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Das Universale Haus der Gerechtigkeit

9. Januar 2001

An die Konferenz der Kontinentalen Berateraemter

Innig geliebte Freunde,

Vor fuenf Jahren haben wir die im Heiligen Land versammelte Koerperschaft
der Berater dazu aufgerufen, der Baha’i-Welt dabei zu helfen, das
systematische Wachstum zu verstehen und sich dieser Herausforderung zu
stellen. Die grossartigen Ergebnisse des Vier-Jahres-Planes bezeugen, dass
sie dem aus ganzem Herzen entsprochen haben. Heute bitten wir Sie um eine
vergleichbar grosse Anstrengung, naemlich den erfolgreichen Start des Fuenf-
Jahres-Planes sicherzustellen.

Bei Ihren Beratungen ueber die Wesensart der naechsten Stufe der Entfaltung
des Goettlichen Planes muessen Sie das Ausmass der Veraenderungen in
Erwaegung ziehen, die sich in Bezug auf die Geschicke des Glaubens Gottes
ereignen. Am Weltzentrum bedeutet die Errichtung der grossen Gebaeude um
den Bogen einen bedeutenden Schritt bei der Konsolidierung der goettlich
verordneten Gemeindeordnung. Der Vier-Jahres-Plan war Zeuge einer
bemerkenswerten Erweiterung der institutionellen Kapazitaet der Baha’i-
Gemeinde auf allen Kontinenten. Die Entwicklung der Nationalen und
oertlichen Geistigen Raete hat sich sichtlich beschleunigt und dort, wo
Regionale Baha’i-Raete eingerichtet wurden, haben sie der Arbeit der Sache
Gottes neue Energie und
Wirksamkeit verliehen. Seit der Geburt und dem Aufbluehen von mehr als
300 Baha’i-Instituten besitzt der Glaube ein machtvolles
Instrument, um die Faehigkeiten von Menschen zu entwickeln, die
fuer eine staendige in grossem Masse stattfindende Ausbreitung und
Festigung benoetigt werden. Weiterhin ist die Faehigkeit der Baha’i-
Gemeinde, die Geschicke der Menschheit zu beeinflussen, in
grossem Masse gesteigert worden, und zwar sowohl durch ihre
Verbindung zu Regierungen und Organisationen der Zivilgesellschaft
als auch durch ihre Anstrengungen auf dem Gebiet der sozialen und
wirtschaftlichen Entwicklung. Die Sache Baha’u’llahs steht an der
Schwelle zu einer neuen Epoche und zwar in einem Augenblick in
der Geschichte, da die Welt – trotz Verwirrung und Ausbruch neuer
Feindseligkeiten – echte Schritte in Richtung auf den Frieden
unternimmt. Man erkennt deutlich, dass die Aufnahmefaehigkeit fuer
Seinen alldurchdringenden und strahlenden Geist waechst.

Den Prozess des Beitritts von Scharen zu foerdern, wird auch ein
Ziel des Fuenf-Jahres-Planes sein – ja das Ziel der Serie von
Plaenen, die uns bis ans Ende des ersten Jahrhunderts des
Gestaltenden Zeitalters fuehren werden. Die Beschleunigung dieses
lebenswichtigen Prozesses wird durch systematische Aktivitaeten
der drei Beteiligten an dem Plan erreicht werden: dem einzelnen
Glaeubigen, den Institutionen und der Gemeinde.

Das Baha’i-Institut

Eine durch das Internationale Lehrzentrum fuer uns vorgenommene
eingehende Analyse des Vier-Jahres-Planes zeigt, dass das Baha’i-
Institut nicht nur wirkungsvoll die Faehigkeiten des Einzelnen
verbessert, sondern auch die Gemeinden und Institutionen belebt.
Daher muss es ein zentrales Merkmal des neuen Planes sein, die
Entwicklung der Baha’i-Institute in den verschiedenen Laendern und
Gebieten der Erde fortzusetzen.

Da sie auf diesem Gebiet ihrer Bemuehungen auf reiche
Erfahrungen zurueckgreifen koennen, werden die Institute ihre
Gemeinden mit einem staendigen Strom faehiger Menschen
versorgen muessen, die dem Prozess des Beitritts in Scharen
dienen. Weltweit sind schon einzelne Elemente eines Systems, das
den Erfordernissen fuer die Ausbildung einer grossen Zahl von
Glaeubigen Rechnung traegt, getestet worden. und sie haben sich
bewaehrt. Studienkreise, die durch Fortbildungskurse und
Spezialprogramme verstaerkt wurden, haben ihre Faehigkeit unter
Beweis gestellt, dem geistigen Erziehungsprozess an der Basis
Struktur zu verleihen. Es ist ueberdeutlich geworden, dass der
Sequenz von Kursen grosse Bedeutung zukommt, wobei ein Kurs in
logischer Weise auf den anderen folgt und auf dem in
vorangegangenen Kursen Erreichten aufbaut. Es haben sich
verschiedene Modelle ergeben, die Einsichten darueber vermitteln,
wie mit Hilfe einer solchen Sequenz Ausbildungsprogramme
entwickelt werden koennen. In einem Beispiel aehnelt die
Hauptsequenz einem Baumstamm, von dem Kurse abzweigen,
wobei jeder Ast einem bestimmten Ausbildungsgebiet gewidmet ist.
In einem anderen laufen mehrere Kursschienen parallel, wobei jede
ihren eigenen Schwerpunkt hat. Institute werden gut daran tun,
diese Elemente und Vorgehensweisen zu untersuchen und sie in
einer Weise anzuwenden, die den sich ihnen bietenden
Gelegenheiten entsprechen.

Gleich zu Beginn des Zwoelf-Monate-Planes haben wir betont, dass
Baha’i-Kinder unbedingt geistig genaehrt werden und in das Leben
der Sache Gottes eingebunden werden muessen. Nach der
bisherigen Reaktion der Freunde zu urteilen, deutet alles darauf hin,
dass das Bewusstsein, wie wichtig Kindererziehung ist, das
eigentliche Merkmal dieses kurzen aber bedeutsamen Planes sein
wird. Den Baha’i-Kinderklassen ist ein neuer Impuls gegeben
worden. Durch das gesteigerte Bewusstsein sind auch
Moeglichkeiten entdeckt worden, moralische und geistige Erziehung
Kindern im allgemeinen anzubieten, was sich beispielsweise an den
erfolgreichen Bemuehungen zeigt, mit denen Kurse ueber den
Baha’i-Glauben in Lehrplaenen oeffentlicher Schulen eingefuehrt
wurden.

Es ist ein besonders ermutigendes Zeichen, dass Institute immer
mehr Nachdruck auf die Ausbildung von Kinderklassenlehrern legen.
Aber auch andere Massnahmen sind ebenso wichtig, wenn man fuer
Kinder jeden Alters in Gemeinden der ganzen Welt regelmaessige
Klassen anbieten will. In manchen Laendern sind nationale und
regionale Ausschuesse ernannt worden, um oertlichen Geistigen
Raeten dabei zu helfen, ihre Verantwortung fuer die
Kindererziehung wahrzunehmen. In diesen Laendern wird sich die
Beziehung zwischen den Ausschuessen und den Baha’i-Instituten in
dem Masse, wie Erfahrung gewonnen wird, staendig
weiterentwickeln, wobei sich die Institutionen in ihrer Arbeit
gegenseitig unterstuetzen. Es gibt aber viele Laender, in denen das
Institut die einzige Einrichtung ist, die die Faehigkeit entwickelt,
Kurse in einem Ort nach dem anderen zu organisieren und
abzuhalten. Da diese Vorgehensweise bei Jugendlichen und
Erwachsenen und in steigendem Masse auch fuer Junioren gut
funktioniert, besteht kein Grund, warum das Baha’i-Institut nicht
auch dort, wo es noetig ist, eine aehnliche Verantwortung fuer
Kinder uebernehmen sollte. Im allgemeinen uebernehmen die
Institute nicht die Organisation und Durchfuehrung von Plaenen und
Programmen fuer die Ausbreitung und Festigung. Die Durchfuehrung
von Kinderklassen ist jedoch ein einmaliges Unterfangen und von
besonderer Dringlichkeit. In jenen Laendern, wo ihm diese Aufgabe
uebertragen wird, wird das Institut zu einem Lernzentrum, das sich
intensiv auf die geistige Erziehung der Freunde von der zartesten
Kindheit bis zum Erwachsenenalter konzentriert.

Persoenliche Initiative beim Lehren.

Nachdem die Arbeit der Institute an Wirksamkeit zunimmt, muss
nun ueberall die Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden, die
Lehrbemuehungen zu systematisieren. In dem gerade
veroeffentlichten Dokument „The Institution of the Counsellors“
[„Die Institution der Berater“] betonen wir die Rolle, die
Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten dabei spielen, den
Freunden bei der Bewaeltigung dieser Herausforderung zu helfen
und zwar auf der Ebene der persoenlichen Initiative ebenso wie der
der kollektiven Entscheidung. In dem Masse wie Einzelne die
Institutskurse absolvieren, vertiefen sie ihre Kenntnisse im Glauben,
gewinnen Einsichten und erwerben Faehigkeiten zum Dienst. Einige
der dem Lehren gewidmeten Kurse werden sicherlich das Thema
allgemein behandeln. Andere werden sich darauf konzentrieren, mit
welchen Mitteln man die Botschaft Baha’u’llahs den verschiedenen
Schichten der Gesellschaft uebermitteln kann, wobei man die
Weisheit der Freunde einbezieht, die sie aus Lehrbemuehungen
gewonnen haben. Die Kombination der Prozesse des Handelns,
Lernens und UEbens wird die Gemeinden mit einer immer
groesseren Zahl von faehigen und eifrigen Lehrern der Sache
Gottes ausstatten.

Natuerlich fuehrt die Ausbildung allein noch nicht notwendigerweise
zu einem Aufschwung der Lehrtaetigkeit. Bei jeder Art des Dienstes
brauchen die Freunde staendige Ermutigung. Wir hegen die
Erwartung, dass die Hilfsamtsmitglieder zusammen mit ihren
Assistenten besonders darueber nachdenken, wie sie die
persoenliche Initiative entwickeln koennen und zwar besonders im
Hinblick auf das Lehren. Wenn die Ausbildung und die Ermutigung
effektiv sind, bildet sich eine Wachstumskultur heraus, bei der die
Glaeubigen die Pflicht zum Lehren als eine natuerliche Folge dessen
ansehen, dass sie sich zu Baha’u’llah bekannt haben. "Hoch recken
(sie) die heilige Fackel des Glaubens", wie `Abdu’l-Baha es sich
wuenschte; „unablaessig werden sie Tag und Nacht taetig sein“ und
„jeden fluechtigen Augenblick ihres Lebens der Verbreitung der
Duefte Gottes, der Verherrlichung Seines heiligen Wortes weihen.“
Ihre Herzen werden vom Feuer der Liebe Gottes so entflammt sein,
dass jeder, der ihnen naht, ihre Waerme spuert. Sie bemuehen sich,
Kanaele des Geistes zu sein, reinen Herzens, selbstlos und demuetig
und verfuegen uebe r die Sicherheit und den Mut, der aus
Gottvertrauen stammt. In einer solchen Kultur ist das Lehren die
vorherrschende Leidenschaft im Leben der Glaeubigen. Angst vor
Versagen hat dort keinen Platz. Gegenseitige Unterstuetzung, eine
Hingabe ans Lernen und die Anerkennung der Verschiedenartigkeit
des Handelns sind die vorherrschenden Normen.

Systematische Programme fuer das Wachstum

In den naechsten Monaten werden Sie nationalen Gemeinden, bei
denen die Umstaende sehr verschieden sind, bei der Aufstellung von
Plaenen fuer das systematische Wachstum helfen. Es gibt viele
Laender, in denen die wachsende Faehigkeit der Institutionen –
besonders auf regionaler Ebene – es moeglich macht, die
Aufmerksamkeit auf kleinere geographische Regionen zu lenken. In
den meisten Faellen werden diese aus einer Gruppe von Doerfern
und Staedten bestehen, aber manchmal wird auch eine Grossstadt
mit ihren Vororten ein solcher Bereich sein. Die Faktoren, die die
Grenzen eines Bereiches bestimmen, sind u.a. Kultur, Sprache,
Transportmoeglichkeiten, Infrastruktur und das soziale und
wirtschaftliche Leben seiner Bewohner. Eine Region wird sich
gewoehnlich in Bereiche aufteilen, die in der Entwicklung zu
unterschiedlichen Kategorien gehoeren. Einige werden dem Glauben
noch nicht erschlossen sein, in anderen wird es einige
Einzelstehende und Gruppen geben, in wieder anderen werden
Gemeinden gerade dabei sein, sich durch einen lebendigen
Institutsprozess zu festigen, in einigen wenigen werden starke
Gemeinden mit vertieften Glaeubigen in der Lage sein, die
Herausforderung der systematischen und beschleunigten
Ausbreitung und Festigung zu uebernehmen.

Sobald die entsprechenden Kategorien festgestellt wurden, werden
nationale Plaene in diesen Laendern fuer die zunehmende
Erschliessung vom Glauben unberuehrter Gebiete durch die
Ansiedlung von Pionieren im eigenen Land sorgen muessen. Solche
Ziele koennen relativ leicht erreicht werden, wenn Pioniere
Erfahrung in Institutsprogrammen haben und deren Methoden und
Materialien dazu zu benutzen verstehen, damit eine Gruppe von
ergebenen Glaeubigen gewonnen werden kann, die die Arbeit des
Glauben in jener Gegend voranbringt. Ein bedeutendes Vorrecht
steht wahrlich jenen zu, die in den verbleibenden Jahren des ersten
Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters ihr Vertrauen in Gott
setzen und sich leidenschaftlich erheben, um als erste das Licht
goettlicher Fuehrung in jeden Teil ihres Landes zu tragen. Wir
hoffen, dass dieser Aufruf fuer Pioniere im eigenen Land unter den
Freunden eine grosse Begeisterung ausloesen wird und ihnen eine
neue Sicht eroeffnet, wie man dem Glauben dienen kann.

Nach diesem Schema werden zu den nationalen Plaenen auch
Vorkehrungen gehoeren, mit denen andere fuer den Glauben schon
erschlossene Gegenden noch jene Entwicklungsstufe erreichen
muessen, auf der sie fuer intensive Aktivitaeten vorbereitet sind. In
Gegenden, wo starke Gemeinden mit einer Gruppe vertiefter
Freunde bestehen, sollten unverzueglich systematische Programme
fuer die Ausbreitung und Festigung des Glaubens aufgestellt werden.
Wir haben schon darauf hingewiesen, dass das Internationale
Lehrzentrum gewisse Wachstumsmuster fuer relativ kleine
geographische Regionen kenntlich gemacht hat. Inzwischen hat es
mehrere Pilotprojekte in verschiedenen Teilen der Welt untersucht,
und die Ergebnisse sind hoechst ermutigend. Die daraus gezogene
Lehre liefert Tatsachenmaterial, um in einer Gegend nach der
anderen mit Programmen fuer systematisches Wachstum zu
beginnen. So Sie hierueber mit Nationalen Geistigen Raeten und
Regionalen Baha’i-Raeten beraten, werden Sie sicher das
Lehrzentrum darueber informiert halten wollen.

Es kommt darauf an, dass nationale Gemeinden nicht uebereilt ein
intensives Lehrprogramm fuer eine Gegend aufstellen, ehe die
Bedingungen dafuer geeignet sind. Zu diesen Bedingungen
gehoeren: ein hohes Mass an Begeisterung unter einer beachtlichen
Gruppe von ergebenen und faehigen Glaeubigen, die die
Voraussetzungen fuer anhaltendes Wachstum verstehen und selbst
fuer das Programm verantwortlich sind; einige Grunderfahrung
seitens weniger Gemeinden in dem Bezirk in Bezug auf das
Abhalten von Klassen fuer die geistige Erziehung der Kinder, fuer
Gebetsandachten und fuer Neunzehntagefeste; ein angemessener
Grad von administrativen Faehigkeiten in wenigstens einigen
oertlichen Geistigen Raeten; die aktive Beteiligung von mehreren
Assistenten des Hilfsamtes bei der Verbesserung des
Gemeindelebens; ein ausgepraegter Geist der Zusammenarbeit
zwischen den verschiedenen Institutionen, die in der Gegend
arbeiten; und vor allem eine starke Beteiligung des Baha’i-Instituts
mit einem Koordinationsschema, das die systematische Vermehrung
der Studienkreise unterstuetzt.

Die in einer solchen Gegend begonnenen Programme sollten auf die
Foerderung eines anhaltenden Wachstums abzielen, indem sie die
notwendigen Kapazitaeten auf der Ebene des Einzelnen, der
Institutionen und der Gemeinde aufbauen. Diese Programme
beduerfen keinesfalls grossartiger und detaillierter Plaene, sondern
sollten sich auf einige wenige Massnahmen konzentrieren, die sich
im Laufe der Jahre als unabdingbar fuer eine Verbreitung und
Festigung in grossem Massstab erwiesen haben. Der Erfolg wird
davon abhaengen, in welcher Weise Aktionen integriert werden und
welche Einstellung zum Lernen vorliegt. Die Umsetzung eines
solchen Programms erfordert die enge Zusammenarbeit zwischen
dem Institut, den Hilfsamtsmitgliedern und ihren Assistenten und
dem Regionalen Lehrausschuss.

Kern des Programms muss ein solider und anhaltender Prozess der
Verbreitung sein, dem ein ebenso starker Prozess der Heranbildung
von faehigen Menschen entspricht. Eine Reihe von Lehrmassnahmen
muss durchgefuehrt werden, dazu gehoeren Aktivitaeten von
Einzelnen sowie von Institutionen organisierte Kampagnen. Sobald
die Zahl der Glaeubigen steigt, sollte ein beachtlicher Prozentsatz
von ihnen durch das Institut ausgebildet werden, wobei auf die
Faehigkeiten Gewicht gelegt wird, die zur Entwicklung der oertlichen
Gemeinden fuehren.

Unsere Botschaft vom 26. Dezember 1995 beschrieb die Merkmale
des Vier-Jahres-Planes und nannte die Stadien, die eine Gemeinde
bei ihrer Entwicklung durchlaeuft. Die in den darauffolgenden Jahren
bei der Arbeit mit Gemeinden in verschiedenen dieser Stadien
gewonnene Erfahrung wird sich fuer solche Wachstumsprogramme
als wertvoll erweisen. Bei der Umsetzung des Programms wird
sicherlich einer der ersten Schritte sein, eine UEbersicht
aufzustellen, die den Zustand jeder OErtlichkeit in der betreffenden
Gegend feststellt. Zu den ersten Zielen in jeder Gemeinde sollte es
gehoeren, Studienkreise, Kinderklassen und Gebetsversammlungen
einzufuehren, die allen Bewohnern des Ortes zugaenglich sind.
Angemessenes Gewicht sollte auf die Einhaltung des
Neunzehntagefestes gelegt werden und bestaendig sollte man sich
um die Festigung der oertlichen Geistigen Raete bemuehen. Sobald
die Gemeinden in der Lage sind, die grundlegenden Aktivitaeten des
Baha’i-Lebens selbst zu gestalten, ist die Einfuehrung kleiner
Projekte der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ein
natuerlicher Schritt zur weiteren Festigung. Das koennte ein
Alphabetisierungsprojekt, ein Projekt zur Foerderung der Frauen,
ein Umweltschutzprojekt oder sogar eine Dorfschule sein. Mit
zunehmender Kraeftigung wird die Verantwortung fuer eine
erweiterte Zahl von Aktionen den oertlichen Geistigen Raeten
uebertragen.

Waehrend der ganzen Unternehmung muessen Beratungssitzungen
in der Region stattfinden, um strittige Fragen zu eroertern,
Anpassungsmassnahmen zu ueberlegen, die Begeisterung wach zu
halten und fuer Einigkeit im Denken zu sorgen. Der beste Ansatz ist
es, einen Plan fuer zunaechst wenige Monate aufzustellen, der mit
ein oder zwei Aktionen beginnt und schrittweise an Komplexitaet
zunimmt. Alle, die aktiv an der Umsetzung der Plaene beteiligt sind,
seien es Mitglieder der Institutionen oder auch nicht, sollten dazu
ermutigt werden, immer an den Beratungen teilzunehmen. Es
werden auch andere Versammlungen notwendig sein, die die ganze
Region umfassen. Davon werden einige die Gelegenheit zu einem
Erfahrungsaustausch und zu weiterer Schulung bieten. Andere
werden sich auf die Einbindung der Kuenste und die kulturelle
Bereicherung konzentrieren. Alle diese Zusammenkuenfte
unterstuetzen einen intensiven Prozess der Aktionen, der Beratung
und des Lernens.

Die an diesem intensiven Wachstumsprogramm beteiligten Freunde
sollten sich immer vor Augen halten, dass sein Zweck darin besteht,
dass die Offenbarung Baha’u’llahs ganz sicher die Massen der
Menschheit erreicht und sie befaehigt, durch die Anwendung der
Lehren geistigen und materiellen Fortschritt zu erzielen. Grosse
Massen unter den Voelkern der Welt sind bereit, ja sehnen sich nach
den Segnungen, die nur Baha’u’llah ihnen verleihen kann, sobald sie
sich dazu verpflichtet haben, am Aufbau der neuen Gesellschaft
mitzuwirken, die Er vorgesehen hat. Wenn sie es lernen, ihre
grossangelegte Lehrarbeit zu systematisieren, sind Baha’i-
Gemeinden besser in der Lage, dieser Sehnsucht zu entsprechen.
Sie duerfen das dafuer notwendige Opfer und die Anstrengung nicht
verweigern.

Ein geistiges Unternehmen

Es leuchtet ein, dass das hier beschriebene Schema, das fuer viele
nationale Gemeinden gueltig ist, nicht in jeder Situation angewandt
werden kann. Wir zaehlen auf die Faehigkeit der Baha’i-
Institutionen, Plaene zu entwerfen, die vielleicht nicht ganz dem
obigen Schema entsprechen, aber doch je nach den Umstaenden in
jeder nationalen Gemeinde Elemente dieser Vision aufnehmen.
Baha’i-Gemeinden sind natuerlich in einer Vielzahl von
unerlaesslichen Unternehmungen engagiert, wie Information der
OEffentlichkeit, Proklamation, auswaertige Angelegenheiten,
Erstellung von Literatur und komplexen sozialen und wirtschaftlichen
Entwicklungsprojekten. Wenn jetzt Plaene entworfen werden, so
werden sie ganz gewiss auch diese Herausforderungen mit
einbeziehen.

Im Wesentlichen ist dieser Planungsprozess, mit dem Sie den
Freunden helfen werden, in vieler Beziehung einzigartig. Im Kern ist
es ein geistiger Prozess, mit dem sich die Gemeinden und
Institutionen bemuehen, ihr Bestreben mit dem Willen Gottes in
Einklang zu bringen. Der Groessere Plan Gottes ist in Gang, und die
von ihm angeregten Kraefte draengen die Menschheit ihrer
Vorsehung entgegen. In ihren eigenen Aktionsplaenen muessen sich
die Institutionen des Glaubens um Einsicht in die Prozesse dieser
grossen Kraefte bemuehen, das Potenzial der Menschen, denen sie
dienen, erkunden, die Faehigkeiten und Staerken ihrer Gemeinde
ermessen und praktische Schritte unternehmen, um die
uneingeschraenkte Unterstuetzung der Glaeubigen zu gewinnen. Die
behutsame Anwendung und Umsetzung dieses Prozesses ist der
Ihnen uebertragene heilige Auftrag. Wir haben volles Vertrauen in
Ihre Faehigkeit, dies zu erreichen. Moege Baha’u’llah Sie segnen
und Sie durch Seine unfehlbare Gnade und machtvolle Bestaetigung
unterstuetzen.

gez. Das Universale Haus der Gerechtigkeit

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