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UNIVERSALES HAUS DER GERECHTIGKEIT

Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens

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Aus Schriften und Briefen
von Bahá'u'lláh, Abdu'l-Bahá, Shoghi Effendi und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit

Deutsch nach der englischen Vorlage, »Prominent People«. Extracts from the Bahá'í Writings and Letters Written by or on behalf of Shoghi Effendi and The Universal House of Justice, Compiled by the Research Department of the Universal House of Justice, September 1990

(c) Bahá'í-Verlag GmbH, Langenhain 1992 ISBN 3-87037-288-5 [451-23]



Inhalt

1. Von der Wichtigkeit, »bedeutende Seelen zur Sache« zu führen 5

2. Einige Richtlinien zur Kontaktaufnahme mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens

2.1. »Freundschaftsbande knüpfen« 15

2.2. Haltung und Verfahrensweisen 20

2.3. Die Rolle der Geistigen Räte 31

2.4. Das kluge Verhalten 36










1. Von der Wichtigkeit, »bedeutende Seelen zur Sache zu führen«

Aus den Schriften Abdu'l-Bahás

+1

Ich hoffe, daß du dich bemühen wirst, einige hochgestellte und einflußreiche Personen zu lehren, denn die Herzen der Menschen sind zur Sache Gottes hingezogen und ihre Seelen sind durch ihre ehrfurchtgebietende Erhabenheit verblüfft und bezaubert. Auch diejenigen, die hohe Ämter bekleiden, sind für ihre Botschaft in hohem Maße empfänglich geworden. Die Geliebten Gottes sollten sich daher entschlossen anstrengen und diese bedeutenden Seelen zur Sache führen.

(Abdu'l-Bahá an einen Gläubigen; aus dem Persischen übersetzt)


+2

Du sollst immer danach trachten, bedeutende Persönlichkeiten zu führen, da eine solche Person, wenn sie erst zu neuem Leben erweckt ist, wahrscheinlich die Neubelebung von tausend Seelen bewirken wird. So könnte der Geist der Wahrheit ungehindert einer Vielzahl von Menschen in Venen und Arterien fließen.

(Abdu'l-Bahá an einen Gläubigen; aus dem Persischen übersetzt)


+3

Daher solltest du danach trachten, einflußreichen Personen die Botschaft zu übermitteln und gelehrten und verdienten Menschen Führung zu geben, damit im Iran weise und kluge Seelen erweckt werden, die sich eifrig um das Wohl des Staates wie um das Wohlergehen der Bevölkerung bemühen und Tag und Nacht emsig dafür arbeiten, daß ihre große Nation ihre frühere Pracht wiedererlange und für alle Welt sichtbar den Ruhm der Kíyáníyán-Könige wiederherstelle, und daß ihr bedeutendes Volk unter der Menschheit mit außergewöhnlichem Glanz erstrahle und auf Dauer zu Glück und Zufriedenheit gelange.

(Abdu'l-Bahá an eine Gruppe von Gläubigen; aus dem Persischen übersetzt.)


+4

Du solltest dem Lehren große Wichtigkeit beimessen und über Wege nachdenken, die Botschaft bedeutenden Persönlichkeiten zu übermitteln, denn diese Personen werden, wenn sie sich erst zum Glauben bekannt haben, zur Ursache dafür, daß andere Menschen in Scharen zur Quelle unfehlbarer Führung geleitet werden.

(Abdu'l-Bahá an einen Gläubigen; aus dem Persischen übersetzt)


Aus Briefen Shoghi Effendis oder in seinem Auftrag

(An einzelne Gläubige, wenn nicht anders vermerkt)

+5

Es obliegt den Bahá'í, die günstigen Gelegenheiten der gegenwärtigen Stunde zu ergreifen und mit Weisheit, mit fester Entschlossenheit und freudig die Grundwahrheiten ihres Glaubens der Aufmerksamkeit eines jeden verständigen Menschen, den sie zum Zuhören bereit finden, zu übermitteln, indem sie ihm die edlen Prinzipien des Glaubens, seine universalen Lehren, seine maßgebenden Leitgedanken und die grundlegenden Gesetze des neuen, von Bahá'u'lláh eröffneten Zeitalters erklären. Gleicherweise müssen sie ihren Mitbürgern - ob hoch oder niedrig - klar und überzeugend die Notwendigkeit darlegen, die strahlenden Lehren der Universalen Manifestation Gottes anzunehmen und anzuerkennen; sie müssen den Führern ihres Landes zeigen, daß die Einheit, Kraft und geistige Lebendigkeit der Bahá'í-Gemeinde offenbare und reale Wirklichkeiten sind; sie müssen die Auswirkungen von Vorurteilen, Aberglauben, Mißverständnissen und allen eingebildeten, falschen Vorstellungen in den Herzen reiner, rechtschaffener Menschen tilgen und auslöschen; sie müssen, mit welchen Mitteln und auf welchen Wegen auch immer, befähigte, erfahrene und ergebene Personen zur Gemeinde des Größten Namens hinziehen - Personen, die sich den Reihen der Gläubigen anschließen, sich von jeder fremden Verhaftung lösen, sich aufrichtig mit der festgegründeten Bahá'í-Gemeinde dortzulande identifizieren und sich mit Leib und Seele anstrengen, die Grundlagen der Bahá'í-Lehre zu festigen und die frohe Botschaft des Verheißenen Tages zu verkünden.

Bezüglich der Bahá'í-Alphabetisierungsklassen: Daß sie in der gegenwärtigen Zeit fortgesetzt werden, ist ein unschätzbarer Dienst, nützlich und auch wünschenswert. Desgleichen sind Kontakte und die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zu Regierungsvertretern und anderen auf nationaler Ebene verdienten Persönlichkeiten eine Angelegenheit, die von den Freunden als bindende Verpflichtung betrachtet werden sollte.

(Shoghi Effendi am 2. November 1928 an den Zentralen Geistigen Rat Iran; aus dem Persischen übersetzt)


+6

Shoghi Effendi war erfreut, von Ihrem Gespräch mit Sir ... zu hören. Er hofft sehr, daß solche Gelehrten den Geist und die Lehren der Sache wahrhaft begreifen und sich erheben, den Schleier falscher Auffassungen zu zerreißen, der sich nachteilig auf die Denkweise der Gelehrten in der westlichen Welt auswirkt. Die Sache Gottes bedarf dringend derart fähiger und geistig gesinnter Menschen, die nach sorgfältigem Studium der Bewegung die Frucht ihrer Mühen der Welt mitteilen.

(In Shoghi Effendis Auftrag am 11. März 1929)


+7

... er meint, daß es darauf ankommt, Personen mit wahrer Auffassungsgabe und Befähigung, welcher sozialen Schicht sie auch angehören, im Glauben zu festigen, denn die Bahá'í-Sache benötigt jetzt und künftig in stetig steigendem Maße hochbefähigte Seelen, die die Sache in die breite Öffentlichkeit tragen, ihre stetig wachsenden Angelegenheiten verwalten und zu ihrem Fortschritt auf jedem Gebiet beitragen können.

(In Shoghi Effendis Auftrag am 30. Oktober 1941)


+8

Je mehr Menschen von Begabung den Glauben annehmen, desto höher wird das Niveau der ganzen Gruppe.

(In Shoghi Effendis Auftrag am 17. Juni 1942)


+9

Die Sache Gottes hat für alle Platz. Sie wäre in der Tat nicht die Sache Gottes, wenn sie nicht jeden aufnähme und willkommen hieße - Arme und Reiche, Gebildete und Unwissende, Unbekannte und Hervorragende - Gott wünscht sie alle, da Er sie alle erschaffen hat.

(In Shoghi Effendis Auftrag am 10. Dezember 1942)


+10

Er war sehr erfreut zu hören..., daß Ihr Empfang so erfolgreich war und Sie nun den Eindruck haben, daß hochgestellte Personen anfangen, aus dem Schlaf zu erwachen und das Licht Bahá'u'lláhs zu sehen. Die Zeit muß kommen, daß sie es tun - es scheint nur die Frage zu sein, wie rasch.
Viel hängt auch davon ab, ob wir im Glauben genügend Menschen haben mit wirklicher Befähigung, einen Kristallisationskern zu bilden, der ähnliche Seelen anzieht ...

(In Shoghi Effendis Auftrag am 22. November 1949)


+11

Er hofft, daß Ihr Kontakt zu Häuptling ... sich als fruchtbar erweist und sich sein Herz für die Botschaft, die Sie ihm überbrachten, öffnen wird. Es wäre ein großer Gewinn für den Glauben, wenn ein bedeutender Häuptling eines Stammes ihn annähme und sich erhöbe, ihm zu dienen.

(In Shoghi Effendis Auftrag am 31. Mai 1952)



Aus Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

+12

... ist es eine der wichtigsten Pflichten jedes Nationalen Geistigen Rates, die geistigen Führer und bedeutenden Männer und Frauen in seinem Land mit den grundlegenden Zielen, der Geschichte, dem gegenwärtigen Stand und den Leistungen des Glaubens bekanntzumachen. Ein solches Unternehmen muß mit äußerster Weisheit, mit Feingefühl und Würde durchgeführt werden.

(2. Juli 1967 an alle Nationalen Geistigen Räte, veröffentlicht in: Wellspring of Guidance, Messages 1963-1968, Wilmette 1976, p.117)


+13

Das überragende Ziel der Lehrarbeit zur jetzigen Zeit ist, die Botschaft Bahá'u'lláhs in jede Schicht der menschlichen Gesellschaft und in alle Lebenskreise hineinzutragen. Oft kommt eine begierige Antwort auf die Lehren aus ganz unerwarteter Richtung, und jeder Widerhall dieser Art sollte rasch aufgegriffen werden, denn der Erfolg auf fruchtbarem Boden erregt das Interesse derer, die zunächst achtlos blieben.

Nicht jeder wird mit der gleichen Art der Darbietung anzusprechen sein; die Methode der Einführung und Erläuterung muß sich vielmehr nach den Anschauungen und Interessen des Hörers richten. Wenn die Einführung so angelegt ist, daß sie jedermann ansprechen soll, wird sie in der Regel das Mittelfeld anziehen, während die beiden Extreme unberührt bleiben. Keine Mühe darf gescheut werden, um sicherzustellen, daß das heilende Wort Gottes die Reichen und die Armen erreicht, die Gebildeten und die Analphabeten, die Alten und die Jungen, den Frommen und den Gottesleugner, den Bewohner entlegener Bergregionen und Inseln, den Einwohner brodelnder Städte, den Geschäftsmann im Vorortbereich, den Arbeiter in den Elendsquartieren, den Angehörigen eines Nomadenvolkes, den Bauern, den Universitätsstudenten - alle müssen gewissenhaft in die Lehrpläne der Bahá'í-Gemeinde einbezogen werden.

(31. Oktober 1967 an alle Nationalen Geistigen Räte, veröffentlicht in: Wellspring of Guidance, Messages 1963-1968, Wilmette 1976, p.124)


+14

In dem Prozeß der zunehmenden Anerkennung der Sache Gottes und in der Pflege herzlicher Beziehungen zu zivilen Behörden hat es bemerkenswerte Fortschritte gegeben - ein Vorgang von lebenswichtiger Bedeutung in dieser Zeit, da der Widerstand gegen den Glauben von seiten derjenigen zunimmt, die seine wahre Natur und Absicht mißdeuten und über seinen Fortschritt in Angst geraten.

(Ridván 1978 an die Internationale Bahá'í-Tagung)


+15

Und doch haben diese unheilvollen Geschehnisse (Der »Verlust von sechs Händen der Sache« und die »Wellen bitterer Verfolgung« gegen die Bahá'í-Gemeinde im Iran) neue Kräfte in den Herzen der Freunde erweckt, die tiefen Wurzeln der Sache gestärkt und eine reiche Ernte an bemerkenswerten Siegen bewirkt. Die bedeutendsten sind der erfolgreiche Abschluß des Fünfjahresplanes und der Beginn des Siebenjahresplanes, der sich nun im letzten Jahr seiner zweiten Phase befindet, sowie eine noch nie dagewesene Proklamation des Glaubens bei Staatsoberhäuptern, Parlamenten und Abgeordneten, Ministern und hohen Beamten, führenden Denkern und bedeutenden Persönlichkeiten aus verschiedensten Berufsgruppen. Dies hat auch eine Änderung in der Haltung der Massenmedien bewirkt, die sich nun zunehmend an uns wenden, um Informationen über die Sache zu erhalten. ...

Die wachsende Reife einer weltweiten Religionsgemeinschaft, die sich in all diesen Entwicklungen zeigt, kommt auch darin zum Ausdruck, daß mehrere nationale Gemeinden auf das soziale und wirtschaftliche Leben ihrer Länder einzuwirken beginnen, indem sie zum Beispiel private Grundschulen gründen, Radiosender einrichten, ländliche Entwicklungsprogramme betreiben und medizinische und landwirtschaftliche Vorhaben durchführen. Neben diesen ersten Ansätzen müssen die im Gefolge der iranischen Krise erworbenen unleugbaren Fähigkeiten im Umgang mit internationalen Organisationen, nationalen Regierungen und Massenmedien erwähnt werden - eben jenen Teilen der Gesellschaft, mit denen die Bahá'í-Gemeinde auf dem Weg zur Verwirklichung des Weltfriedens wird verstärkt zusammenarbeiten müssen.

(Ridván 1983 an die Bahá'í der Welt)


+16

Das Erscheinen der Sache Gottes auf der Weltbühne wurde offenkundig durch eine Reihe öffentlicher Erklärungen, die uns charakterisierten als »vorbildliche Staatsbürger«, als »liebenswürdig«, »gesetzestreu«, »nicht schuldig an irgendwelchen politischen Unruhen oder Verbrechen« - alles vortrefflich, aber völlig unzureichend in bezug auf das wirkliche Wesen des Glaubens, seine Zielsetzungen und Vorhaben. Immerhin sind die Leute bereit, etwas über den Glauben zu erfahren, und diese Gelegenheit muß ergriffen werden. Mit ständig steigenden Anstrengungen müssen die führenden Persönlichkeiten der Welt in allen Lebensbereichen mit dem wahren Wesen der Offenbarung Bahá'u'lláhs als einziger Hoffnung für die Befriedung und Vereinigung der Welt vertraut gemacht werden. Zu einem solchen Programm brauchen wir zugleich den unablässigen, tatkräftigen Einsatz in der Lehrarbeit, so daß wir als wachsende Gemeinde erkannt werden, ferner das generelle Einhalten der Bahá'í-Gesetze im persönlichen Leben aller Freunde, wodurch die ganze Fülle des Bahá'í-Lebens aufgezeigt wird und das Verlangen entsteht, selbst daran teilzuhaben. Wenn all dies zusammenwirkt, wird das Bild, das sich die Öffentlichkeit vom Glauben macht, langsam aber stetig dessen wahrem Wesen immer ähnlicher. ...

Ohne Zweifel wird der Fortschritt der Sache von jetzt an von einer immer intensiveren Beziehung zu den Organisationen, Aktivitäten, Institutionen und führenden Persönlichkeiten der Nicht-Bahá'í-Welt geprägt sein. Wir werden größeres Gewicht bei den Vereinten Nationen gewinnen, in Regierungsberatungen allmählich eine Rolle spielen, wir werden zur vertrauten Größe für die Medien, zum Gegenstand des Interesses für die Gelehrten werden und dabei unausweichlich den Neid erfolgloser Institutionen auf uns ziehen. Uns vorbereiten und antworten auf diese Situation müssen wir, indem wir uns ständig im Glauben vertiefen, unerschütterlich festhalten an seinen Prinzipien der Enthaltung von Parteipolitik und des Abbaus aller Vorurteile, und vor allem, indem wir zunehmend seine Grundwahrheiten und seine Bedeutung für die moderne Welt begreifen.

(Ridván 1984 an die Bahá'í der Welt)





2.
Einige Richtlinien
zur Kontaktaufnahme mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens
2.1. »Freundschaftsbande knüpfen«

Aus den Schriften Abdu'l-Bahás

+17

Einige der Geliebten sollten Freundschaftsbande mit bekannten Persönlichkeiten ihres Landes knüpfen und ihnen die liebevollste Aufmerksamkeit widmen. Auf diese Weise könnten diese Menschen mit der Bahá'í-Lebensweise vertraut werden, von den Lehren des Gnadenvollen hören und über den durchdringenden Einfluß des Wortes Gottes in aller Welt unterrichtet werden. Wenn auch nur eine dieser Seelen sich zur Sache hingezogen fühlte, würden andere bald ähnlich bewegt, denn das Volk neigt dazu, in die Fußstapfen seiner Anführer zu treten.

(Abdu'l-Bahá an einen Gläubigen; aus dem Persischen übersetzt)


+18

Ihr solltet euch bemühen, den Kreis derer zu erweitern, mit denen ihr euch freundschaftlicher Beziehungen erfreut, und engsten Kontakt zu jenen wohltätigen Seelen aufzubauen, deren einziges Bestreben es ist, Gutes zu tun, die an der Sache des universellen Friedens arbeiten und die keinen anderen Wunsch hegen, als die Vereinigung der Menschheit zu erleben. Ihr solltet Umgang mit derartigen Menschen suchen, damit ihr sie mit dem Bewußtsein des himmlischen Königreichs erfüllet; denn obgleich sie die edelsten Beweggründe haben, erkennen sie doch nicht, daß alle irdischen Mächte unfähig sind, den universellen Frieden zu errichten oder die Einheit des Menschengeschlechts ins Werk zu setzen. Nichts Geringeres als die Macht des Wortes Gottes und der Odem des Heiligen Geistes kann hierbei je Erfolg haben.

(Abdu'l-Bahá an einen Geistigen Rat; aus dem Persischen übersetzt)





Aus Briefen im Auftrag Shoghi Effendis

(An einzelne Gläubige, wenn nicht anders vermerkt.)

+19

Unser Hüter hofft und betet, daß Sie in Ihrem Bemühen geführt werden, bei dem Bankett verschiedene prominente Bürger verschiedener Rassen und Religionen mit der alleinigen Absicht zusammenzuführen, sie schließlich für die Anerkennung von Gottes geheiligtem Glauben zu gewinnen. Sie müssen die universellen Aspekte der Bahá'í-Sache hervorheben und allen größte Freundlichkeit und Liebe erweisen zur Vorbereitung ihrer schließlichen Annahme der gesamten Wahrheit.

(8. Oktober 1927)


+20

Einige Einzelheiten waren für ihn von großem Interesse, insbesondere jener Abschnitt, der von den Beziehungen berichtet, die Sie zu bedeutenden Personen anknüpften, und wie Sie diese einluden, auf Ihren Zusammenkünften zu sprechen. Dies ist ein wirksamer Weg, die Menschen an der Förderung des Glaubens aktiv zu beteiligen und ihr Wissen über seinen Geist und seine grundlegenden Lehren zu vertiefen.

Shoghi Effendi hofft, daß sie eines Tages als ergebene Diener hervortreten und ihr Leben dem Glauben weihen werden ... es gibt bedeutende Persönlichkeiten, die Freunde und Bewunderer der Sache sind, die es aber aufgrund ihrer naturgemäß zurückhaltenden und vorsichtigen Einstellung gegenüber allem Neuen vorziehen, lieber Zuschauer als eifrige Verfechter zu sein. Sie können jedoch diese unbeteiligte Geisteshaltung nicht beibehalten; eines Tages werden sie ungewollt zum Glauben hingezogen ...

Er sendet Ihnen zwei Exemplare von »The Dawn-Breakers«, damit sie zwei bedeutenden Freunden der Sache überreicht werden. Eines der beiden soll Sir ... in Anerkennung der Dienste, die er uns erwiesen hat, überreicht werden ... Dies ist eine Möglichkeit, das Interesse solcher bedeutenden Persönlichkeiten am Fortschritt des Glaubens wachzuhalten. Vielleicht werden sie sich eines Tages aktiv beteiligen.

(6. Mai 1932)


+21

Er war auch sehr erfreut darüber, daß die Sache in der dortigen Presse Publizität findet und daß Sie wohlwollendes Interesse seitens der Herausgeber und bedeutender Persönlichkeiten gewinnen. Der Glaube benötigt sowohl Freunde wie auch Anhänger, und Sie sollten stets bemüht sein, die Herzen vorurteilsfreier Führungspersönlichkeiten zu seinen Lehren hinzuziehen.

(5. Oktober 1945 an einen örtlichen Geistigen Rat)


+22

Wie Sie richtig feststellen, gibt es derzeit viele bedeutende Bewunderer des Glaubens in den U.S.A. und natürlich auch in anderen Ländern, aber es ist unwahrscheinlich, daß solche Menschen tatsächlich die Sache annehmen; sie sind nicht geneigt, sich einer noch mühsam ringenden Bewegung mit relativ geringer Anhängerschaft anzuschließen; darüber hinaus wären viele dieser Menschen nicht bereit, sich der erforderlichen Anstrengung zu unterziehen, nach Bahá'í-Maßstäben zu leben! Dennoch ist es hervorragend, daß wir Freunde und Bewunderer gewinnen; dies an sich hilft schon der Sache und erhöht ihr Ansehen, und allmählich mögen einzelne dieser Menschen tatsächlich das Opfer bringen, in ihren Dienst zu treten.

(25. Februar 1947)


+23

Er meint, daß die Gläubigen sich alle Mühe geben sollten, in der richtigen Art und mit Besonnenheit den Kontakt zu wichtigen Menschen zu pflegen... Wir sollten uns jede Mühe geben sicherzustellen, daß Vordenker im öffentlichen Leben nicht nur mit dem Namen Bahá'í vertraut sind, sondern nach Möglichkeit in freundschaftlicher Beziehung zu einigen Mitgliedern unserer Gemeinde, wenn nicht gar zur Körperschaft des Glaubens, stehen.

(18. Februar 1951 an einen Nationalen Geistigen Rat)






Aus Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

+24

Eine sehr wichtige Aktivität, die bisher in viel zu wenigen Ländern wirksam verfolgt wurde, ist die vom Nationalen Geistigen Rat fortdauernd und planmäßig unternommene Anstrengung, freundschaftliche Beziehungen zu bekannten Persönlichkeiten und verantwortlichen Staatsbeamten zu fördern und sie persönlich mit den Grundthesen und Lehren des Glaubens vertraut zu machen. Eine derartige Aktivität muß mit Weisheit und Besonnenheit durchgeführt werden und erfordert sowohl die dauernde Aufmerksamkeit eines verantwortlichen Ausschusses, als auch eine regelmäßige Prüfung durch den Nationalen Geistigen Rat selbst. Wenn erfolgreich, kann sie einer Opposition gegen den Glauben wirksam zuvorkommen und den Weg für viele grundlegende Aspekte der Entwicklung der Bahá'í-Gemeinde ebnen.

(Naw-Rúz 1974 an alle Nationalen Geistigen Räte)


+25

Das Haus der Gerechtigkeit meint, daß Ihr Nationaler Geistiger Rat mehr tun muß als gedruckte Informationen über den Glauben zu verteilen, so wertvoll dies auch ist. Es sollte damit begonnen werden, die bekannten Persönlichkeiten in Ihrem Land festzustellen und Wege zu suchen, sie persönlich zu treffen, um sie mit dem Glauben bekannt zu machen. Zu diesem Zweck bittet Sie das Haus der Gerechtigkeit nochmals dringend, einen Ausschuß zu ernennen, der die Möglichkeiten erforscht. Wenn die wenigen herausragenden Bahá'í ... zu beschäftigt sind, um mitzuwirken, dann werden Sie entweder deren Bemühungen eine neue Richtung geben oder andere für diese Aufgabe berufen müssen.

(22. August 1984 an einen Nationalen Geistigen Rat)





2.2. Haltung und Verfahrensweisen

Aus den Schriften Bahá'u'lláhs

+26

Seid rechtschaffen in euren Taten, o Diener! Wendet euch nicht ab von den Hilflosen, erwähnt Meiner unter den Vornehmen und seid ohne Furcht.

(Aus einem Tablet; aus dem Persischen übersetzt)



Aus den Schriften Abdu'l-Bahás

+27

Denn wir, die Anhänger der Gesegneten Schönheit, sollten alle im Dienst an der Sache Gottes tätig sein und Quellen der Führung für die Menschheit werden. Du solltest, wenn du es für ratsam und möglich hältst, unverzüglich ein Treffen für Würdenträger in die Wege leiten. Wenn deine vornehmen Gäste versammelt sind, sprich zu ihnen über den Glauben. Desgleichen solltest du den Freunden raten, eines Abends eine weitere Zusammenkunft mit denselben Personen abzuhalten und zu ihnen zu sprechen. Dies ist ein großer Dienst, mit dem ich dich betraue, und ich bete zu Gott, daß Er dir Seine Hilfe und Bestätigung gewähre und deiner Familie Seinen Segen spende.

(An einen Gläubigen; aus dem Persischen übersetzt)





Aus Briefen Shoghi Effendis oder in seinem Auftrag

(An einzelne Gläubige, wenn nicht anders vermerkt)

+28

Ich hoffe, daß Ihre leidenschaftliche Begeisterung, Ihre reife Erfahrung und die Glut Ihrer Liebe unter den Menschen höherer Schichten, mit denen Sie Umgang pflegen, sehr viel vollbringen wird. Die Sache muß die höchsten Stufen erobern, und ich zähle auf Sie als den geliebten und begeisterten Apostel `Abdu'l-Bahás, für die Sache gebildete und fähige Seelen zu gewinnen. Seien Sie nicht entmutigt und seien Sie meiner stetigen liebevollen Gebete für den Erfolg Ihrer hochgeschätzten Bemühungen versichert.

(2. April 1925 handschriftlich von Shoghi Effendi zu einem Brief in seinem Auftrag)


+29

Seit ihren (Veröffentlichung der Jahrbücher The Bahá'í World) Anfängen hegte Shoghi Effendi die Hoffnung, sie zu einem Werk zu machen, das sich für den Leser als interessant und informativ erweisen würde. Hauptsächlich für Nicht-Bahá'í bestimmt, versuchte er, durch ihre Seiten die Aufmerksamkeit gebildeter, aufgeklärter Menschen und besonders die führender Persönlichkeiten in allen Ländern zu erregen in der Absicht, sie mit den umfassenden, grundlegenden Prinzipien des Glaubens bekannt zu machen und ihre Aufmerksamkeit für die Bewegung als einer stetig wachsenden Kraft für das Gute und für den Frieden in aller Welt zu gewinnen. Daher hat er mit lebhafter Genugtuung beobachtet, wie die Veröffentlichung jährlich an Bedeutung zunahm, und dieser Eindruck wurde kürzlich durch Äußerungen von Interesse und der Wertschätzung verstärkt, die er aus vielen Kreisen und von führenden Menschen erhielt, darunter ein bemerkenswert ermutigendes Schreiben von Sir Herbert Samuel. In der Tat hat Shoghi Effendi es sich zum Prinzip gemacht, Exemplare an möglichst viele führende Menschen zu senden. So wurden Exemplare der letztjährigen Ausgabe dem Kaiser von Japan, dem Schah von Persien und der Königin Maria von Rumänien überreicht.

(12. Dezember 1929 im Auftrag Shoghi Effendis)


+30

Was die Lehrarbeit in Colleges und Universitäten betrifft, so ist sie sehr wichtig, da Studenten im großen und ganzen aufgeschlossen und wenig traditionsverhaftet sind. Sie würden der Sache ohne Zweifel beitreten, wenn das Thema richtig dargeboten und dabei auf Intellekt und Gefühle angemessen Rücksicht genommen würde. Doch sollte dies nur von Personen versucht werden, die eine Hochschulausbildung durchlaufen haben und deshalb mit der Denkweise der intelligenten und gebildeten Jugend vertraut sind.

(3. Februar 1932 im Auftrag Shoghi Effendis; veröffentlicht in: Bahá'í News 64, Juli 1932, p.4)


+31

Der Brief, den Sie an den Außenminister geschrieben haben, gefiel ihm sehr gut. Er hofft aufrichtig, daß durch solche erste Kontaktaufnahme und Briefwechsel die Regierungen die Bedeutung der Sache erkennen und allmählich tiefe Sympathie und Bewunderung für ihren Geist fühlen werden. Es ist sehr wichtig, daß sie wissen, wie unsere Haltung und Einstellung zu einigen der herausragenden Probleme und Streitfragen ist, denen die Welt sich heutzutage gegenübersieht. Dies sind sehr schwierige und heikle Fragen, aber des Meisters Geist wird Sie sicher leiten und inspirieren, damit Sie das Richtige und Kluge tun.

(4. Mai 1932 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas.)


+32

Es ist wirklich seltsam, wie viele moderne Denker sich aus eigenem Antrieb den Lehren des Glaubens nähern und Ansichten äußern, die den unseren sehr ähnlich sind. Hierbei zeigt sich deutlich die Wahrheit der Aussage des Meisters, daß der Geist der Bewegung die Herzen aller Menschen in der ganzen Welt durchdrungen hat. Es sind Gottes Hände, die hier wirken und die Nationen, die Intellektuellen und die Führer der Gesellschaft schrittweise zur Annahme Seiner durch Bahá'u'lláh offenbarten Botschaft lenken.

Wir können die Entwicklung dieses Prozesses beschleunigen, indem wir unser Bestes tun beim Verbreiten des Wortes Gottes nah und fern. Selbst wenn wir bei diesen Intellektuellen keine plötzliche Bekehrung erleben, werden sie dennoch zwangsläufig in ihren Ansichten beeinflußt, sie blicken mit größerer Bewunderung auf den Glauben und sind eher geneigt, sich von seinen göttlichen Geboten leiten zu lassen. Deshalb wünscht Shoghi Effendi, daß ich Sie in Ihrer Arbeit, solchen Gelehrten geeignete Literatur zu senden, ermutige.

(7. Mai 1933 im Auftrag Shoghi Effendis.)


+33

Beim Lesen einer so herausfordernden und gelehrten Arbeit (George Townshend, The Promise of All Ages) werden unzweifelhaft viele erweckt und angeregt, während andere dermaßen in Wut versetzt werden, daß sie den Glauben bösartig angreifen. Allein die beispiellose Publizität, welche die Sache dadurch erhält, wird einen wichtigen Schritt hin zu einer breiteren und volleren Anerkennung der Bewegung durch herausragende Persönlichkeiten in intellektuellen wie gesellschaftlichen Kreisen bilden.

(15. Mai 1934 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Nationalen Geistigen Rat)


+34

Hinsichtlich Ihrer Arbeit mit den oberen Klassen stimmt Ihnen der Hüter völlig zu, daß reiche und gebildete Menschen manchmal für geistige Dinge sehr aufnahmefähig sind. Aber sie bedürfen der richtigen Art von Menschen, die an sie herantreten, und einer Methode, die auf ihre Denkweise abgestimmt ist. Unsere Lehrmethoden sollten ein gewisses Maß an Anpassungsfähigkeit bei der Kontaktaufnahme zu unterschiedlichen Arten einzelner Sucher zulassen. Jedem Fragenden muß man sich von dessen eigener Betrachtungsweise aus nähern. Wer vor allem zur Mystik neigt, sollte zuerst solche Lehren der Sache kennenlernen, die das Wesen und den Wert der geistigen Wirklichkeiten hervorheben. Wer jedoch praktisch veranlagt und weltzugewandt ist, ist natürlich eher bereit und geneigt, den sozialen Aspekten der Lehren zuzustimmen. Aber natürlich sollte allmählich die ganze Botschaft mit all ihren Aspekten und in ihrer ganzen Tragweite dem Neuling erklärt werden. Denn ein Gläubiger zu sein, bedeutet, die Sache als Ganzes anzunehmen, und sich nicht nur an einige ihrer Lehren zu klammern. Dies sollte jedoch, wie schon gesagt, allmählich und taktvoll geschehen, denn die Annahme einer Religion ist schließlich ein langsamer Vorgang.

(28. Dezember 1936 im Auftrag Shoghi Effendis; vgl. Über das Lehren, Hofheim 1979, S. 28)


+35

Es ist wunderbar, endlich zu erleben, daß sich die Gebildeten den Problemen dieser Welt zuwenden und sie zu lösen versuchen. Parallel zu dieser Nicht-Bahá'í-Arbeit, die vielen Lehren Bahá'u'lláhs so nahekommt, müssen wir Gläubige unsere reine Bahá'í-Arbeit vorantreiben, die nur wir tun können und die solch ungeheuere Konsequenzen für die Zukunft der Menschheit in jedem Lebensbereich hat.

(14. April 1947 im Auftrag Shoghi Effendis)


+36

Bei der Darstellung der grundlegenden und kennzeichnenden Strukturen ihres Glaubens dürfen sie (die amerikanischen Pioniere) weder provozierend noch nachlässig, weder fanatisch noch übertrieben liberal sein. Sie müssen behutsam oder kühn sein, schnell handeln oder abwarten; sie müssen die direkte oder indirekte Methode anwenden; herausfordernd oder konziliant sein in völligem Einklang mit der geistigen Aufnahmefähigkeit der Seele, mit der sie zusammenkommen, ob Adliger oder Bürgerlicher, aus dem Norden oder Süden, Laie oder Priester, Kapitalist oder Sozialist, Politiker oder Fürst, Handwerker oder Bettler. Bei der Verkündigung der Botschaft Bahá'u'lláhs dürfen sie weder zögern noch zaudern. Sie dürfen weder die Armen geringschätzen noch ängstlich vor den Großen sein. Bei der Darstellung der Glaubenswahrheiten dürfen sie die Wahrheit, die sie vertreten, weder überbetonen noch sie verkleinern, mag ihr Zuhörer zum Königshaus gehören, Kirchenfürst, Politiker, Geschäftsmann oder ein Mann von der Straße sein. Allen, ob hoch oder niedrig, reich oder arm, müssen sie in einer so kritischen Stunde in gleichem Maße mit offenen Händen, strahlendem Herzen, beredter Zunge, unendlicher Geduld, unnachgiebiger Treue, mit großer Weisheit und unerschütterlichem Mut den Kelch der Erlösung reichen - den verwirrten, hungrigen, bestürzten und furchterfüllten Massen ...

(5. Juni 1947 an die Bahá'í des Westens; veröffentlicht in: Citadel of Faith. Messages to America 1947-1957, Wilmette 1980, S. 25 f; deutsch in: Über das Lehren, S.29 f


+37

Die Vorurteilslosigkeit und (in den meisten Fällen) wahre Uneigennützigkeit des reinen Wissenschaftlers ist offensichtlich, und auf solche Menschen sollte der Glaube, wenn er angemessen dargeboten wird, eine große Anziehungskraft ausüben; überdies könnten solche Menschen der Sache außerordentliche Dienste leisten, wenn sie sich zahlreich ihr anschlössen.

In der Sache gibt es zweifellos für hervorragende Menschen Platz, und wir brauchen mehr von ihnen. Doch die Administration muß auf beratender Basis funktionieren, nicht Führerschaft.

(5. Juli 1947 im Auftrag Shoghi Effendis)


+38

Es scheint, daß wir jetzt eine gründlichere und koordinierte Bahá'í-Gelehrsamkeit brauchen, um solche Menschen anzuziehen, mit denen Sie gerade Kontakt haben. Die Welt - zumindest die denkende - hat mittlerweile alle großen und weltumfassenden Prinzipien übernommen, die vor über siebzig Jahren von Bahá'u'lláh verkündet worden sind; sie sind daher natürlich nicht ,neu` für sie. Wir aber wissen, daß die tiefgründigeren Lehren, die Fähigkeit der von Ihm entworfenen Weltordnung, eine neue Gesellschaft zu erschaffen, neu und dynamisch sind. Dies solchen Menschen auf intelligente und anziehende Weise darzulegen, müssen wir lernen.

(3. Juli 1949 im Auftrag Shoghi Effendis; vgl. Über das Lehren, S.16)


+39

... Die von Bahá'u'lláh für die Probleme der Welt gegebene Lösung ist - weil göttlichen Ursprungs - die einzige und wird höchst dringend benötigt; deshalb sollten wir, die wenigen, die von der Vision ergriffen wurden, unsere Kräfte nicht auf jenen Wegen vergeuden, welche die Menschheit heute geht, Wegen, die nicht zur Lösung ihrer heutigen schrecklichen Probleme führen. Wir sollten uns auf die Sache konzentrieren, weil nur sie das Heilmittel ist, das die Welt benötigt. Das ist eine gesunde Haltung, denn wenn wir uns nicht für die Bahá'í-Arbeit und das Lehren einsetzen, wer dann?

Andererseits besteht zwischen diesem und Gelehrsamkeit ein großer Unterschied. Wenn die Bahá'í wirklich mit Erfolg die Sache lehren wollen, müssen sie viel besser unterrichtet und befähigt sein, die heutige Lage der Welt und ihre Probleme mit Intelligenz und Verstand zu diskutieren. Wir brauchen Bahá'í-Gelehrte - nicht nur Menschen, die sich weit, weit tiefer bewußt sind, was unsere Lehren wirklich sind, sondern auch sehr belesene und gebildete Menschen, die imstande sind, unsere Lehren zu dem aktuellen Denken der Führer der Gesellschaft in Beziehung zu setzen.

Mit anderen Worten: Wir Bahá'í sollten unseren Verstand mit Wissen rüsten, um unsere Glaubenswahrheiten besonders den gebildeten Klassen besser darlegen zu können. Der Hüter rät den Freunden jedoch davon ab, ihre Zeit und Energie zu verschwenden, indem sie Bewegungen dienen, die zwar mit unseren Prinzipien verwandt, aber unseres Erachtens nicht in der Lage sind, die gegenwärtige geistige Krise zu lösen, in der sich die Welt befindet. Wir können mit solchen Bewegungen und ihren Förderern zu gutem Ergebnis zusammenarbeiten, während wir gleichzeitig als Bahá'í offen für ein fest umrissenes Programm eintreten, das wir der Gesellschaft anbieten.

(5. Juli 1949 im Auftrag Shoghi Effendis; vgl. Über das Lehren, S.15 f.)





Aus Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit oder in dessen Auftrag

+40

Angesichts der Schwierigkeiten, die Sie beim Versuch erfuhren, die Öffentlichkeit durch die nationale Presse von ... auf den Glauben aufmerksam zu machen, wies uns das Haus der Gerechtigkeit an, mitzuteilen, daß es drei Handlungsweisen gibt, die Ihnen helfen sollten, dies in Zukunft zu erreichen. Erstens ist es wichtig, daß es einige Gläubige gibt, wie zum Beispiel die Mitglieder eines Ausschusses für öffentliche Information, welchen die Aufgabe übertragen wird, persönliche Kontakte zu einflußreichen Menschen in den nationalen Medien zu pflegen. Dieser persönliche Kontakt ist ein wesentlicher Faktor, um die Aufnahmebereitschaft der Medien für Nachrichten über den Glauben zu fördern. Zweitens könnten zur Pflege solcher Verbindungen Ihre Beauftragten Muster hervorragender Artikel mitnehmen, die in wichtigen Tageszeitungen wie »Le Monde«, »The Times« in London und »The New York Times« veröffentlicht wurden... Drittens wird die wiederholte Erwähnung des Glaubens in der lokalen Presse dazu beitragen, daß die Bahá'í-Religion von der nationalen Presse bereitwillig als nachrichtenwürdiges Thema angesehen wird.

(5. Januar 1981 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat)


+41

Mit dem Herannahen des Jahres des Friedens und dem wachsenden Bewußtsein unter den denkenden Menschen, daß weltweite Lösungen für die die Menschheit bedrohenden Probleme gefunden werden müssen, hält es das Universale Haus der Gerechtigkeit für notwendig, daß genaue Untersuchungen angestellt sowie Bücher und Abhandlungen über Themen von aktuellem Interesse für herausragende Denker und die Menschheit im allgemeinen verfaßt werden.

(31. März 1985 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Gesellschaft für Bahá'í-Studien, Kanada)


+42

Es wurde auch die Notwendigkeit erwähnt, die Geistesgrößen und Menschen in Amt und Würden mit den Lehren bekannt zu machen, und daß die Menschen eher bereit sind, neue Ideen anzunehmen, wenn diese bereits in den oberen Rängen der Gesellschaft akzeptiert sind. Wenn dem so ist, könnte vielleicht ein geeignetes Programm entwickelt werden, bekannte Bahá'í aus anderen Ländern nach ... einzuladen, damit sie mit Prominenten von ähnlichem Rang oder Beruf Verbindung aufnehmen.

(16. Februar 1987 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat)


+43

Nationale Bahá'í-Gemeinden haben interreligiöse Konferenzen, Friedensseminare, Symposien über Rassismus und andere Themen, zu denen wir einen besonderen Beitrag leisten können, organisiert und erfolgreich durchgeführt, wodurch sie oft eine große Öffentlichkeitswirkung erzielten und hochrangige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf sich aufmerksam machten.

(Ridván-Botschaft 1987 an die Bahá'í der Welt)


2.3. Die Rolle der Geistigen Räte

Aus Briefen Shoghi Effendis oder in seinem Auftrag

(An einzelne Gläubige, wenn nicht anders vermerkt)

+44

An derartig wohlbekannte und wichtige Personen heranzutreten, ist immer eine äußerst heikle Angelegenheit, denn es erfordert ein gut Teil Weisheit, Mut und Geschicklichkeit. Aber diejenigen Freunde, die den Drang dazu wirklich fühlen und die notwendige Eignung besitzen, sollten solche Freundschaften pflegen, die, wenn es in passender Form geschieht, von unermeßlichem Nutzen für die Sache sein können. Jedoch ist in jedem Fall der Beistand und die Hilfe entweder des örtlichen oder des Nationalen Rates nicht nur nützlich, sondern notwendig, wenn wichtige Verbindungen dieser Art fruchtbar und vielversprechend sein sollen ...

(30. August 1933 in Shoghi Effendis Auftrag)


+45

... Entschlossenes Bemühen sollte von den gewählten nationalen Vertretern der gesamten Gemeinde aufgebracht werden, unterstützt durch die Ausschüsse für Öffentlichkeitsarbeit, Einheit der Rassen, öffentliche Versammlungen, Anschauungsmaterial, College-Sprecher-Büro und Rundfunk, um die für die Proklamation schon eingeführten Maßnahmen zu verstärken, mittels Presse und Rundfunk die Wahrheiten des Glaubens der breiten Bevölkerung nahezubringen und engere Kontakte mit den Führern der öffentlichen Meinung, mit Colleges und Universitäten, sowie mit Herausgebern von Zeitungen und Zeitschriften zu knüpfen.

(Shoghi Effendi am 5. Juni 1947 an die Bahá'í des Westens; in: Citadel of Faith, Messages to America 1947-1957)


+46

Der Nationale Rat sollte nicht zaghaft sein bei dem Versuch, Kontakte zu wichtigen Besuchern von ... herzustellen. Die Stellung des Glaubens ist inzwischen so, daß seine Vertreter Aufmerksamkeit verlangen und empfangen können. Es kommt nicht darauf an, ob sie immer erfolgreich sind oder nicht, sondern es kommt darauf an, bedeutende Menschen erkennnen zu lassen, daß wir sozusagen auf der Weltbühne tätig sind.

(23. November 1951 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Nationalen Geistigen Rat)


+47

Der Hüter freute sich sehr zu erfahren, daß Ihr Rat ein erfolgreiches Treffen mit dem Bürgermeister von ... und dem Außenminister hatte; solche wichtigen Verbindungen sollten auf hoher Ebene behandelt werden, und nur Gläubige, die etwa in der Lage sind Gastfreundschaft anzubieten oder die einen Berührungspunkt mit den betreffenden Amtsträgern haben oder denen zu begegnen reizvoll ist, sollten von Ihrem Rat und in Verbindung mit Ihren Ratsmitgliedern dazu herangezogen werden, solche Persönlichkeiten zu treffen.

(30. Juni 1952 in Shoghi Effendis Auftrag an einen Nationalen Geistigen Rat)


+48

Er meint, daß jetzt die Zeit dafür gekommen ist, einen nationalen Ausschuß zu gründen, um Verbindungen zu zivilen Behörden auf nationaler Ebene und mit wichtigen öffentlichen Personen in Länder- und großen Stadtverwaltungen aufzunehmen. Der Zweck dieser Kontakte ist, freundschaftliche Beziehungen zu wichtigen öffentlichen Personen herzustellen, damit diese genau über den Glauben und seine Prinzipien informiert werden, zu den Bahá'í und ihren Aktivitäten Vertrauen gewinnen, den nicht-politischen Charakter des Glaubens verstehen und in Zukunft bestrebt sind, uns zu unterstützen, während der Glaube sich weiterentwickelt.

(29. Dezember 1953 in Shoghi Effendis Auftrag an einen Nationalen Geistigen Rat)





Aus Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit oder in seinem Auftrag

+49

Die Nationalen Geistigen Räte müssen weise und würdevoll an prominente Persönlichkeiten aus allen Bereichen menschlichen Strebens herantreten, sie über das Wesen der Bahá'í-Gemeinde und die Grundlehren des Glaubens unterrichten und ihre Achtung und Freundschaft gewinnen.

(Naw-Rúz 1979 an die Bahá'í der Welt)


+50

... Das Haus der Gerechtigkeit ist außerordentlich glücklich, daß Ihr Nationaler Rat seine weisen, wirksamen, andauernden Anstrengungen fortsetzt, die Amtspersonen Ihres Landes mit dem Glauben vertraut zu machen. Solche Schritte sollten Sie planen, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Unterdessen sollte die Bahá'í-Gemeinschaft durch Ihre verschiedenartigen Proklamationsbemühungen indirekt die Aufmerksamkeit der Menschen aller Gesellschaftsschichten auf die Sache lenken, so daß es für die Bahá'í zu gegebener Zeit leichter wird, einen positiven Zugang zu den Beamten zu finden.

(26. Juli 1987 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat)


+51

Der Funke, der das wachsende Interesse an der Sache Bahá'u'lláhs entzündete, war die heldenhafte Standhaftigkeit und Ausdauer der geliebten Freunde im Iran; sie bewegte die Bahá'í-Weltgemeinde dazu, anhaltende, sorgfältig koordinierte Appelle an das Weltgewissen zu richten. Diese große Aktion, die die gesamte Gemeinde einbezog und sie vereint im Rahmen der Verwaltungsordnung handeln ließ, wurde von ähnlich energischen und sichtbaren Aktivitäten auf anderen Gebieten begleitet, die schon im einzelnen gewürdigt worden sind. Gleichwohl möchten wir betonen, daß dieses groß angelegte, angestrengte Bemühen ein wichtiges Ergebnis erbracht hat: Wir erkennen eine neue Phase in den Außenbeziehungen unseres Glaubens, welche sich in einer spürbaren Reife der Nationalen Geistigen Räte in ihren wachsenden Beziehungen zu Regierungsstellen und nichtstaatlichen Organisationen wie auch zur Öffentlichkeit im allgemeinen zeigt.

Ausgelöst durch diese Erkenntnis kam es im vergangenen November zu einem Treffen in Deutschland, zu dem sich Vertreter von nationalen Bahá'í-Gemeinden aus Europa und Nordamerika, die ihre Gemeinden nach außen hin repräsentieren, zusammen mit leitenden Vertretern der Büros der Internationalen Bahá'í-Gemeinde versammelten, um eine bessere Abstimmung ihrer Arbeit zu erreichen. Dies war ein erster Schritt, um nach und nach weitere Nationale Geistige Räte in ein harmonisch funktionierendes internationales Netzwerk zu integrieren, das fähig ist, weltweite Unternehmungen in diesem sich rasch ausbreitenden Feld zu bewerkstelligen. Im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen ist auch der großartige Erfolg zu nennen, den die internationale Anerkennung des Glaubens im letzten Oktober durch die formelle Aufnahme in das Netzwerk für Umweltschutz und Religion des angesehenen »World Wide Fund for Nature« darstellt.

(Ridván 1988 an die Bahá'í der Welt)





2.4. Das kluge Verhalten

Aus den Schriften Abdu'l-Bahás

+52

... Du solltest am Anfang den Weg des klugen Verhaltens wählen, den der Glaube vorschreibt. In den frühen Entwicklungsstadien solltest du die Gesellschaft bedeutender Mitglieder des Volkes suchen, und indem du dich selbst in äußerster Demut zu den unsichtbaren Königreichen himmlischer Herrlichkeit hinwendest, solltest du um Beistand und Schutz beten, so daß der Heilige Geist durch seinen Gnadenstrom dir seinen Beistand gewähre. Wenn du durch dein gottesfürchtiges Verhalten und Betragen, deinen Eifer, deine züchtige, klare Rede, erfolgreich die Zuneigung von einem und allen gewinnen konntest, dann werden die Pforten himmlischer Führung weit geöffnet, dann wird der freigebige Kelch dargereicht, und alle Seelen, die davon trinken, werden vom Wein der heiligen Mysterien und Wahrheiten berauscht sein.

(Abdu'l-Bahá an einen Gläubigen; aus dem Persischen übersetzt)





Aus Briefen Shoghi Effendis oder in seinem Auftrag

(An einzelne Gläubige, wenn nicht anders vermerkt)

+53

In Ihrem Brief erwähnten Sie die Absicht, mit den Vertretern von Bewegungen, welche dem Glauben ähnliche Prinzipien verfechten, Verbindung aufzunehmen. Shoghi Effendi vertraut darauf, daß Sie in allen derartigen Verbindungen und Aktivitäten das Ansehen und den hohen Rang des Glaubens wahren werden. Wir sollten niemals um eines zeitweiligen Vorteils willen, den zu ernten wir geneigt sind, unsere Prinzipien gefährden. Es ist sehr wichtig, die Aufmerksamkeit solcher Vordenker auf die Sache zu lenken und aus diesem Grund müssen wir mit ihnen in Verbindung treten, aber unser Ziel sollte eher sein, sie zur Sache hinzuziehen, als ihnen nachzulaufen.

(29. November 1926 in Shoghi Effendis Auftrag an einen Nationalen Geistigen Rat)


+54

Ich stimme Ihnen völlig zu, daß Nichteinmischung in die Politik seitens der Freunde keineswegs bedeutet, ohne Verbindung mit der Außenwelt zu leben. Ich hoffe, daß Sie den Freunden die Notwendigkeit einschärfen, enge aber nicht zu vertraute Beziehungen mit den Amtsträgern, den ausländischen Vertretern und den maßgebenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in der Hauptstadt aufrechtzuerhalten. Sie sollten dennoch wachsam sein, damit eine zu enge Verbindung nicht unmerklich dazu führt, daß wir Prinzipien, die wir schätzen und hochhalten, aufs Spiel setzen. Sie müssen mit allen Klassen der Gesellschaft verkehren, ohne sich ihren Grundsätzen und Programmen anzuschließen.

(8. Oktober 1927 handschriftlich von Shoghi Effendi zu einem Brief in seinem Auftrag)


+55

Es ist unsere höchste Pflicht, uns darum zu bemühen, die Kenntnis von dieser Offenbarung den höchsten Autoritäten und den führenden Persönlichkeiten unter unseren Landsleuten zu überbringen, aber uns keineswegs mit ihrem politischen Trachten, ihren widerstreitenden Zielen und ihren Parteiprogrammen einzulassen oder den Glauben damit zu identifizieren. Möge der Allmächtige Ihre hohen Bemühungen leiten und unterstützen und Sie befähigen, für Seine Sache die fähigsten, rechtschaffensten und erleuchtetsten Führer der öffentlichen Meinung jenes Landes zu gewinnen.

(15. April 1932 handschriftlich von Shoghi Effendi zu einem Brief in seinem Auftrag)


+56

Shoghi Effendi billigt völlig Ihr Treffen mit wichtigen Menschen, welche an der Macht sind und die Zügel der Regierung in Händen halten. Er möchte Sie sogar drängen, jede sich bietende Gelegenheit wahrzunehmen. Aber Sie sollten vorsichtig sein und keine Angelegenheiten erörtern, die politischer Natur und Streitpunkte zwischen den Parteien sind. Das würde die Sache in politische Bahnen zerren, was vom Meister strikt verboten wurde. Bei Ihrer Begegnung mit solchen Menschen sollte es Ihr Bemühen sein, sie mit den Lehren der Sache vertraut zu machen und mit dem Geist der Bewegung zu erfüllen. Wenn solche Menschen sich der Bewegung anschlössen, würden sie Tausende anderer mit sich zur Sache führen.

(15. April 1932 in Shoghi Effendis Auftrag)





Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

+57

Wenn in einer von der Regierung erwogenen Frage von lebenswichtigem Interesse für den Glauben die Regierungsbehörde selbst zu einer Eingabe auffordert oder für Empfehlungen empfänglich ist, ist es völlig in Ordnung, daß Bahá'í-Institutionen den Bahá'í-Standpunkt darlegen oder Empfehlungen unterbreiten. Die Bahá'í-Räte sollten jedoch davon absehen, die Behörden in solchen Angelegenheiten - allein oder gemeinsam mit anderen - unter Druck zu setzen. Die Bahá'í werden ihre Ansichten, falls zulässig, unterbreiten, indem sie sie so überzeugend und nachdrücklich darstellen, wie es die Situation rechtfertigt, aber sie werden nicht so weit gehen, auf die Behörden Druck auszuüben, damit sie diese Ansichten übernehmen. Ferner, wenn ein betroffener Bahá'í-Rat erwägt, ob es weise ist, eine solche Vorlage zu einer bestimmten Angelegenheit einzureichen, muß er darauf bedacht sein, daß die Kräfte der Gemeinde nicht zersplittert oder ihre Mittel durch solche Vorlagen verzettelt werden, es sei denn, die Interessen des Glaubens verlangten es. Desgleichen muß der Rat sicherstellen, daß er nicht durch irgendeine genaue und ins einzelne gehende Analyse einer Situation »eine Regierung oder Menschen unnötig abschreckt oder entfremdet« oder den Glauben in »das unrühmliche Geschrei und den Zank sich streitender Sekten, Parteien und Nationen« verwickelt.

(21. November 1971 an einen Gläubigen)





Aus Briefen im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

+58

Das Haus der Gerechtigkeit erhielt Ihren Brief vom 13. Dezember 1986, mit dem Sie nach erlaubten Aktivitäten der Bahá'í in bezug auf Regierungen fragen...

.. Die allgemeine Richtlinie, die schon von Shoghi Effendi in »Die Weltordnung Bahá'u'lláhs« (WOB S. 99-105) dargelegt wurde, sollte von den Freunden gewissenhaft eingehalten werden. Während der Glaube jedoch aus der Verborgenheit hervortritt, wird die Anwendung gewisser Aspekte dieser Richtlinie der Klarstellung durch das Universale Haus der Gerechtigkeit bedürfen. Im Lauf der Zeit werden Praktiken im politischen Bereich zweifellos die in den Bahá'í-Schriften vorhergesehenen tiefschürfenden Veränderungen erfahren. Als Konsequenz wird die Haltung der Nichteinmischung in die Politik, wie wir sie jetzt verstehen, auch eine Veränderung erfahren, aber, wie Shoghi Effendi schrieb, sollte diese Anweisung »im gegenwärtigen Entwicklungsstadium unseres Glaubens, ohne Rücksicht darauf, ob sie auf den Osten oder auf den Westen angewandt wird, in wachsendem Maße betont werden.«

Im Hinblick darauf, daß die Bahá'í-Gemeinschaft mit Regierungen in Verbindung stehen muß - sei es um ihre verfolgten Mitglieder zu verteidigen oder um auf Gelegenheiten einzugehen, sich nützlich zu erweisen -, ist es für die einzelnen Freunde zwangsläufig schwer, angesichts unserer Haltung der Nichteinmischung in Regierungsangelegenheiten ein richtiges Verständnis dessen zu erlangen, was legitimes Bahá'í-Handeln ist. Der Zwang der Verhältnisse, die innerlich und äußerlich wirken, bringt die Bahá'í-Gemeinschaft zwangsläufig in gewisse Beziehungen zu Regierungen. Daher ist es wichtig, daß Entscheidungen über die Handhabung solcher Beziehungen von den ermächtigten Institutionen des Glaubens getroffen werden und nicht von einzelnen Gläubigen. Bei Fragen dieser Art ist angesichts der außerordentlichen Vielfalt menschlicher Angelegenheiten, denen die Bahá'í-Gemeinschaft in zunehmendem Maße geistig und praktisch gewachsen sein muß, individuelles Urteilen unzureichend.

(23. Juni 1987 an einen Gläubigen)


+59

Dies ist ein Gebiet des Dienstes, in welchem dem einzelnen viel Spielraum zum Handeln gegeben werden muß. Wenn es zum Beispiel um das Tätigkeitsfeld geht, wichtige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu erreichen, muß man sich auf die persönlichen Beziehungen verlassen, die einzelne Bahá'í bereits hergestellt haben oder zu entwickeln in der Lage sind, und muß auf ihre Fähigkeit, die Aufmerksamkeit solcher Personen auf sich zu lenken, vertrauen, da diese Bahá'í auf die eine oder andere Art selbst über Anziehungskraft verfügen. Sie müssen bei der Auswahl der Freunde, die Sie für einen solchen Dienst berufen können, sorgfältig urteilen und die Freunde mit der nötigen Führung versehen, auch müssen Sie in diesen Punkten feinfühlig sein und eine übermäßige Kontrolle, oder selbst den Anschein einer solchen, im Umgang mit denen vermeiden, die diesen wichtigen Dienst ausüben.

(26. April 1988 an einen Nationalen Geistigen Rat)


+60

Ihre Bemerkungen über die Pflege von Kontakten zu Beamten der unteren Ebene Ihrer Regierungshierarchie wurden gut aufgenommen, und Sie sollten zuversichtlich diese kluge Handlungsweise weiterverfolgen.

Gegen eine Kontaktaufnahme zu hohen Amtsträgern der katholischen Kirche besteht kein Einwand. Erforderlich wäre, daß Sie den günstigsten Zeitpunkt für eine solches Unterfangen bedenken und entschieden sind, auf welche Weise vorzugehen ist, ohne unnötigen Widerstand gegen den Glauben zu erregen.

Ihr Rat wird ermutigt, Kontakte mit nationalen Gesellschaften herzustellen, wobei Sie stets darauf bedacht sein müssen, solche Organisationen weise auszuwählen, so daß Sie Ihre menschlichen und finanziellen Mittel nicht über Gebühr belasten oder die Gemeinde von ihren primären Lehrbemühungen ablenken. Da solches Gleichgewicht manchmal schwer zu erreichen ist, könnten Sie dies vielleicht als Thema in Ihre Besprechung mit den Beratern über die Rolle von ... beim Hervortreten des Glaubens aus der Verborgenheit in Lateinamerika und weltweit einbeziehen.

(23. März 1989 an einen Nationalen Geistigen Rat)





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UNIVERSALES HAUS DER GERECHTIGKEIT



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