen, d. h. die Gemeinde als Ganzes, Kindern gegenüber eine angemessene Haltung zeigen und sich allgemein für ihr Wohlergehen interessieren. Eine solche Einstellung sollte sich völlig abheben von derjenigen einer schnell zerfallenden Ordnung.

26 Kinder sind der kostbarste Schatz, den eine Gemeinde besitzen kann, denn in ihnen liegt die Verheißung und die Garantie für die Zukunft. In ihnen liegt keimhaft der Charakter der zukünftigen Gesellschaft, der im Wesentlichen durch das gebildet wird, was die Erwachsenen der Gemeinde für die Kinder tun oder zu tun versäumen. Sie sind ein Pfand, das keine Gemeinde ungestraft vernachlässigen darf. Eine allumfassende Liebe für die Kinder, die Art, wie man sie behandelt, die Qualität der ihnen geschenkten Aufmerksamkeit, der Geist, mit dem sich Erwachsene ihnen gegenüber verhalten – dies alles gehört zu den lebenswichtigen Aspekten der erforderlichen Einstellung. Liebe erfordert Disziplin, den Mut, Kinder an Mühsal zu gewöhnen, nicht allen ihren Launen nachzugeben und sie nicht ihren eigenen Neigungen ganz zu überlassen. Es muss eine Atmosphäre gewahrt werden, in der Kinder fühlen, dass sie zur Gemeinde gehören und sich an ihrem Ziel beteiligen. Sie müssen liebevoll aber nachdrücklich dahin geführt werden, nach den Bahá’í-Maßstäben zu leben und die Sache Gottes in einer Weise zu erforschen und zu lehren, wie es ihrem Lebensumfeld entspricht.

27 Unter den Jugendlichen in der Gemeinde sind auch die Junioren, im Alter etwa zwischen 12 und 15. Sie bilden eine besondere Gruppe, die besondere Bedürfnisse hat, da sie sich irgendwo zwischen Kindheit und Jugend befinden und viele Veränderungen in ihnen vorgehen. In schöpferischer, hingebungsvoller Aufmerksamkeit gilt es, sie an Programmen für Aktivitäten zu beteiligen, sie dabei mit ihren Interessen einzubeziehen, ihre Befähigungen für das Lehren und den Dienst zu bilden und sie in die sozialen Interaktionen mit älteren Jugendlichen einzubinden. Die Einbeziehung der Künste in ihren verschiedenen Formen kann in solchen Aktivitäten von großem Wert sein.

28 Und nun möchten wir einige Worte an Eltern richten, die bei der Erziehung ihrer Kinder die Hauptverantwortung tragen. Wir rufen sie auf, ihre ständige Aufmerksamkeit auf die geistige Erziehung ihrer Kinder zu richten. Es scheint, dass einige Eltern annehmen, dies liege ausschließlich in der Verantwortung der Gemeinde; andere glauben, dass die Unabhängigkeit der Kinder bei der Erforschung der Wahrheit gewahrt bleiben müsse und deshalb der Glaube ihnen nicht gelehrt werden dürfe. Wiederum andere fühlen sich unfähig, diese Aufgabe zu bewältigen. Nichts davon trifft zu. Der geliebte Meister sagte: “Vater und Mutter sind verpflichtet, Tochter und Sohn mit größter Anstrengung auszubilden”, und fügte hinzu: “Wer diese Aufgabe vernachlässigt, der wird in Gegenwart des gestrengen Herrn zur Rechenschaft gezogen und mit Vorwürfen überhäuft werden.” Unabhängig vom Niveau ihrer eigenen Ausbildung sind Eltern in der entscheidenden Lage, die geistige Entwicklung ihrer Kinder zu formen. Sie sollten unter keinen Umständen ihre Fähigkeit, den moralischen Charakter ihrer Kinder zu bilden, unterschätzen. Denn sie üben einen unersetzbaren Einfluss durch die häusliche Umgebung aus, die sie bewusst durch ihre Liebe zu Gott, ihr Bemühen, sich an Seine Gesetze zu halten, ihren Geist des Dienstes für Seine Sache, ihre nicht fanatische Einstellung und ihre Freiheit von den zersetzenden Wirkungen der üblen Nachrede schaffen. Jeder Elternteil, der an die Gesegnete Schönheit glaubt, hat die Verantwortung sich in solcher Weise zu benehmen, wodurch bei den Kindern spontan der Gehorsam gegenüber den Eltern entsteht, dem die Lehren solch hohen Wert beimessen. Natürlich sollten die Eltern zusätzlich zu ihrem Bemühen im Hause die von der Gemeinde eingerichteten Bahá’í-Kinderklassen unterstützen. Man muss auch daran denken, dass die Kinder in einer Welt leben, die sie durch den direkten Kontakt mit den Schrecken, die wir beschrieben haben, und durch die unvermeidliche Überflutung der Massenmedien über die rauhen Realitäten informiert. Viele von ihnen werden daher zwangsläufig vorzeitig reif, und unter diesen gibt es solche, die nach Maßstäben und einer Disziplin suchen, nach der sie ihr Leben ausrichten können. Auf diesem düsteren Hintergrund einer dekadenten Gesellschaft sollten Bahá’í-Kinder als die Sinnbilder einer besseren Zukunft strahlen.

29 Wir hegen die lebhaftesten Erwartungen, wenn wir daran denken, dass die Kontinentalen Berater sich im Januar 2001 aus einem Anlass versammeln werden, bei dem wir den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Gottes feiern werden. Hilfsamtsmitglieder aus der ganzen Welt werden mit ihnen an einer Versammlung teilnehmen, die sich zweifellos als eines der historischen Ereignisse des Gestaltenden Zeitalters erweisen wird. Die Zusammenkunft eines solchen Kreises von Bahá’í-Amtsträgern muss allein naturgemäß für eine Gemeinde, die dann kurz vor dem Ende eines Planes und dem Eintritt in einen neuen Plan stehen wird, zahllose Wohltaten bringen. Während wir über diese Auswirkungen nachsinnen, wenden wir uns mit dankbaren Herzen an die geliebten Hände der Sache Gottes ‘Alí-Akbar Furútan und ‘Alí Muhammad Varqá, die durch ihren Aufenthalt im Heiligen Land die Fackel des Dienstes hochhalten, die der geliebte Hüter in ihren Herzen entzündet hat.

30 Mit diesem Zwölf-Monate-Plan überqueren wir eine Brücke, zu der wir niemals zurückkehren werden. Wir beginnen diesen Plan in der Abwesenheit von ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum aus diesem irdischen Dasein. Sie blieb bei uns praktisch bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts als ein Strahl jenes Lichtes, das während jener unvergleichlichen Periode in der Geschichte der Menschheit schien. In den Sendschreiben zum Göttlichen Plan beklagte der Meister Seine Unfähigkeit, durch die Welt zu reisen, um den göttlichen Ruf zu erheben, und da er Seine Enttäuschung so intensiv fühlte, schrieb Er die Hoffnung nieder: “Es möge Gott gefallen, dass ihr es erreicht!” ‘Amatu’l-Bahá reagierte darauf mit grenzenloser Energie, berührte weit verstreute Gegenden dieser Erde in den 185 Ländern, die dazu ausersehen waren, ihre unvergleichlichen Geschenke zu erhalten. Ihr Beispiel, das für immer seinen Glanz behalten wird, erleuchtet die Herzen von Tausenden und Abertausenden auf dem ganzen Erdball. Da jede andere Geste unangemessen erscheint, sollten wir nicht alle während dieses Planes unsere demütigen Bemühungen dem Gedenken jener widmen, für die Lehren das oberste Ziel, die vollkommenste Freude des Lebens war?

Das Universale Haus der Gerechtigkeit





DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT
BAHÁ’Í-WELTZENTRUM
Ridván 156


An die Bahá’í der Welt



Innig geliebte Freunde,

Während wir betrachten, was in dem Jahr erreicht wurde, das dem schicksalsschweren, letzten Zeitraum der Erfüllung des Vierjahresplanes vorausgeht, glühen unsere Herzen vor Hoffnung. Seit dem schwungvollen Jahresbeginn mit der Achten Internationalen Bahá’í-Tagung hat die Bahá’í-Welt das Tempo ihrer Aktivitäten beschleunigt und aufrechterhalten, das deutlich den Prozess des Beitritts in Scharen gefördert hat. Unsere Gemeinde ist beträchtlich gewachsen, ihre menschlichen Hilfsquellen wurden gestärkt. Von Expansionsprojekten bis zu Festigungsbemühungen, von sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung bis zur Öffentlichkeitsarbeit und den Außenbeziehungen, von Diensten der Jugend bis zu Ausdrucksformen in den Künsten, vom Weltzentrum des Glaubens bis zu abgelegenen Dörfern und Städten – von welchem Blickwinkel aus man die Gemeinde auch betrachtet – es wurden Fortschritte gemacht. Die Aussichten für den Plan spornen an.

Der Impuls, der von der Internationalen Tagung ausging, durchzog auch die unmittelbar folgende Konferenz des Berateramts, gab den unermüdlichen Teilnehmern weiteren Auftrieb und beflügelte die im Mai abgehaltenen Nationaltagungen, inklusive der in Sabah, Sarawak und der Slowakei, die auf ihrer ersten Tagung ihre Nationalen Geistigen Räte bildeten. Dieselbe Energie erfüllte das Internationale Lehrzentrum, das in der kurzen Zeit seiner sechsten Amtsperiode, die mit dem Jahrestag der Erklärung des Báb begann, eine bemerkenswerte Kraft gezeigt hat. Auf die Vervollkommnung und Festigung ihrer Organisation konzentriert, haben die Mitglieder des Lehrzentrums auf ihre üblichen Reisen während dieses ersten Jahres verzichtet; nach dieser Phase ist jedoch zu erwarten, dass sie ihre Besuche in den verschiedenen Teilen der Welt wieder aufnehmen, um ihren belebenden Einfluss auf die erfolgreiche Beendigung des Vierjahresplanes zu verstärken.

Zusätzlich zu jenen Ereignissen im Heiligen Land schreiten die Bauprojekte auf dem Berg Karmel, die von den Delegierten auf der Internationalen Tagung mit solch freudigem Erstaunen betrachtet wurden, weiter voran bis zu ihrer planmäßigen Vollendung zum Ende des Jahrhunderts. Mit dem Beginn aller übrigen Baumaßnahmen seit letztem Ridván hat das Arbeitstempo einen neuen Höhepunkt erreicht. Das Zentrum für das Studium der Schriften und die Erweiterung des Archivgebäudes werden in den nächsten Wochen bezugsfertig sein; die Außenfassade des Internationalen Lehrzentrums ist mit Marmor verkleidet und die abschließenden Innenarbeiten schreiten auf allen Ebenen voran. Das Absenken der Hatzionut Avenue zur Einpassung der Brücke, die jetzt die Terrassen des Schreins des Báb zu beiden Seiten der Straße miteinander verbindet, wurde fertiggestellt und der normale Stadtverkehr wieder aufgenommen. Die sich entfaltende Pracht der Terrassen hat derartige Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden, dass die neunzehnte Terrasse auf dem Gipfel des Berges bereits täglich für Besucher geöffnet wurde und begeisterte Reaktionen einer dankbaren Bevölkerung hervorgerufen hat. Als Teil einer Kampagne mit dem Ziel, internationale Aufmerksamkeit auf die Stadt zu ziehen, hat die Stadtverwaltung von Haifa eine bebilderte Broschüre des Schreins des Báb und der Terrassen herausgebracht, die neben Hebräisch in fünf weiteren Sprachen erhältlich ist.

Wir fühlen uns veranLasst, noch zwei weitere Entwicklungen im Weltzentrum zu erwähnen, die ganz anderer Art sind: Erstens, die Entscheidung, die Anzahl der Pilger für jede Gruppe von 100 auf 150 zu erhöhen; diese wird in Kraft treten, wenn die derzeitige Renovierung des neu erworbenen Gebäudes, das sich gegenüber dem Weg zur Ruhestätte des Größten Heiligen Blattes befindet, vollendet ist und dort ein Pilgerraum sowie andere Einrichtungen zum Abhalten eines erweiterten Pilger-Programms zur Verfügung stehen. Zweitens ist der bedeutende Fortschritt zu nennen, der - trotz der unvermeidlichen Langsamkeit des Prozesses - in dem Vorhaben gemacht wird, Texte der Schriften Bahá’u’lláhs zu übersetzen, mit der Absicht, einen neuen englischen Band Seiner Werke herauszugeben. Es werden Anstrengungen unternommen, vollständige Versionen solch bedeutender Tablets wie der Súriy-i-Mulúk und der Súriy-i-Haykal, sowie die vollständigen Texte von Tablets an einzelne Könige und Herrscher bereitzustellen. Auch die Súriy-i-Ra'ís, das Lawh-i-Ra'ís und das Lawh-i-Fu'ád sollen darin enthalten sein.

Die Sache Bahá’u’lláhs schreitet unablässig voran, gestärkt durch die zunehmende Anwendung eines systematischen Ansatzes zur Entfaltung und Nutzung menschlicher Hilfsquellen. Die weitere Einrichtung von nationalen und regionalen Bahá‘í-Instituten, jetzt 344 an der Zahl, hat diese Entwicklung vorangetrieben, mit dem Ergebnis, dass - abgesehen von Nordamerika und Iran, wo zahlreiche Kurse gegeben wurden - etwa 70.000 Personen bereits zumindest einen Institutskurs abgeschlossen haben. All dies trägt zu einer wachsenden Zahl von gefestigten, aktiven Anhängern der Sache bei. Das unermeßliche Potential dieses Fortschritts wird durch Berichte wie dem aus dem Chad illustriert, wo in einem mit einem Institut ausgestatteten Gebiet mehr als 1000 Menschen durch die individuellen Bemühungen der Institutsteilnehmer den Glauben annahmen. Das Verständnis für die Notwendigkeit der systematischen Entwicklung menschlicher Hilfsquellen etabliert sich überall.

Zeitgleich mit der erwiesenen Wirksamkeit der Institute entstehen, pragmatisch begründet, Regionale Bahá’í-Räte in ausgewählten Ländern, in denen die Umstände die Einrichtung dieser Institutionen notwendig und realisierbar gemacht haben. Wo es enge Interaktionen zwischen einem Regionalen Rat und einem Institut gibt, ist die Bühne frei für eine stimulierende Verknüpfung der Prozesse, welche effektive Ausbreitung und Festigung in einer Region bewirken, und für ein praktisches Anpassen der Institutsausbildung an die Entwicklungsbedürfnisse der örtlichen Gemeinden. Außerdem lassen die Richtlinien, über die das Kontinentale Berateramt und die Regionalen Räte direkten Zugang zueinander haben, eine weitere institutionelle Beziehung aufkommen, die unter Einbeziehung der Verbindung der Regionalen Räte mit den Nationalen und örtlichen Geistigen Räten zu einer dynamischen Integration der Funktionen auf regionaler Ebene führt.

Die sich ständig ausweitende soziale und wirtschaftliche Entwicklungsarbeit profitiert ebenfalls von der Arbeit solcher Bahá’í-Institute, die Themen wie Alphabetisierung, grundlegende Gesundheitsfürsorge und Förderung von Frauen Aufmerksamkeit schenken. Die mehr in die Breite gehenden Bemühungen des Büros für Soziale und Wirtschaftliche Entwicklung, einen weltweiten Prozeß des Lernens und Erfahrens über relevante Bahá’í-Prinzipien voranzutreiben, werden sowohl durch die Arbeit solcher Institute, als auch durch das Entstehen von Bahá’í-inspirierten Organisationen, die über den ganzen Planeten verstreut sind, verstärkt. Sicherlich wird damit die institutionelle Fähigkeit, solche Entwicklungsprogramme durchzuführen, an Stärke gewinnen. Dies tritt in Projekten zutage, die von Bahá’í-Institutionen getragen oder von einzelnen durch die Inspiration des Glaubens initiiert wurden. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das Unity College, das erste und seit Ende 1998 das einzige private College des Landes, das von einer Familie in Äthiopien gegründet wurde und dessen Studentenzahl während des letzten Jahres auf über 5.000 anstieg. Ein weiteres Beispiel, viel kleiner aber nichtsdestotrotz bedeutend, ist die Initiative einer Familie in Buffalo, New York; in ihrem Haus helfen sie Dutzenden Kindern und Jugendlichen aus der Innenstadt dabei, durch die geistigen und ethischen Bahá’í-Lehren Verhaltensweisen zu entwickeln, die sie befähigen werden, auf Armut und Rassismus gewachsene selbstzerstörerische Einstellungen zu überwinden.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen wurden die nachdrücklichsten Aktionen von zwei tragischen Ereignissen im Iran ausgelöst. Die plötzliche Hinrichtung von Rúhu'lláh Rawhání in Mashhad Ende Juli, die erste offizielle Aktion solcher Art seit sechs Jahren, war ein Schock, der einen weltweiten und unvorhergesehenen Schrei der Empörung seitens Regierungen und Organisationen der Vereinten Nationen hervorrief. Ende September lancierte der Iranische Geheimdienst einen geplanten Angriff auf die Bahá’í-Hochschule, in dessen Verlauf 36 Mitglieder des Lehrkörpers inhaftiert und mehr als 500 Häuser im ganzen Land geplündert wurden. Letzterer Vorfall rief eine weltweite, immer noch andauernde Protestkampagne hervor, an der akademische Institutionen und Einrichtungen, Lehrer und Studentengruppen teilgenommen haben und an der die Presse ein spezielles Interesse zeigte, was sich im Erscheinen bedeutender Artikel in Le Monde, The New York Times und anderen großen Zeitungen niederschlug. Die erfolgreiche Verabschiedung einer weiteren Resolution zum Iran durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen im letzten Dezember, in der die Bahá’í besonders erwähnt werden, war sicherlich beEinflusst von diesen zwei auffallenden Beispielen einer unvermindert fortdauernden religiösen Verfolgung.

So intensiv die Anforderungen an die Freunde in allen Teilen der Welt auch waren, unsere bedrängten Mitgläubigen zu verteidigen, wurde zugleich doch viel Aufmerksamkeit einem breiten Spektrum von anderen Öffentlichkeitsaktivitäten gewidmet. Die viermonatige Reise eines Entsandten des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Herrn Giovanni Ballerio, zu den Pazifischen Inseln, wo er mit 22 Staatsoberhäuptern, 5 Regierungsoberhäuptern und über 40 hochrangigen Beamten zusammentraf, die Bemühungen einer Anzahl Nationaler Geistiger Räte, sich auf die Aufforderung der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen hin für die Menschenrechtserziehung einzusetzen, die Teilnahme von Repräsentanten der dazu eingeladenen Bahá’í-Gemeinde Südafrikas an der Arbeit der südafrikanischen Wahrheitskommission, in der sie ihre unerschrockene Unterstützung der Einheit der Rassen während der Jahre der Apartheid darstellen konnten, der kürzliche Erfolg der Gemeinden in Australien, Brasilien, Finnland und Portugal im Einholen der Erlaubnis von Erziehungsbehörden, Kurse über den Bahá’í-Glauben in die Lehrpläne von Grund- und Realschulen zu integrieren, - diese, und nicht zuletzt die Projekte, die eine Bekanntmachung in allen Mediensparten bewirkten, sind Beispiele für die breit angesetzten Unternehmungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Außenbeziehungen, welche die Energien der Gemeinden gebunden haben.

Eine begleitende Flut an Aktivitäten berücksichtigte den Einsatz der Künste; darunter stellten die musikalischen und anderen künstlerischen Präsentationen während der Feierlichkeiten in Paris zum hundertjährigen Bestehen des Glaubens in Europa ein herausragendes Ereignis dar. Der Voices-of-Bahá-Chor, mit 68 Mitgliedern aus Europa, Nord- und Südamerika, begeisterte das Publikum in acht europäischen Städten und machte den Glauben vielen bekannt. "Light and Fire", der vollendete Teil einer Oper mit Ballett, geschrieben von dem Bahá’í-Komponisten Lasse Thoresen aus Norwegen, wurde auf einem weithin angesehenen Musik-Festival in Polen, bekannt als Warschauer Herbst, das von der Königin von Schweden eröffnet wurde, im letzten September erfolgreich aufgeführt. Das Werk basiert auf dem heroischen Verhalten der Märtyrer im Iran in jüngster Zeit und brachte somit das Publikum mit dem Glauben in Berührung. Bezeichnend für Europas offensichtliche Führerschaft bei solcherart Bestrebungen war auch das österreichische Kammermusik-Festival, auf dem das Österreichische Verdienstkreuz für Wissenschaft und Künste - die höchste Auszeichnung dieser Art in Österreich - an Herrn Bijan Khadem-Missagh, einen Bahá’í-Violinisten und Dirigenten, durch den Bundespräsidenten der Republik Österreich verliehen wurde. In einem Programmpunkt desselben Festivals wurden Auszüge aus den Bahá’í-Schriften und anderen Heiligen Schriften rezitiert. Es muss aber auch ein Wort der Anerkennung ausgesprochen werden für die herausragende Rolle, die von der Jugend auf der ganzen Welt bei der Einbeziehung der Künste in die Lehrarbeit gespielt wird. Insbesondere die Auftritte ihrer Tanzgruppen haben sich einen Namen innerhalb wie außerhalb der Bahá’í-Gemeinde erworben.

Deshalb betreten wir diese Ridván-Zeit als eine Gemeinde in einem dynamischen Stadium der Transformation, die sich einer Geschlossenheit der Vision und Aktivität erfreut, die in Einklang mit dem Ziel der Förderung des Prozesses zum Beitritt in Scharen steht. Und wir beginnen das letzte Jahr des Planes mit einem Schub an administrativer Stärke, denn drei europäische Länder – Lettland, Litauen und Mazedonien2 – halten ihre ersten Nationaltagungen zur Bildung von Nationalen Geistigen Räten ab und erhöhen somit die Anzahl der Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf 1823. Aber nach diesem festlichen Moment bricht eine zeitliche Abfolge von Erwartungen an, an deren erster Stelle zunächst der Abschluss des Vierjahresplanes zu Ridván 2000 steht. Dem folgt mit dem Tag des Bundes in jenem Jahr der Beginn einer neuen Amtsperiode für das Kontinentale Berateramt, deren Mitglieder bald danach zu einer Konferenz ins Weltzentrum gerufen werden, auf der – neben anderen Themen – die Grundzüge des nächsten weltweiten Verbreitungs- und Festigungsplanes erörtert werden. Die Konferenz der Berater wird den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen dauerhaften Amtssitz kennzeichnen, ein Anlaß, zu dem die Hilfsamtsmitglieder auf der ganzen Welt eingeladen werden, sich den Beratern im Heiligen Land anzuschließen. Die Projekte am Berg Karmel werden bis dahin abgeschlossen sein und die Vorbereitungen zu den Einweihungsfeiern, geplant für den 22. und 23. Mai 2001, zu denen eine Anzahl von Vertretern aus jeder nationalen Bahá’í-Gemeinde eingeladen werden, sind dann schon weit fortgeschritten. Einzelheiten zu diesen Ereignissen werden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

Diese Vorausschau auf gewichtige Ereignisse führt über die Zeitenteilung zwischen dem - gemäß der allgemeinen Zeitrechnung - 20. Jahrhundert und dem neuen Jahrtausend hinweg. Es ist eine Vorausschau, die den Kontrast zwischen der zuversichtlichen Vision, die eine erleuchtete Gemeinde zu konstruktiven Vorhaben beflügelt, und den verwirrten Ängsten unterstreicht, die Millionen über Millionen ergriffen haben, die sich des Tages, an dem sie leben, nicht bewusst sind. Echter Führung beraubt, verweilen sie in den Schrecken des Jahrhunderts, in Verzweiflung darüber, was diese für die Zukunft bedeuten könnten, kaum wahrnehmend, dass eben dieses Jahrhundert ein Licht enthält, das auf zukünftige Jahrhunderte scheinen wird. Schlecht ausgerüstet für das Verständnis der sozialen Umwälzung, die den gesamten Planeten erfaßt hat, hören sie auf die Experten des Irrtums und sinken immer tiefer in einen Sumpf der Hoffnungslosigkeit. Beunruhigt von den Voraussagen des Untergangs, kämpfen sie mit den Phantomen falsch genährter Vorstellungen. In Unkenntnis der verwandelnden Vision, die der Herr des Zeitalters gewährt hat, stolpern sie vorwärts, blind gegenüber der Einzigartigkeit des neuen Tages Gottes.

Die beklagenswerten Verhältnisse, die solch ein Herzens- und Geisteszustand nach sich zieht, müssen uns zwangsläufig zum Handeln bewegen, zu unablässigem Handeln, um die Absicht eines Planes zu erfüllen, dessen Hauptziel es ist, die Prozesse zu beschleunigen, die es einer wachsenden Zahl der Weltbevölkerung ermöglichen, das Ziel ihrer Suche zu finden und ein Leben in Einheit, Frieden und Wohlergehen zu führen.

Liebe Freunde, die Tage vergehen so schnell wie das Aufblitzen eines Sterns. Setzen Sie jetzt Ihr Zeichen, an diesem kritischen Wendepunkt einer Zeit, dergleichen niemals wiederkehren wird. Setzen Sie dieses Zeichen mit Taten, die Ihnen himmlische Segensgaben bringen werden – sichern Sie sich und der ganzen Menschheit eine Zukunft, die über jegliche irdische Vorstellung hinausreicht.

DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT



Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Bahá’í-Weltzentrum

Ridván 155

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde!

Freudigen Herzens bestaetigen wir zu dieser Halbzeit des Vier-Jahres-Planes, dass die weltweite Bahá’í-Gemeinschaft in dieser dynamischen Etappe ihrer Entwicklung dabei ist, neue Wege zu bahnen. Der Prozeß des Beitritts in Scharen, auf den sich ihre Energien konzentrieren, macht deutliche Fortschritte.

Drei Entwicklungen geben unseren Erwartungen Zuversicht. Die eine besteht in den soliden Ergebnissen, die überall dort, wo Bahá’í-Institute arbeiten, hervorgerufen werden. Zehntausende Freunde haben während der letzten zwei Jahre wenigstens einen Institutskurs abgeschlossen. Die unmittelbaren Auswirkungen auf sie waren ein deutlich gefestigter Glaube, ein größeres Bewusstsein ihrer geistigen Identität und ein stärkeres Engagement im Dienst an der Bahá’í-Sache. Die zweite betrifft eine bemerkenswerte Verbesserung der Bedingungen bei der Bildung und Wiederbildung von örtlichen Geistigen Räten. 1997 wurde die Entscheidung wirksam, diese Institutionen nur noch am ersten Ridván-Tag und hauptsächlich auf Initiative der Gemeinde selbst zu bilden. Obgleich die Zahl der örtlichen Räte weltweit daraufhin abnahm, was nicht unerwartet war, blieb doch der Rückgang gering, in einigen Ländern wurde sogar eine Zunahme verzeichnet. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass der Reifeprozeß dieser göttlich verordneten Institutionen in den richtigen Bahnen verläuft. Die dritte Entwicklung besteht darin, dass ein neues Vertrauen in die Lehrarbeit die Freunde beseelt, was in verschiedenen Gegenden beeindruckende Ergebnisse zeitigt. Das Potential für einen stetigen und ständig zunehmenden Zustrom von neuen Gläubigen war immer vorhanden, und wir können vertrauensvoll sagen, dass die Fähigkeit es zu verwirklichen mit der Umsetzung des gegenwärtigen Planes mehr denn je methodisch entwickelt wird.

Zusätzlich zu diesen Zeichen des Fortschritts freuen wir uns über die bewundernswerte Geschwindigkeit, mit der die Bauprojekte am Berge Karmel vorangeschritten sind, um den für das gerade vergangene Jahr gesteckten Zeitplan zu erfüllen. Die Bildung von drei neuen Nationalen Geistigen Räten - Sabah, Sarawak und Slowenien – sowie die Wiedererrichtung des Nationalen Geistigen Rates von Liberia steht im Mai bevor. Damit erhöht sich die Zahl der Pfeiler des Universalen Hauses der Gerechtigkeit auf 179. Während wir über die göttlichen Gnadengaben nachsinnen, die unserer Gemeinde verliehen werden, anerkennen wir mit tiefster Dankbarkeit die beständigen Dienste, die von den einzelnen Händen der Sache Gottes, dem Internationalen Lehrzentrum, den Beratern und ihrer Hilfsämter auf allen Kontinenten geleistet werden. Die zunehmende Stärke von Nationalen Geistigen Räten festigt unsere Gewißheit über das unmittelbare Eintreten überwältigender Siege.

Vor dem chaotischen Hintergrund eines Planeten, der mit sich selbst uneins ist, hebt sich dieses erfreuliche Bild der Zukunftsaussichten der Gemeinde ab. Und doch ist offensichtlich, dass inmitten der verbreiteten Trostlosigkeit des menschlichen Geistes sich in irgendeiner Schicht des Bewusstseins unter den Völkern der Welt ein wachsendes Gefühl dafür regt, dass die Bewegung in Richtung auf globale Einheit und Frieden unwiderstehlich ist. Dieses Gefühl wird in dem Masse geweckt, wie die materiellen Schranken zwischen den Völkern faktisch durch die atemberaubenden Fortschritte in den Wissenschaften und ihren Anwendungen beseitigt werden. Trotzdem bleibt die Menschheit durch eine Serie von welterschütternden Heimsuchungen und weltgestaltenden Entwicklungen gegenwärtig noch benommen und verwirrt. Was an Sturm und Ungestüm das soziale Gewebe zur Zeit aufpeitscht, ist für alle unverständlich außer für jene relativ wenigen Bewohner des Planeten, die Gottes Absicht für diesen Tag erkannt haben.

Überall sind unsere Mitmenschen, ohne sich dessen gewahr zu sein, zur gleichen Zeit widersprüchlichen Emotionen unterworfen, hervorgerufen von den fortgesetzten Auswirkungen simultaner Prozesse ”des Aufstiegs und des Verfalls, des Zusammenschlusses und der Auflösung, der Ordnung und des Chaos”. Shoghi Effendi hat sie als Aspekte des Größeren und Geringeren Planes Gottes bezeichnet, die zwei bekannten Wege, durch die sich Seine Absicht für die Menschheit vollzieht. Zum Größeren Plan gehören Umbruch und katastrophale Erschütterungen und er schreitet mit scheinbar planloser Willkür voran, aber in Wirklichkeit treibt er die Menschheit unerbittlich zur Einheit und Reife. Das bewirken zum größten Teil Menschen, die seine Bahn nicht kennen und seinem Ziel sogar feindlich gegenüberstehen. Shoghi Effendi hat schon darauf hingewiesen, dass Gottes Größerer Plan ”in Seinem die Welt gestaltenden Spiel sowohl die Mächtigen wie die Niedrigen als Figuren benutzt, um Seinen unmittelbaren Zweck zu erreichen und schließlich Sein Königreich auf Erden zu errichten.” Die durch ihn erzeugte Beschleunigung der Prozesse gibt Entwicklungen neuen Schwung, die bei allem anfänglichen Schmerz und Kummer wir Bahá’í als Anzeichen dafür erkennen, dass der Geringere Frieden in Erscheinung tritt.

Anders als Sein Größerer Plan, der auf geheimnisvolle Weise wirkt, ist Gottes Geringerer Plan klar aufgezeichnet, er vollzieht sich über systematische und uns bekannte Prozesse und wurde uns zur Ausführung übertragen. Sein Endziel ist der Größte Friede. Der vierjährige Feldzug, dessen Halbzeit wir erreicht haben, stellt die gegenwärtige Phase des Geringeren Planes dar. Auf das Erreichen seiner Ziele müssen wir daher unsere ganze Aufmerksamkeit und Energie richten.

Gelegentlich mag es scheinen, dass der Verlauf des Größeren Planes eine Störung im Ablauf des Geringeren Planes bewirkt, aber die Freunde haben allen Grund, unverzagt zu bleiben. Denn sie erkennen den Ursprung des in der Welt wiederholt auftretenden Aufruhrs und ”bejahen”, wie schon Shoghi Effendi sagte, ”seine Notwendigkeit, beobachten zuversichtlich seinen geheimnisvollen Verlauf, flehen um Milderung seiner Strenge, mühen sich einsichtig um eine Abschwächung seines Wütens und richten ihren ungetrübten Blick voraus auf das Ende der Schrecknisse und die Hoffnungen, das es zwangsläufig zeitigen muss.”

Auch eine flüchtige Betrachtung der Weltszenerie in den letzten Jahren kann nur zu solchen Beobachtungen führen, die für einen Bahá’í-Betrachter besonders bedeutungsschwer sind. Zum einen kann man selbst im Getöse einer im Aufruhr befindlichen Gesellschaft eine unmissverständliche Tendenz in Richtung auf den Geringeren Frieden erkennen. Einen faszinierenden Hinweis liefert das größere Engagement der Vereinten Nationen an überfälligen drängenden Weltproblemen, wobei sie von mächtigen Regierungen unterstützt werden; ein weiterer ergibt sich in allerletzter Zeit aus der Tatsache, dass führende Politiker in dramatischer Weise erkennen, was die enge Verknüpfung aller Nationen auf dem Gebiet des Handels und der Finanzen tatsächlich bedeutet - eine Vorbedingung, die Shoghi Effendi schon lange als einen wesentlichen Aspekt für eine organisch geeinte Welt erkannt hatte. Aber eine für die Bahá’í-Gemeinschaft noch viel bedeutsamere Entwicklung besteht darin, dass eine beachtliche Zahl von Menschen jetzt nach geistiger Wahrheit sucht. Mehrere kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studien sind diesem Phänomen gewidmet. Ideologien, die den größten Teil dieses Jahrhunderts beherrschten, haben sich erschöpft; mit ihrem Schwinden in den letzten Jahren des Jahrhunderts wächst ein Hunger nach Sinn, eine Sehnsucht der Seele.

Dieser geistige Hunger ist durch Ruhelosigkeit und durch eine sich steigernde Unzufriedenheit mit dem moralischen Zustand der Gesellschaft gekennzeichnet. Er zeigt sich auch in einem aufbrechenden Fundamentalismus bei verschiedenen religiösen Sekten und einer Vervielfachung von Bewegungen, die sich als Religionen ausgeben oder deren Platz einzunehmen streben. Dies sind Beobachtungen, durch die man die Interaktion zwischen den zwei auf dem Planeten am Werk befindlichen göttlich vorangetriebenen Prozessen klar erkennen kann. Die durch die Vorsehung gebotenen vielfältigen Gelegenheiten, die Botschaft Baha’u’llahs suchenden Seelen zu übermitteln, schaffen für den Bahá’í-Lehrer Situationen voller Möglichkeiten. Die Folgerungen für die vor uns liegende Aufgabe sind ungeheuer ermutigend.

Unsere Hoffnungen können erfüllt, unsere Ziele erreicht und unsere Möglichkeiten des Fortschritts können verwirklicht werden, wenn wir unsere Bemühungen auf das Hauptziel des Göttlichen Planes in seiner gegenwärtigen Phase richten: einen bedeutenden Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen zu erreichen. Dieser Herausforderung können wir begegnen, indem wir uns geduldig und ausdauernd bemühen. Der Beitritt in Scharen liegt für unsere Gemeinschaft in greifbarer Nähe. Beharrlicher Glaube, Gebet, die Eingebungen der Seele, Göttlicher Beistand - diese gehören als wesentliche Bestandteile zu jeder Bahá’í-Unternehmung. Um den Beitritt in Scharen zu erreichen, sind jedoch eine realistische Vorgehensweise und systematisches Handeln von gleicher Wichtigkeit. Auf diesem Weg gibt es keine Abkürzungen. Systematisches Vorgehen stellt sicher, dass die Handlungslinien folgerichtig sind und auf wohldurchdachten Plänen basieren. Allgemein gesagt, bedeutet es, in allem, was Bahá’í-Dienst anbetrifft, methodisch vorzugehen, ob es sich um das Lehren oder die Administration, um individuelles oder gemeinschaftliches Bemühen handelt. Während individuelle Initiative und Spontaneität ihren Platz haben, legt doch die Notwendigkeit nahe, eine klaren Kopf zu behalten, methodisch, effizient, beständig, ausgewogen und harmonisch zu sein. Systematisierung ist eine notwendige Funktionsweise, die von der Dringlichkeit zum Handeln beseelt ist.

Um eine systematische Entwicklung der Gemeinde sicherzustellen, besteht eine der Aufgaben der Bahá’í-Institutionen darin, den Prozeß der Entwicklung von menschlichen Hilfsquellen zu organisieren und aufrecht zu erhalten, durch den Bahá’í - neue und altgediente in gleicher Weise - die Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben können, eine ständige Ausbreitung und Festigung der Gemeinde zu unterstützen. Zu diesem Zweck ist die Errichtung von Bahá’í-Instituten entscheidend, da sie Zentren sind, durch die eine große Anzahl von Personen ihre Fähigkeit, den Glauben zu lehren und zu verwalten, erwerben und verbessern können. Allein ihr Bestehen unterstreicht die Wichtigkeit, Wissen über den Glauben zu haben als eine Kraftquelle, um das Leben der Bahá’í-Gemeinde und der sie bildenden Menschen anzuregen.

Die vorliegenden Fakten bestätigen, dass der Vier-Jahres-Plan dort funktioniert, wo ein systematisches Vorgehen verstanden und angewandt wird. Die gleichen Fakten zeigen auch, dass die Institutionen des Glauben in ihren vereinten Bemühungen auf nationaler, regionaler und örtlicher Ebene sich eindeutig an diese Bedingungen gehalten haben. Bei den einzelnen jedoch, auf denen der schließliche Erfolg des Planes beruht, ist dieses Verständnis weniger ausgeprägt. Aus diesem Grunde müssen wir unseren Mitgläubigen gegenüber betonen, wie wichtig dieses Erfordernis für ihre persönlichen Bemühungen ist, um Erfolge beim Lehren und bei anderen Unternehmungen zu haben.

In dem Maße wie er von nationalen und örtlichen Institutionen in Programme und Projekte umgesetzt wird, gibt der Plan u.a. die Richtung an, bezeichnet Ziele, regt zu Bemühungen an und liefert eine Vielzahl von benötigten Gelegenheiten und Materialien, aus denen die Arbeit der Lehrer und Administratoren Nutzen ziehen kann. Das ist für ein ordnungsgemäßes Funktionieren der Gemeinde natürlich notwendig, aber es bleibt ohne Folgen, wenn nicht die einzelnen Mitglieder durch eine aktive Beteiligung darauf reagieren. Indem er oder sie so reagiert, muss auch jeder einzelne eine bewusste Entscheidung treffen, was er oder sie im Dienst an dem Plan tun wird und wie, wo und wann dieses Tun erfolgen soll. Diese Entscheidung macht es dem einzelnen möglich, den Fortschritt seines Tuns zu überprüfen und - falls nötig - die zu unternehmenden Schritte teilweise abzuwandeln. Wenn er sich an ein solches Verfahren des systematischen Bemühens gewöhnt, verleiht jeder Bahá’í seinem Leben Bedeutung und Erfüllung.

Der einzelne muss nicht nur auf den Aufruf der Institutionen reagieren, er ist darüber hinaus von Bahá’u’lláh Selbst mit der heiligen Pflicht betraut, Seine Sache zu lehren, was von Ihm als ”die verdienstvollste aller Taten” bezeichnet wird. Solange es noch Seelen gibt, die der Erleuchtung bedürfen, bleibt diese Pflicht sicherlich die ständige Beschäftigung jedes Gläubigen. Was ihre Erfüllung anbetrifft, so ist jeder einzelne direkt Baha’u’llah gegenüber verantwortlich. ”Lasst ihn nicht”, rät Shoghi Effendi dringend, ”auf irgendwelche Anweisungen warten oder irgendeine Ermutigung von seiten der gewählten Vertreter seiner Gemeinde erwarten, noch sollte er durch die Hindernisse abgeschreckt werden, die seine Verwandten oder Mitbürger geneigt sein mögen, ihm in den Weg zu legen, noch sollte er den Tadel seiner Kritiker oder Feinde beachten.” Die Schriften der Zentralgestalten und unseres Hüters sind überreich an Ratschlägen und Ermahnungen, was die unersetzliche Rolle des einzelnen beim Fortschritt des Glauben betrifft. Es ist daher unvermeidlich, dass wir uns an diesem besonderen Zeitpunkt im Leben der gesamten Menschheit dazu gedrängt fühlen, an jedes einzelne Mitglied unserer Gemeinde zu appellieren und es zu bitten, die dringliche Situation zu bedenken, der wir uns alle als Helfer der Abhá-Schönheit gegenübersehen.

Es ist unser Schicksal, liebe Brüder und Schwestern, dass wir bewusst an einem ungeheuren historischen Prozeß beteiligt sind, dergleichen noch nie von irgendeinem Volk erlebt wurde. Als eine Weltgemeinschaft haben wir bisher einen einzigartigen und großartigen Erfolg errungen, indem wir - dank der unschätzbaren Opfer von Leben, Mühen und Wertvollem, die viele Tausende unserer geistigen Vorfahren willig dargebracht haben - das ganze Spektrum der Menschheit repräsentieren. Es gibt keine andere menschliche Vereinigung, die beanspruchen kann, ein System errichtet zu haben, das die Fähigkeit unter Beweis gestellt hat, Gottes Kinder in einer weltumspannenden Ordnung zu vereinen. Diese Leistung verleiht uns nicht nur eine Position unvergleichlicher Stärke, sondern legt uns auch eine unausweichliche Verantwortung auf. Hat nicht daher jeder von uns eine göttliche Verpflichtung wahrzunehmen, eine heilige Pflicht zu erfüllen gegenüber jedem anderen, der sich des Rufes Gottes jüngster Offenbarung noch nicht bewusst ist? Die Zeit bleibt nicht stehen und wartet nicht. In jeder verrinnenden Stunde ereilt eine neue Heimsuchung eine aufgewühlte Menschheit. Wagen wir es da zu zaudern?

In nur zwei Jahren geht der Vier-Jahres-Plan zu Ende, nur wenige Monate vor dem Abschluss eines unvergeßlichen Jahrhunderts. Eine zweifache Begegnung mit dem Schicksal steht uns bevor. Indem Er das beispiellose Potential des 20. Jahrhunderts pries, bekräftigte der geliebte Meister, dass es auf ewig Spuren hinterlassen werde. Im Besitz einer solchen Vision müssen sich im Geist eines achtsamen Anhängers der Gesegneten Schönheit zweifellos bange Fragen regen, welche Rolle er oder sie in diesen dahinschwindenden Jahren spielen wird und ob er oder sie am Ende dieser zukunftsträchtigen Zeit unter den dauerhaften Spuren, die der Meister vorhersah, ein Zeichen hinterlassen haben wird. Um einer die Seele befriedigenden Antwort sicher zu sein, ist vor allem eines nötig: handeln, jetzt handeln und beständig handeln.

Wir beten innig an der Heiligen Schwelle für uns alle, dass wir in allem was wir tun, um die dringlichen Ziele des Göttlichen Planes in einem so schicksalsträchtigen Augenblick der Menschheitsgeschichte zu erfüllen, göttliche Hilfe und reiche Bestätigung erhalten.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit



Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Bahá'í-Weltzentrum

Ridván 154


An die Bahá’ís der Welt


Innig geliebte Freunde!

Voll Freude und mit dankbaren Herzen begrüßen wir den begeisterten Widerhall, den der letzten Ridván begonnene VierJahresPlan auf allen Kontinenten hervorgerufen hat.

Beratungen zwischen den Kontinentalen Beratern und den Nationalen Geistigen Räten setzten einen ausgedehnten Planungsprozess in Gang, an dem auch Hilfsamtsmitglieder und örtliche Geistige Räte beteiligt waren. Durch diesen Prozess nahmen die nationalen und regionalen Pläne Gestalt an. Aber diese weltumspannende Maßnahme hat mehr bewirkt als nur unterschiedliche Pläne für die verschiedenen Länder hervorzubringen; sie hat auch der Beziehung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Armen der administrativen Ordnung Auftrieb gegeben, ein höchst begrüßenswertes Vorzeichen für die noch kommenden Siege.

Ein Zeichen für die unmittelbare Auswirkung des Planes war die Geschwindigkeit, mit der während der letzten zwölf Monate Schritte zur Errichtung von fast 200 Bahá’íInstituten unternommen wurden. Viele von ihnen gingen weit über den Entwurf ihrer organisatorischen Abwicklung hinaus; sie funktionieren bereits und haben ihre ersten Kurse angeboten. Darüber hinaus war eine Bewegung von Pionieren und Reiselehrern an der Heimatfront und auf dem internationalen Feld zu verzeichnen; einzelne schenkten der Unterstützung von Lehrern der Sache erhöhte Aufmerksamkeit; Vorkehrungen wurden getroffen, um sicherzustellen, dass örtliche Geistige Räte nur am ersten RidvánTag gebildet werden; es gab verstärkt Bemühungen, regelmäßige Andachten abzuhalten; und man war zunehmend bestrebt, die Künste bei der Lehrarbeit und den Gemeindeaktivitäten einzusetzen  in all diesen Bereichen war zu erkennen, dass die Freunde sich sehr deutlich der Wichtigkeit bewusst sind, sich auf die Erfordernisse des Hauptzieles des Planes zu konzentrieren, nämlich beachtliche Fortschritte beim Prozess des Beitritts in Scharen zu bewirken.

Auch dürfen wir nicht versäumen, andere Entwicklungen während des letzten Jahres anzuerkennen, die den großen Wert der vielfältigen Bemühungen bestätigten, die unsere Weltgemeinde unternahm, und die Erfolge, die erreicht wurden. Hierzu gehören, um nur einige zu nennen, der Erwerb der Wohnung im Hause Nr. 4 der Avenue de Camoens in Paris, in der der geliebte Meister, ‘Abdu’l-Bahá , während seines historischen Besuches in jener Stadt wohnte; die besondere Sitzung des brasilianischen Abgeordnetenhauses in Würdigung des 75.Jahrestages der Einführung des Bahá’í Glaubens in jenem Lande  ein einzigartiger offizieller Anlaß, bei dem auch ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum als Ehrengast anwesend war; der Start der Seite der Internationalen Bahá'íGemeinde im World Wide Web im letzten Juli, die unter dem Namen "The Bahá’í World" bis auf die Erfordernisse des Hauptzieles des Planes zu konzentrieren, nämlich beachtliche Fortschritte beim Prozeß des Beitritts in Scharen zu bewirken.

Auch dürfen wir nicht versäumen, andere Entwicklungen während des letzten Jahres anzuerkennen, die den großen Wert der vielfältigen Bemühungen bestätigten, die unsere Weltgemeinde unternahm, und die Erfolge, die erreicht wurden. Hierzu gehören, um nur einige zu nennen, der Erwerb der Wohnung im Hause Nr. 4 der Avenue de Camoens in Paris, in der der geliebte Meister, ‘Abdu’l-Bahá, während seines historischen Besuches in jener Stadt wohnte; die besondere Sitzung des brasilianischen Abgeordnetenhauses in Würdigung des 75.Jahrestages der Einführung des Bahá’í Glaubens in jenem Lande  ein einzigartiger offizieller Anlass, bei dem auch ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum als Ehrengast anwesend war; der Start der Seite der Internationalen Bahá'íGemeinde im World Wide Web im letzten Juli, die unter dem Namen "The Bahá’í World" bis heute mehr als 50.000 mal in 90 Ländern und Territorien genutzt wurde, was im Durchschnitt etwa 200 mal pro Tag bedeutet.

Ebenso herausragend wie diese Errungenschaften verlaufen die Bauprojekte am Berge Karmel weiterhin mit überwältigendem Schwung, wobei die Fertigstellung der Marmorarkaden am Zentrum für das Studium der Texte, die Errichtung der siebten Etage des Internationalen Lehrzentrums und das fortschreitende Sichtbarwerden der weitreichenden Gestalt der Terrassen am Schrein des Báb besondere Höhepunkte bilden. In diesem Zusammenhang muss auch die teilweise Absenkung jenes Abschnitt der öffentlichen Durchgangsstraße genannt werden, über den der Terrassenverlauf führen soll, sowie der Erwerb und die anschließende Abtragung de Gebäudes am Fuße des Berges das als letztes Hindernis überwunden werden musste, und die Vollendung der unteren Terrassen zu ermöglichen über die der prächtige Pfad sich bis zum Heiligen Gebäude und darüber hinaus bis zum Kamm des Berge Gottes erhebt.

Für den hier beschriebenen Fortschritt war es auch von entscheidende Bedeutung, dass das Spendenausmaß für die Projekte am Bogen des Karmel, womit das Ziel des letzten Jahres erreicht wurde, auch weiterhin beibehalten werden konnten. Es ist offensichtlich dass die diesbezüglichen finanzielle Anforderungen mit ununterbrochenen Heldenmut von Armen und Reichen erfüllt werden und dies in den verbleibenden Jahren weiter aufrechterhalten werden muss. Gleichzeitig jedoch sollten  ebenso energisch und anhaltend  parallele Anstrengungen von den Räten und Freunden in der ganzen Welt gemeinsam unternommen werden, um den ernsten Erfordernissen des Internationalen Bahá'íFonds zu entsprechen.

Bestimmt wird ein solch vielversprechender Anfang des VierJahresPlanes, wie wir ihn erlebt haben, den Herzen der Mitglieder unserer Weltgemeinschaft Vertrauen einflößen, dass sie vollends dafür gerüstet sind, um den Anforderungen gerecht zu werden, die in den Botschaften zu Beginn des Planes umrissen und in den von den jeweiligen Räten verabschiedeten Plänen ausgeführt sind. Ein weiterer und besonders geschätzter Antrieb zu Beginn des zweiten Jahres besteht darin, dass die Umstände an diesem Ridván die berechtigt sein werden, auf Wiedererrichtung des Nationalen Geistigen Rates von Ruanda ermöglicht haben. Dieser Sieg über die Krise erhöht die Zahl der Nationalen Geistigen Räte, die am nächsten Ridván bei der achten Internationalen Bahá’í-Tagung am Bahá’í-Weltzentrum wahlberechtigt sein werden, auf 175. Wir hoffen inständig, dass dann zur Halbzeit des Planes die Baha'iWelt bei der Vervielfachung der menschlichen Hilfsquellen, dem Reifeprozess der Geistigen Räte und der Entwicklung der örtlichen Gemeinden einen großen Sprung nach vorne getan haben wird!

Die Gelegenheit, die sich in der kurzen Zeitspanne bis zum Ende des Jahrhunderts bietet, ist über alle Maßen kostbar. Nur ein vereintes und anhaltendes Bemühen seitens der Freunde überall, den Prozess des Beitritts in Scharen voranzutreiben, kann solch einem historischen Augenblick gerecht werden. Auf jeder Institution, auf jedem Mitglied einer Gemeinde, die ihrem von Gott verheißendem Schicksal zustrebt, liegt eine große und unausweichliche Verantwortung. Da der Zeitraum, in dem sehr viel erreicht werden muss, nur kurz ist, darf keine Zeit vergeudet, keine Gelegenheit ausgelassen werden. Seien Sie dessen gewiss, liebe Freunde, dass die Heerscharen des Königreiches Abhá bereit stehen, um zur Unterstützung eines jeden Menschen herbeizueilen, der sich erhebt, um seinen Anteil am Dienst für das sich entfaltende geistige Drama dieser bedeutungsvollen Tage beizutragen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit







Ridván 153
An die Bahá’ís der Welt


Innig geliebte Freunde,

Mit vor Dankbarkeit zur Gesegneten Schönheit überfließenden Herzen erkennen wir die überreichen Zeichen Seiner Gnade während des DreiJahresPlanes, der mit dem diesjährigen RidvánFest zu Ende geht. Der belebende Geist des Heiligen Jahres, der dem Beginn des Planes zu Ridván 1993 den Schwung gab, durchzog diese Zeit der konzentrierten Anstrengungen und verlieh unserer Weltgemeinde größere Festigkeit, Spannkraft, Reife und Zuversicht als je zuvor. Gleichzeitig ist das Ansehen der Gemeinde stark gestiegen. Wenn dieser Plan auch nicht mit einer dramatischen zahlenmäßigen Ausbreitung endet, gleichwohl es in einigen Ländern eine beachtliche Zunahme an Mitgliedern gab, so ist das Ergebnis doch eine mit neuen Qualitäten bereicherte Gemeinde, eine Gemeinde, die darauf vorbereitet ist, die unmittelbar vor uns liegenden Aussichten auf den Fortschritt des Glaubens voll auszuschöpfen.

Die großartige Entwicklung der Projekte am Berge Karmel fallen unter den messbaren Leistungen dieser Zeit besonders ins Auge. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten wurden die in unserer Botschaft zum Drei-JahresPlan vorhergesehenen Errungenschaften gänzlich erreicht. Alle Phasen des Baus sind eingeleitet. Der Rohbau des Zentrums zum Studium der Texte und der Erweiterung des Internationalen Archivgebäudes wurde errichtet, die Arbeiten an diesen Gebäuden sind bis zur Inangriffnahme des Innenausbaus und der Fassadenarbeiten fortgeschritten. Die Errichtung des ständigen Sitzes des Internationalen Lehrzentrums, dem dritten im Bau befindlichen Gebäude am Bogen, macht schnelle Fortschritte. Sieben Terrassen unterhalb des Schreines des Báb sind vollendet und lassen schon den sich abzeichnenden Strahlenglanz vom Fuß bis zum Gipfel von Gottes Heiligem Berg erkennen. Eine aufmerksame Öffentlichkeit ist beeindruckt von der Schönheit, die sich wie ein Teppich über den Hang des Berges ausbreitet.

Die greifbare Realität des Fortschritts, der bisher so wunderbar verwirklicht wurde, ist Beweis einer noch größeren Errungenschaft, nämlich die vereinte Zielrichtung, die in der gesamten globalen Gemeinde bei der Verfolgung dieser gigantischen gemeinsamen Unternehmung erreicht wurde. Das Ausmaß des hervorgerufenen Interesses und der Unterstützung hat seinen Ausdruck in einem nie dagewesenen Zustrom von Beiträgen gefunden, die einen Grad an Opferbereitschaft widerspiegeln, der wiederum von der Beschaffenheit des Glaubens sowie der Großzügigkeit des Herzens der Liebenden Bahá’u’lláhs auf dem ganzen Erdball Zeugnis ablegt. Dass die Beiträge für die Projekte am Berg Karmel das DreiJahres-Ziel von 74 Millionen USDollar erreicht haben, ist eine zweite messbare und außergewöhnliche Leistung, die zuversichtlich macht, dass die notwendige finanzielle Unterstützung für diese Projekte bis zu deren Fertigstellung am Ende des Jahrhunderts andauern wird.

Die Zeichen des Fortschritts waren in den vergangenen drei Jahren in weiten und vielfältigen Bereichen offenkundig. Die bemerkenswerten Bemühungen um die Ausbreitung und Festigung der Gemeinde, die vermehrten Unternehmungen im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und ein beispielloser Vorstoß auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen ergeben das Bild einer Gemeinde, die mit neuen Fähigkeiten begabt ist.

Neue Lehrmethoden

Auf dem Feld des Lehrens gab es eine allgemeine Zunahme der Aktivitäten, was sich in der Bildung zwölf neuer Nationaler Geistiger Räte im Verlauf des Planes und im Anstieg der Pionier und Reiselehrertätigkeit zeigte. In vielen Ländern waren die Gläubigen entflammt von der neuen Herangehensweise, die in dem während des Planes veröffentlichten Pionieraufruf vorgeschlagen wurde. Die Zahl der Pioniere aus und in verschiedene Länder war hoch, und es gab eine wahre Flut von Reiselehrern, die sowohl im Heimatland wie auch im Ausland tätig waren. Systematische Ansätze zu gemeinsamen Lehraktivitäten und gezielt konzipierten langfristigen Lehrprojekten zeigten Früchte und ließen sich deutlicher als je zuvor in vielen Ländern erkennen. Die Energie und Kreativität, die die verschiedenen Entwicklungen in der Ausbreitung und Festigung begleiteten, ist in hohem Maße auf den vom Internationalen Lehrzentrum bewiesenen Unternehmungsgeist zurückzuführen. Seine ständige Anleitung und Ermutigung der Kontinentalen Beraterämter; seine Empfehlung neuer Methoden für die Aussendung von Pionieren, wie sie vom Universalen Haus der Gerechtigkeit in seinem in den ersten Monaten des Planes veröffentlichten Pionieraufruf bestätigt wurden, und seine regelmäßige Unterstützung der ihrer Obhut unterstellten Kontinentalen Pionierausschüsse; seine unermüdliche Aufmerksamkeit auf den Bedarf an Erziehung und Vertiefung in der Gemeinde, die in seinem Austausch und seiner Arbeit mit Beratern zum Ausdruck kam, wenn es darum ging, in Lehrprojekte auch Vertiefungsprogramme für neuerklärte Gläubige einzufügen, Kurse und Arbeitsgruppen für die Heranbildung verschiedener Fähigkeiten zu entwickeln, Lehrer für Kinder auszubilden und die Zahl der Kinderklassen zu erhöhen; seine Ermutigung von Bemühungen, Fortbildungsinstitute in verschiedenen Teilen der Welt zu errichten  all das hat widerhallende Ergebnisse gezeitigt. Besondere Anerkennung muss dem Lehrzentrum auch für den Einfluss gezollt werden, den es über die Berater auf die Einführung von BasisLiteraturprogrammen in immer mehr Ländern ausübte. Durch solche Programme wurden einige für die Verbreitung des Glaubens und die Vertiefung der Gläubigen wesentliche Titel ausgewählt, in großer Zahl gedruckt und zu ermäßigten Preisen verfügbar gemacht. Der außergewöhnliche Fortschritt in der Entwicklung dieser so wichtigen, am Weltzentrum wirkenden Institution war deutlich spürbar bei der Beraterkonferenz im vergangenen Dezember, die den Kurs für die Arbeit dieser hochrangigen Amtsträger des Glaubens in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren absteckte.

Eine bedeutsame Entwicklung ist darin zu sehen, dass die einheimischen Gläubigen in verstärktem Maße die Verantwortung für die Lehr und Vertiefungsarbeit in ihren Ländern übernahmen. In sehr unruhigen Gebieten wie Angola, Kambodscha, Liberia und Sierra Leone errangen die Freunde wichtige Siege, entweder bei den Lehraktivitäten, die zu etlichen Erklärungen führten, oder bei der Errichtung und Wiedererrichtung von Bahá’íRäten sowie beim Aufbau und der Weiterführung von Entwicklungsprojekten. In Gegenden, wo Nationale Geistige Räte erst kürzlich gebildet wurden, wie in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, haben die Freunde ein bewundernswertes Vermögen bewiesen, die Angelegenheiten des Glaubens zu verwalten. Ein Glanzpunkt dieser Zeit war die plötzliche Steigerung der Tatkraft, des Muts und der Kreativität der Bahá’íGemeinden auf Inseln in der ganzen Welt. Die Tätigkeitsbereiche waren weit gefächert und umfassten das Heranziehen von ortsansässigen Lehrern, die Ausbildung und Aussendung von mehreren Dutzend Reiselehrern zu benachbarten Inseln, die Eröffnung von Grundschulen, die vielfältigen Gelegenheiten für die Proklamation des Glaubens wie auch die Trägerschaft von Veranstaltungen, an denen hochrangige Beamte und Einflussreiche Persönlichkeiten teilnahmen. Dass in den vergangenen Jahren Staats- und Regierungsoberhäupter von Inselstaaten das Bahá’íWeltzentrum besucht haben, ist ein Anzeichen für die lebhaften Aktivitäten der Gläubigen in diesen kleinen, über die sieben Meere verstreuten Ländern. Betrachtet man die genannten Beispiele für die Einstellung und Bemühungen der Freunde in unterschiedlichen Umfeldern, dann bezeugen sie alle eine verstärkte Hingabe an die Lehrarbeit, eine wachsende Reife und flexible Beständigkeit. Das spiegelt die Glaubenstiefe wider, die Bahá’í aus verschiedstenen Volksgruppen bewegt.

Der Beitrag der Jugend

Im Einklang mit diesen Beobachtungen stehen die hervorragenden Beiträge der Jugend zur Verbreitung und Festigung. Ihre Aktivitäten haben in der DreiJahresPeriode neue Dimensionen erreicht. Von Jugendkonferenzen und anderen, ihre Interessen berücksichtigenden Zusammenkünften angetrieben, hat die Jugend in der ganzen Welt ungeheure Mengen an Zeit, Energie und Eifer für die Lehrarbeit als Reiselehrer innerhalb und außerhalb ihrer Länder und als Teams in gemeinsamen Lehrprojekten eingesetzt, wodurch sie Hunderte von Neuerklärungen und die Bildung von vielen örtlichen Geistigen Räten bewirkte. Mit Hilfe der Musik und der Künste die Sache zu proklamieren und zu lehren zeichnete ihre Anstrengungen in vielen Orten aus. Die Ausbreitung von Tanz und Theaterworkshops war besonders wirkungsvoll. Die Beteiligung der Jugend bei den Außenbeziehungen und Verbindungen zu anderen Gruppen hat dem Glauben auf diesem Gebiet neue Möglichkeiten eröffnet. Die Verpflichtung zu einem Jahr des Dienstes hat sich weiter verbreitet. Gleichzeitig hat die Zahl der Jugendlichen merklich zugenommen, die eine berufliche Ausbildung abschlossen und akademische, fachliche und berufliche Auszeichnung erlangten. All das sind Anzeichen dafür, dass die Jugend im direktem Dienst am Glauben mehr tut, während sie gleichzeitig ihren Teil zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft beiträgt.

Zeichen für die Konsolidierung der Gemeinde ließen sich auch darin erkennen, dass die Freunde sich stärker an sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen beteiligten, besonders auf dem Gebiet der Erziehung. In einem herausragenden Fall hat eine Regierung die Bahá’í gebeten, die Verantwortung für die Leitung von sieben Grundschulen zu übernehmen. Sie taten das auch mit der Unterstützung des Büros für soziale und wirtschaftliche Entwicklung am Weltzentrum. Beachtenswert ist auch, dass in Afrika Bahá’íGemeinden, die wegen politischer Unruhen in ihrem Heimatland im Exil leben, weiterhin landwirtschaftliche und andere Projekte entwickeln, die ihnen weitgehende wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern. Bemühungen, die Stellung der Frauen zu verbessern, gewinnen in einer Reihe von Ländern an Schwung, wo die Bahá’íInstitutionen, zusätzlich zu der Beteiligung von Bahá’í an Projekten, die von anderen Organisationen gefördert werden, eigene Ausschüsse und Büros einrichteten, um die Interessen der Frauen wahrzunehmen. Als Symbol dieses Aufschwungs ist das Büro für die Förderung der Frauen der Internationalen Bahá’íGemeinde eingerichtet worden.

In einigen Ländern gab es auch eine beachtliche Beteiligung der Bahá’í an offiziell geförderten Programmen zur Hebung des Gesundheitszustands. In anderen Fällen haben Bahá’í selbst solche Programme angeregt und durchgeführt. Die Arbeit im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ermöglichte auch die dauerhafte Errichtung und Konsolidierung von größeren Projekte und Organisationen. Drei Pilotprojekte setzten den ersten Schritt in einer Alphabetisierungskampagne, die das Büro für soziale und wirtschaftliche Entwicklung über die ganze Welt auszudehnen beabsichtigt. Die Gründung und das Betreiben von Entwicklungsprojekten durch Bahá’í führten auch zu einer Proklamation des Glaubens, indem sie die Beteiligung der Bevölkerung und das Interesse der Massenmedien erweckten.

Ein Vorstoß in der Öffentlichkeitsarbeit und bei den Außenbeziehungen, der alle zuvor verzeichneten Erfolge in einem vergleichbaren Zeitabschnitt übertrifft, hat der Proklamation des Glaubens großen Auftrieb gegeben. Gewaltige Anstrengungen überall in der Welt führten dazu, dass der Glaube viel stärker ins Blickfeld trat als je zuvor und verhalfen der Internationalen Bahá’íGemeinde zu einem entsprechend höheren Ansehen. In großen Zügen kann man den Fortschritt daran erkennen, dass große und kleine Bahá’íGemeinden wie selbstverständlich öffentliche Veranstaltungen unterstützten oder an ihnen teilnahmen, dass die Bahá’í als eine gesellschaftliche Kraft von Regierungsstellen und NichtRegierungsOrganisationen sowie von prominenten Persönlichkeiten anerkannt wurden und leichten Zugang zu den Medien hatten. Die Berichterstattung über Bahá’íVeranstaltungen und Interessen in der Presse und den elektronischen Kommunikationsmedien übertraf bei weitem alle Erwartungen.

Unter den Aktivitäten in der ganzen Welt ragen einige besondere Entwicklungen heraus: die Häufigkeit, mit der hohe Beamte Bahá’í zur Teilnahme an Veranstaltungen und Projekten einluden oder sie um Hilfe baten; die erfolgreichen Initiativen von Bahá’í bei der Beeinflussung von Regierungsmaßnahmen; die Einrichtung von Bahá’íStudienprogrammen und Kursen an Bildungseinrichtungen und Universitäten und die Einführung von Unterrichtsmaterial durch öffentliche Schulen; der Einsatz der Künste durch Bahá’í-Institutionen, Gruppen und einzelne bei Proklamationsveranstaltungen.

Im Laufe des Jahres 1995 verdeutlichten zwei bedeutende UNEreignisse das sich beschleunigende Aufkeimen der Einheit im Denken bei Weltunternehmungen, was wiederum die Aufmerksamkeit und Beteiligung der Bahá’íGemeinde beanspruchte. Zuerst waren am Weltgipfel für Sozialentwicklung im März in Kopenhagen 250 Freunde aus mehr als 40 Ländern beteiligt, die beeindruckende Anstrengungen unternahmen, um die Teilnehmer des Gipfels und des dazugehörigen Forums mit den Lehren bekanntzumachen. Bei dieser Gelegenheit wurde das vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Internationalen Bahá’í-Gemeinde erarbeitete Statement "Entwicklungsperspektiven für die Menschheit" zum ersten Mal verteilt und diskutiert. Folgeaktivitäten überall in der Welt waren Konferenzen und Seminare sowie die Verteilung des Statements. Sodann zogen die Vierte Weltfrauenkonferenz in Beijing im September und das parallel verlaufende NROForum zusätzlich zur offiziellen Delegation der Internationalen Bahá’íGemeinde über 500 Bahá’í aus aller Welt an. Im selben Jahr veranlasste der 50. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen das Büro der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den UN, eine Stellungnahme "Wendezeit für die Nationen" herauszugeben und zu verteilen, die Vorschläge für die Weiterentwicklung der Weltorganisation enthält.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit

Zwei Ereignisse sind besonders hervorzuheben, bei denen ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum in herausragender Weise beteiligt war. Im vergangenen Herbst leitete sie eine Delegation von vier offiziellen Bahá’íVertretern beim Gipfeltreffen der "Alliance between Religions and Conservation", die unter der Schirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit Prinz Philip stand und auf Schloss Windsor stattfand. Im Oktober trat Rúhíyyih Khánum als Hauptrednerin beim Vierten Internationalen Dialog zum Übergang zur Weltgesellschaft auf, der unter der Schirmherrschaft der UNESCO (der Internationalen Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen) vom Bahá’í-Lehrstuhl für Weltfrieden und dem Fachbereich Geschichte der Universität von Maryland veranstaltet wurde.

Nicht unerwähnt bleiben sollten manch andere bedeutsame Kennzeichen des besprochenen Zeitraums. So wurde eine Ausgabe des Kitáb-i-Aqdas in der Originalsprache Arabisch veröffentlicht, erstmals mit Anmerkungen in Persisch, die den Text wie in der englischen Ausgabe ergänzen. Das Gesetz der Huququ'llah ist tiefer in den Herzen der Gläubigen in der ganzen Welt verwurzelt. Während des letzten Jahres des Planes hat der Treuhänder der Huqúq’ulláh, die Hand der Sache Gottes 'AliMuhammad Varqá, seinen Wohnsitz in das Heilige Land verlegt. Dieser wichtige Schritt bedeutet auch, dass alle drei Hände der Sache Gottes ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum , 'AliAkbar Furútan und Dr. Varqá  nun am Weltzentrum wohnen und Pilgern, Besuchern und den in Haifa dienenden Freunden Inspiration vermitteln.

Vor diesem Hintergrund ermutigender Entwicklungen begeben wir uns nun zum diesjährigen Ridvan in einen VierJahres-Plan, der uns bis Ridván 2000 begleiten wird. Ernsthaft und liebevoll rufen wir unsere Brüder und Schwestern in allen Ländern auf, mit uns gemeinsam Anstrengungen in Gang zu setzen, die den Generationen des nahenden 21. Jahrhunderts eine überreiche und dauerhafte Erbschaft sichern.

Der VierJahresPlan hat ein Hauptziel: einen bedeutenden Fortschritt beim Prozeß des Beitritts in Scharen. Wie wir schon bei anderer Gelegenheit feststellten, soll solch ein Fortschritt durch eine deutliche Steigerung bei den Aktivitäten und der Entwicklung des einzelnen Gläubigen, der Institutionen und der örtlichen Gemeinde erreicht werden.

Die Gemeinde muss größer werden

Die Ausdrucksweise "Fortschritt beim Prozess des Beitritts in Scharen" enthält die Vorstellung, dass die gegenwärtigen Umstände es erfordern und die bestehenden Gelegenheiten es auch zulassen, dass die Bahá’íWeltgemeinde sich in bedeutendem Maße nachhaltig vergrößert; dass dieser Aufschwung angesichts der Weltsituation nötig ist; dass die drei beim Aufbau der Ordnung Bahá’u’lláhs Beteiligten  der einzelne, die Institutionen und die Gemeinde  ein solches Wachstum fördern können, indem sie zunächst geistig und innerlich eine solche Möglichkeit akzeptieren und dann darauf hinarbeiten, eine große Anzahl neuer Gläubiger aufzunehmen und dabei die Mittel für die Sicherstellung ihrer geistigen und administrativen Schulung und Entwicklung in die Wege zu leiten. Dadurch wird die Zahl der kenntnisreichen, aktiven Gläubigen  sowohl im Bereich des Lehrens als auch in der Administration  vervielfacht, deren engagierte Teilnahme an der Arbeit des Glaubens wieder den ständigen Zustrom neuer Anhänger, einen ständigen Zustrom neuer Anhänger, eine ununterbrochene Entfaltung von Bahá’í-Räten und eine stete Festigung der Gemeinde gewährleisten wird.

Darüber hinaus bedeutet das Bewirken des Fortschritts des Prozesses, dass jener Prozeß bereits im Gange ist und dass örtliche und nationale Gemeinden sich dabei in unterschiedlichen Phasen befinden. Alle Gemeinden stehen nun vor der Aufgabe, Schritte zu unternehmen und sich nachhaltig zu bemühen, um ein Ausmaß an Ausbreitung und Festigung zu erreichen, das ihren Möglichkeiten entspricht. Der einzelne und die Institutionen, obgleich sie in unterschiedlichen Bereichen tätig sind, werden aufgerufen, sich zu erheben und den Erfordernissen dieser kritischen Zeit im Leben unserer Gemeinde und in den Geschicken der Menschheit gerecht zu werden.

Die Rolle des einzelnen ist bei der Arbeit des Glaubens von einzigartiger Wichtigkeit. Es ist der einzelne, der die Lebendigkeit des Glaubens zum Ausdruck bringt, von der wiederum der Erfolg bei der Lehrarbeit und die Entwicklung der Gemeinde abhängen. Bahá’u’lláhs Gebot an jeden Gläubigen, Seine Sache zu lehren, erlegt eine unausweichliche Verantwortung auf, die nicht auf irgendeine Institution des Glaubens übertragen oder von dieser übernommen werden kann. Nur der einzelne kann das Potential hierfür freisetzen wie etwa die Fähigkeit, Initiative zu ergreifen, Gelegenheiten wahrzunehmen, Freundschaften zu schließen, persönlich mit anderen in Kontakt zu treten, Beziehungen aufzubauen, die Zusammenarbeit anderer im gemeinsamen Dienst am Glauben und an der Gesellschaft zu gewinnen und die von den beratenden Körperschaften getroffenen Entscheidungen in die Tat umzusetzen. Es ist die Pflicht des einzelnen, "sorgfältig jeden Weg der Annäherung in Betracht zu ziehen, den er bei seinen persönlichen Versuchen nutzen möchte, um bei jenen, die er in die schützende Obhut seines Glaubens einreihen möchte, Aufmerksamkeit zu erwecken, das Interesse wachzuhalten und ihren Glauben zu vertiefen."1)

Um diese Fähigkeiten voll zu nutzen, bezieht der einzelne Kraft aus seiner Liebe zu Bahá’u’lláh, aus der Macht des Bundes, aus der Dynamik des Gebets, der aus dem regelmäßigen Lesen und Studieren der Heiligen Texte abgeleiteten Inspiration und Erziehung und der auf seine Seele einwirkenden verändernden Kräfte bei seinem Bemühen, sich gemäß den göttlichen Gesetzen und Prinzipien zu verhalten. Da er mit der Pflicht betraut ist, die Sache zu lehren, wird er darüber hinaus mit der Fähigkeit begabt, die von Bahá’u’lláh verheißenen besonderen Segnungen anzuziehen. "Wer an diesem Tage seine Lippen öffnet und den Namen seines Herrn erwähnt, auf den werden die Scharen göttlicher Eingebung aus dem Himmel Meines Namens, der Allwissende, der Allweise, herabkommen. Zu ihm wird auch die Versammlung der Höhe herabsteigen, und jeder aus ihr wird einen Kelch reinen Lichtes vorantragen."2)

Individuelle Initiativen nötig

Shoghi Effendi hat die absolute Notwendigkeit individueller Initiative und Tat unterstrichen. Er erklärte, dass ohne die Unterstützung durch den einzelnen, die "gleichzeitig aus ganzem Herzen, ausdauernd und großzügig" sein soll, jede Maßnahme und jeder Plan des Nationalen Geistigen Rates "zum Scheitern verurteilt", die Absicht des Göttlichen Planes des Meisters "behindert" seien. Überdies wird die "stützende Kraft Bahá’u’lláhs Selbst jedem einzelnen vorenthalten werden, wenn er auf lange Sicht versäumt, sich zu erheben und seine Rolle zu spielen."3) Daher ist der Kernpunkt jedes zu erzielenden Fortschritts der einzelne Gläubige, der über die Macht des Handelns verfügt, die auch nur er durch seine eigene Initiative und ausdauernde Tat freisetzen kann. Was nun das Gefühl der Unzulänglichkeit betrifft, die manchmal die individuelle Initiative hemmt, so vermittelt ein in seinem Auftrag geschriebener Brief den Rat des Hüters: "Sie erwähnen besonders den Mangel an Mut und Initiative seitens der Gläubigen und ein Gefühl der Minderwertigkeit, was sie am öffentlichen Reden hindert. Es sind genau diese Schwächen, von denen er wünscht, dass die Freunde sie überwinden, denn sie lähmen nicht nur ihre Anstrengungen, sondern bewirken sogar, dass die Flamme des Glaubens in ihren Herzen erstickt wird. Nicht ehe die Freunde sich dessen bewusst werden, dass jeder von ihnen fähig ist, die Botschaft seinem eigenen Maß entsprechend zu überbringen, können sie je hoffen, die ihnen von einem liebenden und weisen Meister gesteckten Ziele zu erreichen.... Jeder ist ein potentieller Lehrer. Man muss nur von dem Gebrauch machen, was Gott einem gegeben hat, und sich so Seines Vertrauens würdig erweisen."4)

Was die Institutionen anbelangt, so wird der Beitritt in Scharen auf sie ebenso Auswirkungen haben wie sie umgekehrt auf ihn. Die Entfaltung der örtlichen und Nationalen Bahá’í-Räte erfordert jetzt eine neue Geisteshaltung seitens ihrer Mitglieder wie auch seitens derer, die sie wählen, denn die Bahá’íGemeinde befindet sich in einem enormen historischen Prozess, der jetzt in eine entscheidende Phase tritt. Bahá’u’lláh hat der Welt Institutionen gegeben, die in einer neuen Ordnung tätig sein sollen, die dazu bestimmt ist, die Kräfte einer neuen Kultur zu kanalisieren. Fortschritte in Richtung auf die Verwirklichung dieses großartigen Zieles erfordern eine bedeutende und fortlaufende Ausdehnung der Bahá’íGemeinde, so dass ein angemessener Entwicklungsraum für den Reifeprozess dieser Institutionen zur Verfügung steht. Diese Angelegenheit ist von unmittelbarer Wichtigkeit für die erklärten Anhänger Bahá’u’lláhs in allen Ländern.

Damit eine solche Ausdehnung angeregt und dann auch verkraftet wird, müssen sich Geistige Räte auf ein neues Niveau erheben, um ihre Verantwortung als Kanäle der göttlichen Führung, Planer der Lehrarbeit, Entwickler der menschlichen Fähigkeiten, Erbauer von Gemeinden und liebevolle Hirten der Menschen wahrzunehmen. Sie können diese Möglichkeiten dadurch verwirklichen, dass sie die Fähigkeit ihrer Mitglieder verbessern, gemeinsam gemäß den Prinzipien ihres Glaubens Rat zu halten und mit den Freunden in ihrem Amtsbereich zu beraten, dass sie den Geist des Dienstes fördern, dass sie spontan rnit den Kontinentalen Beratern und ihren Hilfsämtern zusammenarbeiten, und dass sie ihre Außenbeziehungen pflegen. Der Fortschritt in der Entfaltung der Institutionen muss sich vor allem darin zeigen, dass sich die Zahl der Orte vervielfacht, in denen die Funktionsweise der Geistigen Räte die Fähigkeit des einzelnen Gläubigen, dem Glauben zu dienen, erhöht und einmütiges Handeln fördert. Mit einem Wort, der Reifegrad des Geistigen Rates sollte nicht nur daran gemessen werden, wie regelmäßig er zu Sitzungen zusammenkommt und wie effizient er funktioniert, sondern auch an der beständig wachsenden Bahá’í-Mitgliederzahl, der Effektivität der Wechselbeziehung zwischen dem Rat und den Mitgliedern seiner Gemeinde, der Qualität des geistigen und sozialen Lebens der Gemeinde und der allgemeinen Lebendigkeit der Gemeinde beim Prozess einer dynamischen, ständig fortschreitenden Entwicklung.

Identität der Gemeinde

Die Gemeinde ihrerseits gewinnt  gesondert vom einzelnen und den Institutionen betrachtet  einen eigenen Charakter und eine eigene Identität, während sie an Größe zunimmt. Dies ist eine notwendige Entwicklung, die besondere Aufmerksamkeit verlangt, sowohl im Hinblick auf Gegenden, wo Neuerklärungen in großem Maße stattgefunden haben, wie auch in Erwartung und Vorbereitung auf sich zahlreicher ereignende Fälle von Beitritt in Scharen. Eine Gemeinde ist natürlich mehr als nur die Summe ihrer Mitglieder; sie ist eine umfassende Einheit der menschlichen Gesellschaft, die sich aus einzelnen, Familien und Institutionen zusammensetzt, die mit einer gemeinsamen Absicht zum Wohl der Menschen innerhalb und außerhalb ihrer eigenen Grenzen zusammenarbeiten; sie besteht aus einer Vielfalt von interagierenden Teilnehmern, die in einer ständigen Suche nach geistigem und sozialem Fortschritt eine Einheit herstellen. Da die Bahá’í überall erst am Beginn des Prozesses der Gemeindebildung stehen, müssen auf diese vordringliche Aufgabe enorme Anstrengungen verwendet werden.

In einer früheren Botschaft haben wir schon darauf hingewiesen, dass das Aufblühen der Gemeinde vor allem auf örtlicher Ebene eine entscheidende Verbesserung der Verhaltensweisen erfordert: jener Verhaltensweisen, durch die der kollektive Ausdruck der Tugenden der einzelnen Mitglieder und die Funktionsweise der Geistigen Räte sich in der Einheit und Freundschaft innerhalb der Gemeinde und in der Dynamik ihrer Aktivitäten und ihres Wachstums zeigen. Das erfordert die Integration der sie bildenden Elemente  Erwachsene, Jugendliche, Kinder  in geistige, soziale, erzieherische und administrative Aktivitäten und ihre Beteiligung an örtlichen Lehr und Entwicklungsplänen. Dazu gehören ein kollektiver Wille und die Ausrichtung auf das Ziel, den Geistigen Rat durch jährliche Wahlen fortbestehen zu lassen. Es schließt die Ausübung gemeinsamer Andachten ein. Daher ist es für das geistige Leben der Gemeinde wesentlich, dass die Freunde regelmäßige Andachtsversammlungen abhalten, in örtlichen Bahá’íZentren  dort, wo sie zur Verfügung stehen  oder anderswo, die Wohnungen der Freunde inbegriffen.

Gründung von Instituten

Um die Möglichkeiten der Ausbreitung und Festigung umzusetzen, die der Beitritt in Scharen mit sich bringt, muss eine entschlossene weltweite Anstrengung zur Entwicklung von menschlichen Fähigkeiten unternommen werden. Das Bemühen einzelner, in ihren Häusern Studienkreise zu leiten, gelegentliche Vertiefungskurse durch die Institutionen sowie die informellen Aktivitäten der Gemeinde sind, obgleich wichtig, nicht ausreichend für die Erziehung und Schulung einer sich rasch ausbreitenden Gemeinde. Daher ist es höchst wichtig, systematisch neue Methoden zu entwickeln, eine große Zahl von Gläubigen in den Grundwahrheiten des Glaubens zu unterrichten und sie auszubilden und ihnen zu helfen, dem Glauben mit den ihnen von Gott verliehenen Fähigkeiten zu dienen. Es sollten daher ohne Verzug ständige Institute mit dem Ziel errichtet werden, nach einem regelmäßigen Zeitplan gut organisierte, streng methodisch geführte Ausbildungsprogramme anzubieten. Das Institut muss natürlich über Räumlichkeiten verfügen können, ohne jedoch unbedingt ein eigenes Gebäude zu haben.

Diese Angelegenheit erfordert eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Kontinentalen Beratern und den Nationalen Geistigen Räten. Der Erfolg dieser FortbildungsInstitute wird nämlich in einem sehr großen Maße von der aktiven Beteiligung der Kontinentalen Berater und der Hilfsamtsmitglieder an der Durchführung dieser Institute abhängen. Insbesondere wird nötig sein, dass die Hilfsamtsmitglieder in einer engen Arbeitsbeziehung zu den Instituten und natürlich zu den örtlichen Geistigen Räten stehen, deren Gemeinden Nutzen aus den Programmen ziehen werden. Da die Institute als Studienzentren zu betrachten sind und da sie ihrem Wesen nach mit der Verantwortung der Hilfsamtsmitglieder auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung übereinstimmen und diesen den Wirkungskreis für die Ausübung ihrer Verantwortung bieten, sollte die enge Beteiligung  dieser Amtsträger des Glaubens an der Arbeit der Institute ein Teil ihrer sich ausweitenden Funktionen werden. Für die Entwicklung und Umsetzung der Instituts-Programme wird es auch entscheidend sein, auf die Talente und Fähigkeiten von immer mehr Freunden zurückzugreifen.

Da der Ausdruck "Institut" in der Bahá’íGemeinde in verschiedener Weise gebraucht wird, bedarf es einer Klarstellung. Die nächsten vier Jahre stellen eine außergewöhnliche Zeitspanne in der Geschichte des Glaubens dar, einen Wendepunkt epochalen Ausmaßes. Was die Freunde in der ganzen Welt jetzt tun sollten, ist, sich selbst, ihre materiellen Mittel, ihre Fähigkeiten und ihre Zeit für die Entwicklung eines Netzwerkes an FortbildungsInstituten einzubringen. Diese Zentren der Bahá’íStudien werden auf ein sehr praktisches Ergebnis zielen, nämlich das Heranziehen einer großen Zahl von Gläubigen, die darin ausgebildet sind, den Prozeß des Beitritts in Scharen wirksam und liebevoll zu fördern und zu erleichtern.

"Sammelt euere Kräfte für die Verbreitung des Glaubens Gottes, " hat Bahá’u’lláh Seine Diener angewiesen und hinzugefügt, "Wer immer einer so hohen Berufung würdig ist, der mache sich auf, den Glauben zu fördern. Wer dies nicht vermag, hat die Pflicht, jemanden zu bestimmen, der statt seiner diese Offenbarung verkündet..."5) Ebenso wie man jemanden bestimmen kann, an der eigenen Stelle zu lehren, indem man die Ausgaben eines Pioniers oder Reiselehrers deckt, so kann man auch einen Lehrer an ein Institut abordnen, der dann natürlich ein Lehrer von Lehrern ist. Dazu kann man zweckbestimmte Beiträge an den Kontinentalen Bahá’í-Fonds ebenso wie an die örtlichen, nationalen und internationalen Fonds leisten.

Die Rolle der Künste

Bei all ihren Bemühungen, das Ziel des VierJahresPlanes zu erreichen, bitten wir die Freunde auch, dem Einsatz der Künste stärkere Aufmerksamkeit zu schenken, nicht nur im Rahmen der Proklamation, sondern auch bei der Verbreitung und Festigung. Die graphischen und darstellenden Künste und die Literatur haben bei der Ausweitung des Einflusses des Glaubens eine wichtige Rolle gespielt und können es auch weiterhin tun. Auf der Ebene der Volkskunst kann dieser Möglichkeit in allen Teilen der Welt, ob in Dörfern oder Städten, nachgegangen werden. Shoghi Effendi setzte hohe Erwartungen in die Künste als ein Mittel, Aufmerksamkeit auf die Lehren zu ziehen. Ein in seinem Auftrag an einen einzelnen Gläubigen geschriebener Brief vermittelt die Ansicht des Hüters: "Es wird die Zeit kommen, da der Glaube sich wie ein Lauffeuer verbreiten wird, da sein Geist und seine Lehren auf der Bühne oder in der Kunst und Literatur als ganzes dargestellt werden wird. Die Kunst kann besser solche edlen Gefühle wecken als kalte, rationale Erklärungen, besonders unter der Masse der Bevölkerung."6)

Während die Freunde und die Institutionen ihre Anstrengungen überall darauf richten, den Erfordernissen des Planes zu entsprechen, wird die Arbeit an den großen Projekten am Berge Karmel fortgeführt bis zu ihrer am Ende des Jahrhunderts erhofften Vollendung. Mit dem Ende des Planes zu Ridván 2000 werden das Zentrum zum Studium der Texte und die Erweiterung des Archivs funktionsfähig sein; das Gebäude des Internationalen Lehrzentrums wird bis zur Abschlussphase vorangeschritten sein. Der Abschnitt der öffentlichen Straße, die den Verlauf der Terrassen oberhalb des Schreines des Báb unterbricht, wird abgesenkt und eine breite Verbindungsbrücke mit ihren eigenen Gärten gebaut worden sein; fünf der oberen Terrassen werden ebenfalls vollendet sein. Die verbleibenden vier oberen Terrassen und die zwei am Fuße des Berges werden sich in einem fortgeschrittenen Bauzustand befinden. Ebenso werden andere besondere Bemühungen am Weltzentrum fortgesetzt. Aufmerksamkeit wird dabei solchen Angelegenheiten geschenkt wie der allgemeinen Anwendung weiterer Gesetze des Kitáb-i-Aqdas, der Vorbereitung eines neuen Bandes von ausgewählten Schriften Bahá’u’lláhs in Englisch, der weiteren Entwicklung der Aufgaben des Internationalen Lehrzentrums und der Erkundung von Maßnahmen, wie man die Zahl der Pilger und Besucher am Weltzentrum erhöhen kann.

Die Bahá’íWeltgemeinschaft wird ihre Bemühungen sowohl im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung als auch der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen ausdehnen und die direkte Zusammenarbeit mit jenen Kräften fortsetzen, die zur Errichtung von Ordnung in der Welt führen. Das Büro für wirtschaftliche und soziale Entwicklung wird durch Verbesserung seiner Koordinationsfähigkeiten und im Rahmen seiner Mittel und Möglichkeiten dabei mithelfen, auf dem in Hunderten von Entwicklungsprojekten in aller Welt erreichten Fortschritt aufzubauen. Auf der Bühne der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen werden sich die Anstrengungen darauf richten, die Prozesse in Richtung Weltfrieden zu beeinflussen, insbesondere durch die Beteiligung der Gemeinde an der Förderung der Menschenrechte, der Stellung der Frauen, des weltweiten Wohlstands und der moralischen Entwicklung. Indem es diese Themen verfolgt, wird das Büro der Internationalen Bahá’íGemeinde bei den Vereinten Nationen nach Wegen suchen, um die Bande zwischen den Bahá’í und den Vereinten Nationen zu festigen. Ebenso wird das Büro für Öffentlichkeitsarbeit die Bahá’í-Institutionen dabei unterstützen, diese Themen für eine umfassendere Proklamation des Glaubens zu nutzen. Die Verteidigung der Rechte der Bahá’í im Iran und zunehmende Anstrengungen zur Befreiung des Glaubens in jenem Land und anderen Ländern, in denen er verboten ist, werden einen wesentlichen Teil unserer Beziehungen mit Regierungen und NichtRegierungsorganisationen ausmachen. In all diesen Aspekten sind die Bahá’íFreunde und Institutionen dringend aufgefordert, sich der Wichtigkeit von Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Außenbeziehungen klar bewusst zu sein und ihnen erneut Aufmerksamkeit zu widmen.

Die Bildung von zwei Nationalen Geistigen Räten zu diesem Ridvan verleiht dem VierJahresPlan einen günstigen Anfang. Wir sind hocherfreut anzukündigen, dass unsere beiden Vertreter bei den ersten Nationaltagungen die Hand der Sache Gottes ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum in Moldavien und Fred Schechter, Berater am Internationalen Lehrzentrum, in Sao Tome und Principe sein werden. Bedauerlicherweise können die Nationalen Geistigen Räte von Burundi und Ruanda aufgrund von Umständen, die sich ihrer Kontrolle völlig entziehen, dieses Jahr nicht wieder gewählt werden. Die Anzahl dieser Institutionen wird demzufolge weltweit weiterhin 174 betragen.

Ausblick auf das neue Jahrtausend

Ridván 2000, der Zeitpunkt, an dem der VierJahresPlan beendet wird, befindet sich Monate vor dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. In jenem Augenblick wird die Bahá’í-Welt in dankbarer Anerkennung auf die außerordentlichen Entwicklungen und die erstaunlichen Errungenschaften zurückblicken, welche die Annalen der Sache Bahá’u’lláhs während dieses ereignisreichen Zeitraums ausgezeichnet haben werden  eines Zeitraums, der von ‘Abdu’l-Bahá als "Jahrhundert des Lichtes"7) bezeichnet wurde. Eine der bedeutendsten Leistungen, die dann bewundert werden müssen, wird die Vollendung der Projekte am Berg Karmel sein, die zusammen mit den anderen Gebäuden auf jenem heiligen Berg als ein Denkmal für den Fortschritt stehen werden, den die administrative Ordnung zu jenem Zeitpunkt im Gestaltenden Zeitalter erlangt haben wird. Der Höhepunkt einer solchen Würdigung wird, so Gott will, eine Großveranstaltung am Weltzentrum sein, mit der die Vollendung der Gebäude des Bogens und die Eröffnung der Terrassen des Schreines des Báb für die Öffentlichkeit begangen werden sollen.

Geliebte Freunde, wir beginnen diesen Plan inmitten der Unruhe einer Zeit des sich beschleunigenden Übergangs. Der durch die Wucht der Offenbarung Bahá’u’lláhs hervorgerufene Zwillingsprozess schreitet rasch voran, wobei er eine Dynamik annimmt, die, in den Worten Shoghi Effendis, "jene Mächte, die das Antlitz unseres Planeten umgestalten, zu einem Höhepunkt führen (wird)".8) Der eine ist ein Prozess der Integration, der andere ist zerrüttend. Aus der "umfassenden Gärung", die durch diese Prozesse verursacht wird, geht der Frieden schrittweise hervor, wodurch die einigenden Auswirkungen eines wachsenden Bewusstseins von Weltbürgertum offenkundig werden.

Im Hinblick auf dieses Ziel waren die jüngsten Entwicklungen in der Welt paradoxerweise zugleich schockierend und beruhigend. Einerseits erzeugt die Unordnung in den menschlichen Angelegenheiten ein tägliches Maß des Schreckens, welches die Sinne betäubt, andererseits unternehmen die Führer der Welt oft gemeinsame Aktionen, die dem Bahá’íBeobachter eine Tendenz hin zu einer gemeinsamen Annäherung der Nationen an eine Lösung für die Probleme der Welt anzeigen. Bedenken Sie zum Beispiel die ungewöhnliche Häufung von weltweiten Anlässen, zu denen sich diese Führer seit dem Heiligen Jahr vor vier Jahren versammelt haben, wie zur Feier des fünfzigsten Jahrestages der Vereinten Nationen, auf der die teilnehmenden Staatsoberhäupter und Regierungschefs ihre Verpflichtung zum Weltfrieden erklärt haben. Erwähnenswert sind auch die Bereitwilligkeit und die Spontaneität, mit der diese Regierungschefs als Antwort auf eine Reihe von Krisen in verschiedenen Teilen der Welt gemeinsam gehandelt haben. Solche Tendenzen fallen mit dem aus aufgeklärten Kreisen stärker werdenden Ruf zusammen, der Möglichkeit, zu einer Art globalen Regierungsform zu finden, Beachtung zu schenken. Dürfen wir nicht in diesen sich rasch entwickelnden Ereignissen das Walten der Hand der Vorsehung sehen, ja, den eigentlichen Vorboten für das in unseren Schriften vorhergesagte gewaltige Ereignis?

Obgleich die Errichtung des Geringeren Friedens nicht von irgendeinem Plan oder einer Aktion der Bahá’í abhängig ist und nicht das letzte Ziel darstellt, das der Menschheit im Goldenen Zeitalter zu erreichen bestimmt ist, liegt auf unserer Gemeinde doch die Verantwortung, den Prozessen in Richtung auf jenen Frieden den geistigen Impuls zu verleihen. Genau jetzt ist es nötig, dass wir unsere Bemühungen beim Aufbau des Bahá’íSystems so intensivieren, dass wir die Bestätigungen Bahá’u’lláhs anziehen und somit eine geistige Atmosphäre schaffen, die zu einer Beschleunigung dieser Prozesse führen wird. Vor uns liegen zwei entscheidende Herausforderungen: Die eine besteht darin, eine Lehrkampagne in Gang zu setzen, an der die ganze Gemeinde begeistert, systematisch und persönlich teilnimmt und bei der die Aktivierung eines umfassenden Fortbildungsprogramms sicherstellt, dass menschliches Potential in reichem Maße entwickelt wird. Die zweite ist die Fertigstellung der Bauprojekte am Berge Karmel, für die jedes nur erdenkliche Opfer gebracht werden muss, um einen freigebigen Fluss materieller Mittel bereitzustellen. Wenn wir diese zwei Brennpunkte entschlossen anpeilen, werden Bedingungen geschaffen, die dazu führen, dass sich aufgestaute Kräfte freisetzen, die einen Wandel in der Ausrichtung der menschlichen Angelegenheiten auf dem ganzen Planeten herbeiführen werden.

Die Opposition wird kommen

Wie kurz der Weg zum Frieden auch sein mag, er wird verschlungen sein. Wie verheißungsvoll das erwartete Ereignis auch sein mag, das seinen Kurs bestimmen wird, er muss in einer langen Entwicklungszeit reifen, und dazu gehören Prüfungen, Rückschläge und Konflikte bis zu dem Augenblick, da er unter dem direkten Einfluss des göttlichen Glaubens als der Größte Friede in Erscheinung tritt. Inzwischen werden die Menschen überall sich der Verzweiflung und Verwirrung gegenübersehen, ehe es ihnen gelingt, den stattfindenden Übergang zu würdigen. Wir, die wir von der neuen Offenbarung erleuchtet sind, haben das Heilige Wort, das uns Zuversicht gibt, einen Göttlichen Plan zu unserer Führung, eine Geschichte voller Heldenmut zu unserer Ermutigung. Wir wollen daher Mut fassen, nicht nur aus dem Wort, das wir hochhalten, sondern auch aus den Heldentaten und Opfern, die auch heute noch hell aus jenem Lande leuchten, in dem unsere Religion geboren wurde.

Siebzehn Jahre lang haben unsere verfolgten Glaubensbrüder und schwestern im Iran eine Glaubenstreue und einen Mut gezeigt, die eine unermessliche Proklamation des Glaubens bewirkten und ihn aus der Verborgenheit zwangen. Hierin liegt in unseren eigenen Tagen der lebendige Beweis für die gewaltigen Kräfte von Krise und Sieg. So Gott will, wird es nicht zu lange dauern, bis unsere iranischen Mitgläubigen von dem Joch erlöst werden, das sie tragen, und dann zu einem ruhmreichen, wunderbaren Sieg geführt werden, wie nur die Gesegnete Schönheit ihn verleihen kann. Ihre Erfahrung ist ein Zeichen und ein Beispiel für uns alle, wo immer wir auch leben; denn schließlich, so hat es uns der Meister gesagt, wird die Opposition ihr Haupt auf allen Kontinenten erheben. Zwar mag sie von Ort zu Ort unterschiedlich sein, intensiv wird sie jedoch gewiss sein. Aber dank der stärkenden Gnade Bahá’u’lláhs und der demonstrierten Standhaftigkeit jener edlen Freunde werden wir wissen, wie man den Speeren des Feindes ohne Furcht standhält. Der Herr der Heerscharen hat wahrlich versprochen, sein Volk zu einem überwältigenden und entscheidenden Triumph zu führen.

Da die Menschheit von den verheerenden Auswirkungen einer außer Kontrolle geratenen Zivilisation geschüttelt und gequält wird, Lasst uns unseren Verstand und unsere Herzen auf die vor uns liegenden göttlichen Aufgaben richten. Denn inmitten dieses Aufruhrs wird es überreichlich Gelegenheiten geben, die ausgeschöpft werden müssen, "um das Wissen um die erlösende Macht des Glaubens Bahá’u’lláhs nah und fern zu verbreiten und frische Streitkräfte für das ständig wachsende Heer Seiner Gefolgschaft zu gewinnen."9) Dieser Plan, dem wir uns jetzt verschrieben haben, ist zu einem der kritischsten Momente im Leben des Planeten aufgestellt worden. Er soll unsere Gemeinde darauf vorbereiten, die sich beschleunigenden Veränderungen zu meistern, die sich in der Welt um uns vollziehen, und die Gemeinde in die Lage versetzen, sowohl der Wucht der damit verbundenen Prüfungen und Herausforderungen zu widerstehen als auch ein funktionierendes Modell deutlicher sichtbar zu machen, dem sich die Welt um Hilfe suchend und als Beispiel in den Nachwehen eines tumultartigen Übergangs zuwenden kann. Auf diese Weise nimmt dieser Plan eine besondere Stelle im Zeitplan der Bahá’í und der Weltgeschichte ein. Jene unter uns, die für die Vision des Glaubens empfänglich sind, genießen das besondere Vorrecht, bewusst an Bemühungen beteiligt zu sein, die dazu bestimmt sind, solche Prozesse anzuregen und schließlich voranzutreiben.

Mögen Sie alle sich erheben und die Aufgaben dieses entscheidenden Augenblickes in Angriff nehmen. Möge jeder von Ihnen einer kurzen Zeitspanne, die voller Möglichkeiten und Hoffnungen für die Menschheit steckt, sein oder ihr Siegel aufdrücken. Rufen Sie sich stets den Ratschlag Shoghi Effendis, der uns unfehlbar leitet, ins Gedächtnis, auf dass Sie nicht von den drastischen Ereignissen dieser Übergangszeit abgelenkt und übermäßig beunruhigt werden: "Es ist nicht an uns, die wir winzige Sterbliche sind, in einem so kritischen Abschnitt der langen, buntbewegten Menschheitsgeschichte zu versuchen, zu einem genauen und befriedigenden Verständnis der Schritte zu gelangen, welche eine blutende Menschheit, die ihren Gott erbärmlich vergessen und Bahá’u’lláh nicht beachtet hat, nach und nach von ihrem Golgatha zu ihrer endlichen Auferstehung führen....Wie verwirrt der Schauplatz, wie trübe der gegenwärtige Ausblick, wie engbegrenzt die uns verfügbaren Hilfsmittel auch seien, unser ist die Pflicht, heiter, vertrauensvoll und unaufhörlich zu arbeiten und, auf welche Weise auch immer die Umstände uns dazu befähigen mögen, unseren Anteil zu geben für das Wirken der Kräfte, die, von Bahá’u’lláh geleitet und gelenkt, die Menschheit aus dem Tal des Elends und der Schmach auf die erhabensten Höhen der Macht und Herrlichkeit führen."10)

Das Universale Haus der Gerechtigkeit


1) “The Advent of Divine Justice” (Wilmette: Bahá’í-Publishing Trust, 1990) p. 51
2) Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs, Nr. 129
3) “Citadel of Faith: Messages to America 1947-1957” pp. 130-131
4) Aus einem Brief, geschrieben im Namen Shoghi Effendis vom 1.9.1933 an einen einzelnen Gläubigen
5) Ährenlese Kap. 96
6) Aus einem Brief, geschrieben im Namen Shoghi Effendis vom 10.10.1932 an einen einzelnen Gläubigen
7) Selections from the Writings of ‘Abdu’l-Bahá p. 32
8) “The World Order of Bahá’u’lláh: Selected Letters (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust 1990) p. 48
9) “Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit S.48 amerik. Ausgabe 1990
10) “Der Verheißene Tag ist gekommen” S.124 amerik. Ausgabe 1980
(Die Überschriften und Zitatangaben fehlen in der Originalausgabe)


Ridván 153

An die Anhänger Bahá’u’lláhs in Europa


Innig geliebte Freunde,

Vor 43 Jahren, als sich die europäischen Bahá’í auf der StockholmKonferenz versammelten, die der geliebte Hüter zum Auftakt des großen ZehnjahresKreuzzuges auf Ihrem Kontinent einberufen hatte, gab es drei Nationale Geistige Räte  den der Britischen Inseln, den von Deutschland und Österreich sowie den von Italien und der Schweiz  außerdem einige sich langsam entwickelnde örtliche Gemeinden in anderen Ländern Westeuropas. Im Osten, der durch politische Barrieren abgeschottet war, existierten winzige Überreste von Gemeinden, die in früheren Jahren errichtet worden waren, und in der benachbarten Türkei mühte sich eine kleine nationale Gemeinde. Und als die europäischen Gläubigen der damaligen Zeit die ehrfurchtgebietenden Aufgaben betrachteten, die vor ihnen lagen, hörten sie die Worte des Hüters, der die historische Bedeutung jenes Kontinents erläuterte, in dem sie die Institutionen von Bahá’u’lláhs embryonaler Weltordnung aufbauen sollten:

"Ein Kontinent, der solch eine zentrale und strategische Position für den ganzen Planeten einnimmt, so reichhaltig und ereignisreich in seiner Geschichte, so vielfältig in seinen Kulturen, aus dessen Boden die Hellenische als auch die Römische Kultur entsprang, die treibende Kraft einer Kultur, der Bahá’u’lláh Selbst in einigen ihrer Grundzüge Anerkennung gezollt hat, an dessen südlichen Küsten das Christentum erstmals eine Heimat fand, auf dessen östlichen Wegen die mächtigen Kräfte des Kreuzes und des Halbmondes so oft aufeinander stießen, auf dessen südwestlichem Ausläufer die schönsten Früchte einer sich schnell entwickelnden islamischen Kultur reiften, in dessen Herzen das Licht der Reformation so hell schien, dass deren Strahlen auch die entlegensten Regionen des Globus erreichten ..."

Dieser Ihr Kontinent, dessen Boden durch die Fußspuren Bahá’u’lláhs gesegnet wurde, der zweimal von ‘Abdu’l-Bahá auf Seinen epochalen Reisen nach der Befreiung aus der Gefangenschaft besucht wurde, dessen Reisende und Gelehrte sich schon früh dem heraufdämmernden Licht von Bahá’u’lláhs Offenbarung öffneten, von dem aus zwei Regierungen während des heroischen Zeitalters dem Glauben eine helfende Hand darboten und dessen Nationen in jüngsten Jahren so erfolgreich zur Verteidigung der verfolgten Bahá’í im Iran interveniert haben, hat reichlich die Fähigkeit seiner Bewohner demonstriert, sich unter dem Banner der Sache Gottes zu versammeln, sobald ihre Herzen berührt werden und ihr Verstand für seine Botschaft geweckt wird.

Im Laufe dieser 43 Jahre haben die europäischen Bahá’íGemeinden große Vitalität gezeigt. Die Zahl der Nationalen Geistigen Räte hat sich auf 34 erhöht, die auf dem ganzen Kontinent verteilt sind, und die  wie im Falle von Russland  riesige Gebiete umfassen und bis an den Pazifischen Ozean reichen. Durch europäische Pioniere wurden für den Glauben in Afrika, im Pazifik, der Karibik und auf Grönland große Siege errungen. Ihre Institutionen haben sich im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit hervorgetan. Ihre Gemeinden weisen hervorragende Gelehrte im Glauben, Musiker, Künstler, Wissenschaftler und Freunde auf, die sich um die Anwendung der Bahá’íLehren im Geschäfts und Wirtschaftsbereich bemühen. Sie haben besondere Anstrengungen unternommen, die Frauen zu fördern und das Familienleben zu stärken. Der Europäische Jugendrat ist Mittelpunkt und Quelle für die Stimulation der Jugend in allen Teilen Europas geworden, und wird ergänzt durch ein Netz von nationalen und örtlichen Jugendausschüssen, die eng zusammenarbeiten und von ihren Nationalen und örtlichen Geistigen Räten unterstützt werden. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir auf diese Errungenschaften aufbauen, indem wir alle unsere Anstrengungen auf das wesentliche Ziel konzentrieren, die Botschaft Bahá’u’lláhs einer geistig ausgehungerten Bevölkerung zu überbringen.

Die erste Aufgabe Ihrer Nationalen Geistigen Räte sofort nach Ridván wird es sein, Land für Land und in Beratung mit den Mitgliedern des Berateramts die Details des VierJahresPlanes zu formulieren. Die Beteiligung der örtlichen Geistigen Räte und einzelner Gläubiger im Ausarbeiten ihrer eigenen örtlichen Pläne und in der Ausrichtung auf klar zu formulierende Handlungsvorgaben wird für die erfolgreiche Erfüllung der hohen Ziele in diesem Stadium der Umsetzung des Göttlichen Planes von ‘Abdu’l-Bahá unverzichtbar sein.

Europa ist ein Kontinent voller Vielfalt, und jeder Ihrer Nationalen Räte wird sorgfältig die erforderlichen Prozesse und Leistungen erforschen müssen, die für die Entwicklung der Sache Gottes in ihrem Gebiet in den kommenden vier Jahren notwendig sind. Die augenblickliche Situation seiner Gemeinde, das Gebiet, in dem er arbeitet und Bereiche potentieller Zusammenarbeit mit anderen Bahá’íGemeinden müssen berücksichtigt werden. Besondere Aufmerksarnkeit sollte der offiziellen Anerkennung in den Ländern, in denen die Institutionen des Glaubens noch nicht rechtlich anerkannt sind, gewidmet werden, außerdem der Errichtung von Nationalen Geistigen Räten in bestimmten unabhängigen Gebieten und auf wichtigen Inseln  wie beispielsweise den Faröer Inseln , die dies noch nicht erreicht haben. Es gibt jedoch bestimmte Elemente einer noch weiter reichenden Vision, die berücksichtigt werden müssen, da sie auf einzelne Länder, auf Ländergruppen und ganze Kontinente zutreffen.

Es gibt Gebiete, die dringend Pioniere und Reiselehrer benötigen; man denke beispielsweise an die Arbeit mit den Sami und anderen Völkern der Arktis und subarktischen Regionen, nördlich bis nach Spitzbergen hinaufreichend. Wir denken an die Bedeutung des Lehrens des Glaubens auf den Mittelmeerinseln, den Atlantikinseln und den Nordseeinseln; die Wichtigkeit der Roma für den ganzen Kontinent, die eine große Aufnahmebereitschaft für die Botschaft Bahá’u’lláhs zeigen; die Chance für die europäischen Bahá’íGemeinden, das heilsame Wesen der Lehren in Bezug auf Minderheiten aller Art zu demonstrieren; die besonderen Aufgaben, die der geliebte Hüter als Bestimmung ausgewählter Gemeinden beschrieben hat, und ihre Verantwortung in fernen Ländern, in denen ihre Sprachen gesprochen werden; die Konsequenzen des Fortschritts des Glaubens in Italien, wo sich "das Herz und die Hochburg der leitenden, der altehrwürdigsten und mächtigsten Kirche des Christentums" befindet; die Notwendigkeit, die Zahl von Bahá’íZentren in den riesigen Gebieten der Ukraine und des europäischen Teils von Rußland zu erhöhen; und darüber hinaus die besondere Verantwortung und Herausforderung der Bahá’íGemeinde der Russischen Föderation, deren größter Teil in Asien liegt, und die sowohl von der Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden in Zentral, Süd und Ostasien profitieren muss als auch von der mit Alaska, Kanada und den Vereinigten Staaten. Das sind nur einige Beispiele für die Herausforderungen, denen Sie in den kommenden Jahren gegenüberstehen.

Das zentrale Ziel des VierJahresPlanes, ein bedeutender Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen, ist für Europa von besonderer Bedeutung. Sie sollten keine Befangenheit und Vorbehalte haben  es ist ein Prozeß, der in allen Teilen Europas voranschreiten kann, im Westen und im Osten. Sie sollten alle erkennen, dass der Beitritt in Scharen eine unumgängliche Entwicklungsstufe für die Sache ist. Die Merkmale dieser Entwicklung sind in der Zusammenstellung zu diesem Thema beschrieben worden. Daraus wird offensichtlich, dass das beabsichtigte Ergebnis  ein anhaltender Beitritt in Scharen  durch eine bloße Abfolge von sporadischen, unkoordinierten Anstrengungen  wie enthusiastisch auch immer  nicht zustandekommen kann. Vertrauen; Einheit in der Vision; systematische, realistische und dennoch kühne Planung; Akzeptanz der Tatsache, dass man Fehler machen wird, und der Wille, aus diesen Fehlern zu lernen; und  über allem  Vertrauen auf die Führung und stützenden Bestätigungen Bahá’u’lláhs werden den Fortschritt dieses Prozesses beschleunigen.

Die Einrichtung von FortbildungsInstituten in verschiedenen Orten wird im Vier-JahresPlan betont, denn die derzeitigen Methoden  so wertvoll sie in sich auch sein mögen  sind nicht angemessen, um den Herausforderungen dieses neuen Wachstumsstadiums der Sache zu begegnen. Die Gestalt und Struktur der Institute müssen den jeweiligen Bedingungen des Landes und der Region angepasst werden. Es ist klar, dass die Form eines Instituts in Europa nicht mit der eines in den ländlichen Gebieten Indiens identisch sein kann. Ihre Hauptfunktion jedoch ist dieselbe. Sie sind dazu da, die Festigung einer Bahá’í-Identität der Teilnehmer zu fördern: die Befähigung, die Welt und ihren Zustand eher aus dem Blickwinkel der Lehren zu sehen als aus Sicht der eigenen Nationalität oder vor dem jeweiligen NichtBahá’í-Hintergrund. Sie werden dabei helfen, in jedem Teilnehmer eine tiefe Liebe zu Bahá’u’lláh zu entwickeln, ein gutes Verständnis Seiner wesentlichen Lehren und das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Entwicklung des geistigen Lebens für jedes Individuum durch Gebet, Meditation und Versenkung in die Heiligen Schriften fördern. Sie werden auch solch praktische Dinge enthalten wie das Lehren des Glaubens, denn es gibt zu viele, die aus Mangel an Vertrauen in ihre diesbezüglichen Fähigkeiten zögern, die Botschaft weiterzugeben. Die Wandlung, die eine solche Vertiefung im Glauben hervorruft, wird sicherlich die Herzen der einzelnen Freunde dafür entflammen, die Botschaft mit allen sie umgebenden Menschen zu teilen, und dies ist die Saat für den Erfolg beim Lehren. Jene, die an einem Institut teilgenommen haben, können den anderen Bahá’í sowohl den neuen als auch den langjährigen  helfen, ihr Potential für das Lehren zu entwickeln, und somit der Sache, in der jeder Gläubige ein Lehrer ist, eine zunehmende Zahl aktiver Mitarbeiter zuführen.

Das Lehren der Sache durch die Freunde in Europa muss an Umfang zunehmen, es muss in der Bandbreite vielfältig, spontan und individuell auf der einen Seite und konzentriert, vereint und einander unterstützend auf der anderen Seite sein. Es muss sowohl inspirierend als auch praktisch sein und muss vor allem vom reinen Glauben an die Macht Bahá’u’lláhs beseelt sein. Sie sollten das Feld ihrer Lehrarbeit erweitern und darin die Landbevölkerung einschließen als auch die Massen der Arbeitenden in den Städten, Menschen mit geringer Bildung als auch Intellektuelle in Universitätsstädten. Sie sollten ganz bewusst jede Gesellschaftsschicht ansprechen, Ihre Methoden entsprechend anpassen, Literatur und audiovisuelles Material für jeden Zuhörer haben. Beides, Kopf und Herz, müssen genährt werden; beides, geistige Kräfte und intellektuelle Klarheit, müssen als wichtige Elemente der Lehrarbeit erkannt werden. Sie haben sich bereits ausgezeichnet durch den Einsatz der Künste in der Proklamation, der Ausbreitung und Festigung des Glaubens; dies ist ein Schlüssel zum Öffnen vieler Türen, und er sollte ermutigt und gefördert werden. Ihre Einheit, Ihre Begeisterung, Ihr Vertrauen und Ihre Ausdauer  durch die Kraft des Gebetes gestärkt und geführt  werden unausweichlich zu einem Kanal für göttliche Bestätigungen, die wiederum suchende Seelen anziehen werden.

Wir unsererseits werden inbrünstig an der Heiligen Schwelle dafür beten, dass Sie, die Sie solch historische Siege in Ihren Heimatländern und auf der ganzen Welt errungen haben, während des VierJahres-Planes in eine Phase noch größerer Errungenschaften eintreten, die die noch unvorstellbaren Triumphe ankündigen, die sich der Bestimmung nach im einundzwanzigsten Jahrhundert entfalten werden.


Das Universale Haus der Gerechtigkeit









K: Die Hände der Sache Gottes
Internationales Lehrzentrum
Kontinentales Berateramt von Europa und Asien
Alle Berater in Europa und Asien
Europäischer Bahá’í-Jugendrat




Ridván 152

An die Bahá’ís der Welt

Herzlich geliebte Freunde,

Zu dieser ganz besonderen Jahreszeit grüßen wir Sie in tiefer Freude über die verstärkten Aktivitäten der ganzen Bahá’í-Gemeinde während des gerade vergangenen Jahres und mit den höchsten Erwartungen für das, was im letzten Drittel des DreiJahresPlanes geleistet werden muss und kann. Wir empfinden gleichermaßen Sorge wie Hoffnung angesichts der Verzweiflung, die die Führer der Nationen und Völker bei ihrer Suche nach Lösungen für die drängenden sozialen Probleme bedrängt. Ein solches verzweifeltes Bemühen ist gleichbedeutend mit einem weltweiten Ruf nach den Lehren Bahá’u’lláhs  für verantwortungsbewusste Bahá’íInstitutionen und Gläubige wahrlich eine Herausforderung und eine Verheißung, die nicht ignoriert werden darf.

Bei keiner Gelegenheit wurde diese düstere Perspektive deutlicher als neulich beim Weltgipfel für Sozialentwicklung, der jüngsten in einer Reihe von den Vereinten Nationen einberufener internationaler Zusammenkünfte der Führer der Welt. Wie gering auch immer der unmittelbare Einfluss derartiger Ereignisse auf die Politik von Regierungen sein mag, wie wenig die große Masse der Weltbevölkerung ihnen auch Beachtung schenken oder sich ihrer bewusst sein mag  die Aufeinanderfolge dieser Ereignisse bedeutet für jeden Bahá’í-Beobachter eine schrittweise Bewegung in Richtung auf die schließliche Erfüllung des Wunsches Bahá’u’lláhs, dass die Herrscher der Welt sich versammeln mögen, um über die wichtigen Fragen, die eine zunehmend globale Gesellschaft betreffen, zu beraten und zu entscheiden.

Durch eine besondere Gunst der Stunde konnten sich bei diesem bedeutenden Anlass in Kopenhagen etwa 250 Freunde aus mehr als 40 Ländern an den Bahá’íBemühungen beteiligen, die Teilnehmer des Gipfels und des dazugehörigen NGOForums mit den durch den Göttlichen Arzt verschriebenen Heilmitteln bekannt zu machen. Diese Bemühungen nahmen nach dem Gipfel einen noch größeren Umfang an und werden auch jetzt noch an vielen Orten auf der ganzen Welt fortgesetzt. Mit tief empfundener Dankbarkeit beglückwünschen wir die Bahá’íInstitutionen, ihre Abteilungen und die einzelnen Freunde, die diese Flut von Aktionen vor, während und nach dem Gipfel erzeugten, denn dadurch bekundete sich sowohl der weiterhin gewachsene Einfluss unserer Weltgemeinde auf die Prozesse, die zum Geringeren Frieden führen, als auch die immer vielfältiger werdenden Gelegenheiten zur weiteren Verbreitung der umgestaltenden Botschaft Bahá’u’lláhs. In dem Maße, wie diese Weltereignisse sich mehren und die Bahá’íGemeinde ihre Ziele mit verstärkter Intensität verfolgt, können wir deutlicher wahrnehmen, wie die parallelen Prozesse, von denen Shoghi Effendi vor mehreren Jahrzehnten sprach, enger zusammengeführt werden: Der eine zielt auf eine politische Vereinigung der Nationen, der andere auf die schließliche Vereinigung der Herzen in einem gemeinsamen Glauben.

Wir machen diese Beobachtungen vor dem Hintergrund einer ermutigenden Entwicklung in der Bahá’íGemeinde während des zweiten Jahres des DreiJahres-Planes. Noch begeisternder als der Entwicklungssprung bei den Aktivitäten in auswärtigen Angelegenheiten auf örtlicher und nationaler Ebene sind die Beweise einer qualitativen Veränderung in der Reaktion der Gläubigen überall auf den Ruf zum Lehren. Der gestiegenen Lehraktivität ist ein tieferes Verständnis für diese unausweichliche Aufgabe eines jeden einzelnen zu entnehmen. Dies ist eine ermutigende Situation, die sich aus einer Reihe stimulierender Faktoren ergibt, die allesamt als gute Vorzeichen für den lange erwarteten Zustrom von Scharen neuer Gläubiger gelten können. Zu diesen Faktoren gehören die Aufmerksamkeit, die der Textzusammenstellung über den Beitritt in Scharen gezollt wird, die jetzt in einer wachsenden Zahl von Sprachen erscheint, die Reisen der Internationalen und Kontinentalen Berater durch die ganze Welt, die Entwicklung der Arbeitsweise der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten, die Auswirkungen der besonderen Betonung der Kindererziehung und der Schwung der Jugend bei der Inangriffnahme von Lehrprojekten und bei ihrer Beteiligung an einer Reihe anderer Bahá’í-Aktivitäten.

Beigetragen zu diesem positiven Bild hat die wachsende Stärke der Geistigen Räte, die aufgerufen sind, sich vielfältigen Herausforderungen zu stellen, während sie sich gleichzeitig in erster Linie auf die Lehrarbeit konzentrieren. Wir sind uns in besonderem Maße der Last bewusst, die Nationale Geistige Räte tragen, da die ihrer Amtsgewalt zugeordneten Gemeinden in ihrer Zusammensetzung vielgestaltiger und in ihren Ansprüchen an die Führung und Hilfe dieser Institutionen komplexer werden.

Die verschiedenen Entwicklungsstadien, in denen sich die Gemeinde befindet, vermitteln insgesamt den Eindruck, dass starke Bemühungen den drei Hauptthemen des Planes gewidmet werden, die fordern, dass die Glaubenskraft der einzelnen Gläubigen gestärkt, die menschlichen Potentiale der Sache bedeutend entwickelt und die korrekte Arbeitsweise der örtlichen und nationalen Institutionen gefördert werden. Auf diesen Gebieten ist noch viel zu tun. Eine deutlichere Reaktion der einzelnen und der Institutionen ist erforderlich, wenn unsere Gemeinde die verheerenden Auswirkungen eines zügellosen moralischen Verfalls bekämpfen, eine schlagkräftige Armee ergebener Seelen für das Lehren und die Verwaltung des Glaubens aufstellen und unsere Institutionen für die Aufgaben vorbereiten soll, die sich gewiss durch eine plötzliche Zunahme der Größe unserer Gemeinden ergeben werden.

Die wirksame Antwort auf die unmittelbaren Herausforderungen, vor denen die Gemeinde steht, hat einige wesentliche Voraussetzungen, die vor allem von jedem einzelnen und von den örtlichen Geistigen Räten erfüllt werden müssen: Auf der einen Seite bedarf es der Initiative für das Lehren des Glaubens und den Erwerb eines vertieften Verständnisses für Sinn und Zweck des Glaubens. Es ist die Pflicht und das Vorrecht jedes einzelnen, diese Initiative zu ergreifen. Zugleich besteht die Notwendigkeit, dass der einzelne an gemeinsamen Unternehmungen der Gemeinde, an Projekten und Veranstaltungen mitwirkt. Andererseits ist es die Aufgabe des örtlichen Geistigen Rates, die Initiativen des einzelnen Gläubigen zu begrüßen, ihn dazu zu ermutigen und ihnen Raum zu geben, soweit das nur irgend möglich ist. Der Rat hat außerdem die Verantwortung, Pläne zu entwickeln und zu fördern, die die Talente und Fähigkeiten der Mitglieder der Gemeinde nutzen und die einzelnen in gemeinsame Aktionen einbinden, wie etwa Lehr und Entwicklungsprojekte, Institute und andere Gruppenaktivitäten. Es wird die Auswirkung von gewissenhaften Bemühungen zur Erfüllung dieser untrennbaren Erfordernisse sein, dass die Gemeinde sich ausbreitet und festigt und dass ein Klima einmütigen Handelns entsteht.

Während des vergangenen Jahres nahmen die Besuche hochrangiger Regierungsbeamter, anderer Würdenträger und Medienvertreter am Weltzentrum stark zu, was beweist, dass das geistige und administrative Zentrum des Glaubens in den Augen der Welt wachsende Bedeutung erlangt. Es unterstreicht auch die Tendenz, dass das sich entwickelnde Zentrum einer Weltreligion bei den Regierungen der Welt einen immer größeren Bekanntheitsgrad erlangt. Wenn wir diese Tendenz vom Berge Gottes aus betrachten, dem Ort der gegenwärtigen Bauprojekte, und gleichzeitig die Entwicklung berücksichtigen, die in örtlichen und nationalen Bahá’íGemeinden stattfindet, können wir angemessener abschätzen, wie die von Shoghi Effendi geschaute Vision Wirklichkeit wird. Indem er die Tragweite erläuterte, die der Entstehung der Gebäude zukommt, die den Weltverwaltungssitz des Glaubens Bahá’u’lláhs bilden werden, sagte er: "Dieses ungeheure, unwiderstehliche Geschehen wird zeitlich mit zwei nicht minder bedeutsamen Entwicklungsabschnitten zusammenfallen, nämlich mit der Begründung des Geringeren Friedens und mit der Entfaltung der nationalen und örtlichen Bahá’íInstitutionen." In Anbetracht der Lage der Welt ist dies eine Vision, die die planmäßige Vollendung der Projekte am Berg Karmel zwingend erfordert.

Diese Projekte gehen mit bemerkenswerter Geschwindigkeit voran. Sie setzen Pilger, Touristen und Anwohner durch ihre Ausmaße und ihre schon erkennbare Pracht in Erstaunen. Die Bauarbeiten erfolgen an allen Stellen gleichzeitig. An sieben Terrassen unterhalb und an fünf oberhalb des Schreins des Báb wird voll gearbeitet. Im Verlauf dieses Jahres sind mehr Bauverträge abgeschlossen worden als jemals zuvor. Dazu gehören die Verträge mit einer italienischen Firma zur Lieferung des Marmors für die Gebäude am Bogen. Es ist offensichtlich, dass die Arbeiten in einer Weise in Gang gekommen sind, die keine Verzögerung duldet. Der Spendenstrom braucht daher unbedingt einen entsprechenden Impuls, wenn von den für das Ziel des DreiJahresPlanes vorgesehenen 74 Millionen Dollar die verbleibenden 40 Millionen Dollar bis Ridván 1995 zur Verfügung stehen sollen.

Das neue Jahr beginnt mit günstigen Vorzeichen, die durch die Bildung von fünf Nationalen Geistigen Räten an diesem Ridvan gesetzt werden. Unsere Vertreter bei den ersten Nationaltagungen sind die Hand der Sache Gottes Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum in Armenien und Georgien; die Hand der Sache Gottes 'AliMuhammad Varqá in Weißrußland und Sizilien; und Berater Hushang Ahdieh in Eritrea. Weiterhin werden sich in dieser Zeit die Gemeinden von Bophuthatswana, Ciskei, Südafrika und Transkei unter der Jurisdiktion des Nationalen Geistigen Rates von Südafrika zusammenschließen und so die vor kurzem erfolgte politische Vereinigung der Region widerspiegeln. Als Ergebnis all dessen wird sich die Zahl der Nationalen Geistigen Räte in der Welt von 172 auf 174 erhöhen.

Geliebte Mitarbeiter: Über die Notwendigkeit hinaus, dass wir unsere Ziele erreichen müssen, fordert uns die gegenwärtige Misere der Menschheit zu verstärktem Handeln auf. Die über dem Schicksal einer verstörten Welt hängenden Wolken der Verzweiflung künden ganz deutlich den Frühlingsregen an, der den geistigen und materiellen Durst eines jeden Volkes stillen kann. Diese Wolken müssen nur durch ständige und zuversichtliche Lehrmaßnahmen befruchtet werden. Die Durchführung solcher Aktivitäten liegt in erster Linie in den Händen der einzelnen Bahá’í, obwohl sie von einer Verstärkung abhängig sind, die von den Bahá’íInstitutionen kommt.

Lassen Sie es nicht zu, dass übertriebene Selbstkritik oder Gefühle der Unzulänglichkeit, Unfähigkeit oder Unerfahrenheit Sie behindern oder Sie beunruhigen. Bedecken Sie Ihre Ängste mit den Zusicherungen Bahá’u’lláhs. Hat Er nicht erklärt, dass auf jeden, der Seinen Namen erwähnt, die "Scharen göttlicher Eingebung" herabsteigen und dass auf einen solchen "auch die Versammlung der Höhe" niederkommen wird, "jeder aus ihr einen Kelch reinen Lichtes vorantragend"? Betretet also die Arena, in die alle Seine Geliebten in gleicher Weise gerufen, in gleicher Weise herausgefordert und überreichlich gesegnet werden. Lehren, versichert Bahá’u’lláh Selbst, bedeutet, die "verdienstvollste aller Taten" zu tun. Und in diesem außergewöhnlichen Augenblick der Geschichte dieses Planeten ist nichts, aber auch gar nichts von größerer Bedeutung, als Menschen jeder Art und jeder Befähigung zur Festtafel des Herrn der Heerscharen einzuladen.

Indem wir Ihnen diese Botschaft senden, steht uns deutlich die Vision unermeßlicher Siege vor Augen, die darauf warten, errungen zu werden. Wir sind sicher, dass Sie unzählige davon in der verbleibenden Zeit des DreiJahresPlanes verwirklichen können. Danach müssen wir streben, um für das nächste weltweite Unternehmen, das zu Ridvan 1996 in Angriff genommen werden soll, die Voraussetzungen zu schaffen. Dann wird eine weltumspannende Kampagne einsetzen, die ein angemessenes Crescendo in den Leistungen dieses Jahrhunderts sicherstellt  eines Jahrhunderts, das von niemand geringerem als ‘Abdu’l-Bahá Selbst als eine Zeit angesehen wurde, die "ewig währende Spuren" hinterlassen wird.

Mit liebevollen Bahá’íGrüßen

Das Universale Haus der Gerechtigkeit




Ridván 151 (1994)

An die Bahá’ís der Welt


Herzlich geliebte Freunde,

Ein Jahr des Dreijahresplanes liegt jetzt hinter uns, ein Jahr, in dem die Wirren der Welt in den Herzen und Gedanken sowohl, Hoffnung als auch Furcht hervorriefen, Optimismus wie Verzweiflung, Bewunderung für menschlichen Mut und Scham über die Grausamkeit, in die die Menschheit versinken kann. Die Anhänger Bahá’u’lláhs streben inmitten dieser Heimsuchungen nach vorne, mit einer klaren Vision und voll Zuversicht, den Rahmen des Königreichs Gottes aufbauend, die Gesellschaft mit neuem Geist belebend und allen Völkern die wiederbelebende Wirkung der göttlichen Lehren aufzeigend.

Im Weltzentrum begann am 23. Mai (1993) ein neuer FünfJahresTurnus der Mitgliedschaft im Internationalen Lehrzentrum. In unserer ersten gemeinsamen Sitzung begrüßten wir die zahlreichen Initiativen, die es in der vergangenen Amtsperiode ins Leben rief, und drängten auf deren Fortentwicklung. Unter diesen Initiativen ist die Führung herausragend, die den Kontinentalen Beratern zur Förderung der Beratung auf örtlicher und nationaler Ebene und zwischen Institutionen und Gläubigen vermittelt wurde. Dies führte zur Begründung und Bestärkung des Wachstums der Bahá’íGemeinde. Ebenso ist die fortschreitende Verdeutlichung verschiedener Ansätze zur Lehrarbeit zu nennen. Diese Aktionen führten im Laufe des Jahres zu einem größeren Schwung, der der Entwicklung des Glaubens und seiner Institutionen durch die Berater, die Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten gegeben wurde, was wiederum zur Stärkung der Einsicht und Ermutigung führte, die sie Nationalen und Örtlichen Geistigen Räten und den Gläubigen übermittelten.

Das wachsende Ansehen des Glaubens in den Augen der Welt und die Aufmerksamkeit, die dies auf das Weltzentrum lenkt, untermauern die Bedeutung der Fertigstellung der Terrassen am Schrein des Bab und der Gebäude des administrativen Weltzentrums der Sache Bahá’u’lláhs. Nach der Bekanntgabe des besonderen Aufrufs an die Bahá’í der Welt, 74 Millionen Dollar während des Dreijahresplanes für dieses Projekt zu sammeln, ist die Reaktion herzerwärmend gewesen. Es ist unsere innige Hoffnung, dass die Fortführung dieses Opfergeistes eine rasche Erfüllung dieses Zieles ermöglichen, einen ununterbrochenen Fortschritt der Arbeiten sicherstellen und die bewundernden Blicke der Besucher und Anwohner gleichermaßen anziehen wird.

Das Studium des Kitáb-i-Aqdas erhellt das Leben aller Gläubigen. Das Bewusstsein für die Bedeutung der Aufrechterhaltung der Grundsätze des Glaubens und des Gehorsams gegenüber seinen Geboten wächst. Die weltweite Anwendung des Gesetzes des Huqúq’ulláh hat eine enthusiastische Reaktion hervorgerufen. Die Aufmerksamkeit der Freunde gegenüber ihrer persönlichen Verpflichtung, den Glauben zu lehren, steigt. Während sie ihren geistigen Verpflichtungen nachkommen und eine stärkere Abhängigkeit von den Bestätigungen Bahá’u’lláhs erlernen, entdecken sie, dass ihr Glaube eine neue Lebenskraft gewinnt, ihre Herzen voll neuem Selbstvertrauen. All dies sind Bereiche, in denen die Aktivitäten des einzelnen nicht auf Drängen oder Hilfe zu warten brauchen. Alleine auf sich gestellt, unterstützt nur durch die Kraft des Allmächtigen, ist jeder Gläubige herausgefordert, diese geistigen Stärken zu entwickeln, die über jedes Maß hinaus zur Evolution der Gemeinde beitragen werden.

Die Mitgliedschaft der Sache nimmt auf zwei Wegen zu. Menschen mit herausragenden Fähigkeiten werden bewegt, den Glauben anzunehmen und stärken so jene, die bereits in ihm dienen. Letztere werden für ihren Teil in ihrer Erfahrung bereichert und erwerben größere Fähigkeiten durch ein tieferes Studium der Lehre und ihrem Ausdruck im Handeln. Die Freunde haben mit bemerkenswertem Erfolg stärkeren Gebrauch von Workshops und Institutionen gemacht und so die Notwendigkeit einer systematischeren Vertiefung ihres Verständnisses der Lehre und ihrer Anwendung auf die Gesellschaft anerkannt. Im vor uns liegenden Jahr müssen diese beiden sich gegenseitig ergänzenden Vorgänge  Menschen mit besonderen Fähigkeiten anzuziehen sowie unsere eigenen zu erweitern  weiter ausgebaut werden. So werden persönliches Handeln und die harmonische Entwicklung einer großen Bandbreite von Aktivitäten zur Förderung des Glaubens angeregt.

Wie sich das Potential der Gläubigen entfaltet, so werden auch die örtlichen und nationalen Bahá’í-Institutionen die Fähigkeit erwerben, um die Lebensqualität ihrer Gemeinden zu erhöhen und einfallsreiche Programme zu entwerfen und einzuführen. Örtliche Geistige Räte haben in zahlreichen Gebieten in regionaler Lehrarbeit zusammengearbeitet. Auch die Nationalen Geistigen Räte haben neuartige Projekte ins Leben gerufen, um die durch die außerhalb des Glaubens sich ergebenden Gelegenheiten auszunutzen. Einige Beispiele dafür sind das Projekt des Offenen Briefes in Albanien, die Antwort auf die außergewöhnliche Empfänglichkeit der Behörden und der breiten Bevölkerung in den Republiken von Sakha und Buryat in Sibirien und die zwischen dem Nationalen Geistigen Rat der MarshallInseln und der örtlichen Verwaltung des MajuroAtolls unterzeichnete Vereinbarung, mit der auf Bitten der Landesregierung die Bahá’íGemeinde die Verantwortung für fünf staatliche Grundschulen übernahm.

Die Entwicklung örtlicher und nationaler Bahá’íInstitutionen ermöglichte in verstärktem Ausmaß eine Dezentralisierung der Verwaltung. Jedoch besteht in den meisten Ländern die entscheidende Voraussetzung für die Ausweitung dieses segensreichen Prozesses darin, die Funktionsweise der örtlichen Geistigen Räte rasch zu verbessern. Dies erfordert die wache Aufmerksamkeit eines jeden Gläubigen. Die örtlichen Bahá’í-Institutionen, die im Kitáb-i-Aqdas selbst eingesetzt wurden, bilden einen Fundus an Stärke und Führung, der die Effektivität der Arbeit für die Sache im Laufe ihrer Reifung vergrößert.

Wir leben inmitten einer Bevölkerung, die die Botschaft Bahá’u’lláhs verzweifelt benötigt. Es ist unsere Pflicht, sie klar und überzeugend so vielen Seelen wie möglich zu überbringen. Dunkel und Leid um uns herum sind nicht nur Zeichen der Not, sondern vermitteln eine Gelegenheit, die wir nicht versäumen dürfen. Das Überbringen der Botschaft ist nur der allererste Schritt. Nach ihm müssen wir sicherstellen, dass sie verstanden und angewandt wird, lesen wir doch in einem im Auftrage des Hüters geschriebenen Brief: "Solange die Öffentlichkeit in der Bahá’íGemeinde nicht das echte Muster von etwas besserem als sie bereits besitzt, erkennt, und zwar in Aktion, wird sie auf den Glauben nicht in größerer Zahl reagieren." Wenn die Menschen die Sache annehmen, sollten sie dann mit Hilfe der Lehre ihre Beziehung untereinander wie mit ihren Mitbürgern entwickeln, um die wahre Bahá’íGemeinschaft schrittweise aufzubauen, als Licht und Zuflucht für die Bestürzten.

Nach den glorreichen Ereignissen des Heroischen Zeitalters des Glaubens erfolgte der Eintritt in Scharen durch die Völker der Welt in die Sache Gottes zuerst in Afrika während der Amtszeit Shoghi Effendis, um sich dann in andere Gebiete auszudehnen. Die Bahá’íGemeinden in diesen Regionen lernen allmählich durch ihre Erfahrung und entwickeln Methoden und Programme mit dem Ziel, große Zahlen von Gläubigen zu funktionierenden Gemeinden zusammenzubringen und starke Zentren andauernden Wachstums zu bilden. Die Textzusammenstellung über "Die Förderung des Eintritts in Scharen" wurde veröffentlicht, um diese Gemeinden in ihren Bemühungen zu unterstützen, um den Bahá’í in anderen Ländern zu helfen, den gleichen Vorgang in Gang zu setzen und aufrechtzuerhalten, und um Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen, die ein so herausforderndes Konzept unausweichlich begleiten. Das Studium und die Anwendung der darin erläuterten Prinzipien und Ansätze wird zweifellos für jeden Bahá’íLehrer und jede Gemeinde hilfreich sein, sei es in einem Gebiet, in dem der Eintritt in Scharen seit Jahren Realität ist, oder dort, wo es noch keine Anzeichen hierfür gibt. Im letzteren Falle wird es den einzelnen Gläubigen von der Realität und Gültigkeit dieses Prozesses überzeugen und die Bahá’íGemeinden befähigen, sich selbst geistig und materiell auf diesen Vorwärtsschub vorzubereiten, sein Auftauchen sehnsüchtig zu erwarten, jene Schritte zu ergreifen, die seinen Beginn fördern, und die Maßnahmen sicherzustellen, die sein Wachsen beschleunigen.

Der bemerkenswerte Zuwachs internationaler Zusammenarbeit im vergangenen Jahr, die Niederlassung von Pionieren und der stete Fluss von Reiselehrern haben das Gewebe der Bahá’í-Gemeinde noch enger geknüpft. Führend hierbei ist ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum, die zur Ermutigung der Gläubigen und Verkündigung des Glaubens eine mühsame Reise nach Russland und andere im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion liegende Länder unternahm, und zwar vom Westen, dem Baltikum, bis ganz in den Osten, nach Sibirien; sowie vom Süden, den Zentralasiatischen Republiken, bis in den Norden nach St. Petersburg und Yakutsk.

Sieben erstmalige Nationaltagungen werden an diesem Ridván stattfinden. Unsere Repräsentanten bei diesen historischen Ereignissen sind die Hand der Sache Gottes ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum zur Wahl des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Kambodscha, in Phnom Penh, und des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in der Mongolei, in Ulan Bator; die Hand der Sache Gottes 'AliMuhammad Varqá für die Wahl des Regionalen Geistigen Rates der Bahá’í in Slowenien und Kroatien, in Ljubljana; Beraterin Lauretta King für die Wahl des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Kasachstan, in AlmaAta, und des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Kirgisistan, in Bishkek; und Berater Shapoor Monadjem für die Wahl des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Tadschikistan, in Dushanbe, und des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Usbekistan, in Taschkent. Der derzeitige Regionale Geistige Rat von Zentralasien mit seinem Sitz in Ashkhabad wird umbenannt in den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í in Turkmenistan.

Das Ende dieses Jahrhunderts nähert sich rasch. So wenig Zeit verbleibt, so viel ist noch zu tun. Wir rufen jeden Anhänger der Sache Bahá’u’lláhs auf, die allergrößten Anstrengungen den beiden Hauptaufgaben zu widmen, und zwar dem Lehren des Glaubens gegenüber jeder dürstenden Seele und der Ausstattung materieller Mittel zur Fertigstellung der gewaltigen Projekte am Berge Karmel. Wie immer sich die äußere Lage der Menschheit in den vor uns liegenden Jahren entwickelt, die Bahá’íGemeinde muss an Stärke gewinnen, sie muss deutlicher den sich unterscheidenden Charakter ihrer Lebensauffassung demonstrieren, zu Proklamation und Lehre der Botschaft zuversichtlich ausschwärmen und in immer größerem Ausmaß die bestätigende Unterstützung der Himmlischen Heerscharen an sich ziehen. Es ist der einzelne Bahá’í, der in jedem Aspekt dieser Arbeit den Schlüssel zum Erfolg in Händen hält.


Das Universale Haus der Gerechtigkeit



Ridván 150 (1993)

An die Bahá’ís der Welt

Innig geliebte Freunde,

1 In der unverminderten Glut der wundersamen Segnungen des soeben zu Ende gebrachten Heiligen Jahres sind wir beim König der Feste angelangt, neu bestätigt und aufgeladen mit neuer Kraft für unsere heiligen Bestrebungen. War es doch eine Zeit, in der Er, die Schönheit Abhá, Seine weltweite Gemeinde in reicher Fülle mit dem Glanz Seiner Gnade übergroß, als Er die Bemühungen Seiner Anhänger, die bedeutsame zweifache Jahrhundertfeier Seines Hinscheidens und der Einsetzung Seines Bundes würdig zu begehen, mit erstaunlichen Erfolgen krönte. Als Gedenkpause geplant, brachte dieses Jahr eine Proklamation des Größten Namens zuwege, die wie nie zuvor auf der ganzen Erde widerhallte; aber was so klare äußere Zeichen setzte, war ganz ausgeprägt der Widerschein einer inneren Errungenschaft: eines bislang unerreicht tiefen Verständnisses für unsere Beziehung zu Bahá’u’lláh. In uns selbst sind wir der weltumspannenden Wirklichkeit unserer Gemeinde noch klarer bewusst geworden und haben erlebt, wie sie den ersten, alles überragenden Grundsatz Seines Glaubens verkörpert. Das hat unseren Herzen einen neuen, vorwärtstreibenden Eindruck aufgeprägt. Die Wirkungen dieses klareren Bewusstseins haben die Gedächtnisfeier im Mai des vergangenen Jahres im Heiligen Land und noch breiter angelegt der Weltkongress im November eindrucksvoll hervorgekehrt, als sollte damit in dieser verzweiflungsvoll unruhigen Zeit unsere Zuversicht bekräftigt werden, dass die Menschenwelt unerbittlich ihrem immer noch schwer fassbaren Schicksal der Einheit und des Friedens entgegengeht. Die Flügel des Geistes haben uns fürwahr während des Heiligen Jahres auf einen Gipfel getragen, der uns eine Schau ermöglichte auf die volle Herrlichkeit der rasch nahenden, seit unvordenklichen Zeiten gültigen Verheißung des Herrn, eines Tages werde die ganze Menschheit vereinigt werden.

2 Zu zahlreich sind die begeisternden Einzelheiten bei den Veranstaltungen dieses Jahres, als dass sie hier beschrieben werden könnten. Allgemein wurde empfunden, wie der Heilige Geist wirkte und die Tätigkeiten der Freunde mit geheimnisvoller Kraft durchtränkte. So möge es genügen, an gewisse Glanzpunkte zu erinnern: im Mai 1992 die Versammlung der größten jemals zu einer Veranstaltung im Heiligen Land zusammengekommenen Anzahl von Bahá’í, die Vertreter ausnahmslos jeder Nation auf Erden, wie sie den Schrein Bahá’u’lláhs umschritten, die Anwesenheit der meisten lebenden Ritter Bahá’u’lláhs bei der Niederlegung der Ehrenrolle unter der Schwelle zum Hochheiligen Schrein, der noch nie dagewesene Umfang des Weltkongresses und die bunte Vielfalt seiner Teilnehmer einschließlich einer großen Zahl von Jugendlichen mit ihren eigenen Nebenprogrammen, der Vorbeimarsch der Vertreter aller Rassen und Nationen der Welt bei dieser spektakulären Gelegenheit, die Satellitenübertragung, die den Kongress und das Weltzentrum mit allen Erdteilen verband. All dies waren Erlebnisse von höchst seltener Art, sie haben das Gedenken an die JahrhundertFeierlichkeiten unsterblich gemacht.

3 Die unzähligen phantasiereichen Bemühungen der Freunde rund um die Welt, von den entlegensten Dörfern bis in die großen Städte, zur Feier dieser bedeutsamen Jahrestage zeigen erneut, wie gründlich der Glaube Bahá’u’lláhs gefestigt worden ist. In vielen Gebieten entfaltete sich dadurch die Lehrarbeit mit außergewöhnlichen, ja überraschenden Ergebnissen. In den Massenmedien kleiner wie großer Länder fand das Heilige Jahr eine noch nie dagewesene Aufmerksamkeit, gesetzgebende Körperschaften und politische Amtsträger nahmen das Jubiläum wahr, Regierungsstellen brachten ihre Anerkennung und Wertschätzung des Glaubens zum Ausdruck, die Bahá’íWeltgemeinschaft wurde in große Veranstaltungen auf Weltebene einbezogen, darunter die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung vergangenen Juni in Rio de Janeiro, in deren Zusammenhang an öffentlicher Stelle ein Denkmal mit einem Text aus Bahá’u’lláhs Schriften und einem großen Abbild des Größten Namens eingeweiht wurde diese Entwicklungen zeigten, dass die Gemeinde sich in den Augen der Öffentlichkeit deutlich stärker profiliert hat.

4 Abgesehen von all diesen herausragenden Ereignissen und Entwicklungen, aber von noch größerer Bedeutung wegen der weitreichenden Folgen für das ganze Menschengeschlecht, war zum NawRúzFest die Herausgabe der mit Anmerkungen versehenen englischen Übersetzung des Kitáb-i-Aqdas, des Hochheiligen Buches. Wir kommen damit der Zeit einen Schritt näher, von der ‘Abdu’l-Bahá voraussagt: “Wenn die Gesetze des Hochheiligen Buches in Kraft getreten sind,... wird der Weltfriede sein Zelt inmitten dieser Erde aufpflanzen; der gesegnete Baum des Lebens wird so wachsen und sich ausbreiten, dass er den Osten wie den Westen überschattet."1)

5 Das Heilige Jahr war auch eine Zeit, in der die große Weltlage noch wirrer und widersprüchlicher wurde. Zur gleichen Zeit gab es Zeichen der Ordnung und des Chaos, der Verheißung und der Entmutigung. Mitten in dieser wirren gegenwärtigen Weltlage, aber mit den vom Heiligen Jahr entflammten Gefühlen des Staunens und der Freude, des Mutes und des Glaubens im Herzen, beginnen wir mit diesem RidvánFest im hundertfünfzigsten Jahr unseres Glaubens einen Dreijahresplan. Seine Kürze wird uns von den rasch wechselnden Gezeiten unserer Tage aufgenötigt; aber sein Hauptzweck ist unabdingbar für die Zukunft der Sache Gottes und der ganzen Menschheit. Er ist die nächste Stufe in der Entfaltung der göttlichen Charta der Lehrarbeit, wie sie der Mittelpunkt des Bundes mit Seiner Feder aufgezeichnet hat. Der Plan wird das Richtmaß unserer Entschlossenheit sein, auf die unermesslichen Möglichkeiten dieses kritischen Augenblicks in der gesellschaftlichen Evolution des Planeten unsere Antwort zu geben. Die entschlossene Verfolgung und die volle Verwirklichung der festgeschriebenen Planziele, die den Umständen jeder nationalen Gemeinde angepasst sind, werden den Weg freimachen für einen angemessenen Vorrang der Rolle unseres Glaubens angesichts der unausweichlichen Herausforderungen, denen die ganze Menschheit gegen Ende des rasch entfliehenden, schicksalsschweren zwanzigsten Jahrhunderts gegenübersteht.

6 Weit über alle bisherigen Zahlen hinaus muss eine massive Ausdehnung der Bahá’íGemeinde erreicht werden. Die Botschaft muss unter der Menschheit im allgemeinen, in Dörfern, Marktflecken und Städten rasch und verstärkt verbreitet werden. Das ist für den Fortgang entscheidend; denn ohne diese Expansion fehlt den mühsam aufgebauten Werkzeugen der Verwaltungs und Gesellschaftsordnung das Wirkungsfeld, in dem sie ihre eigenständige Fähigkeit, den himmelschreienden Nöten der Menschheit in der Stunde ihrer tiefsten Verzweiflung abzuhelfen, entwickeln und angemessen unter Beweis stellen können. Dazu muss die Wechselwirkung zwischen Lehr und Verwaltungsarbeit voll verstanden und stark betont werden, denn beides verstärkt sich gegenseitig. Die Probleme der Gesellschaft, von denen unsere Gemeinde mitbetroffen ist, und die Probleme, die innerhalb der Gemeinde naturgegeben entstehen, seien sie gesellschaftlicher, geistiger, wirtschaftlicher oder verwaltungstechnischer Art, werden in dem Maße lösbar sein, wie sich unsere Zahlen und Hilfsmittel vervielfachen und die Freunde auf allen Ebenen der Gemeinde ihre Fähigkeit und Willigkeit, ihren Mut und ihre Entschlossenheit entwickeln, den Gesetzen zu gehorchen, die Grundsätze anzuwenden und die Angelegenheiten des Glaubens nach den göttlichen Geboten zu regeln.

7 Der neue Plan dreht sich um ein dreifaches Thema: die Lebenskraft des Glaubens des einzelnen Gläubigen zu stärken, das in der Gemeinde vorhandene Potential stark zu entwickeln, die korrekte Arbeitsweise der örtlichen und nationalen Bahá’í-Institutionen zu fördern. Damit treten, während die mannigfachen Ziele dieses Planes inmitten unserer wirren Zeitläufe verfolgt werden, die Vorbedingungen bleibenden Erfolges in den Mittelpunkt.

8 Vor dem Hintergrund der deutlichen Zeichen eines Sittenverfalls, der Tag für Tag die Grundlagen zivilisierten Lebens zernagt, gewinnen Bahá’u’lláhs bildhafte Worte höchste Dringlichkeit: "Die Lebenskraft des Glaubens der Menschen an Gott stirbt aus in allen Landen. Nur Seine heilende Arznei kann sie jemals wiederherstellen. Der Rost der Gottlosigkeit frisst sich in das Triebwerk der menschlichen Gesellschaft. Was außer dem Heiltrank Seiner machtvollen Offenbarung kann sie reinigen und neu beleben?") Derartige Worte bringen für das Handeln eines jeden, der den Herrn des Zeitalters anerkannt hat, besondere Weiterungen mit sich. Eine entscheidende Folge aus dieser Anerkennung ist eine Gläubigkeit, die zur Entgegennahme Seiner Befehle drängt. Die nötige Glaubenstiefe beruht auf der inneren Verwandlung, dem heilsamen Erwerb eines geistigsittlichen Charakters, der sich aus dem Gehorsam gegen die göttlichen Gesetze und Grundsätze ergibt. Zu diesem Zweck bringt die englische Veröffentlichung des mit Anmerkungen versehenen Kitáb-i-Aqdas, der bald Ausgaben in anderen wichtigen Sprachen folgen werden, ein machtvolles Einflößen göttlicher Führung zur Verwirklichung eines lebendigen Glaubens, wie er für die geistige Wohlfahrt und Glückseligkeit der einzelnen Bahá’í und für das gestärkte Netzwerk der Gemeinde notwendig ist. Ebenso notwendig für die Aufrechterhaltung dieser Lebendigkeit ist es, einen Sinn für Geistigkeit zu kultivieren, jenes mystische Gefühl, das den Menschen mit Gott vereint und durch Meditation und Gebet erlangt wird.

9 Zur Entwicklung des für den Fortschritt der Sache Gottes erforderlichen menschlichen Potentials ist es unabdingbar, die Freunde und deren Bemühen durch ernsthafte persönliche Studien, durch den Erwerb von Wissen über den Glauben, durch die Anwendung seiner Grundsätze und die Verwaltung seiner Angelegenheiten auszubilden. Wissen allein reicht nicht aus; unabdingbar muss die Ausbildung vermittelt werden in einer Weise, die zu Liebe und Hingabe begeistert, Festigkeit im Gottesbund bewirkt und den einzelnen Bahá’í dazu bewegt, aktiv an der Arbeit für die Sache Gottes teilzunehmen und brauchbare Initiativen zur Förderung ihrer Interessen zu entfalten. Besondere Bemühungen, befähigte Menschen für den Glauben zu gewinnen, laufen ebenfalls in die Richtung der Beschaffung des in dieser Zeit so dringend benötigten menschlichen Potentials. Überdies werden solche Bemühungen bei den Geistigen Räten die Fähigkeit anregen und verstärken, ihre gewichtige Verantwortung zu übernehmen.

10 Die korrekte Arbeitsweise der Institutionen hängt weitgehend davon ab, dass sich ihre Mitglieder bemühen, mit ihren Pflichten vertraut zu werden und sich sowohl in ihrem persönlichen Verhalten als auch bei ihren Amtspflichten gewissenhaft an die Grundsätze zu halten. Von erheblicher Bedeutung sind auch ihre Entschlossenheit, alle Spuren von Entfremdung und Sektierertum aus ihrer Mitte zu tilgen, sowie ihre Fähigkeit, die Zuneigung und Unterstützung der Freunde unter ihrer Obhut zu gewinnen und so viele Menschen wie möglich in die Arbeit für die Sache Gottes einzubeziehen. Wenn sie beständig das Ziel vor Augen haben, ihre Leistungen zu verbessern, wird die von ihnen geführte Gemeinde einen Lebensstil widerspiegeln, der dem Glauben Ansehen einträgt, und wird als eine willkommene Konsequenz unter den immer tiefer entmutigten Zeitgenossen neue Hoffnung entzünden.

11 Während die Nationalen Geistigen Räte mit der prompten Hilfe der Kontinentalen Berater den in dieser kurzen Zeitspanne einzuschlagenden Kurs festlegen, befasst sich das Weltzentrum mit der Abstimmung vielschichtiger Tätigkeiten auf dem ganzen Planeten und gibt, nachdem die Bahá’íWeltgemeinschaft immer tiefer in den Umgang mit Weltproblemen einbezogen wird, weitere Anweisungen zu den auswärtigen Angelegenheiten des Glaubens. Gleichzeitig werden die riesenhaften Bauvorhaben an Gottes heiligem Berg ohne Hast fortgeführt, sind sie doch Teil eines Prozesses, den Shoghi Effendi mit zwei ebenso wichtigen Entwicklungen zusammenfallen sah: mit der Errichtung des Geringeren Friedens und der Entwicklung der nationalen und örtlichen Bahá’íInstitutionen. Zum Ende des Planes werden alle verbleibenden Bauphasen der BergKarmelProjekte in Angriff genommen sein; die Rohbauten des Internationalen Lehrzentrums, des Zentrums für das Studium der heiligen Texte und der Erweiterung des Internationalen Archivs werden ausgeführt sein; sieben Terrassen unterhalb des Schreins des Báb sind dann fertiggestellt.

12 Der dramatisch ausgeweitete Arbeitsumfang der Sache Gottes und die während dieses neuen Planes erwarteten Entwicklungen erfordern materielle Mittel. Eine Zeitlang waren sie unzureichend, obwohl erheblich größere Beiträge zu den Bahá’íFonds geleistet wurden. Die aus vielen Weltteilen berichtete Wirtschaftskrise scheint sich zu verschlimmern, aber letztlich kann die Menschheit weder ihre wirtschaftlichen noch ihre anderen drängenden Probleme lösen, ehe die Nationen und Völker der Sache Bahá’u’lláhs die nötige Beachtung schenken und ehe diese Sache von ihren überzeugten Anhängern die angemessene materielle Unterstützung erfährt. Mögen die Freunde überall, gemeinsam mit ihren Bahá’íInstitutionen und einzeln für sich, unbeirrt von den die Nationen heimsuchenden Ungewissheiten, Gefahren und finanziellen Engpässen, abwägen, was jeder einzelne und alle zusammen zu tun haben, um ihrer unausweichlichen, geheiligten Pflicht nachzukommen.

13 Unser Appell um sofortige, verdoppelte und nachhaltige Tätigkeit unter allen Aspekten des Planes richtet sich in erster Linie an den einzelnen Gläubigen an jedem Ort, tragen doch jeder und jede in sich selbst das rechte Maß an derjenigen Initiative, die für den Erfolg jedes weltumspannenden Bahá’í-Vorhabens die Gewähr bietet. Von ihm und von ihr hängt, wie unser geliebter Hüter klar zum Ausdruck bringt, "letzten Endes das Schicksal der ganzen Gemeinde ab".3) Leicht werden die Ziele des Dreijahresplanes nicht zu gewinnen sein, aber sie müssen großartig erreicht werden, welches Opfer auch immer vonnöten sei. Die einzelnen Bahá’í und die Geistigen Räte sollten sich deshalb unverzüglich diesen Planzielen zuwenden, damit die Probleme der Menschheit nicht ungezügelt in den Himmel wachsen oder eine interne Krise aufkommt und uns bremst. Lassen Sie uns immer bewusst sein, dass wir unsere Siege durch Leid und Prüfungen erringen. Wir verwandeln eine Krise in einen Fortschritt, wenn wir die sich bietende Gelegenheit beim Schopf packen, indem wir die Anwendbarkeit und die gewinnende Kraft unserer Grundsätze unter Beweis stellen. Auf der Woge des Fortschritts der Sache Gottes haben sich Krise und Sieg immer abgelöst und als die Haupterzeugnisse dieses Fortschritts erwiesen. Während wir die Triumphe des Heiligen Jahres auskosten, wollen wir nicht vergessen, wie real diese immer wiederkehrende Erfahrung ist. Wir wollen uns auch bewusst sein, dass unsere Segnungen unseren Herausforderungen entsprechen, wie es unsere ruhmreiche Geschichte wiederholt gezeigt hat.

14 Liebe Freunde, seien Sie nicht verzweifelt oder verschreckt! Schöpfen Sie Mut aus der Sicherheit von Gottes Gesetz und Gebot! Jetzt sind die dunkelsten Stunden vor dem Morgengrauen. Der verheißene Friede wird kommen, wenn die Nacht vorüber ist. Drängen Sie voran, dem Dämmerlicht entgegen!


Das Universale Haus der Gerechtigkeit

























1. Beantwortete Fragen 12:4
2. Ährenlese 99
3. Brief vom 28. Juli 1954, in Citadel of Faith. Messages to America
19471957, Wilmette 1980, S. 130


(Die Absatznumerierung fehlt in der Originalausgabe und ebenso die Zitatangaben)



26. November 1992
An die Bahá’ís der Welt

1 Ein volles Jahrhundert ist verflossen, seitdem Bahá’u’lláhs Bund errichtet und in Gang gesetzt wurde. Wir übermitteln unsere liebevollen Grüße den Mitgliedern Seiner Gemeinde, die heute beim Weltkongress in New York und den Nebenkonferenzen in allen Erdteilen versammelt sind oder anderweitig der Feier dieses JahrhundertEreignisses beiwohnen.

2 Besonders freut es uns, dass wir eine einzigartige Gelegenheit erhalten, einen Augenblick innezuhalten, um gemeinsam mit unseren Glaubensbrüdern und schwestern unsere Gedanken zu sammeln und zu überlegen, wie es uns seit 1892 ergangen ist und was vor uns liegt. Das versetzt uns in die Lage, einen symbolischen Akt zu vollziehen, der seinem Wesen nach die Absicht des Gottesbundes verdeutlicht eines Bundes, den sein göttlicher Urheber zur Vereinigung der Rassen und Nationen dieser Erde bestimmt hat.

3 Hehre Gefühle wogen in unseren Herzen, wenn wir die dramatische Geschichte und den erstaunlichen Fortschritt dieser hundert Jahre vor unserem geistigen Auge vorüberziehen lassen. Als Bahá’u’lláh hinschied, erstreckte sich die Bahá’í-Gemeinde auf lediglich fünfzehn Länder; die große Mehrheit ihrer Mitglieder lebte in Bahá'u'lláhs Heimat Iran. Heute umspannt die Gemeinde den ganzen Planeten. Wir sind beglückt über den Geist der Einheit, bewiesen durch die stetige Festigung dieser Gemeinde in der Arbeit der Verwaltungs und Gesellschaftsordnung, die aus dem Bunde Gottes geboren ist. Die so bewirkte echte Einheit bestärkt unsere Erwartung, dass die ganze Menschheit vereint werden kann und wird.

4 Wir mühen uns um den Aufbau einer Gemeinschaft zu einer Zeit, da die Welt Zeuge bestürzender Veränderungen ist, die die Gesellschaft in ihrem Charakter von Grund auf verändern und sie in einen noch nie dagewesenen Zustand der Qual und der Verwirrung versenken. In der Tat hat die Welt in diesem Zustand ihre Orientierung verloren, und zwar durch Kräfte, die sie weder versteht noch beherrscht. Es ist ein Geschichtsabschnitt, in dem große Reiche und Herrschergeschlechter in rascher Folge zusammenbrachen, in dem mächtige Ideologien die Herzen von Millionen gefangenhielten, nur um sang und klanglos zu verlöschen, in dem zwei Weltkriege das kultivierte Leben, wie es das beginnende zwanzigste Jahrhundert kannte, völlig verwüsteten.

5 Im Verlauf solcher furchtbarer Umbrüche gab es in den Bereichen der Wissenschaft, der Technik und der gesellschaftlichen Organisation beispiellose Fortschritte, eine wahre Explosion des Wissens. Noch bemerkenswerter ist die Art und Weise, wie die bislang als schlafend empfundenen Massen der Menschheit erwachen und sich erheben, um nunmehr den ihnen zustehenden Platz im stark erweiterten Kreis der Nationen einzufordern. Gleichzeitig entwickelte sich die Kommunikation mit Lichtgeschwindigkeit, der Verkehr mit Schallgeschwindigkeit, und so ist die Welt zu einer Nachbarschaft zusammengeschrumpft, in der die Menschen sofort erfahren, was bei anderen vorgeht, und unmittelbaren Zugang zueinander haben. Und doch, trotz solcher wunderbarer Errungenschaften, trotz der Entfaltung internationaler Organisationen, trotz tapferer Versuche und strahlender Erfolge bei der internationalen Zusammenarbeit streiten die Nationen auf jämmerliche Weise miteinander, werden die Völker von wirtschaftlichen Umbrüchen erschüttert, fühlen sich die Rassen schlimmer entfremdet als je zuvor und sind alle erfüllt von Misstrauen, Niedergeschlagenheit und Angst.

6 Einher ging mit diesen Veränderungen ein Zusammenbruch der religiösen und politischen Institutionen, die seit alters Wegweiser für eine stabile Gesellschaft waren. Selbst Institutionen, die nicht unterzukriegen scheinen, verlieren ihre Glaubwürdigkeit in dem Maße, wie sie mit ihrer inneren Unordnung befaßt sind. Das wirft ein Schlaglicht auf die Leere der moralischen Landschaft und auf ein Gefühl der Sinnlosigkeit, welches das persönliche Leben aus dem Gleichgewicht wirft. Nachdenkliche Beobachter schreiben besorgt über den Niedergang der Kultur, über den daraus folgenden Werteverlust, über die verlorene Fülle des Innenlebens, über eine technische Zivilisation, die in einer immer schwereren Krise steckt. Sie schreiben weiter über die Gattung Mensch, die mit ihrer Weisheit am Ende ist, unfähig zur Selbstkontrolle, über die Notwendigkeit göttlicher Weisheit und Fürsorge und über die Verlorenheit der Menschenseele, die weit davon entfernt ist, derartige Notwendigkeiten zu erkennen.

7 Solche schicksalsschweren Zeugnisse spiegeln die allgemeinen Folgen des Unverständnisses für Gottes Absicht mit der Menschheit. Genau in dieser Hinsicht aber verbreitet Bahá’u’lláh mit Seiner Offenbarung neues Licht, erfrischt unser Denken, klärt und erweitert unsere Vorstellung. Seine Lehren erfüllen uns mit Gottes reicher Liebe für Seine Geschöpfe, prägen uns die Gerechtigkeit in den menschlichen Beziehungen als etwas Unausweichliches ein und betonen, wie wichtig es ist, in allen Dingen diesem Prinzip zu folgen. Sie lassen uns wissen, dass "alle Menschen erschaffen wurden, eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen", und dass "die Tugenden, die der Würde" des Menschen "anstehen, Geduld, Erbarmen, Mitleid und Güte für alle Völker und Geschlechter der Erde" sind. 1)

8 In dem Maße, wie die Mitglieder unserer Gemeinde ihre Lehrpläne für den Glauben Bahá’u’lláhs verfolgen, verstehen sie immer genauer den Sinn hinter den vielfältigen Wandlungsprozessen, die auf den Verlauf dieses Jahrhunderts einwirken. "Diese gleichzeitigen Prozesse des Aufstiegs und des Untergangs, des Zusammenschlusses und des Auseinanderfallens, der Ordnung und des Chaos mit ihren ständigen wechselseitigen Auswirkungen aufeinander sind," so versichern uns die Bahá’í-Lehren, "nur Aspekte eines größeren, einzigen, unteilbaren Planes, dessen Quell Gott und dessen Verfasser Bahá’u’lláh ist, eines Planes, der sich auf dem ganzen Planeten als Schauplatz verwirklicht und dessen letztes Ziel die Einheit und der Frieden der gesamten Menschheit ist."

9 Uneinigkeit ist das Grundübel für die Probleme, die unseren Planeten so hart bedrängen. Uneinigkeit durchdringt die menschliche Haltung in allen Lebensbereichen. Sie ist der Kern aller größeren Konflikte zwischen Völkern und Nationen. Und was noch schlimmer ist: Uneinigkeit ist allgegenwärtig in den Beziehungen zwischen den Religionen und innerhalb der Religionen; sie verdirbt den geistigmoralischen Einfluss, den auszuüben ihr höchster Zweck ist. "Würde die Lampe der Religion verdunkelt," versichert Bahá’u’lláh, "so wären Chaos und Verwirrung die Folge, und die Lichter der Redlichkeit und Gerechtigkeit, der Ruhe und des Friedens würden nicht länger scheinen."3)

10 In einer Ausarbeitung über solche furchtbaren Folgen stellen unsere Lehren fest: "...wenn als Ergebnis menschlicher Verderbtheit das Licht der Religion in den Menschenherzen erlischt,... setzt ein beklagenswerter Niedergang sofort ein und... zieht alle Übel nach sich, die eine widerspenstige Seele zu enthüllen vermag. Die Verderbnis der menschlichen Natur, die Erniedrigung des menschlichen Verhaltens, die Entartung und Auflösung menschlicher Institutionen offenbaren sich unter solchen Umständen in ihren schlimmsten, abstoßendsten Bildern. Der menschliche Charakter wird entwürdigt, jedes Vertrauen wird erschüttert, die Nervenstränge der Zucht und Ordnung erschlaffen, die Stimme des menschlichen Gewissens wird zum Schweigen gebracht, der Sinn für Scham und Anstand wird verdunkelt, die Vorstellungen von Pflicht, Zusammenhalt, Gegenseitigkeit und Treue werden verdreht, das Empfinden für Friedfertigkeit, Freude und Hoffnung wird nach und nach ausgelöscht."4)

11 Das ist unglückseligerweise der Zustand, zu dem die Menschen und die Institutionen in unserer Zeit abgesunken sind. Vor diesem Hintergrund erlangen die Erfordernisse des Gottesbundes eine noch entscheidendere Bedeutung als je zuvor. Ohne jeden Zweifel muss unsere Gemeinde, wenn sie mit dieser Situation fertig werden will, rasch zur nächsten Stufe ihrer Entwicklung fortschreiten. Das wird eine Phase sein, in der Bahá’u’lláhs Glaube sich unausweichlich auf eine tiefgreifende Begegnung mit denjenigen Kräften einstellen muss, die mit derart bestürzendem Ungestüm in der ganzen Welt am Werk sind. Lassen Sie uns deshalb heute die günstige Gelegenheit nutzen, die Vorkehrungen zu betrachten, mit der Gottes Bund unsere Tätigkeiten hervorbringt und abstützt.

12 Unser Glaube ist gegründet auf die Anerkennung der Souveränität Gottes, der unerkennbaren Wesenheit, des höchsten Schöpfers, und auf unsere Unterwerfung unter Seinen Willen, wie ihn Bahá’u’lláh für unser Zeitalter offenbart hat. Den Boten Gottes an Seinem Tag anzunehmen und sich Seinem Gebot zu fügen, sind zwei wesentliche, untrennbare Pflichten; jede Seele ist dazu erschaffen, diese Pflichten zu erfüllen. Der Mensch erfüllt diese doppelte Pflicht nach eigener Wahl; wenn er dies tut, vollbringt er einen Akt, der als höchster Ausdruck des freien Willens, mit dem der allliebende Schöpfer jedes menschliche Wesen ausgestattet hat, betrachtet werden kann. In diesem leuchtenden Zeitalter ist Bahá’u’lláhs Bund das Fahrzeug für die praktische Erfüllung der beiden Pflichten, das Werkzeug für die Umsetzung des Glaubens an Bahá’u’lláh in schöpferische Taten.

13 Die Einheit der Menschheit ist das Angelprinzip und höchste Ziel der Sendung Bahá’u’lláhs. Dieses Prinzip bedeutet weit mehr, als den Geist der Brüderlichkeit und des guten Willens unter den Menschen wiederzuerwecken: Es "verlangt eine organische, strukturelle Veränderung der heutigen Gesellschaft, eine Veränderung, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat". ) Bahá’u’lláhs Bund verkörpert Geist, Mittel und Methode zur Erreichung dieses Zieles. Über die in Seinem Buch der Gesetze niedergelegten Grundlagen einer neuen Weltordnung hinaus hat Bahá’u’lláh im Buch Seines Bundes die Ernennung Seines Sohnes 'Abdu’l-Bahá zum Ausleger Seiner Worte und zum Mittelpunkt Seines Bundes bestätigt. Als Ausleger wurde 'Abdu’l-Bahá der lebendige Mund des Buches Gottes, der Erklärer des Wortes Gottes; als Mittelpunkt des Bundes wurde Er der unbestechliche Mittler für die Anwendung des Wortes auf praktische Maßnahmen zum Aufbau einer neuen Weltkultur. Gottes Bund ist deshalb eine einmalige Erscheinung des Göttlichen: Bahá’u’lláh hat 'Abdu'lBahá nicht nur die nötige Amtsgewalt für die Erfüllung der Anforderungen Seiner einzigartigen Aufgabe übertragen, Er hat Ihm auch die Tugenden eines vollkommenen persönlichen wie gesellschaftlichen Verhaltens verliehen, damit die Menschheit ein dauerhaftes Modell habe, dem sie nacheifern kann. In keinen Annalen der Vergangenheit findet sich eine derartige Vorsehung, die Absicht der Manifestation Gottes abzusichern.

14 Dieser Bund Gottes ist die Gewähr gegen Spaltungen, der Grund, warum alle, die hier und da versucht haben, einen Keil in die Gemeinde zu treiben, auf lange Sicht gescheitert sind. Auch die unablässige Verfolgung der Gemeinde im Geburtsland Bahá’u’lláhs war außerstande, ihre Identität zu zerstören oder ihre organische Einheit zu untergraben. Letzte ruhmreiche Wirkung dieser Vorsehung wird die sichere Errichtung des Reiches Gottes auf Erden sein, wie sie in den alten heiligen Büchern verheißen und von Bahá’u’lláh verkündet ist.

15 "Der Tag der Verheißung ist gekommen," erklärt Er in aller Deutlichkeit, "und Er, der Verheißene, verkündet laut vor allen im Himmel und auf Erden: Wahrlich, es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden! Ich schwöre bei Gott! Was seit Ewigkeit in der Weisheit Gottes, des Kenners des Sichtbaren wie des Unsichtbaren, verwahrt war, ist offenbart. Glücklich das Auge, das Gottes Antlitz sieht, und das Angesicht, das sich Ihm, dem Herrn allen Seins, zuwendet!"6)

16 In der Tat führte Bahá’u’lláhs Kommen die Welt in ein neues Zeitalter und ermöglichte eine völlig neue Beziehung zwischen der Menschheit und ihrem allhöchsten Schöpfer. Die Wesensmerkmale dieser Beziehung sind in dem Bunde zusammengefaßt, der mit Seinem Hinscheiden vor einem Jahrhundert begann. Seine geistige Dynamik, seine Bindekraft, seine vereinenden Grundsätze und praktisch institutionellen Vorkehrungen sind ein Muster für die Heilung der Krankheiten unserer zertrümmerten Gesellschaften und unserer mangelhaften Sozialsysteme. Bahá’u’lláhs Bund gibt der wechselvollen Menschheitsgeschichte neuen Sinn; er verleiht dem menschlichen Streben frischen Antrieb. "Wie eine Schlagader", sagt ‘Abdu’l-Bahá, "bebt und pulsiert er im Leibe der Welt."7) Sein durchdringender Einfluss trifft das Durcheinander der menschlichen Angelegenheiten mitten ins Herz und treibt den immer schnelleren Übergang der alten Ordnung zu der von Bahá’u’lláh geschauten neuen Weltordnung voran. "Bald," schreibt Er, "wird die heutige Ordnung aufgerollt und eine neue an ihrer Statt entfaltet werden."8) Und Er erläutert dazu: "Die Welt ist aus dem Gleichgewicht geraten durch die Schwungkraft dieser größten, dieser neuen Weltordnung. Das geregelte Leben der Menschheit ist aufgewühlt durch das Wirken dieses einzigartigen, dieses wundersamen Systems, desgleichen kein sterbliches Auge je gesehen hat."9)

17 Mögen alle, die sich um den Zustand und das Schicksal der Welt Sorgen machen, den Ansprüchen Bahá’u’lláhs die nötige Beachtung schenken. Mögen sie erkennen, dass die gegen die Grundmauern der Gesellschaft anrennenden Stürme nicht zur Ruhe kommen werden, sofern und ehe nicht bei der Suche nach Lösungen für gesellschaftliche Probleme geistige Grundsätze aktiv eingesetzt werden. Lassen Sie uns als Anhänger Bahá’u’lláhs unsere Bemühungen verdoppeln, um unsere heilige Pflicht zu erfüllen und die ganze Menschheit mit der belebenden Absicht von Bahá’u’lláhs "weltweitem Gesetz" vertraut zu machen. Lassen Sie alle entdecken, dass es, "weit davon entfernt, auf den Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung abzuzielen, ihre Grundlagen zu erweitern (und) ihre Institutionen in einer Weise umzugestalten sucht, die mit den Bedürfnissen einer stets sich wandelnden Welt in Einklang steht."10) Lassen Sie uns in Geduld und Demut antworten auf herausfordernde oder skeptische Fragen, während wir die Absichten dieses Gesetzes darlegen. Lassen Sie alle wissen, dass es "mit keiner rechtmäßigen Untertanenpflicht in Widerspruch sein und wirkliche Treue untergraben" kann. Seine Absicht ist weder, die Flamme einer vernünftigen Vaterlandsliebe in den Herzen der Menschen zu ersticken, noch das System nationaler Selbständigkeit abzuschaffen, das so wesentlich ist, wenn die Übel übertriebener Zentralisation vermieden werden sollen."

18 Lassen Sie uns durch Wort und Beispiel zeigen, dass dieses Gesetz "weder die Verschiedenheiten der völkischen Herkunft, des Klimas, der Geschichte, Sprache und Überlieferung, des Denkens und der Gewohnheit übersieht, die die Völker und Länder der Welt unterschiedlich gestalten, noch sie auszumerzen versucht." Und lassen Sie schließlich alle würdigen, dass es "nach größerer Treue ruft, nach stärkerem Bemühen als irgendein anderes, das je die Menschenwelt beseelt hat", dass es "auf der Unterordnung nationaler Regungen und Belange unter die zwingenden Ansprüche einer geeinten Welt besteht", dass es "einerseits die übersteigerte Zentralisation verwirft und zum anderen allen Versuchen der Gleichmacherei entsagt", dass mit einem Wort "seine Losung Einheit in der Mannigfaltigkeit" ist.

19 Es ist besonders bemerkenswert, dass das heilige Bahá’íJahr mit Gedenkfeiern zu anderen welterschütternden Ereignissen zusammenfällt, Ereignissen, die vor vielen Jahrhunderten Prozesse in Gang setzten, die ihre ruhmreiche Vollendung am verheißenen Tag Gottes finden sollen. Die letztendliche Lösung der tiefgreifenden Fragen, welche von diesen Ereignissen aufgeworfen wurden und im Laufe der Zeit herangereift sind, ist in der schließlichen Verwirklichung des weltumspannenden Systems Bahá’u’lláhs erkennbar.

20 Unsere Gedanken wenden sich der Geschichte von 'Abdu'lBahás heldenhafter Reise in den Westen zu, besonders nach Nordamerika, wo er in New York Seinen westlichen Jüngern die Tragweite des Bundes Bahá’u’lláhs enthüllte. Das war in gewissem Sinn ein Akt der Erneuerung, eine Vorschau auf die gefestigte Einheit der Alten mit der Neuen Welt in einer weltweiten Gestaltung. Von 'Abdu'lBahá "Stadt des Bundes" benannt, hallt New York wider von den Wirkungen dieser Erfahrung vor achtzig Jahren. Damals war die Stadt das wichtigste Tor zum "Land der Verheißung" für Millionen Menschen, die neue Horizonte suchten. Heute ist sie ein anerkannter Treffpunkt für die Führer der Nationen, ein internationaler Schauplatz für Bemühungen um die Einheit im politischen Bereich. Ihre Luft vibriert von den Hoffnungen einer Welt, die ihre Angelegenheiten zu ordnen sucht. Die Herzen aller Bahá’í rund um die Erde sind heute auf diese Stadt des Bundes gerichtet, wo sich viele tausend ihrer Glaubensbrüder und schwestern aus allen Teilen des Planeten zum zweiten Bahá'iWeltkongress versammelt haben. Dass dort die Menschheit in so großer Mannigfaltigkeit vertreten ist, bekräftigt die einende Macht des Gottesbundes, den zu feiern dieser Kongress einberufen wurde.

21 In dieser Jahreszeit des Neubeginns und des Gedenkens an neue Anfänge setzen wir Bahá’í uns einen neuen Maßstab des Bemühens, wagemutiger und beharrlicher als je zuvor. Mögen unsere Worte verkünden und unsere Taten beweisen, dass es nur einen Gott gibt, nur eine Religion, nur eine Menschenrasse. So wenig wir auch sind, mögen wir auf diese Weise unsere Pflicht vor Bahá’u’lláh, Seinem Bund und fürwahr der ganzen Menschheit erfüllen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit






1. Bahá'u'lláh, Ährenlese 109:2
2. Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, 1969126, S. 114
3. Botschaften aus 'Akká 8:53
4. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, 1977134, S. 270 f
5. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, 1977134, S. 70
6. Bahá'u'lláh, zitiert in Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, 1969 126, S. 122
7. Star of the West, Vol.10, No. 12 (16. Okt. 1919), p. 233
8. Ährenlese 4:2
9. Ährenlese 70:1
10. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, 1977134, S. 67
11. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs 1977134, S. 68


(Die Absatznumerierung fehlt in der Originalausgabe und ebenso die Zitatangaben)



Ridván 1992

An die Bahá’ís der Welt

Innig geliebte Freunde,

1 in dieser RidvánZeit mit all ihrem Glanz als Anbruch außergewöhnlicher, ereignisreicher Tage sind unsere Herzen tief bewegt, und andächtig knien wir vor dem Herrn der Herrlichkeit, durch dessen Gnade wir an einem glückverheißenden Kreuzweg in der Geschichte Seiner Sache angelangt sind.

2 Vom Gipfel des zu Ende gegangenen Sechsjahresplanes gelangen wir jetzt an die Schwelle des Heiligen Jahres, ehrfürchtig erschauernd beim bloßen Gedanken an die einzigartige Bedeutung dieser geheiligten Zeit der Rückbesinnung, da vor hundert Jahren Bahá'u'lláh, der Verheißene aller Zeitalter, vom Erdenleben Abschied nahm. Die Sonne der Wahrheit jedoch ging nur unter, um für immer und ewig vom "Reich unvergänglicher Herrlichkeit"1) zu scheinen und hinfort den Strahlenglanz ihrer erneuernden Macht auf die ganze Welt zu ergießen. Hinweggegangen aus diesem Dasein ist der Urheber einer Offenbarung von "unfassbarer Größe", in der "alle Sendungen der Vergangenheit ihre höchste, letzte Vollendung erreicht" haben, 2) der Begründer eines neuen Menschheitszyklus, "der sich über einen Zeitraum von mindestens fünfhunderttausend Jahren erstrecken muss",3) der Stifter einer Weltordnung, eines "Systems, desgleichen kein sterbliches Auge je gesehen hat".4) Ja, mehr noch, Er war der Dämmerort des Tages Gottes, des Tages, da Gottes vortrefflichste Gunstbezeigungen über die Menschen ausgeschüttet wurden".5) Das ist die alles überragende Wirklichkeit, auf die unsere Betrachtungen zu dieser besonderen Jahresfeier an einem so kritischen Zeitpunkt in den Geschicken der Menschheit gerichtet sind.

3 So erfüllt sind wir von den geweihten Erinnerungen dieses Heiligen Jahres, dass wir Sie alle einladen möchten innezuhalten, wenn Sie in diese Periode der Besinnung eintreten, diese Zeit erneuter Hinwendung, diese Etappe der Vorbereitung auf noch zu leistende Aufgaben, auf noch zu erklimmende Gipfel, auf noch zu entschleiernde Pracht. Denn wenn wir nun zurückschauen auf hundert Jahre einer beispiellosen Geschichte unaufhörlichen Fortschritts, dann blicken wir zugleich voraus auf viele Jahrhunderte einer sich entfaltenden Erfüllung der Göttlichen Absieht, und wie die Erfahrung zeigt, wird diese Erfüllung immer stärker bewirkt durch systematisch fortschreitende Pläne, aber auch durch immer neue Epochen wundersamer Sprünge und Schübe.

4 Was uns in der Tat mitten in dieses verheißungsvolle Heilige Jahr hineinführt, ist die Schau neuer Horizonte, wie sie der triumphale Abschluss des Sechsjahresplanes eröffnet, der mit der Eröffnungsphase der vierten Epoche im Gestaltenden Zeitalter unseres Glaubens zusammenfiel. Triumphal ist alles in allem nicht so sehr der Zuwachs in Zahlen, wenngleich sich die Gemeinde an vielen Orten zu bestimmten Zeiten ungewöhnlich stark ausweitete. Der Triumph offenbart sich in einer neuen Vielfalt von Siegen, in neuen Anfängen, frischen Initiativen und ausgereiften institutionellen Entwicklungen, die dem Erfolg bei den sieben Hauptzielen des Planes gleichsam den Stempel aufdrücken. So unmöglich es auch ist, auf diesen wenigen Seiten die Ergebnisse des Planes aufzulisten, verdienen doch die wichtigsten Entwicklungstrends während dieser bemerkenswert dynamischen Zeit hervorgehoben zu werden. Die Bahá’íGemeinde hat sich in den letzten sechs Jahren auffallend verändert. Die wichtigsten Anzeichen dafür sind zweifellos für die Freunde allüberall wahrnehmbar und können wie folgt zusammengefasst werden:

5 Erstens: Bahá’u’lláhs Glaube ist in jedem Land der Erde vertreten. Der plötzliche Wandel des politischen Klimas, ohne Zweifel durch Gottes Großen Plan bewirkt, hat riesige Gebiete für die Durchdringung mit den göttlichen Lehren eröffnet, vor allem in der vormaligen Sowjetunion und den früheren Ostblockländern. Die durch diesen Wandel geschaffenen Möglichkeiten führten dazu, dass Ritter Bahá’u’lláhs die letzten aus Shoghi Effendis ZehnjahresWeltkreuzzug verbliebenen unberührten Gebiete besetzten. Diese Möglichkeiten veranlassten auch dazu, an Ridván 1990 den ZweijahresErgänzungsplan für diese Gebiete zu beginnen, was zu einem aufsehenerregenden Erfolg führte, nicht nur bei der Ausbreitung in den vielen betroffenen Ländern, sondern auch bei der Vielgestalt der von den neuen Gläubigen dieser Länder vertretenen Gesellschaftsschichten, beim Umfang und der Vielschichtigkeit des Bahá’íSchrifttums sowie bei der Zahl der in dieser kurzen Zeit errichteten Bahá’íInstitutionen. Die Bahá’íWelt sah sich durch diese Entwicklungen stark angeregt; auch anderswo verzeichneten einige Länder bedeutende Erfolge in der Lehrarbeit. Die bis jetzt im Weltzentrum verfügbaren Zahlen vermelden, dass während des Sechsjahresplanes mehr als anderthalb Millionen Seelen der Sache Gottes beigetreten sind. Überaus interessant ist das besondere dreijährige Lehrprojekt in Guyana, das zu einem Wachstum der Bahá’íGemeinde bis auf sechs Prozent der Bevölkerung führte.

6 Zweitens: Auf der ganzen Welt erreichte die Proklamation des Glaubens eine völlig neue Stufe. Inspiriert durch die Jahrhundertfeier der Verkündigung Bahá’u’lláh an die Könige und Herrscher der Menschheit, war 1967 ein Proklamationsfeldzug eingeleitet worden, der 1979 mit der Woge von Verfolgungen der iranischen Bahá’íGemeinde an Schwungkraft gewann und neuerdings mit der Verteilung der "Verheißung des Weltfriedens" stark ausgeweitet wurde. Könige und Königinnen, Präsidenten und Premierminister, Gesetzgeber, Juristen, Akademiker, verschiedenartigste Institutionen und Organisationen wurden der Botschaft Bahá’u’lláhs gewahr. Die Kreativität, mit der sich überall die Gemeinden in die offene Verbreitung der Sache Gottes einübten, wurde zu einer Triebkraft für den Plan und erregte in beträchtlichem Ausmaß bei Organisationen, Meinungsträgern und Medien das Interesse an den Problemlösungen, die unser Glaube einer seltsam verwirrten Welt zu bieten hat. Begeistert von der Stoßwirkung der für die Glaubensproklamation getroffenen Maßnahmen sowie der fortgesetzten Bemühungen zur Verteidigung der schwer verfolgten iranischen Bahá’í-Gemeinde haben nationale wie örtliche Geistige Räte im Umgang mit der Öffentlichkeit eine eindrucksvolle Kühnheit und Originalität entfaltet, und sie tun es weiterhin. Dies zeigt sich in ihren unzähligen Kontakten zu Beamten auf allen staatlichen Ebenen, in ihren Verbindungen zu einem sich ausweitenden Spektrum von Organisationen und in ihrem immer gewandteren Umgang mit den Medien.

7 Drittens: Im Dezember 1986 brachte die Einweihung des Muttertempels für den indischen Subkontinent der Lehr und Proklamationsarbeit des Glaubens einen neuen Kräfteschub. Als ein Bauwerk von seltener Schönheit und Vollkommenheit gewann der "Lotostempel" breite Zustimmung und fand gleichzeitig bei großen Besucherzahlen ungewöhnlichen Anklang. Sein Ruhm als architektonisches Wunderwerk verbreitete sich wie ein Lauffeuer, ebenso sein geistiger Einfluss. Es ist keine Übertreibung, wenn man feststellt, dass unter allen Bahá'íHäusern der Andacht dieser Tempel heutzutage der wirksamste stumme Lehrer ist; Jahr für Jahr zieht er mit durchschnittlich 20.000 Besuchern pro Tag mehr Menschen an als alle anderen Bahá’í-Tempel zusammengenommen. Zu den Besuchern aus vielen Ländern gehören einige der prominentesten Persönlichkeiten der Welt. Als Gegenstand von großem Medieninteresse wurde der Tempel selbst in russischen und chinesischen Fernsehprogrammen dargestellt. Sein Erfolg in dieser Hinsicht hat unermesslich zu der starken öffentlichen Aufmerksamkeit für den Glauben beigetragen.

8 Viertens: Das weitere Hervortreten des Glaubens aus der Verborgenheit spiegelt sich auf verschiedenartige Weise. In gebildeten Kreisen, in Nachschlagewerken und in den Medien wird der Glaube Bahá’u’lláhs mehr und mehr als eine der "wichtigen" oder "Haupt"-Religionen in der Welt bezeichnet. Durch die verstärkte Proklamation der Freunde werden die Glaubenstätigkeiten in den Medien immer ausgiebiger behandelt; aber noch wichtiger ist die Tatsache, dass die Medien von sich aus Interesse an der Bahá’í-Gemeinde zeigen und in weiten Teilen der Welt Kontakt zu ihr suchen. Einflussreiche Segmente der Öffentlichkeit auf Gebieten wie Friedensarbeit, Umwelt, Stellung der Frau, Erziehungswesen und Alphabetisierung sind in wachsendem Maße den Bahá’íIdeen ausgesetzt; deren Reaktion bewirkte, dass die Bahá’í mehr und mehr zur Teilnahme an weitverzweigten Projekten im Verbund mit staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen aufgerufen sind.

9 Überdies wächst dadurch, dass das öffentliche Bewusstsein den Bahá’íIdeen ausgesetzt ist, die Erkenntnis, dass der Glaube Bahá'u'lláhs Antworten auf die Weltprobleme hat, aber auch die Erwartung, dass die Bahá’íGemeinde in den öffentlichen Dingen eine immer aktivere Rolle spielt. Der beachtliche Erfolg des Umweltbüros der Bahá’í-Weltgemeinschaft, das während des Planes errichtet wurde, verdeutlicht das Wesen dieser Entwicklung. Auch die formellen Beziehungen, welche die Bahá’í-Weltgemeinschaft mit dem Netzwerk für Religion und Bewahrung der Schöpfung beim Weltweiten Fonds für die Natur (WWF) sowie mit der Weltkonferenz für Religion und Frieden geknüpft hat, spiegeln in Verbindung mit den zahlreichen gleichartigen Beziehungen der nationalen und örtlichen Geistigen Räte in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich einen Trend im Hervortreten des Glaubens als ein Gebilde, mit dem man rechnen muss. Insgesamt führt die Stoßkraft des weitverzweigten Proklamationsfeldzuges zu einem öffentlichen Echo auf den Glauben Bahá’u’lláhs; man kann jetzt sagen, dass Bahá'u'lláhs Glaube den wichtigsten öffentlichen Institutionen und den prominentesten Persönlichkeiten auf Erden bekannt ist.

10 Fünftens: Die Bahá’íProjekte der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung haben sich vervielfacht und mit ihren an zahlreichen Orten gegebenen Beispielen für die Macht der Gruppeninitiative sowie der freiwillig beratenden Tätigkeit der Gemeinde einen guten Ruf gebracht. Es handelt sich um mehr als tausend Projekte auf den Gebieten des Erziehungswesens, der Landwirtschaft, der Gesundheitsfürsorge, der Alphabetisierung, der Umwelt und der verbesserten Stellung der Frauen. In etlichen Fällen kam diesen Projekten die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen und internationalen nichtstaatlichen Organisationen zugute, so zum Beispiel bei dem Projekt für die verbesserte Stellung der Frauen, das fünf nationale Geistige Räte mit der finanziellen Unterstützung des Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für die Frauen (UNIFEM) eingeleitet haben; Projekte auf anderen Gebieten wurden durch die kanadische, die indische, die deutsche und die norwegische Regierung unterstützt. Einige Projekte brachten so ausgezeichnete Ergebnisse, dass sie durch lobende Erwähnung sowie Preisverleihungen seitens Regierungen und internationaler nichtstaatlicher Organisationen öffentliche Aufmerksamkeit erregten.

11 Sechstens: Die Jugendarbeit nahm durch die Idee eines Jahrs des Dienstes für die Jugend einen besonderen Charakter an. Der Einbezug der Jugend in den Sechsjahresplan als KurzzeitPioniere, Reiselehrer und Projektbeteiligte wirkte sich gründlich auf die Lehrarbeit allüberall aus und federte die Bemühungen einer wachsenden Zahl von nationalen wie örtlichen Gemeinden um soziale und wirtschaftliche Entwicklung ab. An den vielen Siegen in den ehemals kommunistischen Ländern waren die Jugendlichen stark beteiligt. Ihre Mitarbeit bei Projekten der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung zog in mehreren Fällen die Aufmerksamkeit von Regierungen und Entwicklungsorganisationen auf sich. Die Bildung des Europäischen Bahá’íJugendrates spornte dort die Aktivitäten der Jugend an, was wiederum den Schub der Lehrarbeit in diesem Erdteil während der letzten Jahre des Planes machtvoll unterstützte. Ein bedeutsamer Wesenszug der Jugendarbeit ist der Beitrag von KurzzeitFreiwilligen aus allen Teilen des Planeten zur Arbeit des Weltzentrums, wo ihre Dienste von unschätzbarem Wert waren.

12 Siebtens: Die Fortschritte bei der Festigung des Bahá’íVerwaltungssystems treten mit der deutlichen Verbesserung der inneren Entwicklung und mit den Bemühungen seiner beiden Arme um enge Zusammenarbeit klar zutage. Die heiß geliebten, unerschrockenen Hände der Sache Gottes verfolgen, getreu ihrer Bindung an ihren geliebten Hüter, weiterhin ihre einzigartigen Dienste und überraschen die Gemeinde mit ihrer nie versiegenden Kraft. Wachsende Kraft und Zuversicht bei den Beraterämtern und ihren Hilfsämtern, unterstützt von einem verstärkten, tatkräftigen Internationalen Lehrzentrum, verschafft den Geistigen Räten, die anzuregen und zu beraten ihre Aufgabe ist, eine Untermauerung, die für die Wohlfahrt des ganzen Systems unabdingbar ist, während die erweiterten Tätigkeiten der nationalen und örtlichen Geistigen Räte, die ihrerseits die Geschicke ihrer Gemeinden zu leiten haben, die Basis des Systems beträchtlich in die Breite wachsen ließ. Seite an Seite haben diese Institutionen mit ihrer Arbeit die Entwicklung der Verwaltungs und Gesellschaftsordnung erleichtert und angekurbelt. Mehr noch: Sie zeigen eine schöpferische Kraft, die für ihren weiteren Reifungsprozeß Gutes verspricht.

13 Achtens: Die großen Bauvorhaben am Berg Gottes, von Bahá’u’lláh im Tablet vom Karmel vorausgeschaut, von ‘Abdu’l-Bahá mit dem Bau des Schreins des Báb begonnen und nach den Plänen Shoghi Effendis fortgesetzt, haben jetzt eine neue Stufe erreicht. Die Arbeit begann im Mai 1990 mit der Verstärkung und Erweiterung der Hauptterrasse um den Schrein des Báb als erstem Schritt zur Verwirklichung des architektonischen Konzepts für die Erfüllung der Vision 'Abdu'lBahás mit Terrassen vom Fuß bis zum Kamm des Berges. Im September des folgenden Jahres wurden die Erdarbeiten am Bau des Zentrums für das Studium der heiligen Texte und an der Erweiterung des Internationalen Archivgebäudes in Angriff genommen. Diesen Bauten folgt die Errichtung der anderen Gebäude am Bogen: der Sitz des Internationalen Lehrzentrums sowie zu gegebener Zeit die Internationale Bahá’íBibliothek.

14 Alle diese Entwicklungen machen offenkundig, dass das für den weiteren Fortschritt der Bahá’íGemeinde zusammenkommende Potential kaum abzuschätzen ist. Die veränderte Lage innerhalb und zwischen den Nationen und die vielen gesellschaftlichen Probleme vergrößern dieses Potential zusätzlich. Dieser ganze Wandel vermittelt den Eindruck, dass der Geringere Friede nahegekommen ist. Aber gleichzeitig flackern Gegenkräfte wieder auf. Die neue Flutwelle politischer Freiheit, ausgelöst durch den Zusammenbruch der Bollwerke des Kommunismus, führte zu einer Explosion des Nationalismus. Der damit wieder einhergehende Rassismus in vielen Gebieten ist zum Gegenstand ernster globaler Sorge geworden. Vermischt werden diese beiden Elemente in einem aufwallenden religiösen Fundamentalismus, der die Brunnen der Toleranz vergiftet. Der Terrorismus grassiert. Weitverbreitete Unsicherheit über die wirtschaftlichen Zustände weisen auf eine tiefgreifende Unordnung bei der Steuerung der materiellen Angelegenheiten des Planeten, was das Gefühl der Frustration und der Zwecklosigkeit im politischen Bereich nur verschlimmern kann. Alarmierend ist der verschlechterte Zustand der Umwelt sowie der Gesundheit weiter Bevölkerungskreise. Und doch gehören zu den Elementen des Wandels auch erstaunliche Fortschritte der Kommunikationstechnik, welche die rasche Übermittlung von Informationen und Ideen von einem Teil der Welt zum anderen ermöglichen. Diese "gleichzeitigen Vorgänge des Aufstiegs und des Untergangs, des Zusammenschlusses und des Auseinanderfallens, der Ordnung und des Chaos mit ihren fortgesetzten, wechselseitigen Auswirkungen aufeinander”6) sind der Hintergrund, vor dem sich eine Myriade neuer Möglichkeiten für die nächste Stufe in der Entfaltung des Göttlichen Planes unseres geliebten Meisters anbietet.

15 Die mit Bahá’u’lláhs Offenbarung erwachten linden Lüfte schienen mit dem Näherrücken des Heiligen Jahres den Charakter eines Sturms anzunehmen, der durch die überlebten Strukturen der alten Ordnung fegt, mächtige Stützen umlegt und den Baugrund für neue Entwürfe gesellschaftlicher Organisation freimacht. Der Ruf nach Einheit, nach einer neuen Weltordnung, ist aus vielen Richtungen zu hören. Der Wandel der Weltgesellschaft zeichnet sich durch eine unglaubliche Geschwindigkeit aus. Ein Wesenszug dieses Wandels ist seine Plötzlichkeit, ja Überstürzung, offensichtlich als die Wirkung einer wilden, verborgenen Kraft. Positiv an diesem Wandel sind die noch ungewohnte Offenheit für weltumspannende Konzepte, die Tendenz zu internationaler und regionaler Zusammenarbeit, die Neigung kämpfender Parteien, sich für friedliche Lösungen zu entscheiden, die Suche nach geistigen Werten. Selbst die Gemeinschaft des Größten Namens erlebt derart unerbittliche Wirkungen, weil dieser belebende Sturm unser aller Denkweise durchlüftet, aber auch unsere Gesamtschau für den Zweck der auf die Leiden und den Aufruhr der Menschheit folgenden Ordnung Bahá’u’lláhs erneuert, klärt und erweitert.

16 Während uns die Weltlage vor eine große Herausforderung von höchster Dringlichkeit stellt, führt sie uns zugleich die ermutigende Gesamtschau Shoghi Effendis vor Augen. Über die Aussichten der Verwaltungs und Gesellschaftsordnung im zweiten Jahrhundert der Bahá’íZeitrechnung, dessen Scheitelpunkt wir uns mit Riesenschritten nähern, schrieb er 1946: "Dem zweiten Jahrhundert ist bestimmt, Zeuge eines gewaltigen Aufmarsches sowie einer bemerkenswerten Festigung derjenigen Kräfte zu werden, die an der weltweiten Entwicklung jener Ordnung arbeiten, ebenso Zeuge der ersten Regungen jener Weltordnung, für die das gegenwärtige Verwaltungssystem zugleich Vorläufer, Kern und Muster ist. In dem Maße, wie diese Ordnung kristallisiert und ihren wohltätigen Einfluss über den ganzen Planeten ausstrahlt, kündet sie einerseits das Erwachsenwerden der ganzen Gattung Mensch, andererseits die Reife des Glaubens, ihres Ahnherrn." 7)

17 Wenn wir uns der besonderen Gelegenheiten des Heiligen Jahres bewusst werden, empfangen wir sicherlich die nötige geistige Ausrüstung, um die drängenden Aufgaben der nächsten Entwicklungsstufe des Göttlichen Planes in Angriff nehmen zu können. Diese Zeit des Gedenkens zieht die richtige Trennlinie zwischen den herrlichen Triumphen der letzten hundert Jahre und den glänzenden Trophäen, die wir noch einsammeln müssen. Zu Beginn heißen wir freudigen und dankbaren Herzens die weitere Ausdehnung und Festigung der Verwaltungs- und Gesellschaftsordnung willkommen, die daraus erwächst, dass zu dieser RidvánZeit zwölf Nationale und Regionale Geistige Räte neu gebildet werden. Wie eindrucksvoll ist es doch, dass die Anzahl dieser Räte der Zahl nationaler Geistiger Räte entspricht, die es 1953, zu Beginn des Zehnjahresweltkreuzzuges, insgesamt gab  ein erfreulicher Beweis für die rasche Ausdehnung der Verwaltungs und Gesellschaftsordnung in knapp vierzig Jahren. Mit diesen neuen Räten wird die Zahl der Nationalen Geistigen Räte, die an der siebten Internationalen Bahá’íTagung nächstes Ridván teilnehmen, 165 betragen, unter Berücksichtigung des Einbezugs von Sikkirn nach Indien sowie der Unterbrechung der Bahá’íVerwaltungstätigkeit durch die unsicheren Verhältnisse in Liberia.

18 Freudig kündigen wir an, dass die folgenden Hände der Sache Gottes als unsere Vertreter sechs der Gründungstagungen beiwohnen werden: ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum wird bei den Tagungen in Bulgarien und Polen zugegen sein, 'Ali-Akbar Furútan bei denjenigen der baltischen Staaten sowie Ungarns, und Dr. 'Ali-Muhammad Varqá bei den Tagungen in Grönland, Weißrußland und Moldawien. Bei den übrigen Gründungstagungen werden Berater unsere Vertreter sein: George Allen in der Republik Kongo, Dr. Farzam Arbab in Zentralasten, Rolf von Czékus in Angola, Frau Parvin Djoneidi in Niger, Hartmut Grossmann in Albanien und Mas'úd Khamsí in Aserbeidschan.

19 In nur wenigen Wochen wird in der geheiligten Umfriedung des Schreins Bahá'u'lláhs eine Versammlung erhabenen Zweckes stattfinden und den hundertsten Jahrestag des Hinscheidens des Verlangens aller Völker begehen. Die Ehrenrolle mit den Namen der Ritter Bahá'u'lláhs wird, wie von unserem geliebten Hüten angekündigt, am Morgen zuvor, dem 28. Mai, unter der Eingangstür zum innersten Heiligtum des Allheiligen Schreines niedergelegt worden sein; sie soll dort verbleiben, Symbol für den historischen Sieg, als Lohn der unerschütterlichen Entschlossenheit seitens der Liebenden der Gesegneten Schönheit, derer, die dem Ruf zum mächtigen ZehnjahresKreuzzug geantwortet und das Banner Seines Glaubens in den unberührten Gebieten der ganzen Welt aufgepflanzt haben.

20 Später, im November, werden sich die Heerscharen Bahá’u’lláhs in New York zu Tausenden versammeln, um mit einer hochsymbolischen Geste namens ihrer Brüder auf der ganzen Welt ihre Hochachtung für den von Bahá’u’lláh vermachten Bund zu bezeugen, um das Gedenken Dessen wachzurufen, den Er zum Mittelpunkt dieses Bundes ernannt hatte und der den Rang dieser Metropole erhöhte, indem Er ihr den Ehrennamen "Stadt des Bundes"8) verlieh. Dort werden sie auch die Macht der Einheit beweisen, die der Gottesbund allen Völkern der Welt sichern soll. Es wird ein Moment überragender Bedeutung für die Bahá’íGemeinde in den Augen der Weltöffentlichkeit werden.

21 Diese beiden internationalen Ereignisse sind Angelpunkte für Treffen mit gleicher Absicht, an denen die Freunde in allen Winkeln der Welt teilnehmen. Der geistige Charakter und die würdige Art ihrer Teilnahme werden sicherlich die Bestätigungen aus der Höhe anziehen und so zutiefst die aufbauenden Kräfte beeinflussen, die auf der ganzen Erde am Werk sind.

22 Ein weiterer Quell des Segens, auf den wir seit langem unsere Hoffnung richten, wird gleichfalls offenbar. Bahá’u’lláh schreibt: "Als Wir im Gefängnis waren, haben Wir ein Buch offenbart, das Wir "Das Heiligste Buch" benannten. Darin haben Wir Gesetze gegeben und es geschmückt mit den Geboten deines Herrn, der die Amtsgewalt übt über alle in den Himmeln und auf Erden."9) In voller Erkenntnis der welterschütternden Bedeutung dieses Schrittes kündigen wir Ihnen daher die Veröffentlichung der mit Anmerkungen versehenen englischen Übersetzung des KitábiAqdas während dieses Jahres an  des von Bahá’u’lláh vor etwa vier Menschenaltern im Haus 'Udi Khammar zu 'Akká offenbarten Grundgesetzes der künftigen Weltkultur.

23 Inmitten des durch die beiden großen Gedenkfeiern wie auch die bevorstehende Veröffentlichung des Mutterbuches der Bahá’íOffenbarung verursachten ungeduldigen Vorgefühls tritt nun das Gesetz des Huqúq’ulláh als Teil der feststehenden Lebenspraxis bei allen Gliedern der ganzen Weltgemeinschaft in Kraft. Mögen die verheißenen Gnadengaben, die mit der Inkraftsetzung dieses heiligen Gesetzes verbunden sind, auf die Geliebten des Herrn in jedem Land herniederströmen.

24 Ein Jahr  beladen mit Ereignissen von so geheiligter Tragweite  muss zu Folgerungen von unvorstellbarer Wirkkraft hinführen. Was sich daraus unmittelbar ergibt, lässt sich unmöglich voraussagen; es ist müßig, darüber zu spekulieren. Statt dessen sollten wir lieber unsere Gedanken auf die Bedeutung der weihevollen Ereignisse richten, an die uns dieses Jahr erinnern soll, ist doch der Zweck des Heiligen Jahres keineswegs mit öffentlichen Gedenkfeiern erfüllt, so angemessen sie auch gestaltet sein mögen. Wesentlich ist die Gelegenheit zu innerer Neubesinnung, die dieses Jahr jedem einzelnen Bahá’í bietet. Es ist fürwahr die besondere Zeit für ein Rendezvous der Seele mit dem Quell ihres Lichts und ihrer Führung, eine Zeit der Hinwendung zu Bahá’u’lláh, der Suche nach einem vertieften Werturteil über Seine Absicht, der Erneuerung der Ergebenheit für Ihn. Es ist eine Zeit des Rückzugs auf den eigenen Wesenskern, hin zur Wohnstatt des Geistes Bahás, hinein in jenen Innenraum, in den Er uns einlädt mit den Worten: "Schaue in dich, dass du Mich in dir findest, mächtig, stark und selbstbestehend."10) Ja, es ist eine Zeit der erneuerten Hinwendung zum Bund Gottes, des erneuerten Pflichtbewusstseins, der erneuerten Kraft zum Lehren, zur "verdienstvollsten aller Taten". 11)

25 Die wichtigste Hilfe für Ihre Neubesinnung und Ihre Taten wird Ihnen sicherlich die Einsicht und die Begeisterung aus Seinen Worten bieten, so etwa den folgenden: "Ich bin die Sonne der Weisheit, das Meer der Erkenntnis. Ich ermutige die Schwachen und belebe die Toten. Ich bin das Licht der Führung, das den Weg erhellt.''l2) "Bei Meinem Leben! Nicht aus eigenem Antrieb habe Ich von Mir gekündet, sondern Gott hat Mich nach Seinem ureigenen Ratschluss offenbart."13) "Ich bin im Schatten der Wolken der Herrlichkeit gekommen und von Gott mit unüberwindlicher Souveränität bekleidet."14) "Wer Mich nicht hat, ist aller Dinge verlustig. Wendet euch ab von allem, was auf Erden ist, und suchet nur Mich."15) "Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen. Erkenne dies, o Diener!"16) "Die Altehrwürdige Schönheit hat eingewilligt, in Ketten gelegt zu werden, damit die Menschheit aus ihrer Knechtschaft erlöst werde, und hat es hingenommen, zum Gefangenen in dieser mächtigsten Festung zu werden, damit die ganze Welt wahre Freiheit gewinne. Er hat den Kelch des Leidens bis zur Neige geleert, damit alle Völker der Welt immerwährende Freude erlangen und von Fröhlichkeit erfüllt werden."17 )

26 Wohin uns die persönliche Neubesinnung oder unser erneuertes Pflichtbewusstsein auch führen, einer Sache müssen wir gewiss sein: Der Name des Lebensspenders der Welt wird nunmehr auf der ganzen Erde bekannt, unter hoch und niedrig gleichermaßen. Wenn wir uns bewusst machen, dass seit dem Hinscheiden der Gesegneten Schönheit bereits ein volles Jahrhundert verstrichen ist, wenn wir beobachten, wie immer lauter aus den Herzen derer, die sich nach Hoffnung auf Trost sehnen, wahrhafte Angstschreie dringen, dann können wir, Seine bekennenden Diener, vor dieser höchsten, drängendsten Pflicht weder schwanken noch ermatten. Denn Er, Bahá’u’lláh, ist die Höchste Manifestation, der Einiger und Erlöser der ganzen Menschheit, der Springquell der Gerechtigkeit, der unsterbliche Geliebte. Nach Seiner unfehlbaren Verkündigung ist "Er, der Unbedingte, in den Wolken des Lichts gekommen, um alles Erschaffene mit dem Odem Seines Namens, der Allbarmherzige, zu beleben, um die Welt zu vereinen und alle Menschen zu versammeln an dieser Tafel, die vom Himmel herabgesandt ist."18) Lasst uns Seinen Namen mit Würde tragen, hin zu denen, die ihn hören müssen, Lasst uns ihn darbieten als einen Schatz für Die, welche ihn empfangen müssen, Lasst uns ihn voll Liebe aussprechen gegenüber denen, die ihn sich zu eigen machen müssen.

27 Wie lobenswert wäre es doch, wenn jeder von uns, erfüllt von dem Verlangen, Bahá’u’lláhs Namen laut auszurufen, und als Demonstration seiner besonderen Liebe für die Schönheit Abhá, seinen persönlichen Lehrfeldzug dergestalt in Gang brächte, dass die gemeinsame Kraft und die Ergebnisse dieser Feldzüge in der ganzen Welt die weihevollen Übungen dieses Heiligen Jahres zu einem weithin hallenden Schlußakkord führten und somit die Bühne aufschlügen für den Start des bevorstehenden Dreijahresplanes zu Ridván 1993!

28 Zum Schluss scheint es uns zu dieser Stunde besonders angemessen, Bahá’u’lláhs Erklärung im Heiligsten Buche in Erinnerung zu rufen, mit der Er zu unserer Betroffenheit bei Seinem Hinscheiden Seinen Willen zum Ausdruck bringt: "Seid nicht verzagt, o Völker der Welt, wenn die Sonne Meiner Schönheit untergegangen und der Himmel Meines Heiligtums vor eueren Augen verhüllt sein wird. Erhebt euch, um Meine Sache weiterzutragen und Mein Wort unter den Menschen zu erhöhen. Wir sind immer mit euch und werden euch durch die Macht der Wahrheit stärken. Wir sind wahrhaft allmächtig. Wer Mich erkennt, wird aufstehen und Mir mit solcher Entschlossenheit dienen, dass die Mächte von Erde und Himmel seine Absicht nicht vereiteln können.''l9)

29 Geliebte Freunde, wir werden nicht versäumen, an der Heiligen Schwelle darum zu bitten, dass Er, die Gesegnete Schönheit, von Seiner Wohnstatt unsterblichen Glanzes her Ihrer aller Seelen mit dem neubelebenden Odem Seiner himmlischen Macht erfülle.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit
















1. ‘Abdu’l-Bahá , Briefe und Botschaften 5:1
2. zitiert bei Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, S. 120 f.
3. zitiert bei Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, S. 155
4. zitiert in Inhaltsübersicht und systematische Darstellung des Kitáb-i-Aqdas. Das Heiligste Buch Bahá’u’lláhs, Nr. 21
5. zitiert bei Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, S. 121
6. Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, S. 114
7. Brief vom 15. Juni 1946 in Messages to America. Selected Letters and Cablegrams Addressed to the Bahá’ís of North Amenca 1932  1946, Wilmette, I11.1947, p. 96 f
8. vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S.327
9. Botschaften aus 'Akkä 17:109
10. Bahá’u’lláh, Verborgene Worte, arabisch 13
11. Bahá’u’lláh, Ährenlese 128:10
12. Bahá’u’lláh, Botschaften aus 'Akká 11:20
13. Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes, S. 26
14. Bahá’u’lláh, Ährenlese 47
15. Bahá’u’lláh, Botschaften aus 'Akká 11:20
16. Bahá’u’lláh, Verborgene Worte, arabisch 5
17. Bahá’u’lláh, Ährenlese 45; vgl. Adib Taherzadeh, Die Offenbarung Bahá’u’lláhs, Band 1, S. 186
18. Brief an den Sohn des Wolfes, S.54


(Die Absatznumerierung sowie die Zitatangaben fehlen in der Originalausgabe)

Ridván 1991

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde,

Keine irdische Zunge kann unseren Dank ausdrücken für die außerordentlichen Segnungen, welche Er, die Gesegnete Schönheit, Seiner weltweiten Gemeinde und dem Weltzentrum Seines Glaubens während des soeben beendeten Jahres gewährt hat. In Demut neigen wir das Haupt vor den schlagenden Beweisen Seiner stützenden Gnade und Seiner allbezwingenden Macht.

Die überwältigende Gefahr aus dem Aufruhr im Mittleren Osten umklammerte das Heilige Land gegen Ende des Jahres; aber sie wich wieder, ohne die Arbeit der Bahá’íAdministration zum Stillstand gebracht oder auch nur ernsthaft behindert zu haben. Grell führte diese Lage den Kontrast zwischen dem unaufdringlichen, stetig sich entwickelnden, ausgeprägt vereinigenden System Bahá’u’lláhs und dem wirren Charakter unserer Zeit des Übergangs vor Augen, "deren Trübsale", wie Shoghi Effendi versichert, "Vorboten sind für jene Ära der Wonne und der Glückseligkeit, die Gottes letztes Ziel für die ganze Menschheit verkörpert".1) Es war ein weiteres der "vorbedeutungsvollen Zeichen,... die zugleich die Todesqualen einer in Auflösung begriffenen Zivilisation und die Geburtswehen jener Weltordnung, jener Arche menschlichen Heils, verkünden, die sich notwendigerweise auf ihren Trümmern erheben muss.2)

Dass so viele Nationen auf die plötzliche Krise in dieser Weltgegend mit vereinten Kräften einen heilsamen Gegenschlag führten, zeigte unbezweifelbar die Notwendigkeit des Prinzips der kollektiven Sicherheit, wie es Bahá’u’lláh schon vor über hundert Jahren als Mittel der Konfliktlösung verordnet hat. Wenngleich die Herrscher der Menschheit noch weit davon entfernt sind, das von Bahá’u’lláh für die volle Anwendung dieses Prinzips vorausgeschaute internationale Übereinkommen zu treffen, ist doch ein großer Schritt in Richtung auf diejenigen Verhaltensweisen getan, die der Herr des Zeitalters für die Nationen umrissen hat. Wie bildhaft sind doch die Worte, mit denen Bahá’u’lláh die künftige Neuausrichtung der Nationen erahnen läßt, wenn Er schreibt: "Seid einig, o Schar der Herrscher dieser Welt, denn dadurch wird der Sturm des Haders unter euch gestillt, und eure Völker finden Ruhe. Sollte einer von euch gegen einen anderen die Waffen ergreifen, so erhebt euch alle gegen ihn, denn dies ist nichts als offenbare Gerechtigkeit."3)

Und in der Tat: Aus welchem Blickwinkel wir auch schauen, überall in der Welt ist die Macht der Offenbarung Bahá’u’lláhs sichtbar am Werk. In dem Ruf nach einer neuen Weltordnung, den politische Führer und Einflussreiche Vordenker wie einen Kehrreim in ihren Erklärungen wiederholen  selbst wenn sie außerstande sind zu umreißen, was sie selbst darunter verstehen , ist das langsame Erwachen der Menschheit für den Hauptzweck Seiner Offenbarung zu erkennen. Dass dieser Ruf so beharrlich vom Oberhaupt derjenigen Republik ausgeht, die nach ‘Abdu’l-Bahá dazu bestimmt ist, als "erste Nation die Grundlage internationaler Übereinkunft zu legen" und "alle Nationen geistig zu führen",4) ist ein Hinweis darauf, wie die Zwillingsprozesse innerhalb und außerhalb der Sache Gottes wirken und sich beschleunigen  die beiden Prozesse, die Shoghi Effendi zufolge "in einer einzigen hochherrlichen Vollendung gipfeln" sollen. 5)

Innerhalb der Sache Gottes gibt es eine Fülle von Zeichen für überwältigende Errungenschaften im Sechsjahresplan, wenngleich nicht unbedingt so, wie zu Planbeginn vorgesehen. Eindrucksvolle Beispiele zeigen sich im Gefolge der erstaunlichen Veränderungen in der Sowjetunion und ihren früheren Satellitenstaaten. Nur ein Jahr nach der Wiedererrichtung des örtlichen Geistigen Rates von Moskau wird jetzt ein Nationaler Geistiger Rat der Sowjetunion gebildet. Ähnlich hat in Rumänien die Regierung kaum mehr als ein Jahr nach dem revolutionären politischen Wandel die Bahá’í-Gemeinde als Religionsgemeinschaft anerkannt mit dem Recht, die Lehren Bahá’u’lláhs zu verbreiten; auch hier wird zu diesem Ridván-Fest ein Nationaler Geistiger Rat gebildet. Die rasche Ausdehnung des Glaubens in der Tschechoslowakei zwang zu der erst vor wenigen Wochen getroffenen Entscheidung, auch dort einen Nationalen Geistigen Rat zu errichten. Gleichzeitig wird in der Karibik die Gruppe der Inseln über dem Wind in zwei regionale Verwaltungseinheiten geteilt und der Nationale Geistige Rat der Westlichen Inseln über dem Wind gebildet. Mit diesen vier hochwillkommenen Ratsbildungen steigt die Zahl der Nationalen Geistigen Räte auf 155.

Wir sind glücklich mitzuteilen, dass drei Hände der Sache Gottes das Universale Haus der Gerechtigkeit bei diesen historischen Ereignissen vertreten werden: ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum in Rumänien, ‘Alí-Akbar Furútan in der Sowjetunion und Dr. 'AliMuhammad Varqá in der Tschechoslowakei. Beraterin Ruth Pringle wird die Vertreterin für die Westlichen Inseln über dem Wind sein

Eine weitere Veranschaulichung der wachsenden Autorität der Sache Bahá’u’lláhs im öffentlichen Bewusstsein geht von Deutschland aus, wo das Bundesverfassungsgericht als oberste Rechtsinstanz des Landes eine Entscheidung von höchster Bedeutung für die Anerkennung des Glaubens getroffen hat. Eine Reihe von unteren Gerichtsinstanzen hatte sich geweigert, die Satzung eines örtlichen Geistigen Rates einzutragen, und zwar mit der Begründung, die in dieser Urkunde dem Nationalen Geistigen Rat eingeräumte Amtsgewalt verletze das Rechtsprinzip der Autonomie aller gesetzlich eingetragenen Vereine. Die damit berührten Rechtsfragen sind komplex und können hier nicht ausführlich behandelt werden. Kurz, das Bundesverfassungsgericht gab in einem langen, eingehend begründeten Urteil der Berufung des örtlichen Geistigen Rates statt; unter anderem bekräftigte es das Recht der Bahá’íGemeinde, in genau der von den Schriften des Bahá’íGlaubens vorgezeichneten Form Rechtsfähigkeit zu erlangen, und erklärte, ihr Wesen als anerkannte Religionsgemeinschaft sei nach ihrem eigenen Charakter, allgemeinem Verständnis sowie durch Zeugnisse von Gelehrten der vergleichenden Religionswissenschaft eindeutig bestätigt. So bedeutsam war das Urteil in der eigenen Einschätzung des Gerichts, dass es seine Entscheidung in einer Presseerklärung erläuterte, was es sonst nur selten tut. Dieser herausragende Entscheid wird weit über die Grenzen des wiedervereinigten Deutschlands hinaus Auswirkungen auf die Bahá'íGemeinde haben.

Ein weiteres Beispiel der wachsenden öffentlichen Anerkennung für die bahnbrechenden Perspektiven der Sache Gottes liefert die Republik Südafrika, wo der Nationale Geistige Rat beschloß, die Initiativen der Regierung zur Lösung des jahrzehntelangen Problems der Apartheid zu nutzen, um zum Entwurf einer neuen Landesverfassung seine Ansichten zu unterbreiten. Als der Präsident der Südafrikanischen Rechtskommission, ein im Auftrag der Regierung handelnder Richter, die Vorlage des Nationalen Geistigen Rates von dessen Delegation entgegennahm, bemerkte er, die Bahá’í seien bislang die einzige Gruppe, deren Ideen geistige und moralische Grundlagen für eine Verfassung bieten.

Wie sich jede einzelne der genannten Entwicklungen auch auswirken mag - neben anderen Entwicklungen wie dem Auftritt eines Vertreters der Bahá’íWeltgemeinschaft als einzigem geladenen nichtbuddhistischen Redner in einer öffentlichen Versammlung aus Anlaß der Asiatischbuddhistischen Friedenskonferenz in der Mongolei, der besonderen Erwähnung der Bahá’í durch Papst Johannes Paul II. unlängst bei einem Empfang während seines Besuches in Burundi, der offiziellen Auflistung des Bahá’íGlaubens als eine der vertretenen Religionen in Tuvolu, der Internationalen Ausstellung über Friedenserziehung unter der Schirmherrschaft des brasilianischen Nationalen Geistigen Rates sowie unter Mitwirkung von 23 Botschaften und Erziehungseinrichtungen  eines ist unzweifelhaft klar: Die sich steigernde weltweite Wirkung bestätigt, dass der Bahá’íGlaube aus der Verborgenheit hervortritt. Solche Kennzeichen einer wachsenden öffentlichen Anerkennung der Bahá’íGemeinde in ihrem wahren Charakter und ihren reichen Möglichkeiten sind ein herausragender Wesenszug des Fortschritts des Glaubens in der vierten Epoche des Gestaltenden Zeitalters.

Wenn wir über diese wundersamen, vorbedeutungsvollen Zeichen nachdenken, können wir dem Impuls nicht widerstehen, unsere tiefe Liebe und Wertschätzung für die Kontinentalen Berater und ihre Hilfsämter zum Ausdruck zu bringen. Sie treiben und stützen die Bemühungen, die solche erstaunlichen Entwicklungen wie die aufgezeigten möglich machen. Ihr betreuender Dienst im besonderen bringt den dynamischen Schub der Lehrarbeit, die ihrerseits den Grund für alle Erfolge der Gemeinde legt. Über alle Maßen erfreut und ermutigt uns der tatkräftige Neubeginn der Beraterämter beim Einstieg in die neue Amtszeit ihres unabdingbaren, hochgeschätzten Dienstes für die Bahá’íWelt. Der frische Unternehmungsgeist, zu dem sie jetzt mit der aufrichtigen Ermutigung und der großartigen Unterstützung des Internationalen Lehrzentrums ihre Kräfte bündeln, läßt eine erfreuliche Vollendung des Sechsjahresplanes vorausahnen. Möge die Anhebung der Zahl der Hilfsamtsmitglieder auf 846  90 mehr als gegenwärtig  am diesjährigen Tag des Bündnisses ihre Anstrengungen kraftvoll unterstützen. Sicherlich wird es die weltweite Gemeinde begrüßen, wenn mit dieser Aktion Umfang und Qualität der geistigen Pflichten der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten gestärkt werden, bietet doch deren Tätigkeit an den Graswurzeln die Gewähr für die fortgesetzte Ausweitung und Festigung unseres ruhmreichen Glaubens.

Der großartige Fortschritt des Sechsjahresplanes erhellt unsere Lebensgeister und hebt unsere Hoffnungen empor. Nur ein Jahr verbleibt von diesem Plan, auf die sieben Hauptziele hin ist ein machtvoller Vormarsch erfolgt. Unsere Gemeinde hat sich gegenüber ihrem Zustand bei Planbeginn 1986 dramatisch verändert. Sie hat sich mächtig ausgebreitet und entwickelt. Sie ist jetzt vielfältiger, dynamischer, ausgeprägter. Wenn wir nun in das letzte Jahr des Sechsjahresplanes eintreten, steht vor uns allen ein Himmelsbogen an begeisternden Ausblicken:

Die Vorbereitung der lang erwarteten, mit Anmerkungen versehenen englischen Übersetzung des Kitáb-i-Aqdas, des Buches der Gesetze, des Heiligsten Buches und Mutterbuches der Offenbarung Bahá’u’lláhs wird abgeschlossen  eine gewaltige Errungenschaft, die an und für sich schon eine neue Entwicklungsstufe der Bahá’íWelt einleiten und somit die Leistungen des Sechsjahresplanes krönen wird.

Die Erdarbeiten an den unteren Terrassen beim Schrein des Bab und die Ausschachtungen für das Zentrum zum Studium der heiligen Texte sowie für den Anbau zum Internationalen Archivgebäude werden in Angriff genommen; sie leiten bei den mächtigen, unschätzbar bedeutsamen Vorhaben an Gottes heiligem Berg einen neuen Abschnitt ein.

Das Planende markiert den Beginn des heiligen Jahres 19921993, ein bewusst ganzjähriges Innehalten, das die Anhänger Bahá’u’lláhs in die Lage versetzen soll, die hundertjährige Wiederkehr Seines Aufstiegs und der Einsetzung Seines weltvereinenden Bündnisses angemessen zu würdigen. Wie bereits angekündigt, sind größere Feierlichkeiten vorgesehen, welche den einzigartigen Charakter und die weltbewegende Bedeutung dieser beiden Anlässe widerspiegeln:

Als erstes die Versammlung von Vertretern der Bahá’í-Welt mit den Rittern Bahá’u’lláhs in der Umgebung des Landhauses von Bahjí, von wo Bahá’u’lláhs befreiter Geist auf den Thron Seiner himmlischen Souveränität zurückkehrte, unmittelbar beim allerheiligsten Schrein, in dem die Ehrenrolle der Ritter Bahá’u’lláhs niedergelegt werden wird, als Geste einer Antwort der Ihn Liebenden auf Seinen Aufruf, Seine Lehren auf der ganzen Erde zu verbreiten. Dort in Bahjí wird diese Versammlung eine feierliche Andacht abhalten; die dabei zu lesenden heiligen Schriften werden den Bahá’íGemeinden allüberall bald mitgeteilt, damit diese sie bei ihren eigenen Gedenkandachten verwenden und so das hingebungsvolle Erlebnis der ganzen Bahá’íWelt während dieser Jahrhundertfeiern zusammenführen können.

Als weiteres der Weltkongress, der von 23. bis 26. November 1992 in New York stattfindet. In dieser Stadt offenbarte der geliebte Meister den tieferen Sinn Seiner Stufe als ernannter Mittelpunkt des Bündnisses Bahá’u’lláhs, und diese Stadt bestimmte Er zur Stadt des Bündnisses. In der ganzen Welt werden die Bahá’íGemeinden geeignete Ergänzungstreffen abhalten, um den Zweck des Kongresses zu vertiefen, nämlich den hundertsten Jahrestag der Einsetzung des Bündnisses Bahá’u’lláhs zu feiern sowie dessen Ziele und vereinende Kraft zu verkünden. Zusätzlich zu diesen Tätigkeiten wird eine Erklärung über Bahá’u’lláh breit gestreut verteilt, die das Büro für öffentliche Information auf unser Ersuchen hin vorbereitet; sie wird den Bahá’í als Quelle des Studiums und der Inspiration sowie als informative Veröffentlichung zur Präsentation in der Öffentlichkeit dienen. Auf diese und andere Weise wird die Gemeinde des Größten Namens sich mühen, den Namen Bahá’u’lláhs auf dem ganzen Erdball zu rühmen, um ihm im Bewusstsein der Völker allüberall höchstes Ansehen zu verschaffen.

Solch ein einzigartiger Zusammenfluss bevorstehender Errungenschaften  die Veröffentlichung des Kitáb-i-Aqdas, der Fortschritt der Bauvorhaben am Berg Karmel, der Abschluss des Sechs-Jahresplanes, die Eröffnung des heiligen Jahres  beseelt die Erwartungen der Bahá’íWelt, schlägt die Bühne auf für noch machtvollere Bemühungen als die bereits in Angriff genommenen und zeigt uns allen den Beginn eines neuen Abschnitts der Geschichte. Somit scheint es angebracht, dass das heilige Gesetz, das jeden befähigt, sein oder ihr persönliches Gefühl der Hingabe an Gott in einem zutiefst vertraulichen, das Gemeinwohl fördernden, den einzelnen Gläubigen unmittelbar mit der zentralen Institution des Glaubens verbindenden Gewissensakt auszudrücken  in einem Gewissensakt, der überdies den Gehorsamen und Aufrichtigen der unbeschreiblichen Gnade und des überreichen Segens der Vorsehung versichert  dass dieses heilige Gesetz in diesem günstigen Augenblick von allen angenommen wird, die ihren Glauben an die höchste Manifestation Gottes bekennen. In Demut vor unserem souveränen Herrn kündigen wir an, dass ab Ridván 1992, dem Beginn des heiligen Jahres, das Gesetz des Huqúq’ulláh, des Rechtes Gottes, weltweit anwendbar wird. Alle sind in Liebe aufgefordert, es zu beachten.

Innig geliebte Brüder und Schwestern! Seien Sie Zeuge, wie der Geliebte unsere flehenden Bitten beantwortet. Sehen Sie, wie er unser Leben mit neuen Brüdern und mit neuen Institutionen bereichert in Ländern die bislang Seinem heilenden Wort verschlossen waren. Bedenken Sie, mit welcher Wirkkraft sich Seine göttlichen Verordnungen als Leitlinien für das Verhalten großer und kleiner Nationen bestätigen. Sicherlich durchtränkt Sie die Fülle dieses Segens mit dem unbezähmbaren Mut und der Zuversicht, einer herausfordernden, aber strahlenden Zukunft ins Auge zu blicken. So gehen Sie fürwahr an Bord dieses vielverheißenden Jahres, Kurs auf den schließlichen Triumph des Sechsjahresplanes.

Mögen Sie durch Ihre selbstlosen Werke in Seinem Dienst weiterhin Segen aus den unerschöpflichen Schatzkammern Seiner Liebe und Fürsorge empfangen.


Das Universale Haus der Gerechtigkeit













1. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, 1977134, S. 245
2. dgl., S. 224
3. zitiert in dgl., S. 278 f.
4. zitiert bei Shoghi Effendi, Citadel of Faith, p. 35
5. dgl., p. 32


(Die Zitatangaben fehlen in der Originalausgabe)


Ridván 1990

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde,

Nachdem wir ein Jahr großer Leistungen vollendet haben, stehen wir an der Schwelle des letzten Jahrzehnts dieses strahlenden zwanzigsten Jahrhunderts und sehen uns einer unmittelbaren Zukunft von unerhörten Herausforderungen und blendenden Möglichkeiten gegenüber. Die Geschwindigkeit der Ereignisse während des letzten Jahres ist ein Hinweis auf die Beschleunigung wahrend sich der hundertste Jahrestag des. Aufstieges Bahá’u’lláhs nähert - der geistigen Kräfte, die durch die Ankunft Seiner umwälzenden Mission befreit wurden. Es ist eine Beschleunigung, die in ihrer Plötzlichkeit und ihrem umfassenden umgestaltenden Eindruck auf das soziale Gedankengut und auf politische Einheiten Hochgefühle erweckt hat im Hinblick auf die unmittelbaren Auswirkungen sowie Gefühle der Verwirrung über ihre wahre Bedeutung und den vorherbestimmten Ausgang, welche die erstaunten Herausgeber einer führenden Zeitung, die keine Erklärung dafür finden konnten, veranlassten, sie dem Wirken einer "Unsichtbaren Hand" zuzuschreiben.

Für die Anhänger Bahá’u’lláhs in der ganzen Welt kann kein Zweifel über den göttlichen Ursprung noch über die klaren Zielsetzungen dieser außerordentlichen Ereignisse bestehen. Wir wollen uns deshalb über die wunderbaren Zeichen der Wohltätigkeit von Gottes überfließender Gnade freuen. Das am letzten Ridván berichtete hohe Maß von Lehrarbeit und Aufnahmen in den Glauben wurde beibehalten, und neue Gebiete des Lehrens wurden von Osteuropa bis an das Chinesische Meer erschlossen. Mit der Niederlassung von zwei Rittern Bahá’u’lláhs auf der Insel Sachalin in den letzten Wochen ist das letzte Gebiet, das von Shoghi Effendi in seinem Zehnjahresweltplan erwähnt wurde, in das Bahá’íGemeinwesen eingetreten. Die Wiederbildung des örtlichen Geistigen Rates von 'Ishqabad, die kürzliche Wahl des Rates von Cluj in Rumänien, der erste neue Rat im "Ostblock, die Wiedererrichtung und Bildung von örtlichen Geistigen Räten in anderen Teilen der Sowjetunion und in anderen Ländern Osteuropas zu diesem Ridván - all diese Leistungen und unmittelbaren Aussichten bestätigen unsere Ankunft an einem bedeutungsvollen Meilenstein in der vierten Epoche des Gestaltenden Zeitalters. Die Verwaltungsordnung umfasst nun eine Gemeinde von größerer Verschiedenheit als je zuvor. Es sind solche ungeheuren Ereignisse, die unsere kürzliche Ankündigung eines zusätzlichen ZweijahresLehrplanes veranlassten, der nun offiziell begonnen hat und den wir Ihrer ungeteilten und aktiven Aufmerksamkeit empfehlen.

Wie verblüffend, wie weitreichend waren die Tätigkeiten, welche die Gemeinde in der Kürze eines Jahres bis zu diesem Stand in ihrer Entwicklung vorangetrieben haben! Wenn wir über die Wunder von Bahá’u’lláhs Bestätigungen nachdenken, wenden sich unsere Herzen in Liebe und Hochachtung überall den Händen der Sache Gottes zu, die als Bannerträger jener Gemeinde stets ihr helles Wahrzeichen der Dunkelheit der Zeiten entgegenhielten. Mit einem unbezähmbaren Geist beharren sie in der Erfüllung, unter allen Umständen und wo immer sie sein mögen, ihrer gottgegebenen Aufgaben, ihre weit verstreuten, rasch sich vermehrenden Mitglieder anzuregen, zu erleuchten und zu beraten. Angesichts der neuen Lage in der Bahá’í-Welt machen wir uns die Freude, einige der Gelegenheiten der Verbindung von Händen der Sache mit den Entwicklungen in Europa und Asien im letzten Jahr zu erwähnen. ‘Amatu’l-Bahá Khánum vertrat während einer ausgedehnten Reise in den Fernen Osten das Universale Haus der Gerechtigkeit bei der Bildung des Nationalen Geistigen Rats von Macau, verbrachte einige Zeit bei dem Ritter Bahá’u’lláhs in der Mongolei, wo anschließend die erste einheimische Bewohnerin ihren Glauben an Bahá’u’lláh erklärte, und widmete den Freunden in verschiedenen Teilen der Volksrepublik China viel Aufmerksamkeit, wo ihr Film "Greenlight Expedition” im Fernsehen gezeigt wurde. Herr Collis Featherstone wandte große Energie auf, die lang leidenden Freunde im kriegsverwüsteten Vietnam zu stärken. In diesem Augenblick besucht Herr ‘Alí-Akbar Furútan die UdSSR, die er während der Verfolgung des Glaubens dort verlassen musste; nun ist er in der siegreichen Erfüllung eines Wunsches dorthin zurückgekehrt, den unser geliebter Hüter vor rund sechzig Jahren ihm gegenüber zum Ausdruck brachte.

Auch die Berateramtsmitglieder des Internationalen Lehrzentrums sind nicht langsam gewesen, auf die Möglichkeiten zu reagieren, das nun in allen Gebieten der Welt offenbar gewordene Klima des Fortschritts zu pflegen. Durch eine einheitliche Schau des Wachstums, zu der sie die Kontinentalen Beraterämter aufgerufen haben und mit ihnen ihre fähigen, hart arbeitenden und aufopferungsvollen Hilfsämter, kann ein neues Leben in der Ausbreitung und Festigung des Glaubens in der ganzen Welt gespürt werden. Die Kontinentalen Berater verdienen die tiefe Dankbarkeit der gesamten Bahá’í-Gemeinde, nachdem sie sich dem Ende ihrer laufenden fünfjährigen Amtszeit nähern, die durch ihre hervorragenden Dienste ausgezeichnet ist.

Genau wie die Gemeinde ihre innere Verflechtung ausgebreitet hat, hat sie auch ihre äußeren Beziehungen, ihren Einfluss und ihre Anziehungskraft auf verschiedenen Wegen ausgedehnt, von denen manche in ihrer Breite und in ihren Möglichkeiten Erstaunen hervorrufen. Einige Beispiele mögen genügen: durch das neu geschaffene Umweltbüro hat die Internationale Bahá’í-Gemeinde aus eigener Initiative und in Zusammenarbeit mit anderen Umweltorganisationen das jährliche Welttreffen der Forstcharta wieder eingeführt, das 1945 von dem bekannten Richard St. Barbe Baker gegründet wurde; seitdem wurde das Umweltbüro eingeladen, an wichtigen Veranstaltungen teilzunehmen, die von internationalen mit Umweltfragen befaßten Organisationen unterstützt werden. Die Internationale Bahá’íGemeinde ist an der Arbeit des Sonderausschusses zur Beseitigung des Analphabetentums unter der Schirmherrschaft der UNESCO beteiligt und ihr Vertreter wurde gebeten, an der in Thailand stattgefundenen Weltkonferenz eine Anzahl von sehr ins Auge fallenden und wichtigen Aufgaben zu übernehmen, die der Bahá’íGemeinde Bedeutung verliehen. Mit der Ermutigung eines erfahrenen Regierungsbeamten von Fiji wurden Schritte unternommen, in Suva ein Zweigbüro des Büros der Internationalen Bahá’íGemeinde für die Vereinten Nationen im pazifischen Raum zu schaffen. Die Universität von Maryland in den Vereinigten Staaten verkündete ihren Beschluß, einen "Bahá’í-Lehrstuhl für den Weltfrieden" an ihrem Zentrum für Internationale Entwicklung und Konfliktbewältigung zu errichten, was Veranlassung geben wird für ein großes Anwachsen der akademischen Bemühungen, die Sache Bahá’u’lláhs zu prüfen. Beinahe zur gleichen Zeit gab der Nationale Geistige Rat von Indien bekannt, dass eine Übereinkunft erzielt wurde, einen Lehrstuhl für Bahá’í-Studien an der Universität von Indore zu schaffen.

Die fortdauernden Bemühungen, die Befreiung der Bahá’í in Iran zu erreichen, haben ein neues Stadium erreicht. Zum ersten Mal war es einem Vertreter der Vereinten Nationen möglich, offiziell auf Iranischem Boden mit einem Vertreter der geachteten Bahá’íGemeinde zusammenzutreffen. Das Ergebnis wurde in einem Bericht an die Kommission für Menschenrechte der Vereinten Nationen festgehalten, bei deren kürzlicher Sitzung in Genf wieder ein Beschluß über Iran, der die Bahá’í erwähnt, angenommen wurde. In einer gleichlaufenden Aktion von weitreichender Bedeutung hat das Abgeordnetenhaus der Vereinigten Staaten einstimmig einen Beschluß angenommen, der zur Befreiung der iranischen Bahá’íGemeinde aufruft und Schritte darlegt, die zur Erreichung dieses Zieles von der Regierung der Vereinigten Staaten unternommen werden müssen; ein ähnlicher Beschluß liegt dem Senat vor.

Im Heiligen Land erhielten die Vorbereitungen für die Ausführung der Bauprojekte auf dem Berge Karmel einen deutlichen Auftrieb. Anlaß für eine tiefe Befriedigung ist, dass am Vorabend von Naw-Rúz die StadtbezirksPlanungskommission nach schwierigen und vielseitigen Verhandlungen entschied, den vom Bahá’íWeltzentrum unterbreiteten Plan zu genehmigen. Damit ist der Weg freigemacht für die endgültige Erteilung der Baugenehmigungen.

Geliebte Freunde, nur zwei Jahre trennen uns vom Abschluss des Sechsjahresplanes und vom Beginn des Heiligen Jahres an Ridván 1992, jener besonderen Zeit, wenn wir innehalten werden, um die ungestüme Aufzeichnung der Ereignisse zu würdigen, die uns zur Jahrhundertfeier des Aufstieges Bahá’u’lláhs gebracht haben, und um mit entsprechender Feierlichkeit über den erlösenden Lebenszweck des kostbarsten Wesens nachzudenken, das je auf diesem Planeten geatmet hat.

In Erwartung dieses Höhepunktes in der Bahá’í-Geschichte wurden Pläne für zwei große Weltereignisse in Angriff genommen: Einer betrifft die Zusammenkunft einer möglichst breiten Vertretung von Gläubigen im Heiligen Land vom ganzen Erdball kommend, um an einer würdigen Gedenkfeier dieser schmerzvollen Vollendung in der Nachbarschaft des Heiligsten Schreines teilzunehmen. Ein Bestandteil dieser Gedenkfeier, symbolisch für den jenseitigen und siegreichen Einfluss von Bahá’u’lláhs befreitem Geist, wird die Unterbringung eines Behältnisses unter dem Boden beim Eingangstor zu Seinem Schrein sein, das die ausgeschmückte Ehrenrolle der Ritter Bahá’u’lláhs enthält, eine Aufzeichnung, die von Shoghi Effendi während seines Zehnjahresplanes begonnen wurde, jene beherzten Seelen betreffend, die sich erhoben, um im Namen ihres Herrn in jenem Plan erwähnte jungfräuliche Gebiete zu erobern. Damit wird eine von Shoghi Effendi selbst ausgedrückte Absicht nach beinahe vier Jahrzehnten zu einem würdigen Abschluss gebracht werden. Die noch lebenden Ritter Bahá’u’lláhs werden eingeladen werden, um diesem Vorgang beizuwohnen.

Das andere Ereignis wird der Bahá’íWeltkongreß sein, um die Einsetzung des Bündnisses vor einem Jahrhundert zu feiern, das von Bahá’u’lláh der Nachwelt hinterlassen wurde als unverrückhares Mittel, die Einheit und Unversehrtheit Seiner weltumfassenden Ordnung sicherzustellen. Er wird im November 1992 in New York einberufen werden, dem Ort, der von Ihm, dem ernannten Mittelpunkt des Bündnisses, der voraussah, dass "New York eine gesegnete Stätte werden wird, von welcher der Ruf nach Standhaftigkeit im Bündnis und im Testament Gottes nach allen Teilen der Welt ausgehen wird", als Stadt des Bündnisses bezeichnet wurde.

Entsprechende Veranstaltungen auf örtlicher und nationaler Ebene werden mit diesen zwei Hauptereignissen in Verbindung stehen, um den innersten Gefühlen der Bahá’í Ausdruck zu verleihen und um der Öffentlichkeit von der inhaltsschweren Tatsache der Erscheinung des Herrn des Bündnisses in der Welt sowie von den Zielen und Werken Seiner erhabenen Mission einen Eindruck zu vermitteln. Tatsächlich sind bereits Pläne in Bearbeitung für die Durchführung eines intensiven Feldzuges, um den ganzen Erdball mit Seinem Namen zu schmücken.

Die Freunde müssen sich nun überall auf die Bedeutung dieser zwei Jahrestage einstimmen. Sie müssen durch Gebet und Studium der Schriften geistig vorbereitet sein, um eine tiefere Würdigung der Stufe und Absichten Bahá’u’lláhs sowie der grundlegenden Bedeutung Seines mächtigen Bündnisses zu gewinnen. Solch eine Vorbereitung steht im innersten Kern ihrer Bemühungen, eine Wandlung in ihrem eigenen und gemeinschaftlichen Leben herbeizuführen. Lasst alle Freunde  jeden Mann, jede Frau und jeden Jugendlichen durch die hohe Qualität ihres Innenlebens und ihres persönlichen Charakters den geeinten Geist ihrer Verbindung miteinander, die Rechtschaffenheit ihres Verhaltens gegenüber allen und die Vortrefflichkeit ihrer Taten beweisen, dass sie zu einer wirklich erleuchteten und beispielhaften Gemeinde gehören; dass ihr über alles Geliebter, dessen Aufstiegs sie gedenken, Sein Leben auf Erden nicht umsonst erlitten hat. Lasst diese Ausrüstung das Maß für ihre Bemühungen sein, Seine Sache zu lehren, das Merkmal ihrer Huldigung an den König der Könige.

Unsere lieben und geschätzten Mitarbeiter, es ist eine solche Zeit der tiefsten Vorausahnung für uns, dass die Weltgesellschaft sich in einem kritischen Abschnitt ihres Übergangs zu dem Charakter befindet, den der Herr des Zeitalters für sie vorgesehen hat. Die Winde Gottes stürmen weiter und blasen alte Systeme um, womit sie der tiefen Sehnsucht nach einer Neuordnung der menschlichen Angelegenheiten Dringlichkeit verleihen und den Weg auftun für das Hissen des Banners Bahá’u’lláhs in Ländern, aus denen es bis jetzt verbannt war. Die Geschwindigkeit der Änderungen erweckt Erwartungen, die unsere Träume im letzten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts anregen. Die Situation ist gleichzeitig ein strahlendes Vorzeichen und eine gewichtige Herausforderung.

Die grundlegende Wandlung im Aufbau der heutigen Gesellschaft ist bedeutungsvoll, da sie die Erreichung des Geringeren Friedens beinhaltet. Wie hoffnungsvoll die Zeichen auch sein mögen, können wir doch nicht vergessen, dass die dunkle Wegstrecke dieses Zeitalters des Überganges noch nicht völlig durchquert wurde, sie ist noch immer lang, schlüpfrig und mühevoll. Denn Gottlosigkeit ist weitverbreitet, und der Materialismus greift um sich. Nationalismus und Rassismus treiben ihren Verrat im menschlichen Herzen, und die Menschheit ist blind für die geistigen Grundlagen der Loslösung ihrer wirtschaftlichen Nöte. Für die Bahá’íGemeinde ist die Situation eine besondere Herausforderung, denn die Zeit läuft ab, und wir haben schwerwiegende Verpflichtungen einzuhalten. Davon sind die nächstliegenden: erstens, die Sache Gottes zu lehren und ihre göttlich verordneten Institutionen überall in der Welt mit Weisheit, Mut und Dringlichkeit aufzubauen, und zweitens, auf dem Berge Karmel den Bau der Terrassen beim Schrein des Báb und der übrigen Gebäude am Bogen des administrativen Weltzentrums des Glaubens fertigzustellen. Die erste verlangt entschlossenes, von allen getragenes und zuversichtliches Handeln von seiten der einzelnen Gläubigen. Die zweite bedarf der großzügigen Spende von Geldern. Beide sind innig miteinander verflochten.

Während der letzten zwei Jahre sind beinahe eine Million Seelen dem Glauben beigetreten. Die sich mehrenden Gelegenheiten des Gruppenbeitritts an verschiedenen Orten haben zu diesem Wachstum beigetragen und haben damit die Aufmerksamkeit auf Shoghi Effendis Vision gezogen, die unsere Vorstellungen von glorreichen zukünftigen Möglichkeiten auf dem Lehrgebiet formt. Denn er hat uns versichert, dass der Vorgang des "Gruppenbeitrittes von Menschen verschiedener Nationalität und Rasse zur Bahá’í-Welt ... das Vorspiel sein würde für jene lang erwartete Stunde, wenn eine Massenbekehrung von seiten jener Nationen und Rassen und als unmittelbares Ergebnis einer Kette von Ereignissen, bedeutungsvoll und möglicherweise katastrophal ihrer Natur nach, von denen Wir bis jetzt noch nicht einmal eine vage Vorstellung haben können, die Geschicke des Glaubens plötzlich umwälzen, das Gleichgewicht der Welt stören und die zahlenmäßige Stärke sowie die materielle Kraft und geistige Autorität des Glaubens Bahá’u’lláhs tausendfach anwachsen läßt." Wir sind voller Ermutigung zu glauben, dass Aufnahmen in großem Umfang zunehmen werden, die ein Dorf nach dem anderen, eine Stadt nach der anderen von einem Land zum anderen betreffen. Doch es steht uns nicht zu, untätig die endliche Erfüllung von Shoghi Effendis Vision abzuwarten. Wir wenigen müssen, indem wir unsere ganze Hoffnung in die Vorsehung Gottes legen und die Herausforderungen, denen wir uns gegenübergestellt sehen, als göttliches Vorrecht betrachten, zum Sieg voranschreiten mit den Plänen in unserer Hand.

Eine Erweiterung der Gedanken und Tätigkeiten in verschiedenen Aspekten unserer Arbeit werde unsere Erfolgsaussichten vergrößern, unsere früher erwähnten Verpflichtungen zu erfüllen. Da Veränderung, eine immer schnellere Veränderung, ein gleichbleibender Wesenszug des gegenwärtigen Lebens ist, und da unser Wachstum, unsere Größe und unsere äußeren Beziehungen uns viel abverlangen, muss unsere Gemeinde bereit sein, sich anzupassen. In gewissem Sinne bedeutet dies, dass sie geschickter werden muss, ein weites Gebiet von Tatigkeiten zu betreuen, ohne dass sie dabei die Konzentration auf die Hauptziele der Lehrarbeit, nämlich Verbreitung und Festigung, verliert. Eine Einheit in der Mannigfaltigkeit der Tätigkeiten wird benötigt, ein Zustand, bei dem sich verschiedene Menschen auf verschiedene Aufgaben konzentrieren und die heilsame Auswirkung im ganzen auf das Wachstum und die Entwicklung des Glaubens zu würdigen wissen, denn eine Person kann nicht alles tun, und alle Personen können nicht das gleiche tun. Dieses Verständnis ist wichtig für die Reife, welche die Gemeinde aufgrund der vielfältigen Anforderungen, die an sie gestellt werden, gezwungen ist zu erreichen.

Die von Bahá’u’lláh gebrachte Ordnung ist dazu bestimmt, den Fortschritt der Gesellschaft anzuleiten und ihre Probleme zu lösen. Unsere Zahl ist noch zu klein, als dass sie ein angemessenes Bild der Möglichkeiten bieten könnte, welche dem administrativen System innewohnen, das wir aufbauen, und die Wirksamkeit dieses Systems wird nicht ohne eine große Ausdehnung unserer Mitgliedschaft geschätzt werden können. Bei der jetzt vorherrschenden Lage in der Welt wird die Notwendigkeit einer solchen Demonstration immer dringender. Es ist nur zu offensichtlich, dass selbst diejenigen, die gegen die Mängel der alten Ordnung aufbegehren und sie am liebsten niederreißen würden, selbst irgendeiner gültigen Alternative beraubt sind, die sie an ihre Stelle setzen könnten. Da die administrative Ordnung dazu bestimmt ist, ein Modell für die zukünftige Gesellschaft zu sein, wird das Sichtbarwerden eines solchen Modells ein Hoffnungszeichen für diejenigen sein, die am Verzweifeln sind.

So weit ist es uns gelungen, eine beachtliche Mannigfaltigkeit in der großen Anzahl von ethnischen Gruppen, die im Glauben vertreten sind, zu erzielen, und es sollte alles getan werden, um dies durch vermehrte Beitritte aus bereits vertretenen Gruppen zu stärken und durch die Anziehung von Mitgliedern solcher Gruppen, die bis jetzt noch nicht erreicht werden konnten. Es gibt jedoch noch eine andere Kategorie der Mannigfaltigkeit, die wir aufbauen müssen, und ohne die der Glaube nicht imstande sein wird, den Verpflichtungen angemessen zu entsprechen, die ihm auferlegt wurden. Seine Mitgliedschaft muss nun, unbeachtet der ethnischen Verschiedenartigkeit, eine wachsende Zahl von Menschen mit Befähigung umfassen, einschließlich solcher Personen, die Leistung und Bedeutung auf den verschiedenen Gebieten menschlichen Bemühens vorweisen können. Eine beachtliche Anzahl solcher Personen aufzunehmen ist ein unerläßlicher Aspekt der Lehrarbeit in der Breite, ein Aspekt, der nicht länger mehr vernachlässigt werden darf und der bewusst und wohlüberlegt in unsere Lehrarbeit einbezogen werden muss, um ihre Grundlage zu verbreitern und den Vorgang des Gruppenbeitrittes zu beschleunigen. So wichtig und an der Zeit ist die Notwendigkeit des Tätigwerdens in dieser Angelegenheit, dass wir uns veranLasst sehen, die Kontinentalen Berater und Nationalen Geistigen Räte aufzurufen, ihr bei ihren Beratungen und Plänen ernsthafte Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Angelegenheiten der Menschheit haben ein Stadium erreicht, in dem immer mehr Anfragen an unsere Gemeinde gerichtet werden um Hilfe durch Rat und praktische Maßnahmen, um kritische soziale Probleme zu lösen. Dies ist ein Dienst, den wir gerne leisten, aber es bedeutet, dass unsere örtlichen und Nationalen Geistigen Räte sich gewissenhafter an die Grundregeln halten müssen. Mit der wachsenden öffentlichen Aufmerksamkeit, die sich auf die Sache Gottes richtet, wird es für Bahá’í-Institutionen eine zwingende Notwendigkeit, ihr Verhalten und Vorgehen zu verbessern durch eine engere Anbindung an die grundlegenden Wahrheiten des Glaubens, durch größere Übereinstimmung mit dem Geist und der Form der Bahá’íAdministration und durch ein geschärftes Vertrauen in die wohltuende Wirkung richtiger Beratung, damit die von ihnen geführten Gemeinden ein Lebensmodell widerspiegeln, das den enttäuschten Mitgliedern der Gesellschaft Hoffnung bietet. Dass es Andeutungen gibt, dass der Geringere Friede nicht allzu weit entfernt sein kann, dass die örtlichen und nationalen Institutionen der administrativen Ordnung ständig an Erfahrung und Einfluss gewinnen und dass sich die Pläne für die Errichtung der noch verbleibenden administrativen Gebäude am Bogen in einem fortgeschrittenen Zustand befinden,  dass diese hoffnungsvollen Bedingungen die Gestaltung jener dynamischen, von Shoghi Effendi vorausgeschauten gleichzeitigen Abläufe sichtbar werden lassen, kann kein ehrlicher Beobachter in Abrede Stellen.

Als eine Gemeinde, die eindeutig bei der Vorhut der sich auf diesem Planeten am Werk befindlichen aufbauenden Kräfte steht, und als eine, die Zugang zu erwiesenem Wissen hat, soll man uns bei unseres Vaters Arbeit finden. Er wird aus Seinem glorreichen Zufluchtsort in der Höhe großzügige Ausgießungen Seiner Gnade auf unsere bescheidenen Bemühungen herabsenden und uns mit den unermesslichen Siegen Seiner erobernden Kraft erstaunen. Um die unaufhörlichen Segensgaben eines solchen Vaters werden wir weiterhin für jeden einzelnen von Ihnen an der Heiligen Schwelle flehen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit


Ridván 1989

An die Bahá’ís der Welt

Innig geliebte Freunde,

Der geistige Strom, der die Internationale Bahá’íTagung während des letzten RidvánFestes so wirkungsvoll elektrisierte, ist jetzt durch die gesamte Weltgemeinde gegangen und hat ihre Mitglieder im Osten wie im Westen zu heldenhaften Tätigkeiten und zu Errungenschaften in der Lehrarbeit wie nie zuvor in einem einzigen Jahr auferweckt. Allein das hohe Niveau der Neuerklärungen bestätigt dies: Fast eine halbe Million neuer Gläubiger wurden bis jetzt gemeldet. Ins Auge springen Namen so weit auseinanderliegender Länder wie Indien und Liberia, Bolivien und Bangladesch, Taiwan und Peru, die Philippinen und Haiti, wenn wir nachdenken über die sich häufenden Beweise des Eintritts in Scharen, zu dem unsere Botschaft im vorigen Jahr aufgerufen hatte. Diese Beweise sind hoffnungsvolle Vorzeichen einer künftigen weiteren Beschleunigung, in die alle nationalen Gemeinden ungeachtet des derzeitigen Standes ihrer Lehrbemühungen letztlich einbezogen sein werden.

Mit Gefühlen demütiger Dankbarkeit und gehobener Erwartung schauen wir auf die erstaunlichen Entwicklungen in einem so kurzen Zeitraum zurück. Eine dieser Entwicklungen war die Annahme des Architektenentwurfs von Fariburz Sahba für die Terrassen unter dem Schrein des Báb - ein neuer Schritt zur Verwirklichung der Vision des Meisters und des Hüters für den Stufenweg, auf dem die Könige und Herrscher den Hang des Berges Karmel emporsteigen werden, um an der Ruhestatt von Bahá’u’lláhs MärtyrerHerold zu huldigen. Weitere Entwicklungen umfassen: die Annahme des von einer Anzahl Bahá’í aus 'Ishqabad unterbreiteten Antrags auf Wiedererrichtung des dortigen Geistigen Rates durch die Moskauer Zentralbehörden; die Einleitung von Schritten zur Eröffnung eines Bahá’í-Informationszentrums in Budapest als erste derartige Vertretung des Glaubens im Ostblock; die Errichtung einer Zweigstelle des Büros für öffentliche Information der Internationalen Bahá’í Gemeinde in Hongkong als Vorbereitung auf die Zeit, da der Glaube im chinesischen Mutterland verbreitet werden kann.

Ebenfalls herausragend unter diesen Entwicklungen waren die erfolgreiche Mitwirkung der Internationalen Bahá’í-Gemeinde an der Patenschaft für das Programm »Künste für die Natur« in London zugunsten der Arbeit des »World Wide Fund for Nature«; die Genfer Unterzeichnung eines Abkommens über die Errichtung formaler Arbeitsbeziehungen zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Bahá’íGemeinde; die offizielle Billigung eines Bahá’í-Lehrplans für Schulen im australischen New South Wales; der unermeßliche Besucherstrom am Tempel in NeuDelhi, der auf etwa vier Millionen seit der Einweihung dieses Gebäudes im Dezember 1986 angewachsen ist und eine ungewöhnliche Zahl hoher Regierungsbeamter und anderer prominenter Persönlichkeiten aus vielen Ländern einschließt, darunter China, die Sowjetunion und andere Ostblockländer. Mit den vielen anderen Glanzpunkten dieses einen Jahres fließen die genannten Entwicklungen zu einem Gesamtregister der bisherigen Errungenschaften des Sechsjahresplanes zusammen, das ein dynamisches Bild beschleunigter Aktivität in der ganzen Bahá’íWelt wiedergibt.

Niemand kann diesen wundersamen Fortschritt erwähnen, ohne den geistigen wie gesellschaftlichen Impuls anzuerkennen, der durch die unseren iranischen Mitgläubigen mit grausamen Exzessen zugefügte, nunmehr zehnjährige Verfolgungszeit entstanden ist. Erst in der Zukunft werden die vollen Konsequenzen ihres Opfers erkannt werden, aber seinen Einfluss auf die außerordentlichen Erfolge bei der Proklamation des Glaubens und beim Aufbau guter Beziehungen zu Staatsbehörden und zu den wichtigsten Nicht-RegierungsOrganisationen auf der ganzen Welt können wir klar erkennen. Mit hocherfreuter Dankbarkeit verkünden wir deshalb die Freilassung der großen Mehrzahl der gefangenen Bahá’í im Iran. Bei aller Freude können wir aber nicht vergessen, dass die volle Befreiung der iranischen Bahá’íGemeinde und die umfassende Sicherung der Menschenrechte ihrer Mitglieder noch ausstehen. In der Freude dieses Augenblicks entbieten wir den beiden zu diesem Ridvá-Fest neu gebildeten Nationalen Geistigen Räten ein herzliches Willkommen: Der eine ist Macau in Südostasien, der andere GuineaBissau in Westafrika.

Im wirren Düster der heutigen gesellschaftlichen Lage erkennen wir den fernen, schwachen Schimmer einer langsamen und doch bestimmten Annäherung an den Höhepunkt der drei parallelen Prozesse, die unser geliebter Hüter vorausgeschaut hat: das Sichtbarwerden des Geringeren Friedens, die Errichtung der Gebäude am Bogen auf dem Berg Karmel und die Entwicklung der nationalen und örtlichen Geistigen Räte. Tatsächlich ist uns dieser immer noch so weit entfernte Schimmer während des ganzen Sechsjahresplanes, in dieser vierten Epoche des Gestaltenden Zeitalters, vor allem aber im jüngst verflossenen Jahr immer näher gekommen. Wer hätte sich selbst zu Beginn dieses Planes den plötzlichen Bewusstseinswandel vorstellen können, der politische Führer an besonders unruhigen Plätzen dieses Planeten dazu bewegte, scheinbar fest gemauerte Positionen zu verlassen - einen Wandel, der die Leitartikler in den letzten Monaten zu der Frage veranLasste: »Bricht der Frieden aus?« Jeden Beobachter, der sich des göttlichen Quells solcher Ereignisse bewusst ist, muss die Entwicklung sicherlich ermutigen, obwohl die genauen Umstände für die Errichtung des Geringeren Friedens uns unbekannt sind; selbst die genaue Zeitfolge ruht verborgen in Gottes Großem Plan.

Die beiden anderen Prozesse sind jedoch unmittelbar von dem Ausmaß beEinflusst, in dem die Anhänger Bahá’u’lláhs ihre klar vorgezeichneten Aufgaben erfüllen. Wir haben allen Grund, uns ein Herz zu fassen. Sind nicht die Architektenentwürfe für die verbliebenen Bauten am Bogen angenommen worden? Sind nicht die Detailplanungen für ihre Verwirklichung als herrliche Monumente in Angriff genommen? Waren wir nicht Zeugen der wachsenden Kraft nationaler wie örtlicher Geistiger Räte bei ihrem Geschick, Pläne zu entwickeln und auszuführen, bei ihrer Fähigkeit, mit Staatsbehörden und gesellschaftlichen Organisationen zu verkehren, öffentliche Anfragen an ihre eigenen Dienste zu beantworten und mit anderen bei Projekten der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung zusammenzuarbeiten? Werden diese Räte nicht bestärkt durch die wachsame, liebevolle Hilfe der kontinentalen Berater, der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten, deren keimende Kräfte auf so fähige Weise vom Internationalen Lehrzentrum koordiniert werden - einer Institution, deren verstärkter Kreis von Mitgliedern bereits eine Begeisterung, eine Vision und eine Wendigkeit an den Tag legt, die lebhafte Bewunderung hervorrufen?

Aber erliegen wir nicht der Versuchung, bei den positiven Aspekten unseres Fortschritts zu verharren! Wir sollten uns von unseren Errungenschaften eher anspornen lassen, als uns darauf auszuruhen. Lassen Sie uns deshalb weiterhin unbeirrt und vertrauensvoll die großartigen Möglichkeiten ergreifen, welche das Gemisch jener weiter sich entwickelnden Prozesse und Ereignisse für die Umsetzung der Nahziele unserer heiligen Sache bereithält. Diese Nahziele sind in der Tat unter den Hauptaufgaben des Sechsjahresplanes bezeichnet. Die zweite Hälfte dieses Planzeitraums beginnen wir jetzt, voll bewusst, dass das Heilige Jahr 1992 - 1993 mit seinen bedeutsamen Gedenkveranstaltungen in nicht zu ferner Zukunft anbrechen wird.

In Verbindung mit der immer weiter ausgreifenden Lehrarbeit müssen wir bei Projekten von entscheidender Bedeutung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln fortfahren. Fortgesetzt werden die Vorarbeiten für die englische Ausgabe des Kitáb-i-Aqdas, des Mutterbuches der Bahá’íOffenbarung. Für angemessene Gedenkfeiern im Heiligen Land zum hundertsten Jahrestag des Hinscheidens Bahá’u’lláhs müssen schon heute Vorkehrungen getroffen werden. Die Planungen für den Weltkongreß 1992 in New York rücken im Arbeitsprogramm immer näher. Des weiteren muss der völligen Beseitigung des Analphabetentums aus der Bahá’í-Gemeinschaft systematische Aufmerksamkeit geschenkt werden, macht diese Errungenschaft doch über alle anderen Maßnahmen hinaus Gottes heiliges Wort allen Freunden zugänglich und stärkt sie in ihren Anstrengungen, ein Bahá’íLeben zu führen. Desgleichen muss die Unterstützung von Bemühungen, die Umwelt durch Verfahren im Einklang mit dem Lebensrhythmus unserer Gemeinschaft zu bewahren, mehr Bedeutung für die Bahá’íTätigkeiten gewinnen.

Für die Vorhaben am Berg Karmel ist das Amt eines Projektmanagers geschaffen worden; ein Stab von Technikern wird zur Zeit zusammengestellt. Geologische Untersuchungen der Gelände für die geplanten Bauten des Bogens sind eingeleitet - eine Voraussetzung für die Erdarbeiten, auf deren Beginn die ganze Bahá’íWelt wartet. So benutzen wir diese Gelegenheit, Sie davon in Kenntnis zu setzen, wie dringend die erforderlichen Mittel bereitgestellt werden müssen, damit die Bauarbeiten begonnen und dann zügig fortgesetzt werden können.

Allen diesen Anforderungen muss und wird sicherlich dadurch genügt werden, dass jedes gewissenhafte Mitglied der Gemeinschaft Bahás sich erneut dem Dienst an Seiner Sache weiht und sich vor allem persönlich für die Lehrarbeit einsetzt. Die Lehrarbeit ist von so hoher Bedeutung als sichere Erfolgsgrundlage für alle Bahá’íUnternehmungen und für die Förderung des Eintritts in Scharen, dass wir uns bewegt fühlen, Ihnen ein nachdrückliches Wort zur gründlichen Erwägung zu unterbreiten: Es genügt nicht die Bahá’íBotschaft zu verkünden, so wichtig dies auch ist. Es genügt nicht, die Bahá’íMitgliederzahlen in die Höhe zu treiben, so lebensnotwendig das auch ist. Seelen müssen verwandelt, Gemeinden dadurch gefestigt, neue Lebensmodelle auf diese Weise geschaffen werden. Die Verwandlung ist die eigentliche Absicht der Sache Bahá’u’lláhs, liegt aber im Wollen und Bemühen des einzelnen Gläubigen beschlossen, der sie im Gehorsam gegen das Bündnis erreichen muss. Notwendig für den Fortschritt dieser alles Leben erfüllenden Verwandlung ist die Erkenntnis des Willens und der Absicht Gottes durch das regelmäßige Lesen und Studieren des heiligen Wortes.

Geliebte Freunde! Die Schwungkraft aus den Errungenschaften des vergangenen Jahres teilt sich nicht nur durch die Gelegenheiten zur merklichen Ausweitung der Sache Gottes mit, sondern auch durch eine Fülle von bedeutungsschweren, eindrucksvollen, mannigfachen Herausforderungen, die in ihrer Verknüpfung unsere geistigen und materiellen Hilfsquellen über jedes bisherige Maß hinaus beanspruchen. Wir müssen bereit sein, ihnen zu antworten. Zur Halbzeit des Sechsjahresplanes sind wir jetzt an einem historischen Wendepunkt voll Hoffnungen und Möglichkeiten angelangt - einem Punkt, an dem sich bedeutsame Trends in der Welt genauer auf die Grundsätze und Ziele der Sache Gottes ausrichten. Gewaltig ist darum die Notwendigkeit für unsere Gemeinde, die Erfüllung ihrer weltumspannenden Mission voranzutreiben.

Unsere erste Antwort muss das Lehren sein - uns selbst zu lehren und andere zu lehren, auf allen Ebenen der Gesellschaft, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und ohne jeden Verzug. In einer Ermahnung zum Lehren sagte unser geliebter Meister: »Erst wenn die Kerze entflammt ist, kann sie ihren Schein verbreiten. Erst wenn das Licht erstrahlt kann sein Glanz das Dunkel der Umgebung vertreiben. So gehet denn hinaus und entzündet die kalten Kerzen!«

Unsere treue Liebe, unsere unentwegte Ermutigung, unsere ständigen, innigen Gebete begleiten Sie, wohin Sie auch gehen und was Sie auch tun, um unserem geliebten Herrn zu dienen.


Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Ridván 1988

An die Bahá’ís in der Welt

Herzlich geliebte Freunde,

In dieser strahlenden, festlichen Zeit grüßen wir Sie alle im Geiste erneuerter Hoffnung.

Ein Silberstreif im dunklen, die größte Zeit dieses Jahrhunderts überschattenden Bild erhellt nun den Horizont. Er ist in den neuen Strömungen, die die laufenden sozialen Prozesse in aller Welt vorantreiben, und in den Anzeichen einer beschleunigten Entwicklung zum Frieden erkennbar. Im Glauben Gottes ist es die wachsende Kraft der Ordnung Bahá’u’lláhs, während sein Banner sich zu immer stattlicheren Höhen erhebt. Es ist eine Kraft, die anzieht. Die Medien schenken der Bahá’íWeltgemeinde immer größere Aufmerksamkeit; Autoren erkennen ihre Existenz in einer immer größer werdenden Anzahl von Artikeln, Büchern und Nachschlagewerken an, eines der angesehensten von ihnen zählte den Glauben vor kurzem du der am weitesten verbreiteten Religion nach dem Christentum. Eine bemerkenswerte Entfaltung des Interesses an dieser Gemeinde von Regierungen, Behörden, herausragenden Persönlichkeiten und humanitären Organisationen wird immer stärker offenbar. Es werden nicht nur die Gesetze und Prinzipien, die Organisationsform und die Lebensart unserer Gemeinde geprüft, sondern auch ihr Rat und ihre aktive Unterstützung bei der Beseitigung von gesellschaftlichen Problemen und der Durchführung humanitärer Aktionen gesucht.

Eine begeisternde Konsequenz dieser vorteilhaften, miteinander verknüpften Entwicklungen ist das Sichtbarwerden neuer Muster von Möglichkeiten zum weiteren Wachstum und zur weiteren Festigung unserer weltweiten Gemeinde. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen haben sich neue Aussichten für das Lehren der Sache entfaltet. Diese werden durch jüngste Ergebnisse neuer Lehraktivitäten bestätigt, die vielerorts gefördert werden, da immer mehr nationale Gemeinden Zeuge der Anfänge jenes Eintritts in Scharen werden, der uns vom geliebten Meister versprochen wurde und von dem Shoghi Effendi sagte, dass dies zur Massengewinnung führen würde. Die unmittelbaren Möglichkeiten dieser durch die Vorsehung bewirkten Situation zwingen uns zu der Erwartung, dass die Ausbreitung der Gemeinde des Größten Namens, so wie sie noch nie dagewesen ist, tatsächlich bevorsteht.

Der Funke, der das wachsende Interesse an der Sache Bahá’u’lláhs entzündete, war die heldenhafte Standhaftigkeit und Ausdauer der geliebten Freunde im Iran, die die Bahá’íWeltgemeinde dazu bewegte einen ständigen, sorgfältig koordinierten Appell an das Weltgewissen zu richten. Diese große Aktion, die die gesamte Gemeinde, in ihrem Handeln in der administrativen Ordnung geeint, einbezog, wurde von gleichermaßen wirksamen und sichtbaren Aktivitäten dieser Gemeinde in anderen Gebieten begleitet, die bereits anderweitig erwähnt wurden. Gleichwohl fühlen wir uns veranLasst zu erwähnen, dass ein wichtiges Ergebnis dieser ausgedehnten Bemühungen unsere Anerkennung einer neuen Phase in den auswärtigen Angelegenheiten unseres Glaubens ist, gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Reifung der Nationalen Geistigen Räte in ihren wachsenden Beziehungen mit Regierungen und nichtstaatlichen Organisationen sowie zu der Öffentlichkeit im allgemeinen.

Durch diese Anerkennung wurde im vergangenen November in Deutschland ein Treffen veranLasst, zu dem sich nationale Bahá’íRepräsentanten in auswärtigen Angelegenheiten aus Europa und Nordamerika und leitende Vertreter der Abteilungen der Internationalen Bahá’íGemeinde versammelten, um eine stärkere Abstimmung ihrer Arbeit zu erreichen. Dies war ein erster Schritt, um nach und nach weitere Nationale Geistige Räte in ein harmonisch funktionierendes internationales Netzwerk zu integrieren, das fähig ist, weltweite Unternehmungen in diesem sich rasch ausbreitenden Feld auszuführen. Mit diesen Entwicklungen verbunden war im letzten Oktober die herausragende Errungenschaft der internationalen Anerkennung des Glaubens durch die formelle Aufnahme in das Netzwerk für Umweltschutz und Religionen des angesehenen »World Wide Fund for Nature«.

Während einer der dunkelsten Abschnitte der fortwährenden Unterdrückung der innig geliebten, unerschütterlich standhaften Freunde im Iran fühlte sich Shoghi Effendi bewegt, sie in einem mit erstaunlicher Einsicht verfassten Brief zu trösten. »Es ist das Vergießen des geheiligten Blutes der Märtyrer in Persien«, schrieb er, »das in dieser strahlenden Ära, dieser leuchtenden und edelsteinbesetzten Bahá’íEpoche das Antlitz dieser Erde in den höchsten Himmel verwandeln und, wie in den Sendschreiben offenbart, das Tabernakel der Einheit der Menschheit im Herzen der Welt errichten wird; es wird die Wirklichkeit der Einheit der Menschenrasse den Augen enthüllen, den Größten Frieden errichten und aus diesem niedrigen Reich eine Widerspiegelung des AbháParadieses machen, und vor den Völkern der Welt - erhaben über jeden Zweifel - die Wahrheit des Verses begründen: '...der Tag an dem die Erde in eine andere Erde verwandelt werden wird’. « Betrachtungen wie diese, die derart wunderbare, künftige Auswirkungen der schrecklichen Leiden aufzeigen, denen unsere iranischen Freunde ausgesetzt sind, beleuchten die Gelegenheit und Herausforderung, denen wir uns alle in diesem entscheidenden Zeitpunkt in den Geschicken der Sache gegenübersehen.

Die großen, bereits begonnenen Projekte müssen ihrer Vollendung zugeführt werden. Die Terassen unterhalb und oberhalb des Schreins des Báb und der Bogen am Berg Karmel sind zu vollenden und werden so die herrliche Vision der Entfaltung von Gottes heiligem Berg erfüllen. Der zweite Weltkongress muss in der Stadt des Bündnisses abgehalten werden, um den hundertsten Jahrestag der Einführung dieses Bündnisses zu feiern. Die ständig fortschreitende Arbeit an der Übersetzung und Kommentierung des Kitáb-i-Aqdas, des Heiligsten Buches, muss zur Veröffentlichung hingeführt werden. Das Interesse, das die Freunde am Gesetz des Huqúq’ulláh zeigen, muss gefördert werden. Pioniere und Reiselehrer müssen hinausschwärmen. Die Ausgaben der Sache müssen beglichen werden. Alle Ziele des Sechsjahresplanes müssen erfüllt werden.

Das alles überragende Ziel jeder Bahá’íAktivität ist jedoch das Lehren. Alles was bisher getan wurde oder künftig getan werden wird, bezieht sich auf diese zentrale Tätigkeit, den »Grundstein des Fundamentes selbst«, von dem sämtlicher Fortschritt der Sache abhängt. Die jetzige Herausforderung verlangt ein Lehren von einem Ausmaß und einer Qualität, einer Vielfalt und Intensität, das alle bisherigen Anstrengungen überragt. Jetzt ist die Zeit, damit bei den rasch wechselnden Launen einer rasenden Welt die Gelegenheit nicht verlorengeht. Man soll jedoch nicht glauben, dass Zweckmäßigkeit das wesentliche Motiv ist, dem dieses Gefühl der Dringlichkeit entspringt. Da ist ein alles überragender Grund: es ist die beklagenswerte Lage der großen Mehrheit der Menschen, die leidend und in großer Unruhe nach Aufrichtigkeit hungern, aber »der Einsicht beraubt sind, Gott mit eigenen Augen zu sehen, oder Seine Weise mit eigenen Ohren zu hören«. Sie müssen gespeist werden. Eine Zukunftsvision muss wiederhergestellt werden, wo Hoffnung verlorengegangen ist; Zuversicht muss aufgebaut werden, wo Zweifel und Verwirrung herrschen. In diesem und in anderem Zusammenhang wurde »Die Verheißung des Weltfriedens« geschaffen, um den Weg zu öffnen. Ihre Überreichung an die führenden Staatsmänner ist praktisch abgeschlossen; ihr Inhalt muss nun mit allen möglichen Mitteln den Menschen überall und in allen gesellschaftlichen Bereichen übermittelt werden. Dies ist ein notwendiger Bestandteil des Lehrens in der heutigen Zeit und muss mit unvermindertem Nachdruck vorangetrieben werden.

Das Lehren ist die Nahrung des Geistes; es bringt Leben zu den unerweckten Seelen und erhebt den neuen Himmel und die neue Erde; es errichtet das Banner einer geeinten Welt; es sichert den Sieg des Bündnisses und bringt denen, die ihm ihr Leben geben, das himmlische Glück, das Wohlgefallen ihres Herrn erreicht zu haben.

Jeder Gläubige - Männer wie Frauen, Jugendliche wie Kinder - ist auf dieses Feld des Handelns gerufen, denn es liegt an der Initiative und dem entschlossenen Willen des Einzelnen, zu lehren und zu dienen, von dem der Erfolg der gesamten Gemeinde abhängt. Wohlbegründet im mächtigen Bündnis Bahá’u’lláhs, gefestigt durch tägliches Gebet und Lesen des Heiligen Wortes, gestärkt durch das fortwährende Streben ein tieferes Verständnis der göttlichen Lehren zu erreichen, erleuchtet durch das ständige Bemühen, diese Lehren mit den Themen der Zeit in Beziehung zu setzen, genährt durch die Beachtung der Gesetze und Prinzipien Seiner wunderbaren Weltordnung, kann jeder einzelne ein wachsendes Maß an Erfolg im Lehren erreichen. Der letztliche Triumph der Sache ist, zusammengefasst, durch jenes »eine«, und nur jenes »eine« zugesichert, das von Shoghi Effendi so eindringlich betont wurde, nämlich »das Ausmaß, in dem unser eigenes inneres Leben und unser persönlicher Charakter in ihren vielfältigen Ausprägungen den Glanz jener ewigen, von Bahá’u’lláh verkündeten Prinzipien widerspiegeln«.

Geliebte Freunde, - Sie, die Sie von unserem Höchst Geliebten, der Gesegneten Schönheit, als der »Trost für das Auge der Schöpfung«, als das »sanft fließende Wasser, von dem das eigentliche Leben aller Menschen abhängt«, angesprochen sind - wir fordern Sie mit aller Ernsthaftigkeit und unserer tiefsten Überzeugung von der Reife dieses Zeitpunkts auf, jedes unbedeutende Bedenken beiseite zu legen und Ihre Kräfte auf das Lehren Seiner Sache zu lenken - um sie zu verkünden, auszubreiten und zu festigen. Sie dürfen Ihre Aufgabe in voller Zuversicht angehen, dass dieses deutlich vor Ihnen ausgebreitete Feld des Fortschritts dem Wirken jener »göttlich geborenen Macht« entspringt, die »im innersten Sein aller erschaffenen Dinge pulsiert« und die, »handelnd sogar als ein zweischneidiges Schwert, unter unseren eigenen Augen einerseits die uralten Bande zerreißt, die seit Jahrhunderten das Gewebe der zivilisierten Gesellschaft zusammenhalten, und andererseits die Fesseln löst, die noch immer den jungen und noch unfreien Glauben Bahá’u’lláhs zügeln.«

Haben Sie weder Furcht noch Zweifel. Die Macht des Bündnisses wird Ihnen helfen, Sie beleben und jedes Hindernis auf Ihrem Weg beseitigen. »Er wird wahrlich jedem helfen der Ihm hilft, und jedem gedenken der an Ihn denkt.« Sie haben unsere anhaltende Zusicherung unserer innigen und ständigen Gebete für Sie alle.


Das Universale Haus der Gerechtigkeit
1 Vorläufige Übersetzung: Der Ruf des Herrn der Heerscharen
2 Mit Schreiben vom 15. April 1999 teilte das Universale Haus der Gerechtigkeit seine Entscheidung mit, aufgrund der derzeitigen Bedingungen in Mazedonien die Bildung des Nationalen Geistigen Rates von Mazedonien zu verschieben.
3 Ohne den Nationalen Geistigen Rat von Mazedonien 181.
Ridván-Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit ab 1988 Seite:2 von 80




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