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Selbsterkenntnis und Psychologie
Ein Memorandum der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
vom 1. August 1988
Die Forschungsabteilung hat die im Brief vom 21. Juni 1988 vom Nationalen Geistigen Rat von Italien enthaltene Frage an das Universale Haus der Gerechtigkeit studiert. Der Nationale Rat ist besorgt Ÿber das wachsende Interesse an Psychologie in der Bah‡Õ’-Gemeinde. Er hat die Beobachtung gemacht, da§ Psychologie ein Ÿbertriebenes GefŸhl fŸr die Wichtigkeit der Selbstreflexion wecken kann, was dann die jungen GlŠubigen stark beschŠftigt und sie vom Lehren und Vertiefen ablenkt. Der Nationale Rat erbittet eine Zusammenstellung von AuszŸgen aus den Schriften zu diesem Thema, die als Grundlage fŸr seine BemŸhungen dienen soll, die Mitglieder der italienischen Gemeinde hier zu unterstŸtzen. Wir bieten folgende Antwort an.
Die Schriften bestŠtigen eindeutig die Wichtigkeit der Selbsterkenntnis, betonen die Notwendigkeit, sich um die Unterordnung des Ego zu bemŸhen und weisen darauf hin, da§ die Òsehr junge und nicht exakte WissenschaftÓ der Psychologie dabei eine Funktion hat. Die beigefŸgte Zusammenstellung behandelt diese Themen und schneidet eine Reihe von Punkten an, die dem Nationalen Geistigen Rat bei seiner Untersuchung der verschiedenen Aspekte dieses wichtigen Gegenstandes helfen kšnnten.
Einige der in der Zusammenstellung behandelten Themen:
1. Selbsterkenntnis
ihre Bedeutung (Auszug 1 und 2)
das Òwahre SelbstÓ (Auszug 3)
die Grundlage fŸr das Òwahre VerstŠndnisÓ des Selbstes (Auszug 12)
2. Entwicklung des Selbstes
die Bedeutung der Erziehung (Auszug 8 und 10)
die Rolle des individuellen Wollens und BemŸhens (Auszug 5 und 9)
der ÒSchlŸsselÓ zum Sieg Ÿber das Selbst (Auszug 14)
3. Gefahren der alleinigen Konzentration auf das Selbst (Auszug 11 und 13)
4. Die Notwendigkeit, Ÿber das Selbst hinauszuschauen
ein ÒweltumfassenderÓ Blick (Auszug 4)
lebhafte Anteilnahme an den ÒNšten der ZeitÓ (Auszug 7)
5. Das Ego und das Selbst
zwei Bedeutungen des Selbstes (Auszug 15)
Unterordnung oder Auslšschung des Egos (Auszug 20)
Notwendigkeit, gegen das Ego anzukŠmpfen (Auszug 16)
moderne †berbetonung des Egos und des Selbstes in der Psychologie (Auszug 20)
6. Die Rolle der Psychologie in der Bah‡Õ’-Religion
Kommentar Ÿber Freud, Psychiatrie, Psychologie und Kinderpsychologie (Auszug 17)
Bah‡Õ’ wird nicht abgeraten, psychiatrische und psychologische Hilfe anzunehmen (Auszug 17)
Die Psychologie ist vorlŠufig eine Òsehr junge und ungenaue WissenschaftÓ (Auszug 18)
Ratschlag fŸr Bestimmungsmšglichkeiten Òwelche Konzepte der Psychologie nach Bah‡Õ’-Ma§stŠben gŸltig sindÓ (Auszug 21)
Bah‡Õ’ werden BeitrŠge zur Entwicklung des ganzen Bereiches der Psychologie machen (Auszug 18 und 19)
Selbsterkenntnis
Aus den Schriften Bah‡ÕuÕll‡hs
1. Das erste Tar‡z und der erste Lichtstrahl, der am Horizont des Mutterbuches anbricht, ist, da§ der Mensch sich selbst erkennen und unterscheiden soll, was zu Erhšhung und Erniedrigung, zu Ruhm und Schande, zu Reichtum und Armut fŸhrt. É
Botschaften aus Akka 4:8
2. Wahren Verlust erleidet, wer seine Tage in všlliger Unkenntnis Ÿber sein wahres Selbst verbringt.
Botschaften aus Akka 10:22
3. É Durch die Lehren dieser Sonne der Wahrheit wird jeder Mensch fortschreiten und sich entwickeln, bis er die Stufe erreicht, auf der er alle in ihm verborgenen KrŠfte offenbaren kann, mit denen sein innerstes wahres Selbst begabt worden ist. Zu eben diesem Zweck sind in jedem Zeitalter und in jeder Sendung die Propheten Gottes und Seine AuserwŠhlten unter den Menschen erschienen und haben eine Kraft gezeigt, wie sie von Gott geboren ist, und eine Macht, wie sie nur der Ewige offenbaren kann.
€hrenlese 27:5
4. La§t eueren Blick weltumfassend sein, anstatt ihn auf euer Selbst zu beschrŠnken.
€hrenlese 43:5
5. Und nun zu deiner Frage nach der Erschaffung des Menschen. Wisse, da§ alle Menschen in der von Gott, dem Bewahrer, dem Selbstbestehenden, bestimmten Art erschaffen sind. Jedem ist, wie auf Gottes mŠchtigen, wohlverwahrten Tafeln verfŸgt, ein vorbestimmtes Ma§ zugewiesen. Alles, was ihr an Anlagen besitzt, kann jedoch nur als Ergebnis eueres eigenen Wollens offenbar werden. Euere Taten bezeugen diese Wahrheit. É
€hrenlese 77:1
6. Alles in den Himmeln und auf Erden ist unmittelbar Beweis dafŸr, da§ sich darin Gottes Eigenschaften und Namen offenbaren, da jedes Atom die Zeichen verwahrt, welche fŸr die Offenbarung des Grš§ten Lichtes beredtes Zeugnis ablegen. Mich dŸnkt, ohne die Macht dieser Offenbarung kšnnte kein Wesen je bestehen. Wie hell strahlen die Leuchten der Erkenntnis in einem Atom, wie weit hin wogen die Meere der Weisheit in einem Tropfen! In hšchstem Grade gilt dies fŸr den Menschen, der unter allem Erschaffenen mit dem Gewande solcher Gaben bekleidet und fŸr die Herrlichkeit einer solchen Auszeichnung auserkoren wurde. Denn in ihm sind alle Namen und Eigenschaften Gottes der Anlage nach in einem Ma§ offenbart, das nichts Erschaffenes sonst Ÿberragt oder Ÿbertrifft. Alle diese Namen und Eigenschaften treffen auf ihn zu. So hat Er gesagt: ÒDer Mensch ist Mein Geheimnis, und Ich bin sein Geheimnis.Ó Mannigfaltig sind die Verse, die in all den himmlischen BŸchern und den heiligen Schriften wiederholt zu diesem tiefsten, erhabensten Thema offenbart worden sind. So hat Er offenbart: ÒWir werden ihnen sicherlich Unsere Zeichen zeigen in der Welt und in ihnen selbst.Ó (QurÕan 51:21-22) Und wiederum offenbarte Er: ÒUnd seid nicht wie jene, die Gott vergessen und die Er darum ihr eigenes Selbst vergessen lie§.Ó (QurÕan 59:20) In diesem Zusammenhang hat Er, der ewige Kšnig Ð mšgen die Seelen aller, die im mystischen Tabernakel wohnen, ein Opfer fŸr Ihn sein Ð gesprochen: ÒDer hat Gott erkannt, der sich selbst erkannt hat.Ó (Ausspruch des Im‡mÔAl’)
€hrenlese 90:1
7. Der allwissende Arzt legt Seinen Finger an den Puls der Menschheit. Er erkennt die Krankheit und verschreibt in Seiner unfehlbaren Weisheit das Heilmittel. Jede Zeit hat ihr eigenes Problem, jede Seele ihre besondere Sehnsucht. Das Heilmittel, dessen die Welt in ihren gegenwŠrtigen Nšten bedarf, kann nicht das gleiche sein, das ein spŠteres Zeitalter erfordern mag. Befa§t euch grŸndlich mit den Nšten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer †berlegungen auf ihre BedŸrfnisse und Forderungen.
€hrenlese 106:1
8. É Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschŠtzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, da§ es seine SchŠtze enthŸllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.
€hrenlese 122:1
9. Aus dem erhabenen Quell, aus dem Wesen Seiner Gunst und GŸte hat Er alles Erschaffene mit einem Zeichen Seiner Erkenntnis betraut, auf da§ keines Seiner Geschšpfe davon ausgeschlossen sei, seinen Anteil von dieser Erkenntnis kundzutun, jedes nach seiner FŠhigkeit und nach seinem Rang. Dieses Zeichen ist der Spiegel Seiner Schšnheit in der Welt der Schšpfung. É
Es kann keinen Zweifel geben, da§ durch die Anstrengungen, die jeder Mensch bewu§t unternimmt, und durch den Einsatz seiner geistigen FŠhigkeiten dieser Spiegel vom Schmutz irdischer Befleckung so gereinigt und von teuflischem Wahn so befreit werden kann, da§ er den Auen ewiger Heiligkeit nahen und die Hšfe immerwŠhrender Gemeinschaft erreichen kann. É
€hrenlese 124:2, 3
10. Wer immer sich unter euch erhebt, die Sache seines Herrn zu lehren, der lehre vor allem sein eigenes Ich, damit seine Rede die Herzen seiner Hšrer anziehe. Ehe er sich nicht selbst lehrt, werden die Worte seines Mundes das Herz des Suchers nicht berŸhren. Habt acht, o Menschen, da§ ihr nicht zu denen gehšrt, die anderen einen guten Rat geben, aber vergessen, ihn selbst zu befolgen.
€hrenlese 128:5
11. Selig bist du, weil du den Gštzen des Selbstes und des leeren Trugs vernichtet und den Schleier eitlen Wahns durch die Kraft und Macht deines Herrn, des hšchsten Beschirmers, des AllmŠchtigen, des einzig Geliebten, zerrissen hast. É
€hrenlese 135:2
12. O Meine Diener, kšnntet ihr begreifen, mit welchen Wundern Meiner Gro§mut und Freigebigkeit Ich eure Seelen betrauen will, ihr wŸrdet euch in Wahrheit von der Bindung an alles Erschaffene lšsen und wahre Erkenntnis eurer selbst gewinnen Ð eine Erkenntnis, die das gleiche ist wie das Begreifen Meines eigenen Seins. Ihr wŸrdet euch von allem au§er Mir unabhŠngig finden und wŸrdet mit euerem inneren und Šu§eren Auge, klar wie die Offenbarung Meines strahlenden Namens, die Meere Meiner GŸte und Freigebigkeit in euch wogen sehen. La§t nicht zu, da§ euere nichtigen Einbildungen, euere bšsen Leidenschaften, euere Unaufrichtigkeit und Herzensblindheit den Glanz einer so erhabenen Stufe trŸben oder ihre Heiligkeit beflecken.
€hrenlese 253:6
13. É manche schwachen Seelen sind der Sonne der geistigen Bedeutung und der Geheimnisse des ewigen Geliebten beraubt, da sie den Boden der Erkenntnis mit der Mauer des Ichs und des Begehrens und durch die Schleier der Achtlosigkeit und Blindheit begrenzt haben. Sie sind weit von den Juwelen der Weisheit der offenbaren Religion des Herrn der Boten abgewichen und vom Heiligtum der Erhabenen Schšnheit und der KaÕbih der Herrlichkeit ausgeschlossen worden. Dies ist der Zustand des heutigen Menschen!
Sieben TŠler, Tal der Einheit
Aus den Worten ÕAbduÕl-Bah‡s
14. É Heute ist die BestŠtigung des Abh‡-Kšnigreiches mit jenen, die sich selbst verleugnen, die eigene Meinung vergessen, von Persšnlichkeiten unabhŠngig zu werden und an das Wohl anderer denken. Wer sich selbst verga§, hat das Weltall und seine Bewohner gefunden. Wer mit sich selbst beschŠftigt ist, wandert in der WŸste der Achtlosigkeit und des Schmerzes. Der ÒUniversalschlŸsselÓ zur Selbstbeherrschung ist Selbstvergessen. Der Weg zum Palast des Lebens fŸhrt durch den Pfad der Selbstverleugnung.
(Star of the West, Bd.17, Nr.2, v. Mai 1926, S.348)
Aus Briefen im Auftrage Shoghi Effendis
15. É Der Begriff ÒSelbstÓ hat in den Bah‡Õ’-Schriften tatsŠchlich zwei Bedeutungen oder wird in zweifachem Sinn gebraucht. Zum einen ist das Selbst die IdentitŠt des von Gott geschaffenen Individuums. Es ist das Selbst, das in SŠtzen wie diesem gemeint ist: ÒDer hat Gott erkannt, der sich selbst erkannt hatÓ usw. Das andere Selbst ist die Ichhaftigkeit, das dunkle triebhafte Erbe, das jeder von uns hat, die niedere Natur, die zu einem Ungeheuer von Selbstsucht, BrutalitŠt, Lust usw. auswachsen kann. Dieses Selbst Ð oder diese Seite unserer Natur Ð ist es, gegen das wir ankŠmpfen mŸssen, um das geistige Wesen in uns zu krŠftigen und zu befreien und ihm zu helfen, seine Vollkommenheit zu erlangenÉ.
10. Dezember 1947, an einen GlŠubigen (Zum wirklichen Leben, S.28)
16. É Das Leben ist ein stŠndiger Kampf, nicht nur gegen die KrŠfte um uns, sondern vor allem gegen unser eigenes ÒEgoÓ. Wir kšnnen es uns niemals erlauben, auf unseren Lorbeeren auszuruhen, denn wenn wir es tun, werden wir bald merken, wie die Stršmung uns zurŸcktreibt. Viele, die von der Sache abdriften, tun dies, weil sie aufgehšrt haben sich weiterzuentwickeln. Sie werden selbstgefŠllig oder gleichgŸltig und hšren daher auf, die geistige StŠrke und Lebenskraft aus der Sache zu beziehen, die sie brauchen. NatŸrlich versagen einige manchmal, weil sie sich einer PrŸfung nicht stellen, und oft bereiten wir uns gegenseitig die schlimmsten PrŸfungen. Gewi§ sollten die GlŠubigen versuchen, diese Dinge zu vermeiden und wenn es trotzdem geschieht, sie durch Liebe zu heilen. Ganz allgemein kann man sagen, da§ neun Zehntel der Schwierigkeiten der Freunde daher rŸhren, da§ sie in ihrer Beziehung zu einander, zu den Verwaltungseinrichtungen oder in ihrem persšnlichen Leben nicht das tun, was Bah‡Õ’ tun sollten.
(Aus einem Brief an einen GlŠubigen, veršffentlicht in ÒPrinciples of Bah‡Õ’ Administration: A CompilationÓ, 3. Ausgabe (London: Bah‡Õ’ Publishing Trust, 1973), S.87-88)
Aus Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit oder in dessen Auftrag geschrieben
17. Ihr Brief vom 4. Dezember berichtet Ÿber gewisse Pilgernotizen, die dem geliebten HŸter abwertende Bemerkungen Ÿber Psychiatrie und Psychologie zuschreiben. Folgender Auszug aus einem Brief des HŸters, der in den U.S. Bah‡Õ’ News Nr.236, Oktober 1950, veršffentlicht wurde, kšnnte Ihnen bei dieser Frage von Nutzen sein:
In unseren Lehren steht nichts Ÿber Freud und seine Methoden. Psychiatrische Behandlung im allgemeinen ist ohne Zweifel ein wichtiger Beitrag zur Medizin, aber wir glauben, da§ es eher eine sich noch im Wachstum befindende, als eine ausgereifte Wissenschaft ist. Da Bah‡ÕuÕll‡h uns aufgefordert hat, die Hilfe guter €rzte zu suchen, steht es den Bah‡Õ’ selbstverstŠndlich nicht nur frei, sich an die Psychiatrie um Hilfe zu wenden, sondern sie sollten es auch tun, wenn diese zur VerfŸgung steht. Dies bedeutet nicht, da§ Psychiater immer weise sind und immer Recht haben; es bedeutet, da§ es uns freisteht, das beste fŸr uns in Anspruch zu nehmen, was die Medizin uns zu bieten hat.
Was der HŸter Ÿber Psychiatrie gesagt hat, kann ganz allgemein auch Ÿber die Psychologie gesagt werden, einschlie§lich der Kinderpsychologie, aber wir haben keine Texte gefunden, die dies belegen.
(18. Februar 1972, geschrieben vom Universalen Haus der Gerechtigkeit an einen GlŠubigen)
18. Bei all dem sprachen wir Ÿber die Einstellung, die Bah‡Õ’ gegenŸber dem Gestez Bah‡ÕuÕll‡hs haben sollten. Jedoch werden Sie als Arzt, der hauptsŠchlich als Berater in Familien- und Sexualproblemen arbeitet, zum gro§en Teil damit beschŠftigt sein, Nicht-Bah‡Õ’ zu beraten, die die Gesetze Bah‡ÕuÕll‡hs nicht anerkennen und auch keinen Grund sehen, sie zu befolgen. Sie sind bereits ein qualifizierter Fachmann auf Ihrem Gebiet und geben ohne Zweifel Ihren Rat auf der Basis dessen, was Sie aus dem Studium und der Erfahrung gelernt haben Ð ein Geflecht von Konzepten Ÿber den menschlichen Geist und Verstand, sein Wachstum, seine Entwicklung und richtiges Funktionieren, das Sie ohne Bezug auf die Lehren Bah‡ÕuÕll‡hs gelernt und erarbeitet haben. Nun, als Bah‡Õ’ wissen Sie, da§ das, was Bah‡ÕuÕll‡h Ÿber den Zweck des menschlichen Lebens, die Natur des Menschen und die richtige LebensfŸhrung des Menschen lehrt, gšttlich offenbart und daher wahr ist. Es wird Sie jedoch unweigerlich Zeit kosten, die Bah‡Õ’-Lehren so zu studieren, da§ Sie sie nicht nur verstehen, sondern auch herausarbeiten, wie sich Ihre beruflichen Konzepte Šndern. Dies ist natŸrlich fŸr einen Wissenschaftler keine ungewšhnliche Situation. Wie oft im Laufe der Forschung wurde ein Faktor entdeckt, der eine Revolution im Nachdenken Ÿber ein weites Gebiet menschlichen BemŸhens erforderte. In jedem Fall mŸssen Sie von Ihrem eigenen professionellen Wissen und Urteilsvermšgen, das von Ihrem wachsenden VerstŠndnis der Bah‡Õ’-Lehren erleuchtet wird, gefŸhrt werden; zweifellos werden Sie feststellen, da§ Ihr eigenes VerstŠndnis der menschlichen Probleme, mit denen Sie bei Ihrer Arbeit zu tun haben, sich Šndert und entwickelt und Sie werden neue und bessere Wege finden, wie Sie den Menschen helfen kšnnen, die zu Ihnen kommen. Psychologie ist noch eine sehr junge und ungenaue Wissenschaft, und mit den Jahren werden Bah‡Õ’-Psychologen, die durch die Lehren Bah‡ÕuÕll‡hs das wahre Muster des Lebens erkennen, fŠhig sein, gro§e Fortschritte in der Entwicklung dieser Wissenschaft zu machen, und werden tiefgreifend zur Linderung menschlichen Leidens beitragen.
(12. Januar 1973 geschrieben vom Universalen Haus der Gerechtigkeit an einen GlŠubigen)
19. Was das System der Individualpsychologie betrifft, so ist in den Schriften nichts zu finden, was irgendeine besondere Theorie dieser Wissenschaft unterstŸztÉ. Ohne Zweifel werden mit der Zeit fŠhige Bah‡Õ’ mit akademischen Neigungen, die Zugang zu den gesamten Texten der Heiligen Schriften haben, gro§e Fortschritte in der Entwicklung der Psychologie, wie auch in anderen Wissenschaften, zum Nutzen der ganzen Menschheit machen.
(21. Juni 1976 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen GlŠubigen)
20. Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat Ihren Brief vom 24. April Ÿber moderne Vorstellungen der Psychologie erhalten und hat uns gebeten, seine Anmerkungen zu Ÿbermitteln.
Ihre Besorgnis bezŸglich der †berbewertung des Selbstes und des Ego wiederholt ein zentrales Thema der Manifestation und ist Gegenstand vieler Andeutungen in Seinen Schriften, worin Er etwa von Òdem †bel der IchhaftigkeitÓ und von jenen, die ÒGefangene der IchhaftigkeitÓ sind, spricht. Der Meister bezieht sich auf Òden Rost der IchhaftigkeitÓ und spricht von ÒÉ der Spitzfindigkeit des menschlichen Ego. Es ist der VerfŸhrer (die spitzfindige Schlange des Verstandes) und die arme Seele, die von seinen EinflŸsterungen nicht ganz frei ist, wird solange getŠuscht, bis sie sich vollkommen von allem au§er Gott lšst.Ó In einem anderen Abschnitt sagt Er: ÒSolange das Ego den fleischlichen GelŸsten untertan ist, werden SŸnde und Irrtum weiterbestehen.Ó Und Er verspricht, da§ mit beharrlichem BemŸhen Òder Mensch von Egoismus frei werden wird: er wird von der materiellen Welt erlšstÉÓ.
AuszŸge aus im Auftrag des geliebten HŸters von seinen SekretŠren geschrieben Briefen werden hilfreich sein, gewisse Ihrer Fragen zu klŠren:
In bezug auf Ihre Fragen, die Sie in Ihrem Brief gestellt haben: Die einzigen Menschen, die wahrlich von Òder Schlacke des SelbstesÓ frei sind, sind die Propheten, denn vom eigenen Ego frei zu sein, ist ein Kennzeichen der Vollkommenheit. Wir Menschen werden niemals vollkommen werden, denn Vollkommenheit gehšrt zu einem Bereich, in den einzutreten fŸr uns nicht bestimmt ist. Wir mŸssen jedoch bestŠndig immer hšher steigen und versuchen vollkommener zu werden.
Das Ego ist das Tier in uns, das Erbe des Fleisches, welches voller selbstsŸchtiger Begierden ist. Indem wir den Gesetzen Gottes gehorchen, versuchen, das Leben so zu leben, wie es in unseren Lehren niedergelegt ist, und durch Gebet und MŸhe, kšnnen wir unser Selbst Ÿberwinden. Wir nennen jene Menschen ÒHeiligeÓ, die den hšchsten Grad der Beherrschung Ihres Selbsts erreicht haben.
Es besteht kein Widerspruch zwischen €hrenlese 27:3 und 124:3. An einer Stelle sagt Er, da§ der Spiegel niemals sich selbst vom Schmutz befreien kann, an einer anderen sagt Er, er wird so Ògereinigt sein, da§ er fŠhig wird,Ó usw. Dies ist relativ; Vollkommenheit wird niemals erreicht, aber gro§er und immer grš§erer Fortschritt kann gemacht werden.
(an einen GlŠubigen, am 8. Januar 1949)
Die GlŠubigen sollten sich, wie wir alle wissen, bemŸhen, ein solches Vorbild in ihrem persšnlichen Leben und Verhalten zu sein, da§ andere sich gedrŠngt sehen, einen Glauben anzunehmen, der den menschlichen Charakter verwandelt. Leider erreicht jedoch nicht jeder leicht und schnell den Sieg Ÿber das Selbst. Jeder GlŠubige, neu oder altgedient, sollte sich bewu§t machen, da§ die Sache (Gottes) die geistige Kraft besitzt, uns neu zu erschaffen, wenn wir die Anstrengung machen, dieser Macht zu erlauben, Einflu§ auf uns zu haben, und die grš§te Hilfe hierzu ist das Gebet. Wir mŸssen Bah‡ÕuÕll‡h bitten, uns zu helfen, die SchwŠchen unseres Charakters zu Ÿberwinden und auch unsere eigene Willenskraft einsetzen, um unser Selbst zu meistern.
(an einen GlŠubigen, am 24. Januar 1945)
Zu den Punkten, die Sie in Ihrem Brief anschneiden: Die všllige, gŠnzliche Auslšschung des Ich wŸrde Vollkommenheit bedeuten Ð die der Mensch nie ganz erreichen kann Ð aber das Ich kann und sollte in steigendem Ma§ der erleuchteten Seele des Menschen untergeordnet werden. Das ist mit geistigem Fortschritt gemeint.
(an einen GlŠubigen, am 19. Dezember 1941)
Vielleicht ist es fŸr Sie von zusŠtzlicher Hilfe, sich in dieser komplexen Frage des Selbstes und seiner Eigenschaften mit Bah‡Õ’ zu beraten, die in Psychologie und Psychiatrie ausgebildet und vielleicht in der Lage sind, die Unterschiede zwischen den heutigen wissenschaftlichen Begriffen des Verstandes und seiner Funktionen und den Begriffen, die aus den Heiligen Schriften herrŸhren, zu erklŠren.
Die Schriften beziehen sich hŠufig auf die Unverletzlichkeit des einzelnen, aber auch auf die sozialen Regeln, die auf den ethischen GrundsŠtzen des Glaubens grŸnden Ð GrundsŠtze, die jeder von uns beachten mu§, wenn wir nicht dabei versagen wollen, in unserem Leben jene Tugenden widerzuspiegeln, die von dem gro§en Lehrer unseres Tages vorgetragen werden, und damit versŠumen, unserer wahren Bestimmung als geistige Wesen zu entsprechen.
(4. August 1977 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen GlŠubigen)
21. In bezug auf Ihre Frage, welche Konzepte der Psychologie dem Bah‡Õ’-Standard entsprechen, schlŠgt das Universale Haus vor, da§ ein genaues Studium des Teils IV der ÒBeantworteten FragenÓ, besonders Kapitel 48 Ÿber ÒDen Unterschied zwischen Mensch und TierÓ, Ihnen helfen wird, jeden Begriff in der richtigen Perspektive zu sehen, der im Rahmen ihres Promotions-Lehrplans gelehrt wird. Als Bah‡Õ’ kšnnen Sie feststellen, wann ein Begriff den geistigen Teil des Menschen unberŸcksichtigt lŠ§t.
(14. September 1980 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen GlŠubigen)
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Liebe Freunde,
der Nationale Geistige Rat hatte vor einigen Monaten Anla§, sich in einer eingehenden Beratung dem Thema ÒPsychologische Konzepte im Zusammenhang mit AktivitŠten der Bah‡Õ’-GemeindeÓ zu widmen. Hierbei wurde die FŸhrung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zugrundegelegt, das u.a. in einem Schreiben vom 1. Februar 1995 den Kern des Sachverhaltes wie folgt herausstellt:
ÒÉDas Haus der Gerechtigkeit hat uns gebeten zu bestŠtigen, da§É es ausgezeichnet ist, wenn die Freunde ihre Talente und beruflichen FŠhigkeiten zum Nutzen der Menschheit in Einklang mit den Lehren des Glaubens entwickeln. Hervorragend ist auch, wenn sie durch ihre Arbeit in der Lage sind, das Wissen um den Glauben und seine Lehren zu verbreiten und Seelen anzuziehen, die Botschaft Bah‡ÕuÕll‡hs zu erkennen und anzunehmen. Es ist nicht zu vermeiden, da§ Bah‡Õ’, die auf diese Weise zum Glauben hingezogen werden, wie auch Mitglieder der Bah‡Õ’-Gemeinde, denen die angewandte Methode geholfen hat, dazu neigen werden, gegenseitige Freundschaft und Zusammenarbeit aufzubauen. Dies ist všllig natŸrlich und wird nicht schaden, es sei denn, der Proze§ bringt unerwŸnschte Folgen mit sich, wie zum Beispiel:
a) Der …ffentlichkeit oder den Teilnehmer selbst wird der Eindruck vermittelt, da§ der Bah‡Õ’-Glaube oder die Institutionen der Bah‡Õ’-Gemeinde die bestimmte Methode oder damit zusammenhŠngende AktivitŠten besonders billigen oder unterstŸtzen.
b) Die betroffenen Freunde erlauben sich von den jeweiligen Methoden oder Themen so begeistert zu werden, da§ sie diese den AktivitŠten der Bah‡Õ’-Gemeinde aufdrŠngen und dabei die Tatsache Ÿbersehen, da§ deren Besonderheiten nicht Teil der Bah‡Õ’-Lehren sind und Ð obwohl sie selbst diese als sehr nŸtzlich empfunden haben Ð andere Bah‡Õ’ vielleicht nicht so zustimmend reagieren und demzufolge den Eindruck erhalten, da§ der Bah‡Õ’-Glaube dazu benutzt wird, eine bestimmte private Sichtweise oder Methode voranzutreiben, und das zum Schaden des GlaubensÉ.Ó
Der Nationale Geistige Rat mšchte in diesem Zusammenhang auf seine diesbezŸgliche Stellungnahme in den Bah‡Õ’-Nachrichten vom August 1994 hinweisen, in der auf die Trennung und zu vermeidende Vermengung von AktivitŠten der Bah‡Õ’-Gemeinde und psychologischen Modellen eingegangen wird. Von Interesse fŸr die Freunde ist sicherlich auch ein Memorandum der Forschungsabteilung des Weltzentrums zum Thema ÒSelbsterkenntnis und PsychologieÓ, das im Vertiefungsteil dieser Ausgabe der Bah‡Õ’-Nachrichten veršffentlicht ist.
In herzlicher Verbundenheit
Der Nationale Geistige Rat
(Bah‡'’-Nachrichten, September 1996, S. 12)
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