Lesen: GALATER


1:1 Paulus, ein Apostel nicht von Menschen, auch nicht durch einen
Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn
auferweckt hat von den Toten,
Vers 11-12

1:2 und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien:

1:3 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn
Jesus Christus,

1:4 der sich selbst für unsre Sünden dahingegeben hat, daß er uns
errette von dieser gegenwärtigen, bösen Welt nach dem Willen
Gottes, unseres Vaters;
Kap 2,20; 1. Tim 2,6; Tit 2,14; 1. Joh 5,19

1:5 dem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Gegen die Verfälschung des Evangeliums

1:6 Mich wundert, daß ihr euch so bald abwenden laßt von dem, der euch
berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium,

1:7 obwohl es doch kein andres gibt; nur daß einige da sind, die euch
verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren.
Apg 15,1; 15,24

1:8 Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium
predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben,
der sei verflucht.

1:9 Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch
ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei
verflucht.
1. Tim 6,3

1:10 Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich
Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so
wäre ich Christi Knecht nicht.
1. Thess 2,4-6

Die Berufung des Paulus zum Apostel

1:11 Denn ich tue euch kund, liebe Brüder, daß das Evangelium, das von
mir gepredigt ist, nicht von menschlicher Art ist.

1:12 Denn ich habe es nicht von einem Menschen empfangen oder gelernt,
sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi.
(12-16) Apg 9,1-15

1:13 Denn ihr habt ja gehört von meinem Leben früher im Judentum, wie ich
über die Maßen die Gemeinde Gottes verfolgte und sie zu zerstören
suchte

1:14 und übertraf im Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem Volk
weit und eiferte über die Maßen für die Satzungen der Väter.
Apg 23,6; 26,5

1:15 Als es aber Gott wohlgefiel, der mich von meiner Mutter Leib an
ausgesondert und durch seine Gnade berufen hat,
Jer 1,5; Röm 1,1

1:16 daß er seinen Sohn offenbarte in mir, damit ich ihn durchs
Evangelium verkündigen sollte unter den Heiden, da besprach ich
mich nicht erst mit Fleisch und Blut,
Mt 16,17; Kap 2,7

1:17 ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel
waren, sondern zog nach Arabien und kehrte wieder zurück nach
Damaskus.

1:18 Danach, drei Jahre später, kam ich hinauf nach Jerusalem, um Kephas
kennenzulernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.
Joh 1,42; Apg 9,26-27

1:19 Von den andern Aposteln aber sah ich keinen außer Jakobus, des
Herrn Bruder.
Mt 13,55

1:20 Was ich euch aber schreibe - siehe, Gott weiß, ich lüge nicht!

1:21 Danach kam ich in die Länder Syrien und Zilizien.
Apg 9,30

1:22 Ich war aber unbekannt von Angesicht den christlichen Gemeinden in
Judäa.

1:23 Sie hatten nur gehört: Der uns früher verfolgte, der predigt jetzt
den Glauben, den er früher zu zerstören suchte,

1:24 und priesen Gott über mir.

Die Anerkennung des Paulus durch die anderen Apostel

2:1 Danach, vierzehn Jahre später, zog ich abermals hinauf nach
Jerusalem mit Barnabas und nahm auch Titus mit mir.
(1-10) Apg 15,1-29; 4,36

2:2 Ich zog aber hinauf aufgrund einer Offenbarung und besprach mich mit
ihnen über das Evangelium, das ich predige unter den Heiden,
besonders aber mit denen, die das Ansehen hatten, damit ich nicht
etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre.

2:3 Aber selbst Titus, der bei mir war, ein Grieche, wurde nicht
gezwungen, sich beschneiden zu lassen.
Apg 16,3; 1. Kor 9,21

2:4 Denn es hatten sich einige falsche Brüder mit eingedrängt und neben
eingeschlichen, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in
Christus Jesus haben, und uns zu knechten.

2:5 Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen
nicht, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.
Kap 3,1

2:6 Von denen aber, die das Ansehen hatten - was sie früher gewesen
sind, daran liegt mir nichts; denn Gott achtet das Ansehen der
Menschen nicht -, mir haben die, die das Ansehen hatten, nichts
weiter auferlegt.

2:7 Im Gegenteil, da sie sahen, daß mir anvertraut war das Evangelium
an die Heiden so wie Petrus das Evangelium an die Juden
Eph 3,1-2

2:8 - denn der in Petrus wirksam gewesen ist zum Apostelamt unter den
Juden, der ist auch in mir wirksam gewesen unter den Heiden -,

2:9 und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben war, gaben Jakobus
und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und
Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, daß wir unter den
Heiden, sie aber unter den Juden predigen sollten,
Joh 1,42

2:10 nur daß wir an die Armen dächten, was ich mich auch eifrig bemüht
habe zu tun.
Apg 11,29-30; 2. Kor 8,1 - 9,15

Die Auseinandersetzung des Paulus mit Petrus in Antiochia

2:11 Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins
Angesicht, denn es war Grund zur Klage gegen ihn.

2:12 Denn bevor einige von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie
aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus
dem Judentum fürchtete.
Apg 11,2-3

2:13 Und mit ihm heuchelten auch die andern Juden, so daß selbst Barnabas
verführt wurde, mit ihnen zu heucheln.

2:14 Als ich aber sah, daß sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit
des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen: Wenn du,
der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum
zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben?

2:15 Wir sind von Geburt Juden und nicht Sünder aus den Heiden.

2:16 Doch weil wir wissen, daß der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht
gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch
wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden
durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes;
denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.
Röm 3,20; 3,28; Eph 2,8

2:17 Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen,
auch selbst als Sünder befunden werden - ist dann Christus ein
Diener der Sünde? Das sei ferne!

2:18 Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann
mache ich mich selbst zu einem Übertreter.

2:19 Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott
lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt.
Röm 7,6

2:20 Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn
was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn
Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.
Joh 17,23; Kap 1,4

2:21 Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit
durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

Die Gerechtigkeit aus dem Glauben

3:1 O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch
Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte?

3:2 Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen
durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?

3:3 Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr's
denn nun im Fleisch vollenden?

3:4 Habt ihr denn so vieles vergeblich erfahren? Wenn es denn vergeblich
war!

3:5 Der euch nun den Geist darreicht und tut solche Taten unter euch,
tut er's durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom
Glauben?

3:6 So war es mit Abraham: »Er hat Gott geglaubt, und es ist ihm zur
Gerechtigkeit gerechnet worden« (1. Mose 15,6).
Röm 4,3

3:7 Erkennt also: die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder.

3:8 Die Schrift aber hat es vorausgesehen, daß Gott die Heiden durch den
Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham (1. Mose
12,3): »In dir sollen alle Heiden gesegnet werden.«

3:9 So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem
gläubigen Abraham.
Röm 4,16

3:10 Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem
Fluch. Denn es steht geschrieben (5. Mose 27,26): »Verflucht sei
jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem
Buch des Gesetzes, daß er's tue!«

3:11 Daß aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar;
denn »der Gerechte wird aus Glauben leben« (Habakuk 2,4).
Röm 1,17; Hebr 10,38

3:12 Das Gesetz aber ist nicht »aus Glauben«, sondern: »der Mensch, der
es tut, wird dadurch leben« (3. Mose 18,5).

3:13 Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum
Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben (5. Mose 21,23):
»Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«,
2. Kor 5,21

3:14 damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus
und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.

Verheißung und Gesetz

3:15 Liebe Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Man hebt doch
das Testament eines Menschen nicht auf, wenn es bestätigt ist, und
setzt auch nichts dazu.

3:16 Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es
heißt nicht: und den Nachkommen, als gälte es vielen, sondern es
gilt einem: »und deinem Nachkommen« (1. Mose 22,18), welcher ist
Christus.

3:17 Ich meine aber dies: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt
worden ist, wird nicht aufgehoben durch das Gesetz, das
vierhundertdreißig Jahre danach gegeben worden ist, so daß die
Verheißung zunichte würde.
2. Mose 12,40

3:18 Denn wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es
nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch
Verheißung frei geschenkt.

3:19 Was soll dann das Gesetz? Es ist hinzugekommen um der Sünden
willen, bis der Nachkomme da sei, dem die Verheißung gilt, und zwar
ist es von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers.
Röm 5,20; Apg 7,38; 7,53; Hebr 2,2; 5. Mose 5,5

3:20 Ein Mittler aber ist nicht Mittler eines Einzigen, Gott aber ist
Einer.

3:21 Wie? Ist dann das Gesetz gegen Gottes Verheißungen? Das sei ferne!
Denn nur, wenn ein Gesetz gegeben wäre, das lebendig machen könnte,
käme die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetz.
Röm 8,2-4

3:22 Aber die Schrift hat alles eingeschlossen unter die Sünde, damit
die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus gegeben würde
denen, die glauben.
Röm 3,9-20; 11,32

3:23 Ehe aber der Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahrt und
verschlossen auf den Glauben hin, der dann offenbart werden sollte.
Kap 4,3

3:24 So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit
wir durch den Glauben gerecht würden.

3:25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem
Zuchtmeister.
Röm 10,4

3:26 Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus
Jesus.
Joh 1,12; Röm 8,17

3:27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus
angezogen.
Röm 6,3; Röm 13,14

3:28 Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch
Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer
in Christus Jesus.
Röm 10,12; 1. Kor 12,13

3:29 Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach
der Verheißung Erben.

Befreiung vom Gesetz durch Christus

4:1 Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und
einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter;

4:2 sondern er untersteht Vormündern und Pflegern bis zu der Zeit, die
der Vater bestimmt hat.

4:3 So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir in der Knechtschaft
der Mächte der Welt.
Vers 8-10; Kap 5,1; Kol 2,20

4:4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von
einer Frau und unter das Gesetz getan,
Mk 1,15; Eph 1,10

4:5 damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die
Kindschaft empfingen.

4:6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt
in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!
Röm 8,15

4:7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann
auch Erbe durch Gott.
Röm 8,16-17

Warnung vor Rückfall in die Gesetzlichkeit

4:8 Aber zu der Zeit, als ihr Gott noch nicht kanntet, dientet ihr
denen, die in Wahrheit nicht Götter sind.

4:9 Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt
seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen
Mächten zu, denen ihr von neuem dienen wollt?

4:10 Ihr haltet bestimmte Tage ein und Monate und Zeiten und Jahre.
Röm 14,5; Kol 2,16; 2,20-21

4:11 Ich fürchte für euch, daß ich vielleicht vergeblich an euch
gearbeitet habe.
2. Joh 1,8

4:12 Werdet doch wie ich, denn ich wurde wie ihr, liebe Brüder, ich bitte
euch. Ihr habt mir kein Leid getan.

4:13 Ihr wißt doch, daß ich euch in Schwachheit des Leibes das
Evangelium gepredigt habe beim ersten Mal.
1. Kor 2,3; Apg 16,6

4:14 Und obwohl meine leibliche Schwäche euch ein Anstoß war, habt ihr
mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern wie einen
Engel Gottes nahmt ihr mich auf, ja wie Christus Jesus.

4:15 Wo sind nun eure Seligpreisungen geblieben? Denn ich bezeuge euch,
ihr hättet, wenn es möglich gewesen wäre, eure Augen ausgerissen und
mir gegeben.

4:16 Bin ich denn damit euer Feind geworden, daß ich euch die Wahrheit
vorhalte?

4:17 Es ist nicht recht, wie sie um euch werben; sie wollen euch nur von
mir abspenstig machen, damit ihr um sie werben sollt.
Kap 1,7

4:18 Umworben zu werden ist gut, wenn's im Guten geschieht, und zwar
immer und nicht nur in meiner Gegenwart, wenn ich bei euch bin.

4:19 Meine lieben Kinder, die ich abermals unter Wehen gebäre, bis
Christus in euch Gestalt gewinne! -
1. Kor 4,15

4:20 Ich wollte aber, daß ich jetzt bei euch wäre und mit andrer Stimme
zu euch reden könnte; denn ich bin irre an euch.

Knechtschaft und Freiheit

4:21 Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz
nicht?

4:22 Denn es steht geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte, den einen
von der Magd, den andern von der Freien.
1. Mose 16,15; 1. Mose 21,2

4:23 Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden, der von
der Freien aber kraft der Verheißung.
Röm 9,7-9

4:24 Diese Worte haben tiefere Bedeutung. Denn die beiden Frauen bedeuten
zwei Bundesschlüsse: einen vom Berg Sinai, der zur Knechtschaft
gebiert, das ist Hagar;
Kap 5,1; Röm 8,15

4:25 denn Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis
für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der
Knechtschaft lebt.

4:26 Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist
unsre Mutter.
Hebr 12,22; Offb 21,2

4:27 Denn es steht geschrieben (Jesaja 54,1): »Sei fröhlich, du
Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und jauchze,
die du nicht schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder,
als die den Mann hat.«

4:28 Ihr aber, liebe Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.

4:29 Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch gezeugt war, den
verfolgte, der nach dem Geist gezeugt war, so geht es auch jetzt.

4:30 Doch was spricht die Schrift? »Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn;
denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien« (1.
Mose 21,10).

4:31 So sind wir nun, liebe Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der
Freien.

Aufruf zur rechten Freiheit

5:1 Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und laßt
euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!
Kap 4,5; Apg 15,10

5:2 Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden laßt, so
wird euch Christus nichts nützen.

5:3 Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden läßt, daß er
das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.

5:4 Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden
wollt, und seid aus der Gnade gefallen.

5:5 Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit,
auf die man hoffen muß.

5:6 Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch
Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe
tätig ist.
Kap 6,15; Röm 2,26; 1. Kor 7,19

5:7 Ihr lieft so gut. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu
gehorchen?

5:8 Solches Überreden kommt nicht von dem, der euch berufen hat.

5:9 Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.
1. Kor 5,6

5:10 Ich habe das Vertrauen zu euch in dem Herrn, ihr werdet nicht anders
gesinnt sein. Wer euch aber irremacht, der wird sein Urteil tragen,
er sei, wer er wolle.
Kap 1,7

5:11 Ich aber, liebe Brüder, wenn ich die Beschneidung noch predige,
warum leide ich dann Verfolgung? Dann wäre das Ärgernis des
Kreuzes aufgehoben.
1. Kor 15,30; Kap 6,12; 1. Kor 1,23

5:12 Sollen sie sich doch gleich verschneiden lassen, die euch aufhetzen!

5:13 Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu,
daß ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern
durch die Liebe diene einer dem andern.
1. Petr 2,16; 2. Petr 2,19
Siehe Sach- und Worterklärungen zu »Fleisch«.

5:14 Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem (3. Mose
19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«

5:15 Wenn ihr euch aber untereinander beißt und freßt, so seht zu, daß
ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.
Jak 4,2

Das Leben im Geist

5:16 Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des
Fleisches nicht vollbringen.

5:17 Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das
Fleisch; die sind gegeneinander, so daß ihr nicht tut, was ihr
wollt.
Röm 7,15; 7,23

5:18 Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.

5:19 Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind:
Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung,
(19-21) 1. Kor 6,9-10

5:20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank,
Zwietracht, Spaltungen,

5:21 Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch
vorausgesagt und sage noch einmal voraus: die solches tun, werden
das Reich Gottes nicht erben.
Eph 5,5; Offb 22,15

5:22 Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld,
Freundlichkeit, Güte, Treue,
Eph 5,9

5:23 Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies ist das Gesetz nicht.
1. Tim 1,9

5:24 Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt
samt den Leidenschaften und Begierden.
Röm 6,6

5:25 Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln.
Röm 8,4

5:26 Laßt uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht
herausfordern und beneiden.
Phil 2,3

Mahnung zur Brüderlichkeit

6:1 Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt
wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die
ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, daß du nicht auch
versucht werdest.
Mt 18,15; Jak 5,19

6:2 Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi
erfüllen.
2. Kor 11,29

6:3 Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der
betrügt sich selbst.

6:4 Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen
Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern.
2. Kor 13,5

6:5 Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.
Röm 14,12

6:6 Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn
unterrichtet, Anteil an allem Guten.
1. Kor 9,14

6:7 Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch
sät, das wird er ernten.
Jer 21,14

6:8 Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben
ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige
Leben ernten.
Röm 8,13

6:9 Laßt uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit
werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.
2. Thess 3,13

6:10 Darum, solange wir noch Zeit haben, laßt uns Gutes tun an jedermann,
allermeist aber an des Glaubens Genossen.
2. Petr 1,7

Eigenhändiger Briefschluß

6:11 Seht, mit wie großen Buchstaben ich euch schreibe mit eigener Hand!

6:12 Die Ansehen haben wollen nach dem Fleisch, die zwingen euch zur
Beschneidung, nur damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen
verfolgt werden.
Kap 5,11

6:13 Denn auch sie selbst, die sich beschneiden lassen, halten das Gesetz
nicht, sondern sie wollen, daß ihr euch beschneiden laßt, damit sie
sich dessen rühmen können.

6:14 Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes
unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist
und ich der Welt.
1. Kor 1,31; 2,2

6:15 Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch
Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur.
Kap 5,6; 1. Kor 7,19; 2. Kor 5,17

6:16 Und alle, die sich nach diesem Maßstab richten - Friede und
Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes!
Ps 125,5

6:17 Hinfort mache mir niemand weiter Mühe; denn ich trage die
Malzeichen Jesu an meinem Leibe.
2. Kor 4,10

6:18 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, liebe
Brüder! Amen.

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