Read: 1997 Mar 21, An die Liebenden der


DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT
Bahá'í-Weltzentrum

Bahá 154 B. E.

An die Liebenden der Gesegneten Schönheit, innig geliebte und treue Freunde!

Die riesigen Kräfte, die in der tiefsten Wirklichkeit dieses wertvollen Glaubens verborgen liegen,
üben täglich einen neuen Einfluß auf die ganze Welt aus und leuchten mit immer größerer Stär-
ke. Durch die Ausgießung von Bahá'u'lláhs Gnadengaben und als Folge der Gebote der Zeit e-
benso wie der großen Bemühungen, die von den Anhängern Seiner Schönheit ausgeübt wurden,
beginnen die lebenspendenden Lehren des Glaubens in der Welt des Seins Fuß zu fassen. Sie
vergrößern ihr Ansehen und offenbaren immer mehr ihre Macht, die vor der Menschheit liegen-
den Probleme zu lösen. Wir dürfen nicht vergessen, daß der Gesegnete Göttliche Baum fest im
Boden verwurzelt ist, während seine Äste und Sprossen gen Himmel wachsen. All dies ist durch
die Wechselwirkung und Zusammenarbeit zweier mächtiger und überragender Kräfte möglich
geworden, die im Einklang mit Gottes Willen gleichzeitig wirken. Sie ermöglichen es dem Geseg-
neten Baum zu wachsen, seine Blätter und Blüten hervorzubringen und er wird zur festgelegten
Zeit der Menschheit seine erlesensten Früchte anbieten. Eine der treibenden Kräfte dieses geis-
tigen Frühlings ist vom Wesen her sehr stürmisch und aufwühlend, sie verursacht Blitz und Don-
ner, rasende Winde, stürmische Regenfälle und reißende Fluten. Dies wiederum macht die Obst-
gärten und Felder grün und fruchtbar. Die andere Kraft ist die in der Gesegneten Saat verborge-
ne, innewohnende Fähigkeit des Wachstums. Es ist diese Fähigkeit, die als eine unbedingt erfor-
derliche Notwendigkeit die Saat wachsen läßt. Die Strahlen der Sonne der Wahrheit und die
Tropfen der Wolke der Güte helfen ihm, zu wachsen und ein kräftiger und fruchttragender Baum
zu werden, der den wohlgeleiteten Vögeln des Feldes einen himmlischen Ruheort bietet. Der
allgemeine göttliche Plan, der die Menschheit zu geistiger Reife führt, ist nicht in unserer Hand.
Er ist gut bewacht in Gottes verwahrter Schatzkammer, und seine Verwirklichung hängt von Sei-
nem Willen ab. 'Abdu'l-Bahá sagt:

"In diesem wundervollen Zeitalter, da die Urewige Schönheit, der Größte Name mit
zahllosen Gaben am Horizont der Welt erschienen ist, flößt Gott durch Sein Wort
dem innersten Wesenskern der Menschheit solche erstaunlichen Kräfte ein, daß Er
menschlichen Eigenschaften alle Wirkung nimmt und die Völker mit Seiner allbe-
zwingenden Macht in einem weiten Meer der Einheit zusammenführt."
'Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften, 7:2

Es ist die Pflicht der Anhänger Bahás, den Weg der Dienstbarkeit an der göttlichen Schwelle zu
beschreiten, Gottes Lehren zu verbreiten und eine geistige Zivilisation zu errichten. Gelobt sei
Gott! Die Geliebten Gottes haben sehr lange auf die Weisungen des Zentrums der Sache gehört
und sind, von den göttlich verordneten Institutionen des Glaubens und entsprechend genauen
Plänen geleitet, Schritt für Schritt vorangekommen, das Banner des Größten Namens in jeder
Ecke dieser Erde zu hissen. Das letzte Glied in der Kette von systematisch erreichten Erfolgen
war der Drei-Jahres-Plan, der letzten Ridván endete und Ergebnisse hervorbrachte, die die Her-
zen erwärmten. Während dieser drei Jahre wurden zwölf neue Nationale Geistige Räte gebildet,
und somit stieg die Zahl der Nationalen Räte auf 174. Außerdem ging in dieser kurzen Zeitspan-
ne eine beachtliche Anzahl Bahá'í wie eine sanfte Brise über weitere Länder und Gegenden, um
die Verbreitung göttlicher Düfte bemüht. Sie konnten eine große Anzahl neuer Gläubige unter
dem Banner der Sache Bahá'u'lláhs versammeln und vertieften ihr Verständnis der Lehrsätze des
Glaubens. Diese Erfolge ebneten den Weg für die Ausarbeitung des jetzigen Vier-Jahres-Planes,
der die Pflichten der Anhänger Bahás bis zum Ende des 20. Jahrhunderts beschreibt und sie
mobilisiert, weiter vorzustoßen und den Prozeß der Erfüllung der göttlichen Prophezeiungen zu
beschleunigen. Diese Lehrpläne, die die weltweite Bahá'í-Gemeinde der Reihe nach in Bewe-
gung gebracht und die Grenzen des Glaubens erweitert hat, sind das Ergebnis der schöpferi-
schen Kraft von 'Abdu'l-Bahás Sendschreiben zum Göttlichen Plan. Vor über 80 Jahren forderte
er die Anhänger der Abhá Schönheit auf, den Planeten geistig zu erobern und gab ihnen diese
Verantwortung. So werden die Lehrpläne bis zum Goldenen Zeitalter fortgeführt werden.

Die gemeinsame Pflicht und Verantwortung der Gläubigen während der nächsten vier Jahre sind
in unserer letzten Ridván-Botschaft deutlich gemacht worden. Ebenso wurden die wichtigsten
Punkte des neuen Planes erklärt. Die Gläubigen sind von da an sehr aktiv engagiert gewesen,
seine Bestimmung auszuführen. Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Botschaft stehen die irani-
schen Bahá'í, die ihr Gesicht der Sonne der Wahrheit zuwandten, als der Tagesanbruch der Füh-
rung dämmerte, und die Ihm wie die Vögel der Morgendämmerung die Lieder des Willkommens
und der Treue sangen. Sie brachten im Einklang mit der folgenden himmlischen Melodie die frohe
Botschaft der Wiedervereinigung zu den Menschen aller Länder:

Verkündet euch selbst die freudige Botschaft: "Er, der über alles geliebte, ist gekom-
men! Er hat sich mit der Herrlichkeit der Offenbarung Gottes gekrönt und die Tore Sei-
nes altehrwürdigen Paradieses vor den Augen der Menschen geöffnet." Laßt alle Au-
gen froh, laßt jedes Ohr beglückt sein, denn nun ist die rechte Zeit, auf Seine Schön-
heit zu blicken. Nun ist die rechte Zeit, auf Seine Stimme zu hören. Verkündet jedem
sehnsüchtig Liebenden: "Siehe, dein Vielgeliebter ist zu den Menschen gekommen!"
Ährenlese 151:1

Die iranischen Gläubigen waren nicht damit zufrieden, den Göttlichen Ruf weiterzutragen; sie
versammelten sich um den Verheißenen und erhoben sich, um Ihm Hilfe zu leisten, wie sie es nur
immer konnten. Ihr Leben opfernd eilten sie Reihe um Reihe auf das Feld des Märtyrertodes. Die
Erinnerung an ihre Opfer ist von der Höchsten Feder verewigt worden. Die Erzählung über ihre
Heldentat ist zu lebendig in der Erinnerung derer unter uns, die die physischen und geistigen
Nachkommen jener tapferen und berauschten Liebenden der Gesegneten Schönheit sind, als
daß sie hier der Wiederholung bedürften. Es genügt wohl wenn wir sagen, daß wir auf der Hut
sein müssen, mit unserem Leben die unschätzbare Güte, die uns gewährt worden ist, zu erhal-
ten, damit Undankbarkeit uns diese Ehre nicht aus den Händen entreißen kann.

Der geschichtliche Hintergrund, der den Freunden aus Bahá'u'lláhs Heimatland das Vorrecht ver-
liehen hat, die ersten zu sein, die an Ihn geglaubt haben und sie auf verschiedene Weise hervor-
gehoben hat, hat die Aufmerksamkeit der Bahá'í der ganzen Welt auf sie gelenkt. Als die tapfe-
ren Gläubigen der Wiege des Glaubens außerdem vor kurzem wieder vom Volk der Bosheit ver-
folgt wurden, verteidigten, schützten und verkündeten sie die Sache Gottes mit dem Schild der
Loslösung, des Vertrauens in Gott, des Heldenmutes und der Gewißheit. Dies verdoppelte den
Grad der Erwartungen der weltweiten Bahá'í-Gemeinde an die iranischen Bahá'í, die über die
ganze freie Welt verstreut sind. Daher müssen sie dem Beispiel dieser Löwen auf dem Feld der
Standhaftigkeit nacheifern und von ihnen die Lektion der Dienstbarkeit erlernen. Denken Sie an
die Zeit, als der Sturm der Prüfungen wieder im Iran zu blasen begann, wie der Funke des Glau-
bens, der in einigen Fällen unter der Asche des weltlich Verhaftetseins schlief, in den Herzen der
Gemeindemitglieder plötzlich zu einer lodernden Flamme wurde und den Staub der Selbstgefäl-
ligkeit und Achtlosigkeit wegwischte. Das warnende Geräusch des Blitzschlages der Ereignisse
erweckte sie. Sie wurden achtsam und tranken an dem freudigen Versammlungsort der Nähe zu
Gott den randvoll gefüllten Kelch des großen Unheils. Sich selbst vergessend legten sie ihre
Häupter zu Füßen des Meistgeliebten. Unbeteiligt und losgelöst von weltlichen Gütern stellten sie
sich Plünderungen und Entlassungen aus ihrer Arbeitsstelle. Als der erbarmungslose Feind fal-
sche und erfundene Beschuldigungen gegen sie erhob, um sein teuflisches Handeln zu rechtfer-
tigen, durchkreuzten sie die Pläne des Gegners mit gottesfürchtigem Auftreten und himmlischem
Verhalten und zeigten so die Absurdität des feindlichen Verhaltens auf. Damit bewiesen sie in
den Augen der toleranten Iraner ihre Unschuld. Das Volk des Bösen beraubten die Bahá'í-
Jugendlichen im Iran einer höheren Schulbildung. Die Jugend blieb jedoch nicht untätig. Sie be-
schäftigt sich damit, menschliche Vollkommenheit zu erlangen. Sie ertrug jegliche Unbequemlich-
keit und machte unermüdlich weiter, bis sie im Bereich des Wissens ihren Gleichaltrigen voraus
war. Das Erlangen dieser hohen Stellung und Ehre war möglich, als die Freunde im Iran, jung
oder alt, Mann oder Frau, sogar ganz kleine Kinder, erkannten, daß das Heilmittel für all ihre Lei-
den das Gedenken Gottes war. Sie begannen, die Schriften regelmäßig und systematisch zu
studieren. Durch ihr Studium der Schriften kamen die Ausgießungen des Heiligen Geistes, die in
jedem einzelnen Wort der Heiligen Schriften enthalten sind, ihnen zu Hilfe und machten aus die-
ser Gemeinde eine neue Schöpfung, in deren Augen die Welt und alles, was sie enthält, wertlos
ist, wenn sie mit dem Dienst an der Heiligen Schwelle, dem Erlangen von Bahá'u'lláhs Wohlwol-
len und dem ewigem Leben in jeder von Gottes Welten verglichen wird. Deshalb richteten sie ihr
Leben nach den lebenspendenden Lehren aus, die in den Heiligen Schriften enthalten sind. Folg-
lich wurden sie zum Ruhm dieser Welt und der nächsten, und sie waren sehr erfolgreich, die Sa-
che Gottes in den entferntesten Winkeln der Welt und in den höchsten Institutionen der Mensch-
heit zu verkünden.

Die innig geliebten Freunde aus dem Iran, die in der ganzen freien Welt verstreut sind, dürfen
niemals die große Verantwortung vergessen, die sie tragen. Denn das erwartungsvolle Auge ei-
nes jeden Einzelnen ist auf sie gerichtet und wartet darauf, in dem Spiegel ihrer Taten die Pracht
von Gottes Lehren zu erblicken. Denken Sie an den Aufruf unseres innig geliebten Hüters an
jene geliebten Freunde:

"Außerdem sollten die geliebten Freunde und Mitglieder der Räte unter den vielfältigen
Umständen ihres Lebens und in all ihrem verschiedenartigen Geschäftsverkehr und ihren
Betätigungen durch ihre Taten, ihr Verhalten und Auftreten versuchen, ihren Mitbürgern
die Vortrefflichkeit dieser heiligen Sache vorzuführen, um deren Wahrheit zu beweisen
und lebendiges Zeugnis für die Macht und die Erhabenheit ihres Geistes anzulegen. So
sollten die Freunde vorgehen und sich nicht auf das Übermitteln der Botschaft, von Erläu-
terungen, Darstellungen und Erklärungen beschränken. 'Abdu'l-Bahá, der Hauptausleger
des Glaubens Bahá'u'lláhs hat geschrieben:

Daher obliegt allen Bahá'í, über diese höchst heikle und lebenswichtige Angelegenheit in
ihrem Herzen nachzusinnen, auf daß sie sich im Unterschied zu anderen Religionen nicht
mit dem Lärm, dem Tumult und der Hohlheit religiöser Lehrmeinungen zufriedengeben
mögen. Nein, sie sollten vielmehr in jeder Lebenslage für jene Eigenschaften und Tugen-
den, die von Gott stammen, als Beispiel dienen und sollten sich erheben, um sich durch
ihr angenehmes Verhalten auszuzeichnen. Sie sollten ihren Anspruch, Bahá'í zu sein,
durch Taten rechtfertigen, nicht durch den Namen. Der ist ein wahrer Bahá'í, der sich Tag
und Nacht bemüht, auf dem Pfad menschlichen Strebens Fortschritte zu machen und
vorwärts zu kommen, dessen glühendster Wunsch es ist, durch sein Leben und Handeln
die Welt zu bereichern und zu erleuchten, dessen Quelle der Begeisterung das innerste
Wesen göttlicher Tugend ist, dessen Lebensziel es ist, durch sein Verhalten zur Ursache
unendlichen Fortschritts zu werden. Nur wenn er solch vollkommene Fähigkeiten erlangt,
kann von ihm gesagt werden, er sei ein wahrer Bahá'í. Denn in dieser heiligen Sendung,
der ruhmreichen Krönung vergangener Zeitalter und Zyklen, ist wahrer Glaube nicht nur
das Anerkennen der Einheit Gottes, sondern vielmehr das Führen eines Lebens, in dem
alle Vollkommenheiten und Tugenden, die ein solcher Glaube in sich birgt, deutlich er-
kennbar werden.

Seht, wie bestimmt und in nachdrücklichen Worten diese Erklärung 'Abdu'l-Bahás lautet
und wie anspruchsvoll ihre Forderungen sind! Erst dann, wenn die Bahá'í in der Lage
sind, ihren Charakter ganz und geziemend mit dem Schmuck dieser göttlichen Tugenden
auszuzeichnen, werden sie vor den Augen der Welt in würdiger und angemessener Weise
dastehen, und der Name Bahá'u'lláhs wird das Universum in Flammen setzen. Die Er-
wählten Gottes im Iran sollten nicht auf den verderbten Zustand der Gesellschaft schauen,
in der sie leben, oder auf die Beweise der Entartung und der Leichtfertigkeit, die die Men-
schen um sie her an den Tag legen. Sie sollten sich nicht damit zufriedengeben, daß sie
bloß im Vergleich zu den anderen abstechen und herausragen. Vielmehr sollten sie den
Blick auf erhabenere Gipfel richten, indem sie sich die Ratschläge und Ermahnungen der
Erhabensten Feder zum höchsten Ziel setzen. Dann werden sie alsbald erkennen, wie
zahlreich die Stufen sind, die noch durchschritten werden müssen, und wie entfernt das
ersehnte Ziel liegt -, kein anderes Ziel als das, Beispiel zu sein für himmlische Verhaltens-
normen und Tugenden.

Daher sollten wir als die Wanderer auf dem Pfad der Erlösung mit aller Macht und in je-
dem Augenblick unseres Lebens danach streben, durch Taten und Worte die in den Leh-
ren Bahá'u'lláhs enthaltenen lebenspendende Kraft zu bestätigen. In unserem Umgang
mit anderen, in unseren Geschäften, in der Erfüllung unserer Pflichten, in unseren Zielen
und den größeren und kleineren Unternehmungen sollten wir so auftreten, daß wir allen
verkünden und beweisen, daß nichts als die vereinigende Macht des Geistes Bahá'u'lláhs
die Herzen der Menschen verwandeln und sie zu einem neuen Geschlecht machen kann.
Dies ist das einzige Mittel zur Errettung und für den Sieg der Sache Gottes."
Shoghi Effendi, aus einem Brief vom 30. Oktober 1924 an den Geistigen Rat von Teheran, teilweise
abgedruckt in: "Vertrauenswürdigkeit" Nr. 65 und zwischen Nr. 63 und 64 sowie in "Zum Wirklichen
Leben", S. 4f, letzter Absatz: Neue, unüberprüfte Übersetzung.


Die Liebenden der Gesegneten Schönheit im Iran, die unterstützt wurden durch das Verspre-
chen: "Dies ist das einzige Mittel zur Errettung und für den Sieg der Sache Gottes" sahen ein-
deutig, wie erstaunt die Feinde waren, als sie Zeuge wurden von der Stärke der unter Anklage
stehenden Freunde und deren Taten, die völlig den göttlichen Ermahnungen entsprachen. Gera-
de dieses Verhalten machte Fremde zu Freunden und brachte sie dazu, den ungerecht Behan-
delten zu helfen. Es ist sicher, daß sich Prüfungen nicht auf iranische Freunde beschränken; die
Feuerprobe, der sich die Gläubigen in der freien Welt gegenüber sehen, wird - wenn auch völlig
anders - genauso ernst und trügerisch sein. Wenn sie diesen Prüfungen nicht mit der Hilfe von
Gebeten und ständigem Einsatz im Dienst entgegentreten, ist es wahrscheinlich, daß sie im Mee-
re der Verwirrung, Irreleitung und Reue untergehen und dabei die Tage ihres kurzen Lebens ver-
schwenden und diese Welt mit leeren Händen verlassen. Die Unterrichtung der Jugend ist hier
von besonderer Bedeutung, damit sie in die Lage versetzt wird, bei den Gefahren, die ihr von der
Gesellschaft, in der sie lebt, drohen, standhaft zu bleiben. Sie sollte darin ermutigt werden, an
Bahá'í-Aktivitäten teilzunehmen, während sie ihrer Ausbildung in Bereichen nachgeht, die der
Menschheit von Nutzen sind. Bahá'u'lláh sagt:

"Wer immer die Liebe Gottes in frühester Jugend erlangt, zählt wahrlich zu den Bewoh-
nern des Höchsten Paradieses. Mühe dich, daß aus dir erscheine, was zur Ursache da-
für wird, daß der Glaube sich zu großen Höhen erhebe." 1

Ebenso:

"Oh du, der du noch jung an Jahren bist! Mögen die Bestätigungen des Gnadenreichen
dir ermöglichen, Seine gnadenreichen Gaben zu erlangen. Da du mit der Anerkennung
des Tagesgestirns der Offenbarung geschmückt wurdest als du noch in der Blüte dei-
ner Jugend warst, flehe zu Gott, daß es dir ermöglicht werde zu erreichen, was dich im
Buche des Seins unsterblich macht. Alles unterliegt der Sterblichkeit außer was um
Gottes willen gesagt oder getan wird; solche (Worte und Taten) schmecken den Tod
nicht. Mühe dich, daß du den Wein der Unsterblichkeit trinken und den Kawthar der
Standhaftigkeit erlangen mögest." 1

Wir hoffen inständig, daß die Bahá'í-Jugendlichen, die ihre Wurzeln in der Wiege des Glaubens
haben, ihren Gleichaltrigen auf allen Gebieten voraus sind. Die Jugendlichen, die eine Bahá'í-
Erziehung genossen, haben unzweifelhaft einen Punkt erreicht, wo sie für sich selbst sorgen und
den heftigen Prüfungen der heutigen Welt mit Tapferkeit, Vertrauen und Selbstsicherheit entge-
gentreten können. Die Bahá'í-Jugendlichen, die sich ausgezeichnet haben und sich von der
Nicht-Bahá'í-Welt abheben, sind der Wahrheitsbeweis für diese Aussage.

Die verfolgten Bahá'í im Iran sind der Gnade beraubt, die Sache Gottes lehren zu können. Die
Folge dieses Mangels, den sie ungeheuer bedauern, wird gemildert, wenn sie hören, daß Freun-
de in anderen Ländern in ihrem Namen Lehrarbeit machen oder sich erhoben haben, in ihrem
Namen oder im Namen eines teuren Märtyrers dieses Landes ein Projekt auszuführen. Solche
frohen Botschaften veranlassen die iranischen Freunde, liebevolle Gebete für den Erfolg der Be-
mühungen ihrer treuen Kameraden in anderen Teilen der Welt zu sprechen. Wir vereinen nun
unsere erwartungsvolle Stimme mit der dieser iranischen Gläubigen und rufen die Freunde aus
Bahá'u'lláhs Geburtsort in allen Teilen der Welt auf, sich entsprechend den Ansprüchen der
Treue zu erheben und gewaltige und wirkungsvolle Bemühungen zu unternehmen, um die Sache
Gottes im Namen ihrer seit langem leidenden Brüdern und Schwestern zu lehren. Denn den
Glauben zu lehren ist eine geistige Pflicht, von der niemand ausgenommen ist. Es ist der Magnet,
der die göttlichen Bestätigungen anzieht, es ist die Ursache für die Belebung der Herzen und
Seelen. Die Erhabenste Feder sagt:

"Sammelt euere Kräfte für die Verbreitung des Glaubens Gottes. Wer immer einer so
hohen Berufung würdig ist, der mache sich auf, den Glauben zu fördern. Wer dies nicht
vermag, hat die Pflicht, jemanden zu bestimmen, der statt seiner diese Offenbarung
verkündet, deren Gewalt die Grundmauern der mächtigsten Bauten beben macht, je-
den Berg zu Staub zermalmt und jede Seele bestürzt."
Ährenlese 96:3

Er sagt auch:

"In einem der Sendschreiben ist von der Höchsten Feder dieses erhabene Wort offen-
bart worden: 'Wer nicht lehren kann, sollte einen Stellvertreter benennen." 1

Gelobt sei Gott, die großzügige Tafel ist jetzt zur Freude aller gedeckt. Der Vier-Jahres-Plan bie-
tet jedem einzelnen, der an dem Erreichen der Lehrziele beteiligt ist, Führung. In einigen Fällen,
wenn Menschen nicht in der Lage sind, den Glauben direkt zu lehren, sind sie ermahnt worden,
jemanden zu bestimmen, der in ihrem Namen diese Pflicht erfüllt. Sollte es ihnen nicht möglich
sein, eine einzelne Person zu bestimmen, so können sie gemäß ihren finanziellen Möglichkeiten
Geld spenden, das für die Verteilung durch lokale, nationale, kontinentale und internationale
Fonds des Glaubens vorgesehen ist. Kurz gesagt, für jeden gibt es eine Möglichkeit, an der
Lehrarbeit teilzunehmen, die, gemäß 'Abdu'l-Bahás, die wichtigste Pflicht ist und keinen Raum für
Entschuldigungen läßt. Darüber hinaus sind die Menschen dieser Welt, die den heutigen Prüfun-
gen müde und hilflos gegenüberstehen, mehr denn je bereit, die Sache Gottes mit offenen Ar-
men aufzunehmen. Es wäre in der Tat ein schwerer Verlust, diese Möglichkeit nicht zu nutzen,
denn es würde dem schmerzgeplagten Körper der Menschheit das Heilmittel vorenthalten, das
großzügig in die Hände des Volkes von Bahá gelegt wurde. Dies ist der Tag, an dem - gemäß
'Abdu'l-Bahás - "Der Ruf: 'Wo sind Bahá'í-Lehrer' wird aus allen Ecken der Welt erhoben....." 1
Gesegnet seien diejenigen, die aufgehorcht und mit Leib und Seele geantwortet haben. Dieser
Aufruf ist in den heutigen Tagen besonders wichtig, denn, entsprechend dem Vier-Jahres-Plan,
sollte die Anzahl der Bahá'í-Lehrer in den verbleibenden Jahren dieses Jahrhunderts so anstei-
gen, daß der Beitritt in Scharen unter den Schatten der Sache Gottes beschleunigt wird. Die innig
geliebten iranischen Gläubigen, wo immer sie wohnen, dürfen sich nicht selbst der Gnadengabe
berauben, an Bahá'í-Aktivitäten teilzunehmen. Sie sollten sich eher mit den einheimischen
Freunden vereint erheben und ihre Kräfte vereinen, um unter der Weisung der Bahá'í-
Institutionen gebührenden Dienst zu leisten. Nein, sie sollten sogar die Führung übernehmen und
für ihre Dienstbarkeit an der Heiligen Schwelle hoch angesehen werden.

Eine andere Sache von hoher Wichtigkeit, die die iranischen Gläubigen zu vernachlässigen sich
nicht leisten dürfen, ist der Unterricht der Kinder im Bereich geistiger Fähigkeiten, menschlicher
Vollkommenheit und himmlischen Charakters. Auch hierbei können sie von dem Beispiel der op-
ferbereiten Freunde aus dem Iran lernen, die ihre Kinder von klein auf unter ihrer liebenden Für-
sorge unterrichten, sie mit der Zierde eines lobenswerten Charakters schmücken und ihnen bei
der Aneignung von Wissen und dem Verständnis der geistigen Wahrheiten helfen voranzukom-
men. Damit veranschaulichen sie diese Ermahnung 'Abdu'l-Bahás:

".... alle Mühe für die Erziehung der Kinder auf sich zu nehmen, damit sie sich von frü-
hester Kindheit in der Lebensführung als Bahá'í auf Gottes Wegen üben, um wie junge
Pflanzen an den sanft fließenden Wassern der Ratschläge und Ermahnungen der Ge-
segneten Schönheit zu gedeihen und zu blühen."
Briefe und Botschaften, 97:2

Ebenso:

"Die Bahá'í-Kinder müssen die anderen Kinder beim Studium der Wissenschaften und
Künste übertreffen, denn sie werden in der Gnade Gottes aufgezogen.

Was andere Kinder in einem Jahr lernen, sollen Bahá'í-Kinder in einem Monat lernen."
Briefe und Botschaften, 119:1,2

Und wieder:

"Solange die Kinder noch klein sind, nährt sie an der Brust himmlischer Gnade, hegt sie
in der Wiege aller Vollkommenheiten, zieht sie groß in den Armen der Gabenfülle.
Gönnt ihnen den Vorzug alles brauchbaren Wissens. Laßt sie teilhaben an jedem neu-
en, trefflichen, wundersamen Handwerk und Kunstgewerbe. Erzieht sie zu Arbeit und
Einsatz, gewöhnt sie an Mühsal."
Briefe und Botschaften, 102:3

Denken Sie sorgfältig über die folgende Aussage nach, die von der Feder der Altehrwürdigen
Schönheit offenbart wurde:

"Die Eltern müssen alle Anstrengungen machen, ihren Nachwuchs religiös zu erziehen.
Denn wenn die Kinder diesen größten Schmuck nicht erlangen, werden sie ihren Eltern
nicht gehorchen, was in gewissem Sinne gleichbedeutend mit Ungehorsam gegen Gott
ist. Wahrlich, solche Kinder werden keine Rücksicht auf irgend jemanden nehmen und
nur das tun, was ihnen gefällt."
Ziele der Kindererziehung S. 11

Heutzutage sind die Menschen in vielen Ländern aufrührerisch und gedankenlos, moralisch kor-
rupt und von verschieden Problemen geplagt. Zu einer solchen Zeit ist Gehorsam gegenüber den
obigen Verordnungen lebenswichtiger als jemals zuvor. Die Freunde im Iran haben diese Verord-
nungen erfolgreich in die Tat umgesetzt. Sie haben aus Erfahrung gelernt, daß eines der ersten
Ergebnisse dieser Bemühungen darin besteht, daß ihre teuren Kinder schon in jungen Jahren
fähig werden, sich den Schwierigkeiten in der Schule, auf der Straße und auf dem Marktplatz zu
stellen und Mut zu zeigen und dabei die Reinheit ihrer Herzen bewahren und das Ansehen des
Glaubens schützen. Die Freunde in anderen Teilen der Welt sollten es genauso tun. Denn wenn
den Kindern das geistige Fundament vorenthalten wird, wird ihr Schutz durch die Angriffe von
heftigen Versuchungen gefährdet sein.

Einer der lobenswerten Dienste, zu deren Erfüllung sich die iranischen Bahá'í überall verpflichten
können, ist, den Anstoß für die Errichtung von Übungsklassen zur Stärkung des Charakters zu
geben und ihre Hilfe für die Erhaltung dieser Klassen zu leisten. Diejenigen Freunde, die Schüler
solcher Klassen waren und die Süße der Früchte einer solchen Erziehung genossen haben, soll-
ten aktiv an diesem großen Dienst teilnehmen, welcher die Ursache für die Stärkung jeder Bahá'í-
Gemeinde ist und der für die Erziehung der Kinder überall Sorge trägt.

Außerdem sollten Bahá'í-Eltern von iranischer Abstammung sich bemühen, ihren Kindern die
persische Sprache beizubringen, denn Persisch ist eine der beiden Offenbarungssprachen dieser
ruhmreichen Sendung. Bahá'u'lláh sagt: "An diesem Tag, da die Sonne des Wissens erschien
und vom Firmament Irans strahlt, ist es angemessen, diese Sprache so viel als möglich zu lo-
ben."1 Er sagt auch: ".Die Sehnsucht der Welt spricht in persischer Sprache. Er würde es lobens-
wert finden, wenn Seine Geliebten auch in dieser Sprache redeten und schrieben." 1

Es wäre ein großer Dienst, wenn in jeder Stadt und in jedem kleinen Dorf, wo iranische Bahá'í
leben, einige persische Freunde sich ganz besonders große Mühe geben würden, Kindern und
Jugendlichen diese Sprache zu lehren, zusammen die Schriften in persisch studieren und ihren
Durst mit der rauschenden Quelle des Schöpferischen Wortes und der Heiligen Schriften löschen
würden. Wir preisen Gott, daß er es einigen ausländischen Bahá'í-Institutionen ermöglicht hat,
sich Wege zu überlegen und Programme zu entwickeln, um den Iranern, die von ihrem Heimat-
land entfernt leben, die persische Sprache beizubringen. Diese Programme können sehr gut ge-
nutzt werden um diesen gesegneten Dienst zu leisten.

Die geschätzten Freunde aus dem Iran sind schon immer an der vordersten Front gewesen und
werden es weiterhin sein, wenn es darum geht, der Sache Gottes ihre wertvollen Dienste zu er-
weisen. Wir brauchen uns nicht die Liste der Opfer anzuschauen, die die Helden des apostoli-
schen Zeitalters auf dem Feld der Treue erbracht haben. Ein genauer Blick auf die frühen Pha-
sen des Gestaltenden Zeitalters wird uns die historischen und entscheidenden Dienste der irani-
schen Gläubigen bei der Verherrlichung der Sache Gottes und ihrer Einführung auf der ganzen
Welt zeigen und unsere Bewunderung und unser Lob erwecken. Im Zehn-Jahres-Plan, den der
geliebte Hüter den Geistigen Weltkreuzzug nannte, war eine beachtliche Anzahl von iranischen
Bahá'í sehr erfolgreich, Länder und Gegenden dem Licht des Glaubens zu öffnen. Die Namen
dieser Ritter sind auf der Ehrenrolle aufgeführt. Sehr zahlreich sind auch jene, die großzügig für
die Errichtung von notwendigen und bedeutenden Institutionen gespendet haben. Erst kürzlich,
als Geldspenden für den Bau von Gebäuden am Bogen notwendig waren, sahen es die irani-
schen, im Ausland lebenden Freunde als unschicklich an, hinter den anderen Freunden zurück-
zubleiben. Wie zuvor schritten sie mit großen Bemühungen und Anstrengungen voran und betei-
ligten sich so viel wie möglich daran, die finanziellen Mittel für solch mächtige Institutionen bereit-
zustellen.

Oh Freunde Gottes, es ist sicher, daß die Wolke göttlicher Barmherzigkeit und Gaben auf die
gesamte Menschheit in gleicher Weise regnet. Jedoch hat jeder von uns gemäß seiner Fähigkei-
ten daran teil. Obwohl die Möglichkeiten je nach Stand unterschiedlich sind, mangelt es nicht ei-
ner einzigen Seele gänzlich an Fähigkeiten. In der Tat hängt der Fortschritt der Menschen in die-
ser Welt von diesem vorherbestimmten Maß ab und von der Art und Weise, wie sie ihre gottge-
gebenen Möglichkeiten erfüllen. Demzufolge entspricht unsere Verantwortung unserer Fähigkeit,
wie es heißt:: "Gott wird keine Seele über Gebühr belasten". Es ist unsere glühende Hoffnung,
daß die Gläubigen, die ihr Leben der Göttlichen Schönheit geweiht haben, in der Zurückgezo-
genheit ihres Gewissens und in der Gegenwart Gottes gründlich ihre Fähigkeit einschätzen, ihre
Situation beurteilen und dann entscheiden, welche Art von Dienst und bis zu welchem Grad sie
diesen auf dem Weg der Liebe Bahá'u'lláhs leisten können. Dann werden sie ihn in Erfüllung
ihres Treuegelöbnisses ausüben, auf daß sie in der ewigwährenden Welt zur Gnade der Wieder-
vereinigung gelangen und die Früchte ihres Lebens ernten können. Sonst werden sie, wenn sie
nur an ihre eigene Bequemlichkeit in dieser sterblichen Welt denken und den Zweck der Schöp-
fung nicht beachten, unzweifelhaft Verlust und Reue über sich selbst bringen. 'Abdu'l-Bahá sagt:

"Welchen Nutzen hat die Menschheit von der Bequemlichkeit des Leibes, die darin be-
steht, daß man in der Nacht ruht, am Tage redet, am Morgen seinen Lebensunterhalt
erwirbt, am Abend sich am Kaminfeuer erfreut und Vergnügen an einem höchst be-
quemen und extravaganten Bett findet, das aus feinster Seide und Brokat gemacht ist.
Beträchtliche Zeit wird mit eitlem Gerede verschwendet. Wenn es zu einem Ende
kommt, so ist es nichts als Verlust und offensichtliches Verderben." 1


Wie durchdringend ist Bahá'u'lláhs Äußerung, die Seine treuen Diener so ermahnt:

"Die Nacht folgt dem Tag und der Tag folgt der Nacht, und die Stunden und Augenbli-
cke eueres Lebens kommen und gehen, aber keiner von euch ist bereit, sich nur einen
Augenblick lang vom Vergänglichen zu lösen. Regt euch, damit die kurzen Augenbli-
cke, die euch noch verbleiben, nicht zerrinnen und verloren gehen. Blitzschnell werden
euere Tage vorüber sein, und euere Leiber werden in einem Bett von Staub zur Ruhe
gelegt. Was könnt ihr dann noch vollbringen? Wie könnt ihr dann euer früheres Versa-
gen sühnen?"
Ährenlese 151:4

Oh geliebte und teure Freunde aus Bahá'u'lláhs Geburtsland! Unsere Sehnsucht, nein unsere
Hoffnung und Erwartung an unsere werten Freunde ist diese: daß Sie in Gehorsam gegenüber
den göttlichen Geboten und Ermahnungen wie Morgensterne werden, die vom Horizonte der
Führung leuchten und den Weg weisen und dadurch das erlangen, was der Einzig Geliebte für
Sie wünscht und vorgesehen hat.

[gezeichnet: Das Universale Haus der Gerechtigkeit]


Übersetzer: Frau C. Faroghzad
Überprüfung: GM

(neue, unüberprüfte Übersetzung)


An die Liebenden der Gesegneten Schönheit, (iranischen Freunde) 154 B.E (Uhg-iran) Seite: 8

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