Read: 2000 Sept 3, Religionen und UN


ÿþDie Kraft aller Religionen für die Ziele der Vereinten Nationenbündeln



Referat von Dr. Albert Lincon, Generalsekretär der Bahá'í International Community, beim Welt-Friedensgipfel der Vereinten Nationen am 3. September 2000 im Saal der UN Generalversammlung



Vor über einem Jahrhundert hat eine ehrwürdige religiöse Gestalt, verbannt auf einen weit entfernt gelegenen Vorposten des Osmanischen Reiches, eine Vision zum Ausdruck gebracht, die unsere Überlegungen auf dieser historischen Versammlung inspirieren könnte. An einen seiner Anhänger schrieb Bahä'u'lläh diese Wortei

 Unsere Hoffnung ist, dass'sich die religiösen Führer der Welt und ihre Herrschervereint für die Neugestaltung dieses Zeitalters und die Wiederherstellung seiner Wohlfahrt erheben werden. Lasst sie, nachdem sie über seine Nöte nachgedacht haben, zusammen beraten und nach sorgsamer, reiflicher Überlegung einer kranken, schwer leidenden Welt das Heilmittel darreichen, dessen sie bedarf."

Unsere Welt macht schnelle und weitreichende Veränderungen durch und bringt die Menschheit immer enger zusammen in etwas, das manche als globales Dorf bezeichnet haben. Kulturen' und Völker, die während des größten Teils der Geschichte isoliert voneinander gelebt haben, stehen sich nun gegenüber und gehen täglich miteinander um. Leider haben sozialer Fortschritt und vermehrte Weisheit und Verständnis mit dem materiellen Fortschritt nicht Schritt gehalten, so dass unser globales Dorf kein glücklicher und friedlicher Ort ist. Tatsächlich ist für ihre verantwortlichen Führer die Zeit gekommen, zusammen zu beraten und über die Zukunft nachzudenken.



Unsere Kinder sind die Zukunft



Abgesehen von den aktuellen Krisen und Konflikten, droht eine der größten Gefahren, mit denen die Menschheit konfrontiert wird, von einer Generation von Kindern, die in einem moralischen Vakuum aufwachsen. Wir fühlen mit den Kindersoldaten in Afrika, den Kinderprostituierten in Asien und den verzweifelten Straßenkindern in den zahllosen Siums und Flüchtlingslagern der Welt - allen Opfern sowohl geistiger als auch materieller Armut. Aber wir dürfen auch nicht die Millionen von jungen Menschen vergessen, die in Gesellschaften aufwachsen, deren traditionelle Wertesysteme zerstört sind, und diejenigen, die seit Generationen durch eine dogmatisch materialistische Erziehung geistiger Erziehung beraubt wurden. Und falls wir es uns bei der Suche nach Ursachen oder Heilmitteln zu einfach machen,` sollten wir auch an jene jugendlichen Produkte des permissiven Liberalismus des Westens denken, von denen einige genauso schwer bewaffnet und gewaltbereit sind, wie ihre Altersgenossen in weniger reichen Ländern.

Jedes Kind ist potenziell das Licht der Welt und ihre Dunkelheit. Die Lampen dieser Seelen zu entzünden ist eine Verantwortung, die wir gemeinsam übernehmen müssen, wenn die Zivilisation gedeihen soll. Kinder dürfen des Lichtes der moralischen Erziehung nicht beraubt bleiben, besonders Mädchen nicht, da sie die Werte an nachfolgende Generationen . weitergeben. Tatsächlich sind gut ausgebildete Frauen einer der wichtigsten Schlüssel zum Weltfrieden.



Was wird unsere Antwort sein?



Hier, meine ich, ist eine Herausforderung, auf die wir, die wir uns hier auf diesem Gipfel versammelt haben, antworten können und müssen.

Abgesehen von der bemerkenswerten Reife im interreligiösen Dialog, mar kiert dieses Treff=en religiöser Führer im' Saal der Vollversammlung der Vereinten Nationen am Vorabenddes. Millennium-Gipfels der Staats- und Regierungschefs , der Welt einen historischen und entscheidenden Schritt nach vorn bei der Schaffung des nötigen gegenseitigen Respekts und der Kooperation zwischen religiösen und politischen Führern. Das sind die Voraussetzungen, ohne die der Weltfrieden und das Wohlergehen der Menschheit wohl unerreichbar sind.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Wir vertreten weder das Verwischen von Grenzen noch eine Mischung von Religion und Politik. Die harmonische Zusammenarbeit dieser zwei Gruppen von Führungspersönlichkeiten ist umso wichtiger, weil ihre Rollen sich zugleich von einander abheben und ergänzen.



Die Rolle der Religion



Gerechterweise muss man zugeben, dass im Laufe der Geschichte den Menschen viel Unrecht und Leid im Namen der Religion zugefügt wurde. Sogar heute noch trägt religiöse Propaganda und Verhetzung in vielen Regionen der Welt zu Angst, Hass und Kampfhandlungen bei. In den Bahä'i-Schriften steht, dass es besser wäre, ohne Religion zu sein, wenn sie zu Feindschaft führt.

Wenn man allerdings die Lehren der Stifter der großen Religionen ohne Vorurteil betrachtet, bieten sie keinerlei Unterstützung für die Auseinandersetzungen und Vorurteile, die den größten Teil der Menschheit erschüttern. Intoleranz und Fanatismus stellen allenfalls Verzerrungen echter religiöser Werte dar.



Bahá'u'lláh beschreibt die Religion als soziale Kraft und erklärt:  Die Religion ist das wichtigste Mittel zur Begründung von Ordnung in der Welt und zur Befriedung aller, die darin wohnen." Das Ziel der Religion", bekräftigt er "besteht darin, Einheit und Eintracht unter den Völkern der Welt zu stiften; macht sie nicht zur Ursache für Zwist und Streit:'



Der wahre und dauerhafte Frieden den wir alle-anstreben, hängt von der Einheit ab. Wenn wir vereint sind -eine Einheit, die Mannigfaltigkeit begrüßt und wertschätzt - können alle Probleme gelöst werden. Zunächst einmal würde die gewissenhafte Anwendung der Lehre, dass wir andere so behandeln sollten, wie wir selbst behandelt werden möchten-ein Kernprinzip aller Religionen - eine grundlegende Wandlung in der Weit bewirken.



Um eine konstruktive Rolle bei der Gestaltung der Zukunft der Menschheit zu spielen, müssen sich religiöse Führer auf den Kern der positiven moralischen Werte konzentrieren, die alle religiösen Traditionen gemeinsam haben, statt auf deren Unterschiede. Jeder von uns mag glauben, seine Religion sei die beste, aber wir müssen die geistige Wahl anderer akzeptieren, selbst wenn wir der Meinung sind, dass sie irren. Wenn die Religionen unbedingt miteinander konkurrieren müssen, dann sollte jede danach streben, sich bei der Führung von Menschen zu friedlicher Koexistenz, zu Rechtschaffenheit und gegenseitigem Verständnis auszuzeichnen.



Die Religion hat die Macht, die Herzen und den Geist der Menschen in Bewegung zu versetzen und sie vorwärts zu bewegen auf den Pfad zu Frieden und gegenseitigem Verständnis. Sie hat eine moralische Autorität und eine ethische Empfindsamkeit, weiche die Ressourcen und die Fachkompetenz von Regierungen und der Zivilgesellschaft ergänzt. Tatsächlich stand die Religion im Zentrum vieler großer sozialer Bewegungen der Vergangenheit. Es ist die besondere Rolle der religiösen und geistigen Führer weit vorauszuschauen, nicht vom Elfenbeinturm aus, sondern aus einer Perspektive; die von unmittelbaren Zwängen und den oftmals partisanähnlichen Kämpfen des politischen Alltags losgelöst ist.



Unsere verstörte Welt bedarf dringend eines moralischen Kompasses, der sich weder an vergänglichen Modetrends noch am durchdringenden Materialismus des modernen Zeitalters orientiert. Die Tatsache, dass wir uns zu diesem Gipfel versammelt haben, zeigt, dass die Weit sich dieses Bedürfnisses bewusst geworden ist, sowie der Möglichkeiten, die den religiösen Traditionen der Welt innewohnen. Sollen wir uns nicht zusammen erheben, um diese Herausforderung anzunehmen? Und wenn die Aufgabe uns zu groß erscheint, sollen wir an unsere Kinder denken, unser wertvollstes Pfand.



Besondere Empfehlungen



Die vorgeschlagenen  lnternational Advisory Councils of Religious andSpiritual Leaders" sollten dazu dienen, die Kraft der Religion zur Schaffung einer besseren Welt für alle, auch für die Kinder, zu kanalisieren. Die regionalen Advisory Councils könnten demselben Zweck auf örtlicher und nationaler Ebene dienen. Diese neuen Einrichtungen haben ein ein-maliges Potenzial für konzertiertes und nachhaltiges Handeln durch religiöse Führer zur Unterstützung der Prozesse, die zum Weltfrieden führen. Deshalb haben wir sie ins Zentrum unserer besonderen Empfehlungen gestellt.

Die Mitglieder der Advisory Councils sollen aus möglichst vielen Teilen der menschlichen Gesellschaft stammen und alle religiösen und geistigen Traditionen der Welt vertreten. Wir empfehlen, dass die Advisory Councils ihre Arbeit auf der Basis von Beratung, der kollektiven Entscheidungsfindung leisten, und wenn möglich, ihre Entscheidungen' einstimmig treffen. Wir denken auch, dass die Wahl oder Ernennung eines ständigen Leiters lieber vermieden werden soll:



Es wäre eine wesentliche Aufgabe bei allen Funktionen der Advisory Councils, die grundsätzlichen Werte, die allen Religionen und geistigen Traditionen gemeinsam sind, festzustellen. Das daraus resultierende gemeinsame Verständnis würde eine feste Grundlage bilden für gemeinsame Bemühungen im Geiste des Dienstes an der ganzen Menschheit.



Eine ihrer dringendste Aufgaben wäre es, mit den passenden Organisationen der UN wie der UNESCO, UNICEF, UNDP und der Weltbank zusammen zu arbeiten, um den Bedarf fürgeeignete Lehrpläne und Erziehungssysteme für die moralische Erziehung und Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen anzugehen. Die regionalen Advisory Councils könnten zu diesem Zweck dabei behilflich sein, auf nationaler und regionaler Ebene Beratungsprozesse zu fördern, an denen Erziehungsexperten und Vertreter der religiösen und geistigen Traditionen der betreffenden Bevölkerungsgruppen beteiligt sind.

Die Advisory Councils könnten aufgefordert werden, Vermittlerdienste anzubieten oder zu organisieren, wenn es Konflikte oder po= tentieHe Konflikte gibt, bei denen es um religiöse Differenzen geht oder bei denen religiöse oder geistige Führung wirkungsvoll wäre.



Sie könnten auch die Entwicklung und Anwendung von Programmen empfehlen und fördern, die Versöhnung herbeiführen und Vertrauen wieder herstellen, als Beitrag zum Wiederaufbau von Gesellschaften, die durch vorangegangene Konflikte zerstört wurden.

Das Mandat des Internationalen Advisory Councils sollte das Recht einschließen, den gesamten Umfang der Politik, Programme und Prozesse der Vereinten Nationen zu überprüfen und hierzu Rat zu geben. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die UN und ihre Vertretungen trotz ihrer vielen beeindrukkenden Leistungen oft eine materialistische Sicht der Welt widerspiegeln und begünstigen, die von den geistigen Werten, an denen die

Mehrheit der Menschheit festhält, abweicht. Wir meinen, dass die Eintracht in der Arbeit der Vereinten Nationen und die Effektivität ihrer Programme durch einen Ansatz, der geistiger ist und auf den gemeinsamen Grundwerten der religiösen Traditionen der Welt fußt, nur gesteigert wäre:



Schluss



Wenn die Menschheit der Herausforderung, den Weltfrieden zu errichten, gerecht werden soll, muss die geistige Energie, die in jedem von uns latent vorhanden ist, freigesetzt und auf diese edle Aufgabe gerichtet werden. Die Religion kann die Vision liefern und die geistige Energie entfesseln, die benötigt wird, um die Menschheit hinzu einer neuen Weltordnung zu führen, die ihres Schicksals würdig ist.

Ein globales Gemeinwesen auf der Grundlage von Einheit in Mannigfaltigkeit aufzubauen, das sowohl von Liebe als auch von Gerechtigkeit belebt wird, ist keine einfache Aufgabe. Aber wir müssen sie angehen, für uns selbst, für die Kinder von heute und für die noch ungeborenen Generationen. Während wir dies tun, können wir uns sicher auf den Beistand des souveränen Schöpfers des Universums verlassen, mit weichem Namen wir Ihn auch immer anrufen.

Unsere Rolle als Teilnehmer an dieser historischen Versammlung Ist sowohl einfach als auch herausfordernd. Lassen Sie mich schließen mit diesem Auszug aus den Bahä'i-Schriften:

 Beratet in größter Freundlichkeit und im Geiste vollkommener Brüderlichkeit, und verbringt die kostbaren Tage eures Lebens damit, die Welt zu bessern." aus ONE COUNTRY 4/2000 - SEITE 12-13







Die Weltreligionen und die Vereinten Nationen:

Widerspruch oder wechselseitige Ergänzung für eine nachhaltige Entwicklung



Dieser Beitrag ist eine leicht überarbeitete Version des Statements der Bahä'i International Community (BIC) zum Weltgipfel über Nachhaltige Entwicklung

(vgl. One Country 3/2002) unter dem Titel  Religion und Entwicklung am Scheideweg: Konvergenz oder Divergenz". Der vollständige Text kann eingesehen werden unter. http:ll www.bic-un.bahai.org/o2o826.htm



Im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts sind ethnische, rassische und natio naleVorurteileimmer stärker der Einsicht gewichen, dass die Menschheit eine Familie ist und die Erde ihre gemeinsame Heimat.

Die Vereinten Nationen, die als Reaktion auf diese sich durchsetzende Erkenntnis gegründet wurden, haben unermüdlich daran gearbeitet, eine Welt zu schaffen, in der alle Völker und Nationen in Frieden und Harmonie miteinander leben können.



Um diese Welt zu ermöglichen, haben die Vereinten Nationen ein bemerkenswertes Netzwerk von Unterorganisationen, Arbeitsprozessen, Konventionen und Aktionsplänen mit weltweitem Fokus aufgebaut. Sie haben dazu beigetragen, Konflikte und Kriege zu vermeiden, Menschenrechte zu schützen, die Gleichwertigkeit von Mann und Frau zu fördern und die wirtschaftlichen Verhältnisse unzähliger Menschen und Gemeinden zu verbessern.

Doch trotz all dieser Leistungen haben die Vereinten Nationen noch nicht voll erfasst, welche konstruktive Rolle die Religionen beim Aufbau einer friedvollen und blühenden Weltordnung einerseits spielen können und welche zerstörerischen Auswirkungen andererseits religiöser Fanatismus auf die Stabilität und den Fortschritt der Welt haben kann.



Dieser mangelnde Zugang zu den Religionen und ihren Institutionen ist eindeutig im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit festzustellen, wo die Vereinten Nationen die Religionsgemeinschaften im Großen und Ganzen nur als Kanäle zurAuslieferung von Gütern und Ausführung von Dienstleistungen sowie als Instrumente für die Durchführung von Entwicklungsstrategien und -programmen gesehen haben.



Zwar hat das Menschenrechtsschutzsystem der Vereinten Nationen religiöse Intoleranz und Verfolgungen aus religiösen Gründen immer wieder verurteilt. Was allerdings die Programme der Vereinten Nationen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit anbelangt, so haben sie sich der religiösen Bigotterie als einem der wesentlichen Hindernisse für Frieden und Wohlergehen bislang kaum angenommen.



Dabei wird es doch immer offensichtlicher, dass der Prozess, den Planeten zu einer Heimat für die gesamte menschliche Familie zu machen, nicht in einem geistigen Vakuum erfolgen kann. Religion ist die Quelle der Hoffnung und der Sinngebung für den größten Teil der Erdbewohner. Sie besitzt die grenzenlose Macht, in ihren Anhängern Opferbereitschaft, Veränderungen und nachhaltiges Engagement hervorzurufen.

Daher ist es undenkbar, dass eine friedliche und blühende Weltgemeinschaft-eine Gesellschaft, die eine ungeheure Vielfalt von Kulturen und Nationen in sich vereinterrichtet und erhalten werden kann, ohne die großen Weltreligionen direkt und in bedeutendem Maße miteinzubeziehen.



Gleichzeitig kann auch nicht geleugnet werden, dass die Macht von Religionen fehlgeleitet wurde, um die Menschen gegeneinander aufzubringen. Doch solange man es zulässt, dass religiöse Feindseligkeiten die Welt destabilisieren, solange wird es unmöglich sein, ein weltweites Konzept für nachhaltige Entwicklung zu fördern.



Angesichts der aktuellen Beispiele für religiösen Fanatismus ist es verständlich, dass die Vereinten Nationen bisher zögerten, Religionsvertreter zu ihren Verhandlungen einzuladen. Dennoch können die Vereinten Nationen es sich nicht erlauben, das unermesslich Gute, was die Religionen in der Welt getan haben und weiterhin tun zu ignorieren, ebenso wenig wie die weitreichenden Beiträge, die die Religionen zur Errichtung einerfriedlichen, blühenden und nachhaltigen Weltordnung leisten können. Tatsächlich werden die Vereinten Nationen diese Weltordnung nur erfolgreich umsetzen können, wenn sie sich die Macht und die Visionen der Religionen zu Nutze machen.



Dazu ist es notwendig, in den Religionen nicht nur ein Instrument zur Bereitstellung und Ausführung von Entwicklungsinitiativen zu sehen, sondern sie als einen aktiven Partner bei der Ausarbeitung, die Vereinten Nationen: wechselseitige Ergänzung Entwicklung dem Entwurf, der Durchführung und der Bewertung von weltweiten Strategien und Programmen anzuerkennen. Die historisch gerechtfertigte Wand, die die Vereinten Nationen und die Religionen voneinander trennt, muss den Notwendigkeiten einer Welt, die sich um Einheit und Gerechtigkeit bemüht, weichen.



Im Grunde liegt dies aber bei den Religionen selbst. Religiöse Menschen und noch wichtiger, ihre religiösen Führer, müssen zeigen, dass sie für den Auftrag, eine nachhaltige Weltgemeinschaft zu errichten, wertvolle Partner sind. Dazu ist es notwendig, dass religiöse Führer gewissenhaft und unermüdlich daran arbeiten, religiöse Bigotterie und Aberglauben aus ihren Glaubenstraditionen zu verbannen. Es wird notwendig sein, dass sie die Gewissensfreiheit für alle Menschen, einschließlich ihrer eigenen Anhänger, akzeptieren, und dass sie von den religiösen Lehren des Exklusivismus und der Endgültigkeit abkommen.



Man sollte nicht davon ausgehen, dass die Anerkennung der Religionen als Partner in den Vereinten Nationen ein schneller Prozess sein wird oder dass religiöse Feindseligkeiten sehr bald beseitigt sein werden. Aber aufgrund der dringlichen Bedürfnisse der menschlichen Familie ist ein weitererAufschub, sich der Rolle der Religion anzunehmen, nicht tragbar. Die Vereinten Nationen könnten ihrerseits diesen Prozess, die Religionen wesentlich stärker

in die Beratungen über die Zukunft der Menschheit miteinzubeziehen, in Gang setzen, indem sie ein erstes Treffen der religiösen Führer ausrichten, das vielleicht vom Generalsekretär einberufen werden könnte.



Als erstes könnten die religiösen Führer eine Konvention für die Freiheit der Religionen und des Glaubens fordern, die so schnell wie möglich mit Hilfe der Religionsgemeinschaften konzipiert und von den Regierungen der Welt ratifiziert werden sollte. Eine solche Handlung seitens der religiösen Führer würde ihre Bereitschaft signalisieren, die Freiheit des Gewissens für alle Völker zu akzeptieren und würde die Spannungen in der Welt bedeutend verringern.

Ferner könnte darüber gesprochen werden, innerhalb der Vereinten Nationen ein zeitlich unbefristetes religiöses Forum zu gründen, zunächst vielleicht nach dem Muster des erst kürzlich von den Vereinten Nationen gegründeten Permanent Forum an Indigenous Issues. Die Errichtung eines solchen Gremiums wäre ein erster wichtiger Schritt für die vollständige Integration der Religionen in die Arbeit der Vereinten Nationen, eine friedliche Weltordnung herzustellen.



Die religiösen Führer ihrerseits müssen zeigen, dass sie würdig sind, an solch einem Forum teilzunehmen. Nur die religiösen Führer, die ihren Anhängern ganz deutlich machen, dass Vorurteile, Bigotterie und Gewalt keinen Platz im Leben eines gläubigen Menschen haben, sollten eingeladen werden, in dieser Körperschaft mitzuarbeiten.



Es ist offensichtlich,je länger die Vereinten Nationen die bedeutende Beteiligung der Religionen an ihrer Arbeit hinauszögern, desto länger wird die Menschheit unter den verheerenden Folgen von Ungerechtigkeit und Uneinigkeit leiden. Ebenso eindeutig ist, dass solange die Religionen der Welt nicht dem Fanatismus abschwören und mit ganzem Herzen daran arbeiten, ihn innerhalb ihrer eigenen Reihen zu beseitigen, Frieden und Wohlstand sich als nicht realisierbar erweisen werden.



Tatsächlich liegt die Verantwortung für die Not der Menschheit zum größten Teil bei den religiösen Führern der Welt. Sie sind es, die ihre Stimmen erheben müssen, um Hass, Exklusivität, Unterdrückung des Gewissens, Vergehen gegen die Menschen rechte, Verweigerung von Gleichheit, Widerstand gegen die Wissenschaft und die Verherrlichung des Materialismus, der Gewalt und des Terrorismus, die alle im Namen der religiösen Wahrheit begangen werden, zu beenden. Darüber hinaus müssen die Anhänger aller Religionen ihr eigenes Leben verändern und sich den Mantel der Opferbereitschaft und der Dienstbarkeit für das Wohlergehen anderer umlegen. Auf diese Weise können sie zur Verwirklichung der lange verheißenen Herrschaft von Frieden und Gerechtigkeit auf Erden beitragen.



Aus One Country 1/2003 Seite 4-5

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