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Weltbürger-Ethos,

Eine globale Ethik für nachhaltige Entwicklung
ist ein Nachdruck der von der Internationalen Bahá’í Gemeinde
bei der ersten Sitzung des Ausschusses für nachhaltige Entwick-
lung vorgelegten Verlautbarung. Sie betrifft den Bereich C: "Erzie-
hung, Wissenschaft, Transfer umweltfreundlicher Technologien,
Zusammenarbeit und Erhöhung der Leistungsfähigkeit." Diese
Verlautbarung beabsichtigt einen wichtigen Gedanken zur Diskus-
sion über nachhaltige Entwicklung vorzutragen, ist aber nur ein
Aspekt einer ganzen Reihe von Gedanken zur nachhaltigen Ent-
wicklung, den die Internationale Bahá’í-Gemeinde zur laufenden
Diskussion beitragen möchte. Frühere Beiträge der Internationale
Bahá’í-Gemeinde finden sich in den Verlautbarungen "Erdcharta",
"Internationale Gesetzgebung für Umwelt und Entwicklung" ",Frau
und Mann - Partnerschaft für einen gesunden Planeten", "Nach-
haltige Entwicklung und menschlicher Geist".




Weitere Informationen bei:

Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland e. V
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Weltbürger-Ethos
Eine Globale Ethik für Nachhaltige Entwicklung

Die Internationale Bahá‘í-Gemeinde unterbreitet folgenden Vorschlag im Geiste der Agenda 21, die
ein „dynamisches Programm" sein soll, dazu bestimmt, „sich im Laufe der Zeit gemäß sich wandeln-
der Bedürfnisse und Umstände zu entwickeln,"1: Um die Völker der Welt dazu anzuregen, für eine
nachhaltige Entwicklung einzutreten, sollten die in der Agenda 21 geforderten Erziehungsprogramme
und Bewußtmachungskampagnen das Konzept des Weltbürger-Ethos fördern und pflegen.

Die Vision des Weltbürger-Ethos

Die größte Herausforderung, vor der sich die Weltgemeinschaft in der Ausführung der Agenda 21
befindet, besteht in der Freisetzung enormer finanzieller, technischer, menschlicher und moralischer
Ressourcen, die für eine nachhaltige Entwicklung erforderlich sind. Diese Ressourcen werden nur in
dem Maße freigesetzt werden können, wie die Völker der Welt ein tiefes Verantwortungsgefühl für
das Schicksal des Planeten und für das Wohlergehen der ganzen menschlichen Familie entwickeln.
Dieses Verantwortungsgefühl kann sich nur aus der Anerkennung der Einheit der Menschheit erge-
ben und wird einzig durch die vereinigende Vision einer friedlichen, blühenden Weltgesellschaft auf-
recht gehalten werden. Ohne eine solche globale Ethik werden die Menschen sich nicht aktiv und
konstruktiv an dem weltweiten Prozeß der nachhaltige Entwicklung beteiligen können.2

Obgleich Agenda 21 einen unverzichtbaren Rahmen an wissenschaftlicher Kenntnis und techni-
schem Know-how für die Durchsetzung der nachhaltigen Entwicklung liefert, begeistert sie doch
kaum für eine persönliche Hinwendung zu einer globalen Ethik. Das bedeutet nicht, daß Fragen der
Ethik und Werte während der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (Uni-
ted Nations Conference on Environment and Development - UNCED) vernachlässigt wurden. Der Ruf
nach einheitlichen Wertvorstellungen wurde während des ganzes Prozesses von Staatsoberhäuptern,
UN-Beamten, Vertretern von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) und einzelnen Bürgern erho-
ben. Insbesondere wurden die Vorstellungen der „Einheit in der Vielfalt", „Weltbürger-Ethos" und „un-
sere gemeinsame Menschheit" immer wieder angesprochen, um als eine ethische Grundlage für die
Agenda 21 und die Rio Deklaration3 zu dienen.

Die Weltgemeinschaft ist sich also schon im Grunde einig, daß wir eine globale Ethik brauchen, um
Agenda 21 mit Leben zu erfüllen. Wir schlagen vor, daß der Begriff Weltbürger-Ethos angenommen
wird, um die Gesamtheit der Prinzipien, Werte, Einstellungen und Verhaltensmuster zu umfassen, die
die Völker der Welt sich aneignen müssen, wenn eine nachhaltige Entwicklung erreicht werden soll.

Weltbürger-Ethos beginnt mit der Einsicht in die Einheit der menschlichen Familie und in die gegen-
seitigen Verbundenheit der Völker „der Erde, unserer Heimat."4 Sie ermutigt zu einem gesunden Pat-
riotismus, besteht aber gleichzeitig auf einer weiteren Loyalität, der Liebe zur Menschheit. Das be-
deutet jedoch nicht, daß berechtigte Loyalitäten aufgegeben, kulturelle Vielfalt unterdrückt, nationale
Autonomie abgeschafft oder Einheitlichkeit aufgezwungen werden. Ihr Kennzeichen ist „Einheit in der
Vielfalt". Zum Weltbürger-Ethos gehören die Prinzipien sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit
sowohl innerhalb der Nationen wie auch zwischen ihnen; konfliktfreie Entscheidungsfindung auf allen
Ebenen der Gesellschaft; Gleichwertigkeit der Geschlechter; rassische, ethnische, nationale und reli-
giöse Harmonie; Bereitwilligkeit, zum Wohl des Ganzen Opfer zu bringen. Andere Aspekte des Welt-
bürger--Ethos - alle von ihnen betonen Menschenwürde, Verständigung, Einvernehmen, Zusammen-
arbeit, Vertrauenswürdigkeit, Mitgefühl und das Bedürfnis, dienstbar zu sein - können hiervon abge-
leitet werden. Einige dieser Prinzipien5 sind in der Agenda 21 genannt, die meisten offenbar aber
nicht. Darüber hinaus bietet sie keinen Begriffsrahmen, der diese Prinzipien umfassen könnte.

Die Förderung des Weltbürger-Ethos ist eine praktische Strategie, um eine nachhaltige Entwicklung
voranzutreiben. Solange Uneinigkeit, Feindseligkeit und Provinzialismus das soziale, politische und
wirtschaftliche Verhältnis innerhalb und zwischen den Nationen bestimmen, kann eine globale und
nachhaltige Form der Entwicklung nicht errichtet werden.6 Vor mehr als einem Jahrhundert warnte
Bahá'u'lláh, "das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar,
wenn nicht und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist." Nur auf der Grundlage einer echten Einheit,
Harmonie und Verständigung zwischen den verschiedenen Völkern und Nationen der Welt kann eine
Weltgesellschaft dauerhaft errichtet werden.

Wir empfehlen daher, daß in allen Schulen Weltbürger-Ethos gelehrt werde und daß der Einheit der
Menschheit - das dem Weltbürger--Ethos zugrunde liegende Prinzip - in allen Nationen Geltung ver-
schafft werden möge.

Das Konzept des Weltbürger-Ethos ist der Weltgemeinschaft nicht neu. Es findet sich implizit und
explizit in einer ganzen Reihe von UN-Dokumenten einschließlich den einleitenden Worten der UN-
Charta selbst: „Wir, die Völker der Vereinten Nationen..." Es wird heute schon in der ganzen Welt und
in allen Kulturen durch NGOs, Akademien, Bürgergruppen, Entertainer, Erziehungsprogramme,
Künstler und Medien vertreten. Diese Bemühungen sind bereits beachtlich, aber sie müssen noch
viel mehr verstärkt werden. Eine sorgfältig geplante und inszenierte Langzeitkampagne zur Förde-
rung des Wetbürger-Ethos, an der alle Ebenen der Gesellschaft auf kommunaler, nationaler und in-
ternationaler Ebene beteiligt werden, muß dringend in Gang gesetzt werden. Sie muß mit aller Kraft,
mit moralischem Mut und der festen Überzeugung, die die Vereinten Nationen, ihre Mitgliedsstaaten
und Partner nur aufbieten können, vorangetrieben werden.

Die Förderung des Weltbürger-Ethos

Der folgende Vorschlag für eine Kampagne zur Förderung des Weltbürger-Ethos7 paßt nahtlos in den
Rahmen für eine Neuorientierung der Erziehung, des öffentlichen Bewußtseins und der Ausbildung
für nachhaltige Entwicklung, wie er im Kapitel 36 der Agenda 21 vorgelegt wird.

Erziehung

Erziehung - in ihren verschiedenartigen Formen - ist zweifellos der wirksamste Weg, um die Werte,
Einstellungen, Verhaltensweise und Fähigkeiten herauszubilden, die die Völker der Welt dazu befä-
higen werden, im langfristigen-Interesses des Planeten und der Menschheit zu handeln.8 Die Verein-
ten Nationen, Regierungen und Erziehungsbehörden sollten sich bemühen, das Prinzip des Weltbür-
ger-Ethos zu einem Teil der Grundausbildung jedes Kindes zu machen.

Die Einzelheiten der Erziehungsprogramme zu ihrer Verwirklichung werden in den einzelnen Ländern
erheblich voneinander abweichen. Wenn Weltbürger-Ethos allerdings als ein universales Prinzip ver-
standen werden soll, müssen bestimmte Aspekte allen Programmen gemeinsam sein. Auf der Grund-
lage der Einheit der Menschheit sollten sie zu Toleranz und Brüderlichkeit erziehen, die Anerkennung
der Reichhaltigkeit und der Bedeutung der verschiedenen kulturellen, religiösen und sozialen Syste-
me der Welt pflegen, und jene Traditionen stärken, die zu einer fortschreitenden Weltkultur beitragen.
Sie sollten das Prinzip der „Einheit in der Vielfalt" als den Schlüsselbegriff für das Wohlergehen der
Nationen und der Weltgemeinschaft allgemein lehren. Sie sollten die Ethik des Dienstes am Ge-
meinwohl pflegen und ein Verständnis für die Rechte und Pflichten, die sich aus dem Weltbürger-
Ethos ergeben, vermitteln. Diese Programme sollten auf den positiven Bemühungen jeden Landes
aufbauen und seine offensichtlichen Erfolge herausstellen, zu denen Modelle der rassischen, religiö-
sen, nationalen und ethnischen Einheit gehören. Sie sollten auf die Wichtigkeit der Vereinten Natio-
nen bei der Förderung der globalen Zusammenarbeit und Verständigung hinweisen, auf ihre univer-
salen Ziele und Programme; auf ihre unmittelbare Bedeutung für die Völker und Nationen der Welt;
und auf die von ihnen in unserer enger zusammenwachsenden Welt in immer stärkerem Maße wahr-
zunehmenden Aufgaben.
Ehe eine Kampagne zur Förderung des Weltbürger-Ethos eingeleitet werden kann, muß eine allge-
meine Verständigung und Einigung über das Konzept entwickelt werden. Die Kommission für nach-
haltige Entwicklung möge einen Sonderausschuß oder eine Arbeitsgruppe einsetzen, die die Richtli-
nien für das Weltbürger-Ethos und Vorschläge für die Eingliederung dieses Prinzips in bestehende
formale und informelle Erziehungsprogramme entwickeln sollten. Alternativ möge die Kommission die
Unterstützung des Hauptausschusses für nachhaltige Entwicklung (High Level Advisory Board on
Sustainable Development) oder des Verbindungsausschusses der Organisationen für nachhaltige
Entwicklung (Inter-Agency Committee on Sustainable Development) erbitten. Das Sekretariat der
Vereinten Nationen könnte sogar beschließen, eine Weltbürger-Ethos-Einheit einzusetzen, ähnlich
der seinerzeitigen Friedenstudien-Einheit, um diese Richtlinien zu entwickeln und die Bemühungen
des ganzen Systems um Weltbürger-Ethos-Erziehung zu koordinieren. Welcher Weg auch einge-
schlagen wird, dieser Aufgabe kommt die höchste Priorität zu.

Weltbürger-Ethos könnte leicht in alle Maßnahmen eingegliedert werden, die im Kapitel 36.5 der A-
genda 21 zur Reorientierung der Erziehung in Richtung auf eine nachhaltige Entwicklung vorgeschla-
gen werden. Hierzu einige Beispiele:
• Nationale Beratungsgremien/Runde Tische (36.5.c) sollen die Eingliederung des Weltbürger-
Ethos in die Erziehungsprogramme des Landes erleichtern.
• In Ausbildungs- und Fortbildungsprogrammen für alle Lehrer, Schulbeamten, Pädagogen und
informelle Erzieher (36.5.d) soll das Prinzip des Weltbürger-Ethos einbezogen werden.
• Pädagogisches Material über nachhaltige Entwicklung, das von den Zweigorganisationen der
Vereinten Nationen hergestellt wird, sollte zu Weltbürger-Ethos ebenso ermutigen wie das
Unterrichtssmaterial über die Vereinten Nationen.
• Die Agenda 21 verlangt die "Entwicklung eines Internationales Netzes", um die weltweiten
Bemühungen um nachhaltige Entwicklung zu unterstützen (36.5k). Dieses Netz könnte so-
wohl Zweigorganisationen der Vereinten Nationen als auch NGOs dazu ermutigen, auf den
Richtlinien für Weltbürger-Ethos gegründetes Material herauszugeben und für deren Vertei-
lung zu sorgen.
• Regierungen und Erziehungsbehörden sind bereits aufgerufen worden, "geschlechtsspezifi-
sche Klischees aus den Curricula zu entfernen" als einen Beitrag zur nachhaltigen Entwick-
lung (36.5 m). Wir würden empfehlen, daß im Geiste des Weltbürger-Ethos Klischees über
Religion, Kultur, Rasse, Klasse, Nationalität und Volkszugehörigkeit ebenfalls entfernt wer-
den.
Öffentliches Bewußtsein
Die Menschen müssen von sich selbst als Weltbürger denken und sich ihrer persönlichen Verantwor-
tung zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung bewußt werden.9 Kampagnen, die die Herausfor-
derungen des Weltbürger-Ethos in das öffentliche Bewußtsein heben wollen, müssen die gesamte
Bandbreite der Medien und der Kunst nutzen, dazu gehören Fernsehen, Videos, Filme, Radio, elekt-
ronische Netze, Bücher, Zeitschriften, Poster, Flugblätter, Theater und Musik. An diesen Kampagnen
sollten sich die Werbung, die Unterhaltungsindustrie, die Medien - die traditionellen wie auch die
nicht-traditionellen - das ganze System der Vereinten Nationen, alle Mitgliedsstaaten, Nicht-
Regierungs -- Organisationen und öffentliche Persönlichkeiten beteiligen. Sie sollten auf das Heim,
den Arbeitsplatz, die Öffentlichkeit und die Schulen ausgerichtet sein. Die oben für das Weltbürger-
Ethos geforderten Richtlinien sollten sich für Kampagnen, die sich an das öffentliche Bewußtsein
wenden, eignen und als grundlegendes Referenzmaterial für alle Medienprogramme dienen.

Das Weltbürger-Ethos könnte auch bei den Maßnahmen aufgenommen werden, die im Kapitel 36.10
der Agenda 21 zur Verstärkung und Sensibilisierung des öffentlichen Bewußtseins in Bezug auf
nachhaltige Entwicklung genannt werden. Hierzu einige Beispiele:
• Nationale und internationale Beratungsgremlen (36.10.a) könnten die verschiedenen Medien
ermutigen, sich die Richtlinien für das Weltbürger-Ethos zu eigen zu machen. Die Medien ha-
ben schon viel geleistet, indem sie unsere gegenseitige, weltweite Abhängigkeit und die vor
der Gemeinschaft der Welt stehenden ungeheueren Herausforderungen der Öffentlichkeit
zum Bewußtsein brachten. Sie haben auch die scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten,
die uns trennen, hervorgehoben.
• Die Medien haben die Verantwortung, den Menschen verständlich zu machen, daß Vielfalt
nicht zu Konflikten führen muß. Vielfalt kann und muß vielmehr als ein Mittel für nachhaltige
Entwicklung dienen. Die Medien können das erreichen, indem sie auf die konstruktiven, eini-
genden und kooperativen Unternehmungen hinweisen, die beweisen, daß die Menschheit die
Fähigkeit zur Zusammenarbeit besitzt, um die vor uns liegenden ungeheueren Herausforde-
rungen zu bestehen.
• Wenn die Vereinten Nationen eine „gute Zusammenarbeit mit den Medien" (36.10.e) anstre-
ben, so sollten sie sehr viel mutiger über sich selbst und ihre verheißungsvolle Rolle für die
Weltgemeinschaft sprechen. Die Vereinten Nationen wurden auf der Grundlage hoher Ideale
und der Vision einer friedvollen, fortschrittlichen Welt errichtet. Indem sie einen Rahmen für
Kommunikation und Zusammenarbeit verfügbar machten und zahllose konstruktive Projekte
initiierten, haben sie in bedeutendem Maße zur Verständigung, Hoffnung und zum Good-Will
in der Welt beigetragen. Ihre hervorragenden Leistungen sind jedoch der Allgemeinheit kaum
bekannt.
• Indem die Vereinten Nationen die Idee des Weltbürger-Ethos als umfassendes Thema nut-
zen, sollten sie ihre Ideale, Tätigkeiten und Ziele veröffentlichen, damit die Menschen einse-
hen, welche einzigartige und lebenswichtige Rolle die Vereinten Nationen in der Welt - und
damit auch in ihrem eigenen Leben - spielen. In ähnlicher Weise sollten die Vereinten Natio-
nen das Weltbürger-Ethos in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, bei den Feiern zu ihrem 50. Jahrestag
und bei den Führungen durch ihre Zentrale herausstellen. jedes Dokument der Vereinten Na-
tionen, das die nachhaltige Entwicklung zum Thema hat, sollte auch dieses Prinzip erwähnen
-angefangen mit der Präambel zur geplanten Erd-Charta.
• Weltbürger-Ethos muß zum allerwichtigsten ethischen Bezugsbegriff bei allen Maßnahmen
der Vereinten Nationen werden.
• Die Dienste von Werbeagenturen (36.10.e) sollten in Anspruch genommen werden, um den
Begriff des Weltbürger--Ethos zu verbreiten und zu fördern. Kampagnen könnten zu folgen-
den Themen veranstaltet werden:
Wir, die Völker der Vereinten Nationen, feiern die Einheit in der Vielfalt.
Ein Planet, eine Nation.
Bei aller Vielfalt sind wir doch eine menschliche Familie.
Unsere gemeinsame Zukunft: Einheit in der Vielfalt.
• Für die Förderung des Weltbürger-Ethos sollten Wettbewerbe ausgeschrieben und Preise
verliehen werden (36.10.e).
• Während die Medien das öffentliche Bewußtsein „in Bezug auf die Auswirkungen von Gewalt
auf die Gesellschaft" schärfen, können sie ein Engagement für Weltbürger-Ethos erzeugen,
indem sie Beispiele für konstruktive, die Einheit fördernde Unternehmungen herausstellen, die
deutlich machen, welche Kraft in der Einheit und in einer gemeinsamen Vision liegt.

Alle Länder sollten dazu ermutigt werden, für die Förderung des Weltbürger-Ethos Finanzmittel ein-
zuplanen. Es sollte auch überlegt werden, ob die Förderung des Weltbürger-Ethos als eines „der An-
zeichen für nachhaltige Entwicklung" angesehen werden könnte. So könnten z.B. Länder dazu ermu-
tigt werden, über Bemühungen zu berichten, daß Toleranz und Wertschätzung anderer Kulturen an-
erkannt, die Gleichberechtigung der Geschlechter durchgesetzt und das Konzept von der einen
menschlichen Familie in Lehrplänen, Unterhaltungssendungen und in den Medien eingeführt wurde.
Die Herausforderung Des Weltbürger-Ethos
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das Konzept des Weltbürger-Ethos von gleicher Her-
ausforderung und Dynamik ist wie die sich der Weltgemeinschaft bietenden günstigen Möglichkeiten.
Wir, die Völker und Nationen der Welt, täten gut daran, die ihm zugrunde liegenden Prinzipien mutig
aufzunehmen und uns von ihnen in allen Bereichen unseres Lebens leiten zu lassen - von unseren
persönlichen und lokalen Beziehungen bis zu unseren nationalen und internationalen Angelegenhei-
ten; von unseren Schulen, Arbeitsplätzen und Medien bis zu den juristischen, sozialen und politischen
Institutionen. Wir bitten die Kommission daher dringend, das ganze System der Vereinten Nationen
zu ermutigen, das Prinzip des Weltbürger-Ethos in die gesamte Bandbreite seiner Programme und
Aktivitäten einzubeziehen.

Die Internationale Bahá‘í-Gemeinde, die Weltbürger-Ethos schon seit mehr als einem Jahrhundert
pflegt, würde gern der Kommission, den Regierungen, den NGOs und anderen dabei behilflich sein,
die in diesem Dokument enthaltenen Konzepte fortzuentwickeln, praktische Modelle der rassischen,
religiösen, nationalen und ethnischen Einheit für eine nachhaltige Entwicklung zu liefern und an Bera-
tungen über dieses so wichtige Problem teilzunehmen. Als eine Weltgemeinschaft, in der die Vielfalt
der ganzen Menschheit vertreten ist und die über eine große gemeinsame Vision verfügt, wird die
Internationale Bahá‘í-Gemeinde auch weiterhin die nachhaltige Entwicklung unterstützen, indem sie
die Menschen dazu ermutigt, sich als Bürger einer Welt und die Gestaltet einer gerechten und blü-
henden Weltzivilisation zu betrachten.

1) Agenda 2 1, Kapitel 1.6
2) Eine der meistzitierten Thesen der Agenda 21 ist die Bedeutung der "breiten öffentlichen Mitwir-
kung an der Entscheidungsfindung","die eigene Beteiligung aller gesellschaftlichen Kräfte","wirkliche
geseltschaftliche Partnerschaft" und „neue Ebenen der Zusammenarbeit zwischen den Staaten und
Schlüsselbereichen der Gesellschaften und Völker".
3) In der Arbeit des UNCED wurde in zahlreichen Veröffentlichungen und Tagungen auf die Notwen-
digkeit einer globalen Ethik hingewiesen. Weitere Fundstellen im englischen Original dieser Broschü-
re.
4) Rio Deklaration über Umwelt und Entwicklung, Präambel
5) s. z.B. Rio Deklaration über Umwelt und Entwicklung, Kapitel 1, 2, 3, 23, 24 und 36.
6) s. Rio Deklaration über Umwelt und Entwicklung, Prinzip 25
7) Im Zusammenhang mit dem Prinzip des Weltbürger-Ethos sollte dieses Programm „durch die darin
Handelnden gemäß den unterschiedlichen Situationen, Fähigkeiten und Prioritäten der Länder und
Regionen durchgeführt werden." (Agenda 2 1, Kapitel 1.6.)
8) vgl. Agenda 2 1, Kapitel 36.3
9) vgl. Agenda 2 1, Kapitel 36.9





©1997 -- The Bahá'í International Community United Nations Office <http://www.bic-un.bahai.org>



Internationale Bahá’í-Gemeinde - Stellungnahme zum Wetbürger-Ethos - von 1997


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