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SIEBTES KAPITEL
Wissen vom Absoluten

VERS 1
Der Höchste Herr sprach: O Sohn Prthas, höre nun, wie
du Mich, frei von allen Zweifeln, erkennen kannst,
indem du, völlig über Mich Bewusst und den Geist auf
Mich gerichtet, yoga praktizierst.
ERLÄUTERUNG
In diesem Siebten Kapitel der Bhagavad-Gita wird das
Wesen des Krsna-Bewusstseins umfassend beschrieben.
Krsna besitzt alle Reichtümer in vollem Umfang, und wie
Er solche Reichtümer manifestiert, wird hier beschrieben.
Auch vier Arten vom Glück begünstigter Menschen, die
Anhaftung an Krsna entwickeln, und vier Arten
unglückseliger Menschen, die sich Krsna niemals
zuwenden, werden in diesem Kapitel beschrieben.
In den ersten sechs Kapiteln der Bhagavad-Gita ist das
Lebewesen als nichtmaterielle, spirituelle Seele beschrieben
worden, die sich durch verschiedene Arten von yoga zu
Selbstverwirklichung erheben kann. Am Ende des Sechsten
Kapitels ist klar gesagt worden, dass die beständige
Konzentration des Geistes auf Krsna oder, mit anderen
Worten, Krsna-Bewusstsein die höchste Form aller
yoga-Vorgänge darstellt. Nur indem man den Geist auf
Krsna richtet und nicht auf andere Weise, ist man fähig, die
Absolute Wahrheit vollständig zu erkennen. Die Erkenntnis
des unpersönlichen brahmajyoti oder des lokalisierten
Paramatma ist keine vollkommene Erkenntnis der
Absoluten Wahrheit, da sie nur teilhaft ist. Umfassendes
und wissenschaftliches Wissen ist Krsna, und einem
Menschen im Krsna-Bewusstsein wird alles offenbart. In
vollständigem Krsna-Bewusstsein weiß man, dass Krsna das
endgültige Wissen jenseits aller Zweifel ist. Verschiedene
Formen des yoga sind nur Sprungbretter auf dem Pfad des
Krsna-Bewusstseins. Wer sich direkt dem Krsna--
Bewusstsein zuwendet, hat von selbst umfassende Kenntnis
vom brahmajyoti und vom Paramatma. Wenn man den
yoga des Krsna-Bewusstseins praktiziert, kann man alles in
Vollkommenheit erkennen - die Absolute Wahrheit, die
Lebewesen, die materielle Natur und ihre Manifestationen
mit allem, was dazugehört.
Man sollte daher beginnen, yoga so zu praktizieren, wie es
im letzten Vers des Sechsten Kapitels angeordnet wird. Den
Geist auf Krsna, den Höchsten, zu richten, wird durch
vorgeschriebenen hingebungsvollen Dienst in neun
verschiedenen Formen ermöglicht, von denen sRavanam
der erste und wichtigste Vorgang ist. Der Herr sagt deshalb
zu Arjuna "tat sräu" oder "Höre von Mir". Niemand kann
eine größere Autorität sein als Krsna, und daher hat man
die beste Möglichkeit, im Krsna-Bewusstsein
fortzuschreiten, wenn man von Ihm hört. Man muss daher
von Krsna direkt oder von einem reinen Geweihten Krsnas
lernen, nicht von einem nichtgottgeweihten
Emporkömmling, der sich etwas auf seine akademische
Bildung einbildet.
Das Srimad-Bhagavatam (1.2.17-21) beschreibt im 2.
Kapitel des Ersten Canto diesen Vorgang, durch den man
Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Absolute
Wahrheit, verstehen kann:
"Über Krsna aus den vedischen Schriften oder direkt von
Ihm Selbst durch die Bhagavad-Gita zu hören ist eine
rechtschaffene Tätigkeit. Und für jemand, der über Krsna
hört, handelt Sri Krsna, der im Herzen eines jeden weilt, als
Freund, der nur unser Bestes wünscht, und reinigt den
Gottgeweihten, der ständig über Ihn hört. So entwickelt der
Gottgeweihte auf natürliche Weise sein schlummerndes
transzendentales Wissen. Je mehr er aus dem Bhagavatam
und von den Gottgeweihten über Krsna hört, desto mehr
wird er im hingebungsvollen Dienst des Herrn gefestigt.
Wenn man hingebungsvollen Dienst entwickelt, wird man
frei von den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und
Unwissenheit, und materielle Lüste und Habgier lassen
nach. Wenn diese Unreinheiten fortgewaschen sind, bleibt
der Anwärter in seiner Stellung reiner Tugend fest
verankert, wird durch hingebungsvollen Dienst belebt und
versteht die Wissenschaft von Gott vollkommen. So
durchtrennt bhakti-yoga den festen Knoten materieller
Zuneigung und befähigt den Gottgeweihten, sogleich zur
Stufe von asamsayam samagram zu kommen, auf der man
die Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes,
versteht."
Deshalb kann man die Wissenschaft von Krsna nur
verstehen, wenn man von Krsna oder Seinem Geweihten im
Krsna-Bewusstsein hört.


VERS 2
Ich werde dir jetzt dieses phänomenale und noumenale
Wissen in seiner ganzen Fülle offenbaren, und wenn du
es kennst, wird es für dich nichts mehr zu erkennen
geben.
ERLÄUTERUNG
Vollständiges Wissen umfasst Wissen von der
phänomenalen Welt und der spirituellen Natur hinter ihr.
Der Ursprung beider ist transzendentales Wissen. Der Herr
möchte das obenerwähnte System des Wissens erklären,
weil Arjuna Krsnas vertrauter Geweihter und Freund ist. Zu
Beginn des Vierten Kapitels wurde diese Erklärung vom
Herrn gegeben, und hier wird es erneut bestätigt:
Umfassendes Wissen kann nur von dem Geweihten des
Herrn direkt vom Herrn in der Schülernachfolge
empfangen werden. Deshalb sollte man intelligent genug
sein, den Ursprung allen Wissens zu kennen, der die
Ursache aller Ursachen und das einzige Meditationsobjekt
bei allen Arten von yoga-Praktiken ist. Wenn die Ursache
aller Ursachen bekannt wird, dann wird alles Erkennbare
bekannt, und nichts bleibt unbekannt.


VERS 3
Von vielen Tausenden von Menschen mag sich einer um
Vollkommenheit bemühen, und von denen, die die
Vollkommenheit erreicht haben, kennt kaum einer Mich
in Wahrheit.
ERLÄUTERUNG
Es gibt verschiedene Unterteilungen der Menschen, und
von vielen Tausenden ist vielleicht einer in ausreichendem
Maße an transzendentaler Verwirklichung interessiert, so
dass er zu erkennen sucht, was das Selbst, was der Körper
und was die Absolute Wahrheit ist. Im allgemeinen geht die
Menschheit nur den tierischen Neigungen nach, das heißt
Essen, Schlafen, Sichverteidigen und Sichpaaren, und kaum
einer ist an transzendentalem Wissen interessiert. Die ersten
sechs Kapitel der Gita sind für diejenigen bestimmt, die an
transzendentalem Wissen interessiert sind und die das
Selbst, das Überselbst und den Vorgang der
Verwirklichung durch jnana-yoga, dhyana-yoga und durch
die Unterscheidung des Selbst von der Materie verstehen
wollen. Krsna kann nur von Menschen erkannt werden, die
im Krsna-Bewusstsein verankert sind. Andere
Transzendentalisten mögen die unpersönliche
Brahman-Erkenntnis erlangen, da dies einfacher ist, als
Krsna zu verstehen. Krsna ist die Höchste Person, aber
gleichzeitig steht Er jenseits von Brahman- und Paramatma-
Erkenntnis. Die yogis und jnanis sind verwirrt bei
ihren Versuchen, Krsna zu verstehen, obwohl der größte
Unpersönlichkeitsphilosoph, Sripada Sankaracarya, in
seinem Kommentar zur Gita zugegeben hat, dass Krsna die
Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Seine Anhänger jedoch
akzeptieren Krsna nicht als den Höchsten Herrn, denn es ist
sehr schwierig, Krsna zu kennen - selbst wenn man die
transzendentale Erkenntnis des unpersönlichen Brahman
erreicht hat.
Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Ursache
aller Ursachen, der urerste Herr, Govinda. Isvarah paramah
Krsnah sac-cid-ananda-vigrahah anadir adir govindah
sarva-karana-karanam. Für die Nichtgottgeweihten ist es
sehr schwierig, Ihn zu erkennen. Obwohl
Nichtgottgeweihte erklären, der Pfad der bhakti oder des
hingebungsvollen Dienstes sei sehr einfach, können sie ihn
nicht praktizieren. Wenn der Pfad der bhakti so einfach ist,
wie die nichtgottgeweihte Klasse der Menschen behauptet,
stellt sich die Frage, warum sie dann dem schwierigen Pfad
folgt. Im Grunde ist der Pfad der bhakti nicht einfach. Der
sogenannte Pfad der bhakti, der von unbefugten Personen
ohne Wissen von bhakti praktiziert wird, mag einfach sein,
aber wenn er tatsächlich nach den vorgeschriebenen Regeln
und Regulierungen praktiziert wird, verlassen die
spekulierenden Gelehrten und Philosophen den Pfad. Srila Rupa
Rupa Gosvami schreibt in seinem Bhakti-rasamrta-sindhu:
"Hingebungsvoller Dienst für den Herrn, der die
autorisierten vedischen Schriften wie die Upanisaden,
Puranas, das Narada-pancaratra und andere nicht
beachtet, ist nur eine unnötige Störung in der Gesellschaft."
Für den Brahman-verwirklichten
Unpersönlichkeitsanhänger oder den
Paramatma-verwirklichten yogi ist es nicht möglich, Krsna,
die Höchste Persönlichkeit Gottes, als den Sohn Mutter
Yasodas oder den Wagenlenker Arjunas zu verstehen.
Selbst die großen Halbgötter können Krsna manchmal nicht
begreifen: "muhyanti yat surayah". Der Herr sagt Selbst:
"mam tu veda na kascana". "Niemand kennt Mich so, wie
Ich bin." Und wenn jemand Ihn kennt: "Solch eine große Seele ist sehr selten."
Solange man daher keinen hingebungsvollen Dienst für den
Herrn verrichtet, kann man selbst als großer Gelehrter oder
Philosoph Krsna nicht so kennen, wie Er ist (tattvatah). Nur
die reinen Gottgeweihten können ein wenig von den
unbegreiflichen transzendentalen Eigenschaften Krsnas, der
Ursache aller Ursachen, verstehen - von Seiner Allmacht
und Fülle, Seinem Reichtum, Seinem Ruhm, Seiner Stärke,
Seiner Schönheit, Seinem Wissen und Seiner Entsagung -,
denn Krsna ist Seinen Geweihten wohlgesonnen. Er ist die
höchste Stufe der Brahman-Erkenntnis, und allein die
Gottgeweihten können Ihn so erkennen, wie Er ist. Deshalb
heißt es:
"Niemand kann mit seinen stumpfen, materiellen Sinnen
Krsna so verstehen, wie Er ist. Den Gottgeweihten aber
offenbart Er sich, da Er an ihnen Wohlgefallen findet, weil
sie Ihm transzendentalen liebevollen Dienst darbringen."
(Padma Purana)
VERS 4
Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intelligenz und
falsches Ego - diese acht Elemente bilden Meine
abgesonderten, materiellen Energien.
ERLÄUTERUNG
Die Wissenschaft von Gott analysiert die wesensgemäße
Stellung Gottes und Seiner vielfältigen Energien. Die
materielle Natur nennt man prakrti, und sie ist die Energie
des Herrn in Seinen verschiedenen purusa-Inkarnationen
(Erweiterungen), wie im Svatvata Tantra beschrieben wird:
"Um die materielle Schöpfung zu manifestieren, nimmt Sri
Krsnas vollständige Erweiterung die Form dreier Visnus an.
Der erste, Maha-Visnu, erschafft die gesamte materielle
Energie, die als mahat-tattva bekannt ist. Der zweite,
Garbhodakasayi Visnu, geht in alle Universen ein, um in
ihnen Mannigfaltigkeit zu erschaffen, und der dritte,
Ksirodakasayi Visnu, ist als die alldurchdringende
Überseele in allen Universen verbreitet und ist als
Paramatma bekannt, der sogar in den Atomen anwesend ist.
Jeder, der diese drei Visnus kennt, kann aus der materiellen
Verstrickung befreit werden."
Die materielle Welt ist eine zeitweilige Manifestation einer
der drei Energien des Herrn. Alle Tätigkeiten der
materiellen Welt werden von diesen drei Visnu-Erweiterungen
Sri Krsnas gelenkt. Diese purusas werden als
Inkarnationen bezeichnet. Wer die Wissenschaft von Gott
(Krsna) nicht kennt, nimmt im allgemeinen an, die
materielle Welt sei für den Genuss der Lebewesen
geschaffen und die Lebewesen seien die Ursachen
(Purusas), Beherrscher und Genießer der materiellen
Energie. Gemäß der Bhagavad-Gita ist diese atheistische
Schlussfolgerung falsch. In dem zur Erörterung stehenden
Vers heißt es, dass Krsna die ursprüngliche Ursache der
materiellen Manifestation ist. Das Srimad-Bhagavatam
bestätigt dies ebenfalls. Die Bestandteile der materiellen
Manifestation sind abgesonderte Energien des Herrn. Selbst
das brahmajyoti, das endgültige Ziel der
Unpersönlichkeitsanhänger, ist eine spirituelle Energie, die
im spirituellen Himmel manifestiert ist. Im brahmajyoti
gibt es keine spirituelle Mannigfaltigkeit, wie es sie auf den
Vaikunthalokas gibt, und der Unpersönlichkeitsanhänger
hält dieses brahmajyoti für das endgültige, ewige Ziel. Die
Paramatma-Manifestation ist ein zeitweiliger,
alldurchdringender Aspekt von Ksirodakasayi Visnu. Die
Paramatma-Manifestation befindet sich nicht ewig in der
spirituellen Welt. Daher ist die tatsächliche Absolute
Wahrheit die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna. Er ist
die vollständige energetische Person, und Er besitzt
verschiedene abgesonderte und innere Energien.
Wie oben erwähnt wurde, gibt es in der materiellen Energie
acht hauptsächliche Manifestationen. Von diesen werden
die ersten fünf - Erde, Wasser, Feuer, Luft und Himmel
- als die fünf gigantischen oder grobstofflichen
Schöpfungen bezeichnet, in denen auch die fünf
Sinnesobjekte enthalten sind: die Manifestationen materiellen
Klangs, materieller Berührung, materieller Form,
materiellen Geschmacks und materiellen Geruchs. Die
materielle Wissenschaft umfasst diese zehn Punkte und
nichts darüber hinaus. Die anderen drei Punkte, nämlich
Geist, Intelligenz und falsches Ego, werden von den
Materialisten nicht beachtet. Philosophen, die sich mit
intellektuellen Tätigkeiten befassen, haben ebenfalls kein
vollkommenes Wissen, da sie den letztlichen Ursprung,
Krsna, nicht kennen. Das falsche Ego - die Vorstellungen
"Ich bin" und "Das gehört mir", die das Grundprinzip des
materiellen Daseins bilden - schließt zehn Sinnesorgane
für materielle Tätigkeiten mit ein. Intelligenz bezieht sich
auf die gesamte materielle Schöpfung, das mahat-tattva.
Deshalb werden aus den acht abgesonderten Energien des
Herrn die vierundzwanzig Elemente der materiellen Welt
manifestiert, die Gegenstand der atheistischen sankhya--
Philosophie sind. Sie gehen ursprünglich aus Krsnas
Energien hervor und sind von Ihm nur abgesondert, doch
die atheistischen sankhya-Philosophen, die nur über geringes
Wissen verfügen, wissen nicht, dass Krsna die
Ursache aller Ursachen ist. Der Diskussionsgegenstand in
der sankhya-Philosophie ist nur die Manifestation der
äußeren Energie Krsnas, wie sie in der Bhagavad-Gita
beschrieben wird.

VERS 5
Außer dieser niederen Natur, o starkarmiger Arjuna,
habe Ich noch eine höhere Energie, die aus allen
Lebewesen besteht, die mit der materiellen Natur
kämpfen und das Universum erhalten.
ERLÄUTERUNG
Hier wird klar erwähnt, dass die Lebewesen zur höheren
Natur oder Energie des Höchsten Herrn gehören. Die
niedere Energie ist Materie, manifestiert in verschiedenen
Elementen, nämlich Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther,
Geist, Intelligenz und falsches Ego. Beide Formen der


materiellen Natur - die grobstoffliche (Erde usw.) und
feinstoffliche (Geist usw.) - sind Produkte der niederen
Energie. Die Lebewesen, die diese untergeordneten
Energien für verschiedene Zwecke ausbeuten, sind die
höhere Energie des Höchsten Herrn, und es ist auf diese
Energie zurückzuführen, dass die ganze materielle Welt
funktioniert. Die kosmische Manifestation hat keine Macht
zu handeln, solange sie nicht von der höheren Energie, den
Lebewesen, bewegt wird. Energien werden immer vom
Energieursprung gelenkt, und daher werden die Lebewesen
immer vom Herrn beherrscht - sie besitzen kein
unabhängiges Dasein. Sie sind längst nicht so mächtig, wie
unintelligente Menschen glauben. Der Unterschied
zwischen den Lebewesen und dem Herrn wird im
Srimad-Bhagavatam (10.87.30) wie folgt beschrieben:
"O Höchster Ewiger! Wären die verkörperten Lebewesen
ewig und alldurchdringend wie Du, unterständen sie nicht
Deiner Herrschaft. Wenn die Lebewesen aber als winzige
Energien Deiner Herrlichkeit anerkannt werden,
unterliegen sie sogleich Deiner höchsten Herrschaft. Daher
bedeutet wirkliche Befreiung, dass sich die Lebewesen
Deiner Herrschaft unterwerfen, und diese Ergebung wird
sie glücklich machen. Nur in dieser wesensgemäßen
Stellung können sie Kontrollierende sein. Menschen mit
begrenztem Wissen, die die monistische Theorie vertreten,
Gott und die Lebewesen seien in jeder Beziehung gleich,
führen daher im Grunde sich und andere in die Irre."
Der Höchste Herr, Krsna, ist der einzige Herrscher, und alle
Lebewesen werden von Ihm beherrscht. Die Lebewesen
sind Seine höhere Energie, denn die Qualität ihrer Existenz
gleicht der des Höchsten, doch sind sie dem Herrn niemals
quantitativ in Seiner Macht ebenbürtig. Während die
höhere Energie (das Lebewesen) die grob- und
feinstoffliche niedere Energie (die Materie) ausbeutet,
vergißt sie ihren wirklichen, spirituellen Geist und ihre
wirkliche, spirituelle Intelligenz. Dieses Vergessen ist auf
den Einfluss zurückzuführen, den die Materie auf das
Lebewesen ausübt. Wenn das Lebewesen jedoch vom
Einfluss der illusionierenden materiellen Energie frei wird,
erreicht es die Stufe, die mukti oder Befreiung genannt
wird. Unter dem Einfluss der materiellen Illusion denkt das
falsche Ego: "Ich bin Materie, und materielle Güter
gehören mir." Es erkennt seine wahre Position, wenn es
von allen materiellen Vorstellungen, auch der Vorstellung,
in jeder Beziehung mit Gott eins zu werden, befreit ist. Man
kann also schlussfolgern, dass die Gita bestätigt, dass das Lebewesen
nur eine der mannigfaltigen Energien Krsnas ist.
Wenn diese Energie von der materiellen Verunreinigung
frei ist, wird sie völlig Krsna-Bewusst oder befreit.

VERS 6
Wisse, von allem, was materiell und was spirituell ist in
dieser Welt, bin Ich sowohl der Ursprung als auch die
Außösung.
ERLÄUTERUNG
Alles, was existiert, ist ein Produkt von Materie und
spiritueller Energie. Die spirituelle Energie ist die
Grundlage der Schöpfung, und die Materie wird von der
spirituellen Energie geschaffen. Spirituelle Energie entsteht
nicht auf einer bestimmten Stufe materieller Entwicklung.
Vielmehr ist die materielle Welt nur auf der Grundlage der
spirituellen Energie manifestiert. Unser materieller Körper
hat sich entwickelt, weil ein spiritueller Funken in der
Materie gegenwärtig ist; ein Kind wächst allmählich zum
Knaben und dann zum Mann heran, weil diese höhere
Energie, die spirituelle Seele, gegenwärtig ist. In ähnlicher
Weise entwickelt sich die gesamte kosmische Manifestation
des gigantischen Universums, weil die Überseele, Visnu,
gegenwärtig ist. Also sind die spirituelle Natur und die
Materie, die sich verbinden, um diese gigantische
universale Form zu manifestieren, ursprünglich zwei
Energien des Herrn, und folglich ist der Herr die
ursprüngliche Ursache aller Dinge. Ein fragmentarischer,
winziger Bestandteil des Herrn - das Lebewesen - kann
durch Manipulation der materiellen Energie einen
Wolkenkratzer, eine Fabrik oder eine Stadt bauen, doch
kann es nicht Materie aus dem Nichts hervorbringen, und
gewiss kann es auch weder einen Planeten noch ein
Universum erschaffen. Die Ursache des Universums ist die
Überseele, Krsna, der höchste Schöpfer aller individuellen
Seelen und die ursprüngliche Ursache aller Ursachen, wie
in der Kaòha Upanisad bestätigt wird: nityo nityanam
cetanas cetananam.

VERS 7
O Eroberer von Reichtum [Arjuna], es gibt keine
Wahrheit über Mir. Alles ruht auf Mir wie Perlen auf
einer Schnur.
ERLÄUTERUNG
Es ist eine alte Streitfrage, ob die Höchste Absolute
Wahrheit persönlich oder unpersönlich ist. Soweit es die
Bhagavad-Gita betrifft, ist die Absolute Wahrheit die
Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, und das wird auf jeder
Seite bestätigt. Besonders in diesem Vers wird betont, dass
die Absolute Wahrheit eine Person ist. Auch in der
Brahma-samhita (5.1) findet man die Bestätigung, dass die
Persönlichkeit Gottes die Höchste Absolute Wahrheit ist:
¬ĄDie Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes,
ist Sri Krsna. Er ist der urerste Herr, das Behältnis aller
Freude, Govinda, und die ewige Gestalt vollkommener
Glückseligkeit und vollkommenen Wissens." Die
Autoritäten lassen keinen Zweifel darüber, dass die
Absolute Wahrheit die Höchste Person, die Ursache aller
Ursachen, ist. Der Unpersönlichkeitsanhänger argumentiert
jedoch im Vertrauen auf die Macht der folgenden
vedischen Darstellung in der Svetasvatara Upanisad: "In der
materiellen Welt gilt Brahma, das urerste Lebewesen im
Universum, als der Höchste unter den Halbgöttern,
Menschen und niederen Tieren. Über Brahma aber steht die
Transzendenz, die keine materielle Form hat und die frei ist
von allen materiellen Verunreinigungen. Jeder, der das
Absolute zu erkennen vermag, wird ebenfalls
transzendental; aber diejenigen, die Es nicht kennen,
müssen die Leiden der materiellen Welt ertragen."
Der Unpersönlichkeitsanhänger legt mehr Nachdruck auf
das Wort arupam, aber dieses arupam bedeutet nicht
"unpersönlich". Es deutet auf die transzendentale Gestalt
der Ewigkeit, Glückseligkeit und des Wissens hin, wie sie
in dem oben zitierten Vers der Brahma-samhita
beschrieben wird. Andere Verse in der Svetasvatara
Upanisad bestätigen dies wie folgt:
"Ich kenne den Herrn, die Höchste Persönlichkeit Gottes,
der in transzendentaler Stellung zu allen materiellen
Vorstellungen der Dunkelheit steht. Nur wer Ihn kennt,
kann die Fesseln von Geburt und Tod transzendieren. Es
gibt keinen anderen Weg zur Befreiung als die Erkenntnis
der Höchsten Person."
"Es gibt keine Wahrheit, die über dieser Höchsten Person
steht, denn Er ist der Allerhöchste. Er ist kleiner als das
Kleinste, und Er ist größer als das Größte. Er gleicht einem
ruhigen Baum, und Er erleuchtet den transzendentalen
Himmel; wie ein Baum seine Wurzeln ausbreitet, so
verbreitet Er Seine weitreichenden Energien."
Aus diesen Versen kann man schließen, dass die Höchste
Absolute Wahrheit die Höchste Persönlichkeit Gottes ist,
die durch Ihre vielfältigen materiellen und spirituellen
Energien alldurchdringend ist.

VERS 8
O Sohn Kuntis, [Arjuna], Ich bin der Geschmack des
Wassers, das Licht der Sonne und des Mondes und die
Silbe om in den vedischen mantras; Ich bin der Klang
im Äther und die Fähigkeit im Menschen.
ERLÄUTERUNG
Dieser Vers erklärt, wie der Herr durch Seine
mannigfaltigen materiellen und spirituellen Energien
alldurchdringend ist. Der Höchste Herr kann zunächst
durch Seine verschiedenen Energien wahrgenommen
werden, und auf diese Weise wird Er in Seinem
unpersönlichen Aspekt erkannt. Ebenso, wie der Halbgott
der Sonne eine Person ist und durch seine
alldurchdringende Energie, den Sonnenschein,
wahrgenommen wird, so wird der Herr, obwohl in Seinem
ewigen Reich, durch Seine alldurchdringenden, überall
verbreiteten Energien wahrgenommen. Der Geschmack des
Wassers ist das aktive Prinzip des Wassers. Niemand trinkt
gerne Meerwasser, weil der reine Geschmack des Wassers
mit Salz vermischt ist. Die Anziehungskraft des Wassers
beruht auf der Reinheit seines Geschmacks, und dieser
reine Geschmack ist eine der Energien des Herrn. Der
Unpersönlichkeitsanhänger nimmt die Gegenwart des
Herrn im Wasser durch den Geschmack des Wassers wahr,
und der Persönlichkeitsanhänger preist den Herrn, weil
dieser so gütig ist, für Wasser zu sorgen, um den Durst der
Menschen zu stillen. Das ist der Weg, den Höchsten
wahrzunehmen. Eigentlich gibt es zwischen der
Persönlichkeitslehre und der Unpersönlichkeitslehre keinen
Widerstreit. Wer Gott kennt, weiß, dass die unpersönliche
und die persönliche Auffassung gleichzeitig in allem
gegenwärtig sind und dass es dabei keinen Widerspruch
gibt. Deshalb stellte Sri Krsna Caitanya Seine erhabene
Lehre auf: acintya-bheda und abheda-tattvam -
gleichzeitig eins und verschieden.
Das Licht der Sonne und des Mondes geht ursprünglich
ebenfalls vom brahmajyoti, der unpersönlichen
Ausstrahlung des Herrn, aus. Auch pranava oder der
transzendentale Klang omkara, der am Anfang jeder
vedischen Hymne benutzt wird, um den Höchsten Herrn
anzurufen, geht von Ihm aus. Weil die
Unpersönlichkeitsanhänger große Angst haben, den
Höchsten Herrn Krsna bei Seinen unzähligen Namen
anzurufen, ziehen sie es vor, den transzendentalen Klang
omkara zu vibrieren. Aber sie begreifen nicht, dass omkara
die Klangrepräsentation Krsnas ist. Der Bereich des
Krsna-Bewusstseins erstreckt sich überallhin, und wer das
Krsna-Bewusstsein kennt, ist gesegnet. Diejenigen, die
Krsna nicht kennen, befinden sich in Illusion; folglich
bedeutet Wissen von Krsna Befreiung und Unkenntnis von
Ihm Knechtschaft.

VERS 9
Ich bin der ursprüngliche Duft der Erde, und Ich bin
die Hitze im Feuer. Ich bin das Leben alles Lebendigen,
und Ich bin die Entsagung aller Asketen.
ERLÄUTERUNG
Punya bedeutet das, was nicht zersetzt ist - punya
bedeutet ursprünglich. Alles in der materiellen Welt hat
einen bestimmten Geruch oder Duft, wie zum Beispiel der
Wohlgeruch und Duft einer Blume oder der Duft in der
Erde, im Wasser, im Feuer oder in der Luft. Der
unverunreinigte Duft, der ursprüngliche Duft, der alles
durchdringt, ist Krsna. In ähnlicher Weise hat auch alles
einen bestimmten ursprünglichen Geschmack, und dieser
Geschmack kann durch die Vermischung mit chemischen
Stoffen verändert werden. Alles Ursprüngliche hat also
einen bestimmten Geruch, einen bestimmten Duft und
einen bestimmten Geschmack. Vibhava bedeutet Feuer.
Ohne Feuer können wir keine Fabriken unterhalten, können
wir nicht kochen usw., und dieses Feuer ist Krsna. Die
Hitze im Feuer ist Krsna. Dem vedischen Wissen von
Medizin zufolge haben Verdauungsstörungen ihre Ursache
in einer zu niedrigen Temperatur im Magen. Selbst für die
Verdauung ist also Feuer notwendig. Im Krsna-Bewusstsein
werden wir uns Bewusst, dass Erde, Wasser, Feuer, Luft und
jedes aktive Prinzip, alle chemischen Stoffe und alle
materiellen Elemente ihren Ursprung in Krsna haben. Auch
die Lebensdauer eines Menschen hängt von Krsna ab.
Durch die Gnade Krsnas kann deshalb ein Mensch sein
Leben verlängern oder verkürzen. Krsna-Bewusstsein ist
also in jedem Bereich aktiv.

VERS 10
O Sohn Prthas, wisse, dass Ich der ursprüngliche Same
aller Lebewesen, die Intelligenz der Intelligenten und
die Macht aller mächtigen Menschen bin.
ERLÄUTERUNG
BÖjam bedeutet "Same", und Krsna ist der Same aller
Dinge. In Berührung mit der materiellen Natur keimt der
Same zu verschiedenartigen sich bewegenden und sich
nicht bewegenden Lebewesen. Vögel, Säugetiere,
Menschen und viele andere Geschöpfe sind Lebewesen, die
sich bewegen; Bäume und Pßanzen hingegen sind
unbeweglich. Jedes Lebewesen ist im Spektrum der 8 400
000 Lebensarten enthalten, von denen einige sich bewegen
und andere sich nicht bewegen. In allen Fällen aber ist
Krsna der Same ihres Lebens. Wie es in der vedischen
Literatur heißt, ist das Brahman oder die Höchste Absolute
Wahrheit das, von dem alles ausgeht. Krsna ist
Parabrahman, das Höchste Spirituelle Wesen. Brahman ist
unpersönlich, und Parabrahman ist persönlich. Das
unpersönliche Brahman ist im persönlichen Aspekt
enthalten - dies wird in der Bhagavad-Gita erklärt. Daher
ist ursprünglich Krsna die Quelle allen Seins. Er ist die
Wurzel. Wie die Wurzel eines Baumes den ganzen Baum
versorgt, so erhält Krsna, als die ursprüngliche Wurzel alles
Existierenden alles in dieser materiellen Manifestation.
Dies wird ebenfalls in der vedischen Literatur bestätigt:
yato va imani bhutani jayante. "Die Höchste Absolute
Wahrheit ist das, von dem alles geboren ist." Er ist der
höchste Ewige unter allen Ewigen. Er ist das höchste
Lebewesen unter allen Lebewesen, und Er allein erhält alles
Leben. Krsna sagt auch, dass Er die Wurzel aller Intelligenz
ist. Wenn ein Mensch nicht intelligent ist, kann er die
Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, nicht verstehen.

VERS 11
Ich bin die Stärke der Starken, frei von Leidenschaft
und Verlangen, und Ich bin die Sexualität, die nicht im
Widerspruch zu den religiösen Prinzipien steht, o Herr
der Bharatas [Arjuna].
ERLÄUTERUNG
Die Stärke eines starken Mannes sollte angewandt werden,
um die Schwachen zu beschützen, und nicht, um andere
anzugreifen. In ähnlicher Weise sollte Sexualität in
Übereinstimmung mit den religiösen Prinzipien (dharma)
benutzt werden, um Kinder zu zeugen, sonst nicht. Die
Verantwortung der Eltern liegt darin, ihre Kinder
Krsna-Bewusst zu erziehen.

VERS 12
Alle Daseinsstufen - seien sie in Tugend, Leidenschaft
oder Unwissenheit - sind von Meiner Energie
manifestiert. In einem gewissen Sinne bin Ich alles -
doch bin Ich unabhängig. Ich stehe nicht unter dem
Einfluss der Erscheinungsweisen der materiellen Natur.
ERLÄUTERUNG
Alle materiellen Tätigkeiten in der Welt werden unter dem
Einfluss der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
ausgeführt. Obwohl diese materiellen Erscheinungsweisen
der Natur vom Höchsten Herrn, Krsna, ausgehen, ist Er
ihnen nicht unterworfen. Ein Bürger beispielsweise kann
durch die Gesetze des Staates bestraft werden, doch der
König, der Gesetzgeber, ist diesen Gesetzen nicht
unterworfen. In ähnlicher Weise sind alle


Erscheinungsweisen der materiellen Natur - Tugend,
Leidenschaft und Unwissenheit - Emanationen vom
Höchsten Herrn, Krsna, doch Krsna ist der materiellen
Natur nicht unterworfen. Deshalb ist Er nirguna, was
bedeutet, dass die gunas oder Erscheinungsweisen Ihn nicht
beeinßussen, obwohl sie aus Ihm hervorgehen. Das ist
eines der besonderen Kennzeichen Bhagavans, der
Höchsten Persönlichkeit Gottes.

VERS 13
Getäuscht von den drei Erscheinungsweisen [Tugend,
Leidenschaft und Unwissenheit] kennt die gesamte Welt
Mich nicht, der Ich über den Erscheinungsweisen stehe
und unerschöpflich bin.
ERLÄUTERUNG
Die ganze Welt ist von den drei Erscheinungsweisen der
materiellen Natur betört. Diejenigen, die von diesen drei
Erscheinungsweisen verwirrt sind, können nicht verstehen,
dass in transzendentaler Stellung zu dieser materiellen Natur
der Höchste Herr, Krsna, steht. In der materiellen Welt
steht jeder unter dem Einfluss dieser drei gunas und ist
daher verwirrt.
Von Natur aus haben die Lebewesen bestimmte


Körperformen und führen dementsprechend bestimmte
psychische und biologische Tätigkeiten aus. Es gibt vier
Klassen von Menschen, die in den drei materiellen
Erscheinungsweisen der Natur handeln. Diejenigen, die
sich völlig in der Erscheinungsweise der Tugend befinden,
werden brahmanas genannt. Diejenigen, die sich völlig in
der Erscheinungsweise der Leidenschaft befinden, werden
ksatriyas genannt. Diejenigen, die sich in den vermischten
Erscheinungsweisen von Leidenschaft und Unwissenheit
befinden, werden als vaisyas bezeichnet, und diejenigen,
die sich völlig in Unwissenheit befinden, heißen sudras.
Solche, die auf einer noch tieferen Stufe stehen, sind Tiere,
das heißt, sie führen ein tierisches Leben. Diese
Bezeichnungen sind jedoch nicht bleibend. Ich mag ein
brahmana, ksatriya, vaisya oder was auch immer sein - in
jedem Fall ist dieses Leben zeitweilig. Aber obwohl das
Leben zeitweilig ist und wir nicht wissen, was wir im
nächsten Leben sein werden, sehen wir uns doch, durch den
Zauber der illusionierenden Energie, im Licht der
körperlichen Lebensauffassung und glauben daher,
Amerikaner, Inder, Russe oder brahmana, Hindu oder
Moslem zu sein. Und wenn wir in die Erscheinungsweisen
der materiellen Natur verstrickt werden, vergessen wir die
Höchste Persönlichkeit Gottes, die hinter all diesen Erscheinungsweisen
steht. Daher sagt Sri Krsna, dass
Menschen, die von diesen Erscheinungsweisen der Natur
getäuscht sind, nicht verstehen, dass Sich hinter der materiellen
Fassade der Höchste Gott befindet.
Es gibt viele verschiedene Arten von Lebewesen -
Menschen, Halbgötter, Tiere usw. -, und jedes einzelne von
ihnen steht unter dem Einfluss der materiellen Natur, und
sie alle haben die transzendentale Persönlichkeit Gottes
vergessen. Diejenigen, die sich in den Erscheinungsweisen
der Leidenschaft und Unwissenheit, und selbst diejenigen,
die sich in der Erscheinungsweise der Tugend befinden,
können nicht über die unpersönliche Brahman-Auffassung
von der Absoluten Wahrheit hinausgelangen. Sie sind vom
persönlichen Aspekt des Höchsten Herrn verwirrt, der alle
Schönheit, allen Reichtum, alles Wissen, alle Stärke, allen
Ruhm und alle Entsagung besitzt. Wenn Ihn selbst
diejenigen nicht verstehen, die sich in Tugend befinden,
welche Hoffnung besteht dann für solche, die in
Leidenschaft und Unwissenheit sind? Krsna-Bewusstsein ist
transzendental zu all diesen drei Erscheinungsweisen der
materiellen Natur, und diejenigen, die wahrhaft im
Krsna-Bewusstsein verankert sind, sind im Grunde befreit.

VERS 14
Diese Meine göttliche Energie, die aus den drei
Erscheinungsweisen der materiellen Natur besteht, ist
sehr schwer zu überwinden. Aber diejenigen, die Mir
ergeben sind, können sie sehr leicht hinter sich lassen.
ERLÄUTERUNG
Die Höchste Persönlichkeit Gottes hat unzählige Energien,
und all diese Energien sind göttlich. Obwohl die
Lebewesen Teile der Energien des Herrn und daher göttlich
sind, ist ihre ursprüngliche, höhere Kraft durch Berührung
mit der materiellen Energie bedeckt. So von der materiellen
Energie bedeckt, kann man unmöglich ihren Einfluss
überwinden. Wie schon zuvor erklärt wurde, sind sowohl
die materielle als auch die spirituelle Natur ewig, weil sie
von der Höchsten Persönlichkeit Gottes ausgehen. Die
Lebewesen gehören zur ewigen, höheren Natur des Herrn,
aber weil sie durch die niedere Natur, die Materie,
verunreinigt sind, ist ihre Illusion ebenfalls ewig. Die
bedingte Seele wird deshalb als nitya-baddha oder ewig
bedingt bezeichnet. Niemand kann zurückverfolgen, zu
welchem Zeitpunkt in der materiellen Geschichte sie
bedingt wurde. Folglich ist es für sie sehr schwer, der
Gewalt der materiellen Natur zu entkommen - obwohl
diese materielle Natur eine niedere Energie ist -, denn die
materielle Energie wird letztlich vom höchsten Willen
gelenkt, den das Lebewesen nicht überwinden kann. Die
niedere materielle Natur wird hier als göttliche Natur
definiert, weil sie mit dem Göttlichen verbunden ist und
vom göttlichen Willen bewegt wird. Vom göttlichen Willen
gelenkt, wirkt die materielle Natur, obwohl untergeordnet,
beim Aufbau und bei der Zerstörung der kosmischen
Manifestation auf so wunderbare Weise. Die Veden
bestätigen dies wie folgt:
"Obwohl maya [Illusion] falsch oder zeitweilig ist, ist der
Hintergrund mayas der höchste Magier, die Persönlichkeit
Gottes, welcher Mahesvara oder der höchste Herrscher
genannt wird."
Eine andere Bedeutung von guna ist "Seil". Es heißt, dass
die bedingte Seele von den Stricken der Illusion straff
gefesselt ist. Ein Mensch, der an Händen und Füßen gefesselt
ist, kann sich nicht selbst befreien, sondern muss von
jemand Hilfe bekommen, der nicht gefesselt ist. Weil ein
Gefesselter einem anderen Gefesselten nicht helfen kann,
muss der Retter befreit sein. Daher kann allein Sri Krsna
oder Sein echter Stellvertreter, der spirituelle Meister, die
bedingte Seele befreien. Ohne solche höhere Hilfe kann
man nicht aus der Gefangenschaft der materiellen Natur
befreit werden. Hingebungsvoller Dienst oder
Krsna-Bewusstsein kann einem helfen, diese Befreiung zu
erlangen. Da Krsna der Herr der illusionierenden Energie
ist, kann Er dieser unüberwindlichen Energie befehlen, die
bedingte Seele freizulassen. Er befiehlt diese Freilassung
aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit gegenüber der
ergebenen Seele und aus Seiner väterlichen Zuneigung zu
dem Lebewesen, das ursprünglich ein geliebter Sohn des
Herrn ist. Sich den Lotosfüßen des Herrn zu ergeben ist
daher das einzige Mittel, aus der Gewalt der strengen
materiellen Natur frei zu werden.
Die Worte mam eva sind ebenfalls von Bedeutung. Mam
bedeutet "allein zu Krsna (Visnu)", und nicht zu Brahma
oder Siva. Obwohl Brahma und Siva auf einer sehr hohen
Stufe stehen und sich fast auf der gleichen Ebene wie Visnu
befinden, ist es für diese Inkarnationen von rajo-guna
(Leidenschaft) und tamo-guna (Unwissenheit) nicht
möglich, die bedingte Seele aus der Gewalt mayas zu
befreien. Mit anderen Worten: Auch Brahma und Siva sind
dem Einfluss mayas unterworfen. Allein Visnu ist Herr über
maya; deshalb kann nur Er die bedingte Seele befreien. Die
Veden bestätigen dies mit dem Satz:
"Freiheit ist nur möglich, wenn man Krsna versteht." Selbst
Siva bestätigt, dass Befreiung nur durch die Barmherzigkeit
Visnus erreicht werden kann. Siva sagt:
"Es besteht kein Zweifel darüber, dass Visnu es ist, der
jedem Befreiung gewährt."

VERS 15
Jene Schurken, die abgestumpft und dumm, die die
Niedrigsten der Menschheit sind, deren Wissen von
Illusion gestohlen ist und die das atheistische Wesen von
Dämonen haben, ergeben sich Mir nicht.
ERLÄUTERUNG
In der Bhagavad-Gita wird gesagt, dass man die strengen
Gesetze der materiellen Natur überwinden kann, wenn man
sich einfach den Lotosfüßen der Höchsten Persönlichkeit,
Krsna, ergibt. An diesem Punkt stellt sich folgende Frage:
Wie ist es möglich, dass gebildete Philosophen,
Wissenschaftler, Geschäftsleute, Politiker und all die
Führer der gewöhnlichen Menschen sich den Lotosfüßen
Sri Krsnas, der allmächtigen Persönlichkeit Gottes, nicht
ergeben? Die Führer der Menschheit suchen schon seit
langer Zeit auf verschiedenen Wegen und mit großen
Plänen und großer Ausdauer nach mukti oder Befreiung
von den Gesetzen der materiellen Natur: doch wenn diese
Befreiung möglich ist, indem man sich einfach den
Lotosfüßen der Höchsten Persönlichkeit Gottes ergibt,
warum nehmen dann diese intelligenten und hart
arbeitenden Führer diese einfache Methode nicht an?
Die Gita beantwortet diese Frage sehr offen. Die wirklich
gelehrten Führer der Gesellschaft, wie Brahma, Siva,
Kapila, die Kumaras, Manu, Vyasa, Devala, Asita, Janaka,
Prahlada, Bali und später Madhvacarya, Ramanujacarya,
Sri Caitanya und viele andere - die gläubige Philosophen,
Politiker, Erzieher, Wissenschaftler usw. sind -, ergeben
sich den Lotosfüßen der Höchsten Person, der allmächtigen
Autorität. Diejenigen aber, die nicht wirklich Philosophen,
Wissenschaftler, Erzieher, Politiker usw. sind, sondern sich
nur als solche ausgeben, um materielle Vorteile zu erlangen,
erkennen den Plan oder Pfad des Höchsten Herrn
nicht an. Sie haben keine Vorstellung von Gott; sie
fabrizieren nur ihre eigenen weltlichen Pläne und machen
daher die Probleme des materiellen Daseins mit ihren
vergeblichen Versuchen, sie zu lösen, nur noch
komplizierter. Weil die materielle Energie (die Natur) sehr
mächtig ist, kann sie den unautorisierten Plänen der
Atheisten widerstehen und das Wissen sogenannter
Planungskommissionen nutzlos werden lassen.
Die atheistischen Plänemacher werden hier mit dem Wort
duskrtina oder (Schurken) bezeichnet. Krtina bedeutet
"jemand, der verdienstvolle Arbeit geleistet hat". Der
atheistische Plänemacher ist manchmal sehr intelligent und
verdient Anerkennung, denn jeder gigantische Plan, ob gut
oder schlecht, erfordert Intelligenz, um ausgeführt zu
werden. Weil aber das Gehirn des Atheisten falsch benutzt
wird - nämlich um dem Plan des Höchsten Herrn
entgegenzuwirken -, wird der atheistische Plänemacher
duskrtina genannt, was darauf hindeutet, dass seine
Intelligenz und seine Anstrengungen in die falsche
Richtung gelenkt sind.
In der Gita wird klar erwähnt, dass die materielle Energie
ganz nach der Weisung des Höchsten Herrn arbeitet. Sie hat
keine unabhängige Autorität. Sie wirkt so, wie sich ein
Schatten bewegt - in Übereinstimmung mit den
Bewegungen eines Gegenstandes. Nichtsdestoweniger ist
die materielle Energie sehr mächtig, und aufgrund seines


gottlosen Charakters kann der Atheist weder wissen, wie sie
arbeitet, noch kann er den Plan des Höchsten Herrn kennen.
Unter dem Einfluss von Illusion und den
Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit
werden all seine Pläne vereitelt, wie es bei Hiranyakasipu
und Ravana der Fall war, deren Pläne zu Staub zerschlagen
wurden, obwohl beide als Wissenschaftler, Philosophen,
Politiker und Erzieher in materieller Hinsicht sehr gelehrt
waren. Es gibt vier Arten von duskrtinas oder Schurken, die
wie folgt beschrieben werden:
(1) Die mudhas sind diejenigen, die abgestumpft und
dumm sind wie schwer arbeitende Lasttiere. Sie wollen die
Früchte ihrer Arbeit selbst genießen und daher mit dem
Höchsten nicht teilen. Das typische Beispiel eines Lasttieres
ist der Esel. Dieses anspruchslose Tier wird von seinem
Herrn angetrieben, sehr schwer zu arbeiten. Der Esel weiß
eigentlich nicht, für wen er Tag und Nacht so schwer
arbeitet. Er ist zufrieden, wenn er seinen Magen mit einem
Büschel Gras füllen kann, wenn er eine Weile schlafen
kann - wobei er befürchten muss, von seinem Herrn
geschlagen zu werden - und wenn er seine sexuellen
Gelüste befriedigen kann, mit dem Risiko, vom anderen
Geschlecht wiederholt getreten zu werden. Der Esel singt
auch manchmal Poesie und Philosophie, doch dieses Iahen
stört andere nur. Das ist die Lage des dummen
fruchtbringenden Arbeiters, der nicht weiß, für wen er
arbeiten soll. Er weiß nicht, dass karma (Handlung) für
yajna (Opfer) bestimmt ist.
Sehr oft sagen diejenigen, die Tag und Nacht sehr schwer
arbeiten, um die Last selbstgeschaffener Pflichten zu
erleichtern, sie hätten keine Zeit, über die Unsterblichkeit
des Lebewesens zu hören. Für solche mudhas sind
materielle Gewinne, die vergänglich sind, das ein und alles
ihres Lebens, obwohl die mudhas nur einen sehr geringen
Teil der Früchte ihrer Arbeit genießen. Manchmal
verbringen sie schlaflose Tage und Nächte für
fruchttragenden Gewinn, und obwohl sie an
Magengeschwüren oder Verdauungsstörungen leiden, sind
sie praktisch mit keiner Nahrung zufrieden; sie sind einfach
darin vertieft, zum Nutzen illusorischer Meister Tag und
Nacht schwer zu arbeiten. Weil sie ihren wirklichen Meister
nicht kennen, verschwenden die törichten Arbeiter ihre
kostbare Zeit damit, dem Mammon zu dienen. Unglückseligerweise
ergeben sie sich weder dem höchsten Meister
noch nehmen sie sich Zeit, aus den richtigen Quellen von
Ihm zu hören. Das Schwein, das Abfall frisst, kümmert sich
nicht um Süßigkeiten aus Zucker und Ghee (Butterfett). In
ähnlicher Weise werden die dummen Arbeiter fortfahren,
unermüdlich von den sinnengenußreichen Neuigkeiten der
flackernden weltlichen Kraft zu hören, die die materielle
Welt bewegt.
(2) Eine andere Art des duskrtina oder Schurken wird
naradhama oder "Niedrigster der Menschheit" genannt.
Nara bedeutet "Mensch", und adhama bedeutet "der
Niedrigste". Unter den 8 400 000 Lebensformen gibt es
400000 menschliche Arten. Unter diesen gibt es zahlreiche
niedere Formen menschlichen Lebens, die größtenteils
unzivilisiert sind. Zu den zivilisierten Menschen zählen
diejenigen, die in ihrem sozialen, politischen und religiösen
Leben regulierenden Prinzipien folgen. Diejenigen, die
zwar sozial und politisch entwickelt sind, aber keinen
religiösen Prinzipien folgen, müssen als naradhamas
angesehen werden. Auch ist Religion ohne Gott keine
Religion, denn der Sinn religiöser Prinzipien liegt darin, die
Höchste Wahrheit und die Beziehung des Menschen zu Ihr
zu erkennen. In der Gita erklärt die Persönlichkeit Gottes
unmissverständlich, dass es keine Autorität über Ihr gibt und
dass Sie die Höchste Wahrheit ist. Die zivilisierte Form des
menschlichen Lebens ist dafür bestimmt, dass der Mensch
das verlorene Bewusstsein seiner ewigen Beziehung zur
Höchsten Wahrheit, der allmächtigen Persönlichkeit Gottes,
Sri Krsna, wiederbelebt. Jeder, der diese Gelegenheit
unbeachtet lässt, wird als naradhama eingestuft. Wir
erfahren aus offenbarten Schriften, dass das Kind im
Mutterleib (eine äußerst unbequeme Lage) zu Gott um
Befreiung betet und dass es verspricht, Ihn allein zu
verehren, sobald es herauskommt. Zu Gott zu beten, wenn
man sich in Schwierigkeiten befindet, ist ein natürlicher
Instinkt in jedem Lebewesen, denn es ist ewig mit Gott
verbunden. Aber weil das Kind von maya, der
illusionierenden Energie, beeinflusst wird, vergisst es nach
seiner Befreiung sowohl die Schwierigkeiten der Geburt als
auch seinen Befreier.
Es ist die Pflicht derjenigen, die das Sorgerecht für Kinder
besitzen, das göttliche Bewusstsein, das in ihnen
schlummert, wiederzubeleben. In der Manu-smrti, der
Anleitung für religiöse Prinzipien, werden zehn
Läuterungszeremonien vorgeschrieben, die dafür bestimmt
sind, in der Einrichtung des varnasrama das GottesBewusstsein
wiederzubeleben. Heutzutage wird jedoch
keiner dieser Vorgänge in irgendeinem Teil der Welt streng
befolgt, und deshalb sind 99,9 Prozent der Bevölkerung
naradhamas.
Wenn die gesamte Bevölkerung zu naradhamas wird, wird
natürlicherweise ihre gesamte sogenannte Bildung durch
die allmächtige Energie der materiellen Natur zunichte
gemacht. Nach den Maßstäben der Gita gilt ein Mensch als
gelehrt, wenn in seinen Augen ein gelehrter brahmana, ein
Hund, eine Kuh, ein Elefant und ein Hundeesser gleich
sind. Dies ist die Sicht eines wahren Gottgeweihten. Sri
Nityananda Prabhu, der die Inkarnation Gottes als
göttlicher Meister ist, befreite zwei typische naradhamas,
die Brüder Jagai und Madhai, und zeigte so, wie die
Barmherzigkeit eines wahren Gottgeweihten den
niedrigsten Menschen zuteil wird. Ein naradhama, der von
der Persönlichkeit Gottes verdammt ist, kann also nur durch
die Barmherzigkeit eines Gottgeweihten sein spirituelles
Bewusstsein wiederbeleben.
Sri Caitanya Mahaprabhu, der den bhagavata-dharma oder
die Taten der Gottgeweihten verkündete, hat den Menschen
empfohlen, in ergebener Haltung die Botschaft der
Persönlichkeit Gottes zu hören. Die Essenz dieser Botschaft
ist die Bhagavad-Gita. Die Niedrigsten unter den Menschen
können nur durch solch ergebenes Hören befreit werden,
aber unglücklicherweise weigern sie sich sogar, diesen
Botschaften auch nur zuzuhören, geschweige denn, sich
dem Höchsten Herrn zu unterwerfen. Naradhamas oder die
Niedrigsten der Menschheit vernachlässigen die erste
Pflicht des Menschen völlig.
(3) Die nächste Klasse von duskrtina nennt man
mayayapahrta-jnana oder diejenigen, deren umfassendes
Wissen durch den Einfluss der illusionierenden materiellen
Energie zunichte gemacht worden ist. Die meisten von
ihnen sind sehr gelehrt - große Philosophen, Dichter,
Literaten, Wissenschaftler usw. -, doch die illusionierende
Energie führt sie in die Irre, und daher gehorchen sie dem
Höchsten Herrn nicht.
Heutzutage gibt es sogar unter den Gelehrten der Gita eine
große Anzahl mayayapahrta-jnanas. In der Gita wird mit
einfachen und verständlichen Worten erklärt, dass Sri Krsna
die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Es gibt niemanden,
der Ihm gleichkommt oder größer ist als Er. Er wird als der
Vater Brahmas, des ursprünglichen Vaters aller Lebewesen,
bezeichnet. Ja, Sri Krsna gilt nicht nur als der Vater
Brahmas, sondern auch als der Vater aller Lebensformen.
Er ist die Wurzel des unpersönlichen Brahman und des
Paramatma. Die Überseele in jedem Lebewesen ist Sein
vollständiger Teil. Er ist der Urquell allen Seins, und jedem
wird geraten, sich Seinen Lotosfüßen zu ergeben. Trotz all
dieser deutlichen Aussagen verspotten die
mayayapahrta-jnanas die Persönlichkeit des Höchsten
Herrn und halten Ihn lediglich für einen gewöhnlichen
Menschen. Sie wissen nicht, dass die gesegnete Form des
menschlichen Lebens nach der ewigen und
transzendentalen Gestalt des Höchsten Herrn entworfen ist.
Alle unautorisierten Interpretationen der Gita seitens der
mayayapahrta-jnanas, außerhalb des parampara-Systems,
bilden nur Hindernisse auf dem Pfad spirituellen
Verstehens. Weder ergeben sich diese verblendeten
Interpreten den Lotosfüßen Sri Krsnas, noch lehren sie
andere, diesem Prinzip zu folgen.
(4) Die letzte Klasse von duskrtina wird als asuram
bhavam asrita bezeichnet; es sind diejenigen, die
dämonischen Prinzipien folgen. Diese Gruppe ist unverhüllt
atheistisch. Einige von ihnen argumentieren, der Höchste
Herr könne niemals in die materielle Welt herabsteigen,
doch sind sie nicht imstande, irgendwelche stichhaltigen
Gründe dafür anzugeben, warum dies nicht möglich sein
soll. Es gibt andere, die Ihn dem unpersönlichen Aspekt
unterordnen, obwohl in der Gita das Gegenteil erklärt wird.
Da der Atheist die Höchste Persönlichkeit Gottes beneidet,
wird er eine Anzahl von unzulässigen Inkarnationen
präsentieren, die er in der Fabrik seines Gehirns produziert
hat. Solche Menschen, deren Lebensprinzip es ist, die
Persönlichkeit Gottes herabzuwürdigen, können sich den
Lotosfüßen Sri Krsnas nicht ergeben.
Sri Yamunacarya Albandru aus Südindien sagte: "O mein
Herr! Du bist von Menschen mit atheistischen Prinzipien
nicht zu erkennen - trotz Deiner ungewöhnlichen
Eigenschaften, Merkmale und Taten, trotz Deiner
Persönlichkeit, die von allen offenbarten Schriften in der
Erscheinungsweise der Tugend bestätigt wird, und obwohl
Du von allen berühmten Autoritäten anerkannt wirst, die
für ihr tiefgründiges Wissen in der transzendentalen
Wissenschaft berühmt sind und die göttliche Eigenschaften
besitzen."
(l) Die abgestumpften und dummen Menschen, (2) die
Niedrigsten der Menschheit, (3) die irregeführten
Spekulanten und (4) die erklärten Atheisten ergeben sich
also, wie oben erwähnt wurde, trotz aller Ratschläge der
Schriften und Autoritäten niemals den Lotosfüßen der
Persönlichkeit Gottes.

VERS 16
O Bester unter den Bharatas [Arjuna], vier Arten
frommer Menschen dienen Mir in Hingabe - der
Notleidende, derjenige, der nach Reichtum begehrt, der
Neugierige und derjenige, der nach der Absoluten
Wahrheit sucht.
ERLÄUTERUNG
Im Gegensatz zu den Schurken folgen diese Menschen den
regulierenden Prinzipien der Schriften und werden daher
sukrtina genannt oder diejenigen, die den Regeln und
Regulierungen der Schriften und den Moral- und
Sozialgesetzen gehorchen und mehr oder weniger dem
Höchsten Herrn ergeben sind. Sie werden in vier Gruppen
unterteilt: diejenigen, die manchmal Not leiden; diejenigen,
die Geld brauchen; diejenigen, die manchmal Fragen
stellen, und diejenigen, die manchmal nach Wissen von der
Absoluten Wahrheit suchen. Diese Menschen kommen zum
Höchsten Herrn, um Ihm unter verschiedenen Bedingungen
hingebungsvollen Dienst zu leisten. Sie sind keine reinen
Gottgeweihten, weil sie im Austausch für hingebungsvollen
Dienst bestimmte Wünsche erfüllt haben wollen. Reiner
hingebungsvoller Dienst ist frei von Bestrebungen und
ohne den Wunsch nach materiellem Profit. Der
Bhakti-rasamrta-sindhu definiert reine Hingabe auf
folgende Weise:
"Man sollte dem Höchsten Herrn, Krsna, transzendentalen
liebevollen Dienst in einer wohlgesinnten Haltung
darbringen, ohne das Verlangen nach materiellem Profit
oder Gewinn durch fruchtbringende Tätigkeiten oder
philosophische Spekulation. Das wird reiner
hingebungsvoller Dienst genannt."
Wenn diese vier Arten von Menschen zum Höchsten Herrn
kommen, um Ihm hingebungsvollen Dienst darzubringen,
und durch das Zusammensein mit einem reinen
Gottgeweihten vollständig gereinigt sind, werden sie
ebenfalls zu reinen Gottgeweihten. Was die Schurken
betrifft, so ist hingebungsvoller Dienst für sie sehr
schwierig, weil ihr Leben selbstsüchtig, unreguliert und
ohne spirituelle Ziele ist. Aber sogar einige von ihnen
werden zu reinen Gottgeweihten, wenn sie zufällig mit
einem reinen Gottgeweihten zusammenkommen.
Diejenigen, die immer emsig fruchtbringenden Tätigkeiten
nachgehen, wenden sich an den Herrn, wenn sie in
materieller Not sind, kommen dann mit reinen
Gottgeweihten zusammen und werden in ihrer Not
Geweihte des Herrn. Solche, die einfach frustriert sind,
suchen ebenfalls manchmal reine Gottgeweihte auf und
werden wissbegierig, etwas über Gott zu erfahren. In
ähnlicher Weise wollen bisweilen die trockenen
Philosophen, wenn sie auf jedem Wissensgebiet frustriert
sind, über Gott lernen, und sie kommen zum Höchsten
Herrn, um hingebungsvollen Dienst zu leisten und
transzendieren so das unpersönliche Brahman und den
lokalisierten Paramatma und kommen durch die Gnade des
Höchsten Herrn oder Seines reinen Geweihten zur
persönlichen Auffassung von Gott. Wenn also die
Notleidenden, die Neugierigen, die nach Wissen Suchenden
und diejenigen, die in Geldnot sind, frei von allen
materiellen Wünschen sind und vollständig verstehen, dass
materielle Entlohnung nichts mit spiritueller
Vervollkommnung zu tun hat, werden sie zu reinen
Gottgeweihten. Solange die Gottgeweihten im
transzendentalen Dienst des Herrn solch eine gereinigte
Stufe nicht erreicht haben, sind sie durch fruchtbringende
Tatigkeiten beßeckt und suchen nach weltlichem Wissen
usw. Man muss daher all diese Dinge hinter sich lassen,
bevor man zur Stufe reinen hingebungsvollen Dienstes
kommen kann.

VERS 17
Von ihnen ist der Weise, der in völligem Wissen mit Mir
durch reinen hingebungsvollen Dienst vereinigt ist, der
beste; denn Ich bin ihm sehr lieb, und er ist Mir lieb.
ERLÄUTERUNG
Frei von allen Verunreinigungen durch materielle
Wünsche, können die Notleidenden, die Neugierigen, die
Mittellosen und die nach höchstem Wissen Suchenden alle
zu reinen Gottgeweihten werden. Doch nur wer von ihnen
im Wissen über die Absolute Wahrheit gründet und von
allen materiellen Wünschen frei ist, kann ein wirklich
reiner Geweihter des Herrn werden. Von diesen vier Arten
ist der Gottgeweihte, der über vollständiges Wissen verfügt
und gleichzeitig im hingebungsvollen Dienst tätig ist, der
beste, sagt der Herr. Wenn man nach Wissen forscht,
erkennt man, dass das Selbst vom materiellen Körper
verschieden ist, und wenn man weitere Fortschritte macht,
erlangt man Wissen über das unpersönliche Brahman und
den Paramatma. Wenn man völlig gereinigt ist, erkennt
man, dass man dem Wesen nach der ewige Diener Gottes
ist. Durch die Gemeinschaft mit reinen Gottgeweihten
werden also der Neugierige, der Notleidende, derjenige, der
nach materieller Verbesserung strebt, und derjenige, der
über Wissen verfügt, alle ebenfalls rein. Im Vorbereitungsstadium
aber ist derjenige, der volles Wissen vom
Höchsten Herrn hat und zugleich hingebungsvollen Dienst
ausführt, dem Herrn sehr lieb. Wer im reinen Wissen von
der Transzendenz der Höchsten Persönlichkeit Gottes
verankert ist, wird im hingebungsvollen Dienst so gut
beschützt, dass materielle Verunreinigungen ihn nicht
berühren können.

VERS 18
All diese Geweihten sind zweifellos große Seelen, doch
derjenige, der im Wissen über Mich gründet, weilt
Meines Erachtens wahrhaft in Mir. Weil er in Meinem
transzendentalen Dienst tätig ist, erreicht er Mich.
ERLÄUTERUNG
Es ist nicht so, dass andere Geweihte, die über weniger
Wissen verfügen, dem Herrn nicht lieb sind. Der Herr sagt,
dass sie alle großmütig sind, weil jeder, der aus irgendeinem
Grund zum Herrn kommt, als mahatma oder große Seele zu
bezeichnen ist. Die Gottgeweihten, die aus
hingebungsvollem Dienst einen Nutzen ziehen wollen,
werden vom Herrn akzeptiert, weil ein Austausch von
Zuneigung stattfindet. Aus Zuneigung bitten sie den Herrn
um einen materiellen Vorteil, und wenn sie ihn bekommen,
werden sie so zufrieden, dass sie auch im hingebungsvollen
Dienst Fortschritte machen. Der Gottgeweihte in völligem
Wissen aber ist dem Herrn sehr lieb, weil es sein einziges
Ziel ist, dem Höchsten Herrn mit Liebe und Hingabe zu
dienen. Solch ein Gottgeweihter kann nicht eine Sekunde
leben, ohne mit dem Höchsten Herrn verbunden zu sein
oder Ihm zu dienen. In ähnlicher Weise liebt auch der
Höchste Herr Seinen Geweihten sehr und kann von ihm
nicht getrennt sein.
Im Srimad-Bhagavatam (9.4.63) sagt der Herr:
"Die Gottgeweihten sind immer in Meinem Herzen, und Ich
bin immer im Herzen der Gottgeweihten. Der Gottgeweihte
kennt nichts außer Mir, und auch Ich kann den
Gottgeweihten nicht vergessen. Zwischen Mir und den
reinen Gottgeweihten besteht eine innige Beziehung. Reine
Gottgeweihte in völligem Wissen sind niemals ohne
spirituelle Verbindung, und daher sind sie Mir sehr lieb."

VERS 19
Wer nach vielen Geburten und Toden tatsächlich in
Wissen gründet, ergibt sich Mir, da er weiß, dass Ich die
Ursache aller Ursachen und dass Ich alles bin. Solch eine
große Seele ist sehr selten.
ERLÄUTERUNG
Während das Lebewesen nach vielen, vielen Geburten
hingebungsvollen Dienst oder transzendentale Rituale
ausführt, mag es in transzendentalem reinem Wissen
verankert werden und erkennen, dass die Höchste
Persönlichkeit Gottes das endgültige Ziel spiritueller
Erkenntnis ist. Zu Beginn spiritueller Erkenntnis, während
man versucht, seine Anhaftung an den Materialismus
aufzugeben, neigt man sehr leicht zur
Unpersönlichkeitslehre; doch wenn man weitere
Fortschritte macht, kann man verstehen, dass es im
spirituellen Leben Tätigkeiten gibt und dass diese Tätigkeiten
den hingebungsvollen Dienst ausmachen. Wenn man
dies erkennt, entwickelt man Anhaftung an die Höchste
Persönlichkeit Gottes und ergibt sich dem Herrn. Dann
kann man verstehen, dass Sri Krsnas Barmherzigkeit alles
ist, dass Er die Ursache aller Ursachen ist und dass die
materielle Manifestation nicht unabhängig von Ihm
existiert. Man erkennt, dass die materielle Welt eine
verzerrte Spiegelung der spirituellen Mannigfaltigkeit ist
und dass alles eine Beziehung zum Höchsten Herrn, Sri
Krsna, hat. Auf diese Weise sieht man alles in Beziehung
zu Vasudeva oder Sri Krsna. Solch eine universale Sicht
von Vasudeva beschleunigt unsere völlige Hingabe an den
Höchsten Herrn, Sri Krsna, als das höchste Ziel. Solche
ergebenen großen Seelen sind sehr selten.
Dieser Vers wird sehr schön im Dritten Kapitel der
Svetasvatara Upanisad erklärt: "In unserem Körper wirken
die Kräfte des Sprechens, des Sehens, des Hörens, mentaler
Tätigkeiten usw. Sie sind jedoch unbedeutend, wenn sie
nicht mit dem Höchsten Herrn verbunden sind. Und weil
Vasudeva alldurchdringend und alles Vasudeva ist, ergibt
sich der Gottgeweihte in vollem Wissen." (Vgl. Bg. 7.17
und 11.40)

VERS 20
Diejenigen, deren Geist durch materielle Wünsche
verzerrt ist, ergeben sich Halbgöttern und folgen, ihrem
eigenen Wesen entsprechend, bestimmten Regeln und
Vorschriften der Verehrung.
ERLÄUTERUNG
Diejenigen, die von allen materiellen Verunreinigungen
befreit sind, ergeben sich dem Höchsten Herrn und
beschäftigen sich in Seinem hingebungsvollen Dienst. So
lange die materielle Verunreinigung nicht vollständig
fortgewaschen ist, sind sie von Natur aus
Nichtgottgeweihte. Aber selbst diejenigen, die materielle
Wünsche haben und beim Höchsten Herrn Zuflucht suchen,
werden von der äußeren Natur nicht übermäßig angezogen,
und weil sie sich dem wahren Ziel nähern, werden sie bald
von aller materiellen Lust frei. Im Srimad-Bhagavatam
(2.3.10) wird empfohlen:
"Ganz gleich, ob man frei von allen materiellen Verlangen
ist, ob man voller materieller Verlangen ist, ob man nach
Befreiung von der materiellen Verunreinigung strebt oder
ob man ein reiner Gottgeweihter ist und kein Verlangen
nach Sinnenbefriedigung hat - in jedem Fall sollte man
sich Vasudeva ergeben und Ihn verehren."
Im Bhagavatam heißt es auch, dass weniger intelligente
Menschen, die ihr spirituelles Verständnis verloren haben,
bei Halbgöttern Zuflucht suchen, um sich ihre materiellen
Wünsche umgehend erfüllen zu lassen. Im allgemeinen
wenden sich solche Menschen nicht an die Höchste
Persönlichkeit Gottes, da sie sich in bestimmten
Erscheinungsweisen der Natur (Unwissenheit und
Leidenschaft) befinden und deshalb verschiedene


Halbgötter verehren. Indem sie den Regeln und
Vorschriften der Verehrung folgen, sind sie zufrieden. Die
Verehrer der Halbgötter sind von kleinen Wünschen
motiviert und wissen nicht, wie das höchste Ziel zu
erreichen ist; doch ein Geweihter des Höchsten Herrn läßt
sich nicht irreführen. Weil in den vedischen Schriften
empfohlen wird, für verschiedene Zwecke verschiedene
Götter zu verehren (zum Beispiel wird einem Kranken
empfohlen, die Sonne zu verehren), glauben diejenigen, die
keine Geweihten des Herrn sind, für bestimmte Zwecke
seien Halbgötter besser als der Höchste Herr. Ein reiner
Gottgeweihter jedoch weiß, dass der Höchste Herr, Krsna,
der Meister aller ist. Im Caitanya-caritamrta wird gesagt,
dass nur die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, Meister
ist und dass alle anderen Diener sind. Deshalb wendet sich
ein reiner Gottgeweihter niemals an die Halbgötter, um sich
seine materiellen Bedürfnisse erfüllen zu lassen. Er verlässt
sich auf den Höchsten Herrn und ist mit dem zufrieden, was
immer dieser ihm gibt.

VERS 21
Ich weile als Überseele im Herzen eines jeden. Sobald
jemand den Wunsch hat, die Halbgötter zu verehren,
festige Ich seinen Glauben, so dass er sich einer
bestimmten Gottheit hingeben kann.
ERLÄUTERUNG
Gott hat jedem Unabhängigkeit gegeben; wenn daher
jemand den Wunsch hat, materiellen Genuss zu erfahren,
und sich aufrichtig die Möglichkeiten hierzu von den
materiellen Halbgöttern wünscht, versteht dies der Höchste
Herr als Überseele im Herzen eines jeden und gewährt
solchen Menschen diese Möglichkeiten. Als der höchste
Vater aller Lebewesen mischt Er Sich nicht in ihre
Unabhängigkeit ein, sondern gibt alle Möglichkeiten, so
dass sie sich ihre materiellen Wünsche erfüllen können.
Manche mögen fragen, warum der allmächtige Gott den
Lebewesen die Gelegenheit gibt, die materielle Welt zu
genießen, und sie damit in die Falle der illusionierenden
Energie gehen läßt. Die Antwort lautet, dass unsere
Unabhängigkeit keine Bedeutung hätte, wenn der Höchste
Herr als Überseele diese Möglichkeiten nicht gäbe. Deshalb
gewährt Er jedem völlige Unabhängigkeit - was immer
man möchte - aber Seine endgültige Anweisung finden
wir in der Bhagavad-Gita: Der Mensch soll alle anderen
Beschäftigungen aufgeben und sich Ihm völlig ergeben.
Das wird die Menschen glücklich machen.
Sowohl das Lebewesen als auch die Halbgötter sind dem
Willen der Höchsten Persönlichkeit Gottes untergeordnet;
deshalb kann das Lebewesen einen Halbgott nicht aus
seinem eigenen Verlangen heraus verehren, noch kann ein
Halbgott irgendeine Segnung ohne den höchsten Willen
erteilen. Wie gesagt wird, kann sich nicht einmal ein
Grashalm ohne den Willen der Höchsten Persönlichkeit
Gottes bewegen. Wie in den vedischen Schriften empfohlen
wird, wenden sich Menschen, die in der materiellen Welt
Not leiden, im allgemeinen an die Halbgötter. Jemand, der
etwas Bestimmtes begehrt, kann den dafür zuständigen
Halbgott verehren. Einem Kranken zum Beispiel wird
empfohlen, den Sonnengott zu verehren; ein Mensch, der
gebildet sein möchte, kann die Göttin der Gelehrsamkeit,
Sarasvati, verehren, und jemand, der eine schöne Frau
begehrt, kann die Göttin Uma, die Gemahlin Sivas,
verehren. Auf diese Weise gibt es in den sastras (den
vedischen Schriften) Empfehlungen, wie man verschiedene
Halbgötter auf verschiedene Weise verehren kann. Und
weil ein bestimmtes Lebewesen eine bestimmte materielle
Annehmlichkeit genießen will, weckt der Herr in ihm ein
starkes Verlangen, diese Segnung von dem betreffenden
Halbgott zu erlangen, und so hat das Lebewesen Erfolg und
wird mit dem Gewünschten gesegnet. Der Höchste Herr
sorgt ebenfalls dafür, in welcher Haltung das Lebewesen
einen bestimmten Halbgott verehrt. Die Halbgötter können
die Lebewesen nicht mit einer solchen Neigung erfüllen,
aber weil Krsna der Höchste Herr oder die Überseele ist,
die im Herzen aller Lebewesen gegenwärtig ist, veranlasst
Er den Menschen, bestimmte Halbgötter zu verehren. Die
Halbgötter sind eigentlich verschiedene Teile des
universalen Körpers des Höchsten Herrn; deshalb haben sie
keine Unabhängigkeit. In der vedischen Literatur (Taittiriya
Upanisad, Erster Anuvaka) heißt es: "Die Höchste
Persönlichkeit Gottes ist als Überseele auch im Herzen des
Halbgottes gegenwärtig; daher sorgt Sie durch den Halbgott
dafür, dass der Wunsch des Lebewesens erfüllt wird. Aber
sowohl der Halbgott als auch das Lebewesen sind vom
höchsten Willen abhängig. Sie sind nicht unabhängig."

VERS 22
Mit solchem Glauben versehen, sucht er die Gunst eines
bestimmten Halbgottes, und seine Wünsche werden
erfüllt. Doch in Wirklichkeit werden diese Segnungen
von Mir allein erteilt.
ERLÄUTERUNG
Ohne die Einwilligung des Höchsten Herrn können die
Halbgötter ihren Geweihten keine Segnung gewähren. Das
Lebewesen mag vergessen, dass alles das Eigentum des
Höchsten Herrn ist, doch die Halbgötter vergessen dies
nicht. Die Verehrung der Halbgötter und das Erreichen der
gewünschten Ergebnisse hängen also nicht von den
Halbgöttern ab, sondern von den Vorkehrungen der
Höchsten Persönlichkeit Gottes. Das weniger intelligente
Lebewesen weiß dies nicht und wendet sich daher
törichterweise an die Halbgötter, um einen Vorteil zu
bekommen. Der reine Gottgeweihte aber betet nur zum
Höchsten Herrn, wenn er etwas braucht. Um materielle
Vorteile zu bitten ist jedoch nicht das Zeichen eines reinen
Gottgeweihten. Ein Lebewesen wendet sich gewöhnlich an
die Halbgötter, weil es verrückt danach ist, seine Lust zu
befriedigen. Dies geschieht, wenn sich das Lebewesen
etwas Ungebührliches wünscht und der Herr Selbst den
Wunsch nicht erfüllt. Im Caitanya-caritamrta heißt es, dass
jemand, der den Höchsten Herrn verehrt und gleichzeitig
nach materiellem Genuß trachtet, widersprüchliche
Wünsche hat. Hingebungsvoller Dienst für den Höchsten
Herrn und die Verehrung eines Halbgottes können sich
nicht auf der gleichen Ebene befinden, weil die Verehrung
eines Halbgottes materiell und hingebungsvoller Dienst für
den Höchsten Herrn völlig spirituell ist.
Für das Lebewesen, das den Wunsch hat, zu Gott
zurückzukehren, sind materielle Wünsche Hindernisse.
Einem reinen Geweihten des Herrn werden deshalb die
materiellen Vorteile nicht gewährt, die von weniger
intelligenten Lebewesen begehrt werden, welche es
vorziehen, lieber die Halbgötter der materiellen Welt zu
verehren, als sich im hingebungsvollen Dienst des
Höchsten Herrn zu beschäftigen.

VERS 23
Menschen mit geringer Intelligenz verehren die
Halbgötter, und ihre Früchte sind begrenzt und
vergänglich. Die Verehrer der Halbgötter gehen zu den
Planeten der Halbgötter, doch Meine Geweihten
erreichen letztlich Meinen höchsten Planeten.
ERLÄUTERUNG
Einige Kommentatoren der Gita sagen, dass jemand, der
einen Halbgott verehre, den Höchsten Herrn erreichen
könne, doch hier wird eindeutig gesagt, dass die Verehrer
der Halbgötter zu den verschiedenen Plantensystemen
gehen, auf denen verschiedene Halbgötter leben. Ein
Verehrer der Sonne erreicht zum Beispiel die Sonne, und
ein Verehrer des Mondgottes gelangt zum Mond. Wenn
jemand einen Halbgott wie Indra verehren will, so kann er
den Planeten dieses jeweiligen Gottes erreichen. Es ist nicht
so, dass jeder, egal welchen Halbgott er verehrt, die Höchste
Persönlichkeit Gottes erreichen wird. Das wird hier
verneint, denn es heißt klar, dass die Verehrer der
Halbgötter zu den verschiedenen Planeten der Halbgötter in
der materiellen Welt gelangen, dass aber der Geweihte des
Höchsten Herrn direkt den höchsten Planeten der
Persönlichkeit Gottes erreicht.
Man mag nun einwenden: Wenn die Halbgötter
verschiedene Teile des Körpers des Höchsten Herrn sind,
dann müßte man durch ihre Verehrung das gleiche Ziel
erreichen. Die Verehrer der Halbgötter sind jedoch weniger
intelligent, da sie nicht wissen, welchem Teil des Körpers
Nahrung zugeführt werden muss. Einige von ihnen sind so
verblendet, dass sie behaupten, man könne vielen
Körperteilen auf verschiedenen Wegen Nahrung zuführen.
Diese Ansicht ist nicht sehr vernünftig, denn kann jemand
seinem Körper durch die Augen oder Ohren Nahrung
zuführen? Sie wissen nicht, dass die Halbgötter
verschiedene Teile des universalen Körpers des Höchsten
Herrn sind, und so glauben sie in ihrer Unwissenheit, jeder
einzelne Halbgott sei ein gesonderter Gott und ein Rivale
des Höchsten Herrn.
Nicht nur die Halbgötter sind Teile des Höchsten Herrn,
sondern auch die gewöhnlichen Lebewesen. Im
Srimad-Bhagavatam heißt es, dass die brahmanas der Kopf
des Höchsten Herrn sind, die ksatriyas die Arme usw., und
dass sie alle verschiedene Funktionen haben. Wenn jemand
weiß, dass sowohl die Halbgötter als auch er selbst -
ungeachtet der verschiedenen Positionen - winzige
Bestandteile des Höchsten Herrn sind, ist sein Wissen
vollkommen. Wenn er dies jedoch nicht versteht, erreicht er
verschiedene Planeten, auf denen die Halbgötter wohnen.
Dies ist nicht der gleiche Bestimmungsort wie der, den der
Gottgeweihte erreicht.
Die Ergebnisse, die durch die Segnungen der Halbgötter
erreicht werden, sind vergänglich, weil in der materiellen
Welt die Planeten, die Halbgötter und ihre Verehrer alle
vergänglich sind. Deshalb wird in diesem Vers klar gesagt,
dass alle Ergebnisse der Halbgötterverehrung vergänglich
sind, und daher wird solche Verehrung nur von dem
weniger intelligenten Lebewesen betrieben. Weil der reine
Gottgeweihte, der im Krsna-Bewusstsein im
hingebungsvollen Dienst des Höchsten Herrn tätig ist, ein
ewiges glückseliges Dasein voller Wissen erreicht,
unterscheidet sich sein Erfolg vom Erfolg des
gewöhnlichen Verehrers der Halbgötter. Der Höchste Herr
ist unbegrenzt; Seine Gunst ist unbegrenzt, und Seine
Barmherzigkeit ist unbegrenzt. Deshalb ist die
Barmherzigkeit, die der Höchste Herr Seinen reinen
Geweihten gewährt, unbegrenzt.

VERS 24
Unintelligente Menschen, die Mich nicht kennen,
glauben, Ich hätte diese Gestalt und Persönlichkeit
angenommen. Weil sie nur über geringes Wissen
verfügen, kennen sie Mein höheres Wesen nicht, das
ohne Wandel und erhaben ist.
ERLÄUTERUNG
Diejenigen, die die Halbgötter verehren, sind als weniger
intelligente Menschen beschrieben worden, und hier wird
Ähnliches über die Unpersönlichkeitsanhänger gesagt. Sri
Krsna spricht hier zu Arjuna in Seiner persönlichen Gestalt,
und dennoch behaupten Unpersönlichkeitsanhänger in ihrer
Unwissenheit, der Höchste Herr habe letztlich keine Form.
Yamunacarya, ein großer Geweihter des Herrn in der
Schülernachfolge Ramanujacaryas, hat in in diesem
Zusammenhang zwei sehr treffende Verse geschrieben. Er
sagt: "Mein lieber Herr, Gottgeweihte wie Vyasadeva und
Narada wissen, dass Du die Persönlichkeit Gottes bist.
Wenn man verschiedene vedische Schriften versteht, kann
man dahin gelangen, Deine Merkmale, Deine Gestalt und
Deine Taten zu kennen, und so kann man verstehen, dass
Du die Höchste Persönlichkeit Gottes bist. Doch
diejenigen, die sich in den Erscheinungsweisen der
Leidenschaft und Unwissenheit befinden, die Dämonen, die
Nichtgottgeweihten, können Dich nicht verstehen. Sie sind
unfähig, Dich zu verstehen. Ganz gleich, wie kundig solche
Nichtgottgeweihten darin sein mögen, den Vedanta, die
Upanisaden und andere vedische Schriften zu diskutieren,
es ist ihnen nicht möglich, die Persönlichkeit Gottes zu
verstehen."
In der Brahma-samhita wird gesagt, dass die Persönlichkeit
Gottes nicht einfach durch das Studium der
Vedanta-Literatur verstanden werden kann. Nur durch die
Barmherzigkeit des Höchsten Herrn kann die Persönlichkeit
des Höchsten erkannt werden. Deshalb heißt es in diesem
Vers, dass nicht nur die Verehrer der Halbgötter weniger
intelligent sind, sondern auch die Nichtgottgeweihten, die
sich ohne die geringste Spur wahren Krsna-Bewusstseins
mit dem Vedanta befassen und über die vedische Literatur
spekulieren. Ihnen ist es auch nicht möglich, das
persönliche Wesen Gottes zu verstehen. Menschen, die
unter dem Eindruck stehen, die Absolute Wahrheit sei
unpersönlich, werden als asuras bezeichnet, womit jene
gemeint sind, die den endgültigen Aspekt der Absoluten
Wahrheit nicht kennen. Im Srimad-Bhagavatam wird
gesagt, dass die höchste Erkenntnis mit dem unpersönlichen
Brahman beginnt und dann zur lokalisierten Überseele
aufsteigt - doch der höchste Aspekt der Absoluten
Wahrheit ist die Persönlichkeit Gottes. Moderne Unpersönlichkeitsanhä
nger sind noch weniger intelligent, denn sie
folgen nicht einmal ihrem großen Vorgänger,
Sankaracarya, der besonders darauf hingewiesen hat, dass
Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Da
Unpersönlichkeitsanhänger die Höchste Wahrheit nicht
verstehen können, glauben sie folglich, Krsna sei nur der
Sohn Devakis und Vasudevas oder ein Prinz oder ein
mächtiges Lebewesen. Das wird ebenfalls in der
Bhagavad-Gita (9.11.) verurteilt: "Nur die Toren halten
Mich für einen gewöhnlichen Menschen." Tatsache ist, dass
niemand Krsna verstehen kann, ohne hingebungsvollen
Dienst zu leisten und Krsna-Bewusstsein zu entwickeln. Die
Gita bestätigt das.
Man kann Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, Seine
Gestalt, Seine Eigenschaften oder Seinen Namen nicht
durch gedankliche Spekulation oder Erörterung der
vedischen Literatur verstehen. Man muss Ihn durch
hingebungsvollen Dienst verstehen. Nur dann, wenn man
völlig im Krsna-Bewusstsein beschäftigt ist, das mit dem
Chanten des maha-mantra - Hare Krsna, Hare Krsna,
Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama
Rama, Hare Hare - beginnt, kann man die Höchste
Persönlichkeit Gottes verstehen. Nichtgottgeweihte
Unpersönlichkeitsphilosophen glauben, Krsna habe einen
von der materiellen Natur geschaffenen Körper und all
Seine Taten, Seine Gestalt und alles andere seien maya.
Diese Unpersönlichkeitsanhänger sind als MayavadÖs
bekannt. Sie kennen die endgültige Wahrheit nicht.
Im 20. Vers heißt es klar: "Diejenigen, die durch lustvolle
Wünsche verblendet sind, ergeben sich den verschiedenen
Halbgöttern." Es ist unbestritten, dass es neben der
Höchsten Persönlichkeit Gottes Halbgötter gibt, die ihre
verschiedenen Planeten haben (Bg. 7.23), und auch der
Herr hat einen Planeten. Es wird auch gesagt, dass die
Verehrer der Halbgötter zu den verschiedenen Planeten der
Halbgötter gelangen und dass die Geweihten Sri Krsnas den
Krsnaloka-Planeten erreichen. Obwohl dies klar gesagt
wird, halten die törichten Unpersönlichkeitsanhänger
immer noch an der Vorstellung fest, der Herr sei formlos
und Seine Formen seien Täuschungen. Geht aus dem
Studium der Gita etwa hervor, dass die Halbgötter und ihre
Aufenthaltsorte unpersönlich sind? Es ist klar, dass weder
die Halbgötter noch Krsna, die Höchste Persönlichkeit
Gottes, unpersönlich sind. Sie sind alle Personen; Sri Krsna
ist die Höchste Persönlichkeit Gottes; Er hat Seinen eigenen
Planeten, und auch die Halbgötter haben ihre Planeten.
Deshalb ist die monistische Behauptung, die endgültige
Wahrheit sei formlos und jede Form sei Einbildung, falsch.
Es wird hier eindeutig gesagt, dass sie keine Einbildung ist.
Aus der Gita können wir klar verstehen, dass die Formen
der Halbgötter und die Gestalt des Höchsten Herrn
gleichzeitig existieren und dass Sri Krsna sac-cid-ananda
oder ewiges, glückseliges Wissen ist. Die Veden bestätigen
ebenfalls, dass die Höchste Absolute Wahrheit anandamaya
oder voller glückseliger Freude ist und dass der Herr
abhyasat ist, das heißt von Natur aus das Behältnis
unbegrenzter glückspendender Eigenschaften. Und in der
Gita sagt der Herr, dass Er, obwohl Er aja (ungeboren) ist,
dennoch erscheint. Das sind die Tatsachen, die wir aus der
Gita verstehen sollten. Wir können nicht verstehen, wie die
Höchste Persönlichkeit Gottes unpersönlich sein kann; die
betrügerische Theorie der monistischen
Unpersönlichkeitsanhänger ist falsch, soweit es die
Aussagen der Gita betrifft. Es wird hier klar, dass die
Höchste Absolute Wahrheit, Sri Krsna, sowohl Gestalt als
auch Persönlichkeit hat.

VERS 25
Den Toren und Dummköpfen bin Ich niemals sichtbar.
Für sie bin Ich von Meiner ewigen schöpferischen
Energie [yoga-maya] verhüllt, und daher kennt die
verblendete Welt Mich nicht, der Ich ungeboren und
unfehlbar bin.
ERLÄUTERUNG
Man mag einwenden, wenn Krsna auf dieser Erde
gegenwärtig und allen Menschen sichtbar war, warum ist
Er dann nicht auch heute jedem sichtbar? In Wirklichkeit
aber war Er nicht jedem sichtbar. Als Krsna hier war, gab
es nur wenige Menschen, die Ihn als die Höchste
Persönlichkeit Gottes verstanden. Als sich Sisupala in der
Versammlung der Kurus dagegen aussprach, dass Krsna
zum Präsidenten der Versammlung gewählt wurde, stellte
sich Bhisma auf Krsnas Seite und erklärte, Er sei der
Höchste Gott. Auch die Pandavas und einige andere
wußten, dass Er der Höchste war, aber nicht jeder. Den
Nichtgottgeweihten und den gewöhnlichen Menschen
offenbarte Er sich nicht. Deshalb sagt Krsna in der Gita,
dass Ihn außer Seinen reinen Geweihten alle Menschen für
einen der ihren halten. Er war nur Seinen Geweihten als das
Behältnis aller Freude sichtbar. Für andere, für
unintelligente Nichtgottgeweihte, war Er von Seiner ewigen
Kraft bedeckt.
In den Gebeten Kuntis im Srimad-Bhagavatam (1.8.18)
heißt es, dass der Herr vom Vorhang der yoga-maya verhüllt
ist und dass Ihn deshalb gewöhnliche Menschen nicht
verstehen können. KuntÖ betet: "O mein Herr, Du bist der
Erhalter des gesamten Universums, und hingebungsvoller
Dienst für Dich ist das höchste religiöse Prinzip. Deshalb
bete ich, dass Du auch mich erhalten wirst. Deine
transzendentale Gestalt ist von yoga-maya bedeckt. Das
brahmajyoti ist die Verhüllung der inneren Kraft. Bitte
entferne gütigerweise diese leuchtende Ausstrahlung, die
mich daran hindert, Deine sac-cid-ananda-vigraha zu
sehen, Deine ewige Gestalt voll Glückseligkeit und
Wissen."
Dieser yoga-maya-Vorhang wird auch im Fünfzehnten
Kapitel der Gita erklärt. Der Herr, die Höchste
Persönlichkeit Gottes, wird in Seiner transzendentalen Gestalt
der Glückseligkeit und des Wissens durch die ewige
Kraft des brahmajyoti verhüllt, und die weniger
intelligenten Unpersönlichkeitsanhänger können den Höchsten
aus diesem Grunde nicht sehen. Im
Srimad-Bhagavatam (10.14.7) finden wir auch folgendes
Gebet Brahmas: "O Höchste Persönlichkeit Gottes, o
Überseele, o Meister aller Mysterien, wer kann Deine Kraft
und Deine Spiele in dieser Welt ermessen? Du weitest
Deine innere Energie ständig aus, und daher kann niemand
Dich verstehen. Gelehrte Wissenschaftler und große
Gelehrte können zwar die atomare Zusammensetzung der
materiellen Welt oder sogar die Planeten untersuchen, aber
sie sind unfähig, Deine Energie und Kraft zu ermessen,
obwohl Du vor ihnen stehen magst." Die Höchste
Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, ist nicht nur ungeboren,
sondern auch avyaya oder unerschöpflich. Seine Gestalt ist
Glückseligkeit und Wissen, und Seine Energien sind alle
unerschöpflich.
VERS 26
O Arjuna, als die Höchste Persönlichkeit Gottes weiß
Ich alles, was in der Vergangenheit war, was in der
Gegenwart geschieht und was sich in der Zukunft noch
ereignen wird. Ich kenne auch alle Lebewesen, doch
Mich kennt niemand.
ERLÄUTERUNG
Hier ist die Frage der Persönlichkeit oder Unpersönlichkeit
eindeutig geklärt. Wenn Krsna, die Gestalt der Höchsten
Persönlichkeit Gottes, maya oder materiell wäre, wie die
Unpersönlichkeitsanhänger meinen, dann würde Er, wie
das Lebewesen, Seinen Körper wechseln und alles aus
Seinem vergangenen Leben vergessen. Jedes Wesen mit
einem materiellen Körper kann sich an sein vergangenes
Leben nicht erinnern, noch kann es sein zukünftiges Leben
vorhersehen, noch kann es das Ergebnis seines
gegenwärtigen Lebens voraussagen; deshalb kann es nicht
wissen, was in der Vergangenheit geschah, was in der
Gegenwart geschieht und was in der Zukunft noch
geschehen wird. Solange man nicht von der materiellen
Verunreinigung frei ist, kann man Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft nicht kennen.
Anders als der gewöhnliche Mensch sagt Sri Krsna
eindeutig, dass Er alles weiß, was in der Vergangenheit
geschah, was in der Gegenwart geschieht und was in der
Zukunft noch geschehen wird. Im Vierten Kapitel haben
wir gesehen, dass Sri Krsna Sich daran erinnert, Vivasvan,
den Sonnengott, vor Millionen von Jahren unterwiesen zu
haben. Krsna kennt jedes Lebewesen, da Er im Herzen
jedes Lebewesens als die Höchste Seele weilt. Aber obwohl
Er in jedem Lebewesen als Überseele weilt und Er jenseits
des materiellen Himmels als die Höchste Persönlichkeit
Gottes gegenwärtig ist, können Ihn die weniger
Intelligenten nicht als die Höchste Person erkennen.
Zweifellos ist der transzendentale Körper Sri Krsnas nicht
vergänglich. Krsna ist genau wie die Sonne, und maya ist
wie eine Wolke. In der materiellen Welt sehen wir die
Sonne, Wolken und verschiedene Sterne und Planeten. Die
Wolken mögen all diese verschiedenen Erscheinungen am
Himmel vorübergehend bedecken, doch diese Bedeckung
besteht nur aufgrund unserer begrenzten Sicht: Die Sonne,
der Mond und die Sterne sind nicht wirklich bedeckt.
Ebensowenig kann maya den Höchsten Herrn bedecken.
Durch Seine innere Kraft ist Er den weniger intelligenten
Menschen verhüllt. Wie im 3. Vers dieses Kapitels erklärt
wird, versuchen unter Millionen und Abermillionen von
Menschen nur einige wenige, in dieser menschlichen Form
des Lebens vollkommen zu werden, und von vielen
Tausenden und Abertausenden solch vervollkommneter
Menschen kann kaum einer verstehen, was Sri Krsna ist.
Selbst wenn man durch die Erkenntnis des unpersönlichen
Brahman oder des lokalisierten Paramatma eine hohe Stufe
der Erkenntnis erreicht hat, kann man unmöglich die
Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, verstehen, ohne
Krsna-Bewusst zu sein.

VERS 27
O Nachkomme Bharatas [Arjuna], o Bezwinger des
Feindes, alle Lebewesen sind in Täuschung geboren,
überwältigt von den Dualitäten Verlangen und Haß.
ERLÄUTERUNG
Es ist die ursprüngliche, wesensgemäße Stellung des
Lebewesens, dem Höchsten Herrn, der reines Wissen ist,
untergeordnet zu sein. Wenn man sich dazu verleiten läßt,
sich von diesem reinen Wissen abzusondern, wird man von
der illusionierenden Energie beherrscht und kann die
Höchste Persönlichkeit Gottes nicht verstehen. Die
illusionierende Energie ist in der Dualität von Verlangen
und Hass manifestiert. Aufgrund von Verlangen und Haß
will der unwissende Mensch mit dem Höchsten Herrn eins
werden und beneidet Krsna als die Höchste Persönlichkeit
Gottes. Reine Gottgeweihte, die nicht so irregeführt oder
durch Verlangen und Hass verunreinigt sind, können
verstehen, dass Sri Krsna durch Seine inneren Kräfte
erscheint, aber diejenigen, die von Dualität und
Unwissenheit getäuscht sind, denken, die Höchste
Persönlichkeit Gottes sei von materiellen Energien
erschaffen worden. Das ist ihr Missgeschick. Solche
verblendeten Menschen leben bezeichnenderweise in
Dualitäten wie Schmach und Ehre, Leid und Glück, Frau
und Mann, gut und schlecht, Freude und Schmerz usw. und
denken: "Das ist meine Frau; das ist mein Haus; ich bin der
Herr dieses Hauses; ich bin der Mann dieser Frau." Dies
alles sind Dualitäten der Verblendung. Diejenigen, die so
getäuscht sind, befinden sich völlig in Illusion und können
daher die Höchste Persönlichkeit Gottes nicht verstehen.

VERS 28
Menschen, die in vorangegangenen und im
gegenwärtigen Leben fromm gehandelt haben, deren
sündhafte Handlungen vollständig getilgt und die von
der Dualität der Täuschung befreit sind, beschäftigen
sich mit Entschlossenheit in Meinem Dienst.
ERLÄUTERUNG
In diesem Vers werden diejenigen erwähnt, die geeignet
sind, in die transzendentale Stellung erhoben zu werden.
Für Menschen, die sündig, atheistisch, verblendet und
betrügerisch sind, ist es sehr schwierig, die Dualität von
Verlangen und Haß zu überwinden. Nur diejenigen, die in
ihrem Leben die regulierenden Prinzipien der Religion
eingehalten haben, die fromm gehandelt und sündhafte
Reaktionen überwunden haben, können sich dem
hingebungsvollen Dienst zuwenden und allmählich auf die
Stufe des reinen Wissens von der Höchsten Persönlichkeit
Gottes gelangen. Dann, allmählich, können sie in Trance
über die Höchste Persönlichkeit Gottes meditieren. Das ist
der Vorgang, durch den man auf der spirituellen Ebene
verankert wird. Dieser Aufstieg ist im Krsna-Bewusstsein in
der Gemeinschaft reiner Gottgeweihter möglich, die einen
von Verblendung befreien können.
Im Srimad-Bhagavatam heißt es, dass man den
Gottgeweihten dienen muss, wenn man wirklich befreit
werden möchte; wer jedoch mit materialistischen Menschen
Umgang hat, befindet sich auf dem Pfad, der zum
dunkelsten Bereich des Daseins führt. Alle Geweihten des
Herrn reisen nur über diese Erde, um die bedingten Seelen
von ihrer Illusion zu befreien. Die
Unpersönlichkeitsanhänger wissen nicht, dass es die größte
Verletzung der Gesetze Gottes ist, wenn sie ihre
wesenseigene Stellung als Untergebene des Höchsten Herrn
vergessen. Solange man nicht wieder in seine wesenseigene
Stellung eingesetzt ist, ist es nicht möglich, die Höchste
Persönlichkeit zu verstehen oder mit Entschlossenheit voll
im transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn
beschäftigt zu sein.

VERS 29
Intelligente Menschen, die nach Befreiung von Alter
und Tod streben, suchen bei Mir im hingebungsvollen
Dienst Zuflucht. Sie sind wahrhaft Brahman, da sie alles
über transzendentale und fruchtbringende Tätigkeiten
wissen.
ERLÄUTERUNG
Geburt, Tod, Alter und Krankheiten beeinflussen unseren
materiellen Korper, nicht aber den spirituellen Körper. Für
den spirituellen Körper gibt es keine Geburt, keinen Tod,
kein Alter und keine Krankheit. Wer also einen spirituellen
Körper erlangt, einer der Gefährten der Höchsten
Persönlichkeit Gottes wird und sich im ewigen
hingebungsvollen Dienst betätigt, ist wirklich befreit. Aham
brahmasmi: "Ich bin von spiritueller Natur." Es wird
gesagt, dass man verstehen soll, dass man Brahman ist -
spirituelle Seele. Wie in diesem Vers beschrieben wird,
findet man diese Brahman-Auffassung vom Leben auch im
hingebungsvollen Dienst. Die reinen Gottgeweihten sind
transzendental auf der Ebene des Brahman verankert und
wissen alles über transzendentale und materielle
Tätigkeiten.
Die vier Arten von unreinen Gottgeweihten, die sich im
transzendentalen Dienst des Herrn beschäftigen, erreichen
ihre jeweiligen Ziele, und wenn sie völlig Krsna-Bewusst
sind, genießen sie durch die Gnade des Höchsten das
spirituelle Zusammensein mit dem Höchsten Herrn. Aber
diejenigen, die die Halbgötter verehren, erreichen den
Herrn auf Seinem höchsten Planeten niemals. Selbst die
weniger intelligenten, Brahman-verwirklichten Menschen
können den höchsten Planeten Krsnas, der als Goloka
Vrndavana bekannt ist, nicht erreichen. Nur Menschen, die
Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein ausführen (mam asritya),
sind wirklich berechtigt, als Brahman bezeichnet zu
werden, denn sie bemühen sich tatsächlich, den Krsna-Planeten
zu erreichen. Solche Menschen zweifeln nicht an
Krsna, und daher sind sie tatsächlich Brahman.
Diejenigen, die die arca oder Form des Herrn im Tempel
verehren oder über den Herrn meditieren, um von der
materiellen Fessel befreit zu werden, kennen ebenfalls,
durch die Gnade des Herrn, die Bedeutung von Brahman,
adhibhuta und so fort, wie vom Herrn im nächsten Kapitel
näher erklärt werden wird.

VERS 30
Diejenigen, die Mich als den Höchsten Herrn, als das
beherrschende Prinzip der materiellen Manifestation,
kennen, als den, dem alle Halbgötter untergeordnet sind
und der alle Opfer ermöglicht, können Mich, mit
stetigem Geist, sogar zur Zeit des Todes verstehen und
kennen.
ERLÄUTERUNG
Menschen, die im Krsna-Bewusstsein handeln, weichen nie
ganz vom Pfad des Verständnisses der Höchsten
Persönlichkeit Gottes ab. In der transzendentalen Gemeinschaft
des Krsna-Bewusstseins kann man verstehen,
wie der Herr das beherrschende Prinzip der materiellen
Manifestation und sogar der Halbgötter ist. Allmählich wird
man durch solch transzendentale Gemeinschaft von der
Höchsten Persönlichkeit Gottes überzeugt, und zur Zeit des
Todes kann solch ein Krsna-Bewusster Mensch Krsna
keinesfalls vergessen. Natürlicherweise wird er so zum
Planeten des Höchsten Herrn, Goloka Vrndavana, erhoben.
Dieses Siebte Kapitel erklärt insbesondere, wie man völlig
Krsna-Bewusst werden kann. Krsna-Bewusstsein beginnt,
wenn man mit Krsna-Bewussten Menschen zusammenlebt.
Solche Gemeinschaft ist spirituell und bringt einen direkt
mit dem Höchsten Herrn in Berührung, und durch Seine
Gnade kann man Krsna als den Höchsten Gott verstehen.
Zur gleichen Zeit kann man tatsächlich die wesensgemäße
Stellung des Lebewesens verstehen und erkennen, wie das
Lebewesen Krsna vergisst und in materielle Tätigkeiten
verstrickt wird. Wenn das Lebewesen in guter Gemeinschaft
allmählich Krsna-Bewusstsein entwickelt, kann
es verstehen, dass es von den Gesetzen der materiellen
Natur bedingt worden ist, weil es Krsna vergessen hat. Es
kann auch verstehen, dass die menschliche Form des Lebens
eine Gelegenheit ist, Krsna-Bewusstsein wiederzugewinnen,
und dass diese Form voll genutzt werden sollte, die
grundlose Barmherzigkeit des Höchsten Herrn zu erlangen.
In diesem Kapitel sind viele Themen erörtert worden: der
Notleidende; der Neugierige; der Mensch, dem es an
materiellen Notwendigkeiten mangelt; Wissen vom
Brahman; Wissen vom Paramatma; Befreiung von Geburt,
Tod und Krankheiten, und die Verehrung des Höchsten
Herrn. Wer jedoch tatsächlich im Krsna-Bewusstsein
fortgeschritten ist, kümmert sich nicht um diese
verschiedenen Vorgänge. Er betätigt sich einfach direkt im
Krsna-Bewusstsein und erreicht so tatsächlich seine
wesenseigene Stellung als ewiger Diener Sri Krsnas. In
dieser Lage findet er Freude daran, in reinem
hingebungsvollem Dienst über den Herrn zu hören und Ihn
zu lobpreisen. Er ist davon überzeugt, dass so alle seine
Wünsche erfüllt werden. Dieser entschlossene Glaube wird
drÅha-vrata genannt und bildet den Anfang von
bhakti-yoga oder transzendentalem liebevollem Dienst. So
lautet die Aussage aller Schriften. Das Siebte Kapitel der
Bhagavad-Gita ist die Essenz dieser Überzeugung.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum
Siebten Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel:
"Wissen vom Absoluten".

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