Read: 1974 Zum Wirklichen Leben



SHOGHI EFFENDI

ZUM WIRKLICHEN LEBEN

Auszüge aus Briefen und Schriften
1923-1957
Herausgegeben vom
Universalen Haus der Gerechtigkeit

BAHA'l VERLAG

Wie oft hörte man den geliebten Meister sagen: Wenn jeder der Freunde auf sich nähme, nur
eine einzige Lehre des Glaubens voll und ganz und mit allen Konsequenzen, in Hingabe und Los-
lösung, mit Beständigkeit und Ausdauer zu befolgen und in allen Taten und Unternehmungen sei-
nes Lebens ein Beispiel dafür zu geben, dann würde die Welt sich völlig verändern, und das Antlitz
der Erde würde die Herrlichkeit des Paradieses Abhá widerspiegeln. Bedenkt, welch wunderbare
Veränderung erzielt würde, wenn sich die Geliebten des Barmherzigen im persönlichen Bereich
wie auch als Gemeindeglieder gemäß den Ratschlägen und Ermahnungen verhielten, die aus der
Feder des Ruhmes geflossen sind. (Shoghi Effendi, aus einem Brief vom
12. Januar 1923 an die Bahá’í von Persien, aus dem Persischen übersetzt)

Bedenkt, wie sehr die Geliebten Gottes in Wille und Testament ebenso wie in den heiligen Send-
schreiben und Schriften dazu gedrängt und ermahnt wurden, Geradheit, guten Willen, Duldsam-
keit, Heiligkeit, Loslösung von allem außer Gott und Trennung von allem, was zu dieser Welt ge-
hört, an den Tag zu legen, Beispiel für himmlische Eigenschaften und Wesenszüge zu sein. Zu
allererst sollten sie jedes nur mögliche Mittel anwenden, um ihr Herz und ihre inneren Antriebe zu
reinigen; andernfalls wäre es nutzlos, sich für Unternehmungen irgendwelcher Art einzusetzen.
Ebenso notwendig ist es, sich der Heuchelei und der blinden Nachahmung zu enthalten, denn ihr
übler Geruch wird von jedem verständigen und weisen Menschen sehr bald entdeckt werden. Dar-
über hinaus müssen die Freunde die fest gesetzten Zeiten für die Erwähnung Gottes, für Meditati-
on, Andacht und Gebet einhalten, da es höchst unwahrscheinlich, ja, so gut wie unmöglich ist, daß
irgendeine Unternehmung ohne die göttlichen Gnadengaben und Bestätigungen Erfolg und Frucht
bringen kann. Man kann sich kaum vorstellen, welch großen Einfluß aufrichtige Liebe, Wahrhaftig-
keit und Reinheit der Motive auf die Seelen der Menschen ausüben. Aber diese Eigenschaften
können nicht erworben werden, solange nicht jeder Gläubige sich tagtäglich bemüht, sie zu erlan-
gen . . .
Die Geliebten Gottes sollten in erster Linie durch die Macht edlen Handelns und eines edlen
Charakters, außerdem kraft Darlegung und Beweises der Welt die Tatsache vor Augen führen,
daß die Verheißungen Gottes sich notwendigerweise erfüllen, daß sich diese Erfüllung schon jetzt
vollzieht und daß die frohen Botschaften klar, einleuchtend und vollständig sind. In der Tat, wenn
nicht einige hervorragende Seelen die Arena des Dienens beträten und ein strahlendes Licht in der
Gesellschaft der Menschen würden, dann würde es zu einer ungeheuerlichen Aufgabe, vor den
Augen der Weltweisen die Wahrheit dieser Sache zu vertreten. Aber wenn die Freunde Verkörpe-
rungen glänzender Eigenschaften und Tugenden werden, bedarf es der Worte und Argumente
nicht mehr. Ihre Taten selbst dienen dann als beredtes Zeugnis, ihr edles Verhalten sichert den
Schutz, die Unversehrtheit und den Ruhm der Sache Gottes.
(Shoghi Effendi, aus einem Brief vom 19. Dezember 1923 an die Bahá’í' des Ostens, aus dem
Persischen übersetzt)

Die Erwählten Gottes ... sollten nicht auf den verderbten Zustand der Gesellschaft schauen, in der
sie leben, oder auf die Beweise der Entartung und der Leichtfertigkeit, die die Menschen um sie
her an den Tag legen. Sie sollten sich nicht damit zufriedengeben, daß sie bloß im Vergleich zu
den anderen abstechen und herausragen. Vielmehr sollten sie den Blick auf erhabenere Gipfel
richten, indem sie sich die Ratschläge und Ermahnungen der Erhabensten Feder zum höchsten
Ziel setzen. Dann werden sie alsbald erkennen, wie zahlreich die Stufen sind, die noch durch
schritten werden müssen, und wie weit entfernt das ersehnte Ziel liegt -, kein anderes Ziel als das,
Beispiel zu sein für himmlische Verhaltensnormen und Tugenden.
(Shoghi Effendi, aus eitlem Brief vom 30. Oktober 1924 an den Geistigen Rat von Teheran, aus
dem Persischen übersetzt)

Es ist unsere Pflicht und unser Vorrecht, die Liebe und Hingabe, die wir für unsere geliebte Sa-
che empfinden, in Taten und Handlungen umzusetzen, die dem höchsten Wohl der Menschheit
dienlich sind. (Shoghi Effendi, aus eitlem Brief vom 20. November 1924 an einen Gläubigen)

Wenn Sie die Äußerungen Bahá’u’lláhs und ‘Abdu’l-Bahás selbstlos und aufmerksam lesen und
sich ganz darauf konzentrieren, werden Sie Wahrheiten entdecken, die Ihnen bislang unbekannt
sind, und Einsicht in die Probleme gewinnen, vor denen die großen Philosophen der Welt ratlos
standen. (Shoghi Effendi, aus einem Brief vom 30. Januar 1925 all einen Gläubigen)

Die Hauptsache ist, das wir das Leben führen - daß unser Leben mit den göttlichen Lehren und
dem Bahá’í-Geist so sehr gesättigt ist, daß die Menschen nicht umhin können, in unserem Charak-
ter und in unserer Tätigkeit eine Freude, eine Kraft, Liebe und Reinheit, eine Ausstrahlung und
Tüchtigkeit wahrzunehmen, die uns von weltlich gesinnten Menschen abheben, so daß die Leute
sich fragen, was denn wohl das Geheimnis dieses neuen Lebens in uns ist. Wir müssen völlig
selbstlos werden und uns Gott ergeben, so daß wir an jedem Tag und in jedem Augenblick be-
strebt sind, nur das zu tun, was Gott von uns getan haben will in der Art und Weise, wie Er es von
uns getan haben will. Wenn wir das aufrichtig tun, dann werden vollkommene Einheit und Eintracht
unter uns herrschen. Wo es an Eintracht mangelt, da fehlt der wahre Bahá’í-Geist. Wenn wir nicht
diese Umwandlung unseres Lebens, diese neue Kraft, diese gegenseitige Liebe und Eintracht zei-
gen, dann sind die Bahá’í-Lehren für uns nur ein Name. (Aus einem Brief vom 14. Februar 1925 im
Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Wenn wir Bahá’í untereinander nicht herzliches Einvernehmen erreichen, dann haben wir den
Hauptzweck verkannt, der Leben und Leiden des Báb, Bahá’u’lláhs und des geliebten Meisters
bestimmte.
Eine der Grundvoraussetzungen für diese Einheit der Herzen, so haben Bahá’u’lláh und 'Ab-
du'I-Bahá immer wieder betont, ist es, daß wir dem natürlichen Hang widerstehen, unsere Auf-
merksamkeit auf die Fehler und Schwächen anderer zu richten und nicht auf unsere eigenen. Je-
der von uns hat nur ein einziges Leben zu verantworten, und ist sein eigenes. Jeder ist unmeßbar
weit davon entfernt "vollkommen" zu sein, "wie unser himmlischer Vater vollkommen ist", die Auf-
gabe, unser eigenes Leben und unseren eigenen Charakter zu vervollkommnen, erfordert unsere
ganze Aufmerksamkeit, Willenskraft und Energie. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit und Energie
auf Bemühungen verwenden, an anderen herumzubessern und ihre Fehler zu korrigieren, vergeu-
den wir kostbare Zeit. Wir sind wie Pflüger, von denen jeder sein Gespann zu führen und seinen
Pflug zu lenken hat. Um seine Furche gerade zu halten, muß jeder seinen Blick auf sein Ziel rich-
ten und sich auf seine eigene Aufgabe konzentrieren. Wenn er da - oder dorthin schaut, um zu
sehen, wie Hans und Gustav zurechtkommen, um ihre Arbeit zu kritisieren, dann wird seine eigene
Furche bestimmt krumm werden.
Keine Aussage wird in den Bahá’í-Schriften nachdrücklicher unterstrichen als die Notwendigkeit,
daß wir alles Herumkritisieren, alle üble Nachrede vermeiden, vielmehr immer daran arbeiten müs-
sen, unsere eigenen Fehler zu entdecken und auszumerzen und unser eigenes Versagen zu ü-
berwinden.
Wenn wir unsere Treue zu Bahá’u’lláh, zu unserem Geliebten Meister und zu unserem lieben
Hüter bekennen, dann müssen wir unsere Liebe dadurch zeigen, daß wir diesen klaren Lehren
gehorchen. Taten, nicht Worte sind es, was sie verlangen, und kein noch so großer Eifer bei Loya-
litätsbekenntnissen und Schmeicheleien wird das Versäumnis aufwiegen, im Geist der Lehren zu
leben. (Aus einem Brief vom 12. Mai 1925 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Auf die Frage, ob es gestattet sei, eine Unwahrheit zu sagen, um einem anderen aus Gefahr zu
helfen, äußert er die Meinung, daß wir unter keinen Umständen eine Unwahrheit sagen, aber
gleichzeitig versuchen sollten, dem Betreffenden auf etwas legitimere Weise zu helfen. Gewiß ist
es nicht nötig, daß wir uns allzu deutlich äußern, bevor nicht die Frage direkt an uns gerichtet wur-
de. (Aus einem Brief vom 21. Dezember 1927 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Wir sollten aber nicht vergessen, daß ein Wesensmerkmal dieser Welt Leid und Drangsal ist und
daß wir, indem wir diese überwinden, uns moralisch und geistig weiterentwickeln. Wie der Meister
sagt: "Leid ist mit Furchen zu vergleichen; je tiefer diese gehen, desto reichere Ernte werden wir
einbringen". (Aus einem Brief vom 5. November 1931 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubi-
gen)

Im Bayán sagt der Báb daß alle Religionen der Vergangenheit geeignet wären, die Weltreligion
zu werden. Der einzige Grund, warum sie dieses Ziel nicht erreichten, sei die Unfähigkeit ihrer An-
hänger. Er fährt dann fort mit der klaren und bestimmten Verheißung, daß dies nicht das Schicksal
der Offenbarung Dessen sei, 'den Gott offenbaren werde', daß diese Offenbarung vielmehr zur
Weltreligion werde und alle Völker der Erde umfassen würde. Dies zeigt, daß wir letzten Endes
unser Ziel erreichen werden. Aber könnten wir nicht durch unsere Unterlassungen, durch man-
gelnde Opferbereitschaft, durch den Widerwillen dagegen, daß wir unser Bemühen auf die Verbrei-
tung der Sache konzentrieren, die Verwirklichung dieses Ideals hinauszögern? Und was würde das
bedeuten? Es bedeutet, daß wir vor Gott zur Rechenschaft gezogen werden, daß die Menschheit
noch länger in ihrem Zustand des Eigensinns verharrt, daß Kriege nicht schnell abgewendet wer-
den können, daß die Leiden der Menschen länger dauern. (Aus einem Brief vom 20. Februar 1932
im Auftrag Skogki Effendis an einen Gläubigen)

Jeder Tag hat seine bestimmten Erfordernisse. In den frühen Tagen brauchte der Glaube Märtyrer
und Menschen, die alle Arten von Grausamkeit und Verfolgung ertragen mußten, wenn sie ihren
Glauben kundtaten und die Botschaft Gottes verbreiteten. Diese Tage sind jedoch vorüber. Zum
gegenwärtigen Zeitpunkt braucht der Glaube keine Märtyrer, die für ihren Glauben sterben, son-
dern Diener, deren Sehnsucht es ist, den Glauben in der ganzen Welt zu lehren und aufzurichten.
Leben, um lehren zu können, das bedeutet heute so viel wie in jenen frühen Tagen der Märtyrer-
tod. Was zählt, ist der Geist, der uns treibt, nicht die Handlung, durch die dieser Geist sich aus-
drückt; und dieser Geist muß der Sache Gottes mit Herz und Seele dienen. (Aus einem Brief vom
3. August 1932 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in "Bahá’í News", Nr. 68,
November 1932, S. 3)

Es ist seine aufrichtige Hoffnung, daß durch diese Opfer das Gebäude vollendet werde und zu
einem Brennpunkt für den Geist und für die Verbreitung der Sache dortzulande werden möge; daß
das Licht der Führung von ihm ausgehe und der niedergedrückten Menschheit Freude und Hoff-
nung ins Herz lege.
Wenn Sie das Geschichtswerk Nabils studieren, werden Sie sehen, wie der Glaube durch das
ständige Opfer der Freunde gespeist worden ist. Unter Entbehrungen, Verfolgungen und ständigen
Leiden ist die Botschaft Bahá’u’lláhs überall in der Welt aufgerichtet worden. (Aus einem Brief vom
30. November 1932 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in "Bahá’í News", Nr.
77, September 1933, S. 1)

Der Rat, den Ihnen Shoghi Effendi gab, daß Sie Ihre Zeit zwischen dem Dienst an der Sache und
der Erfüllung Ihrer übrigen Verpflichtungen aufteilen sollten, wurde vielen von Bahá’u’lláh und vom
Meister gegeben. Er stellt einen Kompromiß dar zwischen zwei Versen des Aqdas, von denen der
eine jeden Bahá’í verpflichtet, der Verbreitung des Glaubens zu dienen, während der andere be-
sagt, daß jede Seele einer Beschäftigung nachgehen soll, die der Gesellschaft nützt. In einem Sei-
ner Tablets sagt Bahá’u’lláh, daß es an diesem Tag die höchste Form der Loslösung ist, einem
Beruf nachzugehen und für seinen Unterhalt selbst aufzukommen. Ein guter Bahá’í ist also der-
jenige, der sein Leben so gestaltet, daß er Zeit für die Befriedigung seiner materiellen Bedürfnisse
aufwendet, aber auch für den Dienst an der Sache. (Aus einem Brief vom 21. Februar 1933 im
Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie tief er es beklagt, daß in Bahá’í-Versammlungen und ganz
besonders auf einem so wichtigen Treffen wie der Nationaltagung so viele negative Kräfte am
Werk sind. Die oft wiederholten Worte des Meisters in bezug auf Einheit und einmütige Zusam-
menarbeit unter den Freunden sollten sorgsam und gewissenhaft beherzigt werden, heute mehr
denn je. Nichts steht dem Geist der Sache mehr entgegen als Zwietracht und Streit, die die un-
vermeidliche Folge von Selbstsucht und Gier sind. Reine Loslösung und selbstloser Dienst sollten
die alleinigen Motive jedes wahren Gläubigen sein. Und solange es nicht jedem einzelnen Freund
gelingt, diese Eigenschaften in lebendiges Handeln umzusetzen, können wir keinen weiteren Fort-
schritt erhoffen. Gerade jetzt sind Einheit des Denkens und Handelns am allernötigsten. Gerade
jetzt, da der Glaube in eine neue Entwicklungsphase eintritt, da sich seine Verwaltungsordnung
allmählich festigt inmitten des Aufruhrs und Chaos einer zusammenbrechenden Zivilisation, sollten
sich die Freunde in geschlossener Front den Kräften der inneren Uneinigkeit entgegenstellen, die,
wenn sie nicht vollständig ausgelöscht werden, unser Werk unweigerlich zerstören werden. (Aus
einem Brief vom 24. September 1933 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Er beklagt die Tatsache außerordentlich, daß die Vertreter des höchsten administrativen Organs
in Ihrem Land Meinungsverschiedenheiten und Mißverständnissen gestattet haben, ein derartiges
Ausmaß anzunehmen, wiewohl alle Prinzipien und Gesetze der Administration von ihm mit aller
Klarheit und allem Nachdruck in vielen Botschaften seit dem Hinscheiden des Meisters dargelegt
worden sind. Wenn solchen Schwierigkeiten nicht sofort und mit aller Energie Einhalt geboten wird,
können sie dem Organismus der Sache Gottes unermeßlichen Schaden zufügen und nicht nur
verhindern, daß sie ihren Geist verströmt, sondern mehr noch, daß dieser Geist der Sache Gottes
auf die Welt einwirkt. Bei eingehender und leidenschaftsloser Prüfung findet man die Ursache für
solche Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen stets in Egoismus und Selbstsucht. Und wenn
diese giftigen Gefühle nicht vollkommen überwunden werden, kann es keine Hoffnung geben, daß
das Verwaltungssystem der Sache Gottes wirksam arbeiten und fortschreiten kann. (Aus einem
Brief vom 9. Mai 1934 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat von Indien und
Burma)

Er bittet Sie dringend, den vielen Hindernissen, die Ihnen im Weg stehen, mutig zu begegnen
und sie zu überwinden, rät Ihnen aber gleichzeitig, im Fall eines Fehlschlags und ganz gleich, was
Ihnen zustößt, freudig und zufrieden zu bleiben und sich dem Göttlichen Willen voll und ganz zu
unterwerfen. Unsere Trübsale, Prüfungen und Leiden sind manchmal verhüllte Segnungen, da sie
uns lehren, mehr Glauben und Vertrauen in Gott zu haben, und uns Ihm näherbringen. (Aus einem
Brief vom 28. April 1936 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Hat uns Bahá’u’lláh nicht versichert, daß Leiden und Entbehrungen verhüllte Segnungen sind,
daß durch sie unsere inneren, geistigen Kräfte angeregt, gereinigt und veredelt werden? Bleiben
Sie deshalb zuversichtlich, daß Ihre materiellen Schwierigkeiten Sie keineswegs in Ihrem Einsatz
für die Sache Gottes behindern, daß sie vielmehr Ihrem Herzen einen mächtigen Antrieb geben
werden, die Interessen des Glaubens wahrzunehmen und zu fördern. (Aus einem Brief vom 22.
November 1936 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Persönliches Bemühen ist in der Tat eine lebenswichtige Voraussetzung für die Anerkennung
und Annahme der Sache Gottes. Gleichgültig, wie stark das Ausmaß göttlicher Gnade ist -, wenn
sie nicht durch persönliche, anhaltende, intelligente Bemühung ergänzt wird, kann sie nicht voll
wirksam werden und einen wirklichen, bleibenden Nutzen erbringen. (Aus eitlem Brief vom 27.
Februar 1938 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Solche Hindernisse (d. h. Krankheit und äußere Schwierigkeiten), so schwer und unüberwindlich
sie zuerst scheinen mögen, können und sollten durch die vereinte, anhaltende Macht des Gebets
und entschlossenen, fortgesetzten Bemühens gänzlich überwunden werden. Denn haben uns
nicht Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá beide wiederholt versichert, daß die göttlichen, unsichtbaren,
siegreichen Heerscharen immer diejenigen bestätigen und bestärken werden, die sich tapfer und
voller Zuversicht in ihrem Namen bemühen? Diese Versicherung sollte es Ihnen in der Tat ermög-
lichen, jedes Gefühl des Unwerts und der Unfähigkeit zum Dienst, jede innere oder äußere Hem-
mung zu überwinden, die Ihre Anstrengungen für den Bahá’í-Glauben zu behindern droht. Sie soll-
ten sich daher erheben und sollten sich mit einem freudevollen, zuversichtlichen Herzen bemühen,
jeden Beitrag zur weiteren Verbreitung und größeren Festigung unseres geliebten Glaubens zu
leisten, der nur irgend in Ihrer Macht liegt. Welches Feld des Dienstes Sie auch immer auswählen,
ob Lehrarbeit oder Verwaltungstätigkeit, es ist von entscheidender Wichtigkeit für Sie, durch-
zuhalten und es keinem Bewußtsein Ihrer Unzulänglichkeiten zu gestatten, Ihren Eifer zu dämpfen,
noch viel weniger, Sie vom freudigen, aktiven Dienen abzuhalten. (Aus einem Brief vom 6. Februar
1939 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Je größer Ihre Prüfungen und Leiden, desto stärker soll Ihre Bindung und Ihre Hingabe an die
Sache Gottes werden. Denn nur durch wiederholte Trübsale und Anfechtungen prüft Gott Seine
Diener, und darum sollten Sie diese als verhüllte Segnungen ansehen, als Gelegenheiten, durch
die Sie ein umfassendes Bewußtsein vom Willen und Plan Gottes erlangen können. (Aus einem
Brief vom 23. Februar 1939 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Der Lehrgang über Charakterschulung, den . . . geben wird, ist nach Meinung des Hüters beson-
ders wichtig ; er sollte gebührenden Nachdruck erhalten und besonders von jüngeren Gläubigen,
die an der Schule teilnehmen, sorgfältig und gründlich studiert werden. Die Maßstäbe des Ba-
há’í-Verhaltens, die er selbst in seinem letzten allgemeinen Rundschreiben über das Kommen
göttlicher Gerechtigkeit dargelegt hat, und die einzuhalten und durchzusetzen die höchste Pflicht
jedes ergebenen und gewissenhaften Gläubigen sein sollte, verdienen ernste Studien und Medi-
tationen; sie sollten das zentrale Thema des Jahresprogramms an allen drei Ba-
há’í-Sommerschulen in den Vereinigten Staaten sein. (Aus einem Brief vom 20. Mai 1939 im Auf-
trag Shoghi Effendis an den Ausschuß der Louhelen Summer School)

Sie haben sich über die unbefriedigenden Zustände in der Bahá’í-Gemeinde von . . . beklagt.
Dem Hüter ist die Situation des Glaubens dort wohl bekannt, aber er ist zuversichtlich, daß die
Hindernisse welcher Art auch immer, die dem Glauben entgegenstehen, letzten Endes überwun-
gen werden. Sie sollten sich unter keinen Umständen entmutigen lassen; niemals sollten Sie es
solchen Schwierigkeiten, auch wenn sie aus falschem Verhalten, aus mangelnder Fähigkeit oder
Einsicht gewisser Gemeindemitglieder herrühren, gestatten, Ihren Glauben oder Ihre Ergebenheit
gegenüber der Bahá’í-Sache ins Wanken zu bringen. Ganz sicher dürfen wir einzelne Gläubige, so
fähig sie auch in der Lehrarbeit oder in der Verwaltung, so hoch ihre intellektuellen und geistigen
Verdienste auch sein mögen, niemals als den Maßstab ansehen, mit dem wir die göttliche Autorität
und die Sendung des Glaubens bewerten und messen. Vielmehr sollten die Gläubigen immer auf
die Lehren selbst und auf das Leben der Begründer der Sache Gottes blicken, um Führung und
Inspiration zu empfangen, und nur wenn sie diese wahre Haltung streng beachten, können sie die
Hoffnung haben, ihre Treue zu Bahá’u’lláh auf eine dauernde, unangreifbare Grundlage zu stellen.
Sie sollten daher Mut fassen und mit unermüdlicher Wachsamkeit, mit unaufhörlichem Eifer da-
nach streben, Ihren vollen Anteil an der allmählichen Entfaltung dieser göttlichen Weltordnung
wahrzunehmen. (Aus einem Brief vom 23. August 1939 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläu-
bigen)

Dies sind wirklich die Tage, in denen von den Gläubigen Heldentum verlangt wird. Selbstaufop-
ferung, Mut, unbeirrbare Hoffnung und Zuversicht sind die Merkmale, die sie ausstrahlen sollten,
denn genau diese Eigenschaften werden unweigerlich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erre-
gen und die Frage herausfordern, was denn in einer so hoffnungslos verwirrten und chaotischen
Welt diese Menschen dazu bringt, so sicher, so zuversichtlich und hingebungsvoll zu sein. Im Lau-
fe der Zeit werden die Eigenschaften der Bahá’í zunehmend das sein, was die Aufmerksamkeit
ihrer Mitbürger erregt. Sie müssen zeigen, daß sie über dem Haß und den gegenseitigen Anschul-
digungen stehen, die am Herzen der Menschheit nagen; durch Taten und Worte müssen sie ihren
tiefverwurzelten Glauben an die künftige friedliche Vereinigung der ganzen Menschheit beweisen.
(Aus einem Brief vom 26. Oktober 1941 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Wir müssen immer nach vorn schauen und danach streben, in der Zukunft das zu vollbringen,
was wir vielleicht in der Vergangenheit versäumt haben. Mißerfolge, Prüfungen und Schicksals-
schläge können, wenn wir den richtigen Gebrauch davon machen, ein Mittel werden, unseren
Geist zu reinigen, unseren Charakter zu stärken. Sie können uns befähigen, zu höheren Stufen
des Dienstes aufzusteigen. (Aus einem Brief vom 14. Dezember 1941 im Auftrag Shoghi Effendis
an einen Gläubigen)

Zu den Punkten, die Sie in Ihrem Brief anschneiden: Die völlige, gänzliche Auslöschung des Ich
würde Vollkommenheit bedeuten - die der Mensch nie ganz erreichen kann -, aber das Ich kann
und sollte in steigendem Maß der erleuchteten Seele des Menschen untergeordnet werden. Das
ist mit geistigem Fortschritt gemeint. (Aus einem Brief vom 19. Dezember 1941 im Auftrag Shoghi
Effendis an einen Gläubigen)

Zu der Beschwerde von . . . meint der Hüter, daß es in diesem Fall das beste ist, die beiden be-
troffenen Gläubigen zu bitten, die ganze Angelegenheit zu vergeben und zu vergessen. Er will
nicht, daß die Freunde damit anfangen, eine Art Bahá’í-Rechtsweg gegeneinander zu beschreiten.
Ihre Pflichten gegenüber der Menschheit sind in diesen Tagen, in denen die Sache Gottes um ihre
Verbreitung und um die Sicherung ihrer Unabhängigkeit kämpft, zu heilig und zu drängend, als daß
sie ihre kostbare Zeit - auch seine kostbare Zeit - in dieser Weise verbrauchen sollten. Fordern Sie
die beiden deshalb auf, sich zu verbinden, das Vergangene zu vergessen und der Sache zu die-
nen wie nie zuvor. (Aus einem Brief vom 26. Dezember 1941 im Auftrag Shoghi Effendis an einen
Gläubigen)

Die Gläubigen haben es noch nicht ganz gelernt, in Zeiten der Not aus ihrer gegenseitigen Liebe
Kraft und Trost zu schöpfen. Die Sache Gottes ist mit ungeheuren Kräften ausgestattet, und der
Grund, warum die Gläubigen daraus nicht mehr Nutzen ziehen, ist, daß sie es noch nicht gelernt
haben, diese mächtigen Kräfte der Liebe, der Stärke und Harmonie, die der Bahá’í-Glaube hervor-
ruft, ganz auszuschöpfen. Er rät Ihnen, Ihre Freundin ... zunächst einmal allein zu lassen und für
sie zu beten. Da sie im gegenwärtigen Zeitpunkt Ihre Hilfe nicht wünscht, können Sie ihr nur inner-
lich helfen. Sie haben dem Bahá’í-Glauben viele wertvolle Dienste erwiesen und tun das noch im-
mer, und dies sollte Ihr größter Trost sein. (Aus einem Brief vom 8. Mai 1942 im Auftrag Shoghi
Effendis an einen Gläubigen)

Die Freunde müssen Geduld miteinander haben und sich darüber im klaren sein, daß die Sache
Gottes noch im Stadium der Kindheit steht und ihre Institutionen noch nicht fehlerfrei arbeiten. Je
größer die Geduld, das liebevolle Verstehen und die Nachsicht sind, die die Freunde miteinander
und mit ihren Unzulänglichkeiten haben, desto größer wird der Fortschritt der Bahá’í-Weltgemein-
schaft sein. (Aus einem Brief vom 27. Februar 1943 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubi-
gen)

Wir müssen uns unsere Unvollkommenheit vor Augen halten und dürfen es uns nicht leisten,
wegen der unglücklichen Dinge, die manchmal auf Nationaltagungen, manchmal in Geistigen Rä-
ten oder Ausschüssen usw. vorkommen, aus der Fassung zu geraten. Solche Dinge gehören ih-
rem Wesen nach zur Oberfläche; im Laufe der Zeit wird die Gemeinde daraus hinauswachsen.
(Aus einem Brief vom 17. März 1943 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Nicht jeder von uns kann in der gleichen Weise dienen, aber die Art und Weise, wie jeder Bahá’í
den Glauben verbreiten kann, ist das gute Beispiel. Dieses beeinflußt die Herzen der Menschen
viel tiefer, als Worte es jemals vermögen. Die Liebe, die wir anderen erzeigen, die Gastfreund-
schaft, das Verständnis und die Hilfsbereitschaft den Menschen gegenüber sind die allerbeste
Werbung für den Glauben. Die anderen werden etwas davon erfahren wollen, wenn sie diese Din-
ge in unserem Leben sehen. (Aus einem Brief vom 14. Oktober 1943 im Auftrag Shoghi Effendis
an einen Gläubigen)

Es hat ihn sehr gefreut zu hören, daß die Nationaltagung so gut besucht war, und daß die
Freunde voller Begeisterung und in Einigkeit zusammengekommen sind. Eines der Haupterforder-
nisse der Sache Gottes in . . . ist, daß die Freunde sich vereinen, daß sie es sich ganz deutlich
bewußt machen, daß sie eine geistige Familie sind, die durch heiligere, weit weniger vergängliche
Bande zusammengehalten wird als die körperlichen Bindungen, die zwischen Familien-
angehörigen bestehen. Wenn die Freunde alle persönlichen Unterschiede vergessen und ihre
Herzen einer großen gegenseitigen Liebe um Bahá’u’lláhs willen öffnen, dann werden sie finden,
daß ihre Kräfte ungeheuer wachsen; sie werden die Herzen ihrer Umgebung anziehen und eine
rasche Ausbreitung des heiligen Glaubens in . . . erleben. Der Nationale Geistige Rat sollte alles,
was in seiner Macht steht, unternehmen, um die Einheit unter den Gläubigen zu stärken, und um
sie in der Verwaltungsordnung zu erziehen; denn sie ist der Kanal, durch den das Gemein-
schaftsleben fließen muß, und der, wenn er richtig verstanden und benutzt wird, die Möglichkeit
schafft, daß die Arbeit an der Bahá’í-Sache in gewaltigen Sprüngen voranschreitet. (Aus einem
Brief vom 26. Oktober 1943 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat von In-
dien und Burma)

Letzten Endes spielt sich der ganze Lebenskampf in jedem einzelnen ab. Keine noch so große
Organisation kann die inneren Probleme lösen, keine kann in kritischen Augenblicken Siege und
Niederlagen herbeiführen oder abwenden. Besonders in Zeiten wie der gegenwärtigen steht jeder
einzelne unter einer Zerreißprobe durch starke Mächte in der Welt, und wir sehen, wie Schwache
plötzlich wie durch ein Wunder stark werden und wie Starke scheitern. Wir können nur versuchen,
so wie Ihr Ausschuß es getan hat, durch liebevollen Rat bei dem einzelnen Gläubigen die Hand-
lung herbeizuführen, die der Sache Gottes am meisten dient. Denn selbstverständlich kann etwas,
was für die Bahá’í-Sache schlecht ist, für den einzelnen Bahá’í nicht das beste sein. (Aus einem
Brief vom 17. Dezember 1943 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Was die Welt heute braucht, ist der Bahá’í-Geist. Die Menschen haben Sehnsucht nach Liebe,
nach einem hohen sittlichen Maßstab, zu dem sie aufschauen können, aber auch nach einer Lö-
sung ihrer vielen schweren Probleme. Die Bahá’í sollten die Menschen, denen sie begegnen, mit
dem warmen, lebenspendenden Bahá’í-Geist überschütten. Dies wird, verbunden mit der Lehrar-
beit, unweigerlich die aufrichtigen Wahrheitssucher zum Glauben hinziehen. (Aus einem Brief vom
18. Dezember 1943 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Zu Ihrer Frage nach der Notwendigkeit größerer Einheit unter den Freunden; diese trifft zweifellos
zu, und der Hüter meint, daß ein Hauptmittel, diese Einheit zu fördern, darin besteht, daß wir die
Bahá’í selbst in Bahá’í-Klassen und durch schriftliche Unterweisungen lehren, daß die Liebe zu
Gott und folglich auch die Liebe zu den Menschen die wesentliche Grundlage jeder Religion ist,
unsere eigene eingeschlossen. Ein größeres Maß an Liebe wird größere Einheit hervorbringen,
weil es den Menschen die Fähigkeit gibt, miteinander auszukommen, Geduld zu haben und
einander zu vergeben. (Aus einem Brief vom 7. Juli 19 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläu-
bigen, zitiert ' Bahá’í News" Nr. 173, Februar 1945)

Er hofft, daß Sie sich in Ihrem Charakter wie in Ihrem Glauben zu richtigen Bahá’í entwickeln.
Das ganze Ziel Bahá’u’lláhs ist, daß wir uns zu einem neuen Volk entwickeln, zu aufrechten,
freundlichen, intelligenten, wahrhaftigen und ehrlichen Menschen, die im Einklang mit Seinen gro-
ßen Gesetzen leben, wie sie für dieses neue Zeitalter in der Entwicklung der Menschheit niederge-
schrieben worden sind. Es ist nicht genug, daß wir uns Bahá’í nennen; unser innerstes Wesen
muß durch ein wahres Bahá’í-Leben geadelt und erleuchtet werden. (Aus einem Brief vom 25.
August 1944 im Auftrag Shoghi Effendis an die Jugendklasse der Louhelen School, U.S.A.)

So viele Mißverständnisse entstehen durch die leidenschaftliche Verbundenheit der Freunde mit
deren Glauben und auch durch ihre Unreife. Wir müssen deshalb sehr viel Geduld und Liebe zu-
einander haben und versuchen, in der Bahá’í-Familie Einheit zu schaffen. Die Mißhelligkeiten . . .,
die Sie in Ihrem Brief beschrieben, sind nach seiner Meinung auf die obengenannten Gründe zu-
rückzuführen und nicht auf feindliche Haltung gegenüber dem Glauben oder auf Unaufrichtigkeit.
Er bittet Sie dringend, Ihr Äußerstes zu tun, um größere Liebe und Eintracht in der Gemeinde her-
zustellen und beharrlich fortzufahren, den Heiligen Glauben zu lehren. (Aus einem Brief vom 17.
Oktober 1944 im Auftrag Shoghi Effendi an einen Gläubigen)

Er war sehr glücklich, von Ihnen zu hören und zu erfahren, daß Green Acre in diesem Jahr von
einer Liebe und Harmonie erfüllt war, die es bewirkt haben, daß viele neue Seelen im Glauben
gefestigt wurden. Diese Liebe unter den Gläubigen ist der Magnet, der mehr als alles andere die
Herzen anziehen und dem Glauben neue Seelen zuführen wird. Denn es ist klar: die Lehren - so
wunderbar sie sind - können die Welt nicht verändern, solange sich nicht der Geist der Liebe Ba-
há’u’lláhs in den Bahá’í-Gemeinschaften widerspiegelt. (Aus einem Brief vorn 27. Oktober 1944 im
Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Wenn die Freunde danach streben und alles daransetzen könnten, hundertprozentige Bahá’í zu
werden, dann würden sie sehen, wie stark ihr Einfluß auf andere zunehmen, und wie schnell der
Glaube sich ausbreiten würde. Die Welt sucht keinen Kompromiß, sondern die Verkörperung eines
hohen, leuchtenden Ideals. Je mehr die Freunde ihr Leben in jeder Hinsicht nach unseren Lehren
ausrichten, zu Hause, im geschäftlichen Umgang, in ihren gesellschaftlichen Beziehungen, desto
größer wird die Anziehung, die sie auf die Herzen anderer ausüben. Er ist darüber erfreut, daß Sie
sich ganz natürlich, mit Überzeugungskraft und gutem Willen gegenüber allen Menschen unter die
Farbigen gemischt und bei ihnen Lehrarbeit getrieben haben. Wenn die Bahá’í die Lehren so in
ihrem Leben verwirklichten wie sie sollten, dann würde das zwar vielleicht bei einigen Leuten Wi-
derstand hervorrufen, aber noch viel mehr würde es die Bewunderung der gerecht denkenden
Menschen erregen. (Aus einem Brief vom 23. Januar 1945 im Auftrag Shoghi Effendis an einen
Gläubigen)

Wenn wir die wachsende Finsternis in der Welt von heute sehen, können wir klar erkennen, daß es
in der Zukunft keinen Frieden und keinen geistigen Fortschritt geben kann, solange nicht die Bot-
schaft Bahá’u’lláhs die Herzen erreicht und verwandelt. Seine ständige Hoffnung ist, die Bahá’í
mögen sich einzeln und in ihrem Bahá’í-Gemeindeleben so verhalten, daß sie die Aufmerksamkeit
anderer auf die Sache Gottes richten. Die Welt hungert nicht nur nach erhabenen Prinzipien und
Idealen, sie hungert vor allem nach dem leuchtenden Beispiel, das die Bahá’í geben können und
geben müssen. (Aus einem Brief vom 22. Februar 1945 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläu-
bigen)

Überall auf der Welt, innerhalb und außerhalb des Glaubens, ist heute das Bedürfnis nach einer
wahrhaft geistigen Bewußtheit sehr groß - eine Bewußtheit, die das Leben der Menschen durch-
dringen, ändern und steuern sollte. Kein noch so gut ausgebauter Verwaltungsapparat und kein
Befolgen von Regeln kann an die Stelle dieser neuen Beseeltheit, dieser Durchgeistigung treten,
die das Wesen des Menschen ist. Er ist sehr froh darüber, daß Sie diesen Gesichtspunkt betonen
und den Freunden helfen, seine überragende Bedeutung zu erkennen. (Aus einem Brief vom 25.
April 1945 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Bezüglich der Angelegenheit und der Uneinigkeit, die offenbar zwischen einigen der Freunde be-
steht: Wenn Bahá’í es zulassen, daß die dunklen Gewalten der Welt in ihre eigenen Beziehungen
innerhalb des Glaubens eindringen, dann stellen sie dessen Fortschritt sehr in Frage. Es ist die
höchste Pflicht der Freunde, der örtlichen Geistigen Räte und ganz besonders des Nationalen Gei-
stigen Rates, unter den Freunden Eintracht, Verstehen und Liebe zu fördern. Alle sollten bereit und
willens sein, jeden persönlichen Unmut - berechtigt oder nicht - im Dienst der Sache beiseite zu
räumen; denn die Menschen werden den Bahá’í-Glauben niemals annehmen, wenn sie nicht in
seinem Gemeinschaftsleben das widergespiegelt sehen, was der Welt heute so sichtbar fehlt: Lie-
be und Einigkeit. (Aus einem Brief vom 13. Mai 1945 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubi-
gen)

Das allerwichtigste ist, daß Liebe und Einigkeit in der Bahá’í-Gemeinde vorherrschen, denn das
ist, was die Menschen im heutigen dunklen Zustand der Welt am meisten ersehnen. Worte ohne
das gelebte Beispiel werden niemals ausreichen, um den Herzen einer desillusionierten und oft-
mals zynischen Generation Hoffnung einzuflößen. (Aus einem Brief vom 20. Oktober 1945 im Auf-
trag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Da Sie sich an ihn mit der Bitte um Führung gewandt haben, will er ganz offen seine Meinung sa-
gen. Er meint, daß die Uneinigkeit . . ., die gegenwärtig unter Ihnen vorherrscht, für den Fortschritt
der Sache sehr schädlich ist und nur zum Zerwürfnis führen und das Interesse neuer Gläubiger
abkühlen kann. Sie . . . sollten Ihre persönliche Beschwerde vergessen und sich zum Schutz des
Glaubens vereinen, dem Sie, wie er wohl weiß, alle treu ergeben sind, und für den Sie bereitwillig
Opfer bringen. Vielleicht ist die größte Prüfung, der Bahá’í je unterworfen werden, die durch ihre
Mitgläubigen. Aber um des Meisters willen sollten sie immer bereit sein, gegenseitig ihre Fehler zu
übersehen; sie sollten sich für harte Worte, die sie ausgesprochen haben, entschuldigen und sie
vergeben und vergessen. Er empfiehlt Ihnen dringend, so zu handeln. Auch meint er, daß Sie und
. . . den Versammlungen und Neunzehntagefesten in . . . nicht fernbleiben sollten; Sie haben jetzt
in Port Adelaide eine begeisterte Gruppe junger Bahá’í, und Sie sollten ihnen ein deutliches Bei-
spiel von Bahá’í-Disziplin und von der Einheit geben, die in der Gemeinschaft des Größten Na-
mens herrschen kann und muß. (Aus einem Brief vom 18. Dezember 1945 im Auftrag Shoghi Ef-
fendis an einen Gläubigen)

Sie fragen nach "geistigen Verdauungsstörungen": Bahá’í sollten versuchen, vielseitig, normal
und ausgeglichen zu sein, verstandlich wie seelisch. Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, daß
wir Fanatiker seien, aber gleichzeitig müssen wir unsere Prinzipien in unserem Leben verwirk-
lichen. (Aus einem Brief vom 12. März 1946 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Sie dürfen versichert sein, daß er für die Einheit der Bahá’í in . . . beten wird, da sie von aller-
größter Wichtigkeit ist; die Entfaltung der Bahá’í-Sache dort und der Erfolg jeder Lehrunterneh-
mung hängen davon ab. Was die Freunde brauchen - überall -, ist mehr Liebe untereinander, und
diese kann durch größere Liebe zu Bahá’u’lláh erlangt werden. Denn wenn wir Ihn tief genug lie-
ben, werden wir es niemals zulassen, daß persönliche Gefühle und Meinungen Seine Sache auf-
halten; wir werden bereit, uns um des Glaubens willen für einander zu opfern und, wie der Meister
sagte, eine Seele in vielen Körpern zu werden. (Aus einem Brief vom 5. September 1946 im Auf-
trag Shogh! Effendis an einen Gläubigen)

Er stimmt mit Ihnen von ganzem Herzen darin überein, daß wir, wenn wir die Lehren nicht prak-
tisch leben, unter keinen Umständen erwarten können, daß der Glaube wächst; denn es ist der
Hauptzweck aller Religionen - einschließlich der unseren -, den Menschen Gott näherzubringen
und seinen Charakter zu verändern, was von höchster Wichtigkeit ist. Oft wird zu großes Gewicht
auf die soziale und wirtschaftliche Seite der Lehren gelegt; aber die moralische Seite kann über-
haupt nicht stark genug betont werden. (Aus einem Brief vom 6. September 1946 im Auftrag
Shoghi Effeudis an einen Gläubigen)

Es hat ihn sehr gefreut, daß Sie einen Kurs über den "Bahá’í-Charakter" gehalten haben, denn
er hält es für eine der größten Pflichten Ihrer Generation von Gläubigen, ein Bahá’í-Leben zu füh-
ren. Sie müssen durch Ihre hohen moralischen Maßstäbe, durch Ihre Höflichkeit, Ihre Lauterkeit
und Ihren Adel demonstrieren, daß unser Glaube nicht aus Worten besteht, sondern wahrhaftig
das Herz und den Lebensstil seiner Anhänger verändert. Aus einem Brief vom 19. September
1946 im Auftrag Shoghi Effendis an die Jugend Arbeitsgruppe der Louhelen School, U.S.A.)

Er meint, daß besonders die Jugend entschlossen und beharrlich danach streben muß, ein Ba-
há’í-Leben beispielhaft zu verwirklichen. In der Welt um uns herum sehen wir moralischen Nieder-
gang, freien Geschlechtsverkehr, Unanständigkeit, Verrohung, schlechtes Benehmen - die jungen
Bahá’í müssen das Gegenteil davon sein und durch ihre Reinheit und Standfestigkeit, ihren An-
stand, ihre Gewissenhaftigkeit und ihr gutes Benehmen andere Menschen, alt und jung, zum
Glauben hinziehen. Die Welt ist der Worte müde; sie braucht das Beispiel, und es ist Sache der
Bahá’í-Jugend, es zu geben. (Aus einem Brief vom 19. September 1946 im Auftrag Shoghi Effen-
dis an die jugendlichen Teilnehmer der Green Acre Summer School)

Die Freunde müssen sich zu allen Zeiten vor Augen halten, daß sie sozusagen Soldaten unter
Feindbeschuß sind. Die Welt ist gegenwärtig, geistig gesehen, in einem Zustand äußerster Ver-
finsterung; Haß und Vorurteile aller Art reißen sie buchstäblich in Stücke. Wir sind demgegenüber
die Wächter der entgegengesetzten Kräfte, der Kräfte der Liebe, der Einheit, des Friedens und der
Gemeinsamkeit, und wir müssen ständig auf der Hut sein, als einzelne, als Geistiger Rat oder als
Gemeinde, damit nicht durch uns diese zerstörerischen, negativen Kräfte in unsere Mitte ein-
dringen. Mit anderen Worten, wir müssen uns sorgsam hüten, daß nicht die Dunkelheit der Gesell-
schaft sich vielleicht ganz unbewußt in unserem Handeln und unseren Einstellungen widerspiegelt.
Unsere Liebe zueinander, das tiefe Bewußtsein, daß wir ein neuer Organismus, die Morgenboten
einer neuen Weltordnung sind, müssen unser Bahá’í-Leben ständig beleben, und wir müssen dar-
um beten, vor der Ansteckung durch die an Vorurteilen siechende Welt geschützt zu werden. (Aus
einem Brief vom 5. Februar 1947 im Auftrag Shoghi Effendis an den örtlichen Geistigen Rat von
Atlanta, Georgia; zitiert in "Bahá’í News" Nr. 210, August 1948, S. 2)

Die Bahá’í-Sache wächst in ... sehr schnell, und je weiter sie sich ausdehnt, desto mehr wird die
Öffentlichkeit auf sie aufmerksam werden. Dadurch wird den Gläubigen eine schwere Verantwor-
tung auferlegt, denn sie müssen einen solchen Geist der Liebe und der Einheit untereinander aus-
strahlen, daß die Herzen anderer angezogen werden und sie ermutigt werden, sich dem Glauben
in großer Zahl anzuschließen. Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß die Lehren vollkom-
men sind, und daß der einzige Grund, warum nicht schon mehr unserer Mitmenschen sie ange-
nommen haben, der ist, daß wir Bahá’í auf der ganzen Welt noch nicht so selbstlose und strahlen-
de Spiegel von Bahá’u’lláhs Wahrheit sind, wie wir es sein sollten und sein könnten. Wir müssen
ständig danach streben, ein besseres Beispiel für Seine Lehren zu werden. (Aus einem Brief vom
17. Februar 1947 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Wir müssen uns darauf konzentrieren, unseren Charakter als einzelne Bahá’í zu vervollkomm-
nen und unsere noch immer keimhafte und nur unzureichend verstandene Weltordnung zur Reife
zu bringen, die Botschaft gemäß den Vorkehrungen des Göttlichen Plans zu verbreiten und eine
eng verknüpfte, weltweite Bahá’í-Gemeinschaft aufzubauen. Wir sind verhältnismäßig wenige an
Zahl und haben eine so kostbare, einzigartige und verantwortungsvolle Aufgabe. Wir müssen un-
sere ganzen Kräfte darauf konzentrieren. (Aus einem Brief vom 9. Mai 1947 im Auftrag Shoghi
Effendis an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas)

Letzten Endes müssen die Neubelebung, die Ausdehnung und Bereicherung der Arbeit an der
heimatlichen Front vom einzelnen Gläubigen abhängen, der die grundlegende Einheit im Aufbau
dieser Front bildet. Je angestrengter sich der einzelne zu Hause Tag für Tag und planmäßig darum
bemüht, zu größeren Höhen der Hingabe, der Selbstverleugnung aufzusteigen, durch Pionieren im
eigenen Land zur Vermehrung der isolierten Bahá’í-Zentren, der Gruppen und Geistigen Räte bei-
zutragen und durch gewissenhafte, sorgfältige und fortgesetzte Bemühung empfängliche Seelen
zu dem von ihm angenommenen Glauben hinzuführen, die Zahl der aktiven und aufrichtigen An-
hänger zu vergrößern, desto schneller werden die ausgedehnten und vielfältigen Unternehmun-
gen, die jenseits der Grenzen des Heimatlandes in Gang gesetzt wurden, und die jetzt so dringend
nach zusätzlichen Menschen und Hilfsmitteln rufen, die notwendige Unterstützung erhalten, die
ihre ununterbrochene Entwicklung sicherstellen und letztlich die Ernte beschleunigt herbeiführen
wird. (Shoghi Effendi, aus einem Brief vom 21. September 1947 an den Nationalen Geistigen Rat
der Vereinigten Staaten und Kanadas)

Zu Ihrer Frage: Der Begriff Selbst hat in den Bahá’í-Schriften tatsächlich zwei Bedeutungen oder
wird in zweifachem Sinn gebraucht. Zum einen ist das Selbst die Identität des von Gott geschaffe-
nen Einzelmenschen. Es ist das Selbst, das in Sätzen wie diesem gemeint ist: "Der hat Gott er-
kannt, der sich selbst erkannt hat" usw. Das andere Selbst ist die Ichhaftigkeit, das dunkle triebhaf-
te Erbe, das jeder von uns hat, die niedere Natur, die zu einem Ungeheuer von Selbstsucht, Bruta-
lität, Lust usw. auswachsen kann. Dieses Selbst - oder diese Seite unserer Natur - ist es, gegen
das wir ankämpfen müssen, um das geistige Wesen in uns zu kräftigen und zu befreien und ihm
zu helfen, seine Vervollkommnung zu erlangen. Selbstaufgabe meint die Unterordnung dieser nie-
deren Natur und ihrer Begierden unter die göttlichere und höhere Seite unseres Selbstes. Letzten
Endes und in ihrem höchsten Sinn bedeutet Selbstaufgabe, daß wir unseren Willen und unser
ganzes Wesen Gott hingeben, damit Er nach Seinem Wohlgefallen darüber verfüge. Dann läutert
und verherrlicht Er unser wahres Selbst, bis es zu einer leuchtenden und wunderbaren Wirklichkeit
wird. (Aus einem Brief vom 10. Dezember 1947 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Was im Dienst an diesem Glauben Früchte bringt, ist die Stärke der Hingabe und der Selbstauf-
opferung, nicht so sehr das Vermögen, die Fähigkeit oder der finanzielle Rückhalt. (Aus einem
Brief vom 11. Mai 1948 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat von Australien
und Neuseeland)

Wir dürfen uns nicht zu lange bei den Einstellungen und Gefühlen unserer Mitgläubigen uns ge-
genüber aufhalten. Das Allerwichtigste ist, daß wir Liebe und Eintracht pflegen und uns um Abfuh-
ren, die wir vielleicht erhalten, gar nicht kümmern. Dann werden die Schwächen der menschlichen
Natur und die Eigenheiten oder die Haltung einer bestimmten Person nicht vergrößert, sondern sie
verblassen bis zur Bedeutungslosigkeit im Vergleich mit unserem gemeinsamen Dienst an dem
Glauben, den wir alle lieben. (Aus einem Brief vom 19. September 1948 im Auftrag Shoghi Effen-
dis an einen Gläubigen)

Es fällt uns oft schwer, bestimmte Dinge zu tun, weil sie von dem uns Gewohnten so sehr ver-
schieden sind, nicht aber, weil die Sache selbst besonders schwierig ist. Für Sie wie für die meis-
ten Bahá’í, die jetzt als Erwachsene diesen herrlichen Glauben annehmen, sind zweifellos manche
der Gebote, wie Fasten und tägliches Gebet, anfangs schwer zu verstehen und zu befolgen. Aber
wir müssen immer bedenken, daß diese Dinge eine Gabe an alle Menschen für die kommenden
tausend Jahre sind. Für Bahá’í-Kinder, die sehen, wie diese Dinge zu Hause ausgeführt werden,
werden sie etwas so Natürliches und Notwendiges sein, wie es der sonntägliche Kirchgang für
eine gläubigere Generation von Christen gewesen ist. Bahá’u’lláh hätte uns diese Dinge nicht ge-
geben, wenn sie uns nicht ganz stark fördern würden. Und so müssen wir wie Kinder, die einsichtig
genug sind, um zu erkennen, daß ihr Vater weise ist und für sie das Beste tut, uns darein schicken,
diese Gebote zu befolgen, auch wenn wir zunächst ihre Notwendigkeit nicht erkennen können.
Indem wir sie befolgen, werden wir langsam in uns selbst die Segnungen erkennen, die sie vermit-
teln.
(Aus einem Brief vom 16, März 1949 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

. . . indem wir diese Schicksalsschläge erdulden, müssen wir daran denken, daß auch die Offen-
barer Gottes selbst nicht immun waren gegen die Dinge, unter denen Menschen zu leiden haben.
Auch Sie kannten Kummer, Krankheit und Schmerz. Sie erhoben sich über diese Dinge durch Ih-
ren Geist, und das müssen auch wir versuchen, wenn uns Leid befällt. Die Trübsale dieser Welt
gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben. Darauf
müssen wir also unser Augenmerk lenken - daß wir geistiger werden und Gott näher kommen,
ohne Rücksicht darauf, was unser menschlicher Verstand und unser Körper durchzumachen hat.
(Aus einem Brief vom 5. 8. 1949 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in "Bahá’í
News" Nr. 231, Mai 1950, S. 1)

Es hat uns sehr bekümmert, einige Dinge zu erfahren, die Sie beschreiben. Es zeugt von großer
geistiger Unreife seitens einiger Bahá’í und von einem erstaunlichen Mangel an Verständnis und
Studium der Lehren. Die ethischen Lehren unseres Glaubens in unserem Leben zu verwirklichen,
ist eine viel schwerere Aufgabe, als nach jenen vornehmen Prinzipien zu leben, die die Moralische
Aufrüstung auferlegt, so großartig und umfassend diese auch sind! Jedes zweite Wort in den
Schriften Bahá’u’lláhs und 'Abdu'I-Bahás ist eine Predigt über moralisches und ethisches Verhal-
ten. Alles andere ist die Form, der Kelch, in den der reine Geist gegossen werden muß. Ohne den
Geist und die Tat, die ihn erweisen muß, ist es leblose Form. Dem, was Sie sagen, entnimmt er,
daß die Freunde, oder jedenfalls viele von ihnen, nicht von Anfang an in der richtigen Weise unter-
richtet worden sind. Sicher ist nichts dagegen zu sagen, daß man die "vier Normen" der Morali-
schen Aufrüstung betont, -obwohl jede Lehre unseres kostbaren Glaubens viel tiefer in diese The-
men eindringen und ihnen viel mehr hinzufügen würde. Wenn wir uns klarmachen, daß Bahá’u’lláh
sagt, Ehebruch hemmt den Fortschritt der Seele im kommenden Leben - so schwer ist sein Ge-
wicht -, und daß Trinken den Geist zerstört, und daß wir uns diesen Dingen nicht einmal nähern
dürfen, dann sehen wir, wie klar unsere Lehren hierüber sind. Sie dürfen nicht den großen Fehler
machen, unseren Glauben an Hand einer einzigen Gemeinde zu beurteilen, die offensichtlich
Nachholbedarf im Studium und im Gehorsam gegenüber den Lehren hat. Menschliche Schwächen
und Absonderlichkeiten können eine große Prüfung sein. Aber der einzige Weg, oder vielleicht
sollte ich sagen, der wichtigste und beste Weg, solche Zustände zu heilen, besteht darin, daß man
selbst das Richtige tut. Eine Seele kann die Ursache für die geistige Erleuchtung eines Kontinents
werden. Jetzt, da Sie einen großen Fehler in Ihrem eigenen Leben erkannt und geheilt haben,
jetzt, da Sie deutlicher sehen, was in Ihrer eigenen Gemeinde fehlt, gibt es nichts, was Sie hindern
könnte, sich zu erheben und ein solches Beispiel, solche Liebe und einen solchen Geist des Die-
nens zu zeigen, daß die Herzen Ihrer Mit-Bahá’í entflammt werden. Er bittet Sie dringend, sich in
die Lehren zu vertiefen, anderen Leuten die Lehren weiterzugeben, mit solchen Bahá’í, die danach
verlangen, die tieferen Lehren unseres Glaubens zu studieren und durch Ihr Beispiel, Ihre Bemü-
hung und Ihr Gebet einen Wandel herbeizuführen. (Aus einem Brief vom 30. September 1949 im
Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Ohne den Geist wirklicher Liebe zu Bahá’u’lláh, Seinem Glauben und dessen Institutionen, ohne
die Liebe der Gläubigen untereinander kann die Bahá’í-Sache niemals wirklich große Massen von
Anhängern gewinnen. Denn die Welt verlangt heute nicht nach Predigten und Lebensregeln, son-
dern nach Liebe und nach Taten. (Aus einem Brief vom 25. Oktober 1949 im Auftrag Shoghi Ef-
fendis an einen Gläubigen)

Er fühlt . . . sehr deutlich, daß, wenn . . . in dem Zustand ist, den Ihr Brief anzudeuten scheint . . .
. ganz sicher seine Angelegenheit falsch anfaßt. Damit ist nicht der Geistige Rat gemeint, damit ist
jeder gemeint. Denn wo ist Bahá’í-Liebe? Wo ist etwas davon zu spüren, daß Einheit und Eintracht
über alles gestellt werden? Wo ist die Bereitschaft, die persönlichen Gefühle und Meinungen zu
opfern, um Liebe und Eintracht zu erreichen? Was führt die Bahá’í zu der Annahme, die administ-
rativen Gesetze könnten funktionieren, wenn die geistigen Gesetze geopfert werden? Er bittet Sie
dringend, Ihr Äußerstes zu unternehmen, um die Bahá’í in . . . dazu zu bringen, so schädliche Beg-
riffe wie "radikal", "konservativ", „progressiv", „Feinde des Glaubens", "die Lehren kaputtmachen"
usw. beiseite zu lassen. Wenn sie nur einen Augenblick innehielten, um zu bedenken, zu welchem
Zweck der Báb und die Märtyrer ihr Leben hingegeben, wozu Bahá’u’lláh und der Meister so viel
Leid auf sich genommen haben, dann würden solche Begriffe und Anschuldigungen niemals über
ihre Lippen kommen, während sie übereinander sprechen. Solange die Freunde miteinander strei-
ten, wird auf ihren Bemühungen kein Segen sein, denn sie sind ungehorsam gegen Gott. (Aus
einem Brief vom 24. Februar 1950 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Es gibt zwei Arten von Bahá’í, so könnte man sagen: die einen, deren Religion Bahá’í ist, und
die anderen, die für den Glauben leben. Unnötig zu sagen: Wenn man der zweiten Kategorie an-
gehören kann, wenn man in der vordersten Reihe der Helden, Märtyrer und Heiligen stehen kann,
dann ist das ruhmreicher in den Augen Gottes.
(Aus einem Brief vom 16. April 1950 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in Bak-
d'i News" Nr. 241, März 1951, S. 2)

Wir müssen eine geistige Ebene erreichen, auf der Gott zuerst kommt und große menschliche
Leidenschaften nicht von ihm ablenken können. Immer sehen wir Menschen die entweder durch
die Gewalt des Hasses oder du die leidenschaftliche Bindung an eine andere Person Prinzipien
opfern oder sich selbst den Pfad Gottes versperren Wir müssen Gott lieben, und in diesem Zu-
stand wird eine vollkommene Liebe zu allen Menschen möglich. Wir können nicht jeden Menschen
um seiner selbst willen lieben aber unser Gefühl gegenüber der Menschheit sollte durch unsere
Liebe zum Vater motiviert sein, der alle Menschen erschaffen hat. (Aus einem Brief vom 4. Okto-
ber 1950 Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Er bittet Sie dringend, alles in Ihren Kräften Stehende zu tun, um Einigkeit und Liebe in der dorti-
gen Gemeinde zu fördern, denn dessen scheint sie am dringendsten zu bedürfen. So oft überse-
hen junge Gemeinden in ihrem Bestreben aufzubauen, daß diese geistigen Beziehungen viel wich-
tiger und grundlegender sind als die Gesetze und Bestimmungen, die die Gemeindeverwaltung
regeln müssen. (Aus einem Brief vom 4. Oktober 1950 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläu-
bigen)

Überall in der Bahá’í-Gemeinschaft scheint es am allernotwendigsten zu sein, den Freunden
einzuschärfen, daß sie sich untereinander lieben. Es gibt eine Tendenz, die administrativen Funk-
tionen falsch zu deuten und zu versuchen, sie auf die persönlichen Beziehungen anzuwenden.
Das führt zu nichts; denn der Rat ist ein werdendes Haus der Gerechtigkeit und hat die Aufgabe,
die Gemeinschaftsangelegenheiten nach den Lehren zu verwalten. Die einzelnen Gläubigen da-
gegen werden in ihrem Verhältnis zueinander durch Liebe, Einigkeit, Nachsicht und durch ein sün-
denbedeckendes Auge geleitet. Wenn die Freunde das einmal begriffen haben, dann werden sie
viel besser miteinander auskommen, aber sie spielen immer wieder untereinander Geistiger Rat
und erwarten vom Rat, daß er sich wie eine Einzelperson verhält. (Aus einem Brief vom 5. Oktober
1950 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Wenn wir innerhalb einer Bahá’í-Gemeinschaft Kritik und harte Worte laut werden lassen, dann
gibt es nur das eine Heilmittel, das Vergangene hinter sich zu lassen und alle Beteiligten dazu zu
bringen, daß sie eine neue Seite aufschlagen und um Gottes und Seines Glaubens willen davon
Abstand nehmen, die Themen zu erwähnen, die zu Mißverständnissen und Uneinigkeit geführt
haben. Je mehr die Freunde hin und her argumentieren und jede Seite darauf beharrt, daß ihr
Standpunkt der richtige ist, desto verfahrener wird die ganze Angelegenheit. Wenn wir den Zu-
stand sehen, in dem sich die Welt heute befindet, dann müssen wir gewiß diese völlig unbedeu-
tenden inneren Auseinandersetzungen vergessen und vereint der Menschheit zu Hilfe eilen. Sie
sollten Ihre Mit-Bahá’í dazu drängen, diese Haltung einzunehmen und gemeinsam mit Ihnen eine
mächtige Anstrengung zu machen, jeden kritischen Gedanken, jedes harte Wort zu unterdrücken,
damit der Geist Bahá’u’lláhs in die ganze Gemeinde einfließen und sie in Seiner Liebe und in Sei-
nem Dienst vereinen kann. (Aus einem Brief vom 16. Februar 1951 im Auftrag Shoghi Effendis an
einen Gläubigen)

Der Hüter ist sich ganz sicher, daß der frühere Beitrag Ihrer Bekannten, die für kurze Zeit nicht
aktiv im Glauben gewesen ist, das Mittel sein wird, das sie zu erneutem Dienen anregt. Im Ba-
há’í-Glauben gibt es nichts, was so sehr Erfolg bringt wie das Dienen. Das Dienen ist der Magnet,
der die göttlichen Bestätigungen anzieht. Wenn Bahá’í also aktiv sind, werden sie vom Heiligen
Geist gesegnet. Sind sie aber inaktiv, dann kann der Heilige Geist in ihrem Wesen kein Gefäß fin-
den, und sie werden dadurch seiner heilenden, belebenden Strahlen beraubt. (Aus einem Brief
vom 12. Juli 1952 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Der Hüter meint, daß Ihre Stellungnahme gegen die unredliche Praxis, von anderen Ärzten und
Drogisten Provisionen anzunehmen, höchst bewundernswert ist. Je aufrechter und würdiger die
Bahá’í in ihrem Verhalten sind, desto mehr werden sie die Öffentlichkeit durch die geistige Leben-
digkeit des Glaubens, dem sie anhängen, beeindrucken. (Aus einem Brief vom 20. Oktober 1953
im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Dieser so strengen, so nachdrücklichen und doch so ruhmreichen Herausforderung sieht sich
zweifellos in erster Linie der einzelne Gläubige gegenüber, von dem letzten Endes das Schicksal
der ganzen Bahá’í-Gemeinschaft abhängt. Er verkörpert Kette und Schuß, von denen Qualität und
Muster des ganzen Gewebes abhängen. Er wirkt als eines der zahllosen Glieder in der mächtigen
Kette, die jetzt den Erdball umspannt. Er dient als einer in der Menge der Bausteine, die das feste
Gefüge der Verwaltungsordnung, die jetzt in jedem Teil der Welt errichtet wird, tragen und ihre
Standsicherheit gewährleisten. Ohne seine rückhaltlose, großzügige Unterstützung ist jede Maß-
nahme, die das nationale Organ der Gemeinschaft, der er angehört, ergreift, und jeder Plan, den
es ausarbeitet, zum Scheitern verurteilt. Ja, sogar das Weltzentrum des Glaubens ist gelähmt,
wenn ihm diese Unterstützung seitens der Mitglieder der Gemeinschaft vorenthalten wird. Der Ur-
heber des Göttlichen Planes selbst wird in Seiner Absicht behindert, wenn es an den geeigneten
Instrumenten zur Ausführung Seines Entwurfes fehlt. Die erhaltende Kraft Bahá’u’lláhs, des Be-
gründers des Bahá’í-Glaubens, wird jedem einzelnen Gläubigen entzogen werden, der es auf die
Dauer versäumt, sich zu erheben und die ihm zugewiesene Rolle zu spielen. (Aus einem Brief
Shoghi Effendis vom 28. Juli 1954 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten, zitiert
in "Citadel of Faith“, S. 130-31)

Was sich tatsächlich abspielt, wenn jemand Bahá’í wird, ist, daß der Same des Geistes in der
menschlichen Seele zu wachsen beginnt. Dieser Same muß durch das Ausströmen des Heiligen
Geistes bewässert werden. Die Segnungen des Geistes werden durch Gebet, Meditation, Studium
der Heiligen Schriften und Dienst an der Sache Gottes erlangt. Es ist so, daß der Dienst an der
Sache mit dem Pflug zu vergleichen ist, der den Naturboden aufwühlt, wenn der Same ausgesät
wird. Es ist notwendig, daß der Boden umgepflügt wird, denn er kann dadurch angereichert wer-
den und ein kräftigeres Wachstum des Samens bewirken. Ganz ebenso erfolgt die Entfaltung des
Geistes dadurch, daß der Boden des Herzens umgepflügt wird, so daß er eine ständige Wider-
spiegelung des Heiligen Geistes wird. Auf diese Weise wächst und entfaltet sich der menschliche
Geist in gewaltigen Sprüngen. Naturgemäß wird es Zeiten des Kummers und der Schwierigkeiten
und sogar harter Prüfungen geben; aber wenn sich der Betreffende unbeirrt dem göttlichen Offen-
barer zuwendet, sorgfältig Seine heiligen Lehren studiert und die Segnungen des Heiligen Geistes
empfängt, dann wird er finden, daß diese Prüfungen und Schwierigkeiten in Wirklichkeit die Gabe
Gottes waren, die ihm zu Wachstum und Entwicklung verhelfen.

So können Sie auch Ihre eigenen Schwierigkeiten auf dem Weg des Dienstes ansehen. Sie sind
das Mittel, durch das Ihr Geist wächst und sich entwickelt. Plötzlich werden Sie merken, daß Sie
viele der Probleme, die Sie aus dem Gleichgewicht bringen, bewältigt haben, und dann werden Sie
sich fragen, wieso sie Ihnen überhaupt zu schaffen gemacht haben. Der einzelne muß sein ganzes
Herz und seinen Geist auf den Dienst an der Sache konzentrieren, in Übereinstimmung mit den
hohen Maßstäben, die von Bahá’u’lláh gesetzt worden sind. Wenn er das getan hat, dann wird ihm
die Streitmacht der himmlischen Heerscharen zu Hilfe kommen, und jede Schwierigkeit und jede
Prüfung wird allmählich gemeistert werden. (Aus einem Brief vom 6. Oktober 1954 im Auftrag
Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Die Straße ist steinig und viele Prüfungen warten auf ihr; aber wie Sie sagen: Wenn die Freunde
es lernen, den Lehren Bahá’u’lláhs gemäß zu leben, dann werden sie entdecken, daß sie in der
Tat auf verborgene, machtvolle Weise wirken, daß immer Hilfe zur Hand ist, daß Hindernisse ü-
berwunden werden und der Erfolg am Ende sicher ist. (Aus einem Brief vom 23. April 1956 im Auf-
trag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Der einzelne muß allein ihren Charakter (nämlich seiner Aufgabe) abwägen, er muß sein Gewis-
sen befragen und im Gebet alle ihre Seiten betrachten, er muß männlich gegen die natürliche
Trägheit ankämpfen, die ihn bei seiner Bemühung, sich zu erheben, nach unten zieht, er muß hel-
denhaft und unwiderruflich die unnützen und überflüssigen Bindungen abstreifen, die ihn zurück-
halten, er muß sich jedes Gedankens entledigen, der ein Hindernis auf seinem Weg werden könn-
te, er muß im Gehorsam gegenüber den Ratschlägen des Urhebers seines Glaubens und in der
Nachfolge dessen, der das wahrhafte Vorbild ist, mit Männern und Frauen aus allen sozialen
Schichten zusammenkommen und versuchen, ihre Herzen durch seine vornehmen Gedanken,
Worte und Taten anzurühren, sie durch Takt und Liebe, durch Gebet und Beharrlichkeit für den
Glauben zu gewinnen, dem er sich selbst angelobt hat. (Aus einem Brief Shoghi Effendis vom 19.
Juli 1956 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten, zitiert in „Citadel of Faith", S.
148)

Es hat ihn sehr betrübt, von der Uneinigkeit der Freunde dort zu erfahren, und er meint, daß das
einzig weise Vorgehen darin besteht, daß sich alle Freunde der Lehrarbeit widmen und mit ihrem
Nationalen Rat zusammenarbeiten. Solche Prüfungen und Tests, durch die alle Bahá’í-Gemeinden
unvermeidlich hindurch müssen, erscheinen im Augenblick oft schrecklich, aber in der Rückschau
verstehen wir, daß sie ihre Ursache in der Schwäche der menschlichen Natur, in Mißverständnis-
sen und auch in den Wachstumsschmerzen haben, die jede Bahá’í-Gemeinschaft erleiden muß.
(Aus einem Brief vom 25. November 1956 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen)

Er ist sehr glücklich darüber, daß Sie eines der ermutigendsten Gebote 'Abdu'I-Bahás in die Tat
umgesetzt haben. Er sagte, wir sollen versuchen, jedes Hindernis, das uns zu Fall bringen will, in
ein Sprungbrett zum Fortschritt zu verwandeln. In Ihrem bisherigen Leben sind Sie alle sehr
schwer gestrauchelt; aber weit davon entfernt, sich durch diese Erfahrung verbittern oder nieder-
schlagen zu lassen, haben Sie sich entschlossen, aus ihr ein Mittel zu machen, um Ihr Wesen zu
reinigen, Ihren Charakter zu verbessern und Sie zu befähigen, in Zukunft bessere Mitmenschen zu
werden. Dies ist in den Augen Gottes wahrhaftig wohlgefällig. (Aus einem Brief vom 26. März 1957
im Auftrag Shoghi Effendis an die Bahá’í im Kgl. Gefängnis in Farm Kitalya, Uganda)

Die Bahá’í müssen angesichts des Zustandes, in dem sich die Welt heute befindet, fest und mu-
tig als Anhänger Bahá’u’lláhs hervortreten, Seine Gesetze befolgen und danach streben, Seine
Weltordnung aufzubauen. Durch Kompromisse wird es uns nie gelingen, unseren Glauben aufzu-
richten oder die Herzen anderer für ihn zu gewinnen. Damit ist oft ein großes persönliches Opfer
verbunden, aber wir wissen, daß Gott uns, wenn wir das Richtige tun, auch die Kraft gibt, es aus-
zuführen, und daß wir dadurch Seinen Segen auf uns ziehen. Wir lernen zu solchen Zeiten, daß
unser Mißgeschick wirklich eine Segnung ist. (Aus einem Brief vom 7. Mai 1957 im Auftrag Shoghi
Effendis an den Nationalen Geistigen Rat von Australien, zitiert in "Bahá’í News" Nr. 335, Januar
1959, S. 2)

Es ist nicht genug für die Freunde, sich damit zu entschuldigen, daß ihre besten Lehrer und vor-
bildlichen Gläubigen sich erhoben haben, um dem Pionieraufruf zu folgen.

Ein "bester Lehrer" und "vorbildlicher Gläubiger" ist letztlich nicht mehr oder weniger als ein ge-
wöhnlicher Bahá’í, der sich der Arbeit am Glauben geweiht, sein Wissen und sein Verständnis der
Lehren vertieft, sein Vertrauen in Bahá’u’lláh gesetzt und sich erhoben hat, Ihm nach seinen bes-
ten Fähigkeiten zu dienen. Diese Tür wird sich, dessen sind wir sicher, vor jedem Anhänger des
Bahá’í-Glaubens öffnen, der - im Bild gesprochen - fest genug anklopft. Wenn der Wille und das
Verlangen stark genug sind, wird das Mittel gefunden und der Weg geöffnet, um entweder im örtli-
chen Rahmen stärker mitzuarbeiten, in eine neue Zielstadt innerhalb der Vereinigten Staaten zu
gehen oder das Feld des Pionierens in fremden Ländern zu betreten.

Nicht nur Ihr Rat muß die erforderliche Ermutigung und Führung vermitteln und die Freunde da-
zu ermuntern, sich zu erheben und ihre Rolle zu spielen; auch die örtlichen Geistigen Räte müssen
alles in ihren Kräften Stehende tun, um den Freunden zu helfen, voranzuschreiten und ihre Ziele
zu erreichen. Jeder Bahá’í muß gleicherweise fühlen, daß dies heutzutage seine persönliche
Pflicht gegenüber dem Glauben und sein größtes Vorrecht ist, jeder muß sich fragen, was er wäh-
rend der kommenden sechs Jahre, von heute angefangen, tun kann, um das Erreichen der Ziele
des Zehnjahresplans zu beschleunigen. Die Bahá’í sind der Sauerteig Gottes, der die Masse des
Volkes säuern muß.
(Aus einem Brief vom 21. September 1957 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geisti-
gen Rat der Vereinigten Staaten)




In der ganzen Weit hört man schöne Reden preisen und edle Lehren bewun-
dern. Alle Menschen sagen, daß sie das Gute lieben und alles Übel hassen.

Aber ... Taten müssen mehr als Worte sein ... Unsere Taten werden die Welt
weiterbringen... Nicht durch bloßen Lippendienst sind die Erwählten Gottes
zur Heiligkeit gekommen, sondern durch ein geduldiges Leben tätigen Diens-
tes.

Strebt darum, daß Eure Taten tagtäglich wundervolle Gebete seien.

‘Abdu’l-Bahá Ansprachen in Paris
Zum Wirklichen Leben – Auszüge aus Briefen und Schriften Shoghi Effendis von 1923 – 1957; Seite:1 von 15

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