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Der Messianismus des fruhen 19. Jahrhunderts und die Entstehung der Baha'i Religion

Religionswissenschaftliche Texte und Studien

Band 8

Iran im 19. Jahrhundert und die Entstehung der Baha'i-Religion

Herausgegeben von Johann Christoph Bilrgel und Isabel Schayani

1998 Georg Olms Verlag Hildesheim á Zurich á New York

0i Iran i1n 19. Jahrhundert und die Entstehung der Baha'i-Religion

Herausgegeben von Jol1ann Christoph B tirgel und Isabel Schayani

1998 Ge.org Olms Verlag Hildesheim á Zurich á New York

0i lnbaJt

Johann Christoph Burge/ Vorw-ort ............................... ................................ ... ...................... ....... vii

Isabel Schayani Einleitung............... .......................................................................... ....x

Annen1arie Schimmel Ursprung und Wirkung der Baha'1-Religion ....................................... .1

Johann Christoph Burge/ Die Baha'i-Religion Wld der Friedensgedanke .................................. .15

Moojan Momen A Preleminary Survey of the Baha'i-Community of Iran during the Nineteenth Century ..............................................33

Kamran Ekbal Islamische Grundlagen des Kitab-i Aqdas Mit neuen Erkenntnissen zu seiner Datierung ................................... 5 3

Juan R. I. Cole Autobiography and Silence: The Early Career of Shaykh al-Ra'Is Qaj ar..................................................................... 91

Isabel Stumpe/ 'fahira Qurrat al-' Ain ........................................................................ 127á

Todd Lawson The Bab's tafsfrs of Qur'an 103 and 108, the Declining Day and the Abundance ............................................ 145

Kamran Ekbal Der Messianismus des frilhen 19. Jahrhunderts und die Entstehung der Baha'i Religion .......................................... 159

fudex .......................................................................................................................... 187

Die Autoren ............................................................................................................. 194 Der Messianismus des fruhen 19. Jahrhunderts und die Entstehung der Baha'i Religion

Kamran Ekbal, Bochum

Das fieberhafte, weltumfassende messianische Naherwartungsklima zu Anfang des 19. Jahrhunderts dilrfte zu den phanomenologisch spannendsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte gehoren. So weiB man zwar aus dem Schrifttum der ver- schiedenen Religionen und deren Darstellungen von Personen oder Personengrup- pen, die am Vorabend der Entstehung der jeweiligen Religion diesen Vorgang vorhergesehen und auf 'mystische Weise erfahren bzw. angekilndigt haben - die drei Weisen aus dem Morgenland, die sich aufgrund ihrer astronomischen Berech- nungen auf den langen Weg nach Bethlehem machten (Matt. 2:1-12), die Schafs- hirten, die von Jesu Geburt durch den Engelchor erfuhren (Luk. 2:8-20), die Lichtstrahlen, die von der Mutter Muhammads kurz vor seiner Geburt ausgingen und in denen sie die Schlosser von Busra erblickte, oder der Monch Bah fr a, der im jungen Propheten des Islam das erwartete Zeichen des neuen Offenbarers er- kannt haben wollte ( -i ) • Aber alle diese und ahnliche Darstellungen sind eher von der Legende als von historischer Uberlieferung gepragt und bestenfalls der Sphare der Religiositat, des individuellen Glaubens und der Volksfrommigkeit zu- zuordnen. Historisch lassen sie sich jedenfalls kaum belegen.

Eine Ausnahme stellt in dieser Hinsicht die Genesis der Bah a' f -Religion, der jilngsten der Off enbarungsreligionen, dar. Sie hebt sich allein schon durch die Fillle ihrer historisch uberprufbaren Ents tehungs- und Entwicklungsdaten von allen vorangegangenen Sendungen ab, so auch hinsichtlich der Festste llung des globalen messianischen Erwartungsklimas, das am Vorabend ihrer Entste hungsge- schichte an den unterschiedlichste n Ecken und Enden der Welt f estzus tellen ge- wesen war, gr6Btenteils auch in kulturell und religios vollig unterschiedlichen Milieus und ohne erkennbaren sachlichen Zusammenhang. Mit dem zeitgleichen Erscheinen einer Reihe solcher messianischer Bewegungen des 19. Jahrhunderts und der Geburt der Baha'i -Religion wird s ich der f olgende Beitrag befassen.

***

Als im Jahre 1831 der britische Missionar Joseph Wolff Persien bereiste, um bei persischen Juden das Evangelium zu predigen, stieB er bei diesen auf eine aus- gepragte Naherwartung des Messias. Wolff, selbst ein zum Christentum konver- tierter Jude, hielt in seinen Tagebuchaufzeichnungen die Begegnung mit einem Rabbiner, Meir ben Isajah, fest, der ihm vorrechnete, daB der Messias in neun Jahren - also um das Jahr 1840 - erscheinen muBte. Laut dessen Berechnung muBte jeder Tempel entsprechend der Anzahl der £?uchstaben des Wortes qadus, heilig, 410 Jahre stehen. Der erste Tempel jedoch hatte 420 Jahre bestanden, dementsprechend muBte der letzte Tempel nunmehr fur 400 Jahre stehen. Da aber die Welt insgesamt 6.000 Jahre existieren sollte und man sich im Jahre 5591 befand, muBte der Messias dem Rabbi zufolge unbedingt in den nachsten neun Jahren erscheinen, damit der Tempel fur die ubrigen 400 Jahre dann stehen konnte <2 ).

Ein anderer Missionar, Justin Perkins, der sich zur gleichen Zeit in Persien auf - hielt und vor allem bei den nestorianischen Christen von Urumiyya missionarisch tatig war, berichtet ahnliches. Ein judischer Arzt, der ihn aufsuchte, um sich wegen des Mordes an einen Juden zu beklagen, gab ihm gegenuber der Hoffnung Ausdruck, der Messias moge bald kommen, um die Juden vor dem Untergang zu bewahren. Seine Berechnung unterscheidet sich zwar von der des Rabbi ben Isa- jah, kommt allerdings zu ahnlichen SchluBfolgerungen. Nach seiner Darstellung stehen die sechs Tage der Weltschopfung fiir je LOOO Jahre und dementsprechend verblieben 400 Jahre bis zum Beginn des 7. Tages, den Tag der Wiederkunft des Messias also. Als ihn Perkins nun auf die Gefahr der Vernichtung der Juden in- nerhalb so einer langen Zeitspanne aufmerksam machen wollte, warf dieser sofort ein, daB 400 Jahre die auBerste Grenze darstellten, daB man sein Kommen aber fur die sehr nahe Zukunft erwartete. "Er wird noch in diesem Jahr, ja sogar an diesem Tag kommen konnen", wuBte er Perkins zu berichten < 3 ).

Es steht auBer Zweifel, daB die Bedrangnis der persischen Juden und ihre zu - nehmende materielle und physische Bedrohung im 19. Jh. den geistigen Nahrbo- den fur die Entstehung einer solchen Heilserwartung bildet. Das generelle Klima der Toleranz, das das Verhaltnis zwischen Muslimen und Juden, aber auch zwi - schen Muslimen und Christen uber die Jahrhunderte hindurch gepragt und zu ei - ner Blute der arabo-islamischen Zivilisation gefuhrt hatte, scheint sich im 19. Jh., dem Zeitalter des Nationalismus in Europa und der europaischen Durchdrin- gung des Nahen und Mittleren Ostens, rapide verschlechtert zu haben <4 ). Sowohl Perkins als auch Wolff berichten von Judenmorden und vom Aufkom- men einer pogromartigen Stimmung, die, ahnlich wie im europaischen Mittelalter, mit Legenden von rituellen Kindstotungen und -opfern verbunden war <5 ) .

Der Messianisrnus, in Anlehnung an Hans Kohn "irn wesenllichen der religiose Glaube an das Kommen eines Erlosers, der auf universaler oder parlikularer Ebe- ne der gegenwartigen Ordnung ein Ende setzen und eine neue Ordnung der Ge- rechligkeil und des Glucks begrunden wird" <6 ) , isl eine in der Religionsge- schichle lief verwurzelte Glaubensvorslellung, die vor allem in Krisenzeilen wie- der auflebt. In dieser vor allem gesellschaflspolilisch begrundeten Form begegnet er in allen Geschichtsepochen und in f aklisch jedem religiosen oder kullurellen Umfeld. Von dem Makkabaer-Aufstand (ca. 135 v.Chr.) und Bar Kochba (132-135 A.O.) in der ji.idischen Anlike uber die Erhebung von Abu 'Isa al-Isfahani und seinem Jilnger Yudgham, der s ich irn Kampf gegen die Abbasiden-Kalifen im Iran des 8. Jh. als ein Messias des Hauses Joseph proklamiert halte und wahrend sei - ner Erhebung gelolel wurde, von David Alroy, der sich im 12. Jh. gegen den Seldjuken-Sultan erhob, bis hin zur Bewegung des Sabbatai Zwi im 17. Jh. in Smyrna, der nachhallig bedeulsamslen Bewegung des Judenlurns in der Neuzeil, ria die Ketle messianislischer Bewegungen irn Judenturn nicht ab< 7 ) • Auch unter den Zoroastriern Persiens vollzogen sich eine ganze Reihe von Erhebungen unter rnessianischen und endzeillichen Merkmalen, so irn Falle der Erhebung von Peroz Ispahbad/Sinbad der Magier (755-62), und beirn Aufsland des Bih'afar id gegen die Abbasiden, der zwar 745 unlerdri.ickl, 767 aber unler Ustads is in s i stan und He- ral wieder aufflammte <a).

Ein vergleichbarer, prirnar in sozialen und polilisc}1en Verhallnissen begrundeter Messianismus begegnet auch im christlichen Bereich. Angefangen vom sogenann - ten Kaiserzyklus mit seinem Mythes vom "Kaiser der Endzeit" und der °Kyffhau - ser-Legende", wo der Volksglaube die verehrung von Karl dem GroBen bzw. Frie- drich Barbarossa/Friedrich II. dem Staufen mit deren Ri.ickkehr in der Endzeit verbindet <9 ), uber den sogenannten volksti.imlichen Zyklus eines mittelalterli- chen Nonkonformismus, wie z.B. im Messiasreich des Johan von Leiden in Munster und der Bewegung der Wiedertaufer (Konig der letzten Tage) im 16. Jh. <-i 0 ) , bis hin selbst zu Ereignissen von i.iberragender weltpolitischer Bedeutung wie der f ranzosischen Revolution oder gar der russischen Oktoberrevolution, denen zweifelsohne ebenfalls messianistische Grundzuge anhaften <,_ -i ) • Nicht zuletzt ist der Nationalsozialismus mit seiner millenaristisch determinierten Vorstellung vom Tausendjahrigen Reich ein treffliches Beispiel fur die politische Instrumentali - sierung der Idee vom Messianismus < -i 2 ) .

Auch bei sogenannten Naturvolkern begegnet uns eine messianistisch orientierte Heilserwartung. Es sei hier im Zeichen der 500-Jahresfeierlichkeiten anlaBlich der Eroberung Amerikas an die hochentwickelte Kultur der Azteken erinnert mit ihrer ausgebildeten Kosmologie und Chronologie, die auf ihren fortgeschrittenen

mathematischen Wissenschaften basierte. Als die Spanier 1521 Mexiko eroberten, besiegelte das den Untergang ihrer Kultur. Ihre messianische Erwartung eines Erlosers mit Namen Quetzalcoutal, der ihrer Vorstellung nach als bartiger Mann und gekleidet mit fremdartigen Gewandern aus dem Osten wiederkommen wilrde, hatte sie zu der f atalen Verwechslung der in ihren Prophezeiungen begrundeten Erloserfigur mit Cortez gefuhrt <1. 3 ).

Gerade im Islam f anden messianistische Erwartungen des Wiederkommens eines Mahdi, einer Erlosergestalt, der in der FGlle der Zeit kommen wird, um Frieden und Gerechtigkeit zu bringen, haufig auch als Qa'im bezeichnet, der "den wahren Glauben" wiedererrichten wird, einen fruchtbaren Nahrboden. Obwohl der Begriff Mahd i im Koran keinerlei nachweisbare Anwendung im eschatologischen Sinne findet - im Gbrigen ahnlich wie der Begriff Messias, hebraisch mesiah (Gesalb- ter), im Allen Testament keine endzeitlichen Implikationen aufweist - wird die Mahd i -Erwartung zu einem f esten Bestandteil der chiliastisch-millenaristischen Vorstellungen im Islam.

Historisch erfal3bar wird diese messianistische Tendenz ein knappes Jahrhundert nach dem Tode des Propheten Muhammad wahrend des Aufstandes von al-Muhtar 685 in Kufa, wo in einem relativ fruhen Stadium die Vorstellung von der Entruk- kung (ghayba) des Imam, ein von den Schi'iten als legitimer Nachfolger des Pro- pheten betrachteter und in der Regel leiblicher ~achkomme Muhammads, deutlich wird. Bereits nach dem Tode Alis (661) tauchten Vorstellungen von seinem Fort - leben durch 'Abd-Allah b. Saba', einem zum Islam konvertierten Juden auf und wurden von der Kaysaniyya, einer z.Zt. des Aufstands von al-Muhtar entstande- nen alidischen Bewegung auf den von ihr als Imam betrachteten Muhammad b. al-Hanafiyya (gest. 700/1), einem Sohn Alis, angewandt. Die Idee lebte fort und f and rege Anwendung auf immer wieder andere Personen, die f ortwahrend als nicht leiblich gestorben, sondern als wundersam in die Verborgenheit entrGckt bezeichnet wurden, so zB. auf Muhammad an-Nafs al-Zakiyya, "Die Reine Seele" (gest. 762), einem Sohn von Muhammad b. al-Hanafiyya, auf den 6. Imam Ga'far as-Sadiq (gest. 765) und auf etliche andere <1 4 ) • Von den Abbasiden- und Fati - miden-Kalifen wurde die Mahdi -Erwartung als Vehikel dafGr benutzt, sich an die Macht zu bringen und diese anschliel3end zu erhalten und zu konsolidieren.

Mahd i -Erwartungen begegnen ebenfalls in volkstumlichen Glaubensvorstellungen des sunnitischen Islam, wie am Beispiel des Mahd i -Aufstandes im Sudan 1881-99 ersichtlich wird < 1 5 >.Die chiliastische Erwartung des Mahdi bzw. Qa'im findet ih- re ausgepragteste Entwicklung allerdings im zwolfer-Schi'ismus beim 12. Imam, Muhammad al-Mahdi, der im Jahre 260 A.H./873-4 nach schi'itischer Vorstellung

in der Stadt Samarra in die Verborgenheit entruckt wurde und dessen Kommen in der Endzeit (ahar az-zarnan) erwartet wird.

Deutlich werden sollte aus den angefUhrten Beispielen, da13 Messianismus sowohl kulturhistorisch als auch politisch ein au13erordentlicher Faktor der Geschichte ist, der betrachtlichen Einflu13 auf den Geschichtsablauf ausubt und immer wie- der, wenn auch mit graduell unterschiedlicher Bedeutung, von sich reden macht - zuletzt 1993, als die ukrainische Ex-Komsomolzin und Begrunderin der Jugend- sekte der WeiBen Bruderschaft, Marina Zwigun alias Maria Devi Christos, sich als Wiedergeburt Christi und seiner Mutter Maria ausgab und filr den 24. November die Apokalypse des Weltuntergangs predigte <i. 6 ) •

Andere Beispiele hatten davor fur ahnliche Schlagzeilen gesorgt. So hatten An- gehorige einer christlichen Sekte in Korea in der Erwartung der Parusie, der Wiederkunft Christi, an einem ebenfalls konkreten Datum, Mittwoch, den 28. Ok- tober 1992, sich in groBen Scharen ihres Hab und Gutes entledigt, um fur die be- vorstehende Himmelfahrt bereit zu sein. Der erzeugte Spannungszustand war fur einige Personen so stark, daB sie sich zuvor das Leben nahmen < i. 7 ) • Ebenso IaBt sich die Bewegung der Davidianer-Sekte anfi.lhren, die sich im Marz 1993 um ih- ren Sektengrunder Vernon Howell auf der "Ranch Apokalypse" in Waco im us Bundesland Texas verschanzt hatte und erst nach blutiger Belagerung durch Bundestruppen und nach dem Tod von 80 Sektenm,itgliedern niedergeworfen wer- den konnte. Auch hier hatte ihr Anfuhrer Howell, der sich David Koresch nannte und sich fur die Wiederkehr Christie ausgegeben hatte, das nahe Ende der Welt gepredigt <,_ 8 ) .

Es wird deutlich, daB sich der Messianismus groBtenteils in Krisenzeiten wieder- beleben laBt und zu einem betrachtlichen Teil bei Bevolkerungsgruppen, die un- terdruckung und Oppression erleiden und auf diesem Wege ihrer Sehnsucht nach Freiheit und besserem Leben Ausdruck zu verleihen suchen, seinen Niederschlag findet, aber ebenso von politischen Kraften instrumentalisiert wird, entweder um selber die Macht zu erobern oder diese anschlief3end zu konsolidieren.

Ganz ausdrucklich aber sei darauf verwiesen, und hierauf kommt es in diesem Zusammenhang ganz besonders an, daB von allen hier angefuhrten Beispielen nur eine zeitlich befristete Wirkung ausgeht und daf3 aus solchen Beispielen des poli- tischen Messianismus keine selbstandige, lange wahrende neue Kraft, geschweige denn eine neue Religion hervorgeht. Im Geschichtsverlauf bleiben sie Episode. Nur selten kommt im Lauf der Geschichte eine derart merkwurdige Konfiguration messianischer Elemente zustande, die in Wechselwirkung mit einer sozial, poli -

tisch, vor allem aber mentalitatsgeschichtlich eingeebneten Grundlage eine neue Religion hervorbringt. Und darauf, daf3 die beiden e ingangs zitierten Beispiele judischer Heilserwartung aus Persien im 19. Jh. - im Ubrigen !angst nicht die einzigen <-i 9 ) - eben zu dieser letztgenannten Konstellation zahlen durfen, soil im f olgenden eingegangen werden.

Am Vorabend des 5. Gumad i I. 1260/23. Mai 1844 erklarte sich in der sudpersi- schen Stadt Schiraz ein 25 Jahre alter Kaufmann mit dem Namen Sayyid 'Ali-Mu- hammad, "der Bab", wie er sich fortan bezeichnete, als der verheif3ene Qa'im, dessen Kommen man im Islam erwartete. Sein Gesprachspartner in jener Nacht, Mulla Hussein Busru'iyye, war ein angesehener Gelehrter und Angehoriger der Scheichi-Schule, eine im ausgehenden 18. Jh. entstandende Theosophen-Schule, die ma13geblichen Anteil an der Verbreitung eines Klimas messianischer Naher- wartung in Iran und im Irak hatte. Entgegen der etablierten Position der Ulema, der traditionalistischen schi'itischen Geistlichkeit, die sich aufgrund ihrer scho- lastischen Bildung die Stellung der einzig authorisierten Interpreten der Schrift (marga'-i taql id) monopolisiert hatte <2 0 ) , bezog sich Scheich Ahmad al-Ahsa' i (gest. 1826), Begrunder und Patrinom der Scheichi-Bewegung, neben Koran und Propheten- bzw. Imams-Traditionen (had i th) auf das intuitive Wissen (ilham) als weitere Quelle der Erkenntnis. Sowohl er als auch sein Schiller und Nachfolger Sayyid Kazim Rast i behaupteten, mittels Visionen und Traume in direkter Ver- bindung mit dem Propheten Muhammad, seiner To~hter Fatima und den aus ihrer Ehe mit Ali hervorgegangenen Imamen zu stehen und dadurch Empfanger gottli - cher Inspiration zu sein. Durch ihre Lehren und Predigten hatten beide religiose Fuhrer einen entscheidenden Anteil an der Einebnung des Weges fur den prophe- tischen Anspruch des Bab< 2 i. >. Zuletzt hatte Rast i kurz vor seinem Tade Ende 1843 seine Schuler noch aufgefordert, sich reinen Herzens nun auf die Suche nach dem Verheif3enen zu begeben, denn dieser weile bereits unter ihnen <2 2 ).

Die Ausstrahlung des Bab und die Wirkungskraft seiner Worte in jener Nacht machten Mulla Hussein zum ersten Anhanger des jungen Propheten. Im Laufe ih - rer Suche nach dem Verheif3enen fanden alsbald eine Anzahl weiterer Personen intuitiv, durch Traume und Visionen geleitet und unabhangig voneinander, wie dies in den Quellen hervorgehoben wird <2 3 >, ihren Weg nach Schiraz und zum Bab. Zusammen mit Mulla Hussein und dem Bab bildeten diese Jilnger einen Kreis von 19 Personen, die als die Buchstaben des Lebendigen bekannt wurden <2 4 > •

Die symbolische Bedeutung ihrer Zahl - numerischer Wert des arabischen Wortes fur "eins" (wahid) als symbolischer Hinweis auf die Einheit Gottes und die Ein- heit des Gotteswortes, damit also auch auf das Prinzip der Einheit der Religionen

Gottes - wird ebenfalls in der Baha'i Religion beibehalten und schlagt sich in der Einfuhrung eines neuen Kalenders mit 19 Monaten von je 19 Tagen und 4 (bzw. in Schaltjahren 5) dazwischen geschobenen Tagen nieder (Ayy am-i ha', 26.-28. bzw. 29. Februar).

Zu diesen Jungern des Bab gehorte ebenfalls eine Frau, die bekannte Dichterin Qurrat al 'Ayn oder Tahira (die Reine), wie sie ebenfalls genannt wurde - relig- ionsphanomenologisch ein Ereignis von Einmaligkeitscharakter. Kampferisch, mu - tig und von anziehender Schonheit und Eloquenz war sie von elementarer Bedeu - tung fi.ir die Verbreitung des neuen Glaubens. Sie wurde in den nachfolgenden Jahren als Symbolfigur der Frauenrechtsbewegung auch im Westen bekannt. Im Zuge der nach einem miBgluckten Attentatsversuch auf Nasir ad-Din Schah (1848-1896) i.J. 1852 einsetzenden Verfolgung wurde sie hingerichtet. Ihre letz- ten Uberlieferten Worte - unabhangig von deren Authentizitat - sind von rich- tungweisender Bedeutung: "sie konnen mich toten, sobald es ihnen beliebt, aber es wird ihnen nicht gelingen, die Emanzipation der Frauen aufzuhalten" <25 ).

Die Buchstaben des Lebendigen, die Junger des Bab, wurden alsbald in die ver- schiedenen Provinzen und Regionen !rans und Iraks ausgesandt, den Anbruch des Tages Gottes (yaum Allah) zu proklamieren. In klaren und deutlichen Worten er- mahnte sie der Bab, sich "an die Worte von Jesus, die Er an Seine Junger richte- te, als Er sie aussandte, die Sache Gottes zu ver~unden" zu halten und sich auf deren Weg zu begeben <2 6 ) •

Der Doppelcharakter der Babi-Offenbarung wird bereits aus dem Uberlieferungs- text dieser fruhesten Ansprache des Bab an seine Junger deutlich: Erfullung is- lamischer Prophetie hinsichtlich des Kommens des Qa'im einerseits, Vorbereitung "auf das Kommen eines machtvollen Tages", dessen "Geheimnis ...... jetzt noch verhullt" ist, andererseits sowie Hinweis auf "das neugeborene Kind jenes Tages", das "die weisesten und geachtetesten Manner dieser Zeit" ubertreffen wur- de <27 ). Gerade hierzu ziehen sich die Hinweise auf "Den, Den Gott offenbaren wird" (man yuzhiruhu ' ll4h) - eine formelhafte Konstruktion als Hinweis auf ei- nen noch bedeutsameren Gottesgesandten <2 8 ) , dessen Epiphanie ( zuhur) unmit - telbar bevorstehen wi.irde, wie ein roter Faden durch die Schriften des Bab und schlagen sich nicht zuletzt im Selbstverstandnis seines Titels nieder: Bab, ara - bisch fur Pforte bzw. Tor, wird als "das Tor zum VerheiBenen" <29 ) verstanden, auf dessen unmittelbar bevorstehendes Kommen der Bab immer wieder verweist. Neunzehn Jahre spater erhob einer der fruhesten Anhanger des Bab, Mirza Hu- sain 'Ali Nur i, der als Baha'u'llah (Herrlichkeit Gottes) in die Religionsgeschichte eingegangen ist, den Anspruch, jener Gottesgesandte zu sein, dessen Kommen als

Welterneuerer und Friedensfurst in den heiligen Schriften der Menschheit ver- kundet worden ist.

Eschatologisch begegnet die Vorstellung von einem zeitgleichen Kommen zweier messianischer Heilsgestalten - also von einem Doppelmessias wie in Zach. 4:14 - immer wieder. Er taucht in der christlichen Eschatologie in Gestalt von Elias und dem Christus redivivus auf. Der eine von hoher priesterlicher Abstammung aus dem Hause Aarons, der andere ein koniglicher Messias aus dem Hause Davids< 3 0 ) • Aber auch im Islam in der Gestalt des Qa'im I Mahdi neben der koranisch belegten Erwartung des wiederkehrenden Christus, ebenso in der Gestalt des Khidr bzw. Elias< 3 i. ) • Der ins Heilige Land wiederkehrende Jesus, arabisch 'Isa < 3 2 ) , zahlt im Koran zu den "Erkennungszeichen der stunde (des Gerichts)" (Q 43:61) und damit zu den Vorzeichen der Endzeit (asrat as-sa ' a). Die Baha'i erkennen in dem Bab sowohl den Stifter einer neuen, selbstandigen Religion als auch den gleichzeitigen Herold und unmittelbaren Verkunder Baha' u'llahs <33 ).

Die neue Lehre des Bab fiel auf fruchtbaren Boden und fand rasche Verbreitung. Nachdem sowohl Angehorige der hoheren Geistlichkeit als auch des Herrschafts- apparates zunehmend sympathie fur seine Sache bekundeten, wurde der Bab im Juli 1847 auf Betreiben der schiitischen Geistlichkeit, die bereits 1845 in einem Fatwa aus Baghdad sein Todesurteil ausgesprochen hatte <3 4 ) , und des persi - schen Ministerprasidenten Hagg i Mirza Aqas i (<Jest. 1849) in Festungshaft ge- nommen und erst nach Maku in Nordwe st Persien und kurz darauf (April 1848) in die Zitadelle von Cihr i q gebracht. In einem kurzen, aber dramatisch v e rlaufenden ProzeB, der im Juni 1848 vor dem Kronprinzen Nasir ad-Din Mirza und der ver - sammelten Geistlichkeit in Tabriz stattfand, erhob der Bab offentlich den An- spruch, der erwartete Qa'im zu sein <35 ). Auf Anordnung der 'Ulema erhielt er anschlieBend die Bastinado.

Zeitgleich mit dem ProzeB hatten s ich fuhrende Babis in Badast, einem kleinen Ort in der Provinz Khorasan, zu eine r historisch bedeutsamen Konfe renz zusam - mengefunden. Auf dieser im Juni/Juli 1848 abgehaltenen Konferenz, wo Baha ' u'llah bereits als eine fuhrende Kraft der jungen Gemeinde aufgetreten war, legte Qurrat al-' Ayn demonstrativ den Schleier ab, um den Anbruch des neuen Zeitalters zu demonstrieren. Hohepunkt der Konferenz war die Abrogation des is- lamischen Rechts, Scharia. Dadurch sollte die Selbs tandigkeit des neuen Glaubens als eigenstandige Offenbarung und die Loslosung von der Mutterreligion doku - mentiert werden <3 6 ) •

Die nachfolgenden Erhebungen der Babis, die sich getreu dem islamisch begrun - deten Prinzip des gihad, des Kampfes auf Gottes Wegen, heroisch gegen die Bela- gerung durch die Regierungstruppen zur Wehr gesetzt hatten, waren sicherlich eine der Voraussetzungen fiir die rasche Umsetzung des Todesurteils gegen den Bab. Auf Anordnung von Mirza Taqi Khan Amir Kabir (gest. 1851), dem Minister- prasidenten des neuen persischen Herrschers Nasir ad-DI n Schah, und gestutzt auf ein Todesurteil der Geistlichkeit wurde der Bab am 9. Juli 1850 auf dem Zita - dellenplatz von Tabriz zusamrnen mit einem seiner Anhanger hingerichtet.

Der gescheiterte Anschlag auf Nasir ad-Din Schah am 15. August 1852 war Ursa- che der ersten groBen, blindwutigen Massaker an Babis im gesarnten Land. Be- richte von europaischen Reisenden und Diplomaten uber die grauenvollen Metze- leien f anden ihren Niederschlag in der internationalen Presse und f i.ihrten zu ei - ner Sympathiewelle in Europa fur die verfolgten Babis. Bereits am 1. November 1845 erschien ein erster Bericht uber die noch sporadischen Verfolgungen in der Londoner Times <3 7 ) •

Der aus Budapest starnrnende Orientalist Arminius Vambery gehorte zu den er- sten, die in ihren Reiseberichten (1867) uber den neuen Glauben berichte- ten <3 8 ) • Eingehend mit der neuen Religion befa13ten sich der f ranzosische Di - plornat und Schriftsteller Comte Joseph de Gobineau <3 9 ) und die Orientalisten Edward G. Browne, Clement Huart und Victor Rosen, die in ihren Werken aus- fuhrlich daruber berichteten. Fur Leo Tolstoy, der sich besonders mit den Zwil- lingsreligionen befa13t hatte, stellte die Baha' i Religion "die hochste und reinste Stufe einer religiosen Doktrin" dar <4 0 ) •

Baha'u'llah, Stifter der Baha'i Religion, war Sohn eines persischen Ministers und entstammte dem Hochadel. Nach Baha' i Darstellung laBt sich sein Stammbaum auf die altiranische Dynastie der Sassaniden zuruckverfolgen <4 1 ) • Als einer der f Uhrenden Anhanger des Bab wurde er im Zuge der nach dern Anschlag auf Na sir ad-Din Schah einsetzenden Verhaf tungswellen gefangengenornmen. Er wurde in Ketten gelegt und zu Fu13 und barhauptig unter Schlagen durch die ganze Stadt bis in das beruchtigte, von Feuchtigkeit und Ungeziefer verseuchte, unterirdi- sche siah-Cal-Verlies getrieben und so dem Spott einer fanatisierten Menschen- menge ausgesetzt. Und dies, obwohl seine Unschuld laut offizieller persischer An- gaben f eststand <4 2 >•

In diesem Verlies verbrachte Baha'u'llah 4 Monate, die Last zweier schwerer Ket- ten hinterlieBen lebenslange Spuren auf seinem Rucken. Und hier irn Schwarzen

Loch, wie das Verlies auf Deutsch heif3t, hatte er auch sein prophetisches Erleb- nis. Er selbst berichtete daruber: "In den Tagen, da Ich im Kerker von Tihr an lag, vergonnten Mir die schweren Ketten, die Mich wundrieben, und die uble Luft nur wenig Schlaf; dennoch hatte Ich in den seltenen Augenblicken des Schlum- mers ein Gefuhl, wie wenn etwas von Meinem Scheitel uber die Brust stromte, ei - nem machtigen Sturzbach gleich, der sich vom Gipfel eines hohen Berges zu Tal á ergieBt. So wurde jedes Glied Meines Leibes in Flammen gesetzt. Meine Zunge sprach in solchen Augenblicken Worte, die zu horen kein Mensch hatte ertragen konnen" <4 3 ).

In einem Sendschreiben an Nasir ad-Din Schah schreibt er: "o Konig! Ich war nur ein Mensch wie andere und schlief auf Meinem Lager - siehe, da wehten die Winde des Herrlichsten uber Mich und gaben Mir Kenntnis von allem, was war. Diese Sa - che ist nicht von mir, sondern von Dem, welcher allmachtig und allwissend ist. Und er gab Mir, Meine Stimme zu erheben zwischen Erde und Himmel, und um des- sentwillen befiehl Mich, woruber ein jeder Mensch mit Einsicht weinte" <4 4 ) •

Nach der Kerkerhaft wurde Baha'u'llah nach Bagdad deportiert, damals noch eine Provinzhauptstadt des Osrnanischen Reiches. Hier zog er sich zwei Jahre lang in die Berge Kurdistans, in jene Einsarnkeit zuruck, die rnorphologisch zu Grundbe- standteilen prophetischer Erlebnisse zahlt. Es war Baha'u'llahs Verdienst, daf3 dem weiteren Zerfall und Auflosung der Babi-Gern~inde, die durch die Pogrorne starkt dezirniert und verunsichert war, Einhalt geboten werden konnte. Als Babis begannen, in irnmer gr6Beren Zahlen nach Bagdad zu pilgern, wurde er auf Druck des persischen Generalkonsuls, Mirza Buzurg Khan Qazv in i, und eines leitenden schiitischen Geistlichen, Schaykh 'Abdu'l-Husayn Tihran i, "Schaykh al-'Iraqain", weiter nach Istanbul verbannt. Wenige Tage vor Aufbruch in die neue Verban- nung erklarte sich Baha'u'llah am 21. April 1863 irn Garten von Nag ibiyye - seither bei den Saha' f als Garten Ridwan (Paradies) bekannt - einer kleinen Schar seiner Anhanger. als der VerheiBene, dessen Kornrnen der Bab und alle vor- angegangenen Propheten verkundet hatten.

Die Verbannung fuhrte Baha'u'llah (Herrlichkeit Gottes) von Bagdad uber Istan- bul und Adrianopel (Edirne) schlieBlich in die gefurchtete Zitadelle von Akko im Heiligen Land. Dort traf er am 31. August 1868 ein, 8 Wochen vor Ankunft jener wurtternbergischen Templer, die am FuBe des Berges Karmel unweit von Akko die Wiederkunft Christi in der "Herrlichkeit Gottes" (Off. 21:11) abwarten wollten. Noch heute kann man an den Portalen der von ihnen errichteten Hauser die Inschrift lesen: "Der Herr ist nah".

Von Adrianopel, vor allem aber von Akko aus schickte Baha'u'llah seine Send- schreiben an Konige, Herrscher und Geistliche der Welt, so zB. an Nasir ad-D f n Schah, Sultan 'Abdu'l-'Az f z, Kaiser Napoleon III, Queen Victoria, Kaiser Wilhelm I und Papst Pius IX< 4 5 ) • In machtvollen Worten sprach er darin von seinem pro- phetischen Ruf und ermahnte die Welt-Herrscher zur allgemeinen Abrustung, Etablierung eines Weltgerichtshofes und zur Bildung eines Weltstaatenbundes, dessen Mitglieder Gber die Einsetzung eines gerechten und andauernden Friedens beraten sollten. Zur Forderung der Verstandigung unter allen Volkern empfahl er die Einfuhrung einer Welthilfssprache und einer einheitlichen Schrift sowie einer gemeinsamen Weltwahrung und einheitliche Ma13e und Gewichte. Jede Nation sollte sich lediglich mil einer Sicherheitstruppe zur Aufrechterhaltung der inne- ren Ordnung begnugen. Militarische Aggression sollte dagegen durch gemeinsame Intervention aller Gbrigen Staaten geahndet bzw. verhindert werden. Viele seiner mahnenden Prophezeiungen gingen in Erfullung. An die Adresse Kaiser Wilhelm I. richtete er die mahnenden Worte: "Sei gewarnt und sei nicht einer der tief Schlafenden ... O Ufer des Rheins! Wir haben euch mit Slut bedeckt gesehen, denn die Schwerter der Vergeltung wurden gegen euch gezuckt; und es soll noch einmal geschehen. Und wir horen das Wehklagen Berlins, obgleich es heute in s ichtbarem Ruhme strahlt" <4 6 ) •

Mitten in einer Zeit, als die Ideen von Nationalismus und Nationalstaatlichkeit rapide an Boden gewannen und eine der gr6f3ten Katastrophen der Menschheits- geschichte einzuleiten begannen, sprach er die Menschen an: "Es ruhme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt ... Der ist wirk - lich ein Mensch, der sich heute dern Dienst am ganzen Menschengeschlecht hin - gibt" c 4 7 ). "Das Wort Gottes ist eine Lampe, deren Licht der Satz ist: Ihr seid die Fruchte eines Baurnes und die Blatter eines zweiges. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit. Er, die Sonne der Wahrheit, bezeugt Mir: So rnachtvoll ist das Licht der Einheit, daf3 es die ganze Erde erleuchten. kann" c 4 8 ) • "Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Burger"< 4 9 ) .

Neben der volligen Gleichberechtigung von Mann und Frau, die, religionshisto- risch betrachtet erstrnals in der Baha' i Religion zu einern Glaubensgrundsatz er - hoben wird, gehort die notwendige Obereinstirnrnung zwischen Religion und Wis- senschaft, die selbstandige Suche nach Wahrheit und das Ablegen aller rassi- schen, sprachlichen oder kulturellen Vorurteile zu den Grundprinzipien der Baha' f Religion. Die Abschaffung von Priesterturn und Geistlichkeit geht Hand in Hand rnit der Ablehnung von Askese. Der allumfassende Grundsatz der Toleranz bei den Bah a' i basiert nicht zuletzt auf dern Prinzip der f ortschreitenden Got -

tesoffenbarung, die nicht nur alle vorausgegangenen Prophetengestalten wie Ab- raham, Moses, Zarathustra, Buddha, Krischna, Jesus, Muhammad und den Bab ein - schlieBt, sondern von dem ausdrilcklichen Verstandnis ausgeht, daB auch nach Baha'u'llah weitere Gottesoffenbarer kommen werden, um der Menschheit ent- sprechend den Bedurfnissen ihrer Zeit gottliche Fuhrung und Anleitung zu bie- ten <so). Die Abschaffung des gihad, des Kampfes auf Gottes Wegen, geht einher mit der Forderung Baha'u'llahs, "mit den Anhangern aller Religionen im Geiste des Wohlwollens und der Bruderlichkeit zu verkehren" <5 1. ) •

Religionsgeschichtlich neu ist auch die Niederlegung einer neuen Weltordnung, wie in einschlagigen Nachschlagewerken hervorgehoben wird <5 2 ) • Ungeachtet der wiederholten Verfolgungen hat sich der Baha'i Glaube heute uber den ganzen Erdkreis verbreitet und zahlt laut dem neuen Jahrbuch der Encyclopaedia Bri - tannica <5 3 ) nach Christentum geographisch als die am weitesten verbreitete Religion. AnlaBlich der Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Hinscheidens von Baha'u'llah in der Paulskirche am 26. Mai 1992 schrieb earl Friedrich von Weiz- sacker: "Ich habe groBe Bewunderung filr Baha'u'llah. Ich glaube, daB das, was er als den Auftrag an die Religionen ausgedruckt hat, genau der Wahrheit ent - spricht" <54 ) •

Wie laBt sich aber die starke Anziehungskraft der neuen Offenbarung gerade im 19. Jh. in Persien erklaren, will man die Ursachen nicht auf soziookonomische oder gesellschaftspolitische Aspekte reduzieren? Brennpunkt der messianischen Naherwartung aus schiitischer sicht war zweifelsfrei das herannahende Jahr 1260 H/1843/4, das auf magische Art und Weise millenaristische Erwartungen in Bezug auf das Jahr 260 und die dort postulierte Entrilckung des 12. Imams in die Ver- borgenheit weckte. Gerade der Millenarismus (aus dem Lateinischen Mille = Tau - send) bzw. sein Pendant Chiliasmus (aus dem Griechischen chil = Tausend), nam- lich die Vorstellung, daB sich die Weltgeschichte in Zyklen (Aeonen) von etwa 1.000 Jahren vollzieht, die schlieBlich in ein goldenes Zeitalter und Errichtung von Gottes Reich auf Erden milnden wilrden, ist altiranischen Ursprungs und ilbte mit seinen zoroastrischen Wurzeln entscheidenden EinfluB auf Judentum, Chri- stentum und Islam aus <5 5 >. Er wurde somit zur Grundlage der umfangreichen Gattung sogenannter apokalyptischer Literatur: Im alten Iran in mehreren Schriften zoroastrisch- mazdaischen Ursprungs (Bahman Yast, Arda V iraf, Ayatkar-i Zamastp ik), im Allen Testament vor allem durch das Buch Daniel und irn Neuen Testament durch die Johannes-Apokalypse. Die meist uppig mil Allego - rien und symbolischen Zahlen ausgestatteten Schriften boten stets all jenen Kraften, die durch die Entratselung der Geheirnnisse solcher Schriftstellen Rilck- schlilsse auf die Datierung des Heilsgeschehens anstrebten, einen reichen und

anregenden Fundus. Dern Scheikhisrnus, jener neoplatonisch beeinflu13ten Theoso- phenschule irn Iran des frilhen 19. Jhs., karn hierbei eine Schlusselfunktion zu. Teils durch kryptisch verschlilsselte Angaben, teils durch Hinweise und Andeu - tungen wiesen die scheikhis auf das heranrilckende Jahr 1260 hin. So gibt Scheich Ahmad al-Ahsa' i (1162-1241/1753-1826), das geistige Oberhaupt der nach ihrn benannten Schule, in seinen Schriften Hinweise auf einen Hadith, eine Ober- lieferung, die auf den 6. Imam Gafar as-Sadiq (gest. 765) zurilckgeht. Danach wilrde der Qa'irn seine Sache irn Jahre 60 offenbaren und seinen Ruf erhe- ben <5 6 ) • Offene und verschlusselte Hinweise auf das Jahr 60, das Jahr 9 (sanat at-tis'), also 1269 = 1852-53 (das prophetische Erlebnis von Baha'u'llah irn siah-cal) sowie das Jahr 80 (1280/1863, die Erklarung Baha'u'llahs irn Garten von Ridwan) ziehen sich wie ein roter Faden durch die Schriften der zwei bedeu- tenden Scheichy-Fuhrer. Sie tauchen aber auch auf in etlichen anderen Berich- ten von sufi-Orden, bei den Ni'rnatu'llah is, die Ahl-i Haqq, die Nur-bahs i und die Dahabi-Orden, nur urn einige zu nennen. Viele Personen werden in den Kad- scharen-Chroniken genannt, die durchs Land zogen, urn den urunittelbar bevor- stehenden Advent zu predigen bzw. auf das Jahr 1260 hinzuweisen - wie z.B. Qasim-i Saban, ein Hirte aus Dihhariqan bei Tabr i z, T i mur, ein kurdischer Dich- ter aus Banyaran, Mulla Sadiq aus Urdubad am Aras-Fluf3, Muhammad Qasirn Beg, ein Derwisch vom Stamme der B i ravand, aber auch Suf i -i Islam, ein sunnitischer Derwisch, der bei den turkmenischen Stammen Khorasans gro13en Einflu13 hat - te <s 7 ) .

Aus dern f ernen Indien wanderten Mystiker wie Sayyid Bas i r-i Hindi nach Persien und predigten die Wiederkunft. Ein alter Mann aus Tabriz zog durch die Stadt und versah Haus- und Moscheeturen mit dem Kilrzel z 1260 f ilr Zuhur = Offenbarung, Theophanie < 5 8 ) . Hofchronisten wie Muhammad Hasirn Asaf Rustam u'l-Hukama' inkorporierten Mahdi-Erwartungen fur das Jahr 1260 in ihren Werken <5 9 ) und selbst der Kadscharenherrscher Muhammad Schah (1834- 1848) verwendete ein messianisches Chronogramm, um sein Inthronisationsdatum f estzulegen <6 0 ) •

Einen verbluffenden Hinweis auf die Jahreszahl 1260 enthalt irn ubrigen die Jo- hannes-Apokalypse (11:2-3), das im wesentlichen mit den Zeichen der Wieder- kunft Christi befa13te letzte Buch des Neuen Testamentes: "Und die heilige Stadt werden sie zertreten zweiundvierzig Monate. Und ich will meinen zwei Zeugen ge- ben, da13 sie sollen weissagen zwolfhundertsechzig Tage, angetan mit Trauerklei - dern. Allein an dieser Stelle der Bibel sind zweimal direkte Bezilge zur Jahreszahl 1260 enthalten: 42 Monate = 1260 Tage, wobei ein Tag religionsgeschichtlich stets als ein Jahr zahlt ( G 1. ) •

Das aul3ergewohnlich fieberhafte Klima messianischer Naherwartung im ausge- henden 18./beginnenden 19. Jh. beschrankte sich nicht auf den Iran. Aus gleicher Zeit datiert eine Reihe relevanter Bewegungen in China mit ausgepragt messia - nistischer Orientierung. So proklarnierten Ende des 18. Jh. die Anhanger der Weil3en-Lotus-Bewegung die unmittelbar bevorstehende Wiederkunft des Maitrea Buddha, der die Menschheit in ein neues Milleniurn fuhren und den Weltfrieden begrunden wilrde <6 2 ) • Um den mit Anbruch des neuen Milleniums einhergehenden apokalyptischen Katastrophen zu entgehen, begannen die Anhanger dieser hete- rodoxen Sekte ab 1780, ein weitverzweigtes, auch politisch umsetzbares Kommu- nikationsnetz zu errichten. Dabei gerieten sie mit den staatlichen Organen, die sie zu verfolgen begannen, in Konflikt und probten schlief31ich in den Jahren 1796-1805 den Aufstand. Die Zerschlagung der Bewegung 1805 war nur von kur- zer Dauer. Sie lebte erneut auf in der Acht-Trigram-Rebellion von 1813, deren Fuhrer Lin Ch'ing (1770-1813) sich filr die Reinkarnation des Maitreya Buddha proklamierte <6 3 ) . Auch die Niederwerfung dieser Bewegung war nicht endgultig. Elemente der buddhistisch gepragten Naherwartungshaltung lebten erneut im Boxer-Aufstand 1889 auf. Auch hier scheinen die millenaristischen Erwartungen auf altiranischen Vorstellungen, vor allem manichaischer Art, zu basieren <64 ).

Von gleich nachhaltiger Bedeutung war die Taiping-Bewegung in China (1851-1864). Der Begrunder der T'ai-p'ing t'ien-kuo, des Himmlischen Reiches des Grof3en Friedens, der zum Christentum konvertierte Hung Hsiu-Ch'uan (1813-64) hatte 1837 nach einer schweren Krankheit Visionen, wonach er in den Himmel aufgestiegen und dort von Gott mit der Vertreibung der Damonen - f ortan symbolisch fur die Manchu- Herrscher verwendet - beauftragt wurde <6 5 ) • Er proklamierte sich als kleinerer Bruder Jesu Christi und vermochte innerhalb kurzer Zeit eine Massenbasis von Anhangern - "die Gott -verehrende Gesell- schaft" - vor allem unter der Hakka-Minderheit von Kwangsi zu rekrutieren. Die Massenauswanderung ins Yangtze-Ta! war gleichzeitig die Etablierung des Got - tesreiches auf Erden. Die Einnahme von Nanking 1853 und ihre Umbenennung in "die Himmlische Hauptstadt" gab den Taipings einen Stutzpunkt, von dem aus sie ihr 1851 proklamiertes Hirnmliches Reich rasch ausdehnen konnten. Bereits zu diesem Zeitpunkt verfugten die Taipings uber 2.000.000 aktive und militante, als Bruderschaft organisierte Anhanger <6 6 ) .

Die Taipings proklamierten das Kommen einer neuen Ordnung, fuhrten einen neuen Kalender ein, verboten Wein, Opium und Tabak und strebten "im Auftrage Jehovahs" die Schaffung eines Himmlischen Reiches an, das sehr deutlich univer- salistische Zuge aufweist: "Die Welt wird zu einer einzigen Familie" <6 7 ) .

Obwohl die Taipings bei ihrem Vorstol3 nach Peking 1855 aufgehalten werden konnten und die Aufstandischen mit zunehmendem Widerstand der orthodoxen und Manchu-ergebenen Gesellschaftsschichten konfrontiert wurden, konnten sie ihre Herrschaft weiterhin konsolidieren und sogar ausdehnen. Aber erst, als die Taipings von den Englandern, die mal3geblichen Anteil am Opium-Handel hatten und diese als Bedrohung ihrer Interessen ansahen, sowie von den christlichen Missionaren als Vertreter e iner ketzerischen Lehre bezeichnet wurden und damit zwangslaufig ein Paktieren zwischen britischer Kolonialmacht und Manchu-Herr- schaft entstanden war, konnten die Taipings endgultig zerschlagen werden. Eine Schlusselrolle bei der Unterdruckung des Aufstandes 1863-64 spielte der briti - sche General Charles Gordon, der ironischerweise zwei Dekaden spater, am 26. Januar 1885, beim Versuch, eine andere messianistische Bewegung, den Mahdi Aufstand im Sudan, zu unterdrucken, in Khartum urns Leben kam.

Die umfangreich erschlossenen Dokumente der Taipings bieten tiefen Einblick in die messianischen Vorstellungen Hung Hsiu-Ch'uans und seiner von ihm ernann- ten Konige und Generale. So war nicht nur Hung, "der kleinere Bruder Christi", seit 1837 wiederholt in den Himmel gestiegen, wo er seine Anordnungen direkt von Gott, Jehovah, erhalten hatte, sondern ebenso Gott, aber auch Jesus per- sonlich waren in der nachfolgenden Zeit auf die Erde herabgestiegen und hatten fur die Errichtung des Himmlischen Reiches personlich Sorge getragen c 6 8 ) •

Auch andere Taiping-Konige operierten in dieser Zeit mit ahnlich gottlichen An- spruchen. Yang Hsiu-ch'ing, der Konig des Ostens beispielsweise, beanspruchte, die Verkorperung des Heiligen Geistes zu sein und somit selbst uber den "Zweiten Sohn Gottes" - also Hung Hsiu-Ch'uan - erhaben zu sein.

Nicht nur die Zusammenfuhrung konfuzianischer Glaubensinhalte mit christlichen Elementen < 6 9 ) verdient besondere Beachtung, gleiches gilt ebenso fur die deut - lichen buddhistischen und taoistischen Elemente der Glaubensvorstellungen der Taiping c 6 9 ) . Beachtenswert ist aber auch die zeitliche Ubereinstimmung mit dem Babi-Beispiel aus Persien. So hatte Hung nicht nur seine Himmelfahrtsvision 1837 gehabt, die wahre Bedeutung des Erlebnisses wurde ihm erst 1843 offenbart <7 0 ). 1844, im gleichen Jahr wie der Bab, sandte er schliel3lich seine Junger aus, um seine Sendung zu proklamieren c 7 -i ) • Dal3 letztenendes aber eine pseudo-christ - liche Bewegung mit Attributen wie Jehovah, Heiliger Geist, zweiter Sohn Gottes und Bruder Jesu Christi sich zu einer derart breiten Massenbewegung entfalten konnte, ist ein deutlicher Hinweis auf die tiefe Verwurzelung messianischen Volksglaubens selbst in einem so weit von abrahamitischen Traditionen entfernt liegenden Gesellschaftssystems wie jenes des konfuzianistischen China. Aber auch

die Kombination zweier agierender messianischer Gestalten - Jesus Christus und sein "kleinerer Bruder" Hung, also ein Doppelmessias - gebuhrt nicht minder Beachtung, vor allem im Vergleich zum Babi/Baha' f Beispiel.

Vor allem aber im Westen entfaltete sich zur gleichen Zeit ein starker Messianis- mus. William Miller begrundete 1832 die Konfessionsgemeinschaft der Evangeli - schen Adventisten, aus der bald die Sieben-Tage-Adventisten in den USA her- vorgingen, und errechnete den 22. Oktober 1844 als Datum fur die Parusie. Die Auslegung der Heiligen Schrift, vor allem Daniel 8:14 : "Bis zweitausenddreihun - dert Abende und Morgen vergangen sind, dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden", hatte ihn zu seiner der Proklamation des Bab vom 23. Mai 1844 erst- aunlich nahestehenden Berechnung gefuhrt <7 2 ) • Nach der Enttauschung von 1844 blieben alle weiteren Berechnungen, vor allem die der adventistischen Vi - sionarin Ellen White, auf die Zeitspanne 1844-1863 fixiert <7 3 ) - letzteres iden - tisch mit der Erklarung Baha'u'llahs vom 21. April 1863 in Bagdad.

Auch die 1830 von Joseph Smith gegrundete Mormonenkirche lie& sich mit ihrem starken Messianismus (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) hierzu zahlen. Smiths Visionen von der Grundung des zukilnftigen Zions durch "Gottes auserwahlte Volk" sind grundlegende Voraussetzung der ausgedehnten Sied- lungstatigkeit seiner Anhanger, zuletzt in Salt Lake City. Smith wurde am 27. Juni 1844 durch einen Angriff des Mob getotet <7 4 ) •

Allein im angelsachsischen Bereich entstand im ausgehenden 18. Jh. eine Flut von rnillenarischen Schriften, die pragenden Einflu13 selbst auf staatspolitische Entscheidungen gehabt haben durfte. Mayir Vrete, der sich in einer vorzuglichen Studie <7 5 ) mit diesen Schriften befa13t hat, verweist irn ubrigen auf die Schlus- selfunktion der Jahreszahl 1260 in den Berechnungen einer ganzen Anzahl sol- cher millenaristischer Schriften, die,. basierend zB. auf Dan. 12:7 : "Eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit", die Jahreszahl 1260 abgeleitet hatten <76 ). Andere Schriften wiederum verweisen auf das Jahr 1864 <7 7 ) .

Diese verbluffende Ubereinstimrnung bei den Jahreszahlen 1260, 1843/4 und 1863/4 taucht ebenfalls in einer Reihe anderer Schriften angelsachsischer und amerikanischer Herkunft auf, die von Ernest R. Sandeen untersucht wurden <78 ) . Erstaunlich ist, da13 die Zahl 1260 von allen Autoren jeweils anders interpretiert, stets in die Nahe von 1843-44 gebracht, von keinem aber als die f rappierende Obereinstimrnung rnit der Higra-Zahlung und ihrer Korrespondenz zu 1843/4 wahrgenommen und erkannt wird <7 9 ) • 1260 taucht sogar in den Titeln millenari - stischer Arbeiten dieser Zeit auf. So schrieb 1826 Samuel R. Maitland sein Werk

Enquiry into the Grounds on which the Prophetic Period of Daniel and St. John Has Been Supposed to Consist of 1260 Years. Man bemGhte sich und ver- suchte, die Zahl 1260 zu entschlGsseln, berechnete haufig auch andere Oaten als Losung, so zB. die Jahreszahl 1798 f Gr 1260 <8 0 ) •

In manchen dieser Schriften, basierend beispielsweise auf Mal. 4:5-6 Uber das gleichzeitige Kommen Elias', wird explizit die Erwartung eines Gottesgesandten als Wegbereiter fi.ir den zweiten Advent Christi hervorgehoben <8 "l ) • Samuel Lee, einer der in Vretes Aufsatz behandelten Autoren millenaristischer Schriften, hatte sogar einen direkten Bezug zur sGdkaspischen Provinz Mazandaran - Ge- burtsort von Baha'u'llah war dort die Ortschaft Nur (Licht) - hergestellt, wo nach seiner Auff assung die zehn Stamme Israels exiliert worden waren, um seine millenaristischen Vorstellungen zu entwickeln <82 ). Palastina spielt in allen die- sen Schriften eine zentrale Rolle, ebenso die Rlickkehr der Juden als eins der endzeitlichen Zeichen. Bei Henry Kett wird Palastina sogar als Sitz eines univer- sellen Reiches, "the seat of a universal empire", visualisiert <8 3 >.

Auch der deutschsprachige Raum erfuhr im 18. Jh. ein rapides Anschwellen mes- sianischer Erwartungshaltung und befand sich damit im europaischen Trend. Etwa ein Viertel aller Buchveroff entlichungen des damaligen Europas entfiel auf soge- nannte Werke der Erbauungsliteratur < 8 4 ) • Nicht nur dGstere apokalyptische Bil - der bestimmen diese Schriften, auch hoff nungsvolle werden beschrieben, die auf die in unmittelbarer Zukunft bevorstehende grundlegende und von Gott herbei- gefGhrte Wende eingehen, die die tausendjahrige Herrschaft Christi begrlinden wlirde <8 5 ) . Von zentraler Bedeutung im deutschsprachigen Raum ist dabei der auf Philipp Jakob Spener (1635-1704), vor allem aber auf Johann Albrecht Bengel (1687-1752) zurGckgehende Pietismus. In seinen heilsgeschichtlich-eschatologi- schen Arbeiten, seinen etwa 2900 Briefen an die Adresse seiner Gelehrtenkolle- gen und vor allem in dem von ihm seit 1742 herausgegebenen "Gnomon (= Fin- gerzeig) Novi Testamenti", hatte sich Bengel mit der Deutung und Interpretation der apokalyptischen Schriften befaf3t und ebenfalls versucht, die verschlGsselten Zeichen des Weltendes zu entratseln <8 6 ) • Der Bibelforscher, er war Herausgeber einer griechischen Ausgabe des Neuen Testamentes mit Gbersetzten und von ihm kommentierten Abschnitten c 8 7 ), hatte schlief3lich den 18. Juni 1836 als Anbruch des tausendjahrigen Reiches errechnet <8 8 ) . Nach anderen Darstellungen wiede- rum erwarteten seine Anhanger die Wiederkunft Christi im Jahre 1837 <8 9 >• Das grof3tenteils durch Bengels Schriften herbeigefGhrte Klima einer Naherwartung war im Gbrigen eine der wichtigsten Voraussetzungen flir die Massenauswande- rung wGrttembergischer Bauern 1817 in den Kaukasus. Grundlage dieser Migration war nicht zuletzt der Wunsch, die Wiederkunft Christi im Orient moglichst nahe

beiwohnen zu konnen <9 0 ) .

Aus dem deutschen Pietismus ging schliel3lich die Bewegung der wurttembergi- schen Templer um Christoph Hoffmann (1815-1885) und Georg David Hardegg (1812-1879) hervor. Mit dem Ziel der Vorbereitung einer Auswanderung nach Pa- lastina grundeten sie 1854 die "Gesellschaft fur die Sammlung des Volkes Gottes in Jerusalem" und suchten in Bittschriften an den Bundestag vergeblich um In- tervention zugunsten ihrer Einwandungerungsbestrebungen beim turkischen Sul - tan nach. Mit der Bezeichnung 'Tempel' identifizierten diese nicht etwa ein Bau - werk, sondern die Grundung des eigentlichen Volkes Gottes, das zur Wohnung bzw. Tempel Gottes werden sollte <9 -i ) •

Auch ein mit dem Begrunder des Roten Kreuzes, Henri Dunant, der zu einem Wie- deraufbau des Orients und Palastinas aufgerufen hatte, abgeschlossener Vertrag (1867) erzielte nicht das gewunschte Ergebnis <9 2 ). Nach einer ersten Erkun- dungsreise 1858 wanderte schliel3lich eine erste Gruppe von Templer nach Pala - stina aus und erreichte Haifa in den Abendstunden des 30. Oktobers 1868 <9 3 ) , knapp zwei Monate nach der Ankunft Baha'u'llahs in der Zitadelle von Akka. Da- mit nahm die Geschichte der Templer-Siedlungen in Palastina ihren Anfang. Die von ihnen gegrGndete siedlung am Ful3e des Berges Karmel, dort, wo sie die Pa - rusie erwarteten, wurde zur wichtigsten der verschiedenen Templer-Siedlungen (Jaffa, Wilhelma/Bney-Atarot und Sarona).

Hier, auf dem Karmel, dem Weinberg Gottes, dem von Jesaja prophezeit worden war, dal3 er "die Herrlichkeit des Herrn" erblicken wird (Jes. 35:2) und auf dem sich Baha'u'llah wahrend seiner Verbannungszeit mehrmals aufgehalten hatten, ist heute das Baha'i Weltzentrum entstanden mit dem Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, dem von den Baha' is der ganzen Welt alle 5 Jahre neu gewahl - ten, obersten administrativen Organ ihres Glaubens. Herzstuck und Mittelpunkt des Komplexes mit seinen beruhmten Gartenanlagen ist das sich Ober der Bucht von Haifa erhebende Mausoleum des Bab, des Herolds und unmittelbaren Wegbe- reiters jenes Mannes, der den Anspruch erhoben hatte, jener Verheil3ene zu sein, auf dessen Kommen alle vorangegangenen Sendungen hingewiesen hatten. Sein Grab in Bahg i am anderen Ende der Bucht von Haifa und seine letzten, in Kerker und Exil verbrachten Lebensjahre dort (1868-1892) haben das Heilige Land auch fur die Baha'i zum Mittelpunkt ihres Glaubens gemacht.

Der Anspruch Baha'u'llahs ist kein geringer. Es ist weit mehr als der millena- rische Anspruch, "Grunder des langerwarteten tausendjahrigen Reiches", Grunder eines neuen "Universalen Zyklus" und "einer neuen Weltordnung" zu sein <9 4 ) .

"Fur Israel war Er nicht mehr noch weniger als die Verkorperung des 'ewigen Vaters', des 'Herrn der Heerscharen', herniedergekommen mit 'zehntausend Heili- gen' fur das Christentum Christus, wiedergekommen 'in der Herrlichkeit des Va- ters', fur den schiitischen Islam die Wiederkehr des Imam Husayn, fur den sunni - tischen Islam das Herniederkommen des 'Geistes Gottes' (Jesu Christi), fur die Zoroastrier der verhei.Bene Shah Bahram <95 '>, fur die Hindus die Verkorperung Krishnas, fur die Buddhisten der funfte Buddha" <96 ).

Dieser dern rnodernen Leser vielleicht fremd und fern anrnutende allumfassende Anspruch Baha'u'llahs, die Verkorperung jener messianischen Gestalt zu sein, die unter verschiedenen Bezeichnungen Grundbestandteil der Eschatologie aller Reli - gionen zu sein scheint, kann und sol! hier nicht naher behandelt werden. Bemer- kenswert bleibt, dal3 dieser Anspruch dennoch von Angehorigen unterschiedlich- ster Religionen - darunter viele animistische und Natur-Religionen auf den Pa - zifischen Inseln, von Indianern Nord- und Sud-Amerikas und den Stamrnen und Volkern Afrikas - angenommen wird, die in Baha'u'llah den in ihren Schriften und Glaubensvorstellungen definierten Verheil3enen erblicken.

In Iran und der anliegenden Region des Nahen und Mittleren Ostens wurde Baha'u'llah noch zu Lebzeiten nicht nur von Muslimen, sondern in zunehmendem Mal3e auch von Juden, Christen und Zoroastriern als ihr Verheil3ener anerkannt. Das weltweit und unabhangig vom jeweiligen kulturellen und religiosen Hinter- grund f eststellbare Klima einer messianischen Naherwartung mag dabei eine ent - scheidende Rolle gespielt haben. Bei den Juden ist, wie eingangs bereits darge - stellt, eine solche Naherwartung hinreichend dokumentiert. Anderen Quellen zu - folge hatten Juden aus Kerbela auf die Proklamation des Bab als "das, worauf wir im Monat Rabi 'I des Jahres 1261 gewartet hatten" hingewiesen <9 7 ) . Muhammad Mustafa al-Baghdad i, einer der ersten Anhanger des Bab, spater Baha"u'llahs im Irak, berichtet bereits von Babi-Versammlungen in seinem Hause, zu denen judi- sche Rabbiner und christliche Bischofe und Patriarchen eingeladen wurden und wo z.T. polemische Dialoge uber den Anspruch des Bab stattfanden <98 ) . Auch an- dere westliche Reisende und Missionare berichten von einer starken messiani - schen Naherwartung unter den Ju den Persiens <9 9 ) • Einer von ihnen, H.A. Stern, berichtet 1854 von einem Gesprach mit einern judischen Arzt aus Kaschan, der ihrn versichert hatte, dal3 Juden sehr bald Jesus und sein Evangelium genauso lieben wurden wie sie es fruher abgelehnt hatten <-i 00 ). Beachtenswert hierbei ist die Tatsache, dal3 Juden, die jahrhundertelang weder Christus noch Muhammad als Offenbarer Gottes anerkannt hatten, rnit der .Anerkennung Baha'u'llahs gleichzeitig die fruheren Offenbarungen rnit einschliel3en. Dies trifft e benso auf Zoroastrier und Angehorige anderer Religionen zu.

Hak i m Mas i h, der jildische Arzt Muhammad Schahs (1834-1848), der in Bagdad Ta - hira begegnet war, dilrfte der erste judische Konvertierte gewesen sein <1. 0 1. ) . Nachdem er spater zwei gefangene Saha' f in siha-cal behandelt hatte, war er selbst Saha' i geworden <1. 0 2 ). Tahirahs Lehrtatigkeit in Hamadan hatte bereits unter den dortigen Juden zu einer Anzahl Ubertritte gefuhrt <"I 0 3 ) • Ahnlich wie in Darstellungen von Personen muslimischer Herkunft berichten zahlreiche judi - sche Konvertiten von Visionen und Traumen, die sie auf mystische Art und Weise zu Baha'u'llah gefuhrt hatten<"Io 4 ) . Unter ihnen befand sich auch Mirza 'Azi- zu'llah Gaddab, der spater eine instrumentale Rolle bei den Kontakten sowohl zu Baron Rothschild als auch zu Tolstoi ubernehmen sollte <"I 0 5 ) •

Ubertritte persischer Juden setzten verstarkt um 1877 ein. Bis 1884 traten bei- spielsweise nach Habib Levy, dem Geschichtsschreiber des iranischen Judentums, allein in Hamadan 150 der 800 dortigen judischen Haushalte zum Bah a' i Glauben uber <i. 0 6 ) • Nach George Curzon konvertierten 75 % der in Gulpaygan ansassigen Juden <-i 0 7 ) und in Kaschan war bereits die Halfle der dortigen Baha' i judischen Ursprungs.

Die Tatsache, daf3 der neue Glaube von den westlichen Missionaren in Persien sehr bald als Konkurrenz wahrgenommen wurde, macht auf die Tragweite der Konversionswellen dieser Zeit aufmerksam. Deutlich wird das beispielsweise an der Glaubensbekenntnisformel, die von den Missionaren bei der Erwachsenen Taufe eingefuhrt warden war. Bestandteil der Formal war, "daf3 der Glaube an Muhammad, den Bab und Baha'u'llah als Wiederkehr Christi" Irrlehren darstellten. Der Getaufte muf3te schlief3Iich bekennen: "Indem ich Jesus als meinen Herrn und Erloser akzeptiere, bekenne ich, daf3 Muhammad, der Bab und Baha'u'llah falsche Propheten und f alsche Wegweiser sind, die die Menschen von der Wahrheit ab- bringen" <-i 0 8 ) . Bereits der Bab, der haufig in der Bibel lesend gesehen wur- de <-i 0 9 ) , war wegen seiner ausgesprochen f reundlichen Gesinnung den Christen gegenuber aufgefallen. So hatte er in Qayyum al-Asma', einer seiner zentralen Schriften, sich nicht nur an die Volker "des Ostens und des Westens" gewandt, sondern ausdrucklich darin auch die Christen mit e ingeschlossen <1. 1. 0 ) . Er sprach nicht nur mit Bewunderung uber die Entfaltung der Wissenschaften unter "dem Volk Christi" - ummati-i ' Isa, wie er die Europaer zu nennen pflegte - sondern bezeichnete die Christen liebevoll als "Buchstaben des Evangeliums" und sah sie als Bewohner des Paradieses" < -i 1. -i ) • Besonders deutlich wird diese Anlehnung an christliche Motive in der bereits erorterten historischen Rede des Bab an seine Junger 1844, mit der er sie in die entlegenen Landesteile entsandte und wo er Bezug nimmt auf die Entsendung der Junger durch Jesus <1. 1. 2 ) . So nimmt es nicht Wunder, daf3 die Gegner des Bab, um ihn in Mif3kredit zu bringen, ihln vor-

warfen, "an das Christentum zu glauben und die Trinitatslehre zu predi - gen"< 1 -i 3 ) • Umso deutlicher tritt die Hinwendung zum Christentum in den Schriften Baha'u'llahs zutage. Allein ein Vergleich der Anmerkungen in den edierten Schriften Baha'u'llahs machen deutlich, in welchem MaI3e er immer wie- der Bezug nimmt auf biblische Stellen <1 -i 4 ) •

Obwohl es immer wieder Hinweise auf christliche Konversionen in Persien gegeben hat - so berichtet beispielsweise 1910 der f ranzosische Konsul in Tabriz, A.L.M. Nicolas, da.B ein Bah a' i Lehrer der amerikanischen Missionsschule in Urumiyya alle Schiller zum Baha'ismus konvertiert hatte und dadurch mit den Missionaren in Konflikt geraten war, so da.B diese sogar seine Ausweisung aus der Stadt for- derten <-i -i 5 ) - so scheint die neue Religion andererseits bei den Christen Per- siens wesentlich weniger Anklang gefunden zu haben als bei Muslimen, Juden oder Zoroastriern <-i -i 6 ) •

Der erste zum Baha'i Glauben konvertierte christliche Araber durfe ein syrischer Arzt mit Namen Faris gewesen sein, der wahrend seiner Haft in Alexandrien ilber den Historiographen Nabil-i Zarandi von der neuen Religion erfahren hatte. Und dies merkwurdigerweise zum gleichen Zeitpunkt, als das Schiff, das Baha'u'llah in seine Verbannung nach Akka bringen sollte, in Alexandrien vor Anker ging ( "l "l 7 ) .

Besondere Verbreitung unter Christen vollzog sich erst in den Vereinigten Staa- ten nach 1894. Bereits 1900 hatte sich eine Gemeinschaft von etwa 3000 ameri- kanischen Baha'i, vor allem in Chicago, New York, Kenosha und Wisconsin, gebil- det <1 -i a ) . In die USA wurde der neue Glaube durch einen konvertierten sy- risch-libanesischen Christen, Ibrahim Kheiralla < -i 1 9 ), getragen und spater <lurch die Amerika-Reise von 'Abdu'l-Baha (1844-1921), dem altesten Sohn Baha'u'llahs, der von diesem zu seinem Nachfolger und authorisierten Interpre- ten seiner Schriften ernannt worden war, konsolidiert < i. 2 0 ) •

Von besonderer Sedeutung war dagegen die Verbreitung des Saha' i Glaubens un- ter den Zoroastriern Persiens und Indiens, einer seit Jahrhunderten in nahezu kastenformiger Abgeschiedenheit lebenden Geme inschaft. Auch hier bedeutete die Konversion, da.B die Zoroastrier nicht nur Saha 'u'llah, sondern auch alle anderen bisher abgelehnten Gottesoff enbarer akzeptieren sollten.

Bereits wahrend der Amtszeit des Bab durften vereinzelt Zoroastrier zum Sabi Glauben ubergetreten sein. Ein Zoroastrier, Suhrab Pur-Kawus, der zufallig Au- genzeuge der brutalen Folterung eines Sabis in Kaschan wurde und von <lessen

Standhaftigkeit beeindruckt worden war, durfte zu den ersten konvertierten Zo- roastriern gehort haben. Auch bei dem ersten zum Baha'i Glauben ubergetrete- nen Zoroastrier, Kay-Khusrow Khudadad, handelte es sich um einen Kaufmann aus Kaschan, der durch die Folterung eines Glaubigen zuerst neugierig geworden und sich dann Uber die Hintergrunde zu informieren begonnen hatte c i. 2 i. ' . Khudadad war ein angesehener Angehoriger der zoroastrischen Gemeinschaft und Mitglied des "Zoroastrischen Rats" Persiens. Der erste Rat, Panchayat-i Yazd, war 1854 auf Initiative von Manikg i Sahib (gest. 1890) gegrundet worden, einem Abgesandten indischer Zoroastrier nach Persien, der die desolate Lage der dort - igen Glaubensbruder beheben sollte und durch seine Kontakte zum Hof Wesentli - ches zur Verbesserung der Lage persischer Zoroastrier geleistet hatte <i. 22 ). Manikg f war von Baha'u'llah in Bagdad empfangen worden und den Baha'i seither wohlgesonnen. Von den 19 Mitgliedern dieses von Manikg i gegrundeten Rates konvertierten 6 spater zum Baha'i Glauben cl. 23 ).

Ubertritte galten selbst bei Zoroastriern als verpont. Gerade das Bestreben, die eigene "Rassenreinheit" zu bewahren, hatte viele Zoroastrier gegen die Kon- versionen zum Baha' i-Glauben aufgebracht c i. 2 4 ). Verfolgung von Konvertiten, haufig mit Duldung der islamischen Geistlichkeit, war weitverbreitet. Meister Khudabakhsh, ein mit der Baha'i Sache sympathisierender Zoroastrier, obwohl selbst nicht konvertiert, wurde durch andere Glaubensbruder getotet <i. 2 5 ) • Trotz aller Verfolgungen verbreitete sich der Baha'i Glaube rapide unter den Zo- roastriern. Auch diese Entwicklung wurde von den westlichen Missionaren mit Argwohn beobachtet. Die Church Missionary Review berichtete beispielsweise im Marz 1917 von der groBen Zahl Konvertierter aus dem Islam und Zoroastrismus zum Baha'i Glaube und bezeichnete dies als ein "groBes Hindernis fur die Ver- breitung des Christentums" < i. 26 ). Dennoch traten Zoroastrier weiter in grof3er Zahl zum Baha' i Glauben uber. Laut Dastur Dhalla, dem prominenten zoroastri - schen Theologen, konvertierten gerade in der Amtszeit Baha'u'llahs 4000 Zoroa- strier in Persien und weitere 1000 in Indien, unter ihnen ein Grof3teil der zoroa - strischen Kaufmannschaft von Yazd, beachtliche Teile der Gemeinschaften von Kaschan und Tehran sowie samtliche Zoroastrier Qazvins <i. 27 ). Aus nahezu jeder zoroastrischen Familie konvertierten Mitglieder zum Bah a' i -Glauben <1. 2 8 ) •

Hier, in der monotheistischen Religion des Zoroastrismus, durfte die eschatologi- sche Erwartung einer endzeitlichen Heilsgestalt ihren Ursprung gefunden und von da aus Judentum, Christentum und Islam befruchtet haben. Der Advent des Saos- hyant bzw. Schah Bahr am, wie die persischen Zoroastrier diese messianische Ge- stalt nennen, bildet den zentralen Ansatz in der zoroastrischen Eschatologie und hat eine Wiederbelebung im 19. Jh. erfahren. Baha'u'llahs Anspruch, der Verhei-

Bene aller Religionen zu sein, Christus redevivus fur die Christen, der Messiah fur die Juden und Schah Bahram fur die Zoroastrier durfte die Anziehungskraft I

des neuen Glaubens bei den Nicht-Muslimen in Persien gestarkt und das Gefuhl der Zusammengehorigkeit unter den Konvertierten entscheidend gefordert haben . . Das Land, das Geburtsort der !dee vom Messianismus und damit der vielleicht al - testen monotheistischen Religion gewesen ist, war erneut zur Wiege einer Reli - gion geworden.

Die Dynamik der Konversion vor allem persischer Juden und Zoroastrier zum neuen Glauben laBt sich nicht auf die zunehmende Verschlechterung ihrer sozia- len Lage im 19 Jh. reduzieren. Mit ihrem Bekenntnis zu Baha 'u'llah als den Got - tesgesandten eines neuen Zeitalters gingen ihnen auch jene Rechte endgultig verloren, die sie als Angehorige anerkannter Buchreligionen ehedem genossen hatten. Wie ihre neuen Glaubensbruder wurden sie erst recht dadurch zu Opfern jener Pogrome, die gegen die Babis und Baha'i s im 19. Jh. wilteten und sie haufig zum Gegenstand ritualisierter Hinrichtungen machten.

Zusammenfassend laf3t sich konstatieren, daf3, obwohl der politische Messianismus ein immer wiederkehrender Geschichtsfaktor ist, sich nur in sehr seltenen Fallen durch ein merkwGrdiges zusammentreffen heilsgeschichtlich relevanter Elemente eine solche Konstellation herausbildet, die letztendlich als Geburtsstunde einer neuen Religion in die Geschichte eingeht. Die Gleichzeitigkeit des Aufkommens einer ganzen Reihe messianischer Stromungen in religios und kulturell vollig unterschiedlichen Gebieten der Welt Anfang des 19. Jahrhunderts und deren ver- bluffende Konzentration auf die nahezu gleichen Jahreszahlen 1260, 1843/4 und 1863/4, aus ebenso unterschiedlichsten Hintergrunden heraus, !assen sich vom Historiker registrieren, als Zufall dennoch schwerlich deklarieren.

Anmerkungen

(1) Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten. Aus dem Arabischen Gbertragen und bearbeitet von Gernot Rotter, Stuttgart u. Wien 1986, s. 28, 34ff.

(2) Joseph Wolff: Researches and Missionary Labours among the Jews, Mohammedans and other Sects, London 1835, S. 39.

(3) Justin Perkins: A Residence of Eight Years in Persia among the Nestorian Christians with Notices of the Muhammadans, Andover 1843, S. 299.

(4) zu Toleranz im Islams. Peter Antes: Ethik und Politik im Islam, Stuttgart 1982; Marcel A. Boisard: Der Humanismus des Islam, Kaltbrunn 1982; Kamran Ekbal: Toleranz. Ein Grundprinzip im Islam, in: Gewissen und Freiheit 36 (1991), s. 67-73; andere Beitrage ebenfalls zum Thema Toleranz, in: ebenda.

(5) Perkins, a.a.O., S. 276; Wolff, a.a.O., S. 40; Berichte uber die messianische Erwartung unter den Juden geben ebenfalls H.A. Stern: Dawning of the Light in the East, London 1854, s. 254-60, u. H. Southgate: Narrative of a Tour through Armenia, Kurdistan, Persia and Mesopotamia, 2 vols., New York 1840, s. 102-3.

(6) Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., 1957-65 (RGG 3 ), s.v. Messia- nismus, S. 895.

(7) Gerschom Scholem: Sabbatai Zwi. Der mystische Messias, Frankfurt a.M. 1992. zu messianistischen Bewegungen des Judentums s. J. Kastein: The Messiah of Izmir. Sabbitai Zevi, New York 1931; R.J. Zwi Werblowsky: Messianism in Jewish History, in: Jewish Society through the Ages, ed. by H.H. Ben-Sasson & Samuel Ettinger, New York 1971, s. 30-45; Encyclopaedia of Religion, New York, London 1987, s.v. Messianism, s. 472-7.

(8) Lexikon der Islamischen Welt, hg. v. Klaus Kreiser, Werner Diem, Hans Georg Majer, 3 Bde, Stuttgart 1974, s.v. Parsen, S. 34; vgl. auch Encyclopaedia of Islam, 2nd ed., (EI 2 ), s .v . Madjus, s. 1111.

(9) Friedemann Bedurftig: La.Bl ruhn den Barbarossa, in: Suddeutsche Zeitung (SZ) am Wochenende, Nr. 142 v . 23./24.6.1990; Georgina Masson: Das Staunen der Welt. Friedrich II von Hohenstaufen, Bergisch-Gladbach 1976, S. 364-

367; Eberhard Horst: Friedrich II. Der Staufer. Kaiser, Feldherr, Dichter, Munchen, oD., s. 343f; Odilo Engels: Die Staufer, Stuttgart 1984, s. 160- 165, 178.

(10) Pierre Barret und Jean-Noel Gurgand: Der Konig der Letzten Tage. Die grauenvolle und exemplarische Geschichte der Wiedertaufer zu Munster 1534-1535, Hamburg 1982.

(11) Selma Stern: Anarcharsis Cloots. Der Redner der Menschenrechte. Ein Bei- trag zur Geschichte der Deutschen in der Franzosischen Revolution, repr. Vaduz 1965; Emanuel Sarkisyanz: Ruf3land und der Messianismus des Orients. SendungsbewuBtsein und politischer Chiliasmus des Ostens, Tubingen 1955.

(12) s. hierzu Micha Brumlik: Die Gnostiker. Der Traum von der Selbsterlosung des Menschen, Frankfurt a.M. 1992.

(13) Helmuth von Glasenapp: Die nichtchristlichen Religionen, Frankfurt a.M. 1957 (Fischer Lexikon), S. 39.

(14) EI 2 , s .v. Mahdi. Jan-Olaf Blichfeldt: Early Mahdism. Politics and religion in the formative period of Islam, Leiden 1985; S.H. Nasr and H. Dabashi and S.V R . Nasr (eds.): Expectation of the Millenium. Shi' ism in History, Albany 1988; A.A. Sachedina: Islamic Messianism. The idea of Mahdi in Twelver Shi'ism, Albany 1981.

(15) P.M. Holt: The Mahdist State in the Sudan 1881-1898. A Study of its origins, development and overthrow, Oxford 1979.

(16) sz 30./31.10. u. 1.11., 12.11. u. 25.11.1993.

(17) ibid, 29.10., 30.10., 3.11.1992.

(18) ibid, 2.3., 3.3., 21.4.1993.

(19) Auf weitere Beispiele verweist zB. Abbas Amanat: Resurrection and Re- newal. The making of the Sabi Movement in Iran 1844-1850, Ithaca & London 1989, s. 96.

(20) Hierzu s . Hamid Algar: Religion and State in Iran, 1785-1906. The role of

the Ulama in the Qajar period, Berkeley 1969; Mango! Bayat: Mysticism and Dissent. Socioreligious thought in Qajar Iran, New York 1982.

(21) Arnanat, a.a.a., S. 48ff. Uber die Scheichi-Schule s. ferner Denis MacEoin: From Shaykhism to Babism. A study in charismatic renewal in Shi'i Islam (Diss.), Cambridge 1979 und Vahid Rafati: The Development of Shaykhi Thought in Shi'i Islam, (Diss.) University of California, Los Angeles 1979.

(22) Edward G. Browne (ed.): The New History (Tarikh-i-Jad id) of Mirza 'Ali Muhammed, The Bab (NH). Cambridge 1893, repr. Amsterdam 1975, s. 34ff. Text der Ermahnungen Rast is an seine Schuler in: Nabil Zarandi: The Dawn-Breakers. Nabil's Narrative of the Early Days of the Baha'i Reve- lation, London 1953 (DB), s. 31f; dt.: Nabils Bericht. Aus den fruhen Tagen der Baha' i-affenbarung, Bd. 1, (Langenhain) 1975, s. 73f.

(23) NH 34ff; DB 47ff. Beispiele gibt Amanat, a.a.a., s. 157, 168, 175f.

(24) VgL Nabils Bericht, a.a.a., s. 128, Anm. 96; Arnanat, a.a.a., 260ff.

(25) Marie von Najmajer: Gurret-ul-Eyn. Ein Bild aus Persiens Neuzeit in sechs Gesangen, Wien 1874, repr. 1981, s. XXXIV.

(26) Nabils Bericht, a.a.a., s. 126, Text der Ansprache des Bab, ibid, s. 125- 128.

(27) ibid, 127.

(28) Selections from the Writings of The Bab, Haifa 1978, z.B. s. 6ff, 9f, etc.

(29) Nabils Bericht, s. 128.

(30) VgL Encyclopaedia of Religion, a.a.a., s .v. Messianism, S. 473.

(31) Shorter Encyclopaedia of Islam, ed. by H.A.R. Gibb and J.H. Krahmers, Leiden, London 1961, s .v. Ilyas, S. 164f.

(32) ibid, s.v. Isa, s. 173.

(33) Eine Darstellung der Babi-Geschichte aus Baha'i -Sicht gibt Shoghi Effendi: Gott geht voruber, Hofheim-Langenhain 1974.

(34) Peter Smith: The Sabi and Saha' i Religions. From Messianic Shi'ism to a World Religion, Cambridge 1987, S. 19.

(35) Amanat, a.a.o., s. 392; vgl. auch Moojan Momen: The Bab i and Saha' i Reli- gions 1844-1944. Some Contemporary Western Accounts, Oxford 1981, s. 91.

(36) Zu der Tagung von Badast s. Amanat, a.a.a., s. 324ff.

(37) Text in: Momen, a.a.a., S. 69. Die Kompilation von Momen bringt eine Viel- falt solcher westlicher Berichte Gber die Babi-Verfolgungen zusammen.

(38) Najmajer, a.a.a., s. IX.

(39) Les Religions et les Philosophies dans l 'Asie Centrale 1865.

(40) Momen, a.a.o., s. 55. Fiir einen allgemeinen Oberblick der fruheren Ar- beiten von Orientalisten, ders.: s. 3-65. zu Tolstoys Verhaltnis zur Baha'i -Religion s. Luigi Stendardo: Leo Tolstoy and the Baha' i Faith, Oxford 1985.

(41) H.M. Balyuzi: Baha'u'llah. The King of Glory, Oxford 1991 2 , s. 9f.

(42) Ruznama-i waqa 'i' -i ittif aqiyya Nr. 82, 10. Du'l-qa'da 1268 = 26.8.1852; vgl. hierzu auch: Baha 'u'llah's Prison Sentence. The official account, translated by Kazem Kazemzadeh and Firuz Kazemzadeh, in: World Order Magazine 13/2 (1978-9), p. 11-14.

(43) Baha 'u ' llah: Brief an den Sohn des Wolfes, Frankfurt a.M. 1966, s. 35.

(44) Die Verkundigung Baha'u'llahs an die Konige und Herrscher der Welt, (Hofheim) 1967, s. 69; andere vergleichbare Stellen in: Brief an den Sohn des Wolfes, a.a.O., S. 26, 34, 48, 121.

(45) Die Verkundigung Baha'u'llahs, a.a.a.

(46) ibid, s. 51.

(47) Baha'u'llah: Botschaften aus 'Akka, offenbart nach dem Kitab-i Aqdas, Hofheim-Langenhain 1982, 11:13.

(48) Baha'u'llah: Ahrenlese. Eine Auswahl aus den Schriften Baha'u'llahs, Hofheim-Langenhain 1980, 132:3.

(49) Botschaften aus 'Akka, a.a.a., 11:13.

(50) s. zB. Shoghi Effendi: Gott geht voruber, a.a.a., s. XXL Die Prinzipien des Baha'i -Glaubens sind in der Einleitung von George Townshend zu ibid, s. XIX nachzulesen, ebenso in einschlagigen Nachschlagewerken, zB. EI 2 , s.v. Saha' fs, s. 917 oder in Encyclopaedia of Religion, a.a.o., s.v. Baha' is.

(51) Ahrenlese, a.a.O., 43:6.

(52) Lexikon fur Theologie und Kirche, Freiburg 1957, s.v. Saha' !-Religion, s. 1191.

(53) Encyclopaedia Britannica, Book of the Year 1991, s. 299.

(54) Gedenkfeier zum hunderdsten Jahrestag des Hinscheidens Baha'u'llahs in der Paulskirche zu Frankfurt am Main am 26. Mai 1992. Eine Dokumenta- tion. Hofheim-Langenhain 1992, s. 16.

(55) s. zB. RGG 3 , s.v. Aion, Apokalyptik, Eschatologie, Weltperioden.

(56) Zit. in: 'Abdu'l-Ham id Ishraq-Khavar i : Muhadirat, 2 Bde in 1, Neudruck Hofheim-Langenhain 1987, S. 745f; s. auch DB, a.a.O., S. 36f; vgl. auch S. 13. Eine Zusammenstellung der diesbezuglichen Prophezeiungen der Scheichis gibt Kamran Ekbal: Irtibat-i 'aqa'id-i babiyya ba 'aqa'id- i saihiyya, in: Khooshi-ha 3 (1991) Persian Letters and Arts Society, Landegg Academy, Switzerland, s. 17-42.

(57) Amanat, a.a.O., s. 84-89.

(58) ibid, s. 95ff.

(59) ibid, S. 89ff. Hierzu s. auch Ulrich Marzolph: Falsche Propheten. Zu einem Buch des Qagarenprinzen E'tezad as-Saltane (gest. 1880). (Unveroffent- lichter Text des Habilitationsvortrags).

(60) Kamran Ekbal: Das messianische Chronogramm Muhammad Schahs aus dem

Jahre 1250/1834. Vortrag bei der 2nd European Conference of Iranian studies in Bamberg 30.9.-4.10.1991, erscheint 1994 in Abhandlungen van ditto.

(61) 4 Mose 14:34, Hesekiel 4:6, Q 32:5. Darauf, dal3 diese Vorstellung ebenfalls im Zoroastrismus ihren Ursprung hat, verweist Henry Corbin: Spiritual Body and Celestial Earth. From Mazdean Iran to Shi'ite Iran, London 1990, s. 24.

(62) The Cambridge History of China, vol. 10, ed. by John K. Fairbank, Cam- bridge 1978, s. 136ff; Cambridge Encyclopaedia of China, Cambridge 1982, s. 233.

(63) Cambridge Encyclopaedia of China, a.a.a., s. 234.

(64) Cambridge History of China, a.a.a., s. 139.

(65) ibid, S. 264ff; Cambridge Encyclopaedia of China, s. 237ff.

(66) Cambridge History of China, s. 275.

(67) ibid, s. 276f; s. hierzu auch Franz Michael: The Taiping Rebellion. History and Documents, 3 vols., Seattle and London 1971, hier vol. 2, s. 34, 36, 37.

(68) Michael, a.a.a., s. 87-90, 95-100, 143.

(69) Cambridge History of China, a.a.a., s. 269, 280.

(70) Michael, a.a.a., s. 52, 63f. Selbstzeugnisse Hungs geben ausfuhrliche Infor- mation uber sein Himmelfahrtserlebnis, ibid, S. 52-63.

(71) ibid, s. 66.

(72) Encyclopaedia of Religion, s.v. Seventh-Day Adventism, S. 179ff; s. hierzu auch Ernest R. Sandeen: The Roots of Fundamentalism. British and American Millenarism 1800-1930. Chicago and London 1970, S. 48-54; allgemein hierzu s. Klaus M. Kodalle (Hrsg.): Gott und Politik in USA. Uber den Einflu.B des Religiosen. Eine Bestandsaufnahme, Frankfurt a.M., 1988.

(73) Encyclopaedia of Religion, a.a.a., s. 180.

(74) Encyclopaedia of Religion, s.v. Joseph Smith, s. 365.

(75) Mayir Vrete: The Restoration of the Jews in English Protestant Thought 1790-1840, in: Middle Eastern Studies 8 (1972), s. 3-50.

(76) ibid, s. 6, 7, 29, 44. Eine Zeit = 1 Jahr = 12 Monate. 3 1/2 Zeiten = 42 Monate x 30 Tage = 1260 Tage = 1260 Jahre.

(77) ibid, s. 8, 44.

(78) Sandeen: Roots of Fundamentalism, a.a.a.

(79) ibid, S. 6, 8, 22, 35, 45, 48, 51, 52, 54 etc.

(80) ibid, s. 37. Erklarungen zu diesen verschlusselten Zahlen des Allen Testa- ments gibt 'Abdu'l-Baha: Beantwortete Fragen, Frankfurt a.M. 1977 3 , s. 48- 69.

(81) Vrete: Restoration of the Jews, a.a.a., s. 24.

(82) ibid, s. 32.

(83) ibid, s. 40.

(84) Martin Greschat: arthodoxie und Pietismus. Einleitung, in: Ders. (Hg.): arthodoxie und Pietismus, Stuttgart 1982, S. 7-36, hier S. 7.

(85) ibid, s. 8.

(86) Martin Brecht: Johann Albrecht Bengel, in: Martin Greschat (Hg.): artho- doxie und Pietismus, a.a.a., s. 317- 330.

(87) ibid, s. 322.

(88) ibid, s. 326.

(89) Alex Carmel: Die Siedlungen der wurttembergischen Templer in Palastina 1868-1918, Stuttgart 1973, S. 7.

(90) ibid.

(91) ibid, S. 13.

(92) ibid, s. 19.

(93) ibid, s. 24.

(94) Shoghi Effendi: Gott geht voruber, a.a.O., S. 104.

(95) Die volkstumliche Bezeichnung von Saoshyant, der messianischen Gestalt des Zoroastrismus, der als FriedensfGrst einen neuen Aeon einleiten wird. Zur Definition von Saoshyant s. Hermann Lommel: Die Religion Zarathustras. Nach der Awesta dargestellt, Hildesheim 1971, s. 226f, vgl. ferner s. 206f und 214ff; H.S. Nyberg: Die Religionen des alten Iran, Osnabruck 1966, s. 230f, s. auch s. 23-31, 151, 242-6.

(96) Shoghi Effendi, a.a.O., s. 104f.

(97) al-Qat i 1 ibn al-Karbala' i, zit. b. Denis MacEoin: Early Shaykhi Reactions to the Bab and His Claims, in: Studies in Bab i and Baha' i History, ed. by Moojan Momen, vol. 1, Los Angeles 1982, S. 1-47, hier s. 22.

(98) Muhammad Mustafa al-Baghdadi: Risala, zusammen mit Ahmad Suhrab: ar-Risala at-tis'a-'asariyya, Kairo 1338/1919, s. 123-126; persische Obersetzung Abu'l-Qasim Afnan: cahar risala-i tar i hi dar bara-i Qurrat al-' Ayn, Persian Arts and Letters, Landegg Academy Switzerland, Wienacht 1991, S. 18-44, hier S. 40-42.

(99) H. Southgate: Narrative of a Tour, a.a.O., s. 102f; HA. Stern: Dawning of Light, a.a.O., S. 254-60.

(100) Zit. in Amanat, a.a.O., S. 96.

(101) shaykh Kazim Samandar: Sarh-i hal-i hadrat- i Tahira, in: Abu'l-Qasim Afnan: Cahar risala, a.a.a., s. 45-64, hier s. 49; vgl. auch Adib Taherza- deh: The Revelation of Baha'u'llah, vol. 3, oxford 1988, s. 265f.

(102) Taherzadeh: Revelation, a.a.a., s. 267.

(103) H.M. Balyuzi: The Bab. The Herald of the Day of Days, Oxford 1973, s. 165.

(104) Vgl. zB. Taherzadeh: Revelation, a.a.a., vol. 3, S. 168ff und vol. 4, s. 12f.

(105) Taherzadeh, a .a.a., vol. 3, s. 168-173, vol. 4, s. 12f.

(106) Habib Levy: Tar ih-i yahud-i Iran,vol. 3, Tehran 1960, s. 657.

(107) George Curzon: Persia and the Persian Question, voL 1+2, repr. London 1966, hier vol. 1, s. 500; vgl. auch Susan Stiles Maneck: The Conversion of Religious Minorities to the Bah a' i Faith in Iran. Some preliminary ob- servations, in: The Journal of Baha'i Studies 3/3 (1990-1), s. 35-48; Walter Fischel: Jews in Persia, in: Jewish Social Studies 12 (1950), s . 156ff.

(108) JR. Richards: The Religion of the Baha' is. New York 1932, s. 235f; s. eben- f alls Stiles Maneck: Conversion, a.a.a., S. 37.

(109) Amanat, a.a.a., s. 142.

(110) ibid, s. 204.

(111) ibid, s. 120, 142, 204.

(112) Text in: The Dawn- Breakers, a .a.a., s. 63-65.

(113) Zit. n. Amanat, a.a.a., s. 198.

(114) Vgl. zB. die Anmerkungen zu "Brief an den Sohn des Wolfes" und zu "Botschaften aus 'Akka".

(115) Moojan Momen: Early Relations between Christian Missionaries and the Bab i and Baha'i Communities, in: Ders. (Hg.): studies in Bab i and Baha'i History, vol. 1, a .a.O., S. 49-82, hier S. 72.

(116) Stiles Maneck erortert diese Frage ausfuhrlich in ihrem Artikel: Conver- sion, a.a.O., s. 35ff.

(117) s . dazu die ausfuhrliche Schilderung bei Taherzadeh: Revelation, vol. 3, a.a.a., s. 5-11.

(118) Peter Smith: The American Baha' f Community, 1894-1917. A preliminary survey, in: M. Momen (ed.): Studies in Bab i and Bah a' i History, vol. 1,

a.a.O., S. 85-223, hier S. 90.

(119) Zu Kheiralla s. Smith: American Baha'i Community, a.a.a., s. 85ff; Richard Hollinger: Ibrahim George Kheiralla and the Baha i Faith in America, in: From Iran East and West. Studies in Bab i and Bah a i History, ed. by Juan Cole and Moojan Momen, vol. 2, Los Angeles 1984, s. 95-133.

(120) Uber die Amerika-Reise Abdu'l-Bahas s . Mirza Mahmud Zarqan i: Kitab-i badayi' u'I-athar, Bd. 1+2, repr. Langenhain 1982.

(121) Taherzadeh: Revelation, a.a.O., vol. 3, S. 269.

(122) Encyclopaedia Iranica, ed. by Ehsan Yarshater, New York, fortlaufend, s.v. Anjoman-e Zartostian.

(123) Taherzadeh: Revelation, a.a.O., Vol. 3, s. 372.

(124) EI 2 , s.v. Madjus, S. 1116.

(125) Taherzadeh, a .a .O., S. 373.

(126) Zit. in Momen: Early Relations, a.a.a., S. 69.

(127) stiles Maneck, a.a.O., S. 36; s. auch Susan Stiles: Early Zoroastrian Conversions to the Baha' i faith in Yazd, Iran, in: from Iran East and West, a.a.O., s . 67-93.

(128) EI 2 , s.v. Madjus, s. 1116. DieAutoren

Johann Christoph Biirgel, geb. 1931, emeritierter Professor filr Islamwissenschaft der Universitlit Bern wid ehemaliger Direktor des dortigen Seminars filr Islamwissenschaft. Zahlreiche Pub- likationen, z.B. Allmacht und Miichtigkeit im Islam, Gedichtanthologien und Obertragungen, z.B . von Werken Nizarnis, Rumis und des Hafis.

Juan R . I. Cole is Professor of Middle Eastern and South Asian History and the University of Michigan and past Director of its Middle Eastern and North African Studies. He is author of Roots ofNorth Indian Shi'ism in Iran and Iraq (California, 1989), Colonialism and Revo- lution in the Middle East (Princeton, 1993), and Modernity and Millenium:The Genesis of the Baha'i Faith in the Nineteenth Century Middle East (Colwnbia University Press, 1998). e-mail: jrcole@umich.edu web sites: http://www-personal.umich.edu/-jrcole/index.htm; http://h-net2.msu.edu/-bahai/

Kamran Ekbal, ist Leiter der Arbeitsgruppe Geschichte Vorder- und Mittelasiens an der Fakultiit Geschichte, Ruhr Universitat Bochum. Gastprofessor filr auBereuropaische Geschichte der Universitat GH Essen, Forschungsschwerpunkt: Geschichte Irans im 19. Jahrhundert unter besonderer Berilcksichtigung der britischen Kolonialpolitik und der Russisch-Persischen Kriege; weitere Forschungsbereiche: Nahostkonflikt, Golfkriege, sowie religions- geschichtliche Askpekte des Islam und der Bahr- und Baha'i-Religion. Dr. Kamran Ekbal, Ruhr-Universitiit Bochum, Fakultlit f. Geschichtswissenschaft 447 80 Bochwn

Dr Todd Lawson was the first Research Director for the Association for Baha'i Studies (North America) and taught Islamic Studies at the University of Toronto from 1988-1994. He is now a member of the faculty at the Institute of Islamic Studies, McGill University where he teaches courses in Islamic Thought. e-mail: Todd Lawson <cytd@musica.mcgill.ca>

Dr Moojan Momen has written books and academic papers on Shi'i Islam and the Bahr and Baha'i Faiths since the early 1980s. He is currently completing a more general work on the study of religion.

Isabel Stiimpel, Studium der Orientalistik und Religionswissenschaft in Mainz und Freiburg; 1989- 1994 Assistentin am Departement lnterfacultaire D 'Histoire des Religion, Universite de Lausanne/Schweiz. Seit 1996 Hochschulassistentin am Orientalischen Seminar der Uni- versitat Frankfurt; Forschungsschwerpunkt: Modeme Persische Literatur; diverse literarische Ubersetzungen und Veroffentlichungen, u. a. Das Christentum aus der Sicht Zeitgenossischer iranischer Autoren..Berlin 1996. e-mail: stuempel@em.uni-frankfurt.de

Isabel Schayani, Studium der Islamwissenschaft, Neueren Geschichte und des Volkerrechts in Bonn, daher auch Mitglied der Baha'i-Hochschulgruppe, seit 1996 Femsehredakteurin des ARD- Morgenmagazins in beim WDR in Koln.e-mail:uzs7cf@ibm.rhrz.uni-bonn.de

Annemarie Schimmel. Dr. phil. Dr. sc. rel. Drs. h.c. mult. Annemarie Schimmel. Professor fiir Islamkunde sowie Religionsgeschichte an den Universitaten Marburg, Ankara, Bonn und Harvard. Zahlreiche deutsche und intemationale Auszeichnungen, ca. 100 selbstllndige Veroffentlichungen.